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Grosse Scheidegg – Faulhorn 2681 m – Schynige Platte

Grandiose Gipfelparade im Berner Oberland, einer der grossen Wander-Klassiker, Berg-Nostalgie vom Anfang bis zum Schluss – für uns ausreichend Antrieb, einen beruflichen Termin in Meiringen am Freitag um zwei Wandertage zu erweitern. Die Postautofahrt auf der atemberaubend steilen und engen Strasse vorbei am Reichenbachfall ins wildromantische Reichenbachtal bis zum historischen Belle-Epoque-Hotel Rosenlaui dauert 30 Minuten; auf der 12 km langen Fahrt werden die ca. 730 m Höhendifferenz elegant zurück gelegt – Dü-da-do! Wir hatten das Glück, eine Nacht in diesem bald 250jährigen Juwel verbringen zu dürfen! Dem ausgezeichneten Abendmenü im historischen Salle à manger folgte die erholsame Nachtruhe (die sonst üblichen Störfaktoren Handy, TV, Radio, WLAN fehlen und werden nicht vermisst…). Nach dem reichhaltigen Frühstück bestiegen wir um 08:51 Uhr direkt vor dem Haus das Postauto. Die Fahrt bis zur Grossen Scheidegg dauerte 27 Minuten (Umsteigen auf der Schwarzwaldalp). Ankunft um 09:18 Uhr auf dem Übergang, der noch vom Wetterhorn (3692 m) beschattet war.

1. Tag: Grosse Scheidegg 1962 m – First – Faulhorn 2681 m
Bei leichtem Bodenfrost starteten wir nach Ankunft –  warm eingepackt – in Richtung First auf der unbefestigten Alpstrasse über die Alp Scheidegg bis zum Punkt 2006, wo uns nach einer Viertelstunde bereits die Sonne begrüsste. Weg also mit der obersten Wärmeschicht! Weiter auf dem ausgeschilderten und w-r-w-markierten Wanderweg, bei Schafläger Überquerung des Schafgrabens. Ohne nennenswerten Höhengewinn passierten wir die Bergschaft Grindel Oberläger. Auf Chalberboden über den Inner Bärgelbach, rechts über uns das mächtige Schwarzhoren (2928 m). Links ging der Blick unweigerlich zur Wand der Wände, Eigernordwand. Auf dem stolperfrei angelegten Wanderweg kann man sich die nun dauernde Ablenkung leisten. Waren wir bislang fast einsam unterwegs, erreichten wir nach eindreiviertel Stunden die Zuvilisation auf First (2156 m). Schon von weitem war das Geschrei der auf dem First Flieger zu Tal rasenden Mutigen zu hören. Auf der grossen Sonnenterrasse genossen wir den Kafi und die Gipfelparade – Wetterhorn, Schreckhorn, Lauteraarhorn, Finsteraarhorn, Eiger, Jungfrau, Silberhorn, unten im Tal Grindelwald. Bei dieser genialen Aussicht wurde unser Kafi fast kalt. Den First Cliff Walk überliessen wir gerne den anstehenden Asiaten. Uns zog es weiter in Richtung Tagesziel Faulhorn, das bereits zu sehen war. Bis zum offensichtlichen Hotspot, dem auf 2265 m gelegenen Bachsee (50 Minuten), eine richtige «Wanderautobahn». Am angeblich fotogensten Bergsee der Schweiz mühten sich dann dutzende von Spaziergänger mit den Menüs ihrer Digitalkameras ab. Am oberen Ende des wirklich einmalig schön gelegenen Bergsees kehrte Ruhe ein – der See besteht eigentlich aus zwei Teilen, getrennt durch einen kleinen Naturdamm, wobei sein unterer Teil sieben Meter tiefer liegt. Oberhalb des Sees rasteten wir und genossen den Ausblick zum See und auf die Kulisse mit den bereits erwähnten Gipfel-Berühmtheiten. Danach begann der Anstieg (2.3 km, 400 m Höhendifferenz). Vorbei an der Burggihitta (2436 m) war die etwas höher liegende Reetihitta rasch erreicht. Mittlerweile über Schnee (Pflotsch) erreichten wir Gassenboden (2552 m). Hier öffnete sich der Blick in Richtung SW zur Blüemlisalp und weiteren Bekannten (sogar der Wildstrubel war zu erkennen). Hier oben wurde der Wind stärker, also «stürmten» wir in Richtung Faulhorn, resp. zu dessen Gipfel-Berghaus. Diese letzten 120 Hm waren rasch zurückgelegt. Unterwegs hatten wir noch einige Absteiger zu grüssen, meist Kurzhöseler in Turnschuhen (und selbstverständlich ohne Stöcke), welche sich auf Schnee turnend gegen Stürze wehrten. Oben angekommen, war es erst 14:20 Uhr, Zeit für eine wärmende Suppe in der gemütlichen Gaststube. Anschliessend Check-in (wir waren die ersten von ca. 80 Übernachtungsgästen) und Bezug des Nachtlagers – wir hatten grosses Glück, wegen einer kurzfristigen Absage statt im Matratzenlager in einem der wenigen Zimmer nächtigen zu dürfen. Das lange Warten auf das Nachtessen verbrachten wir mit Teetrinken. Langsam füllte sich das Berghotel Faulhorn, das schon etwas in die Jahre gekommen ist und eher eine Berghütte ist (ab Dienstag 16.10.2019 ist Saisonschluss!). Das Team um Christian Garbani & Familie bietet bewundernswerte Gastfreundschaft auf fast 2700 m.ü.M. Dem leckeren Nachtessen folgten ein paar Jassrunden mit netten Tischnachbarinnen. Kurz vor zehn Uhr machten wir uns auf ins sehr kalte (ca. 8°) aber romantische Zimmer. Wärme konnten wir uns gegenseitig nicht spenden (2 Betten), die angebotenen Bettflaschen erwiesen sich aber als Segen. Jedenfalls mussten wir nicht frieren, und wir erlebten eine erholsame Nacht – während es draussen gewaltig stürmte.

Parameter 1.Tag:
Tour-Datum: 12. Oktober 2019
Schwierigkeit: T2
Strecke: ca. 12.6 km, Grossscheidegg (1962 m) – P.2006 Alp Scheidegg – Grindel Oberläger – Chalberboden (2016 m) – P.2083 (Furggi) – First (2184 m) – Gummihitta – P.2276 – Bachsee (P.2271) – Burgihitta – P.2436 – Reetihitta – Gassenboden (2552 m) – Faulhorn (2681 m)
Aufstieg: ca. 841 m
Abstieg: ca. 150 m
Laufzeit ohne Pausen: total ca. 3 Std. 30 Min.
Laufzeit mit Pausen: total ca. 4 Std. 55 Min.

2. Tag: Faulhorn 2681 m – Schynige Platte 1967 m
Kurz vor acht Uhr der phänomenale Sonnenaufgang – alleine schon dieser speziellen Stimmung wegen lohnt sich ein Aufenthalt im Berghotel Faulhorn. Nach dem Frühstück der Abschied vom sehr netten Team und erst noch der kurze Aufstieg zum ein paar Meter höherstehenden Gipfel. 360°-Panorama vom Feinsten (siehe Bilder) – grosses Kino. Auch heute erwartet uns ein sonniger Tag. Um halb zehn Uhr starteten wir auf den Weiterweg mit dem Ziel Schynige Platte. Dem kurzen Abstieg folgte der Abzweiger nach Westen. Trotz der anfänglich etwas bedeckten Wetterlage genossen wir den ca. 2.5 km langen Höhenweg. Links die BO-Gipfelprominenz, rechts der Brienzersee und der dahinter verlaufende Brienzergrat – und im Rückblick das markante Faulhorn. Kurz vor der Winteregg (2571 m) wichen wir dieser nördlich aus. Nun folgte ein grösstenteils schneebedeckter Teil, der bei entsprechender Vorsicht gut zu laufen war (wenig Eis, guter Trittschnee). Bald folgte der Abstieg zum Berghaus Männdlenen, welches nach ca. 100 Hm erreicht war und auf einem Übergang steht. Hier Einkehr und zum Kafi der Genuss eines fabelhaft guten Schoggikuchens (fast schon ein grosses Praliné). War der bisherige Verlauf ohne Gegenverkehr, änderte sich dies nun. Auf der (schattigen) Strecke unterhalb der Felswände Indri Sägissa und Ussri Sägissa kamen uns dutzende Wanderlustige entgegen – meist einheimisch grüssend (grüessech). Bei Egg angelangt, dann wieder an der Sonne, war eine etwas steile, aber nicht ausgesetzte Stufe zu bewältigen. Hier nutzten wir eine besonders ruhige und aussichtsreiche Stelle für eine Rast. Nun folgte ein leichter Abstieg zum Güwtürli (2028 m), dann auf etwa gleichbleibender Höhe die Umrundung des Loucherhorn (2231 m). Anschliessend wenig exponiert in Richtung N und einige Meter aufsteigend zum Louchera Grätli (2020 m). Grandios der Ausblick auf Brienzer- und Thunersee und die nahen voralpinen Höhen (Augstmatthorn, usw.). Jetzt noch die kurze, laut Wegweiser 40 Min. dauernde Strecke bis zum Tagesziel. Der Wanderweg wurde breiter, schliesslich näherten wir uns einem der berühmten BO-Wanderziele. Nach kurzem Wiederaufstieg erreichten wir die Bergstation Schynige Platte. Gerade rechtzeitig, um in einen bereitstehenden (musealen) Zug mit offenen Wagen einzusteigen und eine eindrückliche Talfahrt nach Wilderswil hinunter zu erleben (Abfahrt 14:21 Uhr).

Parameter 2. Tag:
Tour-Datum: 13. Oktober 2019
Schwierigkeit: T2 (wenige Abschnitte T3 Faulhorn bis Berghaus Männdlenen)
Strecke: ca. 12.2 km, Faulhorn (2681 m) – P.2567 – P.2522 – P.2521 – P.2503 – Berghaus Männdlenen (2344 m) – Gotthard P.2276 – P.2213 – Egg P.2126 – P.2066 – Güwtürli (2028 m) – Lauchera Grätli (2029 m) – Oberberg – Schynige Platte (Bergstation, 1967 m)
Aufstieg: insgesamt ca. 223 m
Abstieg: insgesamt ca. 938 m
Laufzeit ohne Pausen: total ca. 3 Std. 25 Min.
Laufzeit mit Pausen: total ca. 4 Std. 25 Min.

Fazit:
Eine mässig fordernde, genussvolle Zweitagestour – ein Muss im Leben eines Bergwanderers…

Wetterverhältnisse:
An beiden Tagen mit ziemlich sonnigem Herbstwanderwetter (Tagestiefsttemperaturen 6 bis 8°, Tageshöchsttemperaturen bis 14°, mässig störender Wind aus W/SW (bis 40 km/h).

Hilfsmittel:
Feste Wanderschuhe, Stöcke; Kartenmaterial, GPS-Maschine

Gratwanderung am Heinzenberg

Wieder einmal durften wir ein paar Tage bei Manuela und Thomas im schönen Domleschg verbringen. Vom «Armenhaus» in Paspels ist der Ausblick zum Piz Beverin einfach besonders schön – zu jeder Tageszeit! Für heute ausser Reichweite, Schnee ab ca. 2300 m.ü.M.; aber die Gräte am Heinzenberg bieten auch sehr viel, vor allem endlose Aussicht in allen Himmelsrichtungen. Mit dem Postauto ab Paspels über Thusis hoch bis zum Glaspass, den wir kurz nach zehn Uhr erreichten. Mit uns viele Gleichgesinnte, welche hoffentlich nicht alle die gleiche Strecke laufen wollten. Gleich hinter dem Berggasthaus Beverin (heute Dienstag geschlossen) der Aufstieg zum ersten Höhepunkt, dem 280 m höher liegenden Glaser Grat – nicht besonders steil, gerade richtig um bei etwa 6° auf die richtige Betriebstemperatur zukommen. Jedenfalls entledigten wir uns bald der äussersten Schicht. Zwar schien die Sonne freundlich, im Gebiet östlich des Domleschg waren aber regnerische Ausläufer zu beobachten. Diese würden uns heute nichts anhaben können, weil die Südwestwinde dafür sorgten. Auf dem Glaser Grat angekommen, öffnete sich der Tiefblick ins uns bereits vertraute Safiental und den westlich gelegenen Bergen (Güner Horn 2851 m, Piz Signina 2848 m, Fiz Fess 2881), welche bereits weiss überzuckert waren. Ein wunderbarer Regenbogen über dem Güner Lückli brachte zusätzlich Farbe. Jetzt folgte der leichte Abstieg zum Punkt 1989, wo Manuela wieder zu uns stiess; sie hatte den Grat gemiedenundwanderte mit Hüttenhund Miro über die Bruchalp via ehem. Lüschersee. Hier entschieden wir, die Lüschalp zu queren (den Lüschgrat also auszulassen). Auf der bereits geschlossenen Alp Lüsch (1974 m), dort wo sich im Winter Skihäsli und Skihasen in der «Lüsch Älpli Bar» treffen, wanderten wir auf der Alpstrasse die Höhe haltend zum Bischolpass (1999 m). Einige Schritte vorher der betörende Blick über die Pascuminerseelein hinweg zum im Osten verlaufenden Grat mit den Gipfeln Fulhorn, Fulenberg, Stätzer Horn, und in der hinteren Reihe Parpaner Rothorn, Aroser Rothorn, Lenzer Horn und Piz Linard. Vorbei am geschlossenen Sommerbeizli «Hermisch Hüschi» hielten wir beim Punkt 2018 rechts in Richtung Parsiras. Links führte ein Pfad auf den Tguma (2163 m). Etwas oberhalb Parsiras nutzten wir die Gelegenheit, auf einer voll besonnten Bankniederlassung vor einer kleinen Hütte zu rasten. Manuela’s Menü schmeckte ausgezeichnet; zum Dessert gab’s sogar Schoggi. Und dann passierte etwas Ver-rücktes: mitten auf der Alp lockere Gymnastik-Übungen: dehnen, Liegestützen, Hampelmänner-Hüpfen bis (fast) zum Umfallen. Und alles im Video festgehalten (und temporär zur Schau gestellt). «Herrliche» Social Media-Welt – und Hüttenhund Miro schaute dem Treiben leicht verwirrt zu. Ein Glück nur, dass wir nicht beobachtet wurden; um eventuell aufdringlichen Fans auszuweichen, mieden wir den Weiterweg über den WW nach Parsiras – also die Höhe haltend, ab durch die Heidelbeeren, für zwei km weglos über die Alp da Sarn, ab und zu mal ein Kuhweglein nutzend, aber sonst ziemlich Tundra-mässig – herrlich! Nach diesem Intermezzo erreichten wir bei Punkt 1948 eine weitere Alp. Hier führen zwei Pfade hoch zum Grat; wir entschieden uns für den Aufstieg zur Präzer Höhi. Auf halber Strecke wählten unsere (vielleicht doch etwas entkräfteten?) Girls, begleitet von Miro, den direkten Weg hinunter zur Präzer Alp. Wir zwei Oberturner «spurteten» hoch zum Grat, wo wir auf weitere Gratwanderer trafen. Jetzt noch 40 Hm bis zum Gipfelchen mit Kreuz. Toll der Ausblick ins Tal der Rabiusa hinunter und zur Rheinschlucht hinüber. Jetzt folgte der Abstieg auf dem Grätchen, teilweise schmal, aber nie ausgesetzt. Nach einem Km (kurz vor P.1981) eine Haarnadelkurve nach rechts, und nach weiteren 600 m über die Alp Gronda hinunter war die Präzer Alp erreicht. Wiedervereinigt machten wir uns auf die 550 Hm Abstieg in Richtung Präz. Diese 4.5 km hatten es in sich, nicht allein der Hm wegen. Erst verlief die gut markierte Strecke nach N über Ruegnas, dann nach einer Richtungsänderung nach Prau da l’Alp hinunter. Die Alpstrasse überquerend in Serpentinen vorbei an einigen schön hergerichteten Maiensässen hinunter bis Saloms. Hier in einem weiten Bogen nach S ausholend bis Pranzolas. Kurz vor dem Tignezer Tobel die bekannte Warnung vor Muttertieren. Am Durchgang wurden wir bereits erwartet von einigen gwundrigen Jungtieren (ohne Mütter). Den leicht nervösen Hüttenhund Miro an die kurze Leine, immer bereit ihn loszulassen. Die (friedlichen) Tiere wichen zurück, so dass wir vorsichtig und ruhig weiter absteigen konnten. Weiter unten bei Runcaleda nochmals etwas «Action» – ein paar Tiere versammelten sich an einer engen Stelle, die wir aber problemlos umgehen konnten. Nach diesen etwas grenzwertigen Situationen war Prau Sdunon und wenig später das Dörfchen Präz erreicht. Nach insgesamt fast 1300 m Abstieg waren wir froh, ins Tal abfahren zu können. Unterwegs erwartete uns allerdings weitere «Action», weil die Durchfahrt Dalin vollständig gesperrt war (Baustelle, Strassenerneuerung). Aber irgendwie meisterten wir auch diese Herausforderung. Der Rest ist rasch erzählt: leicht ermattet in Paspels angekommen, gings es rasch unter die Duschen; dann folgte die letzte «Herausforderung» des Tages: Nachtessen im Campell in Sils i. D. Die Küche verdient uneingeschränktes Lob (Wild ausschliesslich aus einheimischer Jagd).

Fazit:
Ein von A bis Z genussvoller und äggschenreicher (Wander-)Tag mit Manuela, Thomas und Hüttenhund Mirodanke herzlich und gerne wieder einmal!

Wetterverhältnisse:
Ideales Herbstwanderwetter, anfänglich etwas Bewölkung, zunehmend sonnig, trockene Witterung bei ca. 6 bis 11°, an exponierten Stellen wenig Wind aus SW

Hilfsmittel:
Wanderschuhe, Stöcke, GPS-Maschine

Parameter:
Tourdatum: 8. Oktober 2019
Schwierigkeit: T2
Strecke: 17.1 km, Glaspass (1846 m) – Glaser Grat (2124 m) – Lüsch (1974 m) – Bischolpass (1999 m) – P.2018 (Verzweigung Tguma) – P.1893 (oberhalb Parsiras) – weglos über die Alp da Sarn zu P.1948 – Präzer Höhi (2120 m) – P.2069 – Alp Gronda, Präzer Alp (1883 m) – Ruegnas – Prau da l’Alp (1661 m) – Saloms – Pranzolas – Runcaleda – P.1347 – Prau Sdunon – P.1231 – Präz (Parkplatz und Postautohaltestelle)
Aufstieg: ca. 650 m
Abstieg: ca. -1270 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 6 Std. 20 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 4 Std. 55 Min.
Tageszeit: 10:15 bis 16:35 Uhr

Fläscherberg – Regitzer Spitz 1135 m über die Leitern

Aus der gemeinsamen Piz Beverin-Tour wurde leider nichts wegen des gestrigen Schneefalls. Aber diese (Ersatz-)Tour geht immer! Fast auf den Tag genau vor vier Jahren war es heute wieder einmal angesagt, diese sehr abwechslungsreiche und spannende Tour zu unternehmen – zusammen mit Mägi und Roli. Kurz vor zehn Uhr starteten wir vom Parkplatz am Dorfrand auf einen gemütlichen Spaziergang durch das schöne Weindorf Fläsch. Die Weinlese war in vollem Gang. Heute wählten wir die Strecke unmittelbar unterhalb Ober Wingert – Unter WingertBadguetRheinau, ca. 2.5 km auf geteerter Strasse – halt nicht gerade die ideale Unterlage. Alternativ möglich wäre der Aufstieg ab Unter Wingert durch den Neuwald hoch zum Lidisgang; wir blieben im Tal und wollten unbedingt über die Leitern aufsteigen. Alte Bäume und Sträucher in der Rheinau – welch ein Augen- und Ohrenschmaus in dieser Jahreszeit! 300 m vor P.489 wurden wir weissrotweiss markiert rechts gewiesen (Richtung Mozentobel, Elltal), mit dem Warnschild «Steinschlag». Nach 120 Aufstiegsmetern erreichten wir das enge und beeindruckende Mozentobel. Trotz der gestrigen Niederschläge war das Tobel heute gut zu queren – dort zu verweilen ist aber trotzdem keine gute Idee. Einige Meter oberhalb nochmals der Blick hinunter auf die nicht harmlose Tobelquerung und den darüber ragenden Ellstein. In ein paar Kehren stiegen wir weiter auf, bis das saftiggrüne Elltal erreicht war, begrüsst von vielen Herbstzeitlosen. Diesmal entscheiden wir uns für den kurzen «Umweg» in Richtung Nord durch das Elltal um den von Mäls/Balzers herkommenden Wanderweg zu erreichen. Die Direttissima über die sehr steile Grashalde reizte uns heute nicht (mehr). Über diesen Umweg oben angelangt, war der Hinunterblick noch immer ausreichend spektakulär. Der im Wald verlaufende Pfad, der direkt unter der Felswand der Lida quert, war gut zu begehen. Dort, wo ein vom Neuwald heraufführender Aufstiegspfad erreicht wird, wurden wir auf den Leiterliweg gewiesen. Steiler, felsiger und enger werdend, erreichten wir die bekannte prähistorisch Festungsanlage – die selbstverständlich besichtigt werden musste. Wenige Schritte weiter dann die erste von zwei Leitern, welche über eine fixseilgesicherte Querung erreicht wurde (laut SAC-Führer T4). Bei diesen trockenen Verhältnissen ein ausgesprochenes Vergnügen! Nach einigen nicht ganz trivialen Felstritten (Schwindelfreie sind im Vorteil) dann auch die Nische mit dem Wandbuch, welches geschützt in einer Gamelle bereit lag. Nach dem Eintrag eine weitere fixseil-gesicherte Querung hoch zur zweiten Leiter – ein kurzer, sehr gefälliger, eher leichter Klettersteig, dank dem die ca. 50 m hohe Felsmauer überwunden wird. Beim Ausstieg auf Lida dann der Blick zum Regitzer Spitz (und zur bekannten, sehr schräg stehenden Stütze der Hochspannungsleitung). Die Weidefläche überquerend, erreichten wir ostseitig den Lidisgang, wo der alternative Aufstieg vom Neuwald her mündet. Hier fanden wir am Eingang einer kleinen Höhle eine windgeschützte Stelle, um zu rasten. Diesmal strebten wir die Guschaspitze (1103 m) im direkten und weglosen, steilen Aufstiegsgelände entlang der Abbruchkante an. Zugegeben: schon etwas grenzwertig, weil rutschig! Die Spitze selbst besuchten wir nicht, weil diese mit Stacheldraht «gesichert» war. Dieser Spitz verfügt bestimmt über einen «Innenausbau» – jedenfalls hat es einige Eingänge. Kurzer Abstieg entlang der Abbruchkante, verbunden mit spektakulären Tiefblicken auf die ca. 600 m unter uns liegende Rhein- und Weinlandschaft der Bündner Herrschaft, links das teilweise bewölkte Massiv des Falknis und dessen Nachbargipfeln. Nach einem kurzen Wiederaufstieg war der Regitzer Spitz erreicht. Auf diesem grossen Balkon genossen wir die Windstille, die Sonne (Siesta 🌞 für Mägi) und den formidablen Fern- und Tiefblick. Der Abstieg führte anfänglich über steile Kehren und später zum Fahrweg – welcher wohl der Versorgung der militärischen Anlagen St. Luzisteig dient. Bald war auch die Alp Vorder Ochsenberg erreicht, wo wir die Fahrstrasse nach Süden verliessen. Den steilen Schnielskopf mit der markanten Abbruchstelle liessen wir links stehen; am südlichen Ende der Alp der Einstieg zum steilen Abstieg über das Tirlis-Tobel nach Fläsch (ca. 100 Hm). Der nach einem Felssturz neu angelegte Abstiegsweg weicht dem Felssturzgebiet geschickt aus – der alte und durch einen Felssturz zerstörte Pfad ist gesperrt. Wir erinnerten uns: am 15. Oktober 2013 donnerten ca. 100 Kubikmeter Fels vom Schnielskopf herunter. Die Gesteinsmassen schlugen eine Schneise von rund 80 Metern und rissen viele Bäume mit. Daraufhin wurde der durch das Gebiet führende Wanderweg zerstört und gesperrt. Auch für die neue Wegführung gilt die Warnung vor Steinschlag! In einigen Kurven stehen Bänke an besonders aussichtsreichen Stellen. Alles gut gegangen: im Quartier Plutt, dem obersten Dorfteil von Fläsch, fühlten wir uns wieder sicherer. Ein paar hundert Meter noch bis zum P – doch halt: Einkehr zum uns bekannten Landhaus, welches soeben öffnete. Von den sehr gastfreundlichen Wirtsleuten Theresa und Ignaz bestens bewirtet, genossen wir einen kulinarischen Abschluss unseres heute wirklich gemütlichen Tourentags.

Fazit:
Ein genussvoller Wandertag mit Mägi und Roli war das!

Wetterverhältnisse:
Herrliches Herbstwetter, trockene Witterung bei ca. 08 bis 12°, an exponierten Stellen mässige Bise

Hilfsmittel:
Wanderschuhe, GPS-Maschine

Parameter:
Tourdatum: 03. Oktober 2019
Schwierigkeit: T3 (Leiterli T4)
Strecke: 12 km, Fläsch (Parkplatz am südlichen Ortsrand) – Ortszentrum – Ober Wingert – Unter Wingert – Badguet – Rheinau – Mozentobel – Elltal – Leiterli – Lida – Lidisgang – Guschaspitz – Regitzer Spitz – Vorder Ochsenberg – Türlis – Fläsch
Aufstieg: ca. 770 m
Abstieg: ca. -750 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 7 Std. 40 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std. 50 Min.

Sonntagsrunde im Reiat

Gute Idee von Susanne und Richi: ein herbstlicher Spaziergang in Susannes Heimat – einem Gebiet, das wir kaum kennen. Auf der Fahrt nach Schaffhausen richteten wir uns mental auf eine gemütliche Herbstrunde ein – und auf den Startkafi (mit Ricciarelli senesi) bei Susanne & Richi (danke viiilmol!).

Der Reiat ist eine hügelige Region im Osten des Kantons Schaffhausen. Im historisch engeren Sinne gehören die Dörfer (und ehemaligen Gemeinden) bzw. Ortschaften Altdorf SH, Bibern SH, Büttenhardt, Herblingen, Hofen SH, Lohn SH, Opfertshofen und Stetten SH zum Reiat. Im Laufe der Zeit wurden auch Thayngen, Bargen SH, Barzheim, Dörflingen, Hemmental, Merishausen und die deutsche Exklave Büsingen am Hochrhein zum Reiat gezählt. Durch den Reiat fliessen Biber und Fulach (Quelle Wikipedia).

Kurze Fahrt nach Merishausen (520 m), dem Ausgangspunkt unseres Bummels, wo wir am südlichen Rand des schönen Randen-Dorfs – am Eingang zum Doschdetaal bei P.528 – parkierten. Nach der Unterquerung der Schnellstrasse, welche durch das Merishausertal nach Bargen und dort nach Deutschland führt, bogen wir auf der Fahrstrasse bei P.526 nach links ab ins fast verborgene Gräätedal – zweihundert Meter höher drei mächtige Windturbinen. Ein verborgener Grenzstein markierte, dass wir jetzt nach Deutschland «einmarschierten». Im Beisental der mässige Aufstieg, wo auf einer Höhe von ca. 750 m.ü.M. die erste von drei Turbinen des Windparks Verenafohren stehen. Irgendwie fügen sich die Anlagen gut ein in die bewaldete Umgebung. Eine Schautafel vermittelt interessante Informationen, z. B. Gesamthöhe 199.5 m, Rotordurchmesser 131 m, und die Jahresleistung, welche dem privaten Stromverbrauch von ungefähr 20000 Menschen entspricht. Nach einer kurzen Wegstrecke bogen wir ab in Richtung S um vorbei an P.746.8 in einem grossen Bogen wieder nach N zu laufen. Nach etwa 600 m folgte eine Spitzkehre, gut markiert, in Richtung Verenabuck und später zum Zwischenziel die Grenze D-CH wieder überschreitend, zum Ferienheim (685 m), wo wir kurz vor 14 Uhr eintrafen. Das Ferienheim ist mehr als eine Besenbeiz, wie es die Website etwas untertrieben kommuniziert. Ein sehr sonniges Plätzchen im Garten verleitete uns zu einer laaaaangen und genussvollen Mittagspause. Erst gegen halbfünf(!) konnten wir uns zusammenreissen, um den vor uns liegenden Abstieg anzutreten. Entlang der Landesgrenze in Richtung SW bogen wir beim P.667 im Gmaafäld rechts weg um, weiterhin genau auf der Grenze nach N zu laufen. Dort gibt es sogar zwei parallel verlaufende Wege, einer in Tütschland (genau im Grossherzogtum Baden), der andere in der Schwiiz. Auf der Cholrüüti galt es nach links zu halten zum Jakobsfelse, einem vollständig in der Schweiz und mitten im Wald auf 739 m.ü.M. stehenden Felszäcklein. Das Guggershörnli der Schaffhauser hat ihn einmal Thomas Widmer[D81]  (schon etwas respektlos☺) genannt. Keine Ahnung, wer den Felsen dorthin gestellt hat… Die Treppenleiter hinauf war heute die Schlüsselstelle (mind. T2, immerhin 24 Tritte, wenn ich richtig gezählt habe). Wie auch immer: die Aussicht auf der befestigten Plattform geht bis weit in den Schwarzwald. Die Treppe vorsichtig wieder runter, auf gleichem Weg zurück bis zum Gmaafäld, wo der markierte WW hinunter nach Merishausen führte – immerhin 150 m Höhendifferenz durchs harmlose aber lauschige Chörblitobel – etwas feucht und glitschig. Zurück beim P. 526 schloss sich unsere gemütliche und farbenprächtige Runde.

Fazit:
Ein schöneres Sonntagsvergnügen (🥾🍽😎) können wir uns nicht vorstellen.

Wetterverhältnisse:
Sonnig, mit 23° schon sommerlich, etwas Wind.

Hilfsmittel:
Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 29. September 2019
Schwierigkeiten: T1
Strecke: 10.5 km, Merishausen (520 m) – P.526 – Gräätedal – Beisental – Windpark Verenafohren – P.746.8 – Verenabuck – Ferienheim (685 m) – P.667 Gmaafäld – Cholrüüti – Jakobsfelse (739 m) – Gmaafäld – Chörblitobel – Merishausen
Aufstieg: ca. 350 m
Abstieg: ca. -330 m
Laufzeit ohne Pausen: ca. 2 Std. 25 Min.
Laufzeit mit Pausen: ca. 5 Std. 15 Min.Tageszeit: 12:30 bis 17:45 Uhr


Zwei Tage auf den Spuren der Walser (Val Formazza)

Die Geschichte der Walser fasziniert; auf deren Spuren zu wandern, führte uns vom Tessin über den Griespass in die italienische Region Piemont ins Val Formazza (deutsch: Pomatt). Richi’s Idee und ein von ihm aufbewahrter Zeitungsbeitrag aus dem Jahre 2012 waren die Grundlage für unsere zweitägige Wandertour. Zwar haben wir keine Walser angetroffen, welche noch «Pomatter Titsch» sprechen. Immerhin sind in diesem Tal aber die meisten Örtlichkeiten und Lokale zweisprachig angeschrieben. Grund genug, es im folgenden Bericht auch so zu halten.

1. Tag: Alpe Cruina – Cornotal – Griespass – Val Formazza/Pomatt – Ponte/Zum Schtäg)
Anreise bis Airolo am Vorabend; Übernachtung im Hotel Forni (gegenüber Airolo Stazione). Die Haltestelle Cruina (2035 m) an der Nufenenpassstrasse im Val Bedretto erreichten wir mit dem Postauto ab Airolo Stazione nach 30 Min. Fahrzeit kurz vor neun Uhr. Von dort stiegen wir in 55 Minuten zur auf 2333 m.ü.M stehenden Corno Gr