Allalinhorn (4027 m) – unser zweiter Viertausender

Nach dem gestrigen Erholungstag war für den 5. und letzten Tag unseres Saas-Fee-Aufenthalts ein 4000er angesagt – das Allalinhorn. Der Vortag war etwas durchzogen, und wir nutzen diesen für eine Bahnfahrt bis Mittel-Allalin, um uns mental auf den folgenden Gipfeltag vorzubereiten.

Zu unserer Tour: wie schon seit Tagen vorausgesagt, heute tatsächlich Kaiserwetter – welch ein vollkommenes Glück! Um 8 Uhr trafen wir in Saas Fee unseren Bergfreund Michael und Bergführer Gerald Zimmermann aus Visperterminen. Bereits auf der Bergfahrt bemerkten wir, dass mehr Skifahrer (Ski-Nationalmannschaften Norwegen, Polen, Deutschland, Schweden, Russland, usw. im Training) als Bergsteiger hochfahren wollten. Oben auf Mittel-Allalin dann die Bestätigung: heute wird es nicht der gewohnte Ansturm werden – wir zählen höchsten 7 bis 8 Seilschaften. Nach kurzer Information durch den BF montierten wir die Eisen, und los ging es um kurz vor Acht. Am oberen Ende des flachgewalzten Teilstückes von ca. 700 m nahm uns Gerald ans Seil. Die Spur war gut getreten und noch hart genug. In ruhigen Schritten stiegen wir an, ziemlich weit nach W ausholend, weil Gerald richtigerweise einschätzte, dass bei dieser Streckenführung die Aussicht auf unser Tagesziel besonders attraktiv sei. Ausserdem konnten wir so die von unten nicht genau einsehbare Serac-Zone umgehen. Ungefähr ab km 1.6 wurde es dann (in der Falllinie) steil, oft um die 30°. Gerald schätzte unser Leistungsvermögen sofort richtig ein und wählte das Tempo so, dass es für uns ein wirklicher Genuss war; jedenfalls stieg mein Puls nicht über 120. Kurz vor dem Feejoch dann etwas Nervenkitzel, weil ein Grat zu begehen war, links ein sehr steiles Eisfeld, rechts eine Riesenspalte – also konzentriert und ruhigen Schrittes rüber. Nach etwa hundert Minuten und einer Distanz von ca. 2.8 km erreichten wir das Feejoch – wo eine kurze Trink- und Verpflegungspause angesagt war. Und natürlich fotografieren – denn jetzt öffnete sich der Ausblick Richtung Matterhorn, Gornergrat, Monte Rosa. Uns allen ging es prima – kaum Spuren von Anstrengung. Vor uns der anvisierte Gipfel – stürmen wir also los! Der Schlussanstieg von 200 Hm auf einer Strecke von etwa 800 m hat eine durchschnittliche Neigung von 25°, mit Stellen >40°. Nach ca. 25 Min. erreichten wir über eine felsige und vereiste, steile Stufe den Vorgipfel. Jetzt noch den Gipfelgrat, welcher wenig ausgesetzt war, dann noch den kleinen Gipfelaufbau – und schon standen wir oben. Welch ein grossartiges Gefühl! Dank einem Super-Bergführer fühlten wir uns jederzeit sicher und professionell geführt – herzliches Dankeschön, Gerald! Jetzt ein paar Gipfelbilder, Gratulationen zum Gipfelerlebnis, und zurück zum Vorgipfel, wo es ausreichend Platz gab für eine Gipfelrast und Fotos. Nebenbei: auch wenn das Allalinhorn als ein 4000er der leichten Art gilt – schaffen muss man es schon selbst! Und das Allalinhorn bietet eine einmalige Weitsicht: Berner, Innerschweizer, Bündner, Mont Blanc, Gran Paradiso, Tessiner Seen, Piemont, Poebene, usw.

Der Abstieg bis zum Feejoch dann auf der Aufstiegsspur. Hier entschied sich Gerald für die Direttissima, weil kürzer und der Überblick von oben auf die Seracs geboten war. Da war dann noch eine kritische Stelle zu meistern, eine schmale Schneebrücke in einer Steilstufe mit Abrutsch- und Einbruchgefahr. Mit entsprechender Sicherung und Vorsicht gelang das gut. Auf dem Pistengelände angelangt, erreichten wir schnell wieder Mittel-Allalin. Glücklich darüber, es geschafft zu haben – und das erst noch ohne erkennbare Ermüdung. in tolles Bergerlebnis!

Fazit:
Der Höhepunkt unserer Saas-Fee-Tage! Bestes Wetter, Klasse-Team, alles hat gestimmt. Und ein bisschen Stolz schwingt mit – gell Michael!

Wetterverhältnisse:
Hochsommerliches Bilderbuch-Wetter

Hilfsmittel:
Hochtourenausrüstung (Steigeisen, Klettergurt, 2 Karabiner, Prusik, Eispickel), Stöcke; GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 20.08.2013
Schwierigkeit: L (Hochtour), I (UIAA-Skala)
Berg- und Talfahrt ab Saas-Fee Talstation Alpin Express (1778 m) bis Station Felskinn (2989 m), dann mit der U-Bahn (Metro Alpin) bis Mittel-Allalin (3457 m)
Strecke: 6.7 km, Station Mittel-Allalin (3457 m) – Feejoch (3826 m) – Allalinhorn (4027.4 m)
Aufstieg: 704 m
Abstieg: -741 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 4 Std. 36 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std. 23 Min.

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