Gonzen 1829 m via Leitern – Ende November(!)

An diesem auf der A3 von S herkommend bedrohlich (oder beschützend?) über Sargans stehenden Felsbrocken namens Gonzen wollten wir nicht mehr vorbeifahren, ohne ihn mal bestiegen zu haben. Heute Sonntag war er soweit; der Gonzen war unser Ziel. Wir starteten oberhalb Sargans bei Punkt 731 Lauiwald (wer früh ankommt, findet hier wenige Abstellmöglichkeiten an der Strasse). Aufstieg durch den entlaubten und deshalb lichten Staatswald – immer wieder mit schönen Ausblicken ins Heidiland. Wir liessen uns gerne begleiten vom fast schon musikalischen Geräusch unserer Schritte durch das am Boden liegende, trockene Laub – ein herrliches Konzert. Nach ein paar Spitzkehren erreichten wir Cholplatz unterhalb der uns überragenden Felswand des Gonzen. Die nun leicht ausgesetzte Querung bis zu den Leitern verlangte Trittsicherheit; nicht ganz Schwindelfreie werden mit einem fixen Stahlseil unterstützt. Unvermittelt standen wir vor der fast senkrechten und beeindruckenden Planggwand. Wie sollten wir diese überwinden? Ah, hier standen sie auch schon, die zwei senkrecht hinauf führenden Leitern – unterbrochen durch ein kleines Podest; für uns mehr Vergnügen als Herausforderung. Oben auf der Planggwand bot sich uns eine herrliche Aussicht, nicht nur ins Rheintal, auch hinauf zur spektakulär dastehenden Gonzenwand. Nach kurzer Pause stiegen wir durch ein Waldstück auf zum Älpli. Welch prächtiges Höckli hat sich hier jemand gesichert; von Einheimischen haben wir erfahren, dass sich hier ein Appenzeller sein Ruhestandsparadies eingerichtet hat. Die Bank vor dem offensichtlich kürzlich instand gestellten Gebäude lädt ein zu einer kurzen Rast; schliesslich wollten die mitgebrachten Leckereien und der Tee verzehrt werden. Die oberhalb des Älpli liegende Weide querend, nahmen wir den direkten Aufstieg (als Abkürzung):  unmittelbar vor dem Wald links hoch, immer schön der Steinmauer entlang. Die paar steilen, über Weideland führenden Höhenmeter brachten uns ganz schön ins Schwitzen – dabei dachten wir immer wieder an die tollen Kletterfähigkeiten des Alpviehs. Entschädigt werden sie mit wunderbar würzigen Gräsern und Kräutern – und wir mit deren Naturprodukten (Milch, Käse – mmmhhh). Dank solcher Gedanken fiel uns die steile Direttissima doch nicht so schwer. Unterhalb der Lawinenverbauungen (Wang) erreichten wir den von den Rieterhütten herführenden Weg. Weglos, aber auf gut sichtbarer Spur aufsteigend, erreichten wir die ersten Lawinen-verbauungen. Um die massiven und rostfarbenen Konstruktionen im Zickzack zu durchsteigen. Nach der letzten Verbauung ging es mässig steil weiter – den Gipfel vermuteten wir in unmittelbarer Nähe. Tatsächlich, das Gipfelkreuz in Sicht, und ein paar Gleichgesinnte geniessen die tolle Aussicht. Es hat sich gelohnt, alleine schon deshalb, um mal von oben herab auf die vielen (ahnungslosen?) Autobahnflitzer schauen zu können. Das tolle Wetter in diesem Herbst beschert uns noch in der zweiten Novemberhälfte fantastische Aus- und Fernsichten. Besonders beeindruckt waren wir vom Alvier-Massiv. Die Gauschla wäre auch mal etwas für uns, und bei dieser Gelegenheit vielleicht sogar den Girenspitz (angeblich das Matterhorn der Ostschweiz). Nach ausgiebiger Gipfelrast und ebensolcher Träumerei(!) machten wir uns an den Abstieg. Dieser führte uns nicht sehr steil über Folla hinunter bis Punkt 1668. Von dort über die Fahrstrasse über Rieterhütten bis zum (geschlossenen) Berggasthaus Gonzen. Von hier noch immer mässig steil und knienschonend über Weiden in Richtung Oberhaus und Sitzbüel bis zum Skihaus Lanaberg. Schon von weitem signalisierte uns die Fahne, dass hier Einkehr angesagt ist. Und tatsächlich, in der schönen Skihütte war richtig was los – trotz mangelndem Schnee. Einen Kafi «Schümlipflümli» für Doris und eine Apfelschorle für mich stärkten uns für die letzte Stunde. Unterhalb des Skihauses auf dem sehr schön angelegten Rheintal Höhenweg gelangten wir nach etwa 3 km zum Ausgangspunkt (P.731). Müde und zufrieden über einen weiteren wunderbaren Wandertag in diesem Superherbst 2011 erreichten wir nach weniger als einer Stunde Fahrt unser Zuhause im Zürioberland. Zum Abschluss dieses Sonn(en)tags gab es aus Doris’ Spitzen-Küche Plätzli auf sizilianische Art in Rotwein und Gemüse geschmort  – den dazu (und hinein) passenden Roten fand ich ohne grosse Schwierigkeiten im Keller. Um zehn war Hüttenruhe angesagt – eine tiefer Schlaf war uns sicher.

Parameter:
Tourdatum: 20. November 2011
Schwierigkeit: T3
Strecke: 12 km, Sargans (P.731) – Cholplatz (1160 m) – Bi der Leitere (1275 m) – Älpli (1337 m) – Wang (1583 m) – Gonzen (1830 m) – Folla bis P.1668 – Rieterhütten (1576 m) – Berghaus Gonzen (1478 m) – Oberhaus (1367 m) – Sitzbüel – Skihaus Lanaberg (1080 m) – Rheintal-Höhenweg zurück bis P.731
Aufstieg: ca. 1100 m
Abstieg: ca. -1210 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 6 Std. 10 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 4 Std.

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