Archiv der Kategorie: Tessin

Monte Pravello 1012 m, Poncione d’Arzo 1017 m

Unser Ziel heute: die beiden Gipfel nahe Meride, welche in der Nachbarschaft des Hausbergs Monte San Giorgio stehen, hart auf der Grenze zu Italien. Die Wanderung begann und endete direkt ab Dorfzentrum. Nach dem westlichen Dorfende ein kurzes Stück auf der Via Serpiano, vorbei an der kleinen Kapelle Visago. Beim Ortsteil Fontana di Meride P.595 verliessen wir die Strasse um auf der Via Alla Campagna in Richtung Spinirolo zu laufen. Kurz vor Waldbeginn wurde es ruppiger, in einer Art Bachrunse der romantische Aufstieg zum Crocefisso (einem Übergang nach Serpiano). Wir blieben westlich des Übergangs (P.670), um jetzt nach W zu laufen. Weiterhin sehr ruppig und teilweise über viel Laub, so dass sich der Einsatz der Stöcke lohnte. Beim Grenzstein Nr. 57 (ca. 820 m.ü.M.) standen wir auf der Landesgrenze CH-I. Gegen N der Durchblick auf den 540 m unter uns liegenden Lago di Lugano, Porto Ceresio, Morcote, Melide und San Salvatore. Nun quasi genau auf der Grenze aufsteigend, erreichten wir die Grenzsteine Nr. 58 und 59. Hier, im Gebiet Albero della Sella hatten wir ein kurzes Stück abzusteigen. Zur linken der Blick zum Nachbar Monte San Giorgio, dahinter der Monte Generoso. Der im Schatten des Monte Pravello verlaufende Gipfelaufstieg hatte es in sich: steil, schmal, auf der kurzen Strecke von ca. 400 m waren etwa 130 Hm zu bewältigen. Der Aufstieg verlief genau der Landesgrenze, auf beiden Seiten der Grenze verläuft ein Aufstiegspfad, teilweise nur wenige Meter und getrennt durch einen Zaun. Wir entschieden uns, in der Schweiz zu bleiben😅, auch wenn der italienische Pfad in wesentlich gepflegterem Zustand war(!). Der Aufstieg verlangte Trittsicherheit, auch wenn es keine ausgesetzten Stellen gab. Den Gipfel des Monte Pravello erreichten wir in zwei Stunden. Oben angekommen, trafen wir auf die heute einzigen Berggänger, ein junges Paar aus Bergamo (die beiden hatten riesige Pizzen aufgetischt). Nach einem kurzen Austausch und dem Genuss der formidablen Aussicht machten wir uns auf zum zweihundert Meter ostwärts und fünf Meter höherstehenden Poncione d’Arzo. Dieser steht unscheinbar zwischen Bäumen, die Sicht deshalb eingeschränkt. Ein sehr bescheidenes Häuschen markiert den «Arbeitsplatz» der früher hier oben tätigen Grenzwächter. Hier fanden wir einen windgeschützten Platz für eine kurze Gipfelrast. Danach begann der steile Abstieg über 500 Hm. Erst noch genau entlang der Landesgrenze, verliessen wir diese bei Grenzstein Nr. 62/P.886. Danach hielten wir nach SO bis zur Weide Pre Sacco bei P.769. Ab hier wurde der Pfad zu einem Weg, der uns nun weniger steil zum P.905 (Costa di Prabello) führte. Obwohl der Blick nach Meride dessen Nähe suggerierte, gab es keine Möglichkeit für einen Direktabstieg (steile Felswände). Bald erreichten wir die ersten Brüche der Cave di Marmo d’Arzo. Es folgte ein eindrücklicher und spannender Abstieg durch die stillgelegten Steinbrüche – gleich einem natürlichen Amphitheater. Sehr stimmungsvoll, dieser Ort der Geschichte des alten Handwerks der Steinbrucharbeiter. Jahrhundertelang wurde der bunte Marmor von Arzo abgebaut; um die 200 Arbeiter waren hier beschäftigt bis 1912. Unfassbar, mit welchen bescheidenen Mitteln die tonnenschweren Steine ins Tal befördert wurden. Am Ende der Brüche vermitteln antike Produktionsstätten Eindrücke über die sehr harte Arbeit. Was damals vielen Menschen Broterwerb war, dient heute als Erlebnispfad. An der Strasse nach Meride angelangt, waren es nur wenige hundert Meter bis zur vor drei Tagen wiedereröffneten Osteria La Guana. In der Gartenwirtschaft liessen wir es uns gutgehen bei Bier, Brot, Käse und Salametti. Wenige hundert Meter weiter erreichten wir unseren Ausgangspunkt Meride wieder – mit den Eindrücken einer besonders abwechslungsreichen Wanderung.

Fazit:
Wie schon gestern: Vorfrühling im Südtessin – schöner geht es nicht!

Wetterverhältnisse:
Sonne, Sonne, Sonne, wolkenlos, nächtliche Minustemperaturen, Temperaturen im Bereich -5 bis +5°, wenig Wind aus W.

Ausrüstung:
Bergwanderschuhe, Stöcke, Kartenmaterial, GPS

Parameter:
Tourdatum: 28. Februar 2022
Schwierigkeit: T2+
Strecke: 9 km: Meride (579 m) – Fontana die Meride (594 m) – Via Alla Campagna – Spinirolo (606 m) – Crocefisso – Grenzstein Nr. 57 CH-I – Albero di Sella Grenzstein Nr. 59 – Monte Pravello (1012 m) – Poncione d’Arzo (1017 m) – Grenzstein Nr. 61 – Pre Sacco P.769 – Costa di Prabello (705 m) – Cave di Marmo – Via Cave di Marmo – Alla Guana – Meride
Aufstieg: ca. 560 m
Abstieg: ca. -560 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std. 15 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std. 15 Min.
Tageszeit: 10:30 bis 15:45 Uhr

Monte Bar 1816 m – ab Corticiasca (TI)

Einleitung:
Darf man sowas? Wandern in dieser Zeit, wo gerade ein grosser Krieg – nur gerade 1700 km von unserer Haustüre entfernt – losgetreten wird und grosses Leid bringt? Wir liessen es uns nicht nehmen – auch wenn uns die Ereignisse grosse Sorge bereiten.

Den Winter haben wir gesehen, der Frühling darf kommen! Ein paar Tage im Mendrisiotto, wo das Tessin noch typisch italienisch ist, das versprachen wir uns. Meride, das kleine Bergdorf am Hang des Monte San Giorgio war – wie schon einmal – unser idealer Standort für drei Übernachtungen. Am Anreistag (Samstag) unternahmen wir einen T2-Spaziergang durch die Geschichte: der nahe gelegene Parco archeologico Tremona-Castellobot einen Einblick in eine fremde Welt, wie sie während 6000 Jahren bis ins 14. Jahrhundert existierte. Der ca. 3.8 km lange Rundweg führte uns vorbei an einer mitten im Wald gelegenen Cantina mit Bocciabahn, mit Aussicht zum 380 m tiefer gelegenen Riva San Vitale und das südliche Ende des Lago di Lugano. Der leichte Wiederaufstieg nach Meride führte vorbei am Antico Grotto Fassati, wo wir am Abend köstliche Gerichte genossen.

Nun zur Tour von heute Sonntag:

Ziel für heute war der Monte Bar, dieser wunderbare Aussichtsberg in den Luganeser Voralpen, dessen nach Süden ausgerichteter Aufstieg viel Sonne versprach. Für die Fahrt über Lugano ins Val Colla benötigten wir 45 Minuten. Im Bergdörfchen Corticiasca fanden wir problemlos einen Parkplatz am östlichen Dorfausgang. Einige Gleichgesinnte hatten das gleiche Ziel, der Andrang hielt sich aber in Grenzen (die geöffnete Capanna Monte Bar CAI lockte…). Nach dem kurzen Aufstieg zur Ortsmitte hielten wir nach O zur Kirche. Ausgeschildert (WW weiss-rot-weiss «Monte Bar via Monte») stiegen wir zwischen Kirche und Friedhof steil auf über staubtrockenes Wiesland bis zur zweiten Kurve der geteerten Fahrstrasse. Auf dieser legten wir die nächsten fünfhundert Meter zurück bis zum P.1143. Jetzt der Direktaufstieg zum und am Weiler Monte vorbei hoch zur Forststrasse. Nach einem kurzen Wegstück verliessen wir die Naturstrasse in nördlicher Richtung, um markiert und durch lichten Wald direkt aufzusteigen. Im Gebiet Badairolo überquerten wir eine Forststrasse, um auf guter und markierter Spur weiter aufzusteigen. Mittlerweile auf einer Höhe von 1300 m.ü.M. wunderten wir uns darüber, dass der gewählte Aufstieg auf der LK 1:25000 nicht eingezeichnet war. An einer auf 1400 m liegenden Stelle erreichten wir den Waldrand, wo uns die Sonne verwöhnte – ein idealer Platz für eine Trinkpause. Und der Ausblick gegen O ging ins Val Colla und zu den italienischen Gipfeln. Auch wenn wir auf einem nicht auf der Karte eingetragenen Weg unterwegs waren, machten wir uns keine Sorgen; drei Spitzkehren weiter oben errreichten wir das Waldende und den von der etwas westlich gelegenen Alpe Musgatina herführenden Pfad. Nun voll an der Sonne (und im Wind!) querten wir nach O, oberhalb der Piazza Grande. Am östlichen Ende, an einer abfallenden Geländekante die Richtungsänderung nach NW, die fünfzig Meter höherstehende Capanna Monte Bar CAI kam ins Blickfeld. Auf dem vierhundert Meter langen Weg zur Hütte der erste Schneekontakt heute, ein kleines Restschneefeld. 1 Stunde 25 Minuten für den Aufstieg – nicht schlecht für uns. Auf den Besuch der 2016 neu erbauten Hütte verzichteten wir – zu gross der Andrang! Gleich oberhalb der Hütte der Wanderwegweiser und die Sicht zum Gipfelziel: 200 Höhenmeter, sollte in 20 Minuten zu schaffen sein. Ein unschwieriger Aufstieg, mit Schneekontakt unterhalb des Gipfels; die Querung auf gefrorener Unterlage aber harmlos. Oben angekommen, betörte uns das grandiose 360°-Panorama bei bester Fernsicht (bis 180 km!). An eine Gipfelrast war nicht zu denken, zu ungemütlich der starke Wind. Also machten wir uns an den Abstieg über den nicht sehr ausgeprägten Westgrat. Lediglich die Traverse über ein Schneefeld verlangte etwas Vorsicht, danach folgte der Steilabstieg bis zum P.1566 (ca. 1.2 km). Ab hier wäre auch der Caval Drossa 1632 m) zu erreichen – den wir uns schenkten. Nach einem kurzen und weglosen Abstieg über spindeldürre Grasbüschel gelangten wir auf den von der Capanna herkommenden (geteerten!) Fahrweg. Auf dieser von uns nicht gerade geliebten Unterlage erreichten wird bald den einmaligen und stark besuchten Aussichtspunkt Motto della Croce, wo ein monumentales Kreuz steht. Lugano und Umgebung zu Füssen. Ab hier wählten wir den ausgeschilderten Pfad zur Alpe Rompiago hinunter, wo es was zwischen die Zähne gibt. Bis dorthin (20 Minuten) verläuft der Pfad deutlich anspruchsvoller, als bisher, sogar mit zwei kleinen Bachquerungen. Auf der Alpe angelangt, wurden wir begrüsst von einer grossen Schar von Tieren (Hühner, Schafe, Ziegen). Im gemütlichen Wintergarten der wunderbar gelegenen Alpwirtschaft genossen wir kurz vor drei Uhr nachmittags hauseigene Produkte (Salametti, Büscion, Pane) und verdientermassen due Birre. So gestärkt machten wir uns auf den Weiterweg, ca. 1 Stunde bis hinunter zum Ausgangspunkt in Corticiasca. Nach etwa 600 m Teerstrasse verliessen wir diese nach N in Richtung P.1231, dem hintersten Punkt im Valle del Fiume Bello. Jetzt änderte die Richtung nach S, fast schon windstill und die wärmende Sonne im Gesicht. Vor uns der Blick über das Val Colla hinweg zu den bizarren Denti della Vecchia, die wir im November 2020 bewandert haben. Im Gebiet Grasso, unterhalb der Alpe Musgatina (dort wo der Normalweg zu Capanna Monte Bar abzweigt), bogen wir nach rechts weg in Richtung P.1197. Hier verläuft die Spur spektakulär zwischen offensichtlich mal abgestürzten Felsblocks. Bald erreichten wir die Häuser des Weilers A Còzze und wenig später El Montascín. Nach der kleinen Schlucht El Cügnö die ersten Häuser von Corticiasca – Ende einer wunderbar sonnigen Geburri-Tour mit einigen Auf- und Abstiegsmetern.

Fazit:
Vorfrühling im Südtessin – schöner geht es nicht!

Wetterverhältnisse:
Sonne, Sonne, Sonne, wolkenlos, nächtliche Minustemperaturen, Temperaturen ab 1000 m.ü.M. im Bereich -11 bis -3°, ziemlich kräftiger Wind aus S.

Ausrüstung:
Bergwanderschuhe, Stöcke, Kartenmaterial, GPS

Parameter:
Tourdatum: 27. Februar 2022
Schwierigkeit: T2
Strecke: 13.3 km: Corticiasca (1040 m) – P.1056 (Chiesa) – I Canécc Brüsà – P.1144 – Monte – Badairolo – Pian Carasso – Capanna Monte Bar (1600 m) – P.1609 – Monte Bar (1816 m) – P.1566 – Corte di Camorino – Piano Calderè – P.1418 – Motto della Croce (1393 m) – Alpe Rompiago (1275 m) – P.1231 (Valle del Fiume Bello) – P.1197 – A Còzze – El Montascín – Corticiasca
Aufstieg: ca. 877 m
Abstieg: ca. -871 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 6 Std. 5 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 4 Std. 15 Min.
Tageszeit: 10:45 bis 16:50 Uhr

Der Weg nach Gandria und zurück

Auf der Rückfahrt aus dem Mendrisiotto machte die Sonnenstube der Schweiz ihrem Zusatznamen alle Ehre. Also bot sich diese vielbegangene Montags-Wanderung geradezu an – nach fünfundvierzig Jahren wieder einmal… Parkieren war mitten in Lugano kein Problem, im Parkhaus Piazza Castello. Der Spaziergang führte durch den schön angelegten Parco Civico zur Mündung des Cassarate und weiter dem Lido entlang nach Castagnola, leicht aufsteigend vorbei an der Villa Favorita. Unschwer zu erkennen, dass hier am Fuss des Monte Brè unzählige Villen des Geldadels stehen. Kurz vor S. Domenico, dort wo ein Allgemeines Fahrverbot steht (was einige Biker grosszügig missachteten), liefen wir dem See entlang unterhalb des Parco degli Ulivi auf dem Sentiero di Gandria. Am Grotto Elvezia vorbei folgte bald einmal Scarigiöla und der mächtige Felsvorsprung. Dieser Teil war früher ein nicht ganz trivial geführter Bergweg – heute durch eine Galerie vor Steinschlag geschützt und über eine bequeme Treppe zu umgehen. Bald erkannten wir die Häuser von Gandria – die engen Gässchen und den Kirchturm stehen noch immer hier am selben Ort. In einem der Ristoranti lassen wir es uns gut gehen; wir hatten gerade Glück, einen Tisch zu ergattern. Wenige Minuten später brachte ein Schiff eine volle Ladung Touris, welche überfallartig in die Gässchen stürmten. Der Rückweg dann gemütlich und auf derselben Strecke – viel Gegenverkehr, Grüezi, Grüezi! Zurück in Lugano gabs dann zum Abschluss Gelati. So waren wir ausreichend gestärkt für die Heimfahrt.

Hinweis:
Ein sonniger Herbstspaziergang vom feinsten, und das in netter Begleitung unserer lieben ex-Nachbarn – grazie mille!

Wetterverhältnisse:
Ein Herbsttag wie aus dem Bilderbuch, Temperatur ca. 9 bis 18° C.

Hilfsmittel:
keine, ausser vielleicht nicht gerade Ballerinas

Parameter:
Tour-Datum: 11. Oktober 2021
Schwierigkeit: T1
Strecke: 10.4 km, siehe Karte am Schluss dieses Berichts
Aufstieg: ca. 200 m
Abstieg: ca. -200 m

Valle di Muggio – Festa della Castagna

Nach der Anreise und dem Check-in in der Villa Oleandro folgte die abenteuerliche Fahrt ins hinterste Valle di Muggio nach Scudellate. Das Ziel: die Osteria Manciana mitten im Dorf und direkt an der Haarnadelkurve gelegen, in welcher man nicht ohne zweimal anzusetzen durchkommt. Hier befindet sich übrigens das Epizentrum des kulinarischen Valle di Muggio. Wir waren (voll beabsichtigt) zwei Stunden zu früh; also gab’s noch eine kurze «Wanderung» von 35 Minuten nach Erbonne. Das sehenswerte Dorf liegt 940 m ü. M. und auf der linken Seite der Breggia, im höchstgelegenen Teil des Muggiotals – und es liegt in Italien; und das beste: das Kleinod ist von der Schweiz aus nur per pedes zu erreichen. Noch neun Erbonnesi leben hier oben. Und – wichtig genug – mitten im musealen Dörfchen steht die sagenhafte Osteria del Valico. Dort angekommen, absolvierten wir den kürzesten Dorfrundgang unserer Wanderkarriere, um anschliessend «Schutz» vor der kühlen Witterung (ca. 8° C) zu finden – direkt am Kamin des sehr nostalgischen Lokals. Affetatti misti (9 Euro), Formaggini freschi u.a. mit dem Geheimtipp Zincarlin (6 Euro), saftiger Weisswein. Auch wenn wir wussten, dass hier ein längerer kulinarisch erstklassiger Abend verbracht werden könnte, verzichteten wir auf weitere Gänge – denn erstens erwartete uns der doch ziemlich felsige Wanderweg zurück nach Scudellate, und zweitens die dortige Osteria Manciana. Und ausserdem gibt es hier oben kaum Parkplätze, weshalb wir etwa einen Kilometer weiter oben an der Strasse kurz vor Roncapiano parkierten. Nach 4.6 km zu Fuss waren wir bereit für das was jetzt folgte: Insalate, Gnocchi al ragù casalingo di salsiccia, camoscio e polenta del paiolo. Auf den Zincarlin als Nachspeise mussten wir verzichten – das holen wir zuhause nach… Nach diesem Vollprogramm der Verdauungsmarsch (mit Stirnlampen «bewaffnet») hoch nach Roncapiano und ab dort wieder hinunter nach Casima. So darf ein Abend im Valle di Muggio immer beginnen…

Nach dem «vollen» Genussprogramm vom Vorabend war für heute Sonntag etwas mehr Bewegung angesagt. Zusammen mit unseren langjährigen Nachbarn galt die Runde heute der Castagna – die Sagra della Castagna in Morbio Superiore fand pandemiebedingt leider nicht im gewohnten Rahmen statt. Also führten wir unser eigenes kleines Fest durch.

Direkt von unserem Domizil, dem wunderschönen B&B Villa Oleandro im hübschen Dörfchen Casima, starteten wir. Durch die schmalen Gässchen erreichten wir am östlichen Ortsende den Wanderweg in Richtung Muggio. Vorbei am aussichtsreich gelegenen Friedhof hielten wir die Höhe von ca. 660 m. Kastanien, Buchen – und unter den Füssen herbstliches Laub – stimmungsvoll! Auf dem Weg bis zur Tur dell’Alpe hatten wir alle Hände voll zu tun. Zwar waren vor uns offensichtlich fleissige Sammler unterwegs, für uns blieb aber dennoch reichlich Ernte. Unterwegs waren einige Tälchen mit ausgetrockneten Bachläufen zu queren. Kurz vor Tur verliessen wir den Wald und es folgte der kurze, steile Aufstieg zu den Häuschen bei Tur dell’Alpe. Dort die tierische Begegnung mit drei sympathischen, kontaktfreudigen Eseln; die wollten gestreichelt werden – nur die Kastanien verachteten sie. Wenig später erreichten wir das Kirchlein San Giovanni, von welchem der Blick nach Muggio und zurück zu den bildhübschen grünen Terrassen von Tur ging. Jetzt der Abstieg zur Breggia hinunter und über die Brücke hoch nach Muggio. Direkt an der Piazza liegt das kleine Ristorante Stella, wo wir uns köstlich verpflegen konnten. Nach dieser Stärkung hatte die Sonne ein Einsehen und besonnte die Piazza. Auch der Blick hoch zum Monte Generoso, Distanz 3.4 km, Höhendifferenz 1050 m – und dessen Wahrzeichen, Mario Bottas Fiore di Pietra war nun frei. Nach dem kurzen Aufstieg zur schönen Kirche von Muggio ging es auf dieser (linken) Talseite weiter, erst ein kurzes Stück entlang der Hauptstrasse, dann aber bald auf dem schön angelegtem WW zum nahen Dorf Cabbio. Jetzt folgte der nicht sehr steile 120 m-Abstieg zur Breggia, resp. zur Mulino di Bruzella hinunter. Eindrücklich, dieses antike Kleinod (und Museum) – heute Sonntag war die Mühle offen und in Betrieb, und zu trinken gab es auch! Selbstverständlich kauften wir Mais (Rosso del Ticino, Farina per polenta integrale, Pro Specie Rara). Das integrierte Museo etnografico della Valle di Muggio ist übrigens sehenswert. Dem lohnenden Besuch folgte der kurze Aufstieg in Richtung Bruzella; auf halber Strecke dorthin bogen wir ab über den steilen Abstieg zur wilden Breggia hinunter. Jetzt über die schmale Brücke, dann wieder steil hoch nach Casima. Nun kamen wir doch noch ins Schwitzen, und im sonnig gelegenen Garten der Villa Oleandro war der Genuss eines Biers der gelungene Abschluss eines abwechslungsreichen und wunderschönen Tages.

Hinweis:
Eine lockere und nicht sehr lange Rundwanderung im schönsten Südtal des Ticino…

Wetterverhältnisse:
Zum Tagesbeginn recht kühl und bewölkt, im Tagesverlauf sonnig, Temperatur ca. 6 bis 17° C.

Hilfsmittel:
Normale Wanderausrüstung, Stöcke, Kartenmaterial

Parameter:
Tour-Datum: 10. Oktober 2021
Schwierigkeit: T1-2
Strecke: 8.5 km, Casima (617 m) – Friedhof – Tur dell’Alpe – San Giovanni (Kirche 659 m) – Breggia – Muggio (649 m) – Cabbio (644 m) – P.609 – Mulino di Bruzella – Bruzella – Casima
Aufstieg: ca. 420 m
Abstieg: ca. -400 m
Laufzeit ohne Pausen: total ca. 2 Std. 35 Min.
Laufzeit mit Pausen: total ca. 5 Std. 50 Min. (Kastanien suchen ist zeitraubend…)




Ticino 3|4: Monte Caslano, Sassalto (522 m)

Heute wollten wir es gemütlich angehen – eine Kurzwanderung zum Hausberg von Caslano, der im Parco Naturale del Monte Caslano liegt. Wir parkten gebührenpflichtig (Parcheggi Via Valle). Ab hier liefen wir ein kurzes Stück auf der Via Valle am nahe gelegenen Albergo Gardenia**** vorbei und wenig später auf der Via Cantonenetti bis zu den Wanderwegweisern. Jetzt wählten wir nicht die Runde dem Seeufer entlang, sondern den Aufstieg in den Wald. Schon bald wurde es erstaunlich ruppig und steil, ohne dass wir im «roten» Bereich drehten. Den eigentlichen Gipfel Monte Caslano mit einer Höhe von 525 m.ü.M. umrundeten wir südlich, um den östlich gelegenen Sassalto zu erreichen. Dort oben steht die kleine Capella di San Nicolao e Croce an aussichtsreicher Stelle. Vom «Balkon» geht der durchaus beeindruckende Ausblick auf das Dorf Caslano hinunter und in die weitere Umgebung, vor allem ins Val d’Agno mit dem dominierenden Flughafen Lugano-Agno. Im Abstieg ging es ein kurzes Stück zurück, danach hielten wir nach Süden, von wo der atemberaubende Tiefblick über die 300 m hohe Fluh zum See und an dessen italienisches Ufer hinunter geht. Ab hier führt der Sentiero Panoramico über hohe, felsige Tritte absteigend nach O, wo wir auf einer Höhe von ca. 380 m.ü.M. eine Steilwand unterqueren. An dieser teilweise überhängenden und nach N ausgerichteten 40 m hohen Klippe ist ein kleiner Klettergarten eingerichtet (Routen bis 7b). Heute kletterte niemand, wohl weil schattig und etwas zu feucht. Wir liefen weiter hinunter auf der Forststrasse bis zur Via Stremadone, um kurz vor den beiden Grotti den Sentiero ai Grotti zu nehmen. Dieser führt an Ufer des Lago di Lugano, und vorbei an einigen Villen direkt in die Gartenwirtschaft – Caffè, Gelati usw.

Fazit:
Die kurze Wanderung hatte lediglich präventiven Charakter, denn am Abend stand der Besuch an im ausgezeichneten und sehr empfehlenswerten Grotto Valle🤨.

Wetterverhältnisse:
Sonnig, mit einigen Schönwetterwolken, bestes Herbstwetter, ca. 20 bis 24° C

Ausrüstung:
Leichtwanderschuhe, Kartenmaterial Swisstopo, GPS

Parameter:
Tour-Datum: 23. September 2021
Schwierigkeit: T2
Strecke: 4.6 km, siehe Google Map am Ende dieses Berichts
Aufstieg: ca. 300 m
Abstieg: ca. 300 m
benötigte Zeit: 2 Std.
Tageszeit: 13:30 bis 15:30 Uhr

Ticino 2|4: Monte Lema (1620 m)

Nach dem gestrigen Schönwetter-Ausflug zum Schweizerischen Zollmuseum Gandria wollten wir heute wieder ein paar Höhenmeter leisten. Die Talstation in Miglieglia bietet eine grosse Zahl an Parkplätzen, ab Pura in 10 Fahrminuten zu erreichen. Zusammen mit unseren Bergfreunden Susanne und Richi starteten wir kurz nach halb elf. Der gut markierte WW führte uns mitten durch das Centro storico. Wir entschieden uns für die kürzeste, aber auch steilste der drei Aufstiegsvarianten; die Wegführung verläuft in direkter Linie unterhalb der Bergbahn. Anfänglich bei schönstem Sonnenschein, erreichten wir auf einer Höhe von ca. 1000 m.ü.M. die hochnebelartige Bewölkung. Im steilen Aufstieg gar nicht mal so schlecht, nicht der vollen Sonneneinstrahlung ausgesetzt zu sein. Ab Alpe Boscone wurde es nicht nur steiler, sondern auch ruppiger, immer gut markiert, auf gut begehbarer Unterlage. Ab Màter di Taiadèll bei P.1224 verliefen dann die letzten 360 Aufstiegsmeter über 2 km über Serpentinen und auf schmalem Pfad. Ideal, weil über die Haarnadelkurven rasch Höhe gewonnen wird. Das Bergrestaurant liessen wir (vorerst) achtlos links liegen, um zum 70 m höherstehenden Gipfel zu gelangen. Und welch ein Glück: für wenige Minuten riss der Hochnebel auf, so dass wir das prächtige Alpenpanorama kurz, aber intensiv geniessen konnten (siehe Bilder). Die Fernsicht reichte 80 km weit – genial! Der Hochnebel zog wieder auf, Zeit für einen Besuch auf der Terrasse des Ristorante Ostello Vetta. Leckere Pasta, freundliche Bedienung – Genuss pur. Statt abzusteigen, nutzten wir für die Talfahrt die Drahtseilbahn – es durfte auch mal bequem sein…

Fazit:
Eine kurze, aber leistungsmässig heftige Tour, verbunden mit dem durchaus erwünschten Verbrennungseffekt…

Wetterverhältnisse:
Schönes Herbstwetter, unten blau(!), oben wechselnd grau (Hochnebel) resp. sonnig, leichter Wind, ca. 18 bis 24° C

Ausrüstung:
Wanderausrüstung, Kartenmaterial Swisstopo, GPS

Parameter:
Tour-Datum: 22. September 2021
Schwierigkeit: T2
Strecke: 6 km, Miglielia, Parcheggio Funivia (707 m) – Matarell – Sesüra – P.782 – Roncascio – Fontanino, Alpe Boscone – Màter di Taiadèll – P.1224 – Credarescia – Màter da Còla – Monte Lema Vetta (1550 m) – Monte Lema (1620 m) – Talfahrt mit der Drahtseilbahn nach Miglieglia (Fahrzeit 10 Minuten)
Aufstieg: ca. 922 m
benötigte Zeit inkl. Pausen: 2 Std. 50 Min.
benötigte Zeit ohne Pausen: 2 Std. 10 Min.
Tageszeit: 10:40 bis 13:30 Uhr