Archiv der Kategorie: Schneeschuhtour

Val Lumnezia: Um Su 2357 m

Petra ist Geschichte, Sabine wird erwartet – und wir mittendrin! Frage: weshalb haben diese Wintersturmtiefs weibliche Namen? Wie auch immer – das Schönwetterfenster nutzten wir optimal mit einem Ausflug ins Tal des Lichts, wie die Val Lumnezia zu deutsch heisst. Nach der gestrigen Winterwanderung von Vella nach Lumbrein (immerhin ca. 8 km) genossen wir den Abend und die mondhelle Nacht im sehr empfehlenswerten Hotel Péz Regina in der ruhigen Ortsmitte des auf einem Plateau liegenden Bergdorfs. Frühstück um acht Uhr, danach strebten wir dem heutigen Gipfelziel zu: Um Su, was aus dem rätoromanischen übersetzt so viel wie Mann (Um) Oben (Su) heisst. Nach drei Wochen (witterungsbedingter) Tourenpause und mit fast tausend Metern Höhendifferenz ein für uns ansprechendes Vorhaben.

Von der Ortsmitte bis zum Startpunkt waren 540 m auf der Strasse talaufwärts zurück zu legen. Kurz nach der Kapelle Sogn Roc bei einer Brücke befindet sich der Einstieg in die Val da Mulin. Die Schneelage erlaubte es, unsere Werkzeuge gleich zu Beginn zu montieren. Vorbei an ein paar alten Häusern (eine ehemalige Mühle) begann der steile und enge Aufstieg über ein paar Serpentinen. Bald an der Sonne war auch schon der Punkt 1542 (Infotafel Wildruhezone) erreicht. Hier überquerten wir den nach Vrin führenden Winterwanderweg. In der steilen Schneise, welche die Wildruhezonen trennt, stiegen wir auf guten Spuren hoch bis P.1638. Wenig später war Plaun d’Urdien (P.1772) erreicht, wo eine Bank zum Verweilen einlud – kurze Trinkpause und ein Schoggiriegel zur Stärkung. Hatten wir bis jetzt bereits 380 Hm zurückgelegt, waren es «nur» noch 600 Hm bis zum Gipfel, den wir ewig nicht zu sehen bekamen… Vorbei an der Staviala Vedra (1996 m) hatten wir die Qual der Wahl, die passende Spur über die Alp da Lumbrein zu wählen. In der Querung eines <30° steilen Hangs erlebten wir etwas bange Momente – ein lauter Knall unter unseren Füssen signalisierte Bruchgefahr. Abstand vergrössern war die Devise; immerhin lag hier ca. 1 m Schnee. Bald täuschte uns ein grosser Steinmann das vermeintliche Gipfelziel vor – ein Fake (um mal dieses blöde, aber aktuelle Unwort zu verwenden)! Ein Blick aufs Navi zeigte an, dass noch 100 Hm vor uns lagen. Und tatsächlich, vierhundert Meter voraus der Gipfel, der eigentlich eine flache und geräumige Kuppe ist. Kein Gipfelkreuz, aber Wegweiser zuhauf – und ganz wichtig für den doch etwas geforderten Autor: eine Bank-Niederlassung der sympathischen Art. Während der ausgedehnten Gipfelrast genossen wir das formidable Rundumpanorama, welches von der südlich stehenden Pyramide des Piz Terri (3149 m) und etwas weiter östlich vom mächtigen Piz Aul (3121 m) dominiert wird. Quasi in unserem Rücken ging der Blick über die Alp Nova hinweg zum Piz Sezner (2309 m) und dem Skigebiet Obersaxen Lumnezia Mundaun. Für den Rückweg wählten wir die uns bekannte Strecke. So konnten wir den überfrorenen Hängen ausweichen und den Pulverschnee richtig auskosten. Der Abstieg bis zum Ausgangspunkt wurde von den wenigen Skitürelern gemieden wegen der abschliessenden, in den Val da Mulin hinunter führenden engen Schlüsselstelle. Bei der Mühle angekommen, war wir hoch zufrieden über unsere Leistung – ein toller Tourentag in der uns bisher unbekannten Val Lumnezia.

Wetterverhältnisse:
Bilderbuch-Winterwetter, Temperaturen im Bereich -8 bis 8°. Für Schneeschuhtouren gute Schneeverhältnisse (Pulver, ab 2000 m.ü.M., windgepresst, resp. vom Schneeregen der Vortage teilweise überfroren), kaum störender Wind (bis ca. 15 km/h).

Ausrüstung:
Schneeschuhe, Stöcke, LVS/Schaufel/Sonde, GPS-Maschine

Lawinensituation:
Laut SLF: Stufe 1 gering, Gefahrenstellen ab 2000 m.ü.M., Gefahrenbeschrieb: die Triebschneeansammlungen der letzten Tage sind teils noch störanfällig. Lawinen können stellenweise durch Personen ausgelöst werden und mittlere Grösse erreichen. Schwachschichten tief in der Schneedecke können vor allem an eher schneearmen Stellen vereinzelt und meist mit grosser Zusatzbelastung ausgelöst werden. Diese Stellen sind eher selten aber auch für Geübte kaum zu erkennen. Eine vorsichtige Routenwahl und Entlastungsabstände werden empfohlen.

Parameter:
Tourdatum: 8. Februar 2020
Schwierigkeit: WT2
Strecke: 9 km: Lumbrein (Val da Mulin, 1390 m) – P.1542 (Infotafel Wildruhezone) – P.1638 – Plaun d’Urdien P.1772 – Staviala Vedra 1996 m – Um Su 2357 m
Aufstieg: ca. 960 m
Abstieg: ca. -960 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 6 Std.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 4 Std.
Tageszeit: 09:40 bis 15:40 Uhr

Schneeschuh-Tourenwoche Val Müstair 5|5: Munt Buffalora 2627 m

Abschluss einer famosen Schneeschuh-Tourenwoche. In zwei Gruppen von der Buffalora auf den Wintertouren-Klassiker Munt Buffalora. Was für ein Hammertag! Und alle haben es problemlos geschafft – grossartig! Die uns schon vertraute Ebene bei Buffalora überquerend, war die Alp Buffalora rasch erreicht. Auf den ersten Minuten Aufstieg auf der Alpstrasse erreichte uns die Sonne (noch) nicht. Das änderte sich bei P.2195. Nach einer kurzen Trinkpause stiegen wir etwas steiler werdend auf, vorbei an den Minieras da Fiern. Die Spur war geschickt ins Gelände angelegt. Erst kurz unter dem Gipfelaufbau und mit Erreichen der Nationalparkgrenze machte sich ein starker Wind bemerkbar. Nach 2 Std. 20 Min. standen wir auf dem nicht sehr exponierten Gipfel. Das Panorama nach allen Seiten bot bestes Kino. Nur der Wind… Also rasches Gipfelfoti, und wieder absteigen war das Motto. Weiter unten auf einer Höhe von ca. 2515 m.ü.M. fanden wir eine windgeschützte Mulde, wo es uns die Salamirädli nicht gerade vom Brot wehte… Der weitere Abstieg führte entlang der Kante, gleichzeitig auch Nationalparkgrenze. Kurz vor dem P.2438 nutzten wir den schönen Pulverschnee um nach Fop da Buffalora hinunter zu surfen – ein ziemlich lustiges Spektakel! Im über ca. 2.1 km verlaufenden idyllischen und engen Tälchen waren einige trickige Stellen nahe des Bächleins zu meistern. Und kaaaaaaalt war es auch – meinte vor allem Roland, unser Führer. Also begleiteten wir ihn schnurstraks an die Ofenpassstrasse hinunter, wo sich der Arme in der Gaststube des Berggasthauses Buffalora aufwärmen konnte. Das war ein würdiger Abschluss einer in jeder Beziehung perfekten Tourenwoche. Jetzt darf der für morgen Samstag angemeldete Schneefall kommen…

Danke:
Dem familiären Team des Landgasthof und Hotel Staila Fuldera danken wir von Herzen. Unseren drei Wanderleitern Heinz, Severin und Roland gehört ebenfalls unser herzliches Dankeschön. Und allen zwanzig Mitwanderern danken wir für die tolle Kameradschaft – mit euch wars wunderbar!

Wetterverhältnisse:
Schon wieder dieses Bilderbuch-Winterwetter, Temperaturen im Bereich -9 bis 6°.  Beste Schneeverhältnisse (Pulver, im Gipfelbereich windgepresst resp. stark abgeblasen), starker Wind (bis ca. 30 km/h).

Ausrüstung:
Schneeschuhe, Stöcke, LVS/Schaufel/Sonde, GPS-Maschine

Lawinensituation:
Laut SLF: Stufe 1, gering

Parameter:
Tourdatum: 17. Januar 2020
Schwierigkeit: WT3
Hin- und Rückfahrt: Postauto Fuldera – Buffalora
Strecke: 9.2 km: Buffalora 1967 m – Alp Buffalora 2032 m – P.2195 – Minieras da Fiern – Mut Buffalora 2627 m – Fop da Buffalora – Buffalora
Aufstieg: ca. 685 m
Abstieg: ca. -679 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 4 Std. 30 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std. 25 Min.
Tageszeit: 10:05 bis 14:35 Uhr

Schneeschuh-Tourenwoche Val Müstair 4|5: Piz Terza 2908 m

Nach dem gestrigen Wellnesstag (Minschuns) war heute ein Gipfeltag der Sonderklasse angesagt. Die bereits bewährte Gruppe wurde um die dritte Doris ergänzt. Das kam mir sehr entgegen, weil ich ein schlechtes Namensgedächtnis habe. So viele Dorisse in einer Gruppe habe ich allerdings noch nie erlebt. Fahrer und Führer Roland chauffierte uns im Kleinbus nach . Vom Gratisparkplatz stiegen wir unverzüglich auf, erst über die Alpstrasse, welche wir nach wenigen Metern verliessen, um im Wald direkt aufzusteigen. Nach 50 Min. erreichten wir die 270 m höher liegende Alp Valmorain. Während der Trinkpause dann ein unerwarteter, sensationeller Besuch: ein ausgewachsener Bartgeier kreiste über uns. Das war ein freudiges Ereignis! Der weitere Aufstieg verlief in annähernd direkter Linie bis kurz vor der Fuorcla Sassalba. Dort verweilten wir an etwas windgeschützter Stelle – der starke Wind hinderte uns länger zu pausieren. Vom nahen Muntet aus wurden wir beobachtet (siehe Bilder). Unterhalb der Fuorcla Sassalba – dort wo der eingeschneite Wegweiser steht, hielten wir nach Ost, um ziemlich steil weiter aufzusteigen. Unser Glück war, dass die Unterlage windgepresst war, sich also kräftezehrende Spurarbeit erübrigte. Steilstufe um Steilstufe bewältigend trotzten wir dem starken Wind. Erst in einer Mulde unterhalb des Gipfels erblickten wir das Gipfelkreuz des Piz Terza. Noch ein letzter Spurt, und schon standen wir alle gemeinsam ankommend oben – geschafft in 2 Std. 55 Min. Und das Beste kommt noch – nachlassender Wind! Grossartige Ausblicke nach allen Seiten (siehe Bilder); hier oben standen wir also auf der Landesgrenze (CH-I), weshalb der Piz Terza auch (typisch italienisch…) Urtirolaspitz heisst. Einziger Wermutstropfen: unser Senior Leon masakrierte seine Brille; jetzt machten sich die handwerklichen Künste Roland’s bemerkbar (Heftpflaster sei Dank!). Nach etwa 10 Min. Gipfelaufenthalt traten wir den Abstieg an; in einer weiter unten liegenden, windgeschützten Mulde holten wir Gipfelrast inkl. -trunk nach (danke Sepp!). Der weitere Abstieg auf der bekannten Aufstiegsstrecke ging dann etwas zügiger. Auf Valmorain schalteten wir nochmals eine Trinkpause ein. Kurze Zeit später beendeten wir in einen grossartigen und anspruchsvollen Tourentag – alle zurück bei guter Gesundheit- Herzliche Gratulation zur Grosstat!

Wetterverhältnisse:
Bilderbuch-Winterwetter (was denn sonst…), Temperaturen im Bereich -4 bis 8°.  Beste Schneeverhältnisse (Pulver, je nach Lage windgepresst), ziemlich starker Wind (bis ca. 40 km/h).

Ausrüstung:
Schneeschuhe, Stöcke, LVS/Schaufel/Sonde, GPS-Maschine

Lawinensituation:
Laut SLF: Stufe 1, gering

Parameter:
Tourdatum: 16. Januar 2020
Schwierigkeit: WT3+
Hin- und Rückfahrt: Kleinbus Fuldera – Lü (Gratis-P am Dorfeingang)
Strecke: 10.4 km: Lü (1922 m) – Valmorain (2193 m) – Fuorcla Sassalba (2618 m) – Piz Terza (2908 m) – Abstieg auf gleicher Strecke
Aufstieg: ca. 1001 m
Abstieg: ca. -999 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 6 Std. 15 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 4 Std. 25 Min.
Tageszeit: 09:00 bis 15:15 Uhr

Schneeschuh-Tourenwoche Val Müstair 3|5: Wellness-Runde Alp da Munt

Nach dem gestrigen Tourentag (Muntet) war heute eine Erholungstour angesagt – in der gewohnten Gruppenzusammensetzung und unter der bewährten Führung Roland’s machten wir uns mit dem Sportbus auf zur Talstation des Skigebiet Minschuns. Nach ersten Metern auf der Skipiste wurde es etwas monoton, also zweigten wir nach links ab ins steile Tiefschnee-Freeride-Gelände. Unser Führer hat eine Vorliebe für unverspurte Läufe😓 – uns gefiel das sehr… Erst steil hoch bis zu den aufragenden Felswänden unterhalb Motta Lischa, dann oberhalb der Alp da Munt nach Osten querend, dann die verkehrsarme schwarze Piste in Richtung Nord (vorsichtig) überquerend, dann eine windgepresste Kuppe übersteigend. Links stellte sich uns der Munt da la Bescha (2772 m) in die Quere, geradeaus der Piz Vallatscha (3021 m), an dessen Fuss die Bergstation des höchstgelegenen Skilifts des kleinen Skigebiets Minschuns, und vor uns der obere Eingang ins Valbella. Von weitem zu sehen waren ein paar Felsbocken und in der Nähe eine Regenmessstation – der ideale Platz für eine Mittagsrast. Solche Aussichten spornten unseren Führer (uns selbstverständlich auch…) gewaltig an – jedenfalls spurteten wir um die Wette, und landeten genau zur Mittagszeit. Da unsere Gruppe etwas rascher vorankam als diejenige von Heinz und Severin, konnten wir uns die besten Plätze sichern😀. Nach Eintreffen der Verfolger-Gruppe wurde es zwar etwas eng, aber jedenfalls genussvoll. Der Ausblick ins Valbella war phänomenal schön – einer unter uns meinte, dass dieses Tal bis zum Ofenpass bei diesen Verhältnissen mit Schneeschuhen gut zu machen sei; beinahe waren wir einer Meinung. Trotzdem und nach laaaaaaaaaanger Mittagsrast nahmen wir die «Rückreise» unter unsere «Tennisschläger». Wie es sich gehört, nicht auf direktem Weg zur Alp da Munt (wo es eine Beiz hat…!). Der kleine Umweg führte uns zur Fuorcla Funtauna da S-charl, von wo ein Abstieg zur Alp Astra resp. nach Tamangur Dadaint (2135 m) hinunter möglich wäre. Da wir uns aber für heute eine Erholungstour vorgenommen hatten, hatte Roland ein Einsehen und wählte schliesslich doch die Richtung zur Alp da Munt hinunter.  Doch erst gabs einen kurzen Zwischenaufstieg, dann der lustige Abfahrtsgalopp hinunter zur etwa 120 Hm tiefer stehenden Alpbeiz. Hier füllten wir unsere Getränkespeicher wieder auf, um die letzten 20 Minuten Abstieg zur Talstation Minschuns gut zu schaffen. Dieser letzte Abstieg verlief mitten durch die rätselhaft-mystischen Sanddolinen, welche wir schon im Herbst letzten Jahres bewunderten; hier wohnen die Bergfeen der Alp Munt. Tief verschneit sieht das Ganze aus wie eine grosse übersahnte Pavlova (hihihi…). Locker schafften wir den Rest des Abstiegs, um das bereitstehende Postauto zu besteigen… Nach diesem erholsamen Tag fühlten wir uns gut vorbereitet für höhere Aufgaben (siehe Bericht vom nachfolgenden Tag).

Wetterverhältnisse:
Bilderbuch-Winterwetter, Temperaturen im Bereich -5 bis 6°.  Beste Schneeverhältnisse (meist Pulver, je nach Lage leicht windgepresst), kaum störender Wind.

Ausrüstung:
Schneeschuhe, Stöcke, LVS/Schaufel/Sonde, GPS-Maschine

Lawinensituation:
Laut SLF: Stufe 1, gering

Parameter:
Tourdatum: 15. Januar 2020
Schwierigkeit: WT2-3
Hin- und Rückfahrt: Postauto (Sportbus) Fuldera – Skigebiet Minschuns
Strecke: 9.1 km: Talstation Minschuns (2130 m) – Motta Lischa – Valbella (ca. 2570 m) – Fuorcla Funtauna da S-charl (2392 m) – Alp da Munt (2212 m) – Talstation Minschuns
Aufstieg: ca. 520 m
Abstieg: ca. -520 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 6 Std. 25 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std. 40 Min.
Tageszeit: 09:30 bis 15:55 Uhr

Schneeschuh-Tourenwoche Val Müstair 2|5: Muntet 2762 m ab Lü

Bereits am Vorabend entschieden wir uns in der Gipfelstürmer-Gruppe, wiederum mit Roland zu laufen. Mit uns Doris&René, Hedy, Sepp, Leon (81!), Doris&Ruedi. Start kurz vor halb zehn ab Postautoendstation im Dörfchen (1920 m), der höchstgelegenen politischen Gemeinde der Schweiz. Ab Dorfende erst auf der Alpstrasse laufend, erreichten wir in knapp 40 Min. und nach 2.4 km die Verzweigung Alp Champatsch (P.2093). Jetzt folgte die Steilstufe Serrà 2233 m, die aber gut gespurt war. Bald auf dem Pass da Costainas (2250 m), einem der bekannten Mountainbike-Pässe Graubündens, angekommen, strahlte uns die Sonne entgegen. Jetzt die Richtungsänderung nach O, wo unter dem Dreitausender Piz Starlex das Tälchen Costainas in Aufstiegsrichtung hangseitig rechts durchlaufen wurde. Auf einer Höhe von ca. 2460 m (vor uns der Piz Cotschen) erneut eine Richtungsänderung nach S. Jetzt wurde der Blick frei zur noch 1 km entfernten Fuorcla Sassalba und rechts davon das Gipfelziel Muntet (wo wir mindestens vier Gämsen) erblicken konnten. Nach einer kurzen Trinkpause die letzten Aufstiegsmeter bis (fast) zum Pass; kurz davor hielten wir rechts, leicht aufsteigend, zu einem ca. 40 Hm oberhalb der Fuorcla liegenden Punkt, quasi einer Abkürzung gleich. Der hier oben erwartete Wind war harmlos. Jetzt noch der moderat steile Gipfelzustieg (400 m Strecke, 120 Hm, um 25 bis 28° Neigung, ca. 20 Minuten Laufzeit). Die Windverhältnisse erlaubten eine ausgedehnte Gipfelrast – bei diesen Fernsicht-Verhältnissen ein Genuss! Leider hatten sich die Gämsen verzogen. Unten auf der Fuorcla versammelte sich die Gruppe von Heinz und Severin in Hörweite. Und über ihnen das Gipfelziel von übermorgen Donnerstag – der Piz Terza (2908 m). Vom grandiosen 360°-Gipfelpanorama konnten wir uns kaum losreissen, aber unten wurden wir erwartet. 15 Minuten später der Zusammenschluss auf der Fuorcla Sassalba. Jetzt der weitere Abstieg auf immer weicher werdender Unterlage – fast schon ein Abfahrtsvergnügen. Auf der Alp Valmorain angelangt eine letzte Trinkpause. Und gegenüber links leuchtete der Fast-Viertausender König Ortler, unter uns das Münstertal mit Fuldera (bereits im Schatten liegend). Der weitere Abstieg nach Lü hinunter war fast schon ein vergnüglicher, jedenfalls hatten wir alle die Kraft, uns auszutauschen. Einzig der direkte Steil-Abstieg durch den Wald unmittelbar vor Lü erforderte noch etwas Konzentration. Auf den letzten Metern auf der Güterstrasse ins Dorfzentrum dann gemütliches Auslaufen. Zufrieden über einen tollen Tourentag leisteten wir uns im Restaurant Hirschen den Abschlusstrunk – in Erwartung des Postautos, das uns nach Fuldera hinunterbrachte. Am Abend dann folgte der krönende Abschluss beim Fünfgänger (aus Roman’s Gilden-Küche) und in Gesellschaft Gleichgesinnter.

Wetterverhältnisse:
Wieder dieses Bilderbuch-Winterwetter, Temperaturen im Bereich -8 bis 2°.  Ausgezeichnete Schneeverhältnisse (meist Pulver, je nach Lage leicht windgepresst), kaum störender Wind.

Ausrüstung:
Schneeschuhe, Stöcke, LVS/Schaufel/Sonde, GPS-Maschine

Lawinensituation:
Laut SLF: Stufe 1, gering

Parameter:
Tourdatum: 14. Januar 2020
Schwierigkeit: WT3
Hin- und Rückfahrt: Postauto Fuldera – Lü
Strecke: 12.7 km: Lü (1920 m), Lü Daint – P.1948 – P.2093 (Verzweigung Alp Champatsch) – Serrà – Pass da Costainas (2250 m) – Costainas – Fuorcla Sassalba (2618 m) – Muntet (2762 m) – Fuorcla Sassalba – Alp Valmorain (2193 m)
Aufstieg: ca. 850 m
Abstieg: ca. -870 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std. 30 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 4 Std. 10 Min.
Tageszeit: 09:25 bis 14:55 Uhr

Schneeschuh-Tourenwoche Val Müstair 1|5: Jufplaun-Runde ab Buffalora

Soviel im Voraus: selten hatten wir derart stabiles Winterwetter, wie in dieser Januar-Woche. Die schöne Unterkunft und die tolle Verpflegung im Landgasthof und Hotel Staila Fuldera liessen keine Wünsche offen, und das angebotene Programm mit fünf geführten Tagestouren (WT2-3) versprach einige durchaus anspruchsvolle Gipfelerlebnisse. Nach der Anreise der 20 TeilnehmerInnen am Sonntag folgte am späten Nachmittag eine ausgezeichnete Lawinenschulung, verbunden mit einer realistischen LVS-Übung. Auch wenn sich die Gefahrenstufe 1 (gering) für die kommenden Tage nicht veränderte, waren wir also gut vorbereitet und voller Erwartung darüber, was uns die drei Tourenleiter Heinz, Severin und Roland zu bieten hatten. Und die äusseren Bedingungen waren vorzüglich, 90 bis 130 cm Schnee, erträgliche Temperaturen um die Nullgradgrenze.

Montag, erster Tourentag:
Für heute war eine Einlauftour geplant mit Start ab Buffalora an der Ofenpassstrasse und an der Grenze des Schweizerischen Nationalparks: eine Runde zur Hochebene Jufplaun. Den Ausgangspunkt erreichten wir nach einer kurzen Postautofahrt über den Ofenpass. Aufgeteilt in zwei Gruppen – wir schlossen uns Roland an – starteten wir um 10:15 Uhr bei der Postautohaltestelle beim Berggasthaus Buffalora. Nach der Überquerung der weitgehend eingeschneiten Ova dal Fuorn nutzten wir eine der Spuren im offenen Gelände in Richtung Alp Buffalora. Die Alpgebäude liessen wir rechts stehen, nach Überquerung der Alpstrasse bei P.1994 erreichten wir den Wald. Im wunderschön eingeschneiten Bachbett der Ova da Buffalora (Aua da Murtaröl) stiegen wir weiter hoch, bald auf eigener Spur. Roland kannte das Gelände gut und führte uns souverän und in passendem Tempo. Am Eingang ins Val Murtaröl die Richtungsänderung, weiter durch lichten Wald und durch metertiefen Pulverschnee. Bald war die Waldgrenze erreicht und bei ca. 2260 m.ü.M. Döss da las Plattas. Hier verläuft der Sommerwanderweg in Richtung Il Jalet und Ofenpass. Nach einer weiteren Geländestufe – nunmehr voll an der Sonne – erreichten wir Jufplaun mit der schmucken Jagdhütte (2332 m.ü.M.). Wenige Meter danach war der heute höchstliegende Punkt (ca. 2363 m.ü.M.) erreicht. 500 m weiter standen wir am Abgrund; links der mächtige Piz Daint, vor uns das 250 Hm tiefer liegende, langgezogene Val Mora. Ein idealer, annähernd windstiller Platz, um (stehend) Mittagsrast abzuhalten – Tee, leckere Brote, Schoggi. Gut gestärkt verliessen wir den heute südlichsten Punkt, um leicht absteigend zur Chasa da Cunfin 2264 m.ü.M. (ehemaliger Grenzwachtposten und heute Erdbebenmessstation der ETH) zu gelangen. Vor uns nun der massige Munt Buffalora, unser Gipfelziel für den kommenden Freitag. Nun folgte der gemütliche und nicht steile Abstieg über windgepressten Schnee hinunter zur Jufplaun – mit Schneeschuhen herrlich zu laufen, weil gut tragend. Bei P.2220 die kleine Brücke über den Ova da Buffalora – Trinkpause. Das Vorhaben, den weiteren Abstieg im Bachbett und damit durch die kleine Schlucht zu machen, mussten wir aufgeben – zu wenig eingeschneit. Stattdessen wählte Roland eine spurlose Abstiegsroute entlang des Bachs durch tiefen Schnee – herrlich! Etwas flacher nun die Querung eines im Sommer wohl ziemlich feuchten Gebiets, was wir gelegentlich mit tiefen Einsinkern und ungefährlichen Fast-Stürzen🤣 registrierten. Am Eingang zum Val Murtaröl schloss sich die Runde. Nun folgten wir der Aufstiegsspur vom Vormittag, entlang des Bachbetts der Ova da Buffalora (Aua da Murtaröl). Bei P.1994 wieder die Alpstrasse überquerend, durchliefen wir nun wieder voll an der Sonne und bei angenehmer Temperatur die Ebene in Richtung Parkplatz P10. Eine letzte Hürde – die Überquerung der Ova dal Fuorn – und dann rein ins Berggasthaus Buffalora, wo wir die kurze Wartezeit in gemütlicher Runde verbrachten. Eine wunderbare Einlauftour war das – und ein tolles kameradschaftliches Erlebnis…

Wetterverhältnisse:
Bilderbuch-Winterwetter, Temperaturen im Bereich -5 bis 6°.  Ausgezeichnete Schneeverhältnisse (Pulver, je nach Lage leicht überdeckelt), für Schneeschuhläufer ideal, für Skitüreler suboptimal, kaum Wind, Spuren gut tragend, teilweise selbst gespurt…

Ausrüstung:
Schneeschuhe, Stöcke, LVS/Schaufel/Sonde, GPS-Maschine

Lawinensituation:
Laut SLF: Stufe 1, gering

Parameter:
Tourdatum: 13. Januar 2020
Schwierigkeit: WT2
Hin- und Rückfahrt: Postauto Fuldera – Buffalora
Strecke: 12.1 km: Buffalora 1967 m – Val Murtaröl – Jufplaun – P.2329 – Chasa da Cunfin 2264 m – P.2220 (Brücke) – entlang der Ova da Buffalora (Aua da Murtaröl) – Buffalora
Aufstieg: ca. 440 m
Abstieg: ca. -440 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 4 Std. 40 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std. 40 Min.
Tageszeit: 10:15 bis 14:55 Uhr

Chrüz (2195 m) – Winter-Überschreitung vom Stelserberg nach St. Antönien

Das Prättigau ist ein wahres Touren-Eldorado. Die «Gefahr» hier keine Spur nutzen zu können, ist meist klein (ausser nach ausgiebigem Schneefall). Das gilt besonders für den Panoramagipfel Chrüz; nach 2016 heute wieder einmal – zusammen mit unseren Gschpändli Susanne und Richi. Ab Schiers Bahnhof RhB die spektakuläre Postautofahrt auf der schmalen und steilen Bergstrasse, auf der in 23 Minuten mehr als 800 Hm überwunden werden. Bei der Endstation Stels Mottis (1467 m) am Stelserberg empfing uns eine mystisch eingenebelte Winterlandschaft mit Raureif an den Bäumen. Bei ca. null Grad schnallten wir unsere Geräte an die Füsse und marschierten wenige Meter auf der weiss geräumten Bergstrasse um diese bald bergseitig direkt aufsteigend in Richtung Stelserberg zu verlassen. Im Gelände lagen gut 70 cm Schnee (Pulver, kaum verharscht). Und eins war klar: der Chrampf der harten Spurarbeit blieb uns erspart. Auf gut angelegter Spur lagen 1-2 cm Neuschnee vom Vortag. Rechts unter uns das Fulried, unsere Spur führte auf einem Grätchen leicht absteigend bis zum Hof Pilidarscha. Beim markierten Punkt «Stöck» entledigten wir uns der obersten Schicht. Weiter direkt aufsteigend erreichten wir auf 1649 m das im Winterschlaf stehende Berghaus zum See – noch im Nebel. Wenige Meter nach dem Berghaus war es dann soweit: die Sonne drang durch und blendete herrlich in unsere Gesichter – und der Blick weitete sich zur im Norden auftauchenden massigen Drusenfluh. Beim P.1705 das Plateau «Zum See» mit dem eingeschneiten Stelserseelein. Der weitere Verlauf war nun gut zu überblicken – vor uns in ca. 2.4 km Luftlinie das Gipfelziel; dazwischen drei markante Geländestufen, die es auf- und absteigend zu überwinden galt. Die von uns gewählte Spur führte etwas steiler hoch zum P.1826, dann leicht absteigend zum Sattel (bei Drostolen). Von hier könnte man links haltend direkt nach St. Anthönien laufen. Links (nördlich also) die omnipräsente Drusenfluh mit ihren wunderschönen Türmen und rechts von ihr die ebenfalls eindrückliche Sulzfluh. Und weil die Strecke nun weitgehend östlich/südlich verlief, strahlte uns die Sonne unentwegt an (Schutzfaktor 50+ war angesagt). Hier bot sich die Gelegenheit, den von Susanne mitgebrachten Dreikönigskuchen zu geniessen – und Richi (wer denn sonst😎) war der 👑, allerdings mit der Auflage, die Krone bis zum Ende der Tour zu tragen… Nach einem weiteren Anstieg erreichten wir bei P. 2044 Gafäll. Hier taten sich unglaublich schöne Ausblicke auf für uns Unersättliche; die Weitsicht in Richtung S reichte ca. 60 km. Vor uns der sich 150 Hm eindrücklich auftürmende Gipfel, der auch links (östlich) umgangen werden könnte (Direktabstieg zur Alp Valpun). Rechts haltend würde man wohl nach Pany absteigen können; nicht ratsam wegen der Lawinengefahr an der SW-ausgerichteten Gipfelflanke. Unser Vorhaben war klar: ab durch die Mitte – der direkte und bis 35° steile Aufstieg führte auf immer erkennbarer, aber sehr steiler Spur auf dem Grat hoch, links und rechts verwächtet. Auch heute war an den tiefen Tritten gut zu erkennen, dass hier die Skitüreler tragen mussten – mit Schneeschuhen (und Steighilfen) war dieser (wenig ausgesetzte) Steilaufstieg nicht problematisch. Nach zwanzig Minuten Chrampf standen wir auf dem Chrüz (2196 m) – seit 2017 mit neuem Gipfelkreuz. Auf dem Gipfel war dann richtig was los – bestimmt dreissig Gleichgesinnte. Das 360°-Panorama hier oben ist ohne Übertreibung phänomenal – der Berg steht ziemlich allein. Die praktische Windstille brachte Richi dazu, mit seinem Gaskocher Schnee zu schmelzen uns einen frischen Kafi zu kochen – danke herzlich.

Die rassige und ziemlich steile «Abfahrt» zum 100 Meter tiefer stehenden Chlei Chrüz bei komfortabler Schneelage (ca. 1 m Pulver) liess unsere Schneeschuhläufer-Herzen höherschlagen. Auf dem kurzen Wiederaufstieg zum Chlei Chrüz (2102 m) galt es diesen oberhalb der Lawinenverbauungen zu überschreiten. Dann führte uns die lockere «Schussabfahrt» hinunter bis nahe der Alp Valpun (1882 m). Östlich der Alp führte der nunmehr markierte Trail links haltend direkt hinunter in Richtung Grossried/Leng Ried zum präparierten Winterwanderweg. Nach ein paar hundert Metern auf dem Winterwanderweg – der nicht verlassen werden darf (Wildruhezone Capelgin) – erreichten wir bei Sagen das kleine Skigebiet und den Skilift. Nahe der Piste der weitere Abstieg vorbei am Berggasthof Michelshof, und schon standen wir mitten im schmucken Dorfzentrum von St. Antönien. Das bereitstehende Postauto (Abfahrt 15:05) liessen wir abfahren – im uralten und schönen Walserhaus des Rhäthia genossen wir eine Runde Panaché. Um 15:44 Uhr dann Abfahrt mit dem Postauto nach Schiers hinunter. Den wunderschönen Tourentag liessen wir bei Theresa und Ignaz in Fläsch gediegen ausklingen! Unseren Tourenfreunden Susanne und Richi ein weiteres Mal herzlichen Dank für die wie immer kurzweilige Begleitung.

Wetterverhältnisse:
Herrliches Winterwetter, Temperaturen im Bereich 0 bis 8°.  Ausgezeichnete Schneeverhältnisse, gute Spuren…

Ausrüstung:
Schneeschuhe, Stöcke, LVS/Schaufel/Sonde, GPS

Lawinensituation:
Laut SLF: Stufe 2 mässig (zu meidende kleine Triebschnee- und Gleitschneeansammlungen)

Parameter:
Tourdatum: 5. Januar 2020
Schwierigkeit: WT3
Zufahrt zum Ausgangspunkt: Mini-Postauto (doppelt geführt) ab Bahnhof Schiers RhB bis End-Haltestelle Stels Mottis (Abfahrt 09:04, Ankunft 09:27)
Rückfahrt: Postauto ab St. Antönien Platz (Abfahrt 15:44) bis Küblis Bahnhof RhB, kurze Umsteigezeit auf die einfahrende RhB, die uns nach Schiers brachte
Strecke: 11.1 km: Stels Mottis, Postauto-End-Haltestelle P.1467 – Berghaus zum See – P. 1705 – Stelsersee – Sattel/Drostolen – Gafäll (P. 2042) – Chrüz (2195 m) – Chlei Chrüz (2102 m) – Alp Valpun (1822 m) – P.1720 (Grossried/Leng Ried) – Sagen – St. Antönien Platz (1420 m)
Aufstieg: ca. 750 m
Abstieg: ca. -930 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std. 30 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std. 30 Min.
Tageszeit: 09:30 bis 15:00 Uhr

Spitzmeilenhütte SAC 2087 m – Silvestertour 2019

Nach Oktober 2011 wieder einmal eine Toure zur Spitzmeilenhütte SAC – diesmal auf Schneeschuhen. Seit Tagen schönstes Bergwetter (unten grau, oben blau), ideale Schneeverhältnisse, gross also die Verlockung, die erste Schneeschuhtour im noch jungen Winter zu unternehmen. Das Glück des frühen Aufstehens brachte uns nach Ankunft auf der Tannenbodenalp (noch) freie Parkplätze, (noch) kaum Wartezeit, eine zehnminütige Bergfahrt im nagelneuen BergJet zum Maschgenkamm (Wanderticket «Heidi» zum Halbtaxpreis von Fr. 18.50) und dort im ebenfalls nagelneuen und (noch) fast leeren Panoramarestaurant zum Startkafi. Das Panorama der Extraklasse mit dem Überblick auf unsere Strecke, dominiert von diesem einzigartigen Spitzmeilen. Im Gebäude gibt es sogar einen extra für Winterwanderer markierten Ausgang – vorbildlich! Start um 09:20 Uhr, 200 m der steile Abstieg bis zur 70 Hm tiefer liegenden Maschgalugga. Ab hier die ersten Meter auf flachgewalztem markierten Winterwanderweg, welchen wir bald verliessen. Der steile Direktabstieg zur Alp Panüöl hinunter war fast schon eine Tiefschneeabfahrt. Bereits 200 Hm vernichtet, führte der Winterwanderweg vorbei an der Talstation des Sechsers. Wir nutzten parallel des maschinell präparierten Wanderwegs verlaufende Spuren. Vorbei am Skilift Plattis erreichten wir bald einmal die Alp Fursch, welche von der Sonne bereits teilweise beschienen wurde. Hier könnte man sich auch verpflegen – wir zogen vorbei. Den steilen Sommerweg über Laufböden zum First gilt es im Winter zu meiden. Auf guter Spur (den noch immer präparierten Winterwanderweg meidend) und moderat steigend holten wir südlich aus – den mächtigen Magerrain vor uns. Lag ein Teil der Strecke bei Oberweid noch im Schatten, meldete sich die Sonne kurz vor der Richtungsänderung nach West zurück. Wissmilen, der Nachbar des Spitzmeilen, zeigte sich schon. Auf einer Höhe von ca. 2120 m.ü.M. tauchte der Hauptdarsteller auf – was für ein Berg (Gipfelzustieg T5)! Nach leichtem Abstieg und nach einer Laufzeit von 2 Std. 15 Min. war die Spitzmeilenhütte erreicht, gerade richtig zur Mittagszeit. Das freundliche Hüttenteam schien bereit für den Ansturm (heute Silvesterabend ausgebucht). Die Verpflegung in der vorerst noch mässig besetzten Gaststube war ausgezeichnet, die Aussicht durch die Panoramafenster ebenso. Um halbeins Aufbruch zum Abstieg, noch immer bei bester Fernsicht. Von hier oben fasziniert vor allem das famose Churfisten-Panorama. Fast schon spielerisch leicht «tanzten» wir in Richtung Alp Fursch hinunter. Allerdings hielten wir zwischen Schwarzegg und Oberweid etwas westlicher, und so die Alp etwas höher zu umgehen. In diesem Abschnitt war etwas Vorsicht geboten wegen der Steilheit (30°). Bei P.1810 war der Winterwanderweg wieder erreicht. Nach dem kurzen Aufstieg wieder in «unserer» Spur laufend, unterquerten wir den Skilift Plattis. Auf der Alp Panüöl angekommen, nutzten wir anstelle des Aufstiegs zum Maschgenkamm die Möglichkeit, die 200 Hm mit dem Sechser-Sessellift zu bewältigen. Bemerkenswert: Winterwanderer werden hier transportiert, oben an der Bergstation wird die Fahrt sogar individuell verlangsamt, was den Ausstieg erleichtert – danke dem freundlichen Personal! Nun hatte uns die Zuvilisation wieder, das merkte man auch am Publikumsaufmarsch im Panoramarestaurant – was uns nicht daran hinderte, nochmals einzukehren. Die abschliessende Talfahrt im BergJet dann der reine Genuss – mit Blick zu den Churfirsten…

Fazit:
Ein Schneeschuh-Wandertag der Extraklasse, die richtige Vorbereitung auf den heute Abend folgenden Silvesterschmaus im Bären.

Wetterverhältnisse:
Reichlich Schnee (ca. 60 cm), an schattigen Stellen leicht überfroren sonst bester Pulver, ungetrübter Sonnenschein, am Nachmittag sorgte die aufziehende leichte Bewölkung für eine diesige Stimmung, -1° bis 8° C, kaum störender Westwind (10 bis 20 km/h).

Lawinengefahr:
Laut SLF wie folgt: mässig, Stufe 2, an allen Expositionen sind mittlere Gleitschneelawinen zu erwarten, vor allem unterhalb von rund 2400 m.

Ausrüstung:
Schneeschuhe, Stöcke, LVS, Sonde, Schaufel, GPS

Parameter:
Tour-Datum:
31. Dezember 2019
Schwierigkeit: WT2
Strecke: 11.6 km, Maschgenkamm (2019 m) – Maschgalugga (1953 m) – Panüöl (1803 m) – Plattis (1830 m) – Fursch (1972 m) – Oberweid – Ball – Spitzmeilenhütte SAC (2087 m) – Abstieg auf weitgehend gleicher Strecke
Aufstieg: ca. 523 m
Abstieg: ca. -734 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std. 32 Min.
Tageszeit: 09:20 bis 14:20 Uhr

Fuorcla Grevasalvas 2688 m

Nach der gestrigen Geburtstagstour zum Crap da Radons und dem herrlichen Abendessen im Hotel Post war für heute etwas leichtere Kost angesagt: die Fuorcla Grevesalvas – schon länger wollten wir mal von dort oben ins Oberengadin hinunter und ins Bergell rüber schauen. Heute waren die Bedingungen ideal. Und Elisabeth (war gestern schon dabei) gesellte sich dazu. Nach der kurzen Fahrt auf den Julierpass parkierten wir beim Ospizio La Veduta. Start um halb neun, bei knapp unter 0° C und noch im Schatten. Der Einstieg direkt gegenüber, und gleich eine erste (die einzige heute) Schlüsselstelle; die hart vereisten Stufen über die Gelgia – nur ja nicht runterfallen… Dann folgte der nicht sehr steile Aufstieg im Schatten, viele Spuren zur Auswahl. Zur linken der Piz Julier im schönsten Morgenlicht. Selbstverständlich waren wir heute nicht alleine unterwegs – insgesamt etwa dreissig Tourengänger, meist auf Skis, wollten auch ins Val Grevasalvas. Einige fuhren dann nach dem Übergang den Südhang hinunter nach Plaun da Lej – mit oder ohne Besteigung einer der Gipfel. Elisabeth hatte als Tagesziel den Piz d’Emma Dadaint (2927 m, WT 3-4) im Auge. Gemeinsam stiegen wir hoch bis auf ca. 2440 m um dann nach kurzem Abstieg den Leg Grevasalvas (2390 m) zu erreichen. Der Bergsee ist tief eingeschneit, ihn zu überqueren sehr erholend. Dennoch hechelte ich den beiden führenden Girls hintendrein – fotografieren dauert halt seine Zeit😊. Nach der Seeüberquerung der wenig steile Aufstieg bis zur Verengung, wo es an einer steilen Hangtraverse an einem Felsbrocken vorbei zu traversieren galt. Danach öffnete sich das Val Grevasalvas wieder, links der Piz da las Coluonnas und der markante Piz Lagrev, dazwischen ein bestimmt trickiger Übergang, die Fuorcla Lagrev (2877 m, mit Schneeschuhen nicht machbar). Zur rechten baute sich der massige Piz d’Emmat Dadora (2851 m) auf. Und wir mitten drin und endlich voll an der 🌞! Jetzt eine Trinkpause und weiter bis ungefähr P.2558, wo eine Hütte am Fels steht.  Hier entscheidet sich Elisabeth für den Gipfel Piz d’Emma Dadaint – einige Türeler standen schon in den Serpentinen und übten Spitzkehren. Wir wünschten Elisabeth Glück und verabschiedeten uns – Wiedersehen dann auf der Passhöhe. Doris und ich gingen den Schlussanstieg von ca. 130 Hm seeeehr gemütlich an. Nach knapp zwei Stunden oben auf dem Übergang empfing uns böiger Wind (ca. 40 bis 50 hm/h). Trotzdem genossen wir das Superpanorama hier oben (siehe Bilder). Mutige Skitüreler nutzten die Verhältnisse für eine lange und bestimmt kräfteraubende Sulzschneeabfahrt hinunter zum fast 900 Hm tiefer liegenden Silsersee. Nichts für uns Schneeschuhläufer. Für den Wiederabstieg wählten wir etwas östlich verlaufende Spuren durch weichen Pulverschnee. Am linksstehenden Gipfel glaubten wir in ca. 700 m Luftlinie Elisabeth’s Turnübungen zu sehen. Den Wiederabstieg genossen wir voll. Mittlerweile war auch die enge Stelle beim grossen Felsen besonnt. Nach der Seeüberquerung und vor dem Gegenaufstieg entledigten wir uns der obersten Schicht – und Handschuhe waren definitiv nicht mehr gefragt. Auf der Kuppe vor dem Abstieg zum Pass bewunderten wir nochmals die tolle Bergwelt, gleich gegenüber das verspurte Val d’Angel, dessen Steilhänge von einigen Rutschen gezeichnet waren. Um halb eins erreichten wir das Ospizio La Veduta wieder – Zeit für eine Mittagspause. Es dauerte nicht lange, bis auch Elisabeth vom erfolgreichen Gipfelerlebnis zurück kehrte – Gratulation!

Fazit:
Ein Schneeschuh-Wandertag der Extraklasse bei wiederum frühlingshaften Bedingungen auf einen Übergang, von dem wir lange träumten.

Wetterverhältnisse:
Viel Schnee, frühmorgens leicht überfroren und im Tagesverlauf sulzig (ab ca. 2400 m Pulver), auf dem Übergang windgepresst, ungetrübter Sonnenschein, frühlingshafte (-1° bis 8° C), böiger Wind.

Lawinengefahr:
Laut SLF wie folgt: Stufe 2 mässig sowohl für trockene wie auch für Gleitschneelawinen, Gefahrenstelle vor allem an ost- und südexponierten Steilhängen.

Hilfsmittel:
Schneeschuhe, Stöcke, LVS, Sonde, Schaufel, GPS

Parameter:
Tour-Datum: 28. Februar 2019
Schwierigkeit: WT2
Strecke: 9.7 km, Ospizio La Veduta (2237 m) – Leg Grevasalvas (2390 m) – Fuorcla Grevasalvas (2688 m) – Abstieg auf gleicher Strecke
Aufstieg: ca. 570 m
Abstieg: ca. -570 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 4 Std.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std.
Tageszeit: 08:30 bis 12:30 Uhr

Crap da Radons 2365 m – ab Bivio

Für 2 Tourentage nach Bivio – und der Zufall wollte es, dass Ruedi Wiesner in dieser Woche Touren ab Bivio anbot – also waren wir gerne dabei. Heute die Geburtstagstour zum Crap da Radons – quasi dem Hausberg Bivio’s. Im Vergleich zum Oberengadin (vor zwei Wochen) trafen wir ganz andere Verhältnisse an: noch immer viel Schnee, mittlerweile verspurtes Gelände (letzter Schneefall vor 14 Tagen!), gut tragende Unterlage, frühlingshafte Temperaturen. Ideale Verhältnisse also für Ski- und Schneeschuhtouren! Start um halb neun in Bivio beim Kinderskilift, der Aufstieg in etwa entlang des Sommerwegs über Cresta und vorbei an der Hütte von Radons bis ungefähr P.1903. Hier umgingen wir die Gleitschneerutsche in sicherem Abstand; etwa hundert Meter über uns an den aperen Abrissstellen unterhalb des Crap da Radons beobachteten wir mehrere Rudel von Steingeissen. Im weiteren Verlauf des Aufstiegs – kurz vor Plang Tguils – änderte die Richtung nach Nord, um bald das flache Gipfelgelände zu erreichen. Bei Windstille gönnten wir uns eine Verpflegungspause beim markanten Holzgestell (vielleicht eine Art antikes ToiToi?). Der eigentliche Gipfel steht ca. 300 m weiter ostwärts und ist 15 m höher – wenig lohnend. Denn hier oben breitete sich das prächtige Panorama aus; im Westen in ca. 2.7 km Entfernung Piz Surparé (2992 m) und Piz Scalotta (3078 m), nordwestlich der markante Piz Platta (3392 m), weiter nördlich das Tinzenhorn (3173 m). Von den hier oben liegenden drei Seelein war nichts zu sehen, weil gut eingeschneit. Von unserem höchsten Punkt (ca. 2350 m) führte uns der ortskundige Ruedi in Richtung N mit dem Ziel Saluver. Dort wo das kleine Val Gronda mündet, unterquerten wir mit dem nötigen Respekt eine Felswand. Hoch oben auf dem Motta da Cuolmens eine Gams auf Beobachtungsposten. An dieser Stelle musste irgendwo ein Bach, die Eva da Sur Ragn, fliessen. Unsere Aufmerksamkeit galt jetzt dem steiler werdenden Abstiegsgelände. Gegenüber die Alpstadel Plang und Sur Ragn; knapp oberhalb der Hütten kam ein grosser Schneerutsch zum Stillstand. Die paar hundert Meter über den stark verspurten Sonnenhang bis zur Passstrasse hinunter war reines Vergnügen – jede(r) mit eigener Routenwahl. Bei Stalveder «befreiten» wir uns von den Schneeschuhen, um die Passstrasse zu überqueren. Dann fröhliches Auslaufen mit netten Kamerädli auf dem Winterwanderweg bis Plaz und schliesslich zum Startpunkt in Bivio.

Fazit:
Ein herrlicher Schneeschuh-Wandertag bei frühlingshaften Bedingungen am Hausberg Bivios. Wanderleiter Ruedi ein herzliches Dankeschön und Caroline, Elisabeth, Ursina, Doris, Stefan: es hat grossen Spass gemacht, mit euch Geburtstag zu feiern!

Unterkunft:
Das von Martina Lanz sehr gut geführte Hotel Post in Bivio ist eine vorzügliche Adresse – ein klassisches Berghotel! Danke Martina für die herzliche Gastfreundschaft!

Wetterverhältnisse:
V
iel Schnee, frühmorgens leicht überfroren und im Tagesverlauf sulzig (an höheren Lagen Pulver), auf dem Gipfelgelände windgepresst, ungetrübter Sonnenschein, frühlingshafte (-3° bis 10° C), windstill.

Lawinengefahr:
Laut SLF wie folgt: Stufe 2 mässig für trockene Lawinen, Stufe 3 erheblich für Gleitschneelawinen, Gefahrenstelle vor allem an ost- und südexponierten Steilhängen.

Hilfsmittel:
Schneeschuhe, Stöcke, LVS, Sonde, Schaufel, GPSParameter:
Tour-Datum: 27. Februar 2019
Schwierigkeit: WT2
Strecke: 9.5 km, Bivio 1769 m – Cresta – Radons P.1903 – Crap da Radons – Eva da Sur Ragn – Julierpassstrasse bei Stalveder – Plaz – Bivio
Aufstieg: ca. 650 m
Abstieg: ca. -650 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std. 10 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std.
Tageszeit: 08:30 bis 13:40 Uhr