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Alpin unterwegs im Bisistal: via Mälchberg und Hängst zur Glattalphütte SAC

Letztmals im Oktober 2005 auf der Glattalp, wollten wir dieses paradiesische Wandergebiet zuhinterst im Muotatal oberhalb des Bisistals wieder einmal besuchen. Wer die Glattalp betritt, wähnt sich eher im hohen Norden als im Herzen der Schweiz. Die Hochebene mit ihrer vielseitigen Flora und Fauna wird umringt von den schroffen Wänden und schmalen Graten der höchsten Schwyzer Berge. Die Temperaturen erreichen im Winter dank der muldenartigen Topografie schon mal 30 Grad unter null, der Rekord liegt bei -52,5 Grad Celsius (7. Februar 1991). Im Sommer vom Sahli mit der Luftseilbahn des Elektrizitätswerks des Bezirks Schwyz erschlossen, ist das Hochtal sonst nur zu Fuss erreichbar. Genau das war heute unsere Absicht. Für den Aufstieg wählten wir die alpine Route (weiss-blau-weiss) über den Mälchberg (T4), für den Abstieg den Normalweg.

Die Anfahrt über die enge Strasse (mit Ausweichstellen) endete bei der Talstation der Luftseilbahn Glattalp (Kapazität 8 Personen pro Fahrt). Bei unserer Ankunft kurz vor neun Uhr war der Parkplatz Sahli fast voll besetzt, und viel Volk wartete bereits auf die Bergfahrt. Wir starteten, vorbei an der Alpwirtschaft Sahli in Richtung Glattalp; auf der Alpstrasse bis P.1281, nach drei Kurven bei P.1338 bei der Verzweigung zum Direktaufstieg zur Glattalp blieben wir auf der Alpstrasse. Diese führte in geringem Aufstieg zur schön gelegenen Alp Milchbüelen, vorbei am Schattgadenhüttl. Über unseren Köpfen schwebte die voll besetzte Kabine der Luftseilbahn hoch. Mehr beeindruckte uns aber der mächtige Felskopf der Höchegg mit dem Hauptgipfel Hängst – dort rauf wollten wir… Erst galt es die Felswand auf gleichbleibender Höhe von ca. 1340 m.ü.M. über die Bietliplanggen westlich zu umgehen. Bei Feldmoos (einem Alpgebäude), genau unterhalb der dort startenden Materialseilbahn, wurden wir nach rechts (nach S) gewiesen. Ab jetzt wurde es steil, zu Beginn noch auf kuhtrittigem Wanderpfad, vorbei an einem Stall und mitten durch eine Herde friedlicher Viecher. Immer steiler werdend, drehte der Pfad – zum Glück schattenhalb – nach Norden hoch bis zum P.1565. Jetzt wieder voll an der Sonne, ging der Blick ins Bisistal hinunter. Weiter steil hoch, entlang einer Runse, die noch mit Resten von Lawinenschnee gefüllt war – über uns der furchterregende Felskopf Hängst (wortlos in Gedanken: dort hinauf wollen wir, wie soll das gehen?). Nun folgte der anspruchsvollste Teil des Aufstiegs: weglos, gut markiert, über schroffige und felsige Bänder und hohe Tritte. Nun packten wir einen Stock in den Rucksack, um die Hände besser einsetzen zu können. Es folgten einige Kletterstellen im I. Grad – manchmal leicht ausgesetzt, Trittsicherheit war gefordert. Uns gefiel dieser Abschnitt ausgezeichnet. Bald kam die Bergstation der Materialseilbahn ins Blickfeld, und nach knapp drei Stunden (ab Sahli) standen wir vor den Alpgebäuden auf Mälchberg, inmitten friedlicher Muttertiere und begrüsst von einem Senn. Nach einem kurzen Schwatz zogen wir weiter, um nach etwa 200 m den markierten Pfad nach rechts zu verlassen. Ziel war der 154 m höher liegende Aussichtsgipfel des Hängst. Der ist nur in der Direttissima zu erreichen, über eine mit tiefen Kuhtritten durchsetzte, sehr steile Grashalde (für Doris eine nicht ganz triviale Sauerei😊). Auf dem Gipfelchen angekommen, wurden unsere Anstrengungen reichlich belohnt mit einem herrlichen Panorama nach allen Seiten. An der Kante stand zum Glück ein Elektrozaun, denn auf der Südseite gehts 500 m senkrecht runter. Für eine Gipfelrast war es zu früh, ausserdem wurden wir von fliegenden Ungeziefern «gestört». Also stiegen wir die paar Hm ab zum Punkt südöstlich Mälchberg, wo wir wieder den WW erreichten. Hier wäre es auch noch möglich, den 2108 m hohen Pfaff zu besteigen; für die hundert Meter Höhendifferenz würde eine Viertelstunde reichen. Wir verzichteten, weil wir auf dem weglosen Aufstieg vom Vieh malträtiertes, tiefes Gelände befürchteten. Also folgten wir dem nunmehr weiss-rot-weiss markierten Pfad hinunter zur Glattalphütte SAC, welche nach einer halben Stunde erreicht war. Unterwegs immer wieder der Blick zur Furggele und zu den imposanten Gipfeln Flätstock, Höch Turm und Ortstock (den wir im September 2009 bestiegen haben). Im Nachhinein wunderten wir uns heute, wie wir es damals geschafft haben, diesen unnahbar scheinenden Gipfel zu besteigen. Begrüsst von Franziska Gwerder und ihrem Team fanden wir auf der Terrasse vor der neu umgebauten Glattalphütte SAC ein schattiges Plätzchen, um ausgedehnt zu rasten. Die Käseschnitten mundeten ausgezeichnet. Und der Ausblick zu den schroffen Wänden von Signalstock und Rot Nossen war gewaltig, weil ungetrübt. Gestärkt nahmen wir den Abstieg unter die Füsse; die vielen Abstiegsmeter wären auch mit der Luftseilbahn möglich gewesen… Der Abstieg ist an einigen Stellen sehr steil und unangenehm geröllig (und deshalb ausrutsch-gefährdet), vor allem im Bereich In den Chrümpfen, wo Wegarbeiten im Gange waren. Eine Abkürzung stellte sich schliesslich als kurze seilgesicherte T3-Schlüsselstelle heraus (Schild «nur für gute Gänger»). Ab Verzweigung Milchbüelen bei P. 1502 normalisierte sich das Gelände wieder (Bereich Läcki). Bei P.1338 erreichten wir den Alpweg wieder, auf dem wir im Aufstieg zur Alp Milchbüelen wanderten. Ab jetzt folgten wir, mit Ausnahme einiger Abkürzungen, der staubtrockenen Alpstrasse hinunter bis Sahli, wo die Erlösung wartete: Alpwirtschaft Sahli, Suure Moscht und ein Bier – einfach Wellness pur! Eine anspruchsvolle und entsprechend anstrengende Tour, die uns in bester Erinnerung bleiben wird.

Fazit:
Heute waren wir, der gewählten Strecke im Aufstieg sei Dank, wie erwartet einsam unterwegs, wenigstens bis zur Glattalp…

Wetterverhältnisse:
Ein sommerlicher Hitzetag (im Mittelland), wenig Wind, im Wandergebiet angenehme 12 bis 24° C

Ausrüstung:
Profilwanderschuhe, Stöcke, Kartenmaterial Swisstopo, GPS

Parameter:
Tour-Datum: 12. August 2021
Schwierigkeit: T4
Strecke: 12.1 km, Sahli (1146 m) – P.1280 – P.1338 (Verzweigung WW Glattalp/Milchbüelen) – Milchbüelen, Schattgadenhüttl (1359 m) – Feldmoos (1350 m) – P.1565 – Mälchberg 1848 m – Hängst (2002 m) – Punkt südöstlich Mälchberg (1985 m) – P.1929 – Glattalphütte SAC (1896 m) – In den Chrümpen – P. 1502 (Verzweigung Milchbüelen) – Läcki – P.1338 – P.1280 – Sahli
Aufstieg: ca. 970 m
Abstieg: ca. -950 m
benötigte Zeit inkl. Pausen: 7 Std.
benötigte Zeit ohne Pausen: 4 Std. 15 Min.
Tageszeit: 09:00 bis 16:00 Uhr

Lauihöchi – Bigligerhöchi – Stockberg SZ

Von unserem Wohnsitz aus blicken wir dauernd zu diesen schönen Alpweiden (Luftlinie 12 km), dahinter Gipfel, die wir auch schon bestiegen haben: Chöpfenberg, Bockmattlistock. Eine der Alpwiesen trägt den von Bekannten geprägten Namen Schildchrötliwiese… Diese unbekannte Gegend wollten wir mal erwandern. Nach kurzer Anfahrt bis Schübelbach fuhren wir auf der schmalen Eisenburgstrasse hoch bis zur markanten Haarnadelkurve bei P.702, ab dort zum 50 m höher liegenden Weiler Mettlen, resp. zum P.751, wo wir am Waldrand gut parkieren konnten. Eigentlich ginge es ab hier direkt und sehr steil hoch zum Stockberg. Wir entschieden uns aber die Runde im Gegenuhrzeigersinn zu machen. Also liefen wir auf der Strasse bis zum P.702 zurück, dann weiter nach S bis P.728 (Langweid). Immer auf der geteerten Strasse bleibend, änderte die Richtung oberhalb der Höfe Argeli nach O. Der Blick ins Wägital entschwand uns langsam, und wir liefen mässig aufsteigend in Richtung Gebiet Schwändelen. Bei P.828 eine Verzweigung: rechts ginge es zum Restaurant Kapelle Schwendenen, wir hielten links (Wanderwegweiser Lauihöchi 2 Std. 25 Min.). Wieder einmal fielen uns die unterschiedlichen Schreibweisen auf: Schwendenen, Schwändelen. Noch immer liefen wir auf geteerter Unterlage, nicht gerade das gelbe vom Ei, aber moderat ansteigend noch einigermassen bequem. Immer wieder mal machte die Strasse eine Kurve und führte abwechslungsreich über einen Bach. Vorbei an landwirtschaftlichen Betrieben endete die Unterlage beim Hof Billmeschwändi (986 m) endlich auf Naturbelag. Hier auch eine erste Begegnung mit einem sympathischen eBiker, welcher über die Rossweidhöchi ins Niederurnertäli und weiter nach Ziegelbrücke «fahren» wollte – Respekt! Nach einem ziemlich langen Schwatz meckerten uns schöne (weissen) Geissen an, die gestreichelt und fotografiert werden wollten. Nach dem Lauilochbach folgte eine Waldstrecke (Oberer Schwendiwald), und schon bald erreichten wir die Alp Gelbberg – auch hier noch kein Alpleben. Einige hundert Meter weiter verliessen wir die in einem Bogen zur Rossweid führende Alpstrasse nach links (Wanderwegweiser Lauihöchi 35 Min.). Weglos und ziemlich direkt der Aufstieg über noch nicht bestossene Alpweiden, markiert mit rotweissen Pfosten. Nach einer halben Stunde war der höchste Punkt des Tages, die Lauihöchi, erreicht. Im Osten der Ausblick zu Hirzli und Planggenstock, beide schneefrei. Und der Tiefblick in die tausend Meter tiefer liegende Linthebene. Die Bise hielt uns von einer Gipfelrast ab; diese verlegten wir fünfzig Meter tiefer, wo sich die schön gelegene Alphütte Laui mit Tisch, Bänken und schattenspendendem Vordach geradezu anbot. Nach einigen Minuten die Begegnung (mit Schwatz selbstverständlich) mit einem ebenfalls nicht mehr ganz jungen Wanderer, welcher von Reichenburg aufgestiegen war (1000 Aufstiegsmeter!). Nach dem Abschied zogen wir weiter, nun immer in Richtung WNW. Gut ausgeschildert folgten wir einem mehr oder weniger ausgeprägten Grat, meist auf dem höchsten Punkt verlaufend. Definitiv kein einfaches Gehgelände mehr – jedenfalls nicht kinderwagentauglich. Mal 50 m rauf mal so viel wieder runter. Und immer die schöne Aussicht – sogar unser Wohnsitz war von blossem Auge auszumachen. Die Bigligerhöchi überschritten wir fast ohne sie zu beachten. Den Übergang Ruobengschwand mit den Alpgebäuden war markanter; irgendwo hier müsste doch die Schildchrötliwiese liegen… Jetzt wieder 40 Hm hinauf, dann wieder runter. Unterwegs einige nicht ganz triviale Passagen über bewurzelte Steilstufen, wo der Einsatz der Hände nötig war. Bald war das wunderschön gelegene Alpgebäude Genossame Holeneich erreicht, von wo es nur ein paar Meter sind bis zum aussichtsreichen Stockberg. Hier steht auch eine Bankniederlassung, daneben ein Fahnenmast, und ein Gipfelbuch sowie eine Grillstelle hat es auch. Hier machten wir nochmals Pause und sahen nach, ob zuhause alles in Ordnung ist. Jetzt folgte der happigste Abschnitt des Tages: 470 Hm steiler Abstieg durch den Stockbergwald hinunter, unterbrochen von der steilen Weidelichtung bei Chäseren. Die vielen Holztreppen haben wir nicht gezählt, aber wir waren doch erleichtert, endlich den Startpunkt unserer Tour zu erreichen.

Fazit:
Wer sagt denn, dass Tourenziele immer bekannte Gipfel sein müssen?! Wir haben eine ausserordentlich schöne Gegend kennen gelernt!

Wetterverhältnisse:
Viel Sonne, Schönwetter-Bewölkung, leichte Bise, ca. 13 bis 16° C

Ausrüstung:
Normale Wanderausrüstung, Stöcke, Kartenmaterial Swisstopo, GPS

Parameter:
Tour-Datum: 1. Juni 2021
Schwierigkeit: T2 (Stellen T3)
Strecke: 14.8 km, Mettlen P.751 – Eisenburgstrasse P.702 – P.728 (Langweid) – P.770 – P.821 (Siebnerschwendi) – P.828 (Schwändelen) – Vorderloch (873 m) – Schwändeli (926 m) – Billmeschwändi (986 m) – Lauilochbach P.1058 – Alp Gelbberg – Alp Bergegg (1265 m, Abzweiger WW Richtung Lauihöchi – Lauihöchi (1455 m) – Alphütte Laui (1405 m) – P.1383 – Bigligerhöchi (1406 m) – Trosenwald P.1230 – P.1205 (oberhalb Ruobengschwand) – P.1235 – P.1178 – P.1183 – Alp Stockberg Genossame Holeneich – Stockberg (1217 m) – Chäseren (1032 m) – Mettlen P.751
Aufstieg: ca. 882 m
Abstieg: ca. -863 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 6 Std. 50 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 4 Std. 45 Min.
Tageszeit: 09:40 bis 16:30 Uhr

Gottschalkenberg – eine Runde über dem Ägerisee

Der zwischen der Sihl und dem Ägerisee verlaufenden Gottschalkenberg ist bekannt wegen des Übergangs über den Raten, der von Biberbrugg/Schwyzerbrugg SZ nach Oberägeri ZG führt. Im Winter ein kleines Kinderskiparadies, im Sommer ein solches für Biker und Wanderer. Vom Pass her wird das Restaurant Gottschalkenberg erreicht über eine zwei km lange Strasse. Der grosse Parkplatz ist Lockdown-bedingt leer, also können wir unser Fahrzeug problemlos abstellen. Hier treffen wir Lisebeth, deren Anfahrt etwas kürzer war.

Zu Beginn der Wanderung hatten wir der leicht winterlichen Witterung zu trotzen, der moderate Aufstieg sorgte aber rasch für die nötige Betriebstemperatur. Die Muetegg mit 1204 m.ü.M., dieses bewaldete unscheinbare Gipfeli, war zu erkennen an der Bankniederlassung. Einige Hartschneestellen auf dem Weiterweg boten kaum Schwierigkeiten. Bald erreichten wir P.1122 (Eisenkreuz, Bank, Feuerstelle) und kurz danach einen markant im Wald stehenden „Gipfelfelsen“. Im Grau ging der Blick hinunter nach Finstersee. Wenige Minuten später standen wir auf der Mangelhöhe (1102 m), wo uns die gelben Wegweiser ein verwirrend grosses Angebot machten. Wir entschieden uns für – keinen der vorgeschlagenen Wege. Ab durch die Mitte, auf einigermassen sichtbaren Trittspuren relativ steil hoch durch den Wald – der Bruusthöchi entgegen. Zwar noch immer bewölkt, lockerte sich die Sicht in Richtung Ägerisee etwas auf. Jetzt folgte der wenig steile Abstieg zu einer grossen und aussichtsreichen Lichtung namens Grümel, auf welcher auch die Wanderhütte steht – und rund herum viele Bänke und Grillstellen; hier oben muss wohl normalerweise viel Betrieb sein. Am westlichen Ende der Lichtung wurden wir in einer scharfen Kurve in Richtung N nach Hintertann hinunter gewiesen (30 Hm Abstieg). An der ziemlich neuen Eventlocation vorbei, erreichten wir nun einen geteerten Streckenteil, der nach Hinterschneidt hinunterführte. Beim Wegkreuz (P.945) hielten wir nach rechts (NW), vorbei an der schön gelegenen Bergbeiz Kistenpass. Hier trafen wir den freundlichen (und gesprächigen) Bauer und Beizer, der – wohl auch Lockdown-bedingt unter etwas sozialem Entzug „leidend“ – innert kurzer Zeit viel zu berichten wusste. Jedenfalls mussten wir uns mittlerweile frierend verabschieden – schliesslich hatten wir noch gute drei Stunden Laufzeit vor uns… später über den Lutisbach, erreichten wir P.931 bei Hinterwiden. Den etwas abseitsstehenden Aussichtspunkt liessen wir stehen und nahmen den direkten Weg durch das Tälchen des Lutisbach hinunter bis zur Klinik Adelheid. Bei P.839 die Richtungsänderung nach O; etwa 80 Hm oberhalb des Ägerisees fanden wir an aussichtsreicher und sonniger Lage ein Bänkli – ideal für die Mittagsrast. Gestärkt überschritten wir den Lütisbach wieder, um das zu Oberägeri gehörende Villenquartier Erliberg zu durchstreifen. Einen halben Kilometer weiter östlich dann eine natürliche Barriere – der Mitteldorferbach; jetzt den Grundweg steil hinauf bis zur Tannstrasse und auf dieser über den Bach weiter nach O. Ober- und Hinter-Haltenbühl heissen die Höfe. Beim Hof Hinter-Haltenbühl verliessen wir die Fahrstrasse, um gelb markiert über den Dorfbach den an der Strasse von Schwand nach Alosen P.927 (Mattli) zu erreichen. Hier entschied sich Lisebeth – unter Kniebeschwerden leidend – bis Alosen zu laufen und mit dem Postauto zum Ratenpass zu fahren. Wir hatten jetzt noch 220 Aufstiegsmeter vor uns. Über Wiesland direkt hoch bis zum Waldrand, dann auf der Forststrasse weiter hoch. Der Abschnitt bis zur Abschwändi war eine einzige Plage: die Unterlage durchgehend geschottert (einem stillgelegten Eisenbahntrassee gleich). Bei der Lichtung bei Abschwändi Richtungsänderung nach N. Bei P.1162 schloss sich die Runde; jetzt noch wenige Schritte bis zum Ausgangspunkt auf Gottschalkenberg – 40 Min. für den Aufstieg ab Mattli P.927, wo die Vorgabe 1 Std. lautete. Zufrieden entledigten wir uns der Wanderschuhe, um dann die Heimfahrt (über Alosen) anzutreten – Lisebeth hatte das Postauto in Alosen um eine Minute verpasst.

Fazit:
Eine lohnenswerte Wanderung in einer uns unbekannten Gegend, zu dieser Jahreszeit wenig begangen, in der wärmeren Jahreszeit wohl stark besucht…

Wetterverhältnisse:
Bedeckt, trocken, ab Mittag etwas Sonnenschein, leichter kalter Wind aus O (bis 10 km/Std.), ca. 0 bis 4°

Ausrüstung:
Normale Wanderausrüstung, Kartenmaterial Swisstopo, GPS

Parameter:
Tour-Datum: 9. März 2021
Schwierigkeit: T2
Strecke: 14.0 km: Gottschalkenberg (1148 m) – Charenboden (1162 m) – Muetegg (1204 m) – Wegkreuz P. 1122 – Mangelhöhe (1102 m) – Bruusthöchi (1176 m) – Grümel (1050 m, Wanderhütte) – Hintertann (1024 m) – Hinterschneidt (Wegkreuz P.945 m) – P.931 (Hinterwiden) – Klinik Adelheid (P.839) – Lütisbach – Erliberg (Mitteldorferberg Oberägeri) – Mitteldorferbach (P.856 m) – Ober- und Hinter-Haltenbühl (P.894) – Mattli (P.927) – P.1017 – P.1052 (Gireggwald) – Abschwändi (P.1137) – P.1140 – Charenboden – Gottschalkenberg
Aufstieg: ca. 585 m
Abstieg: ca. -554 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std. 30 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 4 Std.
Tageszeit: 09:30 bis 15:00 Uhr

Wildspitz und Gnipen, Aufstieg über Alplihorn

Heute mal eine Tour auf Felix’ Spuren… Wir fuhren nach Unterägeri, wo wir im Ortszentrum in Richtung «Hürital» abbogen. Nach knapp 3 km erreichten wir die Stutzhütte, wo wir parkierten. Mit Ausnahme einiger HundespaziergängerInnen wenig los hier. Um halb zehn starteten wir beim Punkt 800 direkt nach der Brücke auf dem markierten WW in Richtung Alpli, Wildspitz. Nach wenigen Minuten Anstieg war das relativ flache Blimoos erreicht – von schönen Naturwiesen und einigen Orchideen begrüsst. Im folgenden Waldstück ein steilerer Anstieg auf gerölligem Untergrund. Bei P.1031 Überquerung der Forststrasse vorerst weiter in Richtung Alpli, bis uns ein Wegweiser die Wahl liess, rechts zum Alpli, halblinks der weiss-rot-weisse Bergweg (Alplihorn-Wildspitz über die Leiter) – wir entschieden uns für den Aufstieg über die Leitern. Es folgte ein schön angelegter Waldpfad über Wurzeln und Treppen. Gelegentlich wurde der Blick zum rechts unten liegenden Alpli frei: Fahne gehisst, aber niemand dort (Dienstag Ruhetag). Nach einigen steileren Stufen und Kehren standen wir fast schon unvermittelt vor einer Eisentreppe (ca. 40 Tritte), der dann eine beinahe senkrechte Eisenleiter folgte – beide zusätzlich und sehr vertrauenswürdig mit Ketten gesichert. Für uns reiner Plausch, aber etwas Trittsicherheit war schon gefordert, und schwindelfrei sollte man schon sein… Uns gefallen solche Partien. Der weitere Aufstieg bis zum Alplihorn dann mit einigen knackigen Stellen, wo der Einsatz der Hände gefragt war; bei trockener Witterung nicht problematisch. Bei P.1371 dann eine markierte Verzweigung für den Zu-/Abstieg vom Alpli. Und wenige Meter daneben der unscheinbare Gipfel, mit Bänkli und etwas Weitblick nach Unterägeri hinunter und zum Ägerisee. Hier oben und auf dem weiteren Aufstieg wirkte die Umgebung überraschend alpin; skurrile Föhren, Alpenrosen. Kurz unterhalb des Wildspitz die letzten Kehren, nun etwas ausgetretener, was signalisiert, dass sich viel Gipfelvolk offenbar bis hierhin vorwagte. Bald war der Gipfel des höchsten Zugers (Grenzpunkt ZG/SZ) erreicht; das Wildspitz-Panorama hier oben schon gewaltig, auch dann, wenn sich – wie heute – die hohen Gipfel in Quellbewölkung gelegt haben. Das Berggasthaus heute geschlossen, wohl auch ein Grund für den heute spärlichen Zulauf. Nach dem kurzen Gipfelgenuss zogen wir weiter in Richtung Gnipen über den wenig ausgeprägten Rossberggrat, dessen Bannwald vom Sturmtief «Burglind» vom 2./3. Januar 2018 stark gezeichnet ist (siehe Bilder). 1.4 km weiter, auf dem höchsten Punkt des Gnipen (1566 m.ü.M.) fanden wir direkt an der eindrücklichen Abbruchkante des Goldauer Bergsturzes einen aussichtsreichen Platz für unsere Gipfelrast. Das 240 m weiter westwärts stehende Gipfelkreuz haben wir diesmal nicht besucht, es markiert übrigens ohnehin nicht den höchsten Punkt. Für den Abstieg hatten wir vor, bis Unter Beichli P.1394 abzusteigen, wo wir den alpinen Bergweg zum Alpli hinunter machen wollten. Irgendwie haben wir uns vertan und sind schon vom P.1540 (Ober Beichli) abgestiegen – sehr schön, aber wohl nicht so anspruchsvoll. In diesem Kessel nördlich des Rossberggrats gelangten wir rasch zum 260 Hm tiefer liegenden Oberalpli und weitere 150 Hm weiter unten zur heute wie erwähnt leider geschlossenen Wirtschaft Zuger Alpli. Auf dem WW (nicht auf der ekelhaft steilen Betonstrasse!) weiter bis oberhalb P.1031, wo sich der Kreis unserer Runde schloss. Jetzt «nur noch» die weiteren 300 Hm Abstieg via den bekannten P. 1031 – aufgrund der gerölligen und steilen Unterlage nicht gerade knieschonend. Zufrieden über einen sportlichen Wandertag erreichten wir den Startpunkt bei der Stutzhütte wieder.

Fazit:
Eine herrliche und sehr abwechslungsreiche Runde auf Wildspitz und Gnipen, zur Abwechslung mal von der Nordseite – sehr lohnend und einsam…

Wetterverhältnisse:
Ein herrlich sommerlicher Tag, Temperaturen im Bereich 18 bis 25°, die in den letzten Tagen omnipräsente Bise stark abgeschwächt

Ausrüstung:
Wanderschuhe, Stöcke

Parameter:
Tourdatum: 2. Juni 2020
Schwierigkeit: T3
Strecke: 11.1 km, Stutzhütte P.800 – Blimoos – via Leitern hoch zum Alplihorn (1371 m) – Wildspitz (1579 m) – Gnipen (1566 m) – Ober Beichli (1540 m) – Oberalpli (1371 m) – Alpli (1156 m) – Blimoos – Stutzhütte
Aufstieg: ca. 844 m
Abstieg: ca. -825 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std. 30 Min.
Tageszeit: 09:30 bis 14:30 Uhr

Napf 1406 m – ab Luthern Bad

Luthern Bad, dieser kleine Wallfahrtsort im Kanton Luzern am nördlichen Fuss des Napf kannten wir nicht. Die Fahrt dorthin führte über Sursee in Richtung Huttwil und ab Hüswil ins immer enger werdende Lutherntal. In Luthern Bad durften wir auf dem Parkplatz des Gasthaus Hirschen (gratis) parkieren – eine Selbstverständlichkeit, dort den Start- und Abschlusskafi zu geniessen. Kurz vor zehn Uhr – mit den ersten Sonnenstrahlen – starteten wir entlang des rechten Ufers der Luthern; hier beginnt auch der rosa markierte Schneeschuhtrail (wenn es denn soweit ist…). Nach einem Kilometer – kurz vor Mitteley – die Brücke über die Luthern und die nach Hinterey führende Fahrstrasse überquerend, führte der gelb markierte WW zum Hof Spitzweid. Gleich dahinter begann es stärker zu steigen. Beim P.1036 ein kurzer Abstieg auf einer Forststrasse hinunter zum bei P.974 liegenden Parkplatz Änziwald. Nach Überquerung der kein Wasser führenden Änziwigger der Wiederaufstieg durch den Änziwald – halt noch im Schatten. Beim P.1050 dann der Kulissenwechsel: Sonne, wolkenloser Himmel, Nebelmeer – wunderschöne Stimmung, gerade richtig für eine erste Trinkpause. Weiter durch die prächtige Landschaft, die Bäume wenig Schnee tragend, wie Blumen wuchsen Eiskristalle an den Ästen; «Biecht» sagen Einheimische, Raureif auf Hochdeutsch. Vorbei an der schmucken Chrotthütte (SAC Sektion Pilatus) war die Unterlage nun winterlicher. Nach einem kurzen Abstieg überquerten wir den Chrachebach, links über uns der Hof Chrutose. Ab P.1040 folgte ein kurzer Abschnitt auf einer Forststrasse, die wir bald wieder und gut markiert nach rechts (in südlicher Richtung) verliessen. Auf gratähnlichem (nie ausgesetztem) Pfad am Hapfigchnubel vorbei öffnete sich der grandiose Blick über die 300 m hohe Stächeleggflue hinweg nach Osten in Richtung Pilatus. Schon stehen wir bei der sonnig gelegenen Stächelegg, wo Getränke und einfache warme Speisen angeboten wurden. Wir zogen weiter, was wir später bereuten. Auf der 1 km langen Strecke bis zum Napf war bei dieser Wetterlage mit max. 20% Luftfeuchtigkeit beste Fernsicht geboten (siehe Bilder). So dauerte der Spaziergang auf diesem Abschnitt halt schon 30 Minuten😊. Um die Mittagszeit erreichten wir den mittlerweile hochwinterlich anmutenden Napf mit seinem prominent gelegenen Gasthof (Top die Lage, Flop die Gastronomie). Das beste in diesem toll gelegenen Berghotel ist die (neue) WC-Anlage. Aber sonst: unhygienisch, Tische in der Gaststube stark verschmutzt, trotz bescheidenem Zulauf wenig lustvolle Massenabfertigung, Essensqualität durchschnittlich. Wir kommen wieder, dann aber Einkehr auf der Stächelegg. Nach der Verpflegung die Flucht nach vorne – zum südseitig gelegenen Panorama-Aussichtspunkt. Was für Wetterglück! Klare Weitsicht vom Besten. Oben am höchsten Punkt dann der Blick übers Meer bis zum Jura (Weissenstein und die Nachbarn). Direkt bei diesem höchsten Punkt begann der schneebedeckte und folglich etwas heikle Abstieg – die Stöcke leisteten gute Dienste. Entlang dem steilen Grat am Grüeblihängst bewunderten wir die schroff abfallenden Flühe. Am mit Grüebli bezeichneten P.1278 folgten wir dem WW in Richtung Luthern Bad, nach N also. Schlüechtli heisst dieser Abschnitt, auf welchem einige exponierte, leicht ausgesetzte Stellen zu meistern waren. Die Napfflue (1365 m) umrundend, erreichten wir die Eyflue und wenig später auch den Niederenzi (Bergrestaurant Nieder Änzi geschlossen). Hier nochmals eine Richtungsänderung nach N. Dieser steilere Abschnitt war heute stark und blank vereist. Bald aber schneefrei, erreichten wir Oberbadegg (Restaurant heute geschlossen) und wenig später Unterbadegg. Hier verabschiedeten wir die Sonne, um in den Nebel einzutauchen, was uns nichts ausmachte. Vorbei an der Kapelle und der Quelle Badbrünnli erreichten wir den Ausgangspunkt Luthern Bad wieder.

Fazit:
Unsere zweite Napf-Wanderung (nach Nov. 2015), eine bei solchen Verhältnissen absolut lohnende aussichtsreiche Dezember-Wanderung!

Wetterverhältnisse:
ca. 10 bis 20 cm Schnee auf dem Gipfelplateau, über der Nebelobergrenze ab ca. 900 m.ü.M. sonnig, beste Fernsicht, windstill, Temperatur ca. -2° bis 9°

Ausrüstung:
Wanderschuhe, Stöcke (im winterlichen Abstieg nützlich), Grödel (kamen nicht zum Einsatz)

Parameter:
Tour-Datum: 4. Dezember 2019
Schwierigkeit: T2
Strecke: 12.2 km, Aufstieg ab Luthern Bad Parkplatz Gasthaus Hirschen 874 m – Mitteley P.932 – Spitzweid – P.974 (Parkplatz Änziwald) – P.1050 – Chrotthütte – P.1140 – Stächelegg 1303 m – Napf 1406 m – Abstieg (Einstieg beim höchsten Punkt) dem Grat entlang – P.1278 (oberhalb Grüebli) – Eyflue 1286 m – Niederenzi 1235 m – Oberbadegg 1002 m – Unterbadegg – Luthern Bad
Aufstieg: ca. 700 m
Abstieg: ca. -700 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std. 30 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std. 55 Min.
Tageszeit: 09:50 bis 15:20 Uhr

Gross Mythen 1898 m – wie immer keine einsame Tour

Anfahrt aus dem Zürioberland über den Seedamm Rapperswil SG – Pfäffikon SZ – Schindellegi – Einsiedeln – Alpthal – Brunni (gebührenpflichtiger Parkplatz bei der Talstation der Seilbahn zur Holzegg). In Biberbrugg wurden wir von Ruedi’s Schwester Lisebeth erwartet. Heute war wieder einmal (für uns zum siebten Mal) der grosse der Mythen angesagt. Für die Wandernovizin sollte es heute der erste Versuch sein…

Ab Brunni über die Forststrasse und später auf gutem Pfad über bestossenes Weideland erreichten wir nach gemütlichem Aufstieg die Holzegg. Nach dem Startkafi bis zur Einstiegstelle mit Lisebeth, die dann den Entscheid fällte, es (noch) nicht zu wagen – Respekt! Verständlich, denn hier erscheint der Berg tatsächlich als mächtiger Koloss. Ab Einstieg bei P.1491 beim Griggeli (die bekannte Geröllhalde) der bekannt ruppige, aber (fast) durchgehend mit fabrikneuen Ketten gesicherte Bergweg. Bei entsprechender Vorsicht und Trittsicherheit ohne besondere Schwierigkeiten zu begehen. Klar, über eine Strecke von 1.7 km und 46 Kurven sind 500 Hm Aufstieg zu bewältigen. Unterwegs Begegnung mit dem sympathischen (und fitten) Armin Schelbert «Der Mensch vom Mythen», nach seinen Aussagen heute zum dritten Mal im Abstieg – vielleicht sähen wir ihn heute nochmals, meinte er trocken. Den Aufstieg ab Holzegg bis zum Gipfel schafften wir Senioren in weniger als einer Stunde. Oben angekommen, verzichteten wir auf die Besteigung des eigentlichen Gipfels, weil dieser voll besetzt war. Was uns vor zwei Wochen auf der Hörnlihütte verwehrt war, genossen wir heute beim Bergrestaurant Grosser Mythen: Ghackets mit Hörnli und Öpfelmues! Der Abstieg zur Holzegg wegen der bekannten Gefahren nicht viel schneller als der Aufstieg. Und tatsächlich: ungefähr bei Kurve 25 schon wieder die Begegnung mit Armin Schelbert, heute zum vierten Mal im Aufstieg! Der 75jährige hat „seinen Berg“ schon über 3000mal bestiegen. Auf der Terrasse der Holzegg wurden wir von Lisebeth erwartet, die von einer Runde zur Rotenflue zurück war. Danke herzlich für die Einladung zu Glacé und so weiter. So gestärkt war der Restabstieg zum Ausgangspunkt Brunni reine Formsache.

Fazit:
Schön, dass wir auf dieser Tour heute (zumindest teilweise) von Lisebeth begleitet wurden – hoffentlich bald wieder einmal…

Wetterverhältnisse:
Freundlich (Sonne mit Restbewölkung), auf dem Gipfel angenehm (ca. 20°), ab und zu etwas die Aussicht trübende Bewölkung, windstill, im Abstieg dann schwülwarm.

Parameter:
Strecke: 7.4 km, Brunni (1102 m) – Verzweigung Zwyschet Mythen (Punkt 1234 m ) – Holzegg (1405 m) – Bergweg mit 46 (nummerierten) Kurven – Gross Mythen (1898 m) – Abstieg auf gleicher Strecke
Aufstieg: 790 m
Abstieg: 790 m
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std.
Tageszeit: 09:30 bis 16:00 Uhr

Hüttentour Uri 3|3: Treschhütte SAC – Fellilücke – Nätschen

Nach dem reichhaltigen Frühstück verabschiedeten wir uns von der idyllischen Treschhütte kurz nach acht Uhr. Südlich der Hütte, vorbei an der Alp Vorder Waldi, war auf den ersten anderthalb Kilometern gemütliches Warmlaufen auf relativ flacher Strecke entlang des Fellibachs angesagt. Dann über eine erste Geländestufe (1.5 km, 300 m Höhendifferenz) hoch zur Alp Obermatt. Hier bei P.1839 über eine kleine Brücke über den Fellibach. Danach wieder etwas flacher, vor uns aber die mächtige Geröll- und Blockhalde, über welche die Fellilücke erreicht wird. Kurze Pause und Verpflegung (Susanne’s Kraftriegel vom Beda-Beck). Ungefähr bei 2000 m.ü.M (Murmetsbüel) wurde es ruppig. Die nächsten zwei Kilometer verliefen ziemlich in der Mitte der Breitplanggen, so heisst die Blockhalde. Die häufigen w-r-w-Markierungen waren eine wichtige Orientierungshilfe. Grosse Tritte, kräfte- und zeitraubendes Blockkraxeln, mehrheitlich ohne Stockunterstützung – herrlich! Und eindrucksvoll dazu! Unterwegs in den Blocks nochmals eine Verschnaufpause, vor allem auch um unsere Flüssigkeitsspeicher aufzufüllen – denn der Schweiss floss in Strömen. Für die letzten 150 Aufstiegsmeter legte Richi etwas vor, um uns dann von oben zu beobachten. Ihn interessierten natürlich auch die alten Festungsanlagen auf dem rechts aufragenden Schneehüenerstock/Unghürstöckli (2773 m). Geschafft – auf der Fellilücke, dem höchsten Punkt des Tages. Gipfelrast im Windschatten, bei nunmehr eingetrübter Witterung, aber trocken. Zum Glück hat man die Sprengarbeiten hier oben vor drei Tagen abgeschlossen. Was nun folgte, erschreckte uns. Allein schon der Tiefblick auf den 230 m unter uns liegenden Oberalppass, resp. auf die dort eingerichtete (unüberhörbare) Baustelle bot ein tristes Bild. Zum guten Glück bot sich uns die Aussicht ins gegenüberliegende Gebiet um den Piz Cavradi (wo sogar die Maighelshütte ausgemacht werden konnte) und auf die umliegenden Gipfel wie z. B. Pazolastock (2740 m). Wir hielten nach Westen um den Schneehüenerstock südlich zu umrunden. Die Höhe von ca. 2400 m.ü.M. haltend, fixierten wir uns auf die Bergstation Gütsch – vorbei am Lutersee. Eine Alternative bot sich uns nicht – die Strecke über Vorder Felli-Strahlboden-Grossboden war gesperrt. Das Gebiet ist eine gigantische Grossbaustelle – die Skiarena Sedrun-Andermatt wird gebaut! Mehrere Bahnanlagen vor Fertigstellung, allen voran das Projekt 2018 auf den Schneehüenerstock mit der auf 2600 m gebauten Bergstation. Möglich, dass diese Arena im Winter und unter Schnee ganz anders wirkt – die Art und Weise, wie hier Wunden in eine ehemals schöne Berglandschaft geschlagen werden, lässt viele Fragen offen. Ob sich die Millionen-Investition des Herrn Sawiri und Konsorten lohnen wird? Zurück zu unserer Wanderung: über breite Baupisten (siehe Bilder) erreichten wir die Bergstation Gütsch, um kurz davor den Abstieg nahe des Gütsch-Express einzuschlagen. Auf der Suche, die staubige und von Baufahrzeugen stark befahrene Piste verlassen zu können, boten sich uns wenige Gelegenheiten (Wanderweg-Markierungen fehlten hier …). In der Direttissima erreichten wir schliesslich die RhB-Bahnstation Nätschen (1842 m), welche wegen des Neubaus des Gütsch-Express-Terminals verlegt worden ist. Eigentlich wollten wir in der nahen Alp Hittä einkehren; nix da, geschlossen (zurzeit geschäften die an der Gewerbeausstellung Uri 18). Egal, uns blieben noch 4 Minuten bis zum Eintreffen des roten Bähnli (Abfahrt 15:04) – was reichte, um die Online-Tickets zu lösen (Reisende ohne Smartphone treibt es hier mangels Ticketautomat Angstschweiss auf die Stirn…). Naja, pünktlich fielen die ersten Tropfen – wir kamen trocken durch.

Fazit:
Lange und wie erwartet anstrengende Tagesetappe, und ausserdem speziell eindrucksvoll, nicht zuletzt wegen der alpinen Grossbaustellen auf Oberalp und Umgebung. Unseren Bergfreunden Susanne und Richi danken wir von Herzen für die Begleitung auf dieser wunderschönen Hüttentour.

Wetterverhältnisse:
Zum Tagesbeginn leichte Bewölkung, sonnig, gegen Mittag bewölkt, Temperatur ca. 10-16°

Hilfsmittel:
Stöcke; Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 6. September 2018
Schwierigkeit: T3
Strecke: 15 km, Treschhütte SAC (1475 m) – Alp Vorder Waldi (1508 m) – Egg – Hinter Waldi (1531 m) – Rinderboden – Obermatt (1839 m) – Plätzli (1900 m) – Murmetsbüel (2010 m) – Breitplanggen – Fellilücke (2478 m) – Vorder Felli – Lutersee – Strahlgand – P.2371 (Alte Stäfel) – Ober Stafel – Bergstation Gütsch – Grossboden – Lochstafel – Im Loch – Börtli – Nätschen (1842 m, Station RhB)
Aufstieg: ca. 1070 m
Abstieg: ca. -690 m
Laufzeit ohne Pausen: total ca. 5 Std. 15 Min.
Laufzeit mit Pausen: total ca. 6 Std. 40 Min.
Tageszeit: 08:15 bis 15:00 Uhr

Hüttentour Uri 2|3: Etzlihütte SAC – Pörtlilücke – Treschhütte SAC

Bei wiederum besten äusseren Bedingungen starteten wir zur heute etwas stärker fordernden Tour mit mehr als 1000 Abstiegsmetern über eine Strecke von 3 km. Also verabschiedeten wir uns von der Etzlihütte kurz nach neun Uhr. Gleich hinter der Hütte begann es über eine Strecke von 500 m ordentlich zu steigen – was unsere Girls nicht hinderte, ausgiebig von den vielen Power-Heidelbeeren zu essen – Dessert nach dem Frühstück sozusagen! Herrlich das Panorama hier oben! Zur rechten (also nördlich) der Rossbodenstock, wo auch geklettert wird. In der Fortsetzung über uns der bizarre Steinstock. Dann der Zwächten (2853 m), und dahinter teilweise sichtbar der Bristen (3072 m). Links unter uns bald der schöne Spillauisee, dominiert vom ebenfalls bizarren Sunnig Wichel (2911 m). Der Übergang, die Pörtlilücke (2506 m), zeigte sich auch bald und unverkennbar. Während auf den bisherigen 3.5 km Lustwandeln über schönstes Alpweideland dominierte, war nun Blockwandern angesagt – hundert Meter Aufstieg durch unser Lieblingsgelände! Nun doch etwas ausser Atem, war der höchste Punkt des Tages kurz vor zwölf Uhr erreicht. Gerade richtig, um sich von den mitgetragenen Leckereien zu trennen. Solche Übergänge bieten immer wieder atemberaubende Aus- und Rückblicke. So taten sich uns auf der Westseite der Pörtlilücke unvermittelt Abgründe auf. Vor uns der sehr steile Abstieg über Geröll und durch Blockgelände – Konzentration und Trittsicherheit waren gefordert. Zur linken die schuttigen Abbrüche des Sunnig Wichel, Läged Gand. Zur rechten die Südwand des Ruchen mit der Steinchälen. Nach etwa zwei Kilometer steilem Abstieg «beruhigte» sich das Gelände – und wie: beim Hinter Pörtlistöfeli am Pörtlibach bot sich das liebliche Gelände geradezu an, eine längere Pause einzuschalten – Fussbad und anschliessende Siesta könnten kaum erholsamer sein. Unmittelbar danach fiel das Gelände wiederum sehr steil ab in Richtung Pörtlistäfeli. In der immer enger werdenden Schlucht muss es bei Regen gewaltig rumoren – jedenfalls zeugten eindrückliche Runsen von der Naturgewalt. Zwar war für heute kein Niederschlag vorausgesagt, aber einige dunkle Wolken verdeckten die Sonne teilweise. Jedenfalls waren wir nicht unglücklich, die Alp Vorder Waldi in der Ebene des Fellitals zu erreichen. Dort war gerade richtig Betrieb; zwei Sennerinnen trieben schlachtreife Schweine zusammen – schöne Tiere und bald auf der Schlachtbank. Hoffentlich bereitete man den Tieren ein halbwegs schonungsvolles Ende. Nach diesem Intermezzo und der Überquerung des Fellibachs erreichten wir unser Tagesziel, die schön und fast versteckt gelegene, kleine und schmucke Treschhütte. Von der Hüttencrew (Trudi, Vreni und Thomas) herzlich begrüsst, wurden wir an diesem Abend vorzüglich bekocht und bewirtet; Suppe, Salat, eine sehr schmackhafte Gemüse-Lasagne und zum Dessert gabs sogar Kaiserschmarrn mit frischen Heidelbeeren. Zum Abschluss sogar noch eine kulturelle Darbietung einer Berggängerin; eine kleine Geschichte über das Vögelein und die Freundschaft regte zum Mitdenken an. Nochmals allen ein herzliches Dankeschön! Zufrieden und auch etwas ermattet genossen wir eine ruhige und erholsame Nacht. Für die morgige dritte Tagesetappe über die Fellilücke wollten wir bei Kräften sein…

Fazit:
Ein (Hochzeits-)Tag in einer wunderschönen und einsamen Gegend – nicht zu überbieten!

Wetterverhältnisse:
Leichte Bewölkung, sonnig, wiederum angenehme Temperatur ca. 13-18°

Hilfsmittel:
Stöcke; Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 5. September 2018
Schwierigkeit: T3
Strecke: 8.6 km, Etzlihütte SAC (2052 m) – Unter Felleli P.2186 – Hinter Spillaui – Pörtlilücke (2506 m) – Hinter Pörtlistöfeli – Pörtlistäfeli 1872 m – Vorder Waldi 1508 m – Treschhütte SAC (1475 m)
Aufstieg: ca. 500 m
Abstieg: ca. -1100 m
Laufzeit ohne Pausen: total ca. 3 Std. 40 Min. (laaaaaaaange Pause am und im Portlibach)
Laufzeit mit Pausen: total ca. 7 Std.
Tageszeit: 09:15 bis 16:15 Uhr