Keschhütte SAC 2627 m – aus besonderem Anlass

Die Zweitagestour galt Richi, der den Swissalpine Irontrail 2018 (T127 Men) absolvierte. Das ist einer dieser äusserst fordernden alpinen Bergläufe: Start am SA um 00:00 Uhr(!) in Samedan, Ziel in Davos am SO spätestens um 10:00 Uhr; 125.1 km, Aufstieg 6236 m, Abstieg 6421 m. Wir hatten vor, Richi bei der Ankunft auf der Keschhütte (Zwischenziel 25 km vor Davos) entsprechend zu empfangen und zu supporten. Richi’s Susanne schloss sich uns kurzfristig an, damit sollte Richi besonders überrascht werden. Das gelang, doch mehr darüber am Ende des Berichts über den 1. Tag.

Tag 1: Darlux Bergstation Sesselbahn – Alp digl Chants – Keschhütte
Nach der Bergfahrt mit der Sesselbahn Bergün-Darlux starteten wir zwanzig Minuten nach zehn Uhr auf 1974 m.ü.M. bei idealen Bedingungen (ca. 18°, bedeckt aber freundlich, windstill). Auf gut markiertem Wanderweg erreichten wir die Baumgrenze und in der vierten Kehre nach etwa 25 Min. die Alp Darlux (2156 m). Noch ein kurzer Anstieg und schon hatten wir die Höhe von ca. 2170 m erreicht. Jetzt drehte der Weg in Richtung Ost; in leichtem auf und ab führte der sehr schöne Höhenweg 600 m über dem unter uns liegenden Val Tuors. Bald wurde auch der Blick zur etwa 6 km Luftlinie entfernt stehenden Keschhütte frei. Dann: plötzlich erschreckte uns ein lauter Ruf von hinten, und die Startnummer 1001 brauste heran und an uns vorbei – das war der spätere Sieger des Swissalpine Irontrail 2018 (T127 Men). Wir wussten, dass unsere Strecke bis zur Keschhütte mit der Berglaufstrecke identisch war, also erwarteten wir schon den einen oder anderen Läufer. Erst nach weiteren zwei Std. und 6 km, nach einem Zwischenabstieg bei der Alp digl Chants (1999 m), begegnete uns der nächste Läufer. Am Brücklein über die Ava da Plazbi hielten wir Mittagsrast. Im Anschluss daran der kurze Aufstieg zum Alpgebäude, wo auch eine Verpflegungsstation eingerichtet war. Ab hier trübte das Wetter ein und ein paar Tropfen veranlassten uns die Regenhäute überzuziehen. Unterhalb der Alp, bei P.1952, erreichten wir den Hüttenweg, und es galt erneut aufzusteigen. War es bis hierhin recht gemütlich, wurde es nun deutlich steiler; zum Glück hörte es auf zu regnen, und wir befreiten uns von den unangenehmen Regenhüllen. Nach 2 km wurden wir nun häufiger überholt von mehr oder weniger gezeichneten BergläuferInnen – allen haben wir selbstverständlich applaudiert und aufmunternd zugerufen. Anderthalb km vor der Hütte wurde der Weg deutlich gerölliger, dafür etwas weniger steil. Von Ferne erblickten wir den lebhaften Betrieb vor der Keschhütte – Angehörige und Fans in Erwartung «ihrer» Helden. Mittlerweile hellte nicht nur die Stimmung, sondern auch das Wetter wieder auf. Um halb vier war die stolz dastehende Hütte erreicht. Rascher Zimmerbezug (heute ausverkauft, wie nicht anders zu erwarten…) und Kleiderwechsel – schliesslich wollten wir die LäuferInnen anfeuern. Richi erwarteten wir zwischen 18 und 20 Uhr. Ihn galt es auf keinen Fall zu verpassen, also lösten wir uns ab beim Essen, damit eine(r) von uns immer aufpassen konnte. Mittlerweile erreichte die vorausgesagte Schlechtwetterfront die Hütte; der zum Glück nicht starke Regen sorgte dennoch für einen kräftigen Temperatursturz. Bei unter 10° harrten wir zusammen mit etwa zwei Dutzend weiteren Fans vor der Hütte aus. Die Laufstrecke war von der Hütte aus gut einzusehen; so litten wir alle mit den ankommenden Sportlern. Die LäuferInnen freuten sich offensichtlich über die Anfeuerungsrufe und Applaus. Viele Frauen waren dabei! Mittlerweile häuften sich die Ankünfte, jedenfalls erlebten wir sehr spannungsvolle Augenblicke – ein wirklich abendfüllendes Programm (besser als jeder Krimi). Einigen waren die bereits zurückgelegten 100 km deutlich anzusehen, die gleich bei der Hütte eingerichtete Verpflegungsstation war sehr geschätzt, einige wenige mussten die von zwei Ärzten angebotene Versorgung beanspruchen. Die Nässe und die damit verbundene Kälte setzte vor allem den (zu) leicht bekleideten LäuferInnen zu. Wie es wohl Richi ergehe, dachten wir. Dazu muss man wissen, dass der verfügbare Online-Tracker hier oben mangels Netzversorgung keine Daten lieferte. Wir wussten lediglich, dass Richi um 16:45 Uhr Bergün passierte, also hier oben ca. 4 Std. später ankommen sollte. Gut so, weil sich das Wetter wieder besserte, der Niederschlag aufhörte, und die Sicht besser wurde, und die Temperatur auch wieder anstieg. Wir hofften einfach, Richi noch bei Tag zu erleben. Und tatsächlich: um 21 Uhr kreuzte ein erstaunlich munterer Richi auf und rief von weitem «Ruedi, chasch s’chüele Bier uuspacke, und en Schnupf will i au…». Rein an die Wärme in den Materialraum der Hütte, ein paar Minuten Verschnaufpause, und welch grosse Freude Richi’s über die Überraschung, dass seine Susanne auch dabei war. Nach diesem Motivationsschub machte sich Richi auf den Rest der Strecke, noch ca. 25 km über den Sertigpass (2739 m) und dann nach Davos hinunter – mittlerweile ein Nachtlauf (mit Stirnlampe). Nach diesem eindrücklichen Erlebnis konnten wir erleichtert und glücklich zugleich die Nacht auf der Hütte geniessen. Solches widerfuhr leider nicht allen Angehörigen, welche teilweise bis tief in die Nacht und oft erfolglos warteten. Die Nacht war ziemlich unruhig, musste die Rega doch dreimal fliegen, um entkräftete LäuferInnen ins Tal zu bringen zur Notversorgung. Erst im Laufe des folgenden Tages erfuhren wir vom tollen Erfolg Richi’s (Zieleinlauf um 02:05.48, Rang 15 seiner Kategorie, Rang 35 Overall, die Zeit: 26:05.47,2). Soviel Schreibe muss sein in diesem Bericht. Lieber Richi, Du hast uns tief beeindruckt – herzliche Gratulation!

Tag 2: Keschhütte SAC – Lais da Ravais-ch – Val da Ravais-ch – Chants
Nach dieser unruhigen, aber dennoch erholsamen Nacht genossen wir das ausgezeichnete Hüttenfrühstück mit Blick zum die Umgebung dominierenden Piz Kesch. Ein schöner Hochsommer-Bergtag erwartete uns heute. Erst wollten wir über den ausgeaperten Gletscher zur Porta d’Es-cha aufsteigen um von dort über die Cha. d’Es-cha CAS zur Albulapassstrasse zu gelangen. Wir entschieden uns aus bestimmten Gründen (😊) für die Rundstrecke Strecke von der Fuorcla la Fontauna (so heisst eigentlich der Übergang bei der Keschhütte) ins Val dal Tschüvel, dann den Aufstieg zu den Seelein (Lai da Ravais-ch-Sur und -Suot), und durch das Val da Ravais-ch hinab bis Chants. Bei P. 2524 verliessen wir die Strecke des Swissalpine Irontrail (welche zum Sertigpass hochführt). Vorbei an den zwei wunderschönen Seen wanderten wir nahe dem Wildwasser der Ava da Ravais-ch ins gleichnamige Tal südwestwärts. Unterwegs war der Bach über Steine und ein Schneefeld zu queren. Etwa eine Stunde vor Chants dann genossen wir die Mittagsrast an einer besonders schönen Stelle nahe des Wassers. Der Weiterweg nach Chants hinunter führte über einfaches Gelände und über einen schön begrünten Pfad. Die ersten Häuser von Chants; hier steht an strategisch bester Lage das Gasthaus Piz Kesch mit zugehörigem Garten. Im Schatten genossen wir abschliessend die Durstlöscher – und natürlich die leckere Linzertorte. Direkt vor dem Gasthaus die Haltestelle des Rufbusses des Bus alpin (Voranmeldung zwingend erforderlich!), in welchem wir um 12:50 Uhr die Fahrt durchs wilde Val Tuors nach Bergün hinunter genossen. In Bergün angekommen der sofortige Blick auf den nun wieder online verfügbaren Tracker. Die Superleistung Richi’s musste gefeiert werden… Nach kurzer Fahrt nach Filisur wurden wir auf dem Camping Islas von Richi erwartet. Nochmals ganz herzliche Gratulation – und gute Erholung!

Fazit:
Im Titel ist von einem «besonderen Anlass» die Rede, die unsere zweitägige Tour initiierte. Das ist durchaus und ohne Einschränkung zutreffend. Es war für uns eine Ehre, Dich Richi etwas zu unterstützen. Das war übrigens keineswegs Richi’s erste Tat dieser Art, siehe beispielsweise hier. Der Besuch der Keschhütte ist übrigens ein tolles Hüttenerlebnis; das Team um die Hüttenwarte Ursina und Reto Barblan sind professionelle Gastgeber.

Hilfsmittel:
Steigeisen (nicht benötigt), Stöcke, Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 28./29. Juli 2018
Schwierigkeiten: beide Tage T3 (w-r-w)
Strecke: 24.2 km, 1. Tag (12.2 km) Darlux Bergstation Sesselbahn 1974 m –
Alp Darlux 2137 m – Alp Muotta Sur 2174 m – Alp digl Chants 1999 m – Keschhütte 2627 m; 2. Tag (12.2 km) Keschhütte SAC 2627 m – Lais da Ravais-ch 2505 m – Val da Ravais-ch – Chants 1822 m
Aufstieg: 1. Tag ca. 1050 m, 2. Tag 180 m, total ca. 1230 m
Abstieg: 1. Tag ca. -410 m, 2. Tag ca. -960 m, total ca. -1370 m
Laufzeit ohne Pausen: 1. Tag ca. 4 Std., 2. Tag ca. 3 Std. 10 Min., total ca. 7 Std. 10 Min.
Laufzeit mit Pausen: 1. Tag ca. 5 Std., 2. Tag ca. 4 Std., total ca. 9 Std.

Kamera:
Sony DSC-HX90V

8 Gedanken zu „Keschhütte SAC 2627 m – aus besonderem Anlass“

  1. Liebe Doris, lieber Ruedi, liebe Susanne,

    die Überraschung ist euch wohl gelungen. Ihr wart auch eine nicht zu unterschätzende Motivation an diesem Tag! Das Susanne mit dabei sein wusste ich nicht – das machte die Freude dort oben anzukommen aber noch grösser :-).

    Ich danke euch herzlichst, dass ich diesen wunderschönen Berglauf mit und dank eurer Unterstützung erfolgreich zu Ende bringen konnte – es hat riesig Spass gemacht!!!

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