Gantkofel (1866 m) – Aufstieg durch die Grosse Scharte, Abstieg durch die Kematscharte

Auf der Reise in die Toscana ein paar genussreiche Tage im Südtirol – diesmal mit einem Aufenthalt in Kaltern. Dem erwarteten Gourmeterlebnis wollten wir etwas Kontrast entgegensetzen, mit einer Bergwanderung. Der Gantkofel war schon länger ein Ziel; er ist der nördliche Eckpfeiler des Mendelkamms, einer 35 km langen Bergkette an der Grenze zwischen Südtirol und Trentino, die westlich und südlich von Bozen steil über der Weinstrasse Kaltern zum Etschtal abfällt.

In der Vorbereitung boten sich uns einige Varianten – alle ziemlich anforderungsreich; wir entschieden uns vor Ort für den Aufstieg durch die Grosse Scharte, und den Abstieg über die Kleine Scharte (sog. Kematscharte). Im Wissen um die leichte Gewittergefahr hofften wir auf trockene Verhältnisse in den sehr engen Schluchten. Die Tour könnte auch im Uhrzeigersinn unternommen werden – Aufstieg durch die Kematscharte und runter durch die Grosse. So oder so waren die Anforderungen im T4-Bereich.

Kurz vor dem Putschwaner See oberhalb Berg (Eppan) kündigte ein bei einer Schranke stehendes Schild an, dass das Gasthaus Buchwald geschlossen sei, also mussten wir auf der sehr engen und kurvenreichen 4 km langen Buchwaldstrasse nicht mit Gegenverkehr rechnen. Auf dem grossen Parkplatz beim Gasthaus fanden wir problemlos einen Platz.

Gleich zu Beginn führte uns ein Pfad steil über Wiesland zum Waldrand hoch (links am Funkmasten vorbei). Durch Mischwald stiegen wir weiter hoch zum 100 Hm höher liegenden Eppaner Höhenweg. Auf diesem dann wenig ansteigend nordwärts bis zum Wegweiser Nr. 536. Dier wies uns unmissverständlich in Richtung Grosse Scharte, von der wir allerdings (noch) nichts sahen. Lediglich die Felswände türmten sich senkrecht auf, und wir spekulierten schon, wo und wie wir da durchkommen sollten. Nach etwa 300 m wurde es dann ernsthaft steil. Vor uns (besser: über uns!) die ca. 1500 m lange Schlucht mit einer Höhendifferenz von fast 700 m. Der „Weg“ hatte an einigen Stellen unmenschlich hohe Tritte, je enger die Schlucht wurde, desto steiler, ab und zu etwas ausgesetzt. Die Durchblicke ins etwa 1500 m tiefer liegende Etschtal hinunter waren spektakulär. Für den Aufstieg durch die Scharte benötigten wir etwa 70 Minuten. Oben angekommen, ein fast schon lieblicher Anblick: eine moorartige Wiesenlandschaft mit schönen Frühlingsblumen. Nahe einer Quelle erreichten wir eine Höhe 1780 m.ü.M. Nach wenigen Metern hielten wir auf gut markiertem Pfad in Richtung Gantkofel-Spitze. Hier oben muss der Schnee erst vor wenigen Tagen weggeschmolzen sein. Nach wenigen Minuten dann der kurze Aufstieg zum breiten Gipfelplateau. Hier oben bot sich ein Ausblick vom Feinsten, wenn auch nur für kurze Zeit, während dem sich die Wolken an der Wand hoch pressten – Gipfelglück nennt man das! Einige Meter weiter nordwärts, bei einem grossen Gipfelkreuz, genossen wir dann unsere ausgiebige Rast. Von einem sehr netten Paar aus dem nahen Sarntal erfuhren wir, dass ihre Heimat auch sehr schöne Wandermöglichkeiten böte, die Sarner Scharte zum Beispiel (werden wir uns merken!). Von den beiden sehr freundlich darauf hingewiesen, dass man im Südtirol deutsch spreche und italienisch gar nicht gerne höre (Südtirol eben, und nicht Alto Adige). Dennoch standen wir jetzt auf dem so bezeichneten Monte Macaion – zu deutsch Gantkofel.

Im Abstieg folgten wir der Aufstiegsstrecke bis zur Quelle, wo sich die Einstiegsstelle zur Grossen Scharte befindet. An dieser vorbei die Höhe haltend über schöne, noch nicht bestossene Alpweiden in Richtung S (Weg Nr. 500). Nach etwa anderthalb km dann der gut markierte Einstieg in die Kematscharte (Weg Nr. 546). Alleine der Blick in die Schlucht verlangt schon Respekt; kommt noch die furchterregende Warnung vor Steinschlag hinzu. Und hier sollen wir durch? Wir wagten es, sehr vorsichtig, jeden Schritt abwägend. Wirklich unglaublich, diese Steilheit, diese Enge! Und dann etwa in der Mittel, am engsten Punkt der Schlucht, die Schlüsselstelle: nach einem kurzen Abstieg über eine Holztreppe, welche mit einem Drahtseil gesichert war, dann die Stelle, wo ein Klemmblock den Weiterweg versperrte. Von den zwei Möglichkeiten zur Überwindung (untendurch oder oben drüber) wählten wir die etwa 10 m lange und senkrecht montierte Eisenleiter. Die Alternative, den Block durch eine drahtseilgesicherte Höhle zu unterklettern, wäre ebenfalls gut machbar gewesen. Von unten war diese Stelle noch furchterregender. Wir befanden uns an der engsten Stelle, wo auf dem nassfeuchten und kiesigen Untergrund Trittsicherheit abverlangt wird. Im weiteren unverändert steilen Abstieg weitete sich die bedrohliche Kulisse beidseitig überhängender Felswände. Bald war eine Fortstrasse erreicht, welche wir querten, um auf etwas „friedlicherem“ Gelände den Löschsee und die schöne Pfaunbodenhütte zu erreichen. Noch immer steil führte der Weiterweg durch schönen Wald hinunter, bis der Eppaner Höhenweg wieder erreicht war. Nur noch wenige Abstiegsmeter zum Gasthaus Buchwald, doch zum Abschluss noch eine Rast am Waldrand, mit dem Panoramablick auf das Weingebiet und Bozen, der Blick zu den Dolomiten lag in dunklen Wolken.

Fazit:
Eine unglaublich spektakuläre, wilde und nicht ganz ungefährliche, und fordernde Scharten-Tour, die uns ausgezeichnet gefallen hat. Und mit der Leistung war auch die Basis gelegt für das abendliche Gourmetmenü, welches wir ohne schlechtes Gewissen genossen haben…

Wetterverhältnisse:
Freundliche, teilweise sonnige Witterung bei ca. 20°, auf dem Gantkofel aufziehende Bewölkung, aber trocken.

Hilfsmittel:
Stöcke, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 12. Mai 2018
Schwierigkeit: T4/I-II
Strecke: 9.6 km, Gasthaus Buchwald (955 m, heute geschlossen, Parkplatz) – für ca. 1.6 km entlang dem Höhenweg bis zum Wegweiser Nr. 536 – Grosse Scharte (1826 m) – Quelle (beim Ausstieg aus der Scharte) – Gantkofel (1866 m) – zurück bis zur Quelle, vorbei an der Einstiegsstelle zur Grossen Scharte – über Alpen in Richtung S (Weg Nr. 500) über eine Strecke von ca. 1.7 km leicht absteigend bis zur Einstiegsstelle Kematscharte (Weg Nr. 546) – Abstieg durch die Scharte – Forsthaus Pfaunboden (1230 m) – Gasthaus Buchwald
Aufstieg: ca. 984 m
Abstieg: ca. -975 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std. 45 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen 3 Std. 20 Min.
Tageszeit: 10:00 bis 15:45 Uhr

Kamera:
Sony DSC-HV90V

6 Gedanken zu „Gantkofel (1866 m) – Aufstieg durch die Grosse Scharte, Abstieg durch die Kematscharte“

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