Archiv der Kategorie: Bergwanderung T3

Grosse Scheidegg – Faulhorn 2681 m – Schynige Platte

Grandiose Gipfelparade im Berner Oberland, einer der grossen Wander-Klassiker, Berg-Nostalgie vom Anfang bis zum Schluss – für uns ausreichend Antrieb, einen beruflichen Termin in Meiringen am Freitag um zwei Wandertage zu erweitern. Die Postautofahrt auf der atemberaubend steilen und engen Strasse vorbei am Reichenbachfall ins wildromantische Reichenbachtal bis zum historischen Belle-Epoque-Hotel Rosenlaui dauert 30 Minuten; auf der 12 km langen Fahrt werden die ca. 730 m Höhendifferenz elegant zurück gelegt – Dü-da-do! Wir hatten das Glück, eine Nacht in diesem bald 250jährigen Juwel verbringen zu dürfen! Dem ausgezeichneten Abendmenü im historischen Salle à manger folgte die erholsame Nachtruhe (die sonst üblichen Störfaktoren Handy, TV, Radio, WLAN fehlen und werden nicht vermisst…). Nach dem reichhaltigen Frühstück bestiegen wir um 08:51 Uhr direkt vor dem Haus das Postauto. Die Fahrt bis zur Grossen Scheidegg dauerte 27 Minuten (Umsteigen auf der Schwarzwaldalp). Ankunft um 09:18 Uhr auf dem Übergang, der noch vom Wetterhorn (3692 m) beschattet war.

1. Tag: Grosse Scheidegg 1962 m – First – Faulhorn 2681 m
Bei leichtem Bodenfrost starteten wir nach Ankunft –  warm eingepackt – in Richtung First auf der unbefestigten Alpstrasse über die Alp Scheidegg bis zum Punkt 2006, wo uns nach einer Viertelstunde bereits die Sonne begrüsste. Weg also mit der obersten Wärmeschicht! Weiter auf dem ausgeschilderten und w-r-w-markierten Wanderweg, bei Schafläger Überquerung des Schafgrabens. Ohne nennenswerten Höhengewinn passierten wir die Bergschaft Grindel Oberläger. Auf Chalberboden über den Inner Bärgelbach, rechts über uns das mächtige Schwarzhoren (2928 m). Links ging der Blick unweigerlich zur Wand der Wände, Eigernordwand. Auf dem stolperfrei angelegten Wanderweg kann man sich die nun dauernde Ablenkung leisten. Waren wir bislang fast einsam unterwegs, erreichten wir nach eindreiviertel Stunden die Zuvilisation auf First (2156 m). Schon von weitem war das Geschrei der auf dem First Flieger zu Tal rasenden Mutigen zu hören. Auf der grossen Sonnenterrasse genossen wir den Kafi und die Gipfelparade – Wetterhorn, Schreckhorn, Lauteraarhorn, Finsteraarhorn, Eiger, Jungfrau, Silberhorn, unten im Tal Grindelwald. Bei dieser genialen Aussicht wurde unser Kafi fast kalt. Den First Cliff Walk überliessen wir gerne den anstehenden Asiaten. Uns zog es weiter in Richtung Tagesziel Faulhorn, das bereits zu sehen war. Bis zum offensichtlichen Hotspot, dem auf 2265 m gelegenen Bachsee (50 Minuten), eine richtige «Wanderautobahn». Am angeblich fotogensten Bergsee der Schweiz mühten sich dann dutzende von Spaziergänger mit den Menüs ihrer Digitalkameras ab. Am oberen Ende des wirklich einmalig schön gelegenen Bergsees kehrte Ruhe ein – der See besteht eigentlich aus zwei Teilen, getrennt durch einen kleinen Naturdamm, wobei sein unterer Teil sieben Meter tiefer liegt. Oberhalb des Sees rasteten wir und genossen den Ausblick zum See und auf die Kulisse mit den bereits erwähnten Gipfel-Berühmtheiten. Danach begann der Anstieg (2.3 km, 400 m Höhendifferenz). Vorbei an der Burggihitta (2436 m) war die etwas höher liegende Reetihitta rasch erreicht. Mittlerweile über Schnee (Pflotsch) erreichten wir Gassenboden (2552 m). Hier öffnete sich der Blick in Richtung SW zur Blüemlisalp und weiteren Bekannten (sogar der Wildstrubel war zu erkennen). Hier oben wurde der Wind stärker, also «stürmten» wir in Richtung Faulhorn, resp. zu dessen Gipfel-Berghaus. Diese letzten 120 Hm waren rasch zurückgelegt. Unterwegs hatten wir noch einige Absteiger zu grüssen, meist Kurzhöseler in Turnschuhen (und selbstverständlich ohne Stöcke), welche sich auf Schnee turnend gegen Stürze wehrten. Oben angekommen, war es erst 14:20 Uhr, Zeit für eine wärmende Suppe in der gemütlichen Gaststube. Anschliessend Check-in (wir waren die ersten von ca. 80 Übernachtungsgästen) und Bezug des Nachtlagers – wir hatten grosses Glück, wegen einer kurzfristigen Absage statt im Matratzenlager in einem der wenigen Zimmer nächtigen zu dürfen. Das lange Warten auf das Nachtessen verbrachten wir mit Teetrinken. Langsam füllte sich das Berghotel Faulhorn, das schon etwas in die Jahre gekommen ist und eher eine Berghütte ist (ab Dienstag 16.10.2019 ist Saisonschluss!). Das Team um Christian Garbani & Familie bietet bewundernswerte Gastfreundschaft auf fast 2700 m.ü.M. Dem leckeren Nachtessen folgten ein paar Jassrunden mit netten Tischnachbarinnen. Kurz vor zehn Uhr machten wir uns auf ins sehr kalte (ca. 8°) aber romantische Zimmer. Wärme konnten wir uns gegenseitig nicht spenden (2 Betten), die angebotenen Bettflaschen erwiesen sich aber als Segen. Jedenfalls mussten wir nicht frieren, und wir erlebten eine erholsame Nacht – während es draussen gewaltig stürmte.

Parameter 1.Tag:
Tour-Datum: 12. Oktober 2019
Schwierigkeit: T2
Strecke: ca. 12.6 km, Grossscheidegg (1962 m) – P.2006 Alp Scheidegg – Grindel Oberläger – Chalberboden (2016 m) – P.2083 (Furggi) – First (2184 m) – Gummihitta – P.2276 – Bachsee (P.2271) – Burgihitta – P.2436 – Reetihitta – Gassenboden (2552 m) – Faulhorn (2681 m)
Aufstieg: ca. 841 m
Abstieg: ca. 150 m
Laufzeit ohne Pausen: total ca. 3 Std. 30 Min.
Laufzeit mit Pausen: total ca. 4 Std. 55 Min.

2. Tag: Faulhorn 2681 m – Schynige Platte 1967 m
Kurz vor acht Uhr der phänomenale Sonnenaufgang – alleine schon dieser speziellen Stimmung wegen lohnt sich ein Aufenthalt im Berghotel Faulhorn. Nach dem Frühstück der Abschied vom sehr netten Team und erst noch der kurze Aufstieg zum ein paar Meter höherstehenden Gipfel. 360°-Panorama vom Feinsten (siehe Bilder) – grosses Kino. Auch heute erwartet uns ein sonniger Tag. Um halb zehn Uhr starteten wir auf den Weiterweg mit dem Ziel Schynige Platte. Dem kurzen Abstieg folgte der Abzweiger nach Westen. Trotz der anfänglich etwas bedeckten Wetterlage genossen wir den ca. 2.5 km langen Höhenweg. Links die BO-Gipfelprominenz, rechts der Brienzersee und der dahinter verlaufende Brienzergrat – und im Rückblick das markante Faulhorn. Kurz vor der Winteregg (2571 m) wichen wir dieser nördlich aus. Nun folgte ein grösstenteils schneebedeckter Teil, der bei entsprechender Vorsicht gut zu laufen war (wenig Eis, guter Trittschnee). Bald folgte der Abstieg zum Berghaus Männdlenen, welches nach ca. 100 Hm erreicht war und auf einem Übergang steht. Hier Einkehr und zum Kafi der Genuss eines fabelhaft guten Schoggikuchens (fast schon ein grosses Praliné). War der bisherige Verlauf ohne Gegenverkehr, änderte sich dies nun. Auf der (schattigen) Strecke unterhalb der Felswände Indri Sägissa und Ussri Sägissa kamen uns dutzende Wanderlustige entgegen – meist einheimisch grüssend (grüessech). Bei Egg angelangt, dann wieder an der Sonne, war eine etwas steile, aber nicht ausgesetzte Stufe zu bewältigen. Hier nutzten wir eine besonders ruhige und aussichtsreiche Stelle für eine Rast. Nun folgte ein leichter Abstieg zum Güwtürli (2028 m), dann auf etwa gleichbleibender Höhe die Umrundung des Loucherhorn (2231 m). Anschliessend wenig exponiert in Richtung N und einige Meter aufsteigend zum Louchera Grätli (2020 m). Grandios der Ausblick auf Brienzer- und Thunersee und die nahen voralpinen Höhen (Augstmatthorn, usw.). Jetzt noch die kurze, laut Wegweiser 40 Min. dauernde Strecke bis zum Tagesziel. Der Wanderweg wurde breiter, schliesslich näherten wir uns einem der berühmten BO-Wanderziele. Nach kurzem Wiederaufstieg erreichten wir die Bergstation Schynige Platte. Gerade rechtzeitig, um in einen bereitstehenden (musealen) Zug mit offenen Wagen einzusteigen und eine eindrückliche Talfahrt nach Wilderswil hinunter zu erleben (Abfahrt 14:21 Uhr).

Parameter 2. Tag:
Tour-Datum: 13. Oktober 2019
Schwierigkeit: T2 (wenige Abschnitte T3 Faulhorn bis Berghaus Männdlenen)
Strecke: ca. 12.2 km, Faulhorn (2681 m) – P.2567 – P.2522 – P.2521 – P.2503 – Berghaus Männdlenen (2344 m) – Gotthard P.2276 – P.2213 – Egg P.2126 – P.2066 – Güwtürli (2028 m) – Lauchera Grätli (2029 m) – Oberberg – Schynige Platte (Bergstation, 1967 m)
Aufstieg: insgesamt ca. 223 m
Abstieg: insgesamt ca. 938 m
Laufzeit ohne Pausen: total ca. 3 Std. 25 Min.
Laufzeit mit Pausen: total ca. 4 Std. 25 Min.

Fazit:
Eine mässig fordernde, genussvolle Zweitagestour – ein Muss im Leben eines Bergwanderers…

Wetterverhältnisse:
An beiden Tagen mit ziemlich sonnigem Herbstwanderwetter (Tagestiefsttemperaturen 6 bis 8°, Tageshöchsttemperaturen bis 14°, mässig störender Wind aus W/SW (bis 40 km/h).

Hilfsmittel:
Feste Wanderschuhe, Stöcke; Kartenmaterial, GPS-Maschine

Zwei Tage auf den Spuren der Walser (Val Formazza)

Die Geschichte der Walser fasziniert; auf deren Spuren zu wandern, führte uns vom Tessin über den Griespass in die italienische Region Piemont ins Val Formazza (deutsch: Pomatt). Richi’s Idee und ein von ihm aufbewahrter Zeitungsbeitrag aus dem Jahre 2012 waren die Grundlage für unsere zweitägige Wandertour. Zwar haben wir keine Walser angetroffen, welche noch «Pomatter Titsch» sprechen. Immerhin sind in diesem Tal aber die meisten Örtlichkeiten und Lokale zweisprachig angeschrieben. Grund genug, es im folgenden Bericht auch so zu halten.

1. Tag: Alpe Cruina – Cornotal – Griespass – Val Formazza/Pomatt – Ponte/Zum Schtäg)
Anreise bis Airolo am Vorabend; Übernachtung im Hotel Forni (gegenüber Airolo Stazione). Die Haltestelle Cruina (2035 m) an der Nufenenpassstrasse im Val Bedretto erreichten wir mit dem Postauto ab Airolo Stazione nach 30 Min. Fahrzeit kurz vor neun Uhr. Von dort stiegen wir in 55 Minuten zur auf 2333 m.ü.M stehenden Corno Gries-Hütte SAC (auch «Alpenraumschiff» genannt). Erst dort genossen wir den Startkafi – bei formidablem Herbstwanderwetter übrigens. Das Val Corno, das sich von der Hütte bis zum Cornopass hinzieht, ist landschaftlich und geologisch hochinteressant. Kurz vor dem Griespass der fast schon malerische Griessee (ein Stausee, 2386 m) am Rande der Gletscherwelt. Zwischen Nufenenpass und Val Formazza/Pomatt erinnert wenig an das Tessin, wie man es sich landläufig vorstellt. Trotzdem, oder gerade deshalb, ist diese Gegend ein spektakulärer Teil des Südkantons. So wanderten wir also gestärkt weiter, um über die nächsten 2.2 km ca. 180 Hm aufzusteigen. Ein paar Meter über dem grünblau leuchtenden Lago del Corno hielten wir uns an der Verzweigung links (rechts ginge es in Richtung Mändeli nahe der Staumauer und über den seit 2017 wegen Steinschlag gesperrten Wanderweg zum Nufenenpass). Hier befanden wir uns auf dem auf der Kantonsgrenze TI/VS liegenden Cornopass (2485 m); vor uns der Stausee, dahinter der Griesgletscher mit den Gipfeln Rothorn, Blinnenhorn, Klein Blinnenhorn, und links das mächtige Bättelmatthorn (3044 m). Hier fällt sofort auf, dass der nördliche Strom des Griesgletschers nicht (mehr) mit dem Hauptstrom zusammenfliesst. Eindrücklich auch das Panorama bis hin zu den Berner Hochalpen (Lauteraarhorn bis Sidelhorn). Nach wenigen hundert Metern und leichtem Abstieg erreichten wir den Griespass (2458 m), ein Saumpass, welcher auf der Landesgrenze CH/I liegt. Hier öffnet sich der Blick nach Süden, beispielsweise zum Rif. Città di Busto CAI (2482 m) und zum direkt dahinterstehenden Corno di Ban (3028 m). Unter uns die Schwemmebene Valle del Gries mit dem Rio del Gries und der Alp Bättelmatt. Wenige Schritte und etwas tiefer liegend machten wir den kurzen Abstecher zur westlich gelegenen Kapelle, welche drei verunglückten Pfadfindern gewidmet ist und auch als Biwak für vier Personen dient. Die (offene) Hütte kam uns gerade recht, um vor dem starken Südwind geschützt zu rasten (gegen Entrichtung eines angemessenen Obulus). Jetzt der steile Abstieg zur Bättelmatt hinunter, wo über eine Strecke von 2 km 360 Abstiegsmeter zu bewältigen waren – ziemlich steil also, aber gut zu begehen. Wir näherten uns dem Stausee Lago di Morasco, bis zu dessen Mauer aber nochmals 200 Hm Abstieg zurückzulegen waren. Der Zugang zur am nördlichen Zufluss über den See gespannten Hängebrücke ist nicht öffentlich (Eigentum der ENEL). Entlang des Sees erreichten wir rasch die Mauer, von wo zum Weiler Morasco abgestiegen wird. Jetzt noch einen knappen Kilometer bis Riale/Z’Chärbach, einem (musealen) Dörfchen mit hübschen Walser Häusern. Hier steht unübersehbar ein Restaurant mit grossem Garten und dem Namen «Walser Schtuba» – gerade richtig, um unseren Durst zu löschen (kritische Bemerkung: in Sachen Gastfreundschaft hat die Beiz viiiiel Potenzial nach oben☹ – je eine halbe Stunde Wartezeit für Bestell- und Zahlvorgang!). Wir zogen weiter, nach Überquerung der Fahrstrasse links über die Brücke beim Aalts Dorf vorbei. Auf diesem flachen Abschnitt spazierten wir (immer noch locker…) weiter, um über einen kurzen Abstieg La Frua/Uf ä Frütt zu erreichen. Hier folgte der nächste (touristische) Höhepunkt: die Cascate del Toce/Tosafälle; 143 m stürzt das Wasser des Toce ab über eine enge Talstufe hinunter – wirklich sehenswert! Heute Samstagabend werden die Wasserfälle sogar illuminiert und musikalisch beschallt – ohne uns. Vor uns liegen noch mehr als 5 km, zuerst aber der steile und steinschlaggefährdete Abstieg seitlich der Wasserfälle. Vorbei an Sotto Frua/Under Frütt, vorbildlich markiert, weiter bis zur Siedlung Canza/Fruduwald (1412 m), welches wir westlich des Bachs passierten. Vorbei an Grovella/Gurfälu verpassten wir kurz vor Brendo/In dä Brendu eine Abzweigung; direkt vor dem grossen Gebäude des EW korrigierten wir, um die letzten vierhundert Meter bis zum Tagesziel nicht ganz ungefährlich auf der Strasse abzulaufen. In Ponte/Zum Schtäg standen wir fast schon unvermittelt vor dem gegenüber der Kirche liegenden Albergo Ristorante Edelweiss. Kurz nach 18 Uhr eintreffend, wurden wir sehr gastfreundlich empfangen. Die Zimmer verfügen über allen nötigen Komfort, vor allem über die sehnlichst erwarteten Duschen. Sich hinzulegen musste warten, denn schliesslich erwartete man uns um ca. 19 Uhr zum Apéritif und Abendessen. Was uns hier geboten wurde, war beste regionale Küche (z. B. Affettati misti, leckere Gnocchi und Taglierini, Brasato con Polenta, Crostata, und natürlich passende Weine). So wunderte es nicht weiter, dass wir erst gegen elf Uhr in die Heia gefallen sind.

Parameter 1.Tag:
Tour-Datum: 21. September 2019
Schwierigkeit: T2
Strecke: ca. 21 km, ab Haltestelle Cruina (2035 m) – Corno Gries-Hütte SAC – Cornopass – Griespass (2458 m) – Bättelmatt – Lago di Morasco – Riale/Z’Chärbach – Cascata del Toce/Tosafälle – Sotto Frua/Under Frütt – Ponte/Zum Schtäg (1280 m)
Aufstieg: ca. 680 m
Abstieg: ca. 1420 m
Laufzeit ohne Pausen: total ca. 6 Std. 10 Min.
Laufzeit mit Pausen: total ca. 9 Std. 10 Min.

2. Tag (Ponte/Zum Schtäg – Guriner Furggu – Bosco Gurin)
Das mit der «ruhigen und erholsamen Nacht» traf voll zu. Frühmorgens der Blick zum Fenster hinaus: trist das Wetter, unsere Stimmung dennoch im Hoch! Das Frühstück leider nicht vor acht Uhr möglich, was uns verwunderte. Eigentlich wollten wir früher starten, weil am zweiten Tag 1200 Aufstieg und 1000 m Abstieg gefordert waren und wir gerne um 14:35 Uhr das Postauto in Bosco Gurin erreichen wollten. Und: heute wie angekündigt (aber nicht erhofft) ein feuchter Tag – zum Glück ohne grosse Niederschläge. Um 08:15 Uhr konnten wir starten. Die ersten 4 km flaches (fröhliches) Einlaufen bis Fondovalle/Stafelwald. Dann begann der wirklich fordernde Abschnitt: über etwas mehr als 4 km 1200 Aufstiegsmeter – für Marathonmann Richi kein Problem, für mich doch happig (nach dem gestrigen Tag…). Bis zur Alpe Stavello (1594 m) ein gut markierter und schön angelegter Aufstieg, auf Serpentinen gewannen wir rasch an Höhe. Das Gelände wurde steiler und unruhiger (felsige Abschnitte), entlang dem Torrente Ribo wirklich in direkter Linie, ab und zu den Bach querend (trockenen Fusses möglich). Dann auf ca. 2000 m.ü.M. eine markant markierte Verzweigung, geradeaus zur Hendar Furggu, rechts eine Felswand unterquerend eine leichte Kletterstelle (T3), danach hoch bis zu einer Rinne, diese hoch bis P.2353 m, dem heute höchsten (namenlosen) Punkt mit Kreuz. Wegen des Nebels ohne Sicht auf die vermuteten benachbarten Gipfel (links Martschenspitz, rechts Ritzberg). Im Schutz der Felsen fanden wir einen Platz für unsere Mittagsrast und etwas Erholung – schliesslich waren wir ziemlich sportlich unterwegs, jedenfalls weit unter den Zeitvorgaben (4 Std. ab Fondovalle/Stafelwald). Auf dem Weiterweg, 25 Min. bis zur 30 Hm tieferliegenden Guriner Furggu,  waren noch einige rutschige Steilhänge zu queren (>T3). Kurz vor dem Übergang das auf italienischer Seite gelegene, im Nebel ansatzweise zu sehende, namenlose Seelein. Genau auf dem Übergang hat uns die Schweiz wieder. Nichts wie weiter, fast schon im Direktabstieg. Oberhalb der Grossalp suchten wir vergebens nach der Bergstation des Sessellifts, der uns nach Bosco Gurin hinunterbringen sollte. Nur von weitem war zu erkennen, dass die Anlage (entgegen der im Internet publizierten Betriebszeiten) nicht lief. Wenig tröstlich: bald einmal war die Cap. Grossalp UTOE erreicht. Laute Musik, leise Gastfreundschaft, keine Gäste; der Hüttenwart ziemlich forsch abweisend, so dass wir unser Vorhaben, seine Kunden zu werden, abbrachen. Weiter absteigend über Naatscha erreichten wir vom Nieselregen mittlerweile etwas durchnässt endlich das im Nebel liegende schöne Walserdorf Bosco-Gurin kurz vor 15 Uhr. Zu spät für die geplante Postautoabfahrt. Macht nichts – dachten wir – schliesslich wird es ein Gastronomie-Angebot geben. Nur: die öffnen ihre Küchen allesamt wie abgesprochen erst um 19 Uhr(!) – Gastfreundschaft sieht anders aus. In einem Hotel-Restaurant wollte man uns nicht einmal kalte Plättli servieren. Kaffee, Tee, Kuchen mussten ausreichen. Bis zur nächsten Postautoabfahrt um 16:40 dauert es etwas. Also diente uns die Absteige wenigstens als ziemlich luxuriöse Umkleide – nasse Kleidung gegen trockene. Negativ beeindruckt verliessen wir diesen schönen Ort, um nach 4 Stunden Reise Airolo wieder zu erreichen. Im Hotel/Restaurant Forni genossen wir um 20:45 Uhr warme Küche vom Feinsten, bevor wir von unserem Schofför Richi nach Hause gegondelt wurden.

Fazit:
Eine fordernde und genussvolle Zweitagestour, Bilderbuchwetter am ersten Tag, suboptimales Wetter am 2. Tag. Zusammen mit Susanne und Richi erlebten wir ein wunderbares (gell Doris…) und unvergessliches Wanderwochenende – ein herzliches Dankeschön für eure freundschaftliche Begleitung.

Wetterverhältnisse:
Am ersten Tag wolkenlos und sonnig bei ca. 10 bis 18°, an exponierten Lagen kräftiger Wind aus SW, am zweiten Tag grau, feucht und nieslig, 8 bis 13°, wenig Wind.

Hilfsmittel:
Feste Wanderschuhe, Stöcke; Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter 2. Tag:
Tour-Datum: 22. September 2019
Schwierigkeit: T2 (Stellen T3 ab ca. 2300 m.ü.M. bis Guriner Furggu)
Strecke: ca. 13.3 km, ab Ponte/Zum Schtäg (1280) – San Michele/Tuffaled – Fondovalle/Stafelwald (1219 m) – Alpe Stavello (1594 m) – P.2353 m – Guriner Furggu (2323 m) – Grossalp – Bosco Gurin (1503 m)
Aufstieg: insgesamt ca. 1200 m
Abstieg: insgesamt ca. 1000 m
Laufzeit ohne Pausen: total ca. 4 Std. 30 Min.
Laufzeit mit Pausen: total ca. 6 Std. 15 Min.

Lukmanierpass – Capanna Bovarina – Pass Cristallina – Sogn Gions

Wieder einmal lockte eine zweitägige Hüttentour in einem für uns unbekannten Gebiet an der Grenze GR/TI.

1. Tag (Lukmanierpass – Capanna Bovarina UTOE)
Ab Haltestelle Pardatsch Dadens erreichten wir mit dem Postauto den Lukmanierpass nach zehnminütiger Fahrzeit kurz vor elf Uhr. Den Startkafi genossen wir auf der Hinfahrt bereits in Disentis, also starteten wir um 11 Uhr. Gleich gegenüber dem Ospizio del Lucmagn wurden wir auf den richtigen Weg gewiesen: Laufzeit bis zum Tagesziel ca. 3 Stunden. Erst führte die Wegspur in östlicher Richtung über Alpweiden, anfänglich leicht, und bald einmal stärker steigend – die Sonne voll im Gesicht. Bei P.2156 (I Traversoni) dann eine erste Kehre und wenig später eine zweite. Zur linken der Cima del Moro (2522 m), den wir unterquerten. Nach der Überquerung einer grossen Runse wurde der Weg etwas ruppiger, nie aber ausgesetzt. Nach 75 Min. erreichten wir die Foppa die Negra (knapp 2400 m) – mystische Stimmung hier oben: leichte Nebelschwaden drückten vom Tal hinauf und packten die eigenartig geformten schwarzen Felsbrocken (Gana negra) ein. Die Höhe haltend, erreichten wir eine halbe Stunde später den Passo di Gana Negra, von wo auch in Richtung Olivone abgestiegen werden könnte. Wir hielten weiter nach Osten, um an einem hübsch gelegenen Seelein zu rasten – die grandiose Aussicht zu den Adula-Alpen mit dem dominanten Rheinwaldhorn/Adula (3402 m) geniessend. Über unseren Köpfen heftiger Lärm: die vielen Bergdohlen fühlten sich bedroht von einem kreisenden Adlerpaar. Vor uns eine kleine Schwemmebene, dann begann der Abstieg von ca. 560 Hm über die Alpe di Bovarina zur Hütte. Unterwegs immer wieder diese schwarzen Brocken, herbstlich gefärbte Natur, hübsche Seelein – das letzte und schönstgelegene unmittelbar oberhalb der Alpgebäude. Hier bemerkten wir, etwa 150 m zu weit nach Süden gelaufen zu sein, weshalb wir  ohne Wegmarkierungen auskommen mussten. Egal, nach ein paar Metern auf der Alpstrasse erreichten wir wieder den WW und die Brücke über den Ri di Gana Negra. Jetzt noch ca. 1 km bis zum Tagesziel, welches wir um 15 Uhr erreichten. Eine recht einsame Tour (gerade mal 4 Personen angetroffen) fand einen schönen Abschluss. Vom Hüttenwartspaar Yvonne und Loris freundlich begrüsst, bezogen wir unser Lager (4 Betten für uns!). In der heute Sonntag nur mit 9 Gästen besetzten Hütte (40 Plätze) genossen vier den späten Nachmittag und später die nette Tischgesellschaft (alles Deutschschweizer…), und zum Abschluss das Abendessen.

2. Tag (Capanna Bovarina UTOE – Pass Cristallina – Sogn Gions)
Wir erlebten eine ruhige und erholsame Nacht. Nicht zu früh, kurz vor 7 Uhr, Tagwacht und anschliessend Frühstück. Was für ein Panorama präsentierte sich: die Adulaalpen und der Luzzone-Stausee im Osten, und hinter der Capanna der nicht mehr ganz volle Mond. So fühlten wir uns total motiviert, ein zweiter toller Wandertag vor uns! Kurz vor neun Uhr machten wir uns auf den Weg in Richtung Pass Cristallina, gut markiert und nicht zu verfehlen. Nach einer kurzen Walddurchquerung hielten wir in Richtung N (nun voll an der Sonne), unter uns das Val di Campo, über uns die Cima della Bianca (2893 m) resp. deren östliche Ausläufer. Dort wo das Wasser des kleinen Val d’Inferno(!) herunterfloss, hielten wir nach O um dann oberhalb des Alpgebiets Orlone ziemlich steil und direkt aufzusteigen (Gebiet Céti Buair), bis zum Lago Retico immerhin 400 Hm über eine Strecke von 1.5 km. Hier rauf zu keuchen sollte uns recht sein, hatten wir doch die Energiezufuhr des Vorabends und des Frühstücks zu verbrennen. Auf einer Höhe von 2372 m dann die erste Offenbarung heute: der Lago Retico – was für ein wundervoller Bergsee! Zwei Fischer versuchten gerade Trotte zu fangen, während uns ihr beeindruckender Pastore Svizzero (kein Priester!) freundlich beschnupperte. Nach der östlichen Umrundung des Sees der kurze Aufstieg zum Pass Cristallina (2399 m), wo eine längere Trinkpause angesagt war. Schliesslich galt es vom Adula-Panorama Abschied zu nehmen und den Blick ins sich nordseitig ausbreitende Abstiegsgelände zu geniessen. In achthundert Meter Luftlinie leuchtete der etwa 100 Hm tiefer liegende Bergsee namens Laiets. Bis dorthin war der Abstieg blockig, aber gut markiert (wrw). Nach dem Laiets dann eine ziemlich ruppige Steilstufe, wo auch mal die Hände (anstelle der Stöcke) gebraucht wurden. Im Plaun Grond (2141 m), einem riesigen Kessel gleich, genossen wir die Mittagsrast, umrundet von einer mächtigen Felswand. Ab hier wurde das Gelände etwas weniger felsig, aber noch immer steil. Entlang einem Weidezaun (Warnung vor Herdenschutzhunden, die wir nicht zu Gesicht bekamen) stiegen wir weiter ab bis Stavel dil Laiets (2059 m), einer Wehr der Axpo, wo das Wasser in die Schlucht Bucca digl Uffiern abstürzt. Über eine neugebaute Brücke mit Blick ins wilde Val Uffiern gelangten wir auf die unbefestigte Fahrstrasse, um in leichtem Wiederaufstieg bis Stavel digl Uffiern. Über zwei Kehren erreichten wir schliesslich das Gebiet Landschems, wo sich die Bäche des Val Casatscha und des Val Uffiern zum Rein da Cristallina vereinen. Jetzt hatten wir den nicht gerade knieschonenden Teil unseres Abstiegs hinter uns. Der Weiterweg durch das offene Val Cristallina zog sich dann noch etwas hin: ca. 3.5 km, aber nur noch ca. 100 Hm. Vorbei an vielen militärischen Anlagen und an der schön gelegenen Alp Cristallina (leider keine Alpbeiz😴, aber eine friedliche Muttertierherde), erreichten wir zügig den Endpunkt unserer Zweitagestour – den kurz vor der Lukmanier-Passstrasse gelegenen Parkplatz Pardatsch Dadems.

Wichtig:
Das Val Cristallina ist EMD-Versuchsschiessplatz; über Sperrzeiten sollte man sich unbedingt vor der Tour informieren: Koord Absch 32 / armasuisse +41 58 480 23 32

Fazit:
Eine recht einsame zweitägige Hüttentour im schönen und wilden Grenzgebiet der Kantone Ticino und Graubünden – sehr zu empfehlen!

Wetterverhältnisse:
An beiden Tagen sehr sonnig, am SO mit leichter Bewölkung, am MO ungetrübt, trocken, angenehme 12 bis 24°, unterwegs je nach Exposition kaum störender Wind aus Südost (herbstliches T-Shirt-Wetter also!).

Hilfsmittel:
Feste Wanderschuhe, Stöcke; Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 15./16. September 2019
Schwierigkeit: T2 (Stellen T3 ab Pass Cristallina)
Strecke: total 22 km, davon am 1. Tag 9 km ab Lukmanierpass (1920 m) – Passo di Gana Negra (2434 m) – Alpe Bovarina – Capanna Bovarina UTOE (1870 m), am 2. Tag 13 km ab Capanna Bovarina UTOE – Lago Retico (2372 m) – Pass Cristallina (2399 m) – Laiets (2307 m) – Plaun Grond (2141 m) – Stavel dil Laiets (2059 m) – Stavel digl Uffiern (1976 m) – Landschems – Val Cristallina – P Pardatsch Dadens (1559 m)
Aufstieg: insgesamt ca. 1152 m (1. Tag 539 m, 2. Tag 613 m)
Abstieg: insgesamt ca. 1470 m (1. Tag 574 m, 2. Tag 896 m)
Laufzeit ohne Pausen: total ca. 7 Std. 25 Min. (1. Tag: 3 Std. 10 Min, 2. Tag: 4 Std. 15 Min.)
Laufzeit mit Pausen: total ca. 10 Std. 15 Min. (1. Tag: 4 Std. 15 Min, 2. Tag: 6 Std.)