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Bosco/Gurin: einsame Bergseen-Rundtour

Bosco/Gurin ist das am höchsten gelegene Dorf im Tessin (1500 m) und ausserdem der einzige Ort in der italienischsprachigen Schweiz, wo seit über 600 Jahren ein deutscher Walserdialekt, das Gurinerdeutsch, gesprochen wird. Alleine schon diese Besonderheiten lockte uns, diesen abgeschiedenen Ort im Tessin als Ausgangspunkt für eine Wanderung zu wählen. Gurinerdeutsch geht so: «S Gurijnärtitsch isch dr hegschdalemanisch Dialäkt vù Gurin». Herrlich! Möglich, dass noch einige Einheimische diesen Dialekt sprechen – wir haben vor allem italienisch gehört.

Alleine die Fahrt (lange) durch das Valle Maggia bis Cevio und dann die enge Strasse durch das Valle di Bosco Gurin hoch bis zum Ausgangspunkt unserer heutigen Tour war spektakulär. Am Dorfeingang ein grosser Gratis-Parkplatz, die Zufahrt ins Dorf ist nur Anwohnern gestattet. Bei freundlichem Wetter und erst kurz vor elf Uhr marschierten wir direkt beim Dorfeingang rechts nach N haltend hoch zum Dorfteil Ferder. Nach den letzten Häusern bei P.1547 ein Wanderwegweiser, der uns nach NO wies, über schönes Wiesland über Lussa und Stocka leicht ansteigend. Ab P.1622 verlief die w-r-w-markierte Strecke durch Wald (Fèistana), um ab ca. 1788 m nach NW zu drehen und nahe einer trockenen Rinne stark anzusteigen, bis unterhalb Endra Staful die Baumgrenze erreicht war und die Richtung wieder nach NO drehte. Zeit für eine Trinkpause an der Sonne mit schönem Ausblick ins Valle Maggia und nach Bosco/Gurin und die nahen Berge. Bei der Alphütte Endra Staful (1937 m) wählten wir nicht den wiederum gut ausgeschilderten Direktaufstieg zum Schwarzsee/Lago Melo. Die Hütte auf Üssera Staful (2038 m) im Blickfeld, erreichten wir über einen mit grossen Tritten und folglich steiler werdenden Pfad. Über uns Wolfstafel, eine mit Granitblocks steile übersähte Halde. Wir hielten die Richtung so lange, bis wir unter der mächtigen Wand des namenlosen P.2506 gezwungenermassen nach links (also N) zu halten hatten. Die vielen Markierungen wiesen uns ausgezeichnet und eindeutig über kleinere und grössere Granitplatten; die vorgelagerte Felsrippe, über der wir den ersten der drei Seen, den Üssera See/Lago Pero, vermuteten, wirkte etwas bedrohlich. Und tatsächlich, der See vor uns, und über ihm der Pizzo d’Orsalìa (2664 m, T3) und rechts davon die Lücke namens Bocchetta d’Orsalìa (2443 m, T3). Der wunderschöne kleine Üssera See liegt auf 2395 m – der richtige Platz für eine Verpflegungspause (schliesslich war es kurz vor zwei Uhr). Ab hier hielten wir die Höhe und wanderten auf noch immer vorzüglich markierter Strecke westwärts bis zum Schwarzsee/Lago Melo (2316 m). Über uns der beeindruckende Pizzo d’Orsalìa. Ab hier führte eine Spur zur Endra Staful hinunter. Für uns war es zu früh für einen Abstieg. Also weiter auf dieser Höhe, nun immer ruppiger werdend – ein richtig schönes Granitblock-Labyrinth – zum Glück immer gut sichtbar markiert. Bis zum von weitem sichtbaren Übergang bei Lendar d’Herli hundert Hm Aufstieg. Bald erreichten wir den dritten auf 2420 m liegenden Lendar See. Ein paar Meter weiter war der mit ca. 2440 m höchste Punkt unserer heutigen Tour erreicht. Die ausgedehnte und blockige Route wurde hier enger, zur rechten überragt vom Strahlbann (ca. 2780 m), zur linken der Heij Bärz (2472 m). Zweieinhalb Kilometer vor uns der markante Martschenspitz/Pizzo Stella (2688 m, T3+) flankiert von den Übergängen Bocchetta Foglia (2419 m) zur rechten, und vom Guriner Furggu/Passo del Bosco (2323 m) zur linken. Der vor uns liegende Abstieg hinunter zur Alp Herli (-230 Hm) war fast schon lieblich, wenn auch noch immer recht holprig (hohe Tritte über Blocks). Etwa hundert Meter höher erblickten wir eine Kolonne von Schafen, welche unterhalb der Felsen spektakulär querten. Richtig schön wurde es dann, vom Gebimmel der vielen Ziegen (weisse, braune, schwarze) begrüsst zu werden. Und noch viel mehr: die gwundrigen Tiere kamen uns sehr nahe, wollten halt untersuchen, ob wir etwas Essbares oder zumindest ein paar Streicheleinheiten zu verschenken hatten – letztes hatten wir natürlich! Ein Stück weit begleiteten uns bestimmt dreissig dieser lustigen Tiere, wir hatten schon Bedenken, dass wir sie nicht mehr loswürden. Kurz vor einem Übergang über ein Bergbächli mussten wir sie etwas energisch zur Umkehr überreden – was erfolgreich gelang. Ab hier wäre die Querung bis zur Grossalp (im Winter ein Skigebiet) möglich; die Bahn (für eine Talfahrt) hatte aber geschlossen (geöffnet nur an Wochenenden). Also wählten wir den etwas steileren Direktabstieg über Bann. Unterwegs waren an drei Stellen noch Bäche zu überqueren, das Dorf noch immer 400 Hm unter uns(!). Leicht ermattet erreichten wir die schönen Häuser von Bosco/Gurin – mittlerweile waren wir über sieben Stunden unterwegs. Das hielt uns nicht ab von einem Rundgang durch das wunderschöne Walserdorf, am Schluss dann noch mit Einkehr in der Bar zum verdienten Panaché, die letzten Sonnenstrahlen geniessend. Für die Rückfahrt nach Comano liessen wir uns alle Zeit der Welt – im Valle Maggia fanden wir sogar noch ein hübsches Grotto, wo man uns mit typischen Tessiner Spezialitäten verwöhnte.

Fazit:
Dieser Wanderausflug in eine der abgeschiedensten Gegenden im Tessin hat unsere Erwartungen übertroffen. Im Gegensatz zur gestrigen Tour trafen wir heute auf der gesamten Strecke keine einzige Menschenseele…

Wetterverhältnisse:
Freundlich/sonnig, zwischendurch bewölkt, angenehm warm, ca. 13 bis 20°, windstill.

Hilfsmittel:
Feste Wanderschuhe, Stöcke, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 6. September 2017
Schwierigkeit: T3
Strecke: 11.2 km
Aufstieg: ca. 1051 m
Abstieg: insgesamt ca. 1056 m
Laufzeit ohne Pausen: ca. 5 Std. 10 Min.
Laufzeit mit Pausen: ca. 7 Std. 20 Min.

Kamera:
Sony DSC-HX90V

Monte Tamaro – Monte Lema: die klassische Gipfelwanderung im Tessin

Ab unserem Standort Comano ist Rivera in 10 Fahrminuten erreicht. Mit der Gondelbahn in ein paar Minuten hoch zur Alpe Foppa, so elegant sind die ersten tausend Höhenmeter überwunden. Auf der Alpe lohnt sich der Besuch der berühmten Kirche Santa Maria degli Angeli – berühmt deshalb, weil ein Werk des Stararchitekten Mario Botta. Die weiteren Anziehungspunkte wie der Erlebnispark verdienen den Besucherzustrom längst nicht. Der Monte Tamaro ist von der Alpe aus nicht zu sehen; einige gehen fehl in der Annahme, dass die riesige Antennenanlage der Gipfel sei – der trägt den Namen Manera.

Wir starteten kurz vor zehn Uhr und bei bestem Wetter – so wie es sich für unseren Hochzeitstag gehört. Bis zum Manera sind es ca. 300 Aufstiegsmeter resp. eine Strecke von 2.5 km. In knapp 40 Minuten waren wir oben. Vorbei an der Antennenanlage ging es zur 200 m weiter vorne stehenden Cap. Tamaro. Gelegenheit für eine erste Trinkpause – offensichtlich sind mehrere Schulklassen auf Schülerreise, also rasch weiter in Richtung Monte Tamaro, der sich jetzt vor uns zeigte. Vorbei am Gipfelchen Motto Rotondo (1928 m) der kurze Abstieg zum P.1842, von wo ein Weg unterhalb des Monte Tamaro direkt zur Bassa di Indemini führen würde – wir machten den Gipfel, ein durchaus respektabler Grataufstieg von 120 m Höhendifferenz über eine Strecke von 500 m. Auf dem Monte Tamaro (1962 m) dann ein veritabler Volksauflauf, mindestens 30 Jugendliche (aus der Ostschweiz) auf Reise; einige fanden «Fuck Wandern, Luzern als Schulreiseziel hätte besser gefallen». Wir machten eine sehr kurze Trinkpause, um den Weiterweg nicht im Rudel verbringen zu müssen. Es folgte der etwas ruppige Abstieg zur Bassa di Indemini (1723 m) und der Weiterweg zur Bassa di Montoia (1764 m) – hier wieder eine Gruppe Jugendlicher, voll ausgerüstet mit Begleitmusik (sog. Volume Booster, oder ähnlich😊 – eine Frage an dieser Stelle: heisst Volume vielleicht VOLL UME??). Die Musik nicht ganz nach unserem Geschmack; immerhin und zu unserem Glück liessen sie nicht Nella Martinettis «Bionda, bella bionda» oder «Aprite le porte» laufen… Wir zogen vorbei und entschieden uns unmittelbar danach für den direkten Aufstieg zum Monte Gradiccioli (1936 m) – steil aber lohnend und auf dem Gipfel niemand (ausser einem Amateurfunker). Die Musikkapelle umwanderte den Gipfel über die etwas einfachere Strecke. Am Monte Pola (1742 m) vorbei – wir befanden uns schon im Abstieg und fast schon im Stau – weiter bis zum Passo d’Agario. Immer wunderschön aussichtsreich, zur linken der Lago di Lugano, zur rechten der Lago Maggiore, direkt unter uns das italienische Val Veddasca mit den vielen Bergdörfern, und in 80 km Luftlinie das Monte Rosa-Massiv, sogar s’Horu war zu sehen. Kurz vor dem Minigipfel Poncione di Breno wurde das Gelände etwas anforderungsreicher, fast schon einem einfachen Klettersteig ähnlich. Bei P.1602 nahe Piano del Poncione kamen wir der Landesgrenze I-CH recht nahe. Jetzt noch etwa 130 Hm Abstieg zur Forc. d’Arasio/Sparavera, wo ein schmucker Brunnen Wasser spendete – zum Glück für uns erreichten wir die Tankstelle vor dem Rudel. So gestärkt machten wir uns auf den Wiederaufstieg zum 80 m höherstehenden Monte Lema (1550 m) – natürlich wurden wir hemmungslos überspurtet. Sofort zur Bahn für die Talfahrt nach Miglieglia (706 m) hinunter – diese fährt im Normalbetrieb alle 30 Minuten (Kapazität 45 P.). Unten hatten wir ausreichend Zeit für den Schlusspunkt nach unserem Gusto (Panaché). Die gemütliche Non Stop-Rückfahrt mit dem Postauto-Sonderkurs um 17:15 Uhr über Vezio – Arosio – Gravesano – Taverne – Mezzovico – Rivera (ca. 45 Minuten).

Fazit:
Der Bericht soll nicht den Eindruck erwecken, dass wir vor den vielen Gleichgesinnten flüchteten. Dass sich bei solchen Wetterverhältnisse viele auf diese populäre Gipfeltour aufmachten, geht absolut in Ordnung. Und das Angebot für das Rundreiseticket für 33 Franken (Halbtax) mit Bergfahrt Rivera-Alpe Foppa, Talfahrt Monte Lema-Miglieglia und Postauto-Rückfahrt nach Rivera ist schlicht sensationell. Gut erholt erreichten wir am frühen Abend wieder Comano, gerade rechtzeitig, um uns frisch zu machen für das Jubiläumsdinner im nahen Grotto della Salute… Und: morgen gehts nach Bosco/Gurin!

Wetterverhältnisse:
Sehr sonnig, herbstlich warm, ca. 20 bis 25°, windstill, sehr gute Fernsicht.

Hilfsmittel:
Feste Wanderschuhe, Stöcke, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 5. September 2017
Schwierigkeit: T3
Strecke: 13.5 km
Aufstieg: ca. 941 m
Abstieg: insgesamt ca. 915 m
Laufzeit ohne Pausen: ca. 4 Std. 35 Min.
Laufzeit mit Pausen: ca. 5 Std. 55 Min.

Kamera:
Sony DSC-HX90V

Bergseeschijen 2819 m

Heute wird ein Bergtag erster Güte! Also lösten wir uns spontan von den Hausaufgaben (zurzeit Einbau einer neuen Heizung in unserem Haus). Gelohnt hat es sich! Und so viel sei im Voraus geschrieben: heute absolvierten wir ein volles Fitness-Programm mit Disziplinen wie Seilhangeln, Armzügen, Blockturnen… Und noch etwas: auf Bergtouren dieser Art sind unsere Leistungsgrenzen wohl erreicht.

Nach anderthalb Stunden Fahrt hoch zur Göscheneralp genossen wir den Startkafi auf der Sonnenterrasse im Berggasthaus Dammagletscher, welches direkt unterhalb der Staumauer des Göscheneralpsees liegt. Bei bestem Wetter begannen wir beim mit vielen Wandertafeln ausgeschilderten Einstiegspunkt beim Berggasthaus. Auf dem schön angelegten Wanderweg sind auf dem ersten Kilometer etwa 150 Hm aufzusteigen. Vorbei an gletscher-geschliffenen Mammutfelsen erreichten wir auf der Brätschenfluh ein wunderschönes Moorgebiet mit Sitzplätzen und einem kleinen Seelein. Hier verzweigen sich die Wege; wir hielten rechts bis zur bei P.1651 stehenden Alphütte (Auf dem Berg). Ab dort war die Bergseehütte SAC (2370 m) schon zu sehen. Der w-r-w-markierte Bergweg verlief nun deutlich steiler, ab etwa 2100 m.ü.M. dann im Zickzack hoch. Beim Wegweiser (es steht auch ein Kreuz dort) auf einer Höhe von ca. 2330 m ginge es links w-r-w markiert zur 250 m westlich stehenden Bergseehütte. Wir hatten noch kein Einkehrbedürfnis, also zogen wir direkt weiter, ab jetzt w-b-w markiert. Die spärlichen Wegspuren verloren sich und bald begann das Blockturnen. Die Bergseeschijenlücke war schon gut zu sehen, aber die knapp 300 Hm bis dorthin hatten es in sich: gut, dass in dieser weglosen Blockmulde viele Markierungen und Steinmänner die Richtung vorgaben. Etwa 100 Hm unter der Lücke dann der Einstieg in die Kletterpartie, eine mit Metallbügeln eingerichtete Stelle (die erste Stufe auf einer Höhe von nahezu zwei Metern). Nach den acht Stufen begann die Querung, gut gesichert mit Fixseilen. Ab und zu war ein bisschen Hangeln angesagt, weil die Tritte nicht immer der Körpergrösse angepasst waren. Bis zur Lücke wurden wir also auch im Oberkörper gefordert. Auf der nicht gerade geräumigen Lücke ein weiterer Wegweiser, wir hielten direkt links um den teilweise sichtbaren Gipfel in Gratnähe zu besteigen. Auch hier das reine Blockvergnügen, wo Trittsicherheit (und Trockenheit!) gefordert sind! Etwa hundert Hm unterhalb des Gipfels dann die Schlüsselstelle, welche mit Fixseilen eingerichtet ist. Auf dieser Partie waren etwa 70 Hm zu überwinden –  nach unserer Auffassung ein nicht ganz trivialer Bergwanderweg, bestimmt annähernd T5, jedoch nicht ausgesetzt. Nach diesen Turnübungen mussten wir den für uns günstigsten Aufstieg über die teilweise steilen, aber griffigen Granitblocks suchen. Endlich oben, das Gipfelkreuz über uns – welche Freude, und alleine für uns! Bei angenehmen (geschätzten) 16° genossen wir die Gipfelrast und das wieder einmal phänomenale Gipfelpano ausgiebig.

Gestärkt und mit etwas Unbehagen machten wir uns auf den Abstieg. Bis zur Lücke hinunter einigermassen unproblematisch – von oben waren die w-b-w-Markierungen deutlicher zu erkennen. Auf der Bergseeschijenlücke trafen wir dann einige Bergsteiger, die durch die Südwand aufgestiegen sind (4+ Französische Skala). Der Abstieg auf der uns bereits vom Aufstieg bekannten Klettersteig-ähnlichen Route gelang uns gut. Dennoch waren wir froh, und auch etwas entkräftet, unten angekommen zu sein; jedenfalls bewegten wir uns (vor allem Ruedi) bestimmt im anaeroben Bereich. Vor uns der weitere Abstieg durch die Blocks, für uns ermattete Berggänger war also Vorsicht angesagt – stolpern könnte fatale Folgen haben. Bei der Verzweigung zur Hütte angekommen, verzichteten wir auf einen Besuch der bestimmt hübsch gelegenen Bergseehütte, denn am Dammastock zogen graue Wolken auf. Unterwegs zur Alphütte hinunter erreichte uns dann ein kurzer und harmloser Schauer, der aber Minuten später wieder vom Sonnenschein abgelöst wurde. Der weitere Abstieg bis zum Berggasthaus Dammagletscher ging dann etwas rascher, nicht zuletzt in Erwartung eines Panachés.

Fazit:
Ein rundum sehr gelungener und erfolgreicher Gipfeltag war das! Und etwas mehr als sonst geschafft waren wir obendrein, aber glücklich und gesund zurück. Danke Markus (hikr-User Makubu), der uns mit seinem Bericht die Idee für unsere Tour lieferte.

Wetterverhältnisse:
Sehr sonnig, wolkenlos und angenehm warm, ca. 15 bis 25°, windstill. Gebührenpflichtiger grosser Parkplatz (Fr. 8.00/Tag).

Hilfsmittel:
Feste Wanderschuhe, Stöcke, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 24. August 2017
Schwierigkeit: T4-5, Kletterstellen I-II
Strecke: 9.8 km
Aufstieg: ca. 1100 m
Abstieg: insgesamt ca. 1100 m
Laufzeit ohne Pausen: ca. 5 Std.
Laufzeit mit Pausen: ca. 7 Std. 30 Min.
Anzahl Schritte: ca. 18000
Verbrauch Kalorien: ca. 3500 (Ruedi)

Kamera:
Sony DSC-HX90V

Passo del Balniscio – Valle Febbraro – Isola – Val del Cardinello

Nachdem wir bereits vor zwei Wochen Wetterglück hatten, waren wir auch diesmal guter Hoffnung – und gelohnt hat es sich! Seit unserer ViaSpluga-Tour im Juni 2014 wollten wir mal von Pian San Giacomo den Passo del Balniscio überschreiten und nach Isola wandern. Nach dem Regen und dem Schneefall der letzten Tage hofften wir, auf ca. 2350 m.ü.M. nicht winterliche Verhältnisse anzutreffen. Wir lagen richtig, denn dank der Nordföhnlage war das Wetter im oberen Teil des Valle Mesolcina freundlicher. Nur der sehr starke Wind (Böen bis 90 Km/h) sollte uns beschäftigen. Am Abend zuvor nach Splügen angereist und dort übernachtet, reisten wir mit dem Postauto durch den Bernardinotunnel nach Pian San Giacomo – unserem Ausgangspunkt.

Erster Tag (Pian San Giacomo 1170 m – Ghifa 1234 m – P.1310 – Bosch de Brusei P. 1773 – Alp de Balnisc 2065 m – P.2179 – Grenze CH-Italia – Pozzzetto della Seraglia 2293 m – Passo del Balniscio 2353 m – Laghetto del Mot – Lago Grande 2303 m – Alpe Borghetto 1897 m – Valle Febbraro – Ca Raseri 1488 m – Isola 1268 m)
Nach dem Startkafi in Pian San Giacomo unterquerten wir die A13 um zum Dorfteil Ghifa aufzusteigen. Nach drei Kehren erreichten wir die A13 wieder, um an der grossen Kurve vorbei parallel zur Autostrasse (noch) auf asphaltierter Strasse zu laufen. Nach wenigen hundert Metern bei P.1310 wurden wir vom Wanderwegweiser (w-r-w Richtung Passo del Balniscio, 3.25 Std., bis Isola 5.50 Std.) in Richtung NO in den waldigen Aufstieg gewiesen. Nun folgte ein ca. 2 km langer, sehr steiler Aufstieg – wenigstens waren wir im Wald einigermassen windgeschützt. Bei
P. 1773 eine Lichtung im Bosch de Brusei, das Rauschen des Ri de Seda wurde immer deutlicher. Wir waren richtig gespannt, wie der tosende Bach zu überqueren war; aber da war ein guter Holzsteg – wegen der Nässe war etwas Vorsicht geboten. Viel Wasser! Nun galt es weiter nach N auszuholen, um dann unter den steilen Felsen (Ciancan de Balnisc) in Richtung O zu halten, noch immer steil, ab und zu eine dieser spärlichen Markierungen. Fast schon plötzlich standen wir auf der Alp de Balnisc (2065 m), wo wir den heute ersten Berggängern – zwei Jäger – begegneten. Irgendwo und irgendwann war dieser viel Wasser führende Bach zu überqueren – Markierungen (auf der anderen Seite) halfen nicht, eine ideale Stelle zu finden. Nach einigem Hin und Her fassten wir Mut und turnten über die im reissenden Bach liegenden Steine – nochmals gut gegangen, ohne nasse Füsse… Der «Weg» durch die folgende Steilstufe bis zum P.2179 war einigermassen gut markiert. Jetzt war an einigen Stellen etwas Klettern angesagt (I-II). Hier auch die Begegnung mit einer entgegenkommenden Wanderin («es ist nicht mehr weit»). Kurz vor Pozzetto della Seraglia (2293 m) erreichten wir den Grenzstein Nr. 15, was uns Sicherheit gab, auf dem richtigen Weg zu sein. Wir hatten schon das (täuschende) Gefühl, viel länger unterwegs zu sein, als die doch sehr sportlichen Zeitvorgaben zu Beginn markierten. Mittlerweile wurde die Wetterlage freundlicher, einige Sonnenstrahlen wärmten, aber der starke Nordwind blies uns oft fast weg. Die sumpfige, aber wunderschöne Ebene Pozzetto della Seraglia umliefen wir nördlich und etwas erhöht, ca. 900 m vor uns der Passo im Blickfeld. Zeit für eine ausgiebige Mittagsrast an einer windgeschützten Stelle. Eine Pause auf dem höchsten Punkt, dem bestimmt windexponierten Pass, wollten wir meiden. Der Weiterweg war noch immer weglos – ab und zu waren ein paar Trittspuren und Steinmännchen zu erkennen. Im Aufstieg zum Pass liessen wir uns von der logischen topografischen Linie leiten. Auf dem Passo del Balniscio (2353 m) dann eine ziemlich heruntergekommene Markierung mit schlecht lesbaren Hinweisen – kein Problem, wir kannten ja die Richtung. Links der Piz Bianch (3037 m) und der Piz di Ros (3018 m), zur rechten die Cima di Balniscio (2810 m) und die Cima de Barna (2861 m), die Gipfel überzuckert. Die Sonne liess uns den starken Wind fast schon vergessen. Vor uns der Blick nach Madesimo und zum Pizzo Groppera hinüber, dieser auch im winterlichen Kleid. Vor uns der kristallklare Laghetto del Mot und eine Geländestufe tiefer der Lago Grande (2303 m). Erst hier unten trafen wir heute auf etwas Leben, ein paar Fischer, zwei biwakierende Bergwanderer, weidende Kühe und Ziegen. Auf mehr schlecht als recht markiertem, teilweise sumpfigem Gelände erreichten wir nach etwa 2.7 km und 400 Abstiegsmetern die Alphütten von Borghetto – hier ziemlich viele Leute, die gerade ein Alpfest beendeten – die meisten mit ihren SUV’s hochgefahren. Nach der Alp dann Richtungswechsel (S) – vor uns der steile und ruppige Abstieg von ca. 330 Hm zum Bach hinunter, der das Val Febbraro durchfliesst. Der Weiterweg hinunter bis Isola dann schon fast erholsames Auslaufen – aber dann zum Abschluss doch noch die ca. 200 Hm Abstieg nach Isola hinunter. Um halb sechs eintreffend wurden wir vom schönen Glockengeläut der Kirche von Isola empfangen – zum Abschluss eines langen, achtstündigen Wandertags. In der Locanda Cardinello angekommen, empfing uns Martino sehr herzlich. Nach dem Check-in etwas Kühles, dann eine erholsame Dusche, und der anschliessende Treff mit anderen ViaSpluga-Wanderern beim von Gastgeber Martino offerierten Apéro im Keller der ehemaligen Säumerstation – wo viel Wissenswertes über die Säumerei zu erfahren war. Das folgende Abendessen war quasi der Höhepunkt des Tages, vor allem die sagenhaften Primi (Pizzoccheri alla valtellina und alla Chiavennese – die weltbesten!). Vom langen Tag (und Nachtessen…) etwas ermattet, genossen wir die erholsame Nachtruhe in einem der sorgfältig erneuerten Zimmer in diesem historischen Haus.

Zweiter Tag (Isola 1268 m – Mottaletta – Rasdeglia 1501 m – Alpe Soste 1544 m – Val Cardinello – Staumauer Lago di Monte Spluga –
P. 1905 – Montespluga 1905 m)
Traumwetter heute! Start um neun Uhr, vorbei an der Kirche verliessen wir das kleine Isola, in Richtung N. Erst auf geteerter Fahrstrasse, ab Mottaletta dann auf gutem Wanderweg. Nach kurzer Zeit war auch der schöne Weiler Rasdeglia erreicht, von wo es dann weiter über Weiden leicht ansteigend bis zur Alpe Soste (1544 m) ging. Jetzt befanden wir uns am Eingang des engen Val del Cardinello, welches nach Osten und später für knapp anderthalb Kilometer als berühmt-berüchtigte Cardinello-Schlucht über ca. 300 Steigungsmeter verläuft und bei der Staumauer des Lago di Monte Spluga endet. Über diesen ursprünglich bis zu 2.5 m breiten, nicht ungefährlichen Säumerpfad erfolgte um 1700 der Warenverkehr mit Pferdewagen, angeblich frequentiert von mehreren zehntausend Säumern pro Jahr. Historische Bedeutung erlangte der felsige Schluchtweg, als am 6. Dezember 1800 fünfzehntausend Soldaten der «Armée des Grisons» (Armee von Graubünden) des napoleonischen Marschalls Jacques MacDonald den Splügenpass über- und diese Cardinello-Schlucht durchquerten, um in Isola zu nächtigen. MacDonald wohnte angeblich in der damaligen Poststation, der heutigen Locanda Cardinello. Heute ist dieser instandgesetzte Schluchtweg Teil der ViaSpluga, und nicht wenige Bergwanderer bekommen auch heute noch weiche Knie (vor allem auch unter dem Eindruck der vielen abenteuerlichen Geschichten). Wer einigermassen trittsicher ist und nicht gerade unter Vertigo leidet, wird auf dem zugegebenermassen abenteuerlichen Schluchtweg kaum besonders gefährdet sein. Heute trafen wir wenige Wanderer, allesamt absteigend. Biker waren keine zu sehen, deren Spuren aber schon (wo sind sie geblieben?). Fast oben, unterhalb der Staumauer, dann etwas mehr Bewegung (Autofahrer, von der nahen Passstrasse auf einem kurzem «Wanderausflug» unterwegs. Und ein sympathisches Empfangskomitee: gwundrige Geissen! Wir wählten den Weg über die Talsperre, wo es einen aussichtsreichen Punkt gibt, um zu pausieren und den Volksauflauf zu beobachten. Nach der Rast umliefen wir vom südlichen Ende des Stausees den aufragenden Monte Cardine (2467 m), immer dem See entlang. Der Pfad verläuft gutmütig über blockigen Fels und immer auf gleicher Höhe, etwa 20 Hm über dem Wasser. Zum Schluss dann eine Kehre ins Val Loga hinein, um die Brücke über den Bergbach zu erreichen; dann vorbei an einigen Spaziergängern bis ins Zentrum des wie wohl immer sonntags lärmgeplagten Montespluga. In einem der Strassenbeizli genossen wir das verdiente Mittagessen – eine sehr angenehme Art, den Bus nach Splügen abzuwarten.

Fazit:
Innerhalb von vierzehn Tagen eine weitere zweitätige Grenztour
I-CH in einer am ersten Tag sehr abgelegenen und unbekannten Landschaft, am zweiten Tag auf der ViaSpluga die Cardinello-Schlucht hinauf – spektakulär!

Wetterverhältnisse:
Am ersten Tag anfänglich bedeckt, im Tagesverlauf zunehmend freundlich/sonnig, ca. 7 bis 12°, sehr starker Nordwind, am zweiten Tag sonnig, wolkenlos, ca. 15 bis 21°, im Lauf des Tages zunehmend bedeckt, ohne Niederschlag.

Hilfsmittel:
Feste Wanderschuhe, Stöcke; Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 12./13. August 2017
Schwierigkeit: T3 (am 1. Tag stellenweise Kletterei I, Cardinello-Schlucht am 2. Tag maximal T3)
Strecke: total 26.1 km, davon am 1. Tag 16 km ab Pian San Giacomo bis Isola, am 2. Tag 9.1 km Isola – Montespluga.
Aufstieg: insgesamt ca. 2037m
Abstieg: insgesamt ca. 1273 m
Laufzeit ohne Pausen:
total ca. 9 Std. (1. Tag: 5 Std. 45 Min, 2. Tag: 3 Std. 15 Min.)
Laufzeit mit Pausen:
total ca. 12 Std. 15 Min. (1. Tag: 8 Std., 2. Tag: 4 Std. 15 Min.)

Kamera:
Sony DSC-HX90V

Federispitz 1864 m via Plättlispitz 1763 m

Das für heute angesagte Zwischenhoch wollten wir nutzen – mit einer Tagestour in unserer Nähe. Und der Federi stand schon lange auf unserer Projektliste…

Nach kurzer Fahrt bis Weesen ist die etwas versteckt am Ortseingang gelegene Höfenstrasse nicht ganz einfach zu finden, auf dieser dann ca. 3.5 km hochfahren, um so 330 Hm zu gewinnen (nicht markierter Abstellplatz kurz vor Tutz, Platz für ca. 4-5 Fahrzeuge). Ab hier dann bei der WW-Markierung (Federispitz) folgend auf dem im Wald aufsteigenden (noch sehr nassen!) Nagelfluh-gespickten Pfad. Unterhalb des Hofs Kapuzberg dann ein kurzer Abschnitt auf der Strasse, dann bereits wieder WW-markiert rechts haltend hoch, erst über Weideland, wo uns gwundrige, weisse Geissen begrüssten. Weil sich unsere Blicke auf dem folgenden Abschnitt (im Wald) konsequent auf den holprig-glitschigen Pfad hielten, bemerkten wir die deutlich markierte Abzweigung bei P. 923 nicht. Erst unterhalb des Hofes Vorder Gmeindsberg bestätigte ein Blick auf das mit LK ausgestattete GPS-Gerät, dass wir umkehren sollten. Dieser Verhauer war nicht weiter tragisch, weil wir auf dem kurzen Rückweg die Markierung fanden, um so zum Aufstieg in Richtung Unternätenalp zu queren. Im ersten Abschnitt im Wald ziemlich nass und wegen der Nagelfluh-Unterlage an steilen Stellen nicht gerade das wahre Vergnügen. Nach etwa 800 m Strecke und 150 Hm weiter oben änderte dann die Szene, und wie: freier Blick in den Zigerschlitz und auf den Walensee hinunter, vor uns und bis zur Unternätenalp offensichtlich nicht beweidete, prachtvolle Naturwiesen. Im hohen Gras war der WW nicht immer zu erkennen, was auch für die w-r-w-Markierungen galt. Vorbei an der Unternätenalp, führte der markierte Pfad an einer (vorbildlich angekündigten) Muttertierherde vorbei – gwundrige Bubis, scharf beobachtet von deren Mütter. Kurz vor P.1428 dann eine Frau (die Sennerin von der Unternätenalp, so vermuteten wir), welche uns auf eine grössere Distanz zurief, dass wir nach dem WW-Wegweiser bei P. 1428 das Weidetor passieren sollten, um dann erst rechts haltend in Richtung Plättligrat/Plättlispitz aufzusteigen (geradeaus ginge es direkt zum Federispitz). Der nahende Rotorenlärm eines Rega-Helis liess uns vermuten, weshalb die Sennerin wartete und was wir später leider bestätigt erhielten: ein totes Kälblein musste geborgen werden… Doch der vor uns aufragende Grat zum ersten Gipfel, dem Plättlispitz, brachte Ablenkung und uns die für einen Moment abhanden gekommene Konzentration zurück. Der Aufstieg über das typische Nagelfluhgrätli war – nicht zuletzt dank heute trockener Verhältnisse – unschwierig. Die angelegten Ketten wären wohl für schlechtere Verhältnisse gedacht. Unterhalb des Gipfels dann noch eine steile Grashalde, aber immer auf guten Tritten. Auch wenn die Aussicht vom Plättlispitz bereits betörend schön war, schweifte unser Blick hinüber zum nahen, hundert Meter höheren Federispitz. Die bis dorthin ca. 600 m lange Strecke führte erst wenige Meter hinab über einen kaum auszumachenden, nicht ganz trivialen «Wanderweg». Die Bezeichnung WW ist nicht zutreffend, weil von den bis hier hinauf weidenden Viechern so richtig schön malträtiert. Jedenfalls bot hier der Stockeinsatz unterstützende Sicherheit, über die tiefen und nassen Löcher hinweg zu turnen. Im kurzen Wiederaufstieg auf den Federigrat wurden wir richtiggehend bestaunt von nahe weidenden Rindern. Der kurze Aufstieg über den kaum ausgesetzten Grat bis zum Gipfel war reine Formsache. Oben angekommen, ausser einem Berggänger keine Besucher – herrlich! Der Einzelgänger sanierte die Holzbank – danke für diesen freiwilligen und uneigennützigen Dienst! Jetzt war eine ausgiebige Gipfelrast angesagt – Genuss pur bei guter Fernsicht und 360°-Pano.

Im Abstieg über den Federigrat setzten wir beide Stöcke ein – was sich als sehr nützlich erwies. An wenige Stellen, genau dort wo die Blicke in die Ferne und Tiefe gehen, ist es naturgemäss auch etwas ausgesetzter – aber insgesamt ein gut zu begehender Abschnitt. Nach 160 Hm Abstieg – beim Wegweiser P.1699 – wäre der Abstieg via Ober Federi zur Federihütte, und weiter nach Schänis hinunter möglich. Wir hielten links und stiegen steil ab in Richtung der unter uns liegenden Obernätenalp. Vorbei an schönen Nagelfluh-Türmen erreichten wir die Alp nach zehn Minuten. Ab hier hielten wir links (w-r-w-Wegweiser Weesen). Beim P. 1428 erreichten wir die Stelle, die wir bereits im Aufstieg in Richtung Plättlispitz passierten. Der Pfad verläuft hier hangseits oberhalb Schwamm und Schwanten. Nach etwa 600 m wieder die bekannte Muttertierherde, welche wir in gebührendem Abstand passierten. Auf der Unternätenalp trafen wir dann die Sennerin(!), welche uns beeindruckte. Sogar etwas zu trinken wurde uns angeboten (ist ja offiziell keine Beiz). An diesem einmalig schönen Platz hielten wir es laaaaange aus, nicht zuletzt der sehr netten und kommunikativen Pächterin der Alp wegen. Sie bewirtschaftet die Alp solo (130 Tiere!). Von ihr erfuhren wir auch die Geschichte vom toten Kälblein, welches zwei Tage zuvor von einer Biene (oder eine Wespe) am Hals gestochen worden sei. Das im Juni geborene Tier reagierte allergisch und erstickte wegen Atemnot – die Hilfe der Sennerin kam leider zu spät. Auch solche Erlebnisse gehören offensichtlich zum Alpleben – meinte die aufgestellte Frau. Von ihr erfuhren wir auch, dass die unterhalb gelegene Naturwiese bewusst nicht beweidet werde, weil sie geschützt sei. Toll! Nach dem Abschied der Abstieg auf der bereits bekannten Aufstiegstrecke. Diese letzten zwei Kilometer gingen wir richtig gemütlich an, meist in der nun kräftig einstrahlenden Sonne. Beim Hof Kapuzberg vorbei an den noch immer fröhlich weidenden weissen Geissen. Den letzten Abschnitt zum Ausgangspunkt bei Tutz dann die Kurve auf geteerter Strasse (und nicht über den nassfeuchten WW durch den Wald hinunter).

Fazit:
Wieder einmal waren wir auf fast einsamer Tour und durften ein angesagtes Schönwetter-Fenster nutzen. Senioren mit flexiblem Zeitmanagement, wie wir eben (hihihi…) haben es schön, wenn sie an einem (blauen) Montag in die Berge dürfen…

Wetterverhältnisse:
Sehr sonnig, wolkenlos und sehr warm, ca. 24 bis 27°, in Gipfelnähe wenig störender Wind

Hilfsmittel:
Feste Wanderschuhe, Stöcke, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 7. August 2017
Schwierigkeit: T3
Strecke: 10.2 km ab P. 759 (bei Tutz, oberhalb Weesen) – P. 834 (Kapuzberg) – P.923 (Verzweigung Gmeindsberg, kurz vor der Holzbrücke links halten!) – Unternätenalp (1314 m) – P.1428 (rechts halten >Plättlispitz) – Plättligrat – Plättlispitz (1763 m) – Federispitz (1864 m) – Federigrat – P.1699 – Obernätenalp (1547 m) – Stelli – P.1428 – ab hier Abstieg wie Aufstieg
Aufstieg: ca. 1161 m
Abstieg: insgesamt ca. 1138 m
Laufzeit ohne Pausen: ca. 4 Std. 30 Min.
Laufzeit mit Pausen: ca. 7 Std. (viele laaaaange Genuss-Pausen…)

Kamera:
Sony DSC-HX90V

Zuestoll 2234 m – am Nationalfeiertag 2017

Eigentlich planten wir für heute den Frümsel zu besteigen – einer der uns noch fehlenden Churfirsten (nebst Schibenstoll und Zuestoll). Aus welchen Gründen auch immer entschieden wir uns für den schwierigsten aller Churfirsten, den Zuestoll. Wie sich erst im Abstieg zeigte, war das eine glückliche Entscheidung (siehe Hinweis am Schluss dieses Berichts).

Die ersten 500 Hm legten wir rassig und elegant zurück in der Gondel der Sessel- und Gondelbahn Alt St. Johann-Sellamatt. Bei schönstem 1. Augustwetter marschierten wir gemächlich aufsteigend, begleitet vom Glockenklang des Alpviehs. Auf Zinggen den Sagenweg überquerend, dann in Richtung Hinderlücheren über einen breiten Alpweg. Die eindrücklich steilen Zacken der Churfirsten vor uns, fast schon unnahbar wirkend. Bei der Alphütte stehen gekühlte Getränke und Glacen zur SB bereit (gut zu wissen für den Rückweg!). Über Langlitten und Rügglizimmer etwas steiler und wilder werdend hoch zur Verzweigung Rüggli, von wo es links w-r-w zum Schibenstoll und rechts w-b-w zum Zuestoll hochgeht. Ein paar Schritte, und schon erreichten wir die erste Kletterstelle, ein gut gestufter, aber steiler und felsiger Aufschwung, der auf einer Höhe von ca. 1840 m auf einem Sattel endete. Hier ginge es auf schwach erkennbarer Spur ins Brisital und/oder in Richtung Paliis Nideri (einem anspruchsvollen Übergang, der zur auf der Südseite liegenden Alp Tschingla hinunterführt). Wir hielten weiter in Richtung Zuestoll, steiler werdend durch stark verbuschtes, aber mit guten Tritten versehenes Aufstiegsgelände. Der Gipfel bäumte sich immer mehr auf, das Gipfelkreuz und einzelne Gipfelstürmer waren schon deutlich zu sehen. Doch vor uns noch dieser Grat über eine Art Vorgipfel, den es zu überwinden galt. Hier sind Trittsicherheit und Schwindelfreiheit definitiv gefragt, auch wenn bei Bedarf Fixseile etwas Sicherheit bieten. Nach dem Grat dann ein kurzer Abstieg, um dann über eine steile Grashalde aufzusteigen bis unterhalb des Gipfelaufbaus. Dort nochmals ein paar Kraxelstellen, an den kritischen Stellen mit Fixseilen und Eisentritten gut ausgestattet. Eine letzte Steilstufe und schon standen wir beim Gipfelkreuz. Die vier vor uns angekommenen Berggänger überlassen uns den Gipfel – welch ein phänomenales Panorama! Und eine gute Weitsicht dazu! 1800 m(!) unter uns der (kühle) Walensee. Hier oben hätte ein unkontrollierter Tritt bestimmt fatale Folgen… Wir genossen die Gipfelrast ausgiebig – mit Blick zum Alpstein natürlich, und hinunter zu diesem Grat, wo einige weitere Gipfelstürmer herumturnten.

Im Abstieg vom Gipfel dann unweigerlich der Blick auf den spektakulären Verlauf des Schnüerliweg (T5), welcher von der Stollenfurgge unterhalb der Südwand des Schibenstoll und über der mehr als 400 m tiefer liegenden Alp Tschingla in Richtung Ost zum Valsloch quert. Im weiteren Abstieg über die Grashalde war der Einsatz eines Stocks sehr hilfreich. Die Kletterstelle und den Grat über den bereits erwähnten Vorgipfel kannten wir ja schon. Etwas Konzentration verlangte allerdings der Gegenverkehr auf dem Grat. Nach dem steilen Abstieg zum Sattel auf 1840 m dann die bereits vom Aufstieg vertraute Kletterstelle, welche auch im Abstieg keine besonderen Schwierigkeiten bereitete. Der Weiterweg fast schon gemütlich auslaufend – wenn da nicht das laute Geräusch eines Rega-Helis wäre. Offensichtlich war eine Rettungsaktion im Bereich der Nordflanke des Frümsels (im Breich der Torlochhütte) im Gange. Auf Hinderlücheren genehmigten wir uns dann am SB-Stand Glacen zum Dessert. Die Rettungsaktion am Frümsel noch immer im Gang, liess nichts Gutes vermuten. Irgendwie waren wir froh, jetzt nicht wie ursprünglich geplant, dort drüben sein zu müssen. Der weitere Abstieg zur Sellamatt gemütlich, zum Abschluss gabs ein Panaché und dann noch die luftige Sesselbahntalfahrt.

Fazit:
Eine würdige Bergwanderung auf unseren 5. Churfirstengipfel war das! Vielleicht schaffen wir die beiden noch ausstehenden in diesem Sommer/Herbst…

Hinweis zum Unfall am Frümsel:
Wie wir am Abend aus dem Netz erfahren haben, ist es zu einem tödlichen Bergunfall gekommen. Ein 58-jähriger Schweizer kam zu Fall und stürzte ab. Die Rettungsflugwacht konnte ihn nur noch tot bergen. Das im Kanton Zürich wohnhafte Ehepaar stieg vom Frümsel ab. Im oberen Teil des Abstiegs kam der Mann zu Fall. Er rutschte über eine Grasflanke und stürzte anschliessend über ein Felsband ab. Er wurde dabei so schwer verletzt, dass er nur noch tot geborgen werden konnte. An dieser Stelle unser herzliches Beileid an die uns nicht bekannten Angehörigen.

Wetterverhältnisse:
Sehr sonnig und heiss, ca. 24 bis 28°, teilweise starker, böiger Wind im Aufstieg

Hilfsmittel:
Feste Wanderschuhe, Stöcke, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 1. August 2017
Schwierigkeit: T4, I. Grad
Strecke: 8.8 km ab Sellamatt 1389 m – Zinggen – Hinderlücheren – Langlitten – Rügglizimmer – Rüggli 1740 m (Verzweigung) – Zuestoll (2234 m)
Aufstieg: ca. 870 m
Abstieg: insgesamt ca. 863 m
Laufzeit ohne Pausen: ca. 3 Std. 30 Min.
Laufzeit mit Pausen: ca. 5 Std. 50 Min.

Kamera:
Sony DSC-HX90V

Val Ferrera – Pass da Niemet – Splügenpass – Splügen

Für zwei Tage dem schlechten Wetter im Norden entfliehen war die Idee. In ein einsames Tal, dann über einen unbekannten Pass nach Italien, auf dem Rückweg in die Schweiz ein Stück ViaSpluga.

Erster Tag (Innerferrera 1481 m – Pass da Niemet 2294 m – Rif. Bertacchi CAI – Montespluga 1905 m)
Mit dem Postauto ab Andeer erreichten wir Innerferrera in 18 Minuten. Die Fahrt durch das enge Val Ferrera ist hier noch lange nicht zu Ende – das Poschi fährt weiter ins Avers bis Juf. Wir starteten ab Dorfmitte, überquerten den viel Wasser führenden Averserrhein (Ragn da Ferrera), um dann auf gut unterhaltener Naturstrasse aufzusteigen. Ab etwa 1800 m.ü.M. erreichten wir den Ual da Niemet, der Bergbach, der dem Tal den Namen gibt. Das Val Niemet weitet und lichtet sich ab hier. Zur rechten den rauschenden Bergbach, erreichten wir gleichmässig ansteigend die Alp Niemet (1899 m). Beidseits erheben sich Gipfel bis 3000 m. Gleich hinter der Alp geht die Alpstrasse über in einen Bergweg. Mittlerweile drückte sich die Sonne durch das Grau, und an der tiefst liegenden Stelle am Horizont war der Übergang nach Italien zu vermuten. Vorbei an einer uns beobachtenden Ziegenherde erreichten wir die Alp Sura (2131 m) – für Alpvieh (und Wanderer) ein Paradies! Umso erstaunlicher, dass uns nur wenige Gleichgesinnte begegneten. Der weitere Anstieg verläuft noch immer moderat, auf den letzten 900 m bis zum Pass durch blockiges und gerölliges Gelände; Markierungen (w-r-w) sind zwar vorhanden, sie auszumachen verlangen aber doch etwas Aufmerksamkeit. Nach etwas mehr als 9 km war der Pass da Niemet erreicht; der Blick ins benachbarte Italien weitete sich: Lago di Emet, Rif. Bertacchi CAI, rechts der Piz Spadolazzo (2722 m, T3), links Piz Timun/Pizzo d’Emet (3212 m, T4), am Horizont der Pizzo Ferrè (3103 m), zu erkennen an seinem Gletscherchen. Bis zur Hütte des CAI noch 20 Min., gerade richtig zur Mittagszeit und in Erwartung italienischer Pasta😊. Die Tagliatelle al ragù di cinghiale schmeckten zwar etwas fade, stärkten uns aber dennoch (was wohl auch an dem einen Glas Rotwein lag…). So erholt machten wir uns auf den knapp 7 km langen und nicht sehr steilen Abstieg nach Montespluga hinunter. Den Lago di Monte Spluga unter uns, zur Linken (südlich also) der Blick nach Madesimo hinüber. Und irgendwo unter der Staumauer die uns von der ViaSpluga bekannte und gar nicht so berüchtigte Cardinelloschlucht, welche aber nicht einsehbar war. Auf den nächsten zwei Kilometern galt unsere Aufmerksamkeit eines fast wie in einer Arena angelegten schmalen und felsigen Bergwegs (T2+), welcher konstant auf einer Höhe von ca. 2100 m verläuft. Gut, wer hier trittsicher ist, aber nirgendwo richtig ausgesetzt, auch wenn es links ca. 180 m runter geht. Bei Nässe, Eis oder Schnee bieten die Ketten allenfalls zusätzliche Sicherheit. Bei P. 2106 erreichten wir eine Naturstrasse, welche noch etwas höher führt, bis zu einigen Blechhütten, welche wohl den mutigen Arbeitern dienen, die Felssicherungen erstellen. Die befestigte, holprige Strasse mieden wir, ein Pfad führte jeweils in direkter Linie hinunter. Oberhalb dem Weiler Suretta hielten wir rechts in Richtung Montespluga und konnten so auch eine Muttertierherde umgehen. Nach P.1923 war die Passtrasse erreicht, die wir aber nicht begehen mussten. Wir nutzten die parallel verlaufende Naturstrasse, um dann bei den Alpi di Suretta doch noch für etwa 900 m entlang der heute wenig befahrenen Passstrasse zu laufen. Gegen halb fünf Uhr war unser Tagesziel erreicht. Da unsere Wunsch-Destination, das Albergo della Posta (mit bestbekanntem Restaurant) gerade renoviert und erweitert wird, kamen wir für eine Nacht im benachbarten Hotel Vittoria Ca‘ De La Montagna unter – gemütlich, gute regionale Küche, empfehlenswert!

Zweiter Tag (Montespluga 1905 m – Splügenpass 2115 m – Splügen 1457 m)
Nach erholsamer und ruhiger Nacht genossen wir italienisches Frühstück (mit ausgezeichneter Crostata selbstverständlich!). Etwas nach neun Uhr und bei schönstem Wetter starteten wir in Richtung Passhöhe – die wir nach weniger als einer Stunde erreichten. Ab Cerfui P. 2063 wandelten wir auf der historischen Säumerstrasse, die nach der Passhöhe gut markiert an den Hüscherenbach hinunterführt. Bei P.1847 dann die Überquerung der Passstrasse, dann etwas oberhalb auf mehr oder weniger tiefem Trampelpfad bei der Talstation einer Sesselbahn vorbei an Bodmastafel P.1784. Den Nüstafelwald durchquerend gelangten wir bald zur bekannten Marmorbrücke. Die Passstrasse nur kurz überquerend, stiegen wir steiler hinab durch eine schluchtartige, felsige Landschaft bis schliesslich wieder die Passstrasse ein letztes Mal zu überqueren war. Die letzten paar Meter entlang des Bachs, unter der A13 durch, und schon war Splügen erreicht (nach nicht ganz 3 Std. Wanderzeit). Fünfzehn Minuten später bestiegen wir das Poschi, das uns nach Andeer hinunter kutschierte.

Fazit:
Eine zweitätige Grenztour I-CH in einer am ersten Tag wirklich abgelegenen und unbekannten Landschaft, am zweiten Tag auf der ViaSpluga – einfach wunderschön!

Wetterverhältnisse:
Am ersten Tag anfänglich bedeckt, im Tagesverlauf zunehmend sonnig, ca. 18 bis 23°, wenig starker Wind, am zweiten Tag sonnig mit wenig Bewölkung, ca. 20 bis 26°, kaum spürbarer Wind.

Hilfsmittel:
Feste Wanderschuhe, Stöcke; Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 27./28. Juli 2017
Schwierigkeit: T2
Strecke: total 26.1 km, davon am 1. Tag 16.9 km ab Innerferrara 1481 m – Pass da Niemet 2294 m – Rif. Bertacchi CAI 2175 m – Montespluga 1905 m, am 2. Tag 9.2 km Montespluga – Splügenpass 2115 m – Splügen 1457 m.
Aufstieg: insgesamt ca. 1148 m
Abstieg: insgesamt ca. 1164 m
Laufzeit ohne Pausen: total ca. 8 Std. 10 Min. (1. Tag: 5 Std. 15 Min, 2. Tag: 2 Std. 55 Min.)
Laufzeit mit Pausen: total ca. 10 Std. 30 Min. (1. Tag: 7 Std., 2. Tag: 3 Std. 30 Min.)

Kamera:
Nikon D7000

Lukmanierpass – Cadlimohütte SAC – Oberalppass

Eine ausgezeichnete Idee von Susanne und Richi war das, uns auf eine zweitägige Hüttentour zu locken – in einem uns nicht bekannten Gebiet.

Erster Tag (Lukmanierpass – Cadlimohütte SAC)
Mit dem Postauto erreichten wir den Lukmanierpass nach einer halben Stunde Fahrzeit kurz vor elf Uhr. Nach einem Startkafi im Hospezi Sta. Maria starteten wir um 11:15 Uhr. Zu Beginn verlief die Wanderung auf der trotz Fahrverbot von einigen (bequemen?) Automobilisten benutzten Naturstrasse bis zum Ufer des Stausees Lai da Sontga Maria, dessen Bogenstaumauer sich am Nordende befindet. In einem weiten Bogen erreichten wir nach etwa 2 km am südwestlichen Seeende bei P.1924 die Stelle, wo sich der Weg teilt; links ginge es ins Val Termine resp. in Richtung Passo dell’ Olmo. Wir verliessen die Holperpiste, um den Rein da Medel (Medelser Rhein) über eine kleine Hängebrücke zu überqueren. Der Rein da Medel ist der längste Quellfluss des Rheins und er durchströmt die Talschaften Val Cadlimo und Val Medel. Auf den nächsten anderthalb Kilometern waren ca. 280 Hm Steigung zu bewältigen, hinein ins einsame und unbewohnte Val Cadlimo. Der gut markierte Pfad (w-r-w) war wegen des wilden Gestrüps nicht durchgehend zu erkennen; mit zunehmender Höhe dann einige hohe Tritte, welche über Granitplatten führte. Ab ca. 2100 m.ü.M. dann eindrückliches Blockgelände. Beim P.2192 trafen wir auf eine Kleinstsiedlung mit einer sehr einfachen Hütte und einer kleinen Jurte. Den Utensilien nach zu schliessen (tibetische Gebetsfahnen, Gebetsmühlen, Buddafiguren) lebt hier  jemand, wahrscheinlich während des Sommers. Wie wir später erfuhren, ein italienischsprachiger Buddhist, der zusammen mit seinen Hunden eine etwa 100 Yaks grosse Herde und wahrscheinlich auch Schafe behirtet. Immer entlang des Gewässers erreichten wir nach etwa 1200 m Stabbio Nuovo (2229 m), wo ein kleines Wehr steht. Hier rasteten wir kurz, um dann weiter zu ziehen, noch immer entlang des Medelser Rheins. Nach Stabbio di Mezzo (P.2299) wurde das Gelände etwas weiter, und die ersten Bergseelein (Lago dell’Isra, Lago dello Stabbio) zogen unsere Blicke an. Das Gelände oberhalb der Seen heisst Motti dell’Isra. In diesem Bereich wurde das Gelände zunehmend steiler. Schon von weitem erkannten wir eine grosse Herde Yaks, eine in Zentralasien verbreitete Rinderart. Bald schon kamen uns einige Hirte (auch der beschriebene Buddhist war dabei) mit ihren Herdenhunden entgegen, die darüber berichteten, dass heute junge Yaks zur Welt gekommen seien und wir vorsichtig Abstand haltend und ohne anzuhalten, passieren sollten. Je näher wir kamen, desto mehr bewegte sich die Herde weg von unserem Weg. Dann aber die freudige Überraschung: eine Yak-Mutter hatte soeben geboren und brachte ihrem Baby die ersten Schritte bei. Wir traversierten in ca. 20 m Abstand und beobachteten die eindrückliche Szene – ein schönes und emotionales Bild! Im weiteren Verlauf des Hüttenzustiegs dann der Blick zu den nächsten Seen (Lago Scuro, Laghetti die Taneda, Lago di Tom). Auf der mittlerweile erreichten Höhe von ca. 2500 m.ü.M. öffnete sich der Weitblick auf die Tessiner Zustiege vom Ritómsee und von Airolo, sowie in die Tessiner Voralpen. Dann der letzte See vor der Hütte, der Lago di Dentro – und unvermittelt erblickten wir die Fahnen der Cadlimohütte (2570 m).

In der voll besetzten Hütte genossen wir den späten Nachmittag, die nette Tischgesellschaft, vor allem aber den absoluten Höhepunkt des Tages: Richi’s Bad im hütteneigenen Badesee (bei ca. 8°!), und zum Abschluss das leckere Abendessen. Grosses Kompliment an das Hüttenteam mit Hüttenwart Heinz Tschümperlin!

Zweiter Tag (Cadlimohütte SAC – Passo Bornengo – Maighelshütte SAC – Oberalppass)
Trotz voll besetzter Hütte (ca. 80 Personen) erlebten wir eine ruhige und erholsame Nacht. Nicht zu früh, kurz vor 7 Uhr, Tagwacht und anschliessend Frühstück. Viele der BesucherInnen wählten einen der Tessiner Abstiege oder denjenigen zum Lukmanierpass. Wir hatten den anspruchsvollen Steilabstieg von etwa 220 Hm (1.3 km) über die Bocchetta di Cadlimo auf die Pian di Bornengo hinunter vor uns – grosse Tritte, viel Geröll und steiles Gelände! Oberhalb der Pian di Bornengo dann der von weitem sichtbare Übergang ins Val Maighels, der Passo del Bornengo (2631 m). Im sehr steilen und ebenfalls etwa 1.2 km langen Aufstieg waren fast 300 Hm hinauf zu keuchen; genug, um die ganze Energiezufuhr des Frühstücks zu verbrennen. Vor der Passhöhe waren noch steile Altschneefelder auf gut zu tretenden Spuren zu traversieren. Schon von weit unten waren viele Steinböcke zu erkennen, die sich dann aber leider nach Osten in Richtung Piz Borel verzogen. Auf dem Pass dann wie erwartet der Blick ins Maighelstal und in die Weite (Piz Cavradi, Six Madun, Crispalt, usw.). Die heute noch stärkere Bise (Böen von geschätzten 50 km/h) hinderte uns daran, länger zu verweilen. Und ja, die ins Blickfeld gerückte Maighelshütte wollten wir um die Mittagszeit erreichen… Der Abstieg zum auf 2511 m.ü.M. gelegenen namenlosen See führte durch und über Blocks und Schotter, so wie es uns immer wieder gefällt. Nach etwa 2.4 km flachte das Gelände ab und wir passierten unterhalb des Pass Maighels. Dort wurden wir von einer grossen Steinmänner-Armee empfangen – eindrücklich. Im weiteren (keineswegs steilen) Abstieg erreichten wir den um einige Meter vom Wanderpfad weg liegenden Piogn Crap, eine veritable Schlucht. Weiter folgte Stavel da Maighels. Beim hübsch gelegenen Lai Urlaun verliessen wir den Weg, um wenige Meter aufzusteigen zur Maighelshütte. Die immer noch starke Bise trieb uns rein in die Stube, wo wir leckere Rösti’s genossen. So gestärkt machten wir uns auf die vier Kilometer lange Schlussstrecke, welche erst etwas unattraktiv auf dem (ungeteerten) Fahrweg verlief. Bei P.2079 verliessen wir die Strasse, um auf der westwärts gelegenen Seite Plauncas Cuflegl zu traversieren. Erstaunlich viel Wandervolk hier oben! Und erstaunlich auch, dass es HunderhalterInnen schafften, daran erinnert zu werden, dass hier Leinenpflicht gelte (weil Muttertierherden zu durchqueren waren). Der immer lauter werdende Lärm von der Passstrasse kündigte an, dass die Zivilisation nahte. Wenigstens waren die letzten paar hundert Meter bis zum Pass nicht auf, sondern parallel zur stark befahrenen Passstrasse zurückzulegen. Oben dann das erwartete Bild (Kampfwanderer in Vollausrüstung, Kampffahrer auf zwei und vier Rädern, flipflop-bewehrte Touris aller Farben und Rassen, usw). Unter solchen Umständen hatten wir es eilig: ab in den RhB-Zug in Richtung Disentis, wo wir 50 Minuten später eintrafen – ausreichend Zeit, um Roger F’s grossartigen Sieg in Wimbledon mitzuerleben!

Fazit:
Eine zweitägige Hüttentour par excellence – ein grosses Dankeschön an unsere beiden Wanderfreunde Susanne und Richi, welche uns sehr angenehme Gesellschaft leisteten.

Wetterverhältnisse:
An beiden Tagen grossmehrheitlich sonnig mit etwas Bewölkung, trocken, angenehme 12 bis 24°, starke, böenartige Bise, die etwas störte.

Hilfsmittel:
Feste Wanderschuhe, Stöcke; Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 15./16. Juli 2017
Schwierigkeit: T2 (Stellen T3)
Strecke: total 25.8 km, davon am 1. Tag 11.9 km ab Lukmanierpass (1923 m) – Val Cadlimo – Cadlimohütte SAC (2570 m), am 2. Tag 13.7 km ab Cadlimohütte – Pian di Bornengo – Passo del Bornengo (2631 m) – P.2374 (nahe Pass Maighels) – Piogn Crap – Maighelshütte (2314 m) – Plauncas Cuflegl – Oberalppass (2044 m)
Aufstieg: insgesamt ca. 1230 m
Abstieg: insgesamt ca. 1142 m
Laufzeit ohne Pausen: total ca. 7 Std. 45 Min. (1. Tag: 3 Std. 30 Min, 2. Tag: 4 Std. 15 Min.)
Laufzeit mit Pausen: total ca. 11 Std. (1. Tag: 4 Std. 30 Min, 2. Tag: 6 Std. 30 Min.)

Kamera:
Sony DSC-HX90V

Via Engiadina 3|3: Ardez – Alp Valmala – Alp Laret – Motta Naluns

Wiederum bestens gelaunt trafen wir uns zum Frühstück – und für heute versprach die Wettersituation beste Bedingungen. Wie schon gewohnt, starteten wir um 9 Uhr. Ungefähr in der Dorfmitte verliessen wir das schöne Ardez um bis zum P.1588 aufzusteigen. Jetzt Richtungsänderung NO, moderat ansteigend durch lichten Lärchenwald. Auf Clüs (1740 m) eine erste Trinkpause, dann weiter aufsteigend bis auf eine Höhe von ca. 1830 m. Jetzt befanden wir uns schon im Taleinschnitt (Val Tasna), 300 m tiefer der Bach namens Tasnan. Mit Ausnahme einer Runse (L’Uriana P. 1932), welche wohl von den Gewittern der Vorabende etwas ausgespült war, ohne schwierige Stellen. Kurz vor der Alp Valmala dann ein Lawinenschneekegel im Bergbach, den wir aber problemlos umgehen konnten. Vor uns eine grossen Herde Alpvieh (bestimmt weit über hundert Tiere!), die sich aber friedlich verhielt (wir auch!). Auf der Alp konnten wir unsere Getränkespeicher füllen. Weiter über die Brücke, dann Richtungsänderung S und gleichzeitig der Aufstieg von ca. 200 Hm über Traumgelände. Einzelne von uns wurden immer schneller, wohl wissend um die nahende Alp Laret – wo erneute eine Belohnung in Form eines Käseplättlis winkte. Passt, schliesslich war es Mittagszeit! Sehr sympathische Alpbeiz, hier könnte man es problemlos länger aushalten. Hinter dem Alpgebäude besuchten wir noch die Alpschweine, dann zogen wir die Höhe von knapp 2200 m haltend in Richtung O. Im Bereich Clünas dann ein kurzer, ruppiger Abstieg nach Prui (2073 m) hinunter, der Bergstation eines von Ftan heraufführenden Sessellifts. Wir waren uns einig, die letzten anderthalb Kilometer bis Motta Naluns weiter zu laufen und dort die Talfahrt mit der Gondelbahn nach Scuol hinunter zu geniessen. Die heutige Unterkunft (Hotel Altana, Scuol) befriedigte uns kaum, so dass wir es vorzogen, ins Dorfzentrum zu flüchten – und dort in einem der gemütlichen Restorants ein paar Kalorien zuzulegen. Vorher aber noch ab ins Thermalbad und anschliessend Treff in der Belvedere-Bar zum Apéro.

Fazit:
Diese dritte (und letzte) Tagesetappe war zwar wiederum lang, aber kaum anspruchsvoller, als der Vortag; Immerhin durften wir heute annähernd 1000 Aufstiegsmeter zurücklegen.

Wetterverhältnisse:
Während der gesamten Wanderung mehrheitlich sonnig mit etwas Bewölkung, trocken, angenehme 22 bis 27°.

Hilfsmittel:
Stöcke; Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 12. Juli 2017
Schwierigkeit: T2
Strecke: 15.8 km, Ardez (1464 m) – P.1588 – Clüs (1740 m) – Alp Tasna (1896 m) – Alp Valmala (1980 m) – Alp Laret (2188 m) – Clünas – Prui (2073 m) – Motta Nalus (2142 m) – Talfahrt nach Scuol
Aufstieg: ca. 989 m
Abstieg: ca. -301 m
Laufzeit ohne Pausen: total ca. 4 Std. 40 Min.
Laufzeit mit Pausen: total ca. 6 Std. 50 Min.

Kamera:
Sony DSC-HX90V

Via Engiadina 2|3: Guarda – Alp Suot (Val Tuoi) – Alp Sura – Ardez

Gut gelaunt trafen wir uns zum Frühstück – Kunststück, das Wetter zeigte Besserung, wenigstens ein paar blaue Streifen und ein bisschen Sonne zu Tagesbeginn – und es sollte heute noch besser kommen. Wiederum um 9 Uhr starteten wir. Nach wenigen Metern Abzweigung in Richtung Nord, ins Tal der La Glozza, resp. ins Val Tuoi. Fast schon gemächlich ansteigend verbleib uns wiederum ausreichend (überschüssige) Energie um die Gruppengespräche weiter zu führen. Die Alpstrasse ins Tal endete kurz vor der Alp Suot. Fast unbemerkt erreichten wir die 350 m höher liegende Alp. Die Erwartung, hier vom berühmten Ziegenkäse kaufen zu können, erfüllte sich nicht – Lager leer! Auch das Patenkind von Ursi und Domenico war nicht anzutreffen, musste schliesslich arbeiten um am Abend Milch zu liefern. Zu trinken gab es aber allemal. Über achtzig Geissen (und ein adoptiertes Lämmlein) leben dort oben – eine herrliche Alp am Fuss des schönen Piz Buin Grond (3312 m.ü.M.). Den Weiterweg bis zur Cna Tuoi überliessen wir dem Pedelec-Fahrer Michael, der uns heute wohl verfehlte(😊), schade, wäre lustig gewesen, ihn zu treffen. Die Alp Suot war heute der Wendepunkt auf dem Weiterweg in Richtung Ardez. Der kurze Aufstieg von ca. 200 Hm führte über Alpweiden, vorsichtig vorbei an Mutterkühen und ihren Kindern. Ab Alp Marangun (2176 m) hatten wir die Höhe, und wir erreichten bald die Alp Sura, wo uns Senn Reto mit vorzüglichen einheimischen Produkten verwöhnte; Käse, Trockenfleisch, ja sogar Tatsch wurde gereicht – und dazu alles Nötige an Flüssigkeit – zur Hauptsache natürlich Tschliner Bier. Thomas hatte sogar überschüssige Energie für eine Zusatzrunde (1.5 km zurück lag nämlich seine Regenjacke – welche er heute eigentlich nicht benötigte…). Unschwer zu erkennen, dass wir uns von dieser aussichtsreichen, sonnig gelegenen Alp kaum loslösen konnten. Trotzdem: der Aufbruch über Plans Mier (2182 m) bis Mutura Dadoura (2142 m) nahte. Erst ab hier begann der Abstieg nach Ardez hinunter, dessen Häuser wir schon erblickten. Gut 580 m Höhenunterschied, verteilt über 4.8 km – den einen von uns ging das ganz schön in die Knie. Kurz vor dem Tagesziel dann doch noch ein kurzer Regenjacken-Test, nichts Ernsthaftes. Ab P.1588 wählten wir (nicht in allgemeiner Einigkeit!) die Direttissima. In der Dorfmitte dann eine dieser wunderbaren Tankstellen (Dorfbrunnen mit bestem Quellwasser). Ein paar Meter am westlichen Dorfausgang fanden wir unsere Unterkunft, das splendide Hotel Schorta’s Alvetern (Schorta heisst die sympathische Gastgeberfamilie, Alvetern heisst Edelweiss). Vor sieben Jahren renoviert und noch immer wie neu – sehr geschmackvoll! Dieses Attribut gilt uneingeschränkt auch für die Küche – ein einziger Genuss! Wir wurden heute Fans und kommen bestimmt wieder! Vor dem währschaften Bündner z’Nacht dann ein ausgiebiger Rundgang durch das (zusammen mit Guarda) bestimmt schönste Dorf im Unterengadin.

Fazit:
Diese zweite Tagesetappe war etwas anspruchsvoller, aber jederzeit so, dass wir alle ohne an die Leistungsgrenzen zu gelangen, gut am Tagesziel ankamen.

Wetterverhältnisse:
Während der gesamten Wanderung mehrheitlich stark bewölkt, aber trocken, angenehme 20 bis 25°, bei der Ankunft in Ardez freundlich-sonnig

Hilfsmittel:
Stöcke; Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 11. Juli 2017
Schwierigkeit: T2
Strecke: 14.6 km, Guarda (1666 m) – Clüs – Prasüras (1824 m) – Alp Suot (2018 m) – Marangun (2176 m) – Alp Sura (2118 m) – Plans Mier (2182 m) – Mutura Dadoura (2142 m) – Muntaditsch – Chöglias (1780 m) – Ardez (1464 m)
Aufstieg: ca. 595 m
Abstieg: ca. -799 m
Laufzeit ohne Pausen: total ca. 3 Std. 45 Min.
Laufzeit mit Pausen: total ca. 6 Std. 15 Min.

Kamera:
Sony DSC-HX90V