Pischahorn 2980 m – einfach exzellent!

Dieses Wochenende sollte uns wettermässig die beiden schönsten Tage der Woche bescheren. Also nichts wie los – Am späten Samstagnachmittag Fahrt nach Davos, wo wir im einsamen Flüelatal, quasi direkt unter unserem Tourenziel, das letzte freie Zimmer fanden im Gasthaus Alpenrose (an der Flüelapassstrasse, einige hundert Meter nach der Talstation der Pischa-Bahn gelegen). Karin und Damir, die herzlichen Gastgeber, verwöhnten uns mit einem leckeren Abendessen. Für erholsamen und ruhigen Schlaf im abgelegenen Flüelatal war gesorgt.

Nach einer als Folge der Umstellung auf die Sommerzeit verkürzten Nacht genossen wir das Frühstück. 400 m weiter unten ab Dörfji dann die Bergfahrt mit der Pischa-Bahn hoch zur Bergstation Mitteltälli – so vernichteten wir die ersten 680 Hm in wenigen Minuten. Das Gebiet Pischa ist vor allem ein Freeride-Skigebiet, wo zusätzlich alternativer Wintersport möglich ist (präparierte Winterwanderwege, ausgewiesene Schneeschuhtrails, hochalpine Langlaufloipen und sogar Fatbike-Abfahrten). Entsprechend ruhig geht es hier oben zu und her. Wir starteten also um zehn Uhr direkt ab Mitteltälli, bei nicht spürbaren -10° – die Sonne heizte schön ein. Wir nutzten eine der vorhandenen Spuren, um so direkter – also nicht auf der präparierten Winterwanderspur – aufzusteigen. Nach weniger als einer halben Stunde war der Pischagrat erreicht bei 2593 m. Hier eröffnete sich erstmals der Blick in die Verloren Pischa – eine grosse (und noch im Schatten liegende) Mulde, wo es etwa 40 Hm steil abzusteigen galt. Aufgrund der guten Verhältnisse entschieden wir uns für die höher liegende Spur. Das Pischahorn vor uns immer im Blickfeld steilte ganz schön auf, und die Route zum Nordwestgrat war gut auszumachen. Und dass wir heute alleine unterwegs seien, erwarteten wir natürlich nicht; aber überlaufen war die Strecke keineswegs. Nach mässig steilem Aufstieg erreichten wir eine kleine Ebene, wo im Sommer zwei namenlose Bergseelein liegen, deren Lage nur erahnt werden kann. Eine gute Gelegenheit für eine Trinkpause. Ab hier führte eine Spur direkt zum Gipfel hoch – mit Skiern zu machen, die Spitzkehren zeugten davon. Wir traversierten auf der doppelt angelegten Spur den Steilhang und gelangten nach zwei (erholsamen) Kehren zum Nordwestgrat bei ca. 2856 m. In diesem Bereich hat die Tour leicht alpinen Charakter, die Schneeverhältnisse waren ideal (nicht zu hart, wenig windgepresst, die Spuren ausgezeichnet tragend). Auf dem NW-Grat öffnete sich ein gewaltiges Panorama in alle Richtungen. Nach einer Teepause waren die letzten 130 Aufstiegsmeter zum Gipfel nur noch eine Formsache. Auf dem Vorgipfel (2979 m) dann der Genuss dieses wunderbaren Panoramas (Silvretta, Plattenhörner, Piz Linard und sogar zum Festsaal der Alpen). Der Blick ging zum 300 m weiter südlich stehenden Hauptgipfel, wo sich schon etliche Türeler versammelten, um sich auf die Abfahrt bereit zu machen. Die meisten wählten den Steilhang hinunter zur Verloren Pischa, wenige ins Mattjisch Tälli. Unschwierig erreichten auch wir den Hauptgipfel des Pischahorn (2980 m), um zu beurteilen, ob ein Abstieg mit Schneeschuhen zu machen wäre. Aufgrund der Steilheit (bestimmt >35 – 40°) entschieden wir uns für den Abstieg auf der uns vertrauten Aufstiegsstrecke. Das war eine gute Entscheidung, denn schliesslich wollten wir den Tourenabfahrern nicht in die Quere kommen😊… Zwar verlangt auch der steile Abstieg über den NW-Grat hinunter bis P. 2856 einiges ab – aber alles ging sturz- und rutschfrei. Nahe der nicht sichtbaren Seelein genossen wir an der gleissenden Sonne und bei Windstille unsere kleine Rast (Tee und Biberli). Auf der Superspur (Schneeschuh- und Skispur schön einträchtig parallel verlaufend zogen wir zur nun voll besonnten Verloren Pischa hinunter. Der steile Gegenanstieg zum Pischagrat war dann doch etwas grenzwertig, weil die Spur praktisch zerstört war – einige Skitourengeher stiegen zu Fuss auf und hinterliessen tiefe Löcher. Auf dem Grat erreichten wir wieder die Ratracspur, die wir aber im weiteren Abstieg bis zur Bergstation Mitteltälli hinunter mieden – zu schön war es im Pulver «abzufahren». Die fast schon überdimensioniert dastehende Bergstation mit zugehörigem Restaurant liessen wir links liegen. Ziel war der weitere Abstieg – mehr oder weniger entlang dem Winterwanderweg – hinunter zur schön gelegenen Mäderbeiz von Otti und Catherine Fontana. Ein Besuch dort wurde uns von unseren Gastgebern Karin und Damir wärmstens empfohlen. Und es hat sich sehr gelohnt! Gerstensuppe und dazu ein gemischtes Bündnerplättli, und das an der prallen Frühlingssonne auf 2000 m.ü.M – was will man mehr! So gestärkt wanderten wir anschliessend (die Schneeschuhe auf den Rucksack gebunden) auf dem Winterwanderweg hinunter, wo wir eine halbe Stunde später die 200 Hm tiefer liegende Talstation der Pischa-Bahn an der Flüelapassstrasse im Dörfji erreichten. Vor uns nun die erwartet etwas mühsame Heimfahrt – nicht für mich, weil Doris sehr sanft fuhr, um mich ja nicht in der verdienten Siesta zu «stören»… Zurück blieb ein wiederum tolles und unvergessliches Bergerlebnis.

Wetterverhältnisse:
Bilderbuch-Winterwanderwetter (blaublaublau…), Unmengen Schnee, angenehme Temperatur ca. -8 bis -10° in Gipfelnähe.

Lawinengefahr:
Laut SLF Stufe 2 mässig

Hilfsmittel:
Schneeschuhe, Stöcke, LVS/Schaufel/Sonde, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 25. März 2018
Schwierigkeit: WT3
Anfahrt: am Vorabend über Davos – Flüelapassstrasse bis Gasthaus Alpenrose, Rückfahrt ab Dörfji identisch
Strecke: 11.2 km, Bergfahrt mit der Pischa-Bahn bis Bergstation Mitteltälli 2483 m – Pischagrat 2593 m – Verborgen Pischa – Nordwestgrat zum Vorgipfel 2979 m – Pischhorn 2980 m – Abstieg auf gleicher Strecke bis Bergstation Mitteltälli – mehr oder weniger entlang des gespurten Winterwanderwegs hinunter bis Flüelameder (frühere Skiliftstation) 2006 m, heute Mäderbeiz – Abstieg auf dem Winterwanderweg hinunter nach Dörfji, der Talstation der Pischa-Bahn (1799 m)
Aufstieg: ca. 583 m
Abstieg: ca. -1274 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std. 45 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen 3 Std. 30 Min.
Tageszeit: 10:00 bis 15:45 Uhr

Kameras:
Sony DSC-HV90V

8 Gedanken zu „Pischahorn 2980 m – einfach exzellent!“

  1. Wir gratulieren Euch zu dieser herrlichen Tour bei dem traumhaften Wetter. Wir waren im Februar 2013 auf dem Pischahorn ebenfalls mit ählichem Wetter. Für den Abstieg nahmen wir aber die Route der Tourenfahrer durch das Mattisch Tälli, konnten teilweise mit den Schneehschuhen herunterrutschen, war wirklich super!
    Wir haben am Sa. 24. März das Pischhorn aus der Ferne gesehen, wir waren auf dem Sassauna 2307 MüM, oberhalb Fanas.
    Wir freuen uns auf unser „Projekt Gocht“
    Lieber Gruss Roland und Mägi

    1. Danke lieber Felix, wir hatten wirklich grosses Wetterglück. Aktuell sind wir für drei Tage im Lötschental; aus unsere, grossen Ziel das Hockenhorn mit Schneeschuhen zu besteigen, wird leider nichts (zu heikel die Wetterlage und auch die Lawinengefahr). Aber das Horn steht nach noch länger dort. Winterwandern ist auch lustig… Liebi Grüess Ruedi

      1. diese Lage kenne ich doch …
        war ich doch vor wenigen Tagen am Blinnenhorn unterwegs – mit „erheblich“, so dass sogar der Bergführer ins Zweifeln kam …

        nun, auf jeden Fall viel Spass und Freude bei einfacheren Touren – und: das Hockenhorn wartet … und ist die Reise (nochmals) wert 😉

        lg Felix

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