Oberengadin 2ǀ4: von Maloja zum Torre Belvedere hinunter bis Casaccia

Unsere erste Tour in dieser Woche mit Ruedi Wiesner. Mit dabei: Margrit, 2x Doris, Lieni und Ruedi. Mit zehn Minuten Verspätung trafen wir in Maloja Capolago ein – dort erwartete uns die kleine Gruppe frierend. Nach ein paar Metern erreichten wir den Startpunkt an der Sonne. Die Spur zum 24 m hohen Torre Belvedere war nicht zu verfehlen; sie führte durch einen schönen Arven- und Föhrenwald, vorbei an teilweise unter tiefem Schnee liegenden Gletschertöpfen. Unterwegs vermittelte uns Wanderleiter Ruedi viel spannendes Wissen über dieses Schutzgebiet; mehr Interessierte hier nachgelesen. An der Südseite der Burganlage stürzt das Gelände spektakulär und steil ab zur mehr als 300 m tiefer liegenden Passstrasse hinunter. Die Frage nach dem Einstieg zum Abstieg beantwortete Ruedi mit «dort drüben». Wir staunten nicht schlecht – keine Spur einer Spur! Und meterhoher Schnee dazu! Ruedi kannte den Weg, wie es sich rasch herausstellte. Er voraus, wir Schnee «schaufelnd» hinter ihm her. Im Zickzack sehr steil hinunter, bis wir auf einem Bödeli ankamen. Hier wäre laut Ruedi (noch) eine Umkehr nach Maloja möglich gewesen – nicht für uns! Also weiter in spurlosem Gelände, hinter uns eine markante Spur hinterlassend. Nachfolgende Schneeschuhläufer würden es uns schon danken – wenn es denn solch Verrückte überhaupt gäbe (dachten wir vor uns hin…). Kurz vor der Passstrasse (und nach der angekündigten Schlüsselstelle (eine kleine Mutprobe – eine Schneebrücke über ein Bächlein) eine Verpflegungspause – voll an der Sonne. Nur der Lärm der nahen Passstrasse kündigte uns die Nähe der Zivilisation an. Die Strasse überquerten wir dann zügig, um an den paar Häusern von Cavril vorbei zu ziehen. Noch immer nichts von einer Spur – daran änderte sich bis zum Ende nichts. Also war Spurarbeit angesagt – im leichten Aufstieg zum Bosch da Cavril und weiter bis Plan dal Mol. Hier ging der Blick zur Ruine der obdachlosen Kirche S. Gaudenzio hinunter. Ab hier ging es runter, und wie! Ruedi’s Routenwahl im Grenzbereich WT4 führte durch die Büsche und den Wald, bis wir fast schon plötzlich das unter uns liegende Bergeller Dörfchen Casaccia erblickten. Ein paar ausholende Kehren durch den steilen Tiefschnee hinunter, und schon hiess es «secklen» – vier Minuten bis zur Abfahrt des Postautos (diesmal ohne Verspätung!). Das war eine sehr eindrückliche und originelle Schneeschuhtour, voller Abwechslung und Überraschungen. Danke Ruedi, toll wars!

Fazit:
Ein richtig schöner Geburtstag-Wintertag bei angenehmen Bedingungen am Malojapass.

Wetterverhältnisse:
Viel Schnee (über 1 m), Pulver, ungetrübter Sonnenschein, Temperaturen (-12°+/-), starke Winde aus NO und S, Route meist windgeschützt.

Lawinengefahr:
Für unser Tourenvorhaben von heute nicht relevant. Laut SLF wie folgt: Stufe 3 erheblich, Gefahrenbeschrieb: die teils grossen Triebschneeansammlungen der letzten zwei Tage bilden die Hauptgefahr. Zudem können stellenweise Lawinen im Altschnee ausgelöst werden und gefährlich gross werden. Diese Gefahrenstellen liegen besonders an eher schneearmen West-, Nord- und Osthängen. Schon einzelne Wintersportler können Lawinen auslösen. Mit der Sonneneinstrahlung steigt die Auslösebereitschaft besonders an sehr steilen Südhängen etwas an. Schneesport abseits gesicherter Pisten erfordert Erfahrung in der Beurteilung der Lawinengefahr. Vor allem an sehr steilen Südhängen sind unterhalb von rund 2400 m mittlere und vereinzelt grosse Gleitschneelawinen möglich. Vorsicht in Hängen mit Gleitschneerissen.

Hilfsmittel:
Schneeschuhe, Stöcke, Sonde, Schaufel, GPS

Parameter:
Tour-Datum:
12. Februar 2019
Schwierigkeit: WT2 (streckenweise WT3)
Strecke: 5.5 km, Startpunkt Maloja Capolago (ca. 1800 m) – Torre Belvedere – Cavril (1551 m) – Bosch da Cavril – Plan dal Mol – Casaccia (1458 m) – Rückfahrt mit Postauto/ÖV
Aufstieg: ca. 170 m
Abstieg: ca. -510 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 4 Std.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 2 Std. 15 Min.
Tageszeit: 10:00 bis 14:00 Uhr

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