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Capella di Vitaleta (Pienza – San Quirico – Pienza)

Nach der einstündigen Fahrt nach Pienza Capuccini al Bar. Diesmal parkierten wir bei der schön gelegenen Pieve di Corsignano. Auf der holprigen und staubigtrockenen Naturstrasse lief es sich angenehm. Wanderwegweiser wiesen uns auf die Nr. 6c – die Route kannten wir schon. Unseren Freunden Susanne und Richi wollten wir diese landschaftlich tolle Wanderung nicht vorenthalten. Leicht absteigend war der tiefstgelegene Punkt bei ca. 290 m.ü.M. bald erreicht. Im offenen und waldfreien Gelände boten sich uns toscana-typische Landschaftsbilder: Zypressen, abgeerntete und umgepflügte Äcker, Olivenhaine, Hügel, Licht- und Farbenspiele vom Feinsten. Nach dem tiefsten Punkt ein erster Anstieg unterhalb eines Olivenhains. Der Pfad umrundete einen Hof südlich, bis wir oben auf eine unbefestigte Zufahrtsstrasse gelangten. Auf einer Höhe von ca. 360 m.ü.M. erreichten wir eine Verzweigung. Wer will, kann hier rechts halten um direkt zu einem der Hotspots in der Toscana zu gelangen: die Capella di Vitaleta. Deren Besuch sparten wir uns auf für den Rückweg. Wir hielten links in Richtung Süden, das Ziel unserer Runde, das Städtchen San Quirico d’Orcia, im Blickfeld. Vorbei am schmucken Agriturismo Il Rigo leicht absteigend überquerten wir ein namenloses Rinnsal. Unmittelbar danach verliessen wir die Naturstrasse nach rechts um über einen steilen Feldweg direkt aufzusteigen und so richtig ins Kochen zu geraten (ausser Richi natürlich 😉). Unterhalb des Ortsrandes von San Quirico d’Orcia überquerten wir die Via Cassia um gegenüber im Gebüsch auf verschlungenem Pfad das Centro storico zu erreichen. Über die Via Dante Alighieri waren es dann noch wenige Schritte bis zum Ziel, dem wunderschönen Garten der Trattoria al vecchio Forno. Wie immer konnten wir nicht widerstehen: die hausgemachten Leckereien verlockten uns zu drei üppigen Gängen – was halt seine Zeit dauerte😏. Gut gestärkt (und gesättigt) verliessen wir diesen schönen Ort wieder, wohl wissend, dass der Rückweg von fast zehn Kilometer etwas strapaziös würde. Erst liefen wir auf der vom Hinweg bekannten Strecke hinunter, um kurz vor dem Bächlein links abzubiegen (Wegweiser «Capella di Vitaleta»). Nun eine kurze, aber heftige Steigung hoch bis zur nahen Strada Provinciale, welche San Quirico mit Pienza verbindet. Kurz davor eine Wende nach Osten und vorbei an einem weiteren Agriturismo. Ab hier der Abstieg durch ein holpriges, ausgetrocknetes Bachbett, und anschliessend durch ein schattenspendendes Wäldchen. Nun folgte der steile Wiederaufstieg zum eingangs erwähnten Hotspot: die Capella di Vitaleta (365 m). Zum Glück für uns wird dieser Fotoklassiker meist von der ca. 700 m entfernten SP abgelichtet. Mit Fotografieren war heute keine Eile angesagt, weil es doch schon später Nachmittag war. Jedenfalls trafen wir nicht wie befürchtet auf einen Ansturm von Besuchern, welche ihre Autos an der zu Beginn dieses Berichts erwähnten Verzweigung bei der Absperrung abstellten. Die letzten 700 m bis zum begehrten Motiv nahmen also nur wenige unter die Füsse. Nach dem Parkplatz kehrte wieder Ruhe ein, und wir strebten auf der gleichen Strecke wie auf dem Hinweg Pienza an. Wie immer um diese Tageszeit wunderschön die Landschaft im warmen Licht des Nachmittags. Bei der Pieve di Corsignano erreichten wir unseren Startplatz wieder. Nun folgte noch der genussvolle Blick von der Stadtmauer (Via dell’amore!) in die von feinstem Dunst gezeichnete Hügellandschaft bis hin zum Monte Amiata und nach Montalcino hinüber.

Fazit:
Eine landschaftlich sehr reizvolle Genusswanderung mit wenigen Auf- und Abstiegsmeter, aber doch über eine respektable Distanz…

Wetterverhältnisse:
Sehr sonnig, blau-blau-blau, ca. 18 bis 26°, mässiger Tramontana (Bise) um 20 km/h

Hilfsmittel:
Leichtwanderschuhe, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 4. September 2018
Schwierigkeit: T1
Strecke: 19.3 km, Wanderweg Nr. 6c (siehe Abbildung)
Aufstieg: ca. 580 m
Abstieg: ca. -580 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 7 Std. 50 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 4 Std. 40 Min.
Tageszeit: 10:20 bis 18:15 Uhr

Monte Vettore 2476 m – grenzwertige Bergwanderung

Der Monte Vettore ist mit 2476 m der höchste Berg im italienischen Nationalpark Monti Sibillini. Er erhebt sich an der Grenze der Marken und Umbrien im Apennin. Grenzwertig nicht allein die Wanderung; im doppeldeutigen Sinne „grenzwertig“ war die Anfahrt von unserem Domizil bei Accumoli im oberen Tal des Tronto, an der Via Salaria am Fuss der Monti della Laga. Diese Gegend wurde fast auf den Tag genau vor drei Jahren von einem nächtlichen(!) Erdbeben heimgesucht – ganze Bergdörfer wurden zerstört. Die Fahrt zum Ausgangspunkt unserer Tour (Forca di Presta 1534 m) führte uns zwangsläufig vor Augen, welche Tortur die Bevölkerung bis heute erlebte. Zone rosse überall und noch immer traumatisierte Menschen, die ratlos vor den Trümmern ihrer Häuser standen – schwer verdaulich, solch traurige Bilder.

Nach 25 Minuten Fahrt erreichten wir kurz vor neun Uhr den Übergang Forca di Presta, über den die Pian grande und das einst florierende Castelluccio erreicht wird. Auf dem grossen Wanderparkplatz war schon Betrieb; wir waren nicht die einzigen mit dem Ziel, die fast tausend Hm bis zum Monte Vettore zurück zu legen. Auf gut markiertem Pfad begann der Aufstieg nördlich der Forca. Das phantastische Panorama in die fast schon herbstliche Umgebung bot willkommene Ablenkung. Die Pian grande (ca. 1300 m.ü.M. und ca. 7 km Länge) lag noch unter einer Nebeldecke. Erst kurz unter dem Rifugio Zilioli wurde der Aufstieg etwas steiler und führte über einige gut angelegte, mit Holz befestigten Tritte zum nicht (mehr) bewohnbaren Rifugio. Hinter der Hütte dann der Blick zu den benachbarten Gipfeln (Cima del Redentore 2448 m, Pizzo del Diavolo 2410 m) und weiter zu den Monti Sibillini. Der unter uns liegende Lago di Pilato (1960 m) war noch nicht zu sehen. Von der Hütte verlief die Strecke erst über einige Meter flach, um dann in Richtung Gipfelziel steiler zu werden. Nach etwa zweieinhalb Stunden standen wir auf Monte Vettore – was für ein einzigartiges Panorama, und unter uns war jetzt auch das Seelein (Lago di Pilato) zu sehen! Gleich gegenüber der steilen Felswand des Pizzo del Diavolo hielten wir unsere ausgiebige Gipfelrast ab. Die Fernsicht reichte allerdings nicht bis zur 50 km entfernten Adria – auch die Stadt Ascoli Piceno war nicht zu sehen. Angenehm die Freundlichkeit der anderen Bergwanderer – sogar Biscotti wurden uns angeboten. Zeit für den Abstieg, weil einzelne von uns Gewittergefahr vermuteten. Der Abstieg dann auf der bereits vertrauten Strecke, gemütlich und mit einigen Trinkpausen, sogar für eine Siesta reichte es noch. Um halb drei zurück auf dem Parkplatz, fuhren wir weiter auf die Piana hinunter bis zur vollständig zerstörten Stadt Castelluccio. In einem guteingerichteten Provisorium genossen wir eine Birra con Lenticche und den Blick auf die Piana – die ca. 7 km lange Hochebene muss im Juni ein Naturgenuss ohnegleichen sein – ein endloses Blütenmeer! Auf der Rückfahrt über die Forca und an den vom Erdbeben ruinierten Bergdörfern vorbei ins Tal des Tronto hinunter holte uns dann die traurige Realität wieder ein…

Wetterverhältnisse:
Sehr sonnig, ca. 15 bis 25°, gelegentlich kräftiger Wind aus SW.

Fazit:
Die geplante Tour auf den Cornu Grande (Gran Sasso) mussten wir vorerst fallen lassen wegen der täglich vorausgesagten Gewitter – diese Tour war eine ausgezeichnete Ersatzlösung…

Hilfsmittel:
Stöcke, Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 30.08.2019
Schwierigkeit: T2
Strecke: 10.8 km, Forca di Presta 1534 m – Rifugio Zilioli 2233 m – Monte Vettore 2476 m – Abstieg auf gleicher Strecke
Aufstieg: ca. 930 m
Abstieg: ca. -930 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std. 40 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std. 30 Min.

Tour de l’Argentine VD

Die Idee einer Bergwanderung in dieser uns unbekannten Alp- und Berglandschaft schwirrte schon länger in unseren Köpfen rum. Das für Mittwoch angekündigte Schönwetterfenster begünstigte unsere Spontanentscheidung. Die enge Fahrstrasse hoch bis zur Alp Solalex (Gemeinde Bex) endet hier und wir parkierten gebührenpflichtig. Mittlerweile war es Mitte des Nachmittags und es musste noch vor wenigen Minuten geregnet haben; nun war es trocken und die ersten Sonnenstrahlen sorgten für wohltuende Erheiterung. Die vermuteten mächtigen Berge (Les Diablerets im Norden, Arête de l’Argentine im Süden) hüllten sich in dunkle Wolken. Nach einem Start-Tee zogen wir los: auf unbefestigtem Fahrweg in Richtung Alp Anzeinde. Unter dem wolkenverhüllten Les Diablerets-Massiv waren über drei Kilometer etwa 420 Hm aufzusteigen. In diesem engen, steilen, schluchtartigen Gelände sollte man sich nicht unnötig lange aufhalten, vor allem bei Gewittergefahr. Der wilde L’Avonçon de l’Anzeinde hinterlässt jede Menge Geröll und Blocks; die von den Flanken herunter reissenden Runsen machten gehörig Eindruck – also schnell durch! Nach einer Stunde öffnete sich das Gelände zur Alp Anzeinde. Freundliche und gwundrige Muttertiere und auch die Sonne empfingen uns. Wenige Meter weiter unser Logis: Refuge Giacomini. Von Patron Rodolphe Muller wurden wir freundlich empfangen und eingewiesen. In dieser sehr empfehlenswerten Unterkunft wurden wir mit einem vorzüglichen Nachtessen verwöhnt. Erwartungsvoll legten wir uns zur Ruhe. Zum Frühstück dann die vom Patron in Aussicht gestellte Überraschung: schönstes Wetter auf dieser wunderbaren Hochebene. Und rundherum diese schönen Berge (Les Diablerets, Arête de l’Argentine). So loszulaufen ist unglaublich motivierend! Adieu Refuge Giacomini! Wenige Meter oberhalb führte der Wanderpfad links an der unbewarteten Cabane Barraud CAS vorbei. Auf dem mässig steigendem Weg wurden wir von fröhlich galoppierenden Viechern begrüsst. Nach etwa vierzig Minuten war der heute höchste Punkt, der Col des Essets, erreicht. Vor uns weitete sich der Blick, zur linken der massige Grand Muveran, geradeaus die Gipfel der Dents du Midi, rechts der zu umrundende Arête de l’Argentine. Der Abstieg zur etwa 250 Hm tiefer liegenden Alp (Plan des Bouis) verlangte etwas Vorsicht, weil ruppig und mit grossen Tritten versehen. Wunderschöner Kalkstein-Karr und (noch) viele blühende Blumen. Auf dem flachen Teil der Alp angekommen, stellten wir beruhigt fest, dass sich die Herden (und vor allem die zugehörigen Herdenschutzhunde) etwas oberhalb bewegten. 600 m vor La Vare hielten wir am markierten Wegpunkt nach rechts; hier könnte man auch bis zu den Alphütten von La Vare laufen, dort eine Suppe geniessen, und die Erhebung Les Confins zu umrunden. Oberhalb Les Confins durchquerten wir in leichtem Auf und Ab wunderbares Karrgelände. Bald war auch Les Etroits und dann der P.1759 erreicht; hier mündet auch der Aufstieg von La Vare. Der Weiterweg war nun vollständig einzusehen: über knapp 1 km resp. 240 Hm Aufstieg bis Sur Champ war der Lion d’Argentine (2273 m) zu unterqueren. Nicht sehr steil, aber an einigen Stellen war das Gelände plattig und steil abfallend. Auf Sur Champ angekommen, war es Zeit für eine ausgiebige Mittagsrast. Kein Kunststück, diesen sehr aussichtsreichen Punkt zu geniessen. Im Süden der Grand Muveran mit seinem kleinen Gletscherchen (Plan néve), im Westen die Dents du Midi, im Rhonetal St-Maurice und Monthey, nordwestlich der Genfersee, etwas weiter nördlich das nahe Villars-sur-Ollon.

Gut verpflegt machten wir uns daran, den kurzen, aber sehr steilen und wegen des Regens der vergangenen Tage rutschigen Abstieg von ca. 60 Hm zu bewältigen – vom über uns aufragenden Lion d’Argentine bewacht. Unterwegs bis zur La Motte wieder leicht aufsteigend, waren einige schiefrige Runsen zu queren. Stöcke sei Dank, gelang dies sicher. Bei La Motte wechselte die Richtung nach NO, erst leicht absteigend über Les Planards und danach über schönstes Wandergelände wieder aufsteigend bis zum Punkt Roc du Châtelet. Jetzt begann der etwa 2.3 km lange, etwas mühsame Abstieg. Gleich zu Beginn die unangenehme Schlüsselstelle: steil, feucht und schattig die sehr rutschige Steilstufe – die im Dreck liegenden Ketten würden zwar Sicherheit bieten, wir fanden aber den kraftvollen Einsatz unserer Stöcke wirkungsvoller. Abstürzen kann man hier nicht, aber Abrutschen wäre ebenso unangenehm. Alles ging gut, der weitere noch immer steile Abstieg führte durch Wald und über einige wenig Wasser führende, aber gfürchige Runsen. Nach einer knappen Stunde Abstieg erreichten wir den kurz vor Solalex liegenden Parkplatz und dreihundert Meter später die Alphütten und Wirtschaften. Im Garten des Restaurant Miroir d’Argentine genossen wir es, den Durst zu löschen, während der Logen-Blick hoch zu den eindrücklichen Miroirs de l’Argentine ging, wo im 6. Grad (nach UIAA-Skala) geturnt wurde (siehe Bilder).

Fazit:
Eine absolut faszinierende Rundtour in einer uns unbekannten Gegend – sehr lohnend! Und noch etwas: über die Klimabilanz unserer An- und Rückreise (mit dem Auto) wird sich die Klima-Gretel wohl kaum freuen. Aber mit den ÖV in diese sehr abgelegene und hinterste Ecke des Tälchens des L’Avonçon de l’Anzeinde zu reisen, bedürfte den doppelten Aufwand. Die Hin- und vor allem auch die gemütliche Rückreise (Villars – Col de la Croix – Col du Pillon – Simmental – Thuner-/Brienzersee – Brünigpass) haben wir trotzdem sehr genossen. Gleiches gilt für diese Zweitages-Wanderung.

Wetterverhältnisse:

Am 1. Tag bedeckt, aber trocken, am 2. Tag schönes Wetter bei einiger Quellbewölkung, keine Gefahr von Niederschlägen, ca. 15 bis 22°, Wind vernachlässigbar.

Hilfsmittel:
Stöcke (unbedingt), Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 13./14.08.2019
Schwierigkeit: T3
Strecke: 14.1 km, Solalex (1469 m) – P.1536 – P.1709 – Anzeinde (1873 m) – Refuge Giacomini (1893 m) – Übernachtung – Cabane Barraud CAS (1955 m) – Col des Essets (2029 m) – Boëllaire (1970 m) – Plan des Bouis – La Vare (Verzweigung vor der Alp auf ca. 1770 m) – Les Etroits – P.1759 – Sur Champ (1959 m) – La Motte (1940 m) – Les Planards (1985 m) – Roc du Châtelet (1856 m ) – Brücke über den L’Avonçon de l’Anzeinde (1425 m) – Solalex
Aufstieg: ca. 920 m
Abstieg: ca. -930 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 7 Std. 15 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 5 Std. 15 Min.

Gross Mythen 1898 m – wie immer keine einsame Tour

Anfahrt aus dem Zürioberland über den Seedamm Rapperswil SG – Pfäffikon SZ – Schindellegi – Einsiedeln – Alpthal – Brunni (gebührenpflichtiger Parkplatz bei der Talstation der Seilbahn zur Holzegg). In Biberbrugg wurden wir von Ruedi’s Schwester Lisebeth erwartet. Heute war wieder einmal (für uns zum siebten Mal) der grosse der Mythen angesagt. Für die Wandernovizin sollte es heute der erste Versuch sein…

Ab Brunni über die Forststrasse und später auf gutem Pfad über bestossenes Weideland erreichten wir nach gemütlichem Aufstieg die Holzegg. Nach dem Startkafi bis zur Einstiegstelle mit Lisebeth, die dann den Entscheid fällte, es (noch) nicht zu wagen – Respekt! Verständlich, denn hier erscheint der Berg tatsächlich als mächtiger Koloss. Ab Einstieg bei P.1491 beim Griggeli (die bekannte Geröllhalde) der bekannt ruppige, aber (fast) durchgehend mit fabrikneuen Ketten gesicherte Bergweg. Bei entsprechender Vorsicht und Trittsicherheit ohne besondere Schwierigkeiten zu begehen. Klar, über eine Strecke von 1.7 km und 46 Kurven sind 500 Hm Aufstieg zu bewältigen. Unterwegs Begegnung mit dem sympathischen (und fitten) Armin Schelbert «Der Mensch vom Mythen», nach seinen Aussagen heute zum dritten Mal im Abstieg – vielleicht sähen wir ihn heute nochmals, meinte er trocken. Den Aufstieg ab Holzegg bis zum Gipfel schafften wir Senioren in weniger als einer Stunde. Oben angekommen, verzichteten wir auf die Besteigung des eigentlichen Gipfels, weil dieser voll besetzt war. Was uns vor zwei Wochen auf der Hörnlihütte verwehrt war, genossen wir heute beim Bergrestaurant Grosser Mythen: Ghackets mit Hörnli und Öpfelmues! Der Abstieg zur Holzegg wegen der bekannten Gefahren nicht viel schneller als der Aufstieg. Und tatsächlich: ungefähr bei Kurve 25 schon wieder die Begegnung mit Armin Schelbert, heute zum vierten Mal im Aufstieg! Der 75jährige hat „seinen Berg“ schon über 3000mal bestiegen. Auf der Terrasse der Holzegg wurden wir von Lisebeth erwartet, die von einer Runde zur Rotenflue zurück war. Danke herzlich für die Einladung zu Glacé und so weiter. So gestärkt war der Restabstieg zum Ausgangspunkt Brunni reine Formsache.

Fazit:
Schön, dass wir auf dieser Tour heute (zumindest teilweise) von Lisebeth begleitet wurden – hoffentlich bald wieder einmal…

Wetterverhältnisse:
Freundlich (Sonne mit Restbewölkung), auf dem Gipfel angenehm (ca. 20°), ab und zu etwas die Aussicht trübende Bewölkung, windstill, im Abstieg dann schwülwarm.

Parameter:
Strecke: 7.4 km, Brunni (1102 m) – Verzweigung Zwyschet Mythen (Punkt 1234 m ) – Holzegg (1405 m) – Bergweg mit 46 (nummerierten) Kurven – Gross Mythen (1898 m) – Abstieg auf gleicher Strecke
Aufstieg: 790 m
Abstieg: 790 m
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std.
Tageszeit: 09:30 bis 16:00 Uhr

Camaner Höhenweg am Nationalfeiertag 2019

Nach unserer 2-Tages-Wanderung im Oktober 2018 wieder einmal ins (auch am Nationalfeiertag) ruhige Safiental. Am diesjährigen Schweiz-Geburtstag sollte es eine Genusstour sein. Die Fahrt über die kurvenreiche und enge Strasse durch die Schlucht der Rabiusa (die Wilde!) hoch bis Versam, wo wir einen der Parkplätze des Gasthofes Rössli belegen durften. Die halbstündige Postautofahrt nach Safien Platz bot ein ÖV-Spektakel, wie es nur auf Postautofahrten zu erleben ist: beeindruckende Fahrkünste der Fahrer und laufende Versorgung von Informationen zur Umgebung – toll!

Gleich bei der Postautostation Safien Platz starteten wir – heute begleitet von Sylvia und Jürg – um 11:15 Uhr auf unsere gemütliche Genusstour – bei besten Bedingungen (ca. 18°, sonnig, Schönwetterbewölkung). Die Strecke über den Camaner Höhenweg kannten wir ja schon; also nach der Brücke über den Furrentobelbach, gleich nach den letzten Häusern, wurden wir von den Wanderwegweisern auf die Strecke gewiesen in Richtung Camanaboden. Im Wald ging es gleich zur Sache, steil hoch, so gewannen wir rasch 200 Hm. Nach dem Waldabschnitt führte der Weg aussichtsreich über Alpwiesen. Links der Blick zum Piz Beverin und zum Glaspass. Darunter der Eingang zur sagenumwobenen Carnusaschlucht mit der etwas unterhalb des Dorfes stehenden Platzer Kirche. Etwas Geschichte: geplant hatten die Platzer den Standort ursprünglich näher bei den Häusern. Aber die Sage erzählt, dass die Fundamente dreimal hintereinander in der Nacht von Geistern an den Ort gebracht wurden, wo sie heute steht. So wurde sie dort gebaut und 1510 geweiht. Der Vorteil dieses Standortes ist, dass die Glocken weitherum zu hören sind. Auf einer Höhe von ca. 1650 m erreichten wir bald den Weiler Hof, danach das Hofer Tobel und wenig später das Hütti Tobel. Nach dem Usser Wald war die schön gelegene Walsersiedlung Camanaboden (1766 m) erreicht, wo das kleine Hotel Camana Lotsch & Zuber (ein ehemaliges Schulhaus) steht; das Hotel ist nur im Winter geöffnet; das schräg gegenüber gelegene Beizli «dem Himmel ein Stück näher», ist nur an gewissen Tagen geöffnet – heute hatten wir Glück, weil ein (ausverkaufter) 1. August Brunch abgehalten wurde; die Auswahl an Leckereien war noch immer respektabel. Hier verliessen wir die Fahrstrasse; vorbei an schönen Walserhäusern führte der Wanderweg erst rechts hoch, um beim P.1950 wieder nach Süden zu wenden. Bei P.1940 die Verzweigung zum Güner Lückli (2470 m), einem bekannten Übergang ins Val Lumnezia. Kurz davor fanden wir (wie auch schon) einen idealen Platz für eine Rast auf einer Bank vor einer Alphütte, mit grossartigem Überblick ins hintere Safiental und zum gegenüberliegenden Massiv des Bruschghorn. Auf dem Weiterweg erreichten wir den Weiler Camaner Hütta; diese auf 1958 m liegende Siedlung war der höchstgelegene Punkt unserer Wanderung. Leicht absteigend, noch immer über schöne Wiesen, erreichten wir den Camaner Wald und etwas weiter das Bächer Tobel (P.1831) und gleich danach die Bächer Hütta. Im Bawald wurde es dann dunkel und ungeheuerlich (gell Sylvia😉). In diesem wilden (Ur-)Waldabschnitt liegen viele Felsbrocken herum, vermutlich hat sich hier mal ein Felssturz ereignet. Den Wald verlassend, kam unser Ziel Thalkirch ins Blickfeld. Dieser Weiler befindet sich auf dem Talboden im hinteren Teil des Safientals, auf dem Gebiet der ehemaligen Gemeinde Safien, zwischen Piz Tomül und Bruschghorn gelegen. Das Postauto nach Versam erreichten wir mit schweizerischer Präzision drei Minuten vor der Abfahrt (15:33 Uhr.

Fazit:
Ein prächtiger Wandertag in netter Begleitung, zum Abschluss gab es im gastfreundlichen Gasthaus zum Brunnen in Valendas einen würdigen Abschluss des diesjährigen Schweiz-Geburtstages mit einem sagenhaften Überraschungsmenü aus der 15-G&M-Punkte-Küche von Matthias Althof und anschliessender Übernachtung im historischen Haus, welches von der Elvira Solèr Althof geführt wird. Ein herzliches Dankeschön den sympathischen Gastgebern!

Wetterverhältnisse:
Sonnig, etwas Schönwetter-Bewölkung, um 20°, kein Wind.

Hilfsmittel:
Stöcke, Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 1. August 2019
Schwierigkeiten: T2
Strecke: 10 km, Safien Platz (1315 m) – Camanaboden (1766 m) – Camana Hütta (1958 m) – Thalkirch (1686 m)
Aufstieg: ca. 715 m
Abstieg: ca. -325 m
Laufzeit ohne Pausen: ca. 4 Std. 25 Min.
Laufzeit mit Pausen: ca. 3 Std. 20 Min.

Zermatt 3|3: Wanderung zu den Schwarznasen-Schafen

Die Verlockung: Eine Wanderung zur Herde oberhalb der Stafelalp. Mit der Gondel ab Zermatt zur Bergstation Schwarzsee. Nach einer ca. einstündigen Wanderung von Schwarzsee zu den Schwarznasen-Schafen. Direkt unter der imposanten Matterhorn-Nordwand erzählt Paul-Marc Julen Interessantes über diese faszinierenden Tiere. Die Familie Julen besitzt mit über 300 Schwarznasen die grösste Zucht dieser beeindruckenden Rasse. Inmitten der Schafe ein Glas Wein und Walliser Trockenfleisch.

Treff um halb zehn vor dem Haus Julen, wo sich eine erwartungsvolle Gruppe von Wanderern und Bikern versammelte. Der kurze Spaziergang zur Talstation und die Bergfahrt zum Schwarzsee diente dem sich Kennenlernen. Dann folgte die Wanderung im leichten Abstieg zur Stafelalp, wo wir nach P.2412 auf die Herde trafen. Paul-Marc hatte vorgesorgt und war früh unterwegs, um die Herde zusammenzutreiben. So wurden wir von den Schwarznasen erwartet und begrüsst. Für die Kinder unter uns hiess es streicheln (einzelne besonders anhängliche Tiere machten mit leichtem Geschubse auf sich aufmerksam). Stoff für lustige Bilder! Während kurzweiliger anderthalb Stunden bot sich ein wunderschönes Bild in der Natur und am gigantischen Fuss des Matterhorns resp. dessen Nordwand. Das Julen-Team offerierte Käse, Wurst und Trockenfleisch von den eigenen Tieren, und sogar ein Gläschen Fendant wurde gereicht. Lockere Stimmung also. Und Paul-Marc wusste viel Interessantes zu erzählen – toll! Wir konnten uns kaum trennen, aber es wurde Zeit, weiter zu laufen. Zurück bis P.2412, dann links haltend (WW Richtung Stafel). Der gutmarkierte WW bis zum Bergrestaurant Stafelalp verläuft erst über schöne Alpweiden, dann steiler hinunter bis zum Bergrestaurant, welches nach dem Vollbrand am 14.04.2018 als ansehnliches Provisiorium eingerichtet ist. Die leckere Burrata mit Tomaten schmeckte ausgezeichnet. Gestärkt nahmen wir die weitgehend auf der Naturstrasse über Ober Stafel – Biel – Feriche nach Furi verlaufende Strecke unter die Füsse. Unterwegs könnte man auch auf die andere Seite des Zmuttbachs wechseln und über die Chalbermatta via Zmutt laufen. Wir zogen die weitgehend im Schatten verlaufende Route vor. Ab Furi dann zum Abschluss die kurze Talfahrt mit der Gondel.

Fazit:
Ein sehr gelungener Abschluss unserer Zermatt-Tage. Die gemütliche Genusswanderung zu den Schwarznasen-Schafen der Familie Julen war stimmig und spannend. Ein besonders herzliches Dankeschön für diesen unvergesslichen Tag an Paul-Marc!

Wetterverhältnisse:
Sonne pur, und (noch immer) sehr heiss, oben erträglich (ca. 25°), schönstes Hochsommerwetter, windstill.

Hilfsmittel:
Stöcke, Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 24. Juli 2019

Schwierigkeit: T2
Strecke: 9.3 km, Schwarzsee – Stafelalp (P.2412) – Bergrestaurant Stafelalp (2198 m) – Ober Stafel (2143 m) – Biel (2083 m) – Feriche – Furi (1867 m)
Aufstieg: ca. 165 m
Abstieg: ca. -870 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 3 Std. 40 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 2 Std. 25 Min.

Traurige Ereignisse heute in Zermatt:
Am Vormittag dieses Wandertages flogen die Helis der Air Zermatt in direkter Linie zum Matterhorn. Daraus war zu schliessen, dass eine Rettungsaktion läuft. Um die Mittagszeit dann die Beobachtung, dass offensichtlich verunfallte Berggänger geborgen wurden. Am Abend dann die schreckliche Bestätigung, dass ein Bergführer mit seinem Gast von losgelösten Felsmassen getroffen und abgestürzt seien – beide haben leider nicht überlebt. Unser herzliches Beileid den Angehörigen. Und damit nicht genug: am Abend brach unterhalb des Triftgletschers eine mit Wasser aufgefüllte Gletschertasche; die Wassermassen verwandelten den Triftbach innert weniger Minuten in einen reissenden grossen Wasserfall. Die riesigen Wassermassen donnerten nahe des Wanderweges ab Trift beim Stellistein oberhalb Alterhaupt durch die sehr enge Schlucht bis ins südliche Dorfzentrum hinunter, vorbei an der Kirche, zwischen den Häusern und am Friedhof vorbei, um sich in der Steinmatte in die Matter Vispa zu ergiessen. Von der (gesperrten) Kirchbrücke war das beängstigende Spektakel zu beobachten. Zum grossen Glück kamen keine Menschen zu Schaden.

Zermatt 2|3: Hörnlihütte SAC 3260 m

Video-Hörnlihütte

Endlich einmal zur Hörnlihütte – nach einem wetterbedingten Abbruch vor Jahren, waren heute beste Bedingungen angesagt. Wie schon seit Tagen strahlt das Matterhorn von früh bis spät ohne die sonst üblichen Gipfelwolken. Mit der Bergfahrt zum Schwarzsee (2583 m) in einer der ersten Gondeln vernichteten wir elegant über 900 Höhenmeter. Nach dem Genuss des Startkafi auf der Sonnenterrasse des Hotel-Restaurants Schwarzsee zogen wir los um 09:15 Uhr; die Vorgabe von 2 Std. 10 Min. fanden wir sportlich. Und eine einsame Wanderung würde das heute auch nicht, das merkten wir schon bald. Oberhalb des Schwarzsees, der in einer Senke liegt, steuerten wir zu Beginn leicht absteigend dem Aufstieg in Richtung Hirli (2889 m) zu. Nach etwa 40 Min. war die auf 2775 m stehende Bergstation der von Biel via Stafelalp hochführenden 6er-Sesselbahn (nur im Winter in Betrieb) erreicht. Kurzer Zwischenabstieg, von wo der Pfad südlich einer Felswand über einen am Felsen befestigten Steg führte. Der senkrechte Durchblick durch das Lochgitter vermittelte ein gewisses Klettersteig-Gefühl. Dann ein paar steile Serpentinen, bis auf einer Höhe von ca. 2870 m die Seite über den Grat gewechselt wurde. Jetzt öffnete sich der Blick auf den Zmuttgletscher, resp. das was von ihm noch übriggeblieben ist. Nun folgten ca. 700 flache Streckenmeter. Von weitem zu sehen war der Einstieg zum Hüttenaufstieg – über eine «wunderschöne» Treppe gelangten wir auf einen teilweise leicht ausgesetzten Steig, welcher aber gut gesichert zu begehen war. Bis kurz unter der Hütte wurde es abwechselnd luftig und steil. Einige besonders schnelle (junge) BergläuferInnen überholten uns erst ziemlich zügig, um dann kurz vor dem Ziel erschöpft zu pausieren😉. Die Hörnlihütte erreichten wir doch tatsächlich im Rahmen der Vorgabe, nach etwas mehr als 2 Stunden (nicht schlecht für uns Senioren…). Auf der gut besetzten Terrasse fanden wir aussichtsreiche Plätze mit direktem Blick zur Einstiegstelle zum Hörnligrat. Leider konnten wir keine Hörnli mit Ghacktem bestellen – was für ein Fauxpas auf dieser Hütte. Aber Rösti mit Spiegelei und Spaghetti Bolo schmeckten auch gut. Um diese Zeit wurden laufend eintreffende, erfolgreiche MatterhornbesteigerInnen empfangen; Samuel Anthamatten & Co. benötigte mit DarstellerInnen der zurzeit auf Riffelberg laufenden Freilichtspiele «Matterhorn: No Ladies please» als Gäste gerademal sechseinhalb Stunden für den Auf- und Abstieg – und das in Originalkostümen von damals – Respekt! Richtzeiten von 8 bis 11 Stunden werden als normal gesehen(!). Heute, so hörten wir, seien 45 Personen unterwegs am Berg. Für uns war nun der Abstieg angesagt, den wir mit Respekt angingen. Im Abstieg war auch heute (wie immer) besonders auf Trittsicherheit zu achten, ja nicht auszurutschen. Etwas schneller als im Aufstieg erreichten wir nach anderthalb Stunden den Ausgangspunkt Schwarzsee. Mittlerweile diente der See als Badeanstalt – verständlich bei dieser Hitze. Auf uns warteten auf der Terrasse des Hotel-Restaurants Schwarzsee flüssige Erfrischungen.

Fazit:
Tolle hochalpine Bergwanderung, an Tagen wie heute halt viel begangen, aber trotzdem wunderschön. Und: die neu erweiterte Hörnlihütte hat uns sehr gefallen…

Wetterverhältnisse:
Sehr sonnig, unten heiss, oben erträglich (ca. 18°), schönstes Hochsommerwetter, windstill.

Hilfsmittel:
Stöcke, Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 23. Juli 2019

Schwierigkeit: -T4 (teilweise weiss-rot-weiss)
Strecke: 9.9 km, Schwarzsee – Bergstation Hirli – P.2869 – P.2931 (Abzweiger nach Stafelalp via Seickren) – Hörnlihütte
Aufstieg: ca. 725 m
Abstieg: ca. -725 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std. 10 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std. 20 Min.Tageszeit: 09:15 bis 14:30 Uhr