Zuestoll 2234 m – am Nationalfeiertag 2017

Eigentlich planten wir für heute den Frümsel zu besteigen – einer der uns noch fehlenden Churfirsten (nebst Schibenstoll und Zuestoll). Aus welchen Gründen auch immer entschieden wir uns für den schwierigsten aller Churfirsten, den Zuestoll. Wie sich erst im Abstieg zeigte, war das eine glückliche Entscheidung (siehe Hinweis am Schluss dieses Berichts).

Die ersten 500 Hm legten wir rassig und elegant zurück in der Gondel der Sessel- und Gondelbahn Alt St. Johann-Sellamatt. Bei schönstem 1. Augustwetter marschierten wir gemächlich aufsteigend, begleitet vom Glockenklang des Alpviehs. Auf Zinggen den Sagenweg überquerend, dann in Richtung Hinderlücheren über einen breiten Alpweg. Die eindrücklich steilen Zacken der Churfirsten vor uns, fast schon unnahbar wirkend. Bei der Alphütte stehen gekühlte Getränke und Glacen zur SB bereit (gut zu wissen für den Rückweg!). Über Langlitten und Rügglizimmer etwas steiler und wilder werdend hoch zur Verzweigung Rüggli, von wo es links w-r-w zum Schibenstoll und rechts w-b-w zum Zuestoll hochgeht. Ein paar Schritte, und schon erreichten wir die erste Kletterstelle, ein gut gestufter, aber steiler und felsiger Aufschwung, der auf einer Höhe von ca. 1840 m auf einem Sattel endete. Hier ginge es auf schwach erkennbarer Spur ins Brisital und/oder in Richtung Paliis Nideri (einem anspruchsvollen Übergang, der zur auf der Südseite liegenden Alp Tschingla hinunterführt). Wir hielten weiter in Richtung Zuestoll, steiler werdend durch stark verbuschtes, aber mit guten Tritten versehenes Aufstiegsgelände. Der Gipfel bäumte sich immer mehr auf, das Gipfelkreuz und einzelne Gipfelstürmer waren schon deutlich zu sehen. Doch vor uns noch dieser Grat über eine Art Vorgipfel, den es zu überwinden galt. Hier sind Trittsicherheit und Schwindelfreiheit definitiv gefragt, auch wenn bei Bedarf Fixseile etwas Sicherheit bieten. Nach dem Grat dann ein kurzer Abstieg, um dann über eine steile Grashalde aufzusteigen bis unterhalb des Gipfelaufbaus. Dort nochmals ein paar Kraxelstellen, an den kritischen Stellen mit Fixseilen und Eisentritten gut ausgestattet. Eine letzte Steilstufe und schon standen wir beim Gipfelkreuz. Die vier vor uns angekommenen Berggänger überlassen uns den Gipfel – welch ein phänomenales Panorama! Und eine gute Weitsicht dazu! 1800 m(!) unter uns der (kühle) Walensee. Hier oben hätte ein unkontrollierter Tritt bestimmt fatale Folgen… Wir genossen die Gipfelrast ausgiebig – mit Blick zum Alpstein natürlich, und hinunter zu diesem Grat, wo einige weitere Gipfelstürmer herumturnten.

Im Abstieg vom Gipfel dann unweigerlich der Blick auf den spektakulären Verlauf des Schnüerliweg (T5), welcher von der Stollenfurgge unterhalb der Südwand des Schibenstoll und über der mehr als 400 m tiefer liegenden Alp Tschingla in Richtung Ost zum Valsloch quert. Im weiteren Abstieg über die Grashalde war der Einsatz eines Stocks sehr hilfreich. Die Kletterstelle und den Grat über den bereits erwähnten Vorgipfel kannten wir ja schon. Etwas Konzentration verlangte allerdings der Gegenverkehr auf dem Grat. Nach dem steilen Abstieg zum Sattel auf 1840 m dann die bereits vom Aufstieg vertraute Kletterstelle, welche auch im Abstieg keine besonderen Schwierigkeiten bereitete. Der Weiterweg fast schon gemütlich auslaufend – wenn da nicht das laute Geräusch eines Rega-Helis wäre. Offensichtlich war eine Rettungsaktion im Bereich der Nordflanke des Frümsels (im Breich der Torlochhütte) im Gange. Auf Hinderlücheren genehmigten wir uns dann am SB-Stand Glacen zum Dessert. Die Rettungsaktion am Frümsel noch immer im Gang, liess nichts Gutes vermuten. Irgendwie waren wir froh, jetzt nicht wie ursprünglich geplant, dort drüben sein zu müssen. Der weitere Abstieg zur Sellamatt gemütlich, zum Abschluss gabs ein Panaché und dann noch die luftige Sesselbahntalfahrt.

Fazit:
Eine würdige Bergwanderung auf unseren 5. Churfirstengipfel war das! Vielleicht schaffen wir die beiden noch ausstehenden in diesem Sommer/Herbst…

Hinweis zum Unfall am Frümsel:
Wie wir am Abend aus dem Netz erfahren haben, ist es zu einem tödlichen Bergunfall gekommen. Ein 58-jähriger Schweizer kam zu Fall und stürzte ab. Die Rettungsflugwacht konnte ihn nur noch tot bergen. Das im Kanton Zürich wohnhafte Ehepaar stieg vom Frümsel ab. Im oberen Teil des Abstiegs kam der Mann zu Fall. Er rutschte über eine Grasflanke und stürzte anschliessend über ein Felsband ab. Er wurde dabei so schwer verletzt, dass er nur noch tot geborgen werden konnte. An dieser Stelle unser herzliches Beileid an die uns nicht bekannten Angehörigen.

Wetterverhältnisse:
Sehr sonnig und heiss, ca. 24 bis 28°, teilweise starker, böiger Wind im Aufstieg

Hilfsmittel:
Feste Wanderschuhe, Stöcke, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 1. August 2017
Schwierigkeit: T4, I. Grad
Strecke: 8.8 km ab Sellamatt 1389 m – Zinggen – Hinderlücheren – Langlitten – Rügglizimmer – Rüggli 1740 m (Verzweigung) – Zuestoll (2234 m)
Aufstieg: ca. 870 m
Abstieg: insgesamt ca. 863 m
Laufzeit ohne Pausen: ca. 3 Std. 30 Min.
Laufzeit mit Pausen: ca. 5 Std. 50 Min.

Kamera:
Sony DSC-HX90V

2 Gedanken zu „Zuestoll 2234 m – am Nationalfeiertag 2017“

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