Schilt (2298 m) und Tristli (2285 m)

Die Gegend im nahen Glarnerland ist uns gut bekannt. Diesmal zog es uns in die Nachbarschaft des Fronalpstock – Schilt und Tristli waren die Ziele. Auf der Fahrt über die  (sehr!) enge Strasse von Mollis hoch zum Naturfreundehaus Fronalp werden 900 Hm vernichtet. Oben angekommen, ergatterten wir uns einen der wenigen Parkplätze (welche nicht zum Naturfreundehaus gehören). Das Haus hatte geöffnet, was wir auf der Website übersehen haben. Egal, jetzt schleppten wir halt unnötig grosse Trinkreserven mit. Die Einkehr sparten wir uns auf bis zur Rückkehr. Direkt beim Parkplatz beginnt der Aufstieg auf dem Wanderweg (nicht auf der Güterstrasse). Erst nach knapp 100 Hm auf Fellboden nutzten wir die Alpstrasse zur Mittelstafel – herrlich der Ausblick zum Glärnischmassiv, zum darunter liegenden Klöntalersee und zum 32 km weiter südlich kolossalen Tödi, dem höchsten Glarner. Auf der Alp Mittelstafel hielten wir nach rechts um über Läbli und Chlusen aufzusteigen zum Färiboden – zur linken der markante Fronalpstock. Auf dem Färiboden verflacht das Gelände etwas, wunderschöne Stimmung: friedlich weidendes Vieh (mit Hörnern!), die mit Glocken einen tollen Wandertag einläuteten. Vorbei am Färistock (knapp über 2000 m), zogen wir hoch zum Punkt Breitfeld. Vor uns die mächtige Felswand Siwellen, zur linken der mehrgipflige Mürtschenstock, rechts unsere heutigen Gipfelziele Schilt und Tristli. Beim Punkt Charen hielten wir halbrechts, bis zum Schilt noch 45 Minuten. Jetzt steilte das Gelände auf bis auf eine Höhe von 2200 m.ü.M. Unter der Wand der Siwellen querten wir über spannenden Karr – hier sind Stöcke nützlich, um das Gleichgewicht über die Spaltenlandschaft besser zu halten; stolpern definitiv nicht zu empfehlen. Unsere Erwartung, unter den Felsen Steinböcke zu sehen, erfüllte sich leider nicht. Dafür grüssten uns bunte Blümchen, welche aus dem Kalkfels wuchsen. Rasch erreichten wir den Punkt Siwellen (2245 m), von wo der «Angriff» auf den 50 m höherstehenden Schilt fast schon ein Kinderspiel ist. Zu unserem Erstaunen gehörte der Gipfel uns allein. Tolles 360°-Panorama zu den nahen Voralpen und Alpen – nicht ganz klar die Sicht, wegen der hohen Luftfeuchtigkeit. Der starke Westwind hielt uns von einer Gipfelrast ab. Jetzt folgte der kurze Zwischenabstieg und Wiederaufstieg zum Nachbarn, dem skurrilen Tristli – der Gipfelaufbau wirkt wie eine Krone, die Besteigung aber ist nicht ausgesetzt. Oben ist der Platz knapp, etwas ausgesetzt, man sollte darauf achten, sicher zu stehen. Auch hier ein starker Wind, der Federgewicht Doris fast wegblaste😁. Schnell ein Gipfelfoti und Abstieg, nach der Unterquerung des Schilt hat es schöne Plätze für eine windgeschützte Rast. Nach der Stärkung der Weiterweg, an der Verzweigung «Siwellen» vorbei in Richtung Rotärd. Zur linken weidet das Vieh bis hoch zur Wand der Siwellen – eindrückliche Kletterer! Übrigens: die Siwellen wären relativ einfach zu besteigen, 80 Hm Differenz, auf diesen kurzen Trip verzichteten wir, zumal nicht aussichtsreicher. Auf dem Weg zum Punkt 2225 dann die eindrückliche rot gefärbten Planggen (Rotärd = rote Erde?), weiter rechts (SW) die bizarren Kalkformationen (Wisschamm, Chüechamm) und das 2384 m hohe Schwarzstöckli (1 km Luftlinie). Von dort könnte man über die Murgseefurggel zum Murgsee wandern und die dort stehende Murgseehütte erreichen (dort waren wir Juni 2009). Wir hielten links, es folgte der steile Abstieg nach N, die Umrundung der Siwellen schloss sich beim schon bekannten Punkt Charen (2059 m). Weiter unten, beim Punkt Breitfeld (1998 m) hielten wir rechts, um den Färistock östlich zu umrunden und den Fronalppass zu erreichen; auf diesem Teil werden ca. 200 Hm bewältigt, und der Pfad führt an ein paar kniffligen Stellen vorbei, welche von kleineren Rutschen versehrt sind. Auch hier leisteten unsere Stöcke gute Dienste. Rechts unterhalb des Mürtschenstocks der kleine Spanneggsee mit den zugehörigen (bestossenen) Alpen. Hier trifft man auch auf die Besteiger des Fronalpstocks (T4) – heute offensichtlich nicht stark begangen. Der weitere Abstieg zu den Gebäuden der Ober Stafel dann auf gutem Untergrund. Nach der Alp dann der ziemlich unangenehme Abstieg über die geröllige Alpstrasse (Strasse?), steil, zu laufen wie auf Kugellager. Hinweis: ein nächstes Mal steigen wir hier auf und machen diese Tour umgekehrt. Unnötigerweise erreichte uns die Gewitterfront, abgeschwächt zwar, aber Grund genug, die Regenhüllen zu montieren. Mit Erreichen der Alp Mittelstafel war das ganze vorbei, die Sonne hatte uns wieder. Auf dem vom Aufstieg bekannten Strässchen und weiter unten über die Abkürzung erreichten wir das Naturfreundehaus Fronalp, wo wir uns unter Sonnenschirmen erfrischen konnten. Ein wiederum schöner W(a)undertag war das…

Fazit:
Schon wieder zog es uns ins nahe Glarnerland – die 2013 durchgeführte Schneeschuhtour auf den Schilt im Sommer zu erleben, war ein eindrückliches Erlebnis…

Eine Bemerkung:
Erstaunlich, wie wenig Gleichgesinnte heute unterwegs waren, liest man doch vom Corona-bedingten Ansturm in den Wandergebieten. Aber eben: fehlende Bergbahnen halten diesen Ansturm wohl in Grenzen😎.

Wetterverhältnisse:
Ein heisser Hochsommertag, knapp am Gewitter vorbei, ~20 bis 30°

Hilfsmittel:
normale Wanderausrüstung, Stöcke (heute sehr nützlich)

Parameter:
Tour-Datum: 27. Juli 2020

Schwierigkeit: T3
Strecke: 11 km, Parkplatz beim Naturfreundehaus Fronalp (1389 m) – Fellboden (1465 m) – Mittelstafel (1583 m) – Chlusen – Färiboden – Breitfeld (1998 m) – Charen (2059 m) – Siwellen (2245 m) – Schilt (2298 m) – Tristli (2285 m) – Siwellen (2245 m) – P.2225 (Rotärd) – Charen (2059 m) – Breitfeld (1998 m) – Fronalppass (nahe P.1855) – Ober Stafel (1816 m) – Mittelstafel (1583 m) – Fellboden (1465 m) – Naturfreundehaus Fronalp
Aufstieg: ca. 940 m
Abstieg: ca. -920 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 6 Std.Benötigte Zeit ohne Pausen: 4 Std. 15 Min.
Tageszeit: 08:30 bis 14:30 Uhr

2 Gedanken zu „Schilt (2298 m) und Tristli (2285 m)“

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