Diesen Schönwettertag mitten in den Eisheiligen (heute Servatius gewidmet!) nahmen wir gerne. Da ab morgen (über das Auffahrtswochenende) noch drei nasse Tage folgen werden, nutzten wir diese Gelegenheit für eine Wanderung in der unmittelbaren Umgebung. Der verborgene, und auf der Landeskarte nicht eingezeichnete Waalweg Aual Claif wollten wir besuchen. Von Jörg, unserem Hausbesitzer, erhielten wir wertvolle Hinweise – grazcha fich! In der Ortsmitte von Valchava nach der reformierten Kirche hielten wir nach S rechts um bei Ortsteil Puoz zum Kalkbrennofen (Chalchera) zu laufen. Die Anlage ist wunderbar erhalten und gepflegt, mit Tischen, Bänken und einer grossen Infotafel ausgestattet. Dem Waldrand entlang wanderten wir bei Multa zur Plaun da la Tettaglia, wo die wenig Wasser führende Aua da Vau über eine schöne Holzbrücke überquert wird. Schön der Blick ins untere Tal! Auf den folgenden achthundert Metern hielten wir die Höhe, um das kleine Val Quanas zu queren und die Döss da las Levras (Lichtung der Hasen) an der obersten Stelle zu erreichen. Hier wählten wir nicht etwa den ins Tal der Muranzina (Val Muranza) führende Pfad, sondern hielten geradeaus nach O, um unerwartet wild (einige den Pfad blockierende grosse Äste überwindend) abzusteigen zur Muranzina; die Holzbrücke war schon von weitem zu sehen. An der Brücke dann der Blick zur Baustelle, wo offensichtlich die Wasserfassung des Aual Claif restauriert wird (Begehen verboten). Do Calcogn heisst die Stelle. Ab hier führte ein sehr gut unterhaltener Weg entlang dem Wasserkanal, der (noch) kein Wasser führte. Etwa neunzig Hm tiefer liegt der Campingplatz Pè da Munt. Rund siebenhundert Meter Länge hat der Bewässerungskanal, am Ende stand das neu erstellte Wasserrad mit dem Hammer. Jetzt hielten wir bergwärts, um zum Viadukt der Umbrail-Passstrasse aufzusteigen; kein Verkehr wegen Wintersperre. Der kleine Viadukt bei Runc Süsom führt über den ziemlich ausgetrockneten Bach, der aus dem Val Schais abfliesst und etwas weiter unten – kurz vor Sta. Maria – in die Muranzina einmündet. Nach einem kurzen Spaziergang auf der Passstrasse hielten wir in der nächstliegenden Haardnadelkurve nach rechts, um über einen guten Pfad nach O Belvair anzustreben; Tiefblick hinunter nach Sta. Maria, Sielva zum Center da sandà und zu den gegenüber liegenden Höfen von Pütschai, darüber der Piz Terza. Nun wieder im Wald, erreichten wir bald einmal die Chasa Lemnius. Hier muss etwas Geschichte eingestreut werden: Simon Lemnius (1511 bis 1550) lebte hier. Der preisgekrönte Dichter aus dem Münstertal wird als bekanntester unter den Bündner Humanisten gesehen. Sein Leben war ein schwerer Kampf gegen ein hartes Schicksal. Bereits mit sechs Jahren verlor der kleine Schimun Lemm seine Eltern und bald darauf auch seine Grossmutter. Schliesslich wurde er in grober Weise von seinem schönen Elternhaus, dem Hof zu Guad ob Müstair vertrieben. Hier mehr zu seinem Leben. Da wir von dieser tragischen Geschichte erst zuhause erfuhren, waren wir vorerst nicht beeindruckt. Auf dem Forstweg liefen wir durch das Val Pisch, um bald den Hof Bain Ars zu erreichen. Vierhundert Meter weiter, beim wunderbar gelegenen Hof Bain Guad nutzten wir die sonnige und aussichtsreiche Lage, um auf einer Bankniederlassung der sympathischen Art Mittagsrast abzuhalten. Gestärkt bewältigten wir danach den kurzen Aufstieg zum heute höchstgelegenen Punkt beim Haus Tramèr. Zu Beginn des Valler Lad verliessen wir die nach Guad Orasom hoch führende Strasse. Ab hier ging es nur noch runter – und wie: steil, schmal der Pfad, viel Totholz, aber der Pfad sehr gepflegt (Trittsicherheit war von Vorteil). 320 Abstiegsmeter über Plazzöl Sura nach Plazzöl. Unterwegs viel Botanik (wechselblättriges Milzkraut, Waldveilchen, usw.) und urwaldmässiger Dschungel, sehr abwechslungsreich! Über die Rom-Brücke (wenig Wasser im Rombach!) noch ein paar hundert Meter zur Dorfmitte von Müstair. Nach kurzer Wartezeit bestiegen wir das Postauto, welches uns bequem nach Hause brachte.
Fazit:
Wetterbedingt in Lagen bis 1500 m.ü.M. unterwegs; Freude darüber, den verborgenen Waalweg (Aual Claif) gesucht und gefunden zu haben.
Wetterverhältnisse:
Ein Schönwettertag in einer Schlechtwetterperiode (Eisheilige!), Temperatur bei ca. 6 bis 14°. Wind aus allen Richtungen, meist Bise bis ca. 10 km/h.
Anmerkung:
Heute, am Tag wo ich diesen Bericht verfasse, ist der 4. der Eisheiligen: Bonifatius. Schneetreiben bis 1400 m.ü.M. Was wohl die Kalte Sophie morgen bringt?
Ausrüstung:
Bergwanderschuhe, Kartenmaterial SchweizMobil, GPS
Parameter:
Tourdatum: 13. Mai 2026
Schwierigkeit: T2
Strecke: 8.7 km: Valchava Muglin (ca. 1430 m) – Chalchera (1442 m) – Multa – Aua da Vau, Plaun da la Tettaglia (1484 m) – Döss da las Levras – Do Calcogn, Muranzina (1500 m) – Aual Claif (ca. 700 m Länge) – Viadukt Umbrail Passstrasse, Runc Süsom (1517 m) – P.1500 – Belvair (1470 m) – Chasa Lemnius (1473 m) – Bain Ars – Bain Guad (1500 m) – Valler Lad (Abzweigung) – Plazzöl Sura – Plazzöl, Rom (1252 m) – Val Müstair (1250 m)
Auf den folgenden LINK klicken und die Tour als 3D-Video anschauen und Lautsprecher EIN, wer Musik gerne hat…
Aufstieg: ca. 300 m
Abstieg: ca. -450 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 3 Std. 55 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 2 Std. 45 Min.
Tageszeit: 11:00 bis 14:55 Uhr












































