Archiv der Kategorie: Bergwanderung T3

Pizzo Ruscada 2004 m – Überschreitung Ostgrat-Nordgrat

Wie sich im Laufe des Tages herausstellte, hatten wir uns für heute ein rechtes Stück Arbeit vorgenommen. Aber der Reihe nach: die Fahrt in den Süden (über den San Bernardinopass) brachte uns vom (heute noch) trüben Norden in die Sonnenstube. Nach der staufreien Fahrt durch die Magadinoebene und der eleganten Umfahrung Locarnos durch den Tunnel fuhren wir zügig ins untere Maggiatal und bei Ponte Prolla ins Centovalli. In Intragna parkierten wir nahe der Talstation der Funivia Intragna-Pila-Costa., wo wir unsere Rucksäcke schulterten. Mit der Centovallibahn erreichten wir in zehn Minuten Verdasio, von wo zwei Seilbahnen hoch fahren – eine nach Rasa, die andere bis Monte Comino. Die Fahrt für die sechshundert Höhenmeter dauert sechs Minuten. Nach einem kurzen Spaziergang erreichten wir gegen halb fünf nachmittags das wunderbar gelegene Berggasthaus Alla Capanna – gerade zur rechten Zeit für einen Aperitivo. Barbara und Peter, die beiden sympathischen Gastgeber, begrüssten uns herzlich und wiesen uns – bezeichnenderweise – das Zimmer mit dem erinnerungsreichen Namen Gridone zu. Zum erstenmal in diesem Jahr(!) konnten wir ein (überaus leckeres) Abendessen im Garten geniessen – bei fast dreissig Grad und mit Ausblick zum Gridone und zu unserem Gipfelziel von Morgen – dem Pizzo Ruscada.

Der ruhigen Nacht folgte das schmackhafte Frühstück (natürlich wieder im Garten). Kurz vor neun Uhr marschierten wir los, in Richtung Pian Segna. Die dort in einer Waldlichtung stehende Chiesa Madonna della Segna war nach zehn Minuten erreicht. Gleich hinter der Kirche links haltend, begann es anfänglich moderat und wenig später heftig anzusteigen – zum Glück im schattenspendenden Buchenwald. Bald schon wurde das Gelände schluchtartig, mit hohen Tritten, aber gut zu begehen. Ab und zu wurde der Blick frei nach Süden und auch nach Norden (Valle Onsernone). Nach einer Stunde erreichten wir den ersten Gipfel, den Pizzin. Der Ausblick nach W versprach, was jetzt folgte: ein Auf und Ab von jeweils «nur» von weniger als hundert Hm😓. Bald folgte der nächste Gipfel, der Pianasc. Keine Zeit für eine Gipfelrast! Vor uns der steile Abstieg und eine recht schmale Bänderquerung; Trittsicherheit von Vorteil! Mitten im Gebüsch und noch im Abstieg grüsste und ein übergrosser Steinmann, dann folgte eine Senke mit den zwei Hütten (eine davon verfallen) bei Pescia Lunga (was so viel heisst wie «Lungenflügel»). Hier könnte abgestiegen werden nach Lionza und weiter ins Centovalli. Unsere Lungen waren in bester Verfassung, also steil hoch durch den Wald bis ein Kamm erreicht war. Hier stehen die beiden ehemaligen Alphäuser des Rifugio Corte Nuovo – einmalige die Lage, eindrücklich der Idealismus der Sanierer (Patriziat von Borgnone). Da gerade niemand hier wohnt, nutzten wir die Gelegenheit für eine Pause, im Rücken das tief eingeschnittene Valle Onsernone, vor uns das Centovalli, und natürlich die Gridone-Kette (Erinnerungen an unsere 2-Tagestour vom September 2015). Aufbruch zum Gipfelsturm! Erst hoch zum neuen Pozzo, dann den Punkt 1713 nördlich und schattenhalb umgehend, jetzt die Entscheidung bei der kurz vor einer vom Gebüsch vereinnahmten kleinen Ruine. Hier wird sich später unsere Gipfelrunde schliessen. Nach rechts ginge es zum Capellone, einem nördlich des Pizzo Ruscada gelegenen Gipfelchen. Mutig und heute gut drauf, wagten wir wilden Ritt entlang der Kante und durch die hüfthohen Büsche – Wacholder, Heidelbeeren, Alpenrosen. Schwache Trittspuren führten durch hüfthoch verbuschtes Gelände mit steilen und sehr hohen Tritten. Der kürzestmögliche «Weg» zum Gipfel führte über den Ostgrat, manchmal etwas ausgesetzt, aber immer gut zu machen, vorausgesetzt man nahm die Hände aus dem Hosensäcken. Hundert Meter unter dem Pizzo erblickten wir zwei GipfelstürmerInnen – bis wir oben waren, hatten die sich längst aus dem Staub gemacht – sonst hätte es vielleicht einen Gipfeljass gegeben. So erreichten wir nach einer Stunde (ab Rifugio Corte Nuovo) den geräumigen Pizzo Ruscada. Kein Gipfelkreuz, kein Gipfelbuch, aber ein grosser Gipfelsteinmann. Untrügliches Zeichen, es geschafft zu haben. Das waren dreieinhalb harte Stunden. Welch ein gutes Gefühl! Belohnt wurden wir mit einem grandiosen 360°-Panorama: Gridone, Walliser und Berner Hochalpen, Tiefblicke in die beiden Tessiner Täler, im Nordosten die Tessiner Hochalpen, das Pedemonte mit Locarno und Magadinoebene – und das alles bei bester Fernsicht. Auf dem Gipfel genossen wir bei Windstille und angenehmer Temperatur die ausgiebige Rast. Für eine Siesta reichte die Zeit nicht, denn vor uns lag der Rückweg, mit einem Abstieg/Umweg über den nicht sehr ausgeprägten Nordgrat bis zum Capellone. Von dort die nicht sehr steile Querung zum bereits erwähnten Punkt 1713 bei der kleinen Ruine. Ab hier waren es wenige Minuten bis zum Rifugio Corte Nuovo, auf dessen schönen Granitbänken wir nochmals eine Ess- und Trinkpause abhielten. Was jetzt folgte, war uns vom Aufstieg her bekannt – Auf und Ab, einfach in umgekehrter Richtung. An einigen Steilstufen machte sich langsam Müdigkeit bemerkbar. Dennoch passierten wir die Hütten auf dem Lungenflügel (Pescia Lunga) ziemlich achtlos – mit noch immer vollen Lungen😉. Die konnten wir gut gebrauchen, schliesslich zog sich der Rückweg endlos hin. Mehr als einmal sprachen wir uns Trost zu («bald sind wir unten…»). Kurz nach dem letzten dieser steilen Abstiege, bei der Chiesa Madonna della Segna gabs nochmals eine Pause. Dort befindet sich auch die einzige Tankstelle des heutigen Tages – bestes Wasser fliesst aus dem Brunnen. Überhaupt: zweieinhalb Liter Wasser sind das Mindeste, was man mittragen sollte. Wir sind keine frommen Leute, aber der Besuch der kleinen Kirche und eine Spende für eine brennende Kerze war selbstverständlich – zu Ehren der Verstorbenen. Nach neun Stunden unterwegs befreiten wir uns unter der Dusche von den Anstrengungen des Tages – und als Belohnung gab es Peters Weltklasse-Lasagne👌.

Fazit:
Dass wir heute einsam unterwegs waren, wunderte uns wenig – nach dem endlosen Auf und Ab und den vielen Auf- und Abstiegsmetern… So gefällt es uns!

Wetterverhältnisse:
ein Traum von Sommer – endlich, wenig Wind, sehr warm, ca. 15 bis 30° C

Ausrüstung:
Wanderausrüstung, Stöcke, Kartenmaterial Swisstopo, GPS, Wichtig: viel Trinkwasser mitnehmen!

Parameter:
Tour-Datum: 19. Juli 2021
Schwierigkeit: T3+
Strecke: 14.8 km, Monte Comino Alla Capanna (1150 m) – Chiesa Madonna della Segna (1165 m) – Pizzin (1510 m) – Pianasc (1643 m) – Pescia Lunga (1510  m) – Rifugio Corte Nuovo (1634 m) – P.1708 (Verzweigung kurz vor einer kleinen Ruine) – Ostgrat (Trittspuren, unmarkiert) – Pizzo Ruscada (2004 m) – Capellone (1878 m) – P.1708 (Verzweigung Ruine) – Rifugio Corte Nuovo – Pescia Lunga – Pizzi – Pianasc – Chiesa Madonna della Segna – Monte Comino Alla Capanna
Aufstieg: ca. 1240 m
Abstieg: ca. -1230 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 9 Std.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 5 Std. 35 Min.
Tageszeit: 08:40 bis 17:40 Uhr

Über den Lägerngrat – von Baden nach Buchs

Wieder einmal (nach Mai 2016) diesen Gratweg der Extraklasse oberhalb des Furttals – unglaublich dieses wilde Naturparadies in unmittelbarer Nähe der Region Zürich/Limmattal! Unser Auto parkierten wir beim Bahnhof Buchs-Dällikon, mit anschliessender Bahnfahrt nach Baden. Auch wenn die Wetterlage nicht gerade einlud, diesen Klassiker über den langen Lägerngrat zu laufen, hatte es doch auch sein Gutes – viel Wandervolk war nicht zu erwarten. Kurz vor zehn Uhr trafen wir ein im Bahnhof Baden; nach einem Take Away-Startkafi begann der gelb markierte Wanderweg beim Lift, der uns elegant und direkt zur Limmat hinunterbrachte. Über den Metallsteg über die Limmat nach Ennetbaden, ab dort dem Fluss entlang bis zur Holzbrücke, dann die Hauptstrasse mangels Zebrastreifen eilig überquerend, anschliessend gelb markiert steil hoch über „ein paar Treppen“ über die Felsenegg zum hundert Meter höherstehenden und eindrucksvoll gelegenen Schloss Schartenfels. Direkt hinter dem Schloss der Einstieg zum Grat, vorbei an der übergrossen Warntafel (siehe Bild). Die nächsten drei Kilometer boten Gratwandern vom Feinsten, verbunden mit schönen Durch- und (theoretischen) Weitblicken. An einigen Stellen T3-Gelände, nicht wirklich ausgesetzt – das Begehen der schräg geschichteten Felslagen verlangte schon etwas Konzentration; jedenfalls nahmen wir die Hände aus den wärmenden Hosentaschen. Trotz der fehlenden Ausblicke nahmen wir uns viel Zeit, das Gelände zu geniessen! Einmal, an nicht sehr exponierter Stelle, folgte der ultimative Härtetest: der konzentrierte Blick auf die felsige Unterlage und die „Dächlichappe“ behinderten den Blick nach oben. Und plötzlich schlug doch einer dieser krummgewachsenen und harten Baumstämme an meinen ebenfalls harten Kopf, und ich musste kurz zu Boden – das Sturzgelände war buschig und weich, also nichts passiert. Sowohl der Baumstamm wie auch mein harter Kopf bestanden den Test – was mich (nicht aber Doris…) beruhigte. Ab Lägernsattel dann ein kurzer Wiederaufstieg zum Burghorn, wo zwei Bankniederlassungen stehen – heute leider zu viel Wind für eine Rast. Bald erreichten wir die stark verfallene, in ihrer Grösse aber beeindruckende Ruine Alt Lägeren – von dieser ehemals strategischen Aussichtslage würde der Ausblick über das Wehntal hinweg bis zum Rhein und tief in den Schwarzwald reichen – heute eben leider nicht. Wenige Minuten später war dann die Hochwacht erreicht, wo das renovierte Restaurant wenig Zulauf hatte. Die Aussicht von hier oben wäre formidabel… Der Weiterweg führte vorbei am Skyguide-Radar, erst in Richtung Regensberg. Dieses schöne Burgstädtchen mieden wir heute; kurz vor Ebrecht folgten wir den gelben Wegweisern in Richtung Buchs. Auf wenig steilen Forststrassen, ab und zu mal eine Abkürzung nutzend, erreichten wir bei Pfaffenbüel die ersten Häuser von Buchs und nach Durchquerung des alten Dorfkerns den Endpunkt beim Bahnhof Buchs-Dällikon.

Fazit:
Auch bei suboptimalen Wetterbedingungen eine in der Länge respektable Gratwanderung auf dem östlichen Ausläufer des Jurabogens.

Wetterverhältnisse:
Für heute war Sonnenschein pur angekündigt, doch der Saharasand sorgte für bedeckte Verhältnisse, leichter (kalter) Wind aus SO, ca. 2 bis 8°

Ausrüstung:
Normale Wanderausrüstung, Kartenmaterial Swisstopo, GPS

Parameter:
Tour-Datum: 3. März 2021
Schwierigkeit: T2-3
Strecke: 13.5 km: Baden (Bahnhof, 385 m) – Schartenfels – Buck (630 m) – Lägernsattel (773 m) – Burghorn (859 m) – Kantonsgrenze AG/ZH (852 m) – Burgruine Alt Lägeren (866 m) – Hochwacht (853 m) – Ebrecht P.791 – P.749 – Bildstock – Mötsche – P.553 – Pfaffenbüel – Buchs ZH (429 m) – Bahnhof Buchs-Dällikon (424 m)
Aufstieg: ca. 632 m
Abstieg: ca. -593 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std. 30 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 4 Std. 20 Min.
Tageszeit: 10:00 bis 15:30 Uhr

Alvier 2342 m – kurz und gäch

Prolog:
Für heute sagten die Wetterfrösche ab Nebelobergrenze von ca. 700 m Sonne pur und erstklassige Fernsicht (in den Bergen) voraus. In der zweiten Novemberhälfte einen schneefreien Aussichtsgipfel zu finden, war die einzige Herausforderung. Die nahen prominenten Zürioberländer würden wohl überlaufen sein. Aber da gibt es doch noch erreichbare Berge in der östlichen Fortsetzung der Churfirsten – den Alvier zum Beispiel. Auf der Webcam der Palfriesbahn war zu erkennen, dass der südseitige Zustieg ab 1700 m.ü.M. schneefrei war. Und wegen der geschlossenen Bahn war kein Ansturm zu erwarten. Zwar ist der Alvier nicht so leicht zu haben – auch dann nicht, wenn der Start auf Palfries erfolgt. Allein die Bergfahrt über die enge und sehr steile Bergstrasse (ab Azmoos 11 km über 1200 m Höhendifferenz) war eine Herausforderung. Beim ersten Parkplatz zahlten wir gerne die Tagesgebühr von zehn Franken, um dann beim Berghaus Palfries (P.9) parkieren zu dürfen. Dort angekommen wie erwartet wenig Wandervolk und viel Sonne…

Bericht:
Etwas nach zehn Uhr starteten wir zum Aufstieg, der direkt beim P markiert war, mit dem Hinweis, dass die Gipfelhütte geschlossen war. Auf dem ersten Kilometer nur mässig ansteigend, konnten wir die herrlich beleuchtete und ruhige Alplandschaft geniessen. Der Südwand der Gauschla entlang erreichten wir das Gebiet In de Stei (P.1790). Beim nächsten Wegpunkt auf 1889 m.ü.M. wurde es dann richtig steil auf guter, aber ab und zu mässig ausgesetzter Spur – jedenfalls war der Einsatz der Hände gefragt. Zum Glück lag kein Schnee (mehr) und die glitschige Schmiere hielt sich in Grenzen. Nach einer kurzen Querung vom Schatten in die Sonne standen wir wie erwartet vor der Schlüsselstelle. Die bekannte Steilstufe durch das enge Chemmi ist mit zwei Holzleitern und anschliessend mit einer Eisentreppe erschlossen; einseitig angebrachte Fixseile bieten zusätzliche Sicherheit. Beim Einstieg etwas Schnee, aber kein Eis. Also Ruckzuck hoch! Oben angekommen, bot sich der phänomenale Ausblick ins Rheintal und zu den markanten Nachbargipfeln Girenspitz, Gauschla und Abgelöste Gauschla. Eindrücklich: auf dem Grat hatten sich zwei Steinböcke gemütlich eingerichtet (Luftlinie 800 m). Unweigerlich ging der Blick nach links zum hundert Meter aufragenden Alvier. Auf dem Grat bis zum Gipfelaufstieg verlief die Spur über ein Schneefeld. Dann folgte der kurze, aber steile Aufstieg (100 Hm), der mit Ketten und Seilen gut gesichert war. Erst kurz vor dem Gipfel rückte die kleine Alvierhütte in unser Blickfeld – nach knapp zwei Stunden. Der nahe und flache Gipfel ist mit einem Steinhaufen «markiert». Mit uns standen noch etwa zehn weitere GipfelstürmerInnen oben. Dem Genuss des grandiosen 360°-Panoramas folgte die verdiente Gipfelrast an windstiller Position. Gestärkt und mit einem etwas mulmigen Gefühl aus Respekt machten wir uns auf den steilen Abstieg. Mit Ausnahme des schattigen Chemmi lag die gesamte Strecke voll an der Sonne. Oben am Einstieg in die Steilstufe nochmals der Blick zu den noch immer sonnenbadenden Steinböcken – hoffentlich lösen die keinen Steinschlag aus, war unser Blitzgedanke. Alles gut gegangen, und wir erreichten wohlbehalten sicheres Gelände, vorbei an den Wegpunkten 1889 und 1790. Auf dem Weg zum Berghaus Palfries genossen wir nochmals die Ruhe in diesem wunderschönen Gelände unter der Felswand der Gauschla. Gegen 15 Uhr erreichten wir den Ausgangspunkt. Nun folgte mit der Abfahrt ins Rheintal die abschliessende Herausforderung des Tages…

Hinweis:
Bei zu dieser Jahreszeit aussergewöhnlich mildem Wetter den Alvier besteigen zu dürfen – ein einmalig schönes Bergerlebnis!

Wetterverhältnisse:
Ein Bilderbuchtag über dem Nebel, beste Fernsicht, Temperatur ca. 4 bis 10°, wenig störender Südwestwind bis ca. 18 km/h.

Hilfsmittel:
Bergwanderausrüstung, Grödel (nicht verwendet), Stöcke, Kartenmaterial

Parameter:
Tour-Datum: 18. November 2020
Schwierigkeit: T3+
Strecke: 6.4 km, Parkplatz Nr. 9 beim Berghaus Palfries (1700 m) – In den Stei P.1790 – P.1889 – Chemmi (2185 m) – Alvier (2342 m) – Abstieg wie Aufstieg
Aufstieg: ca. 665 m
Abstieg: ca. -665 m
Laufzeit ohne Pausen: total ca. 3 Std. 15 Min.
Laufzeit mit Pausen: total ca. 4 Std. 45 Min
Tageszeit: 10:20 bis 15:00 Uhr

Denti della Vecchia – Grenzwanderung an den imposanten Kalktürmen

Die Denti della Vecchia sind eine bizarre Graterhebung zwischen Monte Brè und Cima di Foiorina, einer Bergkette, die sich von Lugano im Westen bis zum Regagno im Osten erstreckt. Die Bergkette trennt das Val Colla im Norden vom Lago di Lugano im Süden. An der italienischen Südflanke befindet sich die Alpe di Castello. An den Denti kann auch geklettert werden (bis 6. Grad). Ausgangspunkt für unsere Tour war Villa Luganese, ein Vorort Luganos. Im Ortszentrum starteten wir beim öffentlichen Parkplatz Piàn Pomè. Den gegenüberliegenden historischen Ortskern durchliefen wir über die Zona Cèta, um auf die Ra Strada dra Créda zu gelangen. Der Wanderweg führt in direkter Linie hoch, die Strada dra Créda immer wieder überquerend. Durch herrlichen Kastanienwald erreichten wir rasch den Weiler Créda. Die «Zähne der Alten» ragten 600 m hoch über uns auf. Meriggio heisst der Wald, durch den wir unter den Kalktürmen in östlicher Richtung querten. Vorbei am Hof Scirona galt es wenig später etwas oberhalb des Weilers Murio auf ca. 900 m.ü.M. rechts zu halten. Noch immer im Schatten (im Schatten der Denti) erreichten uns im Gebiet Suagia die ersten Sonnenstrahlen – welche Wohltat! An zwei (markierten) Stellen könnte man weglos direkt zu den Felszähnen aufsteigen – was wohl kaum ohne Kletterübungen machbar wäre… Weiter östlich, beim P.1267, erreichten wir offenes (und sonniges) Weideland, und bald auch die aussichtsreich gelegene Capanna Pairolo (geschlossen 1.11.2020-1.5.2021). Hier treffen wir auf erste Bergwanderer. Auf der Hüttenterrasse geniesst man den wunderbaren Ausblick bis zu den grossen Wallisern und Bernern. Bei annähernd 20 Grad (an der Sonne) war es Zeit für eine ausgiebige und genussvolle Rast. Gestärkt machten wir uns auf zu den südwestlich stehenden Denti, in diesem Abschnitt Sasso Palazzo genannt. Bald begegneten wir den erste bizarren Kalkfelsen; einen ersten (P.1471) umgingen wir nördlich. An dieser nördlich ausgerichteten Stelle sorgte der Bodenfrost dafür, an den wenigen ausgesetzten Stellen vorsichtig zu laufen. In leichtem Auf und Ab bewegten wir uns auf einer Höhe von ca. 1450 m. Beim Übergang Basso d’Ogé der Wechsel auf die (sonnige) Südseite und folglich genau auf die Landesgrenze CH-I. Einige hundert Meter weiter der Übergang Passo Streccione, wo der eingangs erwähnte Direktaufstieg einmündet. Weiter auf der Grenze führt der schmale, und an wenigen Stellen etwas ausgesetzte Pfad vorbei an den bis 90 m aufragenden Denti della Vecchia – immer wieder unterbrochen von spektakulären Durch- und Tiefblicken. Beim Grenzstein 7M1 angelangt, folgte der steile und weglose Abstieg zur Bocchetta di Brumea (1292 m). Zum guten Glück war die Unterlage vollkommen trocken… Jetzt noch der Zickzack-Abstieg immer schön auf dem Grat laufend; mittlerweile öffnete sich der Blick nach Lugano und in die spätnachmittägliche Sonne – phantastisch dieser Ausblick! Vor Erreichen des Übergangs Pian di Scan genossen wir an bester Lage den herrlichen Ausblick zum Finsteraarhorn und Konsorten. Über die Pian di Scan war die Alpe Bolla rasch erreicht, das Grotto Capanna Alpe Bolla saisonbedingt ebenfalls geschlossen. Einige Meter vor dem Grotto hatten wir die Wahl zwischen zwei Abstiegsmöglichkeiten – wir wählten den sonnigeren, aber wohl auch etwas schwierigeren Weg nach Villa Luganese hinunter. Steil, manchmal leicht ausgesetzt, aber gut zu begehen. Bei Créda schloss sich der Kreis, der Restabstieg folgte der Aufstiegsstrecke vom Vormittag. Kurz vor Sonnenuntergang erreichten wir gutgelaunt und glücklich den Ausgangspunkt.

Hinweis:
Ein zu dieser Jahreszeit und wohl auch Covid-19-bedingt einsame Wanderung im spannenden Grenzgebiet nordöstlich Luganos. Anforderungsreich und mit über 1000 Hm konditionell respektabel.

Wetterverhältnisse:
Wiederum ein bilderbuch-mässiger Herbsttag, Temperatur ca. 6 bis 14°.

Hilfsmittel:
Normale Wanderausrüstung, Stöcke, Kartenmaterial

Parameter:
Tour-Datum: 9. November 2020
Schwierigkeit: T2-3
Strecke: 14.7 km, Villa Luganese (600 m) – Créda (799 m) – Scirona – Murio – P.1268 – Capanna Pairolo (1349 m) – Bassa d’Ogé (1398 m) – Passo Streccione (1400 m) – Grenzstein 7M1– Bocchetta di Brumea (1262 m) – P.1283 – Pian di Scan (1173 m) – Alpe Bolla (1128 m) – P.895 – Creda (799 m) – Villa Luganese
Aufstieg: ca. 1073 m
Abstieg: ca. -1072 m
Laufzeit ohne Pausen: total ca. 5 Std. 20 Min.
Laufzeit mit Pausen: total ca. 7 Std.
Tageszeit: 10:10 bis 17:10 Uhr

Herbst 2020 Val Müstair 1|4: endlich mal auf den Piz Daint 2967 m

Nach der Anreise und dem Bezug unseres Quartiers in Fuldera im gastfreundlichen Hotel Landgasthof Staila freuten wir uns auf ein paar Wandertage im geliebten Val Müstair. Die Wettervorhersagen für die kommenden Tage konnten nicht idealer sein. Schon länger auf unserer Projektliste, sollte es diesmal gelingen, diesen hoch über dem Ofenpass aufragenden Aussichtsberg zu besteigen. Der Piz Daint ist mit 2967 m der höchste Gipfel des Münstertals. Eine Alpinwanderung der Spitzenklasse, die aussergewöhnliche Panoramablicke verspricht. Um neun Uhr starteten wir auf dem grossen Parkplatz auf der Passhöhe. Entgegen unserer Erwartung, dass sich heute Sonntag viele Bergwanderer zu diesem Klassiker aufmachten, waren wir die Einzigen – alle anderen machten sich gegenüber der Passstrasse auf in Richtung Alp da Munt. Unser Aufstieg begann direkt hinter dem Passhotel Süsom Givè, führte am grossen Senderturm vorbei, steil ansteigend an der Ostseite des Il Jalet. Vorbei an bizarren Felsformationen, über einige mit Ketten gesicherten Steilstufen, erreichten wir nach einer halben Stunde die Verzweigung bei Davo Plattas (P.2288). Rechts ginge es zum Aufstieg auf den Il Jalet, geradeaus in Richtung Jufplaun. Wir hielten nach links, um den Nordwestrücken des Piz Daint anzustreben. Erst auf gutem Pfad, wenig später – ab ca. 2450 m.ü.M. quer und wenige Meter absteigend über die Geröllhalde namens Murtaröl, folgte ein blockiger Aufstieg, wo auch mal die Hände gebraucht wurden. Auf dem ca. 400 Hm über uns verlaufenden Grat zum Gipfel erkannten wir drei Bergsteiger – denen wir später begegneten. Auf dem Rücken bei P.2645 angekommen, öffnete sich der Blick zum Nachbarn Munt Buffalora und auf die Ebene Jufplaun. Wir hielten nach links (also nach O), einer deutlichen Wegspur folgend direkt in Richtung Gipfel. Die letzten ca. 150 Aufstiegsmeter ziemlich steil, aber nicht ausgesetzt, forderten etwas Trittsicherheit auf der rutschigen (aber trockenen) Unterlage. Die erwähnten «Gratwanderer» kamen uns bereits entgegen und berichteten von einem tollen Gipfelerlebnis – diese Vorfreude liess uns die Anstrengungen vom Gipfelaufstieg beinahe vergessen. Jedenfalls standen wir nach 2 Stunden und 15 Minuten oben – ein herrliches Gefühl, der Gipfel ganz für uns. Beste Panoramasicht nach allen Seiten, im Südosten vom König Ortler dominiert (Luftlinie 23 km). Einfach unbeschreiblich, alleine schon deshalb empfehlen wir die Bilder zu geniessen. Ein besonderer Genuss war dann auch die Gipfelrast bei Windstille. Der Blick auf die Aufstiegstrecke zeigte, dass sich heute doch noch etwa ein Dutzend Bergsteiger zum Gipfel aufmachten – die begegneten uns dann während unseres Abstiegs. Dieser verlief auf der Aufstiegspur; im obersten (steilen) Gipfelaufbau waren Stöcke hilfreich, um auf der steilen und feinschotterigen Unterlage allfällige Rutscher aufzufangen. Auf dem Rücken bei P.2645 angekommen, hielten wir nach Süden, mit dem Ziel über die Hochebene Jufplaun zu laufen. Erst war aber der Einsatz unserer Hände gefragt, weil gleich nach der Verzweigung eine steile Runse zu queren war. Ab etwa 2450 m.ü.M. erreichten wir ruhigeres Gelände, in wenigen Serpentinen und über Alpgelände. Die nahe P.2331 stehende Hütte bei Döss dal Termel passierten wir östlich, um den Jufplaun querenden Wanderweg zu erreichen. Jetzt die Höhe von ca. 2300 m haltend war lustvolles Wandeln angesagt. Bis vor wenigen Tagen war die Alp noch bestossen, jetzt war alles sehr ruhig. Die westlichen namenlosen Ausläufer des Piz Daint umrundeten wir auf einem sehr schön angelegten Panoramaweg. Rechts oben die von der Erosion gezeichneten felsigen Gestalten, links der Blick hinunter nach Buffalora, von wo uns der Lärm der Passstrasse erreichte. Zum Abschluss folgte die spektakuläre (aber nicht schwierige) Querung des Val Murtaröl – nochmals ging der Blick rechts hoch zum Tagewerk. Nach wenigen Minuten Auf und Ab schloss sich unsere Runde bei Davo Plattas wieder. Jetzt noch der kurze, aber steile Abstieg zu Pass hinunter. Auf diesem Teil begegneten uns einige mit Turnschuhen bewehrte «Berggänger» – diese musterten fast schon angst- und respektvoll unsere schweren, griffigen Schuhe (auch verächtlich «Schraubstöcke» genannt😎). Auf dem Pass angekommen, flüchteten wir zügig nach Fuldera hinunter – dort gabs dann zur Belohnung Bier🍻.

Fazit:
Besser kann eine Tourenwoche im Münstertal nicht beginnen… Einfach famos!

Wetterverhältnisse:
Herrliches, sonniges Bergwanderwetter, ~12 bis 20°

Hilfsmittel:
Bergwanderausrüstung, Stöcke, Regenschutz (für alle Fälle…)

Parameter:
Tour-Datum: 13. September 2020

Schwierigkeit: T3
Strecke: 11.7 km, Pass dal Fuorn/Ofenpass (2149 m) – Davo Plattas (2288 m, Verzweigung) – Murtaröl – P.2649 – Piz Daint (2967 m) – Abstieg bis P.2649 – Döss da Temel – Jufplaun – Val Murtaröl – Pass dal Fuorn/Ofenpass
Aufstieg: ca. 920 m
Abstieg: ca. -960 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 6 Std. 15 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 4 Std. 10 Min.
Tageszeit: 09:00 bis 15:10 Uhr