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Zwei Tage auf den Spuren der Walser (Val Formazza)

Die Geschichte der Walser fasziniert; auf deren Spuren zu wandern, führte uns vom Tessin über den Griespass in die italienische Region Piemont ins Val Formazza (deutsch: Pomatt). Richi’s Idee und ein von ihm aufbewahrter Zeitungsbeitrag aus dem Jahre 2012 waren die Grundlage für unsere zweitägige Wandertour. Zwar haben wir keine Walser angetroffen, welche noch «Pomatter Titsch» sprechen. Immerhin sind in diesem Tal aber die meisten Örtlichkeiten und Lokale zweisprachig angeschrieben. Grund genug, es im folgenden Bericht auch so zu halten.

1. Tag: Alpe Cruina – Cornotal – Griespass – Val Formazza/Pomatt – Ponte/Zum Schtäg)
Anreise bis Airolo am Vorabend; Übernachtung im Hotel Forni (gegenüber Airolo Stazione). Die Haltestelle Cruina (2035 m) an der Nufenenpassstrasse im Val Bedretto erreichten wir mit dem Postauto ab Airolo Stazione nach 30 Min. Fahrzeit kurz vor neun Uhr. Von dort stiegen wir in 55 Minuten zur auf 2333 m.ü.M stehenden Corno Gries-Hütte SAC (auch «Alpenraumschiff» genannt). Erst dort genossen wir den Startkafi – bei formidablem Herbstwanderwetter übrigens. Das Val Corno, das sich von der Hütte bis zum Cornopass hinzieht, ist landschaftlich und geologisch hochinteressant. Kurz vor dem Griespass der fast schon malerische Griessee (ein Stausee, 2386 m) am Rande der Gletscherwelt. Zwischen Nufenenpass und Val Formazza/Pomatt erinnert wenig an das Tessin, wie man es sich landläufig vorstellt. Trotzdem, oder gerade deshalb, ist diese Gegend ein spektakulärer Teil des Südkantons. So wanderten wir also gestärkt weiter, um über die nächsten 2.2 km ca. 180 Hm aufzusteigen. Ein paar Meter über dem grünblau leuchtenden Lago del Corno hielten wir uns an der Verzweigung links (rechts ginge es in Richtung Mändeli nahe der Staumauer und über den seit 2017 wegen Steinschlag gesperrten Wanderweg zum Nufenenpass). Hier befanden wir uns auf dem auf der Kantonsgrenze TI/VS liegenden Cornopass (2485 m); vor uns der Stausee, dahinter der Griesgletscher mit den Gipfeln Rothorn, Blinnenhorn, Klein Blinnenhorn, und links das mächtige Bättelmatthorn (3044 m). Hier fällt sofort auf, dass der nördliche Strom des Griesgletschers nicht (mehr) mit dem Hauptstrom zusammenfliesst. Eindrücklich auch das Panorama bis hin zu den Berner Hochalpen (Lauteraarhorn bis Sidelhorn). Nach wenigen hundert Metern und leichtem Abstieg erreichten wir den Griespass (2458 m), ein Saumpass, welcher auf der Landesgrenze CH/I liegt. Hier öffnet sich der Blick nach Süden, beispielsweise zum Rif. Città di Busto CAI (2482 m) und zum direkt dahinterstehenden Corno di Ban (3028 m). Unter uns die Schwemmebene Valle del Gries mit dem Rio del Gries und der Alp Bättelmatt. Wenige Schritte und etwas tiefer liegend machten wir den kurzen Abstecher zur westlich gelegenen Kapelle, welche drei verunglückten Pfadfindern gewidmet ist und auch als Biwak für vier Personen dient. Die (offene) Hütte kam uns gerade recht, um vor dem starken Südwind geschützt zu rasten (gegen Entrichtung eines angemessenen Obulus). Jetzt der steile Abstieg zur Bättelmatt hinunter, wo über eine Strecke von 2 km 360 Abstiegsmeter zu bewältigen waren – ziemlich steil also, aber gut zu begehen. Wir näherten uns dem Stausee Lago di Morasco, bis zu dessen Mauer aber nochmals 200 Hm Abstieg zurückzulegen waren. Der Zugang zur am nördlichen Zufluss über den See gespannten Hängebrücke ist nicht öffentlich (Eigentum der ENEL). Entlang des Sees erreichten wir rasch die Mauer, von wo zum Weiler Morasco abgestiegen wird. Jetzt noch einen knappen Kilometer bis Riale/Z’Chärbach, einem (musealen) Dörfchen mit hübschen Walser Häusern. Hier steht unübersehbar ein Restaurant mit grossem Garten und dem Namen «Walser Schtuba» – gerade richtig, um unseren Durst zu löschen (kritische Bemerkung: in Sachen Gastfreundschaft hat die Beiz viiiiel Potenzial nach oben☹ – je eine halbe Stunde Wartezeit für Bestell- und Zahlvorgang!). Wir zogen weiter, nach Überquerung der Fahrstrasse links über die Brücke beim Aalts Dorf vorbei. Auf diesem flachen Abschnitt spazierten wir (immer noch locker…) weiter, um über einen kurzen Abstieg La Frua/Uf ä Frütt zu erreichen. Hier folgte der nächste (touristische) Höhepunkt: die Cascate del Toce/Tosafälle; 143 m stürzt das Wasser des Toce ab über eine enge Talstufe hinunter – wirklich sehenswert! Heute Samstagabend werden die Wasserfälle sogar illuminiert und musikalisch beschallt – ohne uns. Vor uns liegen noch mehr als 5 km, zuerst aber der steile und steinschlaggefährdete Abstieg seitlich der Wasserfälle. Vorbei an Sotto Frua/Under Frütt, vorbildlich markiert, weiter bis zur Siedlung Canza/Fruduwald (1412 m), welches wir westlich des Bachs passierten. Vorbei an Grovella/Gurfälu verpassten wir kurz vor Brendo/In dä Brendu eine Abzweigung; direkt vor dem grossen Gebäude des EW korrigierten wir, um die letzten vierhundert Meter bis zum Tagesziel nicht ganz ungefährlich auf der Strasse abzulaufen. In Ponte/Zum Schtäg standen wir fast schon unvermittelt vor dem gegenüber der Kirche liegenden Albergo Ristorante Edelweiss. Kurz nach 18 Uhr eintreffend, wurden wir sehr gastfreundlich empfangen. Die Zimmer verfügen über allen nötigen Komfort, vor allem über die sehnlichst erwarteten Duschen. Sich hinzulegen musste warten, denn schliesslich erwartete man uns um ca. 19 Uhr zum Apéritif und Abendessen. Was uns hier geboten wurde, war beste regionale Küche (z. B. Affettati misti, leckere Gnocchi und Taglierini, Brasato con Polenta, Crostata, und natürlich passende Weine). So wunderte es nicht weiter, dass wir erst gegen elf Uhr in die Heia gefallen sind.

Parameter 1.Tag:
Tour-Datum: 21. September 2019
Schwierigkeit: T2
Strecke: ca. 21 km, ab Haltestelle Cruina (2035 m) – Corno Gries-Hütte SAC – Cornopass – Griespass (2458 m) – Bättelmatt – Lago di Morasco – Riale/Z’Chärbach – Cascata del Toce/Tosafälle – Sotto Frua/Under Frütt – Ponte/Zum Schtäg (1280 m)
Aufstieg: ca. 680 m
Abstieg: ca. 1420 m
Laufzeit ohne Pausen: total ca. 6 Std. 10 Min.
Laufzeit mit Pausen: total ca. 9 Std. 10 Min.

2. Tag (Ponte/Zum Schtäg – Guriner Furggu – Bosco Gurin)
Das mit der «ruhigen und erholsamen Nacht» traf voll zu. Frühmorgens der Blick zum Fenster hinaus: trist das Wetter, unsere Stimmung dennoch im Hoch! Das Frühstück leider nicht vor acht Uhr möglich, was uns verwunderte. Eigentlich wollten wir früher starten, weil am zweiten Tag 1200 Aufstieg und 1000 m Abstieg gefordert waren und wir gerne um 14:35 Uhr das Postauto in Bosco Gurin erreichen wollten. Und: heute wie angekündigt (aber nicht erhofft) ein feuchter Tag – zum Glück ohne grosse Niederschläge. Um 08:15 Uhr konnten wir starten. Die ersten 4 km flaches (fröhliches) Einlaufen bis Fondovalle/Stafelwald. Dann begann der wirklich fordernde Abschnitt: über etwas mehr als 4 km 1200 Aufstiegsmeter – für Marathonmann Richi kein Problem, für mich doch happig (nach dem gestrigen Tag…). Bis zur Alpe Stavello (1594 m) ein gut markierter und schön angelegter Aufstieg, auf Serpentinen gewannen wir rasch an Höhe. Das Gelände wurde steiler und unruhiger (felsige Abschnitte), entlang dem Torrente Ribo wirklich in direkter Linie, ab und zu den Bach querend (trockenen Fusses möglich). Dann auf ca. 2000 m.ü.M. eine markant markierte Verzweigung, geradeaus zur Hendar Furggu, rechts eine Felswand unterquerend eine leichte Kletterstelle (T3), danach hoch bis zu einer Rinne, diese hoch bis P.2353 m, dem heute höchsten (namenlosen) Punkt mit Kreuz. Wegen des Nebels ohne Sicht auf die vermuteten benachbarten Gipfel (links Martschenspitz, rechts Ritzberg). Im Schutz der Felsen fanden wir einen Platz für unsere Mittagsrast und etwas Erholung – schliesslich waren wir ziemlich sportlich unterwegs, jedenfalls weit unter den Zeitvorgaben (4 Std. ab Fondovalle/Stafelwald). Auf dem Weiterweg, 25 Min. bis zur 30 Hm tieferliegenden Guriner Furggu,  waren noch einige rutschige Steilhänge zu queren (>T3). Kurz vor dem Übergang das auf italienischer Seite gelegene, im Nebel ansatzweise zu sehende, namenlose Seelein. Genau auf dem Übergang hat uns die Schweiz wieder. Nichts wie weiter, fast schon im Direktabstieg. Oberhalb der Grossalp suchten wir vergebens nach der Bergstation des Sessellifts, der uns nach Bosco Gurin hinunterbringen sollte. Nur von weitem war zu erkennen, dass die Anlage (entgegen der im Internet publizierten Betriebszeiten) nicht lief. Wenig tröstlich: bald einmal war die Cap. Grossalp UTOE erreicht. Laute Musik, leise Gastfreundschaft, keine Gäste; der Hüttenwart ziemlich forsch abweisend, so dass wir unser Vorhaben, seine Kunden zu werden, abbrachen. Weiter absteigend über Naatscha erreichten wir vom Nieselregen mittlerweile etwas durchnässt endlich das im Nebel liegende schöne Walserdorf Bosco-Gurin kurz vor 15 Uhr. Zu spät für die geplante Postautoabfahrt. Macht nichts – dachten wir – schliesslich wird es ein Gastronomie-Angebot geben. Nur: die öffnen ihre Küchen allesamt wie abgesprochen erst um 19 Uhr(!) – Gastfreundschaft sieht anders aus. In einem Hotel-Restaurant wollte man uns nicht einmal kalte Plättli servieren. Kaffee, Tee, Kuchen mussten ausreichen. Bis zur nächsten Postautoabfahrt um 16:40 dauert es etwas. Also diente uns die Absteige wenigstens als ziemlich luxuriöse Umkleide – nasse Kleidung gegen trockene. Negativ beeindruckt verliessen wir diesen schönen Ort, um nach 4 Stunden Reise Airolo wieder zu erreichen. Im Hotel/Restaurant Forni genossen wir um 20:45 Uhr warme Küche vom Feinsten, bevor wir von unserem Schofför Richi nach Hause gegondelt wurden.

Fazit:
Eine fordernde und genussvolle Zweitagestour, Bilderbuchwetter am ersten Tag, suboptimales Wetter am 2. Tag. Zusammen mit Susanne und Richi erlebten wir ein wunderbares (gell Doris…) und unvergessliches Wanderwochenende – ein herzliches Dankeschön für eure freundschaftliche Begleitung.

Wetterverhältnisse:
Am ersten Tag wolkenlos und sonnig bei ca. 10 bis 18°, an exponierten Lagen kräftiger Wind aus SW, am zweiten Tag grau, feucht und nieslig, 8 bis 13°, wenig Wind.

Hilfsmittel:
Feste Wanderschuhe, Stöcke; Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter 2. Tag:
Tour-Datum: 22. September 2019
Schwierigkeit: T2 (Stellen T3 ab ca. 2300 m.ü.M. bis Guriner Furggu)
Strecke: ca. 13.3 km, ab Ponte/Zum Schtäg (1280) – San Michele/Tuffaled – Fondovalle/Stafelwald (1219 m) – Alpe Stavello (1594 m) – P.2353 m – Guriner Furggu (2323 m) – Grossalp – Bosco Gurin (1503 m)
Aufstieg: insgesamt ca. 1200 m
Abstieg: insgesamt ca. 1000 m
Laufzeit ohne Pausen: total ca. 4 Std. 30 Min.
Laufzeit mit Pausen: total ca. 6 Std. 15 Min.

Capella di Vitaleta (Pienza – San Quirico – Pienza)

Nach der einstündigen Fahrt nach Pienza Capuccini al Bar. Diesmal parkierten wir bei der schön gelegenen Pieve di Corsignano. Auf der holprigen und staubigtrockenen Naturstrasse lief es sich angenehm. Wanderwegweiser wiesen uns auf die Nr. 6c – die Route kannten wir schon. Unseren Freunden Susanne und Richi wollten wir diese landschaftlich tolle Wanderung nicht vorenthalten. Leicht absteigend war der tiefstgelegene Punkt bei ca. 290 m.ü.M. bald erreicht. Im offenen und waldfreien Gelände boten sich uns toscana-typische Landschaftsbilder: Zypressen, abgeerntete und umgepflügte Äcker, Olivenhaine, Hügel, Licht- und Farbenspiele vom Feinsten. Nach dem tiefsten Punkt ein erster Anstieg unterhalb eines Olivenhains. Der Pfad umrundete einen Hof südlich, bis wir oben auf eine unbefestigte Zufahrtsstrasse gelangten. Auf einer Höhe von ca. 360 m.ü.M. erreichten wir eine Verzweigung. Wer will, kann hier rechts halten um direkt zu einem der Hotspots in der Toscana zu gelangen: die Capella di Vitaleta. Deren Besuch sparten wir uns auf für den Rückweg. Wir hielten links in Richtung Süden, das Ziel unserer Runde, das Städtchen San Quirico d’Orcia, im Blickfeld. Vorbei am schmucken Agriturismo Il Rigo leicht absteigend überquerten wir ein namenloses Rinnsal. Unmittelbar danach verliessen wir die Naturstrasse nach rechts um über einen steilen Feldweg direkt aufzusteigen und so richtig ins Kochen zu geraten (ausser Richi natürlich 😉). Unterhalb des Ortsrandes von San Quirico d’Orcia überquerten wir die Via Cassia um gegenüber im Gebüsch auf verschlungenem Pfad das Centro storico zu erreichen. Über die Via Dante Alighieri waren es dann noch wenige Schritte bis zum Ziel, dem wunderschönen Garten der Trattoria al vecchio Forno. Wie immer konnten wir nicht widerstehen: die hausgemachten Leckereien verlockten uns zu drei üppigen Gängen – was halt seine Zeit dauerte😏. Gut gestärkt (und gesättigt) verliessen wir diesen schönen Ort wieder, wohl wissend, dass der Rückweg von fast zehn Kilometer etwas strapaziös würde. Erst liefen wir auf der vom Hinweg bekannten Strecke hinunter, um kurz vor dem Bächlein links abzubiegen (Wegweiser «Capella di Vitaleta»). Nun eine kurze, aber heftige Steigung hoch bis zur nahen Strada Provinciale, welche San Quirico mit Pienza verbindet. Kurz davor eine Wende nach Osten und vorbei an einem weiteren Agriturismo. Ab hier der Abstieg durch ein holpriges, ausgetrocknetes Bachbett, und anschliessend durch ein schattenspendendes Wäldchen. Nun folgte der steile Wiederaufstieg zum eingangs erwähnten Hotspot: die Capella di Vitaleta (365 m). Zum Glück für uns wird dieser Fotoklassiker meist von der ca. 700 m entfernten SP abgelichtet. Mit Fotografieren war heute keine Eile angesagt, weil es doch schon später Nachmittag war. Jedenfalls trafen wir nicht wie befürchtet auf einen Ansturm von Besuchern, welche ihre Autos an der zu Beginn dieses Berichts erwähnten Verzweigung bei der Absperrung abstellten. Die letzten 700 m bis zum begehrten Motiv nahmen also nur wenige unter die Füsse. Nach dem Parkplatz kehrte wieder Ruhe ein, und wir strebten auf der gleichen Strecke wie auf dem Hinweg Pienza an. Wie immer um diese Tageszeit wunderschön die Landschaft im warmen Licht des Nachmittags. Bei der Pieve di Corsignano erreichten wir unseren Startplatz wieder. Nun folgte noch der genussvolle Blick von der Stadtmauer (Via dell’amore!) in die von feinstem Dunst gezeichnete Hügellandschaft bis hin zum Monte Amiata und nach Montalcino hinüber.

Fazit:
Eine landschaftlich sehr reizvolle Genusswanderung mit wenigen Auf- und Abstiegsmeter, aber doch über eine respektable Distanz…

Wetterverhältnisse:
Sehr sonnig, blau-blau-blau, ca. 18 bis 26°, mässiger Tramontana (Bise) um 20 km/h

Hilfsmittel:
Leichtwanderschuhe, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 4. September 2018
Schwierigkeit: T1
Strecke: 19.3 km, Wanderweg Nr. 6c (siehe Abbildung)
Aufstieg: ca. 580 m
Abstieg: ca. -580 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 7 Std. 50 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 4 Std. 40 Min.
Tageszeit: 10:20 bis 18:15 Uhr

Monte Vettore 2476 m – grenzwertige Bergwanderung

Der Monte Vettore ist mit 2476 m der höchste Berg im italienischen Nationalpark Monti Sibillini. Er erhebt sich an der Grenze der Marken und Umbrien im Apennin. Grenzwertig nicht allein die Wanderung; im doppeldeutigen Sinne „grenzwertig“ war die Anfahrt von unserem Domizil bei Accumoli im oberen Tal des Tronto, an der Via Salaria am Fuss der Monti della Laga. Diese Gegend wurde fast auf den Tag genau vor drei Jahren von einem nächtlichen(!) Erdbeben heimgesucht – ganze Bergdörfer wurden zerstört. Die Fahrt zum Ausgangspunkt unserer Tour (Forca di Presta 1534 m) führte uns zwangsläufig vor Augen, welche Tortur die Bevölkerung bis heute erlebte. Zone rosse überall und noch immer traumatisierte Menschen, die ratlos vor den Trümmern ihrer Häuser standen – schwer verdaulich, solch traurige Bilder.

Nach 25 Minuten Fahrt erreichten wir kurz vor neun Uhr den Übergang Forca di Presta, über den die Pian grande und das einst florierende Castelluccio erreicht wird. Auf dem grossen Wanderparkplatz war schon Betrieb; wir waren nicht die einzigen mit dem Ziel, die fast tausend Hm bis zum Monte Vettore zurück zu legen. Auf gut markiertem Pfad begann der Aufstieg nördlich der Forca. Das phantastische Panorama in die fast schon herbstliche Umgebung bot willkommene Ablenkung. Die Pian grande (ca. 1300 m.ü.M. und ca. 7 km Länge) lag noch unter einer Nebeldecke. Erst kurz unter dem Rifugio Zilioli wurde der Aufstieg etwas steiler und führte über einige gut angelegte, mit Holz befestigten Tritte zum nicht (mehr) bewohnbaren Rifugio. Hinter der Hütte dann der Blick zu den benachbarten Gipfeln (Cima del Redentore 2448 m, Pizzo del Diavolo 2410 m) und weiter zu den Monti Sibillini. Der unter uns liegende Lago di Pilato (1960 m) war noch nicht zu sehen. Von der Hütte verlief die Strecke erst über einige Meter flach, um dann in Richtung Gipfelziel steiler zu werden. Nach etwa zweieinhalb Stunden standen wir auf Monte Vettore – was für ein einzigartiges Panorama, und unter uns war jetzt auch das Seelein (Lago di Pilato) zu sehen! Gleich gegenüber der steilen Felswand des Pizzo del Diavolo hielten wir unsere ausgiebige Gipfelrast ab. Die Fernsicht reichte allerdings nicht bis zur 50 km entfernten Adria – auch die Stadt Ascoli Piceno war nicht zu sehen. Angenehm die Freundlichkeit der anderen Bergwanderer – sogar Biscotti wurden uns angeboten. Zeit für den Abstieg, weil einzelne von uns Gewittergefahr vermuteten. Der Abstieg dann auf der bereits vertrauten Strecke, gemütlich und mit einigen Trinkpausen, sogar für eine Siesta reichte es noch. Um halb drei zurück auf dem Parkplatz, fuhren wir weiter auf die Piana hinunter bis zur vollständig zerstörten Stadt Castelluccio. In einem guteingerichteten Provisorium genossen wir eine Birra con Lenticche und den Blick auf die Piana – die ca. 7 km lange Hochebene muss im Juni ein Naturgenuss ohnegleichen sein – ein endloses Blütenmeer! Auf der Rückfahrt über die Forca und an den vom Erdbeben ruinierten Bergdörfern vorbei ins Tal des Tronto hinunter holte uns dann die traurige Realität wieder ein…

Wetterverhältnisse:
Sehr sonnig, ca. 15 bis 25°, gelegentlich kräftiger Wind aus SW.

Fazit:
Die geplante Tour auf den Cornu Grande (Gran Sasso) mussten wir vorerst fallen lassen wegen der täglich vorausgesagten Gewitter – diese Tour war eine ausgezeichnete Ersatzlösung…

Hilfsmittel:
Stöcke, Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 30.08.2019
Schwierigkeit: T2
Strecke: 10.8 km, Forca di Presta 1534 m – Rifugio Zilioli 2233 m – Monte Vettore 2476 m – Abstieg auf gleicher Strecke
Aufstieg: ca. 930 m
Abstieg: ca. -930 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std. 40 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std. 30 Min.

Croce di Pratomagno (1591 m) – Liberazione Italia

Heute war Feiertag: der Tag der Befreiung Italiens, offiziell Anniversario della Liberazione (auch Liberazione dal nazifascismo, Befreiung vom Nazifaschismus, Ende der deutschen Besatzung 1945). An solchen Tagen wandern sogar die ItalienierInnen; also Salve, salve, salve…

Auf der Hinfahrt genossen wir im schönen Bergdörfchen Loro Ciuffenna (632 m) in der Giglio Bar den obligaten Capuccino mit Brioche (so werden die mit Konfitüre, Schoggi oder Vanillecrème gut gefüllten Gipfeli hier genannt; ohne – vuota – gäbe es sie auch…). So waren wir hellwach für die 15 km lange Bergfahrt bis zum 720 m höher liegenden Startpunkt Pian dei Lavacchio (1250 m): abenteuerlich steil, sehr enge Durchfahrten in den kleinen Bergdörfern Trevane, Chiassaia, Anciolina, kaum Kreuzungsmöglichkeiten. Auf dem grossen Parkplatz (hier endet die Fahrstrasse) standen erst wenige Autos, was sich angesichts des neu (und schön) aufgebauten Rifugio Arca Montana wohl ändern sollte. Um halb elf liefen wir los. Erst durch Mischwald und über einen Forstweg stiegen wir hoch bis zum Punkt, wo auch der Wanderweg von La Trappola hochführt. Bald war auch die gesamte Strecke bis zum Tagesziel zu überblicken – etwas mehr als 8 km Distanz. Immer schön die Höhe haltend, führte der Alpweg über noch nicht bestossene Weiden und durch steppenartig verbuschtes Land (Ginster, Himbeeren). Noch vor einer guten Woche lag der Höhenzug teilweise unter Schnee, jetzt blühten hier Krokusse und andere schöne Frühlingsboten. Bald blüht hier der Ginster, dann muss es hier oben paradiesisch schön sein. Links (westlich also) liegt das Valdarno unter leichtem Dunst, rechts (östlich) das Casentino, dem Quellgebiet des Arno. Interessant: der Arno verläuft im Casentino in Richtung Süden, um dann kurz vor Arezzo in einem weiten Bogen nach Norden verlaufend das Valdarno zu bilden und Städte wie Firenze und Pisa zu erreichen. Die kleine Anhöhe Spada della Roccia umgingen wir westlich, um dann in einer Senke erneut einen Punkt zu erreichen, der auch von La Trappola her erreicht wird. Wir hielten an unserer Wanderwegroute 00 fest (nein, ToiToi’s gibt es hier keine…), in leichtem auf und ab näherten wir uns dem Tagesziel als höchsten Punkt. Nach knapp zwei Stunden standen wir oben. Der Gipfel ist (bei klarer Sicht) unmöglich zu verfehlen – bei diesem monumentalen Gipfelkreuz. Der Gipfelbereich ist umzäunt und gepflegt ausgestaltet, sogar sauber. Während wir auf der gesamten Aufstiegstrecke wenigen Wanderern begegneten, waren es hier oben schon zwei Dutzend. Schon an deren Schuhwerk (Stiefel, Turnschuhe, usw.) war zu erkennen, dass die meisten den halbstündigen Aufstieg von der unter dem Gipfel verlaufenden Strada Panoramica del Pratomagno gewählt haben müssen. Weil der starke Wind keine Gipfelrast zuliess, setzten uns in einer östlich gelegenen windgeschützten Mulde mit Panoramablick ins Casentino, um die mitgebrachten Leckereien zu geniessen.

Genossen wir im Aufstieg noch überwiegend die Sonne, trübte die Witterung nun etwas ein – fast schon diesig, aber wenigstens trocken. Der böige Wind machte uns nun etwas zu schaffen; Doris wehrte ab in der Windjacke. Der Rückweg verlief weitgehend über die bereits beschriebene Aufstiegstrecke – allerdings sorgten die veränderten Lichtverhältnisse für veränderte, aber schöne Landschaftsbilder. Nach knapp zwei Stunden erreichten wir wieder den Ausgangspunkt Pian dei Lavacchio, in dessen unmittelbarer Nähe nun nicht mehr die unansehnliche Ruine eines ehemaligen Albergos, sondern der innen wie aussen schön hergestellte Bau des Rifugio Arca Montana zur Einkehr lockte. Und der grosse Parkplatz war mittlerweile gut gefüllt. An dieser formidablen Aussichtslage genossen wir la Birra Rossa del Pratomagno.

Fazit:
Die Tour auf diesem langen Hügelzug zum Gipfel mit dem monumentalen Gipfelkreuz gefällt uns immer wieder, alleine der Tiefblicke wegen.

Wetterverhältnisse:
Zu Beginn sehr sonnig und fast wolkenlos, im Lauf des Nachmittags etwas bewölkt, trocken, aber starker Wind aus SO, Temperatur ca. 16 bis 24°.

Hilfsmittel:
Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 25. April 2019
Anforderung: T1
Strecke: 16.6 km, Nr. 00 ab Pian dei Lavacchio (1250 m) – Cima Bottigliana – Pozza Nera – Croce del Pratomagno (1591 m) – zurück auf ungefähr gleicher Strecke
Aufstieg: ca. 690 m
Abstieg: ca. -700 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std. 10 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 4 Std. 10 Min.

Civitella in Val di Chiana – Frühling in der Toscana

Diese nicht ganz kurze Rundtour bietet alles, was in dieser Jahreszeit Genuss verspricht: aufblühende Natur, Ruhe, und… genau in der Hälfte eine „Raststätte“ – was will man mehr?! Und das alles bei idealen äusseren Bedingungen. Zusammen mit unseren lieben Nachbarn Karin und Herbert war eine gemütliche (Schwatz-)Runde angesagt auf unserer Lieblingsstrecke. Um zehn Uhr der Abstieg nach Verniana hinunter, dann weiter durch Buschwerk hinunter zur Strasse, welche nach San Pancrazio hochführt; die Strasse und das Flüsschen Esse überquerend, verliessen wir den Asphalt beim Pian del Pino (Wanderweg Nr. 109). Das wenig Wasser führende Rinsal namens Borro della Trove al Mancino durchquerten wir ohne nasse Füsse – die einzige „Schlüsselstelle“ heute. Über einen Forstweg gewannen wir etwas an Höhe, so dass der Blick ins Val di Chiana frei wurde. Im Rücken das Castello di Gargonza und unter diesem „unser“ Berg mit dem Borgo. Vorbei an wunderbaren Olivenhainen erreichten wir bald die von Oliveto nach Civitella hochführende Naturstrasse. Beidseitig mit den typischen Zipressen flankiert, vorbei an gut verborgenen Villen, auf welche wir manchmal nur durch mächtige Tore aufmerksam wurden. Civitella erreichten wir kurz nach 13 Uhr – gerade richtig zum Pranzo im uns vertrauten Ristorante Enoteca Il Vicolo. Auf der Piazza der immer wieder prächtige Panoramablick ins Val di Chiana. Das im Schatten hängende Thermometer auf der Piazza zeigte 25°. Noch ein Gruppenbild, dann rein ins Vergnügen – man erwartete uns schon. Das Menu mundete ausgezeichnet – entsprechend laaaaaaaaaange dauerte diese Mittagspause.

So gestärkt und gesättigt traten wir den Rückweg an, erst über eine stark malträtierte  asphaltierte Strasse verlaufend, konnten wir diese (weiss-rot markiert!) bald einmal verlassen. Durch die Macchia führte der Pfad Nr. 111 leicht ansteigend hoch.

Nahe des höchsten Punktes (Poggio Tondo, 624 m), nach dem Antennenturm, hielten wir links ausgeschildert in Richtung Cornia. Vorbei am idyllisch gelegenen Friedhof erreichten wir das unbewohnte Cornia. Allerdings sind und werden hier Häuser instand gestellt. Die Häusergruppe durchquerend, hielten wir nach dem letzten Haus (mit „Scuola“ beschriftet) scharf links, durchquerten das noch immer stark verbuschte Gelände bis hinüber zur Naturstrasse, welche das Agriturismo Camperchi erschliesst. Jetzt folgte eine nicht gerade knieschonende Strecke, etwas steiler und teilweise auf betonierter Unterlage. Vorbei an den uns schon von 2016 bekannten schön hergerichteten ehemaligen Bauernhäusern erreichten wir beim Hof Pian del Pino wieder die Brücke über die Esse – damit hat sich der Kreis geschlossen. Nun folgte der letzte Aufstieg nach Verniana und weiter auf „unseren Berg“. Mittlerweile war es halb sieben – gerade richtig um die ermatteten Glieder hoch zu lagern.

Fazit:
Diese Rundwanderung ist immer eine Wiederholung wert. Heute war es besonders schön mit Karin und Herbert…

Wetterverhältnisse:
Sehr sonnig, am späten Nachmittag etwas bewölkt, aber trocken, kaum Wind, Temperatur ca. 14 bis 22°.

Hilfsmittel:
Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 17. April 2019
Anforderung: T1
Strecke: 22.3 km, Nr. 113 ab Renaiolo – Verniana – Nr. 109 ab Pod. Pian del Pino – Mancino – Civitella in Val di Chiana (523 m) – Nr. 111 über P. 548 – P. 568 – nach dem Poggio Tondo (Antennenturm) Abzweigung links (Nr. 113) – Cornia – Pod. Caggiarino (546 m) – Fatt. Burrone (459 m) – Pod. Moraggiolo (386 m) – Pod. Pian del Pino – Verniana – Renaiolo
Aufstieg: ca. 780 m
Abstieg: ca. -790 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 8 Std. 30 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 5 Std. 45 Min.

Pienza – San Quirico d’Orcia – Cappella di Vitaleta

Die Fahrt für die 46 km nach Pienza dauerte eine Stunde, also waren gleich zu Beginn zwei Capuccini al Bar angesagt. Danach ergatterten wir einen der raren Parkplätze südlich an der Stadtmauer. Von dort konnten wir unsere Tour starten – 500 m auf der Sp 18, die wir in der ersten Linkskurve geradeaus verliessen. Vorbei an der einfachen und schön gelegenen Pieve di Corsignano, wechselte die Unterlage von Hartbelag auf Naturstrasse, staubig zwar, aber dennoch angenehmer. Ab und zu bestätigte uns ein Wegweiser, dass wir auf dem Wanderweg Nr. 6c richtig waren. Leicht absteigend erreichten wir nach etwa zwei km den tiefsten Punkt bei ca. 290 m.ü.M. Weil die gesamte Strecke waldfrei ist, boten sich im offenen Gelände die so typischen und spektakulären Landschaftsbilder: Zipressen, braune abgeerntete und bereits umgepflügte Äcker, Olivenhaine, Hügel, Licht- und Farbenspiele vom feinsten. Vor uns ein erster Anstieg und ein Olivenhain, hinter dem sich ein stattliches Bauernhaus versteckte. Der Pfad umrundete den Hof südlich, bis wir oben auf eine Zufahrtstrasse gelangten. Auf einer Höhe von ca. 360 m.ü.M. streiften wir einen Wald und gelangten an eine Verzweigung. Wer will, kann hier rechts halten um direkt zu einem der Hotspots in der Toscana zu gelangen; doch darüber später mehr… Wir hielten also links in Richtung Süden, das Ziel unserer Runde immer im Blickfeld, das Städtchen San Quirico d’Orcia. In leichtem auf und ab war bald einmal das schmucke Agriturismo Il Rigo erreicht. An diesem vorbei und wieder absteigend überquerten wir an der tiefst gelegenen Stelle ein namenloses Bächlein. Danach verliessen wir die Naturstrasse nach rechts um über einen steilen Feldweg direkt aufzusteigen. Bald waren die ersten Häuser von San Quirico d’Orcia erreicht. Die Via Cassia überquerten wir zielbewusst, um gegenüber im Gebüsch zu verschwinden und auf direktem Weg zur modernen Schulanlage zu gelangen. Über die Via Dante Alighieri waren es dann noch weinige Schritte bis ins uns bekannte Centro storico. Mittlerweile halb eins, war es ein leichtes, an den durchaus verlockenden Auslagen vorbei zu laufen, resp. diese zu missachten (hübsche Cashmere-Waren und Vino natürlich!). Schliesslich winkte der Mittagstisch im einzigartigen grottoähnlichen Garten der Trattoria al vecchio Forno. Die hausgemachten Leckereien verlockten uns zu drei üppigen Gängen – was halt seine Zeit dauerte (siehe Zeitangaben am Schluss dieses Berichts). In allen Belangen gestärkt und gesättigt verliessen wir diesen schönen Ort wieder, wohl wissend, dass jetzt auf dem Gang durch die Altstadt keine Einkäufe drin lägen – nicht des Budgets wegen – nein: die Läden öffnen erst ab halb vier wieder😴😏😍😀😊😉. Auf der vom Hinweg bekannten Strecke liefen wir gemütlich hinunter, um kurz vor dem Bächlein nach links zu halten. Nach kurzer Steigung vorbei an einem Bauernhof bis nahe der Strada Provinciale di Chianciano, welche San Quirico mit Pienza verbindet. Nun eine aprupte Wende nach Osten, vorbei an einem weiteren Agriturismo. Ab hier artete der Pfad in ein holpriges Bachbett (ohne Wasser) aus, welcher im Wald steil hinunter zur tiefst gelegenen Stelle (300 m.ü.M.) führte. Nach einem steilen Wiederanstieg war der eingangs erwähnte Hotspot erreicht: die Cappella di Vitaleta (365 m). Wie oft sind wir schon auf der nahen Hauptstrasse vorbeigefahren und haben diesen Fotoklassiker abgelichtet aus ca. 700 m Entfernung. So taten es auch heute wieder Scharen, welche an der Hauptstrasse sogar Autobussen entstiegen; nur wir haben uns zu Fuss nahe dran begeben. Dachten wir! Mit den Aufnahmen war eher Eile angesagt, denn von der anderen Seite nahte ein Pulk von Besuchern aus Asien, welche die Autos an der zu Beginn dieses Berichts erwähnten Verzweigung bei der Absperrung abstellen mussten. Die letzten 700 m bis zum begehrten Motiv musste zu Fuss zurück gelegt werden. Die meisten fuchtelten mit ihren komischen Deppenzeptern in der Gegend herum, um die Cappella und sich selbst aufs Selfie zu kriegen. Beim (wilden) Parkplatz an der Verzweigung kehrte wieder Ruhe ein, und wir konnten auf der gleichen Strecke wie auf dem Hinweg Pienza anstreben. Wunderschön, wie sich die Landschaft nun im warmen Licht des Nachmittags zeigte. Vorbei an der Pieve di Corsignano erreichten wir unseren Startplatz an der Stadtmauer – auf einer Marmorbank ging ein letzter Blick in die von feinstem Dunst gezeichnete Landschaft, bis hin zum Monte Amiata. Rückblick auf Laufstrecke bis nach San Quirico, dahinter am Horizont Montalcino.

Fazit:
Nach dem Temperatursturz (gestern noch 30°, heute 20°) haben wir einen ersten Herbsttag bei bestem Wanderwetter genossen. Wenige Auf- und Abstiegsmeter, aber eine doch respektable Distanz…

Wetterverhältnisse:
Sonnig, wolkenlos blau-blau-blau, ca. 18 bis 20°, starker Tramontana (Bise) mit Böen bis 50 km/h

Hilfsmittel:
Leichtwanderschuhe, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 25. September 2018
Schwierigkeit: T1
Strecke: 20.1 km, Wanderweg Nr. 6c (siehe Abbildung)
Aufstieg: ca. 680 m
Abstieg: ca. -620 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 6 Std. 50 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen 4 Std. 45 Min.
Tageszeit: 10:00 bis 17:00 Uhr

Schutzhütte Latzfonser Kreuz (2311 m)

Nach der gestrigen, doch anstrengenden Tour heute nicht die Hohe Scheibe – etwas einfacheres war angesagt: Bergfahrt mit der Gondelbahn ab Reinswald (1570 m) zum Pichlberg (2130 m). Ab hier ca. 3 km auf der Wanderautobahn namens Urlesteig zur auf 2094 m gelegenen Getrumalm (eine schön gelegenen Hütte). Hier dreht der Urlesteig ab, wir wanderten weiter ins Ende des Val Ghetrum, WW Nr. 7). Unterhalb der markanten Kassianspitze (2581 m) ein Wegkreuz; wir hielten weiter auf Nr. 7. Kurz vor dem Luckl (2378 m) wurde es recht alpin. Auf dem Übergang ginge der Blick zu den Dolomiten; Konjunktiv – denn das Wetter entsprach heute nicht ganz den Vorhersagen – die Welterbe-Gipfel waren in dunkle Wolken gehüllt. Sechzig Hm Abstieg, und schon war die Schutzhütte Latzfonser Kreuz mit dem schönen Kirchlein erreicht. Bei leichtem Wind und wenig Sonne war es draussen vor der Hütte bei 20° grade so zum Aushalten. Viel Volk hier oben – Sonntag! Leckeres Essen (Pasta, Gemüsesuppe mit Würstel)! Gut versorgt traten wir zum Rückweg an. Die Witterung hellte zunehmend auf, sogar die Sonne meldete sich zurück. Auf der Getrumalm angekommen, genossen wir die Radler (das sind nicht etwa VelofahrerInnen, von denen es hier erstaunlicherweise wenige gab…!). Auf dem nun folgenden Urlesteig viele Infotafeln; erklärt wird zum Beispiel, was es mit den Latschenkiefern auf sich hat (wertvolles Öl von den jungen Zweigen), und weshalb auf dem gegenüber verlaufenden Grat eine Trockensteinmauer angelegt ist (Trennung der Alpweiden) – sogar eine Kneipp-Stelle ist eingerichtet. Attraktiv also! Und Fremdsprache-Kenntnisse von Vorteil: alle Informationen in urigem Sarntaler Dialekt! Jedenfalls war der Rückweg kurzweilig, mittlerweile mit freier Sicht zu unseren gestern bestiegenen Villandersberg und Sarner Scharte. Und im Osten zeigten sich sogar einzelne Dolomitengipfel. So erreichten wir die moderne Bergstation Pichlberg. Die knapp 600 Hm Talfahrt war der gemütliche Abschluss einer ebensolchen Wanderung.

Fazit:
Fast schon eine Wellness-Tour – immerhin doch mehr als 12 km…

Wetterverhältnisse:
Teils sonnig, jedenfalls freundliche Witterung bei ca. 24°, bei der Schutzhütte Latzfonser Kreuz starke Bewölkung, aber trocken.

Hilfsmittel:
Feste Bergschuhe, Stöcke, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 16. September 2018
Schwierigkeit: T2
Strecke: 12.4 km, Urlesteig ab Bergstation Pichlberg (2130 m) – Getrumalm (2094 m) – ab hier Wanderweg Nr. 7 – Luckl (ca. 2370 m) – Schutzhütte Latzfonser Kreuz mit Kirchlein (2311 m) – zurück auf gleicher Strecke
Aufstieg: ca. 560 m
Abstieg: ca. -560 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std. 30 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen 3 Std. 35 Min.
Tageszeit: 10:15 bis 15:45 Uhr

Sarner Scharte (2468 m) und Villandersberg (2509 m)

Auf der Reise in die Toscana schalteten wir wie oft einige Wandertage im Südtirol ein – diesmal im uns völlig unbekannten, aber bemerkenswert schönen Sarntal. Die Besteigung des oberhalb Sarnthein, des Hauptorts des Sarntals, etwas abweisend stehenden Hausbergs der Sarner, die Scharner Scharte war unser heutiges Ziel; klar, dass wir nach dessen Überschreitung auch noch den wenige Meter höheren Nachbargipfel Villandersberg «mitnehmen» wollten. Knackpunkt der Tour war dann allerdings der Steig ab P.2401; über eine Strecke von ca. 800 m waren knapp 200 Hm abzusteigen – zwar mit Fixseilen «gesichert», aber dennoch knackig eben…

Doch der Reihe nach: ab unserem temporären Domizil in Unter-Reinswald dauerte die 16 km lange Fahrt über Santhein und dann über eine schmale Bergstrasse hoch zum beim Riedlerhof angelegten Wanderparkplatz etwa eine halbe Stunde. Ein gebührenfreier P – wo gibt’s denn sowas (noch). Bei bestem Wanderwetter zogen wir los in Richtung des aus dieser Sicht abweisenden massigen Felsbrockens namens Sarner Scharte – dessen Gipfelkreuz in 2 km Luftlinie entfernt gut zu sehen war. Rechts (also südlich davon) das etwa 80 m tiefer liegende Schartl, wo auch das Sarner Scharten-Biwak steht – dort hinauf soll’s gehen! Wir wählten die markierte Strecke Nr. 3, über welche nach wenigen Minuten der schön gelegene, ab Mittag geöffnete Almschank Tengler erreicht wird. An diesem vorbei begann es nun im Kalkwald anzusteigen. Nahe Riedler Pill (Riedlerbild) noch im Wald, hielten wir nach rechts weiterhin auf WW Nr. 3, nun bei freier Sicht durch die Latschen (so nennt man hier die Legföhren). Unter der Südostwand der Sarner Scharte machten sich ein paar Kletterer bereit; diesen Punkt (Brunnleit Brünnl) erreicht man auch über WW Nr. 3A ab Almschank Waldrast. Jetzt für die verbleibenden 240 Aufstiegsmeter in Serpentinen hoch bis zum sichtbaren Biwak durch blockiges Gelände und steiler werdend, nicht ausgesetzt (T2), aber schweisstreibend. Hier oben erwarteten wir einen ersten Blick zu den Dolomiten; diese versteckten sich aber diskret in den Wolken. Bis zum 80 m höher stehenden Gipfel Sarner Scharte (2468 m) dann noch zehn Minuten. Hier oben ein (trotz Wolken) sehr schönes Rundum-Panorama. Nördlich steil abfallende Felsen, auf dem weitläufigen Gipfelgelände alpig, südlich die Plattenalm mit einigen Seelein (Königslacken), und 1.2 km nordöstlich der Nachbar Villandersberg (2509 m). In 5 km Entfernung das Rittner Horn (2261 m), zu erkennen an der Antennenanlage. Ab und zu lichteten sich die Wolken, und damit der Blick zu den Dolomiten (z. B. Rosengartenspitze, 22 km entfernt). Nach der Gipfelrast der kurze Abstieg zum P.2401 (Einstiegstelle Steig), und dann der Aufstieg (20 Min.) zum hundert Meter höheren Villandersberg. Hier oben weitete sich der Blick, unter uns Reinswald mit seinem Ski- und Wandergebiet, und das Durnholzer Tal. In 9 km Entfernung ein mögliches Gipfelziel für morgen, die Hohe Scheibe (2563 m), im Gebiet des Penser Jochs (dem Übergang vom Sarntal nach Sterzing und zur Brennerautobahn). Nach dem Gipfelfoto der kurze Abstieg zurück zur Einstiegstelle des Steigs. «Gesicherter Steig» steht hier geschrieben, und sicherheitshalber ein Eisentor mit dem Hinweis «Bitte schliessen», was uns nicht abschreckte. Der Beginn war harmlos, zwar steil, aber mit einem fixen Drahtseil gut gesichert. Im weiteren Verlauf dann sehr steil werdend, mit vielen Kletterstellen und einigen unbefestigten Übergängen, die wohl besser im Auf- als im Abstieg gemeistert würden. Aber jetzt, wo wir schon mal da waren, ging’s halt nur noch runter – und wie! Die Absturzgefahr hielt sich zwar in Grenzen, mehr Respekt hatten wir vor Steinschlag. Und Runterschauen muss man schon können… Jedenfalls waren wir glücklich, den doch recht langen Steig (T4, II-er Kletterstellen) gut gemeistert zu haben. Unten dann noch eine lange Querung durch eine steinschlägige Halde – Ruedi zuerst, dann in ausreichendem Abstand Doris. Nach dem Blick zurück nach oben fragten wir uns, wo wir wohl abgestiegen waren. Vor uns jetzt der weitere Abstieg durch Latschenwald, mehr oder weniger steil hinunter bis P.1989 (Hinteren Herrn). Ab hier immer gut markiert weiter über Alpgelände – in Erwartung der wohl bald auftauchenden Almschank Waldrast. Eine erste direkte Abbiegung (WW Nr. 18A) verpassten wir wohl😒, in einem weiten Bogen über WW Nr. 3A erreichten wir diese schön gelegene Jausenstation dennoch. Welche Erlösung dann beim verdienten Radler! Viele wattenden Gäste hier (Samstag ist’s). Nach diesem erholsamen Stopp der weitere Abstieg über WW Nr. 18A, vorbei an einem schönen Seelein, und nach einer halben Stunde war der Hallerhof erreicht, und wenige Minuten später auch der Ausgangspunkt unserer Bergwanderung.

Fazit:
Eine lange und teilweise überraschende Tour in oft heiklem Gelände (Steinschlaggefahr), eine tolle Überschreitung des Hausbergs der Sarner, die uns ausgezeichnet gefallen hat. Allerdings: ein nächstes Mal würden wir die Tour in umgekehrtem Ablauf machen, weil der Steig im Aufstieg bestimmt einfacher zu bewältigen ist.

Wetterverhältnisse:
Sonnig, freundliche Witterung bei ca. 24°, in der Gipfelregion aufziehende Bewölkung, aber trocken.

Hilfsmittel:
Feste Bergschuhe, Stöcke, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 15. September 2018
Schwierigkeit: T2 (Steig T5, II-er Kletterstellen)
Strecke: 14.9 km, Wanderweg Nr. 3 ab Wanderparkplatz Riedlerhof (1503 m) – Almschank Tengler (1617 m) – Riedler Pill – Schartl (2381 m), Sarner Scharten-Biwak – Sarner Scharte (2468 m) – P.2401 – Villandersberg (2509) – P.2401 (Einstiegstelle Steig) – Gesicherter Steig (Kletterstellen II Weg Nr. 18A) – P.1989 (Hinteren Herrn) – Almschank Waldrast (1762 m) – Weg Nr. 3A via Hallerhof – Riedlerhof
Aufstieg: ca. 1082 m
Abstieg: ca. -1067 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 7 Std. 30 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen 4 Std. 40 Min.
Tageszeit: 09:20 bis 17:00 Uhr

Asciano – Serre di Rapolano – Rundtour le Crete

Den angekündigten schönen Frühsommertag wollten wir nutzen für eine weitere, nicht sehr fordernde, aber auch nicht zu kurze Rundwanderung im Gebiet der Crete. Nach einem Caffè in einer Bar im Centro storico starteten wir bei noch etwas bedecktem Himmel. Im Nachhinein durften wir froh sein darüber, dass uns die Sonne nicht gleich zu Beginn einheizte. Vorbei an der Chiesa della Madonna del Giardino verlief die gewählte Strecke (Weg Nr. 525 – schlecht resp. gar nicht markiert) leicht steigend durch eine von der Landwirtschaft geprägten natürlichen Landschaft, welche in sattem Grün eingebettet war. Dazwischen immer wieder grössere, rot leuchtende Mohnfelder, welche diesen typischen Landschaftszauber ausmachen. In grösseren Abständen passierten wir Bauernhöfe (siehe Streckenbeschreibung). Als wir den höchsten Punkt beim Podere Piocaia (ca. 315 m.ü.M.) erreichten, hatte sich der morgendliche Nebel verzogen. Herrliches Gelände mit Blick zur nahen Terme di Rapolano und zum Nachbarort Serre die Rapolano. Zwar wussten wir schon um die herausfordernde Schwierigkeit, nahe der Bauernhöfe ihre Aufgabe sehr ernst nehmenden Hirtenhunden zu begegnen. In der Regel machen sich die schönen und eindrücklich-aggressiven Tiere frühzeitig bemerkbar. Ganz anders aber beim Podere Treno; wie aus dem Nichts werden wir von einem wilden Rudel sieben(!) Hunden umringt und mit wildem Gebell bedroht. Doris hatte schon den Pfefferspray bereit; mit vereinter energischer Gegenwehr gelang es uns, die wilde Horde auf Distanz zu halten. Dazu sei erwähnt: Angst darf man in solchen Situationen keinesfalls zeigen – eine Kunst, die ziemlich Überwindung fordert. Die folgenden Höfe wurden zwar auch von Hunden bewacht, die aber immerhin von Zäunen in Schach gehalten waren. Nahe der Terme di San Giovanni überquerten wir die Bahnlinie, um dann (auf geteerter Strasse) den Ortsrand Serre die Rapolano zu erreichen. Hier missbrauchten wir ein am Strassenrand stehendes Bildstöckli mit Travertinbank(!) für die Mittagsrast. Hier erreichte uns dann auch eine Whats-Nachricht von Richi, der sich erkundigte, wie wir es denn in der Toscana so hätten – unsere Antwort war „So olala“. Naja, schliesslich wollten wir nicht die armen daheimgebliebenen Werktätigen mit „übertriebenen“ Darstellungen und Bildern „belästigen“😊. Nach der Mittagsrast meinten wir eine Abkürzung durch einen Olivenhain machen zu können – der Weg war hübsch, aber nicht durchgehend. Ein Stück weiter dann eine Erfahrung, die wir in der Toscana oft machten: es gibt durchaus gute Wanderkarten und auf diesen mit Nummern bezeichnete Wanderwege. Nur in der Praxis fehlen bestenfalls die Wegmarkierungen (oder sie sind gut versteckt resp. überwuchert), oder die Wege sind ganz einfach nicht (mehr) vorhanden. Die Option, die Felder einfach durch das hohe Gras zu durchqueren, war Doris mit ihrer Pollenallergie nicht zuzumuten. Also ungeplante Umwege! Die Schwierigkeit war, südlich von Serre die Rapolano einen vernünftigen Übergang über die Bahnlinie zu finden. Die Richtung kannten wir ja, und ungefähr beim Podere Poggio Greppoli trafen wir dann wieder auf die geplante Strecke, mittlerweile als Nr. 505 (auf der Karte) bezeichnet. Der Weg führte über offenes Gelände, und in der Ferne waren auch schon die Häuser von Asciano zu erkennen. Auf dem Weg dorthin dann noch der schöne Ausblick auf ein veritables Bahnviadukt, und fast wie bestellt wurde dieses befahren von einer modernen Zugskomposition (Stadler Rail!). Bei der Chiesa della Madonna del Giardino schloss sich der Kreis, und eine landschaftlich sehr reizvolle Wanderung fand einen schönen Abschluss. Arrivederci.

Fazit:
Eine fast schon hochsommerliche Rundtour in dieser einmalig schönen Crete-Landschaft. Einfach toll!

Wetterverhältnisse:
Zu Beginn etwas Hochnebel, der sich ab 10 Uhr auflöste, dann ein sehr sonniger und warmer Hochsommertag, Temperatur bei ca. 22 bis 30°

Parameter:
Tour-Datum: 25. Mai 2018
Schwierigkeit: T1
Strecke: 18.4 km, Asciano (Parkplatz am nordwestlichen Stadtrand) – Chiesa della Madonna del Giardino – Podere Monticelli – Podere Piocaia – Podere Treno (Achtung Hirtenhunde!) – Podere Ripi – Podere San Martino – Serre di Rapolano – Podere Poggio Greppoli – Asciano
Aufstieg: ca. 365 m
Abstieg: ca. -361 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std. 20 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen 4 Std. 06 Min.
Tageszeit: 09:45 bis 15:00 Uhr

Kamera:
Nikon D7000

Monte Oliveto Maggiore – un giro in Creti Senesi

Santa Maria Abbazia di Monte Oliveto Maggiore – eigentlich kein Berg, sondern eine weitläufige Klosteranlage, dessen Gründungsurkunde aus dem Jahre 1319 stammt. Noch heute wird die Abtei von der Benediktinerkongregation von Santa Maria di Monte Oliveto Maggiore geleitet. Der Abtei vorgelagert der Torre mit dem touristischen Teil der Anlage, einem Restaurant und nahe gelegenem Parkplatz. Soviel in Kürze zum historischen Hintergrund.

Seit wir einen kleineren Teil unseres Lebens in der Toscana verbringen, zieht uns diese von Verwitterung und Erosion geformte Landschaft – Crete senesi heisst sie – an. Hier gibt es viele Wandermöglichkeiten und auch mehr oder weniger gut markierte Wege. Heute wollen wir einen Giro, eine Umrundung des Monte Oliveto Maggiore, unternehmen. Während es die meisten Besucher bei einem Rundgang durch die Klosteranlage beliessen und abschliessend in der Bar standeten, liefen wir westlich der Kirche hinunter zum Flüsschen la Borraia. Schattig und stellenweis morastig das Gelände – zur Freude von Doris (Schuhreinigung drohte!). Vom tiefsten Punkt stiegen wir hoch bis zum Hof Pioco, und ab hier nun voll an der Sonne auf dem befestigten Fahrweg zum hübschen Dörfchen Chiusure; immer schön entlang der Abbruchkanten der Crete. Unterwegs begleiteten uns wunderbar intensive Gerüche wilder Kräuter (Wildfenchel, Currykraut, Kamille, usw.) – eigentlich schade, dass sich solche Gerüche nicht fotografisch festhalten lassen – aber vielleicht kommt das noch…

Auch wenn die Wanderung bis hierher wenig anstrengend war, kam uns die in der Dorfmitte stehende Bar del Paradiso gerade richtig. Crodino, Capuccino und eine Paste dazu musste sein. War die Landschaft schon bis hierhin spektakulär, kamen jetzt noch die typischen Toscana-Bilder dazu: junges Grün auf den weiten Feldern, intensives Rot des Mohn (Papavero) und natürlich von Zypressen gesäumte Strässchen. Fotosujets noch und noch (siehe Bilder). Südlich des Dorfausgangs führte uns der Weg nahe der Crete vorbei. Nach einem Kilometer hielten wir rechts, um den Weg Nr. 515 (der nach San Giovanni d’Asso hinunterführt) zu verlassen. Weiter gings noch immer auf dem Weg Nr. 515 – weshalb die Wege gleich bezeichnet sind, weiss der Kuckuck. Ach ja, der schöne Ruf dieses Vogels begleitete uns auf der gesamten Wanderung – für Musik war also gesorgt. Nach leichtem Auf und Ab erreichten wir den verlassenen Hof Fornacino. Hier dann der Irrtum des Tages: für uns war klar, dass wir auf dem Fahrsträsschen weiterliefen. Kurz vor dem Pod. Terzopacino begegneten wir einer in einem Pickup heranfahrenden Engländerin, welche sich als Einheimische outete und uns aufklärte, dass es ab Terzopacino nicht mehr weiter gehe (Proprieta privata, divieto l’accesso). Sowas hatten wir geahnt, weil uns unterwegs ein paar (geöffnete) Absperrungen zweifeln liessen. Macht nichts, wir hatten Zeit und waren ohnehin gut drauf, zurück also bis Pod. Fornacino. Hier suchten (und fanden) wir die gut versteckte Wegmakierung. Ab jetzt führte ein Trampelpfad durch ziemlich stark verbuschte Pampa. Von der vermuteten schönen Aussicht ins Land sahen wir vorerst nichts. Dafür hockten plötzlich zwei Wanderinnen mitten im Weg. „Salve, un bel posto che avete scelto” – “Hallo, das hier ist eine Barrikade”. Sowas kam uns auch gerade in den Sinn. Die zwei deutschen Frauen (Mutter und Tochter wohl) meinten dann noch etwas unsicher “see you later”. Damit war klar: italienisch konnten sie nicht. Und: gesehen haben wir sie später nicht mehr😊. Nach wenigen Metern öffnete sich die erwartete Aussicht, das Panorama ging nach Montalcino und reichte bis nach Siena – Traumlandschaft. Bald war auch die befestigte Fahrstrasse mit der Verzweigung Weg Nr. 515/552 erreicht; wir hielten rechts auf 552. Nach ein paar Serpentinen fanden wir einen schönen Platz, um unsere Mittagsrast abzuhalten. Die Panini waren gut gefüllt und schmeckten entsprechend lecker. Nach ausgiebiger Pause zogen wir weiter, vorbei an schönen, aber leider verlassenen Höfen (Pod. Belvedere, Pod. Castello). Über mit Zypressen gesäumte Serpentinen erreichten wir eine kleine Brücke über das ziemlich ärmliche Rinnsal Fosso del Vespero. Hier verliessen wir den 552er, der nach Buonconvento hinunterführt. Auf kurzem Weg steil hinauf bis zur geteerten Strasse, welche von Buonconvento nach Asciano führt. Leider hofften wir vergebens, den Rest von ca. 3 km zurück zum Ausgangspunkt nicht auf Asphalt gehen zu müssen. Zum Glück war die Strasse nicht stark befahren. Dank dem Landschafts-Kino links und rechts war es recht kurzweilig. Dennoch waren wir – nach 18 km Strecke – froh, die Abtei wieder erreicht zu haben. Im schattenspendenden Garten des Restaurants löschten wir den Durst. Die Rückfahrt durch die uns sehr vertraute Landschaft war dann abschliessender Genuss (bei einer Aussentemperatur von 27°!).

Fazit:
Eine fast schon hochsommerliche Rundtour in dieser einmalig schönen Crete-Landschaft. Einfach toll!

Wetterverhältnisse:
Ein sehr sonniger Sommertag, Temperatur bei ca. 20 bis 25°

Parameter:
Tour-Datum: Pfingstsamstag, 19. Mai 2018
Schwierigkeit: T2
Strecke: 18.2 km (davon 2 km Umweg*), Abbazia di Monte Oliveto Maggiore (273 m), gebührenpflichtiger Parkplatz beim Torre, vorbei an der grossen Klosteranlage, Abstieg im Mischwald zum Rinnsal la Borraia – Aufstieg, ab Pioco schliesslich auf befestigter Naturstrasse zum Dörfchen Chiusure (401 m) – südliche Umwanderung der Crete Weg Nr. 515 – Pod. Fornacino, ab hier der Verhauer* bis Pod. Terzopacino (268 m) und wieder zurück –  ab Pod. Fornacino in Richtung SW (Nuova di Gre) – über einen mehr oder weniger ausgeprägten Pfad bis eine Naturstrasse erreicht ist (Verzweigung Weg Nr. 515/552) – weiter auf 552 – Pod. Belvedere 258 m – Pod. Castello 210 m – Brücke über den F.so del Vespero –  Weg Nr. 552 nach rechts verlassend – steile Naturstrasse hoch zur Hauptstrasse  (Buon-convento-Asciano), auf dieser über San Nazzario – Bollano – Abbazia di Monte Oliveto Maggiore
Aufstieg: ca. 559 m
Abstieg: ca. -531 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std. 30 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen 4 Std. 15 Min.
Tageszeit: 09:45 bis 15:15 Uhr

Kamera:
Sony DSC-HV90V