Monte Vettore 2476 m – grenzwertige Bergwanderung

Der Monte Vettore ist mit 2476 m der höchste Berg im italienischen Nationalpark Monti Sibillini. Er erhebt sich an der Grenze der Marken und Umbrien im Apennin. Grenzwertig nicht allein die Wanderung; im doppeldeutigen Sinne „grenzwertig“ war die Anfahrt von unserem Domizil bei Accumoli im oberen Tal des Tronto, an der Via Salaria am Fuss der Monti della Laga. Diese Gegend wurde fast auf den Tag genau vor drei Jahren von einem nächtlichen(!) Erdbeben heimgesucht – ganze Bergdörfer wurden zerstört. Die Fahrt zum Ausgangspunkt unserer Tour (Forca di Presta 1534 m) führte uns zwangsläufig vor Augen, welche Tortur die Bevölkerung bis heute erlebte. Zone rosse überall und noch immer traumatisierte Menschen, die ratlos vor den Trümmern ihrer Häuser standen – schwer verdaulich, solch traurige Bilder.

Nach 25 Minuten Fahrt erreichten wir kurz vor neun Uhr den Übergang Forca di Presta, über den die Pian grande und das einst florierende Castelluccio erreicht wird. Auf dem grossen Wanderparkplatz war schon Betrieb; wir waren nicht die einzigen mit dem Ziel, die fast tausend Hm bis zum Monte Vettore zurück zu legen. Auf gut markiertem Pfad begann der Aufstieg nördlich der Forca. Das phantastische Panorama in die fast schon herbstliche Umgebung bot willkommene Ablenkung. Die Pian grande (ca. 1300 m.ü.M. und ca. 7 km Länge) lag noch unter einer Nebeldecke. Erst kurz unter dem Rifugio Zilioli wurde der Aufstieg etwas steiler und führte über einige gut angelegte, mit Holz befestigten Tritte zum nicht (mehr) bewohnbaren Rifugio. Hinter der Hütte dann der Blick zu den benachbarten Gipfeln (Cima del Redentore 2448 m, Pizzo del Diavolo 2410 m) und weiter zu den Monti Sibillini. Der unter uns liegende Lago di Pilato (1960 m) war noch nicht zu sehen. Von der Hütte verlief die Strecke erst über einige Meter flach, um dann in Richtung Gipfelziel steiler zu werden. Nach etwa zweieinhalb Stunden standen wir auf Monte Vettore – was für ein einzigartiges Panorama, und unter uns war jetzt auch das Seelein (Lago di Pilato) zu sehen! Gleich gegenüber der steilen Felswand des Pizzo del Diavolo hielten wir unsere ausgiebige Gipfelrast ab. Die Fernsicht reichte allerdings nicht bis zur 50 km entfernten Adria – auch die Stadt Ascoli Piceno war nicht zu sehen. Angenehm die Freundlichkeit der anderen Bergwanderer – sogar Biscotti wurden uns angeboten. Zeit für den Abstieg, weil einzelne von uns Gewittergefahr vermuteten. Der Abstieg dann auf der bereits vertrauten Strecke, gemütlich und mit einigen Trinkpausen, sogar für eine Siesta reichte es noch. Um halb drei zurück auf dem Parkplatz, fuhren wir weiter auf die Piana hinunter bis zur vollständig zerstörten Stadt Castelluccio. In einem guteingerichteten Provisorium genossen wir eine Birra con Lenticche und den Blick auf die Piana – die ca. 7 km lange Hochebene muss im Juni ein Naturgenuss ohnegleichen sein – ein endloses Blütenmeer! Auf der Rückfahrt über die Forca und an den vom Erdbeben ruinierten Bergdörfern vorbei ins Tal des Tronto hinunter holte uns dann die traurige Realität wieder ein…

Wetterverhältnisse:
Sehr sonnig, ca. 15 bis 25°, gelegentlich kräftiger Wind aus SW.

Fazit:
Die geplante Tour auf den Cornu Grande (Gran Sasso) mussten wir vorerst fallen lassen wegen der täglich vorausgesagten Gewitter – diese Tour war eine ausgezeichnete Ersatzlösung…

Hilfsmittel:
Stöcke, Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 30.08.2019
Schwierigkeit: T2
Strecke: 10.8 km, Forca di Presta 1534 m – Rifugio Zilioli 2233 m – Monte Vettore 2476 m – Abstieg auf gleicher Strecke
Aufstieg: ca. 930 m
Abstieg: ca. -930 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std. 40 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std. 30 Min.

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