Archiv der Kategorie: Bergwanderung T3

Alvier 2342 m – kurz und gäch

Prolog:
Für heute sagten die Wetterfrösche ab Nebelobergrenze von ca. 700 m Sonne pur und erstklassige Fernsicht (in den Bergen) voraus. In der zweiten Novemberhälfte einen schneefreien Aussichtsgipfel zu finden, war die einzige Herausforderung. Die nahen prominenten Zürioberländer würden wohl überlaufen sein. Aber da gibt es doch noch erreichbare Berge in der östlichen Fortsetzung der Churfirsten – den Alvier zum Beispiel. Auf der Webcam der Palfriesbahn war zu erkennen, dass der südseitige Zustieg ab 1700 m.ü.M. schneefrei war. Und wegen der geschlossenen Bahn war kein Ansturm zu erwarten. Zwar ist der Alvier nicht so leicht zu haben – auch dann nicht, wenn der Start auf Palfries erfolgt. Allein die Bergfahrt über die enge und sehr steile Bergstrasse (ab Azmoos 11 km über 1200 m Höhendifferenz) war eine Herausforderung. Beim ersten Parkplatz zahlten wir gerne die Tagesgebühr von zehn Franken, um dann beim Berghaus Palfries (P.9) parkieren zu dürfen. Dort angekommen wie erwartet wenig Wandervolk und viel Sonne…

Bericht:
Etwas nach zehn Uhr starteten wir zum Aufstieg, der direkt beim P markiert war, mit dem Hinweis, dass die Gipfelhütte geschlossen war. Auf dem ersten Kilometer nur mässig ansteigend, konnten wir die herrlich beleuchtete und ruhige Alplandschaft geniessen. Der Südwand der Gauschla entlang erreichten wir das Gebiet In de Stei (P.1790). Beim nächsten Wegpunkt auf 1889 m.ü.M. wurde es dann richtig steil auf guter, aber ab und zu mässig ausgesetzter Spur – jedenfalls war der Einsatz der Hände gefragt. Zum Glück lag kein Schnee (mehr) und die glitschige Schmiere hielt sich in Grenzen. Nach einer kurzen Querung vom Schatten in die Sonne standen wir wie erwartet vor der Schlüsselstelle. Die bekannte Steilstufe durch das enge Chemmi ist mit zwei Holzleitern und anschliessend mit einer Eisentreppe erschlossen; einseitig angebrachte Fixseile bieten zusätzliche Sicherheit. Beim Einstieg etwas Schnee, aber kein Eis. Also Ruckzuck hoch! Oben angekommen, bot sich der phänomenale Ausblick ins Rheintal und zu den markanten Nachbargipfeln Girenspitz, Gauschla und Abgelöste Gauschla. Eindrücklich: auf dem Grat hatten sich zwei Steinböcke gemütlich eingerichtet (Luftlinie 800 m). Unweigerlich ging der Blick nach links zum hundert Meter aufragenden Alvier. Auf dem Grat bis zum Gipfelaufstieg verlief die Spur über ein Schneefeld. Dann folgte der kurze, aber steile Aufstieg (100 Hm), der mit Ketten und Seilen gut gesichert war. Erst kurz vor dem Gipfel rückte die kleine Alvierhütte in unser Blickfeld – nach knapp zwei Stunden. Der nahe und flache Gipfel ist mit einem Steinhaufen «markiert». Mit uns standen noch etwa zehn weitere GipfelstürmerInnen oben. Dem Genuss des grandiosen 360°-Panoramas folgte die verdiente Gipfelrast an windstiller Position. Gestärkt und mit einem etwas mulmigen Gefühl aus Respekt machten wir uns auf den steilen Abstieg. Mit Ausnahme des schattigen Chemmi lag die gesamte Strecke voll an der Sonne. Oben am Einstieg in die Steilstufe nochmals der Blick zu den noch immer sonnenbadenden Steinböcken – hoffentlich lösen die keinen Steinschlag aus, war unser Blitzgedanke. Alles gut gegangen, und wir erreichten wohlbehalten sicheres Gelände, vorbei an den Wegpunkten 1889 und 1790. Auf dem Weg zum Berghaus Palfries genossen wir nochmals die Ruhe in diesem wunderschönen Gelände unter der Felswand der Gauschla. Gegen 15 Uhr erreichten wir den Ausgangspunkt. Nun folgte mit der Abfahrt ins Rheintal die abschliessende Herausforderung des Tages…

Hinweis:
Bei zu dieser Jahreszeit aussergewöhnlich mildem Wetter den Alvier besteigen zu dürfen – ein einmalig schönes Bergerlebnis!

Wetterverhältnisse:
Ein Bilderbuchtag über dem Nebel, beste Fernsicht, Temperatur ca. 4 bis 10°, wenig störender Südwestwind bis ca. 18 km/h.

Hilfsmittel:
Bergwanderausrüstung, Grödel (nicht verwendet), Stöcke, Kartenmaterial

Parameter:
Tour-Datum: 18. November 2020
Schwierigkeit: T3+
Strecke: 6.4 km, Parkplatz Nr. 9 beim Berghaus Palfries (1700 m) – In den Stei P.1790 – P.1889 – Chemmi (2185 m) – Alvier (2342 m) – Abstieg wie Aufstieg
Aufstieg: ca. 665 m
Abstieg: ca. -665 m
Laufzeit ohne Pausen: total ca. 3 Std. 15 Min.
Laufzeit mit Pausen: total ca. 4 Std. 45 Min
Tageszeit: 10:20 bis 15:00 Uhr

Denti della Vecchia – Grenzwanderung an den imposanten Kalktürmen

Die Denti della Vecchia sind eine bizarre Graterhebung zwischen Monte Brè und Cima di Foiorina, einer Bergkette, die sich von Lugano im Westen bis zum Regagno im Osten erstreckt. Die Bergkette trennt das Val Colla im Norden vom Lago di Lugano im Süden. An der italienischen Südflanke befindet sich die Alpe di Castello. An den Denti kann auch geklettert werden (bis 6. Grad). Ausgangspunkt für unsere Tour war Villa Luganese, ein Vorort Luganos. Im Ortszentrum starteten wir beim öffentlichen Parkplatz Piàn Pomè. Den gegenüberliegenden historischen Ortskern durchliefen wir über die Zona Cèta, um auf die Ra Strada dra Créda zu gelangen. Der Wanderweg führt in direkter Linie hoch, die Strada dra Créda immer wieder überquerend. Durch herrlichen Kastanienwald erreichten wir rasch den Weiler Créda. Die «Zähne der Alten» ragten 600 m hoch über uns auf. Meriggio heisst der Wald, durch den wir unter den Kalktürmen in östlicher Richtung querten. Vorbei am Hof Scirona galt es wenig später etwas oberhalb des Weilers Murio auf ca. 900 m.ü.M. rechts zu halten. Noch immer im Schatten (im Schatten der Denti) erreichten uns im Gebiet Suagia die ersten Sonnenstrahlen – welche Wohltat! An zwei (markierten) Stellen könnte man weglos direkt zu den Felszähnen aufsteigen – was wohl kaum ohne Kletterübungen machbar wäre… Weiter östlich, beim P.1267, erreichten wir offenes (und sonniges) Weideland, und bald auch die aussichtsreich gelegene Capanna Pairolo (geschlossen 1.11.2020-1.5.2021). Hier treffen wir auf erste Bergwanderer. Auf der Hüttenterrasse geniesst man den wunderbaren Ausblick bis zu den grossen Wallisern und Bernern. Bei annähernd 20 Grad (an der Sonne) war es Zeit für eine ausgiebige und genussvolle Rast. Gestärkt machten wir uns auf zu den südwestlich stehenden Denti, in diesem Abschnitt Sasso Palazzo genannt. Bald begegneten wir den erste bizarren Kalkfelsen; einen ersten (P.1471) umgingen wir nördlich. An dieser nördlich ausgerichteten Stelle sorgte der Bodenfrost dafür, an den wenigen ausgesetzten Stellen vorsichtig zu laufen. In leichtem Auf und Ab bewegten wir uns auf einer Höhe von ca. 1450 m. Beim Übergang Basso d’Ogé der Wechsel auf die (sonnige) Südseite und folglich genau auf die Landesgrenze CH-I. Einige hundert Meter weiter der Übergang Passo Streccione, wo der eingangs erwähnte Direktaufstieg einmündet. Weiter auf der Grenze führt der schmale, und an wenigen Stellen etwas ausgesetzte Pfad vorbei an den bis 90 m aufragenden Denti della Vecchia – immer wieder unterbrochen von spektakulären Durch- und Tiefblicken. Beim Grenzstein 7M1 angelangt, folgte der steile und weglose Abstieg zur Bocchetta di Brumea (1292 m). Zum guten Glück war die Unterlage vollkommen trocken… Jetzt noch der Zickzack-Abstieg immer schön auf dem Grat laufend; mittlerweile öffnete sich der Blick nach Lugano und in die spätnachmittägliche Sonne – phantastisch dieser Ausblick! Vor Erreichen des Übergangs Pian di Scan genossen wir an bester Lage den herrlichen Ausblick zum Finsteraarhorn und Konsorten. Über die Pian di Scan war die Alpe Bolla rasch erreicht, das Grotto Capanna Alpe Bolla saisonbedingt ebenfalls geschlossen. Einige Meter vor dem Grotto hatten wir die Wahl zwischen zwei Abstiegsmöglichkeiten – wir wählten den sonnigeren, aber wohl auch etwas schwierigeren Weg nach Villa Luganese hinunter. Steil, manchmal leicht ausgesetzt, aber gut zu begehen. Bei Créda schloss sich der Kreis, der Restabstieg folgte der Aufstiegsstrecke vom Vormittag. Kurz vor Sonnenuntergang erreichten wir gutgelaunt und glücklich den Ausgangspunkt.

Hinweis:
Ein zu dieser Jahreszeit und wohl auch Covid-19-bedingt einsame Wanderung im spannenden Grenzgebiet nordöstlich Luganos. Anforderungsreich und mit über 1000 Hm konditionell respektabel.

Wetterverhältnisse:
Wiederum ein bilderbuch-mässiger Herbsttag, Temperatur ca. 6 bis 14°.

Hilfsmittel:
Normale Wanderausrüstung, Stöcke, Kartenmaterial

Parameter:
Tour-Datum: 9. November 2020
Schwierigkeit: T2-3
Strecke: 14.7 km, Villa Luganese (600 m) – Créda (799 m) – Scirona – Murio – P.1268 – Capanna Pairolo (1349 m) – Bassa d’Ogé (1398 m) – Passo Streccione (1400 m) – Grenzstein 7M1– Bocchetta di Brumea (1262 m) – P.1283 – Pian di Scan (1173 m) – Alpe Bolla (1128 m) – P.895 – Creda (799 m) – Villa Luganese
Aufstieg: ca. 1073 m
Abstieg: ca. -1072 m
Laufzeit ohne Pausen: total ca. 5 Std. 20 Min.
Laufzeit mit Pausen: total ca. 7 Std.
Tageszeit: 10:10 bis 17:10 Uhr

Herbst 2020 Val Müstair 1|4: endlich mal auf den Piz Daint 2967 m

Nach der Anreise und dem Bezug unseres Quartiers in Fuldera im gastfreundlichen Hotel Landgasthof Staila freuten wir uns auf ein paar Wandertage im geliebten Val Müstair. Die Wettervorhersagen für die kommenden Tage konnten nicht idealer sein. Schon länger auf unserer Projektliste, sollte es diesmal gelingen, diesen hoch über dem Ofenpass aufragenden Aussichtsberg zu besteigen. Der Piz Daint ist mit 2967 m der höchste Gipfel des Münstertals. Eine Alpinwanderung der Spitzenklasse, die aussergewöhnliche Panoramablicke verspricht. Um neun Uhr starteten wir auf dem grossen Parkplatz auf der Passhöhe. Entgegen unserer Erwartung, dass sich heute Sonntag viele Bergwanderer zu diesem Klassiker aufmachten, waren wir die Einzigen – alle anderen machten sich gegenüber der Passstrasse auf in Richtung Alp da Munt. Unser Aufstieg begann direkt hinter dem Passhotel Süsom Givè, führte am grossen Senderturm vorbei, steil ansteigend an der Ostseite des Il Jalet. Vorbei an bizarren Felsformationen, über einige mit Ketten gesicherten Steilstufen, erreichten wir nach einer halben Stunde die Verzweigung bei Davo Plattas (P.2288). Rechts ginge es zum Aufstieg auf den Il Jalet, geradeaus in Richtung Jufplaun. Wir hielten nach links, um den Nordwestrücken des Piz Daint anzustreben. Erst auf gutem Pfad, wenig später – ab ca. 2450 m.ü.M. quer und wenige Meter absteigend über die Geröllhalde namens Murtaröl, folgte ein blockiger Aufstieg, wo auch mal die Hände gebraucht wurden. Auf dem ca. 400 Hm über uns verlaufenden Grat zum Gipfel erkannten wir drei Bergsteiger – denen wir später begegneten. Auf dem Rücken bei P.2645 angekommen, öffnete sich der Blick zum Nachbarn Munt Buffalora und auf die Ebene Jufplaun. Wir hielten nach links (also nach O), einer deutlichen Wegspur folgend direkt in Richtung Gipfel. Die letzten ca. 150 Aufstiegsmeter ziemlich steil, aber nicht ausgesetzt, forderten etwas Trittsicherheit auf der rutschigen (aber trockenen) Unterlage. Die erwähnten «Gratwanderer» kamen uns bereits entgegen und berichteten von einem tollen Gipfelerlebnis – diese Vorfreude liess uns die Anstrengungen vom Gipfelaufstieg beinahe vergessen. Jedenfalls standen wir nach 2 Stunden und 15 Minuten oben – ein herrliches Gefühl, der Gipfel ganz für uns. Beste Panoramasicht nach allen Seiten, im Südosten vom König Ortler dominiert (Luftlinie 23 km). Einfach unbeschreiblich, alleine schon deshalb empfehlen wir die Bilder zu geniessen. Ein besonderer Genuss war dann auch die Gipfelrast bei Windstille. Der Blick auf die Aufstiegstrecke zeigte, dass sich heute doch noch etwa ein Dutzend Bergsteiger zum Gipfel aufmachten – die begegneten uns dann während unseres Abstiegs. Dieser verlief auf der Aufstiegspur; im obersten (steilen) Gipfelaufbau waren Stöcke hilfreich, um auf der steilen und feinschotterigen Unterlage allfällige Rutscher aufzufangen. Auf dem Rücken bei P.2645 angekommen, hielten wir nach Süden, mit dem Ziel über die Hochebene Jufplaun zu laufen. Erst war aber der Einsatz unserer Hände gefragt, weil gleich nach der Verzweigung eine steile Runse zu queren war. Ab etwa 2450 m.ü.M. erreichten wir ruhigeres Gelände, in wenigen Serpentinen und über Alpgelände. Die nahe P.2331 stehende Hütte bei Döss dal Termel passierten wir östlich, um den Jufplaun querenden Wanderweg zu erreichen. Jetzt die Höhe von ca. 2300 m haltend war lustvolles Wandeln angesagt. Bis vor wenigen Tagen war die Alp noch bestossen, jetzt war alles sehr ruhig. Die westlichen namenlosen Ausläufer des Piz Daint umrundeten wir auf einem sehr schön angelegten Panoramaweg. Rechts oben die von der Erosion gezeichneten felsigen Gestalten, links der Blick hinunter nach Buffalora, von wo uns der Lärm der Passstrasse erreichte. Zum Abschluss folgte die spektakuläre (aber nicht schwierige) Querung des Val Murtaröl – nochmals ging der Blick rechts hoch zum Tagewerk. Nach wenigen Minuten Auf und Ab schloss sich unsere Runde bei Davo Plattas wieder. Jetzt noch der kurze, aber steile Abstieg zu Pass hinunter. Auf diesem Teil begegneten uns einige mit Turnschuhen bewehrte «Berggänger» – diese musterten fast schon angst- und respektvoll unsere schweren, griffigen Schuhe (auch verächtlich «Schraubstöcke» genannt😎). Auf dem Pass angekommen, flüchteten wir zügig nach Fuldera hinunter – dort gabs dann zur Belohnung Bier🍻.

Fazit:
Besser kann eine Tourenwoche im Münstertal nicht beginnen… Einfach famos!

Wetterverhältnisse:
Herrliches, sonniges Bergwanderwetter, ~12 bis 20°

Hilfsmittel:
Bergwanderausrüstung, Stöcke, Regenschutz (für alle Fälle…)

Parameter:
Tour-Datum: 13. September 2020

Schwierigkeit: T3
Strecke: 11.7 km, Pass dal Fuorn/Ofenpass (2149 m) – Davo Plattas (2288 m, Verzweigung) – Murtaröl – P.2649 – Piz Daint (2967 m) – Abstieg bis P.2649 – Döss da Temel – Jufplaun – Val Murtaröl – Pass dal Fuorn/Ofenpass
Aufstieg: ca. 920 m
Abstieg: ca. -960 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 6 Std. 15 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 4 Std. 10 Min.
Tageszeit: 09:00 bis 15:10 Uhr

Frümsel 2266 m – steil, sehr steil…

Was für ein Traumtag heute! Gerade richtig für eine Besteigung unseres 7. und letzten Churfirsten-Gipfels. Nach der Fahrt ins Toggenburg fanden wir bei der Talstation Selunbahn noch genügend Parkplätze. Zusammen mit einem Einheimischen (ex-Stuntmen i. R.) genossen wir die unruhige Bergfahrt – sogar vor der fahrplanmässigen Erstfahrt. Uns sollte es recht sein, so waren wir heute bestimmt bei den ersten Besuchern auf der Alp Selun – Zeit genug für den (ausgiebigen) Genuss des Startkafis mit dem besten Schlorzifladen, den wir je gegessen haben in der sehr empfehlenswerten Alpwirtschaft Wildmannli Strichboden. Um halbzehn dann der Aufbruch zur Tat – der Frümsel mit seiner steilen Nordflanke vor uns, direkt neben dem breitflächigen Selun. Auf der Alpstrasse in Richtung Wildmannlisloch und Breitenmatt, verliessen wir diese nach 900 m rechts, um unmarkiert aber trotzdem auf gutem Pfad zur ersten Alphütte (P.1640) aufzusteigen. Weiter in Richtung Alp Chalttal (1695 m) auf vorgegebenem Pfad bis zur Alpstrasse, welche als offizieller WW unterhalb der Alp Torloch (1786 m) erreicht wird. Das Alpgebäude (rechts!) umlaufend, hielten wir weiss-rot-weiss markiert in Richtung Frümsel. Etwa auf der Höhenlinie 1900 war die Schlüsselstelle, eine seilgesicherte (im Schatten liegende) Steilstufe, erreicht. Ziemlich feucht und schmierig die Unterlage, und das sollte sich bis zum Gipfel nicht ändern. Nach ein paar Metern wieder in der Sonne, wurde es dann richtig steil – ein Aufstieg von 350 Hm über eine Strecke von 800 m – über teilweise hohe felsige Tritte, ziemlich schmierig und feucht, unter Einsatz von Händen und Stöcken aber gut zu meistern. Manchmal wichen wir vorsichtig auf das Steilgras aus, auch nicht das Gelbe vom Ei. Immer näher an der Abbruchkante (links das Frümseltälchen und der Nachbar Brisi), öffnete sich knapp unter dem Gipfel der spektakuläre Blick auf die Nordostseite ins Seeztal hinunter. Nach zweieinhalb Stunden standen wir auf dem Gipfel – dem siebten der Sieben – ein wunderbares Gefühl. WhatsApp-Gipfelfotis an unsere Bergfreunde in SH, ausgiebiger Genuss des heute weitsichtigen 360°-Panoramas, Winken zu den BesteigerInnen auf Selun und Brisi. Auf eine ausgiebige Gipfelrast verzichteten wir; diese sparten wir auf für den zweiten Besuch in der Alpwirtschaft. Den schmierig-feuchten Aufstieg im Kopf, gingen wir den Abstieg besonders vorsichtig an – nur ja nicht rutschen; ein Sturz hätte fatale Folgen (Erinnerung an den tödlichen Unfall vom 1. August 2017). Im Abstieg mit einem Stock bewehrt (und mit einer freien Hand), waren wir schliesslich froh, wieder an der Steilstufe anzukommen; diese meisterten wir gut (das Fixseil war im Abstieg eine gute Hilfe). Rasch war die Alp Torloch wieder erreicht. Unterhalb wählten wir wiederum den direkten Abstieg via Alp Chalttal und weglos (noch etwas direkter als am Vormittag) hinunter zum Wildmannlisloch. Auf den Besuch dieser Höhle verzichteten wir – zu verlockend der Besuch in der Alpwirtschaft. Etwas nach vierzehn Uhr war es Zeit für Speis und Trank. Die Tische im Freien waren schon gut besetzt – aber der freundliche Thomas aus dem Kanton Übrig (😁) – er hatte heute den Brisi ab Alt St. Johann „gemacht“ – hatte nichts gegen unsere Nachbarschaft. Anderthalb Stunden Genuss pur, leckeres Essen, zwei aufgestellte junge Frauen die uns bedienten, und ein abwechlungsreicher Austausch mit Biker und Wanderer Thomas – danke für die nette Gesellschaft!

Fazit:
Endlich geschafft – alle sieben Churfirsten! Pflicht für die Toggenburgerin Doris und den angeheirateten Ruedi. Gratulation an uns selbst!

Wetterverhältnisse:
Sehr sonniger Spätsommertag, ausgezeichnete Fernsicht, schwacher Wind aus SW, ~12 bis 22°

Ausrüstung:
Bergwanderausrüstung, Stöcke

Parameter:
Tour-Datum: 8. September 2020

Schwierigkeit: T3+ (heutige Verhältnisse, Trittsicherheit gefordert)
Strecke: 7.7 km, Bergstation Selunbahn (1578 m) – Strichboden – P.1640 – Alp Chalttal (1695 m) – Alp Torloch (1786 m) – Frümsel – Abstieg auf derselben Strecke
Aufstieg: ca. 786 m
Abstieg: ca. -786 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 6 Std. 45 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 4 Std. 40 Min.

Bockmattlistock 1931 m

Zugegeben, der Blick von Norden zu unserem heutigen Gipfelziel täuscht gewaltig – für Bergwanderer kein Thema, dachten wir. Aber es gibt eine Möglichkeit, den Bockmattlistock ohne Kletterei zu besteigen; allerdings sind mehr als tausend Höhenmeter zu überwinden in teilweise steilstem, aber nie ausgesetzten Gelände. Ausgangspunkt für unsere Tour war Innerthal am Wägitalersee – einem Stausee. Dort hat es einen grossen, gebührenpflichtigen Parkplatz. Für heute Donnerstag hielt sich der Ansturm in Grenzen. Abmarsch kurz nach neun Uhr und ohne Startkafi, weil das Restaurant Obersee erst um 11 Uhr öffnete. Wir wählten die Route hoch zur Kirche, an dieser vorbei über Oberheuboden auf der (geteerten) Alpstrasse bis zum Punkt 1104. Dort verliessen wir die Strasse nach links, um weiss-rot-weiss im Gwürzwald aufzusteigen bis zur Alp Gwürz. Ab dort ein paar hundert Meter auf der unbefestigten Alpstrasse hoch zur Alp Schwarzenegg; der WW führt mitten durch den Hof. Weiter ansteigend erreichten wir die Schwarzenegghöchi, von wo sich der Ausblick nach NO öffnete (Chöpfenberg, Alpstein). Hier hielten wir in Richtung S, weiterhin gut markiert, vor uns die mächtig beeindruckenden Bockmattlitürme, der Schiberg, und dazwischen die steile Chälen. Wir wählten den Direktaufstieg zum P.1525, die rechtsstehende Kletterhütte besuchten wir im Abstieg. Links einige Bergsteiger an den Einstiegspunkten oder bereits in den Felsen herumturnend – hier wird im 5. bis 7. Grad geklettert – sehr anspruchsvoll also. Wir stiegen in engen Serpentinen – rasch an Höhe gewinnend – auf anfänglich ziemlich gerölliger Unterlage hoch, unter dem Bockmattlipass dann über einige hohe Tritte, wo die Hände eingesetzt wurden. Oberhalb des Passes verflachte das Gelände, führte durch Feuchtgebiet, an einem kleinen Seelein und an weidenden Schafen vorbei. Kurz unter dem Gipfel steilte es nochmals auf, vorbei am weiss-blau-weiss markierten Wegweiser Tierberg. Nach wenigen Minuten war der Gipfel erreicht, wo wir von drei weiteren Besteigern begrüsst wurden (nach einer Wanderzeit von zweieinhalb Std.). Die kleine Gipfelfläche bot genügend Platz, den Coronaabstand einzuhalten. Aber Achtung: es geht tiiiiief und senkrecht hunderte Meter runter. Aber der Ausblick von diesem Bockmattlistock ist einfach phänomenal (siehe Bilder), und bei heute klarer Fernsicht. Für die Gipfelrast stiegen wir wieder etwas ab bis zur Verzweigung Tierberg. Hier fanden wir eine wunderbar gelegene Sitzgelegenheit. Bei herrlichem Ausblick zu Schiberg, Plattenberg, Glärnisch und Zindlenspitz genossen wir die mitgebrachten Leckereien. Der weitere Abstieg dann via Bockmattlipass die unglaublich steile Chälen runter – ein richtiger Kniebrecher! Beim Verzweigungspunkt 1525 m bewunderten wir die Kletterer in den teilweise senkrechten Türmen – spektakulär! Jetzt hielten wir wie geplant zur Bockmattlihütte, die nur an Wochenenden bewartet und geöffnet ist. Zeit für eine Pause – mit Blick zu den Kletterern. Der weitere Abstieg führte uns über den sog. Panoramaweg – eine absolut zutreffende Bezeichnung. Oberhalb der Alp Schwarzenegg begrüsste uns eine sehr anhängliche, gwundrige und schöne gemsfarbige Gebirgsziege – wir lieben Ziegen über alles! Unterhalb der Alp dann die Verzweigung w-r-w hinab in Richtung Fällätschen – ziemlich steil, und ausserdem streckenweise geröllig und deshalb rutschig. Nach knapp vierzig Minuten erreichten wir Fällätschen und wenige Meter weiter unten die Seestrasse. Auf der geteerten Strasse war gemütliches Auslaufen angesagt – noch anderthalb km flach dem See entlang bis Innerthal. Dort fast schon fluchtartig auf die gut besetzte Terrasse des geöffneten Restaurants Stausee, wo wir zwischen Schnitzeln und Rösti unser wohlverdientes Bierchen geniessen durften – Prost auf einen Hammertag! Eine Wohltat nach dieser doch fordernden Bergwanderung…

Fazit:
Wieder einmal im Wägital, diesem schönen, kleinen Voralpental – wo so wunderschöne Wanderungen auf voralpine Gipfel winken…

Wetterverhältnisse:
Sonnig mit leichter Bewölkung, schwacher Wind aus SW, ~12 bis 24°

Ausrüstung:
Bergwanderausrüstung, Stöcke

Parameter:
Tour-Datum: 27. August 2020

Schwierigkeit: T3
Strecke: 12.2 km, Innerthal (906 m) – Kirchenstrasse – Sehrhalten (988 m) – Oberer Heuboden (1024 m) – P.1104 links (Wanderweg «Heubödeli») – Gwürzwald – Alp Gwürz – Alp Schwarzenegg (1325 m) – P.1375 (Schwarzenegghöchi) – P.1525 – Chälen – Bockmattlipass (1796 m) – Bockmattlistock – Bockmattlipass – Chälen – Bockmattlihütte (1501 m) – Panoramaweg – P.1375 – Schwarzenegg – Fällätschen – P.921 (Ennenda) – auf der Seestrasse zurück bis Innerthal
Aufstieg: ca. 1030 m
Abstieg: ca. -1030 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 6 Std. 30 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 4 Std. 30 Min.