Bärli – auf der Ziegenalp Falla zuhause

Vorinformation:
Bärli? So heisst Ruedi’s Patenziege. Sie lebt zusammen mit 97 anderen Ziegen auf der Klosterser Ziegenalp Falla. Diese kleine Alp liegt auf der linken Talseite des Vereinabachs  und der Landquart oberhalb Pardenn und Novai. Die Weiden erstrecken sich von 1500 bis 2200 m.ü.M. Die Alpgebäude (Hütte, Sennerei, Käsekeller und Schermen) liegen auf 1680 m.ü.M. und sind durch eine Transportseilbahn erschlossen. Dank der Coop-Patenschaften konnten Alpgebäude erneuert werden. Zu Fuss erreicht wird die abgeschiedene Alp über einen sehr steilen, nicht markierten und kaum sichtbaren Pfad. Die Alp Falla wird von der Ziegenhaltervereinigung Klosters-Serneus mit rund 100 Milchziegen bestossen während ca. 100 Tagen. Die beiden sympathischen Alphirten betreuen die Geissen, hauptsächlich Gemsfarbige Gebirgsziegen, Bündner Strahlen und Toggenburger. Während der Zeit von Mitte Juni bis Mitte September stellen sie rund 1050 kg Ziegenkäse her.

Zur Wanderung:
Beim Parkplatz in Monbiel wurden wir erwartet von Marilen von der Ziegenhaltervereinigung Klosters-Serneus. Dazu gesellten sich noch die beiden Ziegenpaten Kurt und Harry. Bald zeigte sich, dass eine ortskundige Führung dringend zu empfehlen ist. Das auf einem Vorsprung stehende Alpgebäude der Alp Falla war schon zu sehen. Nach etwa 2 km verliessen wir die Wander- und Bike-«Autobahn» kurz vor dem Pardenner Boden. Über eine Brücke überquerten wir die hier noch junge Landquart, welche wenige hundert Meter weiter oben bei Novai aus dem Zusammenfluss von Vereinabach und Verstanclabach entsteht. Nach etwa zweihundert Metern, in der Engi, dort wo die kleine Talstation der zur Alp hochführenden Transportseilbahn steht, führte uns Marilen zielstrebig durch wegloses Buschwerk. Ab und zu waren Spuren zu erkennen und Geissenböhnli bestätigten uns, auf dem richtigen «Weg» zu sein. Steil, sehr steil, und schweisstreibend dazu, überwanden wir über eine Strecke von 400 m eine Höhendifferenz von 200 m. Auf einem kleinen Plateau auf etwa 1520 m dann etwas nach Westen ausholend, hofften wir bald auf «unsere» Geissen zu stossen. Nichts zu hören; also wandten wir uns weiter steil aufsteigend in Richtung SO; noch immer weglos, mittlerweile durch schulterhohes Farn – irgendwie spannend! In einer engen Rinne wählten wir die Direttissima, wo wir rasch an Höhe gewannen. Auf etwa 1700 m Höhe, etwas östlich und oberhalb der Alp Falla, genossen wir an aussichtsreicher Stelle die Mittagsrast. Und Ike, der Hund von Marilen, genoss die Pause auf seine Art mit einem Schlammbad in einer Pfütze. Von der Ziegenherde war noch immer nichts zu hören. Unsere Vermutung, dass sich die Tiere nordwestlich unter uns auf verbuschtem Gelände aufhielten, bestätigte sich bald. Nahendes Glöggligeklingel kündigte uns an, dass wir wohl bald auf die noch immer nicht zu sehende Herde treffen würden. Tatsächlich: als das Gelände etwas offener wurde, sahen wir auch schon die gemütlich kräuterfressende Herde, angeführt von der Sennerin und ihrem Sennenhund. Bald standen wir mitten in der Herde, auf der Suche nach Bärli natürlich – das ist sie! Ein besonders schönes, aber etwas scheues Tier. Einige Ziegen waren besonders anhänglich und genossen die Streicheleinheiten, ja verlangten nach Zugaben… Zeit für einen Kafi, der man uns zubereitete, dazu leckerer Kuchen von Marilen. Zeit auch für einen Schwatz mit dem der für die Käserei verantwortlichen. Zu Recht stolz zeigte er uns das neu gebaute Käsereigebäude und natürlich sein schon stattliches Lager. Auch die vier Schweine freuten sich über den Besuch; sie geniessen das Alpleben in diesem temporären Paradies offensichtlich.

Nach der eindrücklichen Begegnung auf dieser schön gelegenen Alp wählten wir für den Abstieg den «Normalweg». Zwar war der stark überwachsene Pfad zwischendurch zu erkennen, Misstritte sollten aber unbedingt vermieden werden. Über einen Kilometer waren 300 Hm Abstieg zu bewältigen. Zum Glück war das Gelände trocken. In der Engi bei der Brücke schloss sich der Kreis. Wir spazierten am linken Ufer der wild plätschernden Landquart in Richtung Monbiel. Bei P.1276 war der Bergbach über eine schöne Hängebrücke zu überqueren. Ein kurzer, letzter Aufstieg zur Strasse, vorbei an sehr schönen Walser Häusern. Beim Parkplatz angelangt, waren wir uns alle einig, einen besonders eindrücklichen Wandertag erlebt zu haben. Danke Marilen für die sehr informative und sympathische Begleitung! Wir sehen uns wieder am Ziegenalpfest Alp Falla!

Fazit:
Tolle Idee unserer Freunde Ursle und Hitsch, die Ruedi zu seinem runden Geburtstag mit einer Ziegenpatenschaft beschenkten. Nochmal herzliches Dankeschön! Damit verbunden war ein schönes Wandererlebnis. Wir freuen uns schon auf das Alpfest am 12. August, wo wir «unseren» Käse erhalten werden.

Wetterverhältnisse:
Zu Beginn sonnig mit leichter Bewölkung, die Sonne bald verdrängt von der zunehmenden Bewölkung, trotzdem gute Sicht auf die umliegenden Gipfel, bis auf wenige Tropfen trocken, wenig störender Wind aus NO, anfänglich ca. 12°, im Tagesverlauf bis ca. 18°.

Hilfsmittel:
Bergschuhe mit guten Profilen, Stöcke (heute unbedingt zu empfehlen), GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 24. Juni 2018
Schwierigkeit: T3
Strecke: 9 km, Monbiel, Treffpunkt grosser Parkplatz am östlichen Dorfende – Baretschrüti – Auelti – P.1332 (Brücke über die Landquart) – Engi – Aufstieg weglos und sehr steil (>30°) durch Buschwerk bis zu den Flühen der Litzi – Rast bei ca. 1700 m.ü.M. – Kehrtwende in Richtung Alp Falla)
Aufstieg: ca. 474 m
Abstieg: ca. -455 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std. 15 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen 2 Std. 45 Min.
Tageszeit: 10:15 bis 15:30 Uhr

Kamera:
Nikon D7000

4 Gedanken zu „Bärli – auf der Ziegenalp Falla zuhause“

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