Archiv der Kategorie: Wanderung T1-T2

Eiswanderung Tschierv – Alp Champatsch – Lü

Kaum Neuschnee im Tal, resp. Altschnee vom letzten Schneefall im November(!), die Südseiten vollständig aper. Die Wanderung zur Alp Champatsch gehört mittlerweile zu unserem Standardrepertoire. Alleine schon lohnend, weil auf der Alp das Restaurant La Posa im Winter durchgehend geöffnet ist. Diesmal wählten wir, einer Premiere gleich, den Aufstieg durch das Tälchen der Aua da Laider, wo uns abschnittweise starke Vereisungen am Fortkommen behinderten. Von Melanie, der Gastwirtin vom La Posa, bekamen wir den Hinweis, dass Eisen an den Füssen Schneeschuhen vorzuziehen seien – der Tipp war goldrichtig, danke herzlich! Auch wenn sich die Verausgabung für die 4.3 Kilometer (gegen 500 Hm) hoch zur Alp Champatsch in Grenzen hielt, war die Mittagsrast verdient – lecker wie immer die Knödelsuppe. Der Weiterweg auf dem mit wenig Hartschnee und streckenweise ziemlich vereisten Forstweg forderte nicht unsere Kondition, wohl aber unser Gleichgewichtsgefühl. In Lü angekommen, verbrachten wir die Wartezeit mit der Einkehr im Hirschen. Wenn in dieser Woche kein Neuschnee fällt (viel ist nicht zu erwarten), wird die am kommenden Wochenende beginnende Schneeschuh-Tourenwoche zur Herausforderung. Dennoch freuen wir uns auf das Wiedersehen mit unserer Gruppe. Für heute also wieder einmal ein Kurzbericht – lassen wir die Bilder sprechen…

Fazit:
Nicht gerade eine winterliche Runde, lediglich die arktische Kälte bei starkem Wind erinnerte an den Winter. Aber an diesem letzten schönen Tag in dieser Woche mussten wir die Gelegenheit packen…

Wetterverhältnisse:
Herrliches Winterwetter, eisige Kälte (-19° beim Start in Tschierv, -13° am Ende in Lü), starker und kalter Wind aus SW bis NW bis 20 km/h

Ausrüstung:
Wanderschuhe, Grödel (dringend!), Stöcke (auf Eis keine grosse Hilfe)

Lawinensituation:
Laut SLF Gefahrenstufe „mässig“ (2=) über 2200 m, also oberhalb der von uns begangenen Zone

Parameter:
Tourdatum: 7. Januar 2026
Schwierigkeit: T2+, starke Vereisungen im Aufstieg entlang der Aua da Laider (erstaunlicherweise war der WW nicht gesperrt)
Strecke: 7.8 km: Postauto ab Valchava bis Tschierv Curtin da Plaz (1661 m) – Tablà Nov – Planatsch – Via Plaun da Müs-chel – Sot Vianova – Brücke über die Aua da Laider – Alp Champatsch, Restaurant La Posa (2088 m) – L’Era P.2093 – Plattuns (1949 m) – Lü Daint – Lü (1916 m) – Rückfahrt mit dem Postauto über Fuldera nach Valchava
Aufstieg: ca. 506 m
Abstieg: ca. -188 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 3 Std. 40 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 2 Std. 29 Min.
Tageszeit:
10:40 bis 14:20 Uhr

Bauma – Lochbachtobel – Ghöch – Fischenthal

Heute wanderten wir auf den Spuren von Adolf Guyer-Zeller (*1. Mai 1839 in Neuthal, Bäretswil; †3. April 1899 in Zürich). Die vom Eisenbahn-Pionier resp. von Guyer-Zellers Bau- und Unterhalts-equipen angelegten und instand gehaltenen Wanderwege in romantische Tobel, zu imposanten Gubeln (Felswänden, Nagelfluhpfeilern, Felsköpfen) und rauschenden Giessen waren für seine Freunde und Gäste seines Standes bestimmt. Das zeigt auch die aufwändige Art, in der die breiten Wege befestigt und mit Geländern, Treppen und Brücken versehen sind. Das Lochbachtobel liegt im Süden von Bauma und liegt im engen Tälchen, welches vom Lochbach entwässert wird. Erreicht wird das verborgene Bijou ab Dorfmitte mit einem kurzen Spaziergang durch das südöstliche Quartier Holderbaum, wo auch die Geleise der Museumsbahn (DVZO) überquert werden. Vorbei an den Flarzhäusern Hinterwis wird nach ca. 1.2 km Loch und die Lochweid erreicht. Vorbei an einem kleinen Weiher (wir nennen ihn Lochweier) galt es an einer Verzweigung rechts zu halten und den wenig Wasser führenden Bach zu überqueren. Ungefähr hier beginnt die relative Wildnis des Lochbachtobels. Nach einer ersten Eisenbrücke und nach etwa 1.8 km biegt der Weg ein ins Dachsloch; über eine hohe Nagelfluhwand plätschert das Wasser hinunter. Über eine weitere Brücke vorbei an dieser schönen Giessen dreht der Weg leicht aufsteigend zurück zum Lochbach. Dort wartet schon eine weitere Brücke, welche vorbei an einer weiteren Giessen führt. Ab jetzt zählten wir die Brücken nicht mehr, und auch die vielen Wasserfälle nicht. Das Gleiche gilt für die Treppen – welche jetzt folgten. Etwas Vorsicht war schon geboten, weil der Untergrund nass und unter Laub lag, auch wenn die Holztritte mit Drahtgittern belegt waren. Guyer-Zeller-Weg heisst die folgende Strecke, auch Hoheneggweg genannt. Bald wurde klar, dass hier ein Eisenbahn-Pionier am Werke war. Über etwa 130 Höhenmeter führte der «Weg» über spektakuläre Eisentreppen und -brücken hoch zur Hohenegg. Auf der Hohenegg angekommen, verliessen wir den nach Neuthal hinunter führenden Guyer-Zeller-Weg, um entgegengesetzt nach SO zu laufen. Die Strecke über Hofbööl, Hinteres Lee bis zum Tännler verläuft auf einem nicht sehr ausgeprägten Grat, ohne Höhengewinn oder -verlust. Der Tännler markiert mit 965 m den östlichsten Punkt; schön der Ausblick zum Alpstein! Nach dem kurzen Abstieg zur asphaltierten Läsetenstrasse hinunter wanderten wir auf dieser zur Kreuzung Stattboden und leicht aufsteigend zur heute geschlossenen Bergwirtschaft Sunnenhof. Schön der Weitblick nach W und N, trotz leichter Trübung durch Schleierwolken. Zweihundert Meter weiter drehten wir nach O, um bei Punkt 968 wieder Natur unter den Füssen zu spüren. Wir entschieden, die wenige Meter südlich des markierten WW verlaufende Spur zu nehmen – ziemlich morastig durch das Rellstenloch. Durch das lichte Ghöchweidholz blinzelte uns die Sonne entgegen; vorbei am wenige Meter höheren Baschlisgipfel (1064 m) der kurze Aufstieg zur Ghöchweid. Hier weitete sich der Ausblick zu den Glarner und Schwyzer Alpen. Jetzt war es nur noch eine Sache von Minuten, über Weideland hinunter zum Übergang Ghöch, wo auch das empfehlenswerte Restaurant Berg steht. Gastgeber Josip hiess uns sehr freundlich willkommen – auch in deutlich gezeichneten Wanderklamotten. An diesem wunderschönen Platz fühlen sich Gourmets, Biker, Wanderer und Ausflügler gleichermassen willkommen. Das Tagesmenü passte vorzüglich: Salat, Hackbraten und ein Durstlöscher dazu. So gestärkt war der Abstieg nach Fischenthal hinunter (180 Hm, Distanz 2.5 km) reine Formsache – auch wenn die Unterlage Asphalt war. Ab Fischenthal dann die ÖV-Rückfahrt nach Hause.

Fazit:
Jahreszeitlich bedingt eine einsame Wanderung – uns hats sehr gefallen…

Wetterverhältnisse:
Wiederum viel Sonne, etwas verschleiert bewölkter Himmel, trocken. Temperatur im Bereich 8 bis 10° C, wenig Wind (ca. 7 km/h SSO)

Ausrüstung:
Bergwanderschuhe, Wanderstöcke (evtl. Einsatz), Kartenmaterial Swisstopo, GPS

Parameter:
Tourdatum: 12. November 2025
Schwierigkeit: T1-2
Strecke: 10.13 km, Bauma Bahnhof (638 m) –  Hinterwis – Loch – Dachsloch – Guyer-Zeller-Weg P.778 – Lochbachtobel – Hohenegg – Hofbööl, P.921 – Hinteres Lee 894 m – Tännler (965 m) – Lasetenstrasse, P.925 – Stattboden (924 m) – Bergwirtschaft Sunnenhof, heute geschlossen – Laupetswilerstrasse, P.968 – Rellstenloch – Ghöchweidholz – Ghöchweid (999 m) – Ghöch (961 m) – Restaurant Berg – Hinterer Sädel (901 m) – Widenreiti, P.850 – Fischenthal (741 m), Bahnhof
Aufstieg: ca. 481 m
Abstieg: ca. -375 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 4 Std. 34 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 2 Std. 52 Min.
Tageszeit: 10:35 bis 15:05 Uhr

Monte Bisbino (I) 1325 m

Zweiter Tag im Valle di Muggio – heute wanderten wir (temporär) nach Italien aus… Ab morgen Mittwoch ist ein Wetterwechsel angesagt, also galt es diesen Tag zu nutzen. Der Monte Bisbino spielte im Ersten Weltkrieg eine strategische Rolle, weshalb von der italienischen Seite eine Strasse auf den Berg führt und eine beeindruckende Befestigung auf dem Gipfel gebaut wurde. Sie war Teil der Cadorna-Linie und zeugt noch heute von der geschichtsträchtigen Vergangenheit der Landschaft. Wir wählen die klassische Route im Gegenuhrzeigersinn: Aufstieg ab Dorfmitte von Sagno auf dem Sentiero forestale auf einem alten Weg durch Kastanienwald bis zum Punkt 1130. Hier treffen sich Sentiero forestale und Sentiero panoramico. Von hier zeigt sich die ganze Gipfelpracht: nicht gerade anmächelig. Der Aufstieg führte über den P.1162 (La Séla), weiter über die Alpe Cavazza, vorbei an einem grossen ramponierten Gebäude (ex Militär oder Zollverwaltung?). Danach folgte der abrupte Anstieg zur Landesgrenz CH/I, wo ein verfallenes Grenzwächterhäuschen in den Bäumen steht. Der letzte Abschnitt zum Gipfel führte über eine felsige Rippe hoch bis unter die Gipfelbaustelle. Der Weg an den Absperrungen vorbei ein kleines Labyrinth. Einmal oben angekommen ein nicht gerade schönes Bild: die Gipfelbauten werden gerade erneuert – eine unansehnliche Baustelle, Antennen, die heilige Stätte Beata Vergine, ein (geschlossenes) Restaurant, eine Wetterstation, und eine Gipfelwiese. Für eine Gipfelrast reicht es allemal, voll an der Sonne – wunderbar! An klaren Tagen ist die Aussicht spektakulär – sogar der Duomo von Milano soll zu sehen sein! Nun denn, über der Lombardei lag grauweisser Dunst (Smog), darüber hinweg reichte die Weitsicht bis zum Appenin (140 km). Darunter ist die Sicht klar zum Comersee und der gleichnamigen Stadt Como. Grosses Kino dann im Westen: 80 bis 90 km Weitsicht, die Walliser Viertausender und die Berner dazu – Klarsicht, ohne Smog! Für den Rückweg geht es zunächst zurück nach La Sèla hinunter. Von dort auf dem Sentiero panoramico (das Panorama ist wirklich prächtig!) bis zur Alpe Merlo hinunter. Jetzt folgte ein grober Verhauer (siehe Parameter). Wahrscheinlich liessen wir uns vom Sturz eines Gravelbikefahrers ablenken; der Fahrer schüttelte sich kurz und setzte die Abfahrt fort. Und wir wanderten über die belaubte Fortstrasse über Carrareccia, a Mariöö, a Veràqua ins Ortszentrum von Sagno.

Fazit:
Einmal auf diesen Grenzgipfel mit der famosen 360°-Aussicht musste sein…

Wetterverhältnisse:
Wiederum viel Sonne, blauer Himmel, nochmals besseres Wetter als gestern, trocken, ab morgen ist nasses Wetter angesagt. Temperaturen im Bereich 12° C, wenig Wind (ca. 4 km/h ONO)

Ausrüstung:
Bergwanderschuhe, Kartenmaterial Swisstopo, GPS

Parameter:
Tourdatum: 28. Oktober 2025
Schwierigkeit: T2
Strecke: 10.9 km, Sagno TI (691 m) – Miròlt – P.741 – Sentiero forestale – In Culmanéta – P.1130 – Prà Piano (1132 m) – La Sèla P.1162 – Alpe Cavazza (1180 m) – Monte Bisbino (1325 m) – Alpe Cavazza – Prà Piano – P.1130 Sentiero panoramico – Alpe Merlo (1100 m) – 350 m nach Alpe Merlo der Verhauer, rechts gehalten statt links, also verlassen des Sentiero panoramico – La Culmanéta (930 m) – Abstieg auf Forststrasse – Carrareccia – a Mariöö – a Veràqua – Sagno
Aufstieg: ca. 640 m
Abstieg: ca. -637 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std. 25 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std. 57 Min.
Tageszeit: 10:30 bis 15:55 Uhr

Valle di Muggio: Scudellate – Cascina d’Armirone – Muggio

Wieder einmal besuchten wir das hinterste Valle di Muggio – es gibt mehrere gute Gründe, im Dörfchen Scudellate ein paar Tage zu verbringen. Da ist einmal die fabelhafte Osteria Manciana con alloggio, wo wir eines der drei Gästezimmer mit dem schönen Namen Mamma Piera buchen konnten. Dann ist es diese ausgezeichnete authentische Küche, z. B. Ossobuco mit Piera’s Polenta. Und dann noch das fürchterlich schlechte Wetter im Norden, das uns kurzfristig in den Südtessin flüchten liess. Kommt noch das wunderbare Wetter dazu, bei welchem sich am Monte Generoso endlos wandern lässt. Doch: wer die sehr enge Strasse ins Valle di Muggio schaffen will, hat ein paar Kurven mit sehr engen Radien zu meistern – mittlerweile schafften wir diese ohne zurückzusetzen(!).

Gut ausgeschlafen und nach dem formidablen Frühstück verliessen wir Scudellate in Richtung Roncapiano: das charakteristische Dörfchen erreicht man auf der asphaltierten Strasse in etwa 25 Minuten. Nach der Ortsmitte kommt man am Oratorio della Beata Giuliana Falconieri, einem neoklassizistischen Gebäude aus dem 19. Jahrhundert, vorbei. Hier beginnt der Muggiasca-Wanderweg, der in einer besonders schönen Landschaft verläuft und ein wesentlicher Teil des Wanderweges ist, der das Alta Valle di Muggio mit dem Abschnitt des Monte Generoso bis zu seinem Gipfel verbindet. Die Route führt zunächst über Weideland und dann etwa fünfzig Minuten lang leicht absteigend durch Kastanienwald. Dabei wird der Hügel Faidello in einem grossen Bogen südlich umrundet. Wieder nach N drehend, war zwischen den Bäumen die in der Sonne leuchtende Fiore di Pietra auf dem Monte Generoso zu sehen (ca. 1.4 km Luftlinie, 700 Hm). An zwei Stellen war ein ausgetrocknetes Bachbett zu durchqueren, viel Laub unter den Füssen, also hiess es Stolperer zu vermeiden, weil unter dem Laub viele Stolpersteine zu Misstritten führen könnten. Unglaublich schöner Wald, uralte Bäume! Bald erreichten wir den Waldrand und die nach Süden ausgerichtete Siedlung Muggiasca. Die Schutzhunde hatten uns bereits gewittert, also blieben wir im Aufstieg brav diesseits des Zauns. Zwar meinte der freundliche junge Hirte, wir sollten zum Hof laufen und von dort den Weg nach Muggio hinunternehmen. Das hatten wir nicht vor; auf der schmalen Teerstrasse liefen wir oberhalb der Häuser, am prächtig besonnten Hang hoch bis zu einem Wanderwegweiser bei ca. 1060 m.ü.M. Dort verliessen wir die Strasse bergseitig, um im Wald auf wunderbarer Unterlage aufzusteigen und Cascina zu erreichen. Nun befanden wir uns auf dem Weg zum Monte Generoso – Cascina d’Armirone (Waldreservat). Bellavista, die Zwischenstation der Monte Generoso-Bahn wäre in zwanzig Minuten zu erreichen gewesen. Hier, am heute höchstgelegenen Punkt (ca. 1155 m.ü.M.) hielten wir entgegengesetzt nach S, vorbei an der Dosso delle Mede und durch Buchenwald bis zur Verzweigung bei P.1105 (bei der in Holz geschnitzten grossen Eule). Hier könnte man auch in wenigen Gehminuten das (geöffnete) Grotto La Balduana erreichen – das hatten wir bei der Tourenplanung grosszügig übersehen… Nun hiess es aufpassen, nicht etwa die Strasse zurück nach Muggiasca nehmen, sondern ein paar Meter absteigen um den unterhalb etwas versteckten, in einer Rinne verlaufenden Pfad zu finden. Nach zweihundert Metern erreichten wir den Hang Pra Lazzaro. Hier nahmen wir die Direttissima über die Wiese nach Pianspessa hinunter. Den namenlosen Hügel mit P.1035 umrundeten wir südwärts, vorbei an zwei Ruinen. Oberhalb der Häusergruppe Loc. Pianspessa nutzten wir einen windgeschützten Platz für unsere Mittagsrast (Panino mit Salami und Käse), bei toller Aussicht nach Muggio hinunter und zum Sasso Gordona und zum morgigen Gipfelziel Monte Bisbino. Nach der Rast der weitere Abstieg vorbei an Pianspessa, wo gerade kunstvoll renoviert wird (Trockensteinmaurer am Werk). Bald tauchten wir wieder in den Wald ein; mit Stöcken bewehrt auf ziemlich holprigem Pfad. Bald erreichten wir die auf einer steilen Lichtung gelegene Alpe di Germània (Diese ragt fast wie ein Aussichtspunkt über das Muggiotal hinaus. An diesem Ort wollten die Langobarden, die oft als Deutsche bezeichnet wurden, daher der Name Germania, das Geschehen im Tal kontrollieren, da sie die bedrohlichen Angriffe der Soldaten von Como fürchteten. Quelle: Ottavio Lurati). Vorbei an zwei von der Natur eingenommenen Hüttenruinen führte der schmale und steile Pfad in Serpentinen über einen Kilometer zweihundert Höhenmeter hinunter zur ziemlich heruntergekommenen Häusergruppe Turro abitazione isolata heisst das auf italienisch. Auf einer unglaublich steilen Strasse vorbei an der (verschlossenen) Chiesetta di San Giovanni Battista di Tür. Hier kommt uns doch tatsächlich ein Kleinwagen mit LU-Schild entgegen – der Fahrer dem Erscheinungsbild nach wohl ein alternaiver Aussteiger. Bald war die Breggia am heute tiefstgelegenen Punkt (bei ca. 580 m.ü.M.) erreicht. Das war ein «netter» Abstieg von ca. sechshundert Höhenmetern. Gut, dass das Wetter mittlerweile etwas eintrübte, denn jetzt folgte der unbequeme Schlussaufstieg auf Hartbelag nach Muggio hinauf. Im Wissen darum, das Postauto längst verpasst zu haben, machten wir es uns bequem vor dem (geschlossenen) Ristorante Stella. Geschlossen? Wie auch schon, hatte die Besitzerin, la Signora Fontana, ein Einsehen und öffnete extra für uns. Nettes Wiedersehen am Kamin, due Birre e apperitivi analcolico – und die Wartezeit bis zum nächsten Postautokurs verging im Flug. Grazie mille, è stato molto gentile – e alla prossima volta!

Fazit:
Einsam unterwegs im wilden Valle di Muggio an den einsamen südlichen Hängen des Monte Generoso. Und: die neuen Wanderschuhe (Ruedi) erfolgreich eingelaufen…

Wetterverhältnisse:
Viel Sonne, am Nachmittag etwas bedeckt, trocken, Temperaturen im Bereich 0 bis +8° C, wenig Wind (ca. 13 km/h NW)

Ausrüstung:
Bergwanderschuhe, Kartenmaterial Swisstopo, GPS

Parameter:
Tourdatum: 27. Oktober 2025
Schwierigkeit: T2
Strecke: 10.2 km, Scudellate (907 m) – P.923 – Camasciora (942 m) – Roncapiano (987 m) – Faidello – Roncascio – Muggiasca (959 m) – Cascina d’Armirone – Cassina – P.1105 – Pra Lazzaro – Loc. Pianspessa (985 m) – Alpe di Germània (920 m) – Turro (700 m) – Chiesetta di San Giovanni Battista di Tür (659 m) – Breggia (580 m) – Muggio (649 m) – Postautofahrt zurück nach Scudellate
Aufstieg: ca. 476 m
Abstieg: ca. -712 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std. 10 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std. 40 Min.
Tageszeit: 10:10 bis 15:20 Uhr

Val Sinestra

Schon seit einigen Jahren geistert die Idee in unseren Köpfen, einmal das sagenumwobene Val Sinestra zu besuchen. Vom ehemaligen Jugendstil-Kurhaus Val Sinestra, in dem es der Sage nach spuken soll, führt der Weg über zwei Hängebrücken nach Zuort. Von da aus geht es weiter zum Wendepunkt Griosch und auf der linken (sonnigen) Talseite bis nach Vnà.

Beim unterhalb des Hotels Sinestra gelegenen Parkplatz (Postautohalt «plazza da parcar») starteten wir – gleichzeitig mit anderen Wanderern. Noch im Schatten gelegen, war der Untergrund noch gefroren. Nach der Brücke über die Brancla über ein paar Serpentinen steil hoch im God Sot, ca. 50 Meter über dem Wildwasser. Nach anderthalb Kilometern eine erste Hängebrücke, wenige Meter später eine zweite, beide leicht wacklig, ca. 30 m über die Brancla führend – kaum eine Mutprobe. Nach etwas mehr als drei Kilometern erreichten wir auf einer Lichtung Zuort, ein historischer Weiler im hintersten Val Sinestra. Gasthof und Stall, Chalet und Kapelle sind als Ensemble in Gestalt und Funktion erhalten, heute ist der Hof das ruhigste Swiss Historic Hotel Graubündens. Gelegenheit, auf der sonnigen Terrasse einen Tee zu geniessen – bei schönster Aussicht in Richtung Unterengadin (u.a. Piz Lischana). Auf dem Weiterweg wird der Blick frei zu den Cluchers da terra da Prà San Peder (Erdpyramiden), welche schwer zugänglich auf der orografisch linksliegenden Talseite liegen; durch die Erosion sind im Laufe der Jahrtausende diese eigenwilligen Gestalten aus dem Moränenmaterial entstanden. Nun voll in der Sonne wandernd, erreichten wir nach ca. 4.4 km Griosch, die zuhinterst im Val Sinestra liegende Siedlung und natürlich das originelle Alpbeizli Tanna da muntanella (Munggänäscht), wo uns Chasper erwartungsfroh begrüsste. Beim ausgezeichneten Espresso(!) gabs einen längeren Schwatz mit dem sympathischen alten Mann. Von ihm vernahmen wir, dass in der letzten Nacht leider sechs Schafe von einem Wolfsrudel gerissen wurden – in unmittelbarer Umgebung. Da die Alpstrasse von Griosch nach Vnà saniert wird, wurde der Wanderweg umgeleitet. Dieser führte etwa vierzig Meter höher durch schönstes Alpgelände vorbei an prächtigem Lärchengold. Im Gebiet oberhalb Prà San Peder erblickten wir etwa zwanzig Meter weg vom Pfad ein einzelnes schwer verletztes Schaf, welches zwar noch stehen konnte, sich aber wegen seiner Verletzungen nicht bewegen konnte – kein schöner Anblick; hoffentlich wird es von den in der Umgebung suchenden Bauern gefunden. Die drei noch verbleibenden Kilometer bis zum Zielort Vnà verliefen im lichten Wald, immer leicht oberhalb der Alpstrasse. Kurz vor Vnà der Blick zum am sonnigen Südhang des Piz Arina gelegenen Dörfchens. Nach etwas mehr als drei Stunden Wanderzeit im Dörfchen angekommen, genossen wir im sonnig gelegenen Garten der Pensiun Arina eine schmackhafte Kürbissuppe bei einer Birra Engadinaisa, gebraut mit Engadiner Berggerste und Tschliner Bergquellwasser. Kurz vor 15 Uhr der kurze Gang durch die schmucke Ortsmitte hinunter zur Postautostation Vnà Jalmèr. Die Postautofahrt nach Ramosch hinunter dauerte wenige Minuten, nach dem Umstieg bis nach Scuol Staziun weniger als eine halbe Stunde.

Fazit:
Eine zauberhafte, wenig fordernde Wanderung in diesem verwunschenen Seitental des Unterengadins.

Wetterverhältnisse:
Sonnenschein mit freundlicher Bewölkung, Temperaturen im Bereich 0 bis +11° C, trocken, wenig Wind (ca. 2 bis 6 km/h O)

Ausrüstung:
Bergwanderschuhe, Kartenmaterial Swisstopo, GPS

Parameter:
Tourdatum: 14. Oktober 2025
Schwierigkeit: T2
Strecke: 10.74 km, Postauto Scuol Staziun über Sent bis Val Sinestra, plazza da parcar (1473 m) – Brücke über die Brancla – God Sot – erste Hängebrücke – zweite Hängebrücke – P.1618 – P.1689 – Hof Zuort (1715 m) – Brücke über die Brancla (1750 m) – Griosch, Berggartenbeizli (1817 m) – Umleitung Wanderweg oberhalb Prà San Peder – Tanter Auas – Foras Pradatsch – Foras Chalderas – Via Griosch – Pradè (1711 m) – P.1677 – P.1646 – Vnà (1637 m) – Posthaltestelle Vnà Jalmèr (1602 m) – Postauto über Ramosch – Umsteigen nach Scuol Staziun
Aufstieg: ca. 546 m
Abstieg: ca. -375 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 4 Std. 45 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std. 25 Min.
Tageszeit: 09:00 bis 13:45 Uhr

Jufplaun-Runde ab Ofenpass

Seit gestern lernt Doris Rumantsch (Vallader), also bin ich in ungewohnter Weise alleine unterwegs. Mit dem Postauto zum Ofenpass (Doppelkurs!). Dort steigen mit mir die meisten aus, kaum jemand hat aber dasselbe vor, wie ich. Ein paar Jugendliche können offensichtlich nicht ohne Musik wandern; sie lassen sich begleiten von Popmusik aus der Konserve (Abba, Mamma Mia, usw.). Ich halte Abstand. Der Aufstieg zur Davo Plattas ist felsig, im letzten Abschnitt steil, nie aber ausgesetzt. Bizarr die Felstürme des Il Jalet, den ich umrunde. Ab Davo Plattas dann über anderthalb Kilometer eine aussichtsreiche Querung, unterwegs führt der Weg durch die Runse der Aua da Murtaröl – spektakulär wie immer. Da ein Schneeschäumchen liegt und der Pfad leicht vereist war, war etwas Konzentration und Trittsicherheit gefordert. Bald war die Verzweigung auf Döss da las Plattas erreicht – ich blieb rechts. Nach dreieineinhalb Kilometern und einem leichten Abstieg über wunderbares Laufgelände in herbstlichen Farben erreichte ich die Brücke über die Aua da Murtaröl. Ab jetzt verlief die Strecke nach N, voll in der Sonne, und toll die Aussicht zum Piz Nair und zum auch schon besuchten, eindrücklichen Piz Vallatscha. Bald erreichte ich die bekannte Privathütte bei P.2196 – der Zugang war versperrt (Kein Zutritt, Privat). Dem Kaminrauch nach zu urteilen, war die Hütte bewohnt. Ein paar hundert Meter weiter die (bekannte) grosse Arve, unter welcher ich eine gemütliche Mittagsrast abhielt. Faszinierend der Ausblick zum kolossalen Piz Murtaröl, zum Schönling Piz Daint und zum Munt Buffalora mit seiner zerklüfteten Ostflanke. Leider bekam ich heute keine Tiere zu Gesicht, auch der Bartgeier gab keine Vorstellung. Nur eine aufmüpfige Cratschla rief hektisch. Nun folgte der Abstieg zur 180 Hm tiefer liegenden Alp Buffalora. Hier zierten die ersten Lärchen im Goldkleid – Oktobergold! Niemand war hier unterwegs, nicht einmal Biker… Am verweisten Gebäude der Alp Buffalora angekommen, wählte ich die Trittspur, welche über die Weide direkt Verzweigungspunkt 1978 führte. Ab hier führte der Weg erst der Aua da Murtaröl entlang, dann über diesen wenig Wasser führenden Bach hinein in den Wald und durch diesen über 1.2 Kilometer hoch zur 160 m höher liegenden Pass. Im Restaurant Süsom Givè genoss ich eine Stange Bier um auf Doris zu warten, welche mich abholte…

Fazit:
Eine recht einsame Wanderung vom Ofenpass in einer Runde um den Il Jalet zum Ofenpass.

Wetterverhältnisse:
Sonnenschein mit freundlicher Bewölkung, Temperaturen im Bereich 0 bis +10° C, trocken, wenig Wind (ca. 5 bis 14 km/h O)

Ausrüstung:
Bergwanderschuhe, Kartenmaterial Swisstopo, GPS

Parameter:
Tourdatum: 7. Oktober 2025
Schwierigkeit: T2
Strecke: 8.2 km, Postauto zum Pass dal Fuorn/Ofenpass (2148 m) – Aufstieg in Richtung Piz Daint – Davo Plattas (2288) – Val Murtaröl – Döss da las Plattas – Verzweigung P.2272 – Brücke über die Aua da Murtaröl bei P.2221 – Privathütte bei P.2196 – P.2156 – P.2157 – Alp Buffalora (2033 m) – Verzweigung P.1978 – Aua da Murtaröl – Ofenpass
Aufstieg: ca. 378 m
Abstieg: ca. -368 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 3 Std. 29 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 2 Std. 41 Min.
Tageszeit: 10:45 bis 14:15 Uhr

Senda Val Müstair: Ofenpass – Alp da Munt – Alp Champatsch – Lü

Einmal im Jahr muss diese Panoramawanderung sein. Nach einer Wochen witterungsbedingter «Wettkampfpause» endlich wieder mal schönes Wetter. Zehn Tage früher, als im letzten Jahr; deshalb war heute (noch) kein Gold zu sehen. Trotzdem eine Panoramawanderung der Superlative. Im gut besetzten Postauto die Fahrt ab Valchava zum Ofenpass. Der Einstieg auf die Senda Val Müstair liegt gleich gegenüber des Hotels Süsom Givè beim aus Holz geschnitzten Bären. Im lichten Wald über noch nicht vollständig abgetrocknete Wurzelwege, gelegentlich leicht auf und ab und manchmal wenig ausgesetzt. Bald verhallte der Lärm der Passstrasse, nach etwa 1.7 km und nach Überquerung einer mächtigen Ruina war die Traumlandschaft Plaun da l’Aua erreicht, einer unserer Lieblingsplätze im Val Müstair. Die umliegenden Gipfeln bereits überzuckert. Die Überquerung der Geröllhalde, welche sich vom Munt da la Bescha herunter bewegt, beeindruckt immer wieder. An der Verzweigung bei P.2188 hielten wir links, um bergseitig durch die Dolinen zur Alp da Munt aufzusteigen. Das Alprestaurant geschlossen (offen während der Wintersportsaison). Nach der Alp der kurze Aufstieg und die Querung zur Verzweigung bei P.2244, wo der Direktabstieg durch den God da Munt nach Tschierv hinunterführte. Vorbei an der Infotafel mit Hinweisen zum Bärenthemenweg, wanderten wir leicht ansteigend und auf gutem Weg hoch bis zum Ausblick zum Lai da Juata. Der Pfad führte nördlich des Seeleins vorbei, schmaler werdend und leicht absteigend durch traumhaften Lärchen-, Arven- und Föhrenwald. Vor der Alp Champatsch ziemlich steil hinunter zum 100 Hm tiefer gelegenen Alprestaurant La Posa, wo Melanie mit ihrem Team noch bis ca. Ende Oktober geöffnet hat. Zahlreiche Wanderer genossen die angenehme Temperatur an der Sonne, und wir dazu: Knödel mit Hauswurst – fein! Der Weiterweg führte nach , dem auf einer Sonnenterrasse gelegenen Dörfchen, welches nach etwa 2.6 km und wenig fordernden 150 Abstiegsmetern erreicht war. Mitten im Dorf warteten wir kurz auf das Postauto, welches uns ins Tal fuhr.

Fazit:
Auch ohne Lärchengold eine Klasse-Wanderung! Und wetterbedingt wir nicht alleine unterwegs…

Wetterverhältnisse:
Schönstes Herbstwetter, Temperaturen im Bereich +4 bis +14° C, trocken, wenig Wind (ca. 7 km/h WNW)

Ausrüstung:
Bergwanderschuhe, Kartenmaterial Swisstopo, GPS

Parameter:
Tourdatum: 28. September 2025
Schwierigkeit: T2
Strecke: 9.6 km, Postauto zum Pass dal Fuorn/Ofenpass (2149 m) – Senda Val Müstair – Plaun da l’Aua – Alp da Munt (2212 m) – P.2244 (Verzweigung) – Lai da Juata (2230 m) – Alp Champatsch – Alprestaurant La Posa (2093 m) – Lü (1916 m)
Aufstieg: ca. 220 m
Abstieg: ca. -435 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 4 Std. 10 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 2 Std. 40 Min.
Tageszeit: 10:50 bis 15:00 Uhr

Matschertal

Vorausinformation:
Das Matschertal (italienisch Val di Mazia), ist ein Seitental des Vinschgaus bzw. oberen Etschtals in Südtirol, das in nordöstliche Richtung zwischen die Planeiler Berge und den Saldurkamm führt, zwei Untergruppen der südlichen Ötztaler Alpen. Das Tal wird vom Saldurbach entwässert. Der den Alpenhauptkamm erreichende Talschluss ist vergletschert. Die einzige Ortschaft des Tals, Matsch, ist eine Fraktion von Mals. Matsch ist das erste Bergsteigerdorf Südtirols. Der relativ geringe Tourismus konzentriert sich auf den hintersten Teil des Tals. So verwundert es nicht, dass das in seiner Ausdehnung etwa 12 Kilometer lange Tal seine Ursprünglichkeit bewahrt hat. Das Tal ist von Tartsch auf einer Bergstrasse zu erreichen, von Schluderns aus hingegen, wo das Tal seinen Ausgang in einer Schlucht nimmt, nur zu Fuss. Im Talschluss steht auf 2670 m die Oberetteshütte des Alpenvereins Südtirol. Von der namensgebenden Ortschaft Matsch aus hat man gute Sicht auf die südwestlich gegenüberliegenden Ortler-Alpen mit ihren ausgedehnten Gletschern.

Unsere Wanderung:
Mit dem Auto erreichten wir den hintersten Punkt im Matschertal nach einer Fahrt ab Valchava in vierzig Minuten. Im hintersten Talabschluss steht das ****-Hotel Glieshof, in unmittelbarer Umgebung hat es zwei gebührenfreie(!) Parkplätze. Nach dem Startkafi im Glieshof wanderten wir über die Brücke über den Saldurbach um unterhalb des zweiten Parkplatzes WW Nr. 9 in Richtung West zu nehmen. Nach sechshundert Meter erreichten wir oberhalb Thanai den Weg Nr. 8. Dieser führte nicht etwa in Serpentinen, sondern in direkter Linie bis 36% steil hoch über eine Lichtung zum nördlich gelegenen Punkt 1988. Einen kleinen Wildbach überquerend, führte der Weg weniger stark ansteigend nach Westen, wo bald das offene Weidegelände Eisawiesen erreicht war. Ab hier nahmen wir den Weg Nr. 7, der uns sehr steil zum Gelände Plazur hoch führte. An einer Verzweigung hielten wir nach links (Weg Nr. 7A), also weg von Nr. 7, welcher über den Vinschger Höhenweg zur Martscher Alm führte. Bald erreichten wir eine einsame Jägerhütte(?), welche durch ein schief im Gelände stehendes WC zusätzlich auffiel. Immer schön den weissroten Markierung nach erreichten wir bald einen hohen Zaun, welcher uns davor bewahrte, in die mit Lawinenschutzbauten versehene Klamm einzusteigen. Stattdessen über einige sehr hohe Tritte entlang dem Zaun hoch, dann schliesslich über ein paar Serpentinen hoch zur Waldgrenze. Über der erwähnten Klamm erreichten wir Punkt 2372, den heute höchstgelegenen Punkt. Muttwiegen heisst das wunderbare Gelände, welches wir nun durchwanderten – grandios das Panorama! Und einsam unterwegs waren wir auch. Nach etwa anderthalb Kilometer auf gleicher Höhe über Mesettes, erreichten wir die markierte Verzweigung auf etwa 2370 m, wo wir zur Matscher Alm hinunter gewiesen wurden (30 Minuten, 1.2 km, 300 Hm). Der Abstieg war im obersten Abschnitt sehr steil (<30%). Bald vernahmen wir das helle Geläut der im Gelände weidenden Ziegen – herrlich! Auf der Matscher Alm angekommen, wurden wir landestypisch mit Grüesst enk willkommen geheissen. Mittlerweile viertelvorzwei – Zeit also für eine Brotzeit: Speckknödel mit Salat für Doris, Almnudeln für Ruedi, Bier und Almwasser dazu… Nach dieser Erholung wollten wir nicht den direkten Weg auf der Alpstrasse zum Glieshof hinunter laufen. Nach einem kurzen Abstieg folgte der ebenso kurze Aufstieg über das Wildwasser des Saldurbachs. Dreihundert Meter weiter hielten wir uns an den Wegweiser – über den Herrensteig waren es etwa vierzig Minuten bis zum Glieshof: ca. 2.5 km und 180 Abstiegsmeter durch lichten Mischwald, ca. achtzig Meter unter uns rauschte der Saldurbach. Die «Landung» vollzogen wir mitten im Hotelkomplex, leicht oberhalb des Parkplatzes. So beschlossen wir einen wunderbaren Wandertag bei spätsommerlichem Wetter.

Fazit:
Spätsommerwetter – ein Traumtag!

Wetterverhältnisse:
Sehr sonnig und sehr warm bis 26°, kaum Wind

Hilfsmittel:
Bergwanderschuhe, Stöcke, Kommot, GPS

Parameter:
Tour-Datum: 20. September 2025
Schwierigkeit: T2
Hin- und Rückfahrt: PW ab Valchava ins Matschertal bis Parkplatz Glieshof (40 Min. Fahrt)
Strecke: 9.5 km: Parkplatz Glieshof (1810 m) – Brücke über den Saldurbach (1809 m) – unterhalb des 2. P WW Nr. 9 in Richtung W – oberhalb Thanaihof ab ca. 1857 m Weg Nr. 8 – steil hoch in Richtung N bis 36% zum P.1988 – Querung in Richtung W bis Eisawiesen (2068 m) – Weg Nr. 7, aufsteilendes Gelände «Plazur» (>27%) – Jägerhütte bei ca. 2200 m – ab hier Weg Nr. 7A in Richtung NO bis zu einem Hohen Zaun (dahinter Lawinenverbauungen), ca. 2240 m – Serpentinen steil hoch (>25%) bis ca. 2300 m – ab ca. 2330 m in Richtung NO durch das Gebiet Muttwiegen, höchstgelegener Punkt 2372 – ca. 1.5 km auf gleicher Höhe über Mesettes, Verzweigung «Matscher Alm (ca. 2370 m) – teilweise steiler Abstieg bis Matscher Alm (2045 m) – zum hintersten Punkt Brücke über den Saldurbach (2022 m) – «Herrensteig» in Richtung Glieshof – Parkplatz
Aufstieg: ca. 631 m
Abstieg: ca. -603 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std. 55 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std. 40 Min.

Tageszeit: 10:20 bis 16:15 Uhr

Avers Genusswanderung 2025

Nach 2024 bereits zum zweiten Mal wurde die originelle Avner Genusswanderung durchgeführt. Vom Gastgeber-Ehepaar Barbara und Hansueli vom Hotel Avers initiiert, fanden sich mehr als dreissig auswärtige Avers-Fans beim Start im Weiler Cröt am Eingang zum Madris ein. Begrüsst wurden wir von der Einheimischen Maria Knaus-Loi, welche uns auf der gesamten Wanderung begleitete und mit viel Wissenswertem versorgte. Bereits am Start vor dem Wohnsitz der Familie Paula und Bruno Loi kamen wir in den Genuss von köstlichen Spezialitäten. Und besonders herzig: die 94jährige Mutter Loi liess es sich nicht nehmen, uns persönlich zu begrüssen. Bis zum nächsten Stop waren es nur ein paar Schritte, zum ausserhalb an der Avnerstrasse gelegenen Gasthaus Walserstuba. Simon und Steffi verwöhnten uns mit weiteren Leckereien. Nach diesem verheissungsvollen Start setze sich die grosse Geniesser-Schar in Bewegung, erst zurück nach Cröt, dann nach dem Schulhaus über die Brücke über den Averser Rhein, auf der alten Averser Strasse hoch zum Cheirli. Auf dem steilem Wanderweg kamen wir erstmals ins Keuchen; aber bereits im Letziwold, oberhalb Lezibrücke folgte die nächste Verpflegungspause. Von einheimischen Bäuerinnen von den Höfen Madris bis Juf dargebotene Produkte wie Kräutertee, Arven-Sirup, Kräutersalze, Alpkäse, Salsize, dazu frisch zubereitete warme Spezialitäten aus Barbara’s Küche. Endgültig gestärkt, brachen wir auf zum heute längsten Abschnitt: dreieineinhalb Kilometer und einige dutzend Meter Auf- und Abstieg durch den Letziwold und später den Capettawold, auf der linken Talseite des Averser Rheins. Plötzlich wurde der Blick frei zum gegenüber liegenden Weiler Cresta. Dort war die nächste Verpflegungspause angesagt. Aber bis es so weit war, hatten wir den steilen Abstieg zum Wildwasser und den Gang über die wacklige Hängebrücke zu bewältigen. Jetzt noch der knackige Gegenaufstieg zur knapp hundert Meter höherstehenden Edelweisskirche. Bis die letzten oben ankamen, war die aufgestellte Bar schon beinahe trocken gelegt – die warme Heusuppe schmeckte ebenso vorzüglich, wie der dazu gereichte Weisse. Die etwas ausserhalb von Cresta gelegene reformierten Kirche (auch gebräuchlich Edelweisskirche genannt) lohnt einen Besuch sehr. Nach ausführlichen Informationen aus erster Hand (Maria Knaus-Loi, Viamala Tourismus) krönte Hansueli unseren Besuch mit einem stimmungsvollen Dudelsack-Konzert. Anschliessend der Gang über den Chilawäg ins Ortszentrum. Im Hotel Capetta kamen wir in den Genuss einer weiteren Köstlichkeit, einem Fischgang vom Feinsten, natürlich aus Barbara’s Küche, dazu ein feiner Weisser aus der Herrschaft. Der Marsch zum wenige Meter tiefer gelegenen Weiler Pürd dauerte je nach Gangart ungefähr eine Viertelstunde. Am Dorfeingang wurden wir schon erwartet: auf dem Hof der sympathischen Familie Sandra und Simon Höllrigl mit ihren vier Mädchen durften wir die hofeigenen Produkte kosten (Brot, Alpkäse, Salsize, Trockenfleisch). Übrigens: Schlafen im Stroh ist hier auch möglich. Morgen, auf der Heimfahrt werden wir den 7/24 geöffneten Hofladen noch besuchen… Der nächste Etappenort lag nur gerade eine weitere Viertelstunde weiter, direkt an und auf der (wenig befahrenen) Strasse im Weiler Am Bach. Dort erwarteten uns Nina und Kasimir Schuler. Die junge Familie mit ihren vier Kindern zählen zu den Tausendsassas unter den Avner Landwirten. Als Bergführer liebt Kasimir nicht nur die Berge, sondern fühlt sich als Züchter von Rindern, Gotland Schafen und Yaks so ziemlich wohl im Avers. Zum Essen wurde ein Kartoffel-Gemüse-Gratin mit heisser Wurst gereicht – unglaublich lecker! Zum Glück waren auf der letzten Etappe von ca. anderthalb Kilometern «nur» gerade hundert Höhenmeter zu bewältigen. Mittlerweile war das Wanderfeld wieder ziemlich geschlossen unterwegs. Kurz vor 18 Uhr erreichten wir das Ziel östlich von Juppa, und das damit verbundene Finale: feinste Desserts auf der sonnigen Terrasse des Hotels Avers. Wir waren uns alle einig: das war ein grossartiger und erlebnisreicher Genuss- und Wandertag! Dem ganzen Team mit Barbara, Hansueli, René, Svea, Ana, Maria ein dickes Kompliment und ein herzliches Dankeschön für diese unvergessliche Stunden.

Fazit:
Tatsächlich eine grossartige Genusswanderung: Avner Gastgeber aus Bauern- und Gastrobetriebe stellten sich während eines ganzen Tages vor und boten kalte oder warme Spezialitäten. Start in Cröt und Finale in Juppa. Acht Stationen mit regionalem Essen, Gemüse, Käse, Fleisch und Fisch, dazu Getränke-Begleitung wie Quellwasser, Bier, Wein, Schorlen und regionalen Schnäpsen.

Wetterverhältnisse:
Sonniges Herbstwetter mit leichter Bewölkung, 10 bis 20°, praktisch windstill

Parameter:
Tour-Datum: 7. September 2025
Schwierigkeit: T2
Hinfahrt: Postauto-Fahrt ab Avers Rufana bis Avers Cröt
Strecke: 9.8 km: Cröt (1717 m) – Gasthaus Walserstuba – Cheirli (1779 m) – Letziwold, oberhalb Lezibrücke – P,1986 und P.1953 – Capettawold P.1928 – Hängebrücke über den Averser Rhein – Edelweisskirche Cresta – Chilawäg – Hotel Capetta, Cresta (1960 m) – Maleggabach (1939 m) – Hof Familie Höllrigl, Pürd (1921 m) – Hof Famile Schuler, Am Bach (1921 m) – Juppa (2003 m) – Rufana, Hotel Avers (2028 m)
Aufstieg: ca. 504 m
Abstieg: ca. -199 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 7 Std.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std. 15 Min.
Tageszeit: 11:00 bis 18:00 Uhr

Bivio – Stallerberg (2581 m) – Juf (Avers)

Kurz nach zehn Uhr starteten wir in Bivio bei idealen Bedingungen (ca. 5°, sehr sonnig, leichte Bise). Gleich in der Ortsmitte wurden wir von den Wanderwegweisern auf die gewünschte Strecke gewiesen in Richtung Juf über den Stallerberg (das ist kein Berg, sondern ein Übergang in den Avers). Erst führte der Wanderweg über abgeweidete, aber noch immer grüne Wiesen und durch Buschwerk. Leichter Frost, die Blumen am Wegesrand beinahe erfroren. Ab Radons (etwa 1900 m.ü.M.) dann wunderbare Alpen mit friedlich weidenden Tieren. Baumfrei, und folglich bei uneingeschränkter Sicht, die Sonne im Rücken, so haben wir es gerne… Regelmässig und gemütlich stiegen wir auf, unterwegs begegneten wir nur wenigen Wanderern. Zur Linken der Blick nach Bivio hinunter und zur Julierpassstrasse, und natürlich zum markanten Piz Julier und seinen Nachbarn. Das Skigebiet war andeutungsweise zu erkennen aufgrund der Anlagen. Bald war Plang Tguils – eine moorige Hochebene mit einem hübschen Seelein – erreicht; der richtige Ort für eine erste Trinkpause. Mittlerweile lag neben dem Weg ein Schäumchen Schnee (von gestern!). Bald erreichten wir den oberen Teil der Hochebene, wo ein Brücklein über den Stallerbach führt. Danach wurde das Gelände etwas steiler und enger, entlang einer Moräne schlängelte sich der Pfad hoch; schon bald müsste der Blick zum Übergang frei werden – meinten wir. Doch das zog sich hin: bis zum Pass waren es noch ca. 1.4 km und 130 m Aufstieg. Nach 2 Stunden 35 Min. (Nettolaufzeit) standen wir auf dem Stallerberg. Hier änderte sich die Kulisse schlagartig: der weite Blick ins Obertal des Avers, fünfhundert Meter tiefer die Häuser von Juf. Einige Meter nach dem höchstgelegenen Punkt war die uns bekannte kleine Jagdhütte erreicht – und siehe da: der schön gelegene Platz war frei und ist neuerdings sogar mit einer Sitzbank versehen. Hier liessen wir es genussvoll angehen – Mittagsrast. Von hier aus könnten in zwanzig Minuten die hundert Meter höher gelegenen Flüeseen erreicht werden. Diese wunderschöne Runde kannten wir bereits. Für die ca. fünfthundert Abstiegsmeter nach Juf hinunter (ca. fünfhundert Höhenmeter) benötigten wir weniger als eine Stunde – der Abstieg ist streckenweise steil und mit einigen felsigen, hohen Tritten versehen – also war Stockunterstützung angesagt. Im unteren Bereich, nahe des Treiabachs führte der Pfad zickzack über Weideland, wo uns einige Rinder friedlich und lautstark grüssten. In Juf, der höchstgelegenen dauernd bewohnten Siedlung in der Schweiz, hatten wir die Wahl zwischen zwei Restaurants, das Edelweiss und die Alpenrose. Hier beschlossen wir unseren wunderbaren Wandertag bei einem Bier. Kurz vor vier Uhr bestiegen wir das Postauto, welches uns zwei Haltestellen weiterbrachte, bis nach Rufana, wo das Hotel Avers steht – unsere Bleibe für zwei Nächte. Vom kurz vor Juppa stehenden Haus, resp. dessen sonnigen Terrasse (und auch von den schönen Zimmern mit Balkonen) hat man einen wunderbaren Blick ins Val Bergalga, zum 7.5 km weiter liegenden Bergalgapass (dem 2790 m hohen Übergang ins Bergell), und zu den markanten Dreitausendern Wissberg und Gletscherhorn. Hier gabs wie geplant das Wiedersehen mit Hanni und Rolf; zu viert genossen wir den gemeinsamen Hochzeitstag, begleitet von der Hausmusik des Gastgeber-Ehepaars Barbara und Hansueli – sogar mit einem Hochzeitstänzchen, versteht sich! Danach folgte das leckere Abendessen in fünf Gängen(!) – zubereitet mit lokalen Bio-Produkten. Dem ganzen Team mit Barbara und Hansueli, Svea, Ana, Maria und René ein herzliches Dankeschön für diese unvergessliche Stunden.

Fazit:
Bilderbuchwetter, einfach ein unvergesslicher Hammertag!

Wetterverhältnisse:
Sehr sonnig mit leichter Schönwetter-Bewölkung, 5 bis 18°, leichte Bise 13 km/h

Hilfsmittel:
Bergwanderschuhe, Stöcke, SchweizMobil, GPS

Parameter:
Tour-Datum: 6. September 2025
Schwierigkeit: T2+
Hin- und Rückfahrt: Postauto-Fahrt ab Thusis Bahnhof RhB bis Bivio Posta
Strecke: 9.2 km: Bivio, Haltestelle Posta (1769 m) – Radons (1902 m) – Plan Tguils – P.2428 – Stallerberg (2581 m) – P.2506 (Verzweigung Lawinenverbauung) – Carblung – Tubadellbärga – Wissa-Turtschi – Juf (2126 m)
Aufstieg: ca. 810 m
Abstieg: ca. -450 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 4 Std. 50 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std. 35 Min.
Tageszeit: 10:15 bis 15:05 Uhr