Archiv der Kategorie: Bergwanderung T3

Flucht an die Sonne: vom Arvenbüel über den Flügespitz zur Vorder Höhi

Heute haben wir alles richtig gemacht – dieses Résumé gleich zu Beginn des Tourenberichts. Selbstverständlich waren wir heute Sonntag nicht die Einzigen, die einen Platz an der Sonne fanden. Die Sonnenterrasse Amden-Arvenbüel hoch über dem Walensee wurde gestürmt – volle Parkplätze! Im vielseitigen und weitläufigen Wandergebiet verteilten sich die vielen Bewegungsfreudigen. Wir starteten nicht zu früh, um halb elf Uhr, und die Hoffnung, praktisch durchgehend an der Sonne zu laufen, erfüllte sich. Für unsere Wanderung wählten wir die Runde durch den Eggwald zum Flügespitz und weiter über die Vorder Höhi. Bereits im kurzen Abstieg zur Talstation des Sessellifts Arven lichteten sich die Reihen. Dann folgten wir nicht mehr der Strasse, sondern dem WW; wunderschön der herbstliche Aufstieg durch den Eggwald. An der Alpwirtschaft Looch, die seit Herbst 2018 geschlossen ist, zogen wir etwas nachdenklich vorbei – Toni und Heidi Gmür mussten leider unfreiwillig aufgeben (nach 67 Sommer!). Gleich nach der Alp Looch nahmen wir den Abzweiger (nach links) in Richtung Flügespitz und blieben somit an der Sonne. Zur rechten der mächtige Leistchamm mit seinem Schattenwurf, dem wir so ausweichen konnten. Auf den letzten Metern vor dem First war der Untergrund hart gefroren. Auf dem noch schattigen First angekommen, öffnete sich der Blick ins Obertoggenburg und zum Alpstein. Jetzt folgte der steile, aber kurze Grataufstieg zum etwa 50 m höherstehenden Flügespitz. Dieser kleine, aber markante Gipfel machte seinem Namen heute keine Ehre (von wegen Fliegen…); im Sommer wimmelt es hier oben, so dass eine Gipfelrast unangenehm ist. Heute wimmelte es von Gipfelstürmern – also hielt sich der Aufenthalt zeitlich in Grenzen. Der Überschreitung folgte ein sehr steiler und schmierig-rutschiger Abstieg zur Bärenegg hinunter. Hier lag noch etwas Schnee, hilfreich als Schuhputzanlage dienend. Nach dem leichten Zwischenaufstieg durch den Saumwald folgte der teilweise unter vereistem Schnee liegende Abstieg zur Vorder Höhi hinunter – viel Wandervolk dort, was schon von weitem zu hören war; klar, die Beiz war geöffnet, was schon im Arvenbüel unten angekündigt war. Wir fanden ein windgeschütztes, sonniges Plätzli (bei gefühlten 15° C) an der Wand eines Stallgebäudes. Hier hielten wir es richtig lange aus, mit tollem Blicken zu den Churfirsten, zu den Glarnern und aufs Meer hinunter. Und die mitgebrachten Leckereien schmeckten vorzüglich (1. Gang Brötli mit Salatblättern und Taleggio, 2. Gang Lieblingsschoggi). Von hier wäre auch die Besteigung des Gulme (+250 Hm) möglich; das liessen wir heute bleiben. Gut erholt und gelaunt nahmen wir den asphaltierten Fahrweg zur Altschen hinunter unter die Füsse. Ab dort folgten wir dem sonnigen und aussichtsreichen Weg in Richtung Heigge, dann der Abstieg durch den Wald auf dem Heiggenweg, vorbei an den ersten Ferienhäusern. Etwas unterhalb der Bergstation Brittertanne dann wieder viel Betrieb auf der Sonnenterrasse des Restaurants Monte Mio. Die hier beworbenen Cremeschnitten ignorierten wir – Doris wollte nicht, und ich wurde ja nicht gefragt😋. Vorbei an teilweise villenartigen Feriendomizilen erreichten wir den Startpunkt Arvenbüel. Glücklich darüber, heute wie eingangs erwähnt, alles richtig gemacht zu haben, folgte nun die Fahrt ins Meer hinunter nach Weesen und von dort rasch nach Hause.

Fazit:
Auf der Flucht aus dem Nebel an die Sonne ist Amden-Arvenbüel eine optimale Wahl!

Wetterverhältnisse:
Flucht aus der Nebelsuppe, ab 700 m.ü.M. herrliches Herbstwetter, sonnig und blau bis zum Abwinken, Temperaturen im Bereich -1 bis 8°, leichter Wind aus SW.

Ausrüstung:
Bergwanderschuhe mit gutem Profil, Stöcke, Kartenmaterial, GPS

Parameter:
Tourdatum: 21. November 2021
Schwierigkeit: T2+ (Abstieg Flügespitz, sonst T2)
Strecke: 9.1 km: Amden Arvenbüel (1272 m) – Leistkammstrasse – Eggwald – Egg P.1470  – Looch (1534 m) – kurz nach Alp Looch Abzweiger Richtung Flügespitz – First (1660 m) Flügespitz (1702 m) – Bärenegg (P.1567) – Saum – Vorder Höhi (1534 m) – P.1450 – Altschen – Heigge (P.1378) – Arven – Arvenbüel
Aufstieg: ca. 580 m
Abstieg: ca. -570 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 4 Std. 20 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std.
Tageszeit: 10:30 bis 14:50 Uhr

Herbst 2021, Val Müstair 4|4: Cima del Serraglio (Nordgipfel) 2633 m

Die mehrgipflige Cima del Serraglio – aus Sicht des Autors der Berg, an dem die Erinnerung verloren ging und zurückkehrte. Dass dieser auf der Landesgrenze I/CH liegende Berg kaum besucht wird, liegt wohl am relativ langen Zustieg. Ausserdem ist dieser grösstenteils weglos und unmarkiert. Wir starteten auf dem Pass dal Fuorn/Ofenpass, vorbei am Sendeturm und über steinig-felsigen Weg. Die uns bereits bekannte südliche Umgehung des Il Jalet führte zu den bizarren Felstürmen in eine Steilstufe. Die Minusgrade waren rasch vergessen, denn auf der sonnigen Davo Plattas angekommen, hatten wir über eine Strecke von 1 km bereits 140 Hm absolviert und damit die Betriebstemperatur erreicht. Hier gingen unsere Blicke hoch zum mächtigen Piz Daint und zum nahen Gipfel des Il Jalet. Die nächsten 2 km bis zur Döss da las Plattas verliefen in leichtem Auf und Ab auf gleicher Höhe. Nach dem felsig-steilen, aber kurzen Abstieg, folgte die Durchquerung des immer wieder beeindruckenden Val Murtaröl, in welchem wenig Wasser und etwas Eis anzutreffen waren. Stöcke waren hier eine gute Hilfe. Die folgende Unterquerung der bis zu zweihundert Meter aufragenden Felsen verlief im Schatten und in Richtung W. Bei P.2272 blieben wir links, um die Höhe haltend Döss da las Plattas zu erreichen. An der Sonne genossen wir eine erste Trinkpause und die Aussicht auf Buffalora (mit der Passstrasse) und zum Munt Buffalora. Jetzt war Jufplaun erreicht, diese wunderbare Alpweide-Landschaft, welche sich in tollen herbstlichen Farben präsentierte – natürlich im Gold der Lärchen. Begegneten wir bis hierher nur einem Paar, welches später zum Piz Daint aufstieg, wurde es nun unerwartet, aber wohltuend, einsam. Nach etwa 1.2 km südlich, bei P.2331 kurz vor der Jagdhütte bogen wir nach rechts, um auf dem breiten Weg (mit Fahrspuren) südlich des Hügels Döss da Termel (2349 m) zum P.2316 zu laufen. An diesem Wegpunkt wird der Normalweg erreicht, welcher von der Chasa da Cunfin hochführt und wenig später ins Val Mora hinunterführt. Nach wenigen Metern verliessen wir den WW nach rechts, um nun weglos über die wunderbaren Alpweiden im Gebiet Mots zu laufen. Vor uns präsentierte sich das Gipfelziel mit dem markanten Steinmann – 300 Höhenmeter «nur» noch. Nun folgten wir in südwestlicher Richtung mehr oder weniger ausgeprägten Spuren, den kleinen Hügeln in logischer Linie ausweichend. Als Orientierung diente uns der südöstlich gelegene P.2360, wo eine gut sichtbare kleine Hütte steht (welche auch auf der Landeskarte eingetragen ist). Mühelos erreichten wir P.2429, von wo schwache Wegspuren nach Süden ins kleine Val da Bröch hinunterführten. Ab dem unscheinbaren Übergang hielten wir nun konsequent in Richtung P.2530, welcher den nördlichsten Punkt am Kamm des Cima del Serraglio markiert. Wenig unterhalb dieses Wegpunkts stiegen wir etwas direkter und südwestlich hoch. Dann das Highlight des Tages: im gerölligen Gelände die Begegnung mit Gämsen, welche uns ohne Fluchtverhalten in ca. 80 m Abstand beobachten. Also nutzten wir die Gelegenheit zu fotografieren. Ein tolles Erlebnis! Die wenigen, aber steilen Meter Zustieg zum Gipfelpunkt 2633 waren reine Formsache. Nach knapp drei Stunden (inkl. Pausen) oben angekommen, präsentierte sich ein unbeschreibliches Gipfelpanorama bei bester Fernsicht in allen Richtungen (siehe Bilder). Selten haben wir so traumhafte Verhältnisse erlebt wie heute und zu dieser Jahreszeit – absolut windstill, an der Sonne gemessene 26° C(!). Ideal für eine ausgiebige Gipfelrast von bestimmt einer halben Stunde. Dass der Gipfel uns allein gehörte, konnten wir kaum fassen. Mit einem gewissen Stolz und innerer Befriedigung machten wir uns auf zum Abstieg. Oberhalb des Übergangs ins Val da Bröch hielten wir etwas direkter absteigend nach Mots hinunter. Das Gelände war auch ohne Wegspuren sehr gut zu begehen. Kurz vor der Chasa da Cunfin erreichten wir wieder den WW. Beim ehemaligen Grenzwachtposten (heute eine Erdbebenmessstation der ETH) schalteten wir nochmals eine Trinkpause ein. Auf dem Weiterweg, vorbei an der Verzweigung bei P.2264, begegneten wir drei sympatischen italienischen eBikern, welche aus Richtung Bormio (Valle di Fraéle, Lago di Cangano, Alpe di Gallo) kamen und nach dem Weg fragten. Offensichtlich ohne Kartenmaterial unterwegs😯, wären die drei prompt in die falsche Richtung gefahren (Ofenpass statt Val Mora). Etwas nachdenklich liefen wir weiter, um bei P.2220 die Brücke über die Aua da Murtaröl zu erreichen. Bei P.2195 vorbei an der Alphütte und der Verzweigung (in Richtung Nationalpark) wurde der Abstieg über die Alpstrasse und durch den Wald hinunter zur Alp Buffalora sehr steil und ruppig. Ab hier waren es noch 15 Minuten bis zum Endpunkt beim Berggasthaus Buffalora. In der vierzigminütigen Wartezeit genossen wir unsere Panachés an der Sonne. Fast schon sekundenschnell verschwand die Sonne hinter dem Munt Chavagl, und die Temperatur erreichte die Nullgradgrenze. Gerade rechtzeitig konnten wir das Postauto besteigen, welches uns zum Startpunkt auf dem noch immer in der Sonne gelegenen Pass dal Fuorn brachte.

Fazit:
Dieser gut erreichbare Gipfel ist auch als Bergwanderung sehr attraktiv – alleine schon der Aussicht wegen. Ausserdem war die Tour so etwas wie die Rückkehr der Erinnerung an die Besteigung mit Schneeschuhen im Januar 2021. Ein wunderschöner Bergtag – danke Doris

Wetterverhältnisse:
Herbstwetter vom Feinsten, Temperaturen im Bereich -2 bis +9° C, auf dem Gipfel an der Sonne 26° C(!), windstill

Ausrüstung:
Bergwanderschuhe, Handschuhe, Stöcke, Kartenmaterial Swisstopo, GPS

Parameter:
Tourdatum: 23. Oktober 2021
Schwierigkeit: T3
Strecke: 13.3 km, Parkplatz Pass dal Fuorn/Ofenpass (2149 m) – Davo Plattas (2288 m) – Val Murtaröl – P.2272 – Döss da las Plattas – Jufplaun – P.2331 (kurz vor der Jagdhütte) – P.2316 – weglos über Mots – P.2429 (Übergang mit undeutlichen Wegspuren) – weglos hoch zum Gipfelaufstieg (zwischen P.2530 und Gipfelsteinmann P.2633) – Cima del Serraglio (Nordgipfel) 2633 m – Abstieg anfänglich wie Aufstieg, oberhalb P.2429 direkt hinunter über Mots bis 2316 – Chasa da Cunfin (2289 m) – P.2264 – Jufplaun – Brücke über die Aua da Murtaröl (P.2220) – P.2195 (Buffalora) – Alp Buffalora (2032 m) – Überquerung Fuorn – Buffalora, Berggasthaus und Haltestelle (1967 m)
Aufstieg: ca. 634 m
Abstieg: ca. -812 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 6 Std. 25 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 4 Std.
Tageszeit: 09:35 bis 16:00 Uhr

Wängihorn 2148 m – kecker Gipfel im Schächental

Nach der Fahrt über den Sattel und die Axenstrasse nach Altdorf war der Startpunkt rasch erreicht: die Talstation der Seilbahn von Witerschwanden-Eggenbergli. Unmittelbar bei der Talstation an der Klausenpassstrasse kurz vor Spiringen liegt auch die Busstation Locherbach, wo auch ein Parkplatz (gratis!) zur Verfügung steht. Die Fahrt in der nostalgischen Kistenbahn kostet 10 Franken (Hartgeld) pro Fahrt (Platz haben vier Personen, Selbstbedienung). Auf der Fahrt nach Eggenbergli vorbei an typischen Schächentaler Heimetli werden 580 Hm überwunden. Die Aussicht ins Schächental ist Genuss. Auf 1555 m.ü.M. angekommen, betraten wir wieder sicheren Boden. Nach einem kurzen Wegstück in Richtung Oberes Eggenbergli stiegen wir über Weideland steil auf, vorbei an der schönsten Bankniederlassung, die wir je gesehen haben (siehe Bild). Nach einem kurzen Waldabschnitt erreichten wir unterhalb der Alp Unter Wängi eine Höhe von 1600 m.ü.M. Nun ging der Blick hoch zum 550 m hoch und keck aufragenden Tagesziel – ein von hier aus ziemlich abweisender Anblick. Nach einer Trinkpause der Weiteraufstieg zur nach Ober Wängi führenden Alpstrasse; bei P.1665 verliessen wir diese, um nun ziemlich steil und schattig zum Waldrand aufzusteigen. Auf dem folgenden bewaldeten Abschnitt waren die Tritte hoch und ziemlich schmierig (gezeichnet vom Regen der vergangenen Tage). Nach einer Strecke von 1.9 km (ab Startpunkt) war auf einer Höhe von ca. 1800 m.ü.M. die Waldgrenze erreicht. Wunderbar besonnt ging es weiter auf einem nicht ausgesetzten Grat über P.1927 und weiter zur Wängichulm. Hier wurden wir empfangen von einer aufmerksamen Ziegenherde. Einige der lustigen Tiere spielten sich als Wegelagerer auf – ausgerechnet an einer rutschigen, allerdings seilgesicherten Passage. Schliesslich liessen sie uns durch, nicht ohne uns zu (ver)folgen. Bei einer Abwehraktion ging einer meiner Stöcke in Brüche – keine Angst, ich hab die Tiere nicht geschlagen… Endlich etwas Erleichterung: in der Unterquerung der Flühe (200 m über uns das Gipfelziel) eine Eisentreppe mit 17 Tritten; Ende der Verfolgungsjagd – dachten wir. Dass Geissen sehr kletterfreudige und -gewandte Tiere sind, wussten wir. Bald liefen unsere (bettelnden) BegleiterInnen wieder direkt hinter uns. Erst bei der Verzweigung bei P.2022 war Ruhe. Jetzt folgte der kurze Aufstieg zum Übergang bei P.2110. Ab hier waren es nur noch 30 Hm über eine Strecke von 300 m. Nach einer Querung zum Gipfelaufbau war der eigentliche felsige, aber nicht ausgesetzte Gipfelaufstieg in wenigen Minuten geschafft. Was für ein tolles Panorama in alle Richtungen! Das Schächtental bis zum Klausenpass, gegenüber Rossstock, Fulen und Chaiserstock, tief unter uns Altdorf und der Urnersee, weiter westlich der URS (Urisrotstock), im Süden Burg, Hoch Fulen und Bälmeten, im Osten Gross und Chli Schärhorn. Genial, und der Gipfel erst noch allein für uns. Nach einer Viertelstunde folgte ein Paar und wenig später Einzelkämpfer Urs aus Wollerau – im gleichen Alter wie ich, und auch ein Soldedurner. Für den Abstieg «adoptierten» wir Urs. Nun zu dritt, erreichten wir bald wieder das Pässchen bei P.2110, um dann zur Verzweigung bei P. 2022 abzusteigen. Jetzt folgte eine geologisch spannende Steilstufe unterhalb, resp. seitlich der senkrecht aufragenden Flühe. Aus den Wänden quellte das Wasser des späteren Fätschbachs. Bei der Durchquerung des Wildwassers füllte unser Begleiter Urs noch seinen Bidon auf mit diesem einzigartigen Wasser (besser als «Champagner», wie er meinte…). Über ein Grätchen erreichten wir den Hals und später den Pfaffenwald. Für kurze Zeit bot uns der weiche Waldboden so etwas wie Wellness für die Knie und Füsse. Bei Ober Oberfeld (ca. 1445 m.ü.M.) erreichten wir wieder von der Sonne beschienenes Weideland. Vorbei an einigen schönen Ferienhäuschen wanderten wir auf befestigter Unterlage über Wyss bis zum schön gelegenen Berg- und Skihaus Oberfeld (heute geöffnet bis 16 Uhr). Da es mittlerweile 15 Uhr war, verpflegten wir uns vom verfügbaren, eingeschränkten Angebot; die Heidelbeerwähe schmeckte allerdings ausgezeichnet. Nach dieser längeren Pause machten wir uns auf den 20-minütigen Weg hinunter nach Haldi (1082 m.ü.M.) von wo uns die Luftseilbahn Schattdorf-Haldi ins 600 m tiefer liegende Schattdorf hinunter schaukelte (Halbtax Fr. 4 pro Person). Und wie es der schöne Zufall will, konnten wir ohne Wartezeit in den Bus einsteigen, welcher uns via Altdorf (Umsteigen bei Haltestelle «Kollegium») und Bürglen ins Schächtental brachte. Die Busstation Locherbach erreichten wir nach einer kurzen Fahrt von 22 Minuten.

Für die Rückfahrt entschieden wir uns für die wunderschöne Fahrt über den Klausenpass. Im Hotel Klausenpass stoppten wir, denn das neu gebaute Hotel (Eröffnung Juli 2021) lockte. Es war ja auch gerade Zeit, sich ordentlich zu verpflegen; eine Empfehlung! Und erst die tolle Aussicht: Blick zurück zum Tagewerk, gegenüber die Schärhörner, der Chammliberg mit dem Griessgletscher, der Clariden mit dem eindrücklichen Iswändli. Ein würdiger Abschluss eines unvergesslichen Wandertages!

Fazit:
Eine recht einsame Tour, und fordernd dazu! Begegnet sich wir nur zwei Paaren und einem Einzelkämpfer – alle (auch wir) motiviert vom Tourenbericht von Heinz Staffelbach in der NZZ vom 25.09.2021. Das war quasi ein Gipfelsturm von NZZ-Lesern – spannend, nicht wahr!

Wetterverhältnisse:
Bestes Herbstwanderwetter (Föhn-bedingt), Sonne pur, blauer Himmel, feine Fernsicht, ca. 7 bis 15° C

Ausrüstung:
Wanderausrüstung, Kartenmaterial Swisstopo, GPS

Parameter:
Tour-Datum: 1. Oktober 2021
Schwierigkeit: T3+ (Trittsicherheit unabdingbar)
Strecke: 9.5 km, Eggenbergli (Bergstation Seilbahn von Witerschwanden-Eggenbergli, 1355 m) – Oberes Eggenbergli – Unter Wängi (1601 m) – P.1638 – P.1927 – Wängichulm – P.2022 – P.2110 (Übergang) – Wängihorn (2148 m) – P.2110 – P.2022 (Verzweigung) – P.1762 –  Fätschbach – Hals – Pfaffenwald (P.1563) – Ober Oberfeld (1445 m) – Berg- und Skihaus Oberfeld – Haldi (1082 m, Bergstation Luftseilbahn Schattdorf-Haldi)
Aufstieg: ca. 830 m
Abstieg: ca. -1100 m
benötigte Zeit inkl. Pausen: 6 Std. 40 Min.
benötigte Zeit ohne Pausen: 4 Std. 15 Min.
Tageszeit: 09:40 bis 16:20 Uhr

Vom Kiental über die Sefinafurgga (2611 m) nach Mürren

Nach der Anreise gestern Donnerstag wurden wir in Spiez abgeholt von zwei lieben Kandertalern. So konnten wir die Fahrt ins schöne Kiental und durch die spektakuläre Griesschlucht hinauf zur Griesalp (über die mit 28% steilste PostAuto-Strecke Europas) erleben. Zum Abschluss genossen wir einen gemütlichen Abend – danke herzlich Thesi und Bruno für euren freundschaftlichen Taxiservice! Die nächtliche Talfahrt hinunter ins Kandertal ist euch ja bestens gelungen. Dank der Übernachtung auf der Griesalp konnten wir dem «Schwerarbeitstag» morgen zuversichtlich entgegensehen.

Nach dem Frühstück starteten wir zur langen Tour um halbneun beim Griesalp-Hotel – zusammen mit einigen mit dem PostAuto angereisten Wanderern. Nach wenigen Metern Aufstieg erreichten wir das Alpgebäude bei Dündenessli, wo der Aufstieg in Richtung Chistihubel und Dündegrat beginnt. Wir blieben auf dem Weg, um bald eine weitere Verzweigung (Bundalp) zu erreichen. Vom Bewohner der kleinen Hütte herzlich und treffend begrüsst («Grüessech – aha, ist wieder ein Schiff voll angekommen…»). Während alle anderen in Richtung Bundalp abbogen, hielten wir als einzige zum Gornerbach hinunter, der über den Bundstäg überquert wird. Auf der Alpstrasse erreichten wir bald einmal Bürgli, unterer Dürreberg – wo uns ein freundlicher Bläss begrüsste. Direkt vor dem Alpgebäude bogen wir nach links (in Richtung O) ab – gerade aus der Weg zur Gspaltenhornhütte. Wir hatten uns also für den Direktaufstieg zur Sefinafurgga entschieden – der Weg über die Hütte wäre etwa eine Stunde länger und weniger steil. Noch immer unterwegs auf dem mehr oder weniger gut befahrbaren Alpweg kam uns der Senn in seinem Geländewagen entgegen. Über uns die mächtig aufragende Rumpfmasflue mit den darunter liegenden Alpgebäuden Uf de Huble. Kurz zuvor, bei P.1833 könnte der Aufstieg abgekürzt werden, was wir sein liessen. Nach der Unterquerung der Flue änderte die Richtung nach O. Die Alp Obere Dürreberg noch nicht in Sicht, aber die an den Steilhängen der Hundsflüe weidenden Tiere kündigten mit ihrem Gebimmel an, dass das Alpgebäude bald erreicht war. Dort endete der Fahrweg, und nach den Gebäuden führte der steiler werdende w-r-w-markierte Pfad entlang dem Bergbach hoch. Auf einer Höhe von ca. 2050 m.ü.M. begrüsste uns eine Gruppe gwundriger, weisser Geissen. Ab hier führte der Aufstieg in ein enger werdendes Tälchen; in weniger als einem Kilometer Luftlinie war die Sefinafurgga gut zu sehen. Unterwegs dorthin waren aber noch zweihundert Hm zu bewältigen. Fast schon froh darüber, dass uns die Sonne (noch) nicht erreichte, stiegen wir auf schottriger Unterlage weiter hoch. Hier kamen uns ein paar englischsprechende BerggängerInnen entgegen, von denen einige ziemlich unsicher unterwegs waren, was unschwer zu erkennen war: kurze Hosen, schwarz gefärbte Beine, wohl von Rutschpartien im schwarzen Schotter… Die Schutthangquerung verlangte schon etwas Trittsicherheit, auch wenn sie etwas ausholte, um schliesslich zur «Rolltreppe» zu gelangen. Über die (abgezählten) 262 Tritte werden die rund sechzig Hm zur Sefinafurgga bequem erreicht – ziemlich eindrücklich. Ohne Gegenverkehr gut zu bewältigen. Oben angekommen, geht es gleich wieder runter. Doch vorher machte eine junge Einzelkämpferin ein Föteli von uns zwei – thankyou, very nice! Zwar könnten die obersten Abstiegsmeter über eine nagelneue Treppe abgestiegen werden, wir wählten die sehr rutschige Variante daneben – was sich nicht gerade als clever erwies. Immerhin ohne Ausrutscher unten angekommen, waren wir doch froh, dreissig Meter weiter unten den Wanderpfad zu erreichen. Während wir noch immer in wettermässig beeindruckender, mystischer Stimmung unterwegs waren, tat sich am östlichen Horizont etwas. Auch in der Nachbarschaft zeigten sich Vorderi Bütlasse, Sefinahoren, Hundsflue und Hundshore. Nur der Bond-Gipfel Schilthorn alias Piz Gloria zierte sich wolkenverhüllt. Nach der Querung des einzigen Schneefelds liefen wir gemütlich absteigend an P.2267 vorbei. Den markanten Sporn namens Horen liessen wir rechts liegen, um links des Sefibach nahe der Späta Wang steil abzusteigen, vorbei an friedlichen Muttertieren – die Rotstockhütte im Blickfeld. Etwa eine Viertelstunde später sassen wir dort an der Sonne – Rugenbräu und Bärnerrösti schmeckte ausgezeichnet. Nach dieser längeren Mittagsrast wanderten wir weiter, immer unterhalb Grossi Nadla und Chlyni Nadla querend – vor uns die teilweise noch verhüllten berühmten Berner EMJ. Die wunderbare Aussicht genossen wir in vollen Zügen, zumal jetzt etwa drei km ohne Höhendifferenz folgten. Unterwegs wäre der Übergang ins Schilttal möglich – wir hielten in Richtung Bryndli. Unglaublich steil geht’s hier rechts runter ins 700 m tiefer liegende Sefinental. Und gegenüber türmen sich die bizarren und teilweise vergletscherten Gspaltenhorn und Tschingelgrat. Den aufragenden Felskopf Bryndli umgingen wir ab P.2023, ohne zu wissen, was jetzt folgte. Klar, der steile Abstieg zur Spilbodenalp hinunter war auf der Landeskarte gut zu erkennen – die Strecke hat aber eindeutig Kniebrecher-Charakter. Gesund erreichten wir die Spilbodenalp, wo das Alp-Restaurant leider schon geschlossen war. Nun war auch das Tagesziel nicht mehr weit – noch 30 Minuten laut Vorgabe. Bei Wintertal dann tatsächlich der Blick zum «nur noch» 170 Hm tiefer liegenden Mürren. Mental mobilisierten wir die letzten Kräfte, um an der Talstation Schilthornbahn vorbei ins Ortszentrum zu laufen – das Hotel schon im Blickfeld. Aber erst noch bei Coop einkaufen (axa nova activ gel😓), das Bier musste warten… Etwas gezeichnet erreichten wir das Hotel Bellevue, das Quartier für eine Übernachtung, nahe bei der Talstation der Allmendhubelbahn gelegen. Das weitere (Abend-)Programm war dann Genuss vom Feinsten. Und die folgende Nacht erst: Murmeltiere wären eifersüchtig geworden.

Am Tag danach, nach dem ausgezeichneten Frühstück, machten wir uns auf zum Schilthorn – ausnahmsweise per Bergbahn. Zum ersten Mal in Mürren, musste das sein! Oben dann ziemlich wolkenverhüllt, verbrachten wir eine Runde im Drehrestaurant. Nach der Fahrt hinunter ins sonnige Mürren hatten wir (noch) ausreichend Energie, um die Strecke zur Grütschalp zu laufen (5 km, Mürren – Mürren BLM 1638 m) – Winteregg 1582 m – Grütschalp 1486 m – Talfahrt Luftseilbahn nach Lauterbrunnen 800 m). Danach die ÖV-Fahrt zurück nach Spiez.

Fazit:
Was für eine tolle und auch anspruchsvolle, weil strapazierende, Bergwanderung – ein unvergesslicher Hochzeitstag😍!

Wetterverhältnisse:
Anfänglich bewölkt aber freundlich, im Tagesverlauf sonniger, kaum Wind, ca. 8 bis 19° C

Ausrüstung:
Wanderausrüstung, Stöcke, Kartenmaterial Swisstopo, GPS

Parameter:
Tour-Datum: 3.9.2021
Schwierigkeit: T3
Strecke: 17.3 km, Griesalp (1408 m) – Dündenessli (1463 m) – Bundstäg (1488 m) – Bürgli, unterer Dürreberg (1617 m ) – P.1833, Uf de Huble – Obere Dürreberg (1996 m) – Sefinafurgga (2611 m) – P.2267 – P.2097 – Rotstockhütte (2042 m) – P.2051 – P.2027 – P.2023 – Spilbodenalp (1791 m) – P.1815, Stutz – Wintertal – Obri Birchi, P.1707 – P.1683 – Mürren (Talstation Schilthornbahn) – Mürren (1638 m)
Aufstieg: ca. 1300 m
Abstieg: ca. 1260 m
benötigte Zeit inkl. Pausen: 9 Std.
benötigte Zeit ohne Pausen: 6 Std. 20 Min.
Tageszeit: 08:30 bis 17:30 Uhr