Archiv der Kategorie: Bergwanderung

Val Ferrera – Pass da Niemet – Splügenpass – Splügen

Für zwei Tage dem schlechten Wetter im Norden entfliehen war die Idee. In ein einsames Tal, dann über einen unbekannten Pass nach Italien, auf dem Rückweg in die Schweiz ein Stück ViaSpluga.

Erster Tag (Innerferrara 1481 m – Pass da Niemet 2294 m – Rif. Bertacci CAI – Montespluga 1905 m)
Mit dem Postauto ab Andeer erreichten wir Innerferrera in 18 Minuten. Die Fahrt durch das enge Val Ferrera ist hier noch lange nicht zu Ende – das Poschi fährt weiter in den Avers bis Juf. Wir starteten ab Dorfmitte, überquerten den viel Wasser führende Averserrhein (Ragn da Ferrera), um dann auf gut unterhaltener Naturstrasse aufzusteigen. Ab etwa 1800 m.ü.M. erreichten wir den Ual da Niemet, der Bergbach, der dem Tal den Namen gibt. Das Val Niemet weitet und lichtet sich ab hier. Zur rechten den rauschenden Bergbach, erreichten wir gleichmässig ansteigend die Alp Niemet (1899 m). Beidseits erheben sich Gipfel bis 3000 m. Gleich hinter der Alp geht die Alpstrasse über in einen Bergweg. Mittlerweile drückte sich die Sonne durch das Grau, und an der tiefst liegenden Stelle am Horizont war der Übergang nach Italien zu vermuten. Vorbei an einer uns beobachtenden Ziegenherde erreichten wir die Alp Sura (2131 m) – für Alpvieh (und Wanderer) ein Paradies! Umso erstaunlicher, dass uns nur wenige begegneten. Der weitere Anstieg verläuft noch immer moderat, auf den letzten 900 m bis zum Pass durch blockiges und gerölliges Gelände; Markierungen (w-r-w) sind zwar vorhanden, sie auszumachen verlangen aber doch etwas Aufmerksamkeit. Nach etwas mehr als 9 km war der Pass da Niemet erreicht; der Blick ins benachbarte Italien weitete sich: Lago die Emet, Rif. Bertacci CAI, rechts der Piz Spadolazzo (2722 m, T3), links Piz Timun/Pizzo d’Emet (3212 m, T4), am Horizont der Pizzo Ferrè (3103 m), zu erkennen an seinem Gletscherchen. Bis zur Hütte des CAI noch 20 Min., gerade richtig zur Mittagszeit und in Erwartung italienischer Pasta😊. Die Tagliatelle al ragù di cinghiale schmeckten zwar etwas fade, stärkten uns aber dennoch (was wohl auch an dem einen Glas Rotwein lag…). So erholt machten wir uns auf den knapp 7 km langen und nicht sehr steilen Abstieg nach Montespluga hinunter. Den Lago di Monte Spluga unter uns, zur Linken (südlich also) der Blick nach Madesimo hinüber. Und irgendwo unter der Staumauer die uns von der ViaSpluga bekannte und gar nicht so berüchtigte Cardinelloschlucht, welche aber nicht einsehbar war. Auf den nächsten zwei Kilometern galt unsere Aufmerksamkeit eines fast wie in einer Arena angelegten schmalen und felsigen Bergwegs (T2+), welcher konstant auf einer Höhe von ca. 2100 m verläuft. Gut, wer hier trittsicher ist, aber nirgendwo richtig ausgesetzt, auch wenn es links ca. 180 m runter geht. Bei Nässe, Eis oder Schnee bieten die Ketten allenfalls zusätzliche Sicherheit. Bei P. 2106 erreichten wir eine Naturstrasse, welche noch etwas höher führt, bis zu einigen Blechhütten, welche wohl den mutigen Arbeitern dienen, die Felssicherungen erstellen. Die befestigte, holprige Strasse mieden wir, ein Pfad führte jeweils in direkter Linie hinunter. Oberhalb dem Weiler Suretta hielten wir rechts in Richtung Montespluga und konnten so auch eine Muttertierherde umgehen. Nach P.1923 war die Passtrasse erreicht, die wir aber nicht begehen mussten. Wir nutzten die parallel verlaufende Naturstrasse, um dann bei den Alpi di Suretta doch noch für etwa 900 m entlang der heute wenig befahrenen Passstrasse zu laufen. Gegen halb fünf Uhr war unser Tagesziel erreicht. Da unsere Wunsch-Destination, das Albergo della Posta (mit bestbekanntem Restaurant) gerade renoviert und erweitert wird, kamen wir für eine Nacht im benachbarten Hotel Vittoria Ca‘ De La Montagna unter – gemütlich, gute regionale Küche, empfehlenswert!

Zweiter Tag (Montespluga 1905 m – Splügenpass 2115 m – Splügen 1457 m)
Nach erholsamer und ruhiger Nacht genossen wir italienisches Frühstück (mit ausgezeichneter Crostata selbstverständlich!). Etwas nach neun Uhr und bei schönstem Wetter starteten wir zum Sturm in Richtung Passhöhe – die wir nach weniger als einer Stunde erreichten. Ab Cerfui P. 2063 wandelten wir auf der historischen Säumerstrasse, die nach der Passhöhe gut markiert an den Hüscherenbach hinunterführt. Bei P.1847 dann die Überquerung der Passstrasse, dann etwas oberhalb auf mehr oder weniger tiefem Trampelpfad bei der Talstation einer Sesselbahn vorbei an Bodmastafel P.1784. Den Nüstafelwald durchquerend gelangten wir bald zur bekannten Marmorbrücke. Die Passtrasse nur kurz überquerend, stiegen wir steiler hinab durch eine schluchtartige, felsige Landschaft bis schliesslich wieder die Passstrasse ein letztes Mal zu überqueren war. Die letzten paar Meter entlang des Bachs, unter der A13 durch, und schon war Splügen erreicht (nach nicht ganz 3 Std. Wanderzeit). Fünfzehn Minuten später bestiegen wir das Poschi, das uns nach Andeer hinunter kutschierte.

Fazit:
Eine zweitätige Grenztour I-CH in einer am ersten Tag wirklich abgelegenen und unbekannten Landschaft, am zweiten Tag auf der ViaSpluga – einfach wunderschön!

Wetterverhältnisse:
Am ersten Tag anfänglich bedeckt, im Tagesverlauf zunehmend sonnig, ca. 18 bis 23°, wenig starker Wind, am zweiten Tag sonnig mit wenig Bewölkung, ca. 20 bis 26°, kaum spürbarer Wind.

Hilfsmittel:
Feste Wanderschuhe, Stöcke; Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 27/28. Juli 2017
Schwierigkeit: T2
Strecke: total 26.1 km, davon am 1. Tag 16.9 km ab Innerferrara 1481 m – Pass da Niemet 2294 m – Rif. Bertacci CAI 2175 m – Montespluga 1905 m, am 2. Tag 9.2 km Montespluga – Splügenpass 2115 m – Splügen 1457 m.
Aufstieg: insgesamt ca. 1148 m
Abstieg: insgesamt ca. 11664 m
Laufzeit ohne Pausen: total ca. 8 Std. 10 Min. (1. Tag: 5 Std. 15 Min, 2. Tag: 2 Std. 55 Min.)
Laufzeit mit Pausen: total ca. 10 Std. 30 Min. (1. Tag: 7 Std., 2. Tag: 3 Std. 30 Min.)

Kamera:
Nikon D7000

Lukmanierpass – Cadlimohütte SAC – Oberalppass

Eine ausgezeichnete Idee von Susanne und Richi war das, uns auf eine zweitägige Hüttentour zu locken – in einem uns nicht bekannten Gebiet.

Erster Tag (Lukmanierpass – Cadlimohütte SAC)
Mit dem Postauto erreichten wir den Lukmanierpass nach einer halben Stunde Fahrzeit kurz vor elf Uhr. Nach einem Startkafi im Hospezi Sta. Maria starteten wir um 11:15 Uhr. Zu Beginn verlief die Wanderung auf der trotz Fahrverbot von einigen (bequemen?) Automobilisten benutzten Naturstrasse bis zum Ufer des Stausees Lai da Sontga Maria, dessen Bogenstaumauer sich am Nordende befindet. In einem weiten Bogen erreichten wir nach etwa 2 km am südwestlichen Seeende bei P.1924 die Stelle, wo sich der Weg teilt; links ginge es ins Val Termine resp. in Richtung Passo dell’ Olmo. Wir verliessen die Holperpiste, um den Rein da Medel (Medelser Rhein) über eine kleine Hängebrücke zu überqueren. Der Rein da Medel ist der längste Quellfluss des Rheins und er durchströmt die Talschaften Val Cadlimo und Val Medel. Auf den nächsten anderthalb Kilometern waren ca. 280 Hm Steigung zu bewältigen, hinein ins einsame und unbewohnte Val Cadlimo. Der gut markierte Pfad (w-r-w) war wegen des wilden Gestrüps nicht durchgehend zu erkennen; mit zunehmender Höhe dann einige hohe Tritte, welche über Granitplatten führte. Ab ca. 2100 m.ü.M. dann eindrückliches Blockgelände. Beim P.2192 trafen wir auf eine Kleinstsiedlung mit einer sehr einfachen Hütte und einer kleinen Jurte. Den Utensilien nach zu schliessen (tibetische Gebetsfahnen, Gebetsmühlen, Buddafiguren) lebt hier  jemand, wahrscheinlich während des Sommers. Wie wir später erfuhren, ein italienischsprachiger Buddhist, der zusammen mit seinen Hunden eine etwa 100 Yaks grosse Herde und wahrscheinlich auch Schafe behirtet. Immer entlang des Gewässers erreichten wir nach etwa 1200 m Stabbio Nuovo (2229 m), wo ein kleines Wehr steht. Hier rasteten wir kurz, um dann weiter zu ziehen, noch immer entlang des Medelser Rheins. Nach Stabbio di Mezzo (P.2299) wurde das Gelände etwas weiter, und die ersten Bergseelein (Lago dell’Isra, Lago dello Stabbio) zogen unsere Blicke an. Das Gelände oberhalb der Seen heisst Motti dell’Isra. In diesem Bereich wurde das Gelände zunehmend steiler. Schon von weitem erkannten wir eine grosse Herde Yaks, eine in Zentralasien verbreitete Rinderart. Bald schon kamen uns einige Hirte (auch der beschriebene Buddhist war dabei) mit ihren Herdenhunden entgegen, die darüber berichteten, dass heute junge Yaks zur Welt gekommen seien und wir vorsichtig Abstand haltend und ohne anzuhalten, passieren sollten. Je näher wir kamen, desto mehr bewegte sich die Herde weg von unserem Weg. Dann aber die freudige Überraschung: eine Yak-Mutter hatte soeben geboren und brachte ihrem Baby die ersten Schritte bei. Wir traversierten in ca. 20 m Abstand und beobachteten die eindrückliche Szene – ein schönes und emotionales Bild! Im weiteren Verlauf des Hüttenzustiegs dann der Blick zu den nächsten Seen (Lago Scuro, Laghetti die Taneda, Lago di Tom). Auf der mittlerweile erreichten Höhe von ca. 2500 m.ü.M. öffnete sich der Weitblick auf die Tessiner Zustiege vom Ritómsee und von Airolo, sowie in die Tessiner Voralpen. Dann der letzte See vor der Hütte, der Lago di Dentro – und unvermittelt erblickten wir die Fahnen der Cadlimohütte (2570 m).

In der voll besetzten Hütte genossen wir den späten Nachmittag, die nette Tischgesellschaft, vor allem aber den absoluten Höhepunkt des Tages: Richi’s Bad im hütteneigenen Badesee (bei ca. 8°!), und zum Abschluss das leckere Abendessen. Grosses Kompliment an das Hüttenteam mit Hüttenwart Heinz Tschümperlin!

Zweiter Tag (Cadlimohütte SAC – Passo Bornengo – Maighelshütte SAC – Oberalppass)
Trotz voll besetzter Hütte (ca. 80 Personen) erlebten wir eine ruhige und erholsame Nacht. Nicht zu früh, kurz vor 7 Uhr, Tagwacht und anschliessend Frühstück. Viele der BesucherInnen wählten einen der Tessiner Abstiege oder denjenigen zum Lukmanierpass. Wir hatten den anspruchsvollen Steilabstieg von etwa 220 Hm (1.3 km) über die Bocchetta di Cadlimo auf die Pian di Bornengo hinunter vor uns – grosse Tritte, viel Geröll und steiles Gelände! Oberhalb der Pian di Bornengo dann der von weitem sichtbare Übergang ins Val Maighels, der Passo del Bornengo (2631 m). Im sehr steilen und ebenfalls etwa 1.2 km langen Aufstieg waren fast 300 Hm hinauf zu keuchen; genug, um die ganze Energiezufuhr des Frühstücks zu verbrennen. Vor der Passhöhe waren noch steile Altschneefelder auf gut zu tretenden Spuren zu traversieren. Schon von weit unten waren viele Steinböcke zu erkennen, die sich dann aber leider nach Osten in Richtung Piz Borel verzogen. Auf dem Pass dann wie erwartet der Blick ins Maighelstal und in die Weite (Piz Cavradi, Six Madun, Crispalt, usw.). Die heute noch stärkere Bise (Böen von geschätzten 50 km/h) hinderte uns daran, länger zu verweilen. Und ja, die ins Blickfeld gerückte Maighelshütte wollten wir um die Mittagszeit erreichen… Der Abstieg zum auf 2511 m.ü.M. gelegenen namenlosen See führte durch und über Blocks und Schotter, so wie es uns immer wieder gefällt. Nach etwa 2.4 km flachte das Gelände ab und wir passierten unterhalb des Pass Maighels. Dort wurden wir von einer grossen Steinmänner-Armee empfangen – eindrücklich. Im weiteren (keineswegs steilen) Abstieg erreichten wir den um einige Meter vom Wanderpfad weg liegenden Piogn Crap, eine veritable Schlucht. Weiter folgte Stavel da Maighels. Beim hübsch gelegenen Lai Urlaun verliessen wir den Weg, um wenige Meter aufzusteigen zur Maighelshütte. Die immer noch starke Bise trieb uns rein in die Stube, wo wir leckere Rösti’s genossen. So gestärkt machten wir uns auf die vier Kilometer lange Schlussstrecke, welche erst etwas unattraktiv auf dem (ungeteerten) Fahrweg verlief. Bei P.2079 verliessen wir die Strasse, um auf der westwärts gelegenen Seite Plauncas Cuflegl zu traversieren. Erstaunlich viel Wandervolk hier oben! Und erstaunlich auch, dass es HunderhalterInnen schafften, daran erinnert zu werden, dass hier Leinenpflicht gelte (weil Muttertierherden zu durchqueren waren). Der immer lauter werdende Lärm von der Passstrasse kündigte an, dass die Zivilisation nahte. Wenigstens waren die letzten paar hundert Meter bis zum Pass nicht auf, sondern parallel zur stark befahrenen Passstrasse zurückzulegen. Oben dann das erwartete Bild (Kampfwanderer in Vollausrüstung, Kampffahrer auf zwei und vier Rädern, flipflop-bewehrte Touris aller Farben und Rassen, usw). Unter solchen Umständen hatten wir es eilig: ab in den RhB-Zug in Richtung Disentis, wo wir 50 Minuten später eintrafen – ausreichend Zeit, um Roger F’s grossartigen Sieg in Wimbledon mitzuerleben!

Fazit:
Eine zweitägige Hüttentour par excellence – ein grosses Dankeschön an unsere beiden Wanderfreunde Susanne und Richi, welche uns sehr angenehme Gesellschaft leisteten.

Wetterverhältnisse:
An beiden Tagen grossmehrheitlich sonnig mit etwas Bewölkung, trocken, angenehme 12 bis 24°, starke, böenartige Bise, die etwas störte.

Hilfsmittel:
Feste Wanderschuhe, Stöcke; Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 15./16. Juli 2017
Schwierigkeit: T2 (Stellen T3)
Strecke: total 25.8 km, davon am 1. Tag 11.9 km ab Lukmanierpass (1923 m) – Val Cadlimo – Cadlimohütte SAC (2570 m), am 2. Tag 13.7 km ab Cadlimohütte – Pian di Bornengo – Passo del Bornengo (2631 m) – P.2374 (nahe Pass Maighels) – Piogn Crap – Maighelshütte (2314 m) – Plauncas Cuflegl – Oberalppass (2044 m)
Aufstieg: insgesamt ca. 1230 m
Abstieg: insgesamt ca. 1142 m
Laufzeit ohne Pausen: total ca. 7 Std. 45 Min. (1. Tag: 3 Std. 30 Min, 2. Tag: 4 Std. 15 Min.)
Laufzeit mit Pausen: total ca. 11 Std. (1. Tag: 4 Std. 30 Min, 2. Tag: 6 Std. 30 Min.)

Kamera:
Sony DSC-HX90V

Via Engiadina 3|3: Ardez – Alp Valmala – Alp Laret – Motta Naluns

Wiederum bestens gelaunt trafen wir uns zum Frühstück – und für heute versprach die Wettersituation beste Bedingungen. Wie schon gewohnt, starteten wir um 9 Uhr. Ungefähr in der Dorfmitte verliessen wir das schöne Ardez um bis zum P.1588 aufzusteigen. Jetzt Richtungsänderung NO, moderat ansteigend durch lichten Lärchenwald. Auf Clüs (1740 m) eine erste Trinkpause, dann weiter aufsteigend bis auf eine Höhe von ca. 1830 m. Jetzt befanden wir uns schon im Taleinschnitt (Val Tasna), 300 m tiefer der Bach namens Tasnan. Mit Ausnahme einer Runse (L’Uriana P. 1932), welche wohl von den Gewittern der Vorabende etwas ausgespült war, ohne schwierige Stellen. Kurz vor der Alp Valmala dann ein Lawinenschneekegel im Bergbach, den wir aber problemlos umgehen konnten. Vor uns eine grossen Herde Alpvieh (bestimmt weit über hundert Tiere!), die sich aber friedlich verhielt (wir auch!). Auf der Alp konnten wir unsere Getränkespeicher füllen. Weiter über die Brücke, dann Richtungsänderung S und gleichzeitig der Aufstieg von ca. 200 Hm über Traumgelände. Einzelne von uns wurden immer schneller, wohl wissend um die nahende Alp Laret – wo erneute eine Belohnung in Form eines Käseplättlis winkte. Passt, schliesslich war es Mittagszeit! Sehr sympathische Alpbeiz, hier könnte man es problemlos länger aushalten. Hinter dem Alpgebäude besuchten wir noch die Alpschweine, dann zogen wir die Höhe von knapp 2200 m haltend in Richtung O. Im Bereich Clünas dann ein kurzer, ruppiger Abstieg nach Prui (2073 m) hinunter, der Bergstation eines von Ftan heraufführenden Sessellifts. Wir waren uns einig, die letzten anderthalb Kilometer bis Motta Naluns weiter zu laufen und dort die Talfahrt mit der Gondelbahn nach Scuol hinunter zu geniessen. Die heutige Unterkunft (Hotel Altana, Scuol) befriedigte uns kaum, so dass wir es vorzogen, ins Dorfzentrum zu flüchten – und dort in einem der gemütlichen Restorants ein paar Kalorien zuzulegen. Vorher aber noch ab ins Thermalbad und anschliessend Treff in der Belvedere-Bar zum Apéro.

Fazit:
Diese dritte (und letzte) Tagesetappe war zwar wiederum lang, aber kaum anspruchsvoller, als der Vortag; Immerhin durften wir heute annähernd 1000 Aufstiegsmeter zurücklegen.

Wetterverhältnisse:
Während der gesamten Wanderung mehrheitlich sonnig mit etwas Bewölkung, trocken, angenehme 22 bis 27°.

Hilfsmittel:
Stöcke; Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 12. Juli 2017
Schwierigkeit: T2
Strecke: 15.8 km, Ardez (1464 m) – P.1588 – Clüs (1740 m) – Alp Tasna (1896 m) – Alp Valmala (1980 m) – Alp Laret (2188 m) – Clünas – Prui (2073 m) – Motta Nalus (2142 m) – Talfahrt nach Scuol
Aufstieg: ca. 989 m
Abstieg: ca. -301 m
Laufzeit ohne Pausen: total ca. 4 Std. 40 Min.
Laufzeit mit Pausen: total ca. 6 Std. 50 Min.

Kamera:
Sony DSC-HX90V

Walliser Suonen 1|2: Bisse du Rho – Cry d’Er – Crans sur Sierre

Von unserem Standort in Anzère ist Crans-sur-Sierre auf kurvenreicher Strecke in knapp 30 Minuten zu erreichen. Als Ausgangspunkt wählten wir den Parkplatz bei der Talstation der Telecabine Crans-Merbé-Cry d’Er. Verdächtig ruhig hier, halt noch Nebensaison. Gleich beim Parkplatz folgten wir dem Wanderwegweiser Bisse du Rho, dann aber bald abruptes Ende der Informationen. Zum Glück hatten wir gutes Kartenmaterial dabei. Das Villenviertel Plan des Mayens umgingen wir westwärts, um dann teilweise auf dem Biketrail(!) aufzusteigen. Oberhalb Plan des Mayens erreichten wir die Suone – leider trocken, weil sie halt nicht mehr betrieben wird. Auf den ersten 1.5 bis 2 km verlief der sehr gut unterhaltene Weg meist über Holzstege (fast schon Rollator-gängig!). Obwohl im Wald verlaufend, wurden doch einige Tiefblicke frei. Später dann wurde es ernsthafter: zwar noch immer gut gesichert, verlief der Steg entlang sehr steiler Felswände, nie aber richtig ausgesetzt. Bei bidi’s Tanne (in Wirklichkeit eine Föhre) steht sogar ein Bänkli, und einige hundert Meter später sogar ein überdachter Rastplatz. Hier könnte, wer genug hat, nach Crans absteigen. Nicht für uns! Denn schliesslich lag der abenteuerliche Teil der Bisse du Rho vor uns: in den Fels eingeschlagener Wasserweg, ohne komfortablen Steg, dafür mit schwindelerregendem Verlauf durch steile Wände. Bestimmte Stellen mussten bückend traversiert werden, wollte man dem Felsen keinen Schaden zufügen  – so gefällt’s uns! Über uns bizarre Schieferformationen, 500 m unter uns die Lens. Auf diesem Abschnitt erhält man einen ausgezeichneten Eindruck von der unglaublich abenteuerlichen und auch gefährlichen Arbeit der Erbauer. Auf dem zuletzt beschriebenen Abschnitt ist besser dran, wer trittsicher und schwindelfrei ist. Bei der Brücke über die Ertentse wieder ein paar Schritte zurück, um über schöne Alpweiden nun steiler aufzusteigen. Die Alp Er de Chermignon liessen wir links (oben) liegen und gelangten bei P.1733 zur Pont Er de Chermignon. Oberhalb dieser Stelle, beim beim P.1788, erreichten wir dann La Cave d’Er de Lens, den Wendepunkt unserer Tour. Hier auch gleich eine erste Schlüsselstelle (😊) – ein Felsbrocken war unspektakulär mittels Leitern zu übersteigen. Ab jetzt ging es in Richtung Süd und durch lichten Wald, bis zum P. 1995 moderat steigend. Über uns bedrohlich steil (und abweisend) die ca. 300 m aufragenden Flühe. In unseren Köpfen kam allmählich die Frage auf, wo es denn einen Durchstieg gäbe. Vor uns also der steilste Teil heute; Trittsicherheit war gefordert! Nach einem kurzen, aber heftigen Aufstieg standen wir direkt unter der Wand und suchten nach einer Markierung. Ein unscheinbarer weissroter Pfeil wies auf den Einstieg. Die mit Seilen gut gesicherten Steilstufen gefielen uns sehr (besser rauf als runter – dachten wir…). Ziemlich rassig erreichten wir den Ausstieg, im Blickfeld auch schon die Liftanlagen und die Bergstation Cry d’Er. Hier oben dann eine erste Enttäuschung: eine einzige riesige Baustellenwüste. Und die zweite Enttäuschung folgte gleich: die Bahn war (noch) nicht in Betrieb. Irgendetwas habe ich wohl falsch verstanden bei der Konsultation der Website der Bahn. Also hatten wir anstelle der erhofften Talfahrt den Abstieg per pedes vor uns; nicht gerade der Traum eines Bergwanderers, mitten im Skigebiet abzusteigen. Vorbei am auf 2112 m stehenden mondänen Hotelklotz Chetzeron erreichten wir Merbé – in der Hoffnung dass die Bahn ab/bis dieser Mittelstation laufe – wieder nichts. Okay, ab hier sind es ja nur noch 450 Abstiegsmeter – eine gute Wegstunde sozusagen. Ziemlich steil zur Sache gehend, erreichten wir endlich den Lac de Chermignon, und wenig später die ersten Villen und letztlich auch den Parkplatz der Bergbahn – und damit das Endpunkt unserer Tagestour.

Fazit:
Die abenteuerliche Bisse du Rho ist ein Muss für Liebhaber, auch wenn sie heute kein Wasser mehr führt. Die recht lange und auch anstrengende Tour ist sehr abwechslungsreich, für trittsichere und schwindelfreie, fitte Wanderer (wie wir es sind, hihihi…) sehr zu empfehlen. Uns hat diese Wanderung sehr viel Spass bereitet.

Wetterverhältnisse:
Anfänglich sonnig, leicht bewölkt, hochsommerliche 32° heiss, im Verlauf der Tour (ab Cry d’Er) stärker bewölkt mit einigen wenigen, verirrten Regentropfen, bis zum Endpunkt dann wieder Hochsommer.

Hilfsmittel:
Stöcke; Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 5. Juli 2017
Schwierigkeit: T3 (Bisse du Rho = T2)
Strecke: 15.5 km, Talstation Telecabine Crans-Merbé-Cry d’Er (1476 m) – Plans Mayens – Ancien Bisse du Rho – Pont sur l’Ertentse (P.1662) – Pont Er de Chermignon (P.1733) – La Cave d’Er de Lens (P.1887) – P.1995 – Cry d’Er (2263 m) – Chetzeron (2112 m) – Merbé (1933 m) – P. 1808 – Lac de Chermignon – Talstation Telecabine Crans-Merbé-Cry d’Er
Aufstieg: ca. 814
Abstieg: ca. -813 m
Laufzeit ohne Pausen: total ca. 5 Std.

Kamera:
Sony DSC-HX90V

Kies GL – Mettmen – Wildmadfurggeli (2292 m) – Unter Ampächli (Elm)

Ab Bahnhof Schwanden fuhren wir im Sernftalbus (in Normalgrösse!) die sehr enge Bergstrasse hoch bis zur Talstation Kies LKM. Unsere zweifelnde Frage quittierte der Fahrer selbstsicher: am Vormittag jedenfalls sei es noch gut gegangen… Unterwegs mussten dann schon einige PW (überwiegende mit ZH-Nummern😊) zurücksetzen, was nicht immer unproblematisch klappte. Bei der Talstation Kies ging der Blick hoch zur 600 m höherstehenden Mettmen. Dort steht unsere Loge, das Berghotel Mettmen. Wir machen es uns nicht so einfach und nehmen den steilen Aufstieg unter die Füsse. Zwar macht sich die Hitze bemerkbar, und der Schweiss floss in Strömen. Gut, dass es zwischendurch schattenspendende Stellen gab. Nach einer Stunde erreichten wir das Naturfreundehaus, wo der Wasserverlust teil-kompensiert wurde mit einem Adlerpfiff. Ein schönes Plätzchen mit ebensolchem Ausblick! In wenigen Minuten, vorbei an der schön gelegenen Alp Breitrus, erreichten wir das Berghotel. Check-in ins Panoramazimmer, Dusche, kurze Siesta bei formidablem Glärnischblick, und schon war es Zeit, auf der Sonnenterasse einen Hugo zu geniessen. An diesem Sonntagabend war das Berghotel Mettmen gut ausgelastet, jedenfalls waren wir erwartungsgemäss nicht alleine. Das gebotene Viergang-Überraschungsmenü war dann vom Feinsten: alles frisch zubereitet und von bester Qualität – grosses Kompliment, was das junge Team auf 1600 m.ü.M. bot! Der kurze Verdauungsgang hoch zur Staumauer, verbunden mit dem Austausch mit anderen Gästen – bis uns die Kühle wieder zurücktrieb. Ab in die Panoramapfanne, nur ja nicht die Vorhänge ziehen – bei diesem Naturkino wäre das sündhaft.

Gut ausgeschlafen machte der Glärnischblick darauf aufmerksam, dass es nun Zeit sei, aufzustehen und das reichhaltige Frühstücksbuffet zu geniessen. Um neun Uhr dann der Start zur heutigen Tour, die uns über das Wildmadfurggeli nach Elm hinunter führen wird. Nach der Überquerung der Nebenstaumauer des Stausees Garichti bogen wir auf dem Weg zur Leglerhütte beim P.1625 links ab um aufzusteigen in Richtung Widerstein – wo ein kleiner aber feiner Klettergarten eingerichtet ist. Diese ersten 200 Hm verliefen zwar steil, aber immer auf gut instandgehaltenem Pfad. Etwas unterhalb des Widerstein, bei P.1832, hielten wir rechts (in Richtung S) um auf ca. 1900 m oberhalb der Mattchöpf und unterhalb des Charenstock zu queren. Vor uns das Kärpfgebiet und der Blick zur Leglerhütte. Bei Vorder Matt (P. 2171) kommt der Weg von der her Chärpfbrugg hoch. Ab hier waren einige Stellen noch unter Schnee, allerdings unschwierig zu begehen; es wird wohl nur noch Tage dauern, bis alles weggeschmolzen ist. Der weitere Aufstieg zur 120 m höher liegenden Wildmadfurggel verlief stellenweise noch auf allerdings gut zu tretendem Restschnee, der auch umgangen werden kann. Auf der Furggel angekommen, schieben sich ein paar graue Quellwolken vor die Sonne. Frisch wie wir noch waren, wollten wir eigentlich noch den rechts stehenden Vorder Blistock (2405 m) besteigen. Zur Linken aber hat es uns ein anderer, namenloser Gipfel mit einer Höhe von 2380 m, ein dem Bergligrat vorgelagerter Felsaufbau, angetan. Ein paar Meter hoch bis zum Felsaufbau, wo wir Rucksäcke und Stöcke deponierten. Wir freuten uns wieder einmal Fels zu berühren und einige II-er und vielleicht III-er zu kraxeln. Nach etwa zehn Minuten standen wir oben, leicht stolz und auf die uns beobachtenden Wanderer auf der Furggel runter blickend. Nach den Gipfelposen dann der Abstieg. Das war ein spannendes Intermezzo! Dann weiter über einige flache Restschneefelder zum zweiten Steinmann, wo wir ausgiebig rasteten. Hier geht der Panoramablick zur Glarner Hauptüberschiebung mit den Tschingelhörnern und dem Martinsloch, zum Vorab, zum Piz Sardona, sogar der Spitzmeilen war zu erkennen.

Gestärkt machten wir uns auf den zweiten Teil unserer Tagestour; über eine Strecke von ca. 5 km waren gut 800 Hm zu „vernichten“. Auf dem Pfad über die Wildmad, vorbei an den noch teilweise zugefrorenen Seelein, war wegen des Schnees noch etwas Vorsicht geboten (Einsinkgefahr). Die Steilstufe bei etwa 2220 m hinunter zum Gelb Chopf (2117 m), nahe der Bergstation des Sessellifts Pleus, war gottseidank schneefrei. Dennoch machte dieser imposante und wilde Durchgang schon Eindruck – auch wenn ohne ausgesetzte Stellen. Bei Wegweiser Gelb Chopf hielten wir links – unter uns der wunderschön gelegene Chüebodensee, den wir nach wenigen Minuten Abstieg erreichten. Weiter führte uns der wrw-markierte Pfad via Ober Chüeboden bis zur Abzweigung bei P.1740. Die Richtung änderte nun nach S zur Mittlere Abedweid. Dann folgte die tiefer liegende Alp Chuenz, wo ein grosser „Riesen“-Park für Familien eingerichtet ist. Durch den folgenden „Riesen“-Wald erreichten wir nach wenigen Minuten die Bergtourismusanlage Unter Ampächli, mit Bergrestaurant und Bergstation. Nochmals die Wassertanks auffüllen, und dann die letzten 500 Hm nach Elm hinunter gondeln. Der Nutzung alternativer Abfahrmöglichkeiten (Trottinett, Mountaincarts) widerstanden wir – zu gefährlich für uns… Ab Elm erholsame Rückfahrt mit dem Sernftalbus bis Schwanden.

Fazit:
Eine unserer Wunschwanderungen, verteilt auf zwei Tagesetappen – sehr zu empfehlen!

Wetterverhältnisse:
Freundlich, sonnig, leicht bewölkt, hochsommerlich heiss

Hilfsmittel:
Stöcke; Kartenmaterial

Parameter:
Tour-Datum: SO/MO 18./19. Juni 2017
Schwierigkeit: T2 (stellenweise T3 wegen der Restschneefelder)
Strecke: 12.3 km, Kies LKM (1029 m) – Naturfreundehaus – Berghotel Mettmen (ca. 1600 m) – Stausee Garichti (1622 m) – Verzweigung P.1625 – P.1832 (Widerstein) – Vorder Matt P. 2171) – Wildmadfurggeli (2290 m) – Wildmad (2206 m) – Verzweigung Gelb Chopf (P.2117 m) – Chüebodensee (2046 m) – Obere Chüeboden (P. 1848) – Verzweigung P. 1740 – Abedweid – Chuenz (1484 m) – Riesenwald – Unter Ampächli Bergstation Gondelbahn
Aufstieg: 1492 m
Abstieg: -1046 m
Laufzeit ohne Pausen: total ca. 6 Std. 15 Min., ab Mettmen ca. 5 Std.

Kamera:
Nikon D7000 (DSLR)

Taufenscharte (2230 m) und Mutspitze (2291 m)

War der erste Wandertag von gestern geprägt von wenig Höhenmeterdifferenzen, sollte es heute Sonntag in dieser Beziehung etwas anspruchsvoller werden. Mit der Luftseilbahn ab Dorf Tirol in wenigen Minuten Bergfahrt zur Hochmuth. Am 20 Hm höherstehenden Gasthof Steinegg links vorbei – und schon waren wir alleine unterwegs. Der auf den ersten paar hundert Metern etwas ausgesetzte Hans Frieden Weg (Nr. 24) ist breit, sehr gut unterhalten, aber schwindelfrei sollte man schon sein. Nach einer Stunde Wanderzeit die erste Trinkpause auf der Leiteralm. Wohl wissend, dass dies die letzte Jausestation für lange war, füllten wir unsere Trinkwasserreserven nach. Hinter dem Restaurant ging es dann steil hoch auf dem Weg Nr. 24, ab bald folgender Verzweigung auf dem markierten Weg Nr. 25. Im schattenspendenden Wald ging es ziemlich steil und schweisstreibend zur Sache. Kaum war die Baumgrenze erreicht (bei etwa 1950 m), war die steil über uns liegende Taufenscharte zu sehen. In endlosen Serpentinen stiegen wir durch sichtbar steinschlag-gefährdetes Gebiet hoch. Auf dieser Strecke von ca. 1.5 km hatten wir eine Höhendifferenz von fast 300 m zu bewältigen, was wir in knapp vierzig Minuten schafften (T2). Auf der Taufenscharte angekommen, eröffnete sich auf der Nordseite ein wunderschönes Panorama ins Spronser Tal und zur gegenüberliegenden Kette mit den Gipfeln Hochwart 2525 m und Hahnenkamm 2120 m. Die Seenlandschaft (7 Bergseen) war von hier leider nicht einzusehen. Dafür stand uns eine massive Holzbank zur Verfügung, auf der wir den mitgebrachten Lunch vertilgten – bei schönstem Panoramablick. Der nordseitig exponierte Weiterweg (Weg Nr. 23) lag teilweise unter gut trittigem Schnee, bei entsprechender Vorsicht unproblematisch zu begehen; aber Stöcke leisteten hier gute Dienste(!) Nach der ersten Kurve erblickten wir – in 900 m Luftlinie entfernt – auch schon das Gipfelziel, die Mutspitze. Von weitem ein blockiger Koloss, der bereits massigen Besuch hatte. Der Weg bis zum Gipfelaufbau führte stellenweise über schneebedeckte Steilstufen und über einen schönen, blockigen Grat, mit entsprechendem Tiefblick ins untere Vinschgau. Mit blossen Augen erblickten wir die in einem langen Stau stehenden bedauernswerten Heimkehrer (wohl mehrheitlich Schweizer…). Der Aufstieg zum Gipfel dann unspektakulär, aber doch T3+ und ab und zu war der Einsatz der Hände gefragt. Auf dem Gipfel dann sehr enge Platzverhältnisse, bestimmt 30 Leute hier oben. Nichts für uns, kurzes Gipfelselfie beim Kreuz, dann zwanzig Meter unterhalb eine ruhige Stelle für die verdiente Gipfelrast. Wunderbar der Tiefblick nach Dorf Tirol und Meran hinunter! Der Abstieg zum 600 m tiefer liegenden Berggasthaus Mutkopf dann von mittlerer Steilheit (T2), allerdings nicht gerade knieschonend, da der Pfad mit Kopfsteinen solide „gepflastert“ war. Nach einer Stunde war das Restaurant erreicht, Zeit einen Radler reinzuschütten. Der dreiviertelstündige Weiterweg zur Bergstation Hochmuth dann wenig anstrengend und im schattigen Wald verlaufend. Um fünf Uhr erreichten wir die im Viertelstundentakt fahrende Luftseilbahn, um bequem nach Tirol hinunter zu schaukeln. Ende eines erfüllenden Bergtages in einer uns bislang unbekannten Gegend.

Fazit:
Das war unser 2. Wandertag im Südtirol auf dem Weg in die Toscana – der Zwischenhalt in Naturns (Hotel Lamm) war absolut lohnend.

Wetterverhältnisse:
wolkenlos, hochsommerlich sonnig, Tageshöchsttemperatur um 27°

Hilfsmittel:
Stöcke; Kartenmaterial

Parameter:
Tour-Datum: 28. Mai 2017
Schwierigkeit: T3+
Strecke: 13 km, Bergstation Seilbahn Tirol-Hochmuth (1400 m) – Steinegg (1420 m) – Hans Frieden Weg (Nr. 24) – Leiteralm (1550 m) – Taufenscharte (2230 m) – Mutspitze (2291 m)
Aufstieg: ca. 777 m
Abstieg: ca. -743 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 6 Std. 53 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen 4 Std. 46 Min.
Tageszeit: 10:00 bis 17:00 Uhr

Kamera:
Sony DSC-HX90V

Vom Tösstal ins Toggenburg – mit Schnebelhorn-Überschreitung

Heute wieder einmal eine ÖV-Tour in unserer näheren Umgebung. Ab Bahnhof Steg im Tösstal – dem Ausgangspunkt unserer Wanderung – waren es nur ein paar Schritte bis zur Konditorei Voland, der bekannten Erlebnis-Bäckerei. Der ideale Ort für unseren Startkafi. Um neun dann der Start, bei angenehmer Witterung. Kurz vor der Badi Breitenmatt und einige Meter höher als die junge Töss, führte der bestens (gelb) markierte Wanderweg vorbei an den letzten Häusern, anfänglich steil, ab Vorderegg etwas gemütlicher über Burstel. Ab dort auf einer Naturstrasse, welche wir dann kurz vor Rütiwis gelb markiert in Richtung Hirzegg rechts verliessen. Über saftige Weiden führte die Spur steil hoch, mittlerweile hatten wir 900 m.ü.M. erreicht, und die Sonne wärmte schon beträchtlich. Auf etwa 1000 m dann eine Verzweigung, wir entschieden rechts zu halten (weiss-rot-weiss) – tatsächlich war der Pfad schmal, aber gut zu begehen, unter uns das Beschtentobel und das Brüttental. Nach wenigen Minuten erreichten wir den uns bekannten Pfad, der vom Roten herunterführt. Jetzt befanden wir uns auf der Krete, welche die Grenze ZH-SG bildet. Die markante Hirzegg (mit dem markanten Gipfelkreuz) liessen wir rechts stehen. Eine Bank an der Sonne – gerade richtig für eine erste Trinkpause, und den Blick ins hügelige Toggenburg. Vorbei an den Punkten 1049 und 1125 visierten wir den höchsten Punkt des Tages an. Das Schnebelhorn mit seinen 1291 m liegt genau auf der Kantonsgrenze; die Zürcher reklamieren den Punkt als ihre höchste Erhebung – sie sind halt bescheiden, diese Zürcher… Den Gipfel mit der tollen Rundsicht hatten wir heute ganz alleine. Gemütliche Gipfelrast, Eintrag ins Gipfelbuch (von Ursula und Felix gespendet!), und schon geht es an den kurzen, aber heftigen Abstieg. Nächstes Ziel: die Meiersalp. Auf den Zmittag bei Landfrauenköchin Ruth Breitenmoser und ihrem Mann Mario freuten wir uns schon. Nach zwanzig Minuten hatten wir dieses schöne Höckli erreicht. Zu unserem Erstaunen hielt sich auch hier der Besucherzustrom in bescheidenen Grenzen. Die Gastfreundschaft und die empfehlenswerte Älplerküche hat uns beeindruckt. Den Platz vor dem Haus und mittlerweile an der prallen Sonne verliessen wir ungerne, aber vor uns lagen noch knappe acht Kilometer. Wir entschieden, immer auf der Krete zu bleiben: Laubberg 1168 m, Steinweid, P.117 (oberhalb Oberstein), Hinterrachlis, Vorderrachlis. Erst auf der Schlösshöchi unterschritten wir die 1000-m-Marke. Wunderschön, diese bereits fetten Weiden und die schönen Höfe. Und natürlich der Blick zum allerdings wolkenverhangenen Alpstein und zu den Churfirsten. Der weitere Abstieg verlief über Schönengrund und am Rand des östlichen Bodenwalds, bis wir bei P. 783 auf das schöne Dorf Mosnang hinunterblicken konnten. Mit beinahe beängstigender Präzision (Zeitmanagement Doris!) erreichten wir den Bus im Dorfzentrum.

Fazit:
Eine nicht ganz kurze, aber einfache Wanderung an einem immer schöner werdenden Tag – was wünscht man mehr?!

Wetterverhältnisse:
anfänglich Restwolken, im Verlauf der Tages zunehmend sonnig, Tageshöchsttemperatur um 24°, angenehme äussere Bedingungen für einen „blauen Montag“.

Hilfsmittel:
Stöcke; Kartenmaterial

Parameter:
Tour-Datum: 15. Mai 2017
Schwierigkeit: T2
Strecke: 16.3 km, Steg im Tösstal – Vorderegg – Burstel – Rütiwis – Hirzegg – Schnebelhorn – Meiersalp – Laubberg – Oberstein – Hinterachlis – Vorderachlis – Schlosshöchi – Schönengrund – Mosnang
Aufstieg: ca. 777 m
Abstieg: ca. -743 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 6 Std. 55 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen 4 Std. 36 Min.
Tageszeit: 08:30 bis 15:30 Uhr

Kamera:
Nikon DSLR D7000

Monte Boglia (1516 m), Überschreitung von Luganos Grenzberg

Seit Tagen Nass und Grau im Norden, ausserdem noch immer reichlich Schnee in höheren Lagen – was liegt näher, als wieder einmal in die Sonnenstube Tessin zu rollen; ÖV-Halbtax und Mitfahrkarte, das Ganze für hundertdreizehn Franken. Nichts wie los am schönsten Tag in dieser Woche. Sehr eindrücklich die Bahnfahrt mit dem ECN (Trenitalia) – bei Erstfeld ins Neat-Loch und auf der Südseite mit zweihundert Sachen raus – aahhh, die Sonne scheint! Doch vorher (bei der Abfahrt in Arth-Goldau) kurzes Durchatmen – der „Italiener“ startete nach dreimaligem Versuch doch noch. Blitzartig unser Gedanke: hoffentlich schafft der moderne Zug die 57 km lange Neat-Durchfahrt. Nach dem leicht verspäteten Stopp in Bellinzona dann das Ende – nichts ging mehr, alle zehn Minuten eine ohnmächtig nichtssagende Durchsage, dass man daran arbeite, das Problem zu lösen. Wir wechselten in einen bereitstehenden TILO-Zug, um dann mit grosser Verspätung Lugano zu erreichen. Auf den Bus wartend der Genuss eines Start-Cappuccinos im Bahnhofbuffet. Etwas nach elf Uhr erreichten wir den Ausgangspunkt in Brè Paese doch noch.

Sonnencrème-beschmiert (>20° wurden in Aussicht gestellt!) spazierten wir durch den schönen Ortskern, um dann am Ortsausgang auf kopfstein-gepfastertem Weg rechts in Richtung Materone/Monte Boglia zu halten. Nach dreimaliger Querung einer Strasse dann bei Castra (ungefähr dort wo der schön gepflästerte Weg in einen natürlichen Pfad übergeht, scharf rechts (gut markiert in Richtung „Monte Boglia“). Mittlerweile durchliefen wir schönsten Buchenwald auf eine Höhe von ca. tausend Metern. Ab und zu ein kurzer Durchblick in den tief unten liegenden Lago di Lugano. Jetzt wurde es ziemlich steil, aber niemals ausgesetzt. Über schönstes Aufstiegsgelände erreichten wir den Wegpunkt 1294 und den nahe stehenden Sasso Rosso. Wir blieben oberhalb des Wanderwegs, um auf dem Grat den Tiefblick zu geniessen – eintausend Meter unter uns der See, und: hier oben sollte man sich nicht zu weit an den Abgrund wagen… Oberhalb des Sasso Rosso öffnete sich der Panoramablick auf die Stadt Lugano, den See, den San Salvatore und den Damm von Melide. Jetzt noch der letzte Aufschwung, erst über gut angelegte Serpentinen, dann baumfrei über ein Grätchen, und schwups standen wir auch schon auf dem Monte Boglia. Das 360°-Pano hier oben ist vom Feinsten – sogar die Walliser Riesen zeigten sich.

Der erwartete Nordwind war schwächer als erwartet, so dass einer ausgiebigen Gipfelrast nichts im Wege stand – und irgendwie musste das mitgebrachte Dreigangmenü vertilgt werden (Tuttifrutti als Vorspeise, zum Hauptgang Schraubenbrot gut gefüllt mit „scharfem Markus“, zum Dessert eine dunkle Branche). Bei solchen Verhältnissen auf „die dort unten“ herab zu schauen macht Spass.

So gestärkt verliessen wir diesen wirklich schönen Grenzgipfel, wohl wissend um den bevorstehenden etwas ruppigen, und nicht gerade knieschonenden Abstieg von 350 Hm. Anfänglich noch aussichtsreich, tauchten wir wieder ein in den von Buchen dominierten, lichten Wald. Auf der Pian di Scagn (P.1173) erreichten wir dann den obersten Teil der Alpe Bolla – wunderschön hier oben! Wenige Schritte unterhalb noch schöner: das Grotto Capanna Alpe Bolla. Klar, der Durst musste gestillt werden und der Formaggino musste auch versucht werden – lecker! Schwierig, sich hier wieder zu erheben (man könnte auch nächtigen!). Wir rissen uns zusammen, und machten uns auf den Weg in Richtung Brè. Die Strecke verläuft überwiegend durch Buchenwald – mit einigen uralten Bäumen. Ul Pian Camoghe heisst das Gelände. Teilweise verläuft der sehr gut unterhaltene Weg unterhalb einer felsigen Wand südwärts und während etwa zwei km die Höhe von ca. 1130 m haltend. Nach einer markanten Richtungsänderung ging es nordöstlich; in der Gegend Carbonera dann die Wahl: entweder rechts der Abstieg via Val di Cagnoli oder geradeaus in Richtung Trevach. Wie entschieden uns gegen den wohl eher schluchtartigen Abstieg, und erreichten bald schon den uns vom Aufstieg bekannten Punkt bei Trevach. Ab hier dann auf der bekannten Kopfsteinpflästerung hinunter nach Castra. Den Ausgangspunkt unserer Wanderung im Blickfeld, erreichten wir Brè Paese kurz nach halb fünf – gerade richtig, um den Bus nach Lugano (Abfahrt 17:00 Uhr) zu besteigen. Also keine Lust für einen durchaus lustvollen Aufenthalt in einer Gartenbeiz, weil der Anschluss ab Lugano ein ICN (der SBB) war – eine Stunde später wäre es dann die Aussicht auf italienisches Rollmaterial gewesen… Ausserdem konnten wir so in Arth-Goldau in den Voralpenexpress umsteigen und die Fahrt über den Sattel geniessen. Via Rothenturm – Pfäffikon SZ – Rapperswil SG – Wetzikon „landeten“ wir ziemlich entspannt (und auch etwas ermattet) zuhause.

Fazit:
Wieder einmal richtig entschieden, einen Schönwettertag gegen einen Schlechtwettertag einzutauschen!

Wetterverhältnisse:
Sonnig, Schönwetterwolken, gute Fernsicht, Tageshöchsttemperatur um 23°, sehr angenehm für eine Bergwanderung im Tessin.

Hilfsmittel:
Stöcke; Kartenmaterial

Parameter:
Tour-Datum: 9. Mai 2017
Schwierigkeit: T2
Strecke: 12.6 km, Brè Paese (800 m) – Trevach (P.1024) – Lurenzin – Sasso Rosso – SO-Grat – Monte Boglia (1516 m) – Pian di Scagn (1174 m) – Grotto Alpe Bolla (1129 m) – Pian di Camoghe – Carbonera – Trevach – Brè Paese
Aufstieg: ca. 811 m
Abstieg: ca. -802 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std. 33 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen 3 Std. 44 Min.
Tageszeit: 11:15 bis 16:45 Uhr

Kamera:
Nikon Coolpix P900

Alp Sigel: KEIN Festival der Krokusse

SÖND WÖLLKOMM! Heute hatten wir Pech – eigentlich war für heute laut Herrn Bucheli (SRF Meteo) der schönste Tage der Woche angesagt (Sonne und wenige Wolken). Also wollten wir heute Karfreitag das Meer blühender Krokusse erleben. Nun, wir wissen ja vom Vorjahr, wie phantastisch das aussieht – also war das heute einfach eine etwas triste Trainingsrunde. Das bisschen Hoffnung (Appenzell mit etwas Sonnenschein) blieb.

Diesmal war der Ausgangspunkt Brülisau, natürlich erst nach einem Startkafi im „Rössli“. Über den Brüelbach, dann über das nicht begüllte Moor Rossweid, hinauf in Richtung Obere Leugangen. Von dort in der direkte Linie hoch bis Cher, ab P. 1259 dann kurz nach Ost ausholend, um im Wald wieder nach Westen zu drehen. Bald tauchte die Alphütte Bärstein auf – der richtige Ort für eine erste Trinkpause. Erstaunt stellten wir fest, wir stark uns der Nebel nässte. Ab Bärstein Richtungsänderung hoch zur im Nebel stehenden Felswand. Wenigstens waren keine Schneefelder zu queren. Unterhalb der Wand Querung ca. 200 m, bis zum Einstieg in den Zahme Gocht. Auf die Situation waren wir gespannt – die Seile noch nicht montiert, die sehrt steile Runse noch immer mit Schnee gefüllt. Nach ersten Tritten im Schnee konnten wir links ausweichen (T4) – gut zu machen. Im oberen Teil nicht verwächtet, deshalb auch nicht kritisch. In der Schlussphase hielten wir links, neben den unter Schnee liegenden Tritten über Steilgras. Oben angekommen noch immer grau, grau, grau – und viele traurige Blüemli. Auf den Gipfel verzichteten wir gerne, nichts wie hinunter in Richtung vermuteter Alphütten. Beinahe hätten wir hier oben die Handschuhe gebraucht. Auf der Alp dann Rast an etwas geschützter, und üblicherweise aussichtsreicher Stelle. Trotzdem genossen wir das Dreigangmenü (Doris’ selbsteingefärbte Oster-Eier als Vorspeise, dann Schraubenbrot gefüllt mit Scharfem Markus, zum Dessert Apfel und Mini-Ragusa). So gestärkt stiegen wir durch den Nebel ab durch den Chrutzug – das oberhalb liegende Schneefeld bot heute keinerlei Herausforderung. Unterwegs zum Berggasthaus Plattenbödeli hatten wir auf dem Wanderweg an mehreren Stellen umgestürzte Bäume zu umgehen. Im Plattenbödeli (zurzeit im Umbau) gab’s Kafi und einen Nussgipfel (als Nachdessert). Erstaunlich viel Volk hier oben – gegönnt sei es den Wirtsleuten! Der abschliessende, bekannt steile Abstieg durch das Brüeltobel ohne ernsthafte Probleme. Zum Schluss der flach auslaufende Teil bis nach Brülisau – und fertig! Nichts weiter halt als ein Trainingslauf – in einer Woche wird’s dann ernsthafter…

Fazit:
Der stille Wunsch, die immer wieder grossartige Krokusblüte auf der Alp Sigel zu erleben, erfüllte sich heute nicht… Schön war’s trotzdem.

Wetterverhältnisse:
Nebel, feucht aber ohne Niederschlag, Tageshöchsttemperatur ca. 8°, nicht gerade angenehm für eine Blumenwanderung…

Hilfsmittel:
Stöcke

Parameter:
Tour-Datum: 14. April 2017
Schwierigkeit: T3 bis T4 (Zahme Gocht)
Strecke: ca. 9.1 km, Brülisau (905 m) – Rossweid – Obere Leugangen (1093 m) – Cher (1259 m) – Bärstein (1441 m) – Zahme Gocht (1660 m) – Alp Sigel – Chrutzug – Plattenbödeli (1279 m) – Brüeltobel – Pfannenstiel – Brülisau
Aufstieg: ca. 766 m
Abstieg: ca. -769 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: ca. 5 Std. 05 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: ca. 3 Std. 18 Min.
Tageszeit: 10:30 bis 15:30 Uhr

Kamera:
Sony DSC-HX90V

Monte Generoso (1701.3 m), Überschreitung auf einsamen (Schmuggler-)Pfaden

Zwei Tage nach Eröffnung Mario Bottas „Fiore di pietra“ – am Montag also eine Bergtour auf den Publikumsberg Monte Generoso! Schon am Vorabend waren Berg und „Steinblume“ vom Hotelzimmer aus gut zu sehen – eindrücklich. Nach dem Frühstück um neun Uhr starteten wir direkt vom Hotel in Richtung Kirche, dann mitten durch das typische historische Zentrum Rovio. Bei den letzten Häusern am Ortsrand vorbei an ein paar Rebzeilen, dann etwas steiler werdend, um bei der Verzeigung P. 581 nicht in Richtung Bellavista, sondern leicht links zu halten. Bis hier könnte 4×4 gefahren werden, was an den abgestellten Autos zu erkennen ist. Der Pfad verläuft im Wald (Buchen, Kastanien), rechts vorbei am Monte Sant’Agata, einem Pilgerberg der Einheimischen. Nach einer Weideabsperrung erreichten wir eine schöne grüne ebene Lichtung. Genau mitten in dieser Lichtung verliessen wir den Pfad nach rechts, um auf kaum erkennbarer Spur auf einem Grätchen direkt hoch zu steigen, wohlwissend, später den über Bogo ausholenden Weg wieder zu erreichen (Wegweiser „Sentiero“ mit handschriftlicher Ergänzung „Crocette“ und „Mte. Generoso“). Jetzt wurde es deutlich steiler – und ziemlich wild! Als mittlerweile erfahrene Wanderer „fanden“ wir in grösseren Abständen immer wieder mal undeutliche wrw-Markierungen (meist an Bäumen). Aber auch ohne Markierungen gab es nur eine Möglichkeit: in dieser schmalen Rinne zickzack hoch zu steigen. Zum Glück spendeten uns die Bäume Schatten, denn die Sonne heizte schon ein. Bei P. 1140 erreichten wir die Pianche, einen Grat, auf dem wir nun die Richtung nach O änderten, um möglichst auf diesem weiter aufzusteigen. An einigen lichten Stellen wurde der Blick frei zum Baraghetto und zum Observatorium auf dem Monte Generoso. Unterhalb der Cima Crocetta dann ein deutlicher Pfad, über den wir den lichten Übergang erreichten. Jetzt standen wir genau auf der Landesgrenze CH-I. Wegweiser und eine gute Spur wiesen uns nach rechts in Richtung S – links unter uns die Alpe di Gotta. Nach einem kurzen Aufstieg erreichten wir den Grenzstein 23.2 – hier geht es senkrecht runter, gegenüber die bizzaren Felsformationen der Cima dei Torrioni. Hier verläuft der gut erhaltene Pfad steil und über befestigte Treppen hinauf zum P. 1488 (Cima dei Torrioni). Jetzt wurde auch der Blick frei nach Osten ins italienische Val d’Intelvi hinunter. Auf den umliegenden Alpen herrschte noch Ruhe, was sich wohl bald ändern wird. Über P. 1445 aufsteigend erreichten wir vorbei am Grenzstein 23.4 die Cima della Piancaccia, einem auf 1610 m liegenden Übergang. Zum Monte Generoso werden noch 30 Minuten angegeben. Vor uns gut einsehbar der weitere Wegverlauf östlich des Klettersteiggebiets des Baraghetto, dessen Einstieg zur Via ferrata Angelino wir mieden. Kurz vor dem Monte Generoso konnten wir es dann doch nicht sein lassen, und wir liessen uns von den Fixseilen zum Direktaufstieg verleiten. Quasi von hinten erreichten wir den abgesperrten Gipfel – einige Gipfelbesucher spendeten uns verwunderte Blicke. Der Dunst verwehrte uns den uneingeschränkten Fernblick, grandios ist das 360°-Panorama dennoch! Eindrücklich auch der Blick zum Baraghetto, resp. zum massiven Grenzfelsen (mit Schweizerkreuz) und zur Casetta della Contessa Vitaleschi – welch famose Lage! Nun nichts wie runter zur Bergstation und ins nagelneue Gipfelrestaurant (Mario Bottas „Fiore di pietra“). Auf dem gesamten Aufstieg begegneten wir keiner einzigen Menschenseele (nicht mal Schmuggler!), dafür einem Mäuschen und zwei Gämsen – aber jetzt hatte uns die Zivilisation wieder.

Im schönen Selbstbedienungsrestaurant verpflegten wir uns mit leckeren Salaten – und fassten den Entschluss, nicht wie eigentlich geplant, mit der Bahn bis Bellavista abzufahren. Vor uns also der ultimative Härtetest für Ruedis Knie mit mehr als 1300 Abstiegsmetern. Schon mal so viel im Voraus: alles ging bestens! Die breite und etwas rutschige Piste entlang der Bahn war nicht so unsere Sache, der Blick ins Valle di Muggio hinunter schon mehr. Nach Überquerung eines Bahnübergangs (die Zugführerin winkte uns lässig zu!) erreichten wir bald die Station Bellavista. Hier bei P. 1221 verliessen wir die Zivilisation wieder – nicht ohne die überraschende Begegnung mit einem Bekannten: Der Mensch (Armin Schelbert), sonst meist am Grossen Mythen anzutreffen, war ebenfalls unterwegs. Nach kurzem Gespräch also stachen wir hinab in den Buchenwald. Nach etwa fünfhundert Streckenmetern Laubwandern(!) ging es so richtig zu Sache; meist weglos oder auf schwachen Spuren, immer wieder von umgestürzten Bäumen „belästigt“, und ziemlich steile und rutschige Steilhänge querend, zuletzt den Lauf der total ausgetrockneten Viganale querend, waren wir froh, die Alpe di Melano zu erreichen. Schwer vollstellbar, hier in ein Gewitter zu geraten – dann müsste hier der Teufel los sein… Sogar ein älterer Mann, welcher die Alpe temporär bewohnt, begrüsste uns und bot uns Wasser von seinem Brunnen an; das war eine herzliche Begegnung, und wir konnten sogar ein paar Brocken italienisch kommunizieren. Ab hier sei der Weg wieder ein Weg, und „un bel sentiero“. Das hofften wir gerne! Nun gut, ab und zu gerieten wir in schluchtartiges, ziemlich bizzarres Gelände, und gelegentlich sanken wir im Buchenlaub bis zu den Knien ein. Das war zwar lustig, aber nicht ganz ungefährlich, weil die Unterlage recht ruppig war. Zwischendurch „tröstete“ uns eine der spärlichen Markierungen, auf dem richtigen Weg zu sein. Bei P. 573 überquerten wir die wenig Wasser führende idyllische Sovaglia über eine steinerne Brücke. Jetzt wurde der Pfad ruhiger und bald erreichten wir den uns vom Aufstieg bekannten P. 581 (Verzweigung Generoso/Bellavista). Jetzt noch der kurze Abstieg durch alt-Rovio zum Ausgangspunkt.

Fazit:
Eine durchaus attraktive, aber auch laaaaange und etwas streckenweise abenteuerliche Bergwanderung, welche etwas pfadfinderische Fähigkeit abverlangte. Spannend fanden wir das allemal. Und das Wichtigste: Ruedis Knie hat den Härtetest bestens überstanden.

Wetterverhältnisse:
Sonnig, aber ziemlich dunstig, Tageshöchsttemperatur ca. 23°, sehr angenehm für eine Bergwanderung im Tessin.

Hilfsmittel:
Stöcke; Kartenmaterial (wichtig!)

Parameter:
Tour-Datum: 10. April 2017
Schwierigkeit: T3 bis T4 (Gipfelaufstieg I)
Strecke: 16.3 km, Rovio (ab Hotel) – Centro storico (498 m) – P. 581 Verzweigung Generoso/Bellavista – Salera – Torricello (954 m) – P. 1040 Pianche – Cima Crocetta (1360 m) – P. 1425 (Grenzstein 24.2) – P. 1488 (Cima die Torrioni) – P. 1445 – Cima della Piancaccia (1610 m – Grenzstein 23.4 – Einstiegstelle Via ferrata Angelina (Baraghetto) – Monte Generoso (oder Galvagione) 1701.3 m – „Fiore di pietra“ (Steinblume) – P. 1447 – P. 1365 – Bellavista (1221 m, Station Monte Generoso-Bahn) – Alpe di Melano (903 m) – Valle della Carbonera – P. 573 (Brücke über die Sovaglia – P. 581 – Rovio Paese
Aufstieg: ca. 1337 m
Abstieg: ca. -1333 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 8 Std. 51 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen 6 Std. 03 Min.
Tageszeit: 09:00 bis 18:00 Uhr

Kamera:
Nikon Coolpix P900