Chrüz 2196 m – traumhafte Winter-Überschreitung

Nach dem Schlechtwetter ist vor dem Schlechtwetter! Und dazwischen dieser sagenhaft schöne Samstag! Zur Auswahl standen Winterhorn/Pizzo d’Orsino 2662 m (bei Hospental), Mattjisch Horn/Mattlishorn 2461 m im Schanfigg, die Leglerhütte SAC, oder eben diese Tour. Den Ausschlag gab die Lawinensituation und die Motivation. Wir haben richtig entschieden! Im Prättigau bieten sich viele lohnende Touren.

Schon die abenteuerliche Postautofahrt auf der sehr schmalen und steilen Bergstrasse, auf der mehr als 800 Hm überwunden werden, lohnt. Bei der Endstation Mottis  angekommen, empfing uns eine herrlich besonnte Winterlandschaft. Eigentlich böte sich hier die Gelegenheit für einen Startkafi im nahe gelegenen Berggasthaus Mottis Stels. Diesmal hielt uns nichts; bei knapp null Grad entledigten wir uns der dritten Schicht, und marschierten die ersten paar hundert Meter auf der weissgeräumten Bergstrasse in Richtung Stelserberg. Im Gelände lagen ca. 50 cm Schnee. Kurz vor der ersten Linkskurve oberhalb Hof Schanenn schnallten wir die Schneeschuhe an und verliessen die Strasse, um direkt aufzusteigen. Welche Wohltat, es war gespurt – und das sollte sich heute nicht ändern! Nach wenigen Minuten schon war Pilidarscha – ein schöner Hof – erreicht. Weiter direkt und rassig aufsteigend erreichten wir bei 1649 m das im Winterschlaf dastehende Berghaus zum See und etwas bei P.1705 das Plateau mit dem zugefrorenen Stelsersee. Der weitere Verlauf war nun gut zu überblicken – vor uns das Gipfelziel und dazwischen die drei markanten Geländestufen. Die schön angelegte Spur führte immer auf dem Grat hoch, vorbei an P.1826, dann leicht absteigend zum Sattel (bei Drostolen). Links (nördlich also) die omnipräsente Drusenfluh mit ihren wunderschönen Türmen und rechts die Sulzfluh. Und weil die Strecke bis zum Gipfel östlich/südlich verlief, strahlte uns die Sonne unentwegt an (Schutzfaktor 50+ war angesagt). Bald erreichten wir Gafäll bei P. 2044 – wunderschöne Panoramablicke für uns Unersättliche. Vor uns der 150 Hm aufsteilende Gipfel, der links (östlich) umgangen werden könnte (Direktabstieg zur Alp Valpun). Rechts halten würde man wohl nach Pany absteigen; bei diesen Verhältnissen nicht ratsam (einige Rutsche an der SW-ausgerichteten Gipfelflanke). Ab durch die Mitte also – der Direktaufstieg führte auf immer erkennbarer, aber sehr steiler Spur auf dem Grat hoch, vorbei an einigen Wächten. An den tiefen Tritten gut zu erkennen war, dass hier die Skitüreler tragen mussten – mit Schneeschuhen (und Steighilfen) war dieser Steilaufstieg (wohl gegen 35°) kein Problem. Und schon standen wir auf dem Chrüz (2196 m) – ohne Gipfelkreuz, aber mit Gipfelbuch. Während wir auf der Aufstiegstrecke nur zwei Schneeschuhläufer sahen, welche den Gipfel umgingen, waren nun auf NO-Seite ein wenige Skitourenläufer auszumachen. Das 360°-Pano hier oben ist ohne Übertreibung phänomenal – der Berg steht aber auch ziemlich alleine in der Landschaft. Der etwas unangenehme Wind trieb uns zum raschen Abstieg an. Die rassige und ziemlich direkte «Abfahrt» zum 100 Meter tiefer stehenden Chlei Chrüz (2103 m) liess unser Schneeschuhläufer-Herz höherschlagen. Na gut, die Schneelage (bestimmt 1 m) liess uns das eine oder andere Mal einsinken. Das Gipfelchen des Chlei Chrüz gilt es idealerweise unterhalb der Lawinenverbauung zu überschreiten. Dann aber führte uns die fröhliche «Schussabfahrt» weiter bis zur sonnig gelegenen Alp Valpun (1882 m). Hier im Windschatten und an der Sonne zu verweilen und die mitgebrachten Leckereien zu vertilgen, war das reine Vergnügen. Schon fast wehmütig verliessen wir diesen schönen Platz. Gleich nach der Alp «stachen» wir links haltend direkt hinunter in Richtung Grossried/Len Ried – den gut erkennbaren auf dem Winterwanderweg liegenden P 1720 im Visier. Nach ein paar hundert Metern auf dem Winterwanderweg – der nicht verlassen werden darf (Wildruhezone Capelgin) – entledigen wir uns der Schneeschuhe. Gemütlich der weitere Verlauf durch den schönen Winterwald, und bald schon war der Skilift bei Sagen erreicht. Die Strasse bis Bord, dann wieder auf schöner Spur vorbei am Berggasthof Michelshof, und schon standen wir mitten im schmucken Dorfzentrum von St. Antönien. Im uralten und schönen Walserhaus des Rhäthia genossen wir den verdienten Kafi. Um 15:05 dann Abfahrt mit dem Postauto nach Schiers hinunter. Ein schöner Tourentag in einem idyllisch-ruhigen Gebiet, das wir bestimmt wieder mal besuchen werden!

Wetterverhältnisse:
Herrliches Winterwetter, Temperaturen im Bereich 0°.  Ausgezeichnete Schneeverhältnisse, gute Spuren…

Hilfsmittel:
Schneeschuhe, Stöcke, LVS/Schaufel/Sonde, GPS-Maschine

Lawinensituation:
Laut SLF: Stufe 2 mässig

Parameter:
Tourdatum: 30. Januar 2016
Schwierigkeit: WT3
Zufahrt zum Ausgangspunkt: Mini-Postauto ab Bahnhof Schiers RhB bis End-Haltestelle Stels Mottis (Abfahrt 09:02*, Ankunft 09:25) *1. Kurs!
Zufahrt zum Ankunftspunkt: Postauto ab St. Antönien Platz (Abfahrt 14:05) bis Küblis Bahnhof RhB, Umsteigezeit 6 Min. (Ankunft 14:56)
Strecke: 10.3 km: Stels Mottis, Postauto-End-Haltestelle P.1467 – P. 1705 – Stelsersee – Sattel/Drostolen – Gafäll (P. 2044) – Chrüz (2196 m) – Chlei Chrüz (2103 m) – Alp Valpun – P.1720 (zwischen Grossried/Leng Ried) – Sagen – St. Antönien
Aufstieg: ca. 802 m
Abstieg: ca. -849 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std. 25 Min.
Tageszeit: 09:30 bis 14:30 Uhr

Schreibe einen Kommentar