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Biketour Val Verzasca – am grünen Wasser…

Genug ist genug! Seit Tagen Regenwetter, also nix wie los in den sonnigen Süden. Schliesslich musste der neue Bikeständer einmal ernsthaft getestet werden. Und viel Verkehr war an diesem Donnerstag (vor Pfingsten) nicht zu erwarten. Naja, das chronische Verkehrschaos in der Magadinoebene (9 km Stossverkehr ab Bellinzona Süd bis zum Aeroporto di Locarno) war leider in Kauf zu nehmen. Kurz vor Mittag stiegen wir um auf unsere Bikes, beim P+Rail direkt bei der Stazione Riazzino. Erst die flache Fahrt (ca. 2 km) nach Gordola, im Zentrum rechts in Richtung Val Verzasca. Der Anstieg bis zur Staumauer (280 Hm, Diga Lago di Vogorno), forderte uns kaum, auch wenn wir bewusst mit möglichst wenig Motor-Unterstützung fuhren – schliesslich wollten wir uns das Mittagessen verdienen😋. Auf der Strecke bis Vogorno waren einige Tunnels zu durchfahren, was im intensiven Strassenverkehr Vorsicht und Respekt verlangt. Einige Autofahrer (nein, keine Zürcher und auch kaum Tessiner!) heizen uns ein – wirklich beeindruckend, wie einige Poser ihre aufheulenden Motoren ausgerechnet in den Tunnels quälten. Die Strecke ab Vogorno bis Lavertezzo war stark befahren – klar, die Gegend ist ein regelrechter Hotspot: die Verlockung, sich am berühmten smaragdgrünen Wasser der Verzasca und auf den Felsbrocken zu präsentieren, ist halt gross (siehe Bilder). Was wir dann in Lavertezzo und bei der berühmten Ponte dei Salt sahen, war wie erwartet abschreckend (siehe Bilder). Auch die Beizen waren voll, mit anstehenden Gästen. Uns zog es weiter, in Richtung Brione, dort wo sich das Tal erstmals teilt (links Val d’Osola). Eingangs Brione, im Ortsteil Piee, war zwar eine Pizzeria, deren vollständig im Schatten liegende Terrasse uns aber nicht erwärmte. Nach wenigen hundert Metern dann das schön herausgeputzte Brione. 170 Menschen leben hier, zu wenig für den Betrieb einer Beiz. Zwar stand direkt gegenüber der Kirche ein fahrender Kiosk, doch Hamburger fanden wir nicht gerade tessin-typisch. Also Umkehr; die Talfahrt zum 220 Hm tiefer liegenden Hotspot Lavertezzo dauerte wenige Minuten. Noch immer gross der Volksauflauf und folglich der Andrang bei den Terrassenbeizen. Schliesslich fanden wir «etwas passendes», knapp ausreichend für ein Bier, Insalata Caprese und ein gemischtes Tessiner Plättli. Danach verliessen wir diesen wunderschönen, aber sehr touristischen Flecken fast schon fluchtartig. Schliesslich stand uns noch eine sausende Abfahrt bevor – mit über fünfzig Sachen auf dem Tacho waren wir wenigsten kein Hindernis… Gesund und erlöst erreichten wir den Ausgangspunkt, mit der Gewissheit, eines der schönsten Tessiner Täler besucht zu haben. Die Rückfahrt aus dem Süden war dann etwas weniger strapaziös als die Hinfahrt. Selber schuld, wer sich sowas antut – aber schön (und lohnend) wars trotzdem.

Fazit:
Die (erneute) Fahrt die Sonnenstube Tessin ist zwar nicht gerade kurz, aber sehr lohnend in Anbetracht dieser Wettersituation. Übrigens: heute Freitag, wo ich diesen Bericht schreibe, kommt mir das Sch….wetter gerade recht🙄…

Wetterverhältnisse:
Strahlend sonnig mit leichter Schönwetterbewölkung, Wind aus NO (bis 30 km/h), ca. 23° C

Ausrüstung:
Bikeausrüstung, Kartenmaterial Swisstopo, GPS

Parameter:
Tour-Datum: 20. Mai 2021
Schwierigkeit: L (Leicht fahrbar)
Strecke: 41.7 km, P+Rail Riazzino (197 m) – Gordola (222 m) – Diga Lago di Vogorno (473 m) – Berzona (485 m) – Vogorno (490 m) – S. Bartolomeo (489 m) – Ponte di Corripo (496 m) – Lavertezzo (536 m) – Ponte die Salt (542 m) – Motta (615 m) – Brione (756 m) – Rückfahrt auf gleicher Strecke
Aufstieg: ca. 770 m
Abstieg: ca. -770 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 4 Std. 10 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 2 Std. 40 Min.
Tageszeit: 11:50 bis 16:00 Uhr

Alpe Vicania – Parco San Grato – Monte San Salvatore

Eine (kulinarische) Wanderung, wieder einmal zum Parco Botanico San Grato. Die Fahrt von Rapperswil über Arth-Goldau – Lugano – Melide, und ab dort die kurze Busfahrt bis Morcote (Haltestelle Piazza Grande) war kurzweilig – in angenehmer Begleitung von Hanni und Rolf. Nach der Ankunft in Morcote kurz nach 11 Uhr Start durch die engen Gässchen und über ungezählte Treppen hoch in Richtung Alpe Vicania (weissrotweiss markiert, bis zur Alpe angeschrieben mit 1.5 Std.). Sehr fotogen ist die Strecke, vorbei an der Kirche Santa Maria del Sasso hinauf bis zum Castello di Paleari, wo sich ein wunderschöner Tiefblick nach Morcote hinunter bot. Auch ohne direkte Sonneneinstrahlung durften wir keuchen und schwitzen wie es sich gehört. Eigentlich war geplant, im Ristorante Alpe Vicania zu pausieren – dazu war es kurz nach zwölf Uhr allerdings noch früh – und die attraktive Anlage war ohnehin «occupato» – was wir dank Vorabklärung wussten. Egal, etwas oberhalb genossen wir Rolf’s nicht zu knapp belegte Brote – herrlich! Nach dieser Zwischenverpflegung (fast schon ein vollwertiger zMittag…) der Weiterweg. Nach kurzem Aufstieg über Weideland war die maximale Höhe erreicht und nach einer kurzen Waldstrecke mit Ausblicken zum Monte Generoso und auf den Lago di Lugano erreichten wir den zauberhaft angelegten Parco San Grato; die Azaleen- und Rhododendrengehölze waren grösstenteils in voller Blüte – staunen und fotografieren! Nach der Durchquerung der Anlage erreichten wir das kleine, aber feine Dörfchen Carona und gleich zu Beginn das Ristorante La Sosta. Im wunderbar mit Glyzinien bewachsenen Garten liessen wir es uns gut gehen – 14 Uhr, nach südländischer Lebensweise also gerade Mittagszeit. Satt, wie wir danach waren, fassten wir den Entschluss, noch den Monte San Salvatore – den Zuckerhut Luganos – zu besteigen. Die knapp 380 m Aufstieg sollten doch zu schaffen sein. Um viertel nach vier starteten wir, erst mit einem Rundgang durch die malerischen Gässchen von Carona. Dann fanden wir am westlichen Dorfrand die Via San Salvatore, bis zum Gipfel waren anderthalb Stunden vorgegeben. Die letzte Talfahrt mit der Standseilbahn um 18 Uhr sollten wir schaffen. Schon erstaunlich, mit welchem Schub man mit vollen Bäuchen laufen kann. Erst folgte ein leichter Abstieg auf breitem Forstweg bis zum Dörfchen Ciona. Gleich nach dem Dorfende war die Strasse links zu verlassen (w-r-w markiert); jetzt begann die Bergstrecke, ab und zu felsig und ruppig, und je näher wir dem (noch nicht sichtbaren) Gipfel kamen, desto steiler wurde der Pfad. An den ersten Bankniederlassungen war zu erkennen, dass wir es bald geschafft haben. Am Gipfel-Restaurant vorbei und über eine grosse Aussichtsplattform stiegen wir in wenigen Minuten hoch zum höchsten Punkt. Angeblich sollen bereits im Jahr 1200 Pilger den Berggipfel zu Fuss erklommen haben, um dem Sohn Gottes die Ehre zu erweisen, der nach einer alten Legende bei seiner Auffahrt in den Himmel hier kurz Rast gemacht haben soll. Die Besteigung des der Kirche angebauten mehrstöckigen Gebäudes liessen wir uns nicht entgehen, auch wenn die Dachterrasse über eine sehr luftige Aussentreppe zu erreichen war. Für die formidable Panoramaaussicht lohnt sich diese kleine Anstrengung alleweil, 700 m über Lugano… Jetzt noch der rasche Abstieg bis zur Bergstation, wo wir die letzte fahrplanmässige Talfahrt erreichten (Fr. 11.50/Person mit Halbtaxabo). Nach der knapp zehnminütigen Fahrt waren wir bereits wieder ausgeruht, so dass wir den ca. zwei Kilometer langen Fussmarsch von Paradiso dem See entlang und schliesslich durch Lugano Centro mühelos schafften. Auf der folgenden IC-Fahrt bis Arth-Goldau und ab dort mit der SOB über Sattel – Rothenturm – Rapperswil bis nach Hause «verarbeiteten» wir die schönen Eindrücke eines sehr angenehmen Wander- und Feinschmecker-Ausflugs – danke liebe Hanni und lieber Rolf, das war wieder einmal ein gelungener Trip in den Süden.

Fazit:
Eine wiederum bilderbuchmässige Frühlingstour im Tessin, welche allen Sinne voll zu befriedigen vermochte…

Wetterverhältnisse:
Sonnig mit teilweiser Bewölkung, trocken, ca. 19° C

Ausrüstung:
Normale Wanderausrüstung, Stöcke (kamen nicht zum Einsatz), Kartenmaterial Swisstopo,

GPSParameter:
Tour-Datum: 9. Mai 2021
Schwierigkeit: T1-2 (Aufstieg San Salvatore T2)
Strecke: 12 km: Morcote Piazza Grande (272 m) Sentée da l’Alp P.502  – Alpe Vicania (620 m) – Baslona (ca. 780 m) – Parco San Grato (ca. 710 m) – Carona (598 m) – Via Roccolo – Ciona (618 m) – Via San Salvatore – Monte San Salvatore (913 m) – Talfahrt mit der Standseilbahn bis Paradiso (letzte fahrplanmässige Fahrt 18:00) – halbstündiger Fussmarsch bis Lugano Stazione (ca. 2 km)
Aufstieg: ca. 940 m
Abstieg: ca. -340 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 6 Std. 30 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std. 30 Min.
Tageszeit: 11:00 bis 17:30 Uhr

Ponte Tibetano Carasc – für mutige

Heute Montag sollte der schönste Tag dieser neuen Woche werden, also ab in den Süden – mit einer Spartageskarte. Nach nur gerade zweieinhalb Stunden Fahrt war der Startpunkt Sementina (einem ennet dem Ticino liegenden Vorort von Bellinzona) erreicht. Die Rundtour machten wir im Gegenuhrzeigersinn. Zwar könnte auch zwei Bushaltestellen früher, in Monte Carasso also, gestartet werden. Die ersten 270 Hm liessen sich dann sogar mit der Seilbahn Monte Carasso-Mornera zurücklegen (Ausstieg bei der Zwischenstation Corte di Sotto). Nichts für uns; die Runde zur Attraktion des Tages, der Hängebrücke Ponte Tibetano Carasc, entsprach unserer Zeitplanung besser. Um die Mittagszeit wollten wir das Ristorante Ostello Curzútt erreicht haben…

Kurz nach zehn Uhr starteten wir also in der Ortsmitte von Sementina, direkt bei der Brücke über den gleichnamigen Bergbach. Durch ein Mauertor führte der Aufstieg einige Meter hoch, um dann bei den letzten Häusern zu einem Weinberg zu queren. Hier könnte, wer will, rechtshaltend direkt aufsteigen bis zum P.754. Wir holten etwas nach Westen aus, um über Traverse zu laufen, immer in Richtung Piancalardo. Kurz vor diesen Weiler verliessen wir das schmale Fahrsträsschen, um dessen Serpentinen auf weiss-rot-weiss markierten Pfaden abzukürzen. Immer wieder lichtete sich der noch spärlich belaubte Wald, ab und zu führte der Weg an schönen Rustici vorbei. Östlich von San Defendente, genau bei Mara, überquerten wir ein letztes Mal die Fahrstrasse. Hier befand sich auch die Endstation der privaten Navettes. Da gerade zwei vollbesetzte Busse ankamen, beeilten wir uns, um vor diesen Wandersocken weiterzukommen. Auf einer Höhe von knapp 700 m querten wir den schön gelegenen Weiler Pianello, um auf mittlerweile ausgetretenen Pfaden den bereits erwähnten P.754 zu erreichen. Jetzt folgte die Richtungsänderung nach N, und nach etwa zwanzig Minuten der holprige Abstieg zum etwa 200 m tiefer liegenden Punkt Selvatico hinunter. Hier stand (und steht) sie also, die 270 m lange Ponte Tibetano, über welcher das Valle di Sementina in 130 m Höhe überquert wird. Obschon wir (erwartungsgemäss) nicht die einzigen Besucher waren, hielt sich der Andrang in Grenzen. Die eindrucksvoll durchhängende, aber nicht sehr wacklige Hängebrücke, ist für nicht schwindelfreie bestimmt eine Herausforderung. Jedenfalls klammerten sich einige Mutige an den Halteseilen. Auch der Tiefblick ist nur geübten zu empfehlen. Von der Brücke geht der Blick ins Valle di Sementina und über Bellinzona und Giubiasco hinweg ins benachbarte Valle Morobbia. Nach dem nördlichen Brückenkopf führte der Pfad gut markiert wieder hoch bis ca. 750 m.ü.M., und schliesslich folgte der attraktive Abstieg nach San Bernardo (614 m) hinunter. Hier steht eine schöne Kirche mit gut erhaltenen Nebenhäusern – mit toller Aussicht auf die nicht sehr tolle, weil zubetonierte Magadinoebene. Der Ausbau des folgenden Wegs (inkl. Strassenlaternen) lässt unschwer vermuten, was hier in (touristischen) Spitzenzeiten los ist. Die Landschaft wirkte sehr malerisch und aufgeräumt, und bald war auch das angestrebte Ristorante Ostello Curzútt im wunderschön hergerichteten Weiler gleichen Namens (im Dialekt Curzútt, oder italienisch Corto di Sotto) erreicht. Beim Betreten der Gartenwirtschaft waren wir glücklich um unsere Reservation – jedenfalls mussten unangemeldete Gäste abgewiesen werden. Die lange Zeit des corona-bedingten Verzichts und wohl auch die Nähe der Seilbahn-Zwischenstation sorgten für viel Publikum. Hier oben lässt es sich vorzüglich essen, cucina ticinese selbstverständlich. Gut verpflegt nahmen wir den Abstieg (ca. 45 Min. für die knapp 300 Hm) unter die Füsse – vorbei an der Zwischenstation der Seilbahn (mind. 20 Personen warteten dort). Bald waren die Rustici bei Tizott erreicht, wo an einer Verzweigung zwei Abstiegsmöglichkeiten nach Monte Carasso hinunterführen. Wir blieben auf dem sehr steilen Pfad, der aufwändig mit Granitplatten (typisch Tessin!) angelegt war. Beim Weiler Lòri erreichten und überquerten wir die Strasse, um abzukürzen. Über Gasgètt und Gasgion erreichten wir bald die prominent gelegene Kirche Santissima Trinita (Heilige Dreifaltigkeit, errichtet 1655). Jetzt noch ein paar Meter Quartierstrassen, und schon standen wir in der Nähe des Startpunkts unserer heutigen Tour. Nach wenigen Minuten Wartezeit bestiegen wir den Bus nach Bellinzona und dort den IC21 in Richtung Norden.

Fazit
Eine bilderbuchmässige Frühlingstour im Tessin, gut gewählt das Tagesziel und die Route – nicht zu lange, mit fast 700 m Auf- und Abstieg aber doch beschwerlich. Nur die umständehalber maskenbewehrte Reise im Zug war noch etwas beschwerlicher – aber dennoch in jeder Beziehung lohnend…

Wetterverhältnisse:
Sonnig mit wenigen Schönwetterwolken, trocken, leichter Wind aus O bis W, ca. 19° C.

Ausrüstung:
Normale Wanderausrüstung, Stöcke (kamen nicht zum Einsatz), Kartenmaterial Swisstopo, GPS

Parameter:
Tour-Datum: 3. Mai 2021
Schwierigkeit: T2
Strecke: 8.3 km: Sementina (Via Locarno, 247 m) – Traverse – Piancalardo – Mara – Pianello – P.754 – Selvatico – Ponte Tibetano Carasc – San Bernardo (614 m) – Curzútt/Corte di Sotto – Tizott – Lòri – Kirche Santissima Trinita – Monte Carasso (230 m)
Aufstieg: ca. 670 m
Abstieg: ca. -670 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std. 25 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std.
Tageszeit: 10:10 bis 15:35 Uhr

Föisc 2208 m – formidabler Panoramagipfel über der Alta Leventina

Am zweiten Tag unseres Aufenthalts im Val Bedretto zog es uns – der Lawinensituation geschuldet – in die nahe Nachbarschaft. Nach der kurzen Fahrt nach Airolo die Bergfahrt hoch nach Brugnasco. Ein freundlicher Bauer hat am Dorfeingang ein paar Parkplätze eingerichtet – grazie! Dass es hier, an dieser südseitig ausgerichteten Bergseite schneefrei war, erstaunt nicht weiter, schliesslich ist es Frühling🌼! Start unmittelbar beim Bauernhof, über einen steilen Güterweg, vorerst ohne Schneeschuhe. Nach etwa fünfhundert Metern eine Hütte, ab welcher es auf schneebedecktem Weg, immer schön an der Märzensonne, über zwei Serpentinen ansteigt. Der immer noch steile, unter Schnee liegende leicht bewaldete Weg war gut zu begehen Bei P.1604 änderte die Situation und die Richtung von NW nach NO, Rütan war erreicht. Unglaubliche Schneemengen hier oben! Also wurden jetzt die Schneeschuhe montiert. Nach der letzten Hütte verliessen wir den über dem Valle di Büi verlaufenden Weg nach rechts (in Richtung O) um ziemlich steil weiter aufzusteigen; die Unterlage hart und deshalb gut tragend, im offenen Gelände kaum Spuren (vom Winde verweht), also war harte Arbeit angesagt – Doris als Führerin voraus👍. An besonders geschützten Stellen konnten wir schwache Spuren nutzen, welche uns auch bestätigten, in Richtung Motti unterwegs zu sein. Kurz vor P.1911 kamen Zweifel auf, weil ein tief verschneites Grätchen zu begehen war – stimmte die Richtung? GPS-Bestätigung sei Dank, erreichten wir bald einmal Pian-Töi, eine Verzweigung auf 1893 m. Hier steht auch eine schöne Hütte, die wir auf dem Rückweg besuchten. An der Verzweigung entschieden wir uns für den Aufstieg über den anspruchsvollen Steilhang, auf welchem vertrauenswürdige Spuren zu erkennen waren. Bis zum Gipfel waren noch 315 Aufstiegsmeter zu bewältigen. Wenn die Querung des evtl. rutschgefährdeten Steilhangs gut gelingt, sollten wir um 13:15 Uhr, nach etwa 60 Minuten also, auf dem Gipfel ankommen. Die problematische, der Sonne voll ausgesetzte Querung, begingen wir zügig, mit äusserster Vorsicht und mit Sicherheitsabstand. Nicht nur der Anstrengung wegen floss der Schweiss in Strömen… Ab einer Höhe von 2050 m.ü.M. waren keine Spuren mehr zu erkennen – der Wind der vergangenen zwei Tage hatte Wirkung. Der windgepresste Schnee erlaubte den Gipfelaufstieg ohne allzu aufwändige Spurarbeit. Und die Orientierung war auch kein Problem, immer in Richtung höchstem Punkt. Der Gipfel selbst zeigte sich aber erst kurz vor dem letzten Aufschwung, ca. 80 Hm unterhalb. Das markante Gipfelkreuz und die Wegweiser waren nicht zu verfehlen. Und pünktlich waren wir auch – 13:15 Uhr! Doch da müsste doch eine Schutzhütte stehen, das legendäre Rifugio Föisc?! Vollständig eingeschneit, der Eingang mit einem winzigen freigeschaufelten Loch zu erkennen – die Hütte stand bestimmt drei Meter unter Schnee. Im Innern könnten angeblich 8 Personen «wohnen» – mehr Infos siehe hier. Auf dem Gipfel bot sich dann ein Panorama der Sonderklasse. Ostseitig nur ja nicht zu nahe auf die Wächte treten! 350 m unter uns der Lago Ritóm mit der Staumauer Piora, dahinter der Lago Cadagno und der Lago di Tom und das Val Piora. Am 360°- Horizont wetteiferten nahe und ferne Gipfel um die Gunst; die Tiefblicke in die Leventina, ins Val Bedretto hinüber und nach Airolo hinunter waren absolut betörend. Nach diesem Genuss folgte die verdiente Gipfelrast vor der Schutzhütte und bei Windstille und angenehmer Temperatur (geschätzte 4 bis 8 Grad). Und das Unerwartete: der Gipfel gehörte uns alleine!

Der ausgiebigen Gipfelrast folgte der Abstieg auf (fast) identischer Strecke. Die Variante über die Bochetta di Föisc hinunter ins Val di Büi war keine Option – zu gefährlich. Wir achteten lediglich darauf, den im Aufstieg beschriebenen Steilhang umgehen. Also wichen wir oberhalb nach O aus, um im meterhohen Schnee irgendwie zwischen den Bäumen durch gefahrlos, jedoch freeride-mässig Pian-Töi zu erreichen. Das gelang, und schon durften wir uns freuen, an der sensationell gelegenen Hütte mit dem treffenden Namen Carpe Diem eine Trinkpause einzulegen. Im weiteren Abstieg folgte über Motti wieder das bekannte Grätchen, dann über wunderschönes Gelände hinunter bis zu den Hütten von Rütan. Der weitere Abstieg auf dem Güterweg schon fast erholsames Auslaufen, um schliesslich beim Startpunkt in Brugnasco zu «landen». So, das war nun doch eine sportliche Tour – die uns etwas mehr forderte. Jedenfalls freuten wir uns auf ein Panaché in Ronco Bedretto. Und die für morgen auf der Heimfahrt prov. Tourenidee (Pizzo dell’Uomo ab Lukmanierpass) lassen wir wohl eher bleiben😅…

Fazit:
Ein wiederum frühlingshafter Schneeschuh-Wandertag der Extraklasse, gespickt mit fast tausend Auf- und Abstiegsmetern – wir durften zufrieden sein… Und sehr speziell heute: auf der gesamten Tour sind uns keine Berggänger begegnet(!).

Wetterverhältnisse:
Unglaubliche Schneemengen, anfänglich pulvrig, im Tagesverlauf unterhalb 1800 m.ü.M. sulzig, kaum Spuren, und falls solche vorhanden windgepresst, ungetrübter Sonnenschein, frühlingshafte (-5° bis 10° C), je nach Exposition windstill.

Lawinengefahr:
Laut SLF Stufe 3 erheblich (seit Tagen)

Ausrüstung:
Schneeschuhe, Stöcke, LVS, Sonde, Schaufel, GPS

Parameter:
Tour-Datum: 23. März 2021
Schwierigkeit: WT3
Strecke: 12.4 km, Brugnasco (ca. 1355 m, Abstellplätze beim ersten Bauernhof an der Strasse) – Campoi (1448 m) – P.1516 – Rütan P.1604 – Motti (P.1911) – Pian Töi (1893 m) – Piatto di Larici – Föisch Rifugio (2208 m) – Abstieg wie Aufstieg (Variante Umgehung Steilhang bis Pian Töi)
Aufstieg: ca. 930 m
Abstieg: ca. -910 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 6 Std. 30 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 4 Std. 25 Min.
Tageszeit: 09:45 bis 16:15 Uhr

Val Bedretto – von All’Acqua (1622 m) bis Alpe di Cruina (P.2056 m)

Vorwort:
Zu Fuss auf der Nufenenpassstrasse – das geht nur im Winter, wenn die Wintersperre gilt. Dann ist das Val Bedretto am Oberlauf des Flusses Ticino ein vergessenes Tal. Wenige kommen auf die Idee, am Südportal des Gotthardstrassentunnels ins Tal des jungen Ticino abzubiegen. Im Winter fällt hier nicht selten Schnee in rauhen Mengen. Oft gehen an den hohen Bergflanken grosse Lawinen nieder, was dazu führt, dass das Tal zeitweise von der Aussenwelt abgeschnitten ist. Der grösste Teil des Tals gehört zur gleichnamigen Gemeinde Bedretto, zu welcher auch die Ortschaften Ronco Bedretto, Villa Bedretto und Ossasco zählen. Das erste Dorf im Tal, Fontana, liegt auf dem Gebiet der politischen Gemeinde Airolo. Die höchstgelegene Ortschaft im Tal ist All’Acqua, wo in der Regel die Wintersperre beginnt, und die Skitouren- und Schneeschuhläufer unter sich sind. Auf den beiden Talseiten warten viele Gipfelziele und bekannte Hütten, z. B.: auf der Südseite der Pizzo San Giacomo, der Pizzo Grandinagia, das Helgenhorn und das Gebiet um die Cristallinahütte, auf der Westseite die Capanna Corno-Gries am Eingang des Val Corno und wenig später am Südfuss des Nufenenstocks der Cornopass und als Übergang ins italienische Val Formazza der Griespass. Auf der Nordseite das Chüebodenhorn, der Pizzo Rotondo und weiter östlich der Pizzo Lucendro. Oberhalb All’Acqua, auf der Alpe di Rotondo, steht die Capanna Piansecco auf einer Höhe von 1980 m, welche wir heute zu erreichen hofften…

Die Idee, die Hütte in einer Runde über die Alpe di Cruina (P.2097) via die Cave delle Pigne zu erreichen, um dann dem Sommerweg folgend durch die Riale di All’Acqua abzusteigen, entpuppte sich bald als Illusion – der Lawinengefahr wegen. Wir starteten beim hintersten Parkplatz in All’Acqua. Auf der Passstrasse lag hier bestimmt ein Meter Schnee. Viele Spuren, hart gefroren, ideale Verhältnisse also für einen Schneeschuhspaziergang. Nach etwa einem Kilometer ein erstes Gefahrenzeichen: ein etwa 70 m breiter einige Tage alter Lawinenzug im Bereich der Riale Partus war auf immerhin sicheren Spuren zu überqueren. Ab und zu war zu erkennen, dass wir auf der Passstrasse liefen, zur Linken der eingeschneite Ticino – wunderbar! Vor der ersten Doppelkurve verliessen wir die Strasse, um direkt zu P.1837 aufzusteigen. Bald weitete sich das Gelände, und vor uns lag die Cantina di Cruina – von den Gebäuden waren nur die Dächer zu sehen. Vor uns türmten sich der Nufenenstock und der Scaglia di Corno auf, links war die Capanna Corno-Gries (das «Alpenraumschiff») auszumachen. Einige hundert Meter nach der Cantina di Cruina verliessen wir die Passstrasse, um über unverspurtes Gelände direkt aufzusteigen – etwas krampfen wollten wir schon noch! Ziel war es, den knapp 100 Hm höher gelegenen P.2097 an der Haarnadelkurve der Passstrasse zu erreichen. Das Gelände erreichte eine Steilheit von knapp 30°, schweisstreibende Spurarbeit war gefordert – zum Glück sanken wir auf der windgepressten Unterlage nur wenig ein. 400 Meter vor der Haarnadel kapitulierten wir: zu heikel erschien uns der Weiterweg in Richtung Capanna Piansecco. Machte nichts, also Umkehr im steilen Gelände. Nahe P.2041 – dort wo im Sommer ein Wanderweg die Passstrasse unterquert, stehen ein paar Hütten, und wenige Meter daneben ragten einige Felsbrocken aus dem Schnee – ideal für eine Mittagsrast bei Windstille(!) und voll an der Sonne. Beste Aussicht zu den gegenüber stehenden Gipfeln, u.a. Helgenhorn. Etwa dreihundert Meter westlich, am Fuss der Scaglia di Corno, fanden einige Gämsen etwas Nahrung auf einer abgeblasenen Moräne. Vom aussichtsreichen und absolut ruhigen Rastplatz konnten wir uns kaum losreissen. Im folgenden Abstieg beobachteten wir bei Paltano von der Doppelkurve aus einige Skitourenfahrer, welche vom Helgenhorn via Passo San Giacomo abfuhren – spektakulär! Auf der restlichen Strecke entlang des Ticino war wieder der Lawinenzug zu überqueren. In diesem Bereich beobachteten wir etwas irritiert einige verwegene Skitüreler im lawinengefährdeten, steilen und südseitig ausgesetzten Gelände, die es offensichtlich nicht sein lassen konnten. Beim unterbesetzten Parkplatz in All’Acqua angekommen, schloss sich unsere landschaftlich sehr reizvolle Schneeschuhwanderung – respektabel in der Distanz, etwas weniger anspruchsvoll als auch schon. Nach kurzer Fahrt erreichten wir Ronco, wo wir für drei Nächte im hübschen Berghotel Stella Alpina logierten (sehr zu empfehlen, ausgezeichnete regionale Küche!)

Fazit:
Ein frühlingshafter Schneeschuh-Wandertag im uns unbekannten Bedrettotal – wir kommen gerne wieder!

Wetterverhältnisse:
Viel Schnee, anfänglich hart und windgepresst, im Tagesverlauf unterhalb 2000 m.ü.M. sulzig, ungetrübter Sonnenschein, frühlingshafte (-6° bis 6° C), kaum spürbarer Wind (gemeldet war starker Nordföhn mit Böen von 50 bis 80 km/h).

Lawinengefahr:
Laut SLF Stufe 3 erheblich (seit Tagen)

Ausrüstung:
Schneeschuhe, Stöcke, LVS, Sonde, Schaufel, GPS

Parameter:
Tour-Datum: 22. März 2021
Schwierigkeit: WT2
Strecke: 11.6 km, All’Acqua (oberster Parkplatz) – Manió (1740 m) – Doppelkurve bei P.1837 – Cantina di Cruina (1902 m) – Alpe di Cruina P.2028 – P.2056 (Umkehrpunkt) – Abstieg wie Aufstieg
Aufstieg: ca. 460 m
Abstieg: ca. -460 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 4 Std. 40 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std. 20 Min.
Tageszeit: 10:10 bis 14:50 Uhr

Valle di Muggio – Rundwanderung

Für den dritten Tag unseres Aufenthalts im Mendrisiotto war eine leichte Wanderung, fast schon ein Spaziergang, angesagt. Wir fuhren also nach Bruzella ins Valle di Muggio. Am Ortszentrum bei der Kirche verliessen wir dieses schöne Dorf westlich, um ein kurzes Stück auf der Hauptstrasse zu laufen. Dann links haltend in Richtung Casima/Mulino di Bruzella. Nach 700 m verliessen wir die Forststrasse, welche zur Mühle führt, nach links. Steil, sehr steil und rutschig durch den Wald hinunter bis zur Breggia, welche über eine Brücke überquert wird. Mittlerweile an der Sonne, der Aufstieg zum nach Süden ausgerichteten kleinen Dörfchen Casima. Dieses durchquerten wir in schmalen Gässchen bis zum östlichen Ortsende. Vorbei am Friedhof blieben wir auf der erreichten Höhe von ca. 660 m. Kastanien, Buchen – und Laubmusik unter den Füssen; stimmungsvoll! Nach 4.5 km erreichten wir die Häuser bei Tur dell’Alpe und wenig später San Giovanni. Dort steht ein schönes Kirchlein an prominenter Lage – leider mitten in einer Rossweide. Also kein Picknick hier; wäre auch zu früh… Abstieg also zur Breggia, über die Brücke hoch nach Muggio. Auf der Piazza fanden wir eine sonnig gelegene Bank – ideal für eine Mittagsrast. Blick zum Monte Generoso, Distanz 3.4 km, Höhendifferenz 1050 m – und dessen Wahrzeichen, Mario Bottas Fiore di Pietra natürlich. Er übrigens aus dem Valle di Muggio stammend. Nach dem Verzehr der mitgebrachten Leckereien ab zur nahe gelegenen Bar, wo es ausgezeichneten Espresso gab. Weiter ging es auf dieser (linken) Talseite, abseits der Hauptstrasse, auf schön angelegtem WW bis zum nahen Dorf Cabbio (50 Jahre ist es her…). Jetzt folgte der 120 m-Abstieg zur Breggia resp. zur Mulino di Bruzella. Eindrücklich, dieses antike Kleinod – im Sommer gegen Eintritt geöffnet und wohl gut besucht. Jetzt noch der Schlussaufstieg zum hundert Meter höher gelegenen Ausgangspunkt Bruzella.

Hinweis:
Eine nicht sehr anstrengende und nicht sehr lange Wanderung in einem der schönsten Südtäler im Ticino – wäre auch mal ein Ausgangspunkt für eine Tour auf den Migros-Berg…

Wetterverhältnisse:
Wiederum ein feiner Herbsttag (kaum auszuhalten😊), Temperatur ca. 8 bis 18°.

Hilfsmittel:
Normale Wanderausrüstung, Stöcke, KartenmaterialParameter:
Tour-Datum: 10. November 2020
Schwierigkeit: T1-2
Strecke: 9.4 km, Bruzella (593 m) – Breggia – Casima (617 m) – Friedhof – Tur dell’Alpe – San Giovanni (Kirche 659 m) – Breggia – Muggio (649 m) – Cabbio (644 m) – P.609 – Mulino di Bruzella – Bruzella
Aufstieg: ca. 602 m
Abstieg: ca. -606 m
Laufzeit ohne Pausen: total ca. 3 Std.
Laufzeit mit Pausen: total ca. 4 Std. 10 Min.
Tageszeit: 11:10 bis 15:20 Uhr