Muttner Horn (2401 m) – einsame Spitze

„Einsame Spitze“ – sinngemäss gemeint; einsam unterwegs (nur gerade drei weitere Tourengänger haben wir angetroffen), Spitze waren die uns bisher nicht bekannte Gegend und heute auch die Verhältnisse – alles hat gepasst!

Auf diesen schön geformten Schneeberg aufmerksam wurden wir zu Beginn dieser Woche, als wir zusammen mit Freunden drei Super-Skitage am Heinzenberg verbrachten (siehe Bild). Erste Recherchen ergaben, dass die Tour problemlos möglich wäre ab Obermutten. Die Gegend kannten wir nicht – lediglich auf der Durchfahrt von Thusis nach Tiefencastel ist uns schon mehrfach aufgefallen, dass sich ab Solis-Brücke eine steile und enge Bergstrasse hochwindet und die drei Walser-Siedlungen Mutten, weiter oben Stafel und zuoberst Obermutten erschliesst. Für Interessierte findet sich hier viel Interessantes. Zwar wäre der Start auch ab Obermutten möglich gewesen, doch wir nutzten den grossen Parkplatz unterhalb des schönen Weilers Stafel.

Gleich unterhalb der Talstation des kleinen Skilifts fanden wir eine deutliche Spur, auf welcher wir unterhalb des kleinen Skigebiets in Richtung Süden querten und in Richtung P.1768 aufstiegen. Weiter bis zu den ersten Bäumen des Muttner Waldes, dann die Richtung nach West ändernd steiler hoch. Bester Pulverschnee, mind. einen halben Meter, die Spur war neuer, wohl erst von wenigen Schneeschuhwanderen genutzt (danke für die Spurarbeit!). Beim P. 1900 tat sich uns erstmals das Panorama zum Piz Beverin und hinüber zum Heinzenberg auf. Rechts der wunderschöne Weiler Obermutten den wir auf dem Rückweg besuchten. Jetzt wieder südlich haltend, auf der von Obermutten herkommende Spur, welche auf dem Forstweg verlief. Bei P. 1982 dann rechts abbiegend, in Richtung Muttner Alp. Nach wenigen Metern erreichten wir Sonne pur, und die komfortable Spur führte nun etwas steiler hoch – vor uns der nördliche Sporn des Muttner Horn. Etwa dreihundert Meter vor dem Alpgebäude auf der Muttner Alp (2126 m) hielten wir – immer auf der Spur bleibend – vorerst direkt auf den durchaus Respekt einflössenden Sporn zu. Irgendwie gäbe es dort oben einen allerdings sehr steilen (gefährlichen?) Direktaufstieg durch eine schmale Rinne. Nichts für uns, heute war Genuss angesagt. Also blieben wir auf der klassischen Spur, welche in der Ostflanke des Muttner Horns verläuft. Die Höhe von etwa 2230 m.ü.M. haltend, erreichten wir über schönstes und aussichtsreiches Gelände die fast schon magisch anziehende Hütte Auf den Böden. Auch wenn wir bis jetzt nicht besonders gefordert waren: bei diesem sonnig gelegenen Höckli mussten wir einfach eine Pause einlegen… Hier heizte die Sonne wirklich ein! Von hier ging der Blick zur Lenzerheide, dann natürlich zu den Engadiner Gipfeln – unglaublich schön, und niemand da! Der nun folgende Aufstieg zum ca. 120 Hm höher liegenden Sattel war vollständig einsehbar – und die solide und wunderbar angelegte Spur (von Ski- und Schneeschuhtürelern gemeinsam genutzt) führte uns schon fast mühelos hoch. Hier oben dann wieder dieser Panoramablick zum Piz Beverin und zu den Pizzas d’Anarosa (der Name gefällt uns!!). Der letzte und kurze, steile Aufschwung zum etwa 50 Hm über uns liegenden Hauptgipfel war reine Formsache. Der Abschnitt ab Auf den Böden bis zum Gipfel wird in der SAC-Führerliteratur („Schneeschuhtouren Graubünden Nord“) nur bei sicheren Verhältnissen empfohlen und mit WT3-4 bewertet. Solch sichere Verhältnisse hatten wir heute bestimmt! Keine Risse, keine Rutsche, Im Gipfelbereich zwar Wächten, aber ohne Bruchstellen. Den Gipfel erreichten wir in einer Laufzeit von zweieinviertel Stunden – wir durften zufrieden sein. Die Windstille verlockte uns zu einer ausgiebigen Gipfelrast (die von Doris zubereiteten Leckerheiten mussten schliesslich verzehrt werden…). Was für eine atemberaubende 360°-Rundsicht! Und kein Wölkchen trübte die Aus- und Fernsicht. Westseitig 1500 unter uns die San Bernardino-Autobahn, und Zillis mit seiner weltberühmten Kirche. Zwar wäre der weitere Verlauf hinüber zum auf 2388 m.ü.M. liegenden Nebengipfel problemlos möglich, aber dann wäre da der sehr steile Abstieg (>40°) zu bewältigen – nichts für uns auf Schneeschuhen! Also entschieden wir uns für den Abstieg auf der bereits bekannten Aufstiegsstrecke. Noch immer auf bester Pulverschneespur, ohne jemals einzusinken, erreichten wir die Muttner Alp wieder. Der Blick zurück zum Sporn zeigte, dass die drei Skitüreler, die uns begegneten, die steile Abfahrt geschafft haben – jedenfalls haben sie wunderschöne Singlelines gezogen – Kompliment! Unsere „Linie“ liess sich aber auch sehen! Wieder beim P. 1900 angelangt, zogen wir zum schön gelegenen Walserdorf Obermutten, dessen einzigartige Holzkirche ein Besuch allemal lohnt – was auch für das hier oben einzige Gasthaus Post gilt (täglich geöffnet!). Die Gastgeberin Susanne verwöhnte uns mit lokalen Leckereien (zwei leckere Zvieriplättli!!). Wie sie uns erklärte, wohnen in Obermutten nebst ihr nur noch ein Ehepaar. Und mit (berechtigtem) Stolz wies sie auf die höchstgelegene Holzkirche Europas. Sehr sympathisch, wir kommen wieder! Die letzten 150 m Abstieg legten wir per pedes zurück über die nach Stafel hinunterführende, ca. 1.3 km lange Naturstrasse.

Fazit:
Wiederum durften wir einen dieser wundervollen Sonn(en)tage in den Bergen erleben. Für den etwas beschwerlichen Heimweg (viele „Weltmeister“ von St. Moritz auf der Rückfahrt!) wurden wir quasi im Voraus entschädigt.

Wetterverhältnisse:
ca. 50 cm Pulverschnee, erst im Gipfelbereich etwas windgepresst und abgeblasen, Sonnenschein ohne Trübung durch Wolken, Temperatur um Null Grad, wenig (kaum störender) Wind.

Lawinengefahr:
Laut SLF Stufe 2 mässig

Hilfsmittel:
Schneeschuhe, Stöcke, LVS/Schaufel/Sonde

Parameter:
Tour-Datum: 19. Februar 2017
Schwierigkeit: WT3-4
Strecke: 9.8 km, Mutten/Stafel (Parkplatz ca. 1710 m) – P.1768 – Faleia – P. 1900 – Cher (P.1982) – Muttner Alp – Auf den Böden – Sattel – Muttner Horn (Hauptgipfel 2401 m) – Abstieg auf gleicher Strecke über Obermutten
Aufstieg: ca. 715 m
Abstieg: ca. -715 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std.
Benötigte Zeit ohne Pausen 3 Std. 30 Min.
Tageszeit: 09:30 bis 14:30 Uhr

Kamera:
Sony DSC-HV90V

4 Gedanken zu „Muttner Horn (2401 m) – einsame Spitze“

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.