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Croce di Pratomagno (1591 m) – Liberazione Italia

Heute war Feiertag: der Tag der Befreiung Italiens, offiziell Anniversario della Liberazione (auch Liberazione dal nazifascismo, Befreiung vom Nazifaschismus, Ende der deutschen Besatzung 1945). An solchen Tagen wandern sogar die ItalienierInnen; also Salve, salve, salve…

Auf der Hinfahrt genossen wir im schönen Bergdörfchen Loro Ciuffenna (632 m) in der Giglio Bar den obligaten Capuccino mit Brioche (so werden die mit Konfitüre, Schoggi oder Vanillecrème gut gefüllten Gipfeli hier genannt; ohne – vuota – gäbe es sie auch…). So waren wir hellwach für die 15 km lange Bergfahrt bis zum 720 m höher liegenden Startpunkt Pian dei Lavacchio (1250 m): abenteuerlich steil, sehr enge Durchfahrten in den kleinen Bergdörfern Trevane, Chiassaia, Anciolina, kaum Kreuzungsmöglichkeiten. Auf dem grossen Parkplatz (hier endet die Fahrstrasse) standen erst wenige Autos, was sich angesichts des neu (und schön) aufgebauten Rifugio Arca Montana wohl ändern sollte. Um halb elf liefen wir los. Erst durch Mischwald und über einen Forstweg stiegen wir hoch bis zum Punkt, wo auch der Wanderweg von La Trappola hochführt. Bald war auch die gesamte Strecke bis zum Tagesziel zu überblicken – etwas mehr als 8 km Distanz. Immer schön die Höhe haltend, führte der Alpweg über noch nicht bestossene Weiden und durch steppenartig verbuschtes Land (Ginster, Himbeeren). Noch vor einer guten Woche lag der Höhenzug teilweise unter Schnee, jetzt blühten hier Krokusse und andere schöne Frühlingsboten. Bald blüht hier der Ginster, dann muss es hier oben paradiesisch schön sein. Links (westlich also) liegt das Valdarno unter leichtem Dunst, rechts (östlich) das Casentino, dem Quellgebiet des Arno. Interessant: der Arno verläuft im Casentino in Richtung Süden, um dann kurz vor Arezzo in einem weiten Bogen nach Norden verlaufend das Valdarno zu bilden und Städte wie Firenze und Pisa zu erreichen. Die kleine Anhöhe Spada della Roccia umgingen wir westlich, um dann in einer Senke erneut einen Punkt zu erreichen, der auch von La Trappola her erreicht wird. Wir hielten an unserer Wanderwegroute 00 fest (nein, ToiToi’s gibt es hier keine…), in leichtem auf und ab näherten wir uns dem Tagesziel als höchsten Punkt. Nach knapp zwei Stunden standen wir oben. Der Gipfel ist (bei klarer Sicht) unmöglich zu verfehlen – bei diesem monumentalen Gipfelkreuz. Der Gipfelbereich ist umzäunt und gepflegt ausgestaltet, sogar sauber. Während wir auf der gesamten Aufstiegstrecke wenigen Wanderern begegneten, waren es hier oben schon zwei Dutzend. Schon an deren Schuhwerk (Stiefel, Turnschuhe, usw.) war zu erkennen, dass die meisten den halbstündigen Aufstieg von der unter dem Gipfel verlaufenden Strada Panoramica del Pratomagno gewählt haben müssen. Weil der starke Wind keine Gipfelrast zuliess, setzten uns in einer östlich gelegenen windgeschützten Mulde mit Panoramablick ins Casentino, um die mitgebrachten Leckereien zu geniessen.

Genossen wir im Aufstieg noch überwiegend die Sonne, trübte die Witterung nun etwas ein – fast schon diesig, aber wenigstens trocken. Der böige Wind machte uns nun etwas zu schaffen; Doris wehrte ab in der Windjacke. Der Rückweg verlief weitgehend über die bereits beschriebene Aufstiegstrecke – allerdings sorgten die veränderten Lichtverhältnisse für veränderte, aber schöne Landschaftsbilder. Nach knapp zwei Stunden erreichten wir wieder den Ausgangspunkt Pian dei Lavacchio, in dessen unmittelbarer Nähe nun nicht mehr die unansehnliche Ruine eines ehemaligen Albergos, sondern der innen wie aussen schön hergestellte Bau des Rifugio Arca Montana zur Einkehr lockte. Und der grosse Parkplatz war mittlerweile gut gefüllt. An dieser formidablen Aussichtslage genossen wir la Birra Rossa del Pratomagno.

Fazit:
Die Tour auf diesem langen Hügelzug zum Gipfel mit dem monumentalen Gipfelkreuz gefällt uns immer wieder, alleine der Tiefblicke wegen.

Wetterverhältnisse:
Zu Beginn sehr sonnig und fast wolkenlos, im Lauf des Nachmittags etwas bewölkt, trocken, aber starker Wind aus SO, Temperatur ca. 16 bis 24°.

Hilfsmittel:
Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 25. April 2019
Anforderung: T1
Strecke: 16.6 km, Nr. 00 ab Pian dei Lavacchio (1250 m) – Cima Bottigliana – Pozza Nera – Croce del Pratomagno (1591 m) – zurück auf ungefähr gleicher Strecke
Aufstieg: ca. 690 m
Abstieg: ca. -700 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std. 10 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 4 Std. 10 Min.

Civitella in Val di Chiana – Frühling in der Toscana

Diese nicht ganz kurze Rundtour bietet alles, was in dieser Jahreszeit Genuss verspricht: aufblühende Natur, Ruhe, und… genau in der Hälfte eine „Raststätte“ – was will man mehr?! Und das alles bei idealen äusseren Bedingungen. Zusammen mit unseren lieben Nachbarn Karin und Herbert war eine gemütliche (Schwatz-)Runde angesagt auf unserer Lieblingsstrecke. Um zehn Uhr der Abstieg nach Verniana hinunter, dann weiter durch Buschwerk hinunter zur Strasse, welche nach San Pancrazio hochführt; die Strasse und das Flüsschen Esse überquerend, verliessen wir den Asphalt beim Pian del Pino (Wanderweg Nr. 109). Das wenig Wasser führende Rinsal namens Borro della Trove al Mancino durchquerten wir ohne nasse Füsse – die einzige „Schlüsselstelle“ heute. Über einen Forstweg gewannen wir etwas an Höhe, so dass der Blick ins Val di Chiana frei wurde. Im Rücken das Castello di Gargonza und unter diesem „unser“ Berg mit dem Borgo. Vorbei an wunderbaren Olivenhainen erreichten wir bald die von Oliveto nach Civitella hochführende Naturstrasse. Beidseitig mit den typischen Zipressen flankiert, vorbei an gut verborgenen Villen, auf welche wir manchmal nur durch mächtige Tore aufmerksam wurden. Civitella erreichten wir kurz nach 13 Uhr – gerade richtig zum Pranzo im uns vertrauten Ristorante Enoteca Il Vicolo. Auf der Piazza der immer wieder prächtige Panoramablick ins Val di Chiana. Das im Schatten hängende Thermometer auf der Piazza zeigte 25°. Noch ein Gruppenbild, dann rein ins Vergnügen – man erwartete uns schon. Das Menu mundete ausgezeichnet – entsprechend laaaaaaaaaange dauerte diese Mittagspause.

So gestärkt und gesättigt traten wir den Rückweg an, erst über eine stark malträtierte  asphaltierte Strasse verlaufend, konnten wir diese (weiss-rot markiert!) bald einmal verlassen. Durch die Macchia führte der Pfad Nr. 111 leicht ansteigend hoch.

Nahe des höchsten Punktes (Poggio Tondo, 624 m), nach dem Antennenturm, hielten wir links ausgeschildert in Richtung Cornia. Vorbei am idyllisch gelegenen Friedhof erreichten wir das unbewohnte Cornia. Allerdings sind und werden hier Häuser instand gestellt. Die Häusergruppe durchquerend, hielten wir nach dem letzten Haus (mit „Scuola“ beschriftet) scharf links, durchquerten das noch immer stark verbuschte Gelände bis hinüber zur Naturstrasse, welche das Agriturismo Camperchi erschliesst. Jetzt folgte eine nicht gerade knieschonende Strecke, etwas steiler und teilweise auf betonierter Unterlage. Vorbei an den uns schon von 2016 bekannten schön hergerichteten ehemaligen Bauernhäusern erreichten wir beim Hof Pian del Pino wieder die Brücke über die Esse – damit hat sich der Kreis geschlossen. Nun folgte der letzte Aufstieg nach Verniana und weiter auf „unseren Berg“. Mittlerweile war es halb sieben – gerade richtig um die ermatteten Glieder hoch zu lagern.

Fazit:
Diese Rundwanderung ist immer eine Wiederholung wert. Heute war es besonders schön mit Karin und Herbert…

Wetterverhältnisse:
Sehr sonnig, am späten Nachmittag etwas bewölkt, aber trocken, kaum Wind, Temperatur ca. 14 bis 22°.

Hilfsmittel:
Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 17. April 2019
Anforderung: T1
Strecke: 22.3 km, Nr. 113 ab Renaiolo – Verniana – Nr. 109 ab Pod. Pian del Pino – Mancino – Civitella in Val di Chiana (523 m) – Nr. 111 über P. 548 – P. 568 – nach dem Poggio Tondo (Antennenturm) Abzweigung links (Nr. 113) – Cornia – Pod. Caggiarino (546 m) – Fatt. Burrone (459 m) – Pod. Moraggiolo (386 m) – Pod. Pian del Pino – Verniana – Renaiolo
Aufstieg: ca. 780 m
Abstieg: ca. -790 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 8 Std. 30 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 5 Std. 45 Min.

Monte San Giorgio 1096 m – Panoramagipfel über dem Lago di Lugano

Jawohl – Wiederholungstäter sind wir! Wie vor einer Woche nochmals mit einer Spartageskarte (Fr. 59.00) und einer Mitfahrkarte (Fr. 38.00) ins Tessin. Nach dreieinhalb Stunden ÖV-Fahrt war der Ausgangspunkt erreicht – Capolago/Riva San Vitale. Von dort starteten wir um 10:30 Uhr. Der Monte San Giorgio, dieser nahe der Südgrenze CH-I gelegene Aussichtsberg ist seit 2003 Unesco-Welterbe. Kurz etwas zur Geologie: der Monte San Giorgio wurde während der Entstehung der Alpen gebildet, als sich vor sage und schreibe 95 Millionen(!) Jahren die damalige afrikanische Platte gegen Norden zu verschieben begann und die eurasische Platte zusammendrückte. Der kräftige Schub der afrikanischen Platte führte zu einer Serie von Verformungen am südlichen Rand der Kollisionszone, wo sich das Gebiet des Monte San Giorgio befand. Der ehemalige Meeresboden wurde nach oben gedrückt, so dass er aus dem Wasser auftauchte und den heutigen Berg bildete. Heute präsentiert sich der Monte San Giorgio als pyramidenähnlicher Berg mit einer Höhe von 1096 Metern, bestehend aus verschiedenartigen, etwa 30° nach Süden geneigten Gesteinsschichten. Weitere spannende Infos hier.

Die Wanderung begann wenig attraktiv mit der etwa 800 m langen Strecke entlang der Strasse nach Riva San Vitale, wo unterwegs auch das aus dem Luganersee fliessende Flüsschen Laveggio überquert wird. Bei wenig störender Bise und bei leichten Minusgraden war das historische Zentrum von R.S.V. nach wenigen Minuten erreicht. Gut ausgeschildert wurden wir durch die Gassen hoch zur monumentalen Kirche Santa Croce geführt. Erst nach Norden haltend waren die letzten Häuser des Städtchens bald erreicht. Auf dem w-r-w markierten Weg standen wir bald einmal hundert Hm über dem See. Nach einem kleinen Weinberg plötzlich eine farbiges Absperrband und der plakative Hinweis «Sentiero interrotto a causa di alberi caduti». Den Hinweis zur Kenntnis nehmend begannen wir mit dem Aufstieg; ziemlich steil und über Stock und Stein (und im Wald) verlief der fortlaufend gut markierte Pfad erst ins kleine Cumaval hinein. Bald wechselten wir die Seite des Tälchens, um diese in Richtung N zu verlassen. Ab und zu lag etwas Holz quer – nicht wirklich hindernd. Den Hügel Alberello (661 m) umliefen wir östlich und weiter in Richtung N, um bald die Verzweigung bei P.605 zu erreichen, welche ins Valle Sant’ Antonio führt. Wir hielten links (Vorgabe Monte San Giorgio 1:20 Std.). Mittlerweile in Richtung SO aufsteigend, erreichten uns immer wieder ein paar wärmende Sonnenstrahlen. Bei P.812 (Pozzo) eine weitere markierte Verzweigung, bis zum Gipfel noch 50 Minuten. Wunderschönes, lichtes Waldgelände, vorbei an jungen Blüten und Gräsern. Beim mit Dossi bezeichneten P.995 öffnete sich der Ausblick auf den See und Lugano. Nun – nach einer weiteren Richtungsänderung (N) – folgte der letzte, etwas flacher verlaufende Aufstieg zum Gipfel; rechts (N) über Fels schroff abfallend, links (W) wenig steiles Alpgelände. Nach zwei Stunden Laufzeit (ohne Pausen gerechnet) erreichten wir das auf dem Gipfelgelände stehende Oratorio di Monte San Giorgio (einer Art Gebets- und Einkehrhaus) – heute geschlossen. Hinter dem Gebäude drei Bankniederlassungen zur Auswahl; die schönste Lage annektierten wir, um beim Genuss dieses formidablen Panoramas (siehe Bilder) ausgiebig zu rasten. Eine einzige Wanderin (ebenfalls aus dem Zürioberland) kam dazu, wollte sich unbedingt auch auf unserer Bank niederlassen😒.

Vom gebotenen Ausblick konnten wir uns fast nicht loslösen, aber vor uns noch der Abstieg über ca. 850 Hm. Gleich südlich des Oratorios eine ausgeschilderte Auswahl: wir entscheiden uns für den Abstieg nach Meride über Forello, Cassina, Meriggio, San Silvestro. Teile dieser Strecke sind wunderschön angelegt, sehr steinig und weil steil ziemlich anstrengend zu begehen. Teilweise nutzten wir parallel verlaufende (weichere) Trampelpfade. Vorbei an der bei Forello stehenden Ruine des vecchio Albergo San Giorgio erreichten wir Cassina (San Ulderico/Rifugio Adenofora, 886 m). Nun folgte der plattige und kunstvoll steinige Weg über Meriggio hinunter bis zur Kirche San Silvestro. Trotz der Schönheit der bisherigen Abstiegsstrecke waren wir nicht unglücklich, das schöne Bergdörfchen Meride (580 m) zu erreichen. Das Dorf durchstreiften wir fast schon gemütlich spazierend. Am Dorfende nach links haltend (w-r-w in Richtung N – Riva San Vitale), ahnten wir, dass da schon noch 300 m Höhendifferenz vor uns lagen. Dieser Streckenabschnitt verläuft überwiegend schattig, über hohe Tritte und über sehr steiles, schluchtartiges Gelände im Val Serrata. Immer der Tiefblick ins Tal hinunter, waren es dann doch 1.8 km – gut, dass es heute trocken war. Leicht ermattet erreichten wir endlich die Talstrasse am Ortsbeginn. Ein paar hundert Meter bis zur Ortsmitte – jetzt hatten wir genug, und das «zufälligerweise» haltende Postauto brachte uns elegant und in wenigen Minuten nach Capolago. Bis wir alles «bäscheled» hatten, brauste auch schon die S10 heran, welche uns nach Bellinzona brachte. Der weitere Reiseverlauf war reinste Wellness: IC21 bis Arth-Goldau, VAE bis Rapperswil, S15 nach Hause…

Hinweis:
Kaum ausgetrampelte Pfade lassen den Schluss zu, dass der Monte San Giorgio auf der von uns gewählten Aufstiegsvariante kaum begangen wird. Für die Massen ist der Aufstieg ab Meride kürzer und auch einfacher. Lohnend war die Tour allemal – gerade auch zu dieser (ruhigen) Jahreszeit.

Wetterverhältnisse:
Wieder ein schöner Frühlingstag (so darf es weiter gehen!), blau-blau-blau, Temperatur ca. 0 bis 12°.

Hilfsmittel:
Stöcke, Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 27. März 2019
Schwierigkeit: T2
Strecke: 11.9 km, Capolago (273 m) – Riva San Vitale (273 m) – Kirche Santa Croce – P.366 – P.501 – P.605 – Pozzo (P.812) – P.995 – Monte San Giorgio (1096 m) – Forello (1032 m) – Cassina (San Ulderico/Rifugio Adenofora, 886 m) – P.865 – San Silvestro (606 m) – Meride (580 m) – San Antonio (P.573 m) – Val Serrata (P.525) – P.393 – Ortsteil Ronco (276 m, R.S.V.) – Riva San Vitale (273 m)
Aufstieg: ca. 860 m
Abstieg: ca. -850 m
Laufzeit ohne Pausen: total ca. 5 Std. 45 Min.
Laufzeit mit Pausen: total ca. 4 Std. 10 Min.

Frühling hoch über dem Valle Maggia – von Maggia über den Colma (795 m) nach Tegna

Für diese Woche wurde von allen Wetterdiensten bestes Frühlingswetter angekündigt – einfach nur Sonnenschein! Es war also kein Risiko, am Vortag online eine Spartageskarte (Fr. 59.00) und eine Mitfahrkarte (Fr. 38.00) zu kaufen. Die ÖV-Fahrt dauerte zwar, nach vier Stunden erreichten wir Maggia. Dort starteten wir um 10:40 Uhr unsere Wanderung in den Frühling hinein. Über die neue Hängebrücke über die Maggia erreichten wir das schöne Dörfchen Moghegno. Anstelle der Strasse bevorzugten wir den w-r-w markierten WW, der uns bald wenig oberhalb durch mit Trockensteinmauern gesäumtes Gelände führte. Auf Schritt und Tritt leuchteten uns erste Frühlingsboten entgegen. Über eine schön gefertigte Holzbrücke querten wir den Bach Ri di Dentro. Das Dörfchen Aurigeno vor uns durchliefen wir bergseitig – vorbei an schönen Rustici, alten Häusern und der Dorfkirche. Bis zum Weiler Terra di Fuori verlief die Strecke auf gleicher Höhe; nach Erreichen der geteerten Dorfstrasse und nach der Überquerung eines weiteren Bachs Ri della Terra di Fuori verliessen wir die Strasse nach links. Jetzt begann der idyllische Aufstieg durch den lichten Wald über wunderbar angelegte Steinplatten. Die folgenden 700 m bis zur 70 m höherstehenden Kirche Madonna verlaufen wenige Meter unter der parallel hochführenden Teerstrasse. Während die Strasse in einer Kehre verläuft, stiegen wir weiter hoch – immer auf diesen schönen Granitplatten-Treppen. Fünf Fussminuten vor der Forcola di Dunzio – mitten im Wald – die winzige Capela Bondietti. Auf dem Übergang erreichten wir endlich auch die Sonne, was für den Rest der Tour so bleiben sollte. Auf dem Passsträsschen wanderten wir ca. 550 m weiter, bis nach einer Kehre an besonders idyllischer Lage eine kleine Rustico-Siedlung erreicht war – niemand da! Ideal also, an diesem sonnigen Platz Mittagsrast zu geniessen. Auf dem Weiterweg trafen wir bei der Häusergruppe Dunzio di Dentro auf weidende Pferde und zwei Esel. Die gwundrigen Grautiere mit vier Buchstaben (Emil lässt grüssen…) gefielen uns. Kurz vor dem Weiler Dunzio verliessen wir das Teersträsschen, um etwas näher an den schönen Steinhäuschen vorbei zu laufen. Nach Dunzio weiter in südlicher Richtung bis zur Talstation einer kleinen Transportseilbahn (nach Streccia hoch führend); an dieser rechts vorbei bis zur etwas höherstehenden Infotafel Il sentiero nel paradiso delle castagne. Ab hier stärker ansteigend entlang einer hohen Trockensteinmauer in Richtung Djula, einer weiteren Häusergruppe. Eingangs eine besonders alte und knorrige Riesenkastanie. Bei der Wegmarkierung hielten wir in Richtung S (Tegna), aber erst mal ins kleine Val Nocca hinein, um den Riale di Dunzio über eine alternde Holzbrücke zu überqueren. Abermals aufsteigend erreichten wir bald oberhalb der Bergstation der bereits beschriebenen Transportseilbahn das Dörfchen Streccia – Molinera (665 m) heisst der Punkt. Hier geht der Blick über das Valle di Maggia hinweg zu den noch winterlichen Gipfeln Pizzo d’Orgnana, Madone, Cima della Trosa, usw. Im Westen ging der Blick zum das Centovalli überragenden Massiv des Gridone. Jetzt noch der gratige Restaufstieg zum knapp 100 m höher liegenden höchsten Punkt des Tages – Colma (795 m). Welch grandiose Rundsicht hier oben (siehe Bilder)! Der Gipfel ist eine Plattform, im Zentrum ein mächtiger runder Turm mit Bildmalereien. Idealer Punkt für eine Trinkpause, für ausgiebiges fotografieren, und für den Eintrag ins Gipfelbuch. So waren wir gestärkt für den bevorstehenden Steilabstieg (550 Hm über einer Strecke von 2 km), welcher über Forcola und Selvapiana nach Tegna hinunterführte. Am Bahnhöfchen Tegna bestiegen wir nach kurzer Wartezeit die Centovallibahn in Richtung Locarno. Auf dem Heimweg nutzten wir den Umsteigehalt in Bellinzona für einen kurzen, aber lohnenden Spaziergang durch die sehenswerte Tessiner Metropole – und für den Genuss eines ausgezeichneten Nachtessens (und Merlot natürlich!) in einer typischen Trattoria in der Altstadt. Im IC 2 nach Zürich (Abfahrt 20:41 Uhr) bot sich uns dann ausreichend Gelegenheit zur Erholung😉. Um halbzwölf Ankunft zuhause – so darf ein toller Frühlingstag immer enden…

Hinweis:
Die sehr lohnende Wanderung könnte auch gut in umgekehrter Richtung unternommen werden. Zu dieser Jahreszeit aber ist die von uns gewählte Richtung vorzuziehen, weil die Sonne im Gesicht und der Blick ins Locarnese deutlich attraktiver…

Wetterverhältnisse:
Einer dieser besonders schönen Frühlingstage, blau-blau-blau, im Schatten angenehm um bis 15°.

Hilfsmittel:
Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 20. März 2019 (astronomischer Frühlingsanfang!)
Schwierigkeit: T2
Strecke: 12.2 km, Maggia (Bushalt Centro, 332 m) – Hängebrücke über die Maggia – Moghegno – Ronchi – Crossa – Aurigeno (341 m) – Terra di Fuori – Madonna (Kirchlein) – P.412 m – Forcola di Dunzio (597 m) – Dunzio di Dentro – Cortèu  – Case Rotanzi (528 m) – Djula (Giüla) – Streccia (627 m) – P.665 – P.701 – Travérs – Colma (795 m) – Forcola (464 m) – Selvapiana – Tegna (254 m)
Aufstieg: ca. 690 m
Abstieg: ca. -770 m
Laufzeit ohne Pausen: total ca. 5 Std. 30 Min.
Laufzeit mit Pausen: total ca. 4 Std.

Fuorcla Grevasalvas 2688 m

Nach der gestrigen Geburtstagstour zum Crap da Radons und dem herrlichen Abendessen im Hotel Post war für heute etwas leichtere Kost angesagt: die Fuorcla Grevesalvas – schon länger wollten wir mal von dort oben ins Oberengadin hinunter und ins Bergell rüber schauen. Heute waren die Bedingungen ideal. Und Elisabeth (war gestern schon dabei) gesellte sich dazu. Nach der kurzen Fahrt auf den Julierpass parkierten wir beim Ospizio La Veduta. Start um halb neun, bei knapp unter 0° C und noch im Schatten. Der Einstieg direkt gegenüber, und gleich eine erste (die einzige heute) Schlüsselstelle; die hart vereisten Stufen über die Gelgia – nur ja nicht runterfallen… Dann folgte der nicht sehr steile Aufstieg im Schatten, viele Spuren zur Auswahl. Zur linken der Piz Julier im schönsten Morgenlicht. Selbstverständlich waren wir heute nicht alleine unterwegs – insgesamt etwa dreissig Tourengänger, meist auf Skis, wollten auch ins Val Grevasalvas. Einige fuhren dann nach dem Übergang den Südhang hinunter nach Plaun da Lej – mit oder ohne Besteigung einer der Gipfel. Elisabeth hatte als Tagesziel den Piz d’Emma Dadaint (2927 m, WT 3-4) im Auge. Gemeinsam stiegen wir hoch bis auf ca. 2440 m um dann nach kurzem Abstieg den Leg Grevasalvas (2390 m) zu erreichen. Der Bergsee ist tief eingeschneit, ihn zu überqueren sehr erholend. Dennoch hechelte ich den beiden führenden Girls hintendrein – fotografieren dauert halt seine Zeit😊. Nach der Seeüberquerung der wenig steile Aufstieg bis zur Verengung, wo es an einer steilen Hangtraverse an einem Felsbrocken vorbei zu traversieren galt. Danach öffnete sich das Val Grevasalvas wieder, links der Piz da las Coluonnas und der markante Piz Lagrev, dazwischen ein bestimmt trickiger Übergang, die Fuorcla Lagrev (2877 m, mit Schneeschuhen nicht machbar). Zur rechten baute sich der massige Piz d’Emmat Dadora (2851 m) auf. Und wir mitten drin und endlich voll an der 🌞! Jetzt eine Trinkpause und weiter bis ungefähr P.2558, wo eine Hütte am Fels steht.  Hier entscheidet sich Elisabeth für den Gipfel Piz d’Emma Dadaint – einige Türeler standen schon in den Serpentinen und übten Spitzkehren. Wir wünschten Elisabeth Glück und verabschiedeten uns – Wiedersehen dann auf der Passhöhe. Doris und ich gingen den Schlussanstieg von ca. 130 Hm seeeehr gemütlich an. Nach knapp zwei Stunden oben auf dem Übergang empfing uns böiger Wind (ca. 40 bis 50 hm/h). Trotzdem genossen wir das Superpanorama hier oben (siehe Bilder). Mutige Skitüreler nutzten die Verhältnisse für eine lange und bestimmt kräfteraubende Sulzschneeabfahrt hinunter zum fast 900 Hm tiefer liegenden Silsersee. Nichts für uns Schneeschuhläufer. Für den Wiederabstieg wählten wir etwas östlich verlaufende Spuren durch weichen Pulverschnee. Am linksstehenden Gipfel glaubten wir in ca. 700 m Luftlinie Elisabeth’s Turnübungen zu sehen. Den Wiederabstieg genossen wir voll. Mittlerweile war auch die enge Stelle beim grossen Felsen besonnt. Nach der Seeüberquerung und vor dem Gegenaufstieg entledigten wir uns der obersten Schicht – und Handschuhe waren definitiv nicht mehr gefragt. Auf der Kuppe vor dem Abstieg zum Pass bewunderten wir nochmals die tolle Bergwelt, gleich gegenüber das verspurte Val d’Angel, dessen Steilhänge von einigen Rutschen gezeichnet waren. Um halb eins erreichten wir das Ospizio La Veduta wieder – Zeit für eine Mittagspause. Es dauerte nicht lange, bis auch Elisabeth vom erfolgreichen Gipfelerlebnis zurück kehrte – Gratulation!

Fazit:
Ein Schneeschuh-Wandertag der Extraklasse bei wiederum frühlingshaften Bedingungen auf einen Übergang, von dem wir lange träumten.

Wetterverhältnisse:
Viel Schnee, frühmorgens leicht überfroren und im Tagesverlauf sulzig (ab ca. 2400 m Pulver), auf dem Übergang windgepresst, ungetrübter Sonnenschein, frühlingshafte (-1° bis 8° C), böiger Wind.

Lawinengefahr:
Laut SLF wie folgt: Stufe 2 mässig sowohl für trockene wie auch für Gleitschneelawinen, Gefahrenstelle vor allem an ost- und südexponierten Steilhängen.

Hilfsmittel:
Schneeschuhe, Stöcke, LVS, Sonde, Schaufel, GPS

Parameter:
Tour-Datum: 28. Februar 2019
Schwierigkeit: WT2
Strecke: 9.7 km, Ospizio La Veduta (2237 m) – Leg Grevasalvas (2390 m) – Fuorcla Grevasalvas (2688 m) – Abstieg auf gleicher Strecke
Aufstieg: ca. 570 m
Abstieg: ca. -570 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 4 Std.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std.
Tageszeit: 08:30 bis 12:30 Uhr

Crap da Radons 2365 m – ab Bivio

Für 2 Tourentage nach Bivio – und der Zufall wollte es, dass Ruedi Wiesner in dieser Woche Touren ab Bivio anbot – also waren wir gerne dabei. Heute die Geburtstagstour zum Crap da Radons – quasi dem Hausberg Bivio’s. Im Vergleich zum Oberengadin (vor zwei Wochen) trafen wir ganz andere Verhältnisse an: noch immer viel Schnee, mittlerweile verspurtes Gelände (letzter Schneefall vor 14 Tagen!), gut tragende Unterlage, frühlingshafte Temperaturen. Ideale Verhältnisse also für Ski- und Schneeschuhtouren! Start um halb neun in Bivio beim Kinderskilift, der Aufstieg in etwa entlang des Sommerwegs über Cresta und vorbei an der Hütte von Radons bis ungefähr P.1903. Hier umgingen wir die Gleitschneerutsche in sicherem Abstand; etwa hundert Meter über uns an den aperen Abrissstellen unterhalb des Crap da Radons beobachteten wir mehrere Rudel von Steingeissen. Im weiteren Verlauf des Aufstiegs – kurz vor Plang Tguils – änderte die Richtung nach Nord, um bald das flache Gipfelgelände zu erreichen. Bei Windstille gönnten wir uns eine Verpflegungspause beim markanten Holzgestell (vielleicht eine Art antikes ToiToi?). Der eigentliche Gipfel steht ca. 300 m weiter ostwärts und ist 15 m höher – wenig lohnend. Denn hier oben breitete sich das prächtige Panorama aus; im Westen in ca. 2.7 km Entfernung Piz Surparé (2992 m) und Piz Scalotta (3078 m), nordwestlich der markante Piz Platta (3392 m), weiter nördlich das Tinzenhorn (3173 m). Von den hier oben liegenden drei Seelein war nichts zu sehen, weil gut eingeschneit. Von unserem höchsten Punkt (ca. 2350 m) führte uns der ortskundige Ruedi in Richtung N mit dem Ziel Saluver. Dort wo das kleine Val Gronda mündet, unterquerten wir mit dem nötigen Respekt eine Felswand. Hoch oben auf dem Motta da Cuolmens eine Gams auf Beobachtungsposten. An dieser Stelle musste irgendwo ein Bach, die Eva da Sur Ragn, fliessen. Unsere Aufmerksamkeit galt jetzt dem steiler werdenden Abstiegsgelände. Gegenüber die Alpstadel Plang und Sur Ragn; knapp oberhalb der Hütten kam ein grosser Schneerutsch zum Stillstand. Die paar hundert Meter über den stark verspurten Sonnenhang bis zur Passstrasse hinunter war reines Vergnügen – jede(r) mit eigener Routenwahl. Bei Stalveder «befreiten» wir uns von den Schneeschuhen, um die Passstrasse zu überqueren. Dann fröhliches Auslaufen mit netten Kamerädli auf dem Winterwanderweg bis Plaz und schliesslich zum Startpunkt in Bivio.

Fazit:
Ein herrlicher Schneeschuh-Wandertag bei frühlingshaften Bedingungen am Hausberg Bivios. Wanderleiter Ruedi ein herzliches Dankeschön und Caroline, Elisabeth, Ursina, Doris, Stefan: es hat grossen Spass gemacht, mit euch Geburtstag zu feiern!

Unterkunft:
Das von Martina Lanz sehr gut geführte Hotel Post in Bivio ist eine vorzügliche Adresse – ein klassisches Berghotel! Danke Martina für die herzliche Gastfreundschaft!

Wetterverhältnisse:
V
iel Schnee, frühmorgens leicht überfroren und im Tagesverlauf sulzig (an höheren Lagen Pulver), auf dem Gipfelgelände windgepresst, ungetrübter Sonnenschein, frühlingshafte (-3° bis 10° C), windstill.

Lawinengefahr:
Laut SLF wie folgt: Stufe 2 mässig für trockene Lawinen, Stufe 3 erheblich für Gleitschneelawinen, Gefahrenstelle vor allem an ost- und südexponierten Steilhängen.

Hilfsmittel:
Schneeschuhe, Stöcke, LVS, Sonde, Schaufel, GPSParameter:
Tour-Datum: 27. Februar 2019
Schwierigkeit: WT2
Strecke: 9.5 km, Bivio 1769 m – Cresta – Radons P.1903 – Crap da Radons – Eva da Sur Ragn – Julierpassstrasse bei Stalveder – Plaz – Bivio
Aufstieg: ca. 650 m
Abstieg: ca. -650 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std. 10 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std.
Tageszeit: 08:30 bis 13:40 Uhr

Oberengadin 4ǀ4: Alp Munt da la Bês-cha (2243 m) ab Celerina

Unsere zweite Tour in dieser Woche mit dem sympathischen Ruedi Wiesner, heute in Begleitung von Wanderleiter-Aspirant Guido Demont. Mit dabei: Margrit, Doris, Walter (81!) und Ruedi. Auch wenn die technischen Daten eine eher kurze Tour vermuten liessen, wurde rasch klar: ein Spaziergang würde es nicht werden. Südhang, Querung eines kritischen Lawinenzuges, Respektierung der Wildruhezone, Steilstufen im meterhohen Schnee, oberhalb der Baumgrenze Triebschnee, und alles im unverspurten, weglosen Gelände. Aber wir hatten ja zwei Superspurer dabei. Bereits beim Start in Celerina entledigten wir uns der ersten Schicht. Der erste Aufstiegsabschnitt hoch zur Via Engiadina führte durch besten Pulverschnee; auch der letzte in der Kolonne durfte noch im Tiefschnee wühlen. So erreichten wir auf diesen ersten 200 Hm – die Sonne im Rücken – rasch Betriebstemperatur. Die schmale Abfahrtspiste erreicht, liefen wir auf dieser eine etwa 300 m kurze Strecke vorsichtig hoch, um nach einer Rechtskurve auf eine tief eingeschneite, kaum erkennbare Forststrasse abzubiegen; wir befanden uns hier in der Wildruhezone, welche es zu respektieren galt. Jetzt entlang des Laviner da Munt hoch, bis dieser Lawinenzug im oberen Bereich an einer geeigneten Stelle vorsichtig überquert werden konnte – einzeln und immer Abstand einhaltend. Eine Anmerkung: die ursprüngliche Idee unserer ortskundigen Führer, den Lawinenzug ab dem Sommerwanderweg der Via Engiadina mittels östlich verlaufendem (anspruchsvollem) Direktaufstieg durch den God suot Munt zu meiden, war bestimmt richtig. Nun stiegen wir weiter in nordöstlicher Richtung im lichten God Clavadatsch sehr steil auf, unsere Steighilfen boten hier gute Unterstützung. Nach etwa 700 m erreichten wir offenes Gelände, leicht ab- und dann wieder aufsteigend über eine wunderschöne Lichtung, und schon war die Alphütte Clavadatsch erreicht. Gelegenheit für eine erste Trink- und Verschnaufpause – und das bei spektakulärer Aussicht zu den umliegenden Gipfeln und vor allem ins Val Bernina. Was jetzt folgte, waren «nur noch» 170 Hm Aufstieg in allerdings steilstem, weglosem Gelände (30 bis 45°). Ruedi und Guido waren sich einig, den Steilhang nicht im halboffenen und folglich exponierteren Gelände, sondern im geschützteren Waldbereich, zu wagen. Ich habe beobachtet, dass wir in diesem Bereich maximal 10 Tritte pro Minute machen konnten. Immer wieder grössere Sicherheitsabstände einhaltend, erreichten wir schliesslich die Waldgrenze im oberen Teil des God Clavadatsch. Jetzt folgte der Schlussaufstieg über ca. 400 m, die Hütte Alp Munt da la Bês-cha im Blickfeld. Auf diesem Abschnitt hielten wir nicht zu weit hoch (rechts über uns der Piz Padella), weil es galt, die Triebschneefelder zu meiden – der Schnee hier oben teilweise etwas überdeckelt, aber eben nicht tragend. Gegen 14 Uhr erreichten wir die tief unter Schnee und sonnig gelegene Alphütte. Klar, dass wir hier oben eine ausgedehnte (dreiviertelstündige) «Gipfelrast» abhielten – und die tolle Aussicht genossen. Und sogar ein Bartgeier auf dem Vorbeiflug überraschte uns. Dem Aufruf Guidos folgend, traten wir den Abstieg an auf der uns bekannten Strecke. Vorsichtige Querungen und über steile Tritte erreichten wir rasch wieder die Alphütte Clavadatsch. Kurz vor der Hütte präsentierte uns Guido im Steilhang ein eindrückliches Schneeprofil (unten der Altschnee, darüber etwa 70 cm Neuschnee, und dazwischen eine heikle, nicht verbindende Zwischenschicht aus grobkörnigem, kristallinem Schnee). Jetzt auf unserer Aufstiegsspur über die Lichtung und durch den God Clavadatsch hinunter. Mit dem nötigen Respekt die Querung des nun im Schatten liegenden Lawinenzugs (welcher nach Aussagen unserer Führer regelmässig ein- bis zweimal pro Winter «aufgefüllt» werde). Im obersten Teil der Laviner da Munt glaubten wir auch Anrisse zu erkennen… Auf der nach Samedan hinunterführende Skipiste einige Meter laufend, erreichten wir unsere Aufstiegsspur wieder. Über nun offenes Gelände tänzelte jede(r) nach Belieben hinunter zum Ausgangspunkt. Am Ausgangspunkt unserer Tour dann der Abschied in den letzten Sonnenstrahlen – ein anspruchsvoller Wintertag wird uns in bester Erinnerung bleiben.

Fazit:
Ein wunderbarer Hochwintertag bei fast schon frühlingshaften Bedingungen am Südhang des Piz Padella, dem Hausberg Samedans. Und betr. Lawinengefahr: falls die Beschreibungen den Eindruck erhöhter Risiken und Gefahren vermitteln, trifft dies nicht zu; vielmehr wurde uns von Ruedi und Guido viel praktisches und auch lehrbuchmässiges Wissen vermittelt. Euch beiden ein herzliches Dankeschön!

Wetterverhältnisse:
Viel Schnee (mind. 1 m), Pulver, über der Waldgrenze meist windgepresst, ungetrübter Sonnenschein, relativ milde Temperaturen (-5° bis 0°), windstill.

Lawinengefahr:
Laut SLF wie folgt: Stufe 2 mässig, Gefahrenbeschrieb: in der Schneedecke sind kantig aufgebaute Schwachschichten vorhanden. Stellenweise können Lawinen im Altschnee ausgelöst werden und gefährlich gross werden. Die Gefahrenstellen liegen vor allem an wenig befahrenen, eher schneearmen Hängen sowie im Bereich der Waldgrenze. Mit der tageszeitlichen Erwärmung und der Sonneneinstrahlung steigt die Auslösebereitschaft von Schneebrettlawinen vor allem an sehr steilen Sonnenhängen unterhalb von rund 3000 m an. Skitouren, Variantenabfahrten und Schneeschuhwanderungen erfordern eine vorsichtige Routenwahl. Es sind weiterhin Gleitschneelawinen zu erwarten, auch grosse. Dies vor allem an sehr steilen Sonnenhängen unterhalb von rund 2400 m. Vorsicht in Hängen mit Gleitschneerissen.

Hilfsmittel:
Schneeschuhe, Stöcke, LVS, Sonde, Schaufel, GPS

Parameter:
Tour-Datum:
14. Februar 2019
Schwierigkeit: WT2 (aufgrund der Verhältnisse streckenweise WT3)
Strecke: 8.2 km, Start östlich des RhB-Bahnhofs Celerina (ca. 1718 m) – Funtanella – Via Engiadina (im Winter Verbindungspiste Alpin) – Laviner da Munt – God Clavadatsch – Alp Clavadatsch (2080 m) – sehr steil, bis über die Baumgrenze – Alp Munt da la Bês-cha (2243 m) – Abstieg auf gleicher Strecke
Aufstieg: ca. 560 m
Abstieg: ca. -560 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std. 40 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std.
Tageszeit: 10:30 bis 16:10 Uhr

Oberengadin 3ǀ4: Val Bernina, von Bernina-Diavolezza nach Pontresina

Eigentlich war geplant, mit der RhB ab Station Surovas (Halt auf Verlangen beim Pontresina) auf den Berninapass zu fahren und von dort zur Alp Grüm zu laufen (ein Weg ca. 5.2 km). Beim Verlassen des Zuges fragte uns der Zugbegleiter, wo wir denn auf unserem Schuhgeschirr laufen wollten. Alp Grüm! Das sei unmöglich, zu viel Schnee und vor allem starke Verwehungen. Das konnten (wollten) wir nicht glauben, also stiegen wir etwa 120 Hm auf, um uns einen Überblick zu verschaffen; tatsächlich, Triebschnee, Verwehungen, keine Spuren, weder markiert noch unmarkiert. Wo er Recht hat, der Herr Zugbegleiter, hat er Recht! Die Strecke zur Alp Grüm wäre schon etwas tricky – also liessen wir es bleiben. Was nun? Im Zug wieder zurück, aber nur bis Fda. BerninaDiavolezza. Ab dort starteten wir (wegen der Verzögerung) erst kurz vor 13 Uhr. Eine Tour ohne besondere Anforderungen, der Trail allerdings landschaftlich schön angelegt mitten in der Unesco-Weltkulturerbe-Kulisse vom Feinsten. Über uns Lagalp, Diavolezza, Piz Chalchagn, Blick ins Val da Fain, links am Taleingang der Piz Albris, in Blickrichtung Nord Piz Ot und Konsorten. Mit Leichtigkeit spazierten wir vorbei an Bernina Suot (ohne Einkehr!), dann schattenhalb in Richtung Montebello. Dann der Abstieg durch die Cascata da Bernina, wunderschön verschneit! Morteratsch liessen wir achtlos links liegen. Über Alp Nova entlang der Ova da Bernina, wo der Blick unweigerlich zum Festsaal der Alpen drehte: Piz Bernina mit Biancograt, Bellavista, und wenig später der schönste der Schönen: Piz Palü. Vom Morteratschgletscher war nicht viel zu sehen… Nach Durchquerung des Campingplatzes Plauns vorbei an der Deponia Ova da Bernina, wo Mercedes-Bonz ein Fahrtraining abhielt. Dann wurde das Val Bernina etwas enger und schattiger, um sich ab Resgia wieder etwas zu öffnen. Fast schon vergessen, dass die zurückgelegte Strecke mehr als 10 km lang war, erreichten wir Puntraschigna – unser Domizil. Eine optimale Alternativtour war das!

Fazit:
Schneeschuhtrail durch die hochalpine Bernina-Winterlandschaft – immer wieder faszinierend!

Wetterverhältnisse:
Viel Schnee, Pulver, ungetrübter Sonnenschein, Temperaturen (-10°+/-), kaum Wind.

Lawinengefahr:
Für unser Tourenvorhaben von heute nicht relevant.

Hilfsmittel:
Schneeschuhe, Stöcke, GPS

Parameter:
Tour-Datum:
13. Februar 2019
Schwierigkeit: WT2
Strecke: 10.1 km, Startpunkt Bernina Diavolezza RhB (2080 m) – Bernina Suot – Cascata da Bernina – Alp Nova – Plauns – Resgia – Pontresina
Aufstieg: ca. 110 m
Abstieg: ca. -360 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 3 Std. 05 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 2 Std. 35 Min.
Tageszeit: 13:00 bis 16:00 Uhr