4 Tage Schneeschuh-Hochtour Jungfrau – Aletsch mit Äbeni Flue 3962 m als Höhepunkt

Spontan und auf Anregung Felix‘ (bekannter hikr-Power-User) entschieden wir, an einer von der Alpinschule Adelboden durchgeführten 4-Tages-Hochtour im UNESCO Weltnaturerbe teilzunehmen – auf Schneeschuhen – ziemlich exotisch! Nach dem Neuschnee der letzten Tage durften wir vier Hammertage in der hochalpinen Gletscherwelt erleben: bestes Winterwanderwetter, exzellente Schneeverhältnisse, aber auch tiefe Temperaturen – und eine Gruppe von sechs Gleichgesinnten (Doris, Bonnie, Thomas, Felix, Ruedi und Bergführer Mike Zurbrügg). Treffpunkt Kafibar Jungfraujoch (auch Top of Europe genannt). Beim Startkafi Begrüssung und Briefing durch den Bergführer Mike, dann der eindrückliche Rundgang im Eispalast, abschliessend der Gang zum Stollenausgang, wo sich schon viele Touris tummelten – verständlich bei diesem tollen Wetter. Was für eine grossartige Gletscher- und Hochgebirgswelt hier oben! Doch viel zu beschreiben lassen wir diesmal sein – die Bilder vermitteln das Erlebte besser. Dennoch und in Kürze das Programm:

Erster Tag (Donnerstag, 20.04.2017)
Der 8 km lange Abstieg über den Jungfraufirn zum 850 m tiefer liegenden Konkordiaplatz war reines Einlaufen – gut so auf dieser Höhe! Die Sphinx im Rücken, zur linken Mönch und Trugberg, zur rechten die Jungfrau, Rottalhorn, Louwihorn und Kranzberg. Grosses Alpenkino! Den riesigen Konkordiaplatz (900 m dick ist das Eis!) querten wir am östlichen Rand. Nach einem kurzen Aufstieg Materialdepot an einer geschützten Stelle. Dann der Einstieg auf die heute einzige Herausforderung – 467 Stufen hat die senkrecht am Fels angelegte Eisentreppe, über welche die ca. 150 m über uns liegende Konkordiahütte zu erreichen ist. Etwas ausser Atem, aber glücklich erreichten wir das erste Tagesziel. Die grosse Hütte machte einen sehr gut geführten Eindruck, und die Verpflegung war ausgezeichnet. Sarah und Christoph mit Familie und Team gebührt ein herzliches Dankeschön für die Gastfreundschaft – und Sarah wünschen wir von Herzen Heilung von der schweren Krankheit. Einem letzten Blick von der Hüttenterrasse in die sternenklare Nacht und zum morgigen Tagesziel hinüber folgte eine ruhige und störungsfreie Nacht.

Zweiter Tag (Freitag, 21.04.2017)
Nicht zu frühe Tagwach, leckeres Frühstück um 7 Uhr, und voll motiviert die Eisentreppe hinunter. Die ersten paar hundert Meter auf dem Konkordiaplatz verliefen im Schatten. Mit Erreichen der Sonne ein erster Freudenjuz (die fröhliche Bonnie sang…), und rasch war dieser einmalige eisgepanzerte Platz überquert. Fast schon mit Leichtigkeit bewältigten wir die leichte Steigung und dann die erste Stufe auf dem Grossen Aletschfirn. Die Lötschenlücke und die über ihr stehende Hollandiahütte fast permanent im Visier, wanderten wir gemütlich und in ziemlich direkter Linie hoch. Erst kurz unterhalb der Hütte steilte das Gelände stärker auf. Um 13 Uhr wurden wir herzlich begrüsst von der Hüttenwartin Regula (im Sommer auch Wiwannihütte). Uns wurden die zuoberst in der Hütte liegenden Schlafstellen zugewiesen. Nach dem Bezug war Flüssigkeitszufuhr und Verpflegung angesagt. Am Abend dann in gemütlicher Tischrunde Diskussionen, Apéro und anschliessend das leckere Viergangmenü. Was die Hüttencrew hier oben leistet, verdient grosse Anerkennung – man bedenke: die Hütte hat keine Wasserversorgung, das Kochwasser muss aus dem allerdings reichlich vorhandenen Schnee geschmolzen werden. In der wiederum ruhigen (und sehr warmen) Nacht waren die zunehmend starken Windböen gut zu hören. Was erwartete uns am Folgetag, dem Höhepunkt des Trekkings?

Dritter Tag (Samstag, 22.04.2017)
Frühstücksbuffet um sechs, dann nichts wie los an die (sehr) frische Luft. Wir starteten unverzüglich, direkt hinter der noch nicht besonnten Hütte steil hoch. Kurz vor sieben Uhr im Aufstieg der Blick in die ersten Sonnenstrahlen – tolle Stimmung! Ab einer Höhe von ca. 3400 m querten wir auf dem Äbeni Flue-Firn, links über uns der Anuchubel, später das Anujoch und schliesslich das Mittagshorn. Geradeaus das Respekt einflössende Tagesziel, die fast 4000 m hohe und mächtige Äbeni Flue. Ab einer Höhe von ca. 3500 m querten wir den Gletscher oberhalb der Brüche relativ flach und deshalb ohne grossen Aufwand. Nach einer Trinkpause dann der „Angriff“ auf den Gipfel. Der nun steil werdende Aufstieg verlief in einer SO-ausgerichteten Mulde, welche nur teilweise besonnt war. Die starken Böen machten uns zwar keine Sorgen, unangenehm waren sie dennoch. Auf den letzten 300 Hm bis zum Gipfel war die Steilheit um 30°. Den Gipfelgrat erreichten wir nahe P. 3946, um dann fast schon erholsam zum Hauptgipfel aufzusteigen. Was für eine Aussicht: tief unter uns das Lauterbrunnental, dann das nahe und berühmte Dreigestirn Jungfrau, Mönch, Eiger. Das 360-Grad-Panorama war überwältigend. Wässrige Augen (nicht nur vom Wind), Gipfelfreude und auch Stolz machten sich bemerkbar. Und: für den doch ziemlich fordernden Aufstieg benötigten wir deutlich weniger als vier Stunden. BF Mike freute dies offensichtlich (er hatte mit bedeutend mehr gerechnet…). Der starke Wind liess keine lange Gipfelrast zu, also rascher Abstieg, vorerst auf der Aufstiegsspur. Auf dem Firn hielten wir etwas südlicher, Mike wollte uns die Spalten und Seracs „vorführen“, was ihm sehr eindrücklich gelang (siehe Bilder). Für den Abstieg benötigten wir ca. zweieinhalb Stunden. Um 13 Uhr erreichten wir die Hollandiahütte, gerade richtig zum Mittagessen – für Appetit war ja gesorgt! Gemütlicher Nachmittag, kurze Siesta, und schon waren Apéro und Nachtessen angesagt. Müde und mit grosser Freude und Genugtuung erfüllt, genossen wir wiederum eine relativ ruhige Nacht.

Vierter Tag (Sonntag, 23.04.2017)
Heute war gemütliches Auslaufen angesagt (immerhin 1500 Abstiegsmeter); nicht zu früh raus, denn die Lötschenlücke und der oberste Teil des Langgletschers lagen noch im Schatten. Um halb acht verabschiedeten wir uns fast schon etwas wehmütig von Regula, Tochter Felicitas und der sehr netten Hüttencrew. Der windgepresste obere Teil des Gletschers war angenehm zu begehen. Das bereits besonnte Lötschental trieb uns förmlich an. Vorbei am rechts in den Langgletscher fliessenden Anungletscher und seinen markanten Brüchen und dem folgenden Jegichnubel, links Sattelhorn, Distlighorn, Schinhorn. Die markant auf 2358 m stehende Anenhütte hatte die Fahne gehisst. Wir  liessen uns nicht verführen und blieben immer in der Mitte des Gletschers, um dann das bei ca. 2100 m liegende Gletschertor zu erreichen. Mike führte uns um- und vorsichtig hinein in diese Eis-Kathedrale – sehr eindrücklich (Bilder!). Einige Minuten weiter dann eine ausgiebige Pause an einem besonders sonnigen Platz. Mike liess uns los von seiner langen Schnur – interessant zu beobachten, wie alle sofort ausschwärmten… Entlang der Lonza (immer noch auf ausreichender Schneeunterlage) erreichten wir fast schon im Spaziergang P.1977 (wo der Sommerweg zur Anenhütte abzweigt). Etwas weiter unten, dort wo der Reichbach vom Dischliggletscher herunterkommt, hatten wir eine von einer mächtigen Lawine „abgeholzte“ und verwüstete Strecke zu durchqueren. Wie wir später in Blatten hörten, muss dieses gewaltige Naturereignis im März und nach den damals starken Regenfällen stattgefunden haben; Menschen seien nicht zu Schaden gekommen. Wenige Meter oberhalb Gletscherstafel konnten wir uns der Schneeschuhe entledigen – und der Spurt zum bereitstehenden Shuttlebus lohnte sich wirklich. Sowas nennt man ÖV-Anschluss mit CH-Präzision. Für zehn Stutz pro Person liessen wir uns nach Blatten hinunter kutschieren, wo wir im Rahmen einer gemütlichen Einkehr im Hotel/Restaurant Breithorn den Abschluss einer ausserordentlichen Hochtour „feierten“. Anschliessend Postauto nach Goppenstein und von dort mit dem Lötschberger nach Spiez.

Fazit:
Das waren ganz einfach vier geniale Hochtourentage mit euch (Doris, Bonnie, Thomas, Felix, Ruedi und Bergführer Mike Zurbrügg). Ihr alle verdient unseren herzlichen Dank für die prägenden Erlebnisse und die wunderbare Kameradschaft.

Hilfsmittel:
Schneeschuhe, Stöcke, Hochtouren-Ausrüstung (LVS, Schaufel, Sonde, Pickel, Klettergurt mit Schraubkarabiner und Prusikschlinge, Seil)

Kamera:
Sony DSC-HV90V

Parameter 1. Tag:
Tour-Datum: Donnerstag, 20.04.2017
Anforderungen: WT4 Schneeschuhtour, Klettersteig L, Hochtour WS
Strecke: 8.4 km: Jungfraujoch (Sphinxstollen) 3464 m – Jungfraufirn – Konkordiaplatz 2700 m – Treppe/Klettersteig (467 Stufen) – Konkordiahütte 2850 m
Aufstieg: 183 m
Abstieg: 792 m
Zeit inkl. Pausen: 4 Std. 30 Min.
Zeit ohne Pausen: 3 Std. 30 Min.
Tageszeit: 13:15 bis 17:45 Uhr
Verhältnisse: -15° C +/-, Wind NO, Böen bis ca. 40 km, sehr sonnig, wolkenlos, Neuschnee Pulver, leicht überfroren, keine Schneeschuhspuren, Einsinktiefe ca. 20-30 cm, Gletscher vollständig und geschlossen eingeschneit (Spalten nicht sichtbar), Lawinenwarnstufe 3 (Triebschnee)
Bemerkungen: Angenehmer Abstieg, wenig steil, die Treppe zur Hütte war die Schlüsselstelle des Tages(!)

Parameter 2. Tag:
Tour-Datum: Freitag, 21.04.2017
Anforderungen: WT4 Schneeschuhtour, Hochtour WS
Strecke: 9.5 km: Konkordiahütte SAC – Treppe/Klettersteig (467 Stufen) – Konkordiaplatz – Grosser Aletschfirn – Hollandiahütte 3240 m
Aufstieg: 650 m
Abstieg: 217 m
Zeit inkl. Pausen: 5 Std. 30 Min.
Zeit ohne Pausen: 4 Std.
Tageszeit: 07:30 bis 13:00 Uhr
Verhältnisse: -10° C +/-, Wind NO, sehr sonnig, wolkenlos, Pulverschnee, leicht überfroren, keine Schneeschuhspuren, Einsinktiefe ca. 20 cm, Gletscher vollständig und geschlossen eingeschneit (Spalten nicht sichtbar), Lawinenwarnstufe 3 (Triebschnee)
Bemerkungen: Ab Materialdepot unterhalb der Treppe flache Querung Konkordiaplatz, Aufstieg Grosser Aletschfirn bis Hollandiahütte sehr angenehm und wenig fordernd

Parameter 3. Tag:
Tour-Datum: Samstag, 22.04.2017
Anforderungen: WT5 Alpine Schneeschuhtour, Hochtour WS
Strecke: 10.8 km: Hollandiahütte SAC – Äbeni Flue-Firn – Äbeni Flue 3962 m – Abstieg ungefähr wie Aufstieg
Aufstieg: 783 m
Abstieg: 763 m
Zeit inkl. Pausen: 6 Std. 40 Min.
Zeit ohne Pausen: 5 Std.
Tageszeit: 06:25 bis 13:10 Uhr
Verhältnisse: -17° C +/-, Wind NO, Böen bis ca. 70 km/h, sehr sonnig, wolkenlos, Pulverschnee, keine Schneeschuhspuren, Einsinktiefe ca. 20 bis 30 cm, Gletscher vollständig und geschlossen eingeschneit (Spalten nicht sichtbar), Spaltengegend gut zu erkennen und zu umgehen, Lawinenwarnstufe 3 (Triebschnee)
Bemerkungen: Fordernde Gipfeltour, sehr starke Böen während der gesamten Tour, im Gipfelbereich gefühlt bis ca. -30° C (Windchill), Gipfelaufstieg ca. 350 Hm steil (stellenweise >30°)

Parameter 4. Tag:
Tour-Datum: Sonntag, 23.04.2017
Anforderungen: WT4 Alpine Schneeschuhtour, Hochtour WS
Strecke: 10.8 km: Hollandiahütte – Lötschenlücke 3164 m – Grossi Tola – Langgletscher – Gletschertor (ca. 2100 m) – P.1977 – P.1937 – Grund – Grundsee P.1837 – Gletscherstafel P.1771 – Fafleralp (Parkplatz) 1766 m
Aufstieg: 31 m
Abstieg: 1504 m
Zeit inkl. Pausen: 4 Std. 20 Min.
Zeit ohne Pausen: 3 Std. 25 Min.
Tageszeit: 07:30 bis 11:50 Uhr
Verhältnisse: -12° C +/- (Lötschenlücke), -2° Fafleralp, Wind NO, 10 bis 20 km/h, sehr sonnig, wolkenlos, ab Lötschenlücke (Schatten) tragender Harschschnee, keine Schneeschuhspuren, Einsinktiefe ca. 10 cm, Gletscher vollständig und geschlossen eingeschneit (Spalten nicht sichtbar), Spaltengegend gut zu erkennen und zu umgehen, Lawinenwarnstufe 2, ab Gletschertor leichter Sulz
Bemerkungen: Angenehme Auslauftour, allerdings mit respektabler Länge und vielen Hm

Parameter kumuliert (4 Tage):
Strecke: 39.5 km
Aufstieg: 1647 m
Abstieg: 3276 m
Zeit inkl. Pausen: 21 Std.
Zeit ohne Pausen: 15 Std. 45 Min.

7 Gedanken zu „4 Tage Schneeschuh-Hochtour Jungfrau – Aletsch mit Äbeni Flue 3962 m als Höhepunkt“

  1. Auch im Namen von Susanne herzliche Gratulation zu dieser wahrlich beeindruckenden Tour! Irgendwann werden auc h wir so eine mehrtägige Tour absolvieren – Tips haben wir jetzt ja 🙂

    Richi

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