Archiv der Kategorie: Bergwanderung T3

Tour de l’Argentine VD

Die Idee einer Bergwanderung in dieser uns unbekannten Alp- und Berglandschaft schwirrte schon länger in unseren Köpfen rum. Das für Mittwoch angekündigte Schönwetterfenster begünstigte unsere Spontanentscheidung. Die enge Fahrstrasse hoch bis zur Alp Solalex (Gemeinde Bex) endet hier und wir parkierten gebührenpflichtig. Mittlerweile war es Mitte des Nachmittags und es musste noch vor wenigen Minuten geregnet haben; nun war es trocken und die ersten Sonnenstrahlen sorgten für wohltuende Erheiterung. Die vermuteten mächtigen Berge (Les Diablerets im Norden, Arête de l’Argentine im Süden) hüllten sich in dunkle Wolken. Nach einem Start-Tee zogen wir los: auf unbefestigtem Fahrweg in Richtung Alp Anzeinde. Unter dem wolkenverhüllten Les Diablerets-Massiv waren über drei Kilometer etwa 420 Hm aufzusteigen. In diesem engen, steilen, schluchtartigen Gelände sollte man sich nicht unnötig lange aufhalten, vor allem bei Gewittergefahr. Der wilde L’Avonçon de l’Anzeinde hinterlässt jede Menge Geröll und Blocks; die von den Flanken herunter reissenden Runsen machten gehörig Eindruck – also schnell durch! Nach einer Stunde öffnete sich das Gelände zur Alp Anzeinde. Freundliche und gwundrige Muttertiere und auch die Sonne empfingen uns. Wenige Meter weiter unser Logis: Refuge Giacomini. Von Patron Rodolphe Muller wurden wir freundlich empfangen und eingewiesen. In dieser sehr empfehlenswerten Unterkunft wurden wir mit einem vorzüglichen Nachtessen verwöhnt. Erwartungsvoll legten wir uns zur Ruhe. Zum Frühstück dann die vom Patron in Aussicht gestellte Überraschung: schönstes Wetter auf dieser wunderbaren Hochebene. Und rundherum diese schönen Berge (Les Diablerets, Arête de l’Argentine). So loszulaufen ist unglaublich motivierend! Adieu Refuge Giacomini! Wenige Meter oberhalb führte der Wanderpfad links an der unbewarteten Cabane Barraud CAS vorbei. Auf dem mässig steigendem Weg wurden wir von fröhlich galoppierenden Viechern begrüsst. Nach etwa vierzig Minuten war der heute höchste Punkt, der Col des Essets, erreicht. Vor uns weitete sich der Blick, zur linken der massige Grand Muveran, geradeaus die Gipfel der Dents du Midi, rechts der zu umrundende Arête de l’Argentine. Der Abstieg zur etwa 250 Hm tiefer liegenden Alp (Plan des Bouis) verlangte etwas Vorsicht, weil ruppig und mit grossen Tritten versehen. Wunderschöner Kalkstein-Karr und (noch) viele blühende Blumen. Auf dem flachen Teil der Alp angekommen, stellten wir beruhigt fest, dass sich die Herden (und vor allem die zugehörigen Herdenschutzhunde) etwas oberhalb bewegten. 600 m vor La Vare hielten wir am markierten Wegpunkt nach rechts; hier könnte man auch bis zu den Alphütten von La Vare laufen, dort eine Suppe geniessen, und die Erhebung Les Confins zu umrunden. Oberhalb Les Confins durchquerten wir in leichtem Auf und Ab wunderbares Karrgelände. Bald war auch Les Etroits und dann der P.1759 erreicht; hier mündet auch der Aufstieg von La Vare. Der Weiterweg war nun vollständig einzusehen: über knapp 1 km resp. 240 Hm Aufstieg bis Sur Champ war der Lion d’Argentine (2273 m) zu unterqueren. Nicht sehr steil, aber an einigen Stellen war das Gelände plattig und steil abfallend. Auf Sur Champ angekommen, war es Zeit für eine ausgiebige Mittagsrast. Kein Kunststück, diesen sehr aussichtsreichen Punkt zu geniessen. Im Süden der Grand Muveran mit seinem kleinen Gletscherchen (Plan néve), im Westen die Dents du Midi, im Rhonetal St-Maurice und Monthey, nordwestlich der Genfersee, etwas weiter nördlich das nahe Villars-sur-Ollon.

Gut verpflegt machten wir uns daran, den kurzen, aber sehr steilen und wegen des Regens der vergangenen Tage rutschigen Abstieg von ca. 60 Hm zu bewältigen – vom über uns aufragenden Lion d’Argentine bewacht. Unterwegs bis zur La Motte wieder leicht aufsteigend, waren einige schiefrige Runsen zu queren. Stöcke sei Dank, gelang dies sicher. Bei La Motte wechselte die Richtung nach NO, erst leicht absteigend über Les Planards und danach über schönstes Wandergelände wieder aufsteigend bis zum Punkt Roc du Châtelet. Jetzt begann der etwa 2.3 km lange, etwas mühsame Abstieg. Gleich zu Beginn die unangenehme Schlüsselstelle: steil, feucht und schattig die sehr rutschige Steilstufe – die im Dreck liegenden Ketten würden zwar Sicherheit bieten, wir fanden aber den kraftvollen Einsatz unserer Stöcke wirkungsvoller. Abstürzen kann man hier nicht, aber Abrutschen wäre ebenso unangenehm. Alles ging gut, der weitere noch immer steile Abstieg führte durch Wald und über einige wenig Wasser führende, aber gfürchige Runsen. Nach einer knappen Stunde Abstieg erreichten wir den kurz vor Solalex liegenden Parkplatz und dreihundert Meter später die Alphütten und Wirtschaften. Im Garten des Restaurant Miroir d’Argentine genossen wir es, den Durst zu löschen, während der Logen-Blick hoch zu den eindrücklichen Miroirs de l’Argentine ging, wo im 6. Grad (nach UIAA-Skala) geturnt wurde (siehe Bilder).

Fazit:
Eine absolut faszinierende Rundtour in einer uns unbekannten Gegend – sehr lohnend! Und noch etwas: über die Klimabilanz unserer An- und Rückreise (mit dem Auto) wird sich die Klima-Gretel wohl kaum freuen. Aber mit den ÖV in diese sehr abgelegene und hinterste Ecke des Tälchens des L’Avonçon de l’Anzeinde zu reisen, bedürfte den doppelten Aufwand. Die Hin- und vor allem auch die gemütliche Rückreise (Villars – Col de la Croix – Col du Pillon – Simmental – Thuner-/Brienzersee – Brünigpass) haben wir trotzdem sehr genossen. Gleiches gilt für diese Zweitages-Wanderung.

Wetterverhältnisse:

Am 1. Tag bedeckt, aber trocken, am 2. Tag schönes Wetter bei einiger Quellbewölkung, keine Gefahr von Niederschlägen, ca. 15 bis 22°, Wind vernachlässigbar.

Hilfsmittel:
Stöcke (unbedingt), Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 13./14.08.2019
Schwierigkeit: T3
Strecke: 14.1 km, Solalex (1469 m) – P.1536 – P.1709 – Anzeinde (1873 m) – Refuge Giacomini (1893 m) – Übernachtung – Cabane Barraud CAS (1955 m) – Col des Essets (2029 m) – Boëllaire (1970 m) – Plan des Bouis – La Vare (Verzweigung vor der Alp auf ca. 1770 m) – Les Etroits – P.1759 – Sur Champ (1959 m) – La Motte (1940 m) – Les Planards (1985 m) – Roc du Châtelet (1856 m ) – Brücke über den L’Avonçon de l’Anzeinde (1425 m) – Solalex
Aufstieg: ca. 920 m
Abstieg: ca. -930 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 7 Std. 15 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 5 Std. 15 Min.

Gross Mythen 1898 m – wie immer keine einsame Tour

Anfahrt aus dem Zürioberland über den Seedamm Rapperswil SG – Pfäffikon SZ – Schindellegi – Einsiedeln – Alpthal – Brunni (gebührenpflichtiger Parkplatz bei der Talstation der Seilbahn zur Holzegg). In Biberbrugg wurden wir von Ruedi’s Schwester Lisebeth erwartet. Heute war wieder einmal (für uns zum siebten Mal) der grosse der Mythen angesagt. Für die Wandernovizin sollte es heute der erste Versuch sein…

Ab Brunni über die Forststrasse und später auf gutem Pfad über bestossenes Weideland erreichten wir nach gemütlichem Aufstieg die Holzegg. Nach dem Startkafi bis zur Einstiegstelle mit Lisebeth, die dann den Entscheid fällte, es (noch) nicht zu wagen – Respekt! Verständlich, denn hier erscheint der Berg tatsächlich als mächtiger Koloss. Ab Einstieg bei P.1491 beim Griggeli (die bekannte Geröllhalde) der bekannt ruppige, aber (fast) durchgehend mit fabrikneuen Ketten gesicherte Bergweg. Bei entsprechender Vorsicht und Trittsicherheit ohne besondere Schwierigkeiten zu begehen. Klar, über eine Strecke von 1.7 km und 46 Kurven sind 500 Hm Aufstieg zu bewältigen. Unterwegs Begegnung mit dem sympathischen (und fitten) Armin Schelbert «Der Mensch vom Mythen», nach seinen Aussagen heute zum dritten Mal im Abstieg – vielleicht sähen wir ihn heute nochmals, meinte er trocken. Den Aufstieg ab Holzegg bis zum Gipfel schafften wir Senioren in weniger als einer Stunde. Oben angekommen, verzichteten wir auf die Besteigung des eigentlichen Gipfels, weil dieser voll besetzt war. Was uns vor zwei Wochen auf der Hörnlihütte verwehrt war, genossen wir heute beim Bergrestaurant Grosser Mythen: Ghackets mit Hörnli und Öpfelmues! Der Abstieg zur Holzegg wegen der bekannten Gefahren nicht viel schneller als der Aufstieg. Und tatsächlich: ungefähr bei Kurve 25 schon wieder die Begegnung mit Armin Schelbert, heute zum vierten Mal im Aufstieg! Der 75jährige hat „seinen Berg“ schon über 3000mal bestiegen. Auf der Terrasse der Holzegg wurden wir von Lisebeth erwartet, die von einer Runde zur Rotenflue zurück war. Danke herzlich für die Einladung zu Glacé und so weiter. So gestärkt war der Restabstieg zum Ausgangspunkt Brunni reine Formsache.

Fazit:
Schön, dass wir auf dieser Tour heute (zumindest teilweise) von Lisebeth begleitet wurden – hoffentlich bald wieder einmal…

Wetterverhältnisse:
Freundlich (Sonne mit Restbewölkung), auf dem Gipfel angenehm (ca. 20°), ab und zu etwas die Aussicht trübende Bewölkung, windstill, im Abstieg dann schwülwarm.

Parameter:
Strecke: 7.4 km, Brunni (1102 m) – Verzweigung Zwyschet Mythen (Punkt 1234 m ) – Holzegg (1405 m) – Bergweg mit 46 (nummerierten) Kurven – Gross Mythen (1898 m) – Abstieg auf gleicher Strecke
Aufstieg: 790 m
Abstieg: 790 m
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std.
Tageszeit: 09:30 bis 16:00 Uhr

Zermatt 1|3: Oberrothorn 3413 m

Weg zur Freiheit – so wird die Tour vom Tourismusbüro Zermatt gepriesen. Und noch mehr Superlative: wandern auf dem höchsten Wanderweg in Zermatt. Der Ausblick auf 38 Viertausender ist eindrücklich. Am Wegrand stehen Skulpturen, die bergphilosophische Betrachtungen aufkommen lassen.

Ruedi’s fast ausgeheilte Verletzung vom Sturz am Stätzerhorn liess diese anspruchsvolle Bergwanderung heute zu. Für die ersten 900 Höhenmetern nutzten wir die U-Bahn ab Zermatt bis Sunnegga, und von dort die Gondelbahn nach Blauherd (2574 m). Höher ging nicht (wollten wir auch nicht…), denn die Luftseilbahn auf das Unterrothorn wird in diesem Sommer saniert (Permafrostschäden an den Stützen). Ab Blauherd wanderten wir gut markiert und leicht absteigend zum Stellisee hinunter (2537 m). Vor und hinter uns eine Kolonne der Volksrepublik China, viele zweifelhaft ausgerüstet, die meisten aber bewehrt mit ihren Deppenzepter. Beim Stellisee, diesem sagenhaften Photo-Hotspot, die obligatorischen Bilder mit dem im ruhigen Wasser spiegelnden Matterhorn. Nach dem Seelein der kurze Aufstieg in Richtung Berggasthaus Fluealp, von wo schon die Bässe dröhnten. Kurz davor folgten wir dem Wanderwegweiser nach Nord, nun steiler ansteigend. Über eine erste felsige Steilstufe (Gerber) und vorbei an wunderschönen und seltenen Blumen erreichten wir einen Wegpunkt bei ca. 2800 m, wo eine staubige und schuttige Baustellenpiste von Blauherd hochführte. Zum Glück durften wir Wanderwege nutzen. Über Roter Bodmen strebten wir dem Punkt Furggji (2982 m) zu. Hier überquerten wir die Baupiste um in Richtung Ost vorerst gemächlich weiter anzusteigen – vor uns der mächtige Viertausender Strahlhorn (4190 m) und das kecke Adlerhorn (3986 m). Zur Rechten der Findelgletscher und das Monte Rosa-Massiv. Ab ungefähr 3000 m.ü.M. änderte der Charakter abrupt: in Serpentinen waren mehr als 200 Hm zu bewältigen – über seilgesicherte Platten erreichten wir nahe dem P.3230 den Grat. Hier bot sich uns erstmals auch das Panorama zur Gipfelparade im Osten und Norden: Rimpfischhorn (4199 m) Allalinhorn (4027 m), Alphubel (4206 m), Täschhorn (4491 m), Dom (4545 m), und andere. Jetzt noch knappe 200 Aufstiegsmeter über teilweise wegloses Gestein unterhalb des Grats. Nach einer Laufzeit von etwa 2 Std. und 15 Min. erreichten wir den Gipfel zur Mittagszeit. Bei Windstille und angenehmer Temperatur genossen wir das wirklich phänomenale Panorama und eine ausgedehnte Gipfelrast. Das Oberrothorn (3413 m) verdient die eingangs erwähnten Attribute voll! Ob es tatsächlich 38 Viertausender sind? Wir haben sie nicht gezählt, aber ausgiebig bestaunt (siehe Bilder). Auch wenn wir im Aufstieg einsam unterwegs waren, bevölkerte sich der Gipfel, unter anderen durch eine lustige Drei-Generationen-Familie(!). Zeit für den Abstieg auf der bekannten Aufstiegsstrecke. Auf Furggji angelangt, verzichteten wir darauf, die leicht höher liegende Baustellenwüste auf dem Unterrothorn (3104 m) zu besuchen. Die im Abstieg sehr steile und staubige Baupiste weitgehend meidend, wanderten wir über Roter Bodmen bis zur auf etwa 2800 m liegenden Verzweigung (wo die bekannten Skipisten-Wegweiser «Blauherd», «Fluealp» und «Gant» stehen). Ab hier war Blauherd, die Rote Wäng unterquerend, in zwanzig Minuten zu erreichen, unter uns der Stellisee, wo sich noch immer viele Besucher tummelten. Ab Blauherd dann die Talfahrt nach Zermatt hinunter…

Fazit:
Eine wirklich eindrückliche Gipfeltour mit einem 360°-Panorama, wie es nicht zu überbieten ist.

Wetterverhältnisse:
Sehr sonnig, unten heiss, oben erträglich (ca. 15°), schönstes Hochsommerwetter, praktisch windstill.

Hilfsmittel:
Stöcke, Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 22. Juli 2019

Schwierigkeit: T3
Strecke: 11.7 km, Blauherd (2574 m) – Stellisee (2537 m) – Fluealp – P.2674 – Gerber – Roter Bodmen – Furggji (2982 m) – P.3230 – Oberrothorn (3413 m) – Abstieg auf gleicher Strecke bis Verzeigung unterhalb Roter Bodmen – Röte Wäng – Blauherd
Aufstieg: ca. 900 m
Abstieg: ca. -870 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std. 50 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std. 55 Min.
Tageszeit: 09:00 bis 14:50 Uhr

Stätzerhorn/Piz Raschil 2574 m

Das Stätzerhorn sollte nur der Anfang sein – geplant war der Grat über Fulaberg (2574 m) – Fulhorn (2528 m – Fulbergegg (2447 m – Alp Pradaschier, und von dort mit dem Sessellift nach Churwalden hinunter zum Ausgangspunkt zurück. In Churwalden bestiegen wir also die Gondelbahn, welche uns zum fast 700 m höher gelegenen Startpunkt Heidbüel (1925 m) brachte. Hier starteten wir um 09:15 Uhr die Wanderung im Wissen um die für den Nachmittag angesagte Gewittergefahr. Das Stätzerhorn würden wir allemal schaffen, einmal oben, würden wir dann über den weiteren Verlauf entscheiden. Der Blick nach oben zeigte im Bereich des Fulhorn sogar noch einen verwächteten Grat (der wohl umgangen werden kann).

Gleich hinter der Bergstation auf Heidbüel begann der Aufstieg durch die Alpenrosenbüsche. Der auf 2096 m stehenden Bergstation einer Skiliftanlage wichen wir nordwärts aus. Entlang des Stätzerbach der gemächliche Aufstieg im Stätzer Täli. Hier oben begrüssten uns erste Munggen-Familien, die uns unerschrocken beobachteten. Den paar Schneefeldern konnten wir entweder ausweichen oder sie waren unkritisch (weil nicht steil) zu begehen. Auf einer Höhe von ca. 2250 m näherten wir uns grösseren und steileren Altschneefeldern, welche die Markierungen überdeckten. Mangels klarer Wegspuren hielten wir direkt auf die über uns lagernden Blocks zu in der Absicht, den Schnee möglichst oberhalb zu umgehen. Zum Trost: wir waren nicht die einzigen Berggänger, welche sich in der Weglosigkeit als Pfadfinder übten. In einer etwas ausgesetzten blockigen Querung dann das Missgeschick: ein als stabil eingeschätzter Stein kippte weg, und ich (Ruedi) mit ihm. Der Sturz talwärts in diesem ruppigen Gelände setzte Prellungen und Schürfungen ab an Kinn, linkem Knie und Unterschenkel. Nochmal gut gegangen… Einer Verschnaufpause folgte nun der weitere Aufstieg, zum Glück bald wieder auf sicherer Unterlage auf dem wieder gefundenen Aufstiegspfad. Noch etwa 140 Hm steiler Aufstieg bis zum Gipfel – ausreichend Zeit, um sich über die dem Gipfel folgende Gratwanderung Gedanken zu machen. Kam dazu, dass mittlerweile das Blau dem Grau gewichen ist – Anzeichen der angesagten Gewitterfront? Nach knapp zwei Stunden war der aussichtsreiche Gipfel erreicht. Doris war schon klar, was mir Sturgrind (noch) nicht klar sein durfte – mit der Gratwanderung wird heute nichts! Die mir für heute abhanden gekommene Trittsicherheit liess es nicht zu. Hinzu kam noch die Gewittergefahr; bei Donnerwetter auf einem Grat zu stehen wäre definitiv zu gefährlich. Für eine Gipfelrast war es noch zu früh, also entschieden wir uns für den Abstieg auf gleicher Strecke. Auf den oberen 150 Hm steil, geröllig und etwas rutschig, erreichten wir bald die ominöse Umfallstelle. Von oben war der weitere Wegverlauf besser zu erkennen, also hielten wir nun einige Meter nach unten, diesmal den Schnee unterquerend. Das eine grössere Altschneefeld musste dennoch gequert werden, zwar steil und deshalb etwas heikel, weil eventuell mit Wasser unterspült. Vorsichtig querten wir, allerdings ab und zu bis zum Oberschenkel einsinkend. Geschafft! Der Rest bis zum Stätzerbach und das Stätzer Täli hinunter dann ohne weitere Schwierigkeiten – von den sich nun stärker bemerkbar machenden Schmerzen Ruedi’s mal abgesehen. Um halb zwei wieder bei der Bergstation auf Heidbüel angekommen, zeitig also. Obwohl nun wieder blauer Himmel, der uns zur Einkehr am Kiosk beim schön und nahe gelegenen Speichersee motivierte. Ein versöhnlicher Abschluss!

Fazit:
Eine schöne Gipfeltour mit teilweise etwas trickigen Stellen – die Gratwanderung holen wir später bestimmt mal nach…

Wetterverhältnisse:
Sehr sonnig, im Verlauf der Tour zunehmend bedeckt, ca. 15 bis 22°, mässiger Wind aus SW.

Hilfsmittel:
Stöcke, Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 6. Juli 2019
Schwierigkeit: T3
Strecke: 7.3 km, Bergstation Heidbüel (1925 m) – Stätzer Täli – Stätzerhorn/Piz Raschil (2574 m) – Abstieg auf gleicher Strecke
Aufstieg: ca. 640m
Abstieg: ca. -640m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 4 Std. 15 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std.
Tageszeit: 09:15bis 13:30Uhr

El Torozo (2021 m) – Sierra de Gredos

Nach der gestrigen Tour war heute etwas einfacheres angesagt. Der Torozo ist ein ideales Ziel für eine «Wellnesstour». Nach einer kurzen Fahrt (ca. 25 km) ab Hoyos del Espino, dem schönen Bergdorf im Herzen der Sierra de Grados, wo wir eine zweite Nacht verbrachten, erreichten wir kurz vor 12 Uhr den Parkplatz auf dem Pass Puerto del Pico (1391 m). Der massige Torozo erhebt sich direkt über dem Pass, und er beherrscht mit seinen schroffen Südabstürzen den Barranco de las Cincos Villas. Der Aufstieg beginnt gleich hinter dem Pass-Restaurant. Moderat und in ziemlich direkter Linie ansteigend, war die verschlossene Hütte Refugio de la Majada del Tío Manteca in zwanzig Minuten erreicht. An diesem links haltend vorbei bis zu einem Punkt, wo es rechts direkt ins kleine Klettergebiet La Albujea ginge. Wir blieben auf dem gut markierten Pfad PR-AV 37, der uns nach einigen Serpentinen vorbei führt an der hinter einem Felsen etwas versteckten Quelle Fuente del Cerro Pedrique. Bald erreichten wir eine Schulter an der Nordabdachung des Torozo-Massivs. Hier werden wir im Direktabstieg einmünden. Wir zogen weiter, leicht ansteigend auf gut einsehbarem Pfad. Vorbei an einer weiteren Quelle (Fuente de las Balesas) querten wir die gesamte Nordflanke oberhalb des unter uns liegenden Taleinschnitts Arroyo de la Hoya del Gallego. Anschliessend in einem weiten Bogen über Weiden vorbei an einer Steinhütte (Refugio de los Cervunales) zum östlich des Gipfels gelegenen Sattel Collado del Risco (1935 m). Kurz vor dem Sattel orientierten wir uns westlich in Richtung Gipfel; der Weg dorthin ist mit Steinmännern jeder Grösse gut markiert. Nach wenigen Minuten standen wir auf dem Torozo (Vermessungssäule). Das 360°-Panorama ist beeindruckend. Nur der starke Nordwind vertreibt uns bald an eine windgeschützte Stelle, wo wir trotz allem eine Rast einlegen und die Aussicht geniessen können.

Im Sinne einer Überschreitung stiegen wir in Richtung W ab, vorbei am Gipfel Alto de los Monteses (1956 m). Von Kletterern wird er auch «Torozo Nordgipfel» genannt. Der wäre wohl für uns machbar (T4, II), aber nicht bei diesem Wind. Von Steinmännern geführt, liefen wir also auf anfänglich undeutlichem Pfad zum Aufstiegspfad hinunter. Unterwegs jagte uns ein uns fast überfliegender Steinbock einen ziemlichen Schrecken ein – wie aus dem Nichts sprang er geschätzte 15 m, um sofort zu verschwinden. Kein Bild, leider, da die Natur viel schneller war als die Technik😊. Über einige Serpentinen erreichten wir schliesslich wieder das verschlossene Refugio de la Majada del Tío Manteca, und einige Höhenmeter weiter unten die Passhöhe Puerto del Pico, wo auf dem Parkplatz unser WoMo («Erbsli») wartete.

Fazit:
Eine wiederum eindrückliche, im Vergleich zur gestrigen deutlich weniger anspruchsvollen Tour. Auf der gesamten Tour sind wir keinen Berggängern begegnet, einsamer kann man nicht wandern.

Wetterverhältnisse:
Wiederum ein sonniger Frühsommertag, anfänglich hohe Bewölkung, im Tagesverlauf Sonne pur, ab ca. 1700 m. ü. M. starker Wind bis 30 km/h, 20 bis 25° (auf dem Gipfel an der Sonne gemessen!).

Hilfsmittel:
Rother Wanderführer «Sierra de Gredos», Online-Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 23. Mai 2019
Schwierigkeit: T2-3
Strecke: 9.2 km,
Aufstieg: ca. 660 m
Abstieg: ca. -640 m
Laufzeit ohne Pausen: total ca. 3 Std. 20 Min.
Laufzeit mit Pausen: total ca. 4 Std. 40 Min.
Tageszeit: 11:50 bis 16:30 Uhr

Lötschepass 2689 m – Rundwanderung ab Lauchernalp 1969 m

Ziel unseres zweitägigen Aufenthalts im herbstlichen Lötschental war Ried und dort das Hotel Nest- und Bietschhorn. Zu viert – in Begleitung von Susanne und Richi, war Genuss angesagt. Die Anreise am Samstag über die Pässe Susten und Grimsel boten herrliche Aussichten in die Bergwelt. Nach der Ankunft in Ried folgten wir der Empfehlung von Esther Bellwald, der Hotelière des Hotels, mit dem Postauto nach Küemad zu fahren und von dort im famosen Abendlicht über Blatten nach Ried zurück zu spazieren (3.7 km, 45 Minuten, T1). Das lohnte sich allein schon der Ausblicke wegen, diente aber auch als kleine Alibiübung in Erwartung des viergängigen Abendessens von Küchenchef Laurent Hubert (15 G&M-Punkte), Ehemann von Esther Bellwald. Das Essen war dann auch der genussreiche Abschluss des Tages. Selbstverständlich durfte an diesem Wochenende eine richtige Bergwanderung nicht fehlen; morgen Sonntag geht es auf eine Rundwanderung hoch zur Lötschepasshütte.

In diesem wundervollen Wanderherbst, der einem ebensolchen Sommer folgte, liegt gold-richtig, wer in der Bergwelt wandelt. Die Lötschentaler haben ihren Schatz, das Lärchengold, rechtzeitig «ausgepackt» – und wie (siehe Bilder)! Nach dem Frühstück kurze Fahrt nach Wiler und mit der Luftseilbahn hoch zur Lauchernalp. Nach dem Startkafi im Panoramarestaurant Zudili starteten wir um zehn Uhr in Richtung Stafel, der Bergstation des Sessellifts (im Winter in Betrieb!). Wie erwartet, waren wir heute nicht die einzigen, die meisten Bergwanderer wählten allerdings den Klassiker (Panoramawanderung auf dem Lötschentaler Höhenweg bis zur Fafleralp). Auf dem staubtrockenen Weg, vorbei am Restaurant Bergsonne und an den vielen Wochenendhäuschen, waren die ersten 160 Hm Aufstieg rasch zurückgelegt. Beim obersten Gebäude, dem Berghaus Lauchernalp, unterhalb des Arbächnubel, stiegen wir noch ein etwas hoch zum dem Wanderweg, um auf diesem dann bei P.2184 in westlicher Richtung zu halten. Über Mälcherboden bis P.2372 über alpiges Gelände oberhalb der Hockenalp, wo wir die Runse der Schreija überquerten. In einer nach Süden ausholenden Rechtskurve (der Direktaufstieg wäre auch möglich…) erreichten wir – nun in etwas felsigem Gelände – Sattlegi (P.2566). Über uns die Schwarzi Simmla, und darüber die 700 m aufragenden Felsgipfel Kleinhockenhorn und Hockenhorn. Auf dem folgenden Kilometer bis zur Simmle verlief die Strecke auf gleicher Höhe, dafür zunehmend über Blocks. Der weitere Hüttenweg verlief in leichtem Auf und Ab, über 1.7 km waren nur noch ca. 120 Hm aufzusteigen. In diesem Abschnitt wurde der w-r-w-markierte Wanderweg etwas anspruchsvoller, nie aber ausgesetzt. Vorbei an einigen ausgetrockneten Seelein überschritten wir nacheinander die Linien der beiden tief unten durch den Lötschberg führenden Bahntunnels. Plötzlich war auch das Tagesziel zu sehen, die 2690 m.ü.M stehende Lötschepasshütte (Laufzeit bis hierher ca. 2 Std. 25 Min.). Jetzt machte sich auch die böige Bise bemerkbar, so dass wir mangels windgeschütztem Platz Zuflucht in der von Tagesbesuchern gut frequentierten Hütte suchten. Klar, dass wir uns eine ausgiebige Mittagspause gönnten. Nicht zum ersten Mal brachte uns die Aussicht hier oben zum Staunen. Im Nordwesten das massige Balmhorn (3698 m) mit dem zackigen Zackengrat und dem Wildelsiggrat, im Westen das Ferdenrothorn (3180 m) mit seiner faszinierenden Schönheit, dazwischen die Gitzifurggu – vollständig schnee- und eisfrei. Im Süden stehen die Walliser Hochalpen aufgereiht – und hoch über dem Lötschental natürlich das omnipräsente Bietschhorn; die ausgezeichnete Weitsicht reichte bestimmt >60 km. Etwas anderes galt es auch zu bestaunen: der seit letztem Winter bestehende extravagante Spa-Bungalow.

Diesmal wählten wir für den Abstieg die Strecke über die Kummenalp. Die stärker werdende Bise nun im Rücken, wandelten wir über die glatt geschliffenen Felsplatten zum grössten der Hüttenseelein hinunter. Obligates Motiv hier das sich im Wasser spiegelnde Bietschi. Vor uns nun der Stierstutz – ein sehr steiler Pfad direkt entlang senkrecht aufragender Felswände mit alten Markierungen w-b-w, aktuelle Wegführung w-r-w. Am unteren Ende des Stierstutzes trafen wir auf eine Verzweigung mit dem Hinweis auf den «Gitziweg», welcher westwärt (in Richtung Ferdenpass?) führte, aber mit einigen Steinen leicht verbarrikadiert war. Wir hielten nach Osten, um über weniger steile Alpen die bereits im Schatten stehende Kummenalp zu erreichen. Entsprechend kühl war es hier (bei zunehmend bissiger Bise). Über die Brücke des Färdanbachs liefen wir auf dem Lötschentaler Höhenweg (1 Std. bis Lauchernalp) und leicht ansteigend wieder an der Sonne. Mittlerweile war es kurz vor vier Uhr. Der Abschnitt bis zur Lauchernalp führt unterhalb der Hockenalp durch, und der im letzten Winter stark beschädigte und teilweise gesperrte Weg ist instand gestellt. Zwischen den Blicken durch die goldigen Lärchen Kalenderbildmotive noch und noch – immer mit dem Bietschhorn im Blickfeld. Beim hübschen Weiler Stafel vorbei am schönen Kirchlein, entlang dem Themenweg (Biotop-Rundwanderweg), nun die Bergstation Lauchernalp in Sichtweite. Hier blies uns die starke Bise fast vom Weg; zum Glück kamen die Böen von hinten, so konnte uns der aufgewirbelte Staub nicht weiter stören. Auf der Lauchernalp angekommen, schwebten wir nach kurzer Wartezeit in wenigen Minuten zum Talort Wiler hinunter. Eine exzellente Rundtour fand einen tollen Abschluss…

Fazit:
Kontrastreiche Genusstage waren das – und gemütlich war’s wie immer mit Susanne und Richi…

Wetterverhältnisse:
Perfektes Wanderwetter, Sonne pur, wolkenlos, ca. 0 bis 10° (Lötschepass ca 3°), spürbare Bise (Böen bis ca. 35 km/h), was die gefühlten Temperaturen tiefer erscheinen liess.

Hilfsmittel:
Wanderschuhe, Stöcke, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 21. Oktober 2017
Schwierigkeit: T3 (Stierstutz), ansonsten T2
Strecke: 12.4 km, Bergstation Lauchernalp 1965 m – Stafel 2102 m – P.2184 – Mälcherboden 2285 m – P.2372 – Sattlegi (P.2566) – Simmle – Lötschenpass 2690 m – Stierstutz – Kummenalp 2086 m – Lötschentaler Höhenweg bis Stafel 2047 m – Bergstation Lauchernalp
Aufstieg: ca. 866 m
Abstieg: ca. 853 m
Laufzeit ohne Pausen: ca. 4 Std. 20 Min.
Laufzeit mit Pausen: ca. 6 Std. 45 Min.

Vom Safiental über die Alperschällilücke nach Sufers in 2 Tagen

Das anhaltend schöne Bergwetter motivierte uns zu dieser 2-Tagestour aus dem Safiental zum Hinterrhein. Die beiden Talschaften sind durch mehrere Übergänge verbunden. Einer der anspruchsvolleren ist bestimmt die Alperschällilücke – alleine schon wegen der zu überwindenden Bachrunse namens Höllgraben. In Thusis auf dem grossen Parkplatz nahe des Bahnhofs stellten wir unser Auto ab – idealer Ausgangspunkt für die Rundtour. Mit der RhB bis Reichenau, dann umsteigen und Weiterfahrt durch die spektakuläre Rheinschlucht bis Versam-Safien, anschliessend mit dem Postauto die kurvenreiche und enge Strasse durch die Schlucht der Rabiusa (die Wilde!) hoch bis Safien Platz.

Tag 1: Safien Platz – Turrahus (T2)
Nach dem Startkafi im winzigen Café gleich bei der Postautostation Safien Platz starteten wir um 11:15 Uhr auf unsere gemütliche Einlauftour – bei besten Bedingungen (ca. 10°, sonnig, leichter Föhn). Wir wählten die Strecke über den Camaner Höhenweg. Nach der Brücke über den Furrentobelbach, gleich nach den letzten Häusern des Dörfleins, wurden wir von den Wanderwegweisern auf die gewünschte Strecke gewiesen in Richtung Camanaboden. Erst führte der Wanderweg im Wald in einigen Serpentinen steil hoch, so dass rasch 200 Hm gewonnen waren. Den Wald verlassend, führte der Weg aussichtsreich über Alpwiesen. Zur linken ging der Blick in Richtung Piz Beverin und dem Glaspass. Darunter der Eingang zur sagenumwobenen Carnusaschlucht mit der etwas abseits des Dorfes stehenden Platzer Kirche. Etwas Geschichte: geplant hatten die Platzer den Standort ursprünglich näher bei den Häusern. Aber die Sage erzählt, dass die Fundamente dreimal hintereinander in der Nacht von Geistern an den Ort gebracht wurden, wo sie heute steht. So wurde sie dort gebaut und 1510 geweiht. Der Vorteil dieses Standortes ist, dass die Glocken weitherum zu hören sind. Auf einer Höhe von ca. 1650 m.ü.M. war bald der Weiler Hof erreicht, danach das Hofer Tobel und wenig später das Hütti Tobel. Nach dem Usser Wald war die etwas grössere Walsersiedlung Camanaboden (1766 m) erreicht, wo das kleine Hotel Camana Lotsch & Zuber (ein ehemaliges Schulhaus) steht; das Hotel ist geöffnet im Winter; das Beizli «dem Himmel ein Stück näher» gibt es auch in der Nähe, allerdings nur an gewissen Tagen geöffnet – heute nicht (Selbstbedienung möglich). Hier verliessen wir die Fahrstrasse; vorbei an schönen Walserhäusern, führte der Wanderweg erst nach N, um beim P.1950 wieder nach SW zu wenden. Bei P.1940 die Verzweigung zum Güner Lückli (2470 m), einem bekannten Übergang ins Val Lumnezia. Kurz davor fanden wir einen idealen Platz auf einer Bank vor einer Alphütte, mit grossartigem Überblick ins hintere Safiental und zum gegenüberliegenden Massiv des Bruschghorn. Gut gestärkt machten wir uns auf den Weiterweg bis Camaner Hütta; diese auf 1958 m liegende Siedlung war der heute höchstgelegene Punkt. Leicht absteigend, noch immer über schönste Alpen, erreichten wir den Camaner Wald und etwas weiter das Bächer Tobel (P.1831) und gleich danach die Bächer Hütta. Im folgenden Bawald war es derart dunkel, dass wir die Sonnenbrillen ablegen mussten, um etwas zu sehen. In diesem wilden (Ur-)Waldabschnitt liegen viele Felsbrocken herum, wahrscheinlich hat sich hier mal ein Felssturz ereignet. Den Wald verlassend, kam Thalkirch ins Blickfeld. Dieser Weiler befindet sich auf dem Talboden im hinteren Teil des Safientals, auf dem Gebiet der ehemaligen Gemeinde Safien, zwischen Piz Tomül und Bruschghorn. Den letzten Abschnitt (1 km) unserer Wanderung bis zum Weiler Tura legten wir auf der Fahrstrasse zurück; möglich wäre auch etwas abzusteigen, und entlang der fast ausgetrockneten Rabiusa zu laufen. Kurz vor vier Uhr erreichten wir das Ziel unserer heutigen Etappe, das Berggasthaus Turrahus, einem gemütlichen Walserhaus. Bis hierhin dürfen Autos (und Postauto) fahren. Auf der gut besuchten Terrasse genossen wir die Sonne und die Sicht zu den umliegenden, das Tal abschliessenden Hörnern (Gelbhorn, Schwarzhorn, Bodenhorn, Alperschällihorn, Wisshorn, Piz Tomül/Wissensteinhorn, Tällihorn). Auch der Übergang des folgenden Tages, die Alperschällilücke mit dem darunter liegenden Höllgraben präsentierte sich. Den Tag schlossen wir ab bei gutem Essen in der heimeligen Walserstube, im angeregten Austausch mit sympathischen Gleichgesinnten am Tisch. Die sternenklare Nacht im Zweibettzimmer war ruhig, auch wenn das alte Holzhaus eine (nicht störende) Geräuschkulisse abgab.

Tag 2: Turrahus – Alperschällilücke – Sufers (T3+)
Nach einer erholsamen Nacht und dem Hüttenfrühstück erwartete uns ein Wandertag bei Kaiserwetter – einsam durch eine fast vegetationslose Kalksteinwelt, so wie es uns gefällt. Start um 08:45, bei ca. 0° und Windstille (was sich später änderte…). Während die aufgehende Sonne schon die nahen Gipfel beleuchtete, liefen wir die etwa 2.6 km lange Talstrecke entlang der Rabiusa, vorbei am Ausgleichsbecken. Auf frostigem Grund spürten wir anfänglich die Kälte; bald erreichten wir aber Betriebstemperatur. Kurz nach Althus, bei Piggamad (1802 m) wurden wir vom Wegweiser nach Osten (weiss-rot-weiss) gewiesen; geradeaus in Richtung Safierberg, dem Übergang nach Splügen. Jetzt begann es steil zu werden, anfänglich über Weideland, später auf vorgezeichnetem Pfad über eine steile Grashalde bis zur von weitem sichtbaren Hütte (P.2032). Der Weiterweg hinter der Hütte verläuft vorerst über einen nicht ausgeprägten Grat, nach etwa 300 dann in einer Richtungsänderung (nach SO) über (zum Glück trockene) Steilgrashänge und über ein paar grosse Steine und kleine Bachrunsen. Zwar wenig ausgesetzt, wäre hier stolpern fatal. Nach dem Queren einer ersten Bachrunse standen wir nun mitten im Höllgraben; irgendwo über uns die Lücke. Noch immer im Schatten, wurde das «Gehgelände» zunehmend schuttiger und rutschiger. Die ersten Sonnenstrahlen erreichten uns auf etwa 2350 m und damit bot sich die Gelegenheit für eine Trinkpause auf einem besonders schönen Buckel. Vor uns (über uns!) die «pièce de résistance», wie Doris meinte; Recht sollte sie haben. Es folgte ein Abschnitt meist ohne deutliche Wegspuren, aber immerhin markiert. Der Aufstieg oft senkrecht im Geröll des Tobels, dann wieder über schmale Querungen, und weiter in der nunmehr nassen Bachrunse. Kurz unterhalb des Ausstiegs präsentierte sich der Höllgraben in (höllisch) abweisender Form: Fels, Schutt, Wasser. Ein Durchgang war nicht zu erkennen; auf der Suche nach der nächsten Markierung vortastend war dann doch noch ein Durchschlupf zu erkennen; in steilstem Gelände war ein Fels zu «umrunden», dann noch wenige Tritte durch Blocks. Geschafft! Ab jetzt die Sonne im Gesicht! Vor uns das kleine Seelein, hinter uns der Tiefblick ins Safiental – was für ein Kontrastprogramm! Zeit für eine Verschnaufpause und ein Gedankenaustausch mit zwei folgenden Paaren. Schön auch, dass sich über den Pizzas d’Anarosa ein Steinadler zeigte – leider zu weit weg für ein gutes Föteli. Hinter dem Seelein dann die Verzweigung bei P.2454; links wäre der Übergang Farcletta digl Lai Grand (2661 m) zur Alp Anarosa und weiter in Richtung Wergenstein und Andeer. Wir hielten geradeaus in südöstlicher Richtung zum noch einen Kilometer vor uns liegenden Übergang. Gleich hinter dem Seelein war ein Blockgletscher im Weg, dessen «Mauer» wir auf sehr schwach ausgeprägter Spur fast schon direkt bestiegen – gut, dass der Untergrund gefroren war. Im oberhalb folgenden Blockgelände verlangsamte sich das Schritttempo; ein Sturz im messerscharf-kantigen Kalkfels hätte unangenehme Folgen. Bald beruhigte sich das Gelände wieder, und schon war die Alperschällilücke erreicht. Zur linken die scharfzackigen, schönen Kalkriesen namens Pizzas d’Anarosa (3002 m) – welch schönklingender Name (auch Grauhörner genannt), zur rechten das Alperschällihorn (3039 m). Und geradeaus die Kulisse mit Sicht bis zum mehr als 50 km entfernten Festsaal der Alpen (Piz Bernina). Auf der Lücke wehte ein starker Südwind mit Böen um 30 km/h, mit einer gefühlten Temperatur im Nullgradbereich. Also zogen wir weiter, in der Hoffnung, etwas unterhalb ein windschattiges Rastplätzchen zu finden. Kurz vor der Steilstufe zur Steileralp hinunter genossen wir unsere Leckereien auf eine Höhe von 2500 m. Fast hätten wir eine Siesta gewagt, aber wir wurden ziemlich aufgeschreckt durch einen fast lautlos bergwärts stürmenden Biker (die Maschine gebuckelt). Gefragt nach dem Weiterweg, meinte er durch den Höllgraben runter fahren zu wollen; wir äusserten unsere schweren Bedenken – hoffentlich ist er gesund angekommen im Safiental. Nahe dem Steilerbach war nun die erwähnte Steilstufe zu meistern. Unterhalb der Steilstufe bei P.2321 überquerten wir den Steilerbach, um fortan auf dessen rechts liegender Seite abzusteigen. Bei P.1991 nochmals eine Stufe, darunter liegend die Unter Steila, wo sich das Gelände erst verflachte, um dann erneut steiler zu werden. Nachdem das Gelände bisher ziemlich vegetationslos war, erreichten wir wieder Alp- und Waldgelände. Und Gold fanden wir auch: Lärchengold! Bei P.1770 nahe einer Hütte meldete unser Bordsystem, dass vor uns noch etwa eine Wegstunde lag. Das Postauto in Sufers würden wir also bequem erreichen. Nach einer Spitzkehre im Oberhofwald wurden wir überrascht von einer aussichtsreichen und sonnig gelegenen Bankniederlassung. Ideal, um unseren mittlerweile doch etwas ermatteten Gliedern etwas Ruhe zu gönnen. Beste Aussicht auf das Dorf Sufers, den Sufersersee und die A13 mit ihrer Geräuschkulisse. Nach dieser Pause erreichten wir das hundert Hm weiter unten liegende Dorf in zwanzig Minuten. Die Postautohaltestelle liegt direkt an der Autostrasse; die Zeit bis zum Eintreffen des Postautos nutzten wir für einen Kleiderwechsel im Schutzhäuschen. Denn zum Abschluss erwartete uns im Campell in Sils i. D. ein ausgezeichnetes (wildes) Abendessen. Und wir hatten Glück; genau zwei Plätze waren noch zu haben…

Wetterverhältnisse:
An beiden Tagen sehr sonnig ohne nennenswerte Bewölkung, 0 bis 14°, nicht störender Föhn mit Böen bis 30 km/h.

Hilfsmittel:
Stöcke, Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 12./13. Oktober 2018
Schwierigkeiten: 1. Tag T2, 2. Tag T3+ (Höllgraben)
Strecke: 26 km, 1. Tag (12 km) Safien Platz (1315 m) – Camanaboden (1766 m) – Camana Hütta (1958 m) – Thalkirch – Tura (1694 m); 2. Tag (16 km) Tura – Ausgleichsbecken (P.1725) – Piggamad (1802 m) – P.2032 – Höllgraben (P.2427) – P.2454 – Alperschällilücke (2614 m) – Steileralp (P.2321) – P.2013 – Unter Steila (P.1772) – Steilerwald – P.1700 – Sufers (1428 m)
Aufstieg: 1. Tag ca. 750 m, 2. Tag 970 m, total ca. 1720 m
Abstieg: 1. Tag ca. -360 m, 2. Tag ca. -1240 m, total ca. -1600 m
Laufzeit ohne Pausen: 1. Tag ca. 3 Std. 20 Min., 2. Tag ca. 5 Std., total ca. 8 Std. 20 Min.
Laufzeit mit Pausen: 1. Tag ca. 4 Std. 30 Min., 2. Tag ca. 8 Std. 40 Min., total ca. 13 Std. 10 Min.

Hüttentour Uri 3|3: Treschhütte SAC – Fellilücke – Nätschen

Nach dem reichhaltigen Frühstück verabschiedeten wir uns von der idyllischen Treschhütte kurz nach acht Uhr. Südlich der Hütte, vorbei an der Alp Vorder Waldi, war auf den ersten anderthalb Kilometern gemütliches Warmlaufen auf relativ flacher Strecke entlang des Fellibachs angesagt. Dann über eine erste Geländestufe (1.5 km, 300 m Höhendifferenz) hoch zur Alp Obermatt. Hier bei P.1839 über eine kleine Brücke über den Fellibach. Danach wieder etwas flacher, vor uns aber die mächtige Geröll- und Blockhalde, über welche die Fellilücke erreicht wird. Kurze Pause und Verpflegung (Susanne’s Kraftriegel vom Beda-Beck). Ungefähr bei 2000 m.ü.M (Murmetsbüel) wurde es ruppig. Die nächsten zwei Kilometer verliefen ziemlich in der Mitte der Breitplanggen, so heisst die Blockhalde. Die häufigen w-r-w-Markierungen waren eine wichtige Orientierungshilfe. Grosse Tritte, kräfte- und zeitraubendes Blockkraxeln, mehrheitlich ohne Stockunterstützung – herrlich! Und eindrucksvoll dazu! Unterwegs in den Blocks nochmals eine Verschnaufpause, vor allem auch um unsere Flüssigkeitsspeicher aufzufüllen – denn der Schweiss floss in Strömen. Für die letzten 150 Aufstiegsmeter legte Richi etwas vor, um uns dann von oben zu beobachten. Ihn interessierten natürlich auch die alten Festungsanlagen auf dem rechts aufragenden Schneehüenerstock/Unghürstöckli (2773 m). Geschafft – auf der Fellilücke, dem höchsten Punkt des Tages. Gipfelrast im Windschatten, bei nunmehr eingetrübter Witterung, aber trocken. Zum Glück hat man die Sprengarbeiten hier oben vor drei Tagen abgeschlossen. Was nun folgte, erschreckte uns. Allein schon der Tiefblick auf den 230 m unter uns liegenden Oberalppass, resp. auf die dort eingerichtete (unüberhörbare) Baustelle bot ein tristes Bild. Zum guten Glück bot sich uns die Aussicht ins gegenüberliegende Gebiet um den Piz Cavradi (wo sogar die Maighelshütte ausgemacht werden konnte) und auf die umliegenden Gipfel wie z. B. Pazolastock (2740 m). Wir hielten nach Westen um den Schneehüenerstock südlich zu umrunden. Die Höhe von ca. 2400 m.ü.M. haltend, fixierten wir uns auf die Bergstation Gütsch – vorbei am Lutersee. Eine Alternative bot sich uns nicht – die Strecke über Vorder Felli-Strahlboden-Grossboden war gesperrt. Das Gebiet ist eine gigantische Grossbaustelle – die Skiarena Sedrun-Andermatt wird gebaut! Mehrere Bahnanlagen vor Fertigstellung, allen voran das Projekt 2018 auf den Schneehüenerstock mit der auf 2600 m gebauten Bergstation. Möglich, dass diese Arena im Winter und unter Schnee ganz anders wirkt – die Art und Weise, wie hier Wunden in eine ehemals schöne Berglandschaft geschlagen werden, lässt viele Fragen offen. Ob sich die Millionen-Investition des Herrn Sawiri und Konsorten lohnen wird? Zurück zu unserer Wanderung: über breite Baupisten (siehe Bilder) erreichten wir die Bergstation Gütsch, um kurz davor den Abstieg nahe des Gütsch-Express einzuschlagen. Auf der Suche, die staubige und von Baufahrzeugen stark befahrene Piste verlassen zu können, boten sich uns wenige Gelegenheiten (Wanderweg-Markierungen fehlten hier …). In der Direttissima erreichten wir schliesslich die RhB-Bahnstation Nätschen (1842 m), welche wegen des Neubaus des Gütsch-Express-Terminals verlegt worden ist. Eigentlich wollten wir in der nahen Alp Hittä einkehren; nix da, geschlossen (zurzeit geschäften die an der Gewerbeausstellung Uri 18). Egal, uns blieben noch 4 Minuten bis zum Eintreffen des roten Bähnli (Abfahrt 15:04) – was reichte, um die Online-Tickets zu lösen (Reisende ohne Smartphone treibt es hier mangels Ticketautomat Angstschweiss auf die Stirn…). Naja, pünktlich fielen die ersten Tropfen – wir kamen trocken durch.

Fazit:
Lange und wie erwartet anstrengende Tagesetappe, und ausserdem speziell eindrucksvoll, nicht zuletzt wegen der alpinen Grossbaustellen auf Oberalp und Umgebung. Unseren Bergfreunden Susanne und Richi danken wir von Herzen für die Begleitung auf dieser wunderschönen Hüttentour.

Wetterverhältnisse:
Zum Tagesbeginn leichte Bewölkung, sonnig, gegen Mittag bewölkt, Temperatur ca. 10-16°

Hilfsmittel:
Stöcke; Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 6. September 2018
Schwierigkeit: T3
Strecke: 15 km, Treschhütte SAC (1475 m) – Alp Vorder Waldi (1508 m) – Egg – Hinter Waldi (1531 m) – Rinderboden – Obermatt (1839 m) – Plätzli (1900 m) – Murmetsbüel (2010 m) – Breitplanggen – Fellilücke (2478 m) – Vorder Felli – Lutersee – Strahlgand – P.2371 (Alte Stäfel) – Ober Stafel – Bergstation Gütsch – Grossboden – Lochstafel – Im Loch – Börtli – Nätschen (1842 m, Station RhB)
Aufstieg: ca. 1070 m
Abstieg: ca. -690 m
Laufzeit ohne Pausen: total ca. 5 Std. 15 Min.
Laufzeit mit Pausen: total ca. 6 Std. 40 Min.
Tageszeit: 08:15 bis 15:00 Uhr

Hüttentour Uri 2|3: Etzlihütte SAC – Pörtlilücke – Treschhütte SAC