Leglerhütte SAC 2273 m – zum zehnten Mal (mit siebzig)

Mit unseren wandertüchtigen Freunden Manuela, Susanne, Gaby, Thomas, Richi und Ueli ein Jubiläums-Wochenende zu verbringen, das war die Idee. Anreise am Samstagnachmittag, am Abend Überraschungsmenü und Übernachtung im formidablen Berghotel Mettmen. Nach einer erholsamen Nacht empfing uns Noel Laurent von Getoutdoor – diesmal gönnten wir uns einen Guide, was sich in jeder Beziehung lohnte. Start kurz nach neun Uhr zur gemeinsamen Schneeschuhtour zur Leglerhütte – im dichten Nebel und bei leichtem Schneetreiben und bei einer Temperatur von knapp unter Null. Nach den ersten Metern eine kleine Mutprobe: die Überquerung des weit über das Geländer hinaus eingeschneiten Damms des Garichti Stausees. Auf dem gefrorenen Stausee tummelten sich bereits viele Eisfischer und Eistaucher. Auf guter Spur überquerten wir die Ebene Matt (der Niderenbach hier vollständig unter Eis und Schnee) um dann die enge Steilstufe anzustreben – der links über uns querende Sommerweg über Mattplanggen ist bei solchen Verhältnissen zu gefährlich. Am hinteren Ende, dort wo der Niderenbach im Sommer in einer Enge etwa 80 m runter fällt – Noel als Einheimischer nennt die Stelle Chuchi. Jedenfalls meisterten wir diese Stelle problemlos, und erreichten so Betriebstemperatur. Oben bei P.1768 angelangt, folgte eine wieder etwas flachere Ebene bis zu den tief eingeschneiten Alphütten Ober-Stafel. Links vorbei wieder etwas steiler an der Chärpfbrugg vorbei. Bald war P.1859 erreicht – erste Trinkpause. Der Nebel begann sich zu lichten, und die Sonne leuchtete blass durch. Mit jedem Tritt nahm die Zuversicht zu und nahe P.1925 dann die unbeschreiblich schöne Bergwelt (Schwarz Tschingel, Kärpf) und blauer Himmel. Da Noel jeden Meter dieses Geländes kennt, folgten wir ihm in Richtung Schwarzchöpf, um so die «Autobahn» zur Furggele zu meiden. Über unverspurtes und hochwinterliches Gelände stiegen wir wenig südlich über Hübschböden auf. Erst unterhalb der Sunnenberg Furggele nutzten wir die vorhandene Spur wieder. Auf der Furggele dann das immer wieder faszinierende Schauspiel: fast schon plötzlich taucht der Glärnisch auf – der Blick geht übers Nebelmeer zum Glarner Wahrzeichen. Jetzt noch ein paar Kehren hoch – krass die Schneelage hier oben; von den grossen Felsbrocken ist nichts zu sehen. Dann die Hangquerung auf guter Spur und schon kam die Leglerhütte ins Blickfeld – und das gesamte grossartige Gipfelpanorama (Tödi, Claridenfirn, Ortstock, Höch Turm, Glärnisch). Die Hütte erreichten wir trotz des weiteren Wegs nach knapp zweidreiviertel Stunden. Wir waren also sportlich unterwegs – mit Ausnahme des jubilierenden Autors, der in seinem eigenen Tempo gemütlich ein paar Meter hinterher hechelte😊. Nach dem ersten Genuss des Panoramas nichts wie rein in die gemütliche, und heute erstaunlicherweise nicht voll besetzte Hütte. Tagessuppe mit Kärpfwürsten waren erste Wahl – danke Simone und dem ganzen Hüttenteam.

Der ausgiebigen Mittagspause folgte der Genuss des prächtigen Hüttenpanoramas (siehe Bilder). Schon beeindruckend, wie die Landschaft hier oben unter Schnee eingeebnet ist. Noel meinte, dass es hier mindestens 8 m habe – jedenfalls konnten wir die Lage des 450 m südlich liegenden Milchspüelersees nur erahnen. Bevor wir den Rückweg antraten, gabs noch eine eindrückliche Suchaktion im Rahmen einer LVS-Übung. Noel hatte zwei Objekte vergraben und uns entsprechend instruiert. Die folgende Suchaktion war erfolgreich, und Noel war sichtlich erleichtert, dass sein vergrabener Rucksack wiedergefunden wurde. Mittlerweile sorgte eine bissige Bise für arktisches Kälteempfinden, und wir waren froh, jetzt abzusteigen. Bis zur Sunnenberg Furggele hielten wir uns ein paar Meter bergseits der Spur, weil das Treten im weichen Pulverschnee angenehmer war. An den steileren Stellen vor und unterhalb der Furggele konnten wir uns dem Vergnügen auf den Hosenböden «abzufahren» nicht entziehen. Im weiteren Abstieg hielten wir uns leicht nördlich der Autobahn, um dann über Vorderen Hübschböden zum Niderenbach «abzufahren» – herrlich! Bei der Chärpfbrugg verabschiedete sich die Sonne, und die Umrisse der tief eingeschneiten Hütten Ober Stafel waren im Nebel kaum noch auszumachen. Vor uns dann der Abstieg über die bereits bekannte Chuchi hinunter. Über die Ebene Matt zogen wir vorbei an mit Raureif wunderschön verzierten Bäumen in Richtung Stausee. Auf dem See waren nur noch wenige Eisfischer auszumachen; die sahen heute keine Sonne. Die Staumauer war reine Formsache, zum Abschluss im Berghotel Mettmen der Genuss der leckeren Mettmoccino’s. Um halb fünf dann die Talfahrt mit der Luftseilbahn, wo im Kies schon der Mettmenbus wartete…

Unterwegs kurz vor Schwanden dann – als wärs nicht genug – der letzte Höhepunkt heute; zehn Meter unterhalb der Strasse ein ausgewachsener Hirsch, der erst im Unterholz hockte, sich dann majestätisch erhob und langsam davon spazierte. Show total!

Fazit:
Ein grosser Wunsch hat sich (gestern) und heute erfüllt! Ein tolles Gourmet-Winterwander-Erlebnis mit unseren Freunden (bei Freunden) – danke euch allen, das war richtig schön! Und Sara und Romano und dem ganzen Team vom Berghotel Mettmen unser grosses Kompliment für die tolle Gastfreundschaft.

Wetterverhältnisse:
Bilderbuch-Winterwanderwetter, Unmengen Schnee, ab ca. 1950 m.ü.M. Nebelgrenze erreicht, dann blau und sonnig, oberhalb Sunnenberg Furggele spürbare Bise, Temperatur ca. -8 bis -10° minus Windchill.

Lawinengefahr:
Laut SLF Stufe 2 mässig

Hilfsmittel:
Schneeschuhe, Stöcke, LVS/Schaufel/Sonde, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 25. Februar 2018
Schwierigkeit: WT2
Anfahrt: Mettmenbus ab Schwanden bis Kies (Talstation Luftseilbahn Kies-Mettmen), Rückfahrt identisch
Strecke: 11.2 km, Berggasthaus Mettmen (1610 m) – Stausee Garichti – Staudamm – Oberstafel – Hübschboden – Sunnenberg Furggele 2210 m – Leglerhütte SAC – Abstieg ungefähr auf gleicher Strecke
Aufstieg: ca. 727 m
Abstieg: ca. -751 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 6 Std. 30 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen 3 Std. 30 Min.
Tageszeit: 09:10 bis 15:40 Uhr

Kameras:
Diverse

6 Gedanken zu „Leglerhütte SAC 2273 m – zum zehnten Mal (mit siebzig)“

  1. Hoi Ruedi, mir gratulieret Dir nachträglich zu dim rundä Geburi und zu Eurä Fitness, wo Ihr au am Tag nach äm Fäscht mit dä Schneeschuehtur zur Leglerhütä bewissä händ!!
    Mir sind am Samstig i dä nächi gsi, händ ä Schneeschuhtour, bi herrlichem Winterwäter, vum Urnerbodä uv dä Chamerstock und über dä Fisletengrad gmacht.
    Liebi Güess au a Doris, Roland und Mägi

    1. Danke herzlich, ihr zwei lieben für die Gratulation. Chamerstock ist auch eine tolle Runde! Das Woochenende im Glarnerland war wirklich der Hammer. Dieser Winter ist wirklich wunderschön. Liebi Grüess und für euch zwei noch viele tolle und unfallfreie Touren. Doris und Ruedi

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