Archiv der Kategorie: Alpine Bergwanderung

Bergseeschijen 2819 m

Heute wird ein Bergtag erster Güte! Also lösten wir uns spontan von den Hausaufgaben (zurzeit Einbau einer neuen Heizung in unserem Haus). Gelohnt hat es sich! Und so viel sei im Voraus geschrieben: heute absolvierten wir ein volles Fitness-Programm mit Disziplinen wie Seilhangeln, Armzügen, Blockturnen… Und noch etwas: auf Bergtouren dieser Art sind unsere Leistungsgrenzen wohl erreicht.

Nach anderthalb Stunden Fahrt hoch zur Göscheneralp genossen wir den Startkafi auf der Sonnenterrasse im Berggasthaus Dammagletscher, welches direkt unterhalb der Staumauer des Göscheneralpsees liegt. Bei bestem Wetter begannen wir beim mit vielen Wandertafeln ausgeschilderten Einstiegspunkt beim Berggasthaus. Auf dem schön angelegten Wanderweg sind auf dem ersten Kilometer etwa 150 Hm aufzusteigen. Vorbei an gletscher-geschliffenen Mammutfelsen erreichten wir auf der Brätschenfluh ein wunderschönes Moorgebiet mit Sitzplätzen und einem kleinen Seelein. Hier verzweigen sich die Wege; wir hielten rechts bis zur bei P.1651 stehenden Alphütte (Auf dem Berg). Ab dort war die Bergseehütte SAC (2370 m) schon zu sehen. Der w-r-w-markierte Bergweg verlief nun deutlich steiler, ab etwa 2100 m.ü.M. dann im Zickzack hoch. Beim Wegweiser (es steht auch ein Kreuz dort) auf einer Höhe von ca. 2330 m ginge es links w-r-w markiert zur 250 m westlich stehenden Bergseehütte. Wir hatten noch kein Einkehrbedürfnis, also zogen wir direkt weiter, ab jetzt w-b-w markiert. Die spärlichen Wegspuren verloren sich und bald begann das Blockturnen. Die Bergseeschijenlücke war schon gut zu sehen, aber die knapp 300 Hm bis dorthin hatten es in sich: gut, dass in dieser weglosen Blockmulde viele Markierungen und Steinmänner die Richtung vorgaben. Etwa 100 Hm unter der Lücke dann der Einstieg in die Kletterpartie, eine mit Metallbügeln eingerichtete Stelle (die erste Stufe auf einer Höhe von nahezu zwei Metern). Nach den acht Stufen begann die Querung, gut gesichert mit Fixseilen. Ab und zu war ein bisschen Hangeln angesagt, weil die Tritte nicht immer der Körpergrösse angepasst waren. Bis zur Lücke wurden wir also auch im Oberkörper gefordert. Auf der nicht gerade geräumigen Lücke ein weiterer Wegweiser, wir hielten direkt links um den teilweise sichtbaren Gipfel in Gratnähe zu besteigen. Auch hier das reine Blockvergnügen, wo Trittsicherheit (und Trockenheit!) gefordert sind! Etwa hundert Hm unterhalb des Gipfels dann die Schlüsselstelle, welche mit Fixseilen eingerichtet ist. Auf dieser Partie waren etwa 70 Hm zu überwinden –  nach unserer Auffassung ein nicht ganz trivialer Bergwanderweg, bestimmt annähernd T5, jedoch nicht ausgesetzt. Nach diesen Turnübungen mussten wir den für uns günstigsten Aufstieg über die teilweise steilen, aber griffigen Granitblocks suchen. Endlich oben, das Gipfelkreuz über uns – welche Freude, und alleine für uns! Bei angenehmen (geschätzten) 16° genossen wir die Gipfelrast und das wieder einmal phänomenale Gipfelpano ausgiebig.

Gestärkt und mit etwas Unbehagen machten wir uns auf den Abstieg. Bis zur Lücke hinunter einigermassen unproblematisch – von oben waren die w-b-w-Markierungen deutlicher zu erkennen. Auf der Bergseeschijenlücke trafen wir dann einige Bergsteiger, die durch die Südwand aufgestiegen sind (4+ Französische Skala). Der Abstieg auf der uns bereits vom Aufstieg bekannten Klettersteig-ähnlichen Route gelang uns gut. Dennoch waren wir froh, und auch etwas entkräftet, unten angekommen zu sein; jedenfalls bewegten wir uns (vor allem Ruedi) bestimmt im anaeroben Bereich. Vor uns der weitere Abstieg durch die Blocks, für uns ermattete Berggänger war also Vorsicht angesagt – stolpern könnte fatale Folgen haben. Bei der Verzweigung zur Hütte angekommen, verzichteten wir auf einen Besuch der bestimmt hübsch gelegenen Bergseehütte, denn am Dammastock zogen graue Wolken auf. Unterwegs zur Alphütte hinunter erreichte uns dann ein kurzer und harmloser Schauer, der aber Minuten später wieder vom Sonnenschein abgelöst wurde. Der weitere Abstieg bis zum Berggasthaus Dammagletscher ging dann etwas rascher, nicht zuletzt in Erwartung eines Panachés.

Fazit:
Ein rundum sehr gelungener und erfolgreicher Gipfeltag war das! Und etwas mehr als sonst geschafft waren wir obendrein, aber glücklich und gesund zurück. Danke Markus (hikr-User Makubu), der uns mit seinem Bericht die Idee für unsere Tour lieferte.

Wetterverhältnisse:
Sehr sonnig, wolkenlos und angenehm warm, ca. 15 bis 25°, windstill. Gebührenpflichtiger grosser Parkplatz (Fr. 8.00/Tag).

Hilfsmittel:
Feste Wanderschuhe, Stöcke, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 24. August 2017
Schwierigkeit: T4-5, Kletterstellen I-II
Strecke: 9.8 km
Aufstieg: ca. 1100 m
Abstieg: insgesamt ca. 1100 m
Laufzeit ohne Pausen: ca. 5 Std.
Laufzeit mit Pausen: ca. 7 Std. 30 Min.
Anzahl Schritte: ca. 18000
Verbrauch Kalorien: ca. 3500 (Ruedi)

Kamera:
Sony DSC-HX90V

Zuestoll 2234 m – am Nationalfeiertag 2017

Eigentlich planten wir für heute den Frümsel zu besteigen – einer der uns noch fehlenden Churfirsten (nebst Schibenstoll und Zuestoll). Aus welchen Gründen auch immer entschieden wir uns für den schwierigsten aller Churfirsten, den Zuestoll. Wie sich erst im Abstieg zeigte, war das eine glückliche Entscheidung (siehe Hinweis am Schluss dieses Berichts).

Die ersten 500 Hm legten wir rassig und elegant zurück in der Gondel der Sessel- und Gondelbahn Alt St. Johann-Sellamatt. Bei schönstem 1. Augustwetter marschierten wir gemächlich aufsteigend, begleitet vom Glockenklang des Alpviehs. Auf Zinggen den Sagenweg überquerend, dann in Richtung Hinderlücheren über einen breiten Alpweg. Die eindrücklich steilen Zacken der Churfirsten vor uns, fast schon unnahbar wirkend. Bei der Alphütte stehen gekühlte Getränke und Glacen zur SB bereit (gut zu wissen für den Rückweg!). Über Langlitten und Rügglizimmer etwas steiler und wilder werdend hoch zur Verzweigung Rüggli, von wo es links w-r-w zum Schibenstoll und rechts w-b-w zum Zuestoll hochgeht. Ein paar Schritte, und schon erreichten wir die erste Kletterstelle, ein gut gestufter, aber steiler und felsiger Aufschwung, der auf einer Höhe von ca. 1840 m auf einem Sattel endete. Hier ginge es auf schwach erkennbarer Spur ins Brisital und/oder in Richtung Paliis Nideri (einem anspruchsvollen Übergang, der zur auf der Südseite liegenden Alp Tschingla hinunterführt). Wir hielten weiter in Richtung Zuestoll, steiler werdend durch stark verbuschtes, aber mit guten Tritten versehenes Aufstiegsgelände. Der Gipfel bäumte sich immer mehr auf, das Gipfelkreuz und einzelne Gipfelstürmer waren schon deutlich zu sehen. Doch vor uns noch dieser Grat über eine Art Vorgipfel, den es zu überwinden galt. Hier sind Trittsicherheit und Schwindelfreiheit definitiv gefragt, auch wenn bei Bedarf Fixseile etwas Sicherheit bieten. Nach dem Grat dann ein kurzer Abstieg, um dann über eine steile Grashalde aufzusteigen bis unterhalb des Gipfelaufbaus. Dort nochmals ein paar Kraxelstellen, an den kritischen Stellen mit Fixseilen und Eisentritten gut ausgestattet. Eine letzte Steilstufe und schon standen wir beim Gipfelkreuz. Die vier vor uns angekommenen Berggänger überlassen uns den Gipfel – welch ein phänomenales Panorama! Und eine gute Weitsicht dazu! 1800 m(!) unter uns der (kühle) Walensee. Hier oben hätte ein unkontrollierter Tritt bestimmt fatale Folgen… Wir genossen die Gipfelrast ausgiebig – mit Blick zum Alpstein natürlich, und hinunter zu diesem Grat, wo einige weitere Gipfelstürmer herumturnten.

Im Abstieg vom Gipfel dann unweigerlich der Blick auf den spektakulären Verlauf des Schnüerliweg (T5), welcher von der Stollenfurgge unterhalb der Südwand des Schibenstoll und über der mehr als 400 m tiefer liegenden Alp Tschingla in Richtung Ost zum Valsloch quert. Im weiteren Abstieg über die Grashalde war der Einsatz eines Stocks sehr hilfreich. Die Kletterstelle und den Grat über den bereits erwähnten Vorgipfel kannten wir ja schon. Etwas Konzentration verlangte allerdings der Gegenverkehr auf dem Grat. Nach dem steilen Abstieg zum Sattel auf 1840 m dann die bereits vom Aufstieg vertraute Kletterstelle, welche auch im Abstieg keine besonderen Schwierigkeiten bereitete. Der Weiterweg fast schon gemütlich auslaufend – wenn da nicht das laute Geräusch eines Rega-Helis wäre. Offensichtlich war eine Rettungsaktion im Bereich der Nordflanke des Frümsels (im Breich der Torlochhütte) im Gange. Auf Hinderlücheren genehmigten wir uns dann am SB-Stand Glacen zum Dessert. Die Rettungsaktion am Frümsel noch immer im Gang, liess nichts Gutes vermuten. Irgendwie waren wir froh, jetzt nicht wie ursprünglich geplant, dort drüben sein zu müssen. Der weitere Abstieg zur Sellamatt gemütlich, zum Abschluss gabs ein Panaché und dann noch die luftige Sesselbahntalfahrt.

Fazit:
Eine würdige Bergwanderung auf unseren 5. Churfirstengipfel war das! Vielleicht schaffen wir die beiden noch ausstehenden in diesem Sommer/Herbst…

Hinweis zum Unfall am Frümsel:
Wie wir am Abend aus dem Netz erfahren haben, ist es zu einem tödlichen Bergunfall gekommen. Ein 58-jähriger Schweizer kam zu Fall und stürzte ab. Die Rettungsflugwacht konnte ihn nur noch tot bergen. Das im Kanton Zürich wohnhafte Ehepaar stieg vom Frümsel ab. Im oberen Teil des Abstiegs kam der Mann zu Fall. Er rutschte über eine Grasflanke und stürzte anschliessend über ein Felsband ab. Er wurde dabei so schwer verletzt, dass er nur noch tot geborgen werden konnte. An dieser Stelle unser herzliches Beileid an die uns nicht bekannten Angehörigen.

Wetterverhältnisse:
Sehr sonnig und heiss, ca. 24 bis 28°, teilweise starker, böiger Wind im Aufstieg

Hilfsmittel:
Feste Wanderschuhe, Stöcke, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 1. August 2017
Schwierigkeit: T4, I. Grad
Strecke: 8.8 km ab Sellamatt 1389 m – Zinggen – Hinderlücheren – Langlitten – Rügglizimmer – Rüggli 1740 m (Verzweigung) – Zuestoll (2234 m)
Aufstieg: ca. 870 m
Abstieg: insgesamt ca. 863 m
Laufzeit ohne Pausen: ca. 3 Std. 30 Min.
Laufzeit mit Pausen: ca. 5 Std. 50 Min.

Kamera:
Sony DSC-HX90V

Sidelhorn 2764 m – ein winterlicher Aufstieg

Was für ein Tag heute! Nach der tollen Fahrt ab Beatenberg bis zur Grimselpasshöhe. Während des Startkafis im einzigen auf der Passhöhe noch geöffneten Restaurant (Berghotel Grimselblick) Blick hoch zum Tagesziel, dem bereits eingeschneiten Sidelhorn. Erste Zweifel kamen auf, ob wir das schaffen. Gut, wir können ja jederzeit umkehren – soweit kam es nicht! Um halb Elf starteten wir ab Parkplatz auf der Oberaarstrasse in Richtung „Berg“-Station der Sidelhornbahn (welche vom Hotel Grimsel Hospiz über den Grimselsee zum Fuss des Sidelhorns schwebt). Kurz vor der Bahn verliessen wir die Strasse nach etwa 400 m (Markierung). Im Zickzack geht es gleich richtig zur Sache: der steile, nach Osten ausgerichtete Pfad zur etwa 230 m höher stehenden Husegghütte führte schneefrei über schöne Granitplatten – an einigen Stellen war Vorsicht geboten wegen vereister Stellen. Oberhalb der Husegghütte änderte die Situation schlagartig; die Wegmarkierungen lagen stellenweise unter Schnee; ab einer Höhe von ca. 2500 m dann eine geschlossene Schneedecke. Zum Glück waren Trittspuren zu erkennen. Der weitere Aufstieg (auf der Kantonsgrenze BE/VS) vorerst unproblematisch – immer die sagenhaft schöne Sicht zum Finsteraarhorn und über den Oberaargletscher zum Oberaarjoch (Erinnerungen an unsere Hochtour vom Juli 2011!). Etwa 150 Hm unterhalb des Gipfels, im Aufstieg über die Nordflanke, wurde es dann ziemlich anspruchsvoll: schattig (zum Glück!), durchgehend schneebedeckt (ca. 50 cm), aber einige gute und harte Trittspuren – was der Einsatz unserer Leichtsteigeisen, nicht aber der Stöcke, erübrigte. Doris führte souverän durch die Blocks, mit Händen und Füssen, langsam und sehr vorsichtig sicheren Tritt suchend – nur ja nicht ausrutschen jetzt! Was unter normalen Verhältnissen T3 entspricht, war heute deutlich anspruchsvoller (T4 bis T5). Welche „Erlösung“, Gipfelkreuz und Steinmann vor uns. Wir haben es geschafft und der Gipfel gehörte erst noch uns alleine – ein tolles Glücksgefühl.

Windstille, wolkenlos, 360°-Panorama der Extraklasse – wir Glückspilze genossen die Gipfelrast ausgiebig. Dann gesellten sich noch ein paar weitere Gipfelstürmer dazu, welche über die Südseite aufstiegen. Kurzer Austausch, dass es nach unserer Einschätzung zwar möglich aber nicht empfehlenswert sei, über die steile und verschneite Nordflanke abzusteigen.

Aufbruch zum Abstieg! Der oberste Teil (ca. 80 Hm über eine Strecke von nur 280 m bis zum Wegkreuz bei P.2688) hatte es dann nochmals in sich: über grosse Blocks galt es abzuklettern, ab und zu einigen mit Schnee ausgefüllten Löcher ausweichend. Wir waren erleichtert, jetzt gen Süden zu halten – voll in der Sonne und praktisch schneefrei. Auf einer Höhe von ca. 2550 m hielten wir ostwärts – über Wiesen und einige Schneefelder verlief der weitere Abstieg in Richtung Passhöhe eher gemächlich. Vorbei an den vielen kleinen Seelein auf der Oberwalder Grimsle erreichten wir Chrizegge. Hier blies uns plötzlich eine frische Brise ins Gesicht, was uns einen Gang höher schalten liess. Bald war der Totesee und der Ausgangspunkt erreicht. Nochmals der Blick zurück nach oben zu unserem Tagewerk. Ein toller, und unerwartet winterlicher Tourentag war das. Und das wichtigste zum Schluss: Ruedi’s operiertes Knie hat gehalten.

Bemerkung:
Diesen Bericht widmen wir auch ein wenig unserem havarierten und bedauernswerten Bergfreund Michael, dessen Sidelhorn-Tour vom Oktober 2011 uns die Idee lieferte.

Wetterverhältnisse:
Traumhaftes Herbstwetter, wolkenlos, sehr sonnig, Temperatur ca. 10°

Wegmarkierung:
weiss-rot-weiss

Hilfsmittel:
Stöcke, Grödel (Leichtsteigeisen, nicht eingesetzt)

Parameter:
Tour-Datum: 30. Oktober 2016
Schwierigkeit: T4 bis T5, I. Grad (bei schneelosen Verhältnissen T3)
Streckenlänge: 7.2 km
Strecke: Grimselpasshöhe (2165 m) – Husegghütte (2441 m) – P.2634 – P.2642 – Sidelhorn (2764 m) – P.2688 – Chrizegge (P. 2281) – Totesee (Grimselpass)
Aufstieg: ca. 628 m
Abstieg: ca. -626 m
Abschnittzeiten (ohne Pausen):
01:45 h Aufstieg
01:15 h Abstieg
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std.
Benötigte Zeit inkl Pausen: 5 Std.
Tageszeit: 10:30 bis 15:30 Uhr
GPS-Hardware: Garmin Montana 600, Topo Schweiz V.4

Kameras:
Nikon Coolpix P900 (Bridgekamera)
Sony DSC-HV90V

Anenhütte (2358 m) – Rundtour im Lötschental

Seit Tagen meldeten die Wetterfrösche für diesen Sonntag Super-Wander-Wetter! Also nichts wie los, ausgerüstet mit einer Tageskarte Plus (2 Personen) für Fr. 44.50 pro Person. Etwas nach sechs Uhr auf der Fahrt mit dem VZO-Bus trafen wir sechs weitere Bekannte, die auf Nachfrage dasselbe Ziel „Lötschental“ hatten. Auf der Fahrt bis Goppenstein sichteten wir ausser Bergwanderer keine anderen… Als wir in Goppenstein den „Lötschberger“ verliessen, warteten schon gegen hundert Leute auf die Postautofahrt. Entgegen unserer Befürchtung bestiegen wir ohne Wartezeit den Bus „Direktfahrt Fafleralp“, wo wir nach einer Fahrt von ca. 30 Minuten (Normalfahrt 42 Minuten) ankamen.

Fafleralp (Parkplatz) – Anenhütte (via Gletschererlebnisweg) T3, ca. 7 km, Zeitbedarf ca. 2 Std. 35 Min. (ohne Pausen)
Start um halb Elf, die Fafleralp noch im Schatten und der Bodenfrost lässt auf Minustemperatur schliessen. Wir wählten trotzdem die anfänglich etwas schattige Aufstiegsseite. Über die Brücke, dann über Gletscherstafel (P. 1771) leicht ansteigend. Nahe dem Grundsee bei P. 1837 hielten wir links (und deshalb doch glatt übersahen…) und wanderten ohne Anstrengung und wegen der Kälte zügigen Schrittes über den Grund entlang der Lonza, deren Verlauf hier in einem tiefen, schluchtartigen Einschnitt zu hören ist. Bei P. 1937 – dort wo der Anunbach und die Lonza zusammentreffen – weiter am linken Ufer der Lonza aufsteigend. Bei P. 1977 links haltend und die Lonza über eine Brücke querend, erreichten wir P. 1999 – nahe der Infotafel Nr. 10. Das Studium dieser Tafeln lohnt sich! Hier (bei P. 1999) wählten wir rechts haltend die Richtung Gletschererlebnisweg; links führte der Hüttenweg hoch zur Anenhütte. Ab jetzt an der wunderbar wärmenden Herbstsonne, leuchtete uns das erste Gold der sich verfärbenden Lärchen entgegen. Nun wurde der Anstieg steiler und zunehmend ruppiger – im von uns geliebten Gelände. Vorbei an gletschergeschliffenen Felswänden und Blocks führte der von der vom Team der Anenhütte erbaute weiss-blau-weisse Weg in die Nähe des unteren Gletschertors des Langgletschers. Der (neue) Gletschererlebnisweg wurde im Jahr 2013 von Bergführer und Hüttenwart Peter Tscherrig und seinen „Anpackern“ eingerichtet. Sehr eindrücklich und lohnenswert! Ab hier war die Anforderung T3 gerechtfertigt – allerdings nirgends ausgesetzt und ohne Gletscherberührung – trockene und schneefreie Verhältnisse vorausgesetzt! An einigen Stellen waren glattgeschliffene und steilere Felspartien zu überwinden, welche ab und zu mit Fixseilen gesichert waren. Oft waren auch grössere Felsbrocken zu überwinden, was im 4×4-Modus problemlos gelang. Der Pfad führte bis ca. 1.2 km hinter der über uns stehenden Anenhütte, entlang dem unteren Teil des Langgletschers. Hier ging der Blick unweigerlich zur hochalpinen Lötschenlücke und der darüber stehenden Hollandiahütte SAC. Auf einer Höhe von ca. 2360 m.ü.M. erreichten wir den östlichsten Punkt – genau dort, wo eine Markierung zum Gletscher resp. zur Anenhütte weist. Jetzt noch der steile Aufstieg über hohe Tritte auf etwa 2410 m.ü.M. – wunderbares Panorama auf die umliegende Gletscherwelt (Anun- und Langgletscher). In leichtem auf und ab gelangten wir zum wenige Schritte nordöstlich der Anenhütte liegenden Anunsee. Jetzt hielt uns nichts mehr – die sonnige Terrasse der Hütte lockte. Und wen treffen wir hier an: unsere hikr-Bergfreunde Heidi und Beppu – welch schöne Überraschung! Jedenfalls freuten wir uns sehr über das Wiedersehen. Wir genossen die Walliser Käseschnitte, im Wissen darum, dass die Hütte heute (und nach einer um eine Woche verlängerten Sommersaison) schliesst. Mehr über die eindrückliche und private Anenhütte ist hier zu erfahren.

Anenhütte (via Normalweg) – Fafleralp (Parkplatz) – T2, ca. 5 km, Zeitbedarf ca. 1 Std. 45 Min. (ohne Pausen)
Für den Abstieg stehen einige Streckenvarianten zur Wahl; wir entschieden nach Überquerung des Anunbachs bei P. 2108 an der markierten Abzweigung hoch zu bleiben. Vor uns breitete sich die wunderschön herbstlich eingefärbte Gugginalp aus, südlich zur linken die Lonzahörner 3560 m, (Lötschentaler), das Breithorn 3785 m, der Dischliggletscher, und das berühmte Bietschhorn 3934 m,  nördlich und über uns das (Lauterbrunner) Breithorn 3780 m und der ihm vorgelagerte  Jegigletscher. Bei P.2013 (Wegweiser) – kurz vor dem kleinen Guggisee – hielten wir links, um durch die urwaldähnliche Widlnis Gebiet Brünna in Richtung Fafleralp zu halten. Durch urwüchsiges Gelände unterquerten wir die Gletscherflue – etwa 150 Meter unter uns die Schlucht der Lonza. Kurz vor dem Ausgangspunkt erreichten wir bei der Brücke über die Lonza die Zivilisation auf der Fafleralp.

Fazit:
Das Gold der Lärchen hat in diesem Jahr Verspätung! Erst auf der Fafleralp und noch weiter hinten färbten sich die Nadelbäume zaghaft. Die Hundertschaften, welche heute die Panoramawanderung Lauchernalp – Fafleralp machten, wurden wohl auf der Goldsuche nicht wie gewünscht fündig. Eine Tour ins hinterste Lötschental ist aber allemal sehr reizend.

Wetterverhältnisse:
Sehr sonnig, im Schatten (am Vormittag) Minusgrade, tagsüber bis ca. 12° (an der Sonne), schneefreie und trockene Wege. War das der letzte schöne Tag im Herbst 2016?

Wegmarkierung:
Normalwege weiss-rot-weiss, Gletschererlebnisweg weiss-blau weiss durchgehend und gut markiert.

Hilfsmittel:
Stöcke, Kartenmaterial, GPS Garmin Montana 600 (Topo Schweiz V.4)

Parameter:
Tour-Datum: 16. Oktober 2016 (1 Tag)
Strecke: 12 km, Parkplatz Fafleralp 1766 m – Gletscherstafel 1771 m – P.1837 (beim Grundsee) – P.1937, P.1977 – P.1999 (Verzweigung Gletschererlebnisweg) – Verzweigung „Glacier“ (auf ca. 2360 m.ü.M.) – Anusee – Anenhütte (2358 m) – Anunbach (P.2108) – P. 2015 (Gugginalp) – Brunnä – P. 1880 – Parkplatz Fafleralp.

Aufstieg: ca. 698 m
Abstieg: ca. -685 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std. 50 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen 4 Std. 15 Min.
Tageszeit: 10:30 bis 16:15 Uhr

Kamera:
Nikon Coolpix P900 (Bridgekamera)

Ländle-Klassiker: über den Fürstensteig zu den Drei Schwestern

Diese Tour stand schon länger auf unserer Projektliste. Von den vielen HIKR-Berichten liessen wir uns dazu motivieren. Da das Wetter stimmen würde (mehrheitlich sonnig, leichte Bewölkung, mit ca. 25° nicht zu heiss), war heute der richtige Zeitpunkt – die durch die Bewölkung etwas getrübte Fernsicht störte nicht weiter, bot doch der Weg ausreichend Spektakel. Im Zentrum Vaduz (Post) bestiegen wir den Liechtenstein Bus 21/22 (Abfahrt 07:42), der uns über Triesenberg nach Gaflei hochbrachte, Ankunft Endstation beim Parkplatz Gaflei (1483 m) um 08:09.

Start also um 08:15 Uhr, der Weg ist gut markiert (Wegweiser „Fürstensteig“) und führt in einigen Kehren durch den Brünstawald (angenehm kühl!) hoch bis zum Einstiegspunkt auf den Fürstensteig. Gleich zu Beginn machte uns eine Warntafel auf die Steinschlaggefahr aufmerksam – zu Recht, wie wir später feststellten. Der Fürstensteig führt über teilweise sehr schmale und recht ausgesetzte Pfade durch Felsbänder unterhalb des Alpspitzes und endet nach ca. 1.6 km beim Gafleisattel (1853 m). Alle kritischen Stellen sind drahtseil-gesichert, was vor allem auf den feucht-glitschigen Holzstegen zusätzliche Sicherheit bietet. Auch wenn der Steig an zwei Stellen in Geröllrinnen weggerutscht resp. verschüttet war, ist er bestens unterhalten. An den erwähnten Stellen ist besondere Vorsicht geboten (trittsicher und schwindelfrei sollte man schon sein); trotzdem ist rasches passieren von Vorteil. Jedenfalls hörten wir kurz vor Erreichen des Gafleisattels tosenden Steinschlag. Zum Glück ist niemand zu Schaden gekommen, wie uns eine junge nachkommende Frau bestätigte. Vom Gafleisattel geht der Blick nach Norden auf den gut einsehbaren weiteren Verlauf der Strecke, Gafleichöpfli, Gafleispitz, Kuegrat, Garsellikopf, und in ca. 3.5 km Distanz die Drei Schwestern.

Einem leichten Abstieg folgt der Aufstieg in Richtung Gafleispitz – rechts (östlich) unter uns die Geröllhalden Garsälli und Rufana und die Schlucht der Samina. Auf gutem Weg und vorbei an vielen Enzianen erreichten wir die Krete unter dem Gafleispitz, wo wir vorerst nach SW abzweigen und der Spur durch die Legföhren folgen um den ersten Gipfel des Tages, das Gafleichöpfli (1983 m) zu besuchen. Kurzer Abstieg auf gleichem Pfad zurück, dann weiter auf dem Grat, vorbei am Gafleispitz (2000 m), mittlerweile befanden wir uns auf der Landesgrenze LI/A. Jetzt folgte der steile Aufstieg zum Kuegrat, mit 2123 m die höchste Erhebung unserer heutigen Tour. Auf dem Gipfel verweilten wir nur kurz; der ein paar hundert Meter benachbarte Garsellikopf und die für uns nicht erreichbaren Garsellitürm beeindruckten uns. Wie sollten wir dort nur hochkommen? Doch erst einmal galt es auf gerölligem Fels steil abzusteigen und zum Gipfelaufbau des Garsellikopfs zu queren. Mit zunehmender Nähe erschien uns der Aufstieg weniger heftig, als angenommen. Über hohe (betonierte) Stufen erfolgte der sehr steile Felsaufstieg – fast durchgehend mit Fixseilen gesichert (T4). Weil der Fels trocken war, benötigten wir die Hilfen nur sporadisch – ohne Seilunterstützung waren die Kletterstellen I oder II. Bei Nässe und Eis oder Schnee könnte der Aufstieg gefährlicher sein. Auf diesem Gipfel verweilten wir etwas länger; weil wir alleine waren, nutzten wir die Gelegenheit für eine ausgiebige Gipfelrast.

Nun erfolgte der steile und felsig-geröllige Abstieg zum hundert Meter weiter unten liegenden P. 2000; bei der Verzweigung führt eine Wegspur hinunter zur Garsellaalpe, von wo die Drei Schwestern östlich umgangen werden können. Wir verblieben auf der Höhe, um auf guter Spur zu den spektakulär vor uns stehenden Drei Schwestern zu „spazieren“. Vor uns die letzte Herausforderung – die Grosse Schwester! Die Spur über den Drei Schwestern-Steig führte uns unweigerlich zum Einstieg in die gfürchig steile Wand; die wbw-Markierung und einige Fixseile zeigten uns, wo es lang ging. Und wieder einmal machten wir die gute Erfahrung, dass sich die abweisende Wirkung solcher Gipfelaufbauten dann stark relativieren, wenn man sich ihnen nähert. Jedenfalls bereitete uns der Aufstieg durch die Felswand richtig Spass – die Fixseile benötigten wir meist nur als „Wegweiser“, weil der Fels schön griffig und trocken war (T4, I-II). Steil, aber nie wirklich ausgesetzt! Oben angekommen, beeindruckte die tolle Aussicht – der Gipfel selbst hat nicht mal ein Gipfelkreuz, ein Gipfelbuch gibt es auch nicht, lediglich eine einbetonierte Markierung mit der Zahl 1955. Die grosse der drei Schwestern überragt mit 2052 m die beiden anderen Schwestern (Mittlere Schwester/Vollandturm 2048 m, Kleine Schwester/Jahnturm 2034 m), welche wohl nur seilgesichert kletternd erreichbar sind.  Auch dieser Gipfel gehörte uns alleine, also genossen wir die ausgedehnte Gipfelrast.

Und wenn vorhin von der „letzten Herausforderung“ des heutigen Tages geschrieben steht: der Abstieg gehörte definitiv auch dazu! Der noch immer „Drei Schwestern-Steig“ benannte Abstieg verläuft auf der Nordseite in Richtung Sarojasattel. Der oberste Teil ist weitgehend fixseil-gesichert; er verläuft die beiden kleineren Schwestern auf einem Felsband unterquerend. An zwei Stellen sind ein paar Höhenmetern über Leitern abzusteigen; nach der zweiten dann eine letzte seilgesicherte Abstiegsstufe durch das Felsenfenster. Der weitere Abstieg dann über Serpentinen, steil und feucht-glitschig. Kurz vor dem Sarojasattel (1628 m), der nicht zu verfehlen ist, erreichten wir den Wanderweg. Auf diesem dann steil und weiterhin feucht-glitschig hinunter zur 200 Meter tiefer liegenden Gafadura Hütte LAV. Mit Kafi und Kuchen gestärkt nahmen wir den Weiterabstieg von ca. 700 Hm nach Planken in Angriff. Ab und zu nutzten wir die wrw-markierte Abkürzung, die nicht asphaltierte Fahrstrasse gefiel uns allerdings besser – weil weniger steil und deshalb knieschonender. Beim Schulhaus Planken erreichten wir dann (endlich) die Bushaltestelle, wo wir uns ermattet noch für eine halbe Stunde in den Schatten eines Baumes in die Wiese legen durften. Die fast 1600 Abstiegsmeter dieser nicht kurzen Tour zeigten Wirkung! Der Liechtenstein Bus 26 bis Schaan und ab dort 11 bis Vaduz fährt täglich und stündlich, für uns 16:42 Uhr.

Fazit:
Wer auf der Busfahrt von Schaan nach Vaduz das mehr als 1700 Meter höher thronende felsige Massiv von unten sieht, kann den unglaublichen Verlauf des Fürstensteigs nur erahnen – zu sehen ist nichts davon. Von unten wirkt der Berg absolut abweisend. Ein umso schöneres Gefühl kommt auf, es geschafft zu haben. Ein wundervoller Tag im Ländle war das!

Bemerkung:
Die Strecke ist durchgehend anforderungsreich, erfordert Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Feste Bergschuhe sind unserer Ansicht nach Voraussetzung.

Parameter:
Tour-Datum: 1. Juli 2016
Schwierigkeit: T4, I-II (UIAA-Skala) ohne Seilunterstützung
Strecke: 14.584 km:  Gaflei (Bushalt beim Parkplatz) – Fürstensteig – Gafleisattel – Gafleichöpfli – Kuegrat – Garsellikopf – Grosse Schwester – Prafazei  – Sarojasattel – Gafadura Hütte LAV – Planken (Bushalt Post)
Aufstieg: ca. 909m
Abstieg: ca. -1574m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 8 Std. 05 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen 5 Std. 12 Min.
GPS-Maschine: Garmin Montana 600, Topo Schweiz V.4 (im Bereich des Fürstensteigs musste der Track etwas nachgebessert werden, weil die Aufzeichnung wegen Abschattung teilweise aussetzte)

Kamera:
Nikon Coolpix P900 (Bridgekamera)

Chöpfenberg (1896 m) – via Südflanke

Am ersten Hitzetag dieses noch jungen Sommers sollte es eine knackige Tour sein. Da kam uns die Idee den Chöpfenberg zu besteigen gerade recht, nicht zuletzt motiviert durch den Bericht eines Bergfreundes vom 6. Juni. Soviel schon mal vorweg: die Erwartungen wurden voll erfüllt! Der Reihe nach: die Fahrt von Näfels hoch ins wunderschöne und ziemlich einsame Schwändital verlief ohne Gegenverkehr(!). Bei Matt, kurz vor dem Fahrverbot, kann das Fahrzeug abgestellt werden (Sommerparkplatz 1234 m); den Fünfliber Tagesgebühr zahlten wir gerne. Einlaufen auf der Alpstrasse in Richtung Scheidegg, nach ca. 250 m also links haltend, vorbei am Gross Moos. Zur linken oberhalb der Hinterschwändiplanggen der Bärensolspitz (1831 m) und der Tierberg (1989 m), zur rechten Wageten (1755 m), die Kletterwand des Brüggler (1777 m) und der Chöpfenberg (1896 m). Vor uns die Scheidegg (1431 m) der Übergang auf der Kantonsgrenze GL/SZ vom Schwändital ins Trepsental. Auf den ersten 2.8 km bis zum Pass waren nur gerade 200 Aufstiegsmeter zurück zu legen. Bis Hinter Schwändi auf der bereits trockenen Alpstrasse genossen wir die friedliche Stimmung. Hinter der Alphütte dann der gut markierte Aufstieg über saftige und bestossene Alpweiden. Das Alpvieh freute sich wie wir über das endlich sommerliche Wetter. Die letzten Meter bis zum Übergang führten über sumpfiges Moor, resp. zu dessen Schonung über schön angelegte Holzstege. Auf dem Pass dann ein erster Blick ins Trepsental, dominiert von den markanten Bockmattlitürmen. Nach kurzer Rast weiter auf dem Holzsteg, danach weglos (aber immer gut markiert) weiter in Richtung N, über uns das Tagesziel, an dessen Wandfuss wir schon die Aufstiegsrinne ausmachen konnten. Dürrenbüchel heisst die Alpweide westlich der Kantonsgrenze (Marchegg), welche wir erst durch ein Wäldchen, dann über steiler werdendes Weideland erreichten. Bis zum Wandfuss dann richtig steile (aber trockene) Grashalden, durchsetzt mit Viehtritten, welche einigermassen Halt boten; trotzdem waren wir froh um unsere Stöcke. Im Rückblick gesehen, war diese steile Grashalde bis zum Wandfuss der schwierigste Teil heute. Nach kurzer Rast unter der Wand querten wir etwa 200 m in Richtung W, wo wir den gut markierten Einstieg in die Verschneidung fanden. Gleich zu Beginn die eigentliche Schlüsselstelle mit der Kletterstelle (II) – das locker aufgehängte dünne Drahtseil bot etwas Halt – das ca. 3 m hohe Wändchen wäre auch ohne Sicherung zu machen. Weiter oben dann steiles Gelände, meist mit guten Tritten versehen und gut markiert. Zwei Querungen sind mit Drahtseilen gesichert, es ginge aber auch ohne, der kalkige Fels ist gut griffig. Kurz vor dem Gipfel dann der Grat mit der nach Norden ins Niederurnertal abstürzenden Wand. Hier kommen alle Routen zusammen (Aufstiege Nordflanke und Ostgrat). Der über uns stehende Gipfel erreichten wir über eine weitere (eher unnütz) seilgesicherte Rinne, dann ein paar felsige Tritte, und schon standen wir auf dem Gipfel, der uns während der ausgiebigen Rast alleine gehörte. Dank der in den vergangenen Regentagen gewaschenen Luft genossen wir eine Fernsicht bis zu den Jurahöhen, dem Bodensee und natürlich zu den umliegenden Hochalpen. Windstille, gefühlte 20°, Sonne: wir konnten uns kaum aufraffen, dieses Gipfelerlebnis abzubrechen, nicht ohne Eintrag ins Gipfelbuch (direkt neben denjenigem von Esther und Hanspeter vom 6. Juni).

Der Abstieg über die vertraute Aufstiegsstrecke verlangte weiterhin Trittsicherheit, also langsam und Tritt um Tritt. In der Verschneidung ist bei Andrang wohl darauf zu achten, kein Geröll loszutreten. Zurück bei der Stelle mit dem herunterhängenden Seil, schätzten wir dieses nun, weil einige Felsstellen noch feucht waren. Ohne Probleme erreichten wir den Wandfuss wieder, den wir nun einige Meter weiter nach O querten; dann der (vorsichtige) Abstieg über das Steilgras bis hinunter zum Weidezaun oberhalb Dürrenbüchel. Auf der Alp Stattboden (1447 m) dann ein Zwischenhalt – schliesslich waren hier gekühlte Getränke erhältlich, Sonnenschirm und Bänkli standen auch bereit. Hier erklärte man uns auch den Grund für den vom Gipfel aus beobachteten Heli-Einsatz: am Vortag stürzte ein Rind ab im Gebiet Dürrenbüchel. Der herbeigerufene Tierarzt konnte das schwerverletzte Tier glücklicherweise erlösen. Heute nun konnte der Kadaver geborgen werden. Die Nachricht vom Unglück trübte unsere Stimmung etwas, aber schon bald folgte Ablenkung auf dem weiteren Abstieg auf der Alpstrasse über Winteregg, Sonnenstafel, Schattenstafel zum Ausgangspunkt.

Fazit:
Das war der erste Hitzetag(!) in diesem Sommer 2016 – so er denn diese Bezeichnung verdient – einfach Spitzenklasse… So stellen wir uns diesen Sommer vor!!!

Parameter:
Tour-Datum: 22. Juni 2016
Schwierigkeit: T4+, II (UIAA-Skala)
Strecke: 9.028 km: Parkplatz Vorder-Schwändi (Fr. 5.00) – Schattenstafel – Gross Moos – Hinterschwändi – Scheidegg – Dürrenbüchel – Maregg – Chöpfenberg – Marchegg – Stattboden – Winteregg – Sonnenstafel – Vorder-Schwändi
Aufstieg: 688 m
Abstieg: ca. -667 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 6 Std. 15 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen 3 Std. 50 Min.
GPS-Maschine: Garmin Montana 600, Topo Schweiz V.4

Kamera:
Sony DSC-HV90V

Vom Centovalli über den Gridone (2188 m) an den Lago Maggiore

Das gibt jetzt ein etwas längerer Bericht. Schliesslich haben wir zwei seit bald vier Jahrzehnten ein „Gschleipf“ – und heute durften wir unseren 29. Hochzeitstag feiern. Und zwar im Rifugio Al Legn – dieser sagenhaft gelegenen Hütte. Doch wie gelangt man dort rauf? Dem Rat von Daniel S. (Hüttenwart) folgend, wählten wir den Aufstieg aus dem Centovalli. Nach langer Anfahrt bis Locarno dauerte die Fahrt mit der Centovallibahn 30 Minuten. Direkt bei der Haltestelle Verdasio bestiegen wir die Seilbahn Verdasio-Rasa, welche uns in ein paar Minuten die ersten 370 Aufstiegsmeter elegant bewältigen liess. In Rasa starteten wir um 10 Uhr. Erst der schattige Abstieg vorbei am in Renovation stehenden Häuserkomplex Terra Vecchia (wo bis 1700 die Bewohner des heutigen Rasa lebten). Vom tiefgelegenen P. 663 der kurze Aufstieg nach Bordei, wo die lauschig  gelegene Osteria di Bordei zum Startkafi einlud. Nach dieser Stärkung wurde es ernster; vorbei an den letzten Häusern von Bordei stiegen wir ins Val di Bordei hinein. Immer schön dem Wasser entlang liefen wir durch eine prächtige Naturlandschaft hoch – vorbei an mächtigen Steinbrocken und an einer Höhle (die wir aber nicht besuchten). Ab und zu waren die Wegmarkierungen stark verwittert, so dass wir auf unsere Hilfsmittel und Pfadfindertugenden angewiesen waren. Nun gut, verlaufen konnte man sich hier nicht, das enge Tälchen bot kaum Möglichkeiten dazu. Die wilde Gegend gefiel uns so sehr, dass wir gar nicht richtig bemerkten, wie steil es zunehmend wurde. Recht abwechslungsreich (mal im Schatten, dann wieder an der Sonne) war der Aufstieg ein grosses Vergnügen. Zur Mittagszeit genossen wir in der Nähe einer unter einer Felswand stehenden Schutzhütte eine erste Pause. Über uns der Gridone, dessen mächtiges Gipfelkreuz nicht zu übersehen war. Und weit und breit keine Menschenseele! Ungefähr ab 1600 m (unterhalb Fumadiga) führte der nunmehr gut sichtbare Pfad ein letztes Mal über den Bach um dann felsig und weiterhin steil zur schon von weitem zu sehenden Bocchetta di Valle hoch zu steigen. Wir vermuten, dass dies einmal ein idealer Schmuggler-Übergang gewesen sein muss(?!). Oben angekommen, verschlug es uns beinahe den Atem – und das nicht etwa nur des Aufstiegs wegen! Praktisch von einem Meter zum nächsten dieses grossartige Panorama (welches sich in Bilder besser beschreiben lässt). Hier oben mussten wir einfach pausieren! Aber es kam noch besser! Nachdem wir uns wieder gefasst hatten, nahmen wir den Aufstieg zum Gridone (auch Ghiridone oder Monte Limidario genannt) in Angriff. Wir entschieden uns für die sonnig gelegene Aufstiegsvariante zum Grat – das steile Couloir war schön griffig und bot keine ernsthaften Schwierigkeiten. Ab P. 2138 führte der Pfad entlang der Landesgrenze (I-CH) vorbei an einer markant gebauten Messstation. Kurz nach einer Senke dann die letzten 50 Aufstiegsmeter, wo die Hände definitiv eingesetzt werden mussten (und die Stöcke vorzugsweise aufgebunden sind). Auf dem Gipfel dann ein 360-Grad-Panorama vom Feinsten! Nicht nur wir, auch drei weitere Gipfelstürmer waren offensichtlich überwältigt; jedenfalls wäre das eine Erklärung dafür, dass nichts wurde aus dem offiziellen Gipfelbild (in der Aufregung drückte der Mitwanderer einfach zu schwach auf den Auslöser…). Den „Ärger“ bemerkten wir zu spät. Hier oben soll der Weitblick angeblich zum Duomo di Milano reichen – trotz bester Wetterlage blieb uns dieser Fernblick verwehrt. Der Blick zu den grossen Wallisern entschädigte uns reichlich. Mittlerweile war es 17 Uhr, Zeit also für den kurzen Abstieg zur Hütte hinunter, welche wir nach etwas mehr als einer Stunde erreichten. Leicht enttäuscht darüber, die Hütte nicht (wie angenommen) für uns alleine zu haben, gewöhnten wir uns problemlos an die vier weiteren Gäste (ein nettes Paar aus dem Aargau, ein solches aus Verbania). Was uns auf der Alpe Arolgia im Rifugio Al Legn geboten wurde, war schlicht und einfach phänomenal. Vom bis zum Vorabend anwesenden Hüttenwartpaar Barbara und Daniel wurden uns vorbereitete Speisen und Getränke bereit gestellt – über diesen überraschenden und sehr persönlichen „Empfang“ freuten wir uns und wir danken den beiden für diese ausserordentliche Idee, unseren Hochzeitstag zu verschönern. Gastfreundschaft pur – wir kommen bestimmt wieder einmal!!

Vom erstklassigen Risotto con funghi porcini (von Barbara frisch geerntet!) gesättigt und (nicht nur) vom ausgezeichneten Merlot ermattet, genossen wir den letzten nächtlichen Blick hinunter auf das Lichtermeer um den Lago Maggiore. Selten haben wir in einer Hütte derart gut geschlafen! Schön, dass sich ein paar Idealisten zusammen gefunden haben, um diese Hütte vor zwanzig Jahren zu bauen!

Gut erholt, und nicht zu früh (so um sieben Uhr), weckten uns die ersten Sonnenstrahlen. Wiederum alles verfügbar für ein reichhaltiges Frühstück – einfach paradiesisch! Bestens erholt und gut gestärkt machten wir uns auf den Abstieg nach Brissago hinunter. Im Wissen darum, die rund 1600 Abstiegsmeter eventuell abkürzen zu können (Ruftaxi ab Mergugno für Fr. 40 für die Fahrt nach Brissago), machten wir uns keine Sorgen über unsere Knie. Der Abstieg war derart abwechlungsreich und geprägt von spannenden Landschaftsbildern, dass wir Mergugno bald erreichten und nicht daran dachten, es uns „bequemer“ zu machen. Vor allem die Strecke bis Mergugno war sehr reizvoll – auch wenn der Goldregen im Bosco sacre nicht mehr blühte. Ab Mergugno verlief ein Teil des Abstiegs auf der geteerten Strasse; nach Rovere boten sich immer wieder Abkürzungsmöglichkeiten, welche es allerdings nicht zu übersehen galt. Bei Incella (ein Vorort von Brissago) führte der Weiterweg zwischen Villen und anderen Häusern hinunter. Froh darüber, Brissago (Pontile) nach diesem langem Abstieg erreicht zu haben, nutzten wir die Zeit bis zum Eintreffen des Schiffs unsere Flüssigkeitsspeicher aufzufüllen. Die Schifffahrt via Isole di Brissago – Ascona nach Locarno bot uns ausreichend Zeit zur Erholung und den Genuss, immer wieder zum markant stehenden Rifugio Al Legn hoch zu blicken. Nach der Landung im Hafen von Locarno belohnten wir uns mit einer Gelato; dann die Weiterfahrt nach Intragna und von dort mit der Bahn wieder nach Verdasio. Die netten Leute vom Rifugio di Legn haben uns den Super-Tipp abgegeben, einen zusätzlichen Tag auf dem Monte di Comino einzuplanen. Doch darüber berichten wir später.

Fazit:
So erlebnisreich dürfen unsere Hochzeitstage immer wieder sein – im kommenden Jahr dann zum Dreissigsten…

Parameter 1. Tag (Rasa-Bordei-Bocchetta Di Valle-Gridone-Al Legn):
Strecke: ca. 11.2 km
Rasa – Bordei – Bocchetta Di Valle – Gridone – Al Legn
Alpine Bergwanderung, Schwierigkeit: T4-
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Benötigte Zeit inkl. Pausen: ca. 7 Std.

Parameter 2. Tag (Al Leng-Mergugno-Brissago):
Strecke: ca. 9 km
Al Legn – Mergugno – Brissago
Bergwanderung, Schwierigkeit: T3
Benötigte Zeit inkl. Pausen: ca. 4 Std.

Parameter  (2 Tage, gesamt):
Tour-Datum: 6./7. September 2016
Strecke: 20.228 km
Aufstieg: 1720 m
Abstieg: ca. -2414m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: ca. 11 Std.

GPS-Maschine: Garmin Montana 600, Topo Schweiz V.4

Kameras: Nikon Coolpix P900 und Nikon D7000