Risetenstock 2289 m und Brisen 2403 m in 2 Tagen

Das Buch «Wandern und Geniessen in den Schweizer Alpen» (ISBN 978-3-03800-208-6) lieferte die Grundlage für diese Zweitagestour. Die Wettervorhersagen stimmten uns zusätzlich optimistisch. Also nichts wie los – trotz sonntäglicher Anreise und Country-Openair auf der Klewenalp; die vielen mehr oder weniger munteren Cowgirls und Cowboys störten uns jedenfalls nicht. Schliesslich verliessen wir die Bergstation um unverzüglich los zu marschieren. Zügigen Schrittes erreichten wir nach flachen 2 km Stafel (1532 m); ab hier herrschte Ruhe, der gemütliche Aufstieg konnte beginnen. Dieser verlief ziemlich genau in der Falllinie des Skilifts, über Weiden vorbei an behörntem(!) Vieh hoch bis Chälen (1938 m). Nach einer ersten Pause dann die  restlichen 170 Hm hinauf – nun über einen etwas steileren Bergweg – bis zum Pass namens Hinterjochli (2105 m). Hier tat sich ein erster Panoramablick auf, u.a. hinunter zu unserem Tagesziel Gitschenen. Doch zuerst wollten wir noch den zur rechten liegenden Gipfel Ristenstock (2289 m) «machen». Die knapp 190 Hm waren auf gutem und sicherem Pfad in weniger als einer halben Stunde zu machen. Auf halber Strecke dann ein spontanes Alphornkonzert eines Berners, der noch über genügend Luft verfügte – einfach Klasse, und Dankeschön! Auf dem Gipfel dann Spektakel pur – ein 360-Grad-Panorama der Sonderklasse! Und der Blick ging unweigerlich über den Glattegrat zum Steinalper Jochli und hinüber zum stark besuchten Brisen, dem Gipfelziel für morgen Montag. Genussvoll gönnten wir uns beim Gipfelkreuz eine ausgiebige Gipfelpause. Gestärkt stiegen wir auf der Aufstiegsstrecke zum Hinterjochli ab, wo wir eine grosse Wandergruppe passierten – um sofort weiter abzusteigen Richtung Tagesziel. Zuerst unter der hoch über uns stehenden Wand des Schwalmis bis Bi den Seelenen, dann über schönes Alpweideland (Ober Bolgen) bis P.1820, vorbei an der sehr schön gelegenen Alp Unter Bolgen (1658 m). Nun folgte ein steiler Pfad und etwas ruppiger mit teilweise hohen Tritten, weiter unten dann über schönes Weidegelände bis Chneuwis (1567 m) – einem wenige Minuten oberhalb Gitschenen gelegenen Bauernhausgruppe. Dann, direkt bei der Bergstation der Gondelbahn, welche von St. Jakob im Grosstal hoch führt, erreichten wir unser Tagesziel, das Gasthaus Gitschenen, einem liebevoll blumengeschmücktem Holzhaus. Nach dem Bezug des einfachen, gemütlichen Zimmers das übliche: Dusche, Siesta. Um 18.30 Uhr wurde das ausgezeichnete und preiswerte Viergangmenü (Halbpension Fr. 36.00) serviert; weil es so lecker war, sei es hier kurz beschrieben: würzige Rüeblisuppe, Gartensalate, Hacktätschli mit Gemüse und Kartoffelstock, und zum Dessert eine gebrannte Crème – alles in bester Qualität und was uns besonders beeindruckte – die Teller war sehr heiss… Nach einer kurzen Verdauungsrunde auf dem Gitschenen-Rundweg – den Betruf des Sennen verpassten wir leider knapp – ging es ab in die Federn.

Trotz – oder gerade wegen der Vollmondnacht – war die Nacht sehr erholsam. Was für ein Tagesbeginn: wolkenlos blauer Himmel und klare Sicht in die umliegenden Berge (allen vorab das Massiv des Urirotstock) motivierte uns, sofort aus den Federn zu gumpen – schliesslich gab es um 07.30 ein reichhaltiges Frühstück auf der sonnigen Terrasse – Wellness für Augen und Gaumen!

Etwas nach halb neun dann Aufbruch in Richtung Brisen (als alpine Bergwanderung weiss-blau-weiss angeschrieben mit 2 Std. 35 Min.). Vorbei an Chneuwis führte die Wanderung durch saftige Alpweiden bis Geissboden (1604 m). Ab hier begann es stärker zu steigen, zuerst über Weiden, Pfaffen (einer Alp auf 1714 m) rechts umgehend dann zunehmend steiler über Geröll. Im Bereich Ober Pfaffen/Steinplanggen waren einige Schneefelder zu queren, welche aber gut markiert waren und Trittspuren aufwiesen. Ab Ober Pfaffen wurde der Pfad noch steiler und felsiger, immer wieder über Restschnee verlaufend. Auf dem Wild Alpeli (ca. 2000 m) bestünde die Möglichkeit, direkt und steil auf Geröll zum Sattel (zwischen Brisen und Hoh Brisen liegend) hoch zu steigen. Wir entschieden uns für den Umweg zum Steinalper Jochli (2157 m, bis zum Brisen 50 Min.), auch wenn zwei ziemlich steil liegende Schneefelder zu begehen waren. Diese waren aber bei etwas Konzentration gut zu queren. Auf dem Steinalpler Jochli lag noch eine gewaltige Schneewächte, welche wohl noch einige Wochen zu sehen ist. Hier kommen Bergwanderer aus allen Richtungen (vom Risetenstock via Glattgrat, vom Brisenhaus SAC und eben von der Gitschenen). Die 250 Hm schafften wir denn auch gut, die Zeitvorgabe leicht unterschreitend. Mit Ausnahme der Querung von zwei weiteren Schneehängen, deren Steilheit geschätzte 40 bis 50° betrugen, war der Aufstieg nie besonders schwierig. Fordernd war er allemal, und wir erreichten nach 2.5 Std. planmässig den Brisen (2403 m) – welch phänomenale Rundsicht! Der Gipfel war gut besucht, dennoch fanden wir noch ein Plätzchen für die Rast. Der Blick hinüber zum Hoh Brisen (2413 m, T5) ist spektakulär, nicht minder derjenige hinunter auf den Haldigrat, der sich allerdings als nicht besonders tückisch entpuppte – dennoch: Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind vorausgesetzt (Stöcke hilfreich). Nachdem wir uns sattgesehen hatten, der Abstieg: etwas unterhalb des Gipfels direkt hinunter auf den Grat, auf gutem und breitem Pfad. Bei P.2184 wäre der weiss-blaue Abstieg Zickzackweg über die Windegg möglich. Wir blieben oben, vorbei am unauffälligen Lauwistock (2092), bis wir nach ca. 45 Min. Abstiegszeit auf diesem heute erstaunlicherweise nicht stark begangenen Panoramaweg das Panorama-Bergrestaurant Haldigrat (gleichzeitig Bergstation der Sesselbahn Alpboden-Haldigrat) erreichten. Gerademal 4 Personen bevölkerten die Terrasse. Und im Innern war es dunkel, das Licht war aus, und kein Anstehen an der SB-Theke. Zwei Wasser (Einheitspreis Fr. 5.00/Fläschchen), unterdurchschnittlich freundliche Bedienung, also nicht erwähnenswert. Ach ja, den angeforderten Beleg für die Konsumation gab man uns nur widerwillig heraus, möglicher Grund: veralteter MWSt-Satz mit 7.6%, die Abrechnungsnummer war mit XXX aufgeführt – die Zeit hier oben ist wohl stehen geblieben… Wie auch immer: hier könnte, wer will, die 700 Hm Abstieg mit der Sesselbahn nehmen, wir entschieden uns für den Fussweg. Der Abstieg allerdings teilweise recht steil – erst durch Alpenrosen bewachsene Felsblocks, später über schöne Alpwiesen, und wir waren froh um unsere Stöcke. Unterwegs trafen wir Benediktinerinnen vom Kloster in Niederrickenbach bei der Ernte verschiedener Alpenkräuter. Nach anderthalb Abstiegsstunden erreichten wir die Talstation Alpboden (1233 m). Jetzt noch die letzten 2.5 km bis Niederrickenbach auf aussichtsreicher Naturfahrstrasse. Vorbei am Benediktinerinnen-Kloster erreichten wir bald die Schwebebahn, welche uns nach Niederrickenbach Station hinunter schaukelte. Ab dort ging es zügig weiter mit der Bahn nach Stand, dann mit dem Bus nach Beckenried-Post zurück zum mittlerweile leeren Parkplatz bei der Talstation der Klewenalp-Luftseilbahn.

Fazit
Eine Hammer-Tour mit hohem Suchtfaktor und mit für unsere Verhältnisse respektablen Höhenmetern, sowie mit Komfortunterkunft in einer uns unbekannten, aber wundervollen Gegend in der Zentralschweiz.

Parameter 1. Tag (Klewenalp-Risetenstock-Gitschenen):
Tourdatum: 21. Juli 2013
Schwierigkeit: T3
Strecke: 9 km, Station Klewenalp – Tannibüel/Stafel – Hinterjochli – Risetenstock – Gitschenen
Aufstieg: ca. 800 m
Abstieg: ca. -820 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std. 20 Min.

Parameter 2. Tag (Gitschenen-Brisen-Niederrickenbach):
Tourdatum: 22. Juli 2013
Schwierigkeit: T3+
Strecke: 12.3 km, Gitschenen – Geissboden – Steinalpler Jochli – Brisen – Haldigrat – Alpboden – Niederrickenbach
Aufstieg: ca. 900 m
Abstieg: ca. -1260 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 7 Std. 10 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 4 Std. 50 Min.

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