Valle di Muggio: Scudellate – Cascina d’Armirone – Muggio

Wieder einmal besuchten wir das hinterste Valle di Muggio – es gibt mehrere gute Gründe, im Dörfchen Scudellate ein paar Tage zu verbringen. Da ist einmal die fabelhafte Osteria Manciana con alloggio, wo wir eines der drei Gästezimmer mit dem schönen Namen Mamma Piera buchen konnten. Dann ist es diese ausgezeichnete authentische Küche, z. B. Ossobuco mit Piera’s Polenta. Und dann noch das fürchterlich schlechte Wetter im Norden, das uns kurzfristig in den Südtessin flüchten liess. Kommt noch das wunderbare Wetter dazu, bei welchem sich am Monte Generoso endlos wandern lässt. Doch: wer die sehr enge Strasse ins Valle di Muggio schaffen will, hat ein paar Kurven mit sehr engen Radien zu meistern – mittlerweile schafften wir diese ohne zurückzusetzen(!).

Gut ausgeschlafen und nach dem formidablen Frühstück verliessen wir Scudellate in Richtung Roncapiano: das charakteristische Dörfchen erreicht man auf der asphaltierten Strasse in etwa 25 Minuten. Nach der Ortsmitte kommt man am Oratorio della Beata Giuliana Falconieri, einem neoklassizistischen Gebäude aus dem 19. Jahrhundert, vorbei. Hier beginnt der Muggiasca-Wanderweg, der in einer besonders schönen Landschaft verläuft und ein wesentlicher Teil des Wanderweges ist, der das Alta Valle di Muggio mit dem Abschnitt des Monte Generoso bis zu seinem Gipfel verbindet. Die Route führt zunächst über Weideland und dann etwa fünfzig Minuten lang leicht absteigend durch Kastanienwald. Dabei wird der Hügel Faidello in einem grossen Bogen südlich umrundet. Wieder nach N drehend, war zwischen den Bäumen die in der Sonne leuchtende Fiore di Pietra auf dem Monte Generoso zu sehen (ca. 1.4 km Luftlinie, 700 Hm). An zwei Stellen war ein ausgetrocknetes Bachbett zu durchqueren, viel Laub unter den Füssen, also hiess es Stolperer zu vermeiden, weil unter dem Laub viele Stolpersteine zu Misstritten führen könnten. Unglaublich schöner Wald, uralte Bäume! Bald erreichten wir den Waldrand und die nach Süden ausgerichtete Siedlung Muggiasca. Die Schutzhunde hatten uns bereits gewittert, also blieben wir im Aufstieg brav diesseits des Zauns. Zwar meinte der freundliche junge Hirte, wir sollten zum Hof laufen und von dort den Weg nach Muggio hinunternehmen. Das hatten wir nicht vor; auf der schmalen Teerstrasse liefen wir oberhalb der Häuser, am prächtig besonnten Hang hoch bis zu einem Wanderwegweiser bei ca. 1060 m.ü.M. Dort verliessen wir die Strasse bergseitig, um im Wald auf wunderbarer Unterlage aufzusteigen und Cascina zu erreichen. Nun befanden wir uns auf dem Weg zum Monte Generoso – Cascina d’Armirone (Waldreservat). Bellavista, die Zwischenstation der Monte Generoso-Bahn wäre in zwanzig Minuten zu erreichen gewesen. Hier, am heute höchstgelegenen Punkt (ca. 1155 m.ü.M.) hielten wir entgegengesetzt nach S, vorbei an der Dosso delle Mede und durch Buchenwald bis zur Verzweigung bei P.1105 (bei der in Holz geschnitzten grossen Eule). Hier könnte man auch in wenigen Gehminuten das (geöffnete) Grotto La Balduana erreichen – das hatten wir bei der Tourenplanung grosszügig übersehen… Nun hiess es aufpassen, nicht etwa die Strasse zurück nach Muggiasca nehmen, sondern ein paar Meter absteigen um den unterhalb etwas versteckten, in einer Rinne verlaufenden Pfad zu finden. Nach zweihundert Metern erreichten wir den Hang Pra Lazzaro. Hier nahmen wir die Direttissima über die Wiese nach Pianspessa hinunter. Den namenlosen Hügel mit P.1035 umrundeten wir südwärts, vorbei an zwei Ruinen. Oberhalb der Häusergruppe Loc. Pianspessa nutzten wir einen windgeschützten Platz für unsere Mittagsrast (Panino mit Salami und Käse), bei toller Aussicht nach Muggio hinunter und zum Sasso Gordona und zum morgigen Gipfelziel Monte Bisbino. Nach der Rast der weitere Abstieg vorbei an Pianspessa, wo gerade kunstvoll renoviert wird (Trockensteinmaurer am Werk). Bald tauchten wir wieder in den Wald ein; mit Stöcken bewehrt auf ziemlich holprigem Pfad. Bald erreichten wir die auf einer steilen Lichtung gelegene Alpe di Germània (Diese ragt fast wie ein Aussichtspunkt über das Muggiotal hinaus. An diesem Ort wollten die Langobarden, die oft als Deutsche bezeichnet wurden, daher der Name Germania, das Geschehen im Tal kontrollieren, da sie die bedrohlichen Angriffe der Soldaten von Como fürchteten. Quelle: Ottavio Lurati). Vorbei an zwei von der Natur eingenommenen Hüttenruinen führte der schmale und steile Pfad in Serpentinen über einen Kilometer zweihundert Höhenmeter hinunter zur ziemlich heruntergekommenen Häusergruppe Turro abitazione isolata heisst das auf italienisch. Auf einer unglaublich steilen Strasse vorbei an der (verschlossenen) Chiesetta di San Giovanni Battista di Tür. Hier kommt uns doch tatsächlich ein Kleinwagen mit LU-Schild entgegen – der Fahrer dem Erscheinungsbild nach wohl ein alternaiver Aussteiger. Bald war die Breggia am heute tiefstgelegenen Punkt (bei ca. 580 m.ü.M.) erreicht. Das war ein «netter» Abstieg von ca. sechshundert Höhenmetern. Gut, dass das Wetter mittlerweile etwas eintrübte, denn jetzt folgte der unbequeme Schlussaufstieg auf Hartbelag nach Muggio hinauf. Im Wissen darum, das Postauto längst verpasst zu haben, machten wir es uns bequem vor dem (geschlossenen) Ristorante Stella. Geschlossen? Wie auch schon, hatte die Besitzerin, la Signora Fontana, ein Einsehen und öffnete extra für uns. Nettes Wiedersehen am Kamin, due Birre e apperitivi analcolico – und die Wartezeit bis zum nächsten Postautokurs verging im Flug. Grazie mille, è stato molto gentile – e alla prossima volta!

Fazit:
Einsam unterwegs im wilden Valle di Muggio an den einsamen südlichen Hängen des Monte Generoso. Und: die neuen Wanderschuhe (Ruedi) erfolgreich eingelaufen…

Wetterverhältnisse:
Viel Sonne, am Nachmittag etwas bedeckt, trocken, Temperaturen im Bereich 0 bis +8° C, wenig Wind (ca. 13 km/h NW)

Ausrüstung:
Bergwanderschuhe, Kartenmaterial Swisstopo, GPS

Parameter:
Tourdatum: 27. Oktober 2025
Schwierigkeit: T2
Strecke: 10.2 km, Scudellate (907 m) – P.923 – Camasciora (942 m) – Roncapiano (987 m) – Faidello – Roncascio – Muggiasca (959 m) – Cascina d’Armirone – Cassina – P.1105 – Pra Lazzaro – Loc. Pianspessa (985 m) – Alpe di Germània (920 m) – Turro (700 m) – Chiesetta di San Giovanni Battista di Tür (659 m) – Breggia (580 m) – Muggio (649 m) – Postautofahrt zurück nach Scudellate
Aufstieg: ca. 476 m
Abstieg: ca. -712 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std. 10 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std. 40 Min.
Tageszeit: 10:10 bis 15:20 Uhr

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