Alle Beiträge von Renaiolo

Vitznauerstock 1450 m – Überschreitung

Je nach kantonaler Auslegung wird dieser markante und wilde Gipfel Vitznauerstock oder Gersauerstock genannt. Das monumentale Gipfelkreuz steht denn auch auf der Kantonsgrenze LU/SZ. Einheimische erklärten uns, dass es eigentlich zwei Gipfel gäbe, und auf dem wenige Meter östlich des Vitznauerstocks gelegenen Gersauerstock ebenfalls ein kleineres Gipfelkreuz stehe. In unserem Bericht ist der Einfachheit halber (und weil wir von Vitznau aufgestiegen sind) vom Vitznauerstock die Rede…

Zur Tour: spontan entschieden Sylvia und Jürg auf Anfrage, uns auf dieses Pensioniertentürli zu begleiten. Und das Wetter sollte nach diesen Regentagen auch mitspielen. Auf der ÖV-Hinfahrt bis Luzern und der anschliessenden Schifffahrt nach Vitznau dampfte zwar nicht das Schiff, das Wetter hingegen schon. Die Sonne sog die Feuchtigkeit richtiggehend auf, so dass sich die umliegenden Berge nur langsam zeigten. Beim Schiffsteg in Vitznau war der Gipfel noch wolkenverhüllt. Trotzdem motiviert machten wir uns auf die quer durch Vitznau verlaufende Strecke hinauf bis zu den Talstationen der beiden Seilbahnen (Hinterbergen und Wissifluh). Beim Wehr am Altdorfbach hielten wir rechts, vorbei an der dort eingerichteten Kletterwand(😊). Hier ist auch der Eingang zur Festung Vitznau (Artillerie-Felsfort, Kasemattenwerk), heute Museum. Gleich zu Beginn begann es heftig zu steigen, und das bei dieser sehr hohen Luftfeuchtigkeit. Erst über Weideland und unter der Seilbahn verlaufend führte der wrw-markierte Pfad dann zunehmend steil im Wald hoch, bis auf einer Höhe von 800 m.ü.M. die St. Antoni-Kapelle erreicht war. Hier gönnten wir uns eine erste Trinkpause. Gleich nach diesem besinnlichen Ort bei P.819 die Verzweigung, wo es auch direkt nach Hinterbergen oder Fälmis hoch ginge; wir drehten in Richtung Süd (Wegweiser Wissifluh). Es folgte ein immer ruppiger werdender Pfad, der ab P.914 schliesslich unter felsigen Flühen durchführte. Hier waren einige Stellen seilgesichert, was vor allem im Abstieg hilfreich wäre. Das Gelände sehr feucht und unangenehm schmierig-rutschig. Bald war die im Wald auf einem Felssporn stehende Bergstation Wissifluhbahn erreicht. Ab hier verlief der Pfad angenehmer und über eine trockene «Strasse». Beim aussichtsreich gelegenen Restaurant Wissifluh (946 m) hielten wir links, um weiter aufzusteigen. Durch schönste Alpwiesen führte der Weg hoch bis Oberurmi (1154 m); auf diesem Abschnitt erfreute uns die Sonne, in Oberurmi dann die tolle Aussicht nach Gersau und Beckenried hinunter und auf den «Vier-Kantone-See». Sogar der Urirotstock zeigte sich zaghaft. Nach einer weiteren Pause drehten wir in Richtung Nord zum Waldrand, hoch, über uns das bewaldete Gipfelziel. Nun folgte ein Aufstieg in Gratnähe, der es in sich hatte: nass-feucht, schmierige rutsch-gefährdete hohe Tritte (gell Sylvia!?), teilweise seilgesicherte Querungen unter Felsen – eine wilde Gegend! Immer wieder meinten wir, den Gipfel bald erreicht zu haben. Ab Oberurmi waren auf einer Strecke von einem km immerhin 300 Aufstiegsmeter zurück zu legen. Dann plötzlich ein letzter felsiger Aufschwung – und endlich standen wir am Abgrund beim übergrossen Gipfelkreuz auf dem Vitznauerstock. Hier verweilten wir etwas länger und genossen den Tiefblick und eine kleine Mittagsrast, selbstverständlich war auch der Eintrag ins festmontierte Gipfelbuch – der letzte war vom 10. Juni.

Nach ausgiebigem Gedanken- und Erfahrungsaustausch mit einem netten, älteren einheimischen Berggänger (dem einzigen, den wir heute angetroffen haben), der von Fälmis aufgestiegen war, machten wir uns auf den Abstieg – das Gipfelkreuz des Gersauerstocks haben wir nicht gesehen… Der Abstieg verlief weiter auf der Kantonsgrenze. Und nun urplötzlich die bekannte Leiter vor uns, welche allerdings keine wirkliche Herausforderung bedeutete – selbstverständlich entsprechende Vorsicht vorausgesetzt. Das folgende Abstiegsgelände nochmals sehr schmierig und weiterhin ausrutsch-gefährdet. Oberhalb Fälmis dann eine lange Bank an der Sonne, welche uns geradezu einlud, zu pausieren – mittlerweile bei schönstem Wetter. Ab P.1176 (Fälmis) dann leichtes Auslaufen auf der Strasse bis zur einen km entfernten Wirtschaft Hinterbergen. Hier liessen wir uns zu einer längeren Mittagspause nieder auf der einladenden Terrasse. Die sehr nette Gastfreundschaft der Familie Küttel hier oben zu geniessen, war ein schöner Abschluss einer doch fordernden Bergwanderung. Der kurze Weg zu Bergstation der Seilbahn meisterten wir mit etwas schweren Beinen. Für 8 Franken pro Person konnten wir elegant und knieschonend ca. 600 Hm vernichten. Bei der Schiffstation Vitznau angekommen, wählten wir für die Heimfahrt eine ziemlich ausgefalle Route: Bergfahrt mit der Bahn auf Rigi Kulm, dort Umstieg ins «blaue Bähnli» und Talfahrt nach Arth Goldau hinunter. Von dort mit der SOB gemütlich über Sattel – Rothenturm – Biberbrugg – Pfäffikon SZ – Rapperswil ins Zürioberland. Sowas geht am idealten mit einer Spartageskarte HT für 59 Franken.

Fazit:
Eine nicht zu lange, teilweise aber ruppige und Trittsicherheit abverlangende Bergwanderung mit über tausend Aufstiegsmetern, welche angeblich früher weiss-blau-weiss(!) und seit einiger Zeit weiss-rot-weiss markiert ist. Nach unserer Erfahrung und unter Berücksichtigung der Verhältnisse eher T4 als T3. Ein schönes Pensioniertentürli – fast schon wie früher ein Schulreisli😊 – war das mit euch Sylvia und Jürg; danke, ihr ward tüchtig!

Wetterverhältnisse:
Zu Beginn etwas bewölkt, bald zunehmend sonniger mit leichter Bewölkung, auf dem Gipfel gute Sicht auf die umliegende Seen- und Berglandschaft, die Weitsicht war etwas getrübt. Anfänglich ca. 12°, im Tagesverlauf bis ca. 24°.

Hilfsmittel:
Stöcke (heute unbedingt zu empfehlen), GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 15. Juni 2018
Schwierigkeit: -T4
Strecke: 8.2 km, Schiffssteg Vitznau, Talstationen der Seilbahnen (Hinterbergen und Wissifluh) – St. Antoni-Kapelle – P.819 (Verzweigung) – P.914 (Verzweigung) – Bergstation Wissifluhbahn – Restaurant Wissifluh (946 m) – Oberurmi (1155 m) – Vitznauerstock (1450 m) – P.1176 (Fälmis) –  Alpwirtschaft Gründli – Wirtschaft Hinterbergen – Bergstation Seilbahn Vitznau-Hinterbergen)
Aufstieg: ca. 1038 m
Abstieg: ca. -371 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 6 Std.
Benötigte Zeit ohne Pausen 3 Std. 15 Min.
Tageszeit: 09:10 bis 15:10 Uhr

Kamera:
Nikon D7000

Schimberig 1816 m, über den luftigen Hängst

Die Teilnahme an der Geburtstagsfeier zweier Freunde (in Bäup) brachte uns auf die Idee, zu übernachten und den Sonntag auf der Rückfahrt durch das Emmental und die Unesco-Biosphäre Entlebuch zu nutzen für eine Tour auf den Schimberig. Das Gebiet am Glaubenberg kannten wir bislang nicht. Und die hikr-Berichte von Ursula&Felix und Fraroe (Franz und Rösly) motivierten uns geradezu zu dieser knackigen Tour. Zwar wussten wir um die respektable Schlüsselstelle am Hängst, die notfalls auch unterquert werden könnte.

Etwas oberhalb der Alpwirtschaft Gründli fanden wir einen Parkplatz an der Glaubenberg-Passstrasse. Die sympathische Alpwirtschaft liessen wir vorerst rechts stehen; die Belohnung sparten wir auf, denn zuerst wollten wir etwas leisten. Gleich unterhalb des Gründli überquerten wir das Wildwasser der Grossen Entle, um nach wenigen Metern bei Punkt 1127 rechts zu halten. Auffallend waren die bereits zu Beginn und dann durchgehend weiss-blauen Markierungen – nach unserer Auffassung etwas übertrieben. Vorbei am Vordergrund und oberhalb bei P.1153 verlief der gute Pfad am Rand des schattenspendenden Waldes. Nach etwa einem Kilometer wurde es ruppiger und steiler bis zur Bergstation der Transportseilbahn, welche die Schafschimbrig-Hütte versorgt. Die Hütte umgingen wir westlich, um dann in einigen Kehren (an der prallen Sonne) bis zu P.1475 weiter aufzusteigen. Ab hier bewegten wir uns immer möglichst nahe des (noch) nicht ausgeprägten Grates. Nach etwa dreihundert Metern (und hundert Hm) verliessen wir den Wald und der Ausblick weitete sich, nicht zuletzt deshalb, weil wir den weiteren Aufstieg links auf dem Grat und nicht wie markiert in der parallel verlaufenden Mulde zurücklegten. Bis P.1755 (Wegweiser) waren jetzt noch vierhundert Meter Strecke zurück zu legen; die wbw-markierte Stange mit Wegweiser war von weitem zu sehen. Hier wird der Weiterweg nach links gewiesen, auf welchem der Hängst unterquert wird und der Schimberig direkt erreicht wird. Ein Hinweis zum Hängst fehlt, was schade ist. Der weitere Aufstieg (50 Hm) führte wegelos durch hohes Gras (und Brennnesseln!); Trittspuren waren kaum zu erkennen. Vor dem höchsten Punkt war in einem kurzen Zwischenabstieg ein leicht ausgesetztes Grätchen zu überwinden. Auf dem Hängst angekommen die Schlüsselstelle: eine beeindruckende, fünf Meter hohe felsige Steilstufe, die abgeklettert werden musste. Gut für uns, dass vier Huttwiler SACler (Ursula, Felix, Jumbo, Thömu) auf ihrer gemeinsamen Tour am 12. Mai die Stelle mit einer verankerten Eisenstange und einer Schlinge etwas entschärften (Danke viu mau!). Dank dieser Hilfe gelang der Einstieg zum Abstieg etwas einfacher. Wer kurze Beine hat, muss mit etwas mehr Mühe rechnen; aber ich bin vorgestiegen und habe Doris gecoacht. In der senkrechten Kletterstelle hat es aber ein paar gute Trittstellen. Was dann folgte, war die zweite Herausforderung: ein etwa sieben Meter langer sehr schmaler und luftiger Grat; links und rechts geht’s tiiiiiiiief runter. Nach diesem Meisterstück fühlten wir uns bestätigt, doch ziemlich schwindelfrei zu sein. Der restliche Weg bis zum Schimberig war ein Spaziergang. Auf dem Gipfel hat es Platz für viele, zahlreich war heute der Besuch. Aber die Bankniederlassung war frei, und wir genossen die Gipfelrast ausgiebig. Das Panorama war etwas getrübt durch die (angekündigte) Quellbewölkung.

Auf der Abstiegstrecke bis zur Verzweigung Schimbrigbad/Chätterech verläuft der Pfad durch lichten Wald; wer wie wir ein paar Meter links lief (immer auf der Grathöhe), hat mehr Weitblick. Bei der genannten Verzweigung war ein Stacheldrahtzaun (ja solche gibt es noch immer!) zu überwinden über eine kleine Leiter. Der passartige Einschnitt Ober Loegg (1469 m) war bald erreicht; beim Weidezaun folgten wir dem Wegweiser (wrw) über Under Loegg – wo wir auf die ersten Alpviecher trafen – bis zur Alp Chätterech (1240 m). Hier feierten die Älpler mit ihren Familien grade – das Jodelchörli war schon von weit oben zu hören. Hier dann auch die ersten (scheuen) Tropfen. Nun folgte der etwas unangenehme Weiterweg auf der holprigen Alpstrasse hinunter bis Vordergrund. Etwas unangehm, weil wir immer wieder von talwärts fahrenden SUVs «bedrängt» wurden. Bei P.1127 schloss sich unsere schöne Runde. Nun winkte die Belohnung in der Alpwirtschaft Gründli – sympathisch, weil sich hier alle duzen. Die Belohnung war dann doch etwas reichlich: zuerst Panachés um die Flüssigkeitsdepots aufzufüllen, danach Süsses (Meringues für Ruedi natürlich…). Gerade zur richtigen Zeit, als wir gemütlich in der Gartenwirtschaft sassen, begann es kurz und kräftig zu schütten. Machte uns nichts aus, wir waren ja am Schärme. Und als es vorbei war, waren wir bereit für die kurzweilige Heimfahrt durch dieses schöne Land.

Fazit:
Eine eher kurze, dafür umso anspruchsvollere, witterungsbedingt stimmungsvolle, teilweise alpine Bergwanderung, welche uns sehr gut gefallen hat. Danke Dir lieber Felix, für die vielen Tipps in der Vorbereitung!

Wetterverhältnisse:
Zu Beginn sonnig mit leichter Bewölkung, an Schimberig-Gipfel mit zunehmend stärkerer Bewölkung, ab Chätterech einige Regentropfen, ca. 18 bis 24°, wenig ausgeprägte Gewittertendenz

Hilfsmittel:
Stöcke, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 10. Juni 2018
Schwierigkeit: T5, I-II nach UIAA-Skala (Kletterstelle Hängst), ansonsten T3
Strecke: 7.6 km, Parkplatz oberhalb Alpwirtschaft Gründli – P.1127 – Vordergrund – P.1153 – Vordergrund – Schafschimbrig-Hütte – P.1475 – P.1755 (Verzweigung) – Hängst – Schmiberig – Ober Loegg – Under Loegg – Chätterech – P. 1127 – Alpwirtschaft Gründli🍺🍺
Aufstieg: ca. 726 m
Abstieg: ca. -713 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 4 Std. 15 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen 3 Std.
Tageszeit: 10:00 bis 14:15 Uhr

Kamera:
Sony DSC-HV90V

Asciano – Serre di Rapolano – Rundtour le Crete

Den angekündigten schönen Frühsommertag wollten wir nutzen für eine weitere, nicht sehr fordernde, aber auch nicht zu kurze Rundwanderung im Gebiet der Crete. Nach einem Caffè in einer Bar im Centro storico starteten wir bei noch etwas bedecktem Himmel. Im Nachhinein durften wir froh sein darüber, dass uns die Sonne nicht gleich zu Beginn einheizte. Vorbei an der Chiesa della Madonna del Giardino verlief die gewählte Strecke (Weg Nr. 525 – schlecht resp. gar nicht markiert) leicht steigend durch eine von der Landwirtschaft geprägten natürlichen Landschaft, welche in sattem Grün eingebettet war. Dazwischen immer wieder grössere, rot leuchtende Mohnfelder, welche diesen typischen Landschaftszauber ausmachen. In grösseren Abständen passierten wir Bauernhöfe (siehe Streckenbeschreibung). Als wir den höchsten Punkt beim Podere Piocaia (ca. 315 m.ü.M.) erreichten, hatte sich der morgendliche Nebel verzogen. Herrliches Gelände mit Blick zur nahen Terme di Rapolano und zum Nachbarort Serre die Rapolano. Zwar wussten wir schon um die herausfordernde Schwierigkeit, nahe der Bauernhöfe ihre Aufgabe sehr ernst nehmenden Hirtenhunden zu begegnen. In der Regel machen sich die schönen und eindrücklich-aggressiven Tiere frühzeitig bemerkbar. Ganz anders aber beim Podere Treno; wie aus dem Nichts werden wir von einem wilden Rudel sieben(!) Hunden umringt und mit wildem Gebell bedroht. Doris hatte schon den Pfefferspray bereit; mit vereinter energischer Gegenwehr gelang es uns, die wilde Horde auf Distanz zu halten. Dazu sei erwähnt: Angst darf man in solchen Situationen keinesfalls zeigen – eine Kunst, die ziemlich Überwindung fordert. Die folgenden Höfe wurden zwar auch von Hunden bewacht, die aber immerhin von Zäunen in Schach gehalten waren. Nahe der Terme di San Giovanni überquerten wir die Bahnlinie, um dann (auf geteerter Strasse) den Ortsrand Serre die Rapolano zu erreichen. Hier missbrauchten wir ein am Strassenrand stehendes Bildstöckli mit Travertinbank(!) für die Mittagsrast. Hier erreichte uns dann auch eine Whats-Nachricht von Richi, der sich erkundigte, wie wir es denn in der Toscana so hätten – unsere Antwort war „So olala“. Naja, schliesslich wollten wir nicht die armen daheimgebliebenen Werktätigen mit „übertriebenen“ Darstellungen und Bildern „belästigen“😊. Nach der Mittagsrast meinten wir eine Abkürzung durch einen Olivenhain machen zu können – der Weg war hübsch, aber nicht durchgehend. Ein Stück weiter dann eine Erfahrung, die wir in der Toscana oft machten: es gibt durchaus gute Wanderkarten und auf diesen mit Nummern bezeichnete Wanderwege. Nur in der Praxis fehlen bestenfalls die Wegmarkierungen (oder sie sind gut versteckt resp. überwuchert), oder die Wege sind ganz einfach nicht (mehr) vorhanden. Die Option, die Felder einfach durch das hohe Gras zu durchqueren, war Doris mit ihrer Pollenallergie nicht zuzumuten. Also ungeplante Umwege! Die Schwierigkeit war, südlich von Serre die Rapolano einen vernünftigen Übergang über die Bahnlinie zu finden. Die Richtung kannten wir ja, und ungefähr beim Podere Poggio Greppoli trafen wir dann wieder auf die geplante Strecke, mittlerweile als Nr. 505 (auf der Karte) bezeichnet. Der Weg führte über offenes Gelände, und in der Ferne waren auch schon die Häuser von Asciano zu erkennen. Auf dem Weg dorthin dann noch der schöne Ausblick auf ein veritables Bahnviadukt, und fast wie bestellt wurde dieses befahren von einer modernen Zugskomposition (Stadler Rail!). Bei der Chiesa della Madonna del Giardino schloss sich der Kreis, und eine landschaftlich sehr reizvolle Wanderung fand einen schönen Abschluss. Arrivederci.

Fazit:
Eine fast schon hochsommerliche Rundtour in dieser einmalig schönen Crete-Landschaft. Einfach toll!

Wetterverhältnisse:
Zu Beginn etwas Hochnebel, der sich ab 10 Uhr auflöste, dann ein sehr sonniger und warmer Hochsommertag, Temperatur bei ca. 22 bis 30°

Parameter:
Tour-Datum: 25. Mai 2018
Schwierigkeit: T1
Strecke: 18.4 km, Asciano (Parkplatz am nordwestlichen Stadtrand) – Chiesa della Madonna del Giardino – Podere Monticelli – Podere Piocaia – Podere Treno (Achtung Hirtenhunde!) – Podere Ripi – Podere San Martino – Serre di Rapolano – Podere Poggio Greppoli – Asciano
Aufstieg: ca. 365 m
Abstieg: ca. -361 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std. 20 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen 4 Std. 06 Min.
Tageszeit: 09:45 bis 15:00 Uhr

Kamera:
Nikon D7000

Monte Oliveto Maggiore – un giro in Creti Senesi

Santa Maria Abbazia di Monte Oliveto Maggiore – eigentlich kein Berg, sondern eine weitläufige Klosteranlage, dessen Gründungsurkunde aus dem Jahre 1319 stammt. Noch heute wird die Abtei von der Benediktinerkongregation von Santa Maria di Monte Oliveto Maggiore geleitet. Der Abtei vorgelagert der Torre mit dem touristischen Teil der Anlage, einem Restaurant und nahe gelegenem Parkplatz. Soviel in Kürze zum historischen Hintergrund.

Seit wir einen kleineren Teil unseres Lebens in der Toscana verbringen, zieht uns diese von Verwitterung und Erosion geformte Landschaft – Crete senesi heisst sie – an. Hier gibt es viele Wandermöglichkeiten und auch mehr oder weniger gut markierte Wege. Heute wollen wir einen Giro, eine Umrundung des Monte Oliveto Maggiore, unternehmen. Während es die meisten Besucher bei einem Rundgang durch die Klosteranlage beliessen und abschliessend in der Bar standeten, liefen wir westlich der Kirche hinunter zum Flüsschen la Borraia. Schattig und stellenweis morastig das Gelände – zur Freude von Doris (Schuhreinigung drohte!). Vom tiefsten Punkt stiegen wir hoch bis zum Hof Pioco, und ab hier nun voll an der Sonne auf dem befestigten Fahrweg zum hübschen Dörfchen Chiusure; immer schön entlang der Abbruchkanten der Crete. Unterwegs begleiteten uns wunderbar intensive Gerüche wilder Kräuter (Wildfenchel, Currykraut, Kamille, usw.) – eigentlich schade, dass sich solche Gerüche nicht fotografisch festhalten lassen – aber vielleicht kommt das noch…

Auch wenn die Wanderung bis hierher wenig anstrengend war, kam uns die in der Dorfmitte stehende Bar del Paradiso gerade richtig. Crodino, Capuccino und eine Paste dazu musste sein. War die Landschaft schon bis hierhin spektakulär, kamen jetzt noch die typischen Toscana-Bilder dazu: junges Grün auf den weiten Feldern, intensives Rot des Mohn (Papavero) und natürlich von Zypressen gesäumte Strässchen. Fotosujets noch und noch (siehe Bilder). Südlich des Dorfausgangs führte uns der Weg nahe der Crete vorbei. Nach einem Kilometer hielten wir rechts, um den Weg Nr. 515 (der nach San Giovanni d’Asso hinunterführt) zu verlassen. Weiter gings noch immer auf dem Weg Nr. 515 – weshalb die Wege gleich bezeichnet sind, weiss der Kuckuck. Ach ja, der schöne Ruf dieses Vogels begleitete uns auf der gesamten Wanderung – für Musik war also gesorgt. Nach leichtem Auf und Ab erreichten wir den verlassenen Hof Fornacino. Hier dann der Irrtum des Tages: für uns war klar, dass wir auf dem Fahrsträsschen weiterliefen. Kurz vor dem Pod. Terzopacino begegneten wir einer in einem Pickup heranfahrenden Engländerin, welche sich als Einheimische outete und uns aufklärte, dass es ab Terzopacino nicht mehr weiter gehe (Proprieta privata, divieto l’accesso). Sowas hatten wir geahnt, weil uns unterwegs ein paar (geöffnete) Absperrungen zweifeln liessen. Macht nichts, wir hatten Zeit und waren ohnehin gut drauf, zurück also bis Pod. Fornacino. Hier suchten (und fanden) wir die gut versteckte Wegmakierung. Ab jetzt führte ein Trampelpfad durch ziemlich stark verbuschte Pampa. Von der vermuteten schönen Aussicht ins Land sahen wir vorerst nichts. Dafür hockten plötzlich zwei Wanderinnen mitten im Weg. „Salve, un bel posto che avete scelto” – “Hallo, das hier ist eine Barrikade”. Sowas kam uns auch gerade in den Sinn. Die zwei deutschen Frauen (Mutter und Tochter wohl) meinten dann noch etwas unsicher “see you later”. Damit war klar: italienisch konnten sie nicht. Und: gesehen haben wir sie später nicht mehr😊. Nach wenigen Metern öffnete sich die erwartete Aussicht, das Panorama ging nach Montalcino und reichte bis nach Siena – Traumlandschaft. Bald war auch die befestigte Fahrstrasse mit der Verzweigung Weg Nr. 515/552 erreicht; wir hielten rechts auf 552. Nach ein paar Serpentinen fanden wir einen schönen Platz, um unsere Mittagsrast abzuhalten. Die Panini waren gut gefüllt und schmeckten entsprechend lecker. Nach ausgiebiger Pause zogen wir weiter, vorbei an schönen, aber leider verlassenen Höfen (Pod. Belvedere, Pod. Castello). Über mit Zypressen gesäumte Serpentinen erreichten wir eine kleine Brücke über das ziemlich ärmliche Rinnsal Fosso del Vespero. Hier verliessen wir den 552er, der nach Buonconvento hinunterführt. Auf kurzem Weg steil hinauf bis zur geteerten Strasse, welche von Buonconvento nach Asciano führt. Leider hofften wir vergebens, den Rest von ca. 3 km zurück zum Ausgangspunkt nicht auf Asphalt gehen zu müssen. Zum Glück war die Strasse nicht stark befahren. Dank dem Landschafts-Kino links und rechts war es recht kurzweilig. Dennoch waren wir – nach 18 km Strecke – froh, die Abtei wieder erreicht zu haben. Im schattenspendenden Garten des Restaurants löschten wir den Durst. Die Rückfahrt durch die uns sehr vertraute Landschaft war dann abschliessender Genuss (bei einer Aussentemperatur von 27°!).

Fazit:
Eine fast schon hochsommerliche Rundtour in dieser einmalig schönen Crete-Landschaft. Einfach toll!

Wetterverhältnisse:
Ein sehr sonniger Sommertag, Temperatur bei ca. 20 bis 25°

Parameter:
Tour-Datum: Pfingstsamstag, 19. Mai 2018
Schwierigkeit: T2
Strecke: 18.2 km (davon 2 km Umweg*), Abbazia di Monte Oliveto Maggiore (273 m), gebührenpflichtiger Parkplatz beim Torre, vorbei an der grossen Klosteranlage, Abstieg im Mischwald zum Rinnsal la Borraia – Aufstieg, ab Pioco schliesslich auf befestigter Naturstrasse zum Dörfchen Chiusure (401 m) – südliche Umwanderung der Crete Weg Nr. 515 – Pod. Fornacino, ab hier der Verhauer* bis Pod. Terzopacino (268 m) und wieder zurück –  ab Pod. Fornacino in Richtung SW (Nuova di Gre) – über einen mehr oder weniger ausgeprägten Pfad bis eine Naturstrasse erreicht ist (Verzweigung Weg Nr. 515/552) – weiter auf 552 – Pod. Belvedere 258 m – Pod. Castello 210 m – Brücke über den F.so del Vespero –  Weg Nr. 552 nach rechts verlassend – steile Naturstrasse hoch zur Hauptstrasse  (Buon-convento-Asciano), auf dieser über San Nazzario – Bollano – Abbazia di Monte Oliveto Maggiore
Aufstieg: ca. 559 m
Abstieg: ca. -531 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std. 30 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen 4 Std. 15 Min.
Tageszeit: 09:45 bis 15:15 Uhr

Kamera:
Sony DSC-HV90V

Gantkofel (1866 m) – Aufstieg durch die Grosse Scharte, Abstieg durch die Kematscharte

Auf der Reise in die Toscana ein paar genussreiche Tage im Südtirol – diesmal mit einem Aufenthalt in Kaltern. Dem erwarteten Gourmeterlebnis wollten wir etwas Kontrast entgegensetzen, mit einer Bergwanderung. Der Gantkofel war schon länger ein Ziel; er ist der nördliche Eckpfeiler des Mendelkamms, einer 35 km langen Bergkette an der Grenze zwischen Südtirol und Trentino, die westlich und südlich von Bozen steil über der Weinstrasse Kaltern zum Etschtal abfällt.

In der Vorbereitung boten sich uns einige Varianten – alle ziemlich anforderungsreich; wir entschieden uns vor Ort für den Aufstieg durch die Grosse Scharte, und den Abstieg über die Kleine Scharte (sog. Kematscharte). Im Wissen um die leichte Gewittergefahr hofften wir auf trockene Verhältnisse in den sehr engen Schluchten. Die Tour könnte auch im Uhrzeigersinn unternommen werden – Aufstieg durch die Kematscharte und runter durch die Grosse. So oder so waren die Anforderungen im T4-Bereich.

Kurz vor dem Putschwaner See oberhalb Berg (Eppan) kündigte ein bei einer Schranke stehendes Schild an, dass das Gasthaus Buchwald geschlossen sei, also mussten wir auf der sehr engen und kurvenreichen 4 km langen Buchwaldstrasse nicht mit Gegenverkehr rechnen. Auf dem grossen Parkplatz beim Gasthaus fanden wir problemlos einen Platz.

Gleich zu Beginn führte uns ein Pfad steil über Wiesland zum Waldrand hoch (links am Funkmasten vorbei). Durch Mischwald stiegen wir weiter hoch zum 100 Hm höher liegenden Eppaner Höhenweg. Auf diesem dann wenig ansteigend nordwärts bis zum Wegweiser Nr. 536. Dier wies uns unmissverständlich in Richtung Grosse Scharte, von der wir allerdings (noch) nichts sahen. Lediglich die Felswände türmten sich senkrecht auf, und wir spekulierten schon, wo und wie wir da durchkommen sollten. Nach etwa 300 m wurde es dann ernsthaft steil. Vor uns (besser: über uns!) die ca. 1500 m lange Schlucht mit einer Höhendifferenz von fast 700 m. Der „Weg“ hatte an einigen Stellen unmenschlich hohe Tritte, je enger die Schlucht wurde, desto steiler, ab und zu etwas ausgesetzt. Die Durchblicke ins etwa 1500 m tiefer liegende Etschtal hinunter waren spektakulär. Für den Aufstieg durch die Scharte benötigten wir etwa 70 Minuten. Oben angekommen, ein fast schon lieblicher Anblick: eine moorartige Wiesenlandschaft mit schönen Frühlingsblumen. Nahe einer Quelle erreichten wir eine Höhe 1780 m.ü.M. Nach wenigen Metern hielten wir auf gut markiertem Pfad in Richtung Gantkofel-Spitze. Hier oben muss der Schnee erst vor wenigen Tagen weggeschmolzen sein. Nach wenigen Minuten dann der kurze Aufstieg zum breiten Gipfelplateau. Hier oben bot sich ein Ausblick vom Feinsten, wenn auch nur für kurze Zeit, während dem sich die Wolken an der Wand hoch pressten – Gipfelglück nennt man das! Einige Meter weiter nordwärts, bei einem grossen Gipfelkreuz, genossen wir dann unsere ausgiebige Rast. Von einem sehr netten Paar aus dem nahen Sarntal erfuhren wir, dass ihre Heimat auch sehr schöne Wandermöglichkeiten böte, die Sarner Scharte zum Beispiel (werden wir uns merken!). Von den beiden sehr freundlich darauf hingewiesen, dass man im Südtirol deutsch spreche und italienisch gar nicht gerne höre (Südtirol eben, und nicht Alto Adige). Dennoch standen wir jetzt auf dem so bezeichneten Monte Macaion – zu deutsch Gantkofel.

Im Abstieg folgten wir der Aufstiegsstrecke bis zur Quelle, wo sich die Einstiegsstelle zur Grossen Scharte befindet. An dieser vorbei die Höhe haltend über schöne, noch nicht bestossene Alpweiden in Richtung S (Weg Nr. 500). Nach etwa anderthalb km dann der gut markierte Einstieg in die Kematscharte (Weg Nr. 546). Alleine der Blick in die Schlucht verlangt schon Respekt; kommt noch die furchterregende Warnung vor Steinschlag hinzu. Und hier sollen wir durch? Wir wagten es, sehr vorsichtig, jeden Schritt abwägend. Wirklich unglaublich, diese Steilheit, diese Enge! Und dann etwa in der Mittel, am engsten Punkt der Schlucht, die Schlüsselstelle: nach einem kurzen Abstieg über eine Holztreppe, welche mit einem Drahtseil gesichert war, dann die Stelle, wo ein Klemmblock den Weiterweg versperrte. Von den zwei Möglichkeiten zur Überwindung (untendurch oder oben drüber) wählten wir die etwa 10 m lange und senkrecht montierte Eisenleiter. Die Alternative, den Block durch eine drahtseilgesicherte Höhle zu unterklettern, wäre ebenfalls gut machbar gewesen. Von unten war diese Stelle noch furchterregender. Wir befanden uns an der engsten Stelle, wo auf dem nassfeuchten und kiesigen Untergrund Trittsicherheit abverlangt wird. Im weiteren unverändert steilen Abstieg weitete sich die bedrohliche Kulisse beidseitig überhängender Felswände. Bald war eine Fortstrasse erreicht, welche wir querten, um auf etwas „friedlicherem“ Gelände den Löschsee und die schöne Pfaunbodenhütte zu erreichen. Noch immer steil führte der Weiterweg durch schönen Wald hinunter, bis der Eppaner Höhenweg wieder erreicht war. Nur noch wenige Abstiegsmeter zum Gasthaus Buchwald, doch zum Abschluss noch eine Rast am Waldrand, mit dem Panoramablick auf das Weingebiet und Bozen, der Blick zu den Dolomiten lag in dunklen Wolken.

Fazit:
Eine unglaublich spektakuläre, wilde und nicht ganz ungefährliche, und fordernde Scharten-Tour, die uns ausgezeichnet gefallen hat. Und mit der Leistung war auch die Basis gelegt für das abendliche Gourmetmenü, welches wir ohne schlechtes Gewissen genossen haben…

Wetterverhältnisse:
Freundliche, teilweise sonnige Witterung bei ca. 20°, auf dem Gantkofel aufziehende Bewölkung, aber trocken.

Hilfsmittel:
Stöcke, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 12. Mai 2018
Schwierigkeit: T4/I-II
Strecke: 9.6 km, Gasthaus Buchwald (955 m, heute geschlossen, Parkplatz) – für ca. 1.6 km entlang dem Höhenweg bis zum Wegweiser Nr. 536 – Grosse Scharte (1826 m) – Quelle (beim Ausstieg aus der Scharte) – Gantkofel (1866 m) – zurück bis zur Quelle, vorbei an der Einstiegsstelle zur Grossen Scharte – über Alpen in Richtung S (Weg Nr. 500) über eine Strecke von ca. 1.7 km leicht absteigend bis zur Einstiegsstelle Kematscharte (Weg Nr. 546) – Abstieg durch die Scharte – Forsthaus Pfaunboden (1230 m) – Gasthaus Buchwald
Aufstieg: ca. 984 m
Abstieg: ca. -975 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std. 45 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen 3 Std. 20 Min.
Tageszeit: 10:00 bis 15:45 Uhr

Kamera:
Sony DSC-HV90V

Goldauer Bergsturz bei Föhnsturm

So eine stimmungsvolle Föhnsturm-Wanderung muss erlebt werden! Ab (gebührenpflichtigem) Parkplatz Bahnhof Arth-Goldau durchquerten wir das Zentrum von Goldau in Richtung Tierpark. Kurz vor dem Ortsende und nach P. 514 folgten wir links dem Wegweiser in Richtung Gnipen (3 Std.). Bei P. 655 in der Haarnadelkurve nach rechts (Richtung Untergrisselen, nach wenigen Metern die Strasse nach links verlassend (WW Richtung Gnipen). Jetzt weiter auf dem Direktaufstieg durch den Schuttwald bis P. 817. Vorbei an der Haarnadelkurve der Strasse weiter durch den Schuttwald. Auf einer Höhe von ca. 960 m dann links haltend (WW Gnipen – rechts ginge es nach Gribsch). Nach wenigen Metern böte sich dann der Einstieg zum Orchideen-Paradies (mit ausführlicher Infotafel). Diesen Lehrpfad wollten wir heute nicht begehen, weil die Orchideen (Frauenschuh, Vogel-Nestwurz und Waldvöglein) bestimmt noch nicht zu bewundern waren – das dürfte erst im Laufe des Mai der Fall sein. Wir hielten uns also vorerst nach Westen, um dann auf dem Normalweg (rot-weiss) aufzusteigen. Dieser verlief nun zunehmend steil, ab einer Höhe von ca. 1280 m sogar sehr steil und über hohe Tritte. Auf den letzten 200 Höhenmetern einer Gratwanderung gleichend, waren einige steilere Kraxelstellen zu meistern. Bald standen wir auf einem begrasten Aufschwung – das Gipfelkreuz des Gnipen vor uns. Der Fernblick war stimmig, mit Blick zu den Epizentren des Föhns, getrübt von riesigen Pollen-Wolken. Dennoch erkannten wir einige uns bekannte Gipfel (Rossstock, Kaiserstock, Fulen, Bristen, Urirotstock, usw.). Nach windbedingt kurzer Gipfelpause zogen wir weiter nach Osten über den Schwyzer Panoramawanderweg in Richtung Wildspitz. Hier oben waren die Auswirkungen vom Sturmtief Burglind unübersehbar – mindestens 30 Bäume versperrten den eigentlichen Weg. Einige Wanderer versuchten vergeblich durchzukommen, wäre auch zu gefährlich gewesen; Umgehung war die richtige Lösung. Der Wildspitz war in einer knappen halben Stunde erreicht. Dort oben war einiges los: Biker und Wanderer wollten verpflegt werden. Nach unserer Einkehr entschieden wir nach Steinerberg abzusteigen – im Wissen darum, dass der letzte Abschnitt von ca. 4 km nicht gerade knieschonend über eine asphaltierte Strasse verläuft. Den im Stundentakt verkehrenden Zug nach Arth Goldau verfehlten wir um wenige Minuten, was uns Zeit für eine Siesta bescherte.

Fazit:
Diese nicht gerade kurze, ansprechende, geologisch und witterungsbedingt stimmungsvolle Bergwanderung hat uns einmal mehr sehr gut gefallen.

Wetterverhältnisse:
Föhnsturm mit Böen bis 60 km/h, ca. 14 bis 24°

Hilfsmittel:
Stöcke, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 29. April 2018
Schwierigkeit: T3
Strecke: 14.8 km, Goldau – P. 655 – P.818 – Gnipen GK (1532 m) – Gnipen P.1566 – P.1538 – Wildspitz (1579 m) – P.1520 – Waldhütte – Obhegkapelle – P.1128 – P.1102 – P.1019 – P.967 (Schwand) – P.918 – Oberstock – Steinerberg
Aufstieg: ca. 1174 m
Abstieg: ca. -1034 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 6 Std. 15 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen 4 Std. 25 Min.
Tageszeit: 08:80 bis 15:00 Uhr

Kamera:
Sony DSC-HV90V

Ruinaulta – Rheinschlucht

Schon länger im Kopf, immer wieder vergessen, jetzt eine geradezu ideale Tour, weil höher hinaus wegen des vielen Schnees wohl noch bis Juni schwierig wird. Und bei diesem verfrühten Hochsommer bietet sich der Besuch dieses einmaligen, famosen Naturspektakels geradezu an. Ab Chur nutzten wir das Rheinschluchtticket für Fr. 19.50 (freie Fahrt mit allen ÖV). Alleine schon die 20-minütige Fahrt mit der Unesco-Welterbe-Bahn bis Station Valendas-Sagogn war das Geld wert. Hier starteten wir direkt beim antiken Bahnhöfli, auf den ersten paar hundert Metern entlang den Geleisen, zur Linken der mächtig Wasser führende Vorderrhein. Und darüber die eindrückliche Errosionslandschaft. Hier ereignete sich vor ca. 10000 Jahren der Flimser Bergsturz, dessen hunderte von Metern hohe Schuttmassen den Vorderrhein begruben. In der Folge bildete sich der ca. 25 km lange Ilanzer See. Mit der Zeit schnitt sich der Fluss jedoch tief in die Schuttmassen ein. Der Ilanzer See floss ab und die Rheinschlucht entstand; diese auch Schweizer „Grand Canyon“ genannte 13 km lange Schlucht endet mit dem Zusammenfluss von Vorder- und Hinterrhein zum Alpenrhein bei Reichenau. Auf beiden Seiten des Flusses bildeten sich bis zu 400 m hohe weisse Sandstein-Steilwände. Der rätoromanische Name Ruinaulta ist zusammengesetzt aus den Wörtern Ruina (Geröllhalse/Steinbruch) und aulta (hoch). Auf den Wegen in der Rheinschlucht vermitteln zahlreiche Tafeln Wissenswertes über die Schlucht. Auf den ersten 8 km bis zur Eisenbahnbrücke bei Chrummwag genossen wir das gemächliche Tempo – fast schon ein Spaziergang. Gut so, denn aus dem Staunen kamen wir kaum heraus. Nach der Überquerung des Flusses verloren wir für einen längeren Zeitraum die Schlucht aus den Augen, weil jetzt der Aufstieg nach Flims begann. Steil und wunderbarerweise meist im Wald hechelten wir bis auf eine Höhe von ca. 900 m in Richtung Nord, um dann das Fahrsträsschen abrupt nach links (W) zu verlassen, in Richtung Conn. Dort (auf der grünen Wiese) angekommen, galt unser Besuch der nahen Aussichtsplattform Il Spir Conn – das wunderschöne Panorama auf unsere bisherige Leistung war so gut zu überblicken. Etwas weiter, ungefähr bei P.1010 genossen wir (leicht verspätet) auf einer freien Bankniederlassung das mitgebrachte Menü (1. Gang Bio-Cherry-Tomätli, 2. Gang Bürli mit reichlich Fleischkäse und Käse überfüllt, 3. Gang Mini-Ragusa aufgeweicht…). So gestärkt waren die restlichen 3 km bis Flims Waldhaus das reine Vergnügen. Der Weg führte vorbei am zu- und abflusslosen Caumasee, wo sich schon viele tummelten, um ihr ausgebleichtes Fleisch zu bräteln. Beim See dann die Überraschung: ein 125 m langer Lift befördete und gratis (für den Zugang zum Badesee wird nur während der Sommer-Hauptsaison Eintritt erhoben) geschätzte 30 Hm nach oben, von wo wir dann rassig Flims Waldhaus und damit das Postauto nach Chur erreichten – Doris initiierte angesichts des heranfahrenden Busses einen regelrechten Sprint (und ich gehorsam  hintendrein hihihi…), um das gelbe Ding noch zu erreichen. Geschafft! Ein wunderschöner Tag in einer ebensolchen Landschaft fand einen etwas eiligen Abschluss – mein Glacé-Bedürfnis stillten wir dann doch noch, in Chur auf dem Bahnhofplatz.

Ein paar Worte noch zur Gastronomie in und um die Rheinschlucht:
Mit Ausnahme der kleinen Bahnhofbeiz bei der Station Valendas-Sagogn inexistent! Eigentlich wollten wir einkehren im bei der Station Versam-Safien stehenden Café des Spirituellen Zentums Rheinschlucht, auf dessen Website zur Einkehr mit Spirit und Mystik geladen wird: Unser Café ist von April – 22. Oktober geöffnet. Dort werden auch sog. Licht-Botschaften, Spiritual Teachings, u.a.m. angeboten. Von wegen Spirit – NIX dort! War das eine erleuchtende Licht-Botschaft!? Die Hoffnung nahmen wir mit nach Conn – aber auch dort NIX – geschlossen… Wenigstens stimmten hier die Angaben im Web (bis zum 8. April 2018 durchgehend von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Nach einer kurzen Pause freuen wir uns, Sie ab dem 10. Mai 2018 wieder begrüssen zu dürfen). Gut, dass wir entsprechende Hard- und Software eingepackt hatten😊…

Wetterverhältnisse:
Hochsommerliches Wetter, am Vormittag ca. 14°, im Tagesverlauf bis 27°, windstill

Hilfsmittel:
Stöcke (nicht eingesetzt), GPS-Maschine (die Aufzeichnung ist etwas fehlerhaft, weil die Abschattung  in der stark zerklüfteten Schlucht ausgeprägt war.

Parameter:
Tour-Datum: 21. April 2018
Schwierigkeit: T2
Strecke: 14 km, RhB-Station Valendas-Sagogn 669 m – RhB-Station Versam-Safien 635 m – Chrummwag – Chli Isla – Ruin Aulta P.805 – Er Davos – Conn (Aussichtsplattform Il Spir) – Lag la Cauma – Flims Waldhaus 1110 m
Aufstieg: ca. 738 m
Abstieg: ca. -295 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 4 Std. 40 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen 4 Std.
Tageszeit: 09:30 bis 14:10 Uhr

Kameras:
Nikon D7000

Melchsee-Frutt-Runde: Ärzegg/Gumm – Tannalp – Chringen – Bonistock – Melchsee-Frutt

Susannes und Richis Idee, auf Melchsee-Frutt eine in diesem Winter wohl letzte Schneeschuh-Runde zu unternehmen, schlossen wir uns gerne an. Nach der Fahrt mit der Gondelbahn ab Stöckalp (heute Saisonschluss) starteten wir ab Bergstation Melchsee-Frutt kurz vor neun Uhr, bei schönstem Wetter. Vorbei an den modernen Hotelbauten strebten wir den Panoramalift an, nicht um die 40 m tiefer liegenden Spuren zu erreichen, nein um direkt durch den tiefen (und weichen) Schnee abzusteigen. Eine steile Herausforderung, wie sich zeigte. Dieser Start war nicht gerade das gelbe vom Ei – dafür das was jetzt folgte! Das erste Ziel, die Ärzegg, präsentierte sich übersichtlich. Den dort ab Distelboden hinaufführenden Sessellift mit den zugehörigen Skiautobahnen liessen wir südwestwärts liegen. Vorbei an der Talstation der auf den Bonistock fahrenden Luftseilbahn spazierten wir die ersten paar hundert Meter auf dem planierten Winterwanderweg, um bald rechts abzubiegen. Die deutlichen Aufstiegsspuren nutzend, erreichten wir in flottem Tempo den flachen Grat nahe Ärzegg und das Kreuz, welches den Punkt Gumm 2141 m markierte. Nach diesen ersten 250 Aufstiegsmetern die Gelegenheit für eine Trinkpause – und natürlich den Genuss des herrlichen Panoramas. Östlich ging der Ausblick in Richtung Titlis, davor die Engstlenalp mit dem gleichnamigen (zugeschneiten) See. Wir strebten die nordöstlich gelegene Tannalp an – wo das Bergrestaurant das östliche Ende unserer Tour markierte. Der etwa 1.9 km lange Abstieg (190 Hm) bot Plaisir-Schneeschuhwandern vom Feinsten, sogar neben der noch immer tragenden Spur konnten wir galoppieren. Gutgelaunt erreichten wir die Tannenalp kurz vor elf Uhr – zu früh für eine ausgiebige Mittagspause. Für Tee und etwas dazu reichte es allemal, die schöne Lage an der Sonne musste genutzt werden. Einige Sonnenanbeter taten dies in lockerer Bekleidung. Nach dem Zwischenhalt hielten wir uns an die über die Schnuer hochführende Spur, welche erstaunlicherweise noch (meist) trug. Allerdings ist man hier mit Schneeschuhen deutlich im Vorteil, wie die tiefen Einsinklöcher einzelner Wanderer zeigten. Unverständlich nur, weshalb die so die Spur teilweise stark malträtierten. Der Aufstieg kurz vor dem Chringenpass hatte es in sich – nicht nur der Steilheit von >30° wegen – die Sonne brannte gehörig. Der Bereich des Übergangs war mächtig verwächtet, trotzdem war der Durchgang mit einigen Tritten erstaunlich gut zu machen. Richi voraus, um einige Tritte zu schlagen (danke!), wir relativ zügig unter der bedrohlich überhängenden Wächte durch – und schon standen wir oben. Jetzt nur nicht zu weit links halten, hier oben hatte es bestimmt noch mehrere Meter Schnee. Den vor uns liegenden Bonistock, resp. die dort auf 2163 m.ü.M stehende Bergstation der Luftseilbahn, strebten wir auf vorhandener Spur an. Hier galt es den nordseitig ausgerichteten, etwa 30 bis 40° steilen und rutschgefährdeten Hang trittsicher zu queren. Anstelle paralleler Trittführung war hier eine Schritt-vor-Schritt-Technik besser – kreuzen mit Entgegenkommenden nicht ganz trivial. Die Einkehr in der wenig einladenden SB-Beiz (föhnige Böen trieben uns ins Innere) war kurz. Auf dem folgenden 1.9 km langen Abstieg zur 240 m tiefer liegenden Melchsee-Frutt war nochmals reines Vergnügen; allerdings wurden wir wohl getrieben von der Vorstellung eines leicht verspäteten Mittagessens. Aber nix da – die meisten der Restaurants haben sich bereits auf den heutigen Saisonschluss vorbereitet. Also rasche Talfahrt zur Stöckalp hinunter, wo wird dann um 14 Uhr ein sonniges und windgeschütztes Plätzchen in einer Gartenwirtschaft fanden – dem extensiven CB-Genuss stand nichts mehr im Wege… Ein schöner Abschluss eines tollen Wintertages mit Susanne und Richi – danke für eure wie immer angenehme Begleitung!

Wetterverhältnisse:
Sonniges Frühlingswetter, im Tagesverlauf stärker werdender Föhn (Böen vorausgesagt 50 bis 80 km/h), viel Schnee, «warme» Temperaturen im Bereich 13°.  Und: noch immer liegende erstaunliche Mengen Schnee – an einigen Stellen 5 bis 6 m…

Lawinengefahr:
Laut SLF Stufe 3 erheblich (siehe Bild)

Hilfsmittel:
Schneeschuhe, Stöcke, LVS/Schaufel/Sonde, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 8. April 2018
Schwierigkeit: WT 2 (Chringen WT 3, weil  verwächtet)
Strecke: 11 km, Bergfahrt ab Stöckalp 1073 m mit der Gondelbahn bis zur Bergstation Melchsee-Frutt 1923 m – Melchsee 1891 m – Distelboden 1900 m – Ärzegg/Gumm 2141 m – Tannensee – Tannalp 1974 m – Chringenpass 2158 m – Bonistock (Bergstation) 2163 m – Melchsee-Frutt – Talfahrt mit der Gondelbahn bis zur Talstation Stöckalp
Aufstieg: ca. 536 m
Abstieg: ca. -538 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std.
Benötigte Zeit ohne Pausen 3 Std. 15 Min.
Tageszeit: 08:50 bis 13:50 Uhr

Kameras:
Sony DSC-HV90V
Smartphone Richi

Magisches Lötschental 2|2 – Winterwanderung zur Lauchernalp

Liebe Freunde, bitte jetzt nicht Kopfschütteln, wenn wir nach unserer gestrigen Winterwanderung im lawinenversehrten Lötschental schon wieder unterwegs sind. Und die Wanderung von gestern zur Fafleralp hätten wir heute nicht mehr unternehmen können, da aufgrund der Lawinengefahr mittlerweile die Talloipen und -Wanderwege gesperrt waren. Also etwas höher hinaus, auf die Lauchernalp zum Beispiel, war heute die bessere Entscheidung.

Mit dem Postauto direkt ab Haustüre von Ried nach Wiler bis zur Talstation der Luftseilbahn, welche das Skiparadies Lauchernalp erschliesst. Das Dorf Wiler durchquerten wir ostwärts, um am östlichen Dorfausgang zum Sommerweg, im Winter identisch mit der Talabfahrt, zu gelangen. Dort wo der gefürchtete Milibach in den Wintern immer wieder für Geröll- und Lawinenniedergänge sorgte, schützt seit 1982 ein Damm. Diesen durchquerten wir um dann weiter aufzusteigen – quasi auf der gesicherten Piste der Talabfahrt. Während des ganzen Aufstiegs bis zur Lauchernalp begegneten uns heute wohl witterungsbedingt (grau in grau) nur vier Schlittler. Eine etwas höhere Verkehrsfrequenz hätte uns schon mehr beruhigt. Jedenfalls durchquerten wir einige (rutschgefährdeten?) Steilhänge zügig. Anrisse sahen wir allerdings keine. Mit der Ankunft im Weiler Fischbiel begrüsste uns endlich auch die Sonne. Auf der gegenüber liegenden Talseite lichtete sich sogar die das Bietschhorn abdeckende Wolkenwand. Nur hoch über uns war das vermeintliche Gipfelziel, der Hockenhorngrat und das Hockenhorn selbst noch immer verhüllt. Da kam uns der Besuch im Restaurant Zudili in der Bergstation Lauchernalp gerade recht. Während wir die währschaften Gulaschsuppen genossen, heiterte es draussen immer mehr auf, so dass wir uns für den Abstieg zum Fuss (und nicht mit der Luftseilbahn) entschieden. Da der Weg über Haispil nach Kippel hinunter der heiklen Verhältnisse wegen gesperrt war, wählten wir für den Abstieg den uns bereits bekannten Weg über die Talabfahrt. Das war ziemlich kräfteraubend, weil die Unterlage aufgeweicht war. Entschädigt wurden wir mit dem Dauerblick hinauf zur Lötschenlücke (mit Hollandiahütte) und zum Bietschhorn – sogar die Bietschhornhütte war zu sehen. Nach anderthalb Stunden erreichten wir wohlbehalten Wiler. Die Rückfahrt mit dem Postauto nach Ried dauerte nur wenige Minuten, die dann folgende Siesta dann etwas länger… In der Gewissheit, den misslichen Verhältnisses getrotzt zu haben, konnten wir dem abendlichen Feinschmeckermenü erwartungsfroh entgegen sehen.

Osterwünsche:
Morgen Karfreitag fahren wir wieder nach Hause – Ostereier suchen! Allen Freunden und Besuchern unserer Website wünschen wir ein tolles Osterfest 2018!

Fazit:
Ein wiederum eindrückliches Winterwander-Erlebnis im «magischen Lötschental» – uns werden diese beiden Wintertage in bester Erinnerung bleiben. 

Wetterverhältnisse:
Freundliche, teils sonnige Witterung, Unmengen von Schnee, Temperatur um 0°, windstill.

 Lawinengefahr:
Laut SLF Stufe 3 erheblich

Hilfsmittel:
Feste Wanderschuhe, Stöcke, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 29. März 2018
Schwierigkeit: T2
Strecke: 13.6 km, Wiler (1399 m) – Lawinenverbauung Milibach – Sommerweg (Talabfahrt) durch den Rufiwald – Fischbiel (1872 m) – Lauchernalp (1969 m) – Abstieg wie Aufstieg
Aufstieg: ca. 590 m
Abstieg: ca. -590 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 4 Std. 45 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen 3 Std. 30 Min.
Tageszeit: 09:45 bis 14:30 Uhr

Kamera:
Sony DSC-HV90V

Magisches Lötschental 1|2 – Winterwanderung zur Fafleralp

Geplant waren 3 Tage im hochwinterlichen magischen Lötschental – mit dem Höhepunkt einer Winterbesteigung des Hockenhorn (3293 m) mit Schneeschuhen. Daraus wurde nichts – der Genuss kam dennoch nie zu kurz, selbstverständlich auch dank unseres Aufenthalts im geschätzten Genusshotel Nest- und Bietschhorn. Trübes Wetter am Anreisetag, ebensolche Aussichten auch für die folgenden Tage, verbunden mit Niederschlägen (leichter Regen bis 1500 m.ü.M, darüber Schneefall). Lawinengefahr Stufe 3 (erheblich), vor allem aber der starke Wind und der heikle Triebschnee am Hockenhorn sorgten für vernünftigen Verzicht auf die Gipfeltour.

Das Lötschental bietet auch so viele Alternativen, die abendliche Feinschmeckerküche zu «verarbeiten». Die mitgebrachten Schneeschuhe liessen wir im Keller stehen. Heutiges Ziel war eine Wanderung zur Fafleralp, auf dem mehr oder weniger präparierten Winterwanderweg, welcher auch als Loipe dienen sollte. Die markierte Strecke führte entlang des Wildschutzgebietes (Jagdbanngebiet Bietschhorn), durfte also nicht verlassen werden. Gleich ausserhalb Ried war die Lonza über eine Brücke zu queren. Dann der leichte Anstieg auf bereits aufgeweichter Unterlage zum Lawinenkegel. Sehr eindrücklich, die ca. 10 Meter hohen Schneemassen, welche der Birchbach hier vom Birchechinn herunter geschoben hatte. Das war im Januar; in mehrtägiger Arbeit hat man hier den Winterwanderweg durchgefräst. Die Stelle passierten wir mit Respekt. Im folgenden lichten Wald beobachteten wir Gämsen, welche sich, tief einsinkend, mühsam etwas Nahrung suchten. Die ersten Häuser von Blatten (Chinngasse) in Sichtweite – sie werden gut geschützt mittels eines aufgeschütteten Lawinenschutzdamms. Blatten mit seinen schönen Walserhäusern passierten wir südlich über Bruchmatt (P.1534), um dann am linken Ufer der Lonza auf der zugeschneiten und nicht befahrbaren Strasse in Richtung Kühmad zu ziehen. Wieder einmal merkten wir, dass trübes Wetter den Blick für andere Motive schärft. Kurz vor dem Stalldorf Kühmad überquerten wir die Lonza, um die unter gewaltigen Schneemassen liegenden Stadel zu erreichen. Wir befanden uns jetzt auf dem Pilgerweg Blatten-Kühmad, der unmittelbar bei der schönen Wallfahrtskirche vorbeiführte. Ein Blick ins Innere der Kirche lohnte sich (siehe Bilder). Unglaublich: von der zur Fafleralp hochführenden Strasse war nichts zu sehen, lag sie doch unter eine Schneedecke von ca. zwei Metern. Uns sollte es recht sein, von dieser verkehrsarmen Situation profitieren zu dürfen. Ausserhalb Kühmad zogen wir die paar Kehren hoch – die Häuser der Fafleralp schon in Sichtweite. In der letzten Kurve vor der Faflermatte hielten wir links, um vorbei am verwaisten Hotel Langgletscher das in den Bäumen versteckte Berghotel Fafleralp (geöffnet bis 2. April!) zu erreichen. Nur eine Hand voll Gleichgesinnter hatte sich hierher «verirrt». Gelohnt hatte es sich alleweil: leckere Fleischsuppe und köstliche Aprikosenwähe. So gestärkt machten wir uns auf den Weiterweg, vorbei am von der Wucht des Lawinenschnees «abgeholzten» Faflerwald. Nach wenigen Minuten erreichten wir die in den schneefreien Monaten stark belebte Faflermatte mit dem Zeltplatz und der nahe liegenden Siedlung, der grosse Parkplatz ebenfalls meterhoch eingeschneit. Rätselhaft, wie die Schneeräumequipe das viele Weiss bis Ende April wegschaffen will?! Nach der Umrundung des bewaldeten Hügels erreichten wir wieder die Strasse. Auf der mittlerweile stark aufgeweichten Unterlage ging es schrittweise ausbalancierend und zügig runter. Immer wieder beindruckt von den gewaltigen Schneemassen, welche auf der gesamten Strecke lagen und von den steilen Hängen in Form von Lawinen herunter gedonnert waren. Vorbei an der Kühmad war Blatten rasch wieder erreicht. Irgendwie waren wir froh, diese doch etwas bedrohlich-wilde Zone wieder zu verlassen. Jetzt noch die Traverse durch den furchterregenden Lawinenkegel des Birchbachs, den Blick immer nach oben gerichtet in Richtung der nicht sichtbaren Gipfel (Breithorn, Breitlauihorn, Bietschorn). Alles gut gegangen – glücklich und zufrieden erreichten wir das Hotel wieder – Zeit für eine Siesta, denn der Abend mit dem 15 Punkte-Feinschmeckermenü stand ja noch bevor 😊…

Fazit:
Ein eindrückliches Winterwander-Erlebnis in doch sehr speziellem Ambiente war das!

Wetterverhältnisse:
Sehr trübe, schwacher Regen und Schneefall, dennoch typisches Winterwanderwetter, unglaublich viel Schnee, Temperatur um 0°, windstill. 

Lawinengefahr:
Laut SLF Stufe 3 erheblich

Hilfsmittel:
Feste Wanderschuhe, Stöcke, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 28. März 2018
Schwierigkeit: T2
Strecke: 11.8 km, Ried (1490 m) – Blatten (P.1534) – Kühmad – Fafleralp (1787 m) – Rückweg über Faflermatte, dann wie Aufstieg
Aufstieg: ca. 360 m
Abstieg: ca. -360 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 4 Std. 30 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen 3 Std. 15 Min.
Tageszeit: 10:00 bis 14:30 Uhr

Kamera:
Sony DSC-HV90V