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Neckertaler Höhenweg 3|3: Schwägalp – Hinterfallenchopf – Ennetbüel

Naja, eigentlich luden uns die Wettervorhersagen ein, die Originalstrecke bis Hemberg (>21 km) zu laufen. Leichter Niederschlag war für heute erst angesagt für den späten Nachmittag. Es kam ganz anders. Schon beim Verlassen des Hotels verdunkelte sich die Szene – der Berg war umhüllt von grau-schwarzen Wolken. Also nichts wie los! Über den Laternliweg hinunter zum Pass. Dort über die Passstrasse zum gestern schon abgelaufenen Weg durch die auch bei suboptimalem Wetter wunderbare Moorlandschaft. Im Chräzerenwald nahmen wir wie geplant die Strecke in Richtung Hinterfallenchopf und Gössigenhöchi. Statt wie auch schon (im Winter) über Pfingstboden, liefen wir ab P.1296 bei Horn in Richtung Ellbogen. Wir wollten die Umgebung des nahen Ofenlochs erkunden. An einen Abstieg dorthin war nicht zu denken – mittlerweile nieselte es ziemlich stark. Ab Ellbogen dann der steile Aufstieg im Nebel und bei einer Sicht von unter 20 m. Der Aufstieg zum höchsten Punkt, dem Hinterfallenchopf (1532 m), war etwas demotivierend; jedenfalls verliessen wir das Gipfelgelände fast schon fluchtartig. An eine Gipfelrast war nicht zu denken; aufkommender Wind, Nebel, Regen. Nach dem zügigen Abstieg zur Alp Ober Scherlet (1416 m) bot sich uns die Möglichkeit unter das Vordach zu stehen und etwas zu essen (leckere Brote mit 5 Doppellagen Fleischkäse und zusätzlich mit Appenzellerkäse). Mittlerweile war es richtig kalt – Doris benötigte Handschuhe, ich markierte Härte trotz Kuhnagel. Uns wurde klar, dass unter diesen Umständen der Weiterweg bis Hemberg keinen Sinn machte. Bei P.1351 entschieden wir, auf der Fahrstrasse via Hinder Chlosteralp (1315 m) – Unter Chlosteralp (1244 m) nach Ennetbüel zu laufen. Der Regen wurde stärker, zwischendurch böenartiger Wind; also wehrten wir uns im Laufschritt. Für die verbleibende Strecke bis Ennetbüel (5.4 km) benötigten wir 50 Minuten – schliesslich wollten wir das Postauto Ennetbüel mit Abfahrt 13:47 nicht verpassen; sonst hätten 2 Stunden Wartezeit gedroht. Locker geschafft, und das erst noch bei guter Laune…

Fazit:
Das ganz tolle Wandererlebnis sieht anders aus… Kurz und gut: der Bonus der zwei wunderschönen Vortage überwog deutlich.

Wetterverhältnisse:
Heute kein T-Shirt-Wetter, grau und nass, der Jahreszeit entsprechende (aber nicht erwartete) Witterung bei ca. 8°

Hilfsmittel:
Bergwanderschuhe, Stöcke; Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 13. November 2018
Schwierigkeit: T2
Strecke: 14.2 km, Schwägalp (1352 m) – Schägalp Passhöhe (1278 m) – Beieregg – P.1318 – P.1322 – Chräzerenpass (1266 m) – P.1321 – Horn P.1296 – P.1275 – Engi, P.1258 (Abzweigung Ofenloch) – Ellbogen (1268 m) – Hinterfallen (1330 m) – P.1492 – Hinterfallenchopf (1532 m) – Ober Scherlet (1416 m) – P.1351 – Hinder Chlosteralp (1315 m) – Unter Chlosteralp (1244 m) – Brugg (1107 m) – Risi (943 m) – Ennetbüel (885 m)
Aufstieg: ca. 427 m
Abstieg: ca. 879 m
Laufzeit ohne Pausen: total ca. 3 Std. 15 Min.
Laufzeit mit Pausen: total ca. 4 Std.
Tageszeit: 09:30 bis 13:30 Uhr

Neckertaler Höhenweg 2|3: Schönengrund AR – Schwägalp

Nach einer sehr erholsamen Nacht im Schäfle Schönengrund und dem ausgiebigen z’Morge Abschied von diesem heimeligen Ort – auf Wiedersehen! Vor uns die zweite Tagesetappe, mit vielen Aufstiegsmetern über Hochhamm (1209 m) und Hochalp (1528 m) zur Schwägalp (1352 m). Und wie vorausgesagt: ein sonniger Herbsttag erwartete uns. Die 350 Hm Aufstieg zum Hochhamm waren das reine Vergnügen – schliesslich erwartete uns ein schönes Bergrestaurant. Und zum Kafi gabs ofenfrischen Doppelfladen (auch Schlorzifladen genannt) – Genuss pur also auf der Sonnenterrasse – und die Panoramasicht gratis dazu! Nach dieser Stärkung der kurze Abstieg zum 150 m tiefer liegenden Osterbüel –  welch schöne Gegend! Und gleich wieder der Anstieg via die Höfe Untere Schurtanne und Obere Schurtanne. Wenige hundert Meter oberhalb der Aufstieg entlang des Tellwalds (ja nicht im Schatten…) auf eine Anhöhe nahe Oberer Schwarzenberg (ca. 1200 m.ü.M.). Jetzt folgte der kurze Zwischenabstieg bis Guggenhalden (1172 m) vorbei an einigen schön gelegenen Wochenendhäuschen. Die Kreuzung überquerten wir in Richtung Hochalp, deren Nordseite (noch) schattenhalb lag. Vor uns also erneut 350 Hm Aufstieg. Vorbei an zwei Wander-Parkplätzen und an einer Jägerhütte erreichten wir rasch den Bruggerenwald. Nach einem Kilometer die Verzweigung beim Rossmoos: rechts zur Hochalp, links zum Hochalp Ostgipfel. Da das Bergrestaurant geschlossen war, und der Aufstieg dorthin im Schatten lag, war die Entscheidung einfach für den steilen Aufstieg in der Sonne, östlich der schattigen Mulde. Auf diesem sehr steilen Abschnitt ist etwas Trittsicherheit gefragt. Den im Blickfeld stehende Ostgipfel (1527.8 m) erreichten wir kurz vor 13 Uhr – gerade zeitig für eine Gipfelrast. Hier oben geht der Blick hinüber zum allgegenwärtige Alpstein mit Hauptdarsteller Säntis (Luftlinie 7 km). Während wir das Superpanorama genossen, sorgten ein paar andere BergängerInnen für (unerwünschte) Ablenkung: lautstarke Präsentationen von Smartphone-Videos, und eine etwas schrille (junge) Frau in ausgesprochen berggängigem Outfit: knallroter Ministrickrock, schwarzglänzende Latex-Leggins, dazu passende Turnschuhe. Uns wars recht, dass die vier den Abstieg zum Rossfall hinunter wählten. Nach diesem Gipfelgenuss der Abstieg bis Älpli (1361 m), dann weiter in leichtem auf und ab bis Spicher West (P.1469). Unterwegs einige steilere, aber niemals ausgesetzte Stufen. Weiter gings vorerst die Höhe haltend bis Schifaltlig. Jetzt befanden wir uns in der Nähe des Ofenlochs, einer unglaublich schroffen und abgründigen Gegend – hier unten irgendwo ist die Quelle des Neckers. Anschliessend wurden die spektakulären Bilder abgelöst durch den Tiefblick zum bereits im Schatten liegenden Chräzerli. Auf der Forststrasse, streckenweise leider geteert, erreichten wir zuerst die Verzweigung im Chräzerenwald und wenig später den Chräzerenpass (1266 m). Zum Abschluss noch das Auf und Ab durch die Schutzgebiete Witiriet und Lauchriet, und schon war das Tagesziel Schwägalp erreicht. Der Säntis präsentierte sich im herrlichen Licht des späten Nachmittags…

Fazit:
Ein langer, im Vergleich zum Vortag deutlich anspruchsvollerer Wandertag mit wiederum tollen Aussichtspunkten.

Wetterverhältnisse:
Erneut T-Shirt-Wetter, sonnig, angenehme Temperatur ca. 8-14°, wenig störender Wind (Föhn)

Hilfsmittel:
Bergwanderschuhe, Stöcke; Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 12. November 2018
Schwierigkeit: T2
Strecke: 17 km, Schönengrund AR (841 m) – Pfand (1015 m) – Hochhamm (1209 m) – Windhalden – Osterbüel – Unteregg (P.1061) – Untere Schurtanne – Obere Schurtanne – Guggenhalden (1172 m) – Bruggerenwald – Verzweigung Rossmoos – Hochalp Ostgipfel (1527.8 m) – Älpli (1361 m) – Spicher West (P.1469) – Schifaltlig (P.1479) – P.1403 (Rietfaltlig) – P.1335 – P.1321 – Chräzerenpass (1266 m) – P.1318 – Beieregg – Schwägalp Passhöhe (1278 m) – Schwägalp (1352 m)
Aufstieg: ca. 1350 m
Abstieg: ca. 718 m
Laufzeit ohne Pausen: total ca. 5 Std.
Laufzeit mit Pausen: total ca. 7 Std.
Tageszeit: 09:30 bis 16:30 Uhr

Neckertaler Höhenweg 1|3: Mogelsberg SG – Schönengrund AR

Das Neckertal und sein Fluss war uns schon ein Begriff. Der 32 km lange Fluss im östlichen Teil des Toggenburgs entspringt in der Nähe des Ofenlochs. Er fliesst zunächst durch eine abgelegene, tief eingeschnittene, wildromantische Waldschlucht und mündet schliesslich bei Lütisburg in die Thur. Der Necker und sein Tal sind Namenspatron der am 1. Januar 2009 aus der Fusion von Brunnadern, St. Peterzell und Mogelsberg entstandenen neuen Gemeinde Neckertal. Der Name Necker ist keltischen Ursprungs und bedeutet heftiger, böser, schneller Fluss. Er entstammt dem ureuropäischen Wort Nik, welches losstürmen bedeutet. Die Entwicklung des Namens beginnt zu vorchristlicher Zeit mit der Bezeichnung Nikros, welche über Nicarus und Neccarus zu Necker wurde. So viel zur Geschichte

Sehr gute Informationen zur Vorbereitung auf diese mehrtägige Weitwanderung fanden wir auf der Webseite www.neckertal-tourismus.ch. «Wenn es in der Ostschweiz eine landschaftliche Unschuld gibt, dann ist es das Neckertal» steht dort geschrieben. Der durchgehend gut markierte Neckertaler Höhenweg mit 56 km Länge und gut 17 Stunden Wanderzeit (und vielen Höhenmetern) ist recht anspruchsvoll und aufgrund der langen Tagesetappen konditionell fordernd.

Ausgangspunkt unserer Drei-Tages-Tour war Mogelsberg, das mit der Bahn gut zu erreichen ist. Eine Viertelstunde vor neun Uhr (und bei leichtem Regen) nahmen wir den kurzen Weg zum 40 m höher liegenden Dorf unter die Füsse. Im Wissen darum, dass das schmucke Rössli um neun Uhr öffnete – Startkafi und frischer Zopf! Eine Viertelstunde später starteten wir, mittlerweile schien die Sonne durch die dunklen Restwolken. Nach ein paar hundert Metern führte der Weg vorbei am neuen (und einzigartigen) Baumwipfelpfad. Leichter Abstieg zum Haselgrund, wo wir die geteerte Strasse nach links verliessen. Über schöne Weiden erreichten wir P.871, um dann durch den Wald nach Ebersol hinunter zu laufen. Auf der Strasse Degersheim-Necker dann ein kurzes Stück in Richtung Necker um kurz vor Ebersol (Moos) in einer Spitzkehre dem Wegweiser Balik zu folgen – also nicht etwa zu früh abbiegen auf der Fahrstrasse in Richtung Spitzbad! Vorbei an der bekannten Lachs-Räucherei erreichten wir ein wildes und tief eingeschnittenes Tälchen, in dem es erst wenig ansteigend und schliesslich steiler aufzusteigen galt bis zum Gerensattel (1001 m). Jetzt befanden wir uns auf einer Krete, rechts der Furtberg, links (östlich verlaufend) der Wilket. Fast so etwas wie Tiefblick nach St. Peterzell hinunter, und in der Ferne die Voralpen. Der weitere Aufstieg (170 Hm) zur Wilkethöchi führte steil hoch, vorbei an einem sturmholz-beschädigten Waldstück. Bald aber war die Höhe erreicht und wir durften über raschelndes Laub wandeln. Auf der Wilkethöchi genossen wir die prächtige Panoramasicht. Gleich zwei Bankniederlassungen standen zur Verfügung – wir entschieden uns für diejenige mit der Rückenlehne (😊). Mittagszeit! Nach etwas mehr als sieben Kilometern war hier der ideale Ort zu rasten – und das erst noch bei 28° an der Sonne(!). Nach ausgiebiger Pause verliessen wir diesen heute höchstgelegenen Punkt in östlicher Richtung. Nach einem kurzen Abstieg erreichten wir bei P.1064 einen wunderschön eingerichteten Rastplatz mit einer (offenen!) Hütte. Statt direkt nach Dicken abzusteigen, hielten wir vorerst Höhe um im Kubelwald 200 Hm abzusteigen zum Chubelboden. Hier – bei Moos – hatten wir die Wahl, die markant aufragende Züblisnase (1048 m) nördlich oder südlich zu umrunden. Wir entschieden uns für die sonnigere Variante. Mit schönem Blick zum Stickerdorf Dicken erreichten wir die Siedlung Höhenschwil. Nach einem kurzen Stück auf der geteerten Strasse passierten wir den Papageienhof – die munteren und schmucken Vögel grüssten uns ganz aufgeregt. Bis zum 100 m höherstehenden schmucken Bergrestaurant Bergli floss der Schweiss in Strömen – spielte keine Rolle, denn bald war die Tankstelle erreicht – dachten wir. Geschlossen! Schade – also weiter nach Osten, in leichtem auf und ab zum Gägelhof. Weiter über die Anhöhe Hochwacht und schliesslich hinunter zur Strasse, welche von Dicken zur Landscheidi führt. Das gleichnamige Restaurant steht auf einer Art Passhöhe unmittelbar an der Grenze SG-AR und war gut besucht. Tee und etwas Süsses gabs. Vor uns noch der letzte Abschnitt zum nahen Tagesziel – über die grüne Arnighöchi nach Arnig hinunter, von dort ein paar hundert Meter auf geteerter Unterlage, und schliesslich wieder auf dem Wanderweg hinunter nach Wald SG. Kurzes Stück auf der Strasse St. Peterzell-Waldstatt, um dann über die Brücke über den Tüfenbach die Kantonsgrenze zu überschreiten und am Tagesziel, dem Schäfle mitten im Dorf Schönengrund, zu landen. Von der sympathischen Ida Lämmler begrüsst und später bekocht, genossen wir einen gemütlichen Abschluss eines wunderbaren Wandertags. Im gemütlichen und einfachen Haus fühlten wir uns richtig wohl – danke Frau Lämmler!

Fazit:
Eine langer, aber dennoch gemütlicher erster Herbst-Wandertag mit vielen tollen Aussichtspunkten über die voralpinen Hügelzüge – ganz nach unserem Gusto!

Wetterverhältnisse:
T-Shirt-Wetter, sonnig, angenehme Temperatur ca. 10-15° (direkt an der Sonne bis 28°), leichter Wind (Föhnlage)

Hilfsmittel:
Bergwanderschuhe, Stöcke; Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 11. November 2018
Schwierigkeit: T2
Strecke: 17.7 km, Mogelsberg Bahnhof (714 m) – Mogelsberg Dorf (755 m) – Haselgrund (796 m) – P.871 – Ebersol/Moos – Gerensattel (1001 m) – Wilkethöchi (1172 m) – P.1064 – Chubelboden (862 m) – Moos (Dicken) – Höhenschwil – Bergli (999 m) – Gägelhof (1025 m) – Hochwacht (P.1073.4) – Landscheidi – Arnighöchi – Arnig (P.1002) – Vorderarnig – Wald SG (836 m) – Schönengrund AR (841 m)
Aufstieg: ca. 906 m
Abstieg: ca. 774 m
Laufzeit ohne Pausen: total ca. 5 Std.
Laufzeit mit Pausen: total ca. 7 Std.
Tageszeit: 08:45 bis 15:45 Uhr

Lötschepass 2689 m – Rundwanderung ab Lauchernalp 1969 m

Ziel unseres zweitägigen Aufenthalts im herbstlichen Lötschental war Ried und dort das Hotel Nest- und Bietschhorn. Zu viert – in Begleitung von Susanne und Richi, war Genuss angesagt. Die Anreise am Samstag über die Pässe Susten und Grimsel boten herrliche Aussichten in die Bergwelt. Nach der Ankunft in Ried folgten wir der Empfehlung von Esther Bellwald, der Hotelière des Hotels, mit dem Postauto nach Küemad zu fahren und von dort im famosen Abendlicht über Blatten nach Ried zurück zu spazieren (3.7 km, 45 Minuten, T1). Das lohnte sich allein schon der Ausblicke wegen, diente aber auch als kleine Alibiübung in Erwartung des viergängigen Abendessens von Küchenchef Laurent Hubert (15 G&M-Punkte), Ehemann von Esther Bellwald. Das Essen war dann auch der genussreiche Abschluss des Tages. Selbstverständlich durfte an diesem Wochenende eine richtige Bergwanderung nicht fehlen; morgen Sonntag geht es auf eine Rundwanderung hoch zur Lötschepasshütte.

In diesem wundervollen Wanderherbst, der einem ebensolchen Sommer folgte, liegt gold-richtig, wer in der Bergwelt wandelt. Die Lötschentaler haben ihren Schatz, das Lärchengold, rechtzeitig «ausgepackt» – und wie (siehe Bilder)! Nach dem Frühstück kurze Fahrt nach Wiler und mit der Luftseilbahn hoch zur Lauchernalp. Nach dem Startkafi im Panoramarestaurant Zudili starteten wir um zehn Uhr in Richtung Stafel, der Bergstation des Sessellifts (im Winter in Betrieb!). Wie erwartet, waren wir heute nicht die einzigen, die meisten Bergwanderer wählten allerdings den Klassiker (Panoramawanderung auf dem Lötschentaler Höhenweg bis zur Fafleralp). Auf dem staubtrockenen Weg, vorbei am Restaurant Bergsonne und an den vielen Wochenendhäuschen, waren die ersten 160 Hm Aufstieg rasch zurückgelegt. Beim obersten Gebäude, dem Berghaus Lauchernalp, unterhalb des Arbächnubel, stiegen wir noch ein etwas hoch zum dem Wanderweg, um auf diesem dann bei P.2184 in westlicher Richtung zu halten. Über Mälcherboden bis P.2372 über alpiges Gelände oberhalb der Hockenalp, wo wir die Runse der Schreija überquerten. In einer nach Süden ausholenden Rechtskurve (der Direktaufstieg wäre auch möglich…) erreichten wir – nun in etwas felsigem Gelände – Sattlegi (P.2566). Über uns die Schwarzi Simmla, und darüber die 700 m aufragenden Felsgipfel Kleinhockenhorn und Hockenhorn. Auf dem folgenden Kilometer bis zur Simmle verlief die Strecke auf gleicher Höhe, dafür zunehmend über Blocks. Der weitere Hüttenweg verlief in leichtem Auf und Ab, über 1.7 km waren nur noch ca. 120 Hm aufzusteigen. In diesem Abschnitt wurde der w-r-w-markierte Wanderweg etwas anspruchsvoller, nie aber ausgesetzt. Vorbei an einigen ausgetrockneten Seelein überschritten wir nacheinander die Linien der beiden tief unten durch den Lötschberg führenden Bahntunnels. Plötzlich war auch das Tagesziel zu sehen, die 2690 m.ü.M stehende Lötschepasshütte (Laufzeit bis hierher ca. 2 Std. 25 Min.). Jetzt machte sich auch die böige Bise bemerkbar, so dass wir mangels windgeschütztem Platz Zuflucht in der von Tagesbesuchern gut frequentierten Hütte suchten. Klar, dass wir uns eine ausgiebige Mittagspause gönnten. Nicht zum ersten Mal brachte uns die Aussicht hier oben zum Staunen. Im Nordwesten das massige Balmhorn (3698 m) mit dem zackigen Zackengrat und dem Wildelsiggrat, im Westen das Ferdenrothorn (3180 m) mit seiner faszinierenden Schönheit, dazwischen die Gitzifurggu – vollständig schnee- und eisfrei. Im Süden stehen die Walliser Hochalpen aufgereiht – und hoch über dem Lötschental natürlich das omnipräsente Bietschhorn; die ausgezeichnete Weitsicht reichte bestimmt >60 km. Etwas anderes galt es auch zu bestaunen: der seit letztem Winter bestehende extravagante Spa-Bungalow.

Diesmal wählten wir für den Abstieg die Strecke über die Kummenalp. Die stärker werdende Bise nun im Rücken, wandelten wir über die glatt geschliffenen Felsplatten zum grössten der Hüttenseelein hinunter. Obligates Motiv hier das sich im Wasser spiegelnde Bietschi. Vor uns nun der Stierstutz – ein sehr steiler Pfad direkt entlang senkrecht aufragender Felswände mit alten Markierungen w-b-w, aktuelle Wegführung w-r-w. Am unteren Ende des Stierstutzes trafen wir auf eine Verzweigung mit dem Hinweis auf den «Gitziweg», welcher westwärt (in Richtung Ferdenpass?) führte, aber mit einigen Steinen leicht verbarrikadiert war. Wir hielten nach Osten, um über weniger steile Alpen die bereits im Schatten stehende Kummenalp zu erreichen. Entsprechend kühl war es hier (bei zunehmend bissiger Bise). Über die Brücke des Färdanbachs liefen wir auf dem Lötschentaler Höhenweg (1 Std. bis Lauchernalp) und leicht ansteigend wieder an der Sonne. Mittlerweile war es kurz vor vier Uhr. Der Abschnitt bis zur Lauchernalp führt unterhalb der Hockenalp durch, und der im letzten Winter stark beschädigte und teilweise gesperrte Weg ist instand gestellt. Zwischen den Blicken durch die goldigen Lärchen Kalenderbildmotive noch und noch – immer mit dem Bietschhorn im Blickfeld. Beim hübschen Weiler Stafel vorbei am schönen Kirchlein, entlang dem Themenweg (Biotop-Rundwanderweg), nun die Bergstation Lauchernalp in Sichtweite. Hier blies uns die starke Bise fast vom Weg; zum Glück kamen die Böen von hinten, so konnte uns der aufgewirbelte Staub nicht weiter stören. Auf der Lauchernalp angekommen, schwebten wir nach kurzer Wartezeit in wenigen Minuten zum Talort Wiler hinunter. Eine exzellente Rundtour fand einen tollen Abschluss…

Fazit:
Kontrastreiche Genusstage waren das – und gemütlich war’s wie immer mit Susanne und Richi…

Wetterverhältnisse:
Perfektes Wanderwetter, Sonne pur, wolkenlos, ca. 0 bis 10° (Lötschepass ca 3°), spürbare Bise (Böen bis ca. 35 km/h), was die gefühlten Temperaturen tiefer erscheinen liess.

Hilfsmittel:
Wanderschuhe, Stöcke, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 21. Oktober 2017
Schwierigkeit: T3 (Stierstutz), ansonsten T2
Strecke: 12.4 km, Bergstation Lauchernalp 1965 m – Stafel 2102 m – P.2184 – Mälcherboden 2285 m – P.2372 – Sattlegi (P.2566) – Simmle – Lötschenpass 2690 m – Stierstutz – Kummenalp 2086 m – Lötschentaler Höhenweg bis Stafel 2047 m – Bergstation Lauchernalp
Aufstieg: ca. 866 m
Abstieg: ca. 853 m
Laufzeit ohne Pausen: ca. 4 Std. 20 Min.
Laufzeit mit Pausen: ca. 6 Std. 45 Min.

Gocht 1951 m – steiler Übergang in den Churfirsten

Nach gemeinsamer Fahrt bis Ziegelbrücke folgte die Zugfahrt nach Walenstadt und die Busfahrt bis Walenstadtberg, Endstation Rehaklinik. Um 07:45 Uhr liefen wir los, gemütlich das Tempo, auf den ersten 3.5 km auf geteerter Unterlage über Hochrugg bis P.1388. Ab hier zum Glück Naturstrasse bis Schwaldis. Jetzt in einer Rechtskurve hoch um das Florzentobel zu umrunden. Bald war das Alpgebäude Säls erreicht, wo im Gelände gebaut wird (Wasserversorgung?). Erst eine Kehre nach rechts und dann nach links war P.1521 erreicht. Hier verliessen wir den weiterführenden Forstpfad, nun w-b-w-markiert, um über eine steile Alpweide hoch zu steigen zum Waldrand und bis P.1642. Durch den Wald weiter steil hoch, links stark abfallendes Gelände, rechts eine Felsnase (P.1852) umrundend. Wenige Meter absteigend war eine erste Runse zu überqueren; über uns die Wand des Nägeler. Im Weiteraufstieg auf eine Höhe um 1800 m.ü.M. schmale Pfade, welche unter den senkrecht aufragenden Wänden durchführten. Mittlerweile hatten wir die Stöcke in den Rucksäcken verstaut, weil jetzt vermehrt die Hände zum Einsatz kamen. Jetzt war definitiv Trittsicherheit gefragt – Stolperer hätten fatale Folgen (1300 m über dem Walensee). Oberhalb des Säls-Chamm änderte die Richtung von SW nach NW, direkt unter den felsigen Ausläufer der Nägelerwand. Noch eine letzte etwas knifflige Querung auf eine Höhe von ca. 1900 m, rechts die ca. 250 m aufragende Wand, links der über 40° geneigte Hang, der erst am Walensee wieder abflacht😊. Zwar ist der Pfad trocken und ausreichend breit, volle Konzentration ist aber dennoch nötig über teilweise hohe felsige Tritte oder feingeröllige Passagen. Nun standen wir also am unteren Eingang zur Gocht. Eigentlich ist es eine grosse geröllige Runse, die ziemlich direkt und sehr steil (>30°) nach oben führt, über eine Strecke von 400 m müssen 140 Höhenmeter aufgestiegen werden. Das Gelände ist durchsetzt mit Kletterfelsen, aber auch mit feinem, sehr rutschigem Geröll, welches sich wie Kugellager unter den Füssen anfühlte. Die «Arbeit» in diesem anspruchsvollen Abschnitt forderte uns, bot aber auch Kraxelfreuden. Also schön langsam, jeden Schritt abwägend, und ausreichend Abstand haltend. Übrigens: Sicherungen wie Fixseile oder Ketten fehlen hier. Nach etwas mehr als einer halben Stunde war der Übergang Gocht endlich erreicht. Grund genug, hier oben ausgiebig zu rasten und die famosen Ausblicke zu geniessen; sogar ein Schläfchen erlaubten wir uns – herrliche anderthalb Stunden an der Sonne. Erstaunlich auch, dass wir bis jetzt keinen anderen BerggängerInnen begegneten – eine offensichtlich nicht häufig begangene Tour also. Erst gegen halb drei Uhr Aufbruch zum Abstieg: über Karst und felsige Brocken unterhalb des steil aufragenden Glattchamm erreichten wir nach weniger als einer halben Stunden P.1830, und damit den Toggenburger Höhenweg (w-r-w). Leicht absteigend und dann (im Schatten) wieder aufsteigend erreichten wir über seilgesicherte Stufen die Tritt-Wand. Zur linken Glattchamm und Leistchamm, dazwischen eine eindrückliche Karstmulde. Wenige Schritte am Tritt, und schon hatte uns die Sonne wieder – herrlich nun der Ausblick zu den nahen Bekannten (Federispitz, Mattstogg, Speer, Flügenspitz, Gulmen, Goggeien, Stockberg, Neuenalpspitz, Lütispitz, Säntis, Schafberg, Altmann, usw.). Und Arvenbüel, unser Ziel, im warmen Licht des späten Nachmittags. Jetzt ging es rasch: am First angelangt, ein rascher Blick ostwärts in die abrupt abfallende, mächtige Schrattenkalkmulde. Nur noch wenige Minuten bis zur 100 Hm tiefer liegenden Alp Looch und dem gleichnamigen Bergrestaurant. Getrübte Vorfreude: Toni und Anni, die sympathischen Wirtsleute, hatten heute ausnahmsweise früher Feierabend gemacht – wir haben sie verfehlt um knappe zehn Minuten… Für den weiteren Abstieg nach Arvenbüel hinunter folgten wir dem Vorschlag Roli’s: bei Egg (P.1470) verliessen wir den harten Strassenbelag und hielten rechts über die schönen Wiesen bei Rör, über die Beerenbach-Brücke, dann wenige Hm aufsteigend bis Arvenbüel. Das Tagesziel war rasch erreicht, nicht zuletzt wegen des Hungers von Mägi(😊). Im Restaurant Arvenbüel genossen wir zum Abschluss in der abendlichen Sonne die verdienten Leckereien. Schliesslich waren wir während neun Stunden auf den Beinen. Den herrlichen Wandertag beschlossen wir mit der Busfahrt über Amden – Weesen nach Ziegelbrücke.

Fazit:
Die Gocht zusammen mit Mägi und Roli – das war ein toller Wander-Genuss!

Wetterverhältnisse:
Herrliches Herbstwetter, trockene Witterung bei ca. 14 bis 24°

Hilfsmittel:
Bergschuhe, Stöcke, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 17. Oktober 2018
Schwierigkeit: T4
Strecke: 15.2 km, Walenstadtberg (Reha-Klinik, ca. 970 m) – Bärgerwald P. 987 – Schönegg – Hochrugg 1288 m – Schwaldis 1434 m – Säls 1446 m – P.1521 (Verzweigung) – P.1642 – Gocht 1951 m – Verzweigung Toggenburger Höhenweg (bei P.1830) – Tritt Wand 1821 m – First 1663 – Alp Looch 1556 m – Egg P.1470 (Verzweigung) – P.1415 – Rör – Brücke über den Beerenbach (P.1254) – Arvenbüel (1273 m)
Aufstieg: ca. 1264 m
Abstieg: ca. -966 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 9 Std.
Benötigte Zeit ohne Pausen 6 Std.
Tageszeit: 07:45 bis 17 Uhr

Vom Safiental über die Alperschällilücke nach Sufers in 2 Tagen

Das anhaltend schöne Bergwetter motivierte uns zu dieser 2-Tagestour aus dem Safiental zum Hinterrhein. Die beiden Talschaften sind durch mehrere Übergänge verbunden. Einer der anspruchsvolleren ist bestimmt die Alperschällilücke – alleine schon wegen der zu überwindenden Bachrunse namens Höllgraben. In Thusis auf dem grossen Parkplatz nahe des Bahnhofs stellten wir unser Auto ab – idealer Ausgangspunkt für die Rundtour. Mit der RhB bis Reichenau, dann umsteigen und Weiterfahrt durch die spektakuläre Rheinschlucht bis Versam-Safien, anschliessend mit dem Postauto die kurvenreiche und enge Strasse durch die Schlucht der Rabiusa (die Wilde!) hoch bis Safien Platz.

Tag 1: Safien Platz – Turrahus (T2)
Nach dem Startkafi im winzigen Café gleich bei der Postautostation Safien Platz starteten wir um 11:15 Uhr auf unsere gemütliche Einlauftour – bei besten Bedingungen (ca. 10°, sonnig, leichter Föhn). Wir wählten die Strecke über den Camaner Höhenweg. Nach der Brücke über den Furrentobelbach, gleich nach den letzten Häusern des Dörfleins, wurden wir von den Wanderwegweisern auf die gewünschte Strecke gewiesen in Richtung Camanaboden. Erst führte der Wanderweg im Wald in einigen Serpentinen steil hoch, so dass rasch 200 Hm gewonnen waren. Den Wald verlassend, führte der Weg aussichtsreich über Alpwiesen. Zur linken ging der Blick in Richtung Piz Beverin und dem Glaspass. Darunter der Eingang zur sagenumwobenen Carnusaschlucht mit der etwas abseits des Dorfes stehenden Platzer Kirche. Etwas Geschichte: geplant hatten die Platzer den Standort ursprünglich näher bei den Häusern. Aber die Sage erzählt, dass die Fundamente dreimal hintereinander in der Nacht von Geistern an den Ort gebracht wurden, wo sie heute steht. So wurde sie dort gebaut und 1510 geweiht. Der Vorteil dieses Standortes ist, dass die Glocken weitherum zu hören sind. Auf einer Höhe von ca. 1650 m.ü.M. war bald der Weiler Hof erreicht, danach das Hofer Tobel und wenig später das Hütti Tobel. Nach dem Usser Wald war die etwas grössere Walsersiedlung Camanaboden (1766 m) erreicht, wo das kleine Hotel Camana Lotsch & Zuber (ein ehemaliges Schulhaus) steht; das Hotel ist geöffnet im Winter; das Beizli «dem Himmel ein Stück näher» gibt es auch in der Nähe, allerdings nur an gewissen Tagen geöffnet – heute nicht (Selbstbedienung möglich). Hier verliessen wir die Fahrstrasse; vorbei an schönen Walserhäusern, führte der Wanderweg erst nach N, um beim P.1950 wieder nach SW zu wenden. Bei P.1940 die Verzweigung zum Güner Lückli (2470 m), einem bekannten Übergang ins Val Lumnezia. Kurz davor fanden wir einen idealen Platz auf einer Bank vor einer Alphütte, mit grossartigem Überblick ins hintere Safiental und zum gegenüberliegenden Massiv des Bruschghorn. Gut gestärkt machten wir uns auf den Weiterweg bis Camaner Hütta; diese auf 1958 m liegende Siedlung war der heute höchstgelegene Punkt. Leicht absteigend, noch immer über schönste Alpen, erreichten wir den Camaner Wald und etwas weiter das Bächer Tobel (P.1831) und gleich danach die Bächer Hütta. Im folgenden Bawald war es derart dunkel, dass wir die Sonnenbrillen ablegen mussten, um etwas zu sehen. In diesem wilden (Ur-)Waldabschnitt liegen viele Felsbrocken herum, wahrscheinlich hat sich hier mal ein Felssturz ereignet. Den Wald verlassend, kam Thalkirch ins Blickfeld. Dieser Weiler befindet sich auf dem Talboden im hinteren Teil des Safientals, auf dem Gebiet der ehemaligen Gemeinde Safien, zwischen Piz Tomül und Bruschghorn. Den letzten Abschnitt (1 km) unserer Wanderung bis zum Weiler Tura legten wir auf der Fahrstrasse zurück; möglich wäre auch etwas abzusteigen, und entlang der fast ausgetrockneten Rabiusa zu laufen. Kurz vor vier Uhr erreichten wir das Ziel unserer heutigen Etappe, das Berggasthaus Turrahus, einem gemütlichen Walserhaus. Bis hierhin dürfen Autos (und Postauto) fahren. Auf der gut besuchten Terrasse genossen wir die Sonne und die Sicht zu den umliegenden, das Tal abschliessenden Hörnern (Gelbhorn, Schwarzhorn, Bodenhorn, Alperschällihorn, Wisshorn, Piz Tomül/Wissensteinhorn, Tällihorn). Auch der Übergang des folgenden Tages, die Alperschällilücke mit dem darunter liegenden Höllgraben präsentierte sich. Den Tag schlossen wir ab bei gutem Essen in der heimeligen Walserstube, im angeregten Austausch mit sympathischen Gleichgesinnten am Tisch. Die sternenklare Nacht im Zweibettzimmer war ruhig, auch wenn das alte Holzhaus eine (nicht störende) Geräuschkulisse abgab.

Tag 2: Turrahus – Alperschällilücke – Sufers (T3+)
Nach einer erholsamen Nacht und dem Hüttenfrühstück erwartete uns ein Wandertag bei Kaiserwetter – einsam durch eine fast vegetationslose Kalksteinwelt, so wie es uns gefällt. Start um 08:45, bei ca. 0° und Windstille (was sich später änderte…). Während die aufgehende Sonne schon die nahen Gipfel beleuchtete, liefen wir die etwa 2.6 km lange Talstrecke entlang der Rabiusa, vorbei am Ausgleichsbecken. Auf frostigem Grund spürten wir anfänglich die Kälte; bald erreichten wir aber Betriebstemperatur. Kurz nach Althus, bei Piggamad (1802 m) wurden wir vom Wegweiser nach Osten (weiss-rot-weiss) gewiesen; geradeaus in Richtung Safierberg, dem Übergang nach Splügen. Jetzt begann es steil zu werden, anfänglich über Weideland, später auf vorgezeichnetem Pfad über eine steile Grashalde bis zur von weitem sichtbaren Hütte (P.2032). Der Weiterweg hinter der Hütte verläuft vorerst über einen nicht ausgeprägten Grat, nach etwa 300 dann in einer Richtungsänderung (nach SO) über (zum Glück trockene) Steilgrashänge und über ein paar grosse Steine und kleine Bachrunsen. Zwar wenig ausgesetzt, wäre hier stolpern fatal. Nach dem Queren einer ersten Bachrunse standen wir nun mitten im Höllgraben; irgendwo über uns die Lücke. Noch immer im Schatten, wurde das «Gehgelände» zunehmend schuttiger und rutschiger. Die ersten Sonnenstrahlen erreichten uns auf etwa 2350 m und damit bot sich die Gelegenheit für eine Trinkpause auf einem besonders schönen Buckel. Vor uns (über uns!) die «pièce de résistance», wie Doris meinte; Recht sollte sie haben. Es folgte ein Abschnitt meist ohne deutliche Wegspuren, aber immerhin markiert. Der Aufstieg oft senkrecht im Geröll des Tobels, dann wieder über schmale Querungen, und weiter in der nunmehr nassen Bachrunse. Kurz unterhalb des Ausstiegs präsentierte sich der Höllgraben in (höllisch) abweisender Form: Fels, Schutt, Wasser. Ein Durchgang war nicht zu erkennen; auf der Suche nach der nächsten Markierung vortastend war dann doch noch ein Durchschlupf zu erkennen; in steilstem Gelände war ein Fels zu «umrunden», dann noch wenige Tritte durch Blocks. Geschafft! Ab jetzt die Sonne im Gesicht! Vor uns das kleine Seelein, hinter uns der Tiefblick ins Safiental – was für ein Kontrastprogramm! Zeit für eine Verschnaufpause und ein Gedankenaustausch mit zwei folgenden Paaren. Schön auch, dass sich über den Pizzas d’Anarosa ein Steinadler zeigte – leider zu weit weg für ein gutes Föteli. Hinter dem Seelein dann die Verzweigung bei P.2454; links wäre der Übergang Farcletta digl Lai Grand (2661 m) zur Alp Anarosa und weiter in Richtung Wergenstein und Andeer. Wir hielten geradeaus in südöstlicher Richtung zum noch einen Kilometer vor uns liegenden Übergang. Gleich hinter dem Seelein war ein Blockgletscher im Weg, dessen «Mauer» wir auf sehr schwach ausgeprägter Spur fast schon direkt bestiegen – gut, dass der Untergrund gefroren war. Im oberhalb folgenden Blockgelände verlangsamte sich das Schritttempo; ein Sturz im messerscharf-kantigen Kalkfels hätte unangenehme Folgen. Bald beruhigte sich das Gelände wieder, und schon war die Alperschällilücke erreicht. Zur linken die scharfzackigen, schönen Kalkriesen namens Pizzas d’Anarosa (3002 m) – welch schönklingender Name (auch Grauhörner genannt), zur rechten das Alperschällihorn (3039 m). Und geradeaus die Kulisse mit Sicht bis zum mehr als 50 km entfernten Festsaal der Alpen (Piz Bernina). Auf der Lücke wehte ein starker Südwind mit Böen um 30 km/h, mit einer gefühlten Temperatur im Nullgradbereich. Also zogen wir weiter, in der Hoffnung, etwas unterhalb ein windschattiges Rastplätzchen zu finden. Kurz vor der Steilstufe zur Steileralp hinunter genossen wir unsere Leckereien auf eine Höhe von 2500 m. Fast hätten wir eine Siesta gewagt, aber wir wurden ziemlich aufgeschreckt durch einen fast lautlos bergwärts stürmenden Biker (die Maschine gebuckelt). Gefragt nach dem Weiterweg, meinte er durch den Höllgraben runter fahren zu wollen; wir äusserten unsere schweren Bedenken – hoffentlich ist er gesund angekommen im Safiental. Nahe dem Steilerbach war nun die erwähnte Steilstufe zu meistern. Unterhalb der Steilstufe bei P.2321 überquerten wir den Steilerbach, um fortan auf dessen rechts liegender Seite abzusteigen. Bei P.1991 nochmals eine Stufe, darunter liegend die Unter Steila, wo sich das Gelände erst verflachte, um dann erneut steiler zu werden. Nachdem das Gelände bisher ziemlich vegetationslos war, erreichten wir wieder Alp- und Waldgelände. Und Gold fanden wir auch: Lärchengold! Bei P.1770 nahe einer Hütte meldete unser Bordsystem, dass vor uns noch etwa eine Wegstunde lag. Das Postauto in Sufers würden wir also bequem erreichen. Nach einer Spitzkehre im Oberhofwald wurden wir überrascht von einer aussichtsreichen und sonnig gelegenen Bankniederlassung. Ideal, um unseren mittlerweile doch etwas ermatteten Gliedern etwas Ruhe zu gönnen. Beste Aussicht auf das Dorf Sufers, den Sufersersee und die A13 mit ihrer Geräuschkulisse. Nach dieser Pause erreichten wir das hundert Hm weiter unten liegende Dorf in zwanzig Minuten. Die Postautohaltestelle liegt direkt an der Autostrasse; die Zeit bis zum Eintreffen des Postautos nutzten wir für einen Kleiderwechsel im Schutzhäuschen. Denn zum Abschluss erwartete uns im Campell in Sils i. D. ein ausgezeichnetes (wildes) Abendessen. Und wir hatten Glück; genau zwei Plätze waren noch zu haben…

Wetterverhältnisse:
An beiden Tagen sehr sonnig ohne nennenswerte Bewölkung, 0 bis 14°, nicht störender Föhn mit Böen bis 30 km/h.

Hilfsmittel:
Stöcke, Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 12./13. Oktober 2018
Schwierigkeiten: 1. Tag T2, 2. Tag T3+ (Höllgraben)
Strecke: 26 km, 1. Tag (12 km) Safien Platz (1315 m) – Camanaboden (1766 m) – Camana Hütta (1958 m) – Thalkirch – Tura (1694 m); 2. Tag (16 km) Tura – Ausgleichsbecken (P.1725) – Piggamad (1802 m) – P.2032 – Höllgraben (P.2427) – P.2454 – Alperschällilücke (2614 m) – Steileralp (P.2321) – P.2013 – Unter Steila (P.1772) – Steilerwald – P.1700 – Sufers (1428 m)
Aufstieg: 1. Tag ca. 750 m, 2. Tag 970 m, total ca. 1720 m
Abstieg: 1. Tag ca. -360 m, 2. Tag ca. -1240 m, total ca. -1600 m
Laufzeit ohne Pausen: 1. Tag ca. 3 Std. 20 Min., 2. Tag ca. 5 Std., total ca. 8 Std. 20 Min.
Laufzeit mit Pausen: 1. Tag ca. 4 Std. 30 Min., 2. Tag ca. 8 Std. 40 Min., total ca. 13 Std. 10 Min.

Fronalpstock GL 2123 m – das Schönwetterfenster optimal genutzt…

Die Fahrt über die A53/A3 bis Mollis, dann die enge Bergstrasse hoch bis zum Berggasthaus Naturfreundehaus Fronalp dauerte eine knappe Stunde. Hier stehen einige Gratis-Parkplätze zur Verfügung. Klar, dass wir einen Startkafi genossen! Draussen wurden die Tische gedeckt – in Erwartung vieler Gäste. Wir starteten um halb zehn bei noch etwas verhangener Wetterlage. Allerdings zeigten sich südlich, im Bereich des Tödi, erste blaue Flecken; die Wetterfrösche sollten recht behalten! Auf der Naturstrasse über Fellboden war die Alp Mittelstafel (1583 m) in einer halben Stunde erreicht. Hier teilten sich die Routen: rechts in Richtung Schilt, geradeaus zum Fronalppass. Die jetzt folgende Strecke bis zur Ober Stafel (1815 m) war nicht nur steil, sondern geröllig, in einem schlechten Zustand also. Um halb elf war die Alp erreicht, und wenige Minuten später auch der Fronalppass (1852 m). Jetzt hatten wir links zu halten, der schöne Fronalpstock vor uns. Ab hier weiss-blau-weiss markiert, war die Zelsegg zu queren; ein zunehmend anspruchsvoller Weg mit spektakulären Ausblicken (zum nahen Mürtschenstock zum Beispiel). Die schmale, teils gesicherte Querung bis zum Einstieg zum Kamin verlangte also erhöhte Aufmerksamkeit. Der folgende Aufstieg durch den Kamin – eine steile etwa 40 m hohe fast senkrecht Rinne – ist wenig ausgesetzt und teilweise beidseitig mit Ketten gesichert. Die Tritte sind meist ausreichend breit, allerdings massiv speckig. Wer ohne Ketten klettert, trifft auf eine spannende Kraxelei im II. Grad. Nach dem Ausstieg geht es über einen teilweise felsigen und steilen Bergweg hoch zum Gipfel, der in etwa zehn Minuten erreicht wird. Oben angekommen, öffnet sich ein Rundum-Panorama vom feinsten. Heute zeigte sich auch das Wetter von der freundlichsten Seite. Und der Ansturm hielt sich in Grenzen; gerade mal zwei Gipfelstürmer vor uns. Nach den Gipfelfotos genossen wir bei Windstille die Gipfelrast ausgiebig. Auf dem nahen Schilt und dem Nachbar Tristli waren die Berggänger von blossem Auge auszumachen. Und der schöne Spaneggsee unter uns und gegenüber der Mürtschenstock beeindruckten sehr. Zeit für den Abstieg! Bis zum Kamin auf dem bekannten Bergweg, teilweise felsig – zum Glück trocken. Das galt auch für den Kamin, der im Abstieg kaum Schwierigkeiten bot – wenn etwas Abstand eingehalten wird. Die Querung über die Zelsegg dann besonders schön, weil die Umgebung in schönsten Herbstfarben leuchtete. Bald war auch der Fronalppass und die darunter liegende Alp Ober Stafel wieder erreicht. Bis hierhin ging alles etwas rascher – obschon wir keine Eile hatten. Jetzt folgte die ziemlich rutschige (weil geröllige) Wegstrecke zur Alp Mittelstafel; diese Wegstrecke wird gerade instandgesetzt (nötig hat sie es…). Ab Alp Mittelstafel noch eine halbe Stunde, und schon war der Ausgangs- und Endpunkt erreicht. Auf der sonnigen Terrasse des symphatischen Berggasthaus Naturfreundehaus Fronalp genossen wir zum Abschluss den Durstlöscher namens Adlerpfiff – herrlich!

Fazit:
Der Fronalpstock war uns wohl bekannt von unseren Besteigungen 2009 und 2011. Heute war es wieder einmal so weit, diese nicht allzu lange, aber spassige Tour zu wiederholen. Gelohnt hat es sich!

Wetterverhältnisse:
Freundliche, trockene Witterung bei ca. 12 bis 20°, im Verlauf der Tour zunehmend sonnig und blau blau blau – wie es sich gehört…

Hilfsmittel:
Bergschuhe, Stöcke, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 6. Oktober 2018
Schwierigkeit: T4, II-er Kletterstellen (Kamin)
Strecke: 8.6 km, Berggasthaus Naturfreundehaus Fronalp (1389 m) – Alp Mittelstafel (1584 m) – Alp Ober Stafel (1816 m) – Fronalppass (1852 m) – Zelsegg – Fronalpstock (2124.4 m) Abstieg auf gleicher Strecke
Aufstieg: ca. 740 m
Abstieg: ca. -740 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 4 Std. 15 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen 2 Std. 45 Min.
Tageszeit: 09:30 bis 13:45 Uhr

Pienza – San Quirico d’Orcia – Cappella di Vitaleta

Die Fahrt für die 46 km nach Pienza dauerte eine Stunde, also waren gleich zu Beginn zwei Capuccini al Bar angesagt. Danach ergatterten wir einen der raren Parkplätze südlich an der Stadtmauer. Von dort konnten wir unsere Tour starten – 500 m auf der Sp 18, die wir in der ersten Linkskurve geradeaus verliessen. Vorbei an der einfachen und schön gelegenen Pieve di Corsignano, wechselte die Unterlage von Hartbelag auf Naturstrasse, staubig zwar, aber dennoch angenehmer. Ab und zu bestätigte uns ein Wegweiser, dass wir auf dem Wanderweg Nr. 6c richtig waren. Leicht absteigend erreichten wir nach etwa zwei km den tiefsten Punkt bei ca. 290 m.ü.M. Weil die gesamte Strecke waldfrei ist, boten sich im offenen Gelände die so typischen und spektakulären Landschaftsbilder: Zipressen, braune abgeerntete und bereits umgepflügte Äcker, Olivenhaine, Hügel, Licht- und Farbenspiele vom feinsten. Vor uns ein erster Anstieg und ein Olivenhain, hinter dem sich ein stattliches Bauernhaus versteckte. Der Pfad umrundete den Hof südlich, bis wir oben auf eine Zufahrtstrasse gelangten. Auf einer Höhe von ca. 360 m.ü.M. streiften wir einen Wald und gelangten an eine Verzweigung. Wer will, kann hier rechts halten um direkt zu einem der Hotspots in der Toscana zu gelangen; doch darüber später mehr… Wir hielten also links in Richtung Süden, das Ziel unserer Runde immer im Blickfeld, das Städtchen San Quirico d’Orcia. In leichtem auf und ab war bald einmal das schmucke Agriturismo Il Rigo erreicht. An diesem vorbei und wieder absteigend überquerten wir an der tiefst gelegenen Stelle ein namenloses Bächlein. Danach verliessen wir die Naturstrasse nach rechts um über einen steilen Feldweg direkt aufzusteigen. Bald waren die ersten Häuser von San Quirico d’Orcia erreicht. Die Via Cassia überquerten wir zielbewusst, um gegenüber im Gebüsch zu verschwinden und auf direktem Weg zur modernen Schulanlage zu gelangen. Über die Via Dante Alighieri waren es dann noch weinige Schritte bis ins uns bekannte Centro storico. Mittlerweile halb eins, war es ein leichtes, an den durchaus verlockenden Auslagen vorbei zu laufen, resp. diese zu missachten (hübsche Cashmere-Waren und Vino natürlich!). Schliesslich winkte der Mittagstisch im einzigartigen grottoähnlichen Garten der Trattoria al vecchio Forno. Die hausgemachten Leckereien verlockten uns zu drei üppigen Gängen – was halt seine Zeit dauerte (siehe Zeitangaben am Schluss dieses Berichts). In allen Belangen gestärkt und gesättigt verliessen wir diesen schönen Ort wieder, wohl wissend, dass jetzt auf dem Gang durch die Altstadt keine Einkäufe drin lägen – nicht des Budgets wegen – nein: die Läden öffnen erst ab halb vier wieder😴😏😍😀😊😉. Auf der vom Hinweg bekannten Strecke liefen wir gemütlich hinunter, um kurz vor dem Bächlein nach links zu halten. Nach kurzer Steigung vorbei an einem Bauernhof bis nahe der Strada Provinciale di Chianciano, welche San Quirico mit Pienza verbindet. Nun eine aprupte Wende nach Osten, vorbei an einem weiteren Agriturismo. Ab hier artete der Pfad in ein holpriges Bachbett (ohne Wasser) aus, welcher im Wald steil hinunter zur tiefst gelegenen Stelle (300 m.ü.M.) führte. Nach einem steilen Wiederanstieg war der eingangs erwähnte Hotspot erreicht: die Cappella di Vitaleta (365 m). Wie oft sind wir schon auf der nahen Hauptstrasse vorbeigefahren und haben diesen Fotoklassiker abgelichtet aus ca. 700 m Entfernung. So taten es auch heute wieder Scharen, welche an der Hauptstrasse sogar Autobussen entstiegen; nur wir haben uns zu Fuss nahe dran begeben. Dachten wir! Mit den Aufnahmen war eher Eile angesagt, denn von der anderen Seite nahte ein Pulk von Besuchern aus Asien, welche die Autos an der zu Beginn dieses Berichts erwähnten Verzweigung bei der Absperrung abstellen mussten. Die letzten 700 m bis zum begehrten Motiv musste zu Fuss zurück gelegt werden. Die meisten fuchtelten mit ihren komischen Deppenzeptern in der Gegend herum, um die Cappella und sich selbst aufs Selfie zu kriegen. Beim (wilden) Parkplatz an der Verzweigung kehrte wieder Ruhe ein, und wir konnten auf der gleichen Strecke wie auf dem Hinweg Pienza anstreben. Wunderschön, wie sich die Landschaft nun im warmen Licht des Nachmittags zeigte. Vorbei an der Pieve di Corsignano erreichten wir unseren Startplatz an der Stadtmauer – auf einer Marmorbank ging ein letzter Blick in die von feinstem Dunst gezeichnete Landschaft, bis hin zum Monte Amiata. Rückblick auf Laufstrecke bis nach San Quirico, dahinter am Horizont Montalcino.

Fazit:
Nach dem Temperatursturz (gestern noch 30°, heute 20°) haben wir einen ersten Herbsttag bei bestem Wanderwetter genossen. Wenige Auf- und Abstiegsmeter, aber eine doch respektable Distanz…

Wetterverhältnisse:
Sonnig, wolkenlos blau-blau-blau, ca. 18 bis 20°, starker Tramontana (Bise) mit Böen bis 50 km/h

Hilfsmittel:
Leichtwanderschuhe, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 25. September 2018
Schwierigkeit: T1
Strecke: 20.1 km, Wanderweg Nr. 6c (siehe Abbildung)
Aufstieg: ca. 680 m
Abstieg: ca. -620 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 6 Std. 50 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen 4 Std. 45 Min.
Tageszeit: 10:00 bis 17:00 Uhr

Schutzhütte Latzfonser Kreuz (2311 m)

Nach der gestrigen, doch anstrengenden Tour heute nicht die Hohe Scheibe – etwas einfacheres war angesagt: Bergfahrt mit der Gondelbahn ab Reinswald (1570 m) zum Pichlberg (2130 m). Ab hier ca. 3 km auf der Wanderautobahn namens Urlesteig zur auf 2094 m gelegenen Getrumalm (eine schön gelegenen Hütte). Hier dreht der Urlesteig ab, wir wanderten weiter ins Ende des Val Ghetrum, WW Nr. 7). Unterhalb der markanten Kassianspitze (2581 m) ein Wegkreuz; wir hielten weiter auf Nr. 7. Kurz vor dem Luckl (2378 m) wurde es recht alpin. Auf dem Übergang ginge der Blick zu den Dolomiten; Konjunktiv – denn das Wetter entsprach heute nicht ganz den Vorhersagen – die Welterbe-Gipfel waren in dunkle Wolken gehüllt. Sechzig Hm Abstieg, und schon war die Schutzhütte Latzfonser Kreuz mit dem schönen Kirchlein erreicht. Bei leichtem Wind und wenig Sonne war es draussen vor der Hütte bei 20° grade so zum Aushalten. Viel Volk hier oben – Sonntag! Leckeres Essen (Pasta, Gemüsesuppe mit Würstel)! Gut versorgt traten wir zum Rückweg an. Die Witterung hellte zunehmend auf, sogar die Sonne meldete sich zurück. Auf der Getrumalm angekommen, genossen wir die Radler (das sind nicht etwa VelofahrerInnen, von denen es hier erstaunlicherweise wenige gab…!). Auf dem nun folgenden Urlesteig viele Infotafeln; erklärt wird zum Beispiel, was es mit den Latschenkiefern auf sich hat (wertvolles Öl von den jungen Zweigen), und weshalb auf dem gegenüber verlaufenden Grat eine Trockensteinmauer angelegt ist (Trennung der Alpweiden) – sogar eine Kneipp-Stelle ist eingerichtet. Attraktiv also! Und Fremdsprache-Kenntnisse von Vorteil: alle Informationen in urigem Sarntaler Dialekt! Jedenfalls war der Rückweg kurzweilig, mittlerweile mit freier Sicht zu unseren gestern bestiegenen Villandersberg und Sarner Scharte. Und im Osten zeigten sich sogar einzelne Dolomitengipfel. So erreichten wir die moderne Bergstation Pichlberg. Die knapp 600 Hm Talfahrt war der gemütliche Abschluss einer ebensolchen Wanderung.

Fazit:
Fast schon eine Wellness-Tour – immerhin doch mehr als 12 km…

Wetterverhältnisse:
Teils sonnig, jedenfalls freundliche Witterung bei ca. 24°, bei der Schutzhütte Latzfonser Kreuz starke Bewölkung, aber trocken.

Hilfsmittel:
Feste Bergschuhe, Stöcke, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 16. September 2018
Schwierigkeit: T2
Strecke: 12.4 km, Urlesteig ab Bergstation Pichlberg (2130 m) – Getrumalm (2094 m) – ab hier Wanderweg Nr. 7 – Luckl (ca. 2370 m) – Schutzhütte Latzfonser Kreuz mit Kirchlein (2311 m) – zurück auf gleicher Strecke
Aufstieg: ca. 560 m
Abstieg: ca. -560 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std. 30 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen 3 Std. 35 Min.
Tageszeit: 10:15 bis 15:45 Uhr

Sarner Scharte (2468 m) und Villandersberg (2509 m)

Auf der Reise in die Toscana schalteten wir wie oft einige Wandertage im Südtirol ein – diesmal im uns völlig unbekannten, aber bemerkenswert schönen Sarntal. Die Besteigung des oberhalb Sarnthein, des Hauptorts des Sarntals, etwas abweisend stehenden Hausbergs der Sarner, die Scharner Scharte war unser heutiges Ziel; klar, dass wir nach dessen Überschreitung auch noch den wenige Meter höheren Nachbargipfel Villandersberg «mitnehmen» wollten. Knackpunkt der Tour war dann allerdings der Steig ab P.2401; über eine Strecke von ca. 800 m waren knapp 200 Hm abzusteigen – zwar mit Fixseilen «gesichert», aber dennoch knackig eben…

Doch der Reihe nach: ab unserem temporären Domizil in Unter-Reinswald dauerte die 16 km lange Fahrt über Santhein und dann über eine schmale Bergstrasse hoch zum beim Riedlerhof angelegten Wanderparkplatz etwa eine halbe Stunde. Ein gebührenfreier P – wo gibt’s denn sowas (noch). Bei bestem Wanderwetter zogen wir los in Richtung des aus dieser Sicht abweisenden massigen Felsbrockens namens Sarner Scharte – dessen Gipfelkreuz in 2 km Luftlinie entfernt gut zu sehen war. Rechts (also südlich davon) das etwa 80 m tiefer liegende Schartl, wo auch das Sarner Scharten-Biwak steht – dort hinauf soll’s gehen! Wir wählten die markierte Strecke Nr. 3, über welche nach wenigen Minuten der schön gelegene, ab Mittag geöffnete Almschank Tengler erreicht wird. An diesem vorbei begann es nun im Kalkwald anzusteigen. Nahe Riedler Pill (Riedlerbild) noch im Wald, hielten wir nach rechts weiterhin auf WW Nr. 3, nun bei freier Sicht durch die Latschen (so nennt man hier die Legföhren). Unter der Südostwand der Sarner Scharte machten sich ein paar Kletterer bereit; diesen Punkt (Brunnleit Brünnl) erreicht man auch über WW Nr. 3A ab Almschank Waldrast. Jetzt für die verbleibenden 240 Aufstiegsmeter in Serpentinen hoch bis zum sichtbaren Biwak durch blockiges Gelände und steiler werdend, nicht ausgesetzt (T2), aber schweisstreibend. Hier oben erwarteten wir einen ersten Blick zu den Dolomiten; diese versteckten sich aber diskret in den Wolken. Bis zum 80 m höher stehenden Gipfel Sarner Scharte (2468 m) dann noch zehn Minuten. Hier oben ein (trotz Wolken) sehr schönes Rundum-Panorama. Nördlich steil abfallende Felsen, auf dem weitläufigen Gipfelgelände alpig, südlich die Plattenalm mit einigen Seelein (Königslacken), und 1.2 km nordöstlich der Nachbar Villandersberg (2509 m). In 5 km Entfernung das Rittner Horn (2261 m), zu erkennen an der Antennenanlage. Ab und zu lichteten sich die Wolken, und damit der Blick zu den Dolomiten (z. B. Rosengartenspitze, 22 km entfernt). Nach der Gipfelrast der kurze Abstieg zum P.2401 (Einstiegstelle Steig), und dann der Aufstieg (20 Min.) zum hundert Meter höheren Villandersberg. Hier oben weitete sich der Blick, unter uns Reinswald mit seinem Ski- und Wandergebiet, und das Durnholzer Tal. In 9 km Entfernung ein mögliches Gipfelziel für morgen, die Hohe Scheibe (2563 m), im Gebiet des Penser Jochs (dem Übergang vom Sarntal nach Sterzing und zur Brennerautobahn). Nach dem Gipfelfoto der kurze Abstieg zurück zur Einstiegstelle des Steigs. «Gesicherter Steig» steht hier geschrieben, und sicherheitshalber ein Eisentor mit dem Hinweis «Bitte schliessen», was uns nicht abschreckte. Der Beginn war harmlos, zwar steil, aber mit einem fixen Drahtseil gut gesichert. Im weiteren Verlauf dann sehr steil werdend, mit vielen Kletterstellen und einigen unbefestigten Übergängen, die wohl besser im Auf- als im Abstieg gemeistert würden. Aber jetzt, wo wir schon mal da waren, ging’s halt nur noch runter – und wie! Die Absturzgefahr hielt sich zwar in Grenzen, mehr Respekt hatten wir vor Steinschlag. Und Runterschauen muss man schon können… Jedenfalls waren wir glücklich, den doch recht langen Steig (T4, II-er Kletterstellen) gut gemeistert zu haben. Unten dann noch eine lange Querung durch eine steinschlägige Halde – Ruedi zuerst, dann in ausreichendem Abstand Doris. Nach dem Blick zurück nach oben fragten wir uns, wo wir wohl abgestiegen waren. Vor uns jetzt der weitere Abstieg durch Latschenwald, mehr oder weniger steil hinunter bis P.1989 (Hinteren Herrn). Ab hier immer gut markiert weiter über Alpgelände – in Erwartung der wohl bald auftauchenden Almschank Waldrast. Eine erste direkte Abbiegung (WW Nr. 18A) verpassten wir wohl😒, in einem weiten Bogen über WW Nr. 3A erreichten wir diese schön gelegene Jausenstation dennoch. Welche Erlösung dann beim verdienten Radler! Viele wattenden Gäste hier (Samstag ist’s). Nach diesem erholsamen Stopp der weitere Abstieg über WW Nr. 18A, vorbei an einem schönen Seelein, und nach einer halben Stunde war der Hallerhof erreicht, und wenige Minuten später auch der Ausgangspunkt unserer Bergwanderung.

Fazit:
Eine lange und teilweise überraschende Tour in oft heiklem Gelände (Steinschlaggefahr), eine tolle Überschreitung des Hausbergs der Sarner, die uns ausgezeichnet gefallen hat. Allerdings: ein nächstes Mal würden wir die Tour in umgekehrtem Ablauf machen, weil der Steig im Aufstieg bestimmt einfacher zu bewältigen ist.

Wetterverhältnisse:
Sonnig, freundliche Witterung bei ca. 24°, in der Gipfelregion aufziehende Bewölkung, aber trocken.

Hilfsmittel:
Feste Bergschuhe, Stöcke, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 15. September 2018
Schwierigkeit: T2 (Steig T5, II-er Kletterstellen)
Strecke: 14.9 km, Wanderweg Nr. 3 ab Wanderparkplatz Riedlerhof (1503 m) – Almschank Tengler (1617 m) – Riedler Pill – Schartl (2381 m), Sarner Scharten-Biwak – Sarner Scharte (2468 m) – P.2401 – Villandersberg (2509) – P.2401 (Einstiegstelle Steig) – Gesicherter Steig (Kletterstellen II Weg Nr. 18A) – P.1989 (Hinteren Herrn) – Almschank Waldrast (1762 m) – Weg Nr. 3A via Hallerhof – Riedlerhof
Aufstieg: ca. 1082 m
Abstieg: ca. -1067 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 7 Std. 30 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen 4 Std. 40 Min.
Tageszeit: 09:20 bis 17:00 Uhr