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Leglerhütte SAC 2273 m – nach langer Zeit wieder einmal…

Mehr als fünf Jahre liegt unser letzter Besuch unserer Lieblingshütte zurück. Heute war es wieder einmal an der Zeit – und das bei herbstlichem Kaiserwetter! Zu unserem Erstaunen kein Andrang im Kies, wo die Talstation der Luftseilbahn zur Mettmenalp steht, also konnten wir um halb neun Uhr einsteigen – zusammen mit Romano, dem «Hüttenwart» des Berghotels Mettmen. So bewältigten wir 562 Höhenmeter in weniger als fünf Minuten. Im formidablen Berghotel Mettmen genossen wir den obligaten Startkafi – und das Wiedersehen mit Sara, der Ehefrau von Romano. Nach dieser netten Ouvertüre waren wir bereit, loszumarschieren. Nach dem kurzen Aufstieg zur Mauer des Stausees Garichti der Gang über die Nebenmauer hinüber zum P.1625. Noch im Schatten ging der Blick unweigerlich zurück über den See zum prächtigen Glärnischmassiv, welches bereits voll besonnt war. Nach kurzem Aufstieg erreichten wir P.1649, wo wir den Sommerweg über die Mattplanggen wählten. Fünfzig Meter unter uns die Ebene Matt mit dem Niderenbach – noch im Schatten liegend und mit leichtem Bodenfrost überdeckt. Oberhalb der engen Stelle, die der Niderenbach schluchtartig durchfliesst, steht am Eingang zur Niderenalp eine neu eingerichtete Wildbeobachtungsstation. Nach ein paar Metern Abstieg folgte die lange Gerade, welche über die (verwaiste) Alp zu den Gebäuden mit dem Alpbeizli Nideren führte (geöffnet während der Alpzeit). Vor uns der etwas steilere Aufstieg zur fünfzig Meter höher gelegenen Chärpfbrugg, dieser spektakulären Natürbrücke. Die oberste Schicht der Chärpfbrücke besteht aus Lochsitenkalk, darunter befinden sich die weicheren, schieferigen Flyschgesteine, durch welche sich der Niderenbach seinen unterirdischen Lauf grub und so die Chärpfbrücke formte. Die natürliche Brücke gehört zu den spektakulärsten Aufschlüssen der Glarner Hauptüberschiebung. Bei Niedrigwasser kann der zirka 50 Meter lange, 3 bis 4 Meter hohe unterirdische Wasserlauf (selbstverständlich auf eigenes Risiko) begangen werden. An eine Begehung war heute nicht zu denken, zu viel Wasser! Der Einblick von oben nicht minder eindrücklich. Entlang dem Niderenbach wanderten wir gemächlich weiter, vor uns türmte sich der Chärpf und Chli Chärpf (2794 und 2790 m) auf. Bei P.1924, dort wo in Richtung Wildmaadfurggeli/Elm abgebogen werden kann, beschenkte uns die Sonne mit ihren warmen Strahlen. Beste Gelegenheit, etwas zu trinken und die äusserste Schicht abzulegen. Wanderten wir bislang in Richtung S, änderte die Richtung nun nach W. Nun folgte der gelegentlich etwas geröllig-blockige Aufstieg über mehrere Stufen über Hübschböden. Bei P.2109 (Verzweigung Vorder Kärpf) dann der Blick zu tiefer gelegenen Hübschbödenseeli. Jetzt noch hundert Höhenmeter (500 m Strecke) bis zur Sunnenbergfurggele. Diesen Übergang zu erreichen, macht immer besonderen Spass, weil hier der Blick zum Glärnisch frei wird (Luftlinie 10 km). Obligatorisches Fotoshooting! Noch knapp 800 m bis zur Leglerhütte; auf dem Weg dorthin noch der Aufstieg durch schönstes Blockgelände und über wenige Schneeflecken bis zum heute höchstgelegenen Punkt (ca. 2300 m), wo sich die Hütte bereits zeigte – und mit ihr das einfach spektakuläre Panorama (Tödi, Clariden, Ortstock, Hoch Turm, usw.). Noch fünf Minuten bis zur dreissig Meter tiefer liegenden Leglerhütte, welche wir nach einer Laufzeit von 2 Std. 40 Min. erreichten – viel Platz auf der sonnigen Terrasse. Die von Simones Team zubereitete Gerstensuppe mit Kärpfwurst schmeckte ausgezeichnet, dazu ein Adler-Pfiff. Nach mehr als einer Stunde Genuss der Aufbruch zum Abstieg über die bereits beschriebene Aufstiegsstrecke. Immer wieder beeindruckend, wie sich die Sicht auf die bereits im Aufstieg begangenen Geländekammern veränderte. Unterwegs, kurz vor der Chärpfbrugg, sogar noch die Begegnung mit vier Gämsen, welche den Niderenbach überquerten in Richtung Alp Kärpfstafel. Spektakulär vor allem im untersten Bereich nahe des Stausees Garichti: Licht- und Wasserspiele überall, in einigen den Wanderweg querenden Bächen sogar mit Schuhputzgelegenheit (gell Doris…).

Fazit:
Kurz und knackig, wie schon erwähnt, quasi eine Halbtagestour. Aber sehr lohnend!

Wetterverhältnisse:
Ein Herbsttag mit bester Fernsicht und bei Kaiserwetter. Sehr angenehme 8 bis 14° C (an der Sonne gefühlt bis 25° C), kaum Wind (ca. 6 km/h aus SSO).

Ausrüstung:
Wanderausrüstung, Stöcke (nicht eingesetzt), Kartenmaterial Swisstopo, GPS

Parameter:
Tourdatum: 5. Oktober 2022
Schwierigkeit: T2
Strecke: 12 km, Bergstation Mettmen (1608 m) – Berghotel Mettmen – Stausee Garichti (1622 m) – P.1625 – P.1649 – Wildbeobachtungsstation – Niderenalp (1776 m) – Chärpfbrugg – P.1854 – P.1924 (Verzweigung Wildmaadfurggeli/Elm) – P.2109 (Verzweigung Vorder Kärpf) – Hübschbödenseelein – Sunnenbergfurggele (2211 m) – Leglerhütte (2273 m) – Rückweg auf gleicher Strecke
Aufstieg: ca. 720 m
Abstieg: ca. -720 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 6 Std. 25 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 4 Std. 10 Min.
Tageszeit: 09:05 bis 15:30 Uhr

Mattstogg (1935 m)

Eigentlich geplant war heute die Umrundung des Gamserruggs (im Toggenburg); dort lag aber gemäss Webcam noch eine geschlossene Schneedecke. Also erinnerten wir uns an eine Pendenz oberhalb von Amden: der Mattstogg, bestimmt schneefrei wegen der Südausrichtung. Den Hausberg von Amden kannten wir vom Anblick, und von der Umrundung Ende August 2022. Bestiegen haben wir ihn noch nie, heute war es so weit. Mit Hilfe der Sesselbahn bewältigten wir die ersten 380 Höhenmeter elegant (15 Franken pro Person inkl. Retourfahrt). Direkt an der Bergstation der Sesselbahn (Niederschlag) befindet sich das Restaurant Walau, auf dessen Sonnenterrasse wir den Startkafi genossen. Um halb elf Uhr starteten wir. Der Einstieg zum Aufstieg befindet sich direkt oberhalb der Bergstation. Erst durch paradiesischen Wald (viele rot leuchtende Vogelbeeren) und über schöne Wurzeln, waren wir nach 700 Streckenmetern bereits auf der Alp Walau (+130 Hm) angelangt. Dort überquerten wir die Alpstrasse, um direkt weiter aufzusteigen, den Gipfel schon im Blickfeld. Doch vorher führte der Pfad in Serpentinen zu den markanten Lawinenverbauungen (nicht gerade etwas Schönes, ab nützlich) und durch diese durch. Nor heisst das Gebiet, und oberhalb der Schutzbauten liegt eine Hütte, beinahe schon eine Ruine, aber an schöner Lage. Eine Transportseilbahn führt hoch, ist auf der Landeskarte nicht eingezeichnet, also wohl stillgelegt. Der ganze Aufstieg war, von ein paar kleinen Flecken ausgenommen, schneefrei. Ist der Grat einmal erreicht, sind noch ein paar steile felsige Tritte zu bewältigen, welche mit Ketten gut gesichert sind. Die letzten Meter bis zum Gipfel sind zwar nicht ausgesetzt, Trittsicherheit ist aber ein Gebot. Nach etwas mehr als zwei Stunden Laufzeit standen wir auf dem Gipfel, mit uns etwa zehn weitere GipfelstürmerInnen. Die 360°-Panorama-Aussicht vom Feinsten, heute etwas getrübt durch die schleierartige Bewölkung. Entschädigt wurden wir vom Spektakel, das uns von einem Paar an und auf der scharfkantigen Gratschneide in 150 m Luftlinie westlich des Mattstoggs geboten wurde. Die beiden kraxelten im obersten Teil der „Gipfelstürmer“-Kletterroute im T5/IIer-Bereich und ohne Seilsicherung von der Grossen Nase zur Kleinen Nase (siehe Bilder). Eine tolle Show während wir unsere Gipfelrast genossen. Den Abstieg bis hinunter zur Alp Walau auf der Aufstiegsstrecke dann unproblematisch. Ab dort nicht mehr durch den Wald hinunter zur Bergstation der Sesselbahn, sondern an der Sonne auf der (geteerten) Alpstrasse nach Osten ausholend hinunter bis zum Strichboden, wo das Rest. Alpstübli an bester Aussichtslage direkt an der Alpstrasse liegt. Das Wetter noch immer im hübschen Bereich, mittlerweile sogar etwas sonniger. Eine gute halbe Stunde Pause passte, Adler-Pfiff und ein gespritzter Weisser, herrlich, wie auch schon! Nach dieser Erfrischung der gemütliche Lauf zur Bergstation Niederschlag, die nach zehn Minuten erreicht war. Die zehnminütige Talfahrt war schöner Abschluss einer eher kurzen, aber doch knackigen Tour oberhalb von Amden.

Fazit:
Kurz und knackig, wie schon erwähnt, quasi eine Halbtagestour. Aber sehr lohnend!

Wetterverhältnisse:
Ein letzter sonniger Tag vor angekündigten Schlechtwetter-Tagen. Angenehme 12° C, kaum Wind (ca. 2 km/h aus NNO), Fernsicht etwas getrübt.

Ausrüstung:
Wanderausrüstung, Stöcke, Kartenmaterial Swisstopo, GPS

Parameter:

Tourdatum: 23. September 2022
Schwierigkeit: T3
Strecke: 7.9 km, Sesselbahn Bergstation Niederschlag, Restaurant Walau (1290 m) – Alp Walau (1421 m) – Nor – Mattstogg (1935 m) – Alp Walau – Strichbode, Restaurant Alpstübli (1312 m) – Alpstrasse Hinteraltschen bis Niederschlag – Talfahrt Sesselbahn
Aufstieg: ca. 650 m
Abstieg: ca. -630 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std. 15 Min.
Tageszeit: 10:30 bis 15:30 Uhr

Veloferien Jura 4|4: Rückfahrt von Saignelégier JU nach Liesberg-Oberrütti BL

Also doch (noch)! Zwar wussten wir bereits am Vorabend, dass der letzte Tag unserer Veloferien, die Rückfahrt nach Liesberg an die Birs, eine nasse Angelegenheit würde. Entsprechend hüllten wir unsere Gepäckträger und uns selbst in Regenschutzkleidung. Zum guten Glück war es nicht zu kalt, Nässe und gleichzeitig Kälte wären schlecht zu ertragen gewesen. So waren wir trotz des Regens motiviert, die uns von der Hinfahrt des ersten Tages bekannte Strecke zu bewältigen. Auf den geplanten Streckenteil über Moutier verzichteten wir, so dass in der Folge etwa zehn Kilometer «eingespart» werden konnten. Unterwegs der Kafihalt im heute geöffneten Hôtel Restaurant de l’Ours in Bellelay. Die Fahrt durch die Gorges du Pichoux hinunter war der nassen Strasse wegen ein zweifelhaftes Vergnügen. In Bassecourt angekommen, wählten wir für die Mittagsverpflegung das Coop-Einkaufszentrum aus. Auf der folgenden Fahrt nach Delémont zeigte sich zwischendurch für wenige Minuten sogar die Sonne, trotzdem machte uns die Witterung nicht an, das Städtchen nochmals zu besuchen. Der Rest ist rasch erzählt; nach der Überquerung der Birs über die Pont de la Birse spulten wir die verbleibenden neun Kilometer bis Liesberg-Oberrütti einfach ab – mittlerweile hatte es aufgehört zu regnen, so dass unsere Kleider etwas abtrocknen konnten. Der Bus erwartete uns bereits (mehr als eine Stunde früher als geplant – auch nicht schlecht!) und der Veloverlad funktionierte glücklicherweise ohne Regen…

Fazit:
Das waren eindrückliche Veloferientage im den meisten von uns unbekannten Jura; danke herzlich dem Leiterteam der Velogruppe Wald/Rüti, Ernst, Fritz und Willy (und Margreth, welche unglücklicherweise krankheitshalber fehlen musste). Und allen Teilnehmenden danke für die tolle Kameradschaft! Und gut auch, dass wir weder Unfälle noch Pannen zu beklagen hatten.

Wetterverhältnisse:
Unfreundlich, regnerisch☔, 10 bis 18° C, Wind ca. 41 km/h aus W

Hinweis zu den Bildern:
Witterungsbedingt wenige Fotos, leider…

Ausrüstung:
e-MTB, Kartenmaterial Swisstopo, GPS

Parameter:
Tourdatum: 15. September 2022
Strecke: 49.7 km, Saignelégier Centre de Loisirs (991 m) – La Tuilerie – P.967 – P.957 – P.952 – Les Royes – Les Rouge-Terres P.1024 – P.1042 – P.1020 – P.1012 – Les Mottes P.1005 – La Pâturatte (1024 m) – Les Joux (1015 m) – Les Joux Derrière (1015 m) – P.1009 – Le Prédame (1005 m) – P.1025 – Les Genevez JU (1035 m) – Bellelay (930 m) – Châtelat (802 m) – Le Pichoux (728 m) – Gorges du Pichoux (662 m) – Undervelier (535 m) – Berlincourt (497 m) – Bassecourt (477 m) – Courfaivre (456 m) – Courtételle (436 m) – Delémont (418 m) – Pont de la Birse (408 m) – Soyhières (399 m) – Riederwald – Brücke über die Birs – Liesberg-Oberrütti (386 m)
Aufstieg: ca. 260 m
Abstieg: ca. -870 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 4 Std. 55 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 2 Std. 35 Min.
Tageszeit: 09:15 bis 14:10 Uhr

Veloferien Jura 3|4: Saignelégier – Doubs – St-Ursanne

Zu sechst und unter der Führung von Fritz machten wir uns auf zur etwas anspruchsvolleren Tagestour an den Doubs und nach St-Ursanne. Saignelégier verliessen wir am nordöstlichen Dorfende in Richtung des Nachbardorfes Le Bémont. Ausserhalb dieses Ortes bogen wir links weg, um den Weiler La Bosse zu erreichen. Über beinahe topfebenes Land fuhren wir vorbei am Hof Mon Désir (welch schöner Name!) und durch ein kleines Ried (Péture des Saignes) zum Dörfchen Les Enfers und weiter bis zum Weiler Les Sairains. Vorbei am Wegkreuz bei P.996 eine kurze Abfahrtsstrecke von etwa 1.8 km (120 Hm) bis oberhalb Montfavergier, wo wir bei P.860 rechts hielten, leicht ansteigend auf bewaldeter Strecke die Verzweigung bei P.931 erreichten. Jetzt folgte die recht holprige und mit Kieselsteinen belegte Abfahrt über ein paar Serpentinen hinunter zum Hof Césai und weiter bis Le Poye. Auf diesem Abschnitt boten Stollenreifen den besseren Grip; aber Dietmar und wir alle haben diesen MTB-Abschnitt gut gemeistert. Dennoch waren es 370 Hm, die etwas Singletrail-Erfahrung voraussetzten. Ab Hof Le Poye wieder auf befestigtem Weg, erreichten wir bald den Doubs. Naja, hier flogen uns ein paar wenige Regentröpfchen um die Ohren – oder war es das ungestüm aufschäumende Wasser des Doubs? Jedenfalls erreichten wir bald einmal Tariche, der Campingplatz mit Restaurant und Fähre. Halb zwölf, Zeit für einen Apero! Vier Kilometer weiter, immer schön den Fluss entlang (flussaufwärts!), überquerten wir den Doubs bei Montmelon-Dessous über eine Holzbrücke. Nun der rechten Uferseite entlang, erreichten wir ca. 2.4 Kilometer weiter flussaufwärts das mittelalterliche Städtchen St-Ursanne. Über die Brücke «Saint-Jean» (18. Jh.) durch das Stadttor, und schon standen wir vor dem Highlight des Städtchens, der Stiftskirche und dem gut erhaltenen Kreuzgang. Der Stadtkern besteht im Wesentlichen von zwei Häuserzeilen und einigen Gassen; touristisch geprägt, ist das gastronomische Angebot reichlich. In der Auberge du Jura gefiel es uns, und wir genossen die leichte Mittagsverpflegung (unter den Sonnenschirmen!). Kurz vor 14 Uhr machten wir uns auf zum zweiten Teil unserer Runde: ab jetzt ging es ausschliesslich aufwärts. Erst entlang des rechten Ufers flussabwärts, bei der Kreisel nahe des Maison du Tourisme fuhren wir ein kurzes Stück in Richtung Les Rangiers, um dann aber nach Unterquerung des Eisenbahnviadukts rechts abzubiegen in Richtung Montmelon-Dessus. Gut, dass wir leichte Kost zu uns genommen haben, denn auf dem langen Anstieg über zehn Kilometer bis St. Brais waren über 500 Hm zu bewältigen. Nach Erreichen des heute höchstgelegenen Punkts ausserhalb St. Brais dann eine kurze Abfahrt und danach die Gegensteigung nach Montfaucon. Jetzt hatten wir wieder die ursprüngliche Höhe von knapp 1000 m.ü.M., und Bémont und wenig später Saignelégier waren rasch erreicht. Mit dreieinhalb Stunden Fahrzeit durften wir zufrieden sein; danke herzlich unserem Leiter Fritz, der uns auf eine sehr abwechslungsreiche und sportliche Tour geführt hat.

Fazit:
Eine anspruchsvolle Runde ins wilde Tal des Doubs und ins majestätische mittelalterliche Städtchen St-Ursanne.

Wetterverhältnisse:
Freundliches Herbstwetter🌥️, bis auf wenige Tropfen ohne den angesagten Regen, 13 bis 23° C, Wind ca. 43 km/h aus S

Ausrüstung:
e-MTB, Regenschutz, Kartenmaterial Swisstopo, GPS

Parameter:
Tourdatum: 14. September 2022
Strecke: 50.8 km, Saignelégier (991 m) – Le Bémont (981 m) – La Bosse (955 m) – Mon Désir – Les Enfers (954 m) – Abzeigung bei P.950 – P.974 (bei Les Sairains) – P.996 (Wegkreuz) – P.932 (Sur la Seigne) – P.860  (oberhalb Montfavergier) – P.931 (Le Cerneux) – Césai (789 m) – P.738 – Le Poye (554 m) – P.453 (le Rosées) – dem Doubs entlang bis Camping/Restaurant Tariche (449 m) – weiter dem Doubs entlang bis P.453 – Holzbrücke über den Doubs – P.442 – La Lomène (441 m) – St-Ursanne (437 m) – Route des Rangiers bis Kreisel P.439 – weiter bis P.460 – Abbiegung Route de Montmelon – Montmelon-Dessus (599 m) – P.800 (bei La Seigne Dessous) – La Seigne Dessus (891 m) – P.950 – Ban-Dessus P.959 – Le Chésal (939 m) – St-Brais (967 m) – P.1001 – Enson-la-Fin (997 m) – Les Rottes (934 m) – Route de Péchillard – Montfaucon (996 m) – Le Bémont (981 m) – Saignelégier – Centre de Loisirs (991 m)
Aufstieg: ca. 1080 m
Abstieg: ca. -1060 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 6 Std.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std. 30 Min.
Tageszeit: 09:40 bis 15:40 Uhr

Veloferien Jura 2|4: Saignelégier – Mont Crosin – Mont-Soleil

Sechs bis sieben Stunden Sonnenschein bei leichter Bewölkung, beste Voraussetzungen für die erste Tagestour. Aufgeteilt in zwei Gruppen, verliessen wir Saignelégier am südlichen Dorfende. Beim Weiler La Theurre mussten wir umkehren, weil die Strasse nach Le Chaumont wegen Bauarbeiten gesperrt war. Nach der Neuprogrammierung schlugen uns die Navi-unterstützten Leiter eine durchaus reizvolle Routenänderung vor: achthundert Meter zurück bis Les Cerlatez, dann Abbiegung nach SW über Les Chenevières (wo einige typische Jura-Bauernhäuser stehen) bis Les Emibois, wo in der Boulangerie et Pâtisserie Au Pain d’Antan das beste Brot in den Franches-Montagnes zu haben wäre – zu früh für einen Stopp! Die Fahrt in Richtung S, nach dreihundert Metern links weg, über schönstes Weideland hoch nach Le Roselet, Standort der bekannten Stiftung für das Pferd. Nach einer kurzen Trinkpause (oder war das eher eine Erholungspause nach den etwas fordernden Aufstieg über 100 Hm?) die Weiterfahrt, erst für einige Meter entlang der Hauptstrasse, dann gut ausgeschildert über einen holprigen Fahrweg nach Les Breleux hinunter. Das Dorf durchquerten wir in Richtung SO – schon wieder eine Baustelle (Rotlicht bedeutet halt auch für VelofahrerInnen Gelb abzuwarten…). Nach 2.3 km, bei der Ferme de la Croisée, rechts weg – hier beginnt der Aufstieg zum Col du Mont Crosin (für Statistiker: 160 Hm über 2.4 km). Nach der Passüberquerung die kurze Abfahrt zum Wegpunkt 1179, wo wir nach rechts abbogen, an der Auberge Vert-Bois vorbei – gesegnet mit dem Trost unserer Leiter, dass in zehn Minuten ein schöner Rastplatz auf uns warte. Der geringe Anstieg dorthin (Central éolienne) war reine Formsache – zu Fuss erreichten wir den nahe bei den Windkraftanlagen gelegenen Punkt Sur la Côte. Hier genossen wir die Mittagsverpflegung aus den Rucksäcken. Hauptanziehungspunkt war der in 5.6 km Luftlinie gelegene Chasseral mit seiner gewaltigen Antennenanlage. Nach der gemütlichen Verpflegungspause folgte die Weiterfahrt dem Mont-Soleil entlang. Beim Weiler La Brigade stand uns eine Beiz im Weg, die Buvette resto Les Sorbiers; die freundliche Wirtin servierte uns Cafés und mehr… Die Weiterfahrt in leichtem Auf und Ab, vorbei an der schön gelegenen Auberge Chez l’Assesseur Mont Soleil, von wo dann die rassige Abfahrt auf der La Chaux-d’Abel zur 160 Hm tiefer gelegenen Verbindungsstrasse in Richtung Les Breulex folgte. Dieser Strasse folgten wir für vier Kilometer ohne spürbare Höhenveränderung bis La Deute. Hier bogen wir links ab und es folgte ein relativ kurzer, aber heftiger Aufstieg von 100 Hm auf einer Forststrasse zum Weiler Le Peuchapatte. Anschliessend folgte zur «Belohnung» die 5.5 km lange Abfahrt zum westlich gelegenen Les Bois (-100 Hm). Nach der Durchfahrt eines Wohnquartiers zum nördlich gelegenen Gehöft Sous les Rangs die erneute Richtungsänderung nach NO. Idyllische, ruhige Landschaft, überall weidende Tiere, vor allem Pferde! Nach 2.7 km fast ebener Fahrt – ungefähr bei Kilometer 45 – schon wieder eine Beiz an wunderbarer Lage, die Auberge du Peu-Péguignot. Die Gartenwirtschaft war praktisch für uns reserviert. Rund herum weidende Pferde, was Pferdeflüsterin Anna ziemlich beanspruchte. Stark gefordert war auch das Servicepersonal, weil jede(r) einzeln zahlen wollte («Ce n’est pas gentil» und «ça fait beaucoup de travail»); richtig gerechnet, generierte die Serviererin (heisst glaubs auf welsch «Tres quatre fille»😎) so bestimmt ein Mehr an Trinkgeld, was ihr wohl gefallen hat. Nach diesem arrêt très amusante machten wir uns auf zur Fahrt zurück nach Saignelégier (12 km). Auf der sog. Franches-Montagnes-Tour rollten wir südlich von Le Noirmont vorbei nach Les Emibois (genau: dort wo Boulangerie et Pâtisserie Au Pain d’Antan steht); achtlos fuhren wir vorbei, um nach einer kurzen Steigung bei Muriaux direkt unser Domizil nahe der Halle du Marché Concours zu erreichen. Unseren drei Guides Fritz, Ernst und Willy wiederum ein herzliches Dankeschön für diesen ersten Tourentag!

Fazit:
Eine unterhaltsame Runde in attraktiver, von der Landwirtschaft geprägten, typischen Jura-Landschaft.

Wetterverhältnisse:
Freundliches, meist sonniges Herbstwetter🌥️, 17 bis 22° C, Wind ca. 20 km/h aus SW

Ausrüstung:
e-MTB, Kartenmaterial Swisstopo, GPS

Parameter:
Tourdatum: 13. September 2022
Strecke: 55.3 km, Saignelégier (991 m) – La Theurre (1015 m) – Umleitung zurück bis Les Cerlatez (1002 m) – Les Emibois (955 m) – Le Roselet (1052 m) – Les Breuleux (1019 m) – Abzweigung bei P.1085 – Col du Mont Crosin (1227 m) – Abzweigung bei P.1179 – Centrale éolienne (Windkraftanlagen, 1217 m) – Le Sergent – P.1220 – Mont-Soleil, Sur le Brand (1257 m) – Mont-Soleil (1213 m) – La Brigade (1170 m) – Chez l’Assesseur (1199 m) – P.1194 – La Coronelle (1083 m) – La Chaux d’Abel, La Petite Coronelle (1034 m) – Abzweigung bei La Deute P.1041 – La Peuchapatte (1131 m) – Le Bois (1034 m) – Sous-les-Rangs (1009 m) – Le Creux-des-Biches (1016 m) – Le Peupéguignot (998 m) – P.990 – Le Noirmont Station d’épuration (STEP, 977 m) – Les Emibois (955 m) – Muriaux (962 m) – Saignelégier Halle du Marché Concours, Hippodrome, Centre de Loisirs (Freizeitzentrum)
Aufstieg: ca. 940 m
Abstieg: ca. -930 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 6 Std. 45 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 4 Std.
Tageszeit: 10:00 bis 16:45 Uhr

Veloferien Jura 1|4: von Liesberg-Oberrütti BL nach Saignelégier JU

Heute Montag und für die nächsten drei Tage stand ein besonderes Programm an: eine muntere Schar von mehr als zwanzig SeniorInnen trafen sich in Wald ZH zur von der Velogruppe Wald/Rüti organisierten Fahrt in den Jura – Veloferien in Saignelégier (Franches-Montagnes). Bei idealem Reisewetter wurden wir nach dem Verladen der e-Bikes in einem Car der Bührer Reisen Hirzel zum Startort gefahren, Liesberg-Oberrütti BL. Unsere drei Leiter Ernst, Fritz und Willy hatten schon für den Anreisetag eine Einfahrtour ausgedacht, also starteten wir die Bikefahrt im Laufental kurz vor elf Uhr. Bei sonnigem Herbstwetter fuhren wir über die Birs-Brücke zum Ortsteil Riederwald. Dem rechten Ufer der Birs entlang erreichten wir nach 1.2 km die Kantonsgrenze BL/JU, ab jetzt änderte die Landessprache, und der Fluss trägt den Namen La Birse. Kurz nach Soyhières durchfuhren wir die enge Stelle, welche von der oberhalb stehenden Chapelle Notre-Dame du Vorbourg «kontrolliert» wird. Kurz danach über die Pont de la Birse, und nach neun Kilometer Fahrt ohne nennenswerte Höhendifferenz erreichten wir den Kantonshauptort Delémont (ca. 13000 Einwohner). Nach der Fahrt durch die schmucke Altstadt und am westlichen Altstadtende durch die Porte de Porrentruy besuchten wir den öffentlichen Park des bischöflichen Châteaus – zur Mittagsverpflegung aus dem Rucksack. Nach der Mittagspause verliessen wir die Stadt am südwestlichen Ende, um der La Sorne entlang über Courtételle, Courfaivre den grösseren Ort Bassecourt (früher Altdorf) zu erreichen. Wenig später, im Dörfchen Berlincourt bestand die Möglichkeit, nach Glovelier zu fahren und dort die Bahn nach Saignelégier zu nehmen – niemand wollte👍. Also fuhren wir vorerst gemütlich und mit wenig Höhendifferenz weiter der La Sorne entlang, die sich mittlerweile immer enger werdend durch den Jurakalk schlängelte. Knapp einen Kilometer vor Undervelier ein Stopp bei der am linken Ufer der Sorne gelegenen Grotte de Sainte-Colombe – sie ist 26 Meter breit, geht 30 Meter tief in den Berg und ist am Eingang 7 Meter hoch. Der Balm wurde in vorgeschichtlicher Zeit genutzt und ist heute ein Wallfahrtsort. Im Höhlenhintergrund entspringt eine kleine Karstquelle. Das Wasser, dem eine wundersame Heilkraft nachgesagt wird, fliesst als Rinnsal von einem Stalagmiten in ein flaches Becken. Unter dem Eingangsbogen der Grotte, die der heiligen Kolumba von Sens, einer Märtyrerin des 3. Jahrhunderts, geweiht ist, steht ein Kruzifix. Seit dem 13. Jahrhundert ist der Ort belegtes Ziel einer am 15. August stattfindenden Wallfahrt (Quelle: Wikipedia). Nach dieser Pause die Weiterfahrt bis Undervelier, wo wir nach rechts abbogen. Nun folgte der spannendste Abschnitt des Tages: die Fahrt durch die Gorges du Pichoux – eine eindrückliche und enge Schlucht. Erst auf einer Höhe von 728 m.ü.M., bei Le Pichoux, wurde das Gelände wieder offener, genau dort wo eine verlassene Herberge steht und La Sorne und Strasse eine grosse Kurve bilden. Nun etwas weniger steil ansteigend durchfuhren wir in westlicher Richtung schönstes, typisches Jura-Landwirtschafts-land. Kurz vor Châtelat, beim Wegpunkt 788, verliessen wir den nach Bellelay führenden Direktweg, um den steilen Aufstieg zum schön gelegenen Dörfchen Sornetan hochzufahren. In einem erst nach Westen und daraufhin nach Süden ausholenden Bogen erreichten wir bei La Combe die Höhe von knapp 1000 m.ü.M. Ab jetzt durchfuhren wir – die Höhe haltend – wunderschönes Jura-Land. Vorbei an schönen Höfen und Weiden bis zum Weiler La Bottière. Hier, in der Umgebung von La Rouge Eau, trafen wir auf eindrückliche Spuren, offensichtlich hinterlassen vom Transport mit Karren. Der Weg besteht im Wesentlichen aus einem wenig ausgeprägten, unbenutzten Hohlweg im offenen Weideland. Die Wegoberfläche ist zum grössten Teil mit Gras überwachsen. Unter der Grasnarbe verbirgt sich eine Geleisestrasse, die zu Beginn des Teilstücks vom archäologischen Dienst des Kantons Bern auf einer Länge von 15 Metern frei gelegt wurde. Das Wegstück ist bis zu einem halben Meter eingetieft und weist eine Spurweite von rund 107 Zentimetern auf. Nach 350 Metern gabelt sich der Weg. Wir fuhren zum nordwestlich gelegenen Ort Bellelay, wo das markante Maison de la Tête de Moine steht. Das benachbarte markante Hôtel Restaurant de l’Ours hatte leider geschlossen. Nachdem wir auf den letzten Kilometern einige Höhenmeter abgefahren sind, hatten wir jetzt bis zum drei Kilometer entfernten Les Genevez wieder hundert Meter aufzusteigen – mit Motorunterstützung kein Problem. Ein kleines Problem dann beim trotz Anmeldung geschlossenen Restaurant le Chat Bleu – unsere Flüssig-keitsspeicher konnten wir im nahen Dorfladen auffüllen. Dazu eine kurze Erklärung: im von der Trockenheit stark betroffenen Kanton Jura waren alle Brunnen abgestellt(!). Jetzt hatten wir noch eine Strecke von zwölf Kilometern vor uns – vorbei an schön gelegenen Höfen (Le Prédame, Les Joux, Les Mottes, Les Rouges Terres. Weideland vom Feinsten, Kühe, Rinder und natürlich Pferde. Das Seelein Etang des Royes und der nahe gelegene Campingplatz signalisierte uns, dass das Tagesziel bald erreicht war. Und tatsächlich, nach einer Fahrt von knapp 55 km fuhren wir vor beim Centre de Loisirs (Hotel Jura-Resort). 17 Uhr, Bezug der Zimmer, dann der Genuss eines Biers (vorzügliche Produkte von der einheimischen Brasserie BFM), danach die verdiente Dusche und der gemütliche Abend beim gemeinsamen Nachtessen. Unseren drei Guides Fritz, Ernst und Willy ein herzliches Dankeschön für diesen ersten Tourentag!

Fazit:
Angenehme Startetappe zu verheissungsvollen Veloferien im Jura.

Wetterverhältnisse:
Freundliches Herbstwetter🌤️, 10 bis 20° C, Wind ca. 40 km/h aus W

Ausrüstung:
e-MTB, Kartenmaterial Swisstopo, GPS

Parameter:
Tourdatum: 12. September 2022
Strecke: 54.15 km, Liesberg-Oberrütti (386 m) – Brücke über die Birs – Riederwald – Soyhières (399 m) – Pont de la Birse (408 m) – Delémont (Chateau Sur-le-Griuox, 418 m) – Courtételle (436 m) – Courfaivre (456 m) – Bassecourt (477 m) – Berlincourt (497 m) – Undervelier (535 m) – Gorges du Pichoux (626 m) – Le Pichoux (728 m) – P.788 – Sornetan (841 m) – Sous le Châble (873 m) – La Combe (980 m) – Combe de Peux (1019 m) – La Bottière (929 m) – Bellelay (931 m) – Les Genevez (1035 m) – Le Prédame (1005 m) – Les Joux (1015 m) – Les Mottes P.1012 – Les Rouges Terres (1024 m) – Etang des Royes P.952 – Saignelégier JU (991 m) Aufstieg: ca. 1060 m
Abstieg: ca. -450 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 6 Std. 15 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 4 Std. 15 Min.
Tageszeit: 10:45 bis 17:00 Uhr

Vereina 2ǀ2: Berghaus Vereina – Vereinapass (2585 m) – Lavin

Gastgeberin Bettina vom Berghaus Vereina bot uns einen tollen zMorge. Ausgestattet mit zwei Jumbo-Broten verabschiedeten wir uns – mit einem herzlichen Dankeschön für die Gastfreundschaft. Auf die Minute genau um 9 Uhr starteten wir. Wanderzeit bis Lavin laut Wegweiser 4 Std. 45 Min. – eine sehr sportliche Zeitvorgabe, wie sich herausstellte. Wir hatten ja Zeit! Gleich unter dem Berghaus über die Brücke des Vernelabachs, zogen wir an der Westflanke der Unghürhörner leicht ansteigend hinauf bis auf eine Höhe von 2000 m.ü.M. Ein erstes Mal und wenig später bei P.2069 ein zweites Mal standen wir genau über dem ca. 600 m unter uns durchführenden Vereinatunnel der RhB (Länge 19042 m, Scheitelpunkt 1463 m.ü.M.). Davon verspürten wir nichts, auch die vielen Munggen liessen sich nicht stören. Das knapp vier Kilometer lange Süser Tal ist eines der schönsten Tälchen – ein Paradies! Immer rechts des Süser Bachs entlang, zur Linken die wilden Unghürhörner, zur Rechten die Süser Chöpf, wanderten wir über ca. drei Kilometer erst nur wenig ansteigend. Unterwegs beobachteten wir viele Murmeltiere bei ihrer Morgentoilette; wegen des schwachen Gegenwindes witterten sie uns kaum. Bald begann es stärker zu steigen, und die praktisch direkte Linienführung hinauf zur Lücke bei ca. 2300 m.ü.M. wurde deutlicher. Rechts vorbei an einer Jagdhütte, leicht ausgesetzt über dem wilden Süser Bach, meisterten wir die beachtliche Steigung durch die ziemlich enge Stelle. Wenige Meter oberhalb erreichten wir den Flesspass, von wo ins Val Torta bis Röven an der Flüelapassstrasse abgestiegen werden kann. Wir hielten in Richtung Vereinapass (40 Min./140 Hm). Jetzt wurde das Gelände wieder offener, direkt vor uns erhob sich der grandiose Piz Linard (3410 m), dessen oberster Teil von Wolken umhüllt war. Oberhalb des Seeleins überschritten wir den heute höchstliegenden Punkt bei ca. 2600 m.ü.M., wenig später und etwas tiefer die Markierung Pass dal Vereina 2585 m. Jetzt begann der laaaaange Abstieg nach Lavin. Unter den Gipfeln Hinteres Plattenhorn, Piz Zadrell, Piz Sagliains und Piz Linard erreichten wir nach einem sehr steilen Abstieg die Aua da Sagliains, genau auf der Höhenlinie 2400 m, praktisch am hintersten noch begehbaren Punkt dieser eindrücklichen Geröllarena. Zwischen Piz Zadrell und Piz Sagliains waren noch die spärlichen Reste des Vadret Sagliains auszumachen. Die Stelle war derart eindrücklich, dass wir direkt am Wasser Bettina’s Riesenbrote vertilgten (schliesslich war es ja auch gerade 13 Uhr). Was danach folgte, waren tausend Meter Abstieg durch das Val Sagliains hinunter, eine Wildnis sondergleichen: immer wieder Steilstufen, über die das Wildwasser der Aua da Sagliains abstürzte, und wir oft unterwegs im Bachbett (auf der Suche nach den spärlichen Markierungen); zum guten Glück regnete es nicht. In wenigen Metern bedrohlich nahe vorbei an einem vom Piz Linard herunterfliessenden Blockgletscherchen wurde das Gelände unübersichtlich; wir kannten lediglich die allgemeine Richtung, ab und zu entdeckten wir eine rotweisse Markierung im oder unter dem stark verbuschten Gelände, manchmal sogar eine Trittspur. Dabei hatte es jede Menge versteckter Steine, die Misstritte provozierten. Hier oben wären Schafe wirklich nützlich. Kurz vor einer Hütte (Fop Tiamarsch) folgte dann noch eine ultimativ angelegte Treppe, deren Holztritte teilweise angefault waren; die Steilstufe war ausgestattet mit einem wenig Vertrauen erweckenden Fixseil, bei Regen schwierig bis gefährlich zu begehen. Nach Fop Tiamarsch unverändert steil hinunter, nun über eine Art Forstweg. Bei Pradè erreichten wir eine befestigte Fahrstrasse, welche über die Aua da Sagliains führte. Über die Strasse erreichten wir nunmehr weniger steil absteigend Nusch Dadaint,und wenig später standen wir oberhalb der RhB-Verladestation Sagliains. Die «Musik» der RhB-Züge und der nahen Hauptstrasse gab uns die Gewissheit, bald (endlich) am Tagesziel Lavin anzukommen – einen Kilometer später standen wir mitten in Lavin auf dem schmucken Dorfplatz – und direkt vor dem historischen Hotel Piz Linard. Was für eine Erfüllung, es geschafft zu haben! Leicht ermattet setzten wir uns vor dem Haus auf die Terrasse, bei Bier aus Tschlin und zu vorzüglicher Focaccia. Das Hotel Piz Linard entpuppte sich in jeder Beziehung als vortreffliche Wahl: quasi ein MUSS, hier einen besonderen Tag abzuschliessen. Das junge Gastgeberteam bietet vorzügliche und sehr sympathische Gastronomie und Gastfreundschaft – sehr empfehlenswert! Am Tag danach und nach dem leckeren Dorf-Zmorge liessen wir uns mit dem roten Züglein in 24 Minuten durch den Vereinatunnel nach Klosters fahren, von wo die Fahrt nach Hause etwas länger dauerte…

Fazit:
Was für eine tolle und auch anspruchsvolle, weil strapazierende, laaaaaaaaaange Bergwanderung – ein eindrucksvoller 36. Hochzeitstag😍. Und: im Gegensatz zur gestrigen Jöriseentour trafen wir heute keine einzige Menschenseele an!

Wetterverhältnisse:
Trotz anfänglich grauem Ambiente angenehme Temperatur 10 bis 24° C, Wind (ca. 5 km/h aus SW), im Laufe des Tages meist bewölkt, zeitweise auch freundlich, sonnig, aber ohne Niederschläge.

Ausrüstung:
Wanderausrüstung, Stöcke, Kartenmaterial Swisstopo, GPS

Parameter:
Tourdatum: 5. September 2022
Schwierigkeit: T3
Strecke: 17.2 km, Berghaus Vereina (1943 m) – Süsertal P.2069 – P.2086 (grosser Felsbocken) – P.2231 – P.2292 – Flesspass (2453 m) – P.2472 – Vereinapass (2585 m) – P.2531 – Val Sagliains P.2351 – P.2036 – Fop Tiamarsch – P.1710 – Pradè – P.1559 – P.1478 – RhB Umsteigebahnhof Sagliains – Lavin (1413 m)
Aufstieg: ca. 770 m
Abstieg: ca. -1280 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 8 Std.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 5 Std. 30 Min.
Tageszeit: 09:00 bis 17:00 Uhr

Vereina 1ǀ2: Jöriflüelafurgga (2725 m) – Jöriseen – Berghaus Vereina

Um 08:15 Uhr bestiegen wir in Klosters den Vereinabus für die Fahrt über Davos-Flüelapassstrasse bis zur Haltestelle Wägerhus/Verzweigung Jöriseen (Fr. 14.00/Person). Dass heute Sonntag viele Bergwanderer das zu Recht begehrte Wanderziel zu den Jöriseen anstrebten, war nachvollziehbar – in zwei Kleinbussen wurden etwa dreissig Leute zum Startpunkt transportiert. Um 08:45 Uhr starteten wir, bei knapp zehn Grad und vorerst noch im Schatten. Ab etwa 2300 m.ü.M. bereits voll an der wärmenden Sonne, liefen wir an der Verzweigung bei P.2349 vorbei; rechts ginge es zur Winterlücke (T3, 2785 m) hoch und von dort aufs Flüela Wisshorn (T5, 3085 m) oder über die Lücke vorbei am Jörigletscher hinunter zu den Jöriseen. Wir entschieden – wie fast alle anderen – die klassische Route durch das Müllersch Tälli zur Jöriflüelafurgga aufzusteigen. Vorbei an namenlosen Seelein wurde das Gelände felsiger und gerölliger, aber in der Steilheit moderat. Unterhalb der Furgga, ab einer Höhe von ca. 2660 m holte der markierte Pfad nach N aus, um dann unterhalb des Jörihorns in Richtung Furgga zu drehen. Auf der Querung waren etwa zwanzig Hm abzusteigen, und schon standen wir auf der Jöriflüelafurgga (nach anderthalb Stunden und etwas mehr als 500 Aufstiegsmetern). Einigermassen lärmig hier oben, Familien, Kinder, Hunde, Fotoshootings. Der Blick zurück auf das Aufstiegsgelände und die Flüelapassstrasse mit dem dominanten Flüela Schwarzhorn lohnte sich für ein paar schöne Bilder. Und 240 m tiefer der Blick zu den grünblau leuchtenden Jöriseen – wirklich eindrücklich schön! Nach einer Trinkpause machten wir uns auf den Abstieg – gleich zu Beginn eine, allerdings fixseilgesicherte, felsige Steilstufe. Nach anderthalb Kilometern erreichten wir den grössten der vier Seen. An einer windgeschützten Stelle oberhalb der Seen genossen wir die Aussicht zum Flüela Wisshorn und dem darunter liegenden (sterbenden) Jörigletscher. Nach der Verpflegungspause folgte der kurze Aufstieg zum Wegpunkt 2531 (Verzweigung Winterlücke und Jöriflesspass); hier begann der Abstieg ins Jörital. An diesem Punkt hatten wir etwa die Hälfte der Strecke hinter uns. Über mehrere Stufen und teilweise nahe am Jöribach stiegen wir über reizvolles Gelände ab. Im unteren Abschnitt namens Frömdvereina ist das Gelände des Bachs schluchtartig tief eingeschnitten, mit schönen Wasserfällen. Danach durchquerten wir den Wasserboden, wo nahe der Alp Säss viele Rinder, Kühe und Pferde weideten. Von rechts (O) mündet der Süser Bach aus dem Süser Tal ein. Durch dieses Tälchen werden wir morgen laufen. Das Tagesziel, das Berghaus Vereina – schon seit einiger Zeit im Blickfeld – kam näher. Nach dem Brücklein über den Vernelabach waren es nur noch wenige Schritte hinauf zum schön gelegenen Berghaus. Halb drei Uhr, gerade richtig, sich auf der sonnigen Terrasse niederzulassen (Monsteiner Bier, Bouillon, Linzertorte). Sehr freundlich der Empfang im Berghaus Vereina, Morena zeigte uns anschliessend unser Domizil für eine Nacht – die etwas abseits gelegene Villa Holzschopf – ein sehr gemütliches Mehrbettlager nur für uns. Nach der Siesta folgte der Genuss eines feinen HP-Menüs (Tomaten-/Mozzarella-Salat, Kalbsgeschnetzeltes mit Nudeln, Panna Cotta mit frischen Beeren). Um halb acht dann der Gang nach draussen, wo sich der zunehmende Mond zeigte und das Flüela Wisshorn und das Verstanclahorn von den letzten Sonnenstrahlen stimmungsvoll beleuchtet wurde. Gegen neun Uhr war es dann Zeit, sich in der Villa Holzschopf «gemütlich» einzurichten – bei einer Raumtemperatur von ca. 12° konnten wir uns an die bevorstehenden Auswirkungen der gegenwärtig in allen Medien angekündigten Energie-Mangellage gewöhnen. Dazu noch etwas: wir haben bei wohliger Wärme einigermassen gut geschlafen, jedenfalls waren wir prächtig ausgeruht und fit für den zweiten Tourentag.

Fazit:
Die weiss-rot-weiss markierte Wanderung bot keine besonderen Schwierigkeiten – mit Ausnahme der seilgesicherten Steilstufe unterhalb des Jörihorns; hier ist besser dran, wer trittsicher und schwindelfrei ist. Wenn es trocken ist, wie heute, ist die Stelle gut zu meistern.

Wetterverhältnisse:
Angenehme Temperatur 10 bis 22° C, kaum Wind (ca. 2 km/h aus SW), gute Fernsicht, meist freundlich, sonnig und gelegentlich mit etwas Wolken.

Ausrüstung:
Wanderausrüstung, Stöcke, Kartenmaterial Swisstopo, GPS

Parameter:
Tourdatum: 4. September 2022
Schwierigkeit: T3
Strecke: 12.2 km, Wägerhus/Verzweigung Jöriseen (2207 m) – Müllersch Tälli – Jöriflüelafurgga (2722 m) – Jöriseen (2489 m) – Verzweigung 2531 m – Jörital – Frömdvereina P.1954 – Berghaus Vereina (1943 m)
Aufstieg: ca. 670 m
Abstieg: ca. -950 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std. 50 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 4 Std. 30 Min.
Tageszeit: 08:45 bis 14:35 Uhr