Hohtürli 2778 m – Blümlisalphütte SAC 2834 m

Vortag, Anreise
Das ursprüngliche Vorhaben (Oberengadin) haben wir aufgegeben wegen der unsicheren Wettervorhersagen. Die Griesalp (in bester Erinnerung von unserem Winter-Aufenthalt im Februar 2013) mal im «Sommer» für ein paar Tage zu erleben, war die Alternative. Anreise bei passablem Wetter am Donnerstag – die «steilste Bergpoststrecke Europas» kurz vor dem Ziel – winters wie sommers spektakulär! Morgen dann unser Hochzeitstag! Zum Anlass wollten Renaiolofrau und -mann sich heute eine schöne Bergtour gönnen. Zur Auswahl standen Hohtürli (über Bundstock – Schwarzhore) und Sefinenfurgge (über Gspaltenhornhütte). Wie oft in diesem Sommer 2014 machte uns das so nicht vorausgesagte (regnerische) Wetter einen dicken Strich durch unsere Pläne. Jaja, ich weiss: es gibt kein schlechtes Wetter – nur schlechte Kleidung. Also etwas länger schlafen, etwas ausgiebiger frühstücken, und los ging’s in Richtung Gamchi – in der Hoffnung, dass es wenigstens bis zur Gspaltenhornhütte reichen würde. Im Gamchi angekommen, änderten wir unseren Plan; Abzweigung über den Gamchibach, dann hochzusteigen bis P. 1967 (Oberloch), von dort dann zurück über die Bundalp zur Griesalp. Im Aufstieg wurde der Regen immer stärker, so dass wir endlich unsere Regenbekleidung amortisieren konnten. Der sehr rutschige Untergrund bewegte und bald zur Umkehr. Auf dem Rückweg auf gleicher Strecke, auf der uns lediglich zwei Wanderer begegneten. Nach 9.3 km und ca. 730 Auf- und Abstiegsmetern erreichten wir das Golderli, wo es zum Abschluss einen dieser sagenhaften handgezogenen Apfelstrudel mit Vanilleglace. Mittlerweile «belästigte» uns sogar die Sonne – wir dürfen also zuversichtlich sein für die morgige Hochzeits-Tour!

Tourenbericht
Frühmorgendlicher einäugiger Blick unter der warmen Bettdecke – endlich! Was für ein tolles Wetter! Nichts wie raus, schnelles Frühstück, und los ging’s, direkt hinter dem Hotel stiegen wir auf (gelb ausgeschildert Richtung Hohtürli). Erst über eine Fahrstrasse bis Dündenessli, dann links haltend in Richtung Bundstäg, oberhalb der Alphütte den Bergbach querend. Ab hier durch den Wald aufsteigend, steil und holprig – und weil schattig, noch nass und rutschig. Nach ein paar Minuten erreichten wir die sonnigen Weiden der Underi Bundalp und später die Oberi Bundalp. Hier gönnten wir uns einen zweiten Zmorgekafi. Eigentlich wollten wir über Bundstock (2756 m) und Schwarzhore (2786 m) aufsteigen. Nach kurzer Beurteilung entschieden wir uns doch für den klassischen Aufstieg zum Hohtürli. Grund waren vor allem Bedenken betreffend der Kondition von Renaiolomann (heute letzter Tag einer zehntätigen Antibiotika-Therapie); denn diese Variante hätte ca. 1.5 Std./ca. +300 Hm länger gedauert. Die Entscheidung sollte sich auch wegen der Wetterentwicklung als richtig herausstellen. Also schritten wir erst auf der Alpstrasse Richtung Alp Bundläger, um diese dann bei P. 1881 rechts hochsteigend zu verlassen. Zügig und ohne (konditionelle) Probleme näherten wir uns dem unterhalb des Schwarzhore liegenden Hohtürlihang. Zunehmend steiler werdend führte der geröllige, aber abgetrocknete Pfad über moränenartiges Gelände. Auf einer Höhe von ca. 2400 m war dann eine ca. 50 m breite steinschlag-gefährdete Stelle zu queren – versehen mit entsprechenden Warnschildern. Ab ca. 2500 m verlief die gut angelegte und nicht ausgesetzte Spur unterhalb einer gewaltigen Felswand steil hoch in Richtung der teilweise im Nebel sichtbaren Treppe. Entgegen unserer Befürchtung waren relativ wenige Berggänger unterwegs – jedenfalls bildete sich kein Stau. Die etwa 280 teilweise hohen Treppenstufen hatten es in sich! Etwas ausser Atem erreichten wir den Übergang Hohtürli auf 2778 m. Vor uns der spektakuläre Blick auf die vom Öschinensee herauf führende Aufstiegsstrecke, zur linke die «Blüemlere», und zur rechten die Gratspur zum Schwarzhore und zum Bundstock. Im Aufstieg unterhielten wir uns darüber, diese Strecke für den Rückweg zu machen – aber wie die Bilder zeigen, verwarfen wir diese Idee wegen der Wettersituation. Nach einer kurzen Verpflegungspause an sonniger Aussichtslage stiegen wir hoch zur 56 Hm höher stehenden Blümlisalphütte SAC; auf deren schönen Sonnenterasse genossen wir das Panorama und den Tee. Die Hütte liegt wunderbar, gefällt uns ausgezeichnet, nur einen Makel hat sie: die Blüemlere ist von hier leider nicht vollständig zu sehen… Aufbruch zum Abstieg, unterhalb Hohtürli nun wieder die «Rolltreppe» hinunter – Konzentration war geboten, weil Misstritte und Stolperer fatale Folgen hätten. Während unseres Abstiegs begegneten uns zunehmend Scharen aufsteigender Berggänger (Grüessech, grüessech…!). Im Bergrestaurant Oberi Bundalp gab’s eine durstlöschende Pause. Gestärkt und bei mittlerweile etwas eingetrübter Wetterlage machten wir uns auf den weiteren Abstieg, vorbei an schönen Simmentalerinnen. Die Griesalp erreichten wir (ohne Regentropfen!) um ca. 17 Uhr – gerade rechtzeitig zum Apéro! Ach noch etwas: im Restaurant des Griesalp Hotelzentrum wird vorzüglich gekocht – und die Auswahl an guten CH-Weinen ist ausgezeichnet (und erst noch zu moderaten Preisen).

Fazit:
Ein Bilderbuchtag! Lange und anstrengende Tour zwar, aber deshalb äusserst befriedigend.

Hilfsmittel:
Bergschuhe, Stöcke, GPS

Parameter:
Tour-Datum: 6. September 2014
Schwierigkeit: T3+
Strecke: 14.25 km, Griesalp 1408 m – Dündenessli 1473 m – Underi Bundalp 1686 m – Oberi Bundalp 1867 m – P. 1881 – Hohtürli 2778 m – Blümlisalphütte SAC 2834 m – Rückweg auf gleicher Strecke
Aufstieg: 1484 m
Abstieg: ca. -1484 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 8 Std. 15 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 6 Std. 15 Min.

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