Cho d’Valletta 2496 m – fast schon eine Schneetour

Einfach der Nebelsuppe im Unterland entweichen, wenn auch nur für zwei Tage – das war das Motto. Mit der Cho d’Valletta hatten wir noch eine Rechnung offen, und weil im Oberengadin auf der Sonnenseite bis ca. 2200 m kaum Schnee lag, nutzten wir die Gelegenheit. Wie auch schon, starteten wir beim Schiessstand (Chesa da tir) von Muntarütsch am oberen Dorfrand von Samedan. Der Aufstieg auf dem Alpweg war aper und mit einem tollen Teppich von Lärchennadeln bedeckt. Ab Waldhütte (P. 1962) lag teilweise hartgefrorener Schnee. Auf dieser schönen Waldstrecke boten sich uns immer wieder schönste Durchblicke in die Oberengadiner Hochalpen (Piz Palü, Piz Bernina, usw.), aber auch Tiefblicke auf das Flughäfeli der Prominenten und Reichen – und natürlich hinüber zum Muottas Muragl. Nach fünf Viertelstunden und 3.5 km erreichten wir die oberhalb der Waldgrenze gelegene (und verwaiste) Alp Muntatsch. Erinnerungen an dies und das. Das sonnige Plätzchen bot sich geradezu an für eine Pause. Bei dieser Gelegenheit montierten wir unsere Grödel, in Erwartung der Schneeunterlage. Diesmal wählten wir den Aufstieg auf dem Sommerpfad, welcher östlich des Alpgebäudes ausgeschildert war. Dem steilen Hang folgte eine etwas flachere Strecke bis ungefähr P. 2298. Hier bewegten wir uns in der Nähe der Lawinenverbauungen, welche das tief und steil unter uns liegende Val Bever sichern. Weit und breit keine deutliche Spur in der nunmehr durchgehenden, dünnen Schneedecke. Die Orientierung war allerdings problemlos, weil der nahende Gipfel immer in Sichtweite war. Nicht immer konnten wir den pulvrigen und deshalb weichen Verwehungen ausweichen – manchmal sanken wir knietief ein, was kräftezehrend war. In dieser Streckenpartie und bei solchen Verhältnissen böten Schneeschuhe noch besseren Halt. Bald befanden wir uns unterhalb des felsigen Gipfelaufbaus, dessen Besteigung heute keine besonderen Schwierigkeiten bot – auch dank unserer Leichtsteigeisen! Oben auf dem Gipfel dann eine kalte und starke Brise aus Südwest. Trotzdem liessen wir uns die Gipfelrast nicht nehmen – wen verwundert’s bei diesem 360°-Panorama! Schnell noch ein (tröstliches) Gipfelbildli an unseren in Ostwestfalen (verletzungsbedingt) schmachtenden Schweiz-Fan Michael mailen, und schon begann der Abstieg. Möglichst in der Nähe des Grats verbleibend, weil dort der Schnee einen harten Deckel hatte – dennoch brach dieser manchmal unter meinem Fliegengewicht (Ruedi). Nach einer Dreiviertelstunde erreichten wir die Alp Muntatsch, wo wir uns wiederum eine Pause an der wärmenden Sonne gönnten und uns der Steighilfen entledigten. Der weitere Abstieg auf der Aufstiegsstrecke durch den wunderbar beleuchteten Wald war das reinste Vergnügen. Dennoch waren wir froh, den Ausgangpunkt nach etwas mehr als einer Stunde erreicht zu haben. Der strapaziöse Auf- und Abstieg im Schnee und die ständige Unsicherheit des Einsinkens hatten unseren Muskeln tüchtig eingeheizt.

Fazit:
Ein toller Tag im Oberengadin entschädigte uns für die Nebelsuppe im Unterland.

Bemerkung:
Die Tour lag oberhalb Alp Muntatsch ab ca. 2250 m.ü.M. durchgehend unter Schnee und Schneeschuhe wären eine gute Alternative gewesen.

Wetterverhältnisse:
sehr sonnig, leicht bewölkt, knapp unter der Nullgradgrenze, Lawinengefahr vernachlässigbar

Wegmarkierung:
weiss-rot-weiss , ab Alp Muntasch Markierungen unter Schnee mit wenigen Aufstiegsspuren

Hilfsmittel:
Stöcke, Grödel (Leichtsteigeisen)
GPS Garmin Montana 600, Topo Schweiz V.4

Parameter:
Tour-Datum: 3. Dezember 2016
Schwierigkeit: T3+ (bei schneelosen Verhältnissen -T3)
Streckenlänge: 10 km, Samedan Muntarütsch Chesa da tir (1779 m) – Alp Muntatsch (2188 m) – Cho d’Valletta (2496 m) – zurück auf gleicher Strecke
Aufstieg: 748 m
Abstieg: -744 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std. 27 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std. 37 Min.
Tageszeit: 09:45 bis 15:15 Uhr

Kamera:
Nikon Coolpix P900 (Bridgekamera)

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