Bergseeschijen 2819 m

Heute wird ein Bergtag erster Güte! Also lösten wir uns spontan von den Hausaufgaben (zurzeit Einbau einer neuen Heizung in unserem Haus). Gelohnt hat es sich! Und so viel sei im Voraus geschrieben: heute absolvierten wir ein volles Fitness-Programm mit Disziplinen wie Seilhangeln, Armzügen, Blockturnen… Und noch etwas: auf Bergtouren dieser Art sind unsere Leistungsgrenzen wohl erreicht.

Nach anderthalb Stunden Fahrt hoch zur Göscheneralp genossen wir den Startkafi auf der Sonnenterrasse im Berggasthaus Dammagletscher, welches direkt unterhalb der Staumauer des Göscheneralpsees liegt. Bei bestem Wetter begannen wir beim mit vielen Wandertafeln ausgeschilderten Einstiegspunkt beim Berggasthaus. Auf dem schön angelegten Wanderweg sind auf dem ersten Kilometer etwa 150 Hm aufzusteigen. Vorbei an gletscher-geschliffenen Mammutfelsen erreichten wir auf der Brätschenfluh ein wunderschönes Moorgebiet mit Sitzplätzen und einem kleinen Seelein. Hier verzweigen sich die Wege; wir hielten rechts bis zur bei P.1651 stehenden Alphütte (Auf dem Berg). Ab dort war die Bergseehütte SAC (2370 m) schon zu sehen. Der w-r-w-markierte Bergweg verlief nun deutlich steiler, ab etwa 2100 m.ü.M. dann im Zickzack hoch. Beim Wegweiser (es steht auch ein Kreuz dort) auf einer Höhe von ca. 2330 m ginge es links w-r-w markiert zur 250 m westlich stehenden Bergseehütte. Wir hatten noch kein Einkehrbedürfnis, also zogen wir direkt weiter, ab jetzt w-b-w markiert. Die spärlichen Wegspuren verloren sich und bald begann das Blockturnen. Die Bergseeschijenlücke war schon gut zu sehen, aber die knapp 300 Hm bis dorthin hatten es in sich: gut, dass in dieser weglosen Blockmulde viele Markierungen und Steinmänner die Richtung vorgaben. Etwa 100 Hm unter der Lücke dann der Einstieg in die Kletterpartie, eine mit Metallbügeln eingerichtete Stelle (die erste Stufe auf einer Höhe von nahezu zwei Metern). Nach den acht Stufen begann die Querung, gut gesichert mit Fixseilen. Ab und zu war ein bisschen Hangeln angesagt, weil die Tritte nicht immer der Körpergrösse angepasst waren. Bis zur Lücke wurden wir also auch im Oberkörper gefordert. Auf der nicht gerade geräumigen Lücke ein weiterer Wegweiser, wir hielten direkt links um den teilweise sichtbaren Gipfel in Gratnähe zu besteigen. Auch hier das reine Blockvergnügen, wo Trittsicherheit (und Trockenheit!) gefordert sind! Etwa hundert Hm unterhalb des Gipfels dann die Schlüsselstelle, welche mit Fixseilen eingerichtet ist. Auf dieser Partie waren etwa 70 Hm zu überwinden –  nach unserer Auffassung ein nicht ganz trivialer Bergwanderweg, bestimmt annähernd T5, jedoch nicht ausgesetzt. Nach diesen Turnübungen mussten wir den für uns günstigsten Aufstieg über die teilweise steilen, aber griffigen Granitblocks suchen. Endlich oben, das Gipfelkreuz über uns – welche Freude, und alleine für uns! Bei angenehmen (geschätzten) 16° genossen wir die Gipfelrast und das wieder einmal phänomenale Gipfelpano ausgiebig.

Gestärkt und mit etwas Unbehagen machten wir uns auf den Abstieg. Bis zur Lücke hinunter einigermassen unproblematisch – von oben waren die w-b-w-Markierungen deutlicher zu erkennen. Auf der Bergseeschijenlücke trafen wir dann einige Bergsteiger, die durch die Südwand aufgestiegen sind (4+ Französische Skala). Der Abstieg auf der uns bereits vom Aufstieg bekannten Klettersteig-ähnlichen Route gelang uns gut. Dennoch waren wir froh, und auch etwas entkräftet, unten angekommen zu sein; jedenfalls bewegten wir uns (vor allem Ruedi) bestimmt im anaeroben Bereich. Vor uns der weitere Abstieg durch die Blocks, für uns ermattete Berggänger war also Vorsicht angesagt – stolpern könnte fatale Folgen haben. Bei der Verzweigung zur Hütte angekommen, verzichteten wir auf einen Besuch der bestimmt hübsch gelegenen Bergseehütte, denn am Dammastock zogen graue Wolken auf. Unterwegs zur Alphütte hinunter erreichte uns dann ein kurzer und harmloser Schauer, der aber Minuten später wieder vom Sonnenschein abgelöst wurde. Der weitere Abstieg bis zum Berggasthaus Dammagletscher ging dann etwas rascher, nicht zuletzt in Erwartung eines Panachés.

Fazit:
Ein rundum sehr gelungener und erfolgreicher Gipfeltag war das! Und etwas mehr als sonst geschafft waren wir obendrein, aber glücklich und gesund zurück. Danke Markus (hikr-User Makubu), der uns mit seinem Bericht die Idee für unsere Tour lieferte.

Wetterverhältnisse:
Sehr sonnig, wolkenlos und angenehm warm, ca. 15 bis 25°, windstill. Gebührenpflichtiger grosser Parkplatz (Fr. 8.00/Tag).

Hilfsmittel:
Feste Wanderschuhe, Stöcke, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 24. August 2017
Schwierigkeit: T4-5, Kletterstellen I-II
Strecke: 9.8 km
Aufstieg: ca. 1100 m
Abstieg: insgesamt ca. 1100 m
Laufzeit ohne Pausen: ca. 5 Std.
Laufzeit mit Pausen: ca. 7 Std. 30 Min.
Anzahl Schritte: ca. 18000
Verbrauch Kalorien: ca. 3500 (Ruedi)

Kamera:
Sony DSC-HX90V

6 Gedanken zu „Bergseeschijen 2819 m“

  1. Hallo Ruedi und Doris
    Bergseeschijen ein herrlicher „Kraxelberg“.
    Wir haben ihn vor 2 Jahren auf unserer mehrtägigen Hüttentour vom Sustenpass zur Göscheneralp bestiegen. Wir sind von der Voralphütte aufgestiegen und dann weiter zur Bergseehütte.
    Gratuliere Euch zur Besteigung und danke für die schönen Bilder und den Bericht. Es war eine tolle Erinnerung.
    Lieber Gruss Roland und Mägi

    1. Lieber Roli, liebe Mägi, schön, wenn euch unser Tourenbericht auf diesen tollen Gipfel in Erinnerung schwelgen lässt. Und danke für den netten Kommentar und die Anerkennung, die uns sehr freut. Euch beiden wünschen wir noch viele schöne Bergtouren und wer weiss, vielleicht mal zu viert?! Liebe Grüsse, Ruedi (und Doris)

Schreibe einen Kommentar