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Monte San Giorgio 1096 m – Panoramagipfel über dem Lago di Lugano

Jawohl – Wiederholungstäter sind wir! Wie vor einer Woche nochmals mit einer Spartageskarte (Fr. 59.00) und einer Mitfahrkarte (Fr. 38.00) ins Tessin. Nach dreieinhalb Stunden ÖV-Fahrt war der Ausgangspunkt erreicht – Capolago/Riva San Vitale. Von dort starteten wir um 10:30 Uhr. Der Monte San Giorgio, dieser nahe der Südgrenze CH-I gelegene Aussichtsberg ist seit 2003 Unesco-Welterbe. Kurz etwas zur Geologie: der Monte San Giorgio wurde während der Entstehung der Alpen gebildet, als sich vor sage und schreibe 95 Millionen(!) Jahren die damalige afrikanische Platte gegen Norden zu verschieben begann und die eurasische Platte zusammendrückte. Der kräftige Schub der afrikanischen Platte führte zu einer Serie von Verformungen am südlichen Rand der Kollisionszone, wo sich das Gebiet des Monte San Giorgio befand. Der ehemalige Meeresboden wurde nach oben gedrückt, so dass er aus dem Wasser auftauchte und den heutigen Berg bildete. Heute präsentiert sich der Monte San Giorgio als pyramidenähnlicher Berg mit einer Höhe von 1096 Metern, bestehend aus verschiedenartigen, etwa 30° nach Süden geneigten Gesteinsschichten. Weitere spannende Infos hier.

Die Wanderung begann wenig attraktiv mit der etwa 800 m langen Strecke entlang der Strasse nach Riva San Vitale, wo unterwegs auch das aus dem Luganersee fliessende Flüsschen Laveggio überquert wird. Bei wenig störender Bise und bei leichten Minusgraden war das historische Zentrum von R.S.V. nach wenigen Minuten erreicht. Gut ausgeschildert wurden wir durch die Gassen hoch zur monumentalen Kirche Santa Croce geführt. Erst nach Norden haltend waren die letzten Häuser des Städtchens bald erreicht. Auf dem w-r-w markierten Weg standen wir bald einmal hundert Hm über dem See. Nach einem kleinen Weinberg plötzlich eine farbiges Absperrband und der plakative Hinweis «Sentiero interrotto a causa di alberi caduti». Den Hinweis zur Kenntnis nehmend begannen wir mit dem Aufstieg; ziemlich steil und über Stock und Stein (und im Wald) verlief der fortlaufend gut markierte Pfad erst ins kleine Cumaval hinein. Bald wechselten wir die Seite des Tälchens, um diese in Richtung N zu verlassen. Ab und zu lag etwas Holz quer – nicht wirklich hindernd. Den Hügel Alberello (661 m) umliefen wir östlich und weiter in Richtung N, um bald die Verzweigung bei P.605 zu erreichen, welche ins Valle Sant’ Antonio führt. Wir hielten links (Vorgabe Monte San Giorgio 1:20 Std.). Mittlerweile in Richtung SO aufsteigend, erreichten uns immer wieder ein paar wärmende Sonnenstrahlen. Bei P.812 (Pozzo) eine weitere markierte Verzweigung, bis zum Gipfel noch 50 Minuten. Wunderschönes, lichtes Waldgelände, vorbei an jungen Blüten und Gräsern. Beim mit Dossi bezeichneten P.995 öffnete sich der Ausblick auf den See und Lugano. Nun – nach einer weiteren Richtungsänderung (N) – folgte der letzte, etwas flacher verlaufende Aufstieg zum Gipfel; rechts (N) über Fels schroff abfallend, links (W) wenig steiles Alpgelände. Nach zwei Stunden Laufzeit (ohne Pausen gerechnet) erreichten wir das auf dem Gipfelgelände stehende Oratorio di Monte San Giorgio (einer Art Gebets- und Einkehrhaus) – heute geschlossen. Hinter dem Gebäude drei Bankniederlassungen zur Auswahl; die schönste Lage annektierten wir, um beim Genuss dieses formidablen Panoramas (siehe Bilder) ausgiebig zu rasten. Eine einzige Wanderin (ebenfalls aus dem Zürioberland) kam dazu, wollte sich unbedingt auch auf unserer Bank niederlassen😒.

Vom gebotenen Ausblick konnten wir uns fast nicht loslösen, aber vor uns noch der Abstieg über ca. 850 Hm. Gleich südlich des Oratorios eine ausgeschilderte Auswahl: wir entscheiden uns für den Abstieg nach Meride über Forello, Cassina, Meriggio, San Silvestro. Teile dieser Strecke sind wunderschön angelegt, sehr steinig und weil steil ziemlich anstrengend zu begehen. Teilweise nutzten wir parallel verlaufende (weichere) Trampelpfade. Vorbei an der bei Forello stehenden Ruine des vecchio Albergo San Giorgio erreichten wir Cassina (San Ulderico/Rifugio Adenofora, 886 m). Nun folgte der plattige und kunstvoll steinige Weg über Meriggio hinunter bis zur Kirche San Silvestro. Trotz der Schönheit der bisherigen Abstiegsstrecke waren wir nicht unglücklich, das schöne Bergdörfchen Meride (580 m) zu erreichen. Das Dorf durchstreiften wir fast schon gemütlich spazierend. Am Dorfende nach links haltend (w-r-w in Richtung N – Riva San Vitale), ahnten wir, dass da schon noch 300 m Höhendifferenz vor uns lagen. Dieser Streckenabschnitt verläuft überwiegend schattig, über hohe Tritte und über sehr steiles, schluchtartiges Gelände im Val Serrata. Immer der Tiefblick ins Tal hinunter, waren es dann doch 1.8 km – gut, dass es heute trocken war. Leicht ermattet erreichten wir endlich die Talstrasse am Ortsbeginn. Ein paar hundert Meter bis zur Ortsmitte – jetzt hatten wir genug, und das «zufälligerweise» haltende Postauto brachte uns elegant und in wenigen Minuten nach Capolago. Bis wir alles «bäscheled» hatten, brauste auch schon die S10 heran, welche uns nach Bellinzona brachte. Der weitere Reiseverlauf war reinste Wellness: IC21 bis Arth-Goldau, VAE bis Rapperswil, S15 nach Hause…

Hinweis:
Kaum ausgetrampelte Pfade lassen den Schluss zu, dass der Monte San Giorgio auf der von uns gewählten Aufstiegsvariante kaum begangen wird. Für die Massen ist der Aufstieg ab Meride kürzer und auch einfacher. Lohnend war die Tour allemal – gerade auch zu dieser (ruhigen) Jahreszeit.

Wetterverhältnisse:
Wieder ein schöner Frühlingstag (so darf es weiter gehen!), blau-blau-blau, Temperatur ca. 0 bis 12°.

Hilfsmittel:
Stöcke, Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 27. März 2019
Schwierigkeit: T2
Strecke: 11.9 km, Capolago (273 m) – Riva San Vitale (273 m) – Kirche Santa Croce – P.366 – P.501 – P.605 – Pozzo (P.812) – P.995 – Monte San Giorgio (1096 m) – Forello (1032 m) – Cassina (San Ulderico/Rifugio Adenofora, 886 m) – P.865 – San Silvestro (606 m) – Meride (580 m) – San Antonio (P.573 m) – Val Serrata (P.525) – P.393 – Ortsteil Ronco (276 m, R.S.V.) – Riva San Vitale (273 m)
Aufstieg: ca. 860 m
Abstieg: ca. -850 m
Laufzeit ohne Pausen: total ca. 5 Std. 45 Min.
Laufzeit mit Pausen: total ca. 4 Std. 10 Min.

Frühling hoch über dem Valle Maggia – von Maggia über den Colma (795 m) nach Tegna

Für diese Woche wurde von allen Wetterdiensten bestes Frühlingswetter angekündigt – einfach nur Sonnenschein! Es war also kein Risiko, am Vortag online eine Spartageskarte (Fr. 59.00) und eine Mitfahrkarte (Fr. 38.00) zu kaufen. Die ÖV-Fahrt dauerte zwar, nach vier Stunden erreichten wir Maggia. Dort starteten wir um 10:40 Uhr unsere Wanderung in den Frühling hinein. Über die neue Hängebrücke über die Maggia erreichten wir das schöne Dörfchen Moghegno. Anstelle der Strasse bevorzugten wir den w-r-w markierten WW, der uns bald wenig oberhalb durch mit Trockensteinmauern gesäumtes Gelände führte. Auf Schritt und Tritt leuchteten uns erste Frühlingsboten entgegen. Über eine schön gefertigte Holzbrücke querten wir den Bach Ri di Dentro. Das Dörfchen Aurigeno vor uns durchliefen wir bergseitig – vorbei an schönen Rustici, alten Häusern und der Dorfkirche. Bis zum Weiler Terra di Fuori verlief die Strecke auf gleicher Höhe; nach Erreichen der geteerten Dorfstrasse und nach der Überquerung eines weiteren Bachs Ri della Terra di Fuori verliessen wir die Strasse nach links. Jetzt begann der idyllische Aufstieg durch den lichten Wald über wunderbar angelegte Steinplatten. Die folgenden 700 m bis zur 70 m höherstehenden Kirche Madonna verlaufen wenige Meter unter der parallel hochführenden Teerstrasse. Während die Strasse in einer Kehre verläuft, stiegen wir weiter hoch – immer auf diesen schönen Granitplatten-Treppen. Fünf Fussminuten vor der Forcola di Dunzio – mitten im Wald – die winzige Capela Bondietti. Auf dem Übergang erreichten wir endlich auch die Sonne, was für den Rest der Tour so bleiben sollte. Auf dem Passsträsschen wanderten wir ca. 550 m weiter, bis nach einer Kehre an besonders idyllischer Lage eine kleine Rustico-Siedlung erreicht war – niemand da! Ideal also, an diesem sonnigen Platz Mittagsrast zu geniessen. Auf dem Weiterweg trafen wir bei der Häusergruppe Dunzio di Dentro auf weidende Pferde und zwei Esel. Die gwundrigen Grautiere mit vier Buchstaben (Emil lässt grüssen…) gefielen uns. Kurz vor dem Weiler Dunzio verliessen wir das Teersträsschen, um etwas näher an den schönen Steinhäuschen vorbei zu laufen. Nach Dunzio weiter in südlicher Richtung bis zur Talstation einer kleinen Transportseilbahn (nach Streccia hoch führend); an dieser rechts vorbei bis zur etwas höherstehenden Infotafel Il sentiero nel paradiso delle castagne. Ab hier stärker ansteigend entlang einer hohen Trockensteinmauer in Richtung Djula, einer weiteren Häusergruppe. Eingangs eine besonders alte und knorrige Riesenkastanie. Bei der Wegmarkierung hielten wir in Richtung S (Tegna), aber erst mal ins kleine Val Nocca hinein, um den Riale di Dunzio über eine alternde Holzbrücke zu überqueren. Abermals aufsteigend erreichten wir bald oberhalb der Bergstation der bereits beschriebenen Transportseilbahn das Dörfchen Streccia – Molinera (665 m) heisst der Punkt. Hier geht der Blick über das Valle di Maggia hinweg zu den noch winterlichen Gipfeln Pizzo d’Orgnana, Madone, Cima della Trosa, usw. Im Westen ging der Blick zum das Centovalli überragenden Massiv des Gridone. Jetzt noch der gratige Restaufstieg zum knapp 100 m höher liegenden höchsten Punkt des Tages – Colma (795 m). Welch grandiose Rundsicht hier oben (siehe Bilder)! Der Gipfel ist eine Plattform, im Zentrum ein mächtiger runder Turm mit Bildmalereien. Idealer Punkt für eine Trinkpause, für ausgiebiges fotografieren, und für den Eintrag ins Gipfelbuch. So waren wir gestärkt für den bevorstehenden Steilabstieg (550 Hm über einer Strecke von 2 km), welcher über Forcola und Selvapiana nach Tegna hinunterführte. Am Bahnhöfchen Tegna bestiegen wir nach kurzer Wartezeit die Centovallibahn in Richtung Locarno. Auf dem Heimweg nutzten wir den Umsteigehalt in Bellinzona für einen kurzen, aber lohnenden Spaziergang durch die sehenswerte Tessiner Metropole – und für den Genuss eines ausgezeichneten Nachtessens (und Merlot natürlich!) in einer typischen Trattoria in der Altstadt. Im IC 2 nach Zürich (Abfahrt 20:41 Uhr) bot sich uns dann ausreichend Gelegenheit zur Erholung😉. Um halbzwölf Ankunft zuhause – so darf ein toller Frühlingstag immer enden…

Hinweis:
Die sehr lohnende Wanderung könnte auch gut in umgekehrter Richtung unternommen werden. Zu dieser Jahreszeit aber ist die von uns gewählte Richtung vorzuziehen, weil die Sonne im Gesicht und der Blick ins Locarnese deutlich attraktiver…

Wetterverhältnisse:
Einer dieser besonders schönen Frühlingstage, blau-blau-blau, im Schatten angenehm um bis 15°.

Hilfsmittel:
Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 20. März 2019 (astronomischer Frühlingsanfang!)
Schwierigkeit: T2
Strecke: 12.2 km, Maggia (Bushalt Centro, 332 m) – Hängebrücke über die Maggia – Moghegno – Ronchi – Crossa – Aurigeno (341 m) – Terra di Fuori – Madonna (Kirchlein) – P.412 m – Forcola di Dunzio (597 m) – Dunzio di Dentro – Cortèu  – Case Rotanzi (528 m) – Djula (Giüla) – Streccia (627 m) – P.665 – P.701 – Travérs – Colma (795 m) – Forcola (464 m) – Selvapiana – Tegna (254 m)
Aufstieg: ca. 690 m
Abstieg: ca. -770 m
Laufzeit ohne Pausen: total ca. 5 Std. 30 Min.
Laufzeit mit Pausen: total ca. 4 Std.

Bosco/Gurin: einsame Bergseen-Rundtour

Bosco/Gurin ist das am höchsten gelegene Dorf im Tessin (1500 m) und ausserdem der einzige Ort in der italienischsprachigen Schweiz, wo seit über 600 Jahren ein deutscher Walserdialekt, das Gurinerdeutsch, gesprochen wird. Alleine schon diese Besonderheiten lockte uns, diesen abgeschiedenen Ort im Tessin als Ausgangspunkt für eine Wanderung zu wählen. Gurinerdeutsch geht so: «S Gurijnärtitsch isch dr hegschdalemanisch Dialäkt vù Gurin». Herrlich! Möglich, dass noch einige Einheimische diesen Dialekt sprechen – wir haben vor allem italienisch gehört.

Alleine die Fahrt (lange) durch das Valle Maggia bis Cevio und dann die enge Strasse durch das Valle di Bosco Gurin hoch bis zum Ausgangspunkt unserer heutigen Tour war spektakulär. Am Dorfeingang ein grosser Gratis-Parkplatz, die Zufahrt ins Dorf ist nur Anwohnern gestattet. Bei freundlichem Wetter und erst kurz vor elf Uhr marschierten wir direkt beim Dorfeingang rechts nach N haltend hoch zum Dorfteil Ferder. Nach den letzten Häusern bei P.1547 ein Wanderwegweiser, der uns nach NO wies, über schönes Wiesland über Lussa und Stocka leicht ansteigend. Ab P.1622 verlief die w-r-w-markierte Strecke durch Wald (Fèistana), um ab ca. 1788 m nach NW zu drehen und nahe einer trockenen Rinne stark anzusteigen, bis unterhalb Endra Staful die Baumgrenze erreicht war und die Richtung wieder nach NO drehte. Zeit für eine Trinkpause an der Sonne mit schönem Ausblick ins Valle Maggia und nach Bosco/Gurin und die nahen Berge. Bei der Alphütte Endra Staful (1937 m) wählten wir nicht den wiederum gut ausgeschilderten Direktaufstieg zum Schwarzsee/Lago Melo. Die Hütte auf Üssera Staful (2038 m) im Blickfeld, erreichten wir über einen mit grossen Tritten und folglich steiler werdenden Pfad. Über uns Wolfstafel, eine mit Granitblocks steile übersähte Halde. Wir hielten die Richtung so lange, bis wir unter der mächtigen Wand des namenlosen P.2506 gezwungenermassen nach links (also N) zu halten hatten. Die vielen Markierungen wiesen uns ausgezeichnet und eindeutig über kleinere und grössere Granitplatten; die vorgelagerte Felsrippe, über der wir den ersten der drei Seen, den Üssera See/Lago Pero, vermuteten, wirkte etwas bedrohlich. Und tatsächlich, der See vor uns, und über ihm der Pizzo d’Orsalìa (2664 m, T3) und rechts davon die Lücke namens Bocchetta d’Orsalìa (2443 m, T3). Der wunderschöne kleine Üssera See liegt auf 2395 m – der richtige Platz für eine Verpflegungspause (schliesslich war es kurz vor zwei Uhr). Ab hier hielten wir die Höhe und wanderten auf noch immer vorzüglich markierter Strecke westwärts bis zum Schwarzsee/Lago Melo (2316 m). Über uns der beeindruckende Pizzo d’Orsalìa. Ab hier führte eine Spur zur Endra Staful hinunter. Für uns war es zu früh für einen Abstieg. Also weiter auf dieser Höhe, nun immer ruppiger werdend – ein richtig schönes Granitblock-Labyrinth – zum Glück immer gut sichtbar markiert. Bis zum von weitem sichtbaren Übergang bei Lendar d’Herli hundert Hm Aufstieg. Bald erreichten wir den dritten auf 2420 m liegenden Lendar See. Ein paar Meter weiter war der mit ca. 2440 m höchste Punkt unserer heutigen Tour erreicht. Die ausgedehnte und blockige Route wurde hier enger, zur rechten überragt vom Strahlbann (ca. 2780 m), zur linken der Heij Bärz (2472 m). Zweieinhalb Kilometer vor uns der markante Martschenspitz/Pizzo Stella (2688 m, T3+) flankiert von den Übergängen Bocchetta Foglia (2419 m) zur rechten, und vom Guriner Furggu/Passo del Bosco (2323 m) zur linken. Der vor uns liegende Abstieg hinunter zur Alp Herli (-230 Hm) war fast schon lieblich, wenn auch noch immer recht holprig (hohe Tritte über Blocks). Etwa hundert Meter höher erblickten wir eine Kolonne von Schafen, welche unterhalb der Felsen spektakulär querten. Richtig schön wurde es dann, vom Gebimmel der vielen Ziegen (weisse, braune, schwarze) begrüsst zu werden. Und noch viel mehr: die gwundrigen Tiere kamen uns sehr nahe, wollten halt untersuchen, ob wir etwas Essbares oder zumindest ein paar Streicheleinheiten zu verschenken hatten – letztes hatten wir natürlich! Ein Stück weit begleiteten uns bestimmt dreissig dieser lustigen Tiere, wir hatten schon Bedenken, dass wir sie nicht mehr loswürden. Kurz vor einem Übergang über ein Bergbächli mussten wir sie etwas energisch zur Umkehr überreden – was erfolgreich gelang. Ab hier wäre die Querung bis zur Grossalp (im Winter ein Skigebiet) möglich; die Bahn (für eine Talfahrt) hatte aber geschlossen (geöffnet nur an Wochenenden). Also wählten wir den etwas steileren Direktabstieg über Bann. Unterwegs waren an drei Stellen noch Bäche zu überqueren, das Dorf noch immer 400 Hm unter uns(!). Leicht ermattet erreichten wir die schönen Häuser von Bosco/Gurin – mittlerweile waren wir über sieben Stunden unterwegs. Das hielt uns nicht ab von einem Rundgang durch das wunderschöne Walserdorf, am Schluss dann noch mit Einkehr in der Bar zum verdienten Panaché, die letzten Sonnenstrahlen geniessend. Für die Rückfahrt nach Comano liessen wir uns alle Zeit der Welt – im Valle Maggia fanden wir sogar noch ein hübsches Grotto, wo man uns mit typischen Tessiner Spezialitäten verwöhnte.

Fazit:
Dieser Wanderausflug in eine der abgeschiedensten Gegenden im Tessin hat unsere Erwartungen übertroffen. Im Gegensatz zur gestrigen Tour trafen wir heute auf der gesamten Strecke keine einzige Menschenseele…

Wetterverhältnisse:
Freundlich/sonnig, zwischendurch bewölkt, angenehm warm, ca. 13 bis 20°, windstill.

Hilfsmittel:
Feste Wanderschuhe, Stöcke, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 6. September 2017
Schwierigkeit: T3
Strecke: 11.2 km
Aufstieg: ca. 1051 m
Abstieg: insgesamt ca. 1056 m
Laufzeit ohne Pausen: ca. 5 Std. 10 Min.
Laufzeit mit Pausen: ca. 7 Std. 20 Min.

Kamera:
Sony DSC-HX90V

Monte Tamaro – Monte Lema: die klassische Gipfelwanderung im Tessin

Ab unserem Standort Comano ist Rivera in 10 Fahrminuten erreicht. Mit der Gondelbahn in ein paar Minuten hoch zur Alpe Foppa, so elegant sind die ersten tausend Höhenmeter überwunden. Auf der Alpe lohnt sich der Besuch der berühmten Kirche Santa Maria degli Angeli – berühmt deshalb, weil ein Werk des Stararchitekten Mario Botta. Die weiteren Anziehungspunkte wie der Erlebnispark verdienen den Besucherzustrom längst nicht. Der Monte Tamaro ist von der Alpe aus nicht zu sehen; einige gehen fehl in der Annahme, dass die riesige Antennenanlage der Gipfel sei – der trägt den Namen Manera.

Wir starteten kurz vor zehn Uhr und bei bestem Wetter – so wie es sich für unseren Hochzeitstag gehört. Bis zum Manera sind es ca. 300 Aufstiegsmeter resp. eine Strecke von 2.5 km. In knapp 40 Minuten waren wir oben. Vorbei an der Antennenanlage ging es zur 200 m weiter vorne stehenden Cap. Tamaro. Gelegenheit für eine erste Trinkpause – offensichtlich sind mehrere Schulklassen auf Schülerreise, also rasch weiter in Richtung Monte Tamaro, der sich jetzt vor uns zeigte. Vorbei am Gipfelchen Motto Rotondo (1928 m) der kurze Abstieg zum P.1842, von wo ein Weg unterhalb des Monte Tamaro direkt zur Bassa di Indemini führen würde – wir machten den Gipfel, ein durchaus respektabler Grataufstieg von 120 m Höhendifferenz über eine Strecke von 500 m. Auf dem Monte Tamaro (1962 m) dann ein veritabler Volksauflauf, mindestens 30 Jugendliche (aus der Ostschweiz) auf Reise; einige fanden «Fuck Wandern, Luzern als Schulreiseziel hätte besser gefallen». Wir machten eine sehr kurze Trinkpause, um den Weiterweg nicht im Rudel verbringen zu müssen. Es folgte der etwas ruppige Abstieg zur Bassa di Indemini (1723 m) und der Weiterweg zur Bassa di Montoia (1764 m) – hier wieder eine Gruppe Jugendlicher, voll ausgerüstet mit Begleitmusik (sog. Volume Booster, oder ähnlich😊 – eine Frage an dieser Stelle: heisst Volume vielleicht VOLL UME??). Die Musik nicht ganz nach unserem Geschmack; immerhin und zu unserem Glück liessen sie nicht Nella Martinettis «Bionda, bella bionda» oder «Aprite le porte» laufen… Wir zogen vorbei und entschieden uns unmittelbar danach für den direkten Aufstieg zum Monte Gradiccioli (1936 m) – steil aber lohnend und auf dem Gipfel niemand (ausser einem Amateurfunker). Die Musikkapelle umwanderte den Gipfel über die etwas einfachere Strecke. Am Monte Pola (1742 m) vorbei – wir befanden uns schon im Abstieg und fast schon im Stau – weiter bis zum Passo d’Agario. Immer wunderschön aussichtsreich, zur linken der Lago di Lugano, zur rechten der Lago Maggiore, direkt unter uns das italienische Val Veddasca mit den vielen Bergdörfern, und in 80 km Luftlinie das Monte Rosa-Massiv, sogar s’Horu war zu sehen. Kurz vor dem Minigipfel Poncione di Breno wurde das Gelände etwas anforderungsreicher, fast schon einem einfachen Klettersteig ähnlich. Bei P.1602 nahe Piano del Poncione kamen wir der Landesgrenze I-CH recht nahe. Jetzt noch etwa 130 Hm Abstieg zur Forc. d’Arasio/Sparavera, wo ein schmucker Brunnen Wasser spendete – zum Glück für uns erreichten wir die Tankstelle vor dem Rudel. So gestärkt machten wir uns auf den Wiederaufstieg zum 80 m höherstehenden Monte Lema (1550 m) – natürlich wurden wir hemmungslos überspurtet. Sofort zur Bahn für die Talfahrt nach Miglieglia (706 m) hinunter – diese fährt im Normalbetrieb alle 30 Minuten (Kapazität 45 P.). Unten hatten wir ausreichend Zeit für den Schlusspunkt nach unserem Gusto (Panaché). Die gemütliche Non Stop-Rückfahrt mit dem Postauto-Sonderkurs um 17:15 Uhr über Vezio – Arosio – Gravesano – Taverne – Mezzovico – Rivera (ca. 45 Minuten).

Fazit:
Der Bericht soll nicht den Eindruck erwecken, dass wir vor den vielen Gleichgesinnten flüchteten. Dass sich bei solchen Wetterverhältnisse viele auf diese populäre Gipfeltour aufmachten, geht absolut in Ordnung. Und das Angebot für das Rundreiseticket für 33 Franken (Halbtax) mit Bergfahrt Rivera-Alpe Foppa, Talfahrt Monte Lema-Miglieglia und Postauto-Rückfahrt nach Rivera ist schlicht sensationell. Gut erholt erreichten wir am frühen Abend wieder Comano, gerade rechtzeitig, um uns frisch zu machen für das Jubiläumsdinner im nahen Grotto della Salute… Und: morgen gehts nach Bosco/Gurin!

Wetterverhältnisse:
Sehr sonnig, herbstlich warm, ca. 20 bis 25°, windstill, sehr gute Fernsicht.

Hilfsmittel:
Feste Wanderschuhe, Stöcke, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 5. September 2017
Schwierigkeit: T3
Strecke: 13.5 km
Aufstieg: ca. 941 m
Abstieg: insgesamt ca. 915 m
Laufzeit ohne Pausen: ca. 4 Std. 35 Min.
Laufzeit mit Pausen: ca. 5 Std. 55 Min.

Kamera:
Sony DSC-HX90V

Monte Boglia (1516 m), Überschreitung von Luganos Grenzberg

Seit Tagen Nass und Grau im Norden, ausserdem noch immer reichlich Schnee in höheren Lagen – was liegt näher, als wieder einmal in die Sonnenstube Tessin zu rollen; ÖV-Halbtax und Mitfahrkarte, das Ganze für hundertdreizehn Franken. Nichts wie los am schönsten Tag in dieser Woche. Sehr eindrücklich die Bahnfahrt mit dem ECN (Trenitalia) – bei Erstfeld ins Neat-Loch und auf der Südseite mit zweihundert Sachen raus – aahhh, die Sonne scheint! Doch vorher (bei der Abfahrt in Arth-Goldau) kurzes Durchatmen – der „Italiener“ startete nach dreimaligem Versuch doch noch. Blitzartig unser Gedanke: hoffentlich schafft der moderne Zug die 57 km lange Neat-Durchfahrt. Nach dem leicht verspäteten Stopp in Bellinzona dann das Ende – nichts ging mehr, alle zehn Minuten eine ohnmächtig nichtssagende Durchsage, dass man daran arbeite, das Problem zu lösen. Wir wechselten in einen bereitstehenden TILO-Zug, um dann mit grosser Verspätung Lugano zu erreichen. Auf den Bus wartend der Genuss eines Start-Cappuccinos im Bahnhofbuffet. Etwas nach elf Uhr erreichten wir den Ausgangspunkt in Brè Paese doch noch.

Sonnencrème-beschmiert (>20° wurden in Aussicht gestellt!) spazierten wir durch den schönen Ortskern, um dann am Ortsausgang auf kopfstein-gepfastertem Weg rechts in Richtung Materone/Monte Boglia zu halten. Nach dreimaliger Querung einer Strasse dann bei Castra (ungefähr dort wo der schön gepflästerte Weg in einen natürlichen Pfad übergeht, scharf rechts (gut markiert in Richtung „Monte Boglia“). Mittlerweile durchliefen wir schönsten Buchenwald auf eine Höhe von ca. tausend Metern. Ab und zu ein kurzer Durchblick in den tief unten liegenden Lago di Lugano. Jetzt wurde es ziemlich steil, aber niemals ausgesetzt. Über schönstes Aufstiegsgelände erreichten wir den Wegpunkt 1294 und den nahe stehenden Sasso Rosso. Wir blieben oberhalb des Wanderwegs, um auf dem Grat den Tiefblick zu geniessen – eintausend Meter unter uns der See, und: hier oben sollte man sich nicht zu weit an den Abgrund wagen… Oberhalb des Sasso Rosso öffnete sich der Panoramablick auf die Stadt Lugano, den See, den San Salvatore und den Damm von Melide. Jetzt noch der letzte Aufschwung, erst über gut angelegte Serpentinen, dann baumfrei über ein Grätchen, und schwups standen wir auch schon auf dem Monte Boglia. Das 360°-Pano hier oben ist vom Feinsten – sogar die Walliser Riesen zeigten sich.

Der erwartete Nordwind war schwächer als erwartet, so dass einer ausgiebigen Gipfelrast nichts im Wege stand – und irgendwie musste das mitgebrachte Dreigangmenü vertilgt werden (Tuttifrutti als Vorspeise, zum Hauptgang Schraubenbrot gut gefüllt mit „scharfem Markus“, zum Dessert eine dunkle Branche). Bei solchen Verhältnissen auf „die dort unten“ herab zu schauen macht Spass.

So gestärkt verliessen wir diesen wirklich schönen Grenzgipfel, wohl wissend um den bevorstehenden etwas ruppigen, und nicht gerade knieschonenden Abstieg von 350 Hm. Anfänglich noch aussichtsreich, tauchten wir wieder ein in den von Buchen dominierten, lichten Wald. Auf der Pian di Scagn (P.1173) erreichten wir dann den obersten Teil der Alpe Bolla – wunderschön hier oben! Wenige Schritte unterhalb noch schöner: das Grotto Capanna Alpe Bolla. Klar, der Durst musste gestillt werden und der Formaggino musste auch versucht werden – lecker! Schwierig, sich hier wieder zu erheben (man könnte auch nächtigen!). Wir rissen uns zusammen, und machten uns auf den Weg in Richtung Brè. Die Strecke verläuft überwiegend durch Buchenwald – mit einigen uralten Bäumen. Ul Pian Camoghe heisst das Gelände. Teilweise verläuft der sehr gut unterhaltene Weg unterhalb einer felsigen Wand südwärts und während etwa zwei km die Höhe von ca. 1130 m haltend. Nach einer markanten Richtungsänderung ging es nordöstlich; in der Gegend Carbonera dann die Wahl: entweder rechts der Abstieg via Val di Cagnoli oder geradeaus in Richtung Trevach. Wie entschieden uns gegen den wohl eher schluchtartigen Abstieg, und erreichten bald schon den uns vom Aufstieg bekannten Punkt bei Trevach. Ab hier dann auf der bekannten Kopfsteinpflästerung hinunter nach Castra. Den Ausgangspunkt unserer Wanderung im Blickfeld, erreichten wir Brè Paese kurz nach halb fünf – gerade richtig, um den Bus nach Lugano (Abfahrt 17:00 Uhr) zu besteigen. Also keine Lust für einen durchaus lustvollen Aufenthalt in einer Gartenbeiz, weil der Anschluss ab Lugano ein ICN (der SBB) war – eine Stunde später wäre es dann die Aussicht auf italienisches Rollmaterial gewesen… Ausserdem konnten wir so in Arth-Goldau in den Voralpenexpress umsteigen und die Fahrt über den Sattel geniessen. Via Rothenturm – Pfäffikon SZ – Rapperswil SG – Wetzikon „landeten“ wir ziemlich entspannt (und auch etwas ermattet) zuhause.

Fazit:
Wieder einmal richtig entschieden, einen Schönwettertag gegen einen Schlechtwettertag einzutauschen!

Wetterverhältnisse:
Sonnig, Schönwetterwolken, gute Fernsicht, Tageshöchsttemperatur um 23°, sehr angenehm für eine Bergwanderung im Tessin.

Hilfsmittel:
Stöcke; Kartenmaterial

Parameter:
Tour-Datum: 9. Mai 2017
Schwierigkeit: T2
Strecke: 12.6 km, Brè Paese (800 m) – Trevach (P.1024) – Lurenzin – Sasso Rosso – SO-Grat – Monte Boglia (1516 m) – Pian di Scagn (1174 m) – Grotto Alpe Bolla (1129 m) – Pian di Camoghe – Carbonera – Trevach – Brè Paese
Aufstieg: ca. 811 m
Abstieg: ca. -802 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std. 33 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen 3 Std. 44 Min.
Tageszeit: 11:15 bis 16:45 Uhr

Kamera:
Nikon Coolpix P900

Monte Generoso (1701.3 m), Überschreitung auf einsamen (Schmuggler-)Pfaden

Zwei Tage nach Eröffnung Mario Bottas „Fiore di pietra“ – am Montag also eine Bergtour auf den Publikumsberg Monte Generoso! Schon am Vorabend waren Berg und „Steinblume“ vom Hotelzimmer aus gut zu sehen – eindrücklich. Nach dem Frühstück um neun Uhr starteten wir direkt vom Hotel in Richtung Kirche, dann mitten durch das typische historische Zentrum Rovio. Bei den letzten Häusern am Ortsrand vorbei an ein paar Rebzeilen, dann etwas steiler werdend, um bei der Verzeigung P. 581 nicht in Richtung Bellavista, sondern leicht links zu halten. Bis hier könnte 4×4 gefahren werden, was an den abgestellten Autos zu erkennen ist. Der Pfad verläuft im Wald (Buchen, Kastanien), rechts vorbei am Monte Sant’Agata, einem Pilgerberg der Einheimischen. Nach einer Weideabsperrung erreichten wir eine schöne grüne ebene Lichtung. Genau mitten in dieser Lichtung verliessen wir den Pfad nach rechts, um auf kaum erkennbarer Spur auf einem Grätchen direkt hoch zu steigen, wohlwissend, später den über Bogo ausholenden Weg wieder zu erreichen (Wegweiser „Sentiero“ mit handschriftlicher Ergänzung „Crocette“ und „Mte. Generoso“). Jetzt wurde es deutlich steiler – und ziemlich wild! Als mittlerweile erfahrene Wanderer „fanden“ wir in grösseren Abständen immer wieder mal undeutliche wrw-Markierungen (meist an Bäumen). Aber auch ohne Markierungen gab es nur eine Möglichkeit: in dieser schmalen Rinne zickzack hoch zu steigen. Zum Glück spendeten uns die Bäume Schatten, denn die Sonne heizte schon ein. Bei P. 1140 erreichten wir die Pianche, einen Grat, auf dem wir nun die Richtung nach O änderten, um möglichst auf diesem weiter aufzusteigen. An einigen lichten Stellen wurde der Blick frei zum Baraghetto und zum Observatorium auf dem Monte Generoso. Unterhalb der Cima Crocetta dann ein deutlicher Pfad, über den wir den lichten Übergang erreichten. Jetzt standen wir genau auf der Landesgrenze CH-I. Wegweiser und eine gute Spur wiesen uns nach rechts in Richtung S – links unter uns die Alpe di Gotta. Nach einem kurzen Aufstieg erreichten wir den Grenzstein 23.2 – hier geht es senkrecht runter, gegenüber die bizzaren Felsformationen der Cima dei Torrioni. Hier verläuft der gut erhaltene Pfad steil und über befestigte Treppen hinauf zum P. 1488 (Cima dei Torrioni). Jetzt wurde auch der Blick frei nach Osten ins italienische Val d’Intelvi hinunter. Auf den umliegenden Alpen herrschte noch Ruhe, was sich wohl bald ändern wird. Über P. 1445 aufsteigend erreichten wir vorbei am Grenzstein 23.4 die Cima della Piancaccia, einem auf 1610 m liegenden Übergang. Zum Monte Generoso werden noch 30 Minuten angegeben. Vor uns gut einsehbar der weitere Wegverlauf östlich des Klettersteiggebiets des Baraghetto, dessen Einstieg zur Via ferrata Angelino wir mieden. Kurz vor dem Monte Generoso konnten wir es dann doch nicht sein lassen, und wir liessen uns von den Fixseilen zum Direktaufstieg verleiten. Quasi von hinten erreichten wir den abgesperrten Gipfel – einige Gipfelbesucher spendeten uns verwunderte Blicke. Der Dunst verwehrte uns den uneingeschränkten Fernblick, grandios ist das 360°-Panorama dennoch! Eindrücklich auch der Blick zum Baraghetto, resp. zum massiven Grenzfelsen (mit Schweizerkreuz) und zur Casetta della Contessa Vitaleschi – welch famose Lage! Nun nichts wie runter zur Bergstation und ins nagelneue Gipfelrestaurant (Mario Bottas „Fiore di pietra“). Auf dem gesamten Aufstieg begegneten wir keiner einzigen Menschenseele (nicht mal Schmuggler!), dafür einem Mäuschen und zwei Gämsen – aber jetzt hatte uns die Zivilisation wieder.

Im schönen Selbstbedienungsrestaurant verpflegten wir uns mit leckeren Salaten – und fassten den Entschluss, nicht wie eigentlich geplant, mit der Bahn bis Bellavista abzufahren. Vor uns also der ultimative Härtetest für Ruedis Knie mit mehr als 1300 Abstiegsmetern. Schon mal so viel im Voraus: alles ging bestens! Die breite und etwas rutschige Piste entlang der Bahn war nicht so unsere Sache, der Blick ins Valle di Muggio hinunter schon mehr. Nach Überquerung eines Bahnübergangs (die Zugführerin winkte uns lässig zu!) erreichten wir bald die Station Bellavista. Hier bei P. 1221 verliessen wir die Zivilisation wieder – nicht ohne die überraschende Begegnung mit einem Bekannten: Der Mensch (Armin Schelbert), sonst meist am Grossen Mythen anzutreffen, war ebenfalls unterwegs. Nach kurzem Gespräch also stachen wir hinab in den Buchenwald. Nach etwa fünfhundert Streckenmetern Laubwandern(!) ging es so richtig zu Sache; meist weglos oder auf schwachen Spuren, immer wieder von umgestürzten Bäumen „belästigt“, und ziemlich steile und rutschige Steilhänge querend, zuletzt den Lauf der total ausgetrockneten Viganale querend, waren wir froh, die Alpe di Melano zu erreichen. Schwer vollstellbar, hier in ein Gewitter zu geraten – dann müsste hier der Teufel los sein… Sogar ein älterer Mann, welcher die Alpe temporär bewohnt, begrüsste uns und bot uns Wasser von seinem Brunnen an; das war eine herzliche Begegnung, und wir konnten sogar ein paar Brocken italienisch kommunizieren. Ab hier sei der Weg wieder ein Weg, und „un bel sentiero“. Das hofften wir gerne! Nun gut, ab und zu gerieten wir in schluchtartiges, ziemlich bizzarres Gelände, und gelegentlich sanken wir im Buchenlaub bis zu den Knien ein. Das war zwar lustig, aber nicht ganz ungefährlich, weil die Unterlage recht ruppig war. Zwischendurch „tröstete“ uns eine der spärlichen Markierungen, auf dem richtigen Weg zu sein. Bei P. 573 überquerten wir die wenig Wasser führende idyllische Sovaglia über eine steinerne Brücke. Jetzt wurde der Pfad ruhiger und bald erreichten wir den uns vom Aufstieg bekannten P. 581 (Verzweigung Generoso/Bellavista). Jetzt noch der kurze Abstieg durch alt-Rovio zum Ausgangspunkt.

Fazit:
Eine durchaus attraktive, aber auch laaaaange und etwas streckenweise abenteuerliche Bergwanderung, welche etwas pfadfinderische Fähigkeit abverlangte. Spannend fanden wir das allemal. Und das Wichtigste: Ruedis Knie hat den Härtetest bestens überstanden.

Wetterverhältnisse:
Sonnig, aber ziemlich dunstig, Tageshöchsttemperatur ca. 23°, sehr angenehm für eine Bergwanderung im Tessin.

Hilfsmittel:
Stöcke; Kartenmaterial (wichtig!)

Parameter:
Tour-Datum: 10. April 2017
Schwierigkeit: T3 bis T4 (Gipfelaufstieg I)
Strecke: 16.3 km, Rovio (ab Hotel) – Centro storico (498 m) – P. 581 Verzweigung Generoso/Bellavista – Salera – Torricello (954 m) – P. 1040 Pianche – Cima Crocetta (1360 m) – P. 1425 (Grenzstein 24.2) – P. 1488 (Cima die Torrioni) – P. 1445 – Cima della Piancaccia (1610 m – Grenzstein 23.4 – Einstiegstelle Via ferrata Angelina (Baraghetto) – Monte Generoso (oder Galvagione) 1701.3 m – „Fiore di pietra“ (Steinblume) – P. 1447 – P. 1365 – Bellavista (1221 m, Station Monte Generoso-Bahn) – Alpe di Melano (903 m) – Valle della Carbonera – P. 573 (Brücke über die Sovaglia – P. 581 – Rovio Paese
Aufstieg: ca. 1337 m
Abstieg: ca. -1333 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 8 Std. 51 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen 6 Std. 03 Min.
Tageszeit: 09:00 bis 18:00 Uhr

Kamera:
Nikon Coolpix P900

Alpe Vicania sopra Vico Morcote und Parco botanico San Grato

Die spontane Idee, als Ziel unseres Geschäftsausflugs das Tessin, genauer die Alpe Vicania, zu wählen, war rasch umgesetzt und lohnend dazu! Spurensuche war (auch) das Tagesthema; schliesslich waren wir auf der Alpe letztmals vor etwa 30 Jahren! Bus ab Wohnort, S-Bahn bis Zürich HB, dann ohne Umsteigen im ICN nach Lugano (in der ersten Klasse!). Der Tilo brachte uns rasch nach Melide, dann mit dem Bus bis Morcote (Haltestelle Piazza Grande). Nach einem Espresso starteten wir kurz nach 12 Uhr bei bestem Wetter und bei ca. 14° den Treppenlauf (weissrotweiss markiert in Richtung Alpe Vicania, angeschrieben 1.5 Std.) vorbei an der Kirche Santa Maria del Sasso hinauf bis zum Castello di Paleari, wo sich ein wunderschöner Ausblick auf den unter uns liegenden Lago di Lugano bot. Wie beim Training in der Folterkammer – nur viel schöner! – kam uns der kurzweilige Aufstieg vor. Gefühlte tausend Treppentritte höher und in der halben Zeit der Vorgabe erreichten wir die Alpe Vicania um 13 Uhr – esattamente ora di pranzo! Draussen an der Sonne wehte eine frische Brise, drinnen im Wintergarten war es auch gemütlich. Den Empfehlungen der freundlichen Gastgeber konnten wir nicht wiederstehen (siehe Bilder).

Nach ausgiebiger Stärkung spazierten wir gemütlich weiter, gleich hinter dem Gebäude hoch, über schöne, noch nicht bestossene Weiden. Flach ansteigend erreichten wir nach etwa 1.6 km den höchsten Punkt, um dann leicht absteigend und immer gut markiert (noch immer weissrotweiss – warum wissen die Götter) den Parco botanico San Grato zu erreichen. Diese wunderschöne Anlage ist wirklich ein Besuch wert – zurzeit stehen die Rhododendren in prachtvoller Blüte. Hier lohnte es sich, die Kamera zu zücken und den Park etwas gemächlicher zu begehen. Am unteren Eingang der Anlage verlief der Weiterweg über die Fahrstrasse, beim Piscina vorbei dann weiter ins schöne Carona. Die malerischen Winkel und Gässchen boten schöne Fotosujets. Zum Abschluss dann der Abstieg nach Melide hinunter – steil, oft über hohe Tritte und meist im Wald verlaufend; nicht besonders attraktiv. Aber die Alternative, nach Carabbia zu laufen und dort den Bus nach Lugano-Paradiso zu besteigen, begeisterte uns auch nicht. Ab Melide dann mit der Bahn bis Paradiso, weil wir unbedingt noch den Lido abspazieren wollten. Auf der Piazza Grande genossen wir Tee, um anschliessend durch das Stadtzentrum hochzusteigen bis zum Bahnhof. Den Rest besorgte dann der tolle Neigezug.

Fazit:
So schön und stressfrei dürfen Geschäftsausflüge immer sein – Dank an die Geschäftsleitung für diesen genussvollen Tag!

Parameter:
Tourdatum: 28. April 2016
Schwierigkeit : T1-2
Strecke: ca. 8.1 km: Morcote (Piazza Grande) – Castello die Paleari – Alpe Vicania – Parco potanico San Grato – Carona – Melide
Aufstieg: ca. 560 m
Abstieg: ca. -540 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: ca. 2 Std. 30 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: ca. 4 Std.

Vom Centovalli über den Gridone (2188 m) an den Lago Maggiore

Das gibt jetzt ein etwas längerer Bericht. Schliesslich haben wir zwei seit bald vier Jahrzehnten ein „Gschleipf“ – und heute durften wir unseren 29. Hochzeitstag feiern. Und zwar im Rifugio Al Legn – dieser sagenhaft gelegenen Hütte. Doch wie gelangt man dort rauf? Dem Rat von Daniel S. (Hüttenwart) folgend, wählten wir den Aufstieg aus dem Centovalli. Nach langer Anfahrt bis Locarno dauerte die Fahrt mit der Centovallibahn 30 Minuten. Direkt bei der Haltestelle Verdasio bestiegen wir die Seilbahn Verdasio-Rasa, welche uns in ein paar Minuten die ersten 370 Aufstiegsmeter elegant bewältigen liess. In Rasa starteten wir um 10 Uhr. Erst der schattige Abstieg vorbei am in Renovation stehenden Häuserkomplex Terra Vecchia (wo bis 1700 die Bewohner des heutigen Rasa lebten). Vom tiefgelegenen P. 663 der kurze Aufstieg nach Bordei, wo die lauschig  gelegene Osteria di Bordei zum Startkafi einlud. Nach dieser Stärkung wurde es ernster; vorbei an den letzten Häusern von Bordei stiegen wir ins Val di Bordei hinein. Immer schön dem Wasser entlang liefen wir durch eine prächtige Naturlandschaft hoch – vorbei an mächtigen Steinbrocken und an einer Höhle (die wir aber nicht besuchten). Ab und zu waren die Wegmarkierungen stark verwittert, so dass wir auf unsere Hilfsmittel und Pfadfindertugenden angewiesen waren. Nun gut, verlaufen konnte man sich hier nicht, das enge Tälchen bot kaum Möglichkeiten dazu. Die wilde Gegend gefiel uns so sehr, dass wir gar nicht richtig bemerkten, wie steil es zunehmend wurde. Recht abwechslungsreich (mal im Schatten, dann wieder an der Sonne) war der Aufstieg ein grosses Vergnügen. Zur Mittagszeit genossen wir in der Nähe einer unter einer Felswand stehenden Schutzhütte eine erste Pause. Über uns der Gridone, dessen mächtiges Gipfelkreuz nicht zu übersehen war. Und weit und breit keine Menschenseele! Ungefähr ab 1600 m (unterhalb Fumadiga) führte der nunmehr gut sichtbare Pfad ein letztes Mal über den Bach um dann felsig und weiterhin steil zur schon von weitem zu sehenden Bocchetta di Valle hoch zu steigen. Wir vermuten, dass dies einmal ein idealer Schmuggler-Übergang gewesen sein muss(?!). Oben angekommen, verschlug es uns beinahe den Atem – und das nicht etwa nur des Aufstiegs wegen! Praktisch von einem Meter zum nächsten dieses grossartige Panorama (welches sich in Bilder besser beschreiben lässt). Hier oben mussten wir einfach pausieren! Aber es kam noch besser! Nachdem wir uns wieder gefasst hatten, nahmen wir den Aufstieg zum Gridone (auch Ghiridone oder Monte Limidario genannt) in Angriff. Wir entschieden uns für die sonnig gelegene Aufstiegsvariante zum Grat – das steile Couloir war schön griffig und bot keine ernsthaften Schwierigkeiten. Ab P. 2138 führte der Pfad entlang der Landesgrenze (I-CH) vorbei an einer markant gebauten Messstation. Kurz nach einer Senke dann die letzten 50 Aufstiegsmeter, wo die Hände definitiv eingesetzt werden mussten (und die Stöcke vorzugsweise aufgebunden sind). Auf dem Gipfel dann ein 360-Grad-Panorama vom Feinsten! Nicht nur wir, auch drei weitere Gipfelstürmer waren offensichtlich überwältigt; jedenfalls wäre das eine Erklärung dafür, dass nichts wurde aus dem offiziellen Gipfelbild (in der Aufregung drückte der Mitwanderer einfach zu schwach auf den Auslöser…). Den „Ärger“ bemerkten wir zu spät. Hier oben soll der Weitblick angeblich zum Duomo di Milano reichen – trotz bester Wetterlage blieb uns dieser Fernblick verwehrt. Der Blick zu den grossen Wallisern entschädigte uns reichlich. Mittlerweile war es 17 Uhr, Zeit also für den kurzen Abstieg zur Hütte hinunter, welche wir nach etwas mehr als einer Stunde erreichten. Leicht enttäuscht darüber, die Hütte nicht (wie angenommen) für uns alleine zu haben, gewöhnten wir uns problemlos an die vier weiteren Gäste (ein nettes Paar aus dem Aargau, ein solches aus Verbania). Was uns auf der Alpe Arolgia im Rifugio Al Legn geboten wurde, war schlicht und einfach phänomenal. Vom bis zum Vorabend anwesenden Hüttenwartpaar Barbara und Daniel wurden uns vorbereitete Speisen und Getränke bereit gestellt – über diesen überraschenden und sehr persönlichen „Empfang“ freuten wir uns und wir danken den beiden für diese ausserordentliche Idee, unseren Hochzeitstag zu verschönern. Gastfreundschaft pur – wir kommen bestimmt wieder einmal!!

Vom erstklassigen Risotto con funghi porcini (von Barbara frisch geerntet!) gesättigt und (nicht nur) vom ausgezeichneten Merlot ermattet, genossen wir den letzten nächtlichen Blick hinunter auf das Lichtermeer um den Lago Maggiore. Selten haben wir in einer Hütte derart gut geschlafen! Schön, dass sich ein paar Idealisten zusammen gefunden haben, um diese Hütte vor zwanzig Jahren zu bauen!

Gut erholt, und nicht zu früh (so um sieben Uhr), weckten uns die ersten Sonnenstrahlen. Wiederum alles verfügbar für ein reichhaltiges Frühstück – einfach paradiesisch! Bestens erholt und gut gestärkt machten wir uns auf den Abstieg nach Brissago hinunter. Im Wissen darum, die rund 1600 Abstiegsmeter eventuell abkürzen zu können (Ruftaxi ab Mergugno für Fr. 40 für die Fahrt nach Brissago), machten wir uns keine Sorgen über unsere Knie. Der Abstieg war derart abwechlungsreich und geprägt von spannenden Landschaftsbildern, dass wir Mergugno bald erreichten und nicht daran dachten, es uns „bequemer“ zu machen. Vor allem die Strecke bis Mergugno war sehr reizvoll – auch wenn der Goldregen im Bosco sacre nicht mehr blühte. Ab Mergugno verlief ein Teil des Abstiegs auf der geteerten Strasse; nach Rovere boten sich immer wieder Abkürzungsmöglichkeiten, welche es allerdings nicht zu übersehen galt. Bei Incella (ein Vorort von Brissago) führte der Weiterweg zwischen Villen und anderen Häusern hinunter. Froh darüber, Brissago (Pontile) nach diesem langem Abstieg erreicht zu haben, nutzten wir die Zeit bis zum Eintreffen des Schiffs unsere Flüssigkeitsspeicher aufzufüllen. Die Schifffahrt via Isole di Brissago – Ascona nach Locarno bot uns ausreichend Zeit zur Erholung und den Genuss, immer wieder zum markant stehenden Rifugio Al Legn hoch zu blicken. Nach der Landung im Hafen von Locarno belohnten wir uns mit einer Gelato; dann die Weiterfahrt nach Intragna und von dort mit der Bahn wieder nach Verdasio. Die netten Leute vom Rifugio di Legn haben uns den Super-Tipp abgegeben, einen zusätzlichen Tag auf dem Monte di Comino einzuplanen. Doch darüber berichten wir später.

Fazit:
So erlebnisreich dürfen unsere Hochzeitstage immer wieder sein – im kommenden Jahr dann zum Dreissigsten…

Parameter 1. Tag (Rasa-Bordei-Bocchetta Di Valle-Gridone-Al Legn):
Strecke: ca. 11.2 km
Rasa – Bordei – Bocchetta Di Valle – Gridone – Al Legn
Alpine Bergwanderung, Schwierigkeit: T4-
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Benötigte Zeit inkl. Pausen: ca. 7 Std.

Parameter 2. Tag (Al Leng-Mergugno-Brissago):
Strecke: ca. 9 km
Al Legn – Mergugno – Brissago
Bergwanderung, Schwierigkeit: T3
Benötigte Zeit inkl. Pausen: ca. 4 Std.

Parameter  (2 Tage, gesamt):
Tour-Datum: 6./7. September 2016
Strecke: 20.228 km
Aufstieg: 1720 m
Abstieg: ca. -2414m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: ca. 11 Std.

GPS-Maschine: Garmin Montana 600, Topo Schweiz V.4

Kameras: Nikon Coolpix P900 und Nikon D7000