Schöneben – Zehnerkopf 2675 m – Zehnergrat – Zwischenköpf 2630 m

Nach einem doch eher monotonen Zustieg über das Skigebiet Schöneben, bietet der «früheste» Gipfel der sogenannten Rojener Sonnenuhr (Zehner, Elfer, Zwölfer) eine grossartige Rundsicht bei heute bestem Wetter. Oben angekommen, folgte dann eine Überraschung… Aber der Reihe nach…

Ab Bergstation Schöneben wandert man gemütlich auf dem Wanderweg Nr. 9a/9b nach S hoch zu den etwa 350 Höhenmeter liegenden Bergstationen der drei Skilifte. Ab hier wurde das Gelände steiler, der Pfad schmaler und felsiger. Unschwierig in Kehren hinauf zu einer Scharte, welche den Eingang eines kleinen, alpinen Tals markiert. Der Wanderweg Nr. 9b führt zum höchsten Gipfel der Sonnenuhr, der Elferspitze (2926 m). Wir hielten uns wie vorgesehen an den WW Nr. 9a, wo die Tritte höher und das Gelände steiler wurde (bis 30%). Einige wandernde Italienerinnen waren zwar lärmig, aber offensichtlich überfordert, gaben aber nicht auf. Schliesslich wollten sie uns das viele nackte Fleisch nicht vorenthalten; bei sich bietender Gelegenheit überholten wir dann die Möchtegern-Infaulenzerinnen. Nach eineinhalb Stunden waren wir oben, erst auf einem Grat, wenige Meter weiter das gut besuchte Gipfelkreuz. Was für ein Panorama! Bei diesen knappen Platzverhältnissen wollten wir nicht lange im Weg stehen. Doris erkundete den nach S ziehenden, teilweise sehr luftigen Zehnergrat bis zum Zwischenköpf – sollte machbar sein. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit waren unabdingbar, leichte Kletterstellen bis II waren zu bewältigen. Nach einem Kilometer und anderthalb Stunden später, den Zwischenköpf erreicht, hatten wir den schwierigsten Teil der Tour hinter uns – nicht ohne die zwei, drei Schlüsselstellen zu erwähnen, die uns forderten. Rätselhaft, wie die weiss-rote Markierung durchgehend Wegspuren signalisierte; bei uns wäre das bestimmt weiss-blau und an einigen Stellen mit Fixseilen gesichert. Uns störte das nicht. An einer weniger ausgesetzten Stelle am Zwischenköpf genossen wir die verdiente Mittagsrast, und die Genugtuung, wieder einmal die Hände am Fels gehalten zu haben. Danach folgte zur Entspannung der kurze Abstieg zu einem Sattel hinunter und zum Normalweg 9b. Hier entschieden wir, aus zeitlichen Gründen die geplante Besteigung der Elfers und den anschliessenden Abstieg zur Haideralm, auszulassen. Stattdessen wanderten wir auf dem Weg Nr. 9b in Richtung N (zurück). Das lohnte sich, weil vom Weg aus die Sicht links hoch zum soeben begangenen Zehnergrat eindrückliche Bilder lieferte (siehe Fotos). Am unteren Ende des hochalpinen Tälchens trafen wir wieder zur Verzweigung Weg Nr. 9a/9b, am über uns stehenden Zehner war mittlerweile Ruhe eingekehrt. Auf dem weiteren Abstieg zu den 170 Hm tiefer liegenden Bergstationen war noch etwas Vorsicht geboten (Ermüdung, Stolpertritte). Ab den Skilift-Bergstationen nahmen wir die weglose Direttissima über die bereits verwaisten Almen, bis wir schliesslich die Bergstation Schöneben wieder erreichten. Ein paar Minuten Gondelfahrt, und schon landeten wir mitten in der Zivilisation an der Talstation am Reschensee. Klar: ein Forst zum Abschied musste sein – Viva!

Fazit:
Zum Glück setzten wir unseren ursprünglichen Tourenplan nicht um – die tolle Gratwanderung war zwar anforderungsreich, aber sehr befriedigend – auch wenn anderthalb Stunden Kraxelei auf allen Vieren Kraft kostete.

Wetterverhältnisse:
Hoch-Sommerwetter, wolkenlos, Temperatur beim Start 19° bis 26°,  beste Verhältnisse auf der gesamten Strecke, leichter Wind 13 bis 20 km/h W bis NW

Ausrüstung:
Bergwanderschuhe, Stöcke, Kartenmaterial Komoot, GPS

Parameter:
Tourdatum: 8. August 2025
Schwierigkeit: T4, UIAA Grad II
Hin- und Rückfahrt: PW Valchava bis Reschen Talstation Schöneben-Gondelbahn, Bergfahrt nach Schöneben
Strecke: 8.7 km: Schöneben (2105 m), Weg Nr. 9a/9b – P.2343 – P.2381 – Zehnerkopf (2675 m) – Zehnergrat (ca. 1 km, meist ausgesetzt, Kletterstelle II, P.2675 und P.2661) – Zwischenköpf (2630 m) – Normalweg 9b am Grubenkopf vorbei – Verzweigung Weg 9a (zum Zehnerkopf) – Abstieg zu den drei Bergstationen der Wintersportanlagen – Direttissima über die Almen nach Schöneben hinunter – Talfahrt Gondelbahn
Aufstieg: ca. 623 m
Abstieg: ca. -615 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 4 Std. 45 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std. 15 Min.
Tageszeit: 10:40 bis 15:25 Uhr

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