Archiv der Kategorie: Wanderung T1-T2

Napf 1406 m – ab Luthern Bad

Luthern Bad, dieser kleine Wallfahrtsort im Kanton Luzern am nördlichen Fuss des Napf kannten wir nicht. Die Fahrt dorthin führte über Sursee in Richtung Huttwil und ab Hüswil ins immer enger werdende Lutherntal. In Luthern Bad durften wir auf dem Parkplatz des Gasthaus Hirschen (gratis) parkieren – eine Selbstverständlichkeit, dort den Start- und Abschlusskafi zu geniessen. Kurz vor zehn Uhr – mit den ersten Sonnenstrahlen – starteten wir entlang des rechten Ufers der Luthern; hier beginnt auch der rosa markierte Schneeschuhtrail (wenn es denn soweit ist…). Nach einem Kilometer – kurz vor Mitteley – die Brücke über die Luthern und die nach Hinterey führende Fahrstrasse überquerend, führte der gelb markierte WW zum Hof Spitzweid. Gleich dahinter begann es stärker zu steigen. Beim P.1036 ein kurzer Abstieg auf einer Forststrasse hinunter zum bei P.974 liegenden Parkplatz Änziwald. Nach Überquerung der kein Wasser führenden Änziwigger der Wiederaufstieg durch den Änziwald – halt noch im Schatten. Beim P.1050 dann der Kulissenwechsel: Sonne, wolkenloser Himmel, Nebelmeer – wunderschöne Stimmung, gerade richtig für eine erste Trinkpause. Weiter durch die prächtige Landschaft, die Bäume wenig Schnee tragend, wie Blumen wuchsen Eiskristalle an den Ästen; «Biecht» sagen Einheimische, Raureif auf Hochdeutsch. Vorbei an der schmucken Chrotthütte (SAC Sektion Pilatus) war die Unterlage nun winterlicher. Nach einem kurzen Abstieg überquerten wir den Chrachebach, links über uns der Hof Chrutose. Ab P.1040 folgte ein kurzer Abschnitt auf einer Forststrasse, die wir bald wieder und gut markiert nach rechts (in südlicher Richtung) verliessen. Auf gratähnlichem (nie ausgesetztem) Pfad am Hapfigchnubel vorbei öffnete sich der grandiose Blick über die 300 m hohe Stächeleggflue hinweg nach Osten in Richtung Pilatus. Schon stehen wir bei der sonnig gelegenen Stächelegg, wo Getränke und einfache warme Speisen angeboten wurden. Wir zogen weiter, was wir später bereuten. Auf der 1 km langen Strecke bis zum Napf war bei dieser Wetterlage mit max. 20% Luftfeuchtigkeit beste Fernsicht geboten (siehe Bilder). So dauerte der Spaziergang auf diesem Abschnitt halt schon 30 Minuten😊. Um die Mittagszeit erreichten wir den mittlerweile hochwinterlich anmutenden Napf mit seinem prominent gelegenen Gasthof (Top die Lage, Flop die Gastronomie). Das beste in diesem toll gelegenen Berghotel ist die (neue) WC-Anlage. Aber sonst: unhygienisch, Tische in der Gaststube stark verschmutzt, trotz bescheidenem Zulauf wenig lustvolle Massenabfertigung, Essensqualität durchschnittlich. Wir kommen wieder, dann aber Einkehr auf der Stächelegg. Nach der Verpflegung die Flucht nach vorne – zum südseitig gelegenen Panorama-Aussichtspunkt. Was für Wetterglück! Klare Weitsicht vom Besten. Oben am höchsten Punkt dann der Blick übers Meer bis zum Jura (Weissenstein und die Nachbarn). Direkt bei diesem höchsten Punkt begann der schneebedeckte und folglich etwas heikle Abstieg – die Stöcke leisteten gute Dienste. Entlang dem steilen Grat am Grüeblihängst bewunderten wir die schroff abfallenden Flühe. Am mit Grüebli bezeichneten P.1278 folgten wir dem WW in Richtung Luthern Bad, nach N also. Schlüechtli heisst dieser Abschnitt, auf welchem einige exponierte, leicht ausgesetzte Stellen zu meistern waren. Die Napfflue (1365 m) umrundend, erreichten wir die Eyflue und wenig später auch den Niederenzi (Bergrestaurant Nieder Änzi geschlossen). Hier nochmals eine Richtungsänderung nach N. Dieser steilere Abschnitt war heute stark und blank vereist. Bald aber schneefrei, erreichten wir Oberbadegg (Restaurant heute geschlossen) und wenig später Unterbadegg. Hier verabschiedeten wir die Sonne, um in den Nebel einzutauchen, was uns nichts ausmachte. Vorbei an der Kapelle und der Quelle Badbrünnli erreichten wir den Ausgangspunkt Luthern Bad wieder.

Fazit:
Unsere zweite Napf-Wanderung (nach Nov. 2015), eine bei solchen Verhältnissen absolut lohnende aussichtsreiche Dezember-Wanderung!

Wetterverhältnisse:
ca. 10 bis 20 cm Schnee auf dem Gipfelplateau, über der Nebelobergrenze ab ca. 900 m.ü.M. sonnig, beste Fernsicht, windstill, Temperatur ca. -2° bis 9°

Ausrüstung:
Wanderschuhe, Stöcke (im winterlichen Abstieg nützlich), Grödel (kamen nicht zum Einsatz)

Parameter:
Tour-Datum: 4. Dezember 2019
Schwierigkeit: T2
Strecke: 12.2 km, Aufstieg ab Luthern Bad Parkplatz Gasthaus Hirschen 874 m – Mitteley P.932 – Spitzweid – P.974 (Parkplatz Änziwald) – P.1050 – Chrotthütte – P.1140 – Stächelegg 1303 m – Napf 1406 m – Abstieg (Einstieg beim höchsten Punkt) dem Grat entlang – P.1278 (oberhalb Grüebli) – Eyflue 1286 m – Niederenzi 1235 m – Oberbadegg 1002 m – Unterbadegg – Luthern Bad
Aufstieg: ca. 700 m
Abstieg: ca. -700 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std. 30 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std. 55 Min.
Tageszeit: 09:50 bis 15:20 Uhr

Tanzboden (1443 m) – Winterwanderung im Herbst

In diesem Herbst wurde es früh winterlich. Gespannt waren wir auf die Verhältnisse auf dem Tanzboden. Dieser kurze Halbtagestrip lohnt sich immer, verbunden natürlich mit einem Besuch in der uns vertrauten Alpwirtschaft, wo seit Anfang November ein neues Team wirkt, Romina und Ernst Forrer.

Für die kurze Anfahrt über Rieden bis zum Parkplatz Bachmannsberg/Müselen benötigten wir noch die Nebellampen. Nach wenigen Minuten Aufstieg die ersten Sonnenstrahlen – so
sch🌞🌞🌞🌞n! Wenige Zentimeter Schnee, von der Sonne bereits matschig aufgetaut. Für den Aufstieg wählten wir wie immer die Direttissima – den Starthang also direkt hoch bis P. 1190 (Stock). Schweisstreibend! An der (geschlossenen) Stockhütte zogen wir vorbei, weiter auf der Normalroute bis Chüebodenegg. Ab und zu neben dem Wanderweg laufend, weil im Schnee trittiger. Ab Chüebodenegg dann der kurze Sprint hinauf zur und in die Alpwirtschaft. Die Stube war schon gut besetzt, auch ohne Skitüreler und Schneeschuhläufer. Nach der leckeren Verpflegung der Abstieg auf der bekannten Aufstiegsroute. Unterhalb Stock musste Ruedi kurz eine Notlandung auf dem Allerwertesten testen – weich die Landung! Grund genug, weitere Rutschpartien zu vermeiden und – mittlerweile wieder im Nebel – den Bogen auf der Alpstrasse über Cholwald zu nehmen. Die Nebeldecke lag mittlerweile um ca. hundert Meter höher; jedenfalls mussten wir unser Auto im Nebel beinahe schon suchen…

Fazit:
Diese Kurztour war die ultimative Alternative für den heute vorgesehenen Kraftakt in der Folterkammer…

Wetterverhältnisse:
ca. 5 cm Schnee, über der Nebelobergrenze ab ca. 900 m.ü.M. sonnig, gute Fernsicht, windstill, Temperatur bei ca. 3°

Hilfsmittel:
Wanderschuhe, Gamaschen, Stöcke (kamen nicht zum Einsatz)

Parameter:

Tour-Datum: 21. November 2019
Schwierigkeit: T1-T2
Strecke: 7.2 km, Aufstieg ab Parkplatz Bachmannsberg/Müselen oberhalb Rieden SG ( 968 m) – P.1068 – Stockhütte (P.1190) – Chüebodenegg (1402 m) – Tanzboden (1443 m) – Abstieg ungefähr wie Aufstieg, unterhalb Stock (P.1068) über Cholwald
Aufstieg: ca. 472 m
Abstieg: ca. -490
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 3 Std. 30 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 2 Std. 15 Min.
Tageszeit: 11:15 bis 14:45 Uhr

Biosfera Val Müstair 3|3: Lü – Alp Tabladatsch – Lai da Valpaschun – Lü

Der Wetterwechsel trat wie vorausgesagt ein – nach zwei wunderschönen Wandertagen gab es heute dennoch eine Kurzwanderung unter dem Motto «Es gibt kein schlechtes Wetter, lediglich schlechte Kleidung». Michaels Idee, ins Bergdorf Lü hochzufahren, passte. Lü hat den inoffiziellen Titel als höchstgelegene Gemeinde Europas vor zehn Jahren verloren. Dafür trägt Lü einen anderen Titel: von Astronomen wurde das Bündner Bergdorf als dunkelster Flecken der Schweiz entdeckt (kein Lichtersmog!) Die Fahrt ab unserem Standort Fuldera über Lüsai nach dauerte knappe zehn Minuten. Eingangs des auf einer prächtigen Sonnenterrasse liegenden Dorfes stehen Gratis-P zur Verfügung. Das Begrüssungskomitee stand auch schon bereit: eine Herde neugieriger Alpakas (oder waren es Lamas – wir können diese Neuweltkamele nie richtig auseinanderhalten). Bei mittlerweile trockener Witterung (und so sollte es heute bleiben…) starteten wir durch die Dorfmitte; vorbei an der Kirche und am (heute leider geschlossenen) Restaurant Hirschen bogen wir rechts ab (WW w-r-w Richtung Alp Tabladatsch). Über Weiden und durch lichten Wald erreichten wir nach Bual die von Urschai kommende Fahrstrasse. Auf dieser leicht steigend bis P.2081 (Bos-chetta), dann eine die Strasse unterbrechende Baustelle überwindend (Wasserversorgung) weiter steigend bis zur Aua da Maini. Die anfänglich getrübte Sicht ins Val Müstair und zu den dieses SW überragenden Pizzen Dora, Chazforà, Turettas heiterte auf – die Sonne allerdings schaffte es nicht. Sogar den Wasserfall der Aua da Rims, der den Lai da Rims entleert, war zu sehen. Der Ortler hingegen versteckte sich vornehm in den Wolken. Nach dieser Ablenkung war die geschlossene Alp Valmorain bald erreicht, und wenige Minuten später auch die ebenfalls geschlossene Alp Tabladatsch, mit 2245 m.ü.M. der höchste Punkt unserer heutigen Wanderung. Unterhalb der Plaun Muntea leicht absteigend, erst über Weiden, dann durch schönen und leuchtenden Wald, erreichten wir den kleinen, idyllischen Lai da Valpaschun (2170 m). Hier fanden wir auf einer abgetrockneten Felsplatte eine idealen Rastplatz. Michaels mitgebrachte Überraschung – eine Panettone – mundete bestens, wie auch schon (Piz Beverin…). Lange hielten wir es nicht aus, denn die Witterung trübte wieder ein. Der steilere Abstieg zur Alp Sot (2053 m) war trocken und deshalb unschwierig. Hier drehte die Richtung nach W, bis Urschai (2012) erreicht war. Vorbei an ein paar schön gelegenen Maiensässen galoppierten wir dem Ausgangspunkt Lü entgegen. Kurz vor dem Dorf wurden wir abgelenkt von hübschen Schnitzereien, welche wahrscheinlich von Waldarbeitern erstellt wurden – sehr schön! Und eingangs Lü folgte dann noch eine Art Ausstellung modernster Architektur – Einfamilienhäuser, welche mit den Altbauten kontrastierten) – wem es gefällt…

Fazit:
Eine trotz (oder gerade der Witterung wegen) überraschende Kurzwanderung zum Abschluss dieses verlängerten Wanderwochenendes in der Biosfera Val Müstair. Jetzt freuen wir uns auf die Schneeschuh-Tourenwoche Mitte Januar 2020.

Wetterverhältnisse:
Unten grau, oben grau, nie aber trübe (Stimmung), 5 bis 10°

Hilfsmittel:
Stöcke, Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 28. Oktober 2019

Schwierigkeit: T2
Strecke: 8.5 km, Lü 1916 m – Bual – P.2081 (Bos-chetta) – Valmorain 2193 m – Alp Tabladatsch 2241 m – P.2196 – Lai da Valpaschun 2170 m – Alp Sot 2060 m – Urschai, P.2011 – P.11971 – Lü
Aufstieg: ca. 385 m
Abstieg: ca. -385 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 3 Std. 20 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 2 Std. 25 Min.
Tageszeit: 11:45 bis 15:05 Uhr

Biosfera Val Müstair 2|3: Ofenpass – Valbella – Alp da Munt – Tschierv

Heute Sonntag folgte eine sehr einsame Wanderung. Um 9 Uhr Ankunft mit dem Postauto auf dem Ofenpass (Haltestelle Süsom Givè); Michael erwartete uns schon. Der Einstieg zur Umrundung des Munt da la Bescha liegt direkt gegenüber des Hotels Süsom Givè. Nach wenigen Metern auf der viel begangenen Senda Val Müstair verliessen wir diese und hielten nach links, um über mit Heidekraut und Heidelbeeren bewachsenes Gelände eine Höhe von ca. 2300 m zu erreichen. Links die tolle Fernsicht zu den Engadiner und Livigno-Alpen, rechts über uns die bizarren Felsen des Munt da la Bescha. Bis zur kleinen Gipfelkuppe Chaschlot waren einige spektakuläre und steile Runsen zu queren – hier war Trittsicherheit (mit Stockunterstützung) gefragt. Jetzt befanden wir uns am westlichen (unteren) Eingang zum einsamen Tal namens Valbella, welches über eine Strecke von etwa 4 km nach Osten verläuft. Bis zum höchstliegenden Punkt (2531 m) sind nur gerade 140 Hm aufzusteigen. Wir waren früh unterwegs, weshalb die Sonne die von uns begangene Spur auf der Nordseite der schroff abfallenden Felswände des Munt da la Bescha noch nicht erreichte. Entsprechend hart gefroren (aber ohne Vereisung) war die Unterlage, die durch die sehr urtümliche Geröll-Welt führte. Wenig ratsam, an den brüchigen Rüfen und Runsen zu verweilen(!). Gegenüber der Skitourenberg Piz Vallatscha (3021 m, WS+), dessen schuttige Flanken weiss leuchteten. Bald waren wir wieder an der Sonne, und gleichzeitig auch am höchsten Punkt des Valbella (ca. 2535 m). Ziemlich vergnügt und gemütlich parallel zum Skilift des Skigebiets Minschuns absteigend erreichten wir die Weite der Fuorcla Funtauna da S-charl (2392 m). Diesen offenen Übergang kannten wir schon von unserer Tour vom 12. Oktober 2017. Wir beschlossen, auf der nun bekannten Strecke abzusteigen bis zur 200 Hm tiefer liegenden Alp da Munt – begleitet vom Blick zum omnipräsenten Piz Daint und weiter südlich zum vergletscherten Ortler. Auf der Alp da Munt angekommen, durchwanderten wir auf breitem Weg das Skigebiet in östlicher Richtung für kurze Zeit auf der Senda Val Müstair. An der Verzweigung P.2245 (kurz vor dem Bergsee Lai da Juata, den wir nicht zu Gesicht bekamen, stand an einem sehr 🌞🌞🌞 und aussichtsreichen Platz eine massiv gebaute Bankniederlassung – der ideale Ort für unsere Mittagsrast. Von diesem wunderschön gelegenen Platz konnten wir uns nur mühevoll lossagen. Vor uns lag allerdings noch ein happiger Abstieg nach Tschierv hinunter (fast 600 Hm über 4.4 km). Der stellenweise steile Abstieg durch den God da Munt – einem der schönsten und ältesten Wälder des Tals – ist eine absolut lohnende Alternative zur viel begangenen Senda Val Müstair. Der schmale Pfad verlangt Trittsicherheit, ist aber sehr angenehm zu begehen. Immer wieder waren Fotopausen angesagt (siehe Bilder). Bei der letzten der vielen Serpentinen – am P.1858 – angelangt, eine letzte Trinkpause auf einer schönen Sitzbank. Der Weiterweg führte über ein Forststrässchen hinunter bis zum auf Las Mottas stehenden grossen Bienenhaus, wo übrigens Imkerin Renata Bott aus Tschierv mit Hilfe der geheimnisvollen dunklen Bienen flüssiges Gold gewinnt – eine risikoreiche Arbeit, wenn man bedenkt, dass hier auch schön Bären aufkreuzten(!). Vorbei an einem auffällig geometrisch «gebauten» Hügel namens Mottas (1749 m) gelangten wir auf der Fahrstrasse zum Ortsteil Chasuras und von dort auf einer Abkürzung zur Ofenpassstrasse, welche hier Tschierv durchquert.

Fazit:
Eine sehr einsame, abwechslungsreiche Bergwanderung durch die Runsenwelt des Munt da la Bescha und schliesslich mit einem unglaublich schönen Abstieg durch den God da Munt.

Wetterverhältnisse:
Wie gestern SA schon ein wiederum sagenhaft schöner Gold-Herbsttag, 5 bis 19°

Hilfsmittel:
Stöcke, Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 27. Oktober 2019

Schwierigkeit: T2
Strecke: 14.1 km, Pass dal Fuorn/Ofenpass 2149 m – P.2312 – P.2316 – Valbella – Fuorcla Funtauna da S-charl 2392 m – Alp da Munt 2212 m – P.2245 – God da Munt – Las Mottas – Chasuras P.1686 m – Tschierv (Clüs)
Aufstieg: ca. 460 m
Abstieg: ca. -930 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 6 Std.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 4 Std.
Tageszeit: 09:15 bis 15:15 Uhr

Biosfera Val Müstair 1|3: Il Jalet 2389 m

An diesem verlängerten Wochenende wollten wir im Val Müstair auf Goldsuche gehen – genauer: Bergwandern im Reich der gold-leuchtenden Lärchen. Auf der Anfahrt zum Hotel in Fuldera trafen wir auf dem Parkplatz Süsom Givè auf dem Ofenpass Bergfreund Michael aus Bielefeld. Der war trotz langer Anreise noch fit genug, wieder einmal mit uns zu wandern. Ziel dieser Einlauftour war der aus Sicht der Passhöhe eher bescheiden erscheinende «Hügel» namens Il Jalet, der die Passhöhe um nur gerade um 243 m überragt – unscheinbar, aber oho! Nach dem Startkafi im Restaurant des Hotels Süsom Givè begannen wir mit dem Abstieg nach Buffalora hinunter (170 Hm). Anfänglich noch im Schatten und über leicht gefrorenen Boden laufend, erreichten wir in der wunderschönen Ebene die Sonne. Gelegenheit, sich einer Schicht zu entledigen. Nahe Parkplatz Nr. 10, bei P.1977, hielten wir nach links (in Richtung S), um auf der unbefestigten Alpstrasse die Alp Buffalora zu erreichen. Gleich hinter den Alpgebäuden begann es merklich anzusteigen. Auf der Strecke bis zur Verzweigung bei P.2195 glich unsere Wanderung einem Traumwandeln durch goldfarben leuchtenden Lärchenwald. Bis zur Brücke, welche die Aua da Murtaröl überquert, näherten wir uns zur rechten dem massigen, uns etwa 430 m überragenden Munt Buffalora, zur linken breitete sich die weite Weidenlandschaft Buffalora aus. Und vor uns der Piz Daint (2968 m), ein Koloss von einem Berg (T3). Unmittelbar nach der Brücke hielten wir an der Verzweigung nach links (in Richtung O), um über Döss da las Plattas in leichtem Auf und Ab die eindrückliche Schlucht des Val Murtaröl zu erreichen. Hier war der Einsatz der Hände gefragt; der schmale und abschüssige Pfad war zwar nicht ausgesetzt, aber stolpern sollte man trotzdem nicht. Bald war der Punkt 2288 Davo Plattas erreicht. Hier standen wir quasi am Fuss der Rückseite des Il Jalet – der vorgezeichnete Südaufstieg zum Gipfel beeindruckte. 100 Hm nur, aber das über eine Strecke von nur 400 m – nichts für ungeübte Wanderer😯. In kontrollierten Schritten erreichten wir zwanzig Minuten später den Gipfel. Ein prächtiges 360°-Panorama präsentierte sich uns bei feinster Fernsicht. Hauptdarsteller waren Piz Daint und natürlich König Ortler (3905 m). Tief unten der Pass dal Fuorn/Ofenpass und über ihm der Munt da la Bescha (2773 m), dessen Umrundung für morgen vorgesehen war. Nach diesem Gipfelgenuss der Abstieg zur etwa 40 Hm tiefer liegenden Schulter und von dort dann die Runde abschliessend zum Pass hinunter. Unterwegs war erhöhte Aufmerksamkeit gefragt, weil es einige schattige Traversen an steil abfallenden Hängen zu meistern gab. Wenige Meter oberhalb des Passes erreichten wir den von Piz Daint-Besteigern genutzten Pfad. Vorbei an der Antennenanlage schlossen wir die Runde ab – mit einem Durstlöscher im Restaurant des Hotels Süsom Givè.

Fazit:
Diese attraktive Halbtagestour, welche bei dieser Wetterlage das Superlativ Gold in jeder Beziehung verdient.

Wetterverhältnisse:
Sagenhaft schöner Gold-Herbsttag, 6 bis 18°

Hilfsmittel:
Stöcke, Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 26. Oktober 2019

Schwierigkeit: T2 (Gipfelaufbau teilweise T3)
Strecke: 10.5 km, Pass dal Fuorn/Ofenpass 2149 m – Buffalora P.1977 – Alp Buffalora 2032 m – P.2195 (Verzweigung) – Brücke Aua da Murtaröl (P.2220) – P.2272 – Val Murtaröl – P.2288 (Davo Plattas) – Il Jalet 2389 m – Pass dal Fuorn/Ofenpass
Aufstieg: ca. 470 m
Abstieg: ca. -470 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 4 Std. 50 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std. 5 Min.
Tageszeit: 10:45 bis 15:35 Uhr

Geoweg Chrüzegg – Tweralpspitz – Atzmännig, herbstliche Grat-Runde im Nagelfluhland

Auf dem grossen Parkplatz bei der Talstation Schutt im kleinen Sommer- und Wintersportgebiet Atzmännig hatten wir etwas Mühe uns für einen der vielen leeren Parkplätze zu entscheiden… Bei der ARA starteten wir auf dem Strässchen in Richtung Enkrinnen – die wärmende Sonne im Gesicht. Beste Herbststimmung! Beim Hof Enkrinnen verliessen wir die (geteerte) Strasse, um nach links zum Kamm aufzusteigen (gelbe WW-Markierung). Der Pfad war trocken. Auf dem Grätchen genossen wir die Sicht übers Nebelmeer in Richtung Süd. Ab jetzt wurde es steiler, bis zum P.1177 sogar richtig steil, und schweisstreibend (gell Lisebeth😅). Hier entschieden wir nach kurzer Pause die ca. 140 Hm bis zur Chrüzegg (1313 m) aufzusteigen – und das bei starkem Gegenwind(!). Der Chümibare genannte Rücken könnte auch etwas bequemer südlich umgangen werden. Der Umweg hat sich mehr als gelohnt, alleine schon des 360°-Panoramas wegen. Dann folgte der kurze Abstieg zum ca. 50 Hm tiefer stehenden Bergrestaurant Chrüzegg, wo uns der starke Wind daran hinderte, draussen an der Sonne zu rasten. In der gemütlichen Gaststube genossen wir den verdienten z‘Mittag. Gut verpflegt brachen wir auf, schliesslich hatten wir erst einen Drittel der Strecke absolviert. Auf dem Fahrweg bis zur Obertweralp präsentierten sich die Churfirsten und der Alpstein im besten Licht. Beim P.1229 verliessen wir die Strasse zur Obertweralp, von wo ein mit Holztritten befestigter Steilaufstieg von ca. 70 Hm zu bewältigen war. Wenige Meter oberhalb des Alpgebäudes könnte man Tweralpspitz und Rotstein westlich umgehen. Wichtig: wenn im Gebiet Cholloch (südöstlich unterhalb Tweralpspitz) Schiessübungen des Militärs abgehalten werden (was am Vortag der Fall war…), unterliegt die Route über Tweralpspitz-Rotstein einem Begehungsverbot (entsprechende Infotafeln beachten!). Und noch etwas Geologie: der Tweralpsitz ist die höchste Erhebung der Nagelfluhberge des Zürcher Oberlandes. Er liegt jedoch vollständig im Westen des Kantons SG. Geologisch gesehen besteht der Tweralpspitz vor allem aus Gesteinen der Oberen Süsswassermolasse mit dem Hauptgestein Nagelfluh, daneben findet man in den Flanken Sandstein und Mergel. Heute wollten wir Lisebeth unbedingt die lohnende Aussicht vom 1332 m hohen Tweralpspitz zeigen, also nahmen wir den etwas mühsamen Aufstieg über die Holztritte gerne in Kauf. Beim schön angelegten Grillplatz nahe des Gipfels dann die Panoramasicht zum Alpstein und zu den Churfirsten – wunderschön die Stimmung! Nun ging es auf gut gepflegten (ab und zu mal etwas ruppigen) Pfaden weiter am Rotstein vorbei zum Hinterrotstein. Ab Schwammegg dann leicht absteigend bis zur Bergstation der (wegen Revisionsarbeiten stillgelegten) Atzmännigbahn. Das (geschlossene) Bergrestaurant Oberatzmännig Harz mussten wir links stehenlassen. Diesmal ohne Kafi folgte der Abstieg (immer noch auf dem Geoweg) – vorbei an den vielen gut erklärten Abenteuerplätzen, welche vor allem von neugierigen Kindern erkundet werden. Oberhalb Brustenegg verliessen wir den mittlerweile nicht mehr besonnten Gratweg, um über Weideland abzusteigen zum Hof Oberau. Jetzt folgten die letzten 600 Streckenmeter, steil und auf unangenehm harter Unterlage – nicht gerade knieschonend – hinunter zum Parkplatz (Lisebeth, erhol Dich gut!).

Fazit:
Eine immer wieder und zu jeder Jahreszeit eindrückliche Rundwanderung im Zürioberland – quasi vor unserer Haustüre.

Wetterverhältnisse:
Sonnig, freundliche Bewölkung (Nebelobergrenze ca. 700 m.ü.M.), sehr gute Fernsicht, leichter Wind aus SO, am Nachmittag starker Föhn, Temperatur 12 bis 19°

Hilfsmittel:
Stöcke; Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 23. Oktober 2019
Schwierigkeit: T2
Strecke: 9.8 km, Parkplatz Schutt Atzmännig (824 m) – Enkrinnen (P. 844) – Oberchamm (P.1065) – P.1177 – Chrüzegg/Chümibare (1313 m) – Berggasthaus Chrüzegg (1264 m) – P.1229 – Obertweralp (1248 m) – Tweralpspitz (1331 m) – Rotstein (1285 m) – Hinterrotstein (P.1223) – Schwammegg (1281 m) – Oberatzmännig (1149 m) – P.1028 – Oberau (906 m) – Schutt
Aufstieg: ca. 690 m
Abstieg: ca. -670
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 6 Std. (Mittagspause Chrüzegg)
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std. 30 Min.
Tageszeit: 10:50 bis 16:50 Uhr

Gratwanderung am Heinzenberg

Wieder einmal durften wir ein paar Tage bei Manuela und Thomas im schönen Domleschg verbringen. Vom «Armenhaus» in Paspels ist der Ausblick zum Piz Beverin einfach besonders schön – zu jeder Tageszeit! Für heute ausser Reichweite, Schnee ab ca. 2300 m.ü.M.; aber die Gräte am Heinzenberg bieten auch sehr viel, vor allem endlose Aussicht in allen Himmelsrichtungen. Mit dem Postauto ab Paspels über Thusis hoch bis zum Glaspass, den wir kurz nach zehn Uhr erreichten. Mit uns viele Gleichgesinnte, welche hoffentlich nicht alle die gleiche Strecke laufen wollten. Gleich hinter dem Berggasthaus Beverin (heute Dienstag geschlossen) der Aufstieg zum ersten Höhepunkt, dem 280 m höher liegenden Glaser Grat – nicht besonders steil, gerade richtig um bei etwa 6° auf die richtige Betriebstemperatur zukommen. Jedenfalls entledigten wir uns bald der äussersten Schicht. Zwar schien die Sonne freundlich, im Gebiet östlich des Domleschg waren aber regnerische Ausläufer zu beobachten. Diese würden uns heute nichts anhaben können, weil die Südwestwinde dafür sorgten. Auf dem Glaser Grat angekommen, öffnete sich der Tiefblick ins uns bereits vertraute Safiental und den westlich gelegenen Bergen (Güner Horn 2851 m, Piz Signina 2848 m, Fiz Fess 2881), welche bereits weiss überzuckert waren. Ein wunderbarer Regenbogen über dem Güner Lückli brachte zusätzlich Farbe. Jetzt folgte der leichte Abstieg zum Punkt 1989, wo Manuela wieder zu uns stiess; sie hatte den Grat gemiedenundwanderte mit Hüttenhund Miro über die Bruchalp via ehem. Lüschersee. Hier entschieden wir, die Lüschalp zu queren (den Lüschgrat also auszulassen). Auf der bereits geschlossenen Alp Lüsch (1974 m), dort wo sich im Winter Skihäsli und Skihasen in der «Lüsch Älpli Bar» treffen, wanderten wir auf der Alpstrasse die Höhe haltend zum Bischolpass (1999 m). Einige Schritte vorher der betörende Blick über die Pascuminerseelein hinweg zum im Osten verlaufenden Grat mit den Gipfeln Fulhorn, Fulenberg, Stätzer Horn, und in der hinteren Reihe Parpaner Rothorn, Aroser Rothorn, Lenzer Horn und Piz Linard. Vorbei am geschlossenen Sommerbeizli «Hermisch Hüschi» hielten wir beim Punkt 2018 rechts in Richtung Parsiras. Links führte ein Pfad auf den Tguma (2163 m). Etwas oberhalb Parsiras nutzten wir die Gelegenheit, auf einer voll besonnten Bankniederlassung vor einer kleinen Hütte zu rasten. Manuela’s Menü schmeckte ausgezeichnet; zum Dessert gab’s sogar Schoggi. Und dann passierte etwas Ver-rücktes: mitten auf der Alp lockere Gymnastik-Übungen: dehnen, Liegestützen, Hampelmänner-Hüpfen bis (fast) zum Umfallen. Und alles im Video festgehalten (und temporär zur Schau gestellt). «Herrliche» Social Media-Welt – und Hüttenhund Miro schaute dem Treiben leicht verwirrt zu. Ein Glück nur, dass wir nicht beobachtet wurden; um eventuell aufdringlichen Fans auszuweichen, mieden wir den Weiterweg über den WW nach Parsiras – also die Höhe haltend, ab durch die Heidelbeeren, für zwei km weglos über die Alp da Sarn, ab und zu mal ein Kuhweglein nutzend, aber sonst ziemlich Tundra-mässig – herrlich! Nach diesem Intermezzo erreichten wir bei Punkt 1948 eine weitere Alp. Hier führen zwei Pfade hoch zum Grat; wir entschieden uns für den Aufstieg zur Präzer Höhi. Auf halber Strecke wählten unsere (vielleicht doch etwas entkräfteten?) Girls, begleitet von Miro, den direkten Weg hinunter zur Präzer Alp. Wir zwei Oberturner «spurteten» hoch zum Grat, wo wir auf weitere Gratwanderer trafen. Jetzt noch 40 Hm bis zum Gipfelchen mit Kreuz. Toll der Ausblick ins Tal der Rabiusa hinunter und zur Rheinschlucht hinüber. Jetzt folgte der Abstieg auf dem Grätchen, teilweise schmal, aber nie ausgesetzt. Nach einem Km (kurz vor P.1981) eine Haarnadelkurve nach rechts, und nach weiteren 600 m über die Alp Gronda hinunter war die Präzer Alp erreicht. Wiedervereinigt machten wir uns auf die 550 Hm Abstieg in Richtung Präz. Diese 4.5 km hatten es in sich, nicht allein der Hm wegen. Erst verlief die gut markierte Strecke nach N über Ruegnas, dann nach einer Richtungsänderung nach Prau da l’Alp hinunter. Die Alpstrasse überquerend in Serpentinen vorbei an einigen schön hergerichteten Maiensässen hinunter bis Saloms. Hier in einem weiten Bogen nach S ausholend bis Pranzolas. Kurz vor dem Tignezer Tobel die bekannte Warnung vor Muttertieren. Am Durchgang wurden wir bereits erwartet von einigen gwundrigen Jungtieren (ohne Mütter). Den leicht nervösen Hüttenhund Miro an die kurze Leine, immer bereit ihn loszulassen. Die (friedlichen) Tiere wichen zurück, so dass wir vorsichtig und ruhig weiter absteigen konnten. Weiter unten bei Runcaleda nochmals etwas «Action» – ein paar Tiere versammelten sich an einer engen Stelle, die wir aber problemlos umgehen konnten. Nach diesen etwas grenzwertigen Situationen war Prau Sdunon und wenig später das Dörfchen Präz erreicht. Nach insgesamt fast 1300 m Abstieg waren wir froh, ins Tal abfahren zu können. Unterwegs erwartete uns allerdings weitere «Action», weil die Durchfahrt Dalin vollständig gesperrt war (Baustelle, Strassenerneuerung). Aber irgendwie meisterten wir auch diese Herausforderung. Der Rest ist rasch erzählt: leicht ermattet in Paspels angekommen, gings es rasch unter die Duschen; dann folgte die letzte «Herausforderung» des Tages: Nachtessen im Campell in Sils i. D. Die Küche verdient uneingeschränktes Lob (Wild ausschliesslich aus einheimischer Jagd).

Fazit:
Ein von A bis Z genussvoller und äggschenreicher (Wander-)Tag mit Manuela, Thomas und Hüttenhund Mirodanke herzlich und gerne wieder einmal!

Wetterverhältnisse:
Ideales Herbstwanderwetter, anfänglich etwas Bewölkung, zunehmend sonnig, trockene Witterung bei ca. 6 bis 11°, an exponierten Stellen wenig Wind aus SW

Hilfsmittel:
Wanderschuhe, Stöcke, GPS-Maschine

Parameter:
Tourdatum: 8. Oktober 2019
Schwierigkeit: T2
Strecke: 17.1 km, Glaspass (1846 m) – Glaser Grat (2124 m) – Lüsch (1974 m) – Bischolpass (1999 m) – P.2018 (Verzweigung Tguma) – P.1893 (oberhalb Parsiras) – weglos über die Alp da Sarn zu P.1948 – Präzer Höhi (2120 m) – P.2069 – Alp Gronda, Präzer Alp (1883 m) – Ruegnas – Prau da l’Alp (1661 m) – Saloms – Pranzolas – Runcaleda – P.1347 – Prau Sdunon – P.1231 – Präz (Parkplatz und Postautohaltestelle)
Aufstieg: ca. 650 m
Abstieg: ca. -1270 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 6 Std. 20 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 4 Std. 55 Min.
Tageszeit: 10:15 bis 16:35 Uhr

Sonntagsrunde im Reiat

Gute Idee von Susanne und Richi: ein herbstlicher Spaziergang in Susannes Heimat – einem Gebiet, das wir kaum kennen. Auf der Fahrt nach Schaffhausen richteten wir uns mental auf eine gemütliche Herbstrunde ein – und auf den Startkafi (mit Ricciarelli senesi) bei Susanne & Richi (danke viiilmol!).

Der Reiat ist eine hügelige Region im Osten des Kantons Schaffhausen. Im historisch engeren Sinne gehören die Dörfer (und ehemaligen Gemeinden) bzw. Ortschaften Altdorf SH, Bibern SH, Büttenhardt, Herblingen, Hofen SH, Lohn SH, Opfertshofen und Stetten SH zum Reiat. Im Laufe der Zeit wurden auch Thayngen, Bargen SH, Barzheim, Dörflingen, Hemmental, Merishausen und die deutsche Exklave Büsingen am Hochrhein zum Reiat gezählt. Durch den Reiat fliessen Biber und Fulach (Quelle Wikipedia).

Kurze Fahrt nach Merishausen (520 m), dem Ausgangspunkt unseres Bummels, wo wir am südlichen Rand des schönen Randen-Dorfs – am Eingang zum Doschdetaal bei P.528 – parkierten. Nach der Unterquerung der Schnellstrasse, welche durch das Merishausertal nach Bargen und dort nach Deutschland führt, bogen wir auf der Fahrstrasse bei P.526 nach links ab ins fast verborgene Gräätedal – zweihundert Meter höher drei mächtige Windturbinen. Ein verborgener Grenzstein markierte, dass wir jetzt nach Deutschland «einmarschierten». Im Beisental der mässige Aufstieg, wo auf einer Höhe von ca. 750 m.ü.M. die erste von drei Turbinen des Windparks Verenafohren stehen. Irgendwie fügen sich die Anlagen gut ein in die bewaldete Umgebung. Eine Schautafel vermittelt interessante Informationen, z. B. Gesamthöhe 199.5 m, Rotordurchmesser 131 m, und die Jahresleistung, welche dem privaten Stromverbrauch von ungefähr 20000 Menschen entspricht. Nach einer kurzen Wegstrecke bogen wir ab in Richtung S um vorbei an P.746.8 in einem grossen Bogen wieder nach N zu laufen. Nach etwa 600 m folgte eine Spitzkehre, gut markiert, in Richtung Verenabuck und später zum Zwischenziel die Grenze D-CH wieder überschreitend, zum Ferienheim (685 m), wo wir kurz vor 14 Uhr eintrafen. Das Ferienheim ist mehr als eine Besenbeiz, wie es die Website etwas untertrieben kommuniziert. Ein sehr sonniges Plätzchen im Garten verleitete uns zu einer laaaaangen und genussvollen Mittagspause. Erst gegen halbfünf(!) konnten wir uns zusammenreissen, um den vor uns liegenden Abstieg anzutreten. Entlang der Landesgrenze in Richtung SW bogen wir beim P.667 im Gmaafäld rechts weg um, weiterhin genau auf der Grenze nach N zu laufen. Dort gibt es sogar zwei parallel verlaufende Wege, einer in Tütschland (genau im Grossherzogtum Baden), der andere in der Schwiiz. Auf der Cholrüüti galt es nach links zu halten zum Jakobsfelse, einem vollständig in der Schweiz und mitten im Wald auf 739 m.ü.M. stehenden Felszäcklein. Das Guggershörnli der Schaffhauser hat ihn einmal Thomas Widmer[D81]  (schon etwas respektlos☺) genannt. Keine Ahnung, wer den Felsen dorthin gestellt hat… Die Treppenleiter hinauf war heute die Schlüsselstelle (mind. T2, immerhin 24 Tritte, wenn ich richtig gezählt habe). Wie auch immer: die Aussicht auf der befestigten Plattform geht bis weit in den Schwarzwald. Die Treppe vorsichtig wieder runter, auf gleichem Weg zurück bis zum Gmaafäld, wo der markierte WW hinunter nach Merishausen führte – immerhin 150 m Höhendifferenz durchs harmlose aber lauschige Chörblitobel – etwas feucht und glitschig. Zurück beim P. 526 schloss sich unsere gemütliche und farbenprächtige Runde.

Fazit:
Ein schöneres Sonntagsvergnügen (🥾🍽😎) können wir uns nicht vorstellen.

Wetterverhältnisse:
Sonnig, mit 23° schon sommerlich, etwas Wind.

Hilfsmittel:
Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 29. September 2019
Schwierigkeiten: T1
Strecke: 10.5 km, Merishausen (520 m) – P.526 – Gräätedal – Beisental – Windpark Verenafohren – P.746.8 – Verenabuck – Ferienheim (685 m) – P.667 Gmaafäld – Cholrüüti – Jakobsfelse (739 m) – Gmaafäld – Chörblitobel – Merishausen
Aufstieg: ca. 350 m
Abstieg: ca. -330 m
Laufzeit ohne Pausen: ca. 2 Std. 25 Min.
Laufzeit mit Pausen: ca. 5 Std. 15 Min.Tageszeit: 12:30 bis 17:45 Uhr


Capella di Vitaleta (Pienza – San Quirico – Pienza)

Nach der einstündigen Fahrt nach Pienza Capuccini al Bar. Diesmal parkierten wir bei der schön gelegenen Pieve di Corsignano. Auf der holprigen und staubigtrockenen Naturstrasse lief es sich angenehm. Wanderwegweiser wiesen uns auf die Nr. 6c – die Route kannten wir schon. Unseren Freunden Susanne und Richi wollten wir diese landschaftlich tolle Wanderung nicht vorenthalten. Leicht absteigend war der tiefstgelegene Punkt bei ca. 290 m.ü.M. bald erreicht. Im offenen und waldfreien Gelände boten sich uns toscana-typische Landschaftsbilder: Zypressen, abgeerntete und umgepflügte Äcker, Olivenhaine, Hügel, Licht- und Farbenspiele vom Feinsten. Nach dem tiefsten Punkt ein erster Anstieg unterhalb eines Olivenhains. Der Pfad umrundete einen Hof südlich, bis wir oben auf eine unbefestigte Zufahrtsstrasse gelangten. Auf einer Höhe von ca. 360 m.ü.M. erreichten wir eine Verzweigung. Wer will, kann hier rechts halten um direkt zu einem der Hotspots in der Toscana zu gelangen: die Capella di Vitaleta. Deren Besuch sparten wir uns auf für den Rückweg. Wir hielten links in Richtung Süden, das Ziel unserer Runde, das Städtchen San Quirico d’Orcia, im Blickfeld. Vorbei am schmucken Agriturismo Il Rigo leicht absteigend überquerten wir ein namenloses Rinnsal. Unmittelbar danach verliessen wir die Naturstrasse nach rechts um über einen steilen Feldweg direkt aufzusteigen und so richtig ins Kochen zu geraten (ausser Richi natürlich 😉). Unterhalb des Ortsrandes von San Quirico d’Orcia überquerten wir die Via Cassia um gegenüber im Gebüsch auf verschlungenem Pfad das Centro storico zu erreichen. Über die Via Dante Alighieri waren es dann noch wenige Schritte bis zum Ziel, dem wunderschönen Garten der Trattoria al vecchio Forno. Wie immer konnten wir nicht widerstehen: die hausgemachten Leckereien verlockten uns zu drei üppigen Gängen – was halt seine Zeit dauerte😏. Gut gestärkt (und gesättigt) verliessen wir diesen schönen Ort wieder, wohl wissend, dass der Rückweg von fast zehn Kilometer etwas strapaziös würde. Erst liefen wir auf der vom Hinweg bekannten Strecke hinunter, um kurz vor dem Bächlein links abzubiegen (Wegweiser «Capella di Vitaleta»). Nun eine kurze, aber heftige Steigung hoch bis zur nahen Strada Provinciale, welche San Quirico mit Pienza verbindet. Kurz davor eine Wende nach Osten und vorbei an einem weiteren Agriturismo. Ab hier der Abstieg durch ein holpriges, ausgetrocknetes Bachbett, und anschliessend durch ein schattenspendendes Wäldchen. Nun folgte der steile Wiederaufstieg zum eingangs erwähnten Hotspot: die Capella di Vitaleta (365 m). Zum Glück für uns wird dieser Fotoklassiker meist von der ca. 700 m entfernten SP abgelichtet. Mit Fotografieren war heute keine Eile angesagt, weil es doch schon später Nachmittag war. Jedenfalls trafen wir nicht wie befürchtet auf einen Ansturm von Besuchern, welche ihre Autos an der zu Beginn dieses Berichts erwähnten Verzweigung bei der Absperrung abstellten. Die letzten 700 m bis zum begehrten Motiv nahmen also nur wenige unter die Füsse. Nach dem Parkplatz kehrte wieder Ruhe ein, und wir strebten auf der gleichen Strecke wie auf dem Hinweg Pienza an. Wie immer um diese Tageszeit wunderschön die Landschaft im warmen Licht des Nachmittags. Bei der Pieve di Corsignano erreichten wir unseren Startplatz wieder. Nun folgte noch der genussvolle Blick von der Stadtmauer (Via dell’amore!) in die von feinstem Dunst gezeichnete Hügellandschaft bis hin zum Monte Amiata und nach Montalcino hinüber.

Fazit:
Eine landschaftlich sehr reizvolle Genusswanderung mit wenigen Auf- und Abstiegsmeter, aber doch über eine respektable Distanz…

Wetterverhältnisse:
Sehr sonnig, blau-blau-blau, ca. 18 bis 26°, mässiger Tramontana (Bise) um 20 km/h

Hilfsmittel:
Leichtwanderschuhe, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 4. September 2018
Schwierigkeit: T1
Strecke: 19.3 km, Wanderweg Nr. 6c (siehe Abbildung)
Aufstieg: ca. 580 m
Abstieg: ca. -580 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 7 Std. 50 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 4 Std. 40 Min.
Tageszeit: 10:20 bis 18:15 Uhr

Monte Vettore 2476 m – grenzwertige Bergwanderung

Der Monte Vettore ist mit 2476 m der höchste Berg im italienischen Nationalpark Monti Sibillini. Er erhebt sich an der Grenze der Marken und Umbrien im Apennin. Grenzwertig nicht allein die Wanderung; im doppeldeutigen Sinne „grenzwertig“ war die Anfahrt von unserem Domizil bei Accumoli im oberen Tal des Tronto, an der Via Salaria am Fuss der Monti della Laga. Diese Gegend wurde fast auf den Tag genau vor drei Jahren von einem nächtlichen(!) Erdbeben heimgesucht – ganze Bergdörfer wurden zerstört. Die Fahrt zum Ausgangspunkt unserer Tour (Forca di Presta 1534 m) führte uns zwangsläufig vor Augen, welche Tortur die Bevölkerung bis heute erlebte. Zone rosse überall und noch immer traumatisierte Menschen, die ratlos vor den Trümmern ihrer Häuser standen – schwer verdaulich, solch traurige Bilder.

Nach 25 Minuten Fahrt erreichten wir kurz vor neun Uhr den Übergang Forca di Presta, über den die Pian grande und das einst florierende Castelluccio erreicht wird. Auf dem grossen Wanderparkplatz war schon Betrieb; wir waren nicht die einzigen mit dem Ziel, die fast tausend Hm bis zum Monte Vettore zurück zu legen. Auf gut markiertem Pfad begann der Aufstieg nördlich der Forca. Das phantastische Panorama in die fast schon herbstliche Umgebung bot willkommene Ablenkung. Die Pian grande (ca. 1300 m.ü.M. und ca. 7 km Länge) lag noch unter einer Nebeldecke. Erst kurz unter dem Rifugio Zilioli wurde der Aufstieg etwas steiler und führte über einige gut angelegte, mit Holz befestigten Tritte zum nicht (mehr) bewohnbaren Rifugio. Hinter der Hütte dann der Blick zu den benachbarten Gipfeln (Cima del Redentore 2448 m, Pizzo del Diavolo 2410 m) und weiter zu den Monti Sibillini. Der unter uns liegende Lago di Pilato (1960 m) war noch nicht zu sehen. Von der Hütte verlief die Strecke erst über einige Meter flach, um dann in Richtung Gipfelziel steiler zu werden. Nach etwa zweieinhalb Stunden standen wir auf Monte Vettore – was für ein einzigartiges Panorama, und unter uns war jetzt auch das Seelein (Lago di Pilato) zu sehen! Gleich gegenüber der steilen Felswand des Pizzo del Diavolo hielten wir unsere ausgiebige Gipfelrast ab. Die Fernsicht reichte allerdings nicht bis zur 50 km entfernten Adria – auch die Stadt Ascoli Piceno war nicht zu sehen. Angenehm die Freundlichkeit der anderen Bergwanderer – sogar Biscotti wurden uns angeboten. Zeit für den Abstieg, weil einzelne von uns Gewittergefahr vermuteten. Der Abstieg dann auf der bereits vertrauten Strecke, gemütlich und mit einigen Trinkpausen, sogar für eine Siesta reichte es noch. Um halb drei zurück auf dem Parkplatz, fuhren wir weiter auf die Piana hinunter bis zur vollständig zerstörten Stadt Castelluccio. In einem guteingerichteten Provisorium genossen wir eine Birra con Lenticche und den Blick auf die Piana – die ca. 7 km lange Hochebene muss im Juni ein Naturgenuss ohnegleichen sein – ein endloses Blütenmeer! Auf der Rückfahrt über die Forca und an den vom Erdbeben ruinierten Bergdörfern vorbei ins Tal des Tronto hinunter holte uns dann die traurige Realität wieder ein…

Wetterverhältnisse:
Sehr sonnig, ca. 15 bis 25°, gelegentlich kräftiger Wind aus SW.

Fazit:
Die geplante Tour auf den Cornu Grande (Gran Sasso) mussten wir vorerst fallen lassen wegen der täglich vorausgesagten Gewitter – diese Tour war eine ausgezeichnete Ersatzlösung…

Hilfsmittel:
Stöcke, Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 30.08.2019
Schwierigkeit: T2
Strecke: 10.8 km, Forca di Presta 1534 m – Rifugio Zilioli 2233 m – Monte Vettore 2476 m – Abstieg auf gleicher Strecke
Aufstieg: ca. 930 m
Abstieg: ca. -930 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std. 40 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std. 30 Min.