Frühling 2020 Val Müstair 2|5: von Buffalora über den Ofenpass bis Fuldera

Der zweite Tag unserer Themen-Wanderwoche Bunte Alpenflora und Blumenwiesen begann bei der Postautohaltestelle Buffalora. Ab unserem Quartier in Fuldera dauerte die Busfahrt dorthin 20 Minuten. Kurz nach zehn Uhr, bei Sonnenschein(!) begann unsere heutige Tour – mit einem Briefing unseres Guides Severin. Kaum los marschiert, grüssten uns schon die ersten Edelweiss und Enziane – wunderschön! Nach der Überquerung des Aua da Murtaröl, noch immer auf der weiten Ebene, hatten wir viel «Arbeit»: schönste bekannte und (uns) unbekannte Blumen in voller Blüte. Im Aufstieg zum Ofenpass trübte das Wetter etwas ein, es blieb aber trocken. Ein Fichtenkreuzschnabel präsentierte sich «aufdringlich» und liess sich ungestört ablichten. Die 180 Aufstiegsmeter zur Ofenpasshöhe waren richtig kurzweilig, begleitet von Severins fachkundigen Informationen – und selbstverständlich begleitet vom lauten Motorenlärm der Töfffahrer, welche die Passstrasse berasten. Nach einer kurzen Trinkpause auf dem Pass zogen wir weiter, im Abstieg in Richtung Tschierv. Kurz vor Ils Bügls hielten wir auf einer idyllischen Alp Mittagsrast, so lange, bis es leicht zu nieseln begann. Mittlerweile mit Schirmen und Pelerinen ausgestattet, stiegen wir ab entlang der Skipiste, welche von Minschuns herunterführt. Hier hielten wir leider erfolglos Ausschau nach dem Bär – scheints soll wieder einer dieser Grossraubtiere zu Besuch sein. In einer Steilstufe machten wir auf Vorschlag Severins einen Gedenkhalt; genau hier begegnete er mit seiner Familie vor ein paar Jahren einem Bären (er hat ihn sogar fotografiert und gefilmt) – eine glaubhaft spannende Geschichte. Hier in der Nähe hielten wir erfolgreiche Ausschau nach einem geheimen Ort, wo sich ein paar Frauenschuhe befinden sollten. Und tatsächlich, an leicht verborgener Stelle wurden wir belohnt. Weiter gings es in Richtung der Geröllhalden, Ruinas genannt, welche links etwa 300 m hoch «drohen». Hier nochmals ein überraschender Fundort schönster Frauenschuhe. Kurz vor P.1726 die Begegnung mit dem sympathischen Hans, einem älteren Südtiroler Hirten, der 50 Sommer auf der Alp hütete – Respekt! Hier fanden wir auch die «Quelle» des Il Rom, dessen Wasser an verschiedenen Stellen einfach aus dem Boden sprudelte – überraschend! Über eine wunderbare Magerwiese entlang dem Rom erreichten wir das Dorf Tschierv (eine Fraktion der Gemeinde Val Müstair). Die Hauptstrasse meidend, spazierten wir gemächlich – mittlerweile bei Sonnenschein und angenehmer Wärme – zum Biotop la Stretta, welches auf einer felsigen Erhebung namens «Dössun» (grosser Hügel) liegt. Das Sumpf- und Moorgebiet am östlichen Fuss des Hügels heisst «La Stretta» und hat dem Biotop den Namen gegeben. Flach entlang des Il Rom erreichten wir Orasom Tschierv, dort wo die Hauptstrasse eine Doppelkurve bildet. Entlang der Hauptstrasse erreichten wir das vor zwölf Jahren sehr schön renaturierte Sumpf- und Seengebiet Palü dals Lais, welches heute vielen Pflanzen und Kleintieren Lebensraum bietet. Vorbei am Ortsteil Fuldera Daint und nach Überquerung des heute zahmen (und oft auch wilden) Baches Multa Daint, welcher aus dem kleinen Val Ruina herunterfliesst, erreichten wir unsere Endstation – Fuldera. Zum Abschluss genossen wir die Durstlöscher draussen vor dem Hotel Landgasthof Staila.

Fazit:
Eine in der Länge respektable, aber gemütliche Natur-Tour im sehr abwechslungsreichen Gelände am Ofenpass, unter der kundigen Führung des einheimischen Kenners und Biosfera Perit Severin Hohenegger.

Wetterverhältnisse:
Bewölkt, anfänglich trocken, zwischendurch mal ein paar Regentropfen, im letzten Abschnitt sehr sonnig, ~10 bis 20°

Hilfsmittel:
normale Wanderausrüstung, Stöcke, Regenschutz

Parameter:
Tour-Datum: 16. Juni 2020

Schwierigkeit: T2
Strecke: 14.1 km, Buffalora P10 (1967 m) – Ofenpass/Süsom Givè (2149 m) – Ils Bügls – Ruinas – Tschierv (1600 m) – Orasom Tschierv (1647 m) – Palü dals Lais (1616 m) – Fuldera Daint – Fuldera (1636 m)
Aufstieg: ca. 270 m
Abstieg: ca. -590 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 6 Std. 45 Min.Benötigte Zeit ohne Pausen: 4 Std.
Tageszeit: 10:10 bis 17:00 Uhr