Alle Beiträge von Renaiolo

Stätzerhorn/Piz Raschil 2574 m

Das Stätzerhorn sollte nur der Anfang sein – geplant war der Grat über Fulaberg (2574 m) – Fulhorn (2528 m – Fulbergegg (2447 m – Alp Pradaschier, und von dort mit dem Sessellift nach Churwalden hinunter zum Ausgangspunkt zurück. In Churwalden bestiegen wir also die Gondelbahn, welche uns zum fast 700 m höher gelegenen Startpunkt Heidbüel (1925 m) brachte. Hier starteten wir um 09:15 Uhr die Wanderung im Wissen um die für den Nachmittag angesagte Gewittergefahr. Das Stätzerhorn würden wir allemal schaffen, einmal oben, würden wir dann über den weiteren Verlauf entscheiden. Der Blick nach oben zeigte im Bereich des Fulhorn sogar noch einen verwächteten Grat (der wohl umgangen werden kann).

Gleich hinter der Bergstation auf Heidbüel begann der Aufstieg durch die Alpenrosenbüsche. Der auf 2096 m stehenden Bergstation einer Skiliftanlage wichen wir nordwärts aus. Entlang des Stätzerbach der gemächliche Aufstieg im Stätzer Täli. Hier oben begrüssten uns erste Munggen-Familien, die uns unerschrocken beobachteten. Den paar Schneefeldern konnten wir entweder ausweichen oder sie waren unkritisch (weil nicht steil) zu begehen. Auf einer Höhe von ca. 2250 m näherten wir uns grösseren und steileren Altschneefeldern, welche die Markierungen überdeckten. Mangels klarer Wegspuren hielten wir direkt auf die über uns lagernden Blocks zu in der Absicht, den Schnee möglichst oberhalb zu umgehen. Zum Trost: wir waren nicht die einzigen Berggänger, welche sich in der Weglosigkeit als Pfadfinder übten. In einer etwas ausgesetzten blockigen Querung dann das Missgeschick: ein als stabil eingeschätzter Stein kippte weg, und ich (Ruedi) mit ihm. Der Sturz talwärts in diesem ruppigen Gelände setzte Prellungen und Schürfungen ab an Kinn, linkem Knie und Unterschenkel. Nochmal gut gegangen… Einer Verschnaufpause folgte nun der weitere Aufstieg, zum Glück bald wieder auf sicherer Unterlage auf dem wieder gefundenen Aufstiegspfad. Noch etwa 140 Hm steiler Aufstieg bis zum Gipfel – ausreichend Zeit, um sich über die dem Gipfel folgende Gratwanderung Gedanken zu machen. Kam dazu, dass mittlerweile das Blau dem Grau gewichen ist – Anzeichen der angesagten Gewitterfront? Nach knapp zwei Stunden war der aussichtsreiche Gipfel erreicht. Doris war schon klar, was mir Sturgrind (noch) nicht klar sein durfte – mit der Gratwanderung wird heute nichts! Die mir für heute abhanden gekommene Trittsicherheit liess es nicht zu. Hinzu kam noch die Gewittergefahr; bei Donnerwetter auf einem Grat zu stehen wäre definitiv zu gefährlich. Für eine Gipfelrast war es noch zu früh, also entschieden wir uns für den Abstieg auf gleicher Strecke. Auf den oberen 150 Hm steil, geröllig und etwas rutschig, erreichten wir bald die ominöse Umfallstelle. Von oben war der weitere Wegverlauf besser zu erkennen, also hielten wir nun einige Meter nach unten, diesmal den Schnee unterquerend. Das eine grössere Altschneefeld musste dennoch gequert werden, zwar steil und deshalb etwas heikel, weil eventuell mit Wasser unterspült. Vorsichtig querten wir, allerdings ab und zu bis zum Oberschenkel einsinkend. Geschafft! Der Rest bis zum Stätzerbach und das Stätzer Täli hinunter dann ohne weitere Schwierigkeiten – von den sich nun stärker bemerkbar machenden Schmerzen Ruedi’s mal abgesehen. Um halb zwei wieder bei der Bergstation auf Heidbüel angekommen, zeitig also. Obwohl nun wieder blauer Himmel, der uns zur Einkehr am Kiosk beim schön und nahe gelegenen Speichersee motivierte. Ein versöhnlicher Abschluss!

Fazit:
Eine schöne Gipfeltour mit teilweise etwas trickigen Stellen – die Gratwanderung holen wir später bestimmt mal nach…

Wetterverhältnisse:
Sehr sonnig, im Verlauf der Tour zunehmend bedeckt, ca. 15 bis 22°, mässiger Wind aus SW.

Hilfsmittel:
Stöcke, Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 6. Juli 2019
Schwierigkeit: T3
Strecke: 7.3 km, Bergstation Heidbüel (1925 m) – Stätzer Täli – Stätzerhorn/Piz Raschil (2574 m) – Abstieg auf gleicher Strecke
Aufstieg: ca. 640m
Abstieg: ca. -640m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 4 Std. 15 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std.
Tageszeit: 09:15bis 13:30Uhr

Oberhalbstein 2|2: Alp Flix – Piz Colm (2415 m) – Alp d’Err – Tinizong

Um neun Uhr Start auf der Alp Flix (Tigias) zur Monstertour, auf dem markierten Wanderweg über die Weiler Tga d’Meir und Tgalucas, wiederum bei sommerlichen Bedingungen (ca. 20°, sehr sonnig, leichte Bise). Die staubige Naturstrasse ist zu meiden, weil respektlose Autofahrer Freude an Staubfahnen haben. In Tgalucas, gleich beim nicht sehr anmächeligen Jurtenhotel (Cottis Agricultura) verliessen wir den zu den Flixer Seelein führenden Wanderweg. Entlang der viel Schmelzwasser führenden Avas dallas Cuorts stiegen wir recht steil auf, erst auf der mit Zementziegeln gezähmten und unangenehm zu begehenden Alpstrasse, vorbei an Cottis weidenden Schafen. Ungefähr bei P.2072 und später nach P.2269 durften wir mangels Brücken unsere Trittsicherheit testen beim Überqueren der viel Wasser führenden Bäche. Unterhalb Falotta (2460 m) konnten kleine Restschneefelder ohne Schwierigkeit umgangen werden. Auf Falotta angekommen änderte sich das Gelände radikal. Rechts der mächtige Piz d’Err, vor uns die Alp Negna, eine Hochebene, die wir leicht absteigend zu überqueren hatten. An der Flanke der Bovas Blavas war der Gegenaufstieg zum P.2440 zu erkennen, nicht aber zu sehen. Beim P.2440 ein Wegweiser; hier hielten wir fürs Erste nach links, um den 25 m tiefer(!) stehenden Piz Colm (2415 m) zu «bezwingen». Das Gipfelchen ist erstrebenswert, weil von dort der Überblick in die Gegend von Savognin und Tinizong besonders schön sei (Aussage Mario Dosch von der Gemeindeverwaltung Surses Tinizong-Rona – herzlichen Dank!). Idealer Ort auch für eine etwas längere Verpflegungspause. Erstaunlich, wie wenig Wanderer wir bislang antrafen – weniger als eine Handvoll waren es. Uns zog es weiter, zurück zum Wegweiser P.2440. Von dort in leichtem Auf und Ab und einigen Restschneefelder ausweichend zum Übergang Furschela da Colm resp. Parsettens (2399 m). Von hier könnte man die Abkürzung nach Demat nehmen. Könnten – nicht wir! Vom sympathischen Mario Dosch (siehe oben) hatten wir den Tipp, ins Val d’Err abzusteigen und dort «unbedingt» die Alp d’Err zu besuchen (die Meringues hat er uns besonders ans Herz gelegt). Klar, dass wir unsere heutige Rast dort einlegten! Im schneefreien Abstieg dann zur Linken der Berg namens Carungas (2622 m), an dessen Ostflanke wir direkt bei den eindrücklichen Mangangruben Parsettens II und etwas weiter unten Parsettens I vorbeikamen. Dort wurde 1941 bis 1945 Erz abgebaut; weitere spannende Infos hier. Beeindruckt und deshalb fast schon locker bewältigten wir die 220 Hm Abstieg bis zu Alpstrasse im Val d’Err. Über eine Brücke über die Ragn d’Err gelangten wir auf diese Alpstrasse, um innert weniger Minuten die schön gelegene Alp d’Err (2178 m) zu erreichen. Und tatsächlich: dort gab es quasi das ganze Programm für hungrige Bergwanderer; gut, dass wir uns bis jetzt zurückgehalten haben und unsere Brote im Rucksack versorgt liessen.

Nach ausgiebiger Mittagspause dann der letzte Abschnitt – 950 Höhenmeter Abstieg über etwa 8 km in etwas mehr als 2 Stunden – und das mit vollen Bäuchen😊. Bis zur Alp Viglia (1974 m), wo der Bach Ragn da Cotschna unterhalb der überragenden Pizza Grossa (2939 m) herunterkommt, wanderten wir auf guter Unterlage, allerdings an der prallen Sonne. Bei Motta d’Err (1916 m) unterhalb der Pizza Grossa dann eine grosse Kehre, dann über eine massive Brücke, deren Tor wir mit letzter Muskelkraft öffnen konnten. Ab jetzt etwas steiler, dafür mehrheitlich im Schatten des Waldes, marschierten wir zügig nach Tga Pensa hinunter. Beim P.1659 dann eine kleine Enttäuschung: der WW war gesperrt. Und gleich eine weitere Enttäuschung: ab hier verkehren Alpinbusse, aber nur DI und FR, in zwanzig Minuten also – nur heute ist Samstag!! Dann halt, nahmen wir die geteerte Strasse. Autostopp kam nicht in Frage, obwohl sich die Gelegenheit dazu bot. Unterhalb Cruschetta dann der Trost, dass hier der gesperrte WW in die Strasse einmündete. Nun gut, die Unterlage suboptimal, aber die Sicht zum gegenüberstehenden Piz Arblatsch entschädigte vielfach. Unterhalb der S-Kurve das Angebot einer schön gelegenen Bankniederlassung, und schon war die Freude am Wandern zurück. Die letzten 280 Abstiegsmeter waren dann nur noch Formsache, zumal sich kurz vor Tinizong bei Lareschs (P.1429) eine Abkürzung über einen allerdings holprigen und steilen, aber schattigen Wurzelweg anbot. Fast schon unvermittelt standen wir vor den ersten Häusern von Tinizong. Nochmals ging der Blick hoch zum von hier aus gut zu sehenden Piz Colm. In der Dorfmitte angelangt, Kleiderwechsel, frisches Wasser vom Dorfbrunnen, und ab in die Beiz…

Fazit:
Eine absolut lohnende Hammertour, für uns nicht mehr ganz junge ziemlich lang (>18 km), fast 1500 Abstiegsmeter, von Müdigkeit am Ende aber (fast) keine Spur. Danke wiederum Hikr Ivo für seine Tipps (der war heute glaubs mit seiner Lena auf der Pizza Grossa – Gratulation!

Wetterverhältnisse:
Sehr sonnig, wolkenlos, 20 bis 34°, leichte Bise (wiederum wohltuend!).

Hilfsmittel:
Sonnencrème (wichtig!), Stöcke, Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 29. Juni 2019
Schwierigkeit: T2
Strecke: 18.4 km, Alp Flix (Tigias 1975 m) – Tga d’Meir – Tgalucas (169 m) – P.2072 – P.2269 – Falotta (2460 m) – P.2440 – Piz Colm (2415 m) – Furschela da Colm resp. Parsettens (2399 m) – Alp d’Err – Alp Viglia (1974 m) – Motta d’Err (1916 m) – Tga Pensa (P.1659) – Cruschetta – Lareschs (P.1429) – Tinizong (1232 m)
Aufstieg: ca. 750 m
Abstieg: ca. -1460 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 8 Std.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 5 Std. 40 Min.
Tageszeit: 09:00 bis 17:00 Uhr

Oberhalbstein 1|2: Bivio – Kanonensattel – Alp Flix

Die Zweitagestour hatten wir schon länger vor – jetzt sollte alles stimmen; ideal auch um der gegenwärtige Hitze zu entfliehen. Weil die ÖV-Fahrt nach Bivio zu lange dauert, reisten wir mit dem Auto an; in Tinizong standen Gratis-Parkplätze zur Verfügung. Ab dort dann die halbstündige Postautofahrt bis Bivio.

Kurz vor elf Uhr starteten wir in Bivio bei sommerlichen Bedingungen (ca. 20°, sehr sonnig, leichte, aber willkommene Bise). Gleich in der Ortsmitte wurden wir von den Wanderwegweisern auf die gewünschte Strecke gewiesen in Richtung Alp Flix über die Alp Natons (Vorgabe bis zur Alp Natons: 2 Std.). Erst führte der Wanderweg durch die Ortsmitte, dann zur südlich gelegenen Brücke über die Julia, beim Ortsteil Plaz dann gleich stark steigend hoch bis zur Verzweigung P.2121. Auf diesem Abschnitt erfreuten uns Felder von Enzianen, Alpenrosen, Küchenschellen, Trollblumen. Bei der Verzweigung weiter in nördlicher Richtung, die Höhe von ca. 2140 m haltend bis Murtér – einem Sumpfgebiet mit zwei hübschen Seelein. Über ihnen baut sich der Piz Neir mit seinen 2906 m auf. Hier auch der Tiefblick zum Marmorera-Stausee (1680 m). Wenig später eine enge Stelle, wo ein steiler und ruppiger Abstieg zur Alp Natons (1959 m) hinunterführte. Wenige Meter oberhalb der Alp genossen wir an aussichtsreicher Lage unsere Mittagsrast (selbstgemachte Sandwiches mit Käse und Wollschweinsalami gefüllt). Bei den Alpgebäuden hielten wir gleich oberhalb der Fahrstrasse nach rechts in Richtung Kanonensattel. Die nächsten 800 m führten leicht ansteigend über Weiden, vorbei an friedlichen Kühen und Rindern, in die Val da Natons hinein. Beim P.2042 kommt einer der Pfade von der Fuorcla digl Leget herunter. Hier sei erwähnt, dass wir ursprünglich ab Julierpass ins Val d’Agnel hinein und über eben diese Fuorcla digl Leget (2709 m) laufen wollten. Der viele Schnee hielt uns aber davon ab (dank des Ratschlags des ortskundigen und erfahrenen Hikr Ivo die richtige Entscheidung, wie wir übrigens am Abend bestätigt erhielten). Also überquerten wir den stiebenden Bergbach über die eingeknickte Brücke. Vor uns sehr steile 200 Aufstiegsmeter über eine Strecke von 1000 m bis zum Kanonensattel (2255 m). Bei diesem Wegpunkt kommt ein zweiter Pfad von der Fuorcla digl Leget herunter. Am Kanonensattel lagen noch einige kleine Altschneefelder, die aber problemlos umgangen werden konnten. Vom heute höchstgelegenen Punkt folgte der Abstieg zur Alp Flix hinunter – eine halbe Stunde noch. Jetzt wurde der Blick auf die Alp frei, und wir erkannten auch schon unseren Übernachtungsort Tigias. Dem im ersten Abschnitt etwas ruppigen Abstieg folgte kurz vor dem Weiler Salategnas schönstes Weidegelände mit wiederum friedfertig weidenden Muttertieren. Ab Salategnas ein flaches Stück Naturstrasse bis zum 600 m entfernten Tagesziel. Ab auf die schöne Terrasse des Berghauses Piz Platta, wo wir vom Gastgeberpaar Renske und Werner herzlich empfangen wurden. Bei ca. 24° im Schatten genossen wir unsere Panachées und die herrliche Aussicht auf die schöne Alp Flix mit dem dominierenden Piz Platta (3392 m). Nach der erfrischenden Dusche und einer erholsamen Siesta waren wir bereit für den Abend mit einem genussvollen Viergänger, mit welchem uns Werner vom Berg überraschte. Bei dieser Gastfreundschaft lässt es sich formidabel schlafen…

Fazit:
Die Wahl der Strecke ab Bivio über die Alp Natons war wie schon erwähnt richtig. Dies wurde uns von einem Paar aus Uster bestätigt, welches erst gegen 19 Uhr auf der Alp eintraf. Sie hatten den Versuch die Fuorcla digl Leget zu überschreiten im oberen Val d’Agnel aufgeben müssen, weil sie im Schnee hüfttief einsanken(!)…

Wetterverhältnisse:
Sehr sonnig, wenig Schönwetter-Bewölkung, 20 bis 24°, leichte Bise (sehr wohltuend!).

Hilfsmittel:
Sonnencrème (wichtig!), Stöcke, Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 28. Juni 2019
Schwierigkeit: T2
Strecke: 9.8 km, Bivio (1796 m) – Verzweigung P.2121 – Murtér (ca. 2150 m) – Alp Natons (1959 m) – Val Natons P.2041 – Kanonensattel (2255 m) – Salategnas (1976 m) – Tigias (1975 m)
Aufstieg: ca. 750 m
Abstieg: ca. -530 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 4 Std. 45 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std. 30 Min.
Tageszeit: 11:00 bis 15:45 Uhr

Jura 3|3: Etang de la Gruère

Heute war ein etwas trüber Regentag. Gelegenheit für ein alternatives Programm: Besuch der Brasserie BFM in Saignelégier, dann ein gemütlicher Mittagsjass in «unserem» B&B (die Frauen gegen die Männer – sie haben uns gewinnen lassen, hihihi…), am späteren Nachmittag dann die erwartete Wetterbesserung und die Gelegenheit für einen Spaziergang im entzückenden Naturparadies Etang de la Gruère nahe Saignelégier.

Wetterverhältnisse:
Gewitterhaft, wenig Aufhellungen, Temperatur ca. 20°.

Hilfsmittel:
keine

Parameter:
Tour-Datum: 22. Juni 2019
Anforderung: T1
Strecke: 2.8 km, La Theurre (1015 m) – Umrundung Etang de la Gruère
Benötigte Zeit: 40 Min.Tageszeit: 16:15 bis 17:00 Uhr

Jura 2|3: Mont-Soleil 1291 m

Unsere heutige Tour starteten wir direkt ab unserem B&B Gité de Toinette in Saignelégier (981 m). Nach dem sagenhaften Frühstück mussten wir uns etwas nach zehn Uhr richtiggehend zum Start «überwinden». Nahe des Dorfzentrums deckten wir uns in der modernen Boulangerie mit dem Nötigsten ein. Vorbei an der festgeschmückten Halle du Marché-Concours (am 23. Juni feiert der Canton de Jura 40 Jahre Unabhängigkeit, die Festivitäten dauerten von Freitag bis Sonntag). Bald war offenes Gelände erreicht und wir konnten die Schönheiten der Freiberge (Franches-Montagnes) geniessen. Pferdeweiden dominierten die wunderschöne Landschaft. In Nachbardorf Emibois (952 m) war der Besuch der sagenhaften Boulangerie Au Pain d’Antan Pflicht – Gelegenheit für einen Kafi! Über liebliches Gelände weiter in Richtung Le Roselet (1052 m), Standort der bekannten Stiftung für das Pferd. Dann folgte der leichte Abstieg nach Les Breuleux hinunter; hier wurde der Blick zum Tagesziel frei, gut zu erkennen an der vielen Windturbinen, welche auf dem Mont-Soleil und dem benachbarten Mont-Crosin drehen. Ach ja, und dunkle Regenwolken grüssten auch schon. Davon unbeeindruckt, verliessen wir Les Breuleux am westlichen Dorfende bei Les Vacheries in Richtung S. Jetzt führte der unbefestigte Fahrweg durch das wunderbare Weidegelände (Le Pâturage Communal), friedlich «bewohnt» von Pferden, Fohlen und Kühen. In einer Lichtung nutzten wir die wohl letzten Sonnenstrahlen heute, um die Mittagsrast abzuhalten. Gestärkt und gut gelaunt nahmen wir die noch verbleibenden 6 km bis zum Gipfel unter die Füsse. Gut markiert (Trans Swiss Trail Nr. 2) durch lichten Wald und über mooriges Gelände verliessen wir diese Idylle. Die nächsten zwei km bis zum höchsten Punkt, dem Mont-Soleil, waren dann etwas ruppiger und steiler, nie aber wirklich anspruchsvoll. Beim P.1272 ein Übergang, wo der Pfad quasi auf dem Grat zum Gipfel führte. Kurz bevor die höchstgelegene Windturbine erreicht war, war wieder Regenbekleidung gefragt. Etwas zügiger nun der Abstieg vorbei an den Anlagen des Observatoire Astronomique de Saint-Imier. Eigentlich hatten wir Absicht, die 470 Hm Abstieg nach Saint-Imier hinunter zu laufen. Doch unvermittelt standen wir vor der Bergstation der Funiculaire Saint-Imier – Mont-Soleil (1180 m). Den Spass, diesen Abstieg eleganter als geplant zu meistern, liessen wir uns nicht nehmen. Ab Saint-Imier gelangten wir mit dem Postauto (bis Les Breuleux) und ab dort mit der Chemins de fer du Jura in knapp 30 Minuten nach Saignelégier zurück.

Fazit:
Trotz der suboptimalen Witterung eine wiederum sehr lohnende Wanderung durch die Franches-Montagnes.

Wetterverhältnisse:
Etwas launische Witterung, anfänglich etwas Sonne, im Tagesverlauf zunehmend regnerisch, Temperatur ca. 18 bis 22°.

Hilfsmittel:
Regenschutz, Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 21. Juni 2019
Anforderung: T1
Strecke: 16.1 km, Saignelégier (981 m) – Emibois (952 m) – Le Roselet (1052 m) – Les Breuleux (1020 m) – Les Vacheries – Le Pâturage Communal – P.1272 – Mont-Soleil (1291 m) – Bergstation der Funiculaire Saint-Imier – Mont-Soleil
Aufstieg: ca. 450 m
Abstieg: ca. -250 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std. 10 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 4 Std.
Tageszeit: 10:15 bis 15:30 Uhr

Jura 1|3: Doubs – von Soubey nach St-Ursanne

Nach der gemütlichen Anreise am Nachmittag des Vortags trafen wir unsere Freunde Manuela und Thomas mit Miro in Saignelégier. Dann folgte ein Abendspaziergang (6.5 km) zur Auberge de la Couronne im Weiler La Theurre, wo wir vorzüglich gegessen haben.

Heute folgte dann die Flusswanderung entlang des Doubs. Ab Saignelégier (978 m) gelangten wir nach 13 km Fahrt nach Soubey (476 m), dem Startpunkt unserer Wanderung. Bei der Brücke über den Doubs stehen ein paar Parkplätze zur Verfügung. Kurz nach halb elf Uhr starteten wir in den sich abzeichnenden leicht regnerischen Tag – die Pelerinen in Bereitschaft. Am rechten Ufer führte der markierte Weg entlang des ruhig fliessenden Doubs etwas zurückversetzt bei Les Moulins vorbei, wo auch eine grosse Pisciculture steht (hier werden wohl die Doubs-Forellen gezüchtet…). Jetzt wieder in Flussnähe erreichten wir den Hof Le Champois und etwas weiter ein gut verstecktes, idyllisch gelegenes Häuschen, von wo uns der Bewohner zurief, dass demnächst eine Ladung herunterkomme. Wenig später bei La Réchesse, dort wo der Weg vom Hügel Le Chételat (574 m) näher an den Doubs «gedrückt» wird, nutzten wir den waldigen Abschnitt, um unsere Regenhäute überzuziehen. Nach etwas mehr als 5 km – kurz vor La Charbonnière – glaubten wir auf der rechtsliegenden Uferseite zu bleiben. Statt den Aufstieg weg vom Fluss nach Le Poye (554 m) zu laufen, kehrten wir um und wählten den 200 m zurückliegenden Übergang über eine Brücke ans linke Ufer. Hier macht der Fluss eine seiner vielen Kurven (diesmal nach links), und es folgte nun eine fast 3 km lange Strecke in unmittelbarer Ufernähe (Sous le Roches) – schmierig und nass. Hier boten einige schöne Blüten willkommene Farbtupfer im Nassgrau. Kurz vor der nächsten markanten Flussbiegung, bei Tchétevâ, einer Lichtung, präsentierte sich die Sonne und gleich wurde es dampfend heiss. Gelegenheit und ein schöner Platz für unsere Rast. Kurz vor Tariche dann eine weitere Rechtskurve, wo am gegenüber liegenden Ufer ein Restaurant mit Camping lag – zu erreichen mit einer kleinen Barke, welche sich an einem Metallseil und mit Hilfe einer Handkurbel manöverieren lässt. Trotz verlockender Beiz hatten wir keine Lust ans andere Ufer zu wechseln, weil dort eine Fahrstrasse verläuft. Über schönstes Ufergelände gelangten wir zur Plain du-Noyer, wo wir auf eine wegelagernde Mutterkuhherde trafen. Ausreichend Abstand, unser Tollerhund Miro verhielt sich absolut ruhig, und die friedlichen Tiere liessen uns vorbeiziehen. Unterhalb des Weilers Ravines ein besonders idyllischer Ort mit drei Inselchen im Doubs. Auf der Höhe der Brücke zum am anderen Ufer liegenden Montmelon Dessous blieben wir am linken Ufer, vor uns nun der Viadukt der Eisenbahnlinie Porrentruy-Glovelier-Delémont. Bei der am anderen Ufer stehenden Chapelle de Lorette vorbei macht der Doubs nochmals eine markante Kurve um endgültig in Richtung W zu fliessen. Nach der Passage durch ein schmuckes Einfamilienhausquartier die Brücke über den Doubs und ins schmucke, historische Städtchen St-Ursanne. Sehr touristisch halt, aber wirklich sehenswert. Und in einer der zahlreichen Gartenwirtschaften genossen wir unsere Panachés. Abschliessend die Postautofahrt zurück nach Soubey.

Fazit:
Eine längere, aber nicht allzu fordernde Wanderung entlang des kurvigen Doubs – sehr lohnend!

Wetterverhältnisse:
Etwas launische Witterung, anfänglich etwas Regen, im Tagesverlauf zunehmend sonnig und schwülwarm, Temperatur ca. 17 bis 25°.

Hilfsmittel:
Regenschutz, Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 20. Juni 2019
Anforderung: T1
Strecke: 16.3 km, Soubey (476 m) – Les Moulins (478 m) – Le Champois (485 m) – La Réchesse (469 m) – P.455 (Brücke über den Doubs) – Tchétevâ (454 m) – Tariche (449 m) – Ravines – La Lomene (439 m) – St-Ursanne (438 m)
Aufstieg: ca. 210 m
Abstieg: ca. -230 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 4 Std. 50 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 4 Std.
Tageszeit: 10:30 bis 15:30 Uhr

Via Panoramica Val Bregaglia

Zehn Stunden ÖV-Fahrt Hin- und Rückfahrt und dann noch fünf Stunden Wandern – muss das sein? Ganz klar Ja, sehr lohnend (nicht nur anstrengend)! Zum ersten ist die Bahnfahrt, vor allem ab Chur mit der Welterbe-Bahn RhB immer wieder eine Augenweide (Strecke Chur – Thusis – Filisur – Bergün – Albulatunnel – St. Moritz), aber auch die Postautofahrt ab St. Moritz über den Malojapass zum Startpunkt Casaccia gefällt uns immer wieder. Ankunft in Casaccia um 09:58 – und los ging es ohne Verzug, Wegweiser Via Panoramica Nr. 796 (weiss-rot-weiss).

Soglio war das Tagesziel. Ob wir die Strecke heute laufen konnten, war nicht von der aktuellen Schönwetterlage abhängig (siehe weiter unter «Wetterverhältnisse» und Bilder). Bereits auf den ersten 800 Metern beim Queren der Ebene war der Weg zwar trocken, die Wiesen vom mittlerweile abgeflossenen Hochwasser der gestern überlaufenen, wilden Maira noch flach am Boden. Hier geht der Blick unweigerlich zur mächtigen Staumauer des Lägh da l’Albigna (2165 m) und den berühmten Zacken der Fiamma (2446 m). Bei P.1443 überquerten wir die reissende, noch immer viel Wasser führende Maira. Bis zum Kraftwerk Löbbia verlief der Weg etwas oberhalb, parallel zur tosenden Maira. An einigen Stellen war der Fahrweg teilweise abgerutscht und Arbeiter sperrten ab. Beim Kraftwerk blieben wir am rechten Ufer um bis P.1348 der Maira wieder näher zu kommen. Dann die Seite haltend leicht aufsteigend bis Barga d’Ora (P.1368). Bei dieser Verzweigung galt es links (geradeaus) zu halten, um nach etwa 1.2 km das etwas tiefer liegende Dörfchen Roticcio (1268 m) zu erreichen. Zwischen den Häuser hindurch passierten wir ausgangs des Weilers ein aussergewöhnliches Wohnhaus modernster Architektur. Von hier geniesst man die Aussicht nach Vicosoprano hinunter und auf die das Dorf umfahrende (Pass-)Strasse., welche nach Chiavenna führt. Gleich nach Roticcio war ein erster Wildbach zu überqueren, der Pfad musste als Bachbett dienen, Arbeiter waren schon an der Ausbesserung, die intakte Brücke erreichten wir mit etwas Akrobatik. Jetzt begann es zu steigen bis eine Höhe von ca. 1400 m. ü. M. erreicht war. Mischwald wechselte ab mit Durchblicken zu den zackigen Felsen auf der gegenüberliegenden Talseite. Bald folgt eine ernsthafte «Schlüsselstelle»: ein grosse Tanne, welche bestimmt am Vortag vom Gewittersturm «gefällt» worden ist, stellte uns vor ein Rätsel. Übersteigen ging ebenso wenig, wie im sehr steilen Gelände auszuweichen. Unterdurch zu kriechen war die einzige Möglichkeit, Rucksack und Stöcke voraus, und wir hintendrein. Bei Bleis dann schon wieder einer dieser heute wildgewordenen Bäche, deren Überquerung ziemlich trickreich waren. Zur Erholung dann der Wow-Effekt: zum ersten Mal zeigte sich der Pizzo Badile (3305 m) mit dessen berühmter Nordwand. An einem besonders schönen Platz stand eine einladende Bankniederlassung mit Tiefblick nach Vicosoprano hinunter und zu den gegenüber stehenden «Dolomiten» – gerade richtig, um unsere Mittagsrast abzuhalten. Gut erholt wanderten wir die Höhe haltend weiter bis zur Verzweigung bei P.1350 (Brügnet) – hier führt ein Pfad hinunter nach Vicosoprano. Wenige Meter weiter versprach ein Plakat, dass bald eine Beiz erreicht sei (15 Minuten bis zum Ristoro Munt Durbegia) – für uns zu spät. Die sehr schön und aussichtsreich gelegene Alpbeiz passierten wir mangels Durst und Hunger. Nun befanden wir uns auf Höhe des Talorts Borgonovo, und gegenüber der heute allgegenwärtige und sehr fotogene Badile. Bald einmal war ein wiederum viel (braunes) Wasser führender Bach namens Valer zu überqueren – diesmal über eine intakte Brücke. Und wenige Meter später dann die Fopeta, mit einem richtigen Wasserfall (fast schon einer Dusche gleich…); die Brücke war wohl vom gestrigen Unwetter weggespült. Bald folgte der nächste Bach, die Peista, fast schon romantisch, diesen turnend zu überqueren. Jetzt ging der Ausblick ins Val Bondasca hinüber, darüber der unruhige Pizzo Cengalo (3369 m) und rechts der Pizzo Badile; im Tal ist das bemitleidenswerte Bondo zu sehen. Jetzt folgte eine besonders schöne Strecke über plattige Stufen auf und mehrheitlich ab. Der Blick nach Soglio öffnete sich dann kurz vor Ende der Wanderung. Im schönen Dorf gab es dann noch eine Stange Panaché, bis wir vom Kleinpostauto um 16:19 Uhr abgeholt wurden; die Rückfahrt dann mit Umsteigen in Protomongo und über den Malojapass.

Fazit:
Zeitfenster (betr. Wetterlage) optimal genutzt, der richtig Zeitpunkt für diese wunderschöne Panoramatour im Val Bregaglia.

Wetterverhältnisse:
Ausgangslage:
in der Nacht von gestern Dienstag/Mittwoch und am Mittwochvormittag fiel im Bergell intensiver Regen. Stellenweise gab es innert 18 Stunden mehr als 100 Millimeter Niederschlag. In Soglio wurden 119 Millimeter verzeichnet, in Vicosoprano 103 Millimeter gemessen.
Heute: ein wunderschöner sonniger Tag, kein Niederschlag, etwas Wind (10 bis 20 km/h), Temperatur ca. 15 bis 24°. Und unter diesen Verhältnissen eine nicht ganz anspruchslose Wanderung…

Hilfsmittel:
Stöcke, Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 13. Juni 2019
Anforderung: T2
Strecke: 14.7 km, Via Panoramica Nr. 796 ab Casaccia (1458 m) – Roticcio (1268 m) – Durbegia (1403 m) – Soglio (1090 m)
Aufstieg: ca. 460 m
Abstieg: ca. -810 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std. 45 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 4 Std. 30 Min.

Ruta del Cares – im Herzen der Picos de Europa

Von unserem Standort Camping La Viorna wollten wir unbedingt das angeblich absolute Muss erleben: die Durchquerung der Cares-Schlucht. Weil heute Sonntag war, und weil die Tour als eine der schönsten Wanderungen in Spanien gilt, wählten wir wegen des zu erwartenden «Verkehrsaufkommens» den Start ab Cain (460 m), von Süden her also. Und relativ früh aufzubrechen war eine weitere (richtige) Einschätzung. Die etwa 65 km lange Anfahrt führte ab Potes über zwei Pässe bis auf 1600 m.ü.M. hinauf, und sie dauerte ca. 1.5 Std. Die karge voralpin geprägte Landschaft war sehr beeindruckend. Vor dem Ausgangspunkt in Cain dann einige Schlüsselstellen auf der Fahrstrasse: engste Passagen, bis zu 20% Steigung/Gefälle, kreuzen selten möglich – Prinzip Hoffnung. Und die Parkmöglichkeiten im kleinen Dörfchen Cain sehr abenteuerlich (wenigstens für Wohnmobilisten) – die verlangten vier Euro waren sehr gerechtfertigt. Nach dem Startkafi in einem der vielen Touristen-Cafés der Einstieg in die Schlucht direkt hinter dem letzten Haus des Dorfes. Auf allen Seiten erheben sich senkrechte Wände, was der Sonne die direkte Einstrahlung etwas verwehrt. Wir hatten nicht die Absicht, die gesamte Länge der Schlucht bis Poncebos (12 km hin und so viel zurück, total also 24 km) zu absolvieren – bei ca. 7 km also der Umkehrpunkt. Irgendwann hat man die sich wiederholenden Bilder ohnehin gesehen: steil überhängende Felswände, maximal zwei Meter (manchmal auch weniger) breite Wege, dunkle Tunnels (Kopf einziehen, gell Ruedi!), keine Wegsicherungen, streckenweise geht es hundert Meter Falllinie runter zum tobenden Cares. Von einer besonders Herausforderung zu sprechen wäre dennoch übertrieben, aber Vertigo-geplagte Wanderer haben zu kämpfen. Und Hunde gehören an die Leine, Biker dürfen nicht durch. Viel mehr gibt’s nicht schreiben, lassen wir die Bilder sprechen.

Fazit:
Unsere zweite Wandertour im Nationalpark der Picos de Europa erfüllte unsere Erwartungen trotz der grossartigen Natur nicht ganz. Zu touristisch😒… – hunderte von Wanderern aller Leistungsklassen unterwegs (Ola, ola…). Aus unserer Sicht ist die Tour zwar spektakulär, aber kein Muss.

Wetterverhältnisse:
Sonnig, hohe Bewölkung, windstill, bis 29°.

Hilfsmittel:
Stirnlampe, Stöcke

Parameter:
Tour-Datum: 2. Juni 2019
Schwierigkeit: T1-2
Strecke: ca. 14 km ab Cain und zurück
Höhendifferenz: ca. 250 m
Laufzeit ohne Pausen: total ca. 4 Std.Tageszeit: 10:15 bis 14:15 Uhr