Ideales Bergwanderwetter heute: nicht zu heiss, klare Fernsicht, kein Niederschlag – beste Verhältnisse also, eines unserer Projekte anzugehen: die Höhenwanderung über die Alp Prasüra, die anspruchsvolle Querung über Sassa Marscha mit teilweise ausgesetzten Steilhängen, die Passage oberhalb der Brüche bei Chalderas, streckenweise wegloser Abstieg im Val da Pisch.
Startpunkt war die Postautohaltestelle Blockhütte auf 1870 m.ü.M. an der Strasse zum Umbrailpass. Gleich bei der Haltestelle begann der Aufstieg, erst auf der Forststrasse in Richtung Alp Präsura. Nach etwa zweihundert Metern verliessen wir die Strasse, um den Direktaufstieg zur Marangun da Prasüra zu nehmen. Angenehm steil und im Schatten des Waldes, bis nach etwa siebenhundert Metern bei den Gebäuden der unteren Alp Prasüra die Alpstrasse wieder erreicht war. Jetzt gings ordentlich ansteigend hoch zur Alp Prasüra. Kurz vor den Alpgebäuden verliessen wir die steile Strasse bei 2200 m.ü.M. nach links, um den WW in Richtung Pin Grond zu laufen. Anfänglich auf deutlicher Spur, änderte die Unterlage zusehends. Zwar waren nur etwa zweihundert Hm bis Chalderas zu bewältigen; die Strecke im Bereich Pra da la Bargia war teilweise steil, unwegsam und stark verbuscht, teilweise waren rutschige Runsen zu überqueren. Die sehr schmalen Querungen im Bereich Sassa Marscha (= fauler Stein) über bis zu 30° steile Hänge verlangten Trittsicherheit und Schwindelfreiheit – jedenfalls war ausrutschen verboten. Stöcke waren sehr hilfreich. Auf einer Höhe von ca. 2350 m.ü.M. dann abrupter Kulissenwechsel; vor uns die furchterregende Abbruchlandschaft Chalderas. Der dominante, 600 m hohe Abbruch ins Val Schais hinunter wirkt sehr bedrohlich. Der Stein besteht aus Gips, deshalb die weisse Farbe. Schais ist der romanische Begriff für Gips. Chalderas heisst auf deutsch übersetzt Käsekessel. Der Name lässt auf die zahlreichen Dolinen (trichter- oder schüsselförmige Senken) schliessen, welche im Gipsgestein am Piz Chalderas (2793 m) vorkommen. Seit hunderten von Jahren rutschte hier viel Material talwärts und bedrohte das Dorf Sta. Maria Val Müstair. Das Gelände am Piz Calderas ist generell sehr instabil und steinschlagträchtig, was eine permanente Überwachung und Sicherung erfordert. Von unserem Zuhause in Valchava blicken wir dauernd hoch zur Gefahrenstelle. Niemand käme darauf, oben durchzuwandern. Heute war das Gebiet gefahrlos zu durchqueren; allerdings vorausgesetzt, man hielt sich an die markierten Pfade. Am Ende der Querung steht sogar eine Bankniederlassung (Simon 2002) an prominenter Lage – diese und die Panoramasicht waren wie gemacht für eine ausgiebige Mittagsrast. Der weitere Weg führte an einigen grossen Dolinen vorbei, in denen an der tiefsten Stelle noch Schnee lag. Nach einem kurzen Aufstieg von etwa 100 Hm erreichten wir bei Punkt 2426 die heute höchstgelegene Stelle. Vor uns jetzt der Abstieg über 6 km mit beinahe 1100 Hm. Nach wenigen Minuten erreichten wir die schön gelegene Hirtenhütte Pin Grond – trotz Fahne niemand da. Vierhundert Meter weiter die Verzweigung, für uns hiess das links abzubiegen, Richtung Alp Sielva. Verwunderung darüber, dass in diesem wunderbaren Gelände keine weidenden Tiere anzutreffen waren. Fehlende Zäune liessen vermuten, dass die Alp nicht bestossen ist. Auf dem «Weg» bis zum Wildwasser der Aua da Pisch wiesen uns gute wrw-Markierungen, von Weg keine Spur. Ziemlich holprig und fordernd der Abstieg in diesem wilden Bereich. Am Bach angekommen, wagte Doris ein kurzes Fussbad. Auf dem weiteren Abstieg ins Val Pisch – immer entlang des Wildwassers – erreichten wir auf etwa 1850 m.ü.M. die Hütte Alp Sielva. Nur noch fünfhundert Hm bis Sta. Maria. Auf dem Schlussabschnitt über 3 km war also weiterhin mit steilem Gelände zu rechnen. Unsere Muskeln begannen langsam zu brennen. Durch eine idyllische Hohlgasse erreichten wir die Lichtung Belvair und bald auch das Waldende. Nun voll der Sonne ausgesetzt (bei gefühlten 30°), wanderten wir leicht ermattet dem Ziel entgegen – unterwegs Heuwetter. Dort, wo die Umbrailstrasse im Ortszentrum einmündet, bei der Post, warteten wir kurz, um das Postauto zu besteigen. Zuhause angekommen, gabs im Garten des Hotel Central den verdienten Apéro – Viva! Einfach schön wars…
Fazit:
Eine anspruchsvolle Höhenwanderung über eindrucksvolle Alpen, Brüche und Dolinen, Schwindelfreiheit Voraussetzung, unbedingt nur bei trockenen Verhältnissen zu empfehlen.
Wetterverhältnisse:
Erstklassiges Bergwetter, gute Fernsicht, sonnig, Schönwetterbewölkung, 16 bis 26°, Wind bis 7 km/h N
Hilfsmittel:
Stöcke, feste Bergschuhe, Kartenmaterial, GPS-Maschine
Parameter:
Tour-Datum: 20. Juli 2026
Anforderung: T3-T4
Strecke: 11.9 km, Umbrailstrasse, Postautohaltestelle Blockhütte (1870 m) – P.1925, Abbiegung – Marangun da Prasüra (1998 m) – Alp Prasüra, Abbiegung Pin Grond (2195 m) – Sassa Marscha – Pra da la Bargia – Chalderas – P.2426 – Pin Grond, Abzweigung Alp Sielva (2361 m) – P.2163 – Aua da Pisch – P.1865, Brücke – Val Pisch, Hütte Alp Sielva – Belvair – Aua Naira (1469 m) – P.1403 – Sta. Maria Val Müstair (1376 m)
Auf den folgenden LINK klicken und die Tour als 3D-Video anschauen und Lautsprecher EIN, wer Musik gerne hat…
Aufstieg: ca. 523 m
Abstieg: ca. -1063 m
Laufzeit mit Pausen: ca. 6 Std. 15 Min
Laufzeit ohne Pausen: ca. 4 Std. 15 Min.
Tageszeit: 10:05 bis 16:20 Uhr























































