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Zugerland – tolle Ausfahrt in schönster Landschaft

Heiterstalden? Dort stehen nur ein paar alte Bauernhäusern, mitten im Zuger Bergland und weiiiiiit weg vom Zuger Geldadel, auf beinahe 800 m.ü.M., am Fuss des hundert Meter höheren Gubel. Auf dieser nahen Anhöhe steht das Kapuzinerinnenkloster Maria Hilf mit zugehöriger Wallfahrtskirche, und das Gasthaus Gubel. Gubel und Heiterstalden gehören politisch zur Gemeinde Menzingen ZG.

Etwas Geschichte fällig? Seit dem 16. Jahrhundert betreuten hier Eremiten eine 1566 erbaute Schlacht- und Wallfahrtskapelle, die an den Sieg der katholischen über die reformierten Orte der alten Eidgenossenschaft in der Schlacht am Gubel am 24. Oktober 1531 erinnert. An der Decke im Inneren findet sich eine Darstellung des Gefechts, die nach dem Brand der Kapelle 1780 erneuert wurde. Der heutige Bau im Rokokostil wurde 1864 letztmals erneuert. Das Kloster wurde 1843 bis 1847 zur Dreihundertjahrfeier der Schlacht erbaut und 1851 dem Bischof von Basel unterstellt. Noch heute wohnt dort eine Gemeinschaft von Schwestern, die hauptsächlich von der Paramentenstickerei lebt. Das Gasthaus Gubel ist eines der ältesten im Kanton Zug. 2012 beschloss das Kloster aus Geldnot(!) den Verkauf der Gaststätte. Zum Kloster gehören noch ein landwirtschaftlicher Betrieb und mehrere Häuser (Quelle: Wikipedia).

Noch etwas aus der Neuzeit: in 1.5 km Entfernung, zwischen Gubel und Neuhof, liegt die ehemalige Fliegerabwehr-Lenkwaffenstellung BL-64 Bloodhound. Die Anlage war von 1964 bis 1999 in Betrieb. Die südliche Feuereinheit wurde danach abgebaut, die nördliche blieb erhalten und wurde 2000 unter Denkmalschutz(!) gestellt. Sie dient heute als Museum und kann bei Führungen besichtigt werden (Quelle: Wikipedia).

Wer den Gubel besuchen will, tut diese standesgemäss zu Fuss, mit dem Traktor, oder mit dem Velo. Unsere Velo-Reise heute führte nicht zum Gubel, das Ziel lag etwas unterhalb, in Heiterstalden eben; dort lebt Elisabetta, und sie erwartete uns schon zum zMittag.

Nun zu unserer heutigen Ausfahrt: Ab unserem Wohnort fuhren wir dem Rütiwald entlang in Richtung A15, nach deren Überquerung über Hintermeienberg hinunter nach Rapperswil. Die Velowege führen durch die Altstadt, beim Rathausplatz unterhalb des Schlosses vorbei via Fischmarktplatz zum See, danach die Überquerung des Seedamms, welcher Zürisee und Obersee trennt. Pfäffikon umfuhren wir ab Hurden über den zwischen See und Bahnlinie führenden Kanalweg. Freienbach umfuhren wir südlich über Schwerzi, um Wilen und später Wollerau zu erreichen. Den Beckihügel umfuhren wir südlich durch das Villenquartier, dann die Überquerung der Samstagernstrasse in Richtung Itlimoos. Herrlich der kurze Aufstieg zum Freyenweijer. Kurz vor dem Neufeld die Unterführung der SOB-Bahnlinie. Nach einem kurzen Wegstück auf der Hauptstrasse in Richtung Samstagern bogen wir ab zum Hüttnersee, an dem wir ostseitig vorbei fuhren – ca. 15%/9° die Steigung nach Hütten. Das Panorama hier oben auf 750 m.ü.M. ein Genuss! Kurz nach dem Dorfeingang hielten wir links, um ca. 40 Hm zur Sihl hinunterzufahren. Die Strecke kannten wir schon, also nicht über die Brücke, sondern rechts der Sihl bleibend, um dieser entlang über ein Strässchen ca. 2.7 km auf holprigem Weg leicht abwärtszurollen, bis zur Finsterseebrugg. Diesmal wählten wir die Route Untermülistock/Niederrüti hoch nach Finstersee. Die normale Strasse an der Strafanstalt Bostadel vorbei über Menzingen mieden wir, nicht etwa wegen der dort einsitzenden bösen Buben, sondern des starken Verkehrs wegen. Nach Niederrüti, ab P.739, wurde die Unterlage geröllig und ziemlich steil. Kurze Zeit später war das schön gelegene Dörfchen Finstersee erreicht. Am westlichen Dorfende in Richtung Ziegelhof und Erlenhof über die Twärfallenstrasse und wenig später durch das kleine und in der Menzinger Moränenlandschaft liegende Moorgebiet Twärfallen bis zum P.786. Ab hier der kurze Aufstieg zum Schloss Schwandegg, einem versteckten, aber sehr gepflegten Bijou (ein ehemaliges Kurhaus und Hotel, das heute der Priesterbruderschaft St. Pius als Generalhaus dient). Südlich des Anwesens wieder durch wunderschöne Moorlandschaft zum Hof Gschwänd, dann die Höhe von ca. 840 m.ü.M. haltend über Schurtannen bis Bolzli (P.833) – hier ginge es hoch zum eingangs beschriebenen Gubel. Wir hatten beseres vor, nach leichter Abfahrt über Schwanden und Rotenbach, wo uns «Beizerin» Elisabetta schon erwartete – ein Wiedersehen bei ausgezeichneter Verpflegung – merci viiilmal für die super Bewirtung!

Gestärkt traten wir kurz nach drei Uhr die Rückfahrt an. Auf der von der Hinfahrt bekannten Strecke über Schurtannen – diesmal ohne Einkauf bei der Hofkäserei Winzwilen. Am Freyenweijer dann eine kurze Trinkpause. Über dem nahen Speer und Federispitz zeigten sich erste Quellwolken, also legten wir ein paar km/h’s zu. Nach zügiger Fahrt über den Seedamm zurück nach Rapperswil und durch die Wohnquartiere hoch nach Hintermeienberg und von dort über die A15 zum Rütiwald, und schon waren wir wieder zuhause.

Fazit:
Im Radsport würde man von einer Flachetappe sprechen – ein richtig schöner Veloausflug, mit einigen Streckenkilometer und Höhenmetern…

Wetterverhältnisse:
sommerlich, sonnig, kaum Wind aus NO, ca. 14 bis 26° C

Ausrüstung:
e-Bike, Kartenmaterial Swisstopo, GPS

Parameter:
Tour-Datum: 28. Juli 2022
Schwierigkeit: Leicht, konditionell ansprechend
Strecke: 62.4 km: Rüti ZH (478 m) – Hintermeienberg – Kempraten – Rapperswil – Seedamm (409 m) – Hurden – Pfäffikon (418 m) – Eichholz – Wilen (504 m) – Wollerau – Freyenweijer (647 m) – Unterführung SOB-Linie – Neufeld – Hütten (741 m) – Hüttner Brugg (693 m) an der Sihl – dem rechten Ufer entlang bis zur Finsterseebrugg (650 m) – Untermülistock/Niederrüti (738 m) – Finstersee (774 m) – Twärfallenstrasse – Twärfallen (P.786) – Schloss Schwandegg (838 m) – Gschwänd – Schurtannen – Bolzli (833 m) – Schwanden – Rotenbach – Heiterstalden (787 m)
Rückweg wie Hinfahrt
Aufstieg: ca. 980 m
Abstieg: ca. -980 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 7 Std. 25 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen:
4 Std.
Tageszeit: 09:40 bis 17:05 Uhr

3-Pässefahrt mit dem e-MTB, heute Bedretto – Airolo – Val Canaria – Passo Scimfuss (2241 m) – Passo del San Gottardo – Andermatt

Kaiserwetter! So macht Aufstehen Spass. «Gottardo-Bike» (SchweizMobil Nr. 65) – so wird die heutige Etappe benannt – für uns ist es zweifellos die Königsetappe.

Das Selbstbedienungs-Frühstück im kleinen Gemeinschaftsraum der Locanda Orelli in Bedretto war etwas enttäuschend: offensichtlich haben vor uns frühstückende Gäste mächtig abgeräumt. Jedenfalls waren die besten Brotstücke weg und für die drei Dutzend bereitliegenden Eier fehlte der Eierkocher (oder hat den jemand eingepackt?). Niemand anwesend, Nachfragen nicht möglich – schade. Den schönen Ort verliessen wir mit bleibenden Erinnerungen – und voller Zuversicht und Mut für die bevorstehende Schwerarbeit.

Zugegeben, die fast 1300 Höhenmeter von Airolo hoch zum Passo Scimfuss würden wir schon schaffen – aber auf dem e-MTB?! Ein bisschen Respekt hatten wir schon. Zwar verfügten wir über gute Beschreibungen, welche die Tour aber immer in der Gegenrichtung schilderten. Der Reihe nach: die 9 km lange Abfahrt ins 250 Hm tiefer liegende Airolo verlief rasend schnell. In Airolo angekommen, mussten wir lediglich aufpassen, nicht auf die Autobahn und in den Gotthardtunnel zu fahren. Im Zentrum von Airolo folgten wir der ausgeschilderten Bike-Route 65 in Richtung Ortsteil Valle. Unmittelbar nach dem kleinen Kirchlein fuhren wir, vorerst noch wenig steil, die Via Campagna di Valle hoch. Croce heisst das Gelände, und die Strasse wurde holprig und führte in drei Serpentinen über der Schutzbaute hoch zu P.1311. Von hier aus geniesst man bereits eine tolle Aussicht. Erst dem Waldrand entlang, dann im Wald, war die steiler werdende Unterlage sehr holprig und voller Kieselsteine – eine erste kurze Schiebepassage war unvermeidlich. Bei den Häuschen von Cassina wieder der Genuss der Aussicht, auch auf das was vor uns lag, das Val Canaria. Wer hier hochfährt, hat entweder einen SUV oder ein Bike, am besten mit Motor. Nach einer kurzen, gerölligen Abfahrt überquerten wir die Riale di Nèlva an der hintersten Stelle – zum Glück bei wenig Wasser. Nach einem kurzen und heftigen Aufstieg über die Lichtung Nèlva erreichten wir bald die Häusergruppe Monte – ein paar schöne Wochenendhäuschen Einheimischer stehen hier. Nach einem kurzen Zwischenabstieg und der Querung eines Seitenbachs zur Canaria trafen wir bei P.1461 auf ein von der Canaria hochführendes Strässchen. Bei Rütan dei Sassi und wenig später bei Pautàn erreichten wir weitere schöne Höckli. Mittlerweile waren wir auf 1560 m.ü.M. angelangt. Nach etwa sechshundert Metern war der hinterste (östlichste) Punkt unserer Tour erreicht: nahe der rauschenden Canaria eine Spitzkehre, die nach W drehte. Nunmehr im waldlosen Gelände, kämpften wir uns über die sehr holprige Unterlage hoch zu den Häuschen von Bola. Jetzt nur ja nicht absteigen, wieder aufzusteigen wäre tückisch bis unmöglich. Es folgte eine weitere scharfe Richtungsänderung nach NO. Den «Weg» hoch zur Kleinsiedlung Urell/Orello schafften wir mühevoll und ohne zu schieben. Bei Urell/Orello schlossen wir zum wartenden Heinz auf. Zum Glück lenkten uns die tollen Ausblicke ab von dem, was uns jetzt erwartete: grobfelsige Unterlage, hundert Höhenmeter über 1 km Strecke, meist liessen wir uns dank Schiebehilfe hochziehen… Auf diesem für uns sehr anspruchsvollen Abschnitt kam uns zugute, dass wir gut zu Fuss sind. Oben bei P.2013 angekommen, erwartete uns Heinz und eine prächtige Aussicht auf die Leventina hinunter und ins Val Bedretto. Da wir nun die maximale Höhe des Tages (beinahe) erreicht hatten, wurde der Blick frei in Richtung Passo Scimfuss. Da die folgenden Alpen auf dem Weg dorthin mit Motorfahrzeugen (ab Gotthardpass) erreicht werden, ist auch die Unterlage wieder komfortabler. Fast schon «rasend» schnell (Heinz überfuhr doch beinahe einen hochflüchtigen Mungg) erreichten wir Piano de Pontino, Buco di Pontino, Alpe di Pontino, Schiena d’Asino und nach einem kurzen Aufstieg auf der befestigten Militärstrasse den Passo Scimfuss. Dieser unscheinbare Nebenpass zum Gotthard hat auch historische Bedeutung: im sogenannten Zweiten Koalitionskrieg 1799-1802 zwischen Napoleon und seinen europäischen Machtrivalen (Österreich, Russland, Grossbritannien; Preussen blieb neutral) kam es zu schweren Kämpfen am Gotthardpass. Im September 1799 hatten sich die Franzosen am Beginn der Tremola und am Pass verbarrikadiert. Die gegnerischen Truppen unter Führung des russischen General Suworow erreichten trotzdem siegreich den Gotthard, weil sie Truppen im schwierigen Gelände dem Berghang entlang und über den Passo Scimfuss überraschend in den Rücken der Franzosen bringen konnten. Zurück zur Realität: der Passo Scimfuss ist eine perfekte Aussichtsplattform hoch über der Leventina. Das prächtige Panorama bietet Ausblicke in eine wunderschöne Bergwelt und tief hinein in die beiden Tessiner Täler. Ab jetzt sind Teerstrassen zu fahren, vier Kilometer Abfahrt über 150 Hm bis zum Gotthardpass. Hier war heute (Sonntag) regelrechter Chilbibetrieb, Hunderte von Besuchern empfingen uns. Trotz Andrang fanden wir einen schönen Platz nahe des Ospizios; Bratwürste und Getränke schmeckten ausgezeichnet und liessen uns die körperliche Verausgabung des Aufstiegs (Fahrzeit ab Airolo bis zum Gotthardpass: 1 Std. 50 Min.) rasch vergessen. Jedenfalls hatten wir richtig entschieden, nicht die Tremola zum Gotthardpass zu fahren…

Nach der ausgiebigen Mittagspause stand die Abfahrt nach Andermatt hinunter auf dem Programm. Auf der alten Passstrasse (genau, die mit dem Kopfsteinpflaster!), nahe vorbei an der Staumauer des Lago di Lucendro, liessen wir uns kräftig durchrütteln. Nach vier Kilometern, ab Briggboden (P.1903), war dann fertig lustig. Den Singletrail der Gotthardreuss entlang über Mätteli-Gamsboden mieden wir, alleine schon der dort weidenden Muttertiere wegen. Auf der (neuen) Passstrasse ging ohnehin alles viel schneller; allerdings schon erstaunlich, dass uns der starke Gegenwind bremste und wir bergab sogar kräftig in die Pedalen treten mussten (ohne Motorunterstützung, da >25 km/h😎). Ab Hospental überholten wir die stehende Autokolonne mühelos (unfallbedingter Stau). In Andermatt gabs dann noch Glacé zum Abschluss.

Fazit:
Wunderbare Biketage haben wir erleben dürfen, danke liebe Meris, lieber Heinz – eine unvergessliche Erfahrung war das! Und etwas Stolz dürfen wir alle auch sein…

Wetterverhältnisse:
Hochsommerlich, Schönwetterwolken, ca. 16 bis 25°, Wind 2 km/h WSW

Ausrüstung:
e-Bike, Kartenmaterial Swisstopo, GPS

Parameter:
Tourdatum: 24. Juli 2022
Schwierigkeit: WS (Gut fahrbar, mit technischen Abschnitten (Wurzeln, Steine, enge Kurven, steile Up- und Downhills)
Strecke: 41 km, Bedretto (1402 m) – Ossasco (1313 m) – Fontana (1281 m) – Airolo (1142 m) – Valle (1175 m) – Croce – P.1311 – Cassina (1427 m) – Monte (1500 m) – P.1461) – Rütan dei Sassi – Pautàn – P.1695 (Bola) – Urell/Orello (1907 m) – P.2013 – Piano de Pontino (2021 m) – Buco di Pontino (1986 m) – Alpe di Pontino (2050 m) – Schiena d’Asino – Passo Scimfuss (2241 m) – Alpe di Sorescia (2161 m) – P.2143 – Bassa della Sella (2138 m) – Alpe di San Gottardo (2094 m) – Passo del San Gottardo (2107 m) – San Carlo – Cascina di Rodont (1968 m) – P.1903 (Briggboden) – Mätteli (1768 m) – Hospental (1494 m) – Andermatt (1435 m)
Aufstieg: ca. 1250 m
Abstieg: ca. -1220 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 4 Std. 40 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 2 Std. 55 Min.
Tageszeit: 09:15 bis 13:55 Uhr

3-Pässefahrt mit dem e-MTB, heute Andermatt – Furkapass 2429 m – Ulrichen

Nach der Anreise am Abend des Vortages nach Andermatt und der Übernachtung im Hotel Sonne starteten wir ausgeruht und bestens motiviert. Begleitet wurden wir von MTB-Routinier Heinz und seiner Meris, die einer langwierigen Verletzung wegen leider Forfait geben musste – dafür übernahm Meris den Materialtransport und das Coaching, so wie es sich für ein Biketeam gehört… Nach der Durchfahrt des historischen Zentrums von Andermatt passierten wir die Brücke über die Unteralpreuss, danach beim Bahnhof vorbei gemütlich zur Reuss und über die Brücke zum Gelände des Golfplatzes. Entlang der Reuss fuhren wir durch das wunderschöne Urserental und erreichten auf der Naturstrasse bald Langenacher (bei Hospental). Hier, wo die Gotthardreuss und Furkareuss zur Reuss werden, blieben wir auf der linken Seite des Wassers. Bald wurde aus der Naturstrasse ein schmaler Trail, der leicht höher als Strasse und Bahn verlief. Auf der Höhe vom Zumdorf – liebevoll als kleinstes Dorf der Schweiz bezeichnet – kamen wir der Furkareuss sehr nahe, und der Pfad wurde ein Singletrail – ein erster Test (nicht für Heinz…). Wehrhaft blieben wir links des Flusses. Bei Steinbergen bot sich uns die letzte Gelegenheit, dem folgenden Singletrail-Abschnitt auszuweichen – die lärmige Furkastrasse aber war vorerst keine Option. Kurz vor Realp hatten wir keine andere Wahl, als auf der Passstrasse weiterzufahren.

Beim Golfplatz Gotthard ausgangs Realp, nach elf Kilometern flacher Fahrt, begann der eigentliche Anstieg zum Pass. So eine Passfahrt hat den grossen Vorteil, dass die Aussicht fortwährend ändert – mal ist vorne hinten und umgekehrt, absteigen überflüssig. Rechts über uns ragten die Zacken uns unbekannter Dreitausender auf, links der Blick ins Tälchen der Witenwasserenreuss (das wäre auch mal eine Tour wert!). Fast schon mühelos erreichten wir nach fünf Kilometern in der zehnten Kehre das geschlossene Berghotel Galenstock. Knapp zwei Kilometer und 100 Hm weiter das bekannte Hotel Tiefenbach, bekannter Ausgangspunkt für währschafte Bergtouren (Sidelenhütte, Albert-Heim-Hütte). Von hier sind auch die bekannten Kletterfelsen Kleines Kamel und Grosses Kamel zu sehen – sehr eindrücklich! Fast schon achtlos fuhren wir am Tiefenbach vorbei, schliesslich war die eher flach verlaufende Reststrecke bis zur Passhöhe einzusehen; na gut, 300 Höhenmeter über vier Kilometer waren es schon noch. Kurz vor der Passhöhe, beim Hotel Furkablick, lockte die schöne Terrasse – gute Gelegenheit für eine Trinkpause; Coach Meris hatte schon einen Tisch erobert. Auf der wenig später folgenden Furkapasshöhe sah es eher trostlos aus (viele abgestellte Autos und Motorfahrräder); die Aussicht auf die nach Gletsch hinunter führende Passstrasse und zur Grimsel hinüber allerdings atemberaubend. Am Übergang vom Kanton Uri ins Wallis konnten wir es sausen lassen; nach 1.8 km und 150 Hm Abfahrt erreichten wir in der dritten Kurve das Belvédere, wo das seit Jahren geschlossene Hotel Belvédere steht und gegenüber der touristisch aufgemotzte und kostenpflichtige Eingang zum Rhonegletscher. Wir wagten uns vor bis zum äussersten, noch nicht kostenpflichtigen Punkt, um wenigsten einen bescheidenen Blick zu sterbenden Gletscher zu werfen. Dort wo noch in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts eine mächtige Gletscherzunge hing, liegt jetzt ein grosser Gletschersee (siehe Bilder) – hier entspringt die Rotten (später Rhone). Etwas nachdenklich verliessen wir diesen schaurig-schönen Ort – vor uns die Abfahrt über komfortabel ausgebaute Kehren hinunter zur Oberalpstafel, wo die Bahnlinie der DFB (Dampfbahn Furka Bergstrecke) über den Muttbach zu überqueren war. Nach wenigen Minuten und knapp 5 Kilometern Ankunft in Gletsch, wo auch die eindrückliche Grimselpassstrasse beginnt oder endet. Hier ging der Blick ein letztes Mal zurück über den Gletschbode hoch zum Rhonegletscher, der von hier aus nur noch erahnt werden kann. Die Berghotel-Siedlung Gletsch gehört zur Gemeinde Obergoms VS, das Grand Hotel Glacier du Rhône ist temporär geschlossen, hat bessere Zeiten gesehen.

Jetzt folgte die Abfahrt über drei enge und steile Serpentinen, wo Auto- und Töfffahrer ihre liebe Mühe bekundeten. In den Kurven hat es viele Schleifspuren… Auf den folgenden drei Kilometern (180 Hm) erreichten wir Spitzengeschwindigkeit, in der Folge mussten wir beim Restaurant Rhonequelle ein kontrolliertes Bremsmanöver durchführen, um Meris, die uns schon erwartete, nicht zu enttäuschen. Obschon im Wald gelegen, brannte hier die Sonne erbarmungslos, aber wir fanden einen schattigen Platz für eine längere Verpflegungspause. Die folgende Strecke nach Oberwald hinunter hatte es nochmals in sich – jedenfalls wurden wir nie überholt🤣. In Oberwald verliessen wir die stark befahrene Passstrasse, um die 5 km dem Ufer der Rotten entlang an Obergesteln vorbei nach Ulrichen zu rollen. In Ulrichen wurde gerade das BULA-Dorf aufgebaut; an diesem Wochenende reisen 30000 Pfadi an, dann wird Ulrichen zur zweitgrössten Stadt im Kanton Wallis. Hier gibt es mehr Infos. Unsere Unterkunft, direkt an der Kreuzung Furka-/Nufenenstrasse, gelegen, war nicht zu verfehlen. Der verdienten Erfrischung folgte ein kleiner Rundgang im schönen Ortskern (schönste alte Holzhäuser), unterbrochen von einem Apéro und dem abschliessenden, leckeren Abendessen im Hotel Astoria. Zum Tagesabschluss traf dann noch die erwartete Gewitterfront ein.

Fazit:
Ein erster Tourentag, der unsere Erwartungen in jeder Beziehung erfüllte – so geht gemütliches Biken und ausgezeichnete Kameradschaft!

Wetterverhältnisse:
Hochsommerlich, Schönwetterwolken, ca. 10 bis 23°, Wind 13 km/h SSW

Ausrüstung:
e-Bike, Kartenmaterial Swisstopo, GPS

Parameter:
Tourdatum: 22. Juli 2022
Schwierigkeit: L (Leicht fahrbar, ohne nennenswerte technische Schwierigkeiten, kurze enge und steile Passagen)
Strecke: 45 km, Andermatt (1445 m) – Reuss (Golfplatz) – Reussenbiel (1451 m) – Langenacher b. Hospental (1467 m) – Richleren (1488 m) – Zumdorf – Steinbergen (1523 m) – Realp (1540 m) – Golfplatz Gotthard Realp (1619 m) – Furkastrasse – Hotel Galenstock – Tiefenbach (2105 m) – Sidelenbach P.2278 – Hotel Furkablick (2428 m) – Furkapass (2436 m) – Belvedere (2269 m) – Oberalpe (2046 m) – Gletsch (1757 m) – Restaurant Rhonequelle (1568 m) – Oberwald (1369 m) – der Rotten entlang via Obergesteln bis Ulrichen (1346 m)
Aufstieg: ca. 1084 m
Abstieg: ca. -1171 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std. 25 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std.
Tageszeit: 09:40 bis 15:05 Uhr

Biketour Gueteregg – Etzelpass

Auf Werni’s Ausschreibung am Sonntag via WhatsApp-Status antwortete ich umgehend, gerne war ich dabei! Zu uns gesellte sich noch Kari. Um halb zwölf fuhren wir los, recht zügig über Jona nach Rapperswil, ab dort über den Damm nach Pfäffikon und weiter dem Obersee entlang nach Altendorf. Dort verliessen wir die Hauptstrasse, um in Richtung Vorderberg zu fahren. Beim Hof Vorderberg eine erste Pause, Aussicht geniessen, scheue Jungtiere (Zicklein und Schäflein) bestaunen. Im weiteren Aufstieg begann es nach dem Landlütenhof steiler und enger zu werden, allerdings ohne Gegenverkehr. Vier Serpentinen weiter oben hatten wir bereits vierhundert Hm hinter uns. Der Bräggerhof ist wohl endgültig geschlossen, also fuhren wir vorbei am Wandererparkplatz (von hier sind wir schon oft, auch mit Schneeschuhen, auf das Stöcklichrüz gelaufen). Bei P.925 queren wir in der im Wald liegenden Haarnadelkurve den Bleikenbach, um bei Stollen wieder an der Sonne zu fahren. Schön regelmässig steigen wir an bis Hinter-Trittmaren (1069 m); hier ein kleiner Verhauer, den unser Guide Werni sofort bemerkte und korrigierte. Im folgenden Abschnitt (Zauggenwald) lagen noch kleine Schneeflecken, also war (mit Sommerbereifung😎) etwas Vorsicht geboten. Die Fahrstrasse noch immer geteert, beidseitig mit Restschnee gesäumt (klar, es ist noch März!). Kurz vor dem Rindereggli, beim Zauggengädeli, verliessen wir den Wald und die befestigte Strasse, um nach links abzubiegen. Auf der unbefestigten Forststrasse unterquerten wir Rindereggli und Gueteregg, um letztere kurz vor der Gruebhöchi von W über Werni’s Lieblingshaarnadelkure anzusteuern. Den Besuch der Kapelle liessen wir aus, zu stark verlockte die sonnige Terrasse der Alpwirtschaft Gueteregg, schliesslich war es bereits halb zwei. Hier oben – in der neu gebauten Wirtschaft – kann man es sich gut gehen lassen, dank der Gastfreundschaft der Familie Schönbächler. Ein Genuss auf dem Teller, und im Glas, und die tolle Sicht in die nahen Voralpen und Alpen. Nach dieser Stärkung machten wir uns auf den zweiten Teil unserer Runde: die Grüebhöchi umrundend, erreichten wir bei Vogelherd P.1206 einen zurzeit ziemlich übel verunstalteter Holzerplatz (eigentlich ein Grillplatz). Auf ziemlich holpriger Unterlage fuhren wir am Stöcklichrüz westlich vorbei, um vorerst die Höhe haltend in Richtung Etzelpass zu fahren. Im Bereich Müligassegg lagen noch einige Restschneefelder, und der «Weg» glich eher einem Singletrail. Erst bei der Chörnlisegg (1091 m) konnten wir wieder auf festerem Grund (Rasenziegel) fahren. Die Abfahrt bis zu Etzelpass bot dann wieder Bikespass vom Feinsten – die Landschaft erwacht gerade vom Winterschlaf. Die Abfahrt auf der Passstrasse verlangte dann etwas Vorsicht – überholende Autofahrer nahmen wenig Rücksicht, trotz unserer Beleuchtung. Bei der leider geschlossenen Luegeten bogen wir ab, um die hundert Hm nach Schwändi aufzusteigen. Danach erwartete uns die rassige Abfahrt hinunter nach Altendorf (Spitze 63 km/h). Für die weitere Rückfahrt wählten wir den sehr schmalen Weg (kreuzen teilweise nicht möglich) in nächster Nähe des Seeufers. Ab Pfäffikon SZ folgte dann die wenig spektakuläre Fahrt über den Damm, wo sich um diese Tageszeit die Pendler in Geduld üben (müssen). In Rapperswil angekommen, leitete uns Werni auf Schleichwegen durch die Quartiere von Jona, dann der kurze Aufstieg zur Schönau und über Hülstein zurück nach Rüti, resp. dort in den Bauhof zum verdienten Abschiedstrunk. Das war eine wunderbare Runde, Werni und Kari ein herzliches Dankeschön für diese kameradschaftliche und gemütliche Ausfahrt!

Fazit: Eine aussichts- und abwechslungsreiche, klassische Biketour ins nahe Ausland (🤣).

Wetterverhältnisse:
Wolkenlos, sonnig, Fernsicht etwas diesig, Wind 4 km/Std. ONO, ca. 11.1°

Ausrüstung:
GPS

Parameter:
Tour-Datum: 28. März 2022
Schwierigkeit: Wenig schwierig, gut fahrbar
Strecke: 54.4 km: Rüti ZH (478 m) – Hülstein, Übergang A13 (471 m) – Schönau – Jona – Rapperswil (409 m) – Seedamm – Hurden (415 m) – Pfäffikon SZ (418 m) – Altendorf (421 m) – Unterführung A3 (437 m) – Acheren/Schlipf – P.540 – Vorderberg (601 m) – Landlütenhof – P.700 – P.758 – Bräggerhof (817 m) – P.925 (Bleikenbach) – Stollen – P.1004 – Hinter-Trittmaren (1069 m) – Zauggenwald (P.1123) – Hintereggwald (P.1179) – P.1179 – P.1234 – Gueteregg (1271 m) – P.1243 – Grueb (1240 m) – Vogelherd unterhalb Stöcklichrüz, P.1206 – Wissegg – Müligassegg (P.1154 und 1162) – Beeristofel (1194 m) – Eggli (1092 m) – Grund (P.988) – P.984 – P.975 – St. Meinrad, Etzelpass (949 m) – Bannwald, Meinradsbrunnen, P.822 – Luegeten (609 m) – P.673 – P.684 – Schwändi (694 m) – Lüsibach – Fliegenberg P.587 – Altendorf, Übergang A3 (437 m) – Bad – Winkel – Lidwil – Pfäffikon SZ (418 m) – Seedamm – Hurden – Rapperswil – Jona (Blumenau) – Jona Zentrum – Lattenhof – Schönau – Hülstein – Rüti ZH
Aufstieg: ca. 1300 m
Abstieg: ca. -1290 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 4 Std. 34 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std. 12 Min.
Tageszeit: 11:30 bis 16:00 Uhr

Laucherenstöckli 1755 m – im Land der Trychler

Vor dem Start genossen wir den obligaten Startkafi im Hotel Restaurant Passhöhe Ibergeregg. Dort existiert Covid-19 nicht, also wird auch vorsätzlich(!) weder Maske getragen noch ein Zertifikat verlangt (in den Innenräumen, wohlverstanden). Ach so, wir sind ja im Land der Trychler… Lassen wir die Polemik; wir hatten ohnehin besseres vor. Kurz nach zehn Start zur ersten Schneeschuhtour des Winters 2021/2022. Die Schneelage komfortabel, über einen Meter! Ab Passhöhe in Richtung Süden, auf den ersten 800 m stiegen wir moderat auf (ca. 120 Hm), gut markierter Trail, zu Beginn durch Wald verlaufend. Die Strecke verlief durch eine Wildruhezone, also durfte die Spur nicht verlassen werden. Im Aufstieg links der zackige Gipfel Gross Schijen (1571 m, T5, II), rechts der nicht weniger markante Chli Schijen (1556 m, T4, IV). Bei P.1515 verliessen wir den Wald und urplötzlich öffnete sich das prächtige Panorama ins Muotatal und auf die andere Talseite, wo der Wasserbergfirst, Chaiserstock, Fulen und Rossstock dominierten. Unter dem Hudelschijen traversierten wir auf guter Spur leicht absteigend Richtung SO, wo wir bald die Sternenegg-Hütte des SAC Rossstock erreichten. Auf einen Besuch in der schön gelegenen und nur an Wochenenden bewarteten Hütte mussten wir verzichten. Ca. 300 m nach der Sternenegg, ungefähr bei P.1545, verliessen wir die breit gewalzte Piste, um auf guter Spur über die Windegg aufzusteigen (Markierung Richtung Laucherenchappelen/Spirstock). Ab hier begann es stärker anzusteigen. Zur rechten tat sich der Blick ins Skigebiet Hoch-Ybrig auf, uns am nächsten der Spirstock (1770 m) mit der grossen Bergstation. Bald erreichten wir den höchsten Punkt des Laucherenstöckli mit 1755 m; etwas weiter vor (nördlich) die 2014 erbaute Bergstation der 4er-Sesselbahn (1749 m). Das geräumige Gipfelgebiet war heute gut besucht (klar, bei diesem tollen Wetter…), wenige Skitüreler, mehrheitlich Schneeschuhläufer. Für eine ausgiebige Mittagsrast schaufelten wir eine Sitzgelegenheit an der Sonne; der Verzehr der mitgebrachten Leckereien bei dieser Wetter- und Aussichtslage ein grosser Genuss! Für den Abstieg wählten wir für die ersten zweihundert Meter die Piste, um diese dann in nördlicher Richtung zu verlassen, und durch den verspurten Tiefschnee zur Äbnenmatt hinunter zu gelangen. Bei P.1612 passierten wir die nagelneuen Alpgebäude und gelangten auf einer ausgezeichneten Spur – die Höhe von ca. 1550 m haltend – durch eine stimmungsvolle, hochwinterliche Landschaft bis P.1545. Dort überquerten wir die Piste, um parallel aber leicht höher die Sternenegg wieder zu erreichen. Mittlerweile lag die Nebelsuppe etwas höher, jedenfalls war das auf 850 m liegende Dorf Illgau kaum noch zu sehen. Nach einer kurzen Teepause bei der Hütte wanderten wir auf der vom Aufstieg her bekannten Spur weiter, wieder unterhalb des Hudelschijen querend. Bei P.1515 verabschiedeten wir uns vom wunderbaren Ausblick auf den eingenebelten Vierwaldstättersee, um über ein paar steilere Tritte durch den Wald abzusteigen. Bald war die Passhöhe erreicht, wo sich mittlerweile der grosse Parkplatz ziemlich gefüllt hatte. Auf eine weitere Einkehr im Restaurant verzichteten wir. Die Rückfahrt über Oberiberg – Sihlsee – Einsiedeln – Seedamm Rapperswil verlief ruhig und ohne viel Verkehr.

Fazit:
Nach diesen Schlechtwetter-Tagen in der ersten Dezemberhälfte endlich wieder einmal eine Tour im Schnee – einfach herrlich!

Wetterverhältnisse:
Herrliches Winterwetter, über der Nebelobergrenze von ca. 900 m ziemlich sonnig, Temperaturen im Bereich -3 bis +8°, kaum Wind. Beste Schneeverhältnisse (1 m Pulverschnee, teilweise etwas überfroren), Gelände ziemlich verspurt…

Lawinensituation:
Laut SLF Stufe 2 mässig

Ausrüstung:
Schneeschuhe, Stöcke, LVS, Sonde, Schaufel, GPS

Parameter:
Tourdatum: 15. Dezember 2021
Schwierigkeit: WT2
Strecke: 7.5 km, Ibergeregg (1406 m) – P.1515 – Sternenegg (1497 m) – P. 1545 (Windegg) – P.1755 – Laucherenstöckli – Äbnenmatt (1613 m) – P.1545 – Sternenegg – P.1515 – Ibergeregg
Aufstieg: ca. 460 m
Abstieg: ca. -450 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 4 Std. 20 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 2 Std. 50 Min.
Tageszeit: 10:15 bis 14:35 Uhr

Wängihorn 2148 m – kecker Gipfel im Schächental

Nach der Fahrt über den Sattel und die Axenstrasse nach Altdorf war der Startpunkt rasch erreicht: die Talstation der Seilbahn von Witerschwanden-Eggenbergli. Unmittelbar bei der Talstation an der Klausenpassstrasse kurz vor Spiringen liegt auch die Busstation Locherbach, wo auch ein Parkplatz (gratis!) zur Verfügung steht. Die Fahrt in der nostalgischen Kistenbahn kostet 10 Franken (Hartgeld) pro Fahrt (Platz haben vier Personen, Selbstbedienung). Auf der Fahrt nach Eggenbergli vorbei an typischen Schächentaler Heimetli werden 580 Hm überwunden. Die Aussicht ins Schächental ist Genuss. Auf 1555 m.ü.M. angekommen, betraten wir wieder sicheren Boden. Nach einem kurzen Wegstück in Richtung Oberes Eggenbergli stiegen wir über Weideland steil auf, vorbei an der schönsten Bankniederlassung, die wir je gesehen haben (siehe Bild). Nach einem kurzen Waldabschnitt erreichten wir unterhalb der Alp Unter Wängi eine Höhe von 1600 m.ü.M. Nun ging der Blick hoch zum 550 m hoch und keck aufragenden Tagesziel – ein von hier aus ziemlich abweisender Anblick. Nach einer Trinkpause der Weiteraufstieg zur nach Ober Wängi führenden Alpstrasse; bei P.1665 verliessen wir diese, um nun ziemlich steil und schattig zum Waldrand aufzusteigen. Auf dem folgenden bewaldeten Abschnitt waren die Tritte hoch und ziemlich schmierig (gezeichnet vom Regen der vergangenen Tage). Nach einer Strecke von 1.9 km (ab Startpunkt) war auf einer Höhe von ca. 1800 m.ü.M. die Waldgrenze erreicht. Wunderbar besonnt ging es weiter auf einem nicht ausgesetzten Grat über P.1927 und weiter zur Wängichulm. Hier wurden wir empfangen von einer aufmerksamen Ziegenherde. Einige der lustigen Tiere spielten sich als Wegelagerer auf – ausgerechnet an einer rutschigen, allerdings seilgesicherten Passage. Schliesslich liessen sie uns durch, nicht ohne uns zu (ver)folgen. Bei einer Abwehraktion ging einer meiner Stöcke in Brüche – keine Angst, ich hab die Tiere nicht geschlagen… Endlich etwas Erleichterung: in der Unterquerung der Flühe (200 m über uns das Gipfelziel) eine Eisentreppe mit 17 Tritten; Ende der Verfolgungsjagd – dachten wir. Dass Geissen sehr kletterfreudige und -gewandte Tiere sind, wussten wir. Bald liefen unsere (bettelnden) BegleiterInnen wieder direkt hinter uns. Erst bei der Verzweigung bei P.2022 war Ruhe. Jetzt folgte der kurze Aufstieg zum Übergang bei P.2110. Ab hier waren es nur noch 30 Hm über eine Strecke von 300 m. Nach einer Querung zum Gipfelaufbau war der eigentliche felsige, aber nicht ausgesetzte Gipfelaufstieg in wenigen Minuten geschafft. Was für ein tolles Panorama in alle Richtungen! Das Schächtental bis zum Klausenpass, gegenüber Rossstock, Fulen und Chaiserstock, tief unter uns Altdorf und der Urnersee, weiter westlich der URS (Urisrotstock), im Süden Burg, Hoch Fulen und Bälmeten, im Osten Gross und Chli Schärhorn. Genial, und der Gipfel erst noch allein für uns. Nach einer Viertelstunde folgte ein Paar und wenig später Einzelkämpfer Urs aus Wollerau – im gleichen Alter wie ich, und auch ein Soldedurner. Für den Abstieg «adoptierten» wir Urs. Nun zu dritt, erreichten wir bald wieder das Pässchen bei P.2110, um dann zur Verzweigung bei P. 2022 abzusteigen. Jetzt folgte eine geologisch spannende Steilstufe unterhalb, resp. seitlich der senkrecht aufragenden Flühe. Aus den Wänden quellte das Wasser des späteren Fätschbachs. Bei der Durchquerung des Wildwassers füllte unser Begleiter Urs noch seinen Bidon auf mit diesem einzigartigen Wasser (besser als «Champagner», wie er meinte…). Über ein Grätchen erreichten wir den Hals und später den Pfaffenwald. Für kurze Zeit bot uns der weiche Waldboden so etwas wie Wellness für die Knie und Füsse. Bei Ober Oberfeld (ca. 1445 m.ü.M.) erreichten wir wieder von der Sonne beschienenes Weideland. Vorbei an einigen schönen Ferienhäuschen wanderten wir auf befestigter Unterlage über Wyss bis zum schön gelegenen Berg- und Skihaus Oberfeld (heute geöffnet bis 16 Uhr). Da es mittlerweile 15 Uhr war, verpflegten wir uns vom verfügbaren, eingeschränkten Angebot; die Heidelbeerwähe schmeckte allerdings ausgezeichnet. Nach dieser längeren Pause machten wir uns auf den 20-minütigen Weg hinunter nach Haldi (1082 m.ü.M.) von wo uns die Luftseilbahn Schattdorf-Haldi ins 600 m tiefer liegende Schattdorf hinunter schaukelte (Halbtax Fr. 4 pro Person). Und wie es der schöne Zufall will, konnten wir ohne Wartezeit in den Bus einsteigen, welcher uns via Altdorf (Umsteigen bei Haltestelle «Kollegium») und Bürglen ins Schächtental brachte. Die Busstation Locherbach erreichten wir nach einer kurzen Fahrt von 22 Minuten.

Für die Rückfahrt entschieden wir uns für die wunderschöne Fahrt über den Klausenpass. Im Hotel Klausenpass stoppten wir, denn das neu gebaute Hotel (Eröffnung Juli 2021) lockte. Es war ja auch gerade Zeit, sich ordentlich zu verpflegen; eine Empfehlung! Und erst die tolle Aussicht: Blick zurück zum Tagewerk, gegenüber die Schärhörner, der Chammliberg mit dem Griessgletscher, der Clariden mit dem eindrücklichen Iswändli. Ein würdiger Abschluss eines unvergesslichen Wandertages!

Fazit:
Eine recht einsame Tour, und fordernd dazu! Begegnet sich wir nur zwei Paaren und einem Einzelkämpfer – alle (auch wir) motiviert vom Tourenbericht von Heinz Staffelbach in der NZZ vom 25.09.2021. Das war quasi ein Gipfelsturm von NZZ-Lesern – spannend, nicht wahr!

Wetterverhältnisse:
Bestes Herbstwanderwetter (Föhn-bedingt), Sonne pur, blauer Himmel, feine Fernsicht, ca. 7 bis 15° C

Ausrüstung:
Wanderausrüstung, Kartenmaterial Swisstopo, GPS

Parameter:
Tour-Datum: 1. Oktober 2021
Schwierigkeit: T3+ (Trittsicherheit unabdingbar)
Strecke: 9.5 km, Eggenbergli (Bergstation Seilbahn von Witerschwanden-Eggenbergli, 1355 m) – Oberes Eggenbergli – Unter Wängi (1601 m) – P.1638 – P.1927 – Wängichulm – P.2022 – P.2110 (Übergang) – Wängihorn (2148 m) – P.2110 – P.2022 (Verzweigung) – P.1762 –  Fätschbach – Hals – Pfaffenwald (P.1563) – Ober Oberfeld (1445 m) – Berg- und Skihaus Oberfeld – Haldi (1082 m, Bergstation Luftseilbahn Schattdorf-Haldi)
Aufstieg: ca. 830 m
Abstieg: ca. -1100 m
benötigte Zeit inkl. Pausen: 6 Std. 40 Min.
benötigte Zeit ohne Pausen: 4 Std. 15 Min.
Tageszeit: 09:40 bis 16:20 Uhr

Alpin unterwegs im Bisistal: via Mälchberg und Hängst zur Glattalphütte SAC

Letztmals im Oktober 2005 auf der Glattalp, wollten wir dieses paradiesische Wandergebiet zuhinterst im Muotatal oberhalb des Bisistals wieder einmal besuchen. Wer die Glattalp betritt, wähnt sich eher im hohen Norden als im Herzen der Schweiz. Die Hochebene mit ihrer vielseitigen Flora und Fauna wird umringt von den schroffen Wänden und schmalen Graten der höchsten Schwyzer Berge. Die Temperaturen erreichen im Winter dank der muldenartigen Topografie schon mal 30 Grad unter null, der Rekord liegt bei -52,5 Grad Celsius (7. Februar 1991). Im Sommer vom Sahli mit der Luftseilbahn des Elektrizitätswerks des Bezirks Schwyz erschlossen, ist das Hochtal sonst nur zu Fuss erreichbar. Genau das war heute unsere Absicht. Für den Aufstieg wählten wir die alpine Route (weiss-blau-weiss) über den Mälchberg (T4), für den Abstieg den Normalweg.

Die Anfahrt über die enge Strasse (mit Ausweichstellen) endete bei der Talstation der Luftseilbahn Glattalp (Kapazität 8 Personen pro Fahrt). Bei unserer Ankunft kurz vor neun Uhr war der Parkplatz Sahli fast voll besetzt, und viel Volk wartete bereits auf die Bergfahrt. Wir starteten, vorbei an der Alpwirtschaft Sahli in Richtung Glattalp; auf der Alpstrasse bis P.1281, nach drei Kurven bei P.1338 bei der Verzweigung zum Direktaufstieg zur Glattalp blieben wir auf der Alpstrasse. Diese führte in geringem Aufstieg zur schön gelegenen Alp Milchbüelen, vorbei am Schattgadenhüttl. Über unseren Köpfen schwebte die voll besetzte Kabine der Luftseilbahn hoch. Mehr beeindruckte uns aber der mächtige Felskopf der Höchegg mit dem Hauptgipfel Hängst – dort rauf wollten wir… Erst galt es die Felswand auf gleichbleibender Höhe von ca. 1340 m.ü.M. über die Bietliplanggen westlich zu umgehen. Bei Feldmoos (einem Alpgebäude), genau unterhalb der dort startenden Materialseilbahn, wurden wir nach rechts (nach S) gewiesen. Ab jetzt wurde es steil, zu Beginn noch auf kuhtrittigem Wanderpfad, vorbei an einem Stall und mitten durch eine Herde friedlicher Viecher. Immer steiler werdend, drehte der Pfad – zum Glück schattenhalb – nach Norden hoch bis zum P.1565. Jetzt wieder voll an der Sonne, ging der Blick ins Bisistal hinunter. Weiter steil hoch, entlang einer Runse, die noch mit Resten von Lawinenschnee gefüllt war – über uns der furchterregende Felskopf Hängst (wortlos in Gedanken: dort hinauf wollen wir, wie soll das gehen?). Nun folgte der anspruchsvollste Teil des Aufstiegs: weglos, gut markiert, über schroffige und felsige Bänder und hohe Tritte. Nun packten wir einen Stock in den Rucksack, um die Hände besser einsetzen zu können. Es folgten einige Kletterstellen im I. Grad – manchmal leicht ausgesetzt, Trittsicherheit war gefordert. Uns gefiel dieser Abschnitt ausgezeichnet. Bald kam die Bergstation der Materialseilbahn ins Blickfeld, und nach knapp drei Stunden (ab Sahli) standen wir vor den Alpgebäuden auf Mälchberg, inmitten friedlicher Muttertiere und begrüsst von einem Senn. Nach einem kurzen Schwatz zogen wir weiter, um nach etwa 200 m den markierten Pfad nach rechts zu verlassen. Ziel war der 154 m höher liegende Aussichtsgipfel des Hängst. Der ist nur in der Direttissima zu erreichen, über eine mit tiefen Kuhtritten durchsetzte, sehr steile Grashalde (für Doris eine nicht ganz triviale Sauerei😊). Auf dem Gipfelchen angekommen, wurden unsere Anstrengungen reichlich belohnt mit einem herrlichen Panorama nach allen Seiten. An der Kante stand zum Glück ein Elektrozaun, denn auf der Südseite gehts 500 m senkrecht runter. Für eine Gipfelrast war es zu früh, ausserdem wurden wir von fliegenden Ungeziefern «gestört». Also stiegen wir die paar Hm ab zum Punkt südöstlich Mälchberg, wo wir wieder den WW erreichten. Hier wäre es auch noch möglich, den 2108 m hohen Pfaff zu besteigen; für die hundert Meter Höhendifferenz würde eine Viertelstunde reichen. Wir verzichteten, weil wir auf dem weglosen Aufstieg vom Vieh malträtiertes, tiefes Gelände befürchteten. Also folgten wir dem nunmehr weiss-rot-weiss markierten Pfad hinunter zur Glattalphütte SAC, welche nach einer halben Stunde erreicht war. Unterwegs immer wieder der Blick zur Furggele und zu den imposanten Gipfeln Flätstock, Höch Turm und Ortstock (den wir im September 2009 bestiegen haben). Im Nachhinein wunderten wir uns heute, wie wir es damals geschafft haben, diesen unnahbar scheinenden Gipfel zu besteigen. Begrüsst von Franziska Gwerder und ihrem Team fanden wir auf der Terrasse vor der neu umgebauten Glattalphütte SAC ein schattiges Plätzchen, um ausgedehnt zu rasten. Die Käseschnitten mundeten ausgezeichnet. Und der Ausblick zu den schroffen Wänden von Signalstock und Rot Nossen war gewaltig, weil ungetrübt. Gestärkt nahmen wir den Abstieg unter die Füsse; die vielen Abstiegsmeter wären auch mit der Luftseilbahn möglich gewesen… Der Abstieg ist an einigen Stellen sehr steil und unangenehm geröllig (und deshalb ausrutsch-gefährdet), vor allem im Bereich In den Chrümpfen, wo Wegarbeiten im Gange waren. Eine Abkürzung stellte sich schliesslich als kurze seilgesicherte T3-Schlüsselstelle heraus (Schild «nur für gute Gänger»). Ab Verzweigung Milchbüelen bei P. 1502 normalisierte sich das Gelände wieder (Bereich Läcki). Bei P.1338 erreichten wir den Alpweg wieder, auf dem wir im Aufstieg zur Alp Milchbüelen wanderten. Ab jetzt folgten wir, mit Ausnahme einiger Abkürzungen, der staubtrockenen Alpstrasse hinunter bis Sahli, wo die Erlösung wartete: Alpwirtschaft Sahli, Suure Moscht und ein Bier – einfach Wellness pur! Eine anspruchsvolle und entsprechend anstrengende Tour, die uns in bester Erinnerung bleiben wird.

Fazit:
Heute waren wir, der gewählten Strecke im Aufstieg sei Dank, wie erwartet einsam unterwegs, wenigstens bis zur Glattalp…

Wetterverhältnisse:
Ein sommerlicher Hitzetag (im Mittelland), wenig Wind, im Wandergebiet angenehme 12 bis 24° C

Ausrüstung:
Profilwanderschuhe, Stöcke, Kartenmaterial Swisstopo, GPS

Parameter:
Tour-Datum: 12. August 2021
Schwierigkeit: T4
Strecke: 12.1 km, Sahli (1146 m) – P.1280 – P.1338 (Verzweigung WW Glattalp/Milchbüelen) – Milchbüelen, Schattgadenhüttl (1359 m) – Feldmoos (1350 m) – P.1565 – Mälchberg 1848 m – Hängst (2002 m) – Punkt südöstlich Mälchberg (1985 m) – P.1929 – Glattalphütte SAC (1896 m) – In den Chrümpen – P. 1502 (Verzweigung Milchbüelen) – Läcki – P.1338 – P.1280 – Sahli
Aufstieg: ca. 970 m
Abstieg: ca. -950 m
benötigte Zeit inkl. Pausen: 7 Std.
benötigte Zeit ohne Pausen: 4 Std. 15 Min.
Tageszeit: 09:00 bis 16:00 Uhr