Alvier 2342 m – kurz und gäch

Prolog:
Für heute sagten die Wetterfrösche ab Nebelobergrenze von ca. 700 m Sonne pur und erstklassige Fernsicht (in den Bergen) voraus. In der zweiten Novemberhälfte einen schneefreien Aussichtsgipfel zu finden, war die einzige Herausforderung. Die nahen prominenten Zürioberländer würden wohl überlaufen sein. Aber da gibt es doch noch erreichbare Berge in der östlichen Fortsetzung der Churfirsten – den Alvier zum Beispiel. Auf der Webcam der Palfriesbahn war zu erkennen, dass der südseitige Zustieg ab 1700 m.ü.M. schneefrei war. Und wegen der geschlossenen Bahn war kein Ansturm zu erwarten. Zwar ist der Alvier nicht so leicht zu haben – auch dann nicht, wenn der Start auf Palfries erfolgt. Allein die Bergfahrt über die enge und sehr steile Bergstrasse (ab Azmoos 11 km über 1200 m Höhendifferenz) war eine Herausforderung. Beim ersten Parkplatz zahlten wir gerne die Tagesgebühr von zehn Franken, um dann beim Berghaus Palfries (P.9) parkieren zu dürfen. Dort angekommen wie erwartet wenig Wandervolk und viel Sonne…

Bericht:
Etwas nach zehn Uhr starteten wir zum Aufstieg, der direkt beim P markiert war, mit dem Hinweis, dass die Gipfelhütte geschlossen war. Auf dem ersten Kilometer nur mässig ansteigend, konnten wir die herrlich beleuchtete und ruhige Alplandschaft geniessen. Der Südwand der Gauschla entlang erreichten wir das Gebiet In de Stei (P.1790). Beim nächsten Wegpunkt auf 1889 m.ü.M. wurde es dann richtig steil auf guter, aber ab und zu mässig ausgesetzter Spur – jedenfalls war der Einsatz der Hände gefragt. Zum Glück lag kein Schnee (mehr) und die glitschige Schmiere hielt sich in Grenzen. Nach einer kurzen Querung vom Schatten in die Sonne standen wir wie erwartet vor der Schlüsselstelle. Die bekannte Steilstufe durch das enge Chemmi ist mit zwei Holzleitern und anschliessend mit einer Eisentreppe erschlossen; einseitig angebrachte Fixseile bieten zusätzliche Sicherheit. Beim Einstieg etwas Schnee, aber kein Eis. Also Ruckzuck hoch! Oben angekommen, bot sich der phänomenale Ausblick ins Rheintal und zu den markanten Nachbargipfeln Girenspitz, Gauschla und Abgelöste Gauschla. Eindrücklich: auf dem Grat hatten sich zwei Steinböcke gemütlich eingerichtet (Luftlinie 800 m). Unweigerlich ging der Blick nach links zum hundert Meter aufragenden Alvier. Auf dem Grat bis zum Gipfelaufstieg verlief die Spur über ein Schneefeld. Dann folgte der kurze, aber steile Aufstieg (100 Hm), der mit Ketten und Seilen gut gesichert war. Erst kurz vor dem Gipfel rückte die kleine Alvierhütte in unser Blickfeld – nach knapp zwei Stunden. Der nahe und flache Gipfel ist mit einem Steinhaufen «markiert». Mit uns standen noch etwa zehn weitere GipfelstürmerInnen oben. Dem Genuss des grandiosen 360°-Panoramas folgte die verdiente Gipfelrast an windstiller Position. Gestärkt und mit einem etwas mulmigen Gefühl aus Respekt machten wir uns auf den steilen Abstieg. Mit Ausnahme des schattigen Chemmi lag die gesamte Strecke voll an der Sonne. Oben am Einstieg in die Steilstufe nochmals der Blick zu den noch immer sonnenbadenden Steinböcken – hoffentlich lösen die keinen Steinschlag aus, war unser Blitzgedanke. Alles gut gegangen, und wir erreichten wohlbehalten sicheres Gelände, vorbei an den Wegpunkten 1889 und 1790. Auf dem Weg zum Berghaus Palfries genossen wir nochmals die Ruhe in diesem wunderschönen Gelände unter der Felswand der Gauschla. Gegen 15 Uhr erreichten wir den Ausgangspunkt. Nun folgte mit der Abfahrt ins Rheintal die abschliessende Herausforderung des Tages…

Hinweis:
Bei zu dieser Jahreszeit aussergewöhnlich mildem Wetter den Alvier besteigen zu dürfen – ein einmalig schönes Bergerlebnis!

Wetterverhältnisse:
Ein Bilderbuchtag über dem Nebel, beste Fernsicht, Temperatur ca. 4 bis 10°, wenig störender Südwestwind bis ca. 18 km/h.

Hilfsmittel:
Bergwanderausrüstung, Grödel (nicht verwendet), Stöcke, Kartenmaterial

Parameter:
Tour-Datum: 18. November 2020
Schwierigkeit: T3+
Strecke: 6.4 km, Parkplatz Nr. 9 beim Berghaus Palfries (1700 m) – In den Stei P.1790 – P.1889 – Chemmi (2185 m) – Alvier (2342 m) – Abstieg wie Aufstieg
Aufstieg: ca. 665 m
Abstieg: ca. -665 m
Laufzeit ohne Pausen: total ca. 3 Std. 15 Min.
Laufzeit mit Pausen: total ca. 4 Std. 45 Min
Tageszeit: 10:20 bis 15:00 Uhr