Archiv der Kategorie: Alpine Bergwanderung T4-T6

Fläscherberg – Regitzer Spitz 1135 m über die Leitern

Aus der gemeinsamen Piz Beverin-Tour wurde leider nichts wegen des gestrigen Schneefalls. Aber diese (Ersatz-)Tour geht immer! Fast auf den Tag genau vor vier Jahren war es heute wieder einmal angesagt, diese sehr abwechslungsreiche und spannende Tour zu unternehmen – zusammen mit Mägi und Roli. Kurz vor zehn Uhr starteten wir vom Parkplatz am Dorfrand auf einen gemütlichen Spaziergang durch das schöne Weindorf Fläsch. Die Weinlese war in vollem Gang. Heute wählten wir die Strecke unmittelbar unterhalb Ober Wingert – Unter WingertBadguetRheinau, ca. 2.5 km auf geteerter Strasse – halt nicht gerade die ideale Unterlage. Alternativ möglich wäre der Aufstieg ab Unter Wingert durch den Neuwald hoch zum Lidisgang; wir blieben im Tal und wollten unbedingt über die Leitern aufsteigen. Alte Bäume und Sträucher in der Rheinau – welch ein Augen- und Ohrenschmaus in dieser Jahreszeit! 300 m vor P.489 wurden wir weissrotweiss markiert rechts gewiesen (Richtung Mozentobel, Elltal), mit dem Warnschild «Steinschlag». Nach 120 Aufstiegsmetern erreichten wir das enge und beeindruckende Mozentobel. Trotz der gestrigen Niederschläge war das Tobel heute gut zu queren – dort zu verweilen ist aber trotzdem keine gute Idee. Einige Meter oberhalb nochmals der Blick hinunter auf die nicht harmlose Tobelquerung und den darüber ragenden Ellstein. In ein paar Kehren stiegen wir weiter auf, bis das saftiggrüne Elltal erreicht war, begrüsst von vielen Herbstzeitlosen. Diesmal entscheiden wir uns für den kurzen «Umweg» in Richtung Nord durch das Elltal um den von Mäls/Balzers herkommenden Wanderweg zu erreichen. Die Direttissima über die sehr steile Grashalde reizte uns heute nicht (mehr). Über diesen Umweg oben angelangt, war der Hinunterblick noch immer ausreichend spektakulär. Der im Wald verlaufende Pfad, der direkt unter der Felswand der Lida quert, war gut zu begehen. Dort, wo ein vom Neuwald heraufführender Aufstiegspfad erreicht wird, wurden wir auf den Leiterliweg gewiesen. Steiler, felsiger und enger werdend, erreichten wir die bekannte prähistorisch Festungsanlage – die selbstverständlich besichtigt werden musste. Wenige Schritte weiter dann die erste von zwei Leitern, welche über eine fixseilgesicherte Querung erreicht wurde (laut SAC-Führer T4). Bei diesen trockenen Verhältnissen ein ausgesprochenes Vergnügen! Nach einigen nicht ganz trivialen Felstritten (Schwindelfreie sind im Vorteil) dann auch die Nische mit dem Wandbuch, welches geschützt in einer Gamelle bereit lag. Nach dem Eintrag eine weitere fixseil-gesicherte Querung hoch zur zweiten Leiter – ein kurzer, sehr gefälliger, eher leichter Klettersteig, dank dem die ca. 50 m hohe Felsmauer überwunden wird. Beim Ausstieg auf Lida dann der Blick zum Regitzer Spitz (und zur bekannten, sehr schräg stehenden Stütze der Hochspannungsleitung). Die Weidefläche überquerend, erreichten wir ostseitig den Lidisgang, wo der alternative Aufstieg vom Neuwald her mündet. Hier fanden wir am Eingang einer kleinen Höhle eine windgeschützte Stelle, um zu rasten. Diesmal strebten wir die Guschaspitze (1103 m) im direkten und weglosen, steilen Aufstiegsgelände entlang der Abbruchkante an. Zugegeben: schon etwas grenzwertig, weil rutschig! Die Spitze selbst besuchten wir nicht, weil diese mit Stacheldraht «gesichert» war. Dieser Spitz verfügt bestimmt über einen «Innenausbau» – jedenfalls hat es einige Eingänge. Kurzer Abstieg entlang der Abbruchkante, verbunden mit spektakulären Tiefblicken auf die ca. 600 m unter uns liegende Rhein- und Weinlandschaft der Bündner Herrschaft, links das teilweise bewölkte Massiv des Falknis und dessen Nachbargipfeln. Nach einem kurzen Wiederaufstieg war der Regitzer Spitz erreicht. Auf diesem grossen Balkon genossen wir die Windstille, die Sonne (Siesta 🌞 für Mägi) und den formidablen Fern- und Tiefblick. Der Abstieg führte anfänglich über steile Kehren und später zum Fahrweg – welcher wohl der Versorgung der militärischen Anlagen St. Luzisteig dient. Bald war auch die Alp Vorder Ochsenberg erreicht, wo wir die Fahrstrasse nach Süden verliessen. Den steilen Schnielskopf mit der markanten Abbruchstelle liessen wir links stehen; am südlichen Ende der Alp der Einstieg zum steilen Abstieg über das Tirlis-Tobel nach Fläsch (ca. 100 Hm). Der nach einem Felssturz neu angelegte Abstiegsweg weicht dem Felssturzgebiet geschickt aus – der alte und durch einen Felssturz zerstörte Pfad ist gesperrt. Wir erinnerten uns: am 15. Oktober 2013 donnerten ca. 100 Kubikmeter Fels vom Schnielskopf herunter. Die Gesteinsmassen schlugen eine Schneise von rund 80 Metern und rissen viele Bäume mit. Daraufhin wurde der durch das Gebiet führende Wanderweg zerstört und gesperrt. Auch für die neue Wegführung gilt die Warnung vor Steinschlag! In einigen Kurven stehen Bänke an besonders aussichtsreichen Stellen. Alles gut gegangen: im Quartier Plutt, dem obersten Dorfteil von Fläsch, fühlten wir uns wieder sicherer. Ein paar hundert Meter noch bis zum P – doch halt: Einkehr zum uns bekannten Landhaus, welches soeben öffnete. Von den sehr gastfreundlichen Wirtsleuten Theresa und Ignaz bestens bewirtet, genossen wir einen kulinarischen Abschluss unseres heute wirklich gemütlichen Tourentags.

Fazit:
Ein genussvoller Wandertag mit Mägi und Roli war das!

Wetterverhältnisse:
Herrliches Herbstwetter, trockene Witterung bei ca. 08 bis 12°, an exponierten Stellen mässige Bise

Hilfsmittel:
Wanderschuhe, GPS-Maschine

Parameter:
Tourdatum: 03. Oktober 2019
Schwierigkeit: T3 (Leiterli T4)
Strecke: 12 km, Fläsch (Parkplatz am südlichen Ortsrand) – Ortszentrum – Ober Wingert – Unter Wingert – Badguet – Rheinau – Mozentobel – Elltal – Leiterli – Lida – Lidisgang – Guschaspitz – Regitzer Spitz – Vorder Ochsenberg – Türlis – Fläsch
Aufstieg: ca. 770 m
Abstieg: ca. -750 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 7 Std. 40 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std. 50 Min.

Zermatt 2|3: Hörnlihütte SAC 3260 m

Video-Hörnlihütte

Endlich einmal zur Hörnlihütte – nach einem wetterbedingten Abbruch vor Jahren, waren heute beste Bedingungen angesagt. Wie schon seit Tagen strahlt das Matterhorn von früh bis spät ohne die sonst üblichen Gipfelwolken. Mit der Bergfahrt zum Schwarzsee (2583 m) in einer der ersten Gondeln vernichteten wir elegant über 900 Höhenmeter. Nach dem Genuss des Startkafi auf der Sonnenterrasse des Hotel-Restaurants Schwarzsee zogen wir los um 09:15 Uhr; die Vorgabe von 2 Std. 10 Min. fanden wir sportlich. Und eine einsame Wanderung würde das heute auch nicht, das merkten wir schon bald. Oberhalb des Schwarzsees, der in einer Senke liegt, steuerten wir zu Beginn leicht absteigend dem Aufstieg in Richtung Hirli (2889 m) zu. Nach etwa 40 Min. war die auf 2775 m stehende Bergstation der von Biel via Stafelalp hochführenden 6er-Sesselbahn (nur im Winter in Betrieb) erreicht. Kurzer Zwischenabstieg, von wo der Pfad südlich einer Felswand über einen am Felsen befestigten Steg führte. Der senkrechte Durchblick durch das Lochgitter vermittelte ein gewisses Klettersteig-Gefühl. Dann ein paar steile Serpentinen, bis auf einer Höhe von ca. 2870 m die Seite über den Grat gewechselt wurde. Jetzt öffnete sich der Blick auf den Zmuttgletscher, resp. das was von ihm noch übriggeblieben ist. Nun folgten ca. 700 flache Streckenmeter. Von weitem zu sehen war der Einstieg zum Hüttenaufstieg – über eine «wunderschöne» Treppe gelangten wir auf einen teilweise leicht ausgesetzten Steig, welcher aber gut gesichert zu begehen war. Bis kurz unter der Hütte wurde es abwechselnd luftig und steil. Einige besonders schnelle (junge) BergläuferInnen überholten uns erst ziemlich zügig, um dann kurz vor dem Ziel erschöpft zu pausieren😉. Die Hörnlihütte erreichten wir doch tatsächlich im Rahmen der Vorgabe, nach etwas mehr als 2 Stunden (nicht schlecht für uns Senioren…). Auf der gut besetzten Terrasse fanden wir aussichtsreiche Plätze mit direktem Blick zur Einstiegstelle zum Hörnligrat. Leider konnten wir keine Hörnli mit Ghacktem bestellen – was für ein Fauxpas auf dieser Hütte. Aber Rösti mit Spiegelei und Spaghetti Bolo schmeckten auch gut. Um diese Zeit wurden laufend eintreffende, erfolgreiche MatterhornbesteigerInnen empfangen; Samuel Anthamatten & Co. benötigte mit DarstellerInnen der zurzeit auf Riffelberg laufenden Freilichtspiele «Matterhorn: No Ladies please» als Gäste gerademal sechseinhalb Stunden für den Auf- und Abstieg – und das in Originalkostümen von damals – Respekt! Richtzeiten von 8 bis 11 Stunden werden als normal gesehen(!). Heute, so hörten wir, seien 45 Personen unterwegs am Berg. Für uns war nun der Abstieg angesagt, den wir mit Respekt angingen. Im Abstieg war auch heute (wie immer) besonders auf Trittsicherheit zu achten, ja nicht auszurutschen. Etwas schneller als im Aufstieg erreichten wir nach anderthalb Stunden den Ausgangspunkt Schwarzsee. Mittlerweile diente der See als Badeanstalt – verständlich bei dieser Hitze. Auf uns warteten auf der Terrasse des Hotel-Restaurants Schwarzsee flüssige Erfrischungen.

Fazit:
Tolle hochalpine Bergwanderung, an Tagen wie heute halt viel begangen, aber trotzdem wunderschön. Und: die neu erweiterte Hörnlihütte hat uns sehr gefallen…

Wetterverhältnisse:
Sehr sonnig, unten heiss, oben erträglich (ca. 18°), schönstes Hochsommerwetter, windstill.

Hilfsmittel:
Stöcke, Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 23. Juli 2019

Schwierigkeit: -T4 (teilweise weiss-rot-weiss)
Strecke: 9.9 km, Schwarzsee – Bergstation Hirli – P.2869 – P.2931 (Abzweiger nach Stafelalp via Seickren) – Hörnlihütte
Aufstieg: ca. 725 m
Abstieg: ca. -725 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std. 10 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std. 20 Min.Tageszeit: 09:15 bis 14:30 Uhr

Torre de los Horcados Rojos (2503 m) – Picos de Europa

Eigentlich wollten wir auf der Hinfahrt nach Spanien zuerst über den Norden (Kantabrien, Asturien) anreisen. Das dort unstabile Wetter hielt uns davon ab – was für ein Glück! Nach den Tagen in Zentralspanien (Sierra de Gredos) wurde es uns langsam etwas zu heiss, so dass wir in Richtung Norden «flüchteten» mit einem zweitägigen Zwischenhalt in Tordesillas (sehr schönes Camping direkt am Duero). Die Wetterprognosen sagten bestes Wetter voraus für den geplanten Besuch der Picos de Europa. Von den im Sommer in dieser alpinen Berggegend oft auftretenden Fallnebel sollten wir verschont bleiben. In Potes, einem Ort mit ca. 1400 Einwohnern in der autonomen Region Kantabrien und Hauptort der Comarca Liébana – ein ziemlich touristisches «Bergdorf» auf einer Höhe von 293 m. ü M. liegt etwas ausserhalb des Dorfes das genial angelegten Camping La Viorna; von hier geht der Panoramablick zu den Gipfeln der Picos. Passender konnte die Einstimmung auf unsere Tour nicht sein.

Für die 24 km Fahrt auf guter, kurvenreicher Strasse zur Talstation Fuente Dé (1078 m) benötigten wir 25 Minuten. Die Bergfahrt hoch zur Bergstation El Cable (1853) dauerte 4 Minuten; die Bahn (eine Konstruktion ohne Stütze) macht einen soliden Eindruck, transportiert von 10 Uhr bis 18 Uhr viertelstündlich 20 Personen (Berg- und Talfahrt € 17 pro Person). Oben angekommen, verabschiedeten wir uns von den vielen Spaziergängern und strebten sogleich in Richtung Nord. Auf einer Schotterstrasse erreichten wir nach 20 Min. den Übergang Hdna de Covarrobres (1926 m) – hier könnte man weiter laufen zum Chalet Real und zum Ref. Ordiozola. Kurz vor dieser Passhöhe hielten wir links, auf einen breiten, holprigen Pfad bis zur Gabelung La Vueltona (1940 m). Auf diesem Abschnitt faszinieren die zur linken Seite gelegenen glasklaren und grün leuchtenden Lagos de Lloroza. Vor uns in Luftline von 2 km der aus dieser Perspektive unnahbare Gipfel Torre de los Horcados Rojos – kolossal! Können wir den schaffen? Denn ab jetzt wurde es winterlich; der weitere, steiler werdende Aufstieg verlief nun weitgehend über Schnee. Bereits vorhandene Trittspuren wiesen den «Weg», abwechselnd über Schottersteine und Schnee. Orientierung bot auch die schon in der Sonne glitzernde Aluminiumhülle der Cabaña Verónica – einer kleinen Biwakhütte. Auch wenn wir auf dem weichen Schnee kaum einsanken, wären Schneeschuhe keine schlechte Option gewesen, weil das Gelände immer steiler wurde. Ausserdem galt es heikle Passagen in der Nähe von Blocks zu meiden, weil dort üblicherweise hohe Einsink- und folglich Verletzungsgefahr besteht. Unterhalb der Bergflanke des Peña Vieja waren einige steile Schneehänge zu queren. Hier müsste laut Führerliteratur an einem Felsen die Inschrift «Horcados Rojos» zu lesen sein – wohl des Schnees wegen nichts zu erkennen. Die Trinkpause bot uns auch Zeit für eine kurze Besinnung: können wir den Gipfel schaffen? Die Verhältnisse (ab hier durchgehend Schnee und steil) waren ziemlich kräfteraubend. Gut 20 Min. später erreichten wir P.2274 (Abzweigung zu Biwakhütte). Jetzt hatten wir nach rechts zu halten (was uns ein spanisches Bergsteigerpaar bestätigte), wo über eine Trittspur auf einer weiter aufsteilenden Schneehalde nach 15 Min. der Übergang Collado de los Horcados Rojos (2344 m) erreicht war. Jetzt stieg unsere Zuversicht schlagartig an, nicht zuletzt des Ausblickes wegen: dieser erwartete Blick zum berühmten Picu Urriellu (2518 m), und zur Atlantikküste (30 km Luftlinie). Und auf der rechtsliegenden Seite der (von hinten) nicht mehr so unbezwingbar erscheinende Gipfel, dessen Westseite glücklicherweise schneefrei war. Voll motiviert nun der «Angriff» zum 160 m aufragenden Torre, sehr steil und wegen des Schutts rutschig. Zickzack hinauf, nun öfter die Hände einsetzend, erreichten wir eine halbe Stunde später den Gipfel, nach insgesamt 2.5 Std. Laufzeit. Kurz vor dem höchsten Punkt dann noch die Schlüsselstelle, eine leicht nach rechts abdrängende, ausgesetzte Stelle, die wir aber etwas links haltend umgehen konnten. Und dann dieses Gipfelglück! Ein Panorama der Sonderklasse – befanden wir uns tatsächlich in Spanien?? Trotz windstiller Verhältnisse machten wir uns nach diesem Gipfelgenuss bald auf den Abstieg. Auf dem Collado de los Horcados Rojos dann die verdiente Verpflegungspause. Hier faszinierte vor allem nochmals der Blick zum Picu Urriellu resp. zum an dessen Fuss stehenden (von hier nicht sichtbaren) Refugio de Urriellu. Von dieser Seite sahen wir zwei Berggänger aufsteigen; auch kein einfaches Unterfangen. Nach der Rast die «Abfahrt» über den steilen Schneehang hinunter zum P.2274. Den Besuch des Biwaks sparten wir uns (hin und zurück 30 Min.), dort gibt es ohnehin keine Wirtschaft. Im weiteren Abstieg folgten die bereits vertrauten Traversen über die (eventuell) rutschgefährdeten steilen Schneehalden, nun etwas einfacher, weil eben absteigend. Immer wieder drehten wir uns um und bestaunten «unseren» Gipfel – nicht ohne Stolz. Endlich war die Gabelung La Vueltona wieder erreicht. Ab hier nun schneefrei weiter, die schönen Seelein oberhalb querend, El Cable anstrebend. Vorbei am Übergang Hdna de Covarrobres war die Bergstation rasch erreicht – gerade rechtzeitig zur unmittelbaren Talfahrt um 17 Uhr.

Fazit:
Fast schon eine Hochtour war das heute, jedenfalls mit sehr alpinem Charakter, im Nationalpark Picos de Europa im Norden Spaniens. Und in Sachen Flüssigkeit eine wichtige Feststellung: mangels Bergbeizen unbedingt ausreichend Nahrung und vor allem Flüssigkeit mitnehmen!

Wetterverhältnisse:
Ein Hochsommertag, kein Wind, bis 33° (!).

Hilfsmittel:
Rother Wanderführer «Picos de Europa», Onlineinfos und Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 31. Mai 2019
Schwierigkeit: T3-4, I-II, L (leichte Hochtour)
Strecke: 11.4 km,
Aufstieg: ca. 740 m
Abstieg: ca. -740 m
Laufzeit ohne Pausen: total ca. 4 Std.
Laufzeit mit Pausen: total ca. 5 Std., 50 Min.
Tageszeit: 11:00 bis 16:50 Uhr

Auf den Morezón (2389 m) – Sierra de Gredos

Nach einer kurzen Fahrt (12 km, 300 m Höhendifferenz) Hoyos del Espino, dem schönen Bergdorf im Herzen der Sierra de Grados, wo wir die Nacht verbrachten, erreichten wir kurz nach 11 Uhr den grossen, fast leeren, Wander-Parkplatz Plataforma de Gredos. Ein nettes Berner Paar begrüsste uns; sie wollten zur Laguna Grande resp. zum Refugio Elola laufen. Der erste Abschnitt zwischen der Plataforma und dem Übergang Puerto de Candeleda verlief erst über einen breiten gepflasterten Weg, ab etwa 2 km dann auf gut erkennbaren Trampelpfaden weiter über schöne Alpen. Zur linken der Gipfel La Mira (2343 m), zur rechten die Matten, auf welchen die Strecke in Richtung Laguna Grande verläuft. Wir strebten im Tal entlang dem Bach Garganta de Prado Puerto dem Puerto de Candeleda zu, welcher nach ca. 1 ¼ Std. erreicht war. Hier öffnete sich der Blick nach Süden ins Valle del Tiétar und weiter bis in die Extremadura hinein. Nach kurzer Rast beim grossen Steinmann weiter in Richtung W, um auf dem Kamm die Ruine des Refugio del Rey (ursprünglich eine Jagdhütte des Alfonso XIII) anzustreben. Fleissige Wegmacher befreiten grade den Gratweg von den stark wuchernden Ginsterbüschen («Muchos gracias» – ja soviel spanisch konnten wir…). Beim Refugio del Rey angelangt, dann wenige Meter vor uns eine grosse Steinbock-Gruppe, die sich überhaupt nicht stören liess – ein toller Anblick und jede Menge Zeit, die fotogenen Tiere abzulichten. War der Aufstieg bis hierhin gemütlich, wurde es nun etwas fordernder – steiles, steiniges Gelände. Kurz vor der Navasomera, einer Mulde unterhalb des Gipfelaufbaus, zeigte sich dann auch der Morezón, unser Gipfelziel. Doch erst galt unsere Aufmerksamkeit einer in den Blocks gut getarnten, aber unbeeindruckt posierenden Gruppe von Steingeissen und Steinböcken. Danach war die Mulde zu queren – weglos und ohne Markierungen. Dennoch war der Einstieg zum Aufstieg gut zu erkennen, Steinmännern sei Dank. Erst wichen wir einigen Schneefelder aus, um etwas nördlich des Gipfels den Grat bei ca. 2300 m. ü. M. zu erreichen – steil, aber ohne Kletterei. Hier kam so etwas wie Hochtouren-Feeling auf. Auf der Strecke bis zum ca. 250 m südlich stehenden Gipfel stellten sich uns mehr oder weniger grosse Blocks in den Weg, so dass ab und zu der Einsatz der Hände nötig war – herrlich! Kurz vor dem Gipfel dann wiederum Tiere – diesmal junge Steingeissen unter Aufsicht ihrer Mütter. Auf dem Gipfel, den wir nach 2 ½ Std. erreichten, waren wie beiden Kreuze weg, die Stangen standen noch. Welch formidabler Panoramablick. 430 m tiefer die Laguna Grande mit dem Refugio Elola, darüber das noch winterliche Massiv des imposanten Almanzor (2592 m). Nebst einem spanischen Paar waren wir die einzigen Gipfelstürmer – also Platz genug für eine richtig ausgiebige, aber ziemlich unruhige(!) Gipfelrast. Eine besonders zutrauliche Steingeiss «belästigte» uns dauernd, wohl hoffend, dass für sie auch was übrig bleibe…

Der Abstieg dann auf Grat-Route zurück, vorbei am Gipfel Altos del Morezón (2366 m) bis zum Punkt, wo wir von der Navasomera aufgestiegen waren. Hier hatten wir die Absicht die Höhe haltend weiter nach N zu laufen, um dann links haltend den Aussichtspunkt Mirador de la Peña del Rayo zu erreichen – dort wo auch der Weg von der Laguna Grande herkommt. Mangels Markierung haben wir den Abbiegepunkt verpasst; erst als wir uns in den Ginsterbüschen verirrt hatten, mussten wir kapitulieren. Mittlerweile hatten wir über eine Stunde umhergeirrt, und es war auch schon um 17 Uhr – biwakieren war nicht die Idee. Ausserdem war dieser Verhauer ziemlich kräftezehrend, und geschundene Unterschenkel waren das Resultat. Also Umkehr bis zum vermuteten Wegpunkt im Sattel, und dann der Abstieg nach SO in Richtung Refugio del Rey. Die Abstiegsstrecke über die Trocha Real (im Jahre 1915 angelegter Pfad als Zugang zum königlichen Jagdgebiet) ist eine Attraktion sondergleichen. Kaum erreichten wir wieder grasiges Gelände, folgte die nächste Attraktion: bei der Verzweigung zum Refugio del Rey lagerten um die vierzig Steinböcke. Völlig unbeeindruckt liessen sie bis auf wenige Meter Nähe zu. So etwas hatten wir nicht erwartet! Die Sonne im Rücken, genossen wir den letzten Streckenabschnitt vorbei am oberhalb der Plataforma stehenden Refugio de Reguero Llano. Um 18:15 zurück beim Wander-Parkplatz, waren wir froh und glücklich über einen so eindrücklichen Wandertag in der Sierra de Gredos. Nach der kurzen Rückfahrt erwartete uns anstelle des nicht gerade einladenden Campingplatzes bei Hoyos del Espino ein Zimmer im Hotel Milano Real, mit allem Drum und Dran.

Fazit:
Unsere erste Bergtour in Spanien, sehr eindrückliche Natur im Herzen der Sierra de Gredos, wo sich die höchsten Erhebungen Zentralspaniens befinden. Und weil die Sierra ein geschützter Naturpark ist, leben hier besonders viele Tiere wie zum Beispiel der eindrückliche iberische Steinbock Capra montés. Auf der gesamten Tour haben wir bestimmt gegen hundert Tiere gesehen!

Wetterverhältnisse:
Ein sonniger Frühsommertag, kaum Wind, bis 24° (auf dem Gipfel an der Sonne gemessen!).

Hilfsmittel:
Rother Wanderführer «Sierra de Gredos», Online-Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 22. Mai 2019
Schwierigkeit: T4
Strecke: 13.3 km, Plataforma de Gredos (1780 m) – Puerto de Candeleda (2009 m) – Refugio del Rey (2190 m) – Morezón (2389 m) – Altos del Morezón (2366 m) – Trocha Real – Plataforma de Gredos
Aufstieg: ca. 710 m
Abstieg: ca. -700 m
Laufzeit ohne Pausen: total ca. 4 Std. 40 Min.
Laufzeit mit Pausen: total ca. 7 Std. (inkl. 2 km/1 Std. Irrlauf im Ginster-Urwald)
Tageszeit: 11:15 bis 18:15 Uhr

Gocht 1951 m – steiler Übergang in den Churfirsten

Nach gemeinsamer Fahrt bis Ziegelbrücke folgte die Zugfahrt nach Walenstadt und die Busfahrt bis Walenstadtberg, Endstation Rehaklinik. Um 07:45 Uhr liefen wir los, gemütlich das Tempo, auf den ersten 3.5 km auf geteerter Unterlage über Hochrugg bis P.1388. Ab hier zum Glück Naturstrasse bis Schwaldis. Jetzt in einer Rechtskurve hoch um das Florzentobel zu umrunden. Bald war das Alpgebäude Säls erreicht, wo im Gelände gebaut wird (Wasserversorgung?). Erst eine Kehre nach rechts und dann nach links war P.1521 erreicht. Hier verliessen wir den weiterführenden Forstpfad, nun w-b-w-markiert, um über eine steile Alpweide hoch zu steigen zum Waldrand und bis P.1642. Durch den Wald weiter steil hoch, links stark abfallendes Gelände, rechts eine Felsnase (P.1852) umrundend. Wenige Meter absteigend war eine erste Runse zu überqueren; über uns die Wand des Nägeler. Im Weiteraufstieg auf eine Höhe um 1800 m.ü.M. schmale Pfade, welche unter den senkrecht aufragenden Wänden durchführten. Mittlerweile hatten wir die Stöcke in den Rucksäcken verstaut, weil jetzt vermehrt die Hände zum Einsatz kamen. Jetzt war definitiv Trittsicherheit gefragt – Stolperer hätten fatale Folgen (1300 m über dem Walensee). Oberhalb des Säls-Chamm änderte die Richtung von SW nach NW, direkt unter den felsigen Ausläufer der Nägelerwand. Noch eine letzte etwas knifflige Querung auf eine Höhe von ca. 1900 m, rechts die ca. 250 m aufragende Wand, links der über 40° geneigte Hang, der erst am Walensee wieder abflacht😊. Zwar ist der Pfad trocken und ausreichend breit, volle Konzentration ist aber dennoch nötig über teilweise hohe felsige Tritte oder feingeröllige Passagen. Nun standen wir also am unteren Eingang zur Gocht. Eigentlich ist es eine grosse geröllige Runse, die ziemlich direkt und sehr steil (>30°) nach oben führt, über eine Strecke von 400 m müssen 140 Höhenmeter aufgestiegen werden. Das Gelände ist durchsetzt mit Kletterfelsen, aber auch mit feinem, sehr rutschigem Geröll, welches sich wie Kugellager unter den Füssen anfühlte. Die «Arbeit» in diesem anspruchsvollen Abschnitt forderte uns, bot aber auch Kraxelfreuden. Also schön langsam, jeden Schritt abwägend, und ausreichend Abstand haltend. Übrigens: Sicherungen wie Fixseile oder Ketten fehlen hier. Nach etwas mehr als einer halben Stunde war der Übergang Gocht endlich erreicht. Grund genug, hier oben ausgiebig zu rasten und die famosen Ausblicke zu geniessen; sogar ein Schläfchen erlaubten wir uns – herrliche anderthalb Stunden an der Sonne. Erstaunlich auch, dass wir bis jetzt keinen anderen BerggängerInnen begegneten – eine offensichtlich nicht häufig begangene Tour also. Erst gegen halb drei Uhr Aufbruch zum Abstieg: über Karst und felsige Brocken unterhalb des steil aufragenden Glattchamm erreichten wir nach weniger als einer halben Stunden P.1830, und damit den Toggenburger Höhenweg (w-r-w). Leicht absteigend und dann (im Schatten) wieder aufsteigend erreichten wir über seilgesicherte Stufen die Tritt-Wand. Zur linken Glattchamm und Leistchamm, dazwischen eine eindrückliche Karstmulde. Wenige Schritte am Tritt, und schon hatte uns die Sonne wieder – herrlich nun der Ausblick zu den nahen Bekannten (Federispitz, Mattstogg, Speer, Flügenspitz, Gulmen, Goggeien, Stockberg, Neuenalpspitz, Lütispitz, Säntis, Schafberg, Altmann, usw.). Und Arvenbüel, unser Ziel, im warmen Licht des späten Nachmittags. Jetzt ging es rasch: am First angelangt, ein rascher Blick ostwärts in die abrupt abfallende, mächtige Schrattenkalkmulde. Nur noch wenige Minuten bis zur 100 Hm tiefer liegenden Alp Looch und dem gleichnamigen Bergrestaurant. Getrübte Vorfreude: Toni und Anni, die sympathischen Wirtsleute, hatten heute ausnahmsweise früher Feierabend gemacht – wir haben sie verfehlt um knappe zehn Minuten… Für den weiteren Abstieg nach Arvenbüel hinunter folgten wir dem Vorschlag Roli’s: bei Egg (P.1470) verliessen wir den harten Strassenbelag und hielten rechts über die schönen Wiesen bei Rör, über die Beerenbach-Brücke, dann wenige Hm aufsteigend bis Arvenbüel. Das Tagesziel war rasch erreicht, nicht zuletzt wegen des Hungers von Mägi(😊). Im Restaurant Arvenbüel genossen wir zum Abschluss in der abendlichen Sonne die verdienten Leckereien. Schliesslich waren wir während neun Stunden auf den Beinen. Den herrlichen Wandertag beschlossen wir mit der Busfahrt über Amden – Weesen nach Ziegelbrücke.

Fazit:
Die Gocht zusammen mit Mägi und Roli – das war ein toller Wander-Genuss!

Wetterverhältnisse:
Herrliches Herbstwetter, trockene Witterung bei ca. 14 bis 24°

Hilfsmittel:
Bergschuhe, Stöcke, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 17. Oktober 2018
Schwierigkeit: T4
Strecke: 15.2 km, Walenstadtberg (Reha-Klinik, ca. 970 m) – Bärgerwald P. 987 – Schönegg – Hochrugg 1288 m – Schwaldis 1434 m – Säls 1446 m – P.1521 (Verzweigung) – P.1642 – Gocht 1951 m – Verzweigung Toggenburger Höhenweg (bei P.1830) – Tritt Wand 1821 m – First 1663 – Alp Looch 1556 m – Egg P.1470 (Verzweigung) – P.1415 – Rör – Brücke über den Beerenbach (P.1254) – Arvenbüel (1273 m)
Aufstieg: ca. 1264 m
Abstieg: ca. -966 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 9 Std.
Benötigte Zeit ohne Pausen 6 Std.
Tageszeit: 07:45 bis 17 Uhr

Fronalpstock GL 2123 m – das Schönwetterfenster optimal genutzt…

Die Fahrt über die A53/A3 bis Mollis, dann die enge Bergstrasse hoch bis zum Berggasthaus Naturfreundehaus Fronalp dauerte eine knappe Stunde. Hier stehen einige Gratis-Parkplätze zur Verfügung. Klar, dass wir einen Startkafi genossen! Draussen wurden die Tische gedeckt – in Erwartung vieler Gäste. Wir starteten um halb zehn bei noch etwas verhangener Wetterlage. Allerdings zeigten sich südlich, im Bereich des Tödi, erste blaue Flecken; die Wetterfrösche sollten recht behalten! Auf der Naturstrasse über Fellboden war die Alp Mittelstafel (1583 m) in einer halben Stunde erreicht. Hier teilten sich die Routen: rechts in Richtung Schilt, geradeaus zum Fronalppass. Die jetzt folgende Strecke bis zur Ober Stafel (1815 m) war nicht nur steil, sondern geröllig, in einem schlechten Zustand also. Um halb elf war die Alp erreicht, und wenige Minuten später auch der Fronalppass (1852 m). Jetzt hatten wir links zu halten, der schöne Fronalpstock vor uns. Ab hier weiss-blau-weiss markiert, war die Zelsegg zu queren; ein zunehmend anspruchsvoller Weg mit spektakulären Ausblicken (zum nahen Mürtschenstock zum Beispiel). Die schmale, teils gesicherte Querung bis zum Einstieg zum Kamin verlangte also erhöhte Aufmerksamkeit. Der folgende Aufstieg durch den Kamin – eine steile etwa 40 m hohe fast senkrecht Rinne – ist wenig ausgesetzt und teilweise beidseitig mit Ketten gesichert. Die Tritte sind meist ausreichend breit, allerdings massiv speckig. Wer ohne Ketten klettert, trifft auf eine spannende Kraxelei im II. Grad. Nach dem Ausstieg geht es über einen teilweise felsigen und steilen Bergweg hoch zum Gipfel, der in etwa zehn Minuten erreicht wird. Oben angekommen, öffnet sich ein Rundum-Panorama vom feinsten. Heute zeigte sich auch das Wetter von der freundlichsten Seite. Und der Ansturm hielt sich in Grenzen; gerade mal zwei Gipfelstürmer vor uns. Nach den Gipfelfotos genossen wir bei Windstille die Gipfelrast ausgiebig. Auf dem nahen Schilt und dem Nachbar Tristli waren die Berggänger von blossem Auge auszumachen. Und der schöne Spaneggsee unter uns und gegenüber der Mürtschenstock beeindruckten sehr. Zeit für den Abstieg! Bis zum Kamin auf dem bekannten Bergweg, teilweise felsig – zum Glück trocken. Das galt auch für den Kamin, der im Abstieg kaum Schwierigkeiten bot – wenn etwas Abstand eingehalten wird. Die Querung über die Zelsegg dann besonders schön, weil die Umgebung in schönsten Herbstfarben leuchtete. Bald war auch der Fronalppass und die darunter liegende Alp Ober Stafel wieder erreicht. Bis hierhin ging alles etwas rascher – obschon wir keine Eile hatten. Jetzt folgte die ziemlich rutschige (weil geröllige) Wegstrecke zur Alp Mittelstafel; diese Wegstrecke wird gerade instandgesetzt (nötig hat sie es…). Ab Alp Mittelstafel noch eine halbe Stunde, und schon war der Ausgangs- und Endpunkt erreicht. Auf der sonnigen Terrasse des symphatischen Berggasthaus Naturfreundehaus Fronalp genossen wir zum Abschluss den Durstlöscher namens Adlerpfiff – herrlich!

Fazit:
Der Fronalpstock war uns wohl bekannt von unseren Besteigungen 2009 und 2011. Heute war es wieder einmal so weit, diese nicht allzu lange, aber spassige Tour zu wiederholen. Gelohnt hat es sich!

Wetterverhältnisse:
Freundliche, trockene Witterung bei ca. 12 bis 20°, im Verlauf der Tour zunehmend sonnig und blau blau blau – wie es sich gehört…

Hilfsmittel:
Bergschuhe, Stöcke, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 6. Oktober 2018
Schwierigkeit: T4, II-er Kletterstellen (Kamin)
Strecke: 8.6 km, Berggasthaus Naturfreundehaus Fronalp (1389 m) – Alp Mittelstafel (1584 m) – Alp Ober Stafel (1816 m) – Fronalppass (1852 m) – Zelsegg – Fronalpstock (2124.4 m) Abstieg auf gleicher Strecke
Aufstieg: ca. 740 m
Abstieg: ca. -740 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 4 Std. 15 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen 2 Std. 45 Min.
Tageszeit: 09:30 bis 13:45 Uhr

Sarner Scharte (2468 m) und Villandersberg (2509 m)

Auf der Reise in die Toscana schalteten wir wie oft einige Wandertage im Südtirol ein – diesmal im uns völlig unbekannten, aber bemerkenswert schönen Sarntal. Die Besteigung des oberhalb Sarnthein, des Hauptorts des Sarntals, etwas abweisend stehenden Hausbergs der Sarner, die Scharner Scharte war unser heutiges Ziel; klar, dass wir nach dessen Überschreitung auch noch den wenige Meter höheren Nachbargipfel Villandersberg «mitnehmen» wollten. Knackpunkt der Tour war dann allerdings der Steig ab P.2401; über eine Strecke von ca. 800 m waren knapp 200 Hm abzusteigen – zwar mit Fixseilen «gesichert», aber dennoch knackig eben…

Doch der Reihe nach: ab unserem temporären Domizil in Unter-Reinswald dauerte die 16 km lange Fahrt über Santhein und dann über eine schmale Bergstrasse hoch zum beim Riedlerhof angelegten Wanderparkplatz etwa eine halbe Stunde. Ein gebührenfreier P – wo gibt’s denn sowas (noch). Bei bestem Wanderwetter zogen wir los in Richtung des aus dieser Sicht abweisenden massigen Felsbrockens namens Sarner Scharte – dessen Gipfelkreuz in 2 km Luftlinie entfernt gut zu sehen war. Rechts (also südlich davon) das etwa 80 m tiefer liegende Schartl, wo auch das Sarner Scharten-Biwak steht – dort hinauf soll’s gehen! Wir wählten die markierte Strecke Nr. 3, über welche nach wenigen Minuten der schön gelegene, ab Mittag geöffnete Almschank Tengler erreicht wird. An diesem vorbei begann es nun im Kalkwald anzusteigen. Nahe Riedler Pill (Riedlerbild) noch im Wald, hielten wir nach rechts weiterhin auf WW Nr. 3, nun bei freier Sicht durch die Latschen (so nennt man hier die Legföhren). Unter der Südostwand der Sarner Scharte machten sich ein paar Kletterer bereit; diesen Punkt (Brunnleit Brünnl) erreicht man auch über WW Nr. 3A ab Almschank Waldrast. Jetzt für die verbleibenden 240 Aufstiegsmeter in Serpentinen hoch bis zum sichtbaren Biwak durch blockiges Gelände und steiler werdend, nicht ausgesetzt (T2), aber schweisstreibend. Hier oben erwarteten wir einen ersten Blick zu den Dolomiten; diese versteckten sich aber diskret in den Wolken. Bis zum 80 m höher stehenden Gipfel Sarner Scharte (2468 m) dann noch zehn Minuten. Hier oben ein (trotz Wolken) sehr schönes Rundum-Panorama. Nördlich steil abfallende Felsen, auf dem weitläufigen Gipfelgelände alpig, südlich die Plattenalm mit einigen Seelein (Königslacken), und 1.2 km nordöstlich der Nachbar Villandersberg (2509 m). In 5 km Entfernung das Rittner Horn (2261 m), zu erkennen an der Antennenanlage. Ab und zu lichteten sich die Wolken, und damit der Blick zu den Dolomiten (z. B. Rosengartenspitze, 22 km entfernt). Nach der Gipfelrast der kurze Abstieg zum P.2401 (Einstiegstelle Steig), und dann der Aufstieg (20 Min.) zum hundert Meter höheren Villandersberg. Hier oben weitete sich der Blick, unter uns Reinswald mit seinem Ski- und Wandergebiet, und das Durnholzer Tal. In 9 km Entfernung ein mögliches Gipfelziel für morgen, die Hohe Scheibe (2563 m), im Gebiet des Penser Jochs (dem Übergang vom Sarntal nach Sterzing und zur Brennerautobahn). Nach dem Gipfelfoto der kurze Abstieg zurück zur Einstiegstelle des Steigs. «Gesicherter Steig» steht hier geschrieben, und sicherheitshalber ein Eisentor mit dem Hinweis «Bitte schliessen», was uns nicht abschreckte. Der Beginn war harmlos, zwar steil, aber mit einem fixen Drahtseil gut gesichert. Im weiteren Verlauf dann sehr steil werdend, mit vielen Kletterstellen und einigen unbefestigten Übergängen, die wohl besser im Auf- als im Abstieg gemeistert würden. Aber jetzt, wo wir schon mal da waren, ging’s halt nur noch runter – und wie! Die Absturzgefahr hielt sich zwar in Grenzen, mehr Respekt hatten wir vor Steinschlag. Und Runterschauen muss man schon können… Jedenfalls waren wir glücklich, den doch recht langen Steig (T4, II-er Kletterstellen) gut gemeistert zu haben. Unten dann noch eine lange Querung durch eine steinschlägige Halde – Ruedi zuerst, dann in ausreichendem Abstand Doris. Nach dem Blick zurück nach oben fragten wir uns, wo wir wohl abgestiegen waren. Vor uns jetzt der weitere Abstieg durch Latschenwald, mehr oder weniger steil hinunter bis P.1989 (Hinteren Herrn). Ab hier immer gut markiert weiter über Alpgelände – in Erwartung der wohl bald auftauchenden Almschank Waldrast. Eine erste direkte Abbiegung (WW Nr. 18A) verpassten wir wohl😒, in einem weiten Bogen über WW Nr. 3A erreichten wir diese schön gelegene Jausenstation dennoch. Welche Erlösung dann beim verdienten Radler! Viele wattenden Gäste hier (Samstag ist’s). Nach diesem erholsamen Stopp der weitere Abstieg über WW Nr. 18A, vorbei an einem schönen Seelein, und nach einer halben Stunde war der Hallerhof erreicht, und wenige Minuten später auch der Ausgangspunkt unserer Bergwanderung.

Fazit:
Eine lange und teilweise überraschende Tour in oft heiklem Gelände (Steinschlaggefahr), eine tolle Überschreitung des Hausbergs der Sarner, die uns ausgezeichnet gefallen hat. Allerdings: ein nächstes Mal würden wir die Tour in umgekehrtem Ablauf machen, weil der Steig im Aufstieg bestimmt einfacher zu bewältigen ist.

Wetterverhältnisse:
Sonnig, freundliche Witterung bei ca. 24°, in der Gipfelregion aufziehende Bewölkung, aber trocken.

Hilfsmittel:
Feste Bergschuhe, Stöcke, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 15. September 2018
Schwierigkeit: T2 (Steig T5, II-er Kletterstellen)
Strecke: 14.9 km, Wanderweg Nr. 3 ab Wanderparkplatz Riedlerhof (1503 m) – Almschank Tengler (1617 m) – Riedler Pill – Schartl (2381 m), Sarner Scharten-Biwak – Sarner Scharte (2468 m) – P.2401 – Villandersberg (2509) – P.2401 (Einstiegstelle Steig) – Gesicherter Steig (Kletterstellen II Weg Nr. 18A) – P.1989 (Hinteren Herrn) – Almschank Waldrast (1762 m) – Weg Nr. 3A via Hallerhof – Riedlerhof
Aufstieg: ca. 1082 m
Abstieg: ca. -1067 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 7 Std. 30 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen 4 Std. 40 Min.
Tageszeit: 09:20 bis 17:00 Uhr