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Bivio – Juf – Pass Lunghin – Piz Lunghin (2780 m) – Maloja in 2 Tagen

Diese grosse Zweitagestour hatten wir schon länger vor – jetzt sollte alles stimmen: ideales Wetter, schneefreie Route, ausreichende Kondition (auch wenn wir beide mit einer leichten Sommergrippe kämpften…). Weil die ÖV-Fahrt nach Bivio zu lange dauerte, reisten wir mit dem Auto an; in Bivio stand ein grosser Parkplatz zur Verfügung. Dort starteten wir fast schön gemütlich zu unserer Zweitagestour.

Tag 1: Bivio – Stallerberg – Juf (Avers)
Kurz nach zehn Uhr starteten wir in Bivio bei besten Bedingungen (ca. 14°, sehr sonnig, spürbare Bise mit Böen bis 30 km/h). Gleich in der Ortsmitte wurden wir von den Wanderwegweisern auf die gewünschte Strecke gewiesen in Richtung Juf über den Stallerberg (das ist kein Berg, sondern ein Übergang in den Avers). Erst führte der Wanderweg über satte Magerwiesen und durch Buschwerk. Ab Radons (etwa 1900 m.ü.M.) dann wunderbare Alpen mit friedlich weidenden Rindern. Baumfrei, und folglich bei uneingeschränkter Sicht, die Sonne und die Bise im Rücken, so haben wir es gerne… Regelmässig und gemütlich stiegen wir auf, unterwegs begegneten wir nur wenigen Wanderern. Zur linken ging der Blick auf Bivio und die Julierpassstrasse, und natürlich zum markanten Piz Julier und seinen Nachbarn. Das Skigebiet war andeutungsweise zu erkennen aufgrund der Anlagen. Auf Plang Tguils angekommen – eine moorige Hochebene mit einem hübschen Seelein – ; der richtige Ort für eine erste Trinkpause. Danach ging es weiter zum oberen Teil der Hochebene, wo der Stallerbach über ein Brücklein überquert wird. Jetzt wurde es etwas steiler und enger, entlang einer Moräne schlängelte sich der Pfad vorbei; schon bald müsste der Blick zum Übergang frei werden. Doch das zog sich hin: bis zum Pass waren es noch ca. 1.4 km und 130 m Aufstieg. Nach knapp drei Stunden standen wir beim mächtigen Steinmann und den Wegweisern auf dem Stallerberg. Nun änderte sich die Kulisse fast schlagartig: der weite Blick in den Avers, fast 500 m tiefer die Häuser von Juf. Hinter einem Felsbrocken nutzen wir die Windstille und die Zeit für eine ausgiebige Mittagsrast. Von hier könnte man auch in zwanzig Minuten zu den hundert m höher liegenden Flüeseen aufsteigen. Wir genossen die Pause und verzichteten – gut so, da kamen nämlich grade fünf(!) grosse Hunde mit zwei Frauen runter. Kam die Überlegung dazu, dass morgen eine happige Etappe vor uns lag. Für den Abstieg nach Juf hinunter benötigten wir eine Stunde – die Strecke ist steil und mit einigen grossen Tritten versehen. Im untersten Bereich dann über Weideland, in ausreichendem Abstande vorbei an aufmerksamen Mutterkühen. Juf, die in Europa höchstgelegene dauernd bewohnte Siedlung, hat immerhin zwei Beizen. Hier beschlossen wir unseren schönen und nicht sehr strengen Wandertag. Um drei Uhr bestiegen wir das Postauto, welches uns zwei Haltestellen weiterbrachte, bis nach Rufana, wo das Berghotel Bergalga steht – unsere Bleibe für eine Nacht. Vom kurz vor Juppa stehenden Haus hat man einen wunderbaren Blick ins Val Bergalga, zum 7.5 km weiter liegenden Bergalgapass (dem 2790 m hohen Übergang ins Bergell), und zu den markanten Dreitausendern Wissberg und Gletscherhorn. Vom Genuss dieses Panoramas von unserem Zimmerbalkon aus konnten wir nur schwer loslassen. Nach der wohltuenden Dusche und der kurzen Siesta das leckere Abendessen – zubereitet mit lokalen Bio-Produkten. Das Bergalga können wir sehr empfehlen.

Tag 2: Juf (Avers) – Forcellina – Septimerpass – Pass Lunghin – Piz Lunghin – Lägh dal Lunghin – Maloja
Nach einer erholsamen Nacht erwartete uns die ersehnte, lange und grossartige Tour. Direkt vor dem Hotel bestiegen wir um 07:47 das Postauto, um die 2.2 km lange Strecke bis Juf elegant zurück zu legen. Um acht Uhr dann der Start in einen eindrücklichen und abwechslungsreichen Bergwandertag. Die ersten 2 km noch im Schatten laufend, vorbei an Alpagada bis zum P.2185 (Bleis), verliefen flach. Jetzt galt es links zu halten, weissrotweiss markiert über P.2252 (Mutt), vorbei an weidenden Tieren. In Serpentinen waren über eine Strecke von 1.5 km ca. 400 Hm aufzusteigen. Bald erreichten uns die ersten Sonnenstrahlen. Hinter uns schnaubte eine Gruppe von BikerInnen (aus Lindau) hoch, die Maschinen geschultert(!). Die hatten vor, ab Septimerpass nach Casaccia ins Bergell runter zu fahren. Etwa 20 Hm unter der Fuorcla da la Valletta (über welchen Bivio zu erreichen wäre), hielten wir nach Süden und querten die etwa dreihundert Meter über uns stehenden Flühe. In diesem Bereich bot sich «unseren» Bikern die Gelegenheit, ihre Räder zu besteigen, und uns so gut es eben ging (😊) zu überholen. Nach einem kurzen Abstieg und Wiederaufstieg, vorbei an einem kleinen Seelein, aus dem der Planjentbach zur Juferalp abfliesst, war der Übergang Forcellina (2672 m) bald erreicht. Zur rechten der Piz Forcellina (2939 m), links der namenlose Gipfel P.2848, und vor uns eine famose Bergkulisse. In der Ferne das Berninamassiv mit dem Biancograt, in direkter Linie in ca. 4.7 km Distanz der höchste Punkt unseres Wandertags: der Piz Lunghin – ob wir das wohl schaffen? Voller Zuversicht, wie die mit uns zur «Abfahrt» startenden Biker und voller Motivation machten wir uns auf den Abstieg zum Pass dal Sett (2310 m). Auf diesem Abschnitt wurden wir verwöhnt mit einer reichen Fauna, aber auch mit Weitblicken bis in die Hochalpen und zu den Bergeller Gipfeln, vor allem zum beeindruckend schönen Pizzo Badile (3308 m). Auf dem Septimerpass angekommen, trafen wir auf ein paar Berggänger, welche von Bivio aufgestiegen sind. Wir überquerten die Bergstrasse um direkt in Richtung Pass Lunghin zu laufen (1 Std. laut Wegweiser). Den bekamen wir vorerst nicht ins Blickfeld, weshalb wir voller Spannung warteten, bis der Blick frei wurde. Hinter dem zu umrundenden Motta da Sett (2637 m) erblickten wir die oben liegende Restschneefläche und eine Markierungstange. Bei P.2476, nahe eines hübschen Seeleins hielten wir unsere Mittagsrast ab. Hier war es ziemlich windstill, was sich auf dem Pass wie erwartet änderte. Die restlichen knapp 200 Hm bis zum Pass legten wir anschliessend zügig zurück. Nun standen wir also auf dem Pass Lunghin, Europas einzige dreifache Wasserscheide. Der junge En/Inn fliesst ins Schwarze Meer, die Mera/Maira zur Adria, und die Gelga/Julia zum Rhein und in die Nordsee – sehr beeindruckend! Noch stärker beeindruckte uns der Blick zum hier nicht mehr so stark aufragenden Piz Lunghin (2780 m). Jetzt, wo wir schon mal hier waren, wollten wir uns diesen nicht entgehen lassen. Voll motiviert und mit schon 10 km Strecke in den Beinen machten wir uns auf in Richtung Grat – dort steht ein Kreuz bei etwa 2700 m, quasi der Westgipfel. Hier geht’s senkrecht runter, der Tiefblick nach Casaccia (1458 m) und gegenüber die mächtige Talsperre des Albigna Stausees. Fit wie wir waren, entschieden wir uns für den Gipfelaufstieg, ab hier definitiv weissblauweiss, alpin also. Schon bei der ersten Felsstufe galt es die Stöcke zu verstauen um die Hände freizuhaben. Doris meisterte die sehr hohen Tritte (Klettern I) ausgezeichnet, ich hintendran. Bis zum Gipfel dann noch weitere trickige Felsstufen, zwischendurch mal steile, rutschige, aber nicht ausgesetzte Spuren. Direkt unter dem Gipfel dann nochmals eine etwa drei Meter hohe Kletterstelle (II), und schon erblickte ich Doris mit dem nach oben gerichteten Daumen! Glücklich, es geschafft zu haben, gratulierten wir uns. Nach uns folgte noch ein jüngeres Pärchen, gerade rechtzeitig um von uns ein Gipfelfoti zu machen – danke!

Nach diesem (für uns grossartigen) Gipfelerfolg machten wir uns auf den Abstieg. Direkt unterhalb der Kletterstelle nutzten wir eine gut erkennbare Spur, welche über eine Geröllhalde zwar steil und rutschig, dafür aber direkt zum Lägh dal Lunghin hinunter führte. Langsame und kurze Schritte waren das Rezept, gut durchzukommen. Unterwegs Steine und Blocks in allen Farben. Den dreihundert Meter tiefer liegenden See erreichten wir in 35 Minuten. Zwischen grossen Blocks genossen wir nochmals eine längere Trinkpause. Der See glitzerte in allen Farben – ein wirklich tolles Schauspiel! Vor uns der (Normal-)Abstieg nach Maloja hinunter (1.75 Std. lt. Wegweiser). Im Abstieg ging der Blick immer wieder hoch zum aufragenden Piz Lunghin. Abgesehen von zwei steilen und über felsige Tritte verlaufenden Abschnitten führte der Weg nach Maloja hinunter über schöne Alpen, immer aussichtsreich (siehe Bilder). Bei P.1945 (Plan di Zoch) bestünde die Möglichkeit nach Blaunca und Grevasalvas zu wandern. Wir stiegen weiter ab durch eine schluchtartige Steilstufe, bis wir kurz vor Pila (P.1835) den Lauf der En erreichten. Jetzt ging es rasch und schon war die Hauptstrasse eingangs Maloja erreicht. Ein kurzer Aufstieg zu unserem lauschig gelegenen B&B «Villa La Rosée», ein herrlicher Ort. Mittlerweile war es 17:30 Uhr, also nutzten wir die Zeit bis zum Abendessen im Dorf für eine erfrischende Dusche. Nach fast neun Stunden Wanderzeit verspürten wir zu unserem eigenen Erstaunen keinerlei Beschwerden – die nötige Bettschwere hatten wir allerdings schon – nicht zuletzt auch des leckeren Essens wegen im Schweizerhaus (u.a. vorzügliche Pizokels, Capuns, Ossobucco, und natürlich ein Glas vom Guten…). Nach der wiederum sehr erholsamen Nacht in diesem alten Chalet (wir fühlten uns richtig willkommen und verwöhnt!) genossen wir ein wunderbares Frühstücksbuffet und die anschliessende Besichtigungsrunde durch das historische Haus. Danke schön, wir kommen gerne mal wieder!

Zum Abschluss dann eine herrliche Fahrt mit dem Postauto bis St. Moritz, von dort mit der Unesco Welterbe-Bahn nach Tiefencastel, und von dort wieder mit dem Postauto nach Bivio…

Wetterverhältnisse:
An beiden Tagen sehr sonnig mit freundlicher Schönwetter-Bewölkung, 10 bis 24°, nicht störende Bise mit Böen bis 30 km/h.

Hilfsmittel:
Sonnencrème (wichtig!), Stöcke, Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 08./09. Juli 2017
Schwierigkeiten: 1. Tag T3, 2. Tag T4 (Piz Lunghin, Gipfelaufstieg ohne Eisen und Fixseile, Kletterstellen I-II)
Strecke: 26.3 km, 1. Tag (9.5 km) Bivio (1769 m) – Stallerberg (2578 m) – Juf (2117 m); 2. Tag (16.8 km) Juf – Fuorcla da la Valletta (P.2566) – Forcellina (2672 m) – Septimerpass (2310 m) – Pass Lunghin (2645 m) – Piz Lunghin (2780 m) – Lägh dal Lunghin (2484 m) – Maloja (1801 m)
Aufstieg: 1. Tag ca. 813 m, 2. Tag 1286 m, total ca. 2099 m
Abstieg: 1. Tag ca. -461 m, 2. Tag ca. -1574 m, total ca. -2035 m
Laufzeit ohne Pausen: 1. Tag ca. 3 Std. 15 Min., 2. Tag ca. 6 Std., total ca. 9 Std. 15 Min.
Laufzeit mit Pausen: 1. Tag ca. 4 Std. 25 Min., 2. Tag ca. 8 Std. 50 Min., total ca. 12 Std. 15 Min.

Kamera:
Sony DSC-HX90V

ViaStockalper 3|3: Simplon Dorf – Gondoschlucht – Gondo

Erwartungsfroh und bestens gelaunt trafen wir uns um acht Uhr beim Frühstücksbuffet. Danach verabschiedeten wir uns vom sympathischen Gastgeberehepaar Romeo und Rita Arnold. Vor dem Start der Besuch in der örtlichen Sennerei Simplon, wo wir ein ordentliches Stück Käse abholen durften. Dann der Gang durch das schmucke Dorf bis zum unteren Ortsende, wo wir in der Bäckerei Arnold (Über 100 Jahre Tradition in 5. Generation) ein typisches Simpilär Roggenbrot (aus Sauerteig, wird nur aus reinem Roggenmehl, Wasser und Salz hergestellt) entgegennehmen durften. «Schwer beladen» nahmen wir den Abstieg ab südlichem Ortsende unter die Füsse. Erst auf der Napoleonstrasse, dann über eine Flurstrasse unter dem eleganten Chrummbachviadukt durch, von dort über das Wiesland der Chluisä. Es folgte ein etwas steilerer und ruppiger Abstieg nach Gabi hinunter; nach erneuter Überquerung der Nationalstrasse bei Gstein über die Brücke, welche die Doveria überquert. Hier links in Richtung Gondoschlucht. Nach rechts müsste laufen, wer über die Furggu (zwischen Seehorn und Guggilihorn) ins Zwischbergental wandern will. Durch lichten Wald laufend, hatten wir den Blick frei zum Gabi Klettersteig, welcher in der Felswand über dem Gabitunnel eingerichtet ist (siehe Bild). In der Äbi führte der Weg an einer Ruine vorbei, welche von Kaspar Stockalper als Warendepot konzipiert worden war. Hier am nördlichen Eingang der Gondoschlucht führte der steinschlaggefährdete Pfad rechts der Doveria entlang und unter senkrechten Felswänden durch. Bald sichteten wir links der Doveria die Alte Kaserne, ein ursprünglich napoleonischer Militärbau, welcher über eine Passerelle erreicht wird. Die im schlicht modernisierten Gebäude untergebrachte grosse Ausstellung informiert über die geschichtliche Entwicklung der Napoleonstrasse – sehr eindrücklich! Zurück über den Steg führte der Pfad erst der Doveria entlang talwärts, um nach etwa dreihundert Metern über einen Steg auf die linke Seite zu wechseln. Ausserhalb und entlang der Galerien der Nationalstrasse führte der Weiterweg über neu eingerichtete Metallstege, auf denen sich spektakuläre Tiefblicke in die Schlucht bieten. Nach Unterquerung der Nationalstrasse (bei Hohsteg) beeindruckten uns die steil aufragenden Felswände. Bei der Casermetta erreichten wir das Fort Gondo (eine Infanteriefestung); in der Festung führte der Weiterweg durch unterirdische Tunnels. Nach den (beleuchteten) Tunnels folgte ein gut ausgebauter, kurzer steiler Abstieg, danach war ein etwa 300 m lange stark steinschlaggefährdeter Hang zu queren – was uns veranlasste, Abstand zu halten. Bei Ramserna überquerten wir abermals die Doveria und unterquerten die Nationalstrasse erneut. Nach einem kurzen Auf- und Wiederabstieg «landeten» wir auf dem Dach der Galerie. Einen Kilometer vor Gondo fanden wir ein wenig exponiertes, schattiges und ruhiges Plätzchen für unsere Mittagsrast. Der Weiterweg folgte erst auf der Galerie und kurz vor Gondo ein kurzes Stück auf der Passstrasse. In der Dorfmitte auf dem schön gepflästerten Platz beim Hotel Restaurant Stockalperturm «feierten» wir den Abschluss einer tollen Dreitagestour. Die Wartezeit auf das Postauto verkürzten wir auf die angenehme Art (🍺🍺🍺🍺). Um 14:17 schliesslich der Start zur mühelosen Rückfahrt über den Simplonpass – beim Halt in Simplon Dorf konnten wir dann noch unser Gepäck einladen (herzliches Dankeschön an Frau Rita Arnold vom Hotel Grina für den Super-Service!).

Fazit:
Die dritte Tagesetappe – eine eindrückliche und spannende Tour durch die geschichtsträchtige Gondoschlucht. Das waren drei wunderschöne Tage auf der ViaStockalper – danke herzlich an Thomas und Michael für die Kameradschaft.

Wetterverhältnisse:
Schon wieder ein Traumtag, wolkenlos, blau blau blau, 24 bis 28°

Hilfsmittel:
Stöcke; Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 1. Juli 2018
Schwierigkeit: T1-2
Strecke: 9.5 km, Wanderweg Nr. 90, Simplon Dorf (ca. 1470 m) – Krummbachbrücke – Gabi (Gstein) – Äbi (1197 m) – Alte Kaserne – Hohsteg – Casermetta (P.1067) – Fort Gondo (Tunnel) – Ramserna (P.960) – Gondo (855 m)
Aufstieg: ca. 152
Abstieg: ca. -643m
Laufzeit ohne Pausen: total ca. 2 Std. 45 Min.
Laufzeit mit Pausen: total ca. 3 Std. 45 Min.
Tageszeit: 09:25 bis 13:10 Uhr

Kamera:
Sony DSC-HX90V

ViaStockalper 2|3: Simplonpass – Simplon Dorf

Nach einer angesichts der Lage direkt an der Nationalstrasse erstaunlich ruhigen und erholsamen Nacht trafen wir uns (nicht zu früh) um acht Uhr zum Frühstück. Auf dem bereits belebten Pass tummelten sich schon die ersten Wanderer und mobilen Nomaden. Nach dem ausgiebigen Genuss des famosen Bergpanoramas (im Norden reichte die Sicht bis zum Finsteraarhorn, im Osten das Breithorn mit deutlich sichtbaren Aufstiegsspuren zum Breithornpass auf dem Homattugletscher, der Chaltwassergletscher und darüber der Monte Leone, das dominante Hübschhorn, und im Süden das Fletschhorn). Bei dieser Kulisse fiel es uns nicht ganz leicht, loszulaufen. Doch vor uns lag ein weiterer Abschnitt unserer Kulturwanderung. Westlich der Nationalstrasse erst über flaches Weideland, ab Niwen dann auf dem alten Säumerweg bis zum Alten Spittel und dem Barralhaus, Fotosujets erster Güte. Nach einem kurzen Stück der asphaltierten Fahrstrasse entlang setzte sich der Wanderweg fort bis zur Nideralp, wo einige schmucke, alte Häuschen stehen. Über schönes Weideland fast flach weiter zur Chlusmatte, dort links haltend (rechts führte der Weg hinauf zum Sirwoltesee und Sirwoltesattel). Nach ein paar hundert Metern schon war die erste Tankstelle erreicht: das Gasthaus Engiloch (steht zum Verkauf für Fr. 533333). Wir hatten Zeit, also genossen wir diese erste Trinkpause… Nach der Rücküberquerung der Nationalstrasse der kurze Aufstieg zum Saumpfad, und dann über schönes Weideland leicht absteigend bis zum Weiler Maschihüs, einem Bio-Bauernhof. Kurz vor der Brücke über den Chrummbach fanden wir eine schattige Stelle direkt am Bach – wunderbar, um das Lunchpaket zu verzehren. Vom Maschihüs führte der Pfad nahe und parallel der Nationalstrasse bis zum schmucken Weiler Egga, vorbei an einer schönen Kirche und an gepflegten Häusern. Nach einem kurzen Abschnitt auf der alten Passstrasse führte der Wanderweg rechts weg in den Wald. Jetzt durchquerten wir die eindrückliche Landschaft durch das mächtige Geschiebe des Gletschersturzes von 1901. Hier geht der Blick hoch zum eindrücklichen Rossbodegletscher resp. zu dessen gigantischer Abbruchstelle. Unterhalb der Häusergruppe Sengg senkte sich der Saumweg in einem weiten Bogen und führte über schönes Wiesland hinunter nach Simplon Dorf. Im Zentrum war unsere Bleibe für die kommende Nacht, das Hotel Grina, nicht zu verfehlen. Schnurstraks ab in den schönen Garten, Prost mit Panachés🍻! Nach dem Zimmerbezug und einer kurzen Siesta nutzten wir die reichlich verfügbare Zeit für einen ausgedehnten Dorfrundgang, den Besuch des wunderbaren Ecomuseums im «Alten Gasthof». Das schöne Dorf verdient einen Besuch – auch wenn viele auf der Nationalstrasse einfach achtlos vorbeisausen. Dem Apéro im Garten folgte das abschliessende leckere Abendessen im Hotelrestaurant (natürlich CB!!).

Fazit:
Diese zweite Tagesetappe glich einem Wander-Spaziergang auf Napoleons Spuren in eher anspruchslosem Gelände. Landschaftlich sehr reizvoll, mit hohen Gipfeln in allen Richtungen und vorbei an schönen Weilern.

Wetterverhältnisse:
Ein Traumtag, wolkenlos, blau blau blau, 20 bis 26°

Hilfsmittel:
Stöcke; Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 30. Juni 2018
Schwierigkeit: T1-2
Strecke: 9.6 km, Wanderweg Nr. 90, Simplonpass Hotel Monte Leone – Niwen – Alter Spittel – Nideralp (1825 m) – Chlusmatte – Engiloch (Restaurant) – Maschihüs (1621 m) – P.1593 – Egga – Gletschersturz – Simplon Dorf (ca. 1470 m)
Aufstieg: ca. 60
Abstieg: ca. -570 m
Laufzeit ohne Pausen: total ca. 2 Std. 50 Min.
Laufzeit mit Pausen: total ca. 4 Std. 08 Min.
Tageszeit: 09:15 bis 13:30 Uhr
Unterkunft: Hotel Grina (sehr empfehlenswert!)

Kamera:
Sony DSC-HX90V

ViaStockalper 1|3: Brig – Simplonpass

Auf der ÖV-Anreise am Vortag trafen wir in Bern Thomas und in Brig der aus Bielefeld angereiste Michael. Der spätere Nachmittag war wie geschaffen für etwas Kultur: Spaziergang durch das schöne Stadtzentrum, Besuch des Stockalperschlosses, erbaut in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts vom Briger Handelsherrn Kaspar Stockalper, abschliessendes Abendessen in einem der zahlreichen Restaurants. Die eindrucksvolle Geschichte des Kaspar Stockalper und die der wirtschaftlich wichtigen Handelsroute über den Simplonpass prägt das Wallis bis heute. Hundert Jahre später erkannte Napoleon Bonaparte die strategische Bedeutung dieses grossen Alpenübergangs für seine Pläne in Italien. 1805 war die erste fahrbare Passstrasse in den Westalpen vollendet. Die damals schon visionäre Linienführung wurde für den Bau der Nationalstrasse in den 1960er Jahren weitgehend übernommen. In der Folge geriet der Stockalper-Saumpfad in Vergessenheit, weil er von den neuen Verkehrswegen kaum berührt wurde. In den 1990er Jahren reaktivierte ihn die Stiftung Ecomuseum Simplon und machte ihn zum Rückgrat ihres Freiluftmuseums. Unter dem Namen ViaStockalper ist er heute Teil der ViaStoria Kulturwege Schweiz. Soviel in wenigen Worten zur Geschichte. Wir nutzten das ausgezeichnete Paket von Brig Simplon Tourismus (Unterkunft, Halbpension, Besichtigungen, Lunchpaket, Gepäcktransport).

Nach dem gemütlichen Frühstück bestiegen wir um 09:18 das Postauto für die zehnminütige Fahrt nach Brig-Brei; so ersparten wir uns die ersten 2.5 km Marsch auf Asphalt und vernichteten erst noch mühelos 200 Hm. Es erwartete uns ein strahlend-schöner Wandertag mit einem Aufstieg von immerhin 1500 Metern, verteilt über 11 km. Die noch immer präsente leichte Bise milderte die gefühlte Temperatur; ausserdem verlief die Strecke abwechselnd auch im Schatten des Waldes – ideal also! Wir liessen es gemütlich angehen, dennoch erreichten wir den Gfalte Wald und Chalchofen rasch. Auf dem wiedergestellten Hangweg bot sich ein eindrücklicher Tiefblick in die 400 m tiefer liegende Saltinaschlucht – welche übrigens nicht durchgehend begehbar ist. Etwas unterhalb der Nationalstrasse, ab Chalchofen, dann der steile Abstieg zum 220 m tiefer liegenden Grund. Hier fliessen drei Bäche zur Saltina zusammen (Ganterbach, Taferna und Nesselbach). Ab hier führt ein gut unterhaltener Weg entlang dem Tafernabach – schönes wildromatisches Gelände, angenehm steigend, über viele schöne Holzbrücken. Bald war die Ruine der ehemaligen Säumerstation des Gasthofes Taferna erreicht. Vor uns jetzt das letzte Wegstück, welches ab Egga in Serpentinen steil hinauf führte zum Simplonpass. Diese vierhundert Aufstiegsmeter brachten uns mächtig ins Kochen. Gut, dass nun bald eine «Tankstelle» kam. Doch vorher packte uns der Ehrgeiz: der kurze Aufstieg zum Wahrzeichen des Passes, dem Steinadler. Welch ein famoses Panorama hier oben! Dreissig Meter unter uns die lärmige Passstrasse, das Hospiz und unsere Unterkunft für die nächste Nacht – das Hotel Monte Leone. Auf der Terrasse dann (endlich) das ersehnte Panaché – mit einem Prost auf einen wunderbaren Wandertag!

Fazit:
Diese erste Tagesetappe war die längste, sowohl betr. Distanz, wie auch diejenige mit den meisten Aufstiegsmetern. Unterwegs ohne nennenswerte Schwierigkeiten, landschaftlich wildromantisch, grün und viel Wasser. Und wichtig: Michaels Bein hat die Strapazen dieser langen Tour ohne Beschwerden mitgemacht – toll!

Wetterverhältnisse:
Zu Beginn wolkenlos und sehr sonnig , am Nachmittag sonnig mit leichter Bewölkung,
20 bis 24°

Hilfsmittel:
Stöcke; Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 29. Juni 2018
Schwierigkeit: T2
Strecke: 10.9 km, Wanderweg Nr. 90 (weiss-rot-weiss), Brig-Brei (887 m) – Chräijubielwald (P.1092) – Gfalte Wald – Schwamm – Äscha – Chalchofen – Gfallte Wald – Grundachra – Grund (1071 m) – P.1248 – P.1531 – Taferna P.1597 – P.1800 (oberhalb Egga) – Lärchmatte – Simplonpass (2005 m) – Steinadler (2033 m) – Simplonpass Hotel Monte Leone
Aufstieg: ca. 1522
Abstieg: ca. -409 m
Laufzeit ohne Pausen: total ca. 4 Std. 08 Min.
Laufzeit mit Pausen: total ca. 6 Std.
Tageszeit: 09:30 bis 15:30 Uhr
Unterkunft: Hotel Monte Leone (im runden Turm…)

Kamera:
Sony DSC-HX90V

Bärli – auf der Ziegenalp Falla zuhause

Vorinformation:
Bärli? So heisst Ruedi’s Patenziege. Sie lebt zusammen mit 97 anderen Ziegen auf der Klosterser Ziegenalp Falla. Diese kleine Alp liegt auf der linken Talseite des Vereinabachs  und der Landquart oberhalb Pardenn und Novai. Die Weiden erstrecken sich von 1500 bis 2200 m.ü.M. Die Alpgebäude (Hütte, Sennerei, Käsekeller und Schermen) liegen auf 1680 m.ü.M. und sind durch eine Transportseilbahn erschlossen. Dank der Coop-Patenschaften konnten Alpgebäude erneuert werden. Zu Fuss erreicht wird die abgeschiedene Alp über einen sehr steilen, nicht markierten und kaum sichtbaren Pfad. Die Alp Falla wird von der Ziegenhaltervereinigung Klosters-Serneus mit rund 100 Milchziegen bestossen während ca. 100 Tagen. Die beiden sympathischen Alphirten Gesa und Ben betreuen die Geissen, hauptsächlich Gemsfarbige Gebirgsziegen, Bündner Strahlen und Toggenburger. Während der Zeit von Mitte Juni bis Mitte September stellen sie rund 1050 kg Ziegenkäse her.

Zur Wanderung:
Beim Parkplatz in Monbiel wurden wir erwartet von Marilen von der Ziegenhaltervereinigung Klosters-Serneus. Dazu gesellten sich noch die beiden Ziegenpaten Kurt und Harry. Bald zeigte sich, dass eine ortskundige Führung dringend zu empfehlen ist. Das auf einem Vorsprung stehende Alpgebäude der Alp Falla war schon zu sehen. Nach etwa 2 km verliessen wir die Wander- und Bike-«Autobahn» kurz vor dem Pardenner Boden. Über eine Brücke überquerten wir die hier noch junge Landquart, welche wenige hundert Meter weiter oben bei Novai aus dem Zusammenfluss von Vereinabach und Verstanclabach entsteht. Nach etwa zweihundert Metern, in der Engi, dort wo die kleine Talstation der zur Alp hochführenden Transportseilbahn steht, führte uns Marilen zielstrebig durch wegloses Buschwerk. Ab und zu waren Spuren zu erkennen und Geissenböhnli bestätigten uns, auf dem richtigen «Weg» zu sein. Steil, sehr steil, und schweisstreibend dazu, überwanden wir über eine Strecke von 400 m eine Höhendifferenz von 200 m. Auf einem kleinen Plateau auf etwa 1520 m dann etwas nach Westen ausholend, hofften wir bald auf «unsere» Geissen zu stossen. Nichts zu hören; also wandten wir uns weiter steil aufsteigend in Richtung SO; noch immer weglos, mittlerweile durch schulterhohes Farn – irgendwie spannend! In einer engen Rinne wählten wir die Direttissima, wo wir rasch an Höhe gewannen. Auf etwa 1700 m Höhe, etwas östlich und oberhalb der Alp Falla, genossen wir an aussichtsreicher Stelle die Mittagsrast. Und Ike, der Hund von Marilen, genoss die Pause auf seine Art mit einem Schlammbad in einer Pfütze. Von der Ziegenherde war noch immer nichts zu hören. Unsere Vermutung, dass sich die Tiere nordwestlich unter uns auf verbuschtem Gelände aufhielten, bestätigte sich bald. Nahendes Glöggligeklingel kündigte uns an, dass wir wohl bald auf die noch immer nicht zu sehende Herde treffen würden. Tatsächlich: als das Gelände etwas offener wurde, sahen wir auch schon die gemütlich kräuterfressende Herde, angeführt von Sennerin Gesa und Sennenhund Joly. Bald standen wir mitten in der Herde, auf der Suche nach Bärli natürlich – das ist sie! Ein besonders schönes, aber etwas scheues Tier. Einige Ziegen waren besonders anhänglich und genossen die Streicheleinheiten, ja verlangten nach Zugaben… Zeit für einen Kafi, der uns Gesa zubereitete, dazu leckerer Kuchen von Marilen. Zeit auch für einen Schwatz mit Ben, der für die Käserei zuständig ist. Zu Recht stolz zeigte er uns das neu gebaute Käsereigebäude und natürlich sein schon stattliches Lager. Auch die vier Schweine freuten sich über den Besuch; sie geniessen das Alpleben in diesem temporären Paradies offensichtlich.

Nach der eindrücklichen Begegnung auf dieser schön gelegenen Alp wählten wir für den Abstieg den «Normalweg». Zwar war der stark überwachsene Pfad zwischendurch zu erkennen, Misstritte sollten aber unbedingt vermieden werden. Über einen Kilometer waren 300 Hm Abstieg zu bewältigen. Zum Glück war das Gelände trocken. In der Engi bei der Brücke schloss sich der Kreis. Wir spazierten am linken Ufer der wild plätschernden Landquart in Richtung Monbiel. Bei P.1276 war der Bergbach über eine schöne Hängebrücke zu überqueren. Ein kurzer, letzter Aufstieg zur Strasse, vorbei an sehr schönen Walser Häusern. Beim Parkplatz angelangt, waren wir uns alle einig, einen besonders eindrücklichen Wandertag erlebt zu haben. Danke Marilen für die sehr informative und sympathische Begleitung! Wir sehen uns wieder am Ziegenalpfest Alp Falla!

Fazit:
Tolle Idee unserer Freunde Ursle und Hitsch, die Ruedi zu seinem runden Geburtstag mit einer Ziegenpatenschaft beschenkten. Nochmal herzliches Dankeschön! Damit verbunden war ein schönes Wandererlebnis. Wir freuen uns schon auf das Alpfest am 12. August, wo wir «unseren» Käse erhalten werden.

Wetterverhältnisse:
Zu Beginn sonnig mit leichter Bewölkung, die Sonne bald verdrängt von der zunehmenden Bewölkung, trotzdem gute Sicht auf die umliegenden Gipfel, bis auf wenige Tropfen trocken, wenig störender Wind aus NO, anfänglich ca. 12°, im Tagesverlauf bis ca. 18°.

Hilfsmittel:
Bergschuhe mit guten Profilen, Stöcke (heute unbedingt zu empfehlen), GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 24. Juni 2018
Schwierigkeit: T3
Strecke: 9 km, Monbiel, Treffpunkt grosser Parkplatz am östlichen Dorfende – Baretschrüti – Auelti – P.1332 (Brücke über die Landquart) – Engi – Aufstieg weglos und sehr steil (>30°) durch Buschwerk bis zu den Flühen der Litzi – Rast bei ca. 1700 m.ü.M. – Kehrtwende in Richtung Alp Falla)
Aufstieg: ca. 474 m
Abstieg: ca. -455 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std. 15 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen 2 Std. 45 Min.
Tageszeit: 10:15 bis 15:30 Uhr

Kamera:
Nikon D7000

Rophaien 2077 m – Überschreitung mit famoser Gratwanderung

Auf der Fahrt auf der A2 ist uns immer wieder das markante Gipfelkreuz des Rophaien hoch über Flüelen aufgefallen, an dessen steil abfallenden Halden und Wänden Wildheuer ihre gefährliche Arbeit machen. Mal dort oben zu stehen, und die Eiligen von oben zu grüssen, das war heute unser Ziel.

Für die Anreise mit dem PW (ÖV-Anreise 3 Std.) benötigten wir knapp anderthalb Stunden. Die Bergfahrt von Sisikon ins Riemenstaldner Tal hoch bis Chäppeliberg ist recht schmal und abenteuerlich (770 Hm) – zum Glück war heute Mittwoch. Bei der Talstation der Luftseilbahn Chäppeliberg-Spilau angekommen, durften wir auf dem Parkplatz (auf Anfrage) gratis parkieren. Um neun Uhr starteten wir gleich bei der Talstation auf dem markierten WW entlang dem Riemenstaldner Bach (Verlauf auf der Kantonsgrenze UR/SZ) bis zum hübschen Chäppeli. Bei der Brücke über den Bach, dann gemütliches Einlaufen auf der Alpstrasse vorbei an den Gebäuden Cher und Schübli, dann im Wald in einer Kehre ausholend, durch die Ängi vorbei an der Talstation der Versorgungsseilbahn zur Alp Rotenbalm. Auf Alplen wurde emsig gekäst, unser Weg führte links an den Alpgebäuden vorbei. Jetzt folgte eine erste steile Stufe über eine Auswahl guter Pfade. Hier ging der Blick links in Richtung Alpler Bach und hoch; dort stieg eine Dreierguppe auf, welche wir auf Distanz von etwa 300 m identifizierten. Unsere Zurufe wurden nicht gehört; wie sich später zeigte, gab es dann auf dem Rophaien eine überraschende Begegnung. Am oberen Ende der Steilstufe weitete sich das Gelände – der wunderbar gelegene Alpler See lag vor uns – eine Bilderbuchlandschaft. Der WW führte etwas oberhalb des Nordufers über eine weitere steile Stufe, anfänglich über kleinere Geröllhalden, dann am Fuss des aufragenden Holzerstocks steil hoch bis zur Stockalp. Niemand da, also konnten wir das an der Sonne stehende Bänkli nutzen für eine kleine Pause – und bei grossartiger Aussicht auf den Urnersee und die umgebenden Gipfel (Rigi, Vitznauer-/Gersauerstock, Rigi-Hochfluh, um nur einige zu nennen). Über uns der aus dieser Sicht etwas unförmige Rophaien, dessen Gipfelkreuz sich allerdings verbarg. Nun der Aufstieg, erst durch ein Blumenparadies von Alpenrosen und Trollblumen, dann immer steiler werdend an der Westseite des Tagesziels. Die Sonne brannte nun erbarmungslos, und schattige Stellen boten lediglich einige Legföhren. Und plötzlich zeigte sich das Gipfelkreuz und der dort hinaufführende, in einer Mulde verlaufende Aufstieg. Auf dem Gipfel wurden wir von ein paar Gleichgesinnten und von ein paar gwundrigen (und erwartungsfrohen) Ziegen begrüsst. Oben angekommen, mussten wir unseren Platz fast erkämpfen, so „anhänglich“ waren die begehrlichen Tiere. Gegenwehr mit den Füssen half dann, und wir konnten die Gipfelrast ausgiebig geniessen.

Gerade, als wir aufbrechen wollten die freudige Überraschung. Ursula, Felix und Susanne erreichten ebenfalls den Gipfel – vom Äbneter Stöckli herkommend. Welche Wiedersehensfreude! Ein kleines hikr-Treffen quasi. Solche Zufälle lösen besondere Emotionen aus; wir haben uns sehr gefreut, euch zu sehen😊. Nach diesem Intermezzo begann der ernsthaftere Teil unserer heutigen Tour; die Route über den Grat und genau entlang der Kantonsgrenzee UR/SZ (mit Roten Chöpf und Äbneter Stöckli) war gut einzusehen. Die über etwa anderthalb Kilometer verlaufende Gratbegehung (weiss-blau markiert) hatte es dann auch in sich – jedenfalls definitiv etwas für schwindelfreie und trittsichere. An einigen besonders exponierten Auf- und Abstiegsstufen waren die Fixseile hilfreich, an den teilweise sehr ausgesetzten Gratstellen darf man sich von den Tiefblicken nicht scheuen. Uns hat der Grat sehr gefallen! Vor dem aufragenden Diepen (2221 m) drehte der markierte Pfad nach links, um leicht absteigend zum Firtiggrätli zu führen. Anschliessend waren ein paar ungefährliche kleine Schneefelder zu queren, und schon war die Alp Rotenbalm (1811 m) erreicht. Vorbei an der Bergstation der Versorgungsseilbahn wurde das Gelände nun zunehmend ruppiger um schliesslich vorbei an grossen Felsblöcken in eine steile Runse zu führen. Zeit für eine kurze Trinkpause auf einem der Blocks. Wenig später dann die Verzweigung bei P.1767: hier führte ein wbw-markierter Weg etwas höher und direkter nach Gitschen/Lidernenhütte. Wir wählten wrw und stiegen weiter ab durch diese enge und teilweise noch mit Restschnee gefüllte Schlucht. Am unteren Ausgang erreichten wir die Alp Zingeli – das Glockengeläut war schon von weitem zu vernehmen. Tiere sahen wir leider keine, im Stall waren aber wohl einige – etwas erstaunlich, bei diesem Traumwetter. Auch keine ÄlplerInnen waren anzutreffen. An einem der Brunnen füllten wir unsere Wasserflaschen auf, um den restlichen Weg und den kurzen Wiederaufstieg bis Gitschen, der Bergstation der Luftseilbahn zu erreichen. Etwas geschafft freuten wir uns nun über die kurze Wartezeit. Um vier dann die luftige Talfahrt in der Kistenbahn zur 550 Hm tiefer gelegenen Talstation Chäppeliberg. Dort verabschiedeten wir uns von der netten Frau Stadler, nicht ohne den Einkauf der leckeren Geisskäsli.

Fazit:
Diesen schönen Aussichtsgipfel mit dem monumentalen Gipfelkreuz zu besteigen – ein alter Wunsch ging heute in Erfüllung. Und auf dem Gipfel dann noch das überraschende hikr-Treffen mit Ursula, Susanne und Felix – schöne Zufälle gibt’s…

Wetterverhältnisse:
Herrliches Wanderwetter, Temperatur 17 bis 24° (zuhause 32°!) – schöne Fernsicht – wenig Wind (angenehm leichte Bise)

Hilfsmittel:
Stöcke, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 20. Juni 2018
Schwierigkeit: T4
Strecke: 11.4 km, Parkplatz bei der Talstation der Luftseilbahn Chäppeliberg-Spilau (1177 m) – Cher – Ängi – Talstation Versorgungsseilbahn Alp Rotenbalm – Alplen (P.1382) – P.1391 – P.1561 – Alpler See (1506 m) – Alp Stock (1705 m) – Rophaien (2077 m) – Roten Chöpf (1998 m) – Äbneter Stöckli (2087 m) – Firtiggrätli (1959 m) – Rotenbalm (1811 m) – P.1767 – Alp Zingeli (1639 m) – Gitschen (1717 m, Bergstation der Luftseilbahn Chäppeliberg-Spilau)
Aufstieg: ca. 1156 m
Abstieg: ca. -620 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 6 Std. 45 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen 4 Std. 25 Min.
Tageszeit: 09:00 bis 15:45 Uhr

Kamera:
Sony DSC-HV90V

Vitznauerstock 1450 m – Überschreitung

Je nach kantonaler Auslegung wird dieser markante und wilde Gipfel Vitznauerstock oder Gersauerstock genannt. Das monumentale Gipfelkreuz steht denn auch auf der Kantonsgrenze LU/SZ. Einheimische erklärten uns, dass es eigentlich zwei Gipfel gäbe, und auf dem wenige Meter östlich des Vitznauerstocks gelegenen Gersauerstock ebenfalls ein kleineres Gipfelkreuz stehe. In unserem Bericht ist der Einfachheit halber (und weil wir von Vitznau aufgestiegen sind) vom Vitznauerstock die Rede…

Zur Tour: spontan entschieden Sylvia und Jürg auf Anfrage, uns auf dieses Pensioniertentürli zu begleiten. Und das Wetter sollte nach diesen Regentagen auch mitspielen. Auf der ÖV-Hinfahrt bis Luzern und der anschliessenden Schifffahrt nach Vitznau dampfte zwar nicht das Schiff, das Wetter hingegen schon. Die Sonne sog die Feuchtigkeit richtiggehend auf, so dass sich die umliegenden Berge nur langsam zeigten. Beim Schiffsteg in Vitznau war der Gipfel noch wolkenverhüllt. Trotzdem motiviert machten wir uns auf die quer durch Vitznau verlaufende Strecke hinauf bis zu den Talstationen der beiden Seilbahnen (Hinterbergen und Wissifluh). Beim Wehr am Altdorfbach hielten wir rechts, vorbei an der dort eingerichteten Kletterwand(😊). Hier ist auch der Eingang zur Festung Vitznau (Artillerie-Felsfort, Kasemattenwerk), heute Museum. Gleich zu Beginn begann es heftig zu steigen, und das bei dieser sehr hohen Luftfeuchtigkeit. Erst über Weideland und unter der Seilbahn verlaufend führte der wrw-markierte Pfad dann zunehmend steil im Wald hoch, bis auf einer Höhe von 800 m.ü.M. die St. Antoni-Kapelle erreicht war. Hier gönnten wir uns eine erste Trinkpause. Gleich nach diesem besinnlichen Ort bei P.819 die Verzweigung, wo es auch direkt nach Hinterbergen oder Fälmis hoch ginge; wir drehten in Richtung Süd (Wegweiser Wissifluh). Es folgte ein immer ruppiger werdender Pfad, der ab P.914 schliesslich unter felsigen Flühen durchführte. Hier waren einige Stellen seilgesichert, was vor allem im Abstieg hilfreich wäre. Das Gelände sehr feucht und unangenehm schmierig-rutschig. Bald war die im Wald auf einem Felssporn stehende Bergstation Wissifluhbahn erreicht. Ab hier verlief der Pfad angenehmer und über eine trockene «Strasse». Beim aussichtsreich gelegenen Restaurant Wissifluh (946 m) hielten wir links, um weiter aufzusteigen. Durch schönste Alpwiesen führte der Weg hoch bis Oberurmi (1154 m); auf diesem Abschnitt erfreute uns die Sonne, in Oberurmi dann die tolle Aussicht nach Gersau und Beckenried hinunter und auf den «Vier-Kantone-See». Sogar der Urirotstock zeigte sich zaghaft. Nach einer weiteren Pause drehten wir in Richtung Nord zum Waldrand, hoch, über uns das bewaldete Gipfelziel. Nun folgte ein Aufstieg in Gratnähe, der es in sich hatte: nass-feucht, schmierige rutsch-gefährdete hohe Tritte (gell Sylvia!?), teilweise seilgesicherte Querungen unter Felsen – eine wilde Gegend! Immer wieder meinten wir, den Gipfel bald erreicht zu haben. Ab Oberurmi waren auf einer Strecke von einem km immerhin 300 Aufstiegsmeter zurück zu legen. Dann plötzlich ein letzter felsiger Aufschwung – und endlich standen wir am Abgrund beim übergrossen Gipfelkreuz auf dem Vitznauerstock. Hier verweilten wir etwas länger und genossen den Tiefblick und eine kleine Mittagsrast, selbstverständlich war auch der Eintrag ins festmontierte Gipfelbuch – der letzte war vom 10. Juni.

Nach ausgiebigem Gedanken- und Erfahrungsaustausch mit einem netten, älteren einheimischen Berggänger (dem einzigen, den wir heute angetroffen haben), der von Fälmis aufgestiegen war, machten wir uns auf den Abstieg – das Gipfelkreuz des Gersauerstocks haben wir nicht gesehen… Der Abstieg verlief weiter auf der Kantonsgrenze. Und nun urplötzlich die bekannte Leiter vor uns, welche allerdings keine wirkliche Herausforderung bedeutete – selbstverständlich entsprechende Vorsicht vorausgesetzt. Das folgende Abstiegsgelände nochmals sehr schmierig und weiterhin ausrutsch-gefährdet. Oberhalb Fälmis dann eine lange Bank an der Sonne, welche uns geradezu einlud, zu pausieren – mittlerweile bei schönstem Wetter. Ab P.1176 (Fälmis) dann leichtes Auslaufen auf der Strasse bis zur einen km entfernten Wirtschaft Hinterbergen. Hier liessen wir uns zu einer längeren Mittagspause nieder auf der einladenden Terrasse. Die sehr nette Gastfreundschaft der Familie Küttel hier oben zu geniessen, war ein schöner Abschluss einer doch fordernden Bergwanderung. Der kurze Weg zu Bergstation der Seilbahn meisterten wir mit etwas schweren Beinen. Für 8 Franken pro Person konnten wir elegant und knieschonend ca. 600 Hm vernichten. Bei der Schiffstation Vitznau angekommen, wählten wir für die Heimfahrt eine ziemlich ausgefalle Route: Bergfahrt mit der Bahn auf Rigi Kulm, dort Umstieg ins «blaue Bähnli» und Talfahrt nach Arth Goldau hinunter. Von dort mit der SOB gemütlich über Sattel – Rothenturm – Biberbrugg – Pfäffikon SZ – Rapperswil ins Zürioberland. Sowas geht am idealten mit einer Spartageskarte HT für 59 Franken.

Fazit:
Eine nicht zu lange, teilweise aber ruppige und Trittsicherheit abverlangende Bergwanderung mit über tausend Aufstiegsmetern, welche angeblich früher weiss-blau-weiss(!) und seit einiger Zeit weiss-rot-weiss markiert ist. Nach unserer Erfahrung und unter Berücksichtigung der Verhältnisse eher T4 als T3. Ein schönes Pensioniertentürli – fast schon wie früher ein Schulreisli😊 – war das mit euch Sylvia und Jürg; danke, ihr ward tüchtig!

Wetterverhältnisse:
Zu Beginn etwas bewölkt, bald zunehmend sonniger mit leichter Bewölkung, auf dem Gipfel gute Sicht auf die umliegende Seen- und Berglandschaft, die Weitsicht war etwas getrübt. Anfänglich ca. 12°, im Tagesverlauf bis ca. 24°.

Hilfsmittel:
Stöcke (heute unbedingt zu empfehlen), GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 15. Juni 2018
Schwierigkeit: -T4
Strecke: 8.2 km, Schiffssteg Vitznau, Talstationen der Seilbahnen (Hinterbergen und Wissifluh) – St. Antoni-Kapelle – P.819 (Verzweigung) – P.914 (Verzweigung) – Bergstation Wissifluhbahn – Restaurant Wissifluh (946 m) – Oberurmi (1155 m) – Vitznauerstock (1450 m) – P.1176 (Fälmis) –  Alpwirtschaft Gründli – Wirtschaft Hinterbergen – Bergstation Seilbahn Vitznau-Hinterbergen)
Aufstieg: ca. 1038 m
Abstieg: ca. -371 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 6 Std.
Benötigte Zeit ohne Pausen 3 Std. 15 Min.
Tageszeit: 09:10 bis 15:10 Uhr

Kamera:
Nikon D7000

Schimberig 1816 m, über den luftigen Hängst

Die Teilnahme an der Geburtstagsfeier zweier Freunde (in Bäup) brachte uns auf die Idee, zu übernachten und den Sonntag auf der Rückfahrt durch das Emmental und die Unesco-Biosphäre Entlebuch zu nutzen für eine Tour auf den Schimberig. Das Gebiet am Glaubenberg kannten wir bislang nicht. Und die hikr-Berichte von Ursula&Felix und Fraroe (Franz und Rösly) motivierten uns geradezu zu dieser knackigen Tour. Zwar wussten wir um die respektable Schlüsselstelle am Hängst, die notfalls auch unterquert werden könnte.

Etwas oberhalb der Alpwirtschaft Gründli fanden wir einen Parkplatz an der Glaubenberg-Passstrasse. Die sympathische Alpwirtschaft liessen wir vorerst rechts stehen; die Belohnung sparten wir auf, denn zuerst wollten wir etwas leisten. Gleich unterhalb des Gründli überquerten wir das Wildwasser der Grossen Entle, um nach wenigen Metern bei Punkt 1127 rechts zu halten. Auffallend waren die bereits zu Beginn und dann durchgehend weiss-blauen Markierungen – nach unserer Auffassung etwas übertrieben. Vorbei am Vordergrund und oberhalb bei P.1153 verlief der gute Pfad am Rand des schattenspendenden Waldes. Nach etwa einem Kilometer wurde es ruppiger und steiler bis zur Bergstation der Transportseilbahn, welche die Schafschimbrig-Hütte versorgt. Die Hütte umgingen wir westlich, um dann in einigen Kehren (an der prallen Sonne) bis zu P.1475 weiter aufzusteigen. Ab hier bewegten wir uns immer möglichst nahe des (noch) nicht ausgeprägten Grates. Nach etwa dreihundert Metern (und hundert Hm) verliessen wir den Wald und der Ausblick weitete sich, nicht zuletzt deshalb, weil wir den weiteren Aufstieg links auf dem Grat und nicht wie markiert in der parallel verlaufenden Mulde zurücklegten. Bis P.1755 (Wegweiser) waren jetzt noch vierhundert Meter Strecke zurück zu legen; die wbw-markierte Stange mit Wegweiser war von weitem zu sehen. Hier wird der Weiterweg nach links gewiesen, auf welchem der Hängst unterquert wird und der Schimberig direkt erreicht wird. Ein Hinweis zum Hängst fehlt, was schade ist. Der weitere Aufstieg (50 Hm) führte wegelos durch hohes Gras (und Brennnesseln!); Trittspuren waren kaum zu erkennen. Vor dem höchsten Punkt war in einem kurzen Zwischenabstieg ein leicht ausgesetztes Grätchen zu überwinden. Auf dem Hängst angekommen die Schlüsselstelle: eine beeindruckende, fünf Meter hohe felsige Steilstufe, die abgeklettert werden musste. Gut für uns, dass vier Huttwiler SACler (Ursula, Felix, Jumbo, Thömu) auf ihrer gemeinsamen Tour am 12. Mai die Stelle mit einer verankerten Eisenstange und einer Schlinge etwas entschärften (Danke viu mau!). Dank dieser Hilfe gelang der Einstieg zum Abstieg etwas einfacher. Wer kurze Beine hat, muss mit etwas mehr Mühe rechnen; aber ich bin vorgestiegen und habe Doris gecoacht. In der senkrechten Kletterstelle hat es aber ein paar gute Trittstellen. Was dann folgte, war die zweite Herausforderung: ein etwa sieben Meter langer sehr schmaler und luftiger Grat; links und rechts geht’s tiiiiiiiief runter. Nach diesem Meisterstück fühlten wir uns bestätigt, doch ziemlich schwindelfrei zu sein. Der restliche Weg bis zum Schimberig war ein Spaziergang. Auf dem Gipfel hat es Platz für viele, zahlreich war heute der Besuch. Aber die Bankniederlassung war frei, und wir genossen die Gipfelrast ausgiebig. Das Panorama war etwas getrübt durch die (angekündigte) Quellbewölkung.

Auf der Abstiegstrecke bis zur Verzweigung Schimbrigbad/Chätterech verläuft der Pfad durch lichten Wald; wer wie wir ein paar Meter links lief (immer auf der Grathöhe), hat mehr Weitblick. Bei der genannten Verzweigung war ein Stacheldrahtzaun (ja solche gibt es noch immer!) zu überwinden über eine kleine Leiter. Der passartige Einschnitt Ober Loegg (1469 m) war bald erreicht; beim Weidezaun folgten wir dem Wegweiser (wrw) über Under Loegg – wo wir auf die ersten Alpviecher trafen – bis zur Alp Chätterech (1240 m). Hier feierten die Älpler mit ihren Familien grade – das Jodelchörli war schon von weit oben zu hören. Hier dann auch die ersten (scheuen) Tropfen. Nun folgte der etwas unangenehme Weiterweg auf der holprigen Alpstrasse hinunter bis Vordergrund. Etwas unangehm, weil wir immer wieder von talwärts fahrenden SUVs «bedrängt» wurden. Bei P.1127 schloss sich unsere schöne Runde. Nun winkte die Belohnung in der Alpwirtschaft Gründli – sympathisch, weil sich hier alle duzen. Die Belohnung war dann doch etwas reichlich: zuerst Panachés um die Flüssigkeitsdepots aufzufüllen, danach Süsses (Meringues für Ruedi natürlich…). Gerade zur richtigen Zeit, als wir gemütlich in der Gartenwirtschaft sassen, begann es kurz und kräftig zu schütten. Machte uns nichts aus, wir waren ja am Schärme. Und als es vorbei war, waren wir bereit für die kurzweilige Heimfahrt durch dieses schöne Land.

Fazit:
Eine eher kurze, dafür umso anspruchsvollere, witterungsbedingt stimmungsvolle, teilweise alpine Bergwanderung, welche uns sehr gut gefallen hat. Danke Dir lieber Felix, für die vielen Tipps in der Vorbereitung!

Wetterverhältnisse:
Zu Beginn sonnig mit leichter Bewölkung, an Schimberig-Gipfel mit zunehmend stärkerer Bewölkung, ab Chätterech einige Regentropfen, ca. 18 bis 24°, wenig ausgeprägte Gewittertendenz

Hilfsmittel:
Stöcke, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 10. Juni 2018
Schwierigkeit: T5, I-II nach UIAA-Skala (Kletterstelle Hängst), ansonsten T3
Strecke: 7.6 km, Parkplatz oberhalb Alpwirtschaft Gründli – P.1127 – Vordergrund – P.1153 – Vordergrund – Schafschimbrig-Hütte – P.1475 – P.1755 (Verzweigung) – Hängst – Schmiberig – Ober Loegg – Under Loegg – Chätterech – P. 1127 – Alpwirtschaft Gründli🍺🍺
Aufstieg: ca. 726 m
Abstieg: ca. -713 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 4 Std. 15 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen 3 Std.
Tageszeit: 10:00 bis 14:15 Uhr

Kamera:
Sony DSC-HV90V

Asciano – Serre di Rapolano – Rundtour le Crete

Den angekündigten schönen Frühsommertag wollten wir nutzen für eine weitere, nicht sehr fordernde, aber auch nicht zu kurze Rundwanderung im Gebiet der Crete. Nach einem Caffè in einer Bar im Centro storico starteten wir bei noch etwas bedecktem Himmel. Im Nachhinein durften wir froh sein darüber, dass uns die Sonne nicht gleich zu Beginn einheizte. Vorbei an der Chiesa della Madonna del Giardino verlief die gewählte Strecke (Weg Nr. 525 – schlecht resp. gar nicht markiert) leicht steigend durch eine von der Landwirtschaft geprägten natürlichen Landschaft, welche in sattem Grün eingebettet war. Dazwischen immer wieder grössere, rot leuchtende Mohnfelder, welche diesen typischen Landschaftszauber ausmachen. In grösseren Abständen passierten wir Bauernhöfe (siehe Streckenbeschreibung). Als wir den höchsten Punkt beim Podere Piocaia (ca. 315 m.ü.M.) erreichten, hatte sich der morgendliche Nebel verzogen. Herrliches Gelände mit Blick zur nahen Terme di Rapolano und zum Nachbarort Serre die Rapolano. Zwar wussten wir schon um die herausfordernde Schwierigkeit, nahe der Bauernhöfe ihre Aufgabe sehr ernst nehmenden Hirtenhunden zu begegnen. In der Regel machen sich die schönen und eindrücklich-aggressiven Tiere frühzeitig bemerkbar. Ganz anders aber beim Podere Treno; wie aus dem Nichts werden wir von einem wilden Rudel sieben(!) Hunden umringt und mit wildem Gebell bedroht. Doris hatte schon den Pfefferspray bereit; mit vereinter energischer Gegenwehr gelang es uns, die wilde Horde auf Distanz zu halten. Dazu sei erwähnt: Angst darf man in solchen Situationen keinesfalls zeigen – eine Kunst, die ziemlich Überwindung fordert. Die folgenden Höfe wurden zwar auch von Hunden bewacht, die aber immerhin von Zäunen in Schach gehalten waren. Nahe der Terme di San Giovanni überquerten wir die Bahnlinie, um dann (auf geteerter Strasse) den Ortsrand Serre die Rapolano zu erreichen. Hier missbrauchten wir ein am Strassenrand stehendes Bildstöckli mit Travertinbank(!) für die Mittagsrast. Hier erreichte uns dann auch eine Whats-Nachricht von Richi, der sich erkundigte, wie wir es denn in der Toscana so hätten – unsere Antwort war „So olala“. Naja, schliesslich wollten wir nicht die armen daheimgebliebenen Werktätigen mit „übertriebenen“ Darstellungen und Bildern „belästigen“😊. Nach der Mittagsrast meinten wir eine Abkürzung durch einen Olivenhain machen zu können – der Weg war hübsch, aber nicht durchgehend. Ein Stück weiter dann eine Erfahrung, die wir in der Toscana oft machten: es gibt durchaus gute Wanderkarten und auf diesen mit Nummern bezeichnete Wanderwege. Nur in der Praxis fehlen bestenfalls die Wegmarkierungen (oder sie sind gut versteckt resp. überwuchert), oder die Wege sind ganz einfach nicht (mehr) vorhanden. Die Option, die Felder einfach durch das hohe Gras zu durchqueren, war Doris mit ihrer Pollenallergie nicht zuzumuten. Also ungeplante Umwege! Die Schwierigkeit war, südlich von Serre die Rapolano einen vernünftigen Übergang über die Bahnlinie zu finden. Die Richtung kannten wir ja, und ungefähr beim Podere Poggio Greppoli trafen wir dann wieder auf die geplante Strecke, mittlerweile als Nr. 505 (auf der Karte) bezeichnet. Der Weg führte über offenes Gelände, und in der Ferne waren auch schon die Häuser von Asciano zu erkennen. Auf dem Weg dorthin dann noch der schöne Ausblick auf ein veritables Bahnviadukt, und fast wie bestellt wurde dieses befahren von einer modernen Zugskomposition (Stadler Rail!). Bei der Chiesa della Madonna del Giardino schloss sich der Kreis, und eine landschaftlich sehr reizvolle Wanderung fand einen schönen Abschluss. Arrivederci.

Fazit:
Eine fast schon hochsommerliche Rundtour in dieser einmalig schönen Crete-Landschaft. Einfach toll!

Wetterverhältnisse:
Zu Beginn etwas Hochnebel, der sich ab 10 Uhr auflöste, dann ein sehr sonniger und warmer Hochsommertag, Temperatur bei ca. 22 bis 30°

Parameter:
Tour-Datum: 25. Mai 2018
Schwierigkeit: T1
Strecke: 18.4 km, Asciano (Parkplatz am nordwestlichen Stadtrand) – Chiesa della Madonna del Giardino – Podere Monticelli – Podere Piocaia – Podere Treno (Achtung Hirtenhunde!) – Podere Ripi – Podere San Martino – Serre di Rapolano – Podere Poggio Greppoli – Asciano
Aufstieg: ca. 365 m
Abstieg: ca. -361 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std. 20 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen 4 Std. 06 Min.
Tageszeit: 09:45 bis 15:00 Uhr

Kamera:
Nikon D7000

Monte Oliveto Maggiore – un giro in Creti Senesi