Archiv der Kategorie: Tessin

Valle di Muggio – Rundwanderung

Für den dritten Tag unseres Aufenthalts im Mendrisiotto war eine leichte Wanderung, fast schon ein Spaziergang, angesagt. Wir fuhren also nach Bruzella ins Valle di Muggio. Am Ortszentrum bei der Kirche verliessen wir dieses schöne Dorf westlich, um ein kurzes Stück auf der Hauptstrasse zu laufen. Dann links haltend in Richtung Casima/Mulino di Bruzella. Nach 700 m verliessen wir die Forststrasse, welche zur Mühle führt, nach links. Steil, sehr steil und rutschig durch den Wald hinunter bis zur Breggia, welche über eine Brücke überquert wird. Mittlerweile an der Sonne, der Aufstieg zum nach Süden ausgerichteten kleinen Dörfchen Casima. Dieses durchquerten wir in schmalen Gässchen bis zum östlichen Ortsende. Vorbei am Friedhof blieben wir auf der erreichten Höhe von ca. 660 m. Kastanien, Buchen – und Laubmusik unter den Füssen; stimmungsvoll! Nach 4.5 km erreichten wir die Häuser bei Tur dell’Alpe und wenig später San Giovanni. Dort steht ein schönes Kirchlein an prominenter Lage – leider mitten in einer Rossweide. Also kein Picknick hier; wäre auch zu früh… Abstieg also zur Breggia, über die Brücke hoch nach Muggio. Auf der Piazza fanden wir eine sonnig gelegene Bank – ideal für eine Mittagsrast. Blick zum Monte Generoso, Distanz 3.4 km, Höhendifferenz 1050 m – und dessen Wahrzeichen, Mario Bottas Fiore di Pietra natürlich. Er übrigens aus dem Valle di Muggio stammend. Nach dem Verzehr der mitgebrachten Leckereien ab zur nahe gelegenen Bar, wo es ausgezeichneten Espresso gab. Weiter ging es auf dieser (linken) Talseite, abseits der Hauptstrasse, auf schön angelegtem WW bis zum nahen Dorf Cabbio (50 Jahre ist es her…). Jetzt folgte der 120 m-Abstieg zur Breggia resp. zur Mulino di Bruzella. Eindrücklich, dieses antike Kleinod – im Sommer gegen Eintritt geöffnet und wohl gut besucht. Jetzt noch der Schlussaufstieg zum hundert Meter höher gelegenen Ausgangspunkt Bruzella.

Hinweis:
Eine nicht sehr anstrengende und nicht sehr lange Wanderung in einem der schönsten Südtäler im Ticino – wäre auch mal ein Ausgangspunkt für eine Tour auf den Migros-Berg…

Wetterverhältnisse:
Wiederum ein feiner Herbsttag (kaum auszuhalten😊), Temperatur ca. 8 bis 18°.

Hilfsmittel:
Normale Wanderausrüstung, Stöcke, KartenmaterialParameter:
Tour-Datum: 10. November 2020
Schwierigkeit: T1-2
Strecke: 9.4 km, Bruzella (593 m) – Breggia – Casima (617 m) – Friedhof – Tur dell’Alpe – San Giovanni (Kirche 659 m) – Breggia – Muggio (649 m) – Cabbio (644 m) – P.609 – Mulino di Bruzella – Bruzella
Aufstieg: ca. 602 m
Abstieg: ca. -606 m
Laufzeit ohne Pausen: total ca. 3 Std.
Laufzeit mit Pausen: total ca. 4 Std. 10 Min.
Tageszeit: 11:10 bis 15:20 Uhr

Denti della Vecchia – Grenzwanderung an den imposanten Kalktürmen

Die Denti della Vecchia sind eine bizarre Graterhebung zwischen Monte Brè und Cima di Foiorina, einer Bergkette, die sich von Lugano im Westen bis zum Regagno im Osten erstreckt. Die Bergkette trennt das Val Colla im Norden vom Lago di Lugano im Süden. An der italienischen Südflanke befindet sich die Alpe di Castello. An den Denti kann auch geklettert werden (bis 6. Grad). Ausgangspunkt für unsere Tour war Villa Luganese, ein Vorort Luganos. Im Ortszentrum starteten wir beim öffentlichen Parkplatz Piàn Pomè. Den gegenüberliegenden historischen Ortskern durchliefen wir über die Zona Cèta, um auf die Ra Strada dra Créda zu gelangen. Der Wanderweg führt in direkter Linie hoch, die Strada dra Créda immer wieder überquerend. Durch herrlichen Kastanienwald erreichten wir rasch den Weiler Créda. Die «Zähne der Alten» ragten 600 m hoch über uns auf. Meriggio heisst der Wald, durch den wir unter den Kalktürmen in östlicher Richtung querten. Vorbei am Hof Scirona galt es wenig später etwas oberhalb des Weilers Murio auf ca. 900 m.ü.M. rechts zu halten. Noch immer im Schatten (im Schatten der Denti) erreichten uns im Gebiet Suagia die ersten Sonnenstrahlen – welche Wohltat! An zwei (markierten) Stellen könnte man weglos direkt zu den Felszähnen aufsteigen – was wohl kaum ohne Kletterübungen machbar wäre… Weiter östlich, beim P.1267, erreichten wir offenes (und sonniges) Weideland, und bald auch die aussichtsreich gelegene Capanna Pairolo (geschlossen 1.11.2020-1.5.2021). Hier treffen wir auf erste Bergwanderer. Auf der Hüttenterrasse geniesst man den wunderbaren Ausblick bis zu den grossen Wallisern und Bernern. Bei annähernd 20 Grad (an der Sonne) war es Zeit für eine ausgiebige und genussvolle Rast. Gestärkt machten wir uns auf zu den südwestlich stehenden Denti, in diesem Abschnitt Sasso Palazzo genannt. Bald begegneten wir den erste bizarren Kalkfelsen; einen ersten (P.1471) umgingen wir nördlich. An dieser nördlich ausgerichteten Stelle sorgte der Bodenfrost dafür, an den wenigen ausgesetzten Stellen vorsichtig zu laufen. In leichtem Auf und Ab bewegten wir uns auf einer Höhe von ca. 1450 m. Beim Übergang Basso d’Ogé der Wechsel auf die (sonnige) Südseite und folglich genau auf die Landesgrenze CH-I. Einige hundert Meter weiter der Übergang Passo Streccione, wo der eingangs erwähnte Direktaufstieg einmündet. Weiter auf der Grenze führt der schmale, und an wenigen Stellen etwas ausgesetzte Pfad vorbei an den bis 90 m aufragenden Denti della Vecchia – immer wieder unterbrochen von spektakulären Durch- und Tiefblicken. Beim Grenzstein 7M1 angelangt, folgte der steile und weglose Abstieg zur Bocchetta di Brumea (1292 m). Zum guten Glück war die Unterlage vollkommen trocken… Jetzt noch der Zickzack-Abstieg immer schön auf dem Grat laufend; mittlerweile öffnete sich der Blick nach Lugano und in die spätnachmittägliche Sonne – phantastisch dieser Ausblick! Vor Erreichen des Übergangs Pian di Scan genossen wir an bester Lage den herrlichen Ausblick zum Finsteraarhorn und Konsorten. Über die Pian di Scan war die Alpe Bolla rasch erreicht, das Grotto Capanna Alpe Bolla saisonbedingt ebenfalls geschlossen. Einige Meter vor dem Grotto hatten wir die Wahl zwischen zwei Abstiegsmöglichkeiten – wir wählten den sonnigeren, aber wohl auch etwas schwierigeren Weg nach Villa Luganese hinunter. Steil, manchmal leicht ausgesetzt, aber gut zu begehen. Bei Créda schloss sich der Kreis, der Restabstieg folgte der Aufstiegsstrecke vom Vormittag. Kurz vor Sonnenuntergang erreichten wir gutgelaunt und glücklich den Ausgangspunkt.

Hinweis:
Ein zu dieser Jahreszeit und wohl auch Covid-19-bedingt einsame Wanderung im spannenden Grenzgebiet nordöstlich Luganos. Anforderungsreich und mit über 1000 Hm konditionell respektabel.

Wetterverhältnisse:
Wiederum ein bilderbuch-mässiger Herbsttag, Temperatur ca. 6 bis 14°.

Hilfsmittel:
Normale Wanderausrüstung, Stöcke, Kartenmaterial

Parameter:
Tour-Datum: 9. November 2020
Schwierigkeit: T2-3
Strecke: 14.7 km, Villa Luganese (600 m) – Créda (799 m) – Scirona – Murio – P.1268 – Capanna Pairolo (1349 m) – Bassa d’Ogé (1398 m) – Passo Streccione (1400 m) – Grenzstein 7M1– Bocchetta di Brumea (1262 m) – P.1283 – Pian di Scan (1173 m) – Alpe Bolla (1128 m) – P.895 – Creda (799 m) – Villa Luganese
Aufstieg: ca. 1073 m
Abstieg: ca. -1072 m
Laufzeit ohne Pausen: total ca. 5 Std. 20 Min.
Laufzeit mit Pausen: total ca. 7 Std.
Tageszeit: 10:10 bis 17:10 Uhr

Monte San Giorgio 1096 m – der Berg der Dinosaurier

Vom Bergdorf Meride im Mendrisiotto, wo wir für 4 Tage logierten, führt die Rundwanderung hinauf auf den Monte San Giorgio und hinein ins UNESCO-Weltnaturebe. Aufgrund spektakulärer Fossilienfunde wurde das Gebiet 2003 zum UNESCO-Weltnaturebe erklärt. Diesen Panoramaberg haben wir schon mal bestiegen Ende März 2019, damals ab Riva San Vitale; dieser Aufstieg ist zurzeit gesperrt wegen Sturmschäden. Macht nichts, ab Meride gibt es gute Alternativen. Wir entschieden uns für den Aufstieg über unsere damalige Abstiegstrecke, also verliessen wir Meride am westlichen Dorfrand, hoch zur Kirche San Silvestro. Es folgte eine scharfe Rechtskurve, dann steil hoch über eine alte kopfsteinbepflasterte «Strasse». Buchen und Kastanien im schönsten Herbstkleid – und wie in dieser Jahreszeit üblich, «Musik» unter den Füssen. Nach dreihundert Hm eine Lichtung, Cassina (San Ulderico/Rifugio Adenofora, 886 m) – eine kleine Kapelle mit abgetrenntem Aufenthaltsraum. Weiter dem markierten Weg folgend, erreichten wir unterhalb Forello die Ruine des vecchio Albergo San Giorgio. Jetzt noch ein paar Schritte und schon war der Monte San Giorgio erreicht, auf dessen Gipfelgelände das Oratorio di Monte San Giorgio steht (eine Art Gebets- und Einkehrhaus) – heute geöffnet, aber nicht «bewirtet». Die drei hinter dem Gebäude stehenden Bankniederlassungen waren besetzt; der Genuss dieses faszinierenden Panoramas (siehe Bilder) ist auch stehend vollkommen. Nach einem Gespräch mit sympathischen Gleichgesinnten lösten wir uns vom gebotenen Ausblick nur ungern. An einem sonnigen und aussichtsreichen Punkt unterhalb des Gipfelgeländes genossen wir die Rast – mit Ausblick zum Monte Rosa-Massiv. Für den Abstieg wählten wir nicht den direktesten Weg; beim P.925 hielten wir nach Norden in Richtung Alpe di Brusino. Der steile Pfad durch den Wald war tückisch, weil unter dem knöchelhohen Laub jede Menge Stolpersteine «warteten». Immer wieder der Blick durch den lichten Wald hinunter zum 700 Hm tiefer liegenden Lago di Lugano. Nach dreihundert Streckenmetern verliessen wir die markierte Spur nach links, um auf einem in der LK zwar eingezeichneten, nicht aber markierten alten Pfad in Richtung Bergstation der Seilbahn Brusino Arsizio-Serpiano abzusteigen. Mehrheitlich weglos, hielten wir uns an gelegentlich sichtbare Trittspuren und alte Wegzeichen. Dieser Abschnitt hat uns trotz der vielen Hindernisse (umgestürzte Bäume, hohe Tritte) sehr gut gefallen. Stöcke leisteten hier gute Dienste. Etwas oberhalb der Stne. di Serpiano erreichten wir den WW von/nach der Alpe di Brusino. Jetzt liefen wir auf etwa 650 m Höhe in Richtung Serpiano. Den touristischen Hotelkomplex bekamen wir nicht zu Gesicht, weil wir ihn etwa 50 Hm oberhalb umgingen. Immer noch auf stark belaubter Wegstrecke erreichten und überquerten wir die Fahrstrasse nach Serpiano. Bei Crocefisso (670 m), einem wiederum an der Fahrstrasse liegenden markanten Wegpunkt, hielten wir nach W, in Richtung des Gipfels Poncione d’Arzo (1015 m, T2); dieser Grenzgipfel wäre in 1 Std. zu erreichen. Nach hundert Metern die Verzweigung in Richtung Meride (50 Min.). Wenig steil und über schöne Trampelpfade hinunter zur Campagna, vorbei an den Gebäuden des Weilers Spinirolo. Bei der Fontana di Meride folgten wir der Fahrstrasse durch die enge Schlucht; danach erreichten wir den Ausgangspunkt unserer Wanderung – Meride. Zur Belohnung gönnten wir uns ein Bier im schönen Hof unseres Domizils, der historischen Locanda San Silvestro (sehr zu empfehlen, nur 7 Zimmer, Übernachtung günstige Fr. 100/Zimmer/Nacht).

Hinweis:

Trotz dem Umstand, dass heute Sonntag war, und in dieser Zeit (Corona-bedingt) viele Leute wanderten, begegneten wir heute wenigen Gleichgesinnten. Gerade in dieser (ruhigen) Jahreszeit ist die Tour sehr lohnend – nicht zuletzt deshalb, weil die Seilbahn Brusino Arsizio-Serpiano und die Alpen mit ihren Beizen bereits geschlossen waren.

Wetterverhältnisse:
Ein Herbsttag wie aus dem Bilderbuch, unten blau, oben blau, Temperatur ca. 8 bis 15°.

Hilfsmittel:
Normale Wanderausrüstung, Stöcke, Kartenmaterial

Parameter:
Tour-Datum: 8. November 2020
Schwierigkeit: T2
Strecke: 10.7 km, Meride (580 m) – San Silvestro (606 m) – P.864 – Cassina (San Ulderico/Rifugio Adenofora, 886 m) – Forello (1032 m) – Monte San Giorgio (1096 m) – Forello (1032 m) – P.923 – P.670 – oberhalb Serpiano – Crocefisso (670 m) – Spinirolo (606 m) – Fontana (594 m) – Meride
Aufstieg: ca. 650 m
Abstieg: ca. -650 m
Laufzeit ohne Pausen: total ca. 3 Std. 40 Min.
Laufzeit mit Pausen: total ca. 5 Std. 20 Min.
Tageszeit: 10:10 bis 15:30 Uhr

Zwei Tage auf den Spuren der Walser (Val Formazza)

Die Geschichte der Walser fasziniert; auf deren Spuren zu wandern, führte uns vom Tessin über den Griespass in die italienische Region Piemont ins Val Formazza (deutsch: Pomatt). Richi’s Idee und ein von ihm aufbewahrter Zeitungsbeitrag aus dem Jahre 2012 waren die Grundlage für unsere zweitägige Wandertour. Zwar haben wir keine Walser angetroffen, welche noch «Pomatter Titsch» sprechen. Immerhin sind in diesem Tal aber die meisten Örtlichkeiten und Lokale zweisprachig angeschrieben. Grund genug, es im folgenden Bericht auch so zu halten.

1. Tag: Alpe Cruina – Cornotal – Griespass – Val Formazza/Pomatt – Ponte/Zum Schtäg)
Anreise bis Airolo am Vorabend; Übernachtung im Hotel Forni (gegenüber Airolo Stazione). Die Haltestelle Cruina (2035 m) an der Nufenenpassstrasse im Val Bedretto erreichten wir mit dem Postauto ab Airolo Stazione nach 30 Min. Fahrzeit kurz vor neun Uhr. Von dort stiegen wir in 55 Minuten zur auf 2333 m.ü.M stehenden Corno Gries-Hütte SAC (auch «Alpenraumschiff» genannt). Erst dort genossen wir den Startkafi – bei formidablem Herbstwanderwetter übrigens. Das Val Corno, das sich von der Hütte bis zum Cornopass hinzieht, ist landschaftlich und geologisch hochinteressant. Kurz vor dem Griespass der fast schon malerische Griessee (ein Stausee, 2386 m) am Rande der Gletscherwelt. Zwischen Nufenenpass und Val Formazza/Pomatt erinnert wenig an das Tessin, wie man es sich landläufig vorstellt. Trotzdem, oder gerade deshalb, ist diese Gegend ein spektakulärer Teil des Südkantons. So wanderten wir also gestärkt weiter, um über die nächsten 2.2 km ca. 180 Hm aufzusteigen. Ein paar Meter über dem grünblau leuchtenden Lago del Corno hielten wir uns an der Verzweigung links (rechts ginge es in Richtung Mändeli nahe der Staumauer und über den seit 2017 wegen Steinschlag gesperrten Wanderweg zum Nufenenpass). Hier befanden wir uns auf dem auf der Kantonsgrenze TI/VS liegenden Cornopass (2485 m); vor uns der Stausee, dahinter der Griesgletscher mit den Gipfeln Rothorn, Blinnenhorn, Klein Blinnenhorn, und links das mächtige Bättelmatthorn (3044 m). Hier fällt sofort auf, dass der nördliche Strom des Griesgletschers nicht (mehr) mit dem Hauptstrom zusammenfliesst. Eindrücklich auch das Panorama bis hin zu den Berner Hochalpen (Lauteraarhorn bis Sidelhorn). Nach wenigen hundert Metern und leichtem Abstieg erreichten wir den Griespass (2458 m), ein Saumpass, welcher auf der Landesgrenze CH/I liegt. Hier öffnet sich der Blick nach Süden, beispielsweise zum Rif. Città di Busto CAI (2482 m) und zum direkt dahinterstehenden Corno di Ban (3028 m). Unter uns die Schwemmebene Valle del Gries mit dem Rio del Gries und der Alp Bättelmatt. Wenige Schritte und etwas tiefer liegend machten wir den kurzen Abstecher zur westlich gelegenen Kapelle, welche drei verunglückten Pfadfindern gewidmet ist und auch als Biwak für vier Personen dient. Die (offene) Hütte kam uns gerade recht, um vor dem starken Südwind geschützt zu rasten (gegen Entrichtung eines angemessenen Obulus). Jetzt der steile Abstieg zur Bättelmatt hinunter, wo über eine Strecke von 2 km 360 Abstiegsmeter zu bewältigen waren – ziemlich steil also, aber gut zu begehen. Wir näherten uns dem Stausee Lago di Morasco, bis zu dessen Mauer aber nochmals 200 Hm Abstieg zurückzulegen waren. Der Zugang zur am nördlichen Zufluss über den See gespannten Hängebrücke ist nicht öffentlich (Eigentum der ENEL). Entlang des Sees erreichten wir rasch die Mauer, von wo zum Weiler Morasco abgestiegen wird. Jetzt noch einen knappen Kilometer bis Riale/Z’Chärbach, einem (musealen) Dörfchen mit hübschen Walser Häusern. Hier steht unübersehbar ein Restaurant mit grossem Garten und dem Namen «Walser Schtuba» – gerade richtig, um unseren Durst zu löschen (kritische Bemerkung: in Sachen Gastfreundschaft hat die Beiz viiiiel Potenzial nach oben☹ – je eine halbe Stunde Wartezeit für Bestell- und Zahlvorgang!). Wir zogen weiter, nach Überquerung der Fahrstrasse links über die Brücke beim Aalts Dorf vorbei. Auf diesem flachen Abschnitt spazierten wir (immer noch locker…) weiter, um über einen kurzen Abstieg La Frua/Uf ä Frütt zu erreichen. Hier folgte der nächste (touristische) Höhepunkt: die Cascate del Toce/Tosafälle; 143 m stürzt das Wasser des Toce ab über eine enge Talstufe hinunter – wirklich sehenswert! Heute Samstagabend werden die Wasserfälle sogar illuminiert und musikalisch beschallt – ohne uns. Vor uns liegen noch mehr als 5 km, zuerst aber der steile und steinschlaggefährdete Abstieg seitlich der Wasserfälle. Vorbei an Sotto Frua/Under Frütt, vorbildlich markiert, weiter bis zur Siedlung Canza/Fruduwald (1412 m), welches wir westlich des Bachs passierten. Vorbei an Grovella/Gurfälu verpassten wir kurz vor Brendo/In dä Brendu eine Abzweigung; direkt vor dem grossen Gebäude des EW korrigierten wir, um die letzten vierhundert Meter bis zum Tagesziel nicht ganz ungefährlich auf der Strasse abzulaufen. In Ponte/Zum Schtäg standen wir fast schon unvermittelt vor dem gegenüber der Kirche liegenden Albergo Ristorante Edelweiss. Kurz nach 18 Uhr eintreffend, wurden wir sehr gastfreundlich empfangen. Die Zimmer verfügen über allen nötigen Komfort, vor allem über die sehnlichst erwarteten Duschen. Sich hinzulegen musste warten, denn schliesslich erwartete man uns um ca. 19 Uhr zum Apéritif und Abendessen. Was uns hier geboten wurde, war beste regionale Küche (z. B. Affettati misti, leckere Gnocchi und Taglierini, Brasato con Polenta, Crostata, und natürlich passende Weine). So wunderte es nicht weiter, dass wir erst gegen elf Uhr in die Heia gefallen sind.

Parameter 1.Tag:
Tour-Datum: 21. September 2019
Schwierigkeit: T2
Strecke: ca. 21 km, ab Haltestelle Cruina (2035 m) – Corno Gries-Hütte SAC – Cornopass – Griespass (2458 m) – Bättelmatt – Lago di Morasco – Riale/Z’Chärbach – Cascata del Toce/Tosafälle – Sotto Frua/Under Frütt – Ponte/Zum Schtäg (1280 m)
Aufstieg: ca. 680 m
Abstieg: ca. 1420 m
Laufzeit ohne Pausen: total ca. 6 Std. 10 Min.
Laufzeit mit Pausen: total ca. 9 Std. 10 Min.

2. Tag (Ponte/Zum Schtäg – Guriner Furggu – Bosco Gurin)
Das mit der «ruhigen und erholsamen Nacht» traf voll zu. Frühmorgens der Blick zum Fenster hinaus: trist das Wetter, unsere Stimmung dennoch im Hoch! Das Frühstück leider nicht vor acht Uhr möglich, was uns verwunderte. Eigentlich wollten wir früher starten, weil am zweiten Tag 1200 Aufstieg und 1000 m Abstieg gefordert waren und wir gerne um 14:35 Uhr das Postauto in Bosco Gurin erreichen wollten. Und: heute wie angekündigt (aber nicht erhofft) ein feuchter Tag – zum Glück ohne grosse Niederschläge. Um 08:15 Uhr konnten wir starten. Die ersten 4 km flaches (fröhliches) Einlaufen bis Fondovalle/Stafelwald. Dann begann der wirklich fordernde Abschnitt: über etwas mehr als 4 km 1200 Aufstiegsmeter – für Marathonmann Richi kein Problem, für mich doch happig (nach dem gestrigen Tag…). Bis zur Alpe Stavello (1594 m) ein gut markierter und schön angelegter Aufstieg, auf Serpentinen gewannen wir rasch an Höhe. Das Gelände wurde steiler und unruhiger (felsige Abschnitte), entlang dem Torrente Ribo wirklich in direkter Linie, ab und zu den Bach querend (trockenen Fusses möglich). Dann auf ca. 2000 m.ü.M. eine markant markierte Verzweigung, geradeaus zur Hendar Furggu, rechts eine Felswand unterquerend eine leichte Kletterstelle (T3), danach hoch bis zu einer Rinne, diese hoch bis P.2353 m, dem heute höchsten (namenlosen) Punkt mit Kreuz. Wegen des Nebels ohne Sicht auf die vermuteten benachbarten Gipfel (links Martschenspitz, rechts Ritzberg). Im Schutz der Felsen fanden wir einen Platz für unsere Mittagsrast und etwas Erholung – schliesslich waren wir ziemlich sportlich unterwegs, jedenfalls weit unter den Zeitvorgaben (4 Std. ab Fondovalle/Stafelwald). Auf dem Weiterweg, 25 Min. bis zur 30 Hm tieferliegenden Guriner Furggu,  waren noch einige rutschige Steilhänge zu queren (>T3). Kurz vor dem Übergang das auf italienischer Seite gelegene, im Nebel ansatzweise zu sehende, namenlose Seelein. Genau auf dem Übergang hat uns die Schweiz wieder. Nichts wie weiter, fast schon im Direktabstieg. Oberhalb der Grossalp suchten wir vergebens nach der Bergstation des Sessellifts, der uns nach Bosco Gurin hinunterbringen sollte. Nur von weitem war zu erkennen, dass die Anlage (entgegen der im Internet publizierten Betriebszeiten) nicht lief. Wenig tröstlich: bald einmal war die Cap. Grossalp UTOE erreicht. Laute Musik, leise Gastfreundschaft, keine Gäste; der Hüttenwart ziemlich forsch abweisend, so dass wir unser Vorhaben, seine Kunden zu werden, abbrachen. Weiter absteigend über Naatscha erreichten wir vom Nieselregen mittlerweile etwas durchnässt endlich das im Nebel liegende schöne Walserdorf Bosco-Gurin kurz vor 15 Uhr. Zu spät für die geplante Postautoabfahrt. Macht nichts – dachten wir – schliesslich wird es ein Gastronomie-Angebot geben. Nur: die öffnen ihre Küchen allesamt wie abgesprochen erst um 19 Uhr(!) – Gastfreundschaft sieht anders aus. In einem Hotel-Restaurant wollte man uns nicht einmal kalte Plättli servieren. Kaffee, Tee, Kuchen mussten ausreichen. Bis zur nächsten Postautoabfahrt um 16:40 dauert es etwas. Also diente uns die Absteige wenigstens als ziemlich luxuriöse Umkleide – nasse Kleidung gegen trockene. Negativ beeindruckt verliessen wir diesen schönen Ort, um nach 4 Stunden Reise Airolo wieder zu erreichen. Im Hotel/Restaurant Forni genossen wir um 20:45 Uhr warme Küche vom Feinsten, bevor wir von unserem Schofför Richi nach Hause gegondelt wurden.

Fazit:
Eine fordernde und genussvolle Zweitagestour, Bilderbuchwetter am ersten Tag, suboptimales Wetter am 2. Tag. Zusammen mit Susanne und Richi erlebten wir ein wunderbares (gell Doris…) und unvergessliches Wanderwochenende – ein herzliches Dankeschön für eure freundschaftliche Begleitung.

Wetterverhältnisse:
Am ersten Tag wolkenlos und sonnig bei ca. 10 bis 18°, an exponierten Lagen kräftiger Wind aus SW, am zweiten Tag grau, feucht und nieslig, 8 bis 13°, wenig Wind.

Hilfsmittel:
Feste Wanderschuhe, Stöcke; Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter 2. Tag:
Tour-Datum: 22. September 2019
Schwierigkeit: T2 (Stellen T3 ab ca. 2300 m.ü.M. bis Guriner Furggu)
Strecke: ca. 13.3 km, ab Ponte/Zum Schtäg (1280) – San Michele/Tuffaled – Fondovalle/Stafelwald (1219 m) – Alpe Stavello (1594 m) – P.2353 m – Guriner Furggu (2323 m) – Grossalp – Bosco Gurin (1503 m)
Aufstieg: insgesamt ca. 1200 m
Abstieg: insgesamt ca. 1000 m
Laufzeit ohne Pausen: total ca. 4 Std. 30 Min.
Laufzeit mit Pausen: total ca. 6 Std. 15 Min.

Lukmanierpass – Capanna Bovarina – Pass Cristallina – Sogn Gions

Wieder einmal lockte eine zweitägige Hüttentour in einem für uns unbekannten Gebiet an der Grenze GR/TI.

1. Tag (Lukmanierpass – Capanna Bovarina UTOE)
Ab Haltestelle Pardatsch Dadens erreichten wir mit dem Postauto den Lukmanierpass nach zehnminütiger Fahrzeit kurz vor elf Uhr. Den Startkafi genossen wir auf der Hinfahrt bereits in Disentis, also starteten wir um 11 Uhr. Gleich gegenüber dem Ospizio del Lucmagn wurden wir auf den richtigen Weg gewiesen: Laufzeit bis zum Tagesziel ca. 3 Stunden. Erst führte die Wegspur in östlicher Richtung über Alpweiden, anfänglich leicht, und bald einmal stärker steigend – die Sonne voll im Gesicht. Bei P.2156 (I Traversoni) dann eine erste Kehre und wenig später eine zweite. Zur linken der Cima del Moro (2522 m), den wir unterquerten. Nach der Überquerung einer grossen Runse wurde der Weg etwas ruppiger, nie aber ausgesetzt. Nach 75 Min. erreichten wir die Foppa die Negra (knapp 2400 m) – mystische Stimmung hier oben: leichte Nebelschwaden drückten vom Tal hinauf und packten die eigenartig geformten schwarzen Felsbrocken (Gana negra) ein. Die Höhe haltend, erreichten wir eine halbe Stunde später den Passo di Gana Negra, von wo auch in Richtung Olivone abgestiegen werden könnte. Wir hielten weiter nach Osten, um an einem hübsch gelegenen Seelein zu rasten – die grandiose Aussicht zu den Adula-Alpen mit dem dominanten Rheinwaldhorn/Adula (3402 m) geniessend. Über unseren Köpfen heftiger Lärm: die vielen Bergdohlen fühlten sich bedroht von einem kreisenden Adlerpaar. Vor uns eine kleine Schwemmebene, dann begann der Abstieg von ca. 560 Hm über die Alpe di Bovarina zur Hütte. Unterwegs immer wieder diese schwarzen Brocken, herbstlich gefärbte Natur, hübsche Seelein – das letzte und schönstgelegene unmittelbar oberhalb der Alpgebäude. Hier bemerkten wir, etwa 150 m zu weit nach Süden gelaufen zu sein, weshalb wir  ohne Wegmarkierungen auskommen mussten. Egal, nach ein paar Metern auf der Alpstrasse erreichten wir wieder den WW und die Brücke über den Ri di Gana Negra. Jetzt noch ca. 1 km bis zum Tagesziel, welches wir um 15 Uhr erreichten. Eine recht einsame Tour (gerade mal 4 Personen angetroffen) fand einen schönen Abschluss. Vom Hüttenwartspaar Yvonne und Loris freundlich begrüsst, bezogen wir unser Lager (4 Betten für uns!). In der heute Sonntag nur mit 9 Gästen besetzten Hütte (40 Plätze) genossen vier den späten Nachmittag und später die nette Tischgesellschaft (alles Deutschschweizer…), und zum Abschluss das Abendessen.

2. Tag (Capanna Bovarina UTOE – Pass Cristallina – Sogn Gions)
Wir erlebten eine ruhige und erholsame Nacht. Nicht zu früh, kurz vor 7 Uhr, Tagwacht und anschliessend Frühstück. Was für ein Panorama präsentierte sich: die Adulaalpen und der Luzzone-Stausee im Osten, und hinter der Capanna der nicht mehr ganz volle Mond. So fühlten wir uns total motiviert, ein zweiter toller Wandertag vor uns! Kurz vor neun Uhr machten wir uns auf den Weg in Richtung Pass Cristallina, gut markiert und nicht zu verfehlen. Nach einer kurzen Walddurchquerung hielten wir in Richtung N (nun voll an der Sonne), unter uns das Val di Campo, über uns die Cima della Bianca (2893 m) resp. deren östliche Ausläufer. Dort wo das Wasser des kleinen Val d’Inferno(!) herunterfloss, hielten wir nach O um dann oberhalb des Alpgebiets Orlone ziemlich steil und direkt aufzusteigen (Gebiet Céti Buair), bis zum Lago Retico immerhin 400 Hm über eine Strecke von 1.5 km. Hier rauf zu keuchen sollte uns recht sein, hatten wir doch die Energiezufuhr des Vorabends und des Frühstücks zu verbrennen. Auf einer Höhe von 2372 m dann die erste Offenbarung heute: der Lago Retico – was für ein wundervoller Bergsee! Zwei Fischer versuchten gerade Trotte zu fangen, während uns ihr beeindruckender Pastore Svizzero (kein Priester!) freundlich beschnupperte. Nach der östlichen Umrundung des Sees der kurze Aufstieg zum Pass Cristallina (2399 m), wo eine längere Trinkpause angesagt war. Schliesslich galt es vom Adula-Panorama Abschied zu nehmen und den Blick ins sich nordseitig ausbreitende Abstiegsgelände zu geniessen. In achthundert Meter Luftlinie leuchtete der etwa 100 Hm tiefer liegende Bergsee namens Laiets. Bis dorthin war der Abstieg blockig, aber gut markiert (wrw). Nach dem Laiets dann eine ziemlich ruppige Steilstufe, wo auch mal die Hände (anstelle der Stöcke) gebraucht wurden. Im Plaun Grond (2141 m), einem riesigen Kessel gleich, genossen wir die Mittagsrast, umrundet von einer mächtigen Felswand. Ab hier wurde das Gelände etwas weniger felsig, aber noch immer steil. Entlang einem Weidezaun (Warnung vor Herdenschutzhunden, die wir nicht zu Gesicht bekamen) stiegen wir weiter ab bis Stavel dil Laiets (2059 m), einer Wehr der Axpo, wo das Wasser in die Schlucht Bucca digl Uffiern abstürzt. Über eine neugebaute Brücke mit Blick ins wilde Val Uffiern gelangten wir auf die unbefestigte Fahrstrasse, um in leichtem Wiederaufstieg bis Stavel digl Uffiern. Über zwei Kehren erreichten wir schliesslich das Gebiet Landschems, wo sich die Bäche des Val Casatscha und des Val Uffiern zum Rein da Cristallina vereinen. Jetzt hatten wir den nicht gerade knieschonenden Teil unseres Abstiegs hinter uns. Der Weiterweg durch das offene Val Cristallina zog sich dann noch etwas hin: ca. 3.5 km, aber nur noch ca. 100 Hm. Vorbei an vielen militärischen Anlagen und an der schön gelegenen Alp Cristallina (leider keine Alpbeiz😴, aber eine friedliche Muttertierherde), erreichten wir zügig den Endpunkt unserer Zweitagestour – den kurz vor der Lukmanier-Passstrasse gelegenen Parkplatz Pardatsch Dadems.

Wichtig:
Das Val Cristallina ist EMD-Versuchsschiessplatz; über Sperrzeiten sollte man sich unbedingt vor der Tour informieren: Koord Absch 32 / armasuisse +41 58 480 23 32

Fazit:
Eine recht einsame zweitägige Hüttentour im schönen und wilden Grenzgebiet der Kantone Ticino und Graubünden – sehr zu empfehlen!

Wetterverhältnisse:
An beiden Tagen sehr sonnig, am SO mit leichter Bewölkung, am MO ungetrübt, trocken, angenehme 12 bis 24°, unterwegs je nach Exposition kaum störender Wind aus Südost (herbstliches T-Shirt-Wetter also!).

Hilfsmittel:
Feste Wanderschuhe, Stöcke; Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 15./16. September 2019
Schwierigkeit: T2 (Stellen T3 ab Pass Cristallina)
Strecke: total 22 km, davon am 1. Tag 9 km ab Lukmanierpass (1920 m) – Passo di Gana Negra (2434 m) – Alpe Bovarina – Capanna Bovarina UTOE (1870 m), am 2. Tag 13 km ab Capanna Bovarina UTOE – Lago Retico (2372 m) – Pass Cristallina (2399 m) – Laiets (2307 m) – Plaun Grond (2141 m) – Stavel dil Laiets (2059 m) – Stavel digl Uffiern (1976 m) – Landschems – Val Cristallina – P Pardatsch Dadens (1559 m)
Aufstieg: insgesamt ca. 1152 m (1. Tag 539 m, 2. Tag 613 m)
Abstieg: insgesamt ca. 1470 m (1. Tag 574 m, 2. Tag 896 m)
Laufzeit ohne Pausen: total ca. 7 Std. 25 Min. (1. Tag: 3 Std. 10 Min, 2. Tag: 4 Std. 15 Min.)
Laufzeit mit Pausen: total ca. 10 Std. 15 Min. (1. Tag: 4 Std. 15 Min, 2. Tag: 6 Std.)

Monte San Giorgio 1096 m – Panoramagipfel über dem Lago di Lugano

Jawohl – Wiederholungstäter sind wir! Wie vor einer Woche nochmals mit einer Spartageskarte (Fr. 59.00) und einer Mitfahrkarte (Fr. 38.00) ins Tessin. Nach dreieinhalb Stunden ÖV-Fahrt war der Ausgangspunkt erreicht – Capolago/Riva San Vitale. Von dort starteten wir um 10:30 Uhr. Der Monte San Giorgio, dieser nahe der Südgrenze CH-I gelegene Aussichtsberg ist seit 2003 Unesco-Welterbe. Kurz etwas zur Geologie: der Monte San Giorgio wurde während der Entstehung der Alpen gebildet, als sich vor sage und schreibe 95 Millionen(!) Jahren die damalige afrikanische Platte gegen Norden zu verschieben begann und die eurasische Platte zusammendrückte. Der kräftige Schub der afrikanischen Platte führte zu einer Serie von Verformungen am südlichen Rand der Kollisionszone, wo sich das Gebiet des Monte San Giorgio befand. Der ehemalige Meeresboden wurde nach oben gedrückt, so dass er aus dem Wasser auftauchte und den heutigen Berg bildete. Heute präsentiert sich der Monte San Giorgio als pyramidenähnlicher Berg mit einer Höhe von 1096 Metern, bestehend aus verschiedenartigen, etwa 30° nach Süden geneigten Gesteinsschichten. Weitere spannende Infos hier.

Die Wanderung begann wenig attraktiv mit der etwa 800 m langen Strecke entlang der Strasse nach Riva San Vitale, wo unterwegs auch das aus dem Luganersee fliessende Flüsschen Laveggio überquert wird. Bei wenig störender Bise und bei leichten Minusgraden war das historische Zentrum von R.S.V. nach wenigen Minuten erreicht. Gut ausgeschildert wurden wir durch die Gassen hoch zur monumentalen Kirche Santa Croce geführt. Erst nach Norden haltend waren die letzten Häuser des Städtchens bald erreicht. Auf dem w-r-w markierten Weg standen wir bald einmal hundert Hm über dem See. Nach einem kleinen Weinberg plötzlich eine farbiges Absperrband und der plakative Hinweis «Sentiero interrotto a causa di alberi caduti». Den Hinweis zur Kenntnis nehmend begannen wir mit dem Aufstieg; ziemlich steil und über Stock und Stein (und im Wald) verlief der fortlaufend gut markierte Pfad erst ins kleine Cumaval hinein. Bald wechselten wir die Seite des Tälchens, um diese in Richtung N zu verlassen. Ab und zu lag etwas Holz quer – nicht wirklich hindernd. Den Hügel Alberello (661 m) umliefen wir östlich und weiter in Richtung N, um bald die Verzweigung bei P.605 zu erreichen, welche ins Valle Sant’ Antonio führt. Wir hielten links (Vorgabe Monte San Giorgio 1:20 Std.). Mittlerweile in Richtung SO aufsteigend, erreichten uns immer wieder ein paar wärmende Sonnenstrahlen. Bei P.812 (Pozzo) eine weitere markierte Verzweigung, bis zum Gipfel noch 50 Minuten. Wunderschönes, lichtes Waldgelände, vorbei an jungen Blüten und Gräsern. Beim mit Dossi bezeichneten P.995 öffnete sich der Ausblick auf den See und Lugano. Nun – nach einer weiteren Richtungsänderung (N) – folgte der letzte, etwas flacher verlaufende Aufstieg zum Gipfel; rechts (N) über Fels schroff abfallend, links (W) wenig steiles Alpgelände. Nach zwei Stunden Laufzeit (ohne Pausen gerechnet) erreichten wir das auf dem Gipfelgelände stehende Oratorio di Monte San Giorgio (einer Art Gebets- und Einkehrhaus) – heute geschlossen. Hinter dem Gebäude drei Bankniederlassungen zur Auswahl; die schönste Lage annektierten wir, um beim Genuss dieses formidablen Panoramas (siehe Bilder) ausgiebig zu rasten. Eine einzige Wanderin (ebenfalls aus dem Zürioberland) kam dazu, wollte sich unbedingt auch auf unserer Bank niederlassen😒.

Vom gebotenen Ausblick konnten wir uns fast nicht loslösen, aber vor uns noch der Abstieg über ca. 850 Hm. Gleich südlich des Oratorios eine ausgeschilderte Auswahl: wir entscheiden uns für den Abstieg nach Meride über Forello, Cassina, Meriggio, San Silvestro. Teile dieser Strecke sind wunderschön angelegt, sehr steinig und weil steil ziemlich anstrengend zu begehen. Teilweise nutzten wir parallel verlaufende (weichere) Trampelpfade. Vorbei an der bei Forello stehenden Ruine des vecchio Albergo San Giorgio erreichten wir Cassina (San Ulderico/Rifugio Adenofora, 886 m). Nun folgte der plattige und kunstvoll steinige Weg über Meriggio hinunter bis zur Kirche San Silvestro. Trotz der Schönheit der bisherigen Abstiegsstrecke waren wir nicht unglücklich, das schöne Bergdörfchen Meride (580 m) zu erreichen. Das Dorf durchstreiften wir fast schon gemütlich spazierend. Am Dorfende nach links haltend (w-r-w in Richtung N – Riva San Vitale), ahnten wir, dass da schon noch 300 m Höhendifferenz vor uns lagen. Dieser Streckenabschnitt verläuft überwiegend schattig, über hohe Tritte und über sehr steiles, schluchtartiges Gelände im Val Serrata. Immer der Tiefblick ins Tal hinunter, waren es dann doch 1.8 km – gut, dass es heute trocken war. Leicht ermattet erreichten wir endlich die Talstrasse am Ortsbeginn. Ein paar hundert Meter bis zur Ortsmitte – jetzt hatten wir genug, und das «zufälligerweise» haltende Postauto brachte uns elegant und in wenigen Minuten nach Capolago. Bis wir alles «bäscheled» hatten, brauste auch schon die S10 heran, welche uns nach Bellinzona brachte. Der weitere Reiseverlauf war reinste Wellness: IC21 bis Arth-Goldau, VAE bis Rapperswil, S15 nach Hause…

Hinweis:
Kaum ausgetrampelte Pfade lassen den Schluss zu, dass der Monte San Giorgio auf der von uns gewählten Aufstiegsvariante kaum begangen wird. Für die Massen ist der Aufstieg ab Meride kürzer und auch einfacher. Lohnend war die Tour allemal – gerade auch zu dieser (ruhigen) Jahreszeit.

Wetterverhältnisse:
Wieder ein schöner Frühlingstag (so darf es weiter gehen!), blau-blau-blau, Temperatur ca. 0 bis 12°.

Hilfsmittel:
Stöcke, Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 27. März 2019
Schwierigkeit: T2
Strecke: 11.9 km, Capolago (273 m) – Riva San Vitale (273 m) – Kirche Santa Croce – P.366 – P.501 – P.605 – Pozzo (P.812) – P.995 – Monte San Giorgio (1096 m) – Forello (1032 m) – Cassina (San Ulderico/Rifugio Adenofora, 886 m) – P.865 – San Silvestro (606 m) – Meride (580 m) – San Antonio (P.573 m) – Val Serrata (P.525) – P.393 – Ortsteil Ronco (276 m, R.S.V.) – Riva San Vitale (273 m)
Aufstieg: ca. 860 m
Abstieg: ca. -850 m
Laufzeit ohne Pausen: total ca. 5 Std. 45 Min.
Laufzeit mit Pausen: total ca. 4 Std. 10 Min.