Alpine Wanderung Chalchtrittli – Muttseehütte SAC – Muttenchopf – Limmerensee

Schon länger hatten wir vor, das Gebiet Limmeren und die Muttseehütte SAC zu besuchen; heute war es soweit für diese recht alpine Bergtour. Die ersten eintausend Höhenmeter legten wir mit der Personenseilbahn Tierfed-Chalchtrittli zurück; beeindruckend die technischen Daten: schräge Länge 1938 m, Höhendifferenz 1053 m, Fahrdauer 7.5 Min.

In der Bergstation angekommen, werden Wanderer noch im Gebäude informiert und zu einem beinahe unauffälligen Ausgang geführt. Ungeübte werden beim Verlassen sofort mit der Realität konfrontiert: der Aufstieg beginnt mit den ersten (hohen) Tritten. Wie erwartet noch im Schatten, überwanden wir die ersten Aufstiegsmeter durch ziemlich verwachsenes Gelände, um das mächtige Bergstationsgebäude entlang der Steinschlaggalerie zu umlaufen. Bald war der Tiefblick frei ins tausend Meter tiefer liegende Tierfed, gegenüber der Fisetengrat mit Chamerstock, und südwestlich am Vorder Selbsanft vorbei grüsste bereits der schönste aller Glarner, der Tödi. Hoch über dem Limmerentobel begann der kettengesichrte Aufstieg über einige steile Serpentinen hoch im Chalchtrittli – der Tiefblick definitiv nichts für Vertigo-Geplagte. Auf einer Höhe von ca. 2000 m.ü.M. dreht der schmale Pfad in Richtung O, noch immer sehr steil, aber immerhin war nun Sonnenschein unser Begleiter. Viele Wanderer waren heute nicht unterwegs – verständlich bei dieser doch selektiven Strecke. Der nun folgende Bergweg führte über ca. anderthalb Kilometer ins Nüschentäli. Zur Linken der 2892 m hohe Nüschenstock, zur Rechten das mächtige Muttenwändli. Der weitere Wegverlauf vorerst nicht einsehbar. Zuhinterst im Tälchen, auf knapp 2400 m Höhe, war der Nüschenbach zu überqueren, der Pfad mittlerweile ziemlich blockig. Etwas oberhalb dann der Einstieg zum Muttenwändli. An einem geeigneten Standplatz war eine erste Pause angesagt; trinken, ein kleiner Proteinriegel, und – in etwa hundert Metern Distanz einige Steinböcke. Diese tolle Show mussten wir geniessen! Der folgende Weg hoch zum Muttenwändli verlief unschwierig und nicht sehr steil, entlang einer Kante. Spektakulär die Übersicht auf unsere bisherige Aufstiegsstrecke. Bei Punkt 2508 dann eine Richtungsänderung nach S, auf einigen Serpentinen hoch zum heute höchstgelegenen Punkt 2532. Gewaltig der Ausblick zum Claridenfirn und zum gleichnamigen Gipfel, weiter südlich der mächtige Bifertenstock, unter uns das grüne Wasser des Limmerensees, das originell geformte Kistenstöckli (2747 m, T3+/T4), weiter östlich und wenige Meter tiefer die Muttseehütte, dahinter der Muttsee (mit der längsten Staumauer der Schweiz, 1054 m), überragt vom mächtigen Ruchi (3184 m) und in der Fortsetzung dem Muttenstock (3088 m). Auf der sonnigen Hüttenterrasse war schon einiges los; wir fanden aber problemlos einen aussichtsreichen Platz für die Mittagsrast. Hirschwurst für Doris, Zigerhöreli für mich! Gestärkt und ausgeruht brachen wir auf, um den angeblichen Instagram-Hotspot, den Muttenchopf zu besteigen. Dieser kurze Umweg (Hin- und Rückweg ca. eine halbe Stunde, Höhendifferenz ca. 80 m) lohnte sich, weil vom Gipfel der Tiefblick zum Limmeren-Stausee lockte. Irgendwie verständlich, dass alle Welt begeistert ist! Auf halben Weg zurück der Abbieger in den Mörtel, ein geologisch eindrücklicher Kessel, durch den der Muttenbach plätschert. Es folgten nun 530 Hm teilweise gerölliger Abstieg über eine Strecke von anderthalb Kilometer. Auf halber Strecke dann eine Steilstufe, wo Kettensicherung vor fatalen Ausrutschern schützt. Immer näher kam das noch immer grün-blau gefärbte Wasser des Limmerensees. Auf den letzten Abstiegsmetern führt der WW etwas weniger anspruchsvoll über begrastes Gelände. Hier boten sich auch ausreichend Posier-Möglichkeiten für mehr oder weniger attraktive Blondies (in wanderuntauglichen Sneakers) und ihre Spotter. Am Seeufer angelangt, die kurze Rast auf einem Bänkli. Vor uns der Eingang zum Zugangsstollen 0 – nicht ganz drei Kilometer Wandern ohne Tageslicht. Speziell am Tunnel: Tramschienen, auf welchen während des Baus des Pumpspeicherwerks Limmeren ausgediente Züritrams eingesetzt wurden. Gut, wer in diesem feuchten «Kühlschrank» etwas warmes anziehen kann. Nach einer halben Stunde war dieser unattraktive Abschnitt bewältigt – gelandet wird direkt in der Bergstation, wo dank des Nonstop-Betriebs der Anschluss ohne Wartezeit gewährleistet ist (bis 18 Uhr).

Fazit:
Das tolle Wandererlebnis im Limmeren-Gebiet erfährt eine zusätzlich Dimension durch die eindrückliche, industrielle Geschichte des Pumpspeicherwerks Limmeren.

Wetterverhältnisse:
ideales Spät-Sommerwetter, wenig Bewölkung, Temperatur beim Start ~10°, im Tagesverlauf bis ~18° (gefühlt ~25°), beste Verhältnisse auf der gesamten Strecke (schneefrei, trocken), kaum Wind 5 km/h WSW

Ausrüstung:
Bergwanderschuhe, Stöcke, Kartenmaterial SchweizMobil, GPS

Parameter:
Tourdatum: 25. August 2025
Schwierigkeit: T3+ (Chalchtrittli und Steilstufe zum Ochsenstäfeli/Limmernsee, ansonsten T2)
Hin- und Rückfahrt: PW bis Tierfed, Berg- und Talfahrt Personenseilbahn Tierfed- Chalchtrittli
Strecke: 11.3 km: Bergstation Chalchtrittli (1860 m) – Chalchtrittli (1945 m), Nüschentäli – Nüschenbach (2400 m) – Muttenwändli (2508 m) – P.2532 – Muttseehütte SAC (2500 m) – Muttenchopf (2483 m) – Mörtel – P.1941 – Ochsenstäfeli (1800 m) – Zugangsstollen 0 (Länge 2.75 km) – Talfahrt
Aufstieg: ca. 867 m
Abstieg: ca. -865 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 7 Std. 25 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 4 Std. 43 Min.
Tageszeit: 09:50 bis 17:15 Uhr

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