Schilt (2298 m) – am 1. Advent

Was für ein toller 1. Advent wurde uns von den Wetterdiensten angesagt! Und es kam noch viiiiiiel besser! Bereits auf der Hinfahrt aus dem Zürioberland nichts von Hochnebel, ab Mollis klar. Um halb Zehn genossen wir Kafi und Glarnerpasteten beim gastfreundlichen Wirt Bruno Reich des Berggasthauses Fronalpstock. Kurz vor zehn dann Start; direkt auf der Terrasse des „Stockhus“ begann der Aufstieg Richtung Naturfreundehaus (dort Betriebsferien), welches wir rechts liegen liessen. Auf der als Winterwanderweg präparierten Alpstrasse ab Fellboden (1465 m) blendete uns schon die strahlende Sonne, und wir erreichten mühelos Mittler Stafel (1584 m). Diese Alp liegt in einer Mulde, ein paar Meter unterhalb (südlich) der Bergstation des Skilifts. Unmittelbar nach der Alp verliessen wir den zur Ober Stafel und zum Fronalppass führenden Sommeraufstieg und wir bogen rechts ab, quasi vorbestimmt über eine deutliche Spur. Diese führte uns über Läbli, danach Richtung P. 1683 und anschliessend steiler ansteigend über Chlusen und Färiböden. Erwähnenswert: zwei Spuren schön parallel und einträchtig, die eine für die Skitüreler, die andere für die Schneeschüehler – herzliches Dankeschön den VorläuferInnen fürs Spuren! Jetzt führte die Spur moderat ansteigend durch wunderbar hochwinterliches Gelände – links der Färistock (2016 m), rechts das Heustöckli (1866 m). Hier lag bestimmt schon bis zu einem Meter Pulverschnee. Kurz vor P. 2062 dann wurde es steiler und folglich schweisstreibend. Wir entschieden uns (wie alle anderen Türeler) für die vor der Siwellen (2307 m) unterhalb deren Wand Richtung W, also rechts verlaufende Spur; für die etwa gleich lange Streckenvariante, Siwellen über P. 2224 östlich/südlich zu umgehen, fehlten Spuren. Hier oben wurde der Wind etwas stärker, nie aber unangenehm – Verwehungen zeugten davon. Der nun folgende Streckenabschnitt unterhalb der Siwellenwand hatte es in sich, jedenfalls wurde es jetzt deutlich anspruchsvoller. Hier lag viel Schnee, an steilen Stellen zeigte sich der Fels, und wir vermuteten, dass hier Karr unter dem Schnee lag. Jedenfalls geriet ich (im Stillstand und beim Fotografieren) mit dem linken Bein in ein Loch, und schlug doch prompt mit dem rechten Knie auf Stein auf – nur eine (schmerzhafte) Prellung, nichts weiter. Der schneebedeckte Karst war tückisch, weil unsichtbar. Bald erreichten wir P. 2241 – wo sich die (noch fehlende) Spur der Siwellen-Umgeher mit unserer vereinigen sollte. Der Gipfel zeigte sich nun in voller Grösse – nur noch ein kurzer Spurt über 60 Hm, und schon durften wir die phänomenale 360-Grad-Aussicht geniessen. Den Gipfel erreichten wir nach etwas weniger als drei Stunden. Dass wir heute nicht die einzigen Gipfelbesucher waren, war anzunehmen – zwanzig bis dreissig waren oben. Dieser Auflauf störte uns nicht weiter, weil die Stimmung wie gewohnt friedlich war. Erstaunlicher- und unerwarteterweise erwischten wir eine windstille Gipfelphase, so dass wir sogar die mitgebrachten Leckereien und den Tee geniessen konnten. Aufbruch nach der Gipfelrast, denn schliesslich mussten wir mit etwa anderthalb Stunden Abstiegszeit rechnen – die Abfahrer schaffen das in 20 Minuten. Erst auf der Abstiegstrecke absteigend, verliessen wir diese unterhalb der Siwellenwand nordseitig, um etwas direkter Richtung Ober Bützi (1930 m) abzusteigen. Auch hier sanken wir (Fliegengewicht Doris weniger als ichJ) immer wieder ein – trotz Schneeschuhen! In diesem Bereich lag gefühlt >1 m Schnee, ausserdem hiess es aufpassen, weil an steilen Stellen bereits Schneerutsche zu beachten waren. Wohlbehalten gelangten wir ungefähr bei P. 1853 wieder auf die Aufstiegsspur. Auf dieser doch besser tragenden Spur stiegen wir nun etwas bequemer ab, durch die steile Chlusen bis zur Mittler Stafel, welche wunderbar in der Sonne lag. Über die letzten 230 Abstiegsmeter über FellbodenNaturfreundhaus nahmen wir es gemütlicher. Unter Stafel, resp. das Stockhus erreichten wir zwar ermattet aber zufrieden. Nochmals Einkehr in diesem sympathischen Gasthaus, schliesslich wollten wir uns bei Bruno Reich bedanken für den gratis zur Vergnügung gestellten Parkplatz. Unsere Macchina erkannte uns wie gewohnt erfreut (blinkte wie wild!), nach halbstündiger Heimfahrt gab es einen gemütlichen Hüttenabend bei Raclette, Ruché 2010 und danach den spannenden Tatort.

Fazit:
Neuschnee sei Dank hochwinterliche Pulverschneetour durch bereits sehr gut verspurtes Gelände – ein Bilderbuchtag zu Beginn der Schneeschuhtourensaison. Die mässige Bise störte nicht wirklich resp. klang zunehmend ab; frieren mussten wir aus nachvollziehbaren Gründen jedenfalls nicht. Und natürlich das Wetter: hat mehr geboten, als das, was die Wetterfrösche vorausgesagt haben.

Lawinengefahr:
Laut SLF Stufe 2 mässig; in der Nacht Freitag/Samstag Neuschneezuwachs ca. 15 bis 20 cm.

Hilfsmittel:
Schneeschuhe, Stöcke, LVS/Schaufel/Sonde, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: Sonntag, 1. Dezember 2013
Anfahrt: PW aus dem Zürioberland – A53 Reichenburg – A3 Ausfahrt Niederurnen – Näfels – Mollis – Mullern – Unter Stafel Bergrestaurant Fronalpstock (wenige Gäste-Parkplätze), steile, teilweise vereiste und/oder schneebedeckte Bergstrecke, Winterausrüstung, besser 4×4 oder Ketten
Schwierigkeit: WT4
Strecke: 10.8 km, Aufstieg: Unter Stafel 1330 m – P. 1389 – Fellboden (1465 m) – Mittler Stafel (1584 m) – Läbli – Chlusen – bei P. 2065 rechts Siwellen Westroute bis P. 2041 – Gipfelaufstieg bis P. 2299.2. Abstieg: bis P. 2041 – auf Siwellen Westroute direkter absteigend Richtung Ober Bütz (1930 m) – dann auf der Aufstiegsspur weiter
Aufstieg: ca. 1001m
Abstieg: ca. -1010m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 6 Std.
Benötigte Zeit ohne Pausen 4 Std. 15 Min.
Tageszeit: 09:40 bis 16:00Uhr

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