Archiv der Kategorie: Graubünden

Val Lumnezia: Winterwanderung von Lumbrein nach Vrin

Heute Sonntag – einem wiederum herrlichen Wintertag – unternahmen wir eine leichte Winterwanderung. Zwar hatten wir vorsorglich die Schneeschuhe auf unsere Rucksäcke montiert, zum Einsatz kamen sie nicht. Den gut präparierten Winterwanderweg erreichten wir hundert Hm oberhalb von Lumbrein (beim Punkt 1509). Senda Culturala heisst der Kulturweg in der Val Lumnezia von Vella nach Lumbrein und in der Verlängerung bis Vrin mit interessanten Informationen zu Geologie, Pflanzenarten, Mooren und Fauna des Tals. Den unteren Teil ab Vella, vorbei am Badesee Davos Munts, kannten wir von unserem Spaziergang am Freitag. Dieser Teil ist häufiger begangen und auch touristisch erschlossen (Einkehrmöglichkeiten, Eisfeld, usw.). Der obere Streckenteil bis Vrin ist nicht permanent gespurt und folglich ruhiger. Kurz nach P.1509 die erste Attraktion: die schöne Punt Val Mulin. Ein paar hundert Meter weiter war auch der uns vom Vortag bekannte P.1542 (Infotafel Wildruhezone) erreicht. Immer wieder der Blick hinunter zum sonnig gelegenen Lumbrein. Und vor uns natürlich omnipräsent der schöne Piz Terri. In leichtem Auf und Ab passierten wir unerwartet spannend gebaute Informationsstände, so das Tagebuch einer Tanne oder die spielerische Schautafel zur Bestimmung der heimischen Bäume. Der durchgehend schneebedeckte Weg führte hangseitig oberhalb der Weiler Sogn Gion, Sontg Andriu und Nussaus vorbei, welche durch die nach Vrin führende Strasse erschlossen sind. Tief unten der Fluss Glenner (rätoromanisch: Glogn) und am gegenüberliegenden Hang die Walsersiedlung Surin. Oberhalb Nussaus galt es nicht auf die Hauptstrasse abzusteigen, sondern auf der gut markierten Spur unterhalb der Maiensäss Curtinatsch zu queren. Jetzt folgte der Weg in den Val Miedra hinein, wo die Sonne nicht hinkommt. In der hintersten Ecke, auf einer Höhe von ca. 1450 m.ü.M., war die Aua da Cavel zu überqueren, verbunden mit einer Richtungsänderung. Den bewaldeten Hügel Mons Sut östlich umrundend, verliessen wir den Windschutz des Waldes. Jetzt pfiff uns die Vorhut des Wintersturms Sabine gehörig um die Ohren. Dafür hatte uns die 🌞🌞🌞 wieder. Vor uns der Weiler Vrin Dado, und bald war auch das Dorf Vrin erreicht. Am einladenden Holzhaus Péz Terri Ustria e Pensiun kamen wir nicht vorbei. In der gemütlichen Stube genossen wir ein leckeres Bündner Plättli. So verstrich die Wartezeit bis zur Abfahrt des Postautos (14:30 Uhr) im Nu. Eine einsame und erholsame Frischluft-Tour für alle Sinne war das…

Wetterverhältnisse:
Bilderbuch-Winterwetter, Temperaturen im Bereich -6 bis 8°. Bei Vrin starke Windböen (Wintersturm Sabine kündigte sich an…)

Ausrüstung:
Feste Schuhe, Stöcke, GPS-Maschine

Parameter:
Tourdatum: 9. Februar 2020
Schwierigkeit: T2
Strecke: 8.5 km: Lumbrein Vitg (1405 m) – P.1482 – P.1509 – Punt Val Mulin (senda culturala) – P.1542 (Infotafel Wildruhezone) – S. Andriu – Nussaus – Curtinatsch – P.1405 – Mons – Vrin (1447 m)
Aufstieg: ca. 370 m
Abstieg: ca. -300 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 3 Std. 20 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 2 Std. 40 Min.
Tageszeit: 09:40 bis 13:00 Uhr

Val Lumnezia: Um Su 2357 m

Petra ist Geschichte, Sabine wird erwartet – und wir mittendrin! Frage: weshalb haben diese Wintersturmtiefs weibliche Namen? Wie auch immer – das Schönwetterfenster nutzten wir optimal mit einem Ausflug ins Tal des Lichts, wie die Val Lumnezia zu deutsch heisst. Nach der gestrigen Winterwanderung von Vella nach Lumbrein (immerhin ca. 8 km) genossen wir den Abend und die mondhelle Nacht im sehr empfehlenswerten Hotel Péz Regina in der ruhigen Ortsmitte des auf einem Plateau liegenden Bergdorfs. Frühstück um acht Uhr, danach strebten wir dem heutigen Gipfelziel zu: Um Su, was aus dem rätoromanischen übersetzt so viel wie Mann (Um) Oben (Su) heisst. Nach drei Wochen (witterungsbedingter) Tourenpause und mit fast tausend Metern Höhendifferenz ein für uns ansprechendes Vorhaben.

Von der Ortsmitte bis zum Startpunkt waren 540 m auf der Strasse talaufwärts zurück zu legen. Kurz nach der Kapelle Sogn Roc bei einer Brücke befindet sich der Einstieg in die Val da Mulin. Die Schneelage erlaubte es, unsere Werkzeuge gleich zu Beginn zu montieren. Vorbei an ein paar alten Häusern (eine ehemalige Mühle) begann der steile und enge Aufstieg über ein paar Serpentinen. Bald an der Sonne war auch schon der Punkt 1542 (Infotafel Wildruhezone) erreicht. Hier überquerten wir den nach Vrin führenden Winterwanderweg. In der steilen Schneise, welche die Wildruhezonen trennt, stiegen wir auf guten Spuren hoch bis P.1638. Wenig später war Plaun d’Urdien (P.1772) erreicht, wo eine Bank zum Verweilen einlud – kurze Trinkpause und ein Schoggiriegel zur Stärkung. Hatten wir bis jetzt bereits 380 Hm zurückgelegt, waren es «nur» noch 600 Hm bis zum Gipfel, den wir ewig nicht zu sehen bekamen… Vorbei an der Staviala Vedra (1996 m) hatten wir die Qual der Wahl, die passende Spur über die Alp da Lumbrein zu wählen. In der Querung eines <30° steilen Hangs erlebten wir etwas bange Momente – ein lauter Knall unter unseren Füssen signalisierte Bruchgefahr. Abstand vergrössern war die Devise; immerhin lag hier ca. 1 m Schnee. Bald täuschte uns ein grosser Steinmann das vermeintliche Gipfelziel vor – ein Fake (um mal dieses blöde, aber aktuelle Unwort zu verwenden)! Ein Blick aufs Navi zeigte an, dass noch 100 Hm vor uns lagen. Und tatsächlich, vierhundert Meter voraus der Gipfel, der eigentlich eine flache und geräumige Kuppe ist. Kein Gipfelkreuz, aber Wegweiser zuhauf – und ganz wichtig für den doch etwas geforderten Autor: eine Bank-Niederlassung der sympathischen Art. Während der ausgedehnten Gipfelrast genossen wir das formidable Rundumpanorama, welches von der südlich stehenden Pyramide des Piz Terri (3149 m) und etwas weiter östlich vom mächtigen Piz Aul (3121 m) dominiert wird. Quasi in unserem Rücken ging der Blick über die Alp Nova hinweg zum Piz Sezner (2309 m) und dem Skigebiet Obersaxen Lumnezia Mundaun. Für den Rückweg wählten wir die uns bekannte Strecke. So konnten wir den überfrorenen Hängen ausweichen und den Pulverschnee richtig auskosten. Der Abstieg bis zum Ausgangspunkt wurde von den wenigen Skitürelern gemieden wegen der abschliessenden, in den Val da Mulin hinunter führenden engen Schlüsselstelle. Bei der Mühle angekommen, war wir hoch zufrieden über unsere Leistung – ein toller Tourentag in der uns bisher unbekannten Val Lumnezia.

Wetterverhältnisse:
Bilderbuch-Winterwetter, Temperaturen im Bereich -8 bis 8°. Für Schneeschuhtouren gute Schneeverhältnisse (Pulver, ab 2000 m.ü.M., windgepresst, resp. vom Schneeregen der Vortage teilweise überfroren), kaum störender Wind (bis ca. 15 km/h).

Ausrüstung:
Schneeschuhe, Stöcke, LVS/Schaufel/Sonde, GPS-Maschine

Lawinensituation:
Laut SLF: Stufe 1 gering, Gefahrenstellen ab 2000 m.ü.M., Gefahrenbeschrieb: die Triebschneeansammlungen der letzten Tage sind teils noch störanfällig. Lawinen können stellenweise durch Personen ausgelöst werden und mittlere Grösse erreichen. Schwachschichten tief in der Schneedecke können vor allem an eher schneearmen Stellen vereinzelt und meist mit grosser Zusatzbelastung ausgelöst werden. Diese Stellen sind eher selten aber auch für Geübte kaum zu erkennen. Eine vorsichtige Routenwahl und Entlastungsabstände werden empfohlen.

Parameter:
Tourdatum: 8. Februar 2020
Schwierigkeit: WT2
Strecke: 9 km: Lumbrein (Val da Mulin, 1390 m) – P.1542 (Infotafel Wildruhezone) – P.1638 – Plaun d’Urdien P.1772 – Staviala Vedra 1996 m – Um Su 2357 m
Aufstieg: ca. 960 m
Abstieg: ca. -960 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 6 Std.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 4 Std.
Tageszeit: 09:40 bis 15:40 Uhr

Schneeschuh-Tourenwoche Val Müstair 5|5: Munt Buffalora 2627 m

Abschluss einer famosen Schneeschuh-Tourenwoche. In zwei Gruppen von der Buffalora auf den Wintertouren-Klassiker Munt Buffalora. Was für ein Hammertag! Und alle haben es problemlos geschafft – grossartig! Die uns schon vertraute Ebene bei Buffalora überquerend, war die Alp Buffalora rasch erreicht. Auf den ersten Minuten Aufstieg auf der Alpstrasse erreichte uns die Sonne (noch) nicht. Das änderte sich bei P.2195. Nach einer kurzen Trinkpause stiegen wir etwas steiler werdend auf, vorbei an den Minieras da Fiern. Die Spur war geschickt ins Gelände angelegt. Erst kurz unter dem Gipfelaufbau und mit Erreichen der Nationalparkgrenze machte sich ein starker Wind bemerkbar. Nach 2 Std. 20 Min. standen wir auf dem nicht sehr exponierten Gipfel. Das Panorama nach allen Seiten bot bestes Kino. Nur der Wind… Also rasches Gipfelfoti, und wieder absteigen war das Motto. Weiter unten auf einer Höhe von ca. 2515 m.ü.M. fanden wir eine windgeschützte Mulde, wo es uns die Salamirädli nicht gerade vom Brot wehte… Der weitere Abstieg führte entlang der Kante, gleichzeitig auch Nationalparkgrenze. Kurz vor dem P.2438 nutzten wir den schönen Pulverschnee um nach Fop da Buffalora hinunter zu surfen – ein ziemlich lustiges Spektakel! Im über ca. 2.1 km verlaufenden idyllischen und engen Tälchen waren einige trickige Stellen nahe des Bächleins zu meistern. Und kaaaaaaalt war es auch – meinte vor allem Roland, unser Führer. Also begleiteten wir ihn schnurstraks an die Ofenpassstrasse hinunter, wo sich der Arme in der Gaststube des Berggasthauses Buffalora aufwärmen konnte. Das war ein würdiger Abschluss einer in jeder Beziehung perfekten Tourenwoche. Jetzt darf der für morgen Samstag angemeldete Schneefall kommen…

Danke:
Dem familiären Team des Landgasthof und Hotel Staila Fuldera danken wir von Herzen. Unseren drei Wanderleitern Heinz, Severin und Roland gehört ebenfalls unser herzliches Dankeschön. Und allen zwanzig Mitwanderern danken wir für die tolle Kameradschaft – mit euch wars wunderbar!

Wetterverhältnisse:
Schon wieder dieses Bilderbuch-Winterwetter, Temperaturen im Bereich -9 bis 6°.  Beste Schneeverhältnisse (Pulver, im Gipfelbereich windgepresst resp. stark abgeblasen), starker Wind (bis ca. 30 km/h).

Ausrüstung:
Schneeschuhe, Stöcke, LVS/Schaufel/Sonde, GPS-Maschine

Lawinensituation:
Laut SLF: Stufe 1, gering

Parameter:
Tourdatum: 17. Januar 2020
Schwierigkeit: WT3
Hin- und Rückfahrt: Postauto Fuldera – Buffalora
Strecke: 9.2 km: Buffalora 1967 m – Alp Buffalora 2032 m – P.2195 – Minieras da Fiern – Mut Buffalora 2627 m – Fop da Buffalora – Buffalora
Aufstieg: ca. 685 m
Abstieg: ca. -679 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 4 Std. 30 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std. 25 Min.
Tageszeit: 10:05 bis 14:35 Uhr

Schneeschuh-Tourenwoche Val Müstair 4|5: Piz Terza 2908 m

Nach dem gestrigen Wellnesstag (Minschuns) war heute ein Gipfeltag der Sonderklasse angesagt. Die bereits bewährte Gruppe wurde um die dritte Doris ergänzt. Das kam mir sehr entgegen, weil ich ein schlechtes Namensgedächtnis habe. So viele Dorisse in einer Gruppe habe ich allerdings noch nie erlebt. Fahrer und Führer Roland chauffierte uns im Kleinbus nach . Vom Gratisparkplatz stiegen wir unverzüglich auf, erst über die Alpstrasse, welche wir nach wenigen Metern verliessen, um im Wald direkt aufzusteigen. Nach 50 Min. erreichten wir die 270 m höher liegende Alp Valmorain. Während der Trinkpause dann ein unerwarteter, sensationeller Besuch: ein ausgewachsener Bartgeier kreiste über uns. Das war ein freudiges Ereignis! Der weitere Aufstieg verlief in annähernd direkter Linie bis kurz vor der Fuorcla Sassalba. Dort verweilten wir an etwas windgeschützter Stelle – der starke Wind hinderte uns länger zu pausieren. Vom nahen Muntet aus wurden wir beobachtet (siehe Bilder). Unterhalb der Fuorcla Sassalba – dort wo der eingeschneite Wegweiser steht, hielten wir nach Ost, um ziemlich steil weiter aufzusteigen. Unser Glück war, dass die Unterlage windgepresst war, sich also kräftezehrende Spurarbeit erübrigte. Steilstufe um Steilstufe bewältigend trotzten wir dem starken Wind. Erst in einer Mulde unterhalb des Gipfels erblickten wir das Gipfelkreuz des Piz Terza. Noch ein letzter Spurt, und schon standen wir alle gemeinsam ankommend oben – geschafft in 2 Std. 55 Min. Und das Beste kommt noch – nachlassender Wind! Grossartige Ausblicke nach allen Seiten (siehe Bilder); hier oben standen wir also auf der Landesgrenze (CH-I), weshalb der Piz Terza auch (typisch italienisch…) Urtirolaspitz heisst. Einziger Wermutstropfen: unser Senior Leon masakrierte seine Brille; jetzt machten sich die handwerklichen Künste Roland’s bemerkbar (Heftpflaster sei Dank!). Nach etwa 10 Min. Gipfelaufenthalt traten wir den Abstieg an; in einer weiter unten liegenden, windgeschützten Mulde holten wir Gipfelrast inkl. -trunk nach (danke Sepp!). Der weitere Abstieg auf der bekannten Aufstiegsstrecke ging dann etwas zügiger. Auf Valmorain schalteten wir nochmals eine Trinkpause ein. Kurze Zeit später beendeten wir in einen grossartigen und anspruchsvollen Tourentag – alle zurück bei guter Gesundheit- Herzliche Gratulation zur Grosstat!

Wetterverhältnisse:
Bilderbuch-Winterwetter (was denn sonst…), Temperaturen im Bereich -4 bis 8°.  Beste Schneeverhältnisse (Pulver, je nach Lage windgepresst), ziemlich starker Wind (bis ca. 40 km/h).

Ausrüstung:
Schneeschuhe, Stöcke, LVS/Schaufel/Sonde, GPS-Maschine

Lawinensituation:
Laut SLF: Stufe 1, gering

Parameter:
Tourdatum: 16. Januar 2020
Schwierigkeit: WT3+
Hin- und Rückfahrt: Kleinbus Fuldera – Lü (Gratis-P am Dorfeingang)
Strecke: 10.4 km: Lü (1922 m) – Valmorain (2193 m) – Fuorcla Sassalba (2618 m) – Piz Terza (2908 m) – Abstieg auf gleicher Strecke
Aufstieg: ca. 1001 m
Abstieg: ca. -999 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 6 Std. 15 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 4 Std. 25 Min.
Tageszeit: 09:00 bis 15:15 Uhr

Schneeschuh-Tourenwoche Val Müstair 3|5: Wellness-Runde Alp da Munt

Nach dem gestrigen Tourentag (Muntet) war heute eine Erholungstour angesagt – in der gewohnten Gruppenzusammensetzung und unter der bewährten Führung Roland’s machten wir uns mit dem Sportbus auf zur Talstation des Skigebiet Minschuns. Nach ersten Metern auf der Skipiste wurde es etwas monoton, also zweigten wir nach links ab ins steile Tiefschnee-Freeride-Gelände. Unser Führer hat eine Vorliebe für unverspurte Läufe😓 – uns gefiel das sehr… Erst steil hoch bis zu den aufragenden Felswänden unterhalb Motta Lischa, dann oberhalb der Alp da Munt nach Osten querend, dann die verkehrsarme schwarze Piste in Richtung Nord (vorsichtig) überquerend, dann eine windgepresste Kuppe übersteigend. Links stellte sich uns der Munt da la Bescha (2772 m) in die Quere, geradeaus der Piz Vallatscha (3021 m), an dessen Fuss die Bergstation des höchstgelegenen Skilifts des kleinen Skigebiets Minschuns, und vor uns der obere Eingang ins Valbella. Von weitem zu sehen waren ein paar Felsbocken und in der Nähe eine Regenmessstation – der ideale Platz für eine Mittagsrast. Solche Aussichten spornten unseren Führer (uns selbstverständlich auch…) gewaltig an – jedenfalls spurteten wir um die Wette, und landeten genau zur Mittagszeit. Da unsere Gruppe etwas rascher vorankam als diejenige von Heinz und Severin, konnten wir uns die besten Plätze sichern😀. Nach Eintreffen der Verfolger-Gruppe wurde es zwar etwas eng, aber jedenfalls genussvoll. Der Ausblick ins Valbella war phänomenal schön – einer unter uns meinte, dass dieses Tal bis zum Ofenpass bei diesen Verhältnissen mit Schneeschuhen gut zu machen sei; beinahe waren wir einer Meinung. Trotzdem und nach laaaaaaaaaanger Mittagsrast nahmen wir die «Rückreise» unter unsere «Tennisschläger». Wie es sich gehört, nicht auf direktem Weg zur Alp da Munt (wo es eine Beiz hat…!). Der kleine Umweg führte uns zur Fuorcla Funtauna da S-charl, von wo ein Abstieg zur Alp Astra resp. nach Tamangur Dadaint (2135 m) hinunter möglich wäre. Da wir uns aber für heute eine Erholungstour vorgenommen hatten, hatte Roland ein Einsehen und wählte schliesslich doch die Richtung zur Alp da Munt hinunter.  Doch erst gabs einen kurzen Zwischenaufstieg, dann der lustige Abfahrtsgalopp hinunter zur etwa 120 Hm tiefer stehenden Alpbeiz. Hier füllten wir unsere Getränkespeicher wieder auf, um die letzten 20 Minuten Abstieg zur Talstation Minschuns gut zu schaffen. Dieser letzte Abstieg verlief mitten durch die rätselhaft-mystischen Sanddolinen, welche wir schon im Herbst letzten Jahres bewunderten; hier wohnen die Bergfeen der Alp Munt. Tief verschneit sieht das Ganze aus wie eine grosse übersahnte Pavlova (hihihi…). Locker schafften wir den Rest des Abstiegs, um das bereitstehende Postauto zu besteigen… Nach diesem erholsamen Tag fühlten wir uns gut vorbereitet für höhere Aufgaben (siehe Bericht vom nachfolgenden Tag).

Wetterverhältnisse:
Bilderbuch-Winterwetter, Temperaturen im Bereich -5 bis 6°.  Beste Schneeverhältnisse (meist Pulver, je nach Lage leicht windgepresst), kaum störender Wind.

Ausrüstung:
Schneeschuhe, Stöcke, LVS/Schaufel/Sonde, GPS-Maschine

Lawinensituation:
Laut SLF: Stufe 1, gering

Parameter:
Tourdatum: 15. Januar 2020
Schwierigkeit: WT2-3
Hin- und Rückfahrt: Postauto (Sportbus) Fuldera – Skigebiet Minschuns
Strecke: 9.1 km: Talstation Minschuns (2130 m) – Motta Lischa – Valbella (ca. 2570 m) – Fuorcla Funtauna da S-charl (2392 m) – Alp da Munt (2212 m) – Talstation Minschuns
Aufstieg: ca. 520 m
Abstieg: ca. -520 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 6 Std. 25 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std. 40 Min.
Tageszeit: 09:30 bis 15:55 Uhr

Schneeschuh-Tourenwoche Val Müstair 2|5: Muntet 2762 m ab Lü

Bereits am Vorabend entschieden wir uns in der Gipfelstürmer-Gruppe, wiederum mit Roland zu laufen. Mit uns Doris&René, Hedy, Sepp, Leon (81!), Doris&Ruedi. Start kurz vor halb zehn ab Postautoendstation im Dörfchen (1920 m), der höchstgelegenen politischen Gemeinde der Schweiz. Ab Dorfende erst auf der Alpstrasse laufend, erreichten wir in knapp 40 Min. und nach 2.4 km die Verzweigung Alp Champatsch (P.2093). Jetzt folgte die Steilstufe Serrà 2233 m, die aber gut gespurt war. Bald auf dem Pass da Costainas (2250 m), einem der bekannten Mountainbike-Pässe Graubündens, angekommen, strahlte uns die Sonne entgegen. Jetzt die Richtungsänderung nach O, wo unter dem Dreitausender Piz Starlex das Tälchen Costainas in Aufstiegsrichtung hangseitig rechts durchlaufen wurde. Auf einer Höhe von ca. 2460 m (vor uns der Piz Cotschen) erneut eine Richtungsänderung nach S. Jetzt wurde der Blick frei zur noch 1 km entfernten Fuorcla Sassalba und rechts davon das Gipfelziel Muntet (wo wir mindestens vier Gämsen) erblicken konnten. Nach einer kurzen Trinkpause die letzten Aufstiegsmeter bis (fast) zum Pass; kurz davor hielten wir rechts, leicht aufsteigend, zu einem ca. 40 Hm oberhalb der Fuorcla liegenden Punkt, quasi einer Abkürzung gleich. Der hier oben erwartete Wind war harmlos. Jetzt noch der moderat steile Gipfelzustieg (400 m Strecke, 120 Hm, um 25 bis 28° Neigung, ca. 20 Minuten Laufzeit). Die Windverhältnisse erlaubten eine ausgedehnte Gipfelrast – bei diesen Fernsicht-Verhältnissen ein Genuss! Leider hatten sich die Gämsen verzogen. Unten auf der Fuorcla versammelte sich die Gruppe von Heinz und Severin in Hörweite. Und über ihnen das Gipfelziel von übermorgen Donnerstag – der Piz Terza (2908 m). Vom grandiosen 360°-Gipfelpanorama konnten wir uns kaum losreissen, aber unten wurden wir erwartet. 15 Minuten später der Zusammenschluss auf der Fuorcla Sassalba. Jetzt der weitere Abstieg auf immer weicher werdender Unterlage – fast schon ein Abfahrtsvergnügen. Auf der Alp Valmorain angelangt eine letzte Trinkpause. Und gegenüber links leuchtete der Fast-Viertausender König Ortler, unter uns das Münstertal mit Fuldera (bereits im Schatten liegend). Der weitere Abstieg nach Lü hinunter war fast schon ein vergnüglicher, jedenfalls hatten wir alle die Kraft, uns auszutauschen. Einzig der direkte Steil-Abstieg durch den Wald unmittelbar vor Lü erforderte noch etwas Konzentration. Auf den letzten Metern auf der Güterstrasse ins Dorfzentrum dann gemütliches Auslaufen. Zufrieden über einen tollen Tourentag leisteten wir uns im Restaurant Hirschen den Abschlusstrunk – in Erwartung des Postautos, das uns nach Fuldera hinunterbrachte. Am Abend dann folgte der krönende Abschluss beim Fünfgänger (aus Roman’s Gilden-Küche) und in Gesellschaft Gleichgesinnter.

Wetterverhältnisse:
Wieder dieses Bilderbuch-Winterwetter, Temperaturen im Bereich -8 bis 2°.  Ausgezeichnete Schneeverhältnisse (meist Pulver, je nach Lage leicht windgepresst), kaum störender Wind.

Ausrüstung:
Schneeschuhe, Stöcke, LVS/Schaufel/Sonde, GPS-Maschine

Lawinensituation:
Laut SLF: Stufe 1, gering

Parameter:
Tourdatum: 14. Januar 2020
Schwierigkeit: WT3
Hin- und Rückfahrt: Postauto Fuldera – Lü
Strecke: 12.7 km: Lü (1920 m), Lü Daint – P.1948 – P.2093 (Verzweigung Alp Champatsch) – Serrà – Pass da Costainas (2250 m) – Costainas – Fuorcla Sassalba (2618 m) – Muntet (2762 m) – Fuorcla Sassalba – Alp Valmorain (2193 m)
Aufstieg: ca. 850 m
Abstieg: ca. -870 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std. 30 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 4 Std. 10 Min.
Tageszeit: 09:25 bis 14:55 Uhr

Schneeschuh-Tourenwoche Val Müstair 1|5: Jufplaun-Runde ab Buffalora

Soviel im Voraus: selten hatten wir derart stabiles Winterwetter, wie in dieser Januar-Woche. Die schöne Unterkunft und die tolle Verpflegung im Landgasthof und Hotel Staila Fuldera liessen keine Wünsche offen, und das angebotene Programm mit fünf geführten Tagestouren (WT2-3) versprach einige durchaus anspruchsvolle Gipfelerlebnisse. Nach der Anreise der 20 TeilnehmerInnen am Sonntag folgte am späten Nachmittag eine ausgezeichnete Lawinenschulung, verbunden mit einer realistischen LVS-Übung. Auch wenn sich die Gefahrenstufe 1 (gering) für die kommenden Tage nicht veränderte, waren wir also gut vorbereitet und voller Erwartung darüber, was uns die drei Tourenleiter Heinz, Severin und Roland zu bieten hatten. Und die äusseren Bedingungen waren vorzüglich, 90 bis 130 cm Schnee, erträgliche Temperaturen um die Nullgradgrenze.

Montag, erster Tourentag:
Für heute war eine Einlauftour geplant mit Start ab Buffalora an der Ofenpassstrasse und an der Grenze des Schweizerischen Nationalparks: eine Runde zur Hochebene Jufplaun. Den Ausgangspunkt erreichten wir nach einer kurzen Postautofahrt über den Ofenpass. Aufgeteilt in zwei Gruppen – wir schlossen uns Roland an – starteten wir um 10:15 Uhr bei der Postautohaltestelle beim Berggasthaus Buffalora. Nach der Überquerung der weitgehend eingeschneiten Ova dal Fuorn nutzten wir eine der Spuren im offenen Gelände in Richtung Alp Buffalora. Die Alpgebäude liessen wir rechts stehen, nach Überquerung der Alpstrasse bei P.1994 erreichten wir den Wald. Im wunderschön eingeschneiten Bachbett der Ova da Buffalora (Aua da Murtaröl) stiegen wir weiter hoch, bald auf eigener Spur. Roland kannte das Gelände gut und führte uns souverän und in passendem Tempo. Am Eingang ins Val Murtaröl die Richtungsänderung, weiter durch lichten Wald und durch metertiefen Pulverschnee. Bald war die Waldgrenze erreicht und bei ca. 2260 m.ü.M. Döss da las Plattas. Hier verläuft der Sommerwanderweg in Richtung Il Jalet und Ofenpass. Nach einer weiteren Geländestufe – nunmehr voll an der Sonne – erreichten wir Jufplaun mit der schmucken Jagdhütte (2332 m.ü.M.). Wenige Meter danach war der heute höchstliegende Punkt (ca. 2363 m.ü.M.) erreicht. 500 m weiter standen wir am Abgrund; links der mächtige Piz Daint, vor uns das 250 Hm tiefer liegende, langgezogene Val Mora. Ein idealer, annähernd windstiller Platz, um (stehend) Mittagsrast abzuhalten – Tee, leckere Brote, Schoggi. Gut gestärkt verliessen wir den heute südlichsten Punkt, um leicht absteigend zur Chasa da Cunfin 2264 m.ü.M. (ehemaliger Grenzwachtposten und heute Erdbebenmessstation der ETH) zu gelangen. Vor uns nun der massige Munt Buffalora, unser Gipfelziel für den kommenden Freitag. Nun folgte der gemütliche und nicht steile Abstieg über windgepressten Schnee hinunter zur Jufplaun – mit Schneeschuhen herrlich zu laufen, weil gut tragend. Bei P.2220 die kleine Brücke über den Ova da Buffalora – Trinkpause. Das Vorhaben, den weiteren Abstieg im Bachbett und damit durch die kleine Schlucht zu machen, mussten wir aufgeben – zu wenig eingeschneit. Stattdessen wählte Roland eine spurlose Abstiegsroute entlang des Bachs durch tiefen Schnee – herrlich! Etwas flacher nun die Querung eines im Sommer wohl ziemlich feuchten Gebiets, was wir gelegentlich mit tiefen Einsinkern und ungefährlichen Fast-Stürzen🤣 registrierten. Am Eingang zum Val Murtaröl schloss sich die Runde. Nun folgten wir der Aufstiegsspur vom Vormittag, entlang des Bachbetts der Ova da Buffalora (Aua da Murtaröl). Bei P.1994 wieder die Alpstrasse überquerend, durchliefen wir nun wieder voll an der Sonne und bei angenehmer Temperatur die Ebene in Richtung Parkplatz P10. Eine letzte Hürde – die Überquerung der Ova dal Fuorn – und dann rein ins Berggasthaus Buffalora, wo wir die kurze Wartezeit in gemütlicher Runde verbrachten. Eine wunderbare Einlauftour war das – und ein tolles kameradschaftliches Erlebnis…

Wetterverhältnisse:
Bilderbuch-Winterwetter, Temperaturen im Bereich -5 bis 6°.  Ausgezeichnete Schneeverhältnisse (Pulver, je nach Lage leicht überdeckelt), für Schneeschuhläufer ideal, für Skitüreler suboptimal, kaum Wind, Spuren gut tragend, teilweise selbst gespurt…

Ausrüstung:
Schneeschuhe, Stöcke, LVS/Schaufel/Sonde, GPS-Maschine

Lawinensituation:
Laut SLF: Stufe 1, gering

Parameter:
Tourdatum: 13. Januar 2020
Schwierigkeit: WT2
Hin- und Rückfahrt: Postauto Fuldera – Buffalora
Strecke: 12.1 km: Buffalora 1967 m – Val Murtaröl – Jufplaun – P.2329 – Chasa da Cunfin 2264 m – P.2220 (Brücke) – entlang der Ova da Buffalora (Aua da Murtaröl) – Buffalora
Aufstieg: ca. 440 m
Abstieg: ca. -440 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 4 Std. 40 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std. 40 Min.
Tageszeit: 10:15 bis 14:55 Uhr

Chrüz (2195 m) – Winter-Überschreitung vom Stelserberg nach St. Antönien

Das Prättigau ist ein wahres Touren-Eldorado. Die «Gefahr» hier keine Spur nutzen zu können, ist meist klein (ausser nach ausgiebigem Schneefall). Das gilt besonders für den Panoramagipfel Chrüz; nach 2016 heute wieder einmal – zusammen mit unseren Gschpändli Susanne und Richi. Ab Schiers Bahnhof RhB die spektakuläre Postautofahrt auf der schmalen und steilen Bergstrasse, auf der in 23 Minuten mehr als 800 Hm überwunden werden. Bei der Endstation Stels Mottis (1467 m) am Stelserberg empfing uns eine mystisch eingenebelte Winterlandschaft mit Raureif an den Bäumen. Bei ca. null Grad schnallten wir unsere Geräte an die Füsse und marschierten wenige Meter auf der weiss geräumten Bergstrasse um diese bald bergseitig direkt aufsteigend in Richtung Stelserberg zu verlassen. Im Gelände lagen gut 70 cm Schnee (Pulver, kaum verharscht). Und eins war klar: der Chrampf der harten Spurarbeit blieb uns erspart. Auf gut angelegter Spur lagen 1-2 cm Neuschnee vom Vortag. Rechts unter uns das Fulried, unsere Spur führte auf einem Grätchen leicht absteigend bis zum Hof Pilidarscha. Beim markierten Punkt «Stöck» entledigten wir uns der obersten Schicht. Weiter direkt aufsteigend erreichten wir auf 1649 m das im Winterschlaf stehende Berghaus zum See – noch im Nebel. Wenige Meter nach dem Berghaus war es dann soweit: die Sonne drang durch und blendete herrlich in unsere Gesichter – und der Blick weitete sich zur im Norden auftauchenden massigen Drusenfluh. Beim P.1705 das Plateau «Zum See» mit dem eingeschneiten Stelserseelein. Der weitere Verlauf war nun gut zu überblicken – vor uns in ca. 2.4 km Luftlinie das Gipfelziel; dazwischen drei markante Geländestufen, die es auf- und absteigend zu überwinden galt. Die von uns gewählte Spur führte etwas steiler hoch zum P.1826, dann leicht absteigend zum Sattel (bei Drostolen). Von hier könnte man links haltend direkt nach St. Anthönien laufen. Links (nördlich also) die omnipräsente Drusenfluh mit ihren wunderschönen Türmen und rechts von ihr die ebenfalls eindrückliche Sulzfluh. Und weil die Strecke nun weitgehend östlich/südlich verlief, strahlte uns die Sonne unentwegt an (Schutzfaktor 50+ war angesagt). Hier bot sich die Gelegenheit, den von Susanne mitgebrachten Dreikönigskuchen zu geniessen – und Richi (wer denn sonst😎) war der 👑, allerdings mit der Auflage, die Krone bis zum Ende der Tour zu tragen… Nach einem weiteren Anstieg erreichten wir bei P. 2044 Gafäll. Hier taten sich unglaublich schöne Ausblicke auf für uns Unersättliche; die Weitsicht in Richtung S reichte ca. 60 km. Vor uns der sich 150 Hm eindrücklich auftürmende Gipfel, der auch links (östlich) umgangen werden könnte (Direktabstieg zur Alp Valpun). Rechts haltend würde man wohl nach Pany absteigen können; nicht ratsam wegen der Lawinengefahr an der SW-ausgerichteten Gipfelflanke. Unser Vorhaben war klar: ab durch die Mitte – der direkte und bis 35° steile Aufstieg führte auf immer erkennbarer, aber sehr steiler Spur auf dem Grat hoch, links und rechts verwächtet. Auch heute war an den tiefen Tritten gut zu erkennen, dass hier die Skitüreler tragen mussten – mit Schneeschuhen (und Steighilfen) war dieser (wenig ausgesetzte) Steilaufstieg nicht problematisch. Nach zwanzig Minuten Chrampf standen wir auf dem Chrüz (2196 m) – seit 2017 mit neuem Gipfelkreuz. Auf dem Gipfel war dann richtig was los – bestimmt dreissig Gleichgesinnte. Das 360°-Panorama hier oben ist ohne Übertreibung phänomenal – der Berg steht ziemlich allein. Die praktische Windstille brachte Richi dazu, mit seinem Gaskocher Schnee zu schmelzen uns einen frischen Kafi zu kochen – danke herzlich.

Die rassige und ziemlich steile «Abfahrt» zum 100 Meter tiefer stehenden Chlei Chrüz bei komfortabler Schneelage (ca. 1 m Pulver) liess unsere Schneeschuhläufer-Herzen höherschlagen. Auf dem kurzen Wiederaufstieg zum Chlei Chrüz (2102 m) galt es diesen oberhalb der Lawinenverbauungen zu überschreiten. Dann führte uns die lockere «Schussabfahrt» hinunter bis nahe der Alp Valpun (1882 m). Östlich der Alp führte der nunmehr markierte Trail links haltend direkt hinunter in Richtung Grossried/Leng Ried zum präparierten Winterwanderweg. Nach ein paar hundert Metern auf dem Winterwanderweg – der nicht verlassen werden darf (Wildruhezone Capelgin) – erreichten wir bei Sagen das kleine Skigebiet und den Skilift. Nahe der Piste der weitere Abstieg vorbei am Berggasthof Michelshof, und schon standen wir mitten im schmucken Dorfzentrum von St. Antönien. Das bereitstehende Postauto (Abfahrt 15:05) liessen wir abfahren – im uralten und schönen Walserhaus des Rhäthia genossen wir eine Runde Panaché. Um 15:44 Uhr dann Abfahrt mit dem Postauto nach Schiers hinunter. Den wunderschönen Tourentag liessen wir bei Theresa und Ignaz in Fläsch gediegen ausklingen! Unseren Tourenfreunden Susanne und Richi ein weiteres Mal herzlichen Dank für die wie immer kurzweilige Begleitung.

Wetterverhältnisse:
Herrliches Winterwetter, Temperaturen im Bereich 0 bis 8°.  Ausgezeichnete Schneeverhältnisse, gute Spuren…

Ausrüstung:
Schneeschuhe, Stöcke, LVS/Schaufel/Sonde, GPS

Lawinensituation:
Laut SLF: Stufe 2 mässig (zu meidende kleine Triebschnee- und Gleitschneeansammlungen)

Parameter:
Tourdatum: 5. Januar 2020
Schwierigkeit: WT3
Zufahrt zum Ausgangspunkt: Mini-Postauto (doppelt geführt) ab Bahnhof Schiers RhB bis End-Haltestelle Stels Mottis (Abfahrt 09:04, Ankunft 09:27)
Rückfahrt: Postauto ab St. Antönien Platz (Abfahrt 15:44) bis Küblis Bahnhof RhB, kurze Umsteigezeit auf die einfahrende RhB, die uns nach Schiers brachte
Strecke: 11.1 km: Stels Mottis, Postauto-End-Haltestelle P.1467 – Berghaus zum See – P. 1705 – Stelsersee – Sattel/Drostolen – Gafäll (P. 2042) – Chrüz (2195 m) – Chlei Chrüz (2102 m) – Alp Valpun (1822 m) – P.1720 (Grossried/Leng Ried) – Sagen – St. Antönien Platz (1420 m)
Aufstieg: ca. 750 m
Abstieg: ca. -930 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std. 30 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std. 30 Min.
Tageszeit: 09:30 bis 15:00 Uhr

Ruinaulta – Rheinschlucht im Winter

Wieder einmal unterwegs mit unseren Wanderfreunden Susanne und Richi. Am Vortag die Anreise mit einem längerem Shopping-Zwischenhalt in Landquart, gegen Abend eintreffend zum Feinschmecker-Aufenthalt im schönen Gasthaus zum Brunnen in Valendas bei Elvira Solèr Althof und Matthias Althof. Uns war schon klar, dass dieser genussreichen Feinschmeckerei ein Tag der Taten folgen sollte (musste!). Eine Wanderung durch die spektakuläre, winterliche Rheinschlucht/Ruinaulta – der romanische Name ist zusammengesetzt aus den Wörtern Ruina (Geröllhalde/Steinbruch) und aulta (hoch) – eigentlich geplant bis Reichenau; doch es kam anders…

Bei Bahnhof Ilanz/Glion starteten wir bei Minusgraden, aber bei Windstille (weiter oben sorgte das Sturmtief Toni für Turbulenzen). Am östlichen Rand der ersten Stadt am Rhein überquerten wir den Glogn, um dann sofort nach links zu halten. Die RhB-Linie unterquerend, gelangten wir dorthin, wo der Glogn in den Vorderrhein mündet. Bei noch frostiger Witterung durchwanderten wir die ruhige Auenlandschaft, welche sich im winterlichen Kleid dekorativ präsentierte. Entlang des Ufers, hier als Rein Anteriur bezeichnet, und der RhB-Bahnlinie, vorbei am Dorf Castrisch, erreichten wir Isla Sut. Gegenüber die Dörfer Schluein und Sagogn, weiter oben Falera. Jetzt verengte sich das Gelände, gegenüber die hundert Meter hohen Flühe der Plaun – der Beginn der Rheinschlucht. Bis zur Station Valendas-Sagogn verlief der winterliche Pfad immer hart am Ufer und zwischen Bahnlinie und Vorderrhein. Bald war die Brücke erreicht, wo die Strassenverbindung nach Sagogn führt. Gleich danach das RhB-Bahnhöfli, wo jetzt das «Besenbeizli Zwischenstation» eingerichtet ist – Gelegenheit für einen Tee. Anschliessend der kurze Weg zurück zum Bahnübergang, dann auf den ersten paar hundert Metern entlang der Geleise. Jetzt öffnete sich die eindrückliche Erosionslandschaft. Hier ereignete sich vor ca. 10000 Jahren der Flimser Bergsturz, dessen hunderte von Metern hohe Schuttmassen den Vorderrhein begruben. In der Folge bildete sich der ca. 25 km lange Ilanzer See. Mit der Zeit schnitt sich der Fluss jedoch tief in die Schuttmassen ein. Der Ilanzer See floss ab und die Rheinschlucht entstand. Auf beiden Seiten des Flusses bildeten sich bis zu 350 m hohe Sandstein-Steilwände. Auf den Wegen in der Rheinschlucht vermitteln zahlreiche Tafeln Wissenswertes. Obwohl wir vier die Ruinaulta bereits kannten, verzückte uns diese bizarre Landschaft erneut. In der Au mündet ein aus dem Carreratobel fliessendes Rinnsal, gegenüber die Ruinas dallas Foppas. Kurz vor Isla stiegen wir in Richtung Carrera auf, um dann einige Meter über den Gebäuden von Isla zu queren. Hier an der Islahalda bot sich ein toller Ausblick. Ennet dem Vorderrhein Spunda da Zir – so wird der linksufrige Sporn in der Schlaufe des Vorderrheins zwischen den Ruinas dallas Foppas und der Ruin’Aulta bezeichnet. Kurz vor der Station Versam-Safien der Blick zu eben der Ruin’Aulta mit ihren Felshöhlen und Sandsteintürmen. Hier verläuft die Spur auf dem Grat der Schutzwälle, welche die Bahnlinie vor Stein- und Felssturz schützt. Bald war auch unser Zwischenziel, die Station Versam-Safien, erreicht. Wenn das keine gute Zeitplanung war! Acht Minuten bis zur Einfahrt des RhB-Zugs, der uns in sieben Minuten zur Station Trin brachte. Dieser Abschnitt der Rheinschlucht kann nämlich nur bis zur Eisenbahnbrücke Chrumwag – also nicht durchgehend – begangen werden. Ab Bahnhof Trin wollten wir (eigentlich) am linken Ufer dem Wanderweg folgend weiter wandern bis zur Station Reichenau-Tamins (ca. 5.5 km). Bei der Hängebrücke Punt Ruinaulta dann die Überraschung: «Wanderweg gesperrt» (wahrscheinlich Steinschlaggefahr). Die Alternativen (Wanderung nach Trin oder Bonaduz) verwarfen wir grossmehrheitlich. Also verbrachten wir die Wartezeit im (beheizten) Mini-Warteraum des Bahnhöflis und mit dem Kauf der Tickets («EasyRide» wegen fehlender Onlineverbindung nicht möglich😣). Den «Halt auf Verlangen»-Knopf mussten wir auch noch im Auge behalten – richtig viel Stress also… Die 25minütige Fahrt mit der Unesco-Welterbe-Bahn bis nach Ilanz war dann ein abschliessendes Vergnügen. Ein wunderschöner Tag in einer ebensolchen Landschaft haben wir erlebt mit Susanne und Richi; so macht es Spass – engraziel fetg.

Wetterverhältnisse:
Klar, winterlich (ca. 10 cm Pulverschnee), beim Start ca. -5°, im Tagesverlauf bis 7°, windstill

Ausrüstung:
Stöcke, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 15. Dezember 2019
Schwierigkeit: T1-T2
Strecke: 11.7 km, Ilanz (Bahnhof) 698 m – Brücke über die Glogn – Mulin Sut 686 m – Castrisch P.705 m – Isla Sut – P.672 – Stn. Valendas-Saogn 6669 m – Au (Carreratobel) – Isla – Islahalda – Stn. Versam-Safien 635 m – Rückfahrt RhB bis Ilanz
Aufstieg: ca. 240 m
Abstieg: ca. -300 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 3 Std. 35 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std.
Tageszeit: 09:55 bis 13:30 Uhr

Biosfera Val Müstair 3|3: Lü – Alp Tabladatsch – Lai da Valpaschun – Lü

Der Wetterwechsel trat wie vorausgesagt ein – nach zwei wunderschönen Wandertagen gab es heute dennoch eine Kurzwanderung unter dem Motto «Es gibt kein schlechtes Wetter, lediglich schlechte Kleidung». Michaels Idee, ins Bergdorf Lü hochzufahren, passte. Lü hat den inoffiziellen Titel als höchstgelegene Gemeinde Europas vor zehn Jahren verloren. Dafür trägt Lü einen anderen Titel: von Astronomen wurde das Bündner Bergdorf als dunkelster Flecken der Schweiz entdeckt (kein Lichtersmog!) Die Fahrt ab unserem Standort Fuldera über Lüsai nach dauerte knappe zehn Minuten. Eingangs des auf einer prächtigen Sonnenterrasse liegenden Dorfes stehen Gratis-P zur Verfügung. Das Begrüssungskomitee stand auch schon bereit: eine Herde neugieriger Alpakas (oder waren es Lamas – wir können diese Neuweltkamele nie richtig auseinanderhalten). Bei mittlerweile trockener Witterung (und so sollte es heute bleiben…) starteten wir durch die Dorfmitte; vorbei an der Kirche und am (heute leider geschlossenen) Restaurant Hirschen bogen wir rechts ab (WW w-r-w Richtung Alp Tabladatsch). Über Weiden und durch lichten Wald erreichten wir nach Bual die von Urschai kommende Fahrstrasse. Auf dieser leicht steigend bis P.2081 (Bos-chetta), dann eine die Strasse unterbrechende Baustelle überwindend (Wasserversorgung) weiter steigend bis zur Aua da Maini. Die anfänglich getrübte Sicht ins Val Müstair und zu den dieses SW überragenden Pizzen Dora, Chazforà, Turettas heiterte auf – die Sonne allerdings schaffte es nicht. Sogar den Wasserfall der Aua da Rims, der den Lai da Rims entleert, war zu sehen. Der Ortler hingegen versteckte sich vornehm in den Wolken. Nach dieser Ablenkung war die geschlossene Alp Valmorain bald erreicht, und wenige Minuten später auch die ebenfalls geschlossene Alp Tabladatsch, mit 2245 m.ü.M. der höchste Punkt unserer heutigen Wanderung. Unterhalb der Plaun Muntea leicht absteigend, erst über Weiden, dann durch schönen und leuchtenden Wald, erreichten wir den kleinen, idyllischen Lai da Valpaschun (2170 m). Hier fanden wir auf einer abgetrockneten Felsplatte eine idealen Rastplatz. Michaels mitgebrachte Überraschung – eine Panettone – mundete bestens, wie auch schon (Piz Beverin…). Lange hielten wir es nicht aus, denn die Witterung trübte wieder ein. Der steilere Abstieg zur Alp Sot (2053 m) war trocken und deshalb unschwierig. Hier drehte die Richtung nach W, bis Urschai (2012) erreicht war. Vorbei an ein paar schön gelegenen Maiensässen galoppierten wir dem Ausgangspunkt Lü entgegen. Kurz vor dem Dorf wurden wir abgelenkt von hübschen Schnitzereien, welche wahrscheinlich von Waldarbeitern erstellt wurden – sehr schön! Und eingangs Lü folgte dann noch eine Art Ausstellung modernster Architektur – Einfamilienhäuser, welche mit den Altbauten kontrastierten) – wem es gefällt…

Fazit:
Eine trotz (oder gerade der Witterung wegen) überraschende Kurzwanderung zum Abschluss dieses verlängerten Wanderwochenendes in der Biosfera Val Müstair. Jetzt freuen wir uns auf die Schneeschuh-Tourenwoche Mitte Januar 2020.

Wetterverhältnisse:
Unten grau, oben grau, nie aber trübe (Stimmung), 5 bis 10°

Hilfsmittel:
Stöcke, Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 28. Oktober 2019

Schwierigkeit: T2
Strecke: 8.5 km, Lü 1916 m – Bual – P.2081 (Bos-chetta) – Valmorain 2193 m – Alp Tabladatsch 2241 m – P.2196 – Lai da Valpaschun 2170 m – Alp Sot 2060 m – Urschai, P.2011 – P.11971 – Lü
Aufstieg: ca. 385 m
Abstieg: ca. -385 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 3 Std. 20 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 2 Std. 25 Min.
Tageszeit: 11:45 bis 15:05 Uhr