Nach der gestrigen Anreise in den Avers und dem wie immer feinen Nachtessen im Hotel Avers in Juppa und einer ruhigen Nacht im Appartmenthotel Capetta in Cresta, dem Partnerhotel des Hotel Avers, starteten wir heute zum Lago di Lei. Der acht Kilometer lange Stausee liegt auf 1927 m.ü.M. im etwa fünfzehn Kilometer langen Valle di Lei, einem Seitental des Avers. Interessanterweise gehört es zum italienischen Staatsgebiet.
Etwas Geschichte: erstellt wurde das Wasserkraftwerk in den Jahren 1957 bis 1962 von italienischen Arbeitern. Der Stausee liegt grösstenteils auf italienischem Boden, die Staumauer steht auf Schweizer Boden (Gemeinde Ferrera). Der Strom wird ebenfalls in der Schweiz produziert (Kraftwerke Hinterrhein AG). Die Schweiz durfte dafür ihr Hoheitsgebiet um eine winzige Ecke erweitern, in diese passt die Staumauer. Es waren zähe Verhandlungen zwischen der Schweiz und Italien, bis der Stausee gebaut werden konnte. Ein ganzes Tal fluten – da gab es selbstverständlich Widerstand. Doch die Schweiz hatte gute Argumente: viel Kapital. Und der Energiehunger war von übergeordnetem Interesse. Die Alpbesitzer bekamen für Ihre Grundstücke teils Realersatz, teils Geld. Erreicht werden kann die Staumauer durch einen Tunnel von 960 m Länge und einer Neigung von 31 m. Am westlichen Tunnelportal gibt es Parkplätze, die Mauerkrone darf nicht befahren werden. Die Staumauer hat eine Länge von 690 m und eine Höhe von 138 m, die Krone hat eine Stärke von 15 m.
Zurück zu Realität: wir starteten bei besten Bedingungen in Cresta. Die Abfahrt zur Lezibrücke und weiter zum heute tiefstgelegenen Punkt (1973 m) auf der verkehrsarmen Averserstrasse war spektakulär und dauerte zehn Minuten. An der gut ausgeschilderten Verzweigung begann die Steigung (2.5 km, 340 m Höhendifferenz). Rascher als erwartet, nach einer Fahrzeit von weniger als zwanzig Minuten, war das östliche Tunnelportal erreicht. Eine Ampel regelt den Verkehr, kurze Wartezeit; zuerst die Autos, dann die Biker (in der Überzahl!). Hinein in den Kühlschrank, erwartungsgemäss etwas feucht. Am westlichen Tunneleingang direkt auf und über die imposante Staumauer. Das Ziel beinahe aller Besucher: die Baita del Capriolo, das Alprestaurant (und ein Geheimtipp!), das sich auf der italienischen Seite der Staumauer befindet. Die ca. 2.4 km dorthin müssen zu Fuss oder mit dem Bike zurückgelegt werden. Wir ergatterten uns Plätze auf der Terrasse, am Tisch eine Gruppe fröhlicher Biker aus Savognin. Selbstbedienung, ziemlich chaotisch, aber dennoch effizient – jeder nimmt einer (oder zwei) der bereitgestellten Antipastiteller, wer später noch Pizzoccheri mochte, musste nicht lange warten, die kamen ungefragt und unkompliziert. Nach einem offerierten Iva sagen wir ciao und nahmen die Rückfahrt unter die Räder. Über den benachbarten Gipfeln bildeten sich bereits einige wenige Quellwolken, Eile war aber noch nicht angesagt. Nach Staumauer- und Tunnelfahrt folgte die rassige Abfahrt zum Averser Rhein hinunter. Gemütlich über Campsut bis Cröt, dann die Kurven hoch bis zur Lezibrücke. Dort begann unsere unvollendete Runde; auf der alten Averserstrasse (eine gut fahrbare Alpstrasse) durch den Leziwald. Mittlerweile nahte Donner und Blitz aus dem oberen Avers und einige Tropfen waren auch dabei – im Wald waren wir einigermassen geschützt. Gegenüber, auf der orografisch rechtsliegenden Talseite der Blick zum 500 m Luftlinie liegenden Cresta, welches ab P.1928 zu Fuss zu erreichen wäre – für Bike nicht fahrbar. Also weiter durch den Capettawold, um wie erhofft die Brücke über den Averser Rhein bei Pürt zu erreichen. Die Hoffnung stirbt zuletzt – nach Überquerung des Cherlibachs wurde die Alpstrasse zu einem Singletrail. Vierhundert Meter vor der Brücke über den Averser Rhein war fertig lustig. Treppen über ein paar Serpentinen steil hoch – mit e-Bikes eine für uns nicht machbare Tragestrecke. Also Umkehr und zurück zur Lezibrücke. Zum Glück hatte es aufgehört zu regnen und die Sonne zeigte sich wieder. Auf der Fahrt hoch bis Cresta trockneten unsere Kleider vollständig ab. Ein glückliches Ende!
Fazit:
Die Fahrt hoch ins Valle di Lei bot landschaftlich und kulinarisch feine Kost. Nach der Siesta ging es zum Apéro und zum Feinschmecker-zNacht ins Hotel Avers…
Wetterverhältnisse:
Sonnig, leichte Bewölkung, ab 13 Uhr gewitterhaft mit leichtem Regen, wenig Wind 15 km/h S bis W, Temperatur 20 bis 24°
Ausrüstung:
e-MTB, Kartenmaterial SchweizMobil/Komoot, GPS
Parameter:
Tour-Datum: 27. Juni 2026
Schwierigkeit: WS=Leicht fahrbar, ohne nennenswerte technische Schwierigkeiten
Strecke: 25.8 km: Cresta (1960 m) – Lezibrücke (1843 m) – Cröt (1716 m) – Campsut (1678 m) – Abzweigung Valle di Lei (P.1673) – Bleikawold – Tunnelportal O (1901 m) – Tunnelportal W (1932 m) – Staumauer – Alpe del Crot, Restaurant Baita del Capriolo (1961 m) – Rückfahrt auf gleicher Strecke bis zur Lezibrücke – alte Averserstrasse durch den Leziwold – Alpbach – P.1928 – Cherlibach (P.1890) – Umkehrpunkt, zurück bis Lezibrücke (ca. 2.5 km) – ab Lezibrücke auf der Averserstrasse hoch bis Cresta
Auf den folgenden LINK klicken und die Tour als 3D-Video anschauen und Lautsprecher EIN, wer Musik gerne hat…
Aufstieg: ca. 741 m
Abstieg: ca. -759 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 3 Std. 10 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 1 Std. 35 Min.
Tageszeit: 10:50 bis 14:00 Uhr




















