Archiv der Kategorie: Schneeschuhtour

Föisc 2208 m – formidabler Panoramagipfel über der Alta Leventina

Am zweiten Tag unseres Aufenthalts im Val Bedretto zog es uns – der Lawinensituation geschuldet – in die nahe Nachbarschaft. Nach der kurzen Fahrt nach Airolo die Bergfahrt hoch nach Brugnasco. Ein freundlicher Bauer hat am Dorfeingang ein paar Parkplätze eingerichtet – grazie! Dass es hier, an dieser südseitig ausgerichteten Bergseite schneefrei war, erstaunt nicht weiter, schliesslich ist es Frühling🌼! Start unmittelbar beim Bauernhof, über einen steilen Güterweg, vorerst ohne Schneeschuhe. Nach etwa fünfhundert Metern eine Hütte, ab welcher es auf schneebedecktem Weg, immer schön an der Märzensonne, über zwei Serpentinen ansteigt. Der immer noch steile, unter Schnee liegende leicht bewaldete Weg war gut zu begehen Bei P.1604 änderte die Situation und die Richtung von NW nach NO, Rütan war erreicht. Unglaubliche Schneemengen hier oben! Also wurden jetzt die Schneeschuhe montiert. Nach der letzten Hütte verliessen wir den über dem Valle di Büi verlaufenden Weg nach rechts (in Richtung O) um ziemlich steil weiter aufzusteigen; die Unterlage hart und deshalb gut tragend, im offenen Gelände kaum Spuren (vom Winde verweht), also war harte Arbeit angesagt – Doris als Führerin voraus👍. An besonders geschützten Stellen konnten wir schwache Spuren nutzen, welche uns auch bestätigten, in Richtung Motti unterwegs zu sein. Kurz vor P.1911 kamen Zweifel auf, weil ein tief verschneites Grätchen zu begehen war – stimmte die Richtung? GPS-Bestätigung sei Dank, erreichten wir bald einmal Pian-Töi, eine Verzweigung auf 1893 m. Hier steht auch eine schöne Hütte, die wir auf dem Rückweg besuchten. An der Verzweigung entschieden wir uns für den Aufstieg über den anspruchsvollen Steilhang, auf welchem vertrauenswürdige Spuren zu erkennen waren. Bis zum Gipfel waren noch 315 Aufstiegsmeter zu bewältigen. Wenn die Querung des evtl. rutschgefährdeten Steilhangs gut gelingt, sollten wir um 13:15 Uhr, nach etwa 60 Minuten also, auf dem Gipfel ankommen. Die problematische, der Sonne voll ausgesetzte Querung, begingen wir zügig, mit äusserster Vorsicht und mit Sicherheitsabstand. Nicht nur der Anstrengung wegen floss der Schweiss in Strömen… Ab einer Höhe von 2050 m.ü.M. waren keine Spuren mehr zu erkennen – der Wind der vergangenen zwei Tage hatte Wirkung. Der windgepresste Schnee erlaubte den Gipfelaufstieg ohne allzu aufwändige Spurarbeit. Und die Orientierung war auch kein Problem, immer in Richtung höchstem Punkt. Der Gipfel selbst zeigte sich aber erst kurz vor dem letzten Aufschwung, ca. 80 Hm unterhalb. Das markante Gipfelkreuz und die Wegweiser waren nicht zu verfehlen. Und pünktlich waren wir auch – 13:15 Uhr! Doch da müsste doch eine Schutzhütte stehen, das legendäre Rifugio Föisc?! Vollständig eingeschneit, der Eingang mit einem winzigen freigeschaufelten Loch zu erkennen – die Hütte stand bestimmt drei Meter unter Schnee. Im Innern könnten angeblich 8 Personen «wohnen» – mehr Infos siehe hier. Auf dem Gipfel bot sich dann ein Panorama der Sonderklasse. Ostseitig nur ja nicht zu nahe auf die Wächte treten! 350 m unter uns der Lago Ritóm mit der Staumauer Piora, dahinter der Lago Cadagno und der Lago di Tom und das Val Piora. Am 360°- Horizont wetteiferten nahe und ferne Gipfel um die Gunst; die Tiefblicke in die Leventina, ins Val Bedretto hinüber und nach Airolo hinunter waren absolut betörend. Nach diesem Genuss folgte die verdiente Gipfelrast vor der Schutzhütte und bei Windstille und angenehmer Temperatur (geschätzte 4 bis 8 Grad). Und das Unerwartete: der Gipfel gehörte uns alleine!

Der ausgiebigen Gipfelrast folgte der Abstieg auf (fast) identischer Strecke. Die Variante über die Bochetta di Föisc hinunter ins Val di Büi war keine Option – zu gefährlich. Wir achteten lediglich darauf, den im Aufstieg beschriebenen Steilhang umgehen. Also wichen wir oberhalb nach O aus, um im meterhohen Schnee irgendwie zwischen den Bäumen durch gefahrlos, jedoch freeride-mässig Pian-Töi zu erreichen. Das gelang, und schon durften wir uns freuen, an der sensationell gelegenen Hütte mit dem treffenden Namen Carpe Diem eine Trinkpause einzulegen. Im weiteren Abstieg folgte über Motti wieder das bekannte Grätchen, dann über wunderschönes Gelände hinunter bis zu den Hütten von Rütan. Der weitere Abstieg auf dem Güterweg schon fast erholsames Auslaufen, um schliesslich beim Startpunkt in Brugnasco zu «landen». So, das war nun doch eine sportliche Tour – die uns etwas mehr forderte. Jedenfalls freuten wir uns auf ein Panaché in Ronco Bedretto. Und die für morgen auf der Heimfahrt prov. Tourenidee (Pizzo dell’Uomo ab Lukmanierpass) lassen wir wohl eher bleiben😅…

Fazit:
Ein wiederum frühlingshafter Schneeschuh-Wandertag der Extraklasse, gespickt mit fast tausend Auf- und Abstiegsmetern – wir durften zufrieden sein… Und sehr speziell heute: auf der gesamten Tour sind uns keine Berggänger begegnet(!).

Wetterverhältnisse:
Unglaubliche Schneemengen, anfänglich pulvrig, im Tagesverlauf unterhalb 1800 m.ü.M. sulzig, kaum Spuren, und falls solche vorhanden windgepresst, ungetrübter Sonnenschein, frühlingshafte (-5° bis 10° C), je nach Exposition windstill.

Lawinengefahr:
Laut SLF Stufe 3 erheblich (seit Tagen)

Ausrüstung:
Schneeschuhe, Stöcke, LVS, Sonde, Schaufel, GPS

Parameter:
Tour-Datum: 23. März 2021
Schwierigkeit: WT3
Strecke: 12.4 km, Brugnasco (ca. 1355 m, Abstellplätze beim ersten Bauernhof an der Strasse) – Campoi (1448 m) – P.1516 – Rütan P.1604 – Motti (P.1911) – Pian Töi (1893 m) – Piatto di Larici – Föisch Rifugio (2208 m) – Abstieg wie Aufstieg (Variante Umgehung Steilhang bis Pian Töi)
Aufstieg: ca. 930 m
Abstieg: ca. -910 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 6 Std. 30 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 4 Std. 25 Min.
Tageszeit: 09:45 bis 16:15 Uhr

Val Bedretto – von All’Acqua (1622 m) bis Alpe di Cruina (P.2056 m)

Vorwort:
Zu Fuss auf der Nufenenpassstrasse – das geht nur im Winter, wenn die Wintersperre gilt. Dann ist das Val Bedretto am Oberlauf des Flusses Ticino ein vergessenes Tal. Wenige kommen auf die Idee, am Südportal des Gotthardstrassentunnels ins Tal des jungen Ticino abzubiegen. Im Winter fällt hier nicht selten Schnee in rauhen Mengen. Oft gehen an den hohen Bergflanken grosse Lawinen nieder, was dazu führt, dass das Tal zeitweise von der Aussenwelt abgeschnitten ist. Der grösste Teil des Tals gehört zur gleichnamigen Gemeinde Bedretto, zu welcher auch die Ortschaften Ronco Bedretto, Villa Bedretto und Ossasco zählen. Das erste Dorf im Tal, Fontana, liegt auf dem Gebiet der politischen Gemeinde Airolo. Die höchstgelegene Ortschaft im Tal ist All’Acqua, wo in der Regel die Wintersperre beginnt, und die Skitouren- und Schneeschuhläufer unter sich sind. Auf den beiden Talseiten warten viele Gipfelziele und bekannte Hütten, z. B.: auf der Südseite der Pizzo San Giacomo, der Pizzo Grandinagia, das Helgenhorn und das Gebiet um die Cristallinahütte, auf der Westseite die Capanna Corno-Gries am Eingang des Val Corno und wenig später am Südfuss des Nufenenstocks der Cornopass und als Übergang ins italienische Val Formazza der Griespass. Auf der Nordseite das Chüebodenhorn, der Pizzo Rotondo und weiter östlich der Pizzo Lucendro. Oberhalb All’Acqua, auf der Alpe di Rotondo, steht die Capanna Piansecco auf einer Höhe von 1980 m, welche wir heute zu erreichen hofften…

Die Idee, die Hütte in einer Runde über die Alpe di Cruina (P.2097) via die Cave delle Pigne zu erreichen, um dann dem Sommerweg folgend durch die Riale di All’Acqua abzusteigen, entpuppte sich bald als Illusion – der Lawinengefahr wegen. Wir starteten beim hintersten Parkplatz in All’Acqua. Auf der Passstrasse lag hier bestimmt ein Meter Schnee. Viele Spuren, hart gefroren, ideale Verhältnisse also für einen Schneeschuhspaziergang. Nach etwa einem Kilometer ein erstes Gefahrenzeichen: ein etwa 70 m breiter einige Tage alter Lawinenzug im Bereich der Riale Partus war auf immerhin sicheren Spuren zu überqueren. Ab und zu war zu erkennen, dass wir auf der Passstrasse liefen, zur Linken der eingeschneite Ticino – wunderbar! Vor der ersten Doppelkurve verliessen wir die Strasse, um direkt zu P.1837 aufzusteigen. Bald weitete sich das Gelände, und vor uns lag die Cantina di Cruina – von den Gebäuden waren nur die Dächer zu sehen. Vor uns türmten sich der Nufenenstock und der Scaglia di Corno auf, links war die Capanna Corno-Gries (das «Alpenraumschiff») auszumachen. Einige hundert Meter nach der Cantina di Cruina verliessen wir die Passstrasse, um über unverspurtes Gelände direkt aufzusteigen – etwas krampfen wollten wir schon noch! Ziel war es, den knapp 100 Hm höher gelegenen P.2097 an der Haarnadelkurve der Passstrasse zu erreichen. Das Gelände erreichte eine Steilheit von knapp 30°, schweisstreibende Spurarbeit war gefordert – zum Glück sanken wir auf der windgepressten Unterlage nur wenig ein. 400 Meter vor der Haarnadel kapitulierten wir: zu heikel erschien uns der Weiterweg in Richtung Capanna Piansecco. Machte nichts, also Umkehr im steilen Gelände. Nahe P.2041 – dort wo im Sommer ein Wanderweg die Passstrasse unterquert, stehen ein paar Hütten, und wenige Meter daneben ragten einige Felsbrocken aus dem Schnee – ideal für eine Mittagsrast bei Windstille(!) und voll an der Sonne. Beste Aussicht zu den gegenüber stehenden Gipfeln, u.a. Helgenhorn. Etwa dreihundert Meter westlich, am Fuss der Scaglia di Corno, fanden einige Gämsen etwas Nahrung auf einer abgeblasenen Moräne. Vom aussichtsreichen und absolut ruhigen Rastplatz konnten wir uns kaum losreissen. Im folgenden Abstieg beobachteten wir bei Paltano von der Doppelkurve aus einige Skitourenfahrer, welche vom Helgenhorn via Passo San Giacomo abfuhren – spektakulär! Auf der restlichen Strecke entlang des Ticino war wieder der Lawinenzug zu überqueren. In diesem Bereich beobachteten wir etwas irritiert einige verwegene Skitüreler im lawinengefährdeten, steilen und südseitig ausgesetzten Gelände, die es offensichtlich nicht sein lassen konnten. Beim unterbesetzten Parkplatz in All’Acqua angekommen, schloss sich unsere landschaftlich sehr reizvolle Schneeschuhwanderung – respektabel in der Distanz, etwas weniger anspruchsvoll als auch schon. Nach kurzer Fahrt erreichten wir Ronco, wo wir für drei Nächte im hübschen Berghotel Stella Alpina logierten (sehr zu empfehlen, ausgezeichnete regionale Küche!)

Fazit:
Ein frühlingshafter Schneeschuh-Wandertag im uns unbekannten Bedrettotal – wir kommen gerne wieder!

Wetterverhältnisse:
Viel Schnee, anfänglich hart und windgepresst, im Tagesverlauf unterhalb 2000 m.ü.M. sulzig, ungetrübter Sonnenschein, frühlingshafte (-6° bis 6° C), kaum spürbarer Wind (gemeldet war starker Nordföhn mit Böen von 50 bis 80 km/h).

Lawinengefahr:
Laut SLF Stufe 3 erheblich (seit Tagen)

Ausrüstung:
Schneeschuhe, Stöcke, LVS, Sonde, Schaufel, GPS

Parameter:
Tour-Datum: 22. März 2021
Schwierigkeit: WT2
Strecke: 11.6 km, All’Acqua (oberster Parkplatz) – Manió (1740 m) – Doppelkurve bei P.1837 – Cantina di Cruina (1902 m) – Alpe di Cruina P.2028 – P.2056 (Umkehrpunkt) – Abstieg wie Aufstieg
Aufstieg: ca. 460 m
Abstieg: ca. -460 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 4 Std. 40 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std. 20 Min.
Tageszeit: 10:10 bis 14:50 Uhr

Fuorcla Grevasalvas 2688 m – in der Sahara…

Nach diesem verlängerten Touren-Wochenende im Oberengadin begleiteten wir Susanne und Richi ein Stück weit auf der Fahrt nach Hause; nicht ohne auf dem Julierpass noch eine Abschiedstour zur Fuorcla Grevasalvas zu unternehmen. Bei etwa minus 5° und leichtem Südwestwind Start kurz nach zehn Uhr beim Ospizio La Veduta. Der Einstieg direkt gegenüber über einige hart-vereisten Tritte über die Gelgia. Dann folgte der angenehm steile Aufstieg (noch im Schatten) über gute Spuren. Zur linken der mächtige Piz Julier im schönsten Morgenlicht. Wie sich im Tagesverlauf herausstellte, waren wir heute einsam unterwegs (lediglich vier weitere Schneeschuh-Tourengänger). Ungefähr bei P.2449, am Fuss des aufragenden Piz da las Coluonnas, erreichten wir die ersten Sonnenstrahlen, die heute des Saharastaubs wegen ziemlich diffus wirkten. Jetzt folgte der kurze, aber steile Zwischenabstieg (ca. 60 Hm) zum unter Schnee und Eis liegenden Leg Grevasalvas hinunter. Nach der Seeüberquerung die wenig steile Hangtraverse bis zur Verengung, wo es einen markanten Felsbrocken zu unterlaufen galt. Nach wenigen Metern Aufstieg öffnete sich das Val Grevasalvas, links der markante Piz Lagrev, links von ihm die Fuorcla Lagrev (2877 m), mit Schneeschuhen nicht machbar, im Sommer T4+. Rechts baute sich der Piz d’Emmat Dadora (2851 m) auf, und wir mitten in diesem ruhigen Tal aufsteigend, das vom Saharastaub gebrochene Licht im Gesicht. Bei P.2558, dort wo eine verfallene Hütte am Fels steht, gönnten wir uns eine Trinkpause – und staunten darüber, dass in Richtung Gipfel Piz d’Emmat Dadaint weder Spuren noch Türeler auszumachen waren. Auf dem nun steiler verlaufenden Schlussaufstieg von ca. 130 Hm folgten wir den vorgegebenen windgepressten Spuren. Dann ein eindrückliches Phänomen im Gegenlicht: ein Super-Halo (siehe Bilder). Nach knapp zwei Stunden Laufzeit auf der Fuorcla Grevasalvas angekommen, empfing uns ein böiger Südwind. An eine Gipfelrast war nicht zu denken. Trotzdem genossen wir das prächtige Panorama mit dem eindrücklichen Blick zu den Hochalpen und zum fast tausend Meter tiefer liegenden Maloja und dem Silsersee. Etwas unterhalb des Übergangs – bereits wieder im Abstieg – fanden wir eine windgeschützte Stelle, um die Gipfelrast abzuhalten. Im weiteren Abstieg zogen wir dann unsere Single Lines durch weichen Pulverschnee. Rasch war die enge Stelle beim grossen Felsen erreicht; hier galt es die vereisten Stellen vorsichtig zu passieren. Nach der folgenden Seeüberquerung der Gegenaufstieg, wo noch einmal gekeucht und eingeheizt wurde. Auf der Kuppe vor dem Abstieg zum Julierpass bewunderten wir nochmals die Bergwelt, gegenüber das verspurte Val d’Angel, dessen Steilhänge am Piz Bardella von einigen Rutschen gezeichnet waren. Etwas nach zwei Uhr erreichten wir das Ospizio La Veduta wieder – wegen der aktuellen Lage halt ohne Einkehr. Adieu Susanne und Richi, gute Heimfahrt – es war schön mit euch!

Fazit:
Ein Schneeschuh-Wandertag bei angenehmen Bedingungen auf einen Übergang, der keine Wünsche offenlässt.

Wetterverhältnisse:
Viel Schnee, Spuren leicht windgepresst, auf dem Übergang teilweise abgeweht, vom Saharastaub mystisch getrübter Sonnenschein, frühlingshafte (-5° bis 8° C), unterwegs meist windstill.

Lawinengefahr:
Laut SLF Stufe 2 mässig für trockene Lawinen, Stufe 3 erheblich für Nassschneelawinen

Ausrüstung:
Schneeschuhe, Stöcke, LVS, Sonde, Schaufel, GPSParameter:
Tour-Datum: 22. Februar 2021
Schwierigkeit:
WT2
Strecke: 9.2 km, Julierpass, Ospizio La Veduta (2237 m) – Leg Grevasalvas (2390 m) – Fuorcla Grevasalvas (2688 m) – Abstieg auf gleicher Strecke
Aufstieg: ca. 570 m
Abstieg: ca. -610 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 4 Std.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std.
Tageszeit: 10:10 bis 14:10 Uhr

Muottas Muragl 2454 m – Lej Muragl 2715 m – Val Muragl/Punt Muragl 1738 m

Was für ein Traumtag! Mit der Standseilbahn zum Aussichtspunkt auf Muottas Muragl (Einfachticket für Fr. 25.00/Person). Bei der Bergstation möglichst schnell weg! Bereits auf dem planierten Philosophenweg dünnte sich der Besucherstrom aus. Bald waren Schneeschuh- und Skitüreler unter sich. Als wir den Philosophenweg bei der Verzweigung Fuorcla Val Champagna (P.2363) verliessen, wurde es fast schon einsam. Die Auswahl an Spuren war gross, fast alle führten zum Seelein Lej Muragl hinunter, wenige nahmen sich einen den Gipfel vor (Piz Muragl, Piz Clüx); die Strecke zur 180 m höher liegenden Fuorcla Muragl wäre schon mal was – aber aktuell zu gefährdet, wie die Niedergänge warnend zeigten. Nach einem Fotohalt auf dem eingewinterten See machten wir uns auf den weiteren Abstieg ins Val Muragl. Immer der logischen Linie folgend, nahe der Ova da Muragl, erreichten wir bald den Punkt 2363, dort wo der Sommerweg vom Muottas Muragl via Alp Margun mündet und der Sommeraufstieg zur Cna. Segantini beginnt. Die Rutsche oberhalb des Alpgebäudes vermittelten die Gefahren bei einer Begehung über den Direktabstieg deutlich. Fast unmerklich änderte nun die Laufrichtung von NW nach W. Jetzt hofften wir auf einen schönen Rastplatz, wo wir unsere mitgebrachten Leckereien verzehren konnten. Bei der Tegia Muragl war es so weit; die Sitzbank vor dem Alpgebäude war rasch freigeschaufelt. Hier wurde Kurzweil geboten, verlief doch die Schlittelpiste direkt an der Hütte vorbei. Gut gestärkt machten wir uns auf den weiteren Abstieg im etwas enger werdenden Tälchen. Die 300 Hm bis Punt Muragl (der Talstation der Bergbahn) boten hochwinterliche Ausblicke ins Val Roseg, zum Piz Palü und zum Berninamassiv, bei frühlingshafter Wärme. Entsprechend aufgeweicht war die Unterlage. Für die letzten paar hundert Meter zum nahen Parkplatz entledigten wir uns der Schneeschuhe.

Fazit:
Eine sehr angenehme, keinesfalls überlaufene, Schneeschuhwanderung, fast schon gemütlich, trotz der vielen Abstiegsmetern. Touren wie diese mit unseren Bergfreunden Susanne und Richi zu unternehmen, ist immer wieder ein besonderes Vergnügen – herzliches Dankeschön!

Wetterverhältnisse:
Viel Schnee, anfänglich pulvrig, im Tagesverlauf unterhalb 1800 m.ü.M. sulzig, ab Bergstation Muottas Muragl als Winterwanderweg gespurt, ab Verzweigung Fuorcla Val Champagna (P.2363) Ski- und Schneeschuhspuren, wiederum ungetrübter Sonnenschein, frühlingshafte (-5° bis 12° C), windstill.

Lawinengefahr:
Laut SLF Stufe 2 mässig für trockene Lawinen, Stufe 3 erheblich für Nassschneelawinen

Ausrüstung:
Schneeschuhe, Stöcke, LVS, Sonde, Schaufel, GPS

Parameter:
Tour-Datum: 21. Februar 2021
Schwierigkeit: WT2
Strecke: 10.3 km, Muottas Muragl (2454 m) – Tschimas da Muottas – P.2750 – Lej Muragl (2715 m) – P.2363 – Tegia Muragl (2093 m) – Punt Muragl (1738 m)
Aufstieg: ca. 330 m
Abstieg: ca. -1035 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 4 Std. 30 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std.
Tageszeit: 10:30 bis 15:00 Uhr

Cho d’Valletta 2495 m – eine prächtige Rundtour

Eine Männerrunde heute – Marathonmann Richi als «Kampfmaschine» und Senior Ruedi als «Krampfmaschine». Der uns bereits bekannte Cho d’Valletta sollte es sein. Irgendwie verpassten wir beim Start am Schiessstand Muntarütsch den bekannten Alpweg zur Alp Muntatsch. Nicht schlimm, also hielten wir erst nach W auf dem Alpweg in Richtung Skilift Survih Bergstation – so wurde daraus eine Rundtour. Unterwegs ein kleiner Verhauer in die Wildruhezone, und prompt wurden wir von einem aufmerksamen Wildhüter zurück gepfiffen – zu Recht! Oberhalb der Kirche San Peter bis zum Skilift voll an der Sonne und bei prächtigem Panorama. Bei P.1932 war dann fertig lustig: auf dem mutmasslichen WW (weiss-rot-weiss) stampften wir steiler werdend nach O. Mangels Spuren und Markierungen verpassten wir den Abzweiger in Richtung Alpweg Muntatsch; stattdessen in direkter Linie hoch durch das Val Muntatsch, am Rand der Wildruhezone des God da Munt. Zum Glück spurte Richi im sehr steilen Gelände (gemessene 25-30°), so durfte ich in seinen Fussstapfen wühlen. Gefühlsmässig lagen wir richtig, erreichten wir doch oberhalb der Alp Muntatsch die «offizielle» Spur. Ziemlich ausgepowert🥵 (gilt nur für den Autor…) konnten wir nun auf guter Spur und weniger steil in Richtung Gipfel steigen. Erst etwa 80 Hm unterhalb des Gipfels steilte das Gelände auf und Richi führte uns durch die felsdurchsetzten, aber nicht ausgesetzten, Steilstufen zur Cho d’Valletta. 1 Std. 50 Min. Laufzeit für 760 Aufstiegsmeter – respektabel! Der Begrüssung von sechs GipfelstürmerInnen folgte der phänomenale Gipfelgenuss. Der wenig starke Wind erlaubte sogar eine ausgiebige Gipfelrast – bei dieser grossartigen Kulisse eine echte Belohnung! Für eine halbe Stunde gehörte der Gipfel uns. Für den Abstieg wählten wir die Strecke über die Alp Muntatsch, ab dort dann auf dem Alpweg hinunter bis zur schönen Hütte Alpetta. Die Unterlage wurde zunehmend sulzig, trug aber durchgehend gut bis zum Startpunkt beim Schiessstand – kein Wunder bei dieser Temperatur! Erst viel später – bereits unter der Dusche stehend – bemerkten wir den leichten Sonnenbrand auf unseren Unterarmen…

Ergänzung:
Susanne und Doris haben den Skitag auf Corviglia sehr genossen; dennoch berichteten sie von Massenandrang und langen Wartezeiten bei der Talstation in Celerina. Und der Umstand, dass die Beizen geschlossen waren, trübte das Skierlebnis etwas. Aber gegönnt haben wir den beiden diesen tollen Tag 🥰.

Fazit:
Ein frühlingshafter Schneeschuh-Wandertag der Extraklasse – heute zu zweit (unsere Girls genossen einen Skialpin-Tag im Gebiet Corviglia). Dir lieber Richi ein grosses Dankeschön für die Kameradschaft und die rücksichtsvolle Führung👌.

Wetterverhältnisse:
Viel Schnee, anfänglich pulvrig, im Tagesverlauf unterhalb 2000 m.ü.M. sulzig, ab Alp Muntatsch bis zum Gipfel teilweise gespurt, Gipfelgelände windgepresst, Fels teilweise ausgeapert, ungetrübter Sonnenschein, frühlingshafte (-4° bis 10° C), windstill.

Lawinengefahr:
Laut SLF Stufe 2 mässig für trockene Lawinen, Stufe 3 erheblich für Nassschneelawinen

Ausrüstung:
Schneeschuhe, Stöcke, LVS, Sonde, Schaufel, GPS

Parameter:
Tour-Datum: 20. Februar 2021
Schwierigkeit: WT2-3
Strecke: 9.8 km, Samedan Muntarütsch Chesa da tir (1779 m) – Sur San Peter – Skilift Survih Bergstation – P.1932 – Wildruhezone – Muntatsch – Cho d’Valletta (2496 m) – Alp Muntatsch (2187 m) – Alpetta (1961 m) – Muntarütsch
Aufstieg: ca. 760 m
Abstieg: ca. -760 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std. 15 Min.
Tageszeit: 09:40 bis 14:40 Uhr

Atzmännig – Tweralpspitz – Chrüzegg – Chümibare – Atzmännig

Diese klassische Panorama-Schneeschuhtour liegt praktisch vor unserer Haustüre. Heute spontan wieder einmal in Begleitung von Richi (Susanne musste arbeiten…), der eine schöne Überraschung im Rucksack gepackt hatte. Den bereits gut besetzten, grossen Parkplatz im Schutt bei der Talstation des Skigebiets Atzmännig verliessen wir zügig ostwärts. Auf dem parallel zur Fahrstrasse zur Altschwand führenden Schneeschuhtrail erreichten wir nach ca. zwanzig Minuten das Alprestaurant Altschwand (corona-bedingt geschlossen, aber mit Take away-Angebot). Zu früh für eine Einkehr, zogen wir weiter. Das Gelände wurde steiler, die Spur schmaler, führte durch Wald und über Lichtungen. Im steilen Aufstieg zum Rotstein verwöhnte uns die Sonne, einige Schneeschuhläufer im Abstieg kamen uns entgegen; die hatten sich wohl mit dem Sessellift hochtragen lassen, um via Schwammegg zu laufen. Auf dem Rotstein angekommen, bot sich uns die erwartete Fernsicht zum Alpstein, zu den Churfirsten, zum Speer, über die Innerschweizer hinweg war sogar der Eiger und das Finsteraarhorn auszumachen. Ab hier könnte man den Tweralpspitz westlich umgehen um direkt zur Obertweralp zu laufen. Wir stiegen weiter hoch auf guter Spur zum Rotstein, dessen Besteigung bei winterlichen Verhältnissen und mit Schneeschuhen so etwas wie eine Schlüsselstelle war; während Richi direkt aufstieg, wählten wir die nicht weniger heikle Traverse durch den Wald – sehr schmal, sehr steil abfallend, und bei Gegenverkehr war etwas Geduld gefragt. Wer hier ausrutscht, landet im Cholloch… Der folgende, nunmehr etwas ausgeprägtere Grat war sogar verwächtet – also immer schön Abstand und Distanz halten! Nach kurzem Zwischenabstieg wieder eine Traverse über einen Steilhang, welche Konzentration forderte. Und schon standen wir auf dem Tweralpspitz, dem heute höchsten Punkt. Phänomenal die Aussicht, das Toggenburg, der Alpstein, die Churfirsten – ein Genuss! Nun folgte die «Abfahrt» zur Obertweralp hinunter, welche am schönsten neben der hartgetretenen Spur, also im annähernd unverspurten Pulverschneehang, bewältigt wurde. Beim Alpgebäude angekommen, bereits gut besetzte Sonnenplätze – also weiter der kurze Aufstieg bis nach P.1229, wo uns eine Bankniederlassung erwartete. Idealer Platz an der Sonne; Richi packte die mitgebrachte Überraschung aus: ein Fläschli Merlot, stilgerecht serviert in Outdoor-Gläser. Passte bestens zu den mitgebrachten Leckereien. Ein herzliches Dankeschön dir Richi! Vorbeilaufende Schneeschuhwanderer meinten etwas neidisch, wir hätten einen Take away-Stand eingerichtet. Nach dieser genussvollen Pause der Weiterweg zum Berggasthaus Chrüzegg, welches trotz gutem Zulauf nicht mal eine Take away-Möglichkeit anbot – die haben es offensichtlich nicht nötig😯. Wir zogen vorbei, vor uns der kurze, aber steile Aufstieg zum fünfzig Meter höherstehenden Chümibare, wo ein schönes Kreuz und eine ebensolche Bank steht. Im Gegensatz zur Chrüzegg kaum Gipfelstürmer hier oben. Von diesem wunderbaren Aussichtspunkt liefen wir über die nach Süden verlaufende Krete runter zum später von der Chrüzegg her verlaufenden Geoweg. Den Hof Oberchamm oberhalb querend weiterhin steil hinunter, immer schön der Krete entlang. Jetzt noch der ruppige Abstieg über die «unbequemen», weil teilweise ausgeaperten Treppenstufen nach Enkrinnen hinunter. Zum Schluss entlang der Fahrstrasse, immer noch auf Schnee – Parkplatz Schutt erreicht, der sich langsam entleerte.

Fazit:
Nach langen Schlechtwetter-Wochen endlich wieder einmal eine Tour im Schnee, und erst noch in «unserem» Zürioberland – einfach herrlich!

Wetterverhältnisse:
Herrliches Winterwetter, ziemlich sonnig, Temperaturen im Bereich -10 bis -4°, mässige Bise. Beste Schneeverhältnisse (unten Hartschnee, ab 1000 m.ü.M. Pulverschnee, geschätzte 0.5 bis 1 m), Gelände ziemlich verspurt…

Ausrüstung:
Schneeschuhe, Stöcke, Kartenmaterial/GPS

Parameter:
Tourdatum: 14. Februar 2021
Schwierigkeit: WT2 (Stellen WT3)
Strecke: 8.7 km: Atzmännig Parkplatz Schutt (824 m) – Hinteraltschwand (968 m) – Rotstein (1285 m) – Tweralpspitz (1331 m) – Obertweralp – P.1229 – Chrüzegg (1264 m) – Chümibare (1313 m) – Oberchamm – Enkrinnen – Atzmännig
Aufstieg: ca. 690 m
Abstieg: ca. -690 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std. 20 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std. 05 Min.
Tageszeit: 10:05 bis 15:25 Uhr

Schneeschuh-Tourenwoche 2021 Val Müstair 5|5: Fuldera – Tschierv – Lü – Fuldera

Für heute sollte sich das Wetter beruhigen, schwacher Schneefall, etwas Aufhellung, mit Hoffnung auf ein paar Sonnenstrahlen am Nachmittag. Und wir unternehmen wie an den Vortagen auch heute keine Gipfeltour – zu hoch das Lawinenrisiko! In der nächsten Umgebung bieten sich attraktive Möglichkeiten, zum Beispiel diese Runde. Nach der Überquerung des Loipengeländes über die Brücke Il Rom, dann der Aufstieg in Richtung L’Aqua. Auf 1700’ m.ü.M. queren wir durch meterhohen Schnee nach W, um am Südrand der Wildtierschutzzone bei Val S-chüra den Ortsteil Orasom Tschierv zu erreichen. Die Gelände bis Bain hatte es in sich: Schneewühlerei vom Feinsten, Wald im tiefsten Winterschlaf. Ab Bain auf der verschneiten Strasse nach Orasom, dann abwegig direkt hoch entlang der Aua da Laider, deren Konturen nicht zu erkennen waren. Auf der Höhe von Chasuras erreichten wir den präparierten Winterwander- und Schlittelweg, welcher über die Brücke Aua da Laider in Richtung Lü führt. Bei P.1847 verliessen wir den Märchenwald, nicht ohne vorher noch zu rasten (das Team vom Staila macht einfach leckere Sandwiches und Tee dazu). Der Aufstieg nach ist sehr gut präpariert, das schön gelegen Dorf ohne Mühe zu erreichen. Beim Parkplatz am südlichen Dorfende war fertig lustig – hinaus auf das offene Gelände, Spurarbeit war gefragt (siehe Bilder). Von unserer vor drei Tagen gelegten Abstiegsspur war nichts mehr zu sehen. Die Route aber kannten wir schon; diesmal aber ging das nicht ohne (harmlose) Stürze (gell Ruedi und Roland?!). Oberhalb und parallel der Strasse querten wir im steilen Gelände Richtung O, um bei wiederum bei P.1799 die Strasse nach Lü zu überqueren. Der steile Abstieg (150 Hm) über den unverspurten Hang bei L’Aqua hinunter bis zur Brücke über Il Rom war besonders schön und herausfordernd. Nach Überquerung der Langlaufloipe in der Ebene bei Fuldera Dora endete diese wiederum schöne Runde direkt vor unserem Domizil. Beste Voraussetzungen für den Genuss auf das spätnachmittägliche Programm…

Fazit:
Eine solche Winterrunde ist eine Seltenheit: Schnee in Rekordmengen, Märchenwald, keine vorgespurten Schneeschuhtrails.

Wetterverhältnisse:
Am Vormittag noch etwas eingetrübt und bewölkt, um die Mittagszeit Aufhellung und am Nachmittag sogar Sonnenschein, Temperaturen im Bereich -10 bis -2°. Wiederum beste Schneeverhältnisse (viel Pulver, Schneelage 1 bis 1.5 m), kaum Wind, Gelände unverspurt…

Ausrüstung:
Schneeschuhe, Stöcke, LVS/Schaufel/Sonde, Kartenmaterial/GPS

Lawinensituation:
Laut SLF Stufe 4, gross

Danke:
Dem familiären Team des Landgasthof und Hotel Staila Fuldera danken wir von Herzen. Unseren fünf Wanderleitern Heinz, Severin, Reiner sowie Suse und Roland gehört ebenfalls unser herzliches Dankeschön. Und allen Mitwanderern danken wir für die tolle Kameradschaft – mit euch wars wunderbar!

Parameter:
Tourdatum: 15. Januar 2021
Schwierigkeit: WT2
Strecke: 9.8 km: Fuldera (1636 m) – Brücke Il Rom – L’Aqua – Runc (1700 m) – Val S-chüra (Südrand Wildtierschutzzone) – Bain (P.1720) – Orasom Tschierv – Mottas – Brücke über Aua da Laider – P.1847 – Lü (1922 m) – P.1878 (kurz nach Lü) – P.1799 (Überquerung Strasse nach Lü) – L’Aqua – Brücke Il Rom – Fuldera
Aufstieg: ca. 500 m
Abstieg: ca. -500 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std.Benötigte Zeit ohne Pausen: 4 Std.
Tageszeit: 09:25 bis 14:25 Uhr