Archiv der Kategorie: Alpine Bergwanderung

Gantkofel (1866 m) – Aufstieg durch die Grosse Scharte, Abstieg durch die Kematscharte

Auf der Reise in die Toscana ein paar genussreiche Tage im Südtirol – diesmal mit einem Aufenthalt in Kaltern. Dem erwarteten Gourmeterlebnis wollten wir etwas Kontrast entgegensetzen, mit einer Bergwanderung. Der Gantkofel war schon länger ein Ziel; er ist der nördliche Eckpfeiler des Mendelkamms, einer 35 km langen Bergkette an der Grenze zwischen Südtirol und Trentino, die westlich und südlich von Bozen steil über der Weinstrasse Kaltern zum Etschtal abfällt.

In der Vorbereitung boten sich uns einige Varianten – alle ziemlich anforderungsreich; wir entschieden uns vor Ort für den Aufstieg durch die Grosse Scharte, und den Abstieg über die Kleine Scharte (sog. Kematscharte). Im Wissen um die leichte Gewittergefahr hofften wir auf trockene Verhältnisse in den sehr engen Schluchten. Die Tour könnte auch im Uhrzeigersinn unternommen werden – Aufstieg durch die Kematscharte und runter durch die Grosse. So oder so waren die Anforderungen im T4-Bereich.

Kurz vor dem Putschwaner See oberhalb Berg (Eppan) kündigte ein bei einer Schranke stehendes Schild an, dass das Gasthaus Buchwald geschlossen sei, also mussten wir auf der sehr engen und kurvenreichen 4 km langen Buchwaldstrasse nicht mit Gegenverkehr rechnen. Auf dem grossen Parkplatz beim Gasthaus fanden wir problemlos einen Platz.

Gleich zu Beginn führte uns ein Pfad steil über Wiesland zum Waldrand hoch (links am Funkmasten vorbei). Durch Mischwald stiegen wir weiter hoch zum 100 Hm höher liegenden Eppaner Höhenweg. Auf diesem dann wenig ansteigend nordwärts bis zum Wegweiser Nr. 536. Dier wies uns unmissverständlich in Richtung Grosse Scharte, von der wir allerdings (noch) nichts sahen. Lediglich die Felswände türmten sich senkrecht auf, und wir spekulierten schon, wo und wie wir da durchkommen sollten. Nach etwa 300 m wurde es dann ernsthaft steil. Vor uns (besser: über uns!) die ca. 1500 m lange Schlucht mit einer Höhendifferenz von fast 700 m. Der „Weg“ hatte an einigen Stellen unmenschlich hohe Tritte, je enger die Schlucht wurde, desto steiler, ab und zu etwas ausgesetzt. Die Durchblicke ins etwa 1500 m tiefer liegende Etschtal hinunter waren spektakulär. Für den Aufstieg durch die Scharte benötigten wir etwa 70 Minuten. Oben angekommen, ein fast schon lieblicher Anblick: eine moorartige Wiesenlandschaft mit schönen Frühlingsblumen. Nahe einer Quelle erreichten wir eine Höhe 1780 m.ü.M. Nach wenigen Metern hielten wir auf gut markiertem Pfad in Richtung Gantkofel-Spitze. Hier oben muss der Schnee erst vor wenigen Tagen weggeschmolzen sein. Nach wenigen Minuten dann der kurze Aufstieg zum breiten Gipfelplateau. Hier oben bot sich ein Ausblick vom Feinsten, wenn auch nur für kurze Zeit, während dem sich die Wolken an der Wand hoch pressten – Gipfelglück nennt man das! Einige Meter weiter nordwärts, bei einem grossen Gipfelkreuz, genossen wir dann unsere ausgiebige Rast. Von einem sehr netten Paar aus dem nahen Sarntal erfuhren wir, dass ihre Heimat auch sehr schöne Wandermöglichkeiten böte, die Sarner Scharte zum Beispiel (werden wir uns merken!). Von den beiden sehr freundlich darauf hingewiesen, dass man im Südtirol deutsch spreche und italienisch gar nicht gerne höre (Südtirol eben, und nicht Alto Adige). Dennoch standen wir jetzt auf dem so bezeichneten Monte Macaion – zu deutsch Gantkofel.

Im Abstieg folgten wir der Aufstiegsstrecke bis zur Quelle, wo sich die Einstiegsstelle zur Grossen Scharte befindet. An dieser vorbei die Höhe haltend über schöne, noch nicht bestossene Alpweiden in Richtung S (Weg Nr. 500). Nach etwa anderthalb km dann der gut markierte Einstieg in die Kematscharte (Weg Nr. 546). Alleine der Blick in die Schlucht verlangt schon Respekt; kommt noch die furchterregende Warnung vor Steinschlag hinzu. Und hier sollen wir durch? Wir wagten es, sehr vorsichtig, jeden Schritt abwägend. Wirklich unglaublich, diese Steilheit, diese Enge! Und dann etwa in der Mittel, am engsten Punkt der Schlucht, die Schlüsselstelle: nach einem kurzen Abstieg über eine Holztreppe, welche mit einem Drahtseil gesichert war, dann die Stelle, wo ein Klemmblock den Weiterweg versperrte. Von den zwei Möglichkeiten zur Überwindung (untendurch oder oben drüber) wählten wir die etwa 10 m lange und senkrecht montierte Eisenleiter. Die Alternative, den Block durch eine drahtseilgesicherte Höhle zu unterklettern, wäre ebenfalls gut machbar gewesen. Von unten war diese Stelle noch furchterregender. Wir befanden uns an der engsten Stelle, wo auf dem nassfeuchten und kiesigen Untergrund Trittsicherheit abverlangt wird. Im weiteren unverändert steilen Abstieg weitete sich die bedrohliche Kulisse beidseitig überhängender Felswände. Bald war eine Fortstrasse erreicht, welche wir querten, um auf etwas „friedlicherem“ Gelände den Löschsee und die schöne Pfaunbodenhütte zu erreichen. Noch immer steil führte der Weiterweg durch schönen Wald hinunter, bis der Eppaner Höhenweg wieder erreicht war. Nur noch wenige Abstiegsmeter zum Gasthaus Buchwald, doch zum Abschluss noch eine Rast am Waldrand, mit dem Panoramablick auf das Weingebiet und Bozen, der Blick zu den Dolomiten lag in dunklen Wolken.

Fazit:
Eine unglaublich spektakuläre, wilde und nicht ganz ungefährliche, und fordernde Scharten-Tour, die uns ausgezeichnet gefallen hat. Und mit der Leistung war auch die Basis gelegt für das abendliche Gourmetmenü, welches wir ohne schlechtes Gewissen genossen haben…

Wetterverhältnisse:
Freundliche, teilweise sonnige Witterung bei ca. 20°, auf dem Gantkofel aufziehende Bewölkung, aber trocken.

Hilfsmittel:
Stöcke, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 12. Mai 2018
Schwierigkeit: T4/I-II
Strecke: 9.6 km, Gasthaus Buchwald (955 m, heute geschlossen, Parkplatz) – für ca. 1.6 km entlang dem Höhenweg bis zum Wegweiser Nr. 536 – Grosse Scharte (1826 m) – Quelle (beim Ausstieg aus der Scharte) – Gantkofel (1866 m) – zurück bis zur Quelle, vorbei an der Einstiegsstelle zur Grossen Scharte – über Alpen in Richtung S (Weg Nr. 500) über eine Strecke von ca. 1.7 km leicht absteigend bis zur Einstiegsstelle Kematscharte (Weg Nr. 546) – Abstieg durch die Scharte – Forsthaus Pfaunboden (1230 m) – Gasthaus Buchwald
Aufstieg: ca. 984 m
Abstieg: ca. -975 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std. 45 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen 3 Std. 20 Min.
Tageszeit: 10:00 bis 15:45 Uhr

Kamera:
Sony DSC-HV90V

Gasteretal 1537 m – Lötschepass 2689 m – Hockenhorn 3292 m – Lauchernalp 1969 m in 2 Tagen

Unsere Tour (damals mit Michael) im Juli 2015 wollten wir unbedingt wiederholen – diesmal mit der Besteigung des Hockenhorn. Die äusseren Bedingungen waren ideal, wenn auch etwas später in der Jahreszeit. So wussten wir um den nordseitigen Aufstieg, der nur noch teilweise von der Sonne beschienen war. Lediglich der felsige Aufstieg zum Lötschepass nach der Gletscherquerung und tags darauf der Gipfelaufstieg auf das Hockenhorn (Schnee, Vereisungen!) boten zusätzliche Schwierigkeiten. Aber der Reihe nach.

Erster Tag (Gasteretal 1537 m – Lötschepass 2689 m):
Mit einer Sonderfahrt im Kleinbus fuhren wir, zusammen mit elf weiteren Wanderern um 09:50 Uhr ab Bahnhof Kandersteg ins Gasteretal bis Selden (Gasthaus Steinbock). Nur wenige wählten dasselbe Ziel. Nach Überquerung der hier noch jungen Kander über die metallene Hängebrücke begann der steile Aufstieg vorbei am Fall des Leitigbachs zur 300 m höher liegenden Gfelalp, welche nach ca. 45 Minuten erreicht war. Die Berghütte war bereits geschlossen, weshalb wir nach einer kurzen Trinkpause weiter aufstiegen, um bald einmal die ersehnte Sonne zu erreichen. Welche Wohltat, bei immerhin null Grad! Bald einmal stellten wir die veränderte, ruppiger werdende Wegführung fest, welche offensichtlich die Folge von Rutschungen war. Erst ab der auf etwa 1850 m schön gelegenen Alp wieder auf dem ursprünglichen Pfad, wurde es noch steiler, aber auch deutlich felsiger, bis Bälme (2408 m) erreicht war. Auf der Bälme erreichten wir die Gletschernase, welcher viel Schmelzwasser auslief. Nahe eines grossen Steinmanns genossen wir an schönster Aussichtslage eine längere Verpflegungspause – nördlich vor uns der Blick über das Gasteretal zum markanten Doldenhorn, weiter rechts das Blüemlisalphorn, unter diesem der Kanderfirn. Der Weiterweg führte mit Stangen markiert über den unteren Teil des Lötschegletschers. Spaltenlos, das Eis von Schutt überdeckt – trauriges Bild eines serbelnden Gletschers. Auf der Ostseite bestiegen wir die Moräne, um dann die wie erwartet im Schatten liegende Felswand zu erreichen. Dank w-r-w-Markierungen war der Einstieg gut zu erkennen. Heute schätzten wir die Fixseil-gesicherten Stellen, weil immer wieder blank vereiste hohe Tritte kaum Halt boten. Steigeisen wären nützlich gewesen – aber diese blieben im Rucksack verstaut. Kurz vor dem höchsten Punkt dann die Erlösung, der Pass und die Lötschepasshütte. Und natürlich das phänomenale Panorama zu den hohen Wallisern. Die Fernsicht erstklassig, weil die Luftfeuchtigkeit geringer war als in den letzten Tagen. Nach dem freundlichen Empfang durch Andrea und Martin füllten wir an der Sonne und im Windschatten unsere Wasser- und Salzspeicher auf. Nach dem vorzüglichen z’Nacht folgte eine erholsame und ruhige Nacht – die Hütte war zu etwa einem Viertel belegt.

Parameter 1. Tag:
Tour-Datum: 17. Oktober 2017
Schwierigkeit: T4 (Trittsicherheit Bedingung)
Strecke: 8.9 km
Aufstieg: ca. 1168 m
Abstieg: ca. 139 m
Laufzeit ohne Pausen: ca. 3 Std.
Laufzeit mit Pausen: ca. 4 Std. 40 Min.

Zweiter Tag (Lötschepass 2689 m – Hockenhorn 3292 m –
Lauchernalp 1969 m)
:
Gut erholt genossen wir das typische Hüttenfrühstück. Um 08:45 Uhr starteten wir in Richtung Hockenhorn, das von der Hütte aus nicht zu sehen war. Auf der knapp 3 km langen Aufstiegstrecke waren ca. 440 Hm zurück zu legen. Im Gegensatz zum Juli 2015 lag die Strecke heute lange nicht unter Schnee. Erst kurz vor dem markanten Kleinhockenhorn war die Schneedecke kompakt und hartgefroren. In der Lücke eine kleine Trinkpause, und die Gelegenheit die Steigeisen zu montieren. Denn in der steilen Querung über den harten Schnee bis zum Gipfelaufbau wollten wir Trittsicherheit. Für den eigentlichen Aufstieg (>30°) zum Gipfel (ca. 130 Aufstiegsmeter über eine Strecke von 400 m) erwiesen sich die Eisen als die für uns sicherere Variante – hohe und stark vereiste Tritte im Blockfels – Gelände, wie es uns gefällt. Nach einer halben Stunde war der Gipfel erreicht (ab Lötschehütte ca. 2.5 Std.). Was für ein 360°-Panorama vom Feinsten! Windstill und knapp über Null Grad, also angenehm für eine längere Gipfelpause. Endlich hatten wir die vor zwei Jahren Unvollendete geschafft! Und der Gipfel gehörte uns alleine! Einfach toll!

Für den Abstieg wählten wir in etwa die uns bekannte Strecke, diesmal mit je einem Stock im Einsatz. Wohlbehalten erreichten wir die Einstiegstelle, um dann rasch zum Kleinhockenhorn hinunter zu queren. Nach etwa 300 m entledigten wir uns der Steigeisen, und nun ging es flotter runter zur Hütte. Dort hatten wir je etwa 3 kg Gewicht deponiert, aber der Hauptgrund war natürlich Rösti mit Spiegelei – schliesslich war Mittagszeit. Gestärkt traten wir den Abstieg über den Lötschberg zur Lauchernalp an (Vorgabe 2 Std. – sehr sportlich!). Auf den ca. 6.8 km waren 750 Hm abzusteigen. Vorbei an den hübschen Bergseelein ging es über Platten und vorbei an Blocks über Sattlegi (2566 m), ein Übergang, der zwischen Schwarzi Simmla und Hockuchriz liegt. Die Unterlage wurde weniger ruppig, dafür steiler. Bei P. 2372 war der Golmbach zu überqueren – über einen neu angelegten Bergweg. Über weiterhin steile Alpweiden hinunter erreichten wir (etwas ermattet!) die Bergstation der Luftseilbahn Lauchernalp-Wiler. Auf die Minute genau bestiegen wir die im Halbstundentakt fahrende Bahn, um an der Talstation in Wiler den Direktanschluss auf den Postautokurs nach Ried zu erreichen. Direkt vor dem uns bekannten Hotel Nest- und Bietschhorn befindet sich die Haltestelle, von wo wir mit letzter Kraft zum Apéro auf die noch besonnte Terrasse «torkelten». Das anschliessende (viergängige!) Feinschmeckermenü war wiederum vom Feinsten – inzwischen sagenhafte 15-Punkte-Küche! Und im **-Sterne-Hotel sind alle Zimmer modernisiert – sehr schön! Ein wiederum schöner Abschluss im urigen Lötschental.

Parameter 2. Tag:
Tour-Datum: 18. Oktober 2017
Schwierigkeit: T4+ (Vereisung im Gipfelaufstieg, sonst T4, Trittsicherheit Bedingung)
Strecke: 15.5 km
Aufstieg: ca. 658 m
Abstieg: ca. 1367 m
Laufzeit ohne Pausen: ca. 5 Std.
Laufzeit mit Pausen: ca. 8 Std.

Fazit:
Eine von vielen Höhepunkten geprägte und sehr abwechslungsreiche «Reise» vom Gasteretal ins Lötschental war das!

Wetterverhältnisse:
Traumwetter! Sonne pur, wolkenlos, ca. 0 bis 10° (Gipfel ca. 3°), annähernd windstill.

Hilfsmittel:
Wanderschuhe, Steigeisen, Stöcke, GPS-Maschine

Parameter total:
Tour-Datum: 17./18. Oktober 2017
Strecke: 24.4 km
Aufstieg: ca. 1826 m
Abstieg: ca. 1506 m
Laufzeit ohne Pausen: ca. 8 Std.
Laufzeit mit Pausen: ca. 12 Std. 40 Min. 

Kamera:
Sony DSC-HX90V

Piz Languard 3263 m

Seit Tagen dieses traumhafte Oktoberwetter! Beste Gelegenheit, heute einer unserer Gipfelträume im Oberengadin endlich zu realisieren; und solches an einem Freitag dem Dreizehnten!. Auf dem Sessellift ab Pontresina hoch zur Alp Languard (2325 m) war die Kälte (knapp über null Grad) zu spüren, was sich mit Erreichen der Bergstation schlagartig änderte. Ohne zu zögern (diesmal ohne Startkafi) starteten wir kurz vor 10 Uhr. Auf dem w-r-w markierten Bergweg ins Val Languard hinein erreichten wir rasch den P.2733, wo der Steinbockweg von der Cna. Segantini einmündet. Mittlerweile türmte sich der Gipfel regelrecht auf, und die Cna. Georgy war gut zu sehen; dass wir heute nicht alleine waren, war auch zu erkennen… Bei P. 2927 dann die Verzweigung, wo es weiter nach SO in Richtung Fuorcla Pischa ging. Jetzt begann die eigentliche Anstrengung, der heftige Aufstieg über 1.3 km resp. 340 Hm, schneefrei, wie erwartet (weil südexponiert). Auf der Terrasse der (seit 9. Oktober) geschlossenen Cna. Georgy (3000 m.ü.M.) nutzten wir die aussergewöhnliche Panoramalage für eine Foto- und Trinkpause. Der 63 m über uns thronende Gipfel war schon beeindruckend, aber heute problemlos machbar – einsehbar, praktisch schneefrei, an exponierten Stellen gut fixseil-gesichert, für Doris schon einige sehr hohe Tritte. Der nur an wenigen Stellen etwas ausgesetzte Gipfelaufstieg verlangt nebst Trittsicherheit in Gratnähe bestimmt auch Schwindelfreiheit. Oben dann ein überwältigendes 360°-Panorama vom feinsten: natürlich der Blick zum phantastischen Festsaal der Alpen, und in 185 km Entfernung(!) waren sogar das Matterhorn, Monte Rosa, und Weisshorn auszumachen. Den Gipfelaufenthalt genossen wir ausgiebig, weil windstill – die Verpflegungspause sparten wir auf, die Georgyhütte wartete. Nach diesem tollen Gipfelgenuss der kurze Abstieg zur Hütte, wo wir an einem sonnigen Platz die mitgebrachten Leckereien verzehrten – immer angesichts von Piz Palü, Bellavista, Piz Bernina. Gestärkt machten wir uns auf den Abstieg, immer konzentriert, damit wir nicht unnötig Steinschlag auslösten. Für die Abstiegstrecke von etwa vier Kilometern und ca. tausend Abstiegsmeter bis zur Alp Languard benötigten wir knapp mehr als zwei Stunden. Eigentlich planten wir im Abstieg den kleinen Umweg über die Cna. Paradis – der erkennbare Volksauflauf dort drüben hielt uns davon ab. Auf der sehr sonnigen Terrasse des Bergrestaurants war dann wegen des Ansturms etwas Geduld gefragt – schliesslich kam das Panaché und der Eiskafi grade noch rechtzeitig. Darauf folgte die Talfahrt auf dem Sessellift – nicht mehr ganz so kühl, wie am Vormittag…

Fazit:
Ein besonders schönes Erlebnis, zu zweit einen der allerschönsten Gipfel im Oberengadin zu erreichen!

Wetterverhältnisse:
Traumwetter! Sonne pur, wolkenlos, ca. 3 bis 14° (Gipfel ca. 5°), annähernd windstill.

Hilfsmittel:
Wanderschuhe, Stöcke, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: Freitag, der 13. Oktober 2017
Schwierigkeit: T3+
Strecke: 8.3 km
Aufstieg: ca. 941 m
Abstieg: ca. 941 m
Laufzeit ohne Pausen: ca. 3 Std. 30 Min.
Laufzeit mit Pausen: ca. 5 Std. 50 Min. 

Kamera:
Sony DSC-HX90V

Bergseeschijen 2819 m

Heute wird ein Bergtag erster Güte! Also lösten wir uns spontan von den Hausaufgaben (zurzeit Einbau einer neuen Heizung in unserem Haus). Gelohnt hat es sich! Und so viel sei im Voraus geschrieben: heute absolvierten wir ein volles Fitness-Programm mit Disziplinen wie Seilhangeln, Armzügen, Blockturnen…

Nach anderthalb Stunden Fahrt hoch zur Göscheneralp genossen wir den Startkafi auf der Sonnenterrasse im Berggasthaus Dammagletscher, welches direkt unterhalb der Staumauer des Göscheneralpsees liegt. Bei bestem Wetter begannen wir beim mit vielen Wandertafeln ausgeschilderten Einstiegspunkt beim Berggasthaus. Auf dem schön angelegten Wanderweg sind auf dem ersten Kilometer etwa 150 Hm aufzusteigen. Vorbei an gletscher-geschliffenen Mammutfelsen erreichten wir auf der Brätschenfluh ein wunderschönes Moorgebiet mit Sitzplätzen und einem kleinen Seelein. Hier verzweigen sich die Wege; wir hielten rechts bis zur bei P.1651 stehenden Alphütte (Auf dem Berg). Ab dort war die Bergseehütte SAC (2370 m) schon zu sehen. Der w-r-w-markierte Bergweg verlief nun deutlich steiler, ab etwa 2100 m.ü.M. dann im Zickzack hoch. Beim Wegweiser (es steht auch ein Kreuz dort) auf einer Höhe von ca. 2330 m ginge es links w-r-w markiert zur 250 m westlich stehenden Bergseehütte. Wir hatten noch kein Einkehrbedürfnis, also zogen wir direkt weiter, ab jetzt w-b-w markiert. Die spärlichen Wegspuren verloren sich und bald begann das Blockturnen. Die Bergseeschijenlücke war schon gut zu sehen, aber die knapp 300 Hm bis dorthin hatten es in sich: gut, dass in dieser weglosen Blockmulde viele Markierungen und Steinmänner die Richtung vorgaben. Etwa 100 Hm unter der Lücke dann der Einstieg in die Kletterpartie, eine mit Metallbügeln eingerichtete Stelle (die erste Stufe auf einer Höhe von nahezu zwei Metern). Nach den acht Stufen begann die Querung, gut gesichert mit Fixseilen. Ab und zu war ein bisschen Hangeln angesagt, weil die Tritte nicht immer der Körpergrösse angepasst waren. Bis zur Lücke wurden wir also auch im Oberkörper gefordert. Auf der nicht gerade geräumigen Lücke ein weiterer Wegweiser, wir hielten direkt links um den teilweise sichtbaren Gipfel in Gratnähe zu besteigen. Auch hier das reine Blockvergnügen, wo Trittsicherheit (und Trockenheit!) gefordert sind! Etwa hundert Hm unterhalb des Gipfels dann die Schlüsselstelle, welche mit Fixseilen eingerichtet ist. Auf dieser Partie waren etwa 70 Hm zu überwinden –  nach unserer Auffassung ein nicht ganz trivialer „Bergwanderweg“, bestimmt annähernd T5, jedoch nicht ausgesetzt. Nach diesen Turnübungen mussten wir den für uns günstigsten Aufstieg über die teilweise steilen, aber griffigen Granitblocks suchen. Endlich oben, das Gipfelkreuz über uns – welche Freude, und alleine für uns! Bei angenehmen (geschätzten) 16° genossen wir die Gipfelrast und das wieder einmal phänomenale Gipfelpano ausgiebig.

Gestärkt machten wir uns auf den Abstieg. Bis zur Lücke hinunter einigermassen unproblematisch – von oben waren die w-b-w-Markierungen deutlicher zu erkennen. Auf der Bergseeschijenlücke trafen wir dann einige Bergsteiger, die durch die Südwand aufgestiegen sind (4+ Französische Skala). Der Abstieg auf der uns bereits vom Aufstieg bekannten Klettersteig-ähnlichen Route gelang . Dennoch waren wir froh, und auch etwas entkräftet, unten angekommen zu sein. Vor uns der weitere Abstieg durch die Blocks, für uns ermattete Berggänger war also Vorsicht angesagt – stolpern könnte fatale Folgen haben. Bei der Verzweigung zur Hütte angekommen, verzichteten wir auf einen Besuch der bestimmt hübsch gelegenen Bergseehütte, denn am Dammastock zogen graue Wolken auf. Unterwegs zur Alphütte hinunter erreichte uns dann ein kurzer und harmloser Schauer, der aber Minuten später wieder vom Sonnenschein abgelöst wurde. Der weitere Abstieg bis zum Berggasthaus Dammagletscher ging dann etwas rascher, nicht zuletzt in Erwartung eines Panachés.

Fazit:
Ein rundum sehr gelungener und erfolgreicher Gipfeltag war das! Und etwas mehr als sonst geschafft waren wir obendrein, aber glücklich und gesund zurück. Danke Markus (hikr-User Makubu), der uns mit seinem Bericht die Idee für unsere Tour lieferte.

Wetterverhältnisse:
Sehr sonnig, wolkenlos und angenehm warm, ca. 15 bis 25°, windstill. Gebührenpflichtiger grosser Parkplatz (Fr. 8.00/Tag).

Hilfsmittel:
Feste Wanderschuhe, Stöcke, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 24. August 2017
Schwierigkeit: T4-5, Kletterstellen I-II
Strecke: 9.8 km
Aufstieg: ca. 1100 m
Abstieg: insgesamt ca. 1100 m
Laufzeit ohne Pausen: ca. 5 Std.
Laufzeit mit Pausen: ca. 7 Std. 30 Min.
Anzahl Schritte: ca. 18000
Verbrauch Kalorien: ca. 3500 (Ruedi)

Kamera:
Sony DSC-HX90V

Zuestoll 2234 m – am Nationalfeiertag 2017

Eigentlich planten wir für heute den Frümsel zu besteigen – einer der uns noch fehlenden Churfirsten (nebst Schibenstoll und Zuestoll). Aus welchen Gründen auch immer entschieden wir uns für den schwierigsten aller Churfirsten, den Zuestoll. Wie sich erst im Abstieg zeigte, war das eine glückliche Entscheidung (siehe Hinweis am Schluss dieses Berichts).

Die ersten 500 Hm legten wir rassig und elegant zurück in der Gondel der Sessel- und Gondelbahn Alt St. Johann-Sellamatt. Bei schönstem 1. Augustwetter marschierten wir gemächlich aufsteigend, begleitet vom Glockenklang des Alpviehs. Auf Zinggen den Sagenweg überquerend, dann in Richtung Hinderlücheren über einen breiten Alpweg. Die eindrücklich steilen Zacken der Churfirsten vor uns, fast schon unnahbar wirkend. Bei der Alphütte stehen gekühlte Getränke und Glacen zur SB bereit (gut zu wissen für den Rückweg!). Über Langlitten und Rügglizimmer etwas steiler und wilder werdend hoch zur Verzweigung Rüggli, von wo es links w-r-w zum Schibenstoll und rechts w-b-w zum Zuestoll hochgeht. Ein paar Schritte, und schon erreichten wir die erste Kletterstelle, ein gut gestufter, aber steiler und felsiger Aufschwung, der auf einer Höhe von ca. 1840 m auf einem Sattel endete. Hier ginge es auf schwach erkennbarer Spur ins Brisital und/oder in Richtung Paliis Nideri (einem anspruchsvollen Übergang, der zur auf der Südseite liegenden Alp Tschingla hinunterführt). Wir hielten weiter in Richtung Zuestoll, steiler werdend durch stark verbuschtes, aber mit guten Tritten versehenes Aufstiegsgelände. Der Gipfel bäumte sich immer mehr auf, das Gipfelkreuz und einzelne Gipfelstürmer waren schon deutlich zu sehen. Doch vor uns noch dieser Grat über eine Art Vorgipfel, den es zu überwinden galt. Hier sind Trittsicherheit und Schwindelfreiheit definitiv gefragt, auch wenn bei Bedarf Fixseile etwas Sicherheit bieten. Nach dem Grat dann ein kurzer Abstieg, um dann über eine steile Grashalde aufzusteigen bis unterhalb des Gipfelaufbaus. Dort nochmals ein paar Kraxelstellen, an den kritischen Stellen mit Fixseilen und Eisentritten gut ausgestattet. Eine letzte Steilstufe und schon standen wir beim Gipfelkreuz. Die vier vor uns angekommenen Berggänger überlassen uns den Gipfel – welch ein phänomenales Panorama! Und eine gute Weitsicht dazu! 1800 m(!) unter uns der (kühle) Walensee. Hier oben hätte ein unkontrollierter Tritt bestimmt fatale Folgen… Wir genossen die Gipfelrast ausgiebig – mit Blick zum Alpstein natürlich, und hinunter zu diesem Grat, wo einige weitere Gipfelstürmer herumturnten.

Im Abstieg vom Gipfel dann unweigerlich der Blick auf den spektakulären Verlauf des Schnüerliweg (T5), welcher von der Stollenfurgge unterhalb der Südwand des Schibenstoll und über der mehr als 400 m tiefer liegenden Alp Tschingla in Richtung Ost zum Valsloch quert. Im weiteren Abstieg über die Grashalde war der Einsatz eines Stocks sehr hilfreich. Die Kletterstelle und den Grat über den bereits erwähnten Vorgipfel kannten wir ja schon. Etwas Konzentration verlangte allerdings der Gegenverkehr auf dem Grat. Nach dem steilen Abstieg zum Sattel auf 1840 m dann die bereits vom Aufstieg vertraute Kletterstelle, welche auch im Abstieg keine besonderen Schwierigkeiten bereitete. Der Weiterweg fast schon gemütlich auslaufend – wenn da nicht das laute Geräusch eines Rega-Helis wäre. Offensichtlich war eine Rettungsaktion im Bereich der Nordflanke des Frümsels (im Breich der Torlochhütte) im Gange. Auf Hinderlücheren genehmigten wir uns dann am SB-Stand Glacen zum Dessert. Die Rettungsaktion am Frümsel noch immer im Gang, liess nichts Gutes vermuten. Irgendwie waren wir froh, jetzt nicht wie ursprünglich geplant, dort drüben sein zu müssen. Der weitere Abstieg zur Sellamatt gemütlich, zum Abschluss gabs ein Panaché und dann noch die luftige Sesselbahntalfahrt.

Fazit:
Eine würdige Bergwanderung auf unseren 5. Churfirstengipfel war das! Vielleicht schaffen wir die beiden noch ausstehenden in diesem Sommer/Herbst…

Hinweis zum Unfall am Frümsel:
Wie wir am Abend aus dem Netz erfahren haben, ist es zu einem tödlichen Bergunfall gekommen. Ein 58-jähriger Schweizer kam zu Fall und stürzte ab. Die Rettungsflugwacht konnte ihn nur noch tot bergen. Das im Kanton Zürich wohnhafte Ehepaar stieg vom Frümsel ab. Im oberen Teil des Abstiegs kam der Mann zu Fall. Er rutschte über eine Grasflanke und stürzte anschliessend über ein Felsband ab. Er wurde dabei so schwer verletzt, dass er nur noch tot geborgen werden konnte. An dieser Stelle unser herzliches Beileid an die uns nicht bekannten Angehörigen.

Wetterverhältnisse:
Sehr sonnig und heiss, ca. 24 bis 28°, teilweise starker, böiger Wind im Aufstieg

Hilfsmittel:
Feste Wanderschuhe, Stöcke, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 1. August 2017
Schwierigkeit: T4, I. Grad
Strecke: 8.8 km ab Sellamatt 1389 m – Zinggen – Hinderlücheren – Langlitten – Rügglizimmer – Rüggli 1740 m (Verzweigung) – Zuestoll (2234 m)
Aufstieg: ca. 870 m
Abstieg: insgesamt ca. 863 m
Laufzeit ohne Pausen: ca. 3 Std. 30 Min.
Laufzeit mit Pausen: ca. 5 Std. 50 Min.

Kamera:
Sony DSC-HX90V

Sidelhorn 2764 m – ein winterlicher Aufstieg

Was für ein Tag heute! Nach der tollen Fahrt ab Beatenberg bis zur Grimselpasshöhe. Während des Startkafis im einzigen auf der Passhöhe noch geöffneten Restaurant (Berghotel Grimselblick) Blick hoch zum Tagesziel, dem bereits eingeschneiten Sidelhorn. Erste Zweifel kamen auf, ob wir das schaffen. Gut, wir können ja jederzeit umkehren – soweit kam es nicht! Um halb Elf starteten wir ab Parkplatz auf der Oberaarstrasse in Richtung „Berg“-Station der Sidelhornbahn (welche vom Hotel Grimsel Hospiz über den Grimselsee zum Fuss des Sidelhorns schwebt). Kurz vor der Bahn verliessen wir die Strasse nach etwa 400 m (Markierung). Im Zickzack geht es gleich richtig zur Sache: der steile, nach Osten ausgerichtete Pfad zur etwa 230 m höher stehenden Husegghütte führte schneefrei über schöne Granitplatten – an einigen Stellen war Vorsicht geboten wegen vereister Stellen. Oberhalb der Husegghütte änderte die Situation schlagartig; die Wegmarkierungen lagen stellenweise unter Schnee; ab einer Höhe von ca. 2500 m dann eine geschlossene Schneedecke. Zum Glück waren Trittspuren zu erkennen. Der weitere Aufstieg (auf der Kantonsgrenze BE/VS) vorerst unproblematisch – immer die sagenhaft schöne Sicht zum Finsteraarhorn und über den Oberaargletscher zum Oberaarjoch (Erinnerungen an unsere Hochtour vom Juli 2011!). Etwa 150 Hm unterhalb des Gipfels, im Aufstieg über die Nordflanke, wurde es dann ziemlich anspruchsvoll: schattig (zum Glück!), durchgehend schneebedeckt (ca. 50 cm), aber einige gute und harte Trittspuren – was der Einsatz unserer Leichtsteigeisen, nicht aber der Stöcke, erübrigte. Doris führte souverän durch die Blocks, mit Händen und Füssen, langsam und sehr vorsichtig sicheren Tritt suchend – nur ja nicht ausrutschen jetzt! Was unter normalen Verhältnissen T3 entspricht, war heute deutlich anspruchsvoller (T4 bis T5). Welche „Erlösung“, Gipfelkreuz und Steinmann vor uns. Wir haben es geschafft und der Gipfel gehörte erst noch uns alleine – ein tolles Glücksgefühl.

Windstille, wolkenlos, 360°-Panorama der Extraklasse – wir Glückspilze genossen die Gipfelrast ausgiebig. Dann gesellten sich noch ein paar weitere Gipfelstürmer dazu, welche über die Südseite aufstiegen. Kurzer Austausch, dass es nach unserer Einschätzung zwar möglich aber nicht empfehlenswert sei, über die steile und verschneite Nordflanke abzusteigen.

Aufbruch zum Abstieg! Der oberste Teil (ca. 80 Hm über eine Strecke von nur 280 m bis zum Wegkreuz bei P.2688) hatte es dann nochmals in sich: über grosse Blocks galt es abzuklettern, ab und zu einigen mit Schnee ausgefüllten Löcher ausweichend. Wir waren erleichtert, jetzt gen Süden zu halten – voll in der Sonne und praktisch schneefrei. Auf einer Höhe von ca. 2550 m hielten wir ostwärts – über Wiesen und einige Schneefelder verlief der weitere Abstieg in Richtung Passhöhe eher gemächlich. Vorbei an den vielen kleinen Seelein auf der Oberwalder Grimsle erreichten wir Chrizegge. Hier blies uns plötzlich eine frische Brise ins Gesicht, was uns einen Gang höher schalten liess. Bald war der Totesee und der Ausgangspunkt erreicht. Nochmals der Blick zurück nach oben zu unserem Tagewerk. Ein toller, und unerwartet winterlicher Tourentag war das. Und das wichtigste zum Schluss: Ruedi’s operiertes Knie hat gehalten.

Bemerkung:
Diesen Bericht widmen wir auch ein wenig unserem havarierten und bedauernswerten Bergfreund Michael, dessen Sidelhorn-Tour vom Oktober 2011 uns die Idee lieferte.

Wetterverhältnisse:
Traumhaftes Herbstwetter, wolkenlos, sehr sonnig, Temperatur ca. 10°

Wegmarkierung:
weiss-rot-weiss

Hilfsmittel:
Stöcke, Grödel (Leichtsteigeisen, nicht eingesetzt)

Parameter:
Tour-Datum: 30. Oktober 2016
Schwierigkeit: T4 bis T5, I. Grad (bei schneelosen Verhältnissen T3)
Streckenlänge: 7.2 km
Strecke: Grimselpasshöhe (2165 m) – Husegghütte (2441 m) – P.2634 – P.2642 – Sidelhorn (2764 m) – P.2688 – Chrizegge (P. 2281) – Totesee (Grimselpass)
Aufstieg: ca. 628 m
Abstieg: ca. -626 m
Abschnittzeiten (ohne Pausen):
01:45 h Aufstieg
01:15 h Abstieg
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std.
Benötigte Zeit inkl Pausen: 5 Std.
Tageszeit: 10:30 bis 15:30 Uhr
GPS-Hardware: Garmin Montana 600, Topo Schweiz V.4

Kameras:
Nikon Coolpix P900 (Bridgekamera)
Sony DSC-HV90V

Anenhütte (2358 m) – Rundtour im Lötschental

Seit Tagen meldeten die Wetterfrösche für diesen Sonntag Super-Wander-Wetter! Also nichts wie los, ausgerüstet mit einer Tageskarte Plus (2 Personen) für Fr. 44.50 pro Person. Etwas nach sechs Uhr auf der Fahrt mit dem VZO-Bus trafen wir sechs weitere Bekannte, die auf Nachfrage dasselbe Ziel „Lötschental“ hatten. Auf der Fahrt bis Goppenstein sichteten wir ausser Bergwanderer keine anderen… Als wir in Goppenstein den „Lötschberger“ verliessen, warteten schon gegen hundert Leute auf die Postautofahrt. Entgegen unserer Befürchtung bestiegen wir ohne Wartezeit den Bus „Direktfahrt Fafleralp“, wo wir nach einer Fahrt von ca. 30 Minuten (Normalfahrt 42 Minuten) ankamen.

Fafleralp (Parkplatz) – Anenhütte (via Gletschererlebnisweg) T3, ca. 7 km, Zeitbedarf ca. 2 Std. 35 Min. (ohne Pausen)
Start um halb Elf, die Fafleralp noch im Schatten und der Bodenfrost lässt auf Minustemperatur schliessen. Wir wählten trotzdem die anfänglich etwas schattige Aufstiegsseite. Über die Brücke, dann über Gletscherstafel (P. 1771) leicht ansteigend. Nahe dem Grundsee bei P. 1837 hielten wir links (und deshalb doch glatt übersahen…) und wanderten ohne Anstrengung und wegen der Kälte zügigen Schrittes über den Grund entlang der Lonza, deren Verlauf hier in einem tiefen, schluchtartigen Einschnitt zu hören ist. Bei P. 1937 – dort wo der Anunbach und die Lonza zusammentreffen – weiter am linken Ufer der Lonza aufsteigend. Bei P. 1977 links haltend und die Lonza über eine Brücke querend, erreichten wir P. 1999 – nahe der Infotafel Nr. 10. Das Studium dieser Tafeln lohnt sich! Hier (bei P. 1999) wählten wir rechts haltend die Richtung Gletschererlebnisweg; links führte der Hüttenweg hoch zur Anenhütte. Ab jetzt an der wunderbar wärmenden Herbstsonne, leuchtete uns das erste Gold der sich verfärbenden Lärchen entgegen. Nun wurde der Anstieg steiler und zunehmend ruppiger – im von uns geliebten Gelände. Vorbei an gletschergeschliffenen Felswänden und Blocks führte der von der vom Team der Anenhütte erbaute weiss-blau-weisse Weg in die Nähe des unteren Gletschertors des Langgletschers. Der (neue) Gletschererlebnisweg wurde im Jahr 2013 von Bergführer und Hüttenwart Peter Tscherrig und seinen „Anpackern“ eingerichtet. Sehr eindrücklich und lohnenswert! Ab hier war die Anforderung T3 gerechtfertigt – allerdings nirgends ausgesetzt und ohne Gletscherberührung – trockene und schneefreie Verhältnisse vorausgesetzt! An einigen Stellen waren glattgeschliffene und steilere Felspartien zu überwinden, welche ab und zu mit Fixseilen gesichert waren. Oft waren auch grössere Felsbrocken zu überwinden, was im 4×4-Modus problemlos gelang. Der Pfad führte bis ca. 1.2 km hinter der über uns stehenden Anenhütte, entlang dem unteren Teil des Langgletschers. Hier ging der Blick unweigerlich zur hochalpinen Lötschenlücke und der darüber stehenden Hollandiahütte SAC. Auf einer Höhe von ca. 2360 m.ü.M. erreichten wir den östlichsten Punkt – genau dort, wo eine Markierung zum Gletscher resp. zur Anenhütte weist. Jetzt noch der steile Aufstieg über hohe Tritte auf etwa 2410 m.ü.M. – wunderbares Panorama auf die umliegende Gletscherwelt (Anun- und Langgletscher). In leichtem auf und ab gelangten wir zum wenige Schritte nordöstlich der Anenhütte liegenden Anunsee. Jetzt hielt uns nichts mehr – die sonnige Terrasse der Hütte lockte. Und wen treffen wir hier an: unsere hikr-Bergfreunde Heidi und Beppu – welch schöne Überraschung! Jedenfalls freuten wir uns sehr über das Wiedersehen. Wir genossen die Walliser Käseschnitte, im Wissen darum, dass die Hütte heute (und nach einer um eine Woche verlängerten Sommersaison) schliesst. Mehr über die eindrückliche und private Anenhütte ist hier zu erfahren.

Anenhütte (via Normalweg) – Fafleralp (Parkplatz) – T2, ca. 5 km, Zeitbedarf ca. 1 Std. 45 Min. (ohne Pausen)
Für den Abstieg stehen einige Streckenvarianten zur Wahl; wir entschieden nach Überquerung des Anunbachs bei P. 2108 an der markierten Abzweigung hoch zu bleiben. Vor uns breitete sich die wunderschön herbstlich eingefärbte Gugginalp aus, südlich zur linken die Lonzahörner 3560 m, (Lötschentaler), das Breithorn 3785 m, der Dischliggletscher, und das berühmte Bietschhorn 3934 m,  nördlich und über uns das (Lauterbrunner) Breithorn 3780 m und der ihm vorgelagerte  Jegigletscher. Bei P.2013 (Wegweiser) – kurz vor dem kleinen Guggisee – hielten wir links, um durch die urwaldähnliche Widlnis Gebiet Brünna in Richtung Fafleralp zu halten. Durch urwüchsiges Gelände unterquerten wir die Gletscherflue – etwa 150 Meter unter uns die Schlucht der Lonza. Kurz vor dem Ausgangspunkt erreichten wir bei der Brücke über die Lonza die Zivilisation auf der Fafleralp.

Fazit:
Das Gold der Lärchen hat in diesem Jahr Verspätung! Erst auf der Fafleralp und noch weiter hinten färbten sich die Nadelbäume zaghaft. Die Hundertschaften, welche heute die Panoramawanderung Lauchernalp – Fafleralp machten, wurden wohl auf der Goldsuche nicht wie gewünscht fündig. Eine Tour ins hinterste Lötschental ist aber allemal sehr reizend.

Wetterverhältnisse:
Sehr sonnig, im Schatten (am Vormittag) Minusgrade, tagsüber bis ca. 12° (an der Sonne), schneefreie und trockene Wege. War das der letzte schöne Tag im Herbst 2016?

Wegmarkierung:
Normalwege weiss-rot-weiss, Gletschererlebnisweg weiss-blau weiss durchgehend und gut markiert.

Hilfsmittel:
Stöcke, Kartenmaterial, GPS Garmin Montana 600 (Topo Schweiz V.4)

Parameter:
Tour-Datum: 16. Oktober 2016 (1 Tag)
Strecke: 12 km, Parkplatz Fafleralp 1766 m – Gletscherstafel 1771 m – P.1837 (beim Grundsee) – P.1937, P.1977 – P.1999 (Verzweigung Gletschererlebnisweg) – Verzweigung „Glacier“ (auf ca. 2360 m.ü.M.) – Anusee – Anenhütte (2358 m) – Anunbach (P.2108) – P. 2015 (Gugginalp) – Brunnä – P. 1880 – Parkplatz Fafleralp.

Aufstieg: ca. 698 m
Abstieg: ca. -685 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std. 50 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen 4 Std. 15 Min.
Tageszeit: 10:30 bis 16:15 Uhr

Kamera:
Nikon Coolpix P900 (Bridgekamera)

Ländle-Klassiker: über den Fürstensteig zu den Drei Schwestern

Diese Tour stand schon länger auf unserer Projektliste. Von den vielen HIKR-Berichten liessen wir uns dazu motivieren. Da das Wetter stimmen würde (mehrheitlich sonnig, leichte Bewölkung, mit ca. 25° nicht zu heiss), war heute der richtige Zeitpunkt – die durch die Bewölkung etwas getrübte Fernsicht störte nicht weiter, bot doch der Weg ausreichend Spektakel. Im Zentrum Vaduz (Post) bestiegen wir den Liechtenstein Bus 21/22 (Abfahrt 07:42), der uns über Triesenberg nach Gaflei hochbrachte, Ankunft Endstation beim Parkplatz Gaflei (1483 m) um 08:09.

Start also um 08:15 Uhr, der Weg ist gut markiert (Wegweiser „Fürstensteig“) und führt in einigen Kehren durch den Brünstawald (angenehm kühl!) hoch bis zum Einstiegspunkt auf den Fürstensteig. Gleich zu Beginn machte uns eine Warntafel auf die Steinschlaggefahr aufmerksam – zu Recht, wie wir später feststellten. Der Fürstensteig führt über teilweise sehr schmale und recht ausgesetzte Pfade durch Felsbänder unterhalb des Alpspitzes und endet nach ca. 1.6 km beim Gafleisattel (1853 m). Alle kritischen Stellen sind drahtseil-gesichert, was vor allem auf den feucht-glitschigen Holzstegen zusätzliche Sicherheit bietet. Auch wenn der Steig an zwei Stellen in Geröllrinnen weggerutscht resp. verschüttet war, ist er bestens unterhalten. An den erwähnten Stellen ist besondere Vorsicht geboten (trittsicher und schwindelfrei sollte man schon sein); trotzdem ist rasches passieren von Vorteil. Jedenfalls hörten wir kurz vor Erreichen des Gafleisattels tosenden Steinschlag. Zum Glück ist niemand zu Schaden gekommen, wie uns eine junge nachkommende Frau bestätigte. Vom Gafleisattel geht der Blick nach Norden auf den gut einsehbaren weiteren Verlauf der Strecke, Gafleichöpfli, Gafleispitz, Kuegrat, Garsellikopf, und in ca. 3.5 km Distanz die Drei Schwestern.

Einem leichten Abstieg folgt der Aufstieg in Richtung Gafleispitz – rechts (östlich) unter uns die Geröllhalden Garsälli und Rufana und die Schlucht der Samina. Auf gutem Weg und vorbei an vielen Enzianen erreichten wir die Krete unter dem Gafleispitz, wo wir vorerst nach SW abzweigen und der Spur durch die Legföhren folgen um den ersten Gipfel des Tages, das Gafleichöpfli (1983 m) zu besuchen. Kurzer Abstieg auf gleichem Pfad zurück, dann weiter auf dem Grat, vorbei am Gafleispitz (2000 m), mittlerweile befanden wir uns auf der Landesgrenze LI/A. Jetzt folgte der steile Aufstieg zum Kuegrat, mit 2123 m die höchste Erhebung unserer heutigen Tour. Auf dem Gipfel verweilten wir nur kurz; der ein paar hundert Meter benachbarte Garsellikopf und die für uns nicht erreichbaren Garsellitürm beeindruckten uns. Wie sollten wir dort nur hochkommen? Doch erst einmal galt es auf gerölligem Fels steil abzusteigen und zum Gipfelaufbau des Garsellikopfs zu queren. Mit zunehmender Nähe erschien uns der Aufstieg weniger heftig, als angenommen. Über hohe (betonierte) Stufen erfolgte der sehr steile Felsaufstieg – fast durchgehend mit Fixseilen gesichert (T4). Weil der Fels trocken war, benötigten wir die Hilfen nur sporadisch – ohne Seilunterstützung waren die Kletterstellen I oder II. Bei Nässe und Eis oder Schnee könnte der Aufstieg gefährlicher sein. Auf diesem Gipfel verweilten wir etwas länger; weil wir alleine waren, nutzten wir die Gelegenheit für eine ausgiebige Gipfelrast.

Nun erfolgte der steile und felsig-geröllige Abstieg zum hundert Meter weiter unten liegenden P. 2000; bei der Verzweigung führt eine Wegspur hinunter zur Garsellaalpe, von wo die Drei Schwestern östlich umgangen werden können. Wir verblieben auf der Höhe, um auf guter Spur zu den spektakulär vor uns stehenden Drei Schwestern zu „spazieren“. Vor uns die letzte Herausforderung – die Grosse Schwester! Die Spur über den Drei Schwestern-Steig führte uns unweigerlich zum Einstieg in die gfürchig steile Wand; die wbw-Markierung und einige Fixseile zeigten uns, wo es lang ging. Und wieder einmal machten wir die gute Erfahrung, dass sich die abweisende Wirkung solcher Gipfelaufbauten dann stark relativieren, wenn man sich ihnen nähert. Jedenfalls bereitete uns der Aufstieg durch die Felswand richtig Spass – die Fixseile benötigten wir meist nur als „Wegweiser“, weil der Fels schön griffig und trocken war (T4, I-II). Steil, aber nie wirklich ausgesetzt! Oben angekommen, beeindruckte die tolle Aussicht – der Gipfel selbst hat nicht mal ein Gipfelkreuz, ein Gipfelbuch gibt es auch nicht, lediglich eine einbetonierte Markierung mit der Zahl 1955. Die grosse der drei Schwestern überragt mit 2052 m die beiden anderen Schwestern (Mittlere Schwester/Vollandturm 2048 m, Kleine Schwester/Jahnturm 2034 m), welche wohl nur seilgesichert kletternd erreichbar sind.  Auch dieser Gipfel gehörte uns alleine, also genossen wir die ausgedehnte Gipfelrast.

Und wenn vorhin von der „letzten Herausforderung“ des heutigen Tages geschrieben steht: der Abstieg gehörte definitiv auch dazu! Der noch immer „Drei Schwestern-Steig“ benannte Abstieg verläuft auf der Nordseite in Richtung Sarojasattel. Der oberste Teil ist weitgehend fixseil-gesichert; er verläuft die beiden kleineren Schwestern auf einem Felsband unterquerend. An zwei Stellen sind ein paar Höhenmetern über Leitern abzusteigen; nach der zweiten dann eine letzte seilgesicherte Abstiegsstufe durch das Felsenfenster. Der weitere Abstieg dann über Serpentinen, steil und feucht-glitschig. Kurz vor dem Sarojasattel (1628 m), der nicht zu verfehlen ist, erreichten wir den Wanderweg. Auf diesem dann steil und weiterhin feucht-glitschig hinunter zur 200 Meter tiefer liegenden Gafadura Hütte LAV. Mit Kafi und Kuchen gestärkt nahmen wir den Weiterabstieg von ca. 700 Hm nach Planken in Angriff. Ab und zu nutzten wir die wrw-markierte Abkürzung, die nicht asphaltierte Fahrstrasse gefiel uns allerdings besser – weil weniger steil und deshalb knieschonender. Beim Schulhaus Planken erreichten wir dann (endlich) die Bushaltestelle, wo wir uns ermattet noch für eine halbe Stunde in den Schatten eines Baumes in die Wiese legen durften. Die fast 1600 Abstiegsmeter dieser nicht kurzen Tour zeigten Wirkung! Der Liechtenstein Bus 26 bis Schaan und ab dort 11 bis Vaduz fährt täglich und stündlich, für uns 16:42 Uhr.

Fazit:
Wer auf der Busfahrt von Schaan nach Vaduz das mehr als 1700 Meter höher thronende felsige Massiv von unten sieht, kann den unglaublichen Verlauf des Fürstensteigs nur erahnen – zu sehen ist nichts davon. Von unten wirkt der Berg absolut abweisend. Ein umso schöneres Gefühl kommt auf, es geschafft zu haben. Ein wundervoller Tag im Ländle war das!

Bemerkung:
Die Strecke ist durchgehend anforderungsreich, erfordert Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Feste Bergschuhe sind unserer Ansicht nach Voraussetzung.

Parameter:
Tour-Datum: 1. Juli 2016
Schwierigkeit: T4, I-II (UIAA-Skala) ohne Seilunterstützung
Strecke: 14.584 km:  Gaflei (Bushalt beim Parkplatz) – Fürstensteig – Gafleisattel – Gafleichöpfli – Kuegrat – Garsellikopf – Grosse Schwester – Prafazei  – Sarojasattel – Gafadura Hütte LAV – Planken (Bushalt Post)
Aufstieg: ca. 909m
Abstieg: ca. -1574m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 8 Std. 05 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen 5 Std. 12 Min.
GPS-Maschine: Garmin Montana 600, Topo Schweiz V.4 (im Bereich des Fürstensteigs musste der Track etwas nachgebessert werden, weil die Aufzeichnung wegen Abschattung teilweise aussetzte)

Kamera:
Nikon Coolpix P900 (Bridgekamera)

Chöpfenberg (1896 m) – via Südflanke

Am ersten Hitzetag dieses noch jungen Sommers sollte es eine knackige Tour sein. Da kam uns die Idee den Chöpfenberg zu besteigen gerade recht, nicht zuletzt motiviert durch den Bericht eines Bergfreundes vom 6. Juni. Soviel schon mal vorweg: die Erwartungen wurden voll erfüllt! Der Reihe nach: die Fahrt von Näfels hoch ins wunderschöne und ziemlich einsame Schwändital verlief ohne Gegenverkehr(!). Bei Matt, kurz vor dem Fahrverbot, kann das Fahrzeug abgestellt werden (Sommerparkplatz 1234 m); den Fünfliber Tagesgebühr zahlten wir gerne. Einlaufen auf der Alpstrasse in Richtung Scheidegg, nach ca. 250 m also links haltend, vorbei am Gross Moos. Zur linken oberhalb der Hinterschwändiplanggen der Bärensolspitz (1831 m) und der Tierberg (1989 m), zur rechten Wageten (1755 m), die Kletterwand des Brüggler (1777 m) und der Chöpfenberg (1896 m). Vor uns die Scheidegg (1431 m) der Übergang auf der Kantonsgrenze GL/SZ vom Schwändital ins Trepsental. Auf den ersten 2.8 km bis zum Pass waren nur gerade 200 Aufstiegsmeter zurück zu legen. Bis Hinter Schwändi auf der bereits trockenen Alpstrasse genossen wir die friedliche Stimmung. Hinter der Alphütte dann der gut markierte Aufstieg über saftige und bestossene Alpweiden. Das Alpvieh freute sich wie wir über das endlich sommerliche Wetter. Die letzten Meter bis zum Übergang führten über sumpfiges Moor, resp. zu dessen Schonung über schön angelegte Holzstege. Auf dem Pass dann ein erster Blick ins Trepsental, dominiert von den markanten Bockmattlitürmen. Nach kurzer Rast weiter auf dem Holzsteg, danach weglos (aber immer gut markiert) weiter in Richtung N, über uns das Tagesziel, an dessen Wandfuss wir schon die Aufstiegsrinne ausmachen konnten. Dürrenbüchel heisst die Alpweide westlich der Kantonsgrenze (Marchegg), welche wir erst durch ein Wäldchen, dann über steiler werdendes Weideland erreichten. Bis zum Wandfuss dann richtig steile (aber trockene) Grashalden, durchsetzt mit Viehtritten, welche einigermassen Halt boten; trotzdem waren wir froh um unsere Stöcke. Im Rückblick gesehen, war diese steile Grashalde bis zum Wandfuss der schwierigste Teil heute. Nach kurzer Rast unter der Wand querten wir etwa 200 m in Richtung W, wo wir den gut markierten Einstieg in die Verschneidung fanden. Gleich zu Beginn die eigentliche Schlüsselstelle mit der Kletterstelle (II) – das locker aufgehängte dünne Drahtseil bot etwas Halt – das ca. 3 m hohe Wändchen wäre auch ohne Sicherung zu machen. Weiter oben dann steiles Gelände, meist mit guten Tritten versehen und gut markiert. Zwei Querungen sind mit Drahtseilen gesichert, es ginge aber auch ohne, der kalkige Fels ist gut griffig. Kurz vor dem Gipfel dann der Grat mit der nach Norden ins Niederurnertal abstürzenden Wand. Hier kommen alle Routen zusammen (Aufstiege Nordflanke und Ostgrat). Der über uns stehende Gipfel erreichten wir über eine weitere (eher unnütz) seilgesicherte Rinne, dann ein paar felsige Tritte, und schon standen wir auf dem Gipfel, der uns während der ausgiebigen Rast alleine gehörte. Dank der in den vergangenen Regentagen gewaschenen Luft genossen wir eine Fernsicht bis zu den Jurahöhen, dem Bodensee und natürlich zu den umliegenden Hochalpen. Windstille, gefühlte 20°, Sonne: wir konnten uns kaum aufraffen, dieses Gipfelerlebnis abzubrechen, nicht ohne Eintrag ins Gipfelbuch (direkt neben denjenigem von Esther und Hanspeter vom 6. Juni).

Der Abstieg über die vertraute Aufstiegsstrecke verlangte weiterhin Trittsicherheit, also langsam und Tritt um Tritt. In der Verschneidung ist bei Andrang wohl darauf zu achten, kein Geröll loszutreten. Zurück bei der Stelle mit dem herunterhängenden Seil, schätzten wir dieses nun, weil einige Felsstellen noch feucht waren. Ohne Probleme erreichten wir den Wandfuss wieder, den wir nun einige Meter weiter nach O querten; dann der (vorsichtige) Abstieg über das Steilgras bis hinunter zum Weidezaun oberhalb Dürrenbüchel. Auf der Alp Stattboden (1447 m) dann ein Zwischenhalt – schliesslich waren hier gekühlte Getränke erhältlich, Sonnenschirm und Bänkli standen auch bereit. Hier erklärte man uns auch den Grund für den vom Gipfel aus beobachteten Heli-Einsatz: am Vortag stürzte ein Rind ab im Gebiet Dürrenbüchel. Der herbeigerufene Tierarzt konnte das schwerverletzte Tier glücklicherweise erlösen. Heute nun konnte der Kadaver geborgen werden. Die Nachricht vom Unglück trübte unsere Stimmung etwas, aber schon bald folgte Ablenkung auf dem weiteren Abstieg auf der Alpstrasse über Winteregg, Sonnenstafel, Schattenstafel zum Ausgangspunkt.

Fazit:
Das war der erste Hitzetag(!) in diesem Sommer 2016 – so er denn diese Bezeichnung verdient – einfach Spitzenklasse… So stellen wir uns diesen Sommer vor!!!

Parameter:
Tour-Datum: 22. Juni 2016
Schwierigkeit: T4+, II (UIAA-Skala)
Strecke: 9.028 km: Parkplatz Vorder-Schwändi (Fr. 5.00) – Schattenstafel – Gross Moos – Hinterschwändi – Scheidegg – Dürrenbüchel – Maregg – Chöpfenberg – Marchegg – Stattboden – Winteregg – Sonnenstafel – Vorder-Schwändi
Aufstieg: 688 m
Abstieg: ca. -667 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 6 Std. 15 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen 3 Std. 50 Min.
GPS-Maschine: Garmin Montana 600, Topo Schweiz V.4

Kamera:
Sony DSC-HV90V

Vom Centovalli über den Gridone (2188 m) an den Lago Maggiore