Rophaien 2077 m – Überschreitung mit famoser Gratwanderung

Auf der Fahrt auf der A2 ist uns immer wieder das markante Gipfelkreuz des Rophaien hoch über Flüelen aufgefallen, an dessen steil abfallenden Halden und Wänden Wildheuer ihre gefährliche Arbeit machen. Mal dort oben zu stehen, und die Eiligen von oben zu grüssen, das war heute unser Ziel.

Für die Anreise mit dem PW (ÖV-Anreise 3 Std.) benötigten wir knapp anderthalb Stunden. Die Bergfahrt von Sisikon ins Riemenstaldner Tal hoch bis Chäppeliberg ist recht schmal und abenteuerlich (770 Hm) – zum Glück war heute Mittwoch. Bei der Talstation der Luftseilbahn Chäppeliberg-Spilau angekommen, durften wir auf dem Parkplatz (auf Anfrage) gratis parkieren. Um neun Uhr starteten wir gleich bei der Talstation auf dem markierten WW entlang dem Riemenstaldner Bach (Verlauf auf der Kantonsgrenze UR/SZ) bis zum hübschen Chäppeli. Bei der Brücke über den Bach, dann gemütliches Einlaufen auf der Alpstrasse vorbei an den Gebäuden Cher und Schübli, dann im Wald in einer Kehre ausholend, durch die Ängi vorbei an der Talstation der Versorgungsseilbahn zur Alp Rotenbalm. Auf Alplen wurde emsig gekäst, unser Weg führte links an den Alpgebäuden vorbei. Jetzt folgte eine erste steile Stufe über eine Auswahl guter Pfade. Hier ging der Blick links in Richtung Alpler Bach und hoch; dort stieg eine Dreierguppe auf, welche wir auf Distanz von etwa 300 m identifizierten. Unsere Zurufe wurden nicht gehört; wie sich später zeigte, gab es dann auf dem Rophaien eine überraschende Begegnung. Am oberen Ende der Steilstufe weitete sich das Gelände – der wunderbar gelegene Alpler See lag vor uns – eine Bilderbuchlandschaft. Der WW führte etwas oberhalb des Nordufers über eine weitere steile Stufe, anfänglich über kleinere Geröllhalden, dann am Fuss des aufragenden Holzerstocks steil hoch bis zur Stockalp. Niemand da, also konnten wir das an der Sonne stehende Bänkli nutzen für eine kleine Pause – und bei grossartiger Aussicht auf den Urnersee und die umgebenden Gipfel (Rigi, Vitznauer-/Gersauerstock, Rigi-Hochfluh, um nur einige zu nennen). Über uns der aus dieser Sicht etwas unförmige Rophaien, dessen Gipfelkreuz sich allerdings verbarg. Nun der Aufstieg, erst durch ein Blumenparadies von Alpenrosen und Trollblumen, dann immer steiler werdend an der Westseite des Tagesziels. Die Sonne brannte nun erbarmungslos, und schattige Stellen boten lediglich einige Legföhren. Und plötzlich zeigte sich das Gipfelkreuz und der dort hinaufführende, in einer Mulde verlaufende Aufstieg. Auf dem Gipfel wurden wir von ein paar Gleichgesinnten und von ein paar gwundrigen (und erwartungsfrohen) Ziegen begrüsst. Oben angekommen, mussten wir unseren Platz fast erkämpfen, so „anhänglich“ waren die begehrlichen Tiere. Gegenwehr mit den Füssen half dann, und wir konnten die Gipfelrast ausgiebig geniessen.

Gerade, als wir aufbrechen wollten die freudige Überraschung. Ursula, Felix und Susanne erreichten ebenfalls den Gipfel – vom Äbneter Stöckli herkommend. Welche Wiedersehensfreude! Ein kleines hikr-Treffen quasi. Solche Zufälle lösen besondere Emotionen aus; wir haben uns sehr gefreut, euch zu sehen😊. Nach diesem Intermezzo begann der ernsthaftere Teil unserer heutigen Tour; die Route über den Grat und genau entlang der Kantonsgrenzee UR/SZ (mit Roten Chöpf und Äbneter Stöckli) war gut einzusehen. Die über etwa anderthalb Kilometer verlaufende Gratbegehung (weiss-blau markiert) hatte es dann auch in sich – jedenfalls definitiv etwas für schwindelfreie und trittsichere. An einigen besonders exponierten Auf- und Abstiegsstufen waren die Fixseile hilfreich, an den teilweise sehr ausgesetzten Gratstellen darf man sich von den Tiefblicken nicht scheuen. Uns hat der Grat sehr gefallen! Vor dem aufragenden Diepen (2221 m) drehte der markierte Pfad nach links, um leicht absteigend zum Firtiggrätli zu führen. Anschliessend waren ein paar ungefährliche kleine Schneefelder zu queren, und schon war die Alp Rotenbalm (1811 m) erreicht. Vorbei an der Bergstation der Versorgungsseilbahn wurde das Gelände nun zunehmend ruppiger um schliesslich vorbei an grossen Felsblöcken in eine steile Runse zu führen. Zeit für eine kurze Trinkpause auf einem der Blocks. Wenig später dann die Verzweigung bei P.1767: hier führte ein wbw-markierter Weg etwas höher und direkter nach Gitschen/Lidernenhütte. Wir wählten wrw und stiegen weiter ab durch diese enge und teilweise noch mit Restschnee gefüllte Schlucht. Am unteren Ausgang erreichten wir die Alp Zingeli – das Glockengeläut war schon von weitem zu vernehmen. Tiere sahen wir leider keine, im Stall waren aber wohl einige – etwas erstaunlich, bei diesem Traumwetter. Auch keine ÄlplerInnen waren anzutreffen. An einem der Brunnen füllten wir unsere Wasserflaschen auf, um den restlichen Weg und den kurzen Wiederaufstieg bis Gitschen, der Bergstation der Luftseilbahn zu erreichen. Etwas geschafft freuten wir uns nun über die kurze Wartezeit. Um vier dann die luftige Talfahrt in der Kistenbahn zur 550 Hm tiefer gelegenen Talstation Chäppeliberg. Dort verabschiedeten wir uns von der netten Frau Stadler, nicht ohne den Einkauf der leckeren Geisskäsli.

Fazit:
Diesen schönen Aussichtsgipfel mit dem monumentalen Gipfelkreuz zu besteigen – ein alter Wunsch ging heute in Erfüllung. Und auf dem Gipfel dann noch das überraschende hikr-Treffen mit Ursula, Susanne und Felix – schöne Zufälle gibt’s…

Wetterverhältnisse:
Herrliches Wanderwetter, Temperatur 17 bis 24° (zuhause 32°!) – schöne Fernsicht – wenig Wind (angenehm leichte Bise)

Hilfsmittel:
Stöcke, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 20. Juni 2018
Schwierigkeit: T4
Strecke: 11.4 km, Parkplatz bei der Talstation der Luftseilbahn Chäppeliberg-Spilau (1177 m) – Cher – Ängi – Talstation Versorgungsseilbahn Alp Rotenbalm – Alplen (P.1382) – P.1391 – P.1561 – Alpler See (1506 m) – Alp Stock (1705 m) – Rophaien (2077 m) – Roten Chöpf (1998 m) – Äbneter Stöckli (2087 m) – Firtiggrätli (1959 m) – Rotenbalm (1811 m) – P.1767 – Alp Zingeli (1639 m) – Gitschen (1717 m, Bergstation der Luftseilbahn Chäppeliberg-Spilau)
Aufstieg: ca. 1156 m
Abstieg: ca. -620 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 6 Std. 45 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen 4 Std. 25 Min.
Tageszeit: 09:00 bis 15:45 Uhr

Kamera:
Sony DSC-HV90V

4 Gedanken zu „Rophaien 2077 m – Überschreitung mit famoser Gratwanderung“

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