Gulmen (1998 m) – Schneeschuh-Klassiker im Ober-Toggenburg

Den Wildhauser Gulmen hatten wir schon vor einem Jahr auf dem Radar – damals ohne Erfolg, aber dennoch spannend. Heute sollte es klappen, diesmal bei schönsten Bedingungen: feinster Pulverschnee, sehr sonnig und wolkenlos, beste Weitsicht (wie die Bilder beweisen…). Dem kurzen Fussmarsch vorbei an der Talstation der Gamplütbahn in Richtung Schönenboden. Auf Höhe der rechts stehenden Burgruine Abbiegung links haltend, montierten wir die Schneeschuhe. Nach wenigen Metern verliessen wir die Quartierstrasse, um auf einer bereits vorhandenen Spur und später dann auf einem Forstweg aufzusteigen. Die Spuren der laufenden Holzerarbeiten waren unübersehbar. Richtungsänderung beim bekannten Antikwegweiser „Gulmen“. Ungefähr bei P. 1304 dann die Bestätigung für unsere Hoffnung: dass wir eine Spur vorfänden. Also heute keine Schneestampferei wie vor einem Jahr. So ist es beim Schneeschuhwandern: mal sind wir am Spuren, mal dürfen wir profitieren. Dennoch: der Aufstieg hatte es noch immer in sich; steil hoch durch den Wald (im Bereich Vorder Bannwald), und an einigen steilen Hängen querend und dort darauf achtend, nicht aus der Spur hinunter zu rutschen. Nach wenig mehr als einer Stunde erreichten die Verzweigung nahe P. 1439, wo es rechts in Richtung Ost und wenig später Süd zu halten galt. Die felsige Fluh auf Lange-Bode war dank bester Spuranlage ohne grosse Mühe – trotz Steilheit – zu überwinden. Und plötzlich die Lichtung und vor uns die winterlich eingeschneite Gulmenhütte (1663 m). Wir verliessen die Originalspur, um die Gelegenheit für eine kurze Rast an der Sonne und einen netten Austausch mit einem Einzelläufer aus dem Tannzapfenland zu nutzen. Seitlich der Hütte dann direkt steil hoch, um weiter oben die Originalspur zu erreichen. Nun veränderte sich die Landschaft markant, ein richtiges Legföhren-Paradies tat sich auf. Vor uns der lange Rücken zum etwa 300 Hm höher liegenden und (vorerst noch) nicht sichtbaren Gipfelziel. Spätestens hier stellten wir fest, dass (im Winter) die Orientierung nicht einfach ist (sämtliche Markierungen unter Schnee!). Der weitere, fast schon liebliche Aufstieg, war reiner Genuss. Die Sonne im Gesicht, eine nur wenig störende Bise, und der Panoramablick – einfach nur schön! Auch wenn es sich bis zum Gulmen-Gipfel hinzog – abwechslungsreich war die Strecke. Und urplötzlich erkennen wir den Gipfel, etwas verwirrt über einen ersten grossen Steinmann, und etwa hundert Meter weiter der „richtige“ – der mit dem Gipfelbuch. Die letzten Meter waren knapp schneebedeckt (abgeblasen). Der Blick auf die Uhr zeigte uns, dass wir für unsere Verhältnisse sportlich unterwegs waren: 2.5 Std. ab Parkplatz. Während wir im Aufstieg nur gerade zwei Gleichgesinnten begegneten, durften wir den aussichtsreichen Panoramagipfel für uns alleine geniessen. Sogar die Bise war uns gutgesinnt, sie liess nach und wir konnten sogar eine Gipfelrast abhalten. Hier bietet sich ein traumhafter 360°-Bilderbuchblick: im Norden der nahe Alpstein mit Wildhuser Schafberg, Girenspitz, Altmann, Wildhuser Schafboden, die eingeschneite Chreialp, Chreialpfirst, Mutschensattel, und Mutschen. Vor allem der Wildhuser Schafberg war heute besonders gefragt von Skitürelern, deren Aufstiege und Abfahrten von blossem Auge gut verfolgt werden konnten. N.B.: dass sich auf den Gulmen keine Skitourenläufer „wagen“, liegt bestimmt am speziellen Gelände – eine Abfahrt durch die Legföhren ist wohl kaum das ultimative Vergnügen. Der ungetrübte Weitblick in Richtung Vorarlberg, Rätikon, und ins in Nebelwatte eingebettete Rheintal, in die Bündner und Glarner Hochalpen war schlechthin überwältigend. Schwierig, sich hier oben satt zu sehen! Dem Eintrag ins Gipfelbuch folgte der Abstieg auf der bereits bekannten Spur. Vor der Gulmenhütte nochmals eine Rast an der Sonne. Bei der bekannten Verzweigung unterhalb P. 1439 entschieden wir uns nicht in Richtung Gamplüt abzusteigen, weil dort bereits schattige Stellen auszumachen waren. Vielmehr machten wir uns an den steilen Abstieg – nicht gerade knieschonend, wie sich herausstellen sollte. Jedenfalls waren wir froh, den Abstieg hinter uns zu haben und oberhalb der Talstation der Gamplütbahn anzukommen. Ruedi’s operiertes Knie hielt und die leichten Beschwerden klangen rasch wieder ab.

Fazit:
Eine Schneeschuhtour der Extraklasse! Hinzu kam die üblicherweise an diesem Bergrücken vernachlässigbare Lawinengefahr.

Wetterverhältnisse:
ca. 50 bis 80 cm Pulverschnee, wolkenlos, leichte Bise, Temperatur wenig über Null Grad

Lawinengefahr:
Laut SLF Stufe 2 mässig (siehe Bildergalerie)

Hilfsmittel:
Schneeschuhe, Stöcke, LVS/Schaufel/Sonde (heute nicht unbedingt erforderlich, aber aus Prinzip dabei)

Parameter:
Tour-Datum: 22.01.2017
Schwierigkeit: WT2 (Stellen WT3 im Bereich Vorder Bannwald/Lange-Bode)
Strecke: 11.4 km, Wildhaus Chuchitobel (Parkplatz beim Feuerwehrdepot) – Bodenweidli – Vorderbannwald – P.1439 (Lange-Bode) – Gulmenhütte (1663 m) – Gulme (1998 m) – Abstieg auf gleicher Strecke
Aufstieg: ca. 940 m
Abstieg: ca. -940 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std. 48 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen 4 Std. 22 Min.
Tageszeit: 10:00 bis 16:00 Uhr

Kamera:
Nikon Coolpix P900 (Bridgekamera)

4 Gedanken zu „Gulmen (1998 m) – Schneeschuh-Klassiker im Ober-Toggenburg“

  1. Gratuliere Euch zu dieser grandiosen Tour mit Schneeschuhen,
    das Wetter und die Bilder sprechen für sich.
    Wenn ich wieder mal auf den Beinen bin, auch ein Winter-Projekt für mich, aber auch in der warmen Jahreszeit ein schönes Ziel.
    HG Michael

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