Archiv der Kategorie: Graubünden

Müstair/Taufers – Mitterwaal – Glurns

Unsere Wanderung starteten wir in Müstair (Bushalt Cunfin), kurz vor der Grenze zu Italien, wo wir den Startkafi genossen. Dann zu Fuss über die Grenze in Richtung Taufers i. M., bei den ersten Häusern rechts weg zum Rambach nach Puntweil, vorbei am schönen Kirchlein. Nach der Brücke über den Rambach (wie vor ein paar Tagen auch schon) auf die eigentlich gesperrte Strasse, über den rauschenden Saruestabach. Vorbei an P.1142, wo es zum Piz Chavalatsch hochginge. Beim ersten Gebäude kurz vor Rifair verliessen wir den Weg Nr. 9 und hielten nach rechts auf den Urfichtenweg 9A. Dieser Pfad führt ziemlich ruppig, aber gut markiert etwa siebzig Höhenmeter hoch durch Fichtenwald, viel Fallholz, vielleicht sogar Sturmholz. Am höchstgelegenen Punkt eine von drei Urfichten, um die 400 bis 500 Jahre alt, 40 m hoch, Durchmesser 135 cm, 425 cm Umfang; für eine Umarmung bräuchte es die Arme von vier bis fünf Personen. Zur Information: vor einem halben Jahrhundert wachten noch ein Dutzend Fichtenpatriarchen über Rifair. Nun gibt es nur noch drei Fichten, die überlebt haben. Die Ruhe dieser Naturoase ist jedoch nach wie vor ein grosser Genuss. Und übrigens: hier liegt der nördlichst gelegene Teil des Nationalpark Stilfserjoch. Der Abstieg auf dem Urfichtenrundweg führt durch eine wilde Gegend oberhalb Rifair, vorbei an zwei weiteren Uraltfichten. Leider bekamen wir den Fichtenkreuzschnabel nicht zu Gesicht. Am unteren Ende des Rundwegs eine Baustelle; hier wird wohl eine neue Wanderwegbrücke über das Wildwasser des Laafbachs gebaut. Ein kurzes Stück zurück, und schon war der Normalweg Nr. 9 wieder erreicht. Wunderschön diese Strecke (auch eine tolle Bikeroute!) dem Rambach entlang, der lichte Wald von Grauerlen dominiert. An der engsten Stelle waren am gegenüberliegenden Ufer die Spuren der Eiszeit zu bewundern: als das Eis schmolz, war der seitliche Druck weg und die Schuttmassen verloren den Halt. Turnauna heissen diese attraktiven Murkegel. Übrigens: unweit, nordöstlich und oberhalb von Taufers, verläuft der noch heute wasserführende Turnaunawaalweg, den wir auch schon bewanderten. Im Münstertal, im Vinschgau und im Südtirol gibt es viele Waale; das sind Bewässerungskanäle, wie sie unter der Bezeichnung Suone auch im Wallis bekannt sind. Ein Grossteil dieser ehemaligen Waale führen heute kaum mehr Wasser, weil sie durch moderne Bewässerungssysteme ersetzt wurden. Entlang dieser Waale führen äusserst attraktive Wanderwege. Einem solchen gilt heute unsere Aufmerksamkeit: Mitterwaal. Kurz bevor der Rambachweg bei der Calvenbrücke endet, verliessen wir diesen auf einen markierten Pfad, der bei ungenügender Aufmerksamkeit leicht verpasst wird. Nach wenigen Metern Aufstieg hatten wir den Waalweg erreicht; erwartungsgemäss trocken und von der Natur bereits einvernahmt. Der angenehme Pfad durch den dichten Mischwald vermittelt das Gefühl, weit weg von der Zivilisation zu sein. Das täuscht natürlich, denn der Lärm von der nahen Ofenpassstrasse begleitete uns. Ungefähr auf der Höhe der Calvenbrücke überwanden wir über zwei Serpentinen etwa hundert Höhenmeter, verliessen also den Waalweg nach SO. Ziel war die über Glurns stehende Kapelle St. Martin. Während des Aufstiegs begleitete uns eine neue Lärmquelle: am gegenüberliegenden Felshang oberhalb der Strasse nach Laatsch wurden Rettungsflüge durchgeführt. Gut zu erkennen, dass auf einem Felsvorsprung einige Leute auf die «Rettung» warteten. Von Einheimischen erfuhren wir, dass es glücklicherweise kein Notfall war, sondern eine ziemlich aufwändige Übung (trotz Sonntag/Muttertag). So belästigt fanden wir den Aufstieg nicht gerade vergnüglich. Bald folgte ein knackiger, leicht ausgesetzter, jedenfalls steiler Aufstieg. Schliesslich war im Gebiet Bosco Plazut der heute höchstgelegenen Punkt um ca.  1255 m.ü.M. erreicht, und der Lärm des Helis verstummte. Nun folgte der Abstieg in Richtung SO, unterwegs verpassten wir die Direttissima zur Kapelle. Also holten wir etwas weiter aus, dafür fanden wir oberhalb der Kapelle einen aussichtsreich gelegenen Rastplatz für die Mittagespause. Aussicht zum Reschenpass und nach Mals und Glurns. So machts Freude! Gut erholt (und genährt) machten wir uns nach der ausgiebigen Pause auf den restlichen Abstieg vorbei an der schön gelegenen Kapelle St. Martin und danach einer Weide mit fröhlichen Ziegen. Schnurgerade der Weg hinunter nach Glurns, mit bester Aussicht auf den landwirtschaftlich intensiv genutzten oberen Vinschgau. Bei der im spätgotischen Stil erbauten Kirche St. Pankratius erreichten wir das Städtchen Glurns, welches von einer noch vollständig erhaltenen Ringmauer umgeben ist. Eine Brücke führt über die Etsch, in welche einige Meter zuvor der Rambach mündet. Durch das Tauferer Tor betraten wir den schönen Ortskern mit dem schmucken Platz. Und natürlich landeten wir in einem der vielen Restaurants, im altehrwürdigen Gasthaus zum grünen Baum, wo wir beim Bier abkühlten. Angenehmer kann man die Wartezeit bis zum Eintreffen des Postautos (halbstündige Verbindung in Richtung CH) nicht überbrücken… Viva!

Fazit:
Eine spannende, abwechslungsreiche Wanderung, die auch einiges an Kultur bot. Das Ende in Glurns bei schon fast hochsommerlichem Wetter.

Wetterverhältnisse:
Frühlingshaft und sonnig mit freundlicher Bewölkung, ca. 12 bis 22° C, kaum Wind

Ausrüstung:
Bergwanderschuhe, Stöcke, Kartenmaterial SchweizMobil, GPS

Parameter:
Tourdatum: 12. Mai 2024
Schwierigkeit: T1-2
Strecke: 12.4 km, Müstair, Cunfin (1247 m) – Puntweil (1220 m) – P.1142 – Rifair, Urfichtenweg – Rifair, Rambach – Abazzasbach – Mitterwaal – Kapelle St. Martin (1077 m) – Glurns (914 m)
Aufstieg: ca. 447 m
Abstieg: ca. -779 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 4 Std. 55 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std. 25 Min.
Tageszeit: 09:40 bis 14:35 Uhr

Panoramawanderung Lü – Craistas – Hof Terza

Heute der zweite Schönwettertag im Val Müstair. Die Schneelage über ca. 2200 m.ü.M. verleitet uns wieder einmal, die Panoramawanderung zu den Alpen Terza zu unternehmen – nicht zuletzt, weil Monica ihr Bergrestaurant nach der Winterpause wieder geöffnet hat. Zur Erinnerung: dort gibt es unserer Meinung nach die beste Nusstorte.

Also, nach der Postautofahrt nach starteten wir heute direkt bei der Post auf dem unmarkierten Pfad hoch zur (neuen) Wasserfassung; die Weiden noch nicht bestossen. Nach dem kurzen Aufstieg erreichten wir die Alpstrasse nach Valmorain und Tabladatsch, auf welcher wir das kürze Stück zur Verzweigung Urschai hinunterliefen. Lag hier, auf der Strecke nach Craistas, vor vier Wochen noch viel Schnee, fanden wir nur noch vereinzelte schneebedeckte Stellen. Oberhalb Craistas hielten wir die Höhe, um über Plaun Puzzin ins Tälchen der Vallatscha zu wandern. Am teilrenovierten Gebäude Tablà Nair vorbei erreichten wir wenig später die Alpstrasse Via Munt Terza. Jetzt hundertfünfzig Höhenmeter Abstieg, sehr aussichtsreich wie immer, bis zum Zwischenziel – gerade rechtzeitig zur Mittageszeit. Auf der schönen und mittlerweile vollständig neu möblierten Aussichtsterrasse genossen wir Monica’s Pizzoccheri, einfach lecker (siehe Bild), danach noch frisch gemachte Erbeerroulade. Anschliessend der obligate Einkauf (Nusstorten und Hirschsalsize). Gut erholt und mit vollgepackten Rucksäcken verabschiedeten wir uns, der Abstieg ins fünfhundert Meter tiefer liegende Sta. Maria vor uns. Erst auf der Alpstrasse, verliessen wir diese bei P.1759, um über den markierten WW abzusteigen. Wunderbares Alpgelände, aktuell noch nicht bestossen, vorbei an alten Lärchen. An der Verzweigung nach Müstair (Cremeschnittenweg) auf Plaun da Sach bei P.1640 hielten wir in Richtung Sta. Maria. Im Gebiet Spinatscha wurden gerade neue Weidezäune eingeriichtet – ein Schwatz mit dem jungen Einheimischen war richtig wohltuend. Nach der Durchquerung des Tälchens der Vallatscha führte der WW direkt beim Hof Pütschai Josom vorbei – wo wir Vreni Lambrecht beim Unkrautjäten erschreckten. Auch hier natürlich ein längerer Schwatz, eine sehr nette Begegnung! Der weitere Abstieg führte ab P.1503 dem Waldrand entlang direkt hinunter, die Serpentinen der Fahrstrasse meidend. Bei den Pferdestallungen über die Rom-Brücke, vorbei an der Muglin Mall (in diesem Jahr Jubiläum «20 ons Società Amis Muglin Mall» mit vielen Anlässen). Im Zentrum von Sta. Maria angekommen, bestiegen wir nach kurzer Wartezeit das Postauto, welches und nach Fuldera zurückbrachte.

Fazit:
Eine wie immer schöne Panoramawanderung vom Feinsten, heute mit schönen Begegnungen.

Wetterverhältnisse:
Bis zur Mittagszeit sonnig mit Bewölkung, danach nur noch Sonne und blauer Himmel, kaum störender Wind aus O, ca. 14 bis 18°.

Hilfsmittel:
Bergwanderschuhe, Stöcke, Kartenmaterial SchweizMobil, GPS

Parameter:
Tour-Datum: 10. Mai 2024

Schwierigkeit: T2
Strecke: 11.3 km, Lü (1922 m) – Bual – Aua da Maini – Urschai (2011 m) – P.2024 (Holzplatz, Verzweigung WW Valpaschun – Craistas – Plaun Puzzin – Vallatscha – Tablà Nair (P.2006) – Hof Terza (ca. 1850 m) – Via Munt Terza bis P.1759 – Plaun da Sach P.1640 (Verzweigung Cremeschnittenweg) – Spinatscha – Val Vallatscha – Pütschai Josom – P.1503, Do Mundaditschas – Pizzet Sot – P.1347 – Brücke Il Rom (1342 m) – Sta. Maria Val Müstair (1376 m)
Aufstieg: ca. 320 m
Abstieg: ca. -870 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std. 15 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std. 15 Min.
Tageszeit: 10:15 bis 15:30 Uhr

Rundwanderung Müstair – Ruina dal chaste Balcun At – Taufers

Unsere Wanderung starteten wir in Müstair beim Claustra Son Jon. Nach Überquerung der Hauptstrasse gelangten wir zum Rombach um diesen bald zu überqueren. Erst gemächlich über Pradalai führte das Strässchen links eines Bächleins hoch zu P.1317. Ab dort führt ein steiler, aber gepflegter Bergweg hoch zur Ruina dal chaste Balcun At, welche in einem südausgerichteten Bogen über Valler Clastra erreicht wird. Die Ruine der ehemaligen Burg von Balcun At ist eine ehemalige Höhenburg auf dem Gebiet der Gemeinde Müstair im unteren Münstertal GR. Die spärlichen Mauerreste liegen ca. 240 Meter über der Talsohle im Osten des Dorfes auf dem Sporn einer steilen Geländerippe am Südrand des Val Brüna. Mehr zur Geschichte hier. Der kurze Aufstieg lohnt sich alleine der (ehemals strategischen) Aussicht wegen. Der Abstieg führte über Aufstiegsstrecke, abwechslungsreich durch bewaldetes und steiles Gebiet. Ab Spinai dann wieder dem Bächlein entlang hinunter, um bei nächster Gelegenheit scharf nach rechts zu halten, hoch zum reizvoll am Waldrand gelegenen Haus Bain dal Ramüttel und dem Bildstöcklein. Von hier dem Waldrand entlang gemütlich der Abstieg zum Rombach, wo wir am rechtsliegenden Ufer bei Puntweil die grüne Grenze nach Italien überschreiten. Nach der Stauwehr bogen wir rechts weg (das seit Wochen bestehende Durchgangsverbot respektlos missachtend), um etwas höher dem Rambach entlangzulaufen. Nach einem kurzen Waldstück der gut eingerichtete Rastplatz, wo wir unsere mitgebrachten Leckereien genossen. Unmittelbar beim Rastplatz der Abstieg zum Rambach, über ein Brücklein durch wildes Ufergebiet, dann folgte der kurze, steile Aufstieg zu einer Entsorgungsstelle. An dieser vorbei über offenes Gelände leicht ansteigend zum hundert Meter höher liegenden Dorf Taufers i. M. In der schönen und engen Dorfmitte hielten wir nach links in Richtung westlichem Ortsrand – dort wo das uns bekannte Restaurant Alte Dreschmaschine steht (heute noch geschlossen, letzter Tag der Ferienzeit). Am Angang zum Avignatal führte unsere Wanderung durch schönstes Wiesland über den Valgarolabach und schliesslich zur Landesgrenze I-CH. Leicht absteigend und vorbei an friedlich weidenden Tieren, erreichten wir das Claustra Son Jon und Müstair von Norden. Auf der gegenüberliegenden Talseite war die Ruina dal chaste Balcun At zu erkennen, dank der im Wind leicht wehenden Fahne.

Fazit:
Eine sehr abwechslungsreiche, mit Ausnahme des Auf-/Abstiegs zur Ruina dal chaste Balcun At leichte Rundwanderung durch reizvolles Grenzland im unteren Val Müstair.

Wetterverhältnisse:
Im Val Müstair ist der Frühling angekommen, sonnig, ca. 8 bis 18° C, kaum Wind

Ausrüstung:
Bergwanderschuhe, Stöcke, Kartenmaterial SchweizMobil, GPS

Parameter:
Tourdatum: 9. Mai 2024
Schwierigkeit: T1-2
Strecke: 9.6 km, Müstair, Claustra Son Jon (1237 m) – Rombach – Pradalai – Spinai, P.1317 – Valler Clastra – Ruina dal chaste Balcun At (1480 m) – Bain dal Ramüttel (1290 m) – Puntweil (1220 m) – kurz vor Rifair Brücklein über den Rambach – Taufers (1239 m) – P.1298 (bei der Alten Dreschmachine) – Brücklein über den Valgarolabach – Landesgrenze I-CH – P.1327, Aua da Vallatscha – P.1277, Fradetsch – Müstair, Claustra Son Jon
Aufstieg: ca. 486 m
Abstieg: ca. -495 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 4 Std. 08 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std. 06 Min.
Tageszeit: 10:10 bis 14:20 Uhr

Lü – Craistas – Fuldera, und ein überraschender Besuch aus der Luft

Ja, wir geben es zu: das Val Müstair hat es uns sehr angetan, zu allen Jahreszeiten. Seit Herbst 2019 haben wir uns beinahe 80 Tage in diesem Paradies aufgehalten. Jetzt, wo die Wintersaison vorbei ist und der Schnee rasch schmilzt, ist es besonders reizvoll. Für heute war eine Kurzwanderung geplant: mit dem Postauto nach , von dort einige wenige Höhenmeter hoch bis Urschai, weiter nach Craistas und über Valpaschun hinunter nach Fuldera – mal sehen, ob noch Schnee liegt. So viel im Voraus: Schneeschuhe wären durchaus nützlich gewesen… Zwar konnten wir ohne einzusinken laufen, aber einen halben Meter vom Weiss lag schon noch auf dem Alpweg. Ein Genuss war es ohnehin, zumal wir heute tierisches erlebten. Auf Lamprechts Hof in Craistas leben Schweine, Kühe, Rinder, darunter ein besonders gwundriges Jungtier (siehe Foto). Einen Kilometer weiter, im Weiler Valpaschun dann der Blick zum grauen Himmel: ein Bartgeierpaar über uns scannte die Umgebung – Freude herrschte! Der restliche Abstieg über knapp 200 Hm führte dann mangels Wanderweg auf der geteerten, aber verkehrsarmen Via Valpaschun nach Furom hinunter und ab dort der kurze Weg entlang der Ofenpassstrasse nach Fuldera.

Fazit:
Übergangszeit im Val Müstair, Fuldera grösstenteils unter einer geschlossenen Schneedecke, aber bei diesen Temperaturen mindert sich diese rasch.

Wetterverhältnisse:
Heute ein weiterer herrlicher Frühlingstag, der Sonnenschein getrübt durch den Saharasand, Temperaturen im Bereich ca. 18 bis 20° C, Wind 8 km/h NO

Ausrüstung:
Bergwanderschuhe, Kartenmaterial SchweizMobil, GPS

Parameter:
Tourdatum: 7. April 2024
Schwierigkeit: T1-2
Strecke: 8.5 km, Lü (1916 m) – Urschai (2011 m) – P.2024 – Alp Sot – Craistas (1875 m) – Valpaschun (1769 m) – Stabels (1654 m) – Furom (1604 m) – Fuldera (1640 m)
Aufstieg: ca. 172 m
Abstieg: ca. -424 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 2 Std. 25 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 2 Std. 15 Min.
Tageszeit: 14:15 bis 16:40 Uhr

Dem Rom entlang von Müstair durch den Calvenwald bis Mals (Vinschgau)

Heute wanderten wir kurzzeitig aus nach Italien – in den Vinschgau! Eigentlich war geplant, ab Taufers die Strecke hoch über dem Calvenwald zur Lovareihütte und von dort nach Laatsch abzusteigen. Ein Felssturz hatte im November 2019 dafür gesorgt, dass die Querung im hanginstabilen Gebiet oberhalb des Calvenwalds auf einer Höhe von ca. 1500 m.ü.M. nicht zu begehen war. Darauf haben uns Einheimische hingewiesen, als sie von unseren Plänen hörten. Nicht so wie wir von Swisstopo gewohnt sind, lieferte uns italienisches Kartenmaterial keine aktuellen Hinweise. Also Planänderung: ab Müstair die leichte Talwanderung auf guten Wanderwegen, Nebenstrassen durch den Calvenwald. Schöne alte Kulturlandschaft und geschichtsträchtiger Boden locken zur „Erforschung“ der wechselvollen Geschichte des Münstertals. Schliesslich wurde im Gebiet am 22. Mai 1499 die Schlacht an der Calven (Battaglia da Chalavaina) zwischen den Drei Bünden und dem Schwäbischen Bund ausgetragen. Die kriegerische Auseinandersetzung in der Talenge auf dem Gebiet der GemeindenTaufers und Mals war Teil des Schwabenkriegs. Mehr Infos hier. Der Sieg an der Calven im Schwabenkrieg gilt als eigentliche Geburtsstunde des Freistaats der Drei Bünde. So viel Geschichte muss sein!

Unsere Wanderung starteten wir nach kurzer Postautofahrt in Müstair; im zentral gelegenen Hotel Helvetia, einem der aktuell wenigen geöffneten Betriebe im Val Müstair, gab es den Startkafi – am Stammtisch und nach einem lebhaften Austausch mit einigen Einheimischen. Kurz vor zehn Uhr starteten wir, der Weg führte vorbei am UNESCO Welterbe Benediktinerinnenkloster St. Johann. Kurz danach und nach Überquerung der Hauptstrasse gelangten wir zum Rombach um diesen bald zu überqueren. Am rechtsliegenden Ufer überschritten wir bei Puntweil die grüne Grenze nach Italien. Die im Schatten des Piz Chalavatsch gelegene Talseite interessierte uns wenig, viel mehr der freie Blick nach Taufers hinüber und im Hintergrund der Piz Terza und Piz Starlex und der Einschnitt ins Val d’Avigna. Weiter östlich, am Fuss des Tellakopf die markanten Burgruinen Rotund und Reichenberg und die Kirche St. Martin. Der dem Rambach (so heisst der Bach in Italien) entlangführende WW war gesperrt wegen Holzschlag; trotz arbeitsfreiem Samstag wagten wir die Begehung nicht. Also die kurze Umleitung hoch zum südlichen Dorfende von Taufers, dann dem Valgarolabach entlang durch Landwirtschaftsland zum Rambach hinunter, links und rechts güllten die Bauern aus vollen Rohren – also volles Aroma. An der «idyllischen» Entsorgungsstelle vorbei fanden wir den steilen Abstieg zum Rambach hinunter, wo wir die etwas verborgen liegende kleine Brücke fanden. Jetzt wieder auf der ursprünglich geplanten rechtsufrigen Strecke nach Rifair hinunter. Dort schon wieder ein allgemeines Begehungsverbot: ein einheimischer Bauer ermunterte uns, das Verbot zu missachten, schliesslich werde heute Samstag ohnehin nicht gearbeitet und ausserdem sei das halt die grassierende Bürokratie… Die folgende drei Kilometer lohnten sich dann schon, das Tal verengte sich zu einem Tälchen, wunderbare und geologisch spannende Erosionslandschaft. Einige schön gelegene Rastplätze lagen halt jahreszeitlich bedingt noch im Schatten, also liefen wir weiter bis zur Calvenbrücke. Oberhalb der eindrückliche und bedrohlich wirkende Felssturzhang; eine Wegführung war nicht auszumachen, also fühlten wir uns in der Routenwahl bestätigt. Bald passierten wir die Stelle mit dem Schlacht-Mahnmal. Nach der Unterquerung der SS41 fanden wir nahe des Sportplatzes kurz vor Laatsch eine an der prallen Sonne stehende Bank; die Gelegenheit für die Mittagsrast, bei 20° im Schatten(!). Grosses Glück, dass uns das Schokoladendessert nicht wegschmolz… Der Weiterweg nach Laatsch führte der Hauptstrasse entlang, jedoch auf dem Radweg – sehr schön angelegt. Das Dorf mit dem schönen Ortskern durchquerten wir in nordöstlicher Richtung und über offenes Land, vorbei an ersten Obstplantagen, weiter im Osten die Dreitausender der Südtiroler Hochalpen, sogar der Blick zum Ortler wurde frei. Schliesslich kamen wir noch ordentlich ins Schwitzen, weil wir den Aufstieg zum Bahnhof Mals unterschätzten und das ab dort fahrende CH-Postauto erreichen wollten. Das schafften wir schliesslich mit einer Zeitreserve von knapp zehn Minuten – zu wenig Zeit für ein Bier, aber ausreichend für den Onlinekauf der Tickets (Fr. 5.50 Halbtax pro Person bis Fuldera, sagenhaft günstig!). 42 Minuten Siestazeit bis Fuldera…

Fazit:
Oben immer noch Winter, aber es geht in Riesenschritten in Richtung Frühling/Sommer! Eine wenig anspruchsvolle, mittellange Wanderung, die uns sehr gefallen hat – wäre auch mal mit dem Bike zu machen…

Wetterverhältnisse:
Ein weiterer Frühlingstag, rekordverdächtige Temperaturen im Bereich ca. 9 bis 16° C, Wind 8 km/h NO

Ausrüstung:
Bergwanderschuhe, Stöcke (nicht gebraucht), Kartenmaterial SchweizMobil, GPS

Parameter:
Tourdatum: 6. April 2024
Schwierigkeit: T1-2
Strecke: 13.4 km, Müstair (1246 m) – Puntweil (1220 m) – Taufers (1239 m) – Rifair (1106 m) – Calvenbrücke (967 m) – Laatsch (949 m) – Mals Bahnhof (997 m) – Postauto zurück nach Fuldera
Aufstieg: ca. 210 m
Abstieg: ca. -460 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 4 Std. 08 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std. 07 Min.
Tageszeit: 09:45 bis 13:55 Uhr

Dem Talfluss Rom entlang von Fuldera nach Müstair

Eindrücklich: noch vor drei Tagen Schneefall wie an Weihnachten, jetzt der angekündigte Wetterwechsel – für uns Grund genug, ein paar Tage im sehr ruhigen Val Müstair (Zwischensaison!) zu verbringen. Die Schneeschuhe liessen wir diesmal zuhause; in höheren Lagen herrschte wegen der massiven Schneefälle der letzten Tage ohnehin grosse Lawinengefahr. Die kurze Strecke von Fuldera bis Furom liefen wir der Passstrasse entlang, weil die Spur entlang der Loipe zu weich war. Beim Sportzentrum der Abstieg über die bekannten Holzstege hinunter ans rechte Ufer des Rom und diesem entlang bis Punt Lü – viele am Boden liegenden Bäume waren zu überwinden, zwischendurch auch noch einige im Weichschnee liegende Stellen. Kurz vor Valchava der Wechsel über eine Brücke ans linke Flussufer. Jetzt, etwa 50 m über dem Bach, im Gebiet Fora da Runca, war der Weg felsiger (und schneefrei), und die Sonne vermochte bereits einzuheizen. Ein kurzes Wegstück entlang der geteerten Via Chaunt, die wir bei P.1551 (Sitzbank und Altmetall-Kunstausstellung) nach rechts verliessen. Schön der Blick hoch zu den Häusern von Chaunt! Jetzt ein kurzer Abstieg auf der Senda Trafögl an der Costa Muglin, um auf halber Höhe in Richtung Plaun Pitschen zu halten. Ein paar Meter weiter, bei Vüschnai Sura, eine sehr sonnig gelegene Bankniederlassung – beste Gelegenheit die Aussicht auf den ca. 80 Hm unter uns liegenden Ortsteil Muglin (Valchava) zu geniessen und selbstverständlich auch die mitgebrachten Leckereien. Der Weiterweg an der Crap Charpleras gefällt uns immer ganz besonders, sehr abwechselnd im lichten Lärchenwald, begleitet von der Cratschla (Tannenhäher), dem Pichalain (Specht), der Squassacụa (Bachstelze) – alle spürten den Frühling! Nach etwa 5.5 km war die Bergstrasse (Via Craistas) erreicht. Bergseitig der Blick hoch zu den Häusern von Pütschai, darüber der Piz Terza, vor unseren Füssen ein Hang voller spriessender Krokusse in allen Farben. Unterwegs entdeckten wir etwas Besonderes: die Blüten der austreibenden Lärchen (siehe Bild) – ein Naturwunder! Bei P.1416 erreichten wir die Aua da Taunter Ruinas, in welcher wir ein kurzes Stück abstiegen um dann den südlichen Ortsrand von Müstair (Somvih) zu erreichen. Vorbei an einigen neuen und/oder schönen alten Häusern erreichten wir die Dorfmitte, wo wir uns gerne in der Cafeteria Caterina Bott niederliessen – draussen an der prallen Sonne natürlich! Kafi und Nusstorte schmeckten ausgezeichnet. Zum Abschluss einer beschaulichen Wanderung die Postautofahrt zurück nach Fuldera.

Fazit:
Übergangszeit im Val Müstair, Fuldera grösstenteils unter einer geschlossenen Schneedecke, ab Valchava grüne Wiesen mit ersten Krokussen

Wetterverhältnisse:
Heute ein erster herrlicher Frühlingstag, Temperaturen im Bereich ca. 8 bis 12° C, Wind 7 km/h NO

Ausrüstung:
Bergwanderschuhe, Stöcke (nicht gebraucht), Kartenmaterial SchweizMobil, GPS

Parameter:
Tourdatum: 5. April 2024
Schwierigkeit: T1-2
Strecke: 8.5 km, Fuldera (1640 m) – Furom (1604 m) – Punt Lü – Fora da Runca – P.1551 – Plaun Pitschen – Vüschnai Sura – Crap Charpleras – Prada Maigra – Val Vallatscha – Aua da Taunter Ruinas (P.1416) – Müstair (1274 m) – Postauto zurück nach Fuldera
Aufstieg: ca. 100 m
Abstieg: ca. -480 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 3 Std. 35 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 2 Std. 30 Min.
Tageszeit: 11:05 bis 14:40 Uhr

Val Müstair: Senda da l’uors, Fuldera – Sta. Maria

Unglaubliche Schneemengen im Val Müstair – alleine vor einer Woche hat es siebzig Centimeter Neuschnee gegeben. Der teilweise gespurte und gut markierte Bärenthemenpfad bot sich geradezu an. Der leichte Schneefall hörte auf und die Sonne drang durch die Bewölkung – herrlich! Nach dem Einstieg gleich jenseits der Ofenpassstrasse bei Fuldera liefen wir entlang der Loipe bis Furom. Am gegenüber der Passstrasse liegenden Übungsskilift durchquerten wir – immer noch entlang der Loipe – das prächtige Gelände Prasüras. Kurz vor Runca-Sura verliessen wir die Loipe, um im schweren Schnee eine eigene Spur zu ziehen. Kurz vor Pravalchava erreichten wir die Via Val Mora; nun öffnete sich der Blick nach Valchava hinunter und weiter ins untere Val Müstair. Der Trail führte zum Kalkofen (Chalchera a Valchava). Anschliessend der leichte Anstieg bis ins Tälchen Bos-chetta und die Überquerung der Aua da Vau. Jetzt folgte ein Abschnitt durch den lichten Wald über den Fitnessparcour. Kurz vor Döss da las Levras folgte die Überquerung der mächtigen Runse und der leichte Aufstieg auf dem Schutzdamm Val Quanas. Mittlerweile heizte uns die Sonne mächtig ein. Nach dem Abstieg zur Brücke über die Muranzina, und wenig später vorbei am geschlossenen Campingplatz Pè da Munt erreichten wir oberhalb Sta. Maria Val Müstair die Umbrail-Passstrasse (Wintersperre). Zur Ortsmitte hinunter wären es lediglich fünfhundert Meter. Trotz der «anstrengenden» Verhältnisse blieben wir oberhalb der letzten Häuser, um in leichtem Auf und Ab über Fop und ab dort freeridemässig am Hof Faschabella vorbei durch den Tiefschnee hinunter zum Center da sandà zu laufen. An der Haltestelle in Sielva endete unser «Spaziergang» und nach kurzer Wartezeit bestiegen wir das Postauto, welches uns in zwölf Minuten bequem nach Fuldera zurückbrachte.

Fazit:
Den Kurztrip ins Val Müstair belohnt mit einer einfachen Schneeschuhtour durch eine wunderbare Landschaft über den Bärenthemenpfad («Süls stizzis dal uors»).

Wetterverhältnisse:
Zu Beginn bedeckt, leichtes Schneetreiben, Temperatur beim Start 0°. Wind WNW (2 km/Std.), Pfad gut markiert, teilweise nicht gespurt.

Ausrüstung:
Schneeschuhe, Stöcke, GPS

Parameter:
Tourdatum: 3. März 2024
Schwierigkeit: WT1-2
Strecke: 8.2 km, Fuldera (1636 m) – Furom – Prasüras – Runca-Sura (1551 m) – Pravalchava – Chalchera (1443 m) – Multa – Bos-chetta – Aua da Vau (1485 m) – Döss da las Levras (1485 m) – Camping Pè da Munt (1431 m) – Via d’Umbrail (P.1426) – Fop – Faschabella – Sta. Maria Val Müstair, Sielva (1356 m)
Rückfahrt: Postauto ab Sta. Maria Val Müstair, Haltestelle Sielva (Center da sandà)
Aufstieg: ca. 185 m
Abstieg: ca. -466 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 3 Std. 20 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 2 Std. 30 Min.
Tageszeit: 10:45 bis 14:05 Uhr

Schneeschuhwanderung Splügen – Panell – Sufers – Splügen

Heute eine etwas leichtere Runde – im ersten Teil auf einem Schneeschuhtrail, im zweiten Teil über einen Winterwanderweg. Sportlich nichts aufregendes, dafür bot das frühlingshafte Winterwetter viel! Der Einstieg auf den markierten Schneeschuhtrail lag bei der ersten Kurve an der Splügenpassstrasse; noch im Schatten liegend, aber bei angenehmer Temperatur. Leicht der Aufstieg durch den Fugschtwald auf einer von Fussgängern total malträtierten Schneeschuhspur – die armen mussten mindestens knietief eingesunken sein. Kurz vor dem Wendepunkt dann die ersten Sonnenstrahlen, welche hinter dem Mittagshorn hervorlugten. Bei Panell dann der heute höchstgelegene Punkt; jetzt gings talwärts, um den Rütigutsch herum. Vorbei am im Göriwald gut getarnt gelegenen «Pavillon» mit zugehöriger Feuerstelle, an heissen Sommertagen bestimmt ein besonders schöner Punkt – im Winter etwas unwirtlich. Wir liefen weiter, leicht absteigend, etwa hundert Meter über der A13, welche weder zu sehen noch zu hören war. Im Göriwald bei 1478 m.ü.M. folgte die Wende am heute östlichst gelegenen Punkt. Nach etwa fünfhundert Metern erreichten wir die alte Strasse Nr. 13 («Italienische Strasse» genannt) – fertig lustig! Ab jetzt mit auf den Rücksäcken aufgebundenen Schneeschuhen, liefen wir ein paar Meter zur Brücke über den Hinterrhein hinunter, dort wo dieser in den Sufnersee mündet. Beim Wissbach folgte dann der kurze, vereiste Aufstieg zum Winterwanderweg Sufers-Splügen. Fast oben angelangt, steht ein wunderschöner Steinmann an einer ebensolchen Trockensteinmauer – ein sonniger Platz für unsere Mittagsrast, deutlich zu hören die Beschallung von der wenige Meter unter uns durchführenden A13. Nach dieser Erholung dann auf dem beinahe lieblich angelegten Römerweg, über den wir die Burgruine Splügen erreichten. Bim Schloss heissen die Häuschen am Weg. Das Dorf Splügen einen Kilometer vor uns, welches wir oberhalb der Kirche erreichten. Auf dem Bodaweg hinunter durch den alten Dorfkern am Sustabach schnurstraks zur «Tankstelle» (Sonnenterrasse Hotel Bodenhaus).

Fazit:
Eine abwechslungsreiche Wanderung bei wiederum frühlingshaften Bedingungen.

Wetterverhältnisse:
100% Sonne (auf der Sonnenseite…), Temperatur beim Start -2° bis 10° im Tagesverlauf. Gute Schneeverhältnisse auf der gesamten Strecke, kaum Wind.

Ausrüstung:
Schneeschuhe, Stöcke, Kartenmaterial/GPS

Parameter:
Tourdatum: 29. Januar 2024
Schwierigkeit: WT1/T1
Strecke: 8.4 km: Splügen-Süd (P nahe Talstation, 1460 m) – P.1492, bei der ersten Kurve an der Splügenpassstrasse – Fugschtwald – P.1589 – Walda – Stralatobel – P.1653 (Panell) – Göriwald (P.1478) – Rütitobel – Rütistutz (P.1429) – Pflanzgarten – kurzer Stück entlang der alten Strasse, Brücke über den Hinterrhein – Unterquerung Autostrasse – Aufstieg zur Wissbachstrasse (1438 m) – auf dem Winterwanderweg durch den Grüeniwald – vorbei an der Burgruine (1504 M) – In der obera Böda – Kirche Splügen – auf dem Bodaweg hinunter durch den alten Dorfkern am Sustabach bis zur «Tankstelle» (Sonnenterrasse Hotel Bodenhaus)
Aufstieg: ca. 310 m
Abstieg: ca. -320 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 3 Std. 55 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 2 Std. 40 Min.
Tageszeit: 10:30 bis 14:25 Uhr

Schneeschuhtour am Schamserberg: Zwölfihorn (ca. 2250 m)

Ziel unserer Schneeschuhtour: das Zwölfihorn – ein Ausläufer auf dem östlich des mächtigen Piz Beverins gelegenen Bergkamms. Auch wenn die Schneelage für Tourenskifahrer nicht gerade anmächelig war (Harst), mit Schneeschuhen war das gut zu machen. Das nach Süden ausgerichtete Gelände am Muntogna da Schons oberhalb Wergenstein, Mathon und Lohn ist ein prächtiges Schneeschuhtourenparadies. Das gut besetzte Postauto brachte uns in einer halbe Fahrstunde von Andeer hoch ins Dörfchen Lohn GR. Auf einen Startkafi in der Dorfbeiz (Pizzeria Orta) mussten wir verzichten – dauerhaft geschlossen… Also Schneeschuhe anschnallen und los gings! Gleich oberhalb, am westlichen Dorfrand, überquerten wir auf ruppigem Gelände den Dorfbach Plattera, um dann aber nordwestlich zu halten – ziemlich steiles Alpgelände! Bei der Hütte auf Palideias auf ca. 1800 m.ü.M. blieben wir rechts des Bachs, um P.1890 (Mischnos) zu erreichen. Direkt über uns der Rappakopf (2196 m), wo eine verführerische Spur über die Farcletta da Dasch hochführte. Davos Nodras und weiter oben Alp Vioms heisst das Gelände. Kaum Spuren, aber dennoch wenig kräftezehrend, weil die überfrorene Unterlage meist gut trug – ab und zu sanken wir ca. zehn Zentimeter ein. Oberhalb Alp Vioms plötzlich die Erlösung – ein Gipfelkreuzchen auf ca. 2250 m.ü.M. Laut GPS standen wir auf einem Nebengipfel des Zwölfihorns. Tolle Sicht zum etwa fünfhundert Meter tiefer liegenden Heinzenberg und zu den umliegenden Gipfel – allen voran natürlich den schönen Piz Beverin, den wir am 30.09.2014 bestiegen haben. Der Hauptgipfel des Zwölfihorn liegt vierhundert Meter weiter westlich und knapp siebzig Meter höher. Auf die Besteigung verzichteten wir, weil nach einem Zwischenabstieg ein erneuter Steilaufstieg zu machen war (auf den Fotos gut zu erkennen). Erst zuhause, bei der Auswertung des GPA-Tracks, bemerkten wir, wohl richtig entschieden zu haben; irgendwie rätselhaft, dass der Weg dorthin mit einer zickzackigen Schneeschuhspur «markiert» war, obschon das (offene) Gelände dort zum Wildschutzgebiet Beverin zählt, also nicht begangen werden darf (Schutzzeit 01.01.-31.12.) – auf Swisstopo gut zu erkennen. Nach dem Genuss des Gipfelpanoramas zwang uns der Wind zum Abstieg. Etwa eine halbe Stunde später fanden wir an einer geschützten Stelle etwas unterhalb P.2225 den idealen Platz für unsere Mittagsrast – bei bester Weitsicht. Für den weiteren Abstieg entschieden wir freeride-mässig über kaum verspurtes Gelände ordentlich steil «abzufahren». Bei Davos Nodras hielten wir uns etwas westlich der Aufstiegsroute und des Dorfbachs Plattera. Oberhalb Dros querten wir den Bach erneut, um bei den Hütten von Palideias unsere Aufstiegsstrecke zu erreichen. Wieder einmal merkten wir, wir tückisch solche Schneeverhältnisse sein können – mal wenig, mal tief, mal überfroren, mal weich. Die 250 Hm bis nach Lohn hinunter gelangen sturzfrei. Schön der alte Dorfkern mit der reformierten Kirche, einmalig die Lage auf der Sonnenterrasse. Und klar – ein Abschluss ohne Schlussumtrunk, weil die Dorfbeiz halt leider geschlossen war. Das Warten auf das Postauto verbrachten wir dennoch an der Sonne – was sehr gut auszuhalten war.

Fazit:
Eine sehr lohnende und feine Gipfeltour bei bestem Bergwetter.

Wetterverhältnisse:
Heute 100% Sonne, Kaiserwetter, Temperatur beim Start -4°, im Tagesverlauf bis 8°(!). Gute Schneeverhältnisse auf der gesamten Strecke (geschätzte 50 bis 80 cm Pulver/Harst), wenig Wind (nur auf dem Gipfel)

Ausrüstung:
Schneeschuhe, Stöcke, LVS/Sonde/Schaufel, Kartenmaterial/GPS

Lawinensituation:
Laut SLF Stufe 2, mässig

Parameter:
Tourdatum: 28. Januar 2024
Schwierigkeit: WT2+
Hinfahrt: Postauto ab Andeer GR bis Lohn GR
Rückfahrt: Postauto ab Lohn GR bis Andeer GR
Strecke: 6 km: Lohn GR (1591 m) – Palideias – P.1890 (Mischnos) – Dasch – Alp Vioms – Zwölfihorn (ca. 2250 m) – Abstieg über Raguta – Dros – Palideias – Lohn Dorf
Aufstieg: ca. 680 m
Abstieg: ca. -680 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 4 Std. 50 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std.
Tageszeit: 10:15 bis 15:05 Uhr