Das von unserem Guide Roland formulierte Ziel, den Südwestgrat beim Piz Vallatscha (ca. 2730 bis 2760 m, Hangneigung >30°) mussten wir bald einmal verwerfen – zu heikel. Von dort wäre der Ausblick ins Valbella und ins Val S-charl zu geniessen. Die Variante war aber nicht zu verachten: die namenlosen Gipfelchen am Ostende des Munt da la Bescha und nahe der zugehörigen Wildruhezone. So erreichten wir (heute zu fünft, Roland, Amandus, Paul, Doris und Ruedi) doch eine Höhe vo immerhin >2540 m.ü.M.
Doch der Reihe nach: Start bei der Talstation MInschuns (Era Sura). Das Skigebiet war immer noch geschlossen wegen Schneemangels, weshalb wir unsere Aufstiegsroute ohne Rücksicht auf präparierte Pisten wählen konnten. Etwas unterhalb der Zwischenstation Alp da Munt ging es dann zur Sache; Aufstieg dort, wo normalerweise eine schwarze Piste verläuft. Steil hinauf bis zum Sommerwanderweg bei Punkt 2234 am südöstlichen Ende der Wilddruhezone. Eine einzige Gams wich dorthin aus. Die folgende Rampe war felsdurchsetzt und eisig (Schneemangel halt!). Erst auf der folgenden Fläche hoch zum Punkt 2365 wieder einigermassen gute Schneeverhältnisse – dafür wurde der Wind stärker und bissiger. Nun aber voll an der Sonne war es erträglich. Beinahe in Sichtweite der Talstation des Vallatscha-Skilifts, der eine Höhe von 2700 m.ü.M. erreicht, hielten wir nach links, um zu den etwa zweihundert Metern höherliegenden Hügeln zu spuren. Bei einer Hangneigung von bis zu 31° war grosse Aufmerksamkeit geboten, denn das Gelände war mit Triebschnee belegt. An den steilsten Stellen hörten und erkannten wir Anrisse, welche wir gut umgehen konnten. Bei ca. 2540 war der heute höchstgelegene Punkt erreicht. Bergheil und Bütsch al Piz! Grandios die Aussicht nach allen Seiten (siehe Bilder), nur der Blick ins Valbella war uns verwehrt. An eine Gipfelrast war nicht zu denken, zu stark der Wind. Für den Abstieg wählten wir eine sichere Route in Richtung Vallatscha-Skilift, darüber der eingangs erwähnte Grat (auf den Bilder gut zu sehen). Unterwegs legten wir einen Spurenteppich – als exklusiven Gruss an Suse, die mit der Gruppe Severin unterwegs war. An der Talstation des Skilifts auf der Fuorcla Funtana da S-charl fanden wir dann im Windschatten der Hütte einen idealen Platz für die Mittagsrast. Danach folgte der Abstieg entlang des Sommerwanderwegs, der Triebschnee war ziemlich gefroren und trug uns problemlos; für Schneeschuhläufer formidabel, für Skitüreler schreckliche Verhältnisse. Im relativ flachen Gelände westlich des hundertfünfzig Meter aufragenden Skigipfels Minschuns (2520 m) erreichten wir den Punkt 2365. Wenig später wieder auf der Rampe, über welche der Sommerwanderweg zur Alp da Munt hinunter verläuft, war wieder etwas Vorsicht und Trittsicherheit gefragt. Dank unserer Krallen wenig problematisch. Bald wieder auf dem schwarzen Pistengelände, bogen wir nach Punkt 2234 ab nach W. Jetzt folgte eine uns vertraute Steilstufe, in welcher wir in einen Hinterhalt gerieten: die grosse Gruppe Severin/Suse hockte fröhlich in den Föhren und überraschte uns. Am von Severin aufgestellten Fernrohr beobachteten Sie Steinböcke und den Bartgeier. Nach diesem herrlichen Intermezzo liefen wir weiter zur wunderschönen Plaun da l’Aua. Bei Punkt 2189 wendeten wir in Richtung O. Östlich des Döss dals Jals (Döss=Bergrücken) verliessen wir den Winterwanderweg zur Alp da Munt, um auf eigener Spur durch ausnahmsweise tiefen Pulverschnee zu waten. Vorbei an den hier typischen Dolinen*. Unterwegs kamen wir bei der Ruine eines Chalchera (Kalkofen) vorbei – eindrücklich! Nach wenigen Schritten erreichten wir wieder den Ausgangspunkt unserer Tour. Da wir früh dran waren, machten wir auf der Heimfahrt eine Kurve hoch zum Ofenpass mit gemütlicher Einkehr im Restaurant Süsom Givè. Wiederum ein herzliches Dankeschön unserem Leiter Roland.
*Dolinen sind trichter- oder schüsselförmige Vertiefungen in der Erdoberfläche, typisch für Karstgebiete (Gestein aus Kalk, Gips), die durch das Auflösen von Gestein (Lösungsdolinen) oder den Einsturz von Hohlräumen (Einsturzdolinen) entstehen und eine Folge unterirdischer Wasserbewegung sind. Sie können von wenigen Metern bis zu über 100 Metern Durchmesser und Tiefe reichen und stellen oft eine Gefahr dar, da sie mit Schnee verdeckt sein können.
Fazit:
Eine spannende, fordernde Tour bei streckenweise anspruchsvollen Verhältnissen (Triebschnee, Lawinengefahr).
Wetterverhältnisse:
Sonnig, wenige Wolken, Temperatur beim Start -11°. Trotz wenig Schnee gute Tourenverhältnisse, ab ca. 2000 m (ca. 20 cm Pulver, meist überfrorener Triebschnee), Wind (ca. 10 bis 20 km/h O)
Ausrüstung:
Schneeschuhe, Stöcke, LVS/Sonde/Schaufel, Kartenmaterial/GPS
Lawinensituation:
Laut SLF Stufe 2+, mässig, Triebschnee, Altschnee (Triebschnee-ansammlungen der letzten Tage überlagern eine schwache Altschneedecke).
Parameter:
Tourdatum: 14. Januar 2026
Schwierigkeit: WT2-3, höchste Neigung 31°
Strecke: 8 km: Era Sura, Talstation Minschuns (2163 m) – Prada Sot – Alp da Munt (2234 m) – P.2365 – P.2518 (Motta Lischa) – Höchstgelegener Punkt bei 2534 m – Fuorcla Funtana da S-charl (2392 m) – P.2365 – Alp da Munt (2234 m) – Plaun da l’Aua (2189 m) – Chalchera (2158 m) – Era Sura
Aufstieg: ca. 440 m
Abstieg: ca. -450 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 4 Std. 10 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std.
Tageszeit: 09:25 bis 13:35 Uhr



























