Archiv der Kategorie: Bergwanderung T3

Binntal VS 1|3: zum Mässersee (2119 m)

Der Landschaftspark Binntal liegt im Oberwallis und umfasst die sechs Ortschaften Binn, Ernen, Grengiols, Bister, Niederwald und Blitzingen; im gesamten Gebiet wohnen gerade mal 1100 Einwohner. Grengiols mit seinen weltbekannten Wildtulpen hat uns schon im Mai dieses Jahres begeistert, die Cholera selbstverständlich auch🥘. Ein paar Tage im Binntal, auch Binnatal genannt, zu Fuss und/oder mit dem Bike zu erkunden, das passte. Im Hotel Ofenhorn – dieser einzigartigen Belle Époque-Perle – fanden wir eine Bleibe für drei Übernachtungen. Nach der Fahrt über den Furkapass ins Obergoms und ab Fiesch über Ernen und nach Ausserbinn durch den engen 1.9 km langen Tunnel hoch ins enge Binntal war eine kurze Bergwanderung angesagt. Michael trafen wir beim Parkplatz kurz vor Fäld. Ab hier herrscht verständlicherweise Fahrverbot für Motorfahrzeuge. Am Restaurant Imfeld, welches prominent an der Brücke über die Binna steht, liefen wir vorerst achtlos vorbei. Nach wenigen hundert Metern auf der geteerten Bergstrasse bogen wir bei Punkt 1543 rechts weg auf den w-r-w markierten Pfad. Während fast alle Wanderer zur Mineraliengrube Lengenbach liefen, waren wir als mineralogisch unbelastete Wanderer ab jetzt einsam unterwegs. Dafür wurde es steil, über hohe Tritte und immer im schattigen Wald. Nach einem Kilometer und 170 Hm erreichten wir nahe Litze Nacke die Alpstrasse, welche wir nach wenigen Metern wieder links verliessen. In ziemlich direkter Linie stiegen wir weiter auf, bis ca. 180 Hm weiter oben die Lichtung Mässerchäller erreicht war. Ein Brunnen, eine Hütte und ein Wegweiser signalisierten die Wegkreuzung. Bis zum Mässersee noch eine Stunde! Bald erreichten wir die Waldgrenze, im lichten Gelände tummelten sich ein paar Beerensammler. Ohne vorerst viel Höhe zu gewinnen, näherten wir uns in einem Bogen nach O dem Wasserfall des Mässerbachs. Den Bach überquerten wir im Ritlärch über ein Brücklein – kann Wandern schöner sein?! Beim Wegpunkt 1978 im Schäre trafen wir auf den von der Mineraliengrube hochführenden Pfad. Hier suchten wir vergeblich den auf der Karte (nicht als WW) eingezeichneten Direktaufstieg in Richtung Mässersee – schliesslich erreichten wir wieder den Normalweg. Bei Punkt 2003 – kurz vor Manibode – hielten wir links, um wieder steiler und durch felsdurchsetztes Gelände weiter Höhe zu gewinnen und zum Mässersee zu gelangen. Was für eine Idylle: das kleine Bergseelein liegt in einer Mulde, umgeben von Alpenrosen und Lärchen und einer Wiese, beherbergt eine der seltensten Pflanzen der Schweiz, das trittempfindliche See-Brachsenkraut. Das ist auch der Grund dafür, dass nur im nördlichen Seebereich gebadet werden darf; dazu lädt der flache «Strand» Abgehärtete allerdings ein. An einem besonders schönen Plätzli zog Michael wieder einmal alle Register: zum Jubiläum spendierte er Walliser Trockenfleisch, Käse und ein Fläschchen Dôle – eine echte Überraschung, mit einem herzlichen Dankeschön! Auch wenn man es hier oben länger aushalten könnte, liessen wir uns von den, die umliegenden Beinahe-Dreitausender einhüllenden dunklen Wolken, beeindrucken. Nach dem Dinner stiegen wir hoch zum etwa vierzig Meter höher liegenden Punkt, um von dort in Richtung SO zum Wegpunkt 2147 zu gelangen – auf dem Wegstück bis dorthin, wo der Geisspfadweg erreicht war, darf nicht gestolpert werden. Beim Wegpunkt könnte weiter aufgestiegen werden bis zum Geisspfadsee (2438 m.ü.M.) zum Passo della Rossa (2472 m.ü.M.), der die Landesgrenze CH-I markiert (T3). Den Besuch des Geisspfadsees sparen wir uns auf, wir wollten trocken bleiben. Also stiegen wir ab zum Geröll und Felsbrocken durchsetzten Manibode, einem einzigartigen Gletscherkessel, der umragt wird von Stockhorn, Schwarzhorn, den steil aufragenden Felsen des Rothorns und von sterbenden Firngletscherchen. Ohne den Mässerbach zu überqueren, erreichten wir den Wegpunkt 2003, wo sich unsere Seerunde schloss. Zurück bei P.1978 (Schäre) blieben wir auf dem Pfad in Richtung Mineraliengrube Lengenbach- Alte Mässerchäller heisst die Gegend (ein Teil der Mässeralp). Ohne den Lenge Bach zu überqueren, kamen wir dem Gehämmer der «Arbeiter» in der Mineraliengrube näher – Kinder vor allem, auf der Suche nach einem glitzernden Andenken. Auf dem Weiterweg, erst auf der Fahrstrasse, später dann abgekürzt zum Warm Brunne, dann wieder auf der Strasse zum Wegpunkt 1543, wo sich unsere Runde schloss. Erste Tropfen «zwangen» uns im Restaurant Imfeld zur (ohnehin geplanten) Einkehr. Nach einer Viertelstunde endete der Platzregen, und nach wenigen Schritten war der Startpunkt einer schönen Wiedersehen-Tour erreicht.

Fazit:
Nach bald drei Jahren Corona-bedingter Einschränkungen ein Wiedersehen mit Michael aus Bielefeld, der für zwei Wochen im Raum Visp Ferien verbrachte (Was für ein Jubiläum: seit 50 Jahre ferienhalber im Wallis!).

Wetterverhältnisse:
Schönes Sommerwetter, im Tagesverlauf etwas Bewölkung und Mitte Nachmittag ein kurzer Platzregen, 8 bis 15° C, Wind ca. 4 km/h aus O

Ausrüstung:
Wanderausrüstung, Stöcke, Kartenmaterial Swisstopo, GPS

Parameter:
Tourdatum: 10. August 2022
Schwierigkeit: weiss-rot-weiss markierte Wanderung durchgehend T2, Stellen T3.
Strecke: 8.6 km, Parkplatz kurz vor Fäld (1514 m) – P.1543 – P.1713 (Litze Nacke) – Mässerchäller (1885 m) – P.1951 – Mässerbach bei Ritlärch – P.1978 (Schäre) – P.2003 – Mässersee (2119 m) – P.2147 (Geisspfadweg) – Gletscherkessel Manibode (2026 m) – P.1978 (Schäre) – P.1973 – Mineraliengrube Lengenbach (1653 m) – Figgerschah (1626 m) – Warm Brunne – P.1543 – Café Imfeld (1518 m) – Parkplatz
Aufstieg: ca. 660 m
Abstieg: ca. -660 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std. 40 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std. 20 Min.
Tageszeit: 11:20 bis 17:00 Uhr

Pass da la Prasgnola über die alpinen Steintreppen «I Trapet»

Unser Ziel heute: der Pass da la Prasgnola, ein im Kanton Graubünden gelegener  Gebirgsübergang zwischen der Val Madris und der Val Bregaglia. Seine Passhöhe liegt auf einer Höhe von 2724 m.ü.M. zwischen den Gipfeln Pizz Gallagiun (3107 m, T4) und Pizzun (2965 m, T5). Seit dem Jahre 1412 gehören die Alpen in der Val Madris zu Soglio im Bergell. Früher wurden Kühe und Rinder jedes Jahr über den Pass zur Sömmerung auf die Alpen geführt. Dazu musste auf der Nordseite des Passes eine imposante Steintreppe I Trapet mit mehr als 300 Stufen gebaut werden. Diese historische Weganlage wurde 1991 von Freiwilligen des Internationalen Zivildienstes wiederhergestellt (Quelle: SAC). In diesem Sommer wird die spektakuläre Treppenanlage erneut saniert.

Vom Einheimischen Bruno Loi aus Cröt nutzten wir das Taxi-Angebot (079 406 72 77), die ersten 10 km (375 Hm) der einsamen Val Madris bis zur Alp Preda im Pick-up zurückzulegen. Das war eine gute Empfehlung von Julia Patzen von der Alp Madris. Die Strasse ist mit einem Fahrverbot belegt; denkbar wäre, mit dem Bike zu fahren und ab Alp Sovräna zu wandern – wegen der arbeitenden Herdenschutzhunde bedingt zu empfehlen. Noch etwas zu diesem sehr einsamen Tal: nach einem dreizehnjährigen Kampf gegen ein Stauseeprojekt hat der BR dieses Seitental zum Avers 1988 unter Schutz gestellt. Kurz nach der Alp Preda, bei der Brücke über die Agua da Madris, starteten wir unseren Fussmarsch. Bald erreichten wir die Gebäude der Alp Sovräna; unmittelbar hinter der Alp beginnt der Anstieg. Bis zum Brücklein bei P.2131 war das Gelände etwas sumpfig (von den Gewittern der letzten Nacht). Beim Brücklein teilt sich der Weg, links in Richtung O in die Val da Roda, rechts südlich in die Val da la Prasgnola, den wir zu nehmen hatten. Das Brücklein ist keine Herausforderung, ausser man mag nicht in tiefe Abgründe der Agua da Madris schauen… Nach wenigen Aufstiegsmetern zeigte sich schon der Pizz Gallagiun, dem wir uns heute näherten. Nach etwa 2.7 Kilometern erreichten wir eine Steilstufe und danach die abflachende Plan di Mort. Dort steht bei 2450 m.ü.M. auch das Camp der Arbeiter, welche I Trapet sanieren. Gespannt versuchten wir, die Treppe ausfindig zu machen – und tatsächlich erreichten wir diese bei 2460 m.ü.M. Waren die ersten Tritte bereits in bestem Zustand und problemlos zu begehen, war die hochalpine und sehr eindrückliche Baustelle zu passieren. Fünf Arbeiter gaben uns Hinweise, wie der Aufstieg (neben der Treppe) am besten zu bewältigen sei – ein provisorisch montiertes Fixseil bot zusätzliche Sicherheit. Bei P.2598 endete die Treppe (ca. 300 Stufen), und nach der Passage einer engen Stelle, wo der Einsatz der Hände gefordert war, markiert ein grosser Steinmann den richtigen Weg. Die Passmarkierung weiter oben war gut zu erkennen. Nach der Überquerung einer wie von Menschenhand gemachten Ebene standen hundert Meter Blockkraxeln bevor – zwar durchgehend markiert, nicht ausgesetzt, aber dennoch war sicherer Halt gefragt. Dieser letzte Abschnitt hatte es also in sich, und wir waren erleichtert, nach zwanzig Minuten auf dem Übergang zu stehen. Vom auf der Nordseite des Passes liegenden Seelein war nichts mehr zu sehen – trockengelegt! Weidende Schafe bevölkerten die Szenerie – zum Glück keine Herdenschutzhunde in der Nähe! Der Blick über das Bergell hinweg zu den markanten Gipfeln (Pizzo Badile, Pizzo Cengalo) war beeindruckend. Nach Soglio hinunter wären es (angeblich) 2 Std. 15 Min. eine sehr sportliche Vorgabe für fast 1700 Hm Abstieg über 6.6 km Distanz. Nicht nur, aber auch die grauen Wolken, hielten uns davon ab, den Nachbar Pizz Gallagiun (3107 m, T4+, weglos) zu besteigen – anderthalb Stunden Auf- und Abstieg wären dazu wohl nötig. Auch so waren wir zufrieden mit dem Erreichten. Für den Abstieg (laut Vorgabe bis Preda 1 ¾ Std. – wer’s glaubt…) auf der Aufstiegstrecke liessen wir uns reichlich Zeit – Treff in Preda erst um 16:30 Uhr. An der Baustelle noch das Gespräch mit den Bauarbeitern, welchen wir gerne ein Trinkgeld spendeten (das Camp habe eine Bar, versicherte man uns😂). Schon eindrücklich, wie sich die Perspektiven im Auf- und Abstieg komplett änderten. Unterhalb der Treppe dann wieder die fast ebene Plan di Mort, begleitet von der Agua da Madris, die ab und zu sogar wasserfallartig abstürzt. Nach der Steilstufe die Querung zur Brücke über den tosenden Bergbach – von der Südflanke des mächtigen Wissberg (2979 m) kamen die Rufe der Schafhirten, welche bestimmt über hundert Tiere trieben. Der weitere Abstieg zur Alp Sovräna war dann reine Formsache – jetzt nur ja nicht in ein Sumpfloch stolpern… An der Alp vorbei, wurden wir von zwei Eseln verabschiedet, dann gemütlich über die Brücke – bis zur Alp Preda, welche nach anderthalb Kilometern erreicht war. Gesund zurück von einer sehr einsamen Bergwanderung in der Abgeschiedenheit der Val Madris. Und der Pick-up von Bruno Loi, der uns zurück nach Cröt brachte, kam auch gerade angefahren…

Fazit:
Weiss-rot-weiss markierte alpine Bergwanderung, sehr einsam (wir haben keine anderen Wanderer angetroffen).

Wetterverhältnisse:
Nach den Gewittern von vergangener Nacht ein Hochsommertag mit «gewaschener», klarer Sicht, 8 bis 19° C, Wind ca. 4 km/h aus N

Ausrüstung:
Wanderausrüstung, Stöcke, Kartenmaterial Swisstopo, GPS

Parameter:
Tourdatum: 2. August 2022
Schwierigkeit: T3+
Strecke: 12 km, P.1973 (Brücke über die Agua da Madris) – Alp Sovräna (1995 m) – Brücklein bei P.2131 nach Verzweigung Val da Roda/Val da la Prasgnola – Plan di Mort – Steintreppen «I Trapet» (ca. 2460 m) – P.2598 – Pass da la Prasgnola (2724 m) – Abstieg auf gleicher Strecke
Aufstieg: ca. 800 m
Abstieg: ca. -800 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 6 Std. 40 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 5 Std. 10 Min.
Tageszeit: 10:00 bis 16:40 Uhr

Am Nationalfeiertag zu den Flüeseen – und noch viel mehr…

Ein paar Tage im kühlen Avers verbringen – bei dieser Sommerhitze bestimmt eine gute Idee! In diesem einzigartigen Bündner Hochtal sind Tageshöchsttemperaturen auch in diesem Hitzesommer selten über 25° C. Gestern nach der Ankunft in Rufena (2028 m.ü.M.) unternahmen wir einen kurzen Akklimatisierungsbummel ins Bergalga hinein (ca. 7.5 km). Für heute, dem Nationalfeiertag, planten wir den Besuch der Flüeseen, evtl. mit Abstecher vom Stallerberg zur Uf da Flüe (2775 m.ü.M. und dem Abstieg über die Fuorcla da la Valletta.

Ab Juf liefen wir auf dem steilen Meliorationsweg ca. zweihundert Meter bis zu dessen Ende, dann durften wir die unangenehme Unterlage verlassen und der weitere Aufstieg führte über Muttabach und Treiabach hinauf bis zur Verzweigung bei Punkt 2333. Hier hielten wir links, um in Richtung Lawinenverbauungen aufzusteigen. Wunderbare Bergblumenwelt hier oben, die Querung kaum ausgesetzt, vielleicht mit Ausnahme des Bereiches Muttabachs, den es über ein Alubrücklein zu überqueren galt, und wo das Gelände steil abfällt. Vor uns der aus dieser Perspektive abweisende Felsklotz Foppaspitz (2696 m), dann über ein paar Serpentinen hoch zu den mächtigen Lawinenverbauungen. Bei P.2487 führt eine Spur zum Stallerberg hinüber; wir hielten links und liefen über eine steiler verlaufende Geländekammer, welche zwischen Perniera und Seeflüe durchführte. Ab etwa 2600 m.ü.M. wurde die Unterlage blockig, zur Linken der nun plötzlich zahme Nordrücken der Foppaspitz, vor uns türmte sich der Mazzaspitz (3164 m) auf. Nach der Querung eines unübersichtlichen Blockfeldes erreichten wir über einen sandigen Pfad einen Punkt auf 2700 m.ü.M., von wo der Blick frei wurde auf eine kleine Schwemmebene mit den beiden beinahe ausgetrockneten Foppaseeli. Wenige Meter weiter oben breitete sich der wunderschön gelegene Obera Flüesee aus; dieses auf 2789 m gelegene, von den anderen Flüeseen abgeschnitten gelegene Bergseelein wird westlich vom Mazzaspitz und nördlich von der Westliche Fallerfurgga gesäumt. Der See hat eine Ausbreitung von gerademal 80 x 130 m, und aus ihm fliesst der Müllibach ab. Jetzt verstanden wir auch den zu Beginn oberhalb Juf angetroffenen Walserweg-Wanderer, der begeistert von seiner Biwaknacht am Bergseelein berichtete – drei ihm folgende Biwakierer hätten sogar eine Forelle gefangen (und sie wieder frei gelassen). Nach dem Genuss dieses bildhübschen Naturwunders hatten wir über eine Distanz von zweihundertfünfzig Metern aufzusteigen zum 56 m höher liegenden, gut sichtbaren Punkt 2838. Ab hier könnte über die in einer Distanz von 400 m liegende Fallerfurgga (2837 m, T3) ins Val Bercla und weiter bis Mulegns gewandert werden. Am Punkt 2838 angekommen, wurde der Blick frei zu den vier Flüeseelein, welche ca. 150 Hm unter uns lagen und übrigens in den Treiabach entwässern, welcher nach Juf hinunter abfliesst. Und das Panorama weitete sich bis zu den Bernina-Alpen. Links über der Fallerfurgga trohnte der Piz Surparé (3077 m, T4) mit seinem bizarren Südturm und dem eindrücklichen, langen Ostgrat. Der sehr steile, immer gut markierte Abstieg zu den Bergseelein hinunter führt über grosse Felstritte und durch blockiges Gelände. Auf der Höhe des ersten Seelein angelangt, trafen wir auf ein fotogenes Wollgrasfeld. Wunderbar die Natur hier oben, sogar ein Fröschlein hüpfte umher (siehe Bilder). Nach Durchquerung der Seenlandschaft rasteten wir an aussichtsreicher Südlage und voll an der Sonne (gefühlte 25° C). Danach folgte der Abstieg zum hundert Meter weiter unten liegenden Stallerberg – diesen Übergang kennen wir von Winter- und Sommerbegehungen. Hier trafen wir auf einige Wanderer, welche von Bivio in den Avers (oder umgekehrt) liefen. Von ihnen wissen wohl die wenigsten von den naheliegenden Flüeseen… Auf dem Übergang angekommen, entschieden wir uns für den Direktabstieg nach Juf hinunter. Der Umweg hoch zur Uf dä Flüe und über die Fuorcla da la Valletta nach Juf wäre zwar möglich gewesen, hätte uns aber ca. 250 Zusatz-Hm und 4 km Mehr-Distanz beschert. Für unsere Entscheidung hatten wir gute Gründe, denn zum für den späten Nachmittag geplanten 1.-August-Anlass wollten wir rechtszeitig zurück sein. Auf den knapp zwei Kilometern nach Juf hinunter hatten wir noch 450 Hm zu «vernichten». Unterwegs, bei Punkt 2333 (Treiabach) schloss sich der Kreis unserer Tour. Juf war jetzt rasch erreicht. Das Bier musste noch ein paar Minuten warten, dazu nutzten wir die Terrasse unserer tollen Unterkunft im Ortsteil Rufena.

Erst-August-Event der Sonderklasse
Um 17 Uhr war Apérozeit; bei phantastischem Wetter trafen sich die Gäste des Hotel Avers auf der sonnigen Terrasse. Was dann ablief, war ein unvergessliches Erlebnis: auf dem direkt hinter dem Haus hochführenden Meliorationsweg «spazierte» die fröhliche Gruppe von vielleicht dreissig Gästen hoch (700 m Distanz, 110 Hm). Unterwegs bescherten uns die Gastgeber Barbara und Hansueli mit ihrem tollen Team (René, Haki, Simona) an verschiedenen Stopps ein urchiges zehngängiges 1.-August-Menü. Und damit nicht genug: die musikalische Begleitung der Gastgeber war einfach sensationell! Und das alles bei 1.-August-Wetter vom Feinsten – mit Blick in ins Bergalga und zur umliegenden Bergwelt. Manch eine(r) stellte sich die berechtigte Frage, wo wir leben dürfen: im Paradies! Und das alles ohne Höhenfeuer und Feuerwerk… Dem ganzen Team vom Hotel Avers gebührt unser herzliches Dankeschön für diesen unvergesslichen 1. August 2022.

Fazit:
Weiss-rot-weiss markierte Wanderung durchgehend T2, mit Ausnahme leichter Ausgesetztheit unterhalb der Lawinenverbauungen und teilweise hohe Tritte über Blockgelände im Steilabstieg vom höchsten Punkt zu den Seen hinunter.

Wetterverhältnisse:
Hochsommertag im Avers, 9 bis 19° C, Wind ca. 6 km/h aus ONO

Ausrüstung:
Wanderausrüstung, Stöcke, Kartenmaterial Swisstopo, GPS

Parameter:
Tourdatum: 1. August 2022
Schwierigkeit: T2-3
Strecke: 8.5 km, Juf (2125 m) – P.2333 (Treiabach) – Lawinenverbauungen – P.2487 – Obera Fluesee (2789 m) – P.2838 – Flüeseen (2681 m) – Stallerberg (2579 m) – P.2505 – Treiabach – Juf
Aufstieg: ca. 780 m
Abstieg: ca. -760 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std. 15 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std. 50 Min.
Tageszeit: 09:30 bis 14:45 Uhr

Nüenchamm (1904 m)

Parkplätze stehen ausreichend zur Verfügung bei der Talstation Löölenboden der «langsamsten Sesselbahn der Schweiz» (Sportbahnen Kerenzerberg); mit ihr überwanden wir elegant die ersten 540 Höhenmeter. Direkt bei der Bergstation Habergschwänd genossen wir im Berggasthaus den Startkafi.

Während eine Seniorenwandergruppe in Richtung Talalpsee startete, nahmen wir den WW über den moorigen Zuezboden, der vom Wasser des Filzbachs gebildet wird. Bald leitete uns ein Wanderwegweiser weiss-rot-weiss in Richtung Nüenchamm (Vorgabe 1 Std. 45 Min.). Bald schon leicht ansteigend, vorbei an einem besonders schönen Knabenkraut (siehe Bild), erreichten wir die Skihütte Chalthüttli des Skiclubs Hausen a. A. Über wunderschönes Wiesland, gelegentlich noch etwas feucht und schmierig vom Gewitterregen des Vortags, überstiegen wir den zahmen Filzbach und verliessen den schattigen Wald. Bald war das Alpgebäude Stäfeli erreicht, von wo sich der Blick über den Walensee zum gegenüber liegenden Amden öffnete. In regelmässigen Abständen von neuen weiss-rot markierten Eisenpfosten geleitet, stiegen wir über Pfandliboden und Schüplanggen hoch. Trollblumen, Enziane, Alpenrosen, Sumpf-Dotterblume, Busch-Windröschen, wilder Thymian – die Natur präsentierte sich in intensivsten Farben. Bald auf dem Chammweg angelangt, steilte das Gelände auf, über uns felsige Flühe. Nach zwei Kurven, auf einer Höhe von 1700 m.ü.M. liefen wir leicht ansteigend und mit tollen Ausblicken (Linthebene, Walensee) dem Mittelband entgegen, den Durchschlupf im Blickfeld. Am oberen Ausstieg angekommen steht eine kleine Hütte, wunderbar die Aussicht zu Federispitz, Speer, Mattstogg, Säntis, Churfirsten. Über saftige Alpwiesen und Kalktritte erreichten wir bald die Verzweigung Ober Chamm; ab hier sind es noch 40 Hm resp. 200 m Strecke bis zum Gipfel. Kurz davor taucht das mehrgipflige Massiv des Mürtschenstocks auf – beeindruckend! Wenig später standen wir (nach 1 Std. 50 Min.) auf dem Nüenchamm – und das Schönste: der Gipfel gehörte uns allein! Entsprechend genossen wir den Aufenthalt ausgiebig. Das prächtige 360°-Panorama führte uns auch die von uns bereits besuchten Gipfel vor: Fronalpstock, Gemsfairenstock, Schilt, Tristli, Zindlenspitz, Rautispitz, Bockmattlistock, Chöpfenberg, Hirzli, Planggenstock, Federispitz, Speer, Säntis und natürlich die sieben Churfirsten. Und die Sicht über die Linthebene hinweg ging bis nach Hause (Luftlinie 28 km) – vielleicht sieht man uns winken… Nach diesem grossen Gipfelgenuss strebten wir den Abgang an: steil der Abstieg hinunter zur Alp Oberst Nüen (-350 m über 1.7 km Strecke). Unterwegs das geologisch aufregende Gelände im Meuloch, wo noch kleine Schneereste lagen. In steilen Serpentinen galt es die Schritte gut zu kontrollieren – wir übten diesmal ohne Stockeinsatz. Auf Nüensattel oberhalb der Alp Oberst Nüen angelangt, ging das Laufgelände über in einen Fahrweg, welcher zwischen den wenig höheren Erhebungen Sunnenspitz (1546 m) und Höch Farlen (1626 m) durchführte in Richtung N. Der Fahrweg wird wohl kaum viel befahren, und wenn, dann höchstens von einachsigen Fahrzeugen. Etwa hundert Hm oberhalb der Alp Mittler und Ober Nüen war die Unterlage «wunderbar» schottrig – keine Wohltat! Jedenfalls waren wir froh, nach ein paar Kehren die Besenbeiz zu erreichen. An diesem aussichtsreich und direkt am Schabzigerweg gelegenen Platz bot sich die Gelegenheit zum Genuss von leckeren Alpprodukten (Käse, Bauernschüblig), Adler-Bier dazu. Bei bester Sicht könnten wir wohl von zuhause aus jeweils Gäste erkennen… Gestärkt machten wir uns auf den ziemlich ruppigen und steilen Abstieg durch die Schwiilöcher zur Habergschwänd hinunter – damit schloss sich eine eher kurze, aber heftige Runde. Die Talfahrt mit der Zeitlupen-Sesselbahn war dann der vergnügliche Abschluss.

Fazit:
Hochsommer, wie aus dem Bilderbuch, Zeit für den Glarner Aussichtsberg!

Wetterverhältnisse:
Hochsommerwetter, beste Fernsicht (bis zu den Bernern), Temperaturen im Bereich 12 bis 19°, praktisch windstill.

Ausrüstung:
Wanderschuhe, Stöcke (nicht eingesetzt), SchweizMobil, GPS

Parameter:
Tourdatum: 14. Juni 2022
Schwierigkeit: T2-3
Strecke: 7.3 km: Bergstation Habergschwänd (1278 m) – Zuezboden – Skihaus Chalthüttli (1370 m) – Querung Filzbach – Stäfeli (1426 m) – Pfandliboden, Schüplanggen – Chammweg – Durchschlupf Mittelband – Verzweigung Ober Chamm – Nüenchamm (1904 m) – zurück bis Verzweigung Ober Chamm – Meuloch – P.1624 – Nüensattel – Alp Oberst Nüen (1550 m) – Beizli Alp Mittler und Ober Nüen (1399 m) – Schwiilöcher – Zuezboden – Bergstation Habergschwänd
Aufstieg: ca. 670 m
Abstieg: ca. -670 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std. 45 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std. 15 Min.
Tageszeit: 10:00 bis 15:45 Uhr

Hasenmatt 1445 m – Stallflue 1409 m – Abstieg übers Häxewägli

Wieder einmal unterwegs im Stammland Ruedi’s. Wir starteten bei der BLS-Station Im Holz in Lommiswil, erst durch das oberste EFH-Quartier über die Allmendstrasse hoch zum Waldrand, diesem entlang nach W bis zum P.675. Danach versagten die Kartenlesekünste Ruedi’s kurzfristig, wir verfehlten zwei direkte Aufstiegsmöglichkeiten, deren Einstiege in den Schwengiwald etwas verborgen sind. Also liefen wir auf der Schauenburgstrasse bis zum P.748. Hier drehten wir nach rechts, um auf deutlicher Spur, aber unmarkiert, bis P.774 zu laufen. Kurz danach verliessen wir die Forststrasse nach links auf eine steiler werdende, aber undeutliche Spur. Die nach O ausholende Forststrasse erreichten wir beim Wegpunkt 1033 wieder; dort kommt die alte Bergstrasse von der Schauenburg herunter – heute ein ausgewaschenes «Bachbett». Beim Gsäss benannten P.1033 liefen wir über die Haarnadelkurve weiter nach O, um die Strasse nach etwa 250 m links zu verlassen (gelbe WW-Markierung). Jetzt begann der Direktaufstieg unter den Flühen der Hasenmatt durch bis nahe P.1292 – dort, wo die weit nach O ausholende Bergstrasse zum Althüsli erreicht wird. Kurz vor diesem Punkt stiegen wir auf den schwach ausgebildeten, nicht ausgesetzten, aber gut zu erkennenden Grat, auf welchem der Gipfel nach etwa 600 m (+150 Hm) erreicht wird. Zwischendurch gab es spektakuläre Tiefblicke in die nördlich gelegenen Jura-Gräben und bis nach Gänsbrunnen, wo das Nordende des 3701 m langen Weissensteintunnels, einem einspurigen Eisenbahntunnel an der Bahnstrecke Solothurn – Moutier, der von der ehemaligen Solothurn-Münster-Bahn (heute BLS) erbaut wurde. Kurz unter dem Gipfel – das Kreuz bereits in Sichtweite – traten wir aus dem Wald und erreichten das offene Gipfelgelände der Hasenmatt. War die Wettersituation bislang deutlich schlechter, als vorausgesagt, verwöhnte uns nun die Sonne, und auch das grosszügige Alpenpanorama präsentierte sich über einem Wolkenband. Der Blick ging natürlich auch ins Tal, wo die Aare ihre Schlaufen zieht und die gelben Rapsfelder leuchteten. Finsteraarhorn, Eiger, Mönch, Jungfrau – grandios der Blick zur Berner Prominenz! Kurz die Gipfelrast (Dörrfrüchte, Nüsse Mini-Ragusa), etwas länger die Bewunderung der scheu aufblühenden Blüemli (Frühlingsenziane, Knabenkraut).

140 m westlich des Gipfels gelangten wir zu der Stelle, wo der nordseitige Abstieg in Richtung Althüsli beginnt. Auf diesem Abschnitt hiess es aufzupassen: Restschnee, feuchte Tritte, ziemlich ruppig. Auf etwa halber Höhe, am Waldrand, hielten wir nach links in Richtung W hinunter zur Alpstrasse P.1318. Auf einem leicht felsigen Grat queren wir bis oberhalb der Skihütte des SC Lommiswil, um dann recht steil knapp 90 Hm aufzusteigen. Bei P.1401 erreichten wir die «Hochebene» der Stallflue, deren höchster Punkt sich etwa 550 m westwärts befand (Gipfelkreuz). Hier galt es ja nicht zu nahe an die Kante dieser eindrücklichen Flue zu stehen – mind. 200 m hoch ist die Wand! Jetzt suchten wir den Einstieg ins berüchtigte Häxewägli. Genau bei P.1399, ca. 280 m westlich des Gipfelkreuzes, fand sich eine Stelle, markiert mit einem kleinen Steinmann. Nach dem Übersteigen des Stacheldrahtzauns(!) standen wir an einer Feuerstelle auch Resten eines Sitzbänklis – das musste die Einstiegstelle sein. Wir geben gerne zu, dass hier Respekt aufkam vor dem, was uns bevorstand: Abgrund! Immerhin begann die Sache einigermassen machbar mit dem Durch- und Abstieg über eine hohe felsige Steilstufe – unter der so etwas wir ein Trampelpfad auszumachen war. Unmittelbar danach die Schlüsselstelle, eine kurze, mit Ketten gesicherte Querung – viel Luft unter den Füssen, eine leicht ausgesetzte Stelle von vielleicht fünfzig Metern. Über uns die mächtige Felswand der Stallflue, suchten und fanden wir eine einigermassen Vertrauen erweckende Abstiegspur – jetzt war nur noch darauf zu achten, die Stelle nicht zu verpassen, wo wir nicht in Richtung Oberes Brüggli, sondern weiter abzusteigen hatten in den Wagnerbann. Erst bei Erreichen einer Geröllhalde hatten wir die Gewissheit, richtig unterwegs zu sein. Die besagte Geröllhalde war ihrer Steilheit wegen ziemlich herausfordernd – nur ja nicht rutschen! Dank dem einen oder anderen Steinmann fanden wir schliesslich den unteren «Ausgang». Dank GPS und Kartenmaterial – auf Swisstopo ist dieser «Wanderweg» nicht eingezeichnet, also behalfen wir uns zur Not mit OpenTopoMap, den Topographische Karten aus OpenStreetMap. Hinweis: OpenStreetMap ist crowdbasiert, d.h.: registrierte User können beitragen. Der Haken: bei crowdbasierten Datensammlungen muss nicht zwingend um inhaltliche Richtigkeit, Genauigkeit, Aktualität, Zuverlässigkeit, Vollständigkeit und Relevanz geachtet werden. Also Vorsicht bei der Anwendung solcher Hilfsmittel! Aber heute hat es uns geholfen, und wir mussten nicht im sehr steilen Gelände des Wagnerbanns biwakieren😎… Und ja, die ab und zu offensichtlich von privater Seite angebrachten leuchtgelben Markierungen halfen auch, den im Wagnerbann westlich gelegenen Wendepunkt nicht zu verpassen. Mittlerweile auf einer Höhe von 1200 m.ü.M. endete das Spektakel – ab jetzt durften wir auf deutlicher Spur laufen. Nahe P.1091 erreichten wir die Fahrstrasse zur Schauenburg – die 700 m bis dorthin sprinteten wir fast schon. Klar, endlich gab es etwas Richtiges zwischen die Zähne, schliesslich war es auch schon drei Uhr nachmittags. Auf der besonnten Terrasse des Bergrestaurants Schauenburg genossen wir den Appenzeller Brandlöscher und die gigantischen Käseschnitten, während vor unseren Augen nochmals Spektakel geboten wurde: die Rega trainierte gerade Seilwinden-Rettung an den Westflühen der Hasenmatt – direkt über uns. Eine Stunde später nahmen wir die letzte Etappe unter unsere Füsse: etwas mehr als 500 Abstiegsmeter (1 Wegstunde) hinunter zum Ausgangspunkt Lommiswil Im Holz. Auf der steilen, und stark verwitterten alten Bergstrasse galt es gefühlt tausenden von Stolpersteinen auszuweichen. Bei P.1033 (Gsäss) schloss sich die grosse Runde, und wir liefen – nun etwas direkter als im Aufstieg nach Lommiswil hinunter. Ende gut, alles gut – wir waren froh und auch etwas stolz, die Herausforderung «Häxewägli» gut und gesund geschafft haben…

Fazit:
Eine absolut spannende und lohnende Bergwanderung auf den höchsten Solothurner Gipfel – mit anständig vielen Höhenmetern und auf teilweise abenteuerlichen Spuren.

Wetterverhältnisse:
Nach Tagen mit Regen und Schneefall der erste Schönwettertag, Fernsicht von Wolken getrübt, im Tagesverlauf schöner und aufklarend, Wind 20 km/h O, ca. 5 bis 11° C

Ausrüstung:
Wanderausrüstung, Stöcke, Kartenmaterial Swisstopo und OpenTopoMap, GPS

Parameter:
Tour-Datum: 27. April 2022
Schwierigkeit: T3+
Strecke: 13.1 km, Lommiswil, Im Holz (620 m) – Allmend P.675 – P.748 – P.774 – P.976 – P.1033 (Gsäss) – P.1293 – Gratweg zum Gipfel, Hasenmatt (1445 m) – Abstieg zu P.1318 – P.1403 – Stallflue (1409 m) – Einstieg ins Häxewägli (P.1398) – Wagnerbann – P.1091 – Schauenburg (1146 m) – P.1033 (Gsäss) – P.976 – Allmend P.675 – Lommiswil, Im Holz
Aufstieg: ca. 1030 m
Abstieg: ca. -1030 m
benötigte Zeit inkl. Pausen: 7 Std. 30 Min.
benötigte Zeit ohne Pausen: 4 Std. 30 Min.
Tageszeit: 09:45 bis 17:15 Uhr