Archiv der Kategorie: Alpine Bergwanderung T4-T6

Sommer 2021 Val Müstair 2|5: Piz Vallatscha 3020 m

Nach der Aufwärmbikefahrt von gestern stand heute ein lange geplanter, harter Tourentag an: die Besteigung resp. die S/N-Überschreitung des Piz Vallatscha, einem Dreitausender, der nicht einfach zu haben ist. Weil ab einer Höhe von ca. 2500 m.ü.M. Geröllhalden dominieren und kaum Wegspuren und folglich auch keine Markierungen zu erwarten waren, begleitete uns Severin Hohenegger, den wir von unseren Wintertouren gut kennen. Als Einheimischer kennt er die Bergwelt im Val Müstair wie kaum ein anderer. Dank ihm als Jäger war auch ein Tag angesagt mit ausgiebiger Steinwild-Beobachtung.

Mit zwei Autos fuhren wir hoch in Richtung Pass dal Fuorn/Ofenpass; unterwegs stellten wir ein Fahrzeug ab bei der Talstation des kleinen Wintersportgebiets Minschuns. Gegen halbneun  (nicht zu früh, wie sich zeigen sollte) marschierten wir los; gleich gegenüber des Hotels Susom Givè (bei der Trafostation), liefen wir auf einem Jägerweglein (nicht auf dem w-r-w markierten WW) leicht oberhalb der Passstrasse in Richtung NW, entlang der Lawinenverbauungen. Nach etwa 650 m verliessen wir den Wald und erreichten eine Lichtung, auf der Severin auf die Begegnung mit Wild hoffte. Alles ruhig, also stiegen wir auf zum P.2311, wo wir den Normalwanderweg erreichten. Hier erlebten wir eine erste Steinwildschau – auf den Zinnen des Munt da la Bescha beschnupperten sich Steinböcke und Steingeissen. Severin packte sein Fernrohr hervor, mit dessen Hilfe die Luftlinie von ca. 350 m problemlos überwunden werden konnte (siehe Bilder). Nach Querung einiger steil abfallender, aber gut zu begehender Runsen, erreichten wir beim Chaschlot (2393 m) den Eingang ins Valbella (der Name ist absolut zutreffend!). Was für eine Augenweide, links der Piz Nair (3009), dann der Einblick ins Val Nüglia (Tal des Nichts), welches seit Jahrzehnten nur von Wild begangen wird – Menschen haben dort nichts zu suchen (Nationalpark!). Jetzt liefen wir nördlich des Munt da la Bescha, welchen wir schon halbwegs umrundet hatten, leicht aufsteigend in Richtung O. Bald erschienen die markanten Felsen des SW-Grats unseres Gipfelziels – der Piz Vallatscha selbst war noch nicht zu sehen. Auf einer Höhe von 2500 m.ü.M. verliessen wir den w-r-w markierten WW, um den Bergbach zu überqueren. Leicht oberhalb eine erste Trinkpause – unter Fortsetzung von Severins Steinwildschau; die Tiere turnten zuoberst am Grat des Munt da la Bescha. Und ein weiteres Highlight: ein Bartgeier besuchte uns im Vorbeiflug. Auf nun steilerem, aber gut gestuftem Weidegelände stiegen wir auf in Richtung Bergstation des Skilifts, welcher im Winter Skitüreler von der Fuorcla Funtauna da S-charl auf eine Höhe von 2700 m.ü.M. hoch schleppt. Spätestens jetzt wurde uns klar: der Piz Vallatscha ist vor allem ein Skitourenberg, der im Sommer weniger bestiegen wird. Ab ca. 2650 m.ü.M. änderte die Unterlage, eine sehr steile Geröllhalde. Über eine kurze Strecke von 400 m waren 200 Hm aufzusteigen, was kräftezehrend war. Unterhalb des SW-Grats (P.2902) bot sich auf einem Podest die Gelegenheit für eine Verpflegungspause – und natürlich packte Severin Fernrohr und Stativ hervor. Auf dem Grat über uns turnten gerade einige Jungsteinböcke unter Anleitung älterer Tiere herum – unglaublich eindrücklich! Die haben uns dauernd beobachtet, was auf den Bildern gut zu sehen ist. Wir konnten nur schwer loslassen, aber uns erwartete noch der sehr steile und weiterhin geröllige Aufstieg zum S-Grat, den wir auf etwa 2970 m.ü.M. erreichten. Der Grat selbst ist wenig ausgesetzt, der Aus- und Weitblick zu den Nachbargipfel, zum Ortler und zu den anderen Südtiroler Gipfel einfach grandios. Jetzt war da noch der recht schmale Verbindungsgrat zum Gipfel, der noch 50 Hm aufragte. Den zwei Meter hohen Gipfelfelsen umgingen wir westlich, nunmehr genau auf der Nationalparkgrenze, welche mit gelben Markierungen angezeigt war. Auf der Kugellager-Unterlage jetzt nur nicht ausrutschen! Mit Severins Hilfe und unter Einsatz der Hände erkraxelten wir das «Hindernis». Oben angekommen, strahlten wir mit der Sonne um die Wette. Bütscha il piz! Die ausgesetzten Platzverhältnisse liessen eine Gipfelrast nicht zu, also stiegen wir einige Meter ab in Richtung NO; auf weniger steilem Gelände hielten wir dann die verdiente Gipfelrast ab.

Gut gestärkt machten wir uns auf zum Abstieg; erst über die sehr steile Geröllhalde runter entlang des N-Grats in Richtung P.2847, hielten wir dann in Richtung Schneefeld, welches unterhalb des Sattels (2890 m) lag. Was für eine Wohltat, auf dem Schnee abzurutschen! Auf etwa 2750 m.ü.M. – unterhalb des Piz d’Astras – liefen wir nun weniger steil und über schwache Wegspuren in Richtung S. Im Gebiet Vallatscha d’Astras führte uns Severin kundig durch eine einmalig schöne Moränen-Landschaft. Auf einer Höhe von ca. 2500 m.ü.M. erreichten wir Weideland, und das Laufen wurde etwas weniger strapaziös. Zeit für eine willkommene Pause, und selbstverständlich für einen Blick durchs Fernrohr. Gegenüber, am SO-Gratausläufer des Vallatscha, tummelten sich 30 bis 40 Tiere – herrlich! 320 m unter uns die Alp Astras und der God Tamangur. Severin führte uns auf dem gut zu begehenden Schafweglein hinunter zur Fuorcla Funtauna da S-charl. Auf dem Übergang die vorsichtige Begegnung mit einer friedlich weidenden Muttertierherde. Den Skigipfel Minschuns wie auch die tieferliegende Alp da Munt passierten wir westlich, um direkt (und zügig) zur Talstation hinunterzulaufen. Um 17 Uhr erreichten wir den Parkplatz, von wo wir zum Pass dal Fuorn/Ofenpass hochfuhren. Severin war in Eile, also verschoben wir den Abschlusstrunk. Lieber Severin, du hast uns ein unvergessliches Bergerlebnis mit grossartigem Rahmenprogramm geboten – herzliches Dankeschön!

Fazit:
Diese anspruchsvolle Gipfeltour mit Severin zu unternehmen, war goldrichtig. Mit seiner Erfahrung haben wir heute wohl unsere Leistungsgrenzen erreicht.

Wetterverhältnisse:
Herrliches Bergwanderwetter, Sonne mit etwas Bewölkung, ~4 bis 8°

Ausrüstung:
Profilwanderschuhe, Stöcke, Kartenmaterial Swisstopo, GPS

Parameter:
Tour-Datum: 17. August 2021

Schwierigkeiten: T4+, Hochtour WS, Kletterstellen I
Strecke: 12.73 km, Pass dal Fuorn/Ofenpass (2149 m) – unmarkierter Pfad (bei der Trafostation) gleich gegenüber des Hotels Susom Givè – Lawinenverbauungen – bei P.2311 WW in Richtung Chaschlot – Valbella – Querung Bach bei genau 2500 m.ü.M. – Aufstieg weglos bis unterhalb des SW-Grats – Querung Geröllhang, Aufstieg bis S-Grat bei etwa 2960 m.ü.M. – Piz Vallatscha 3020 m – Abstieg Nordhang bis unterhalb  P.2890 – Vallatscha d’Astras P.2475 – Fuorcla Funtauna da S-charl (2392 m) – P.2364 – P.2233 (Alp da Munt) – Parkplatz Talstation Minschuns (ca. 2130 m)
Aufstieg: ca. 1000 m
Abstieg: ca. -981 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 8 Std. 45 Min. (Wildbeobachtung kostet Zeit, gell Severin🦌🦌🦌)
Benötigte Zeit ohne Pausen: 5 Std.
Tageszeit: 08:20 bis 17:05 Uhr

Alpin unterwegs im Bisistal: via Mälchberg und Hängst zur Glattalphütte SAC

Letztmals im Oktober 2005 auf der Glattalp, wollten wir dieses paradiesische Wandergebiet zuhinterst im Muotatal oberhalb des Bisistals wieder einmal besuchen. Wer die Glattalp betritt, wähnt sich eher im hohen Norden als im Herzen der Schweiz. Die Hochebene mit ihrer vielseitigen Flora und Fauna wird umringt von den schroffen Wänden und schmalen Graten der höchsten Schwyzer Berge. Die Temperaturen erreichen im Winter dank der muldenartigen Topografie schon mal 30 Grad unter null, der Rekord liegt bei -52,5 Grad Celsius (7. Februar 1991). Im Sommer vom Sahli mit der Luftseilbahn des Elektrizitätswerks des Bezirks Schwyz erschlossen, ist das Hochtal sonst nur zu Fuss erreichbar. Genau das war heute unsere Absicht. Für den Aufstieg wählten wir die alpine Route (weiss-blau-weiss) über den Mälchberg (T4), für den Abstieg den Normalweg.

Die Anfahrt über die enge Strasse (mit Ausweichstellen) endete bei der Talstation der Luftseilbahn Glattalp (Kapazität 8 Personen pro Fahrt). Bei unserer Ankunft kurz vor neun Uhr war der Parkplatz Sahli fast voll besetzt, und viel Volk wartete bereits auf die Bergfahrt. Wir starteten, vorbei an der Alpwirtschaft Sahli in Richtung Glattalp; auf der Alpstrasse bis P.1281, nach drei Kurven bei P.1338 bei der Verzweigung zum Direktaufstieg zur Glattalp blieben wir auf der Alpstrasse. Diese führte in geringem Aufstieg zur schön gelegenen Alp Milchbüelen, vorbei am Schattgadenhüttl. Über unseren Köpfen schwebte die voll besetzte Kabine der Luftseilbahn hoch. Mehr beeindruckte uns aber der mächtige Felskopf der Höchegg mit dem Hauptgipfel Hängst – dort rauf wollten wir… Erst galt es die Felswand auf gleichbleibender Höhe von ca. 1340 m.ü.M. über die Bietliplanggen westlich zu umgehen. Bei Feldmoos (einem Alpgebäude), genau unterhalb der dort startenden Materialseilbahn, wurden wir nach rechts (nach S) gewiesen. Ab jetzt wurde es steil, zu Beginn noch auf kuhtrittigem Wanderpfad, vorbei an einem Stall und mitten durch eine Herde friedlicher Viecher. Immer steiler werdend, drehte der Pfad – zum Glück schattenhalb – nach Norden hoch bis zum P.1565. Jetzt wieder voll an der Sonne, ging der Blick ins Bisistal hinunter. Weiter steil hoch, entlang einer Runse, die noch mit Resten von Lawinenschnee gefüllt war – über uns der furchterregende Felskopf Hängst (wortlos in Gedanken: dort hinauf wollen wir, wie soll das gehen?). Nun folgte der anspruchsvollste Teil des Aufstiegs: weglos, gut markiert, über schroffige und felsige Bänder und hohe Tritte. Nun packten wir einen Stock in den Rucksack, um die Hände besser einsetzen zu können. Es folgten einige Kletterstellen im I. Grad – manchmal leicht ausgesetzt, Trittsicherheit war gefordert. Uns gefiel dieser Abschnitt ausgezeichnet. Bald kam die Bergstation der Materialseilbahn ins Blickfeld, und nach knapp drei Stunden (ab Sahli) standen wir vor den Alpgebäuden auf Mälchberg, inmitten friedlicher Muttertiere und begrüsst von einem Senn. Nach einem kurzen Schwatz zogen wir weiter, um nach etwa 200 m den markierten Pfad nach rechts zu verlassen. Ziel war der 154 m höher liegende Aussichtsgipfel des Hängst. Der ist nur in der Direttissima zu erreichen, über eine mit tiefen Kuhtritten durchsetzte, sehr steile Grashalde (für Doris eine nicht ganz triviale Sauerei😊). Auf dem Gipfelchen angekommen, wurden unsere Anstrengungen reichlich belohnt mit einem herrlichen Panorama nach allen Seiten. An der Kante stand zum Glück ein Elektrozaun, denn auf der Südseite gehts 500 m senkrecht runter. Für eine Gipfelrast war es zu früh, ausserdem wurden wir von fliegenden Ungeziefern «gestört». Also stiegen wir die paar Hm ab zum Punkt südöstlich Mälchberg, wo wir wieder den WW erreichten. Hier wäre es auch noch möglich, den 2108 m hohen Pfaff zu besteigen; für die hundert Meter Höhendifferenz würde eine Viertelstunde reichen. Wir verzichteten, weil wir auf dem weglosen Aufstieg vom Vieh malträtiertes, tiefes Gelände befürchteten. Also folgten wir dem nunmehr weiss-rot-weiss markierten Pfad hinunter zur Glattalphütte SAC, welche nach einer halben Stunde erreicht war. Unterwegs immer wieder der Blick zur Furggele und zu den imposanten Gipfeln Flätstock, Höch Turm und Ortstock (den wir im September 2009 bestiegen haben). Im Nachhinein wunderten wir uns heute, wie wir es damals geschafft haben, diesen unnahbar scheinenden Gipfel zu besteigen. Begrüsst von Franziska Gwerder und ihrem Team fanden wir auf der Terrasse vor der neu umgebauten Glattalphütte SAC ein schattiges Plätzchen, um ausgedehnt zu rasten. Die Käseschnitten mundeten ausgezeichnet. Und der Ausblick zu den schroffen Wänden von Signalstock und Rot Nossen war gewaltig, weil ungetrübt. Gestärkt nahmen wir den Abstieg unter die Füsse; die vielen Abstiegsmeter wären auch mit der Luftseilbahn möglich gewesen… Der Abstieg ist an einigen Stellen sehr steil und unangenehm geröllig (und deshalb ausrutsch-gefährdet), vor allem im Bereich In den Chrümpfen, wo Wegarbeiten im Gange waren. Eine Abkürzung stellte sich schliesslich als kurze seilgesicherte T3-Schlüsselstelle heraus (Schild «nur für gute Gänger»). Ab Verzweigung Milchbüelen bei P. 1502 normalisierte sich das Gelände wieder (Bereich Läcki). Bei P.1338 erreichten wir den Alpweg wieder, auf dem wir im Aufstieg zur Alp Milchbüelen wanderten. Ab jetzt folgten wir, mit Ausnahme einiger Abkürzungen, der staubtrockenen Alpstrasse hinunter bis Sahli, wo die Erlösung wartete: Alpwirtschaft Sahli, Suure Moscht und ein Bier – einfach Wellness pur! Eine anspruchsvolle und entsprechend anstrengende Tour, die uns in bester Erinnerung bleiben wird.

Fazit:
Heute waren wir, der gewählten Strecke im Aufstieg sei Dank, wie erwartet einsam unterwegs, wenigstens bis zur Glattalp…

Wetterverhältnisse:
Ein sommerlicher Hitzetag (im Mittelland), wenig Wind, im Wandergebiet angenehme 12 bis 24° C

Ausrüstung:
Profilwanderschuhe, Stöcke, Kartenmaterial Swisstopo, GPS

Parameter:
Tour-Datum: 12. August 2021
Schwierigkeit: T4
Strecke: 12.1 km, Sahli (1146 m) – P.1280 – P.1338 (Verzweigung WW Glattalp/Milchbüelen) – Milchbüelen, Schattgadenhüttl (1359 m) – Feldmoos (1350 m) – P.1565 – Mälchberg 1848 m – Hängst (2002 m) – Punkt südöstlich Mälchberg (1985 m) – P.1929 – Glattalphütte SAC (1896 m) – In den Chrümpen – P. 1502 (Verzweigung Milchbüelen) – Läcki – P.1338 – P.1280 – Sahli
Aufstieg: ca. 970 m
Abstieg: ca. -950 m
benötigte Zeit inkl. Pausen: 7 Std.
benötigte Zeit ohne Pausen: 4 Std. 15 Min.
Tageszeit: 09:00 bis 16:00 Uhr

Piz Padella 2857 m – winterliche Überschreitung im Herbst 2020

Letztmals bestiegen am 19. August 2018, heute vollständig andere Verhältnisse. Auf der Bergfahrt mit der Gondelbahn Celerina-Marguns (heute Saisonschluss)) war die schneefreie Südseite dieses massigen Bergs einzusehen. Um halb zehn Uhr – und bei -7° C – der Start ab Bergstation Marguns (2276 m) – das Gebiet wird gerade «zurecht» gemacht für die bevorstehende Skisaison (siehe Bilder). Unterhalb der Station beginnt der weiss-rot-weiss markierte Wanderweg; erst über ein mit Kunstschnee belegtes Feld führte der Pfad leicht ansteigend in Richtung Munt da-la-Bês-cha. Nach Überquerung eines (noch) vereisten Bergbachs wurde der Pfad unter Einwirkung der Sonne bald schmieriger. Beim P.2489 angekommen, unterquerten wird den Piz Padella die Höhe haltend geradeaus in Richtung NO, hier beginnt die Wildruhezone. Oberhalb der Alp Clavadatsch bei P.2388 angekommen, hatten wir zu entscheiden: weiter nach Osten um die Alp Muntatsch (2188 m) zu erreichen und von dort nach Samedan abzusteigen. Wir entschieden für den Weiteraufstieg zur Sass Alv, wohl wissend, dass jetzt mehr als 450 Hm winterlicher Nord-Aufstieg bevorstand. Ab Sass Alv bei P.2478 angekommen änderte die Richtung nach S. Was macht man, wenn viele der WRW-Markierungen unter Schnee waren? Richtig: zum Glück gab es einige Trittspuren von Vorsteigern, und wir vertrauten einfach darauf, dass uns diese zum Gipfel führten. Die Tritte wurden immer tiefer, oft knietief, und die Gefahr in ein mit Schnee gefülltes Loch einzusinken, war erheblich. Ab einer Höhe von ca. 2600 m wurde das Gelände blockiger und wesentlich steiler. Oft waren wegen der gefrorenen Unterlage kaum Trittspuren zu erkennen. Ab und zu halfen Markierungen an Felsen, die Orientierung zu halten. Bald nahte die uns vom Abstieg im August 2018 bekannte enge, ausgesetzte Steilstufe – eine etwas trickige Hangquerung im Tiefschnee. Die vorhandenen (tiefen) Tritte gaben uns zwar Vertrauen – aber abrutschen wäre hier keine Option. Jedenfalls war volle Konzentration gefragt – von den fantastischen Ausblicken ins Tal, zum Piz Kesch im Rücken, und zum Festsaal der Alpen (Bernina-Gruppe) im Süden durften wir uns nicht ablenken lassen. Wenige Meter unter dem Gipfel – an der bekannten Verzweigung – hatten wir die Gewissheit, es bald geschafft zu haben. Und tatsächlich, ein paar Schritte über breite, schneefreie Platten, und schon war der Piz Padella erreicht – nach etwas mehr als drei Stunden K(r)ampf. Schon ein überwältigendes Gefühl, diesen speziellen Verhältnissen getrotzt zu haben. Ein spezieller Gipfelstürmer gleich hinter uns: ein schöner Husky erreichte ebenfalls den Gipfel, ca. 5 Min. vor seinem Herrchen. Nach dem Genuss des Gipfelpanoramas (beste Weitsicht!) zwang uns der unangenehme SW-Wind, die Gipfelrast im Abstieg abzuhalten. Von unserem im steilen Blockgelände gelegenen «Rastplatz» war die Abstiegsstrecke gut einzusehen; eine fast schneefreie, aber ziemlich schmierige Angelegenheit. Also hatten wir keine Eile und genossen unsere Leckereien. Nachdem wir dem Treiben einiger Auf- und Absteiger zugesehen hatten, waren nun wir an der Reihe: nur ja nicht in die Schmiere fallen… Vorsichtig langsam meisterten wir diesen ersten zum Glück nicht allzu steilen Abschnitt. Es folgten ein paar hohe Tritte im Fels, welche mit Ketten unterstützt hilfreich gesichert waren. Über viele Serpentinen, die Unterlage vom Wind meist abgetrocknet, schloss sich beim P.2489 am Munt da-la-Bês-cha der Kreis. Nun noch eine halbe Stunde fast schon erholsam über schneefreies Alpgelände hinunter bis Marguns. Unterwegs nochmals die Querung des vom Val dal Selin herunter plätschernden Bachs, verbunden mit dem Blick hinauf zu den schönen Las Trais Fluors. Um 15 Uhr erreichten wir die nonstop fahrenden Gondeln, welche uns flott nach Celerina hinunter brachten. Doch kurz vorher Zweckentfremdung des neuen Kunstschneefelds: eine ausgezeichnete Schuhputzeinrichtung – das nennt man Service!

Fazit:
Eine der ausserordentlichen Verhältnissen wegen ziemlich fordernde (und herausfordende), aber unglaublich lohnende Gipfeltour.

Wetterverhältnisse:
Herrliches, sonniges Bergwanderwetter, wolkenlos, recht kühl (~-7 bis 8°), mässig störender Wind aus SW (bis 25 km/h)

Hilfsmittel:
Bergwanderausrüstung, Stöcke, Grödel (für alle Fälle…)

Parameter:
Tour-Datum: 18. Oktober 2020
Anforderung: T4 (bei schneefreien Verhältnissen T3)
Strecke: 9.8 km, Bergstation Marguns – Munt da-la-Bês-cha P.2489 – P.2388 (oberhalb Alp Clavadatsch) – Sass Alv P.2478 – Piz Padella (2857 m) – P.2532 – Munt da-la-Bês-cha – Marguns (2276 m)
Aufstieg: ca. 674 m
Abstieg: ca. -679 m
Laufzeit ohne Pausen: ca. 3 Std. 25 Min.
Laufzeit mit Pausen: ca. 5 Std. 30 Min.
Tageszeit: 09:30 bis 15:00 Uhr

Fläscherberg – Regitzer Spitz 1135 m über die Leitern

Aus der gemeinsamen Piz Beverin-Tour wurde leider nichts wegen des gestrigen Schneefalls. Aber diese (Ersatz-)Tour geht immer! Fast auf den Tag genau vor vier Jahren war es heute wieder einmal angesagt, diese sehr abwechslungsreiche und spannende Tour zu unternehmen – zusammen mit Mägi und Roli. Kurz vor zehn Uhr starteten wir vom Parkplatz am Dorfrand auf einen gemütlichen Spaziergang durch das schöne Weindorf Fläsch. Die Weinlese war in vollem Gang. Heute wählten wir die Strecke unmittelbar unterhalb Ober Wingert – Unter WingertBadguetRheinau, ca. 2.5 km auf geteerter Strasse – halt nicht gerade die ideale Unterlage. Alternativ möglich wäre der Aufstieg ab Unter Wingert durch den Neuwald hoch zum Lidisgang; wir blieben im Tal und wollten unbedingt über die Leitern aufsteigen. Alte Bäume und Sträucher in der Rheinau – welch ein Augen- und Ohrenschmaus in dieser Jahreszeit! 300 m vor P.489 wurden wir weissrotweiss markiert rechts gewiesen (Richtung Mozentobel, Elltal), mit dem Warnschild «Steinschlag». Nach 120 Aufstiegsmetern erreichten wir das enge und beeindruckende Mozentobel. Trotz der gestrigen Niederschläge war das Tobel heute gut zu queren – dort zu verweilen ist aber trotzdem keine gute Idee. Einige Meter oberhalb nochmals der Blick hinunter auf die nicht harmlose Tobelquerung und den darüber ragenden Ellstein. In ein paar Kehren stiegen wir weiter auf, bis das saftiggrüne Elltal erreicht war, begrüsst von vielen Herbstzeitlosen. Diesmal entscheiden wir uns für den kurzen «Umweg» in Richtung Nord durch das Elltal um den von Mäls/Balzers herkommenden Wanderweg zu erreichen. Die Direttissima über die sehr steile Grashalde reizte uns heute nicht (mehr). Über diesen Umweg oben angelangt, war der Hinunterblick noch immer ausreichend spektakulär. Der im Wald verlaufende Pfad, der direkt unter der Felswand der Lida quert, war gut zu begehen. Dort, wo ein vom Neuwald heraufführender Aufstiegspfad erreicht wird, wurden wir auf den Leiterliweg gewiesen. Steiler, felsiger und enger werdend, erreichten wir die bekannte prähistorisch Festungsanlage – die selbstverständlich besichtigt werden musste. Wenige Schritte weiter dann die erste von zwei Leitern, welche über eine fixseilgesicherte Querung erreicht wurde (laut SAC-Führer T4). Bei diesen trockenen Verhältnissen ein ausgesprochenes Vergnügen! Nach einigen nicht ganz trivialen Felstritten (Schwindelfreie sind im Vorteil) dann auch die Nische mit dem Wandbuch, welches geschützt in einer Gamelle bereit lag. Nach dem Eintrag eine weitere fixseil-gesicherte Querung hoch zur zweiten Leiter – ein kurzer, sehr gefälliger, eher leichter Klettersteig, dank dem die ca. 50 m hohe Felsmauer überwunden wird. Beim Ausstieg auf Lida dann der Blick zum Regitzer Spitz (und zur bekannten, sehr schräg stehenden Stütze der Hochspannungsleitung). Die Weidefläche überquerend, erreichten wir ostseitig den Lidisgang, wo der alternative Aufstieg vom Neuwald her mündet. Hier fanden wir am Eingang einer kleinen Höhle eine windgeschützte Stelle, um zu rasten. Diesmal strebten wir die Guschaspitze (1103 m) im direkten und weglosen, steilen Aufstiegsgelände entlang der Abbruchkante an. Zugegeben: schon etwas grenzwertig, weil rutschig! Die Spitze selbst besuchten wir nicht, weil diese mit Stacheldraht «gesichert» war. Dieser Spitz verfügt bestimmt über einen «Innenausbau» – jedenfalls hat es einige Eingänge. Kurzer Abstieg entlang der Abbruchkante, verbunden mit spektakulären Tiefblicken auf die ca. 600 m unter uns liegende Rhein- und Weinlandschaft der Bündner Herrschaft, links das teilweise bewölkte Massiv des Falknis und dessen Nachbargipfeln. Nach einem kurzen Wiederaufstieg war der Regitzer Spitz erreicht. Auf diesem grossen Balkon genossen wir die Windstille, die Sonne (Siesta 🌞 für Mägi) und den formidablen Fern- und Tiefblick. Der Abstieg führte anfänglich über steile Kehren und später zum Fahrweg – welcher wohl der Versorgung der militärischen Anlagen St. Luzisteig dient. Bald war auch die Alp Vorder Ochsenberg erreicht, wo wir die Fahrstrasse nach Süden verliessen. Den steilen Schnielskopf mit der markanten Abbruchstelle liessen wir links stehen; am südlichen Ende der Alp der Einstieg zum steilen Abstieg über das Tirlis-Tobel nach Fläsch (ca. 100 Hm). Der nach einem Felssturz neu angelegte Abstiegsweg weicht dem Felssturzgebiet geschickt aus – der alte und durch einen Felssturz zerstörte Pfad ist gesperrt. Wir erinnerten uns: am 15. Oktober 2013 donnerten ca. 100 Kubikmeter Fels vom Schnielskopf herunter. Die Gesteinsmassen schlugen eine Schneise von rund 80 Metern und rissen viele Bäume mit. Daraufhin wurde der durch das Gebiet führende Wanderweg zerstört und gesperrt. Auch für die neue Wegführung gilt die Warnung vor Steinschlag! In einigen Kurven stehen Bänke an besonders aussichtsreichen Stellen. Alles gut gegangen: im Quartier Plutt, dem obersten Dorfteil von Fläsch, fühlten wir uns wieder sicherer. Ein paar hundert Meter noch bis zum P – doch halt: Einkehr zum uns bekannten Landhaus, welches soeben öffnete. Von den sehr gastfreundlichen Wirtsleuten Theresa und Ignaz bestens bewirtet, genossen wir einen kulinarischen Abschluss unseres heute wirklich gemütlichen Tourentags.

Fazit:
Ein genussvoller Wandertag mit Mägi und Roli war das!

Wetterverhältnisse:
Herrliches Herbstwetter, trockene Witterung bei ca. 08 bis 12°, an exponierten Stellen mässige Bise

Hilfsmittel:
Wanderschuhe, GPS-Maschine

Parameter:
Tourdatum: 03. Oktober 2019
Schwierigkeit: T3 (Leiterli T4)
Strecke: 12 km, Fläsch (Parkplatz am südlichen Ortsrand) – Ortszentrum – Ober Wingert – Unter Wingert – Badguet – Rheinau – Mozentobel – Elltal – Leiterli – Lida – Lidisgang – Guschaspitz – Regitzer Spitz – Vorder Ochsenberg – Türlis – Fläsch
Aufstieg: ca. 770 m
Abstieg: ca. -750 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 7 Std. 40 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std. 50 Min.

Zermatt 2|3: Hörnlihütte SAC 3260 m

Video-Hörnlihütte

Endlich einmal zur Hörnlihütte – nach einem wetterbedingten Abbruch vor Jahren, waren heute beste Bedingungen angesagt. Wie schon seit Tagen strahlt das Matterhorn von früh bis spät ohne die sonst üblichen Gipfelwolken. Mit der Bergfahrt zum Schwarzsee (2583 m) in einer der ersten Gondeln vernichteten wir elegant über 900 Höhenmeter. Nach dem Genuss des Startkafi auf der Sonnenterrasse des Hotel-Restaurants Schwarzsee zogen wir los um 09:15 Uhr; die Vorgabe von 2 Std. 10 Min. fanden wir sportlich. Und eine einsame Wanderung würde das heute auch nicht, das merkten wir schon bald. Oberhalb des Schwarzsees, der in einer Senke liegt, steuerten wir zu Beginn leicht absteigend dem Aufstieg in Richtung Hirli (2889 m) zu. Nach etwa 40 Min. war die auf 2775 m stehende Bergstation der von Biel via Stafelalp hochführenden 6er-Sesselbahn (nur im Winter in Betrieb) erreicht. Kurzer Zwischenabstieg, von wo der Pfad südlich einer Felswand über einen am Felsen befestigten Steg führte. Der senkrechte Durchblick durch das Lochgitter vermittelte ein gewisses Klettersteig-Gefühl. Dann ein paar steile Serpentinen, bis auf einer Höhe von ca. 2870 m die Seite über den Grat gewechselt wurde. Jetzt öffnete sich der Blick auf den Zmuttgletscher, resp. das was von ihm noch übriggeblieben ist. Nun folgten ca. 700 flache Streckenmeter. Von weitem zu sehen war der Einstieg zum Hüttenaufstieg – über eine «wunderschöne» Treppe gelangten wir auf einen teilweise leicht ausgesetzten Steig, welcher aber gut gesichert zu begehen war. Bis kurz unter der Hütte wurde es abwechselnd luftig und steil. Einige besonders schnelle (junge) BergläuferInnen überholten uns erst ziemlich zügig, um dann kurz vor dem Ziel erschöpft zu pausieren😉. Die Hörnlihütte erreichten wir doch tatsächlich im Rahmen der Vorgabe, nach etwas mehr als 2 Stunden (nicht schlecht für uns Senioren…). Auf der gut besetzten Terrasse fanden wir aussichtsreiche Plätze mit direktem Blick zur Einstiegstelle zum Hörnligrat. Leider konnten wir keine Hörnli mit Ghacktem bestellen – was für ein Fauxpas auf dieser Hütte. Aber Rösti mit Spiegelei und Spaghetti Bolo schmeckten auch gut. Um diese Zeit wurden laufend eintreffende, erfolgreiche MatterhornbesteigerInnen empfangen; Samuel Anthamatten & Co. benötigte mit DarstellerInnen der zurzeit auf Riffelberg laufenden Freilichtspiele «Matterhorn: No Ladies please» als Gäste gerademal sechseinhalb Stunden für den Auf- und Abstieg – und das in Originalkostümen von damals – Respekt! Richtzeiten von 8 bis 11 Stunden werden als normal gesehen(!). Heute, so hörten wir, seien 45 Personen unterwegs am Berg. Für uns war nun der Abstieg angesagt, den wir mit Respekt angingen. Im Abstieg war auch heute (wie immer) besonders auf Trittsicherheit zu achten, ja nicht auszurutschen. Etwas schneller als im Aufstieg erreichten wir nach anderthalb Stunden den Ausgangspunkt Schwarzsee. Mittlerweile diente der See als Badeanstalt – verständlich bei dieser Hitze. Auf uns warteten auf der Terrasse des Hotel-Restaurants Schwarzsee flüssige Erfrischungen.

Fazit:
Tolle hochalpine Bergwanderung, an Tagen wie heute halt viel begangen, aber trotzdem wunderschön. Und: die neu erweiterte Hörnlihütte hat uns sehr gefallen…

Wetterverhältnisse:
Sehr sonnig, unten heiss, oben erträglich (ca. 18°), schönstes Hochsommerwetter, windstill.

Hilfsmittel:
Stöcke, Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 23. Juli 2019

Schwierigkeit: -T4 (teilweise weiss-rot-weiss)
Strecke: 9.9 km, Schwarzsee – Bergstation Hirli – P.2869 – P.2931 (Abzweiger nach Stafelalp via Seickren) – Hörnlihütte
Aufstieg: ca. 725 m
Abstieg: ca. -725 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std. 10 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std. 20 Min.Tageszeit: 09:15 bis 14:30 Uhr

Torre de los Horcados Rojos (2503 m) – Picos de Europa

Eigentlich wollten wir auf der Hinfahrt nach Spanien zuerst über den Norden (Kantabrien, Asturien) anreisen. Das dort unstabile Wetter hielt uns davon ab – was für ein Glück! Nach den Tagen in Zentralspanien (Sierra de Gredos) wurde es uns langsam etwas zu heiss, so dass wir in Richtung Norden «flüchteten» mit einem zweitägigen Zwischenhalt in Tordesillas (sehr schönes Camping direkt am Duero). Die Wetterprognosen sagten bestes Wetter voraus für den geplanten Besuch der Picos de Europa. Von den im Sommer in dieser alpinen Berggegend oft auftretenden Fallnebel sollten wir verschont bleiben. In Potes, einem Ort mit ca. 1400 Einwohnern in der autonomen Region Kantabrien und Hauptort der Comarca Liébana – ein ziemlich touristisches «Bergdorf» auf einer Höhe von 293 m. ü M. liegt etwas ausserhalb des Dorfes das genial angelegten Camping La Viorna; von hier geht der Panoramablick zu den Gipfeln der Picos. Passender konnte die Einstimmung auf unsere Tour nicht sein.

Für die 24 km Fahrt auf guter, kurvenreicher Strasse zur Talstation Fuente Dé (1078 m) benötigten wir 25 Minuten. Die Bergfahrt hoch zur Bergstation El Cable (1853) dauerte 4 Minuten; die Bahn (eine Konstruktion ohne Stütze) macht einen soliden Eindruck, transportiert von 10 Uhr bis 18 Uhr viertelstündlich 20 Personen (Berg- und Talfahrt € 17 pro Person). Oben angekommen, verabschiedeten wir uns von den vielen Spaziergängern und strebten sogleich in Richtung Nord. Auf einer Schotterstrasse erreichten wir nach 20 Min. den Übergang Hdna de Covarrobres (1926 m) – hier könnte man weiter laufen zum Chalet Real und zum Ref. Ordiozola. Kurz vor dieser Passhöhe hielten wir links, auf einen breiten, holprigen Pfad bis zur Gabelung La Vueltona (1940 m). Auf diesem Abschnitt faszinieren die zur linken Seite gelegenen glasklaren und grün leuchtenden Lagos de Lloroza. Vor uns in Luftline von 2 km der aus dieser Perspektive unnahbare Gipfel Torre de los Horcados Rojos – kolossal! Können wir den schaffen? Denn ab jetzt wurde es winterlich; der weitere, steiler werdende Aufstieg verlief nun weitgehend über Schnee. Bereits vorhandene Trittspuren wiesen den «Weg», abwechselnd über Schottersteine und Schnee. Orientierung bot auch die schon in der Sonne glitzernde Aluminiumhülle der Cabaña Verónica – einer kleinen Biwakhütte. Auch wenn wir auf dem weichen Schnee kaum einsanken, wären Schneeschuhe keine schlechte Option gewesen, weil das Gelände immer steiler wurde. Ausserdem galt es heikle Passagen in der Nähe von Blocks zu meiden, weil dort üblicherweise hohe Einsink- und folglich Verletzungsgefahr besteht. Unterhalb der Bergflanke des Peña Vieja waren einige steile Schneehänge zu queren. Hier müsste laut Führerliteratur an einem Felsen die Inschrift «Horcados Rojos» zu lesen sein – wohl des Schnees wegen nichts zu erkennen. Die Trinkpause bot uns auch Zeit für eine kurze Besinnung: können wir den Gipfel schaffen? Die Verhältnisse (ab hier durchgehend Schnee und steil) waren ziemlich kräfteraubend. Gut 20 Min. später erreichten wir P.2274 (Abzweigung zu Biwakhütte). Jetzt hatten wir nach rechts zu halten (was uns ein spanisches Bergsteigerpaar bestätigte), wo über eine Trittspur auf einer weiter aufsteilenden Schneehalde nach 15 Min. der Übergang Collado de los Horcados Rojos (2344 m) erreicht war. Jetzt stieg unsere Zuversicht schlagartig an, nicht zuletzt des Ausblickes wegen: dieser erwartete Blick zum berühmten Picu Urriellu (2518 m), und zur Atlantikküste (30 km Luftlinie). Und auf der rechtsliegenden Seite der (von hinten) nicht mehr so unbezwingbar erscheinende Gipfel, dessen Westseite glücklicherweise schneefrei war. Voll motiviert nun der «Angriff» zum 160 m aufragenden Torre, sehr steil und wegen des Schutts rutschig. Zickzack hinauf, nun öfter die Hände einsetzend, erreichten wir eine halbe Stunde später den Gipfel, nach insgesamt 2.5 Std. Laufzeit. Kurz vor dem höchsten Punkt dann noch die Schlüsselstelle, eine leicht nach rechts abdrängende, ausgesetzte Stelle, die wir aber etwas links haltend umgehen konnten. Und dann dieses Gipfelglück! Ein Panorama der Sonderklasse – befanden wir uns tatsächlich in Spanien?? Trotz windstiller Verhältnisse machten wir uns nach diesem Gipfelgenuss bald auf den Abstieg. Auf dem Collado de los Horcados Rojos dann die verdiente Verpflegungspause. Hier faszinierte vor allem nochmals der Blick zum Picu Urriellu resp. zum an dessen Fuss stehenden (von hier nicht sichtbaren) Refugio de Urriellu. Von dieser Seite sahen wir zwei Berggänger aufsteigen; auch kein einfaches Unterfangen. Nach der Rast die «Abfahrt» über den steilen Schneehang hinunter zum P.2274. Den Besuch des Biwaks sparten wir uns (hin und zurück 30 Min.), dort gibt es ohnehin keine Wirtschaft. Im weiteren Abstieg folgten die bereits vertrauten Traversen über die (eventuell) rutschgefährdeten steilen Schneehalden, nun etwas einfacher, weil eben absteigend. Immer wieder drehten wir uns um und bestaunten «unseren» Gipfel – nicht ohne Stolz. Endlich war die Gabelung La Vueltona wieder erreicht. Ab hier nun schneefrei weiter, die schönen Seelein oberhalb querend, El Cable anstrebend. Vorbei am Übergang Hdna de Covarrobres war die Bergstation rasch erreicht – gerade rechtzeitig zur unmittelbaren Talfahrt um 17 Uhr.

Fazit:
Fast schon eine Hochtour war das heute, jedenfalls mit sehr alpinem Charakter, im Nationalpark Picos de Europa im Norden Spaniens. Und in Sachen Flüssigkeit eine wichtige Feststellung: mangels Bergbeizen unbedingt ausreichend Nahrung und vor allem Flüssigkeit mitnehmen!

Wetterverhältnisse:
Ein Hochsommertag, kein Wind, bis 33° (!).

Hilfsmittel:
Rother Wanderführer «Picos de Europa», Onlineinfos und Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 31. Mai 2019
Schwierigkeit: T3-4, I-II, L (leichte Hochtour)
Strecke: 11.4 km,
Aufstieg: ca. 740 m
Abstieg: ca. -740 m
Laufzeit ohne Pausen: total ca. 4 Std.
Laufzeit mit Pausen: total ca. 5 Std., 50 Min.
Tageszeit: 11:00 bis 16:50 Uhr