Ringelspitzhütte SAC 2000 m – von Vättis über den Kunkelspass nach Tamins

Schon auf der Postautofahrt von Bad Ragaz nach Vättis wurden wir in unserer Annahme bestätigt, dass die geplante Tour heute Montag eine einsame werden würde – uns sollte es recht sein. Auf der Kunkelspassstrasse verliessen wir Vättis südlich. Nach einem Kilometer verliessen wir die Strasse rechts auf den Wanderweg entlang des Görbsbachs – der Boden leicht gefroren. Die bei 0 Grad liegende Temperatur und die noch fehlende Sonne trieb uns an. Oberhalb Hüttenwis führte ein Brücklein über den Bach auf die Passstrasse, welche wir nach ein paar Schritten wieder nach rechts verliessen. Nahe der Strasse führte der Pfad leicht steigend über schönes Alpgelände – richtig gut zum Aufwärmen. Bei Langwis (P.1063) hielten wir links, um auf markierter Strecke über eine Forststrasse oberhalb und östlich der Passstrasse zu laufen (ziemlich genau entlang der über uns verlaufenden Starkstromleitung). Auf der gegenüberliegenden Talseite die bereits voll besonnten (Ferien-)Häuser von Ober Kunkels mit dem darüber thronenden Schafgrat. Nach Querung der trockenen Runse des Schranggatobels erreichten wir bei P. 1180 die Kunkelspassstrasse und endlich auch die erwartete Sonne – welche Wohltat! Nach der ersten Doppelkurve verliessen wir die Strasse wieder nach rechts haltend (markiert w-r-w Kunkelspass und Ringelspitzhütte). Auf zu Beginn steil verlaufender Spur erreichten wir bald die Höhe um südlich haltend zur Kunkelspasshöhe (1357 m.ü.M.) zu queren. Das Berggasthaus Überuf war geschlossen (Zitat Website http://www.kunkelspass.ch/: Ustrinkata und Saisonabschluss am 1. November gell… – gestern also).

Wir entschieden, nicht direkt nach Tamins hinunter zu laufen, sondern die fast 650 m höher liegende Ringelspitzhütte zu besuchen. Also zogen wir weiter auf der Forststrasse in östlicher Richtung. Nach wenigen Schritten dann eine Überraschung: der Wanderweg in Richtung Ringelspitzhütte war gesperrt (Holzschlag und Seilarbeiten). Folgsam, wie wir nun mal sind, laufen wir auf der markierten Umleitungsstrecke weiter, immer auf der bewaldeten Forststrasse verbleibend, bis Grosswaldalp P.1612 erreicht war. Vor Drosboden dann eine Kehre in Richtung Süd. An einer der seltenen besonnten Stellen hatten wir – gezeichnet vom forschen Aufstiegstempo – eine Pause nötig – die mitgetragenen Leckereien schmeckten vorzüglich! Unterhalb Grossalp (1833 m) erreichten wir wieder offenes Gelände und den Originalhüttenweg. Zuhause bei der Streckenanalyse bemerkten wir, dass der Umweg immerhin ca. 1.8 km ausmachte. Der weitere Aufstieg zur Hütte führte über die schön gelegene Grossalp, immer mit dem Blick zur bereits mit der Fahne grüssenden Hütte (die zweite Überraschung heute; laut Website wäre die Hütte seit gestern geschlossen…). Bei der Ankunft auf der Hütte freundliche Begrüssung durch die Hüttenwartin und das Putzteam. Nach einem heissen Tee genossen wir das formidable Panorama (bei starkem und kaltem SW-Wind), und auf der NO-Seite der Hütte das dominierende Massiv des Ringels mit seinem Spitz. Weil vor uns der rasch beschattete Abstieg durch das Lawoitobel lag, zogen wir bald weiter. Erst hinter der Hütte nordwärts haltend, markierten Stangen den weiteren Verlauf zum Lawoibach. Herrlich windstill und noch immer sonnig! Die über den Bach führende kleine grüne Metallbrücke hat auch schon bessere Tage gesehen; in der Mitte gebrochen und eingeknickt, aber noch immer ausreichend Halt bietend; jedenfalls konnten wir auf ihr verweilen und den Blick in die Schlucht geniessen. Auf deutlicher Abstiegsspur entlang dem Lawoibach, vorbei an schön geschliffenen Felsen, war an ein oder zwei Stellen war etwas Trittsicherheit gefragt, weil geröllige, rutschige, aber trockene Stellen zu traversieren waren. Bald erreichten wir den schattigen Teil des Tobels; die etwa 700 m steil über uns stehenden Felswände verwehrten der Sonne den Zutritt. Die Alp Hinter Säss war bald erreicht; wir wechselten wir auf die linke Seite des ausgetrockneten Tobels. In der Gegend Vorder Säss war der Abstieg sehr steil und das Tälchen eng. Vor uns in Richtung Süden der Blick in Richtung Hinterrhein. Mittlerweile führte der Weg durch den Vogelsteinwald, hoch über dem Lawoitobel, welches wir nach Ost haltend verliessen. Im Sgaiwald dann Szenenwechsel, die Lärchen wichen dem Laubwald – Musik unter unseren Füssen! Die nächsten 3.5 km verliefen im Wald und in Serpentinen über einen immer breiter werdenden Forstweg – zwischendurch empfingen uns die warmen Strahlen der Abendsonne. Kurz vor Tamins erreichten wir die Kunkelspassstrasse. Das schöne Tamins durchquerten wir mit dem Ziel die unterhalb des Dorfes stehende Bushaltestelle «Post» zu erreichen – eine kleine Odyssee. Die Haltestelle erreicht, hatten wir gerade noch knappe 10 Minuten Zeit, die Onlinetickets zu lösen und schon kam der komfortable ÖV-Schlitten, der uns nach Chur brachte.

Fazit:
Wiederum eine dieser einsamen Touren durch eine einmalig schöne goldfarbene Herbstlandschaft! Auf der ganzen Strecke haben wir gerade mal zwei Gleichgesinnte angetroffen. Und zum Schluss staunten wir stolz, heute 23 km zurück gelegt zu haben – nicht so übel für uns zwei alternde Stars…

Noch etwas:
Die «Zivilisation» hat die Hüttenwelt erreicht! Auf der Ringelspitzhütte SAC beklagte man Einbruchdiebstahl und Zechprellerei. Deshalb ist der Winterraum ab 01.01.2016 geschlossen – die Schlüssel müssen jeweils beim HW abgeholt werden. Traurig…

Parameter:
Tourdatum: 2. November 2015
Schwierigkeit: T3
Strecke: 22.8 m, Vättis (Post) – P. 970 – Görbsbach (Brücke bei Hüttenwis) – Pardätsch – Gravasils – Langwis (P. 1063) – Schranggatobel – Kunkelspassstrasse (oberhalb P. 1180), diese in der ersten Doppelkurve rechts verlassend (markiert „Kunkelspass, Ringelspitzhütte“) – Überuf, Kunkelspasshöhe – Forststrasse (Umleitung über Grosswald P. 1612, markiert) – Grossalp – Ringelspitzhütte SAC – Lawoibachtobel – Hinter Säss – Vorder Säss – Sgaiwald – Tamins (Post)
Aufstieg: ca. 1112 m
Abstieg: ca. -1417 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 7 Std. 50 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 5 Std. 50 Min.

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