Parc Ela – in 2 Tagen über 2 Pässe von Filisur nach Preda

Bericht 1. Tag:
Die eigentlich für Freitag/Samstag geplante Tour legten wir kurzfristig um 2 Tage vor, weil die Wetterfrösche für Donnerstag einen markanten Wechsel weg vom Super-Spätsommerwetter voraussagten. Wie recht sie haben sollten. Start ab Filisur Bahnhof RhB (1080 m) um 10 Uhr, quer durch das Dorf hinunter zur Albula, bei den Albula-Landwasser-Kraftwerken über die Brücke (999 m). Hier begann der eigentliche Wanderpfad; auf schön angelegten Serpentinen stiegen wir durch den Wald hoch bis zum Punkt 1235, wo wir auf die Fahrstrasse gelangten. Auf dieser erst einmal in weiteren Serpentinen (teilweise geteert!), erreichten wir bald einmal die Alp Sela (ca. 1400 m). Moderat steigend und durch schönen Wald erreichten wir die Alp Cloters (ca. 1450 m), immer entlang dem wilden Selabach hinein ins Val Spadlatsch. Nach etwas mehr als 6 km erreichten wir Prosot Pitschen – eine wunderbar gelegene Alp mit einigen schönen Alphütten. Hier weitete sich das Tal und der Wald wurde lichter. Der ideale Platz, um an der Sonne eine ausgiebige Rast einzuschalten. Gut gestärkt entschieden wir uns, die linke Talseite zu nehmen (rechts über eine Brücke führt ein Weg über die Alp Prosot bis P. 1893). Die Strecke bis nach Pradatsch (2006 m) bietet viel Genuss: prachtvolle frühherbstliche Farben, links und rechts verlassene Weiden, im Blickfeld der Piz Ela (3339 m). Unser Tagesziel, die unbewartete Ela-Hütte SAC (2252 m) rückte ins Blickfeld. Die letzten 250 Aufstiegsmeter verliefen etwas ruppiger – klar, das Fahrsträsschen endete kurz nach Pradatsch. Vorbei an der alten Ela-Hütte (2196 m) nahmen wir die Direttissima und standen unvermittelt vor der Hütte. Unbewartet, für heute waren wir die ersten. Kleiderwechsel, und ausgiebiges Sonnenbad bei gefühlten 22 Grad und mit Blick hoch zu den über uns stehenden Gipfeln Piz Cuolmet (2796 m), Piz Crap (2818 m), Corn da Tinizon/Tinzenhorn (3173 m), Piz Spadlatsch (2871 m), Piz d’Uglix (2976 m) und natürlich der Piz Ela (3339 m) mit seinen zwei Gipfeln. Richtung S der Blick zum Pass d’Ela (2724 m), den wir morgen überschreiten werden. Kurz vor 17 Uhr sorgte die hinter dem Tinzenhorn „untergehende“ Sonne für Schatten und Abkühlung. Also nichts wie rein in die Hütte – mittlerweile haben sich noch zwei von Bergün aufgestiegene Frauen zu uns gesellt. Den Holzofen einzufeuern war keine Kunst, schon eher ein Vergnügen; schliesslich benötigten wir heisses Wasser um unsere Penne lisce (Fratelli Martelli natürlich) al dente zu kochen und die mitgebrachte Salsa Bolognese aufzuwärmen. Als Apéro gab es jede Menge rohe Bio-Rüebli und -Gurken, dazu frisches Quellwasser. Die Penne schmeckten lecker – und sie ernteten einige versteckt-neidische Blicke. Gegen 18.30 Uhr traf dann noch ein junges österreichisches Paar ein. Den gemütlichen und ruhigen Hüttenabend (kein Handy-Empfang!) genossen wir beim Jassen – bis Doris schliesslich genug (verloren🤔) hatte. Die Hüttenliteratur war reichhaltig, damit die Zeit zu vertreiben, war einfach. Mein Ziel, mit zusätzlicher Befeuerung des Kochherds/Ofens für ein angenehm-mulmiges (ermüdendes) Klima zu sorgen, wirkte voll: jedenfalls war kurz vor zehn Lichterlöschen. Einen wunderschönen Tag im Kopf – so lässt sich auch ohne Rotwein gut einschlafen.

Bericht 2. Tag:
Nicht allzu früh standen wir auf und genossen unser einfaches Frühstück. Draussen war es bedeckt und es nieselte schwach. Ob wir den für heute geplanten Gang über die zwei Pässe machen sollten? Jaaahhh – nach und nach blauer Himmel über dem Tinzenhorn – ein Zeichen aufzubrechen. Um halb neun dann zogen wir los – im gemütlichen Tempo, und bei immer sonnigerem Wetter. Die etwas mehr als 3 km lange Strecke bis zum Pass d’Ela stieg erst moderat, ab Verzweigung P.2495 (Verzweigung Pass digls Orgels) dann etwas steiler an. Nach anderthalb Stunden erreichten wir die Passhöhe, wie vorgegeben. Der Blick hinunter zu den Laiets (Lai Mort, Lai Grond) waren imponierend. Mittlerweile stellten sich in der näheren Umgebung einige grauschwarze Wolken auf – beeindrucken konnten sie uns nicht. Schon eher beeindruckten uns die Steinböcke, welche in Sichtweite friedlich weideten. Bald erreichten wir den Lai Mort (2603 m), und teilweise weglos und über steinige Stellen den Lai Grond (2594 m). Wir waren uns trotz Kartenmaterial nicht einig, wo denn jetzt der 2831 hohe Übergang Fuorcla da Tschitta sei – beim P.2564 dann der deutliche Hinweis Richtung Südost – nicht etwa rechts runter Richtung Tinizong! Also wussten wir, dass es bis zum heutigen Höhepunkt noch ca. 270 Hm aufzusteigen galt. Den Lai Grond passierten wir südlich auf gut markierter Strecke, und es begann jetzt stärker zu steigen. Mittlerweile vermuteten wir die noch immer verborgene Lage des Übergangs. Und jetzt erreichten uns auch erste Regentropfen – also rascher Kleiderwechsel! Da die Aussentemperatur um die 10 Grad lag, und wir ausreichend Eigenwärme entwickelten, stieg ich lediglich in der Unterwäsche in die Regenhose. Das bewährte sich – auch waren wir ausreichend durchnässt – nicht aber klatschnass wie auch schon. Der Pfad auf den Pass verlief in wenigen Serpentinen und nicht zu steil – oben angekommen beglückte uns wieder die Sonne. Der überragenden Gipfel Piz Ela jedoch war nicht zu sehen. Der etwas zügige Wind zwang uns sofort abzusteigen. Auf etwa 2400 m Höhe begegneten uns die heute einzigen Menschen (4 Italiener im Aufstieg). Wir suchten eine windgeschützte Stelle, um eine kurze Rast im Regen abzuhalten – schliesslich wollten die mitgebrachten Cervelats vertilgt werden… Die verlassene und sehr karge Alplandschaft beeindruckte uns ebenso, wie der trotz Eintrübung einigermassen gute Fernblick ins Albulatal hinunter (und weiter) – nur die hohen Bündner Gipfel haben sich uns leider nicht präsentiert. Immerhin, der uns vertraute Fuorcla Crap Alv, der Übergang ins Val Bever, links davon die Gipfel Dschimels, Piz das las Plais und Piz Mez, und auch die Pyramide des Piz Ot waren zu sehen. Der anfänglich sehr steile Abstieg verlief nun etwas lieblicher, entlang der wilden Ava da Tschitta. Unterhalb P.1953 (dort wo der Weg von der Alp Mulix einmündet) spürten wir die Strapazen einer langen Tour. Kurze Dopingpause, wir «spritzten» uns etwas Tuttifrutti und einen Schoggiriegel. Das wirkte und so nahmen wir den verbleiben Abstieg nach Naz (ca. 50 Min.) unter die Füsse. Der hübsche Weiler wird wohl nur von WochenendaufenthalterInnen (welch ein Wort…) «bewohnt». Die ca. 20 Min. bis zum Bahnhof Preda schafften wir so locker wie man nach dieser langen Tour halt sein kann. Die halbe Stunde Wartezeit bis zum Eintreffen des Regionalzugs nutzten wir uns aufzuruhen – und das Ticket zu lösen (1. Klasse bis Filisur 10 Fränkli, und erst noch mit Sitzplatz!). Während der halben Stunde Bahnfahrt immer wieder erstaunter Blick Richtung oben links – vor allem der Übergang Fuorcla da Tschitta scheint aus dieser Perspektive «unmöglich». In Filisur schüttet es dann richtig schön. Unser Autöli hat uns auch sofort wieder erkannt und Doris chauffierte (und ich knurrte)…

Fazit:
Phantastisches Wetter am 1. Tag, gar nicht so schlechtes am 2. Tag. Eine erinnerungswürdige, Ausdauer fordernde Zweitagestour in einem einmalig schönen und einsamen Naturpark! Zufrieden und glücklich, nicht zuletzt über unsere Ausdauer, blicken wir zurück…

Parameter 1. Tag (Filisur- Chamonas d’Ela CAS):
Tourdatum: 25. September 2013
Schwierigkeit: T2
Strecke: 11.2 km Filisur (Bhf.) – Albula-Landwasser-Kraftwerke – P.1170 – P. 235 – Sela – Cloters – Selabach – Prosot Pitschen – Pradatsch – Spadlatscha – Chamonas d’Ela CAS
Aufstieg: 950 m
Abstieg: -480 m (ab Bahnhof Filisur)
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 4 Std. 30 Min. (ab Bahnhof Filisur)
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std. 40 Min. (ab Bahnhof Filisur)

Parameter 2. Tag (Chamonas d’Ela CAS-Preda):
Tourdatum: 26. September 2013
Schwierigkeit: T3
Strecke: 14.5 km, Chamonas d’Ela CAS – P. 2495 (Verzweigung Pass digls Orgels) – Pass d’Ela – Laiets (Lai Mort) – P 2465 – Lai Grond – Fuorcla da Tschitta – Val Tschitta – Naz – Preda (Bhf.)
Aufstieg: 900 m
Abstieg: -1320 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 6 Std. 20 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 4 Std. 50 Min.

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