Archiv der Kategorie: Graubünden

Fuorcla Grevasalvas 2688 m

Nach der gestrigen Geburtstagstour zum Crap da Radons und dem herrlichen Abendessen im Hotel Post war für heute etwas leichtere Kost angesagt: die Fuorcla Grevesalvas – schon länger wollten wir mal von dort oben ins Oberengadin hinunter und ins Bergell rüber schauen. Heute waren die Bedingungen ideal. Und Elisabeth (war gestern schon dabei) gesellte sich dazu. Nach der kurzen Fahrt auf den Julierpass parkierten wir beim Ospizio La Veduta. Start um halb neun, bei knapp unter 0° C und noch im Schatten. Der Einstieg direkt gegenüber, und gleich eine erste (die einzige heute) Schlüsselstelle; die hart vereisten Stufen über die Gelgia – nur ja nicht runterfallen… Dann folgte der nicht sehr steile Aufstieg im Schatten, viele Spuren zur Auswahl. Zur linken der Piz Julier im schönsten Morgenlicht. Selbstverständlich waren wir heute nicht alleine unterwegs – insgesamt etwa dreissig Tourengänger, meist auf Skis, wollten auch ins Val Grevasalvas. Einige fuhren dann nach dem Übergang den Südhang hinunter nach Plaun da Lej – mit oder ohne Besteigung einer der Gipfel. Elisabeth hatte als Tagesziel den Piz d’Emma Dadaint (2927 m, WT 3-4) im Auge. Gemeinsam stiegen wir hoch bis auf ca. 2440 m um dann nach kurzem Abstieg den Leg Grevasalvas (2390 m) zu erreichen. Der Bergsee ist tief eingeschneit, ihn zu überqueren sehr erholend. Dennoch hechelte ich den beiden führenden Girls hintendrein – fotografieren dauert halt seine Zeit😊. Nach der Seeüberquerung der wenig steile Aufstieg bis zur Verengung, wo es an einer steilen Hangtraverse an einem Felsbrocken vorbei zu traversieren galt. Danach öffnete sich das Val Grevasalvas wieder, links der Piz da las Coluonnas und der markante Piz Lagrev, dazwischen ein bestimmt trickiger Übergang, die Fuorcla Lagrev (2877 m, mit Schneeschuhen nicht machbar). Zur rechten baute sich der massige Piz d’Emmat Dadora (2851 m) auf. Und wir mitten drin und endlich voll an der 🌞! Jetzt eine Trinkpause und weiter bis ungefähr P.2558, wo eine Hütte am Fels steht.  Hier entscheidet sich Elisabeth für den Gipfel Piz d’Emma Dadaint – einige Türeler standen schon in den Serpentinen und übten Spitzkehren. Wir wünschten Elisabeth Glück und verabschiedeten uns – Wiedersehen dann auf der Passhöhe. Doris und ich gingen den Schlussanstieg von ca. 130 Hm seeeehr gemütlich an. Nach knapp zwei Stunden oben auf dem Übergang empfing uns böiger Wind (ca. 40 bis 50 hm/h). Trotzdem genossen wir das Superpanorama hier oben (siehe Bilder). Mutige Skitüreler nutzten die Verhältnisse für eine lange und bestimmt kräfteraubende Sulzschneeabfahrt hinunter zum fast 900 Hm tiefer liegenden Silsersee. Nichts für uns Schneeschuhläufer. Für den Wiederabstieg wählten wir etwas östlich verlaufende Spuren durch weichen Pulverschnee. Am linksstehenden Gipfel glaubten wir in ca. 700 m Luftlinie Elisabeth’s Turnübungen zu sehen. Den Wiederabstieg genossen wir voll. Mittlerweile war auch die enge Stelle beim grossen Felsen besonnt. Nach der Seeüberquerung und vor dem Gegenaufstieg entledigten wir uns der obersten Schicht – und Handschuhe waren definitiv nicht mehr gefragt. Auf der Kuppe vor dem Abstieg zum Pass bewunderten wir nochmals die tolle Bergwelt, gleich gegenüber das verspurte Val d’Angel, dessen Steilhänge von einigen Rutschen gezeichnet waren. Um halb eins erreichten wir das Ospizio La Veduta wieder – Zeit für eine Mittagspause. Es dauerte nicht lange, bis auch Elisabeth vom erfolgreichen Gipfelerlebnis zurück kehrte – Gratulation!

Fazit:
Ein Schneeschuh-Wandertag der Extraklasse bei wiederum frühlingshaften Bedingungen auf einen Übergang, von dem wir lange träumten.

Wetterverhältnisse:
Viel Schnee, frühmorgens leicht überfroren und im Tagesverlauf sulzig (ab ca. 2400 m Pulver), auf dem Übergang windgepresst, ungetrübter Sonnenschein, frühlingshafte (-1° bis 8° C), böiger Wind.

Lawinengefahr:
Laut SLF wie folgt: Stufe 2 mässig sowohl für trockene wie auch für Gleitschneelawinen, Gefahrenstelle vor allem an ost- und südexponierten Steilhängen.

Hilfsmittel:
Schneeschuhe, Stöcke, LVS, Sonde, Schaufel, GPS

Parameter:
Tour-Datum: 28. Februar 2019
Schwierigkeit: WT2
Strecke: 9.7 km, Ospizio La Veduta (2237 m) – Leg Grevasalvas (2390 m) – Fuorcla Grevasalvas (2688 m) – Abstieg auf gleicher Strecke
Aufstieg: ca. 570 m
Abstieg: ca. -570 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 4 Std.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std.
Tageszeit: 08:30 bis 12:30 Uhr

Crap da Radons 2365 m – ab Bivio

Für 2 Tourentage nach Bivio – und der Zufall wollte es, dass Ruedi Wiesner in dieser Woche Touren ab Bivio anbot – also waren wir gerne dabei. Heute die Geburtstagstour zum Crap da Radons – quasi dem Hausberg Bivio’s. Im Vergleich zum Oberengadin (vor zwei Wochen) trafen wir ganz andere Verhältnisse an: noch immer viel Schnee, mittlerweile verspurtes Gelände (letzter Schneefall vor 14 Tagen!), gut tragende Unterlage, frühlingshafte Temperaturen. Ideale Verhältnisse also für Ski- und Schneeschuhtouren! Start um halb neun in Bivio beim Kinderskilift, der Aufstieg in etwa entlang des Sommerwegs über Cresta und vorbei an der Hütte von Radons bis ungefähr P.1903. Hier umgingen wir die Gleitschneerutsche in sicherem Abstand; etwa hundert Meter über uns an den aperen Abrissstellen unterhalb des Crap da Radons beobachteten wir mehrere Rudel von Steingeissen. Im weiteren Verlauf des Aufstiegs – kurz vor Plang Tguils – änderte die Richtung nach Nord, um bald das flache Gipfelgelände zu erreichen. Bei Windstille gönnten wir uns eine Verpflegungspause beim markanten Holzgestell (vielleicht eine Art antikes ToiToi?). Der eigentliche Gipfel steht ca. 300 m weiter ostwärts und ist 15 m höher – wenig lohnend. Denn hier oben breitete sich das prächtige Panorama aus; im Westen in ca. 2.7 km Entfernung Piz Surparé (2992 m) und Piz Scalotta (3078 m), nordwestlich der markante Piz Platta (3392 m), weiter nördlich das Tinzenhorn (3173 m). Von den hier oben liegenden drei Seelein war nichts zu sehen, weil gut eingeschneit. Von unserem höchsten Punkt (ca. 2350 m) führte uns der ortskundige Ruedi in Richtung N mit dem Ziel Saluver. Dort wo das kleine Val Gronda mündet, unterquerten wir mit dem nötigen Respekt eine Felswand. Hoch oben auf dem Motta da Cuolmens eine Gams auf Beobachtungsposten. An dieser Stelle musste irgendwo ein Bach, die Eva da Sur Ragn, fliessen. Unsere Aufmerksamkeit galt jetzt dem steiler werdenden Abstiegsgelände. Gegenüber die Alpstadel Plang und Sur Ragn; knapp oberhalb der Hütten kam ein grosser Schneerutsch zum Stillstand. Die paar hundert Meter über den stark verspurten Sonnenhang bis zur Passstrasse hinunter war reines Vergnügen – jede(r) mit eigener Routenwahl. Bei Stalveder «befreiten» wir uns von den Schneeschuhen, um die Passstrasse zu überqueren. Dann fröhliches Auslaufen mit netten Kamerädli auf dem Winterwanderweg bis Plaz und schliesslich zum Startpunkt in Bivio.

Fazit:
Ein herrlicher Schneeschuh-Wandertag bei frühlingshaften Bedingungen am Hausberg Bivios. Wanderleiter Ruedi ein herzliches Dankeschön und Caroline, Elisabeth, Ursina, Doris, Stefan: es hat grossen Spass gemacht, mit euch Geburtstag zu feiern!

Unterkunft:
Das von Martina Lanz sehr gut geführte Hotel Post in Bivio ist eine vorzügliche Adresse – ein klassisches Berghotel! Danke Martina für die herzliche Gastfreundschaft!

Wetterverhältnisse:
V
iel Schnee, frühmorgens leicht überfroren und im Tagesverlauf sulzig (an höheren Lagen Pulver), auf dem Gipfelgelände windgepresst, ungetrübter Sonnenschein, frühlingshafte (-3° bis 10° C), windstill.

Lawinengefahr:
Laut SLF wie folgt: Stufe 2 mässig für trockene Lawinen, Stufe 3 erheblich für Gleitschneelawinen, Gefahrenstelle vor allem an ost- und südexponierten Steilhängen.

Hilfsmittel:
Schneeschuhe, Stöcke, LVS, Sonde, Schaufel, GPSParameter:
Tour-Datum: 27. Februar 2019
Schwierigkeit: WT2
Strecke: 9.5 km, Bivio 1769 m – Cresta – Radons P.1903 – Crap da Radons – Eva da Sur Ragn – Julierpassstrasse bei Stalveder – Plaz – Bivio
Aufstieg: ca. 650 m
Abstieg: ca. -650 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std. 10 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std.
Tageszeit: 08:30 bis 13:40 Uhr

Oberengadin 4ǀ4: Alp Munt da la Bês-cha (2243 m) ab Celerina

Unsere zweite Tour in dieser Woche mit dem sympathischen Ruedi Wiesner, heute in Begleitung von Wanderleiter-Aspirant Guido Demont. Mit dabei: Margrit, Doris, Walter (81!) und Ruedi. Auch wenn die technischen Daten eine eher kurze Tour vermuten liessen, wurde rasch klar: ein Spaziergang würde es nicht werden. Südhang, Querung eines kritischen Lawinenzuges, Respektierung der Wildruhezone, Steilstufen im meterhohen Schnee, oberhalb der Baumgrenze Triebschnee, und alles im unverspurten, weglosen Gelände. Aber wir hatten ja zwei Superspurer dabei. Bereits beim Start in Celerina entledigten wir uns der ersten Schicht. Der erste Aufstiegsabschnitt hoch zur Via Engiadina führte durch besten Pulverschnee; auch der letzte in der Kolonne durfte noch im Tiefschnee wühlen. So erreichten wir auf diesen ersten 200 Hm – die Sonne im Rücken – rasch Betriebstemperatur. Die schmale Abfahrtspiste erreicht, liefen wir auf dieser eine etwa 300 m kurze Strecke vorsichtig hoch, um nach einer Rechtskurve auf eine tief eingeschneite, kaum erkennbare Forststrasse abzubiegen; wir befanden uns hier in der Wildruhezone, welche es zu respektieren galt. Jetzt entlang des Laviner da Munt hoch, bis dieser Lawinenzug im oberen Bereich an einer geeigneten Stelle vorsichtig überquert werden konnte – einzeln und immer Abstand einhaltend. Eine Anmerkung: die ursprüngliche Idee unserer ortskundigen Führer, den Lawinenzug ab dem Sommerwanderweg der Via Engiadina mittels östlich verlaufendem (anspruchsvollem) Direktaufstieg durch den God suot Munt zu meiden, war bestimmt richtig. Nun stiegen wir weiter in nordöstlicher Richtung im lichten God Clavadatsch sehr steil auf, unsere Steighilfen boten hier gute Unterstützung. Nach etwa 700 m erreichten wir offenes Gelände, leicht ab- und dann wieder aufsteigend über eine wunderschöne Lichtung, und schon war die Alphütte Clavadatsch erreicht. Gelegenheit für eine erste Trink- und Verschnaufpause – und das bei spektakulärer Aussicht zu den umliegenden Gipfeln und vor allem ins Val Bernina. Was jetzt folgte, waren «nur noch» 170 Hm Aufstieg in allerdings steilstem, weglosem Gelände (30 bis 45°). Ruedi und Guido waren sich einig, den Steilhang nicht im halboffenen und folglich exponierteren Gelände, sondern im geschützteren Waldbereich, zu wagen. Ich habe beobachtet, dass wir in diesem Bereich maximal 10 Tritte pro Minute machen konnten. Immer wieder grössere Sicherheitsabstände einhaltend, erreichten wir schliesslich die Waldgrenze im oberen Teil des God Clavadatsch. Jetzt folgte der Schlussaufstieg über ca. 400 m, die Hütte Alp Munt da la Bês-cha im Blickfeld. Auf diesem Abschnitt hielten wir nicht zu weit hoch (rechts über uns der Piz Padella), weil es galt, die Triebschneefelder zu meiden – der Schnee hier oben teilweise etwas überdeckelt, aber eben nicht tragend. Gegen 14 Uhr erreichten wir die tief unter Schnee und sonnig gelegene Alphütte. Klar, dass wir hier oben eine ausgedehnte (dreiviertelstündige) «Gipfelrast» abhielten – und die tolle Aussicht genossen. Und sogar ein Bartgeier auf dem Vorbeiflug überraschte uns. Dem Aufruf Guidos folgend, traten wir den Abstieg an auf der uns bekannten Strecke. Vorsichtige Querungen und über steile Tritte erreichten wir rasch wieder die Alphütte Clavadatsch. Kurz vor der Hütte präsentierte uns Guido im Steilhang ein eindrückliches Schneeprofil (unten der Altschnee, darüber etwa 70 cm Neuschnee, und dazwischen eine heikle, nicht verbindende Zwischenschicht aus grobkörnigem, kristallinem Schnee). Jetzt auf unserer Aufstiegsspur über die Lichtung und durch den God Clavadatsch hinunter. Mit dem nötigen Respekt die Querung des nun im Schatten liegenden Lawinenzugs (welcher nach Aussagen unserer Führer regelmässig ein- bis zweimal pro Winter «aufgefüllt» werde). Im obersten Teil der Laviner da Munt glaubten wir auch Anrisse zu erkennen… Auf der nach Samedan hinunterführende Skipiste einige Meter laufend, erreichten wir unsere Aufstiegsspur wieder. Über nun offenes Gelände tänzelte jede(r) nach Belieben hinunter zum Ausgangspunkt. Am Ausgangspunkt unserer Tour dann der Abschied in den letzten Sonnenstrahlen – ein anspruchsvoller Wintertag wird uns in bester Erinnerung bleiben.

Fazit:
Ein wunderbarer Hochwintertag bei fast schon frühlingshaften Bedingungen am Südhang des Piz Padella, dem Hausberg Samedans. Und betr. Lawinengefahr: falls die Beschreibungen den Eindruck erhöhter Risiken und Gefahren vermitteln, trifft dies nicht zu; vielmehr wurde uns von Ruedi und Guido viel praktisches und auch lehrbuchmässiges Wissen vermittelt. Euch beiden ein herzliches Dankeschön!

Wetterverhältnisse:
Viel Schnee (mind. 1 m), Pulver, über der Waldgrenze meist windgepresst, ungetrübter Sonnenschein, relativ milde Temperaturen (-5° bis 0°), windstill.

Lawinengefahr:
Laut SLF wie folgt: Stufe 2 mässig, Gefahrenbeschrieb: in der Schneedecke sind kantig aufgebaute Schwachschichten vorhanden. Stellenweise können Lawinen im Altschnee ausgelöst werden und gefährlich gross werden. Die Gefahrenstellen liegen vor allem an wenig befahrenen, eher schneearmen Hängen sowie im Bereich der Waldgrenze. Mit der tageszeitlichen Erwärmung und der Sonneneinstrahlung steigt die Auslösebereitschaft von Schneebrettlawinen vor allem an sehr steilen Sonnenhängen unterhalb von rund 3000 m an. Skitouren, Variantenabfahrten und Schneeschuhwanderungen erfordern eine vorsichtige Routenwahl. Es sind weiterhin Gleitschneelawinen zu erwarten, auch grosse. Dies vor allem an sehr steilen Sonnenhängen unterhalb von rund 2400 m. Vorsicht in Hängen mit Gleitschneerissen.

Hilfsmittel:
Schneeschuhe, Stöcke, LVS, Sonde, Schaufel, GPS

Parameter:
Tour-Datum:
14. Februar 2019
Schwierigkeit: WT2 (aufgrund der Verhältnisse streckenweise WT3)
Strecke: 8.2 km, Start östlich des RhB-Bahnhofs Celerina (ca. 1718 m) – Funtanella – Via Engiadina (im Winter Verbindungspiste Alpin) – Laviner da Munt – God Clavadatsch – Alp Clavadatsch (2080 m) – sehr steil, bis über die Baumgrenze – Alp Munt da la Bês-cha (2243 m) – Abstieg auf gleicher Strecke
Aufstieg: ca. 560 m
Abstieg: ca. -560 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std. 40 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std.
Tageszeit: 10:30 bis 16:10 Uhr

Oberengadin 3ǀ4: Val Bernina, von Bernina-Diavolezza nach Pontresina

Eigentlich war geplant, mit der RhB ab Station Surovas (Halt auf Verlangen beim Pontresina) auf den Berninapass zu fahren und von dort zur Alp Grüm zu laufen (ein Weg ca. 5.2 km). Beim Verlassen des Zuges fragte uns der Zugbegleiter, wo wir denn auf unserem Schuhgeschirr laufen wollten. Alp Grüm! Das sei unmöglich, zu viel Schnee und vor allem starke Verwehungen. Das konnten (wollten) wir nicht glauben, also stiegen wir etwa 120 Hm auf, um uns einen Überblick zu verschaffen; tatsächlich, Triebschnee, Verwehungen, keine Spuren, weder markiert noch unmarkiert. Wo er Recht hat, der Herr Zugbegleiter, hat er Recht! Die Strecke zur Alp Grüm wäre schon etwas tricky – also liessen wir es bleiben. Was nun? Im Zug wieder zurück, aber nur bis Fda. BerninaDiavolezza. Ab dort starteten wir (wegen der Verzögerung) erst kurz vor 13 Uhr. Eine Tour ohne besondere Anforderungen, der Trail allerdings landschaftlich schön angelegt mitten in der Unesco-Weltkulturerbe-Kulisse vom Feinsten. Über uns Lagalp, Diavolezza, Piz Chalchagn, Blick ins Val da Fain, links am Taleingang der Piz Albris, in Blickrichtung Nord Piz Ot und Konsorten. Mit Leichtigkeit spazierten wir vorbei an Bernina Suot (ohne Einkehr!), dann schattenhalb in Richtung Montebello. Dann der Abstieg durch die Cascata da Bernina, wunderschön verschneit! Morteratsch liessen wir achtlos links liegen. Über Alp Nova entlang der Ova da Bernina, wo der Blick unweigerlich zum Festsaal der Alpen drehte: Piz Bernina mit Biancograt, Bellavista, und wenig später der schönste der Schönen: Piz Palü. Vom Morteratschgletscher war nicht viel zu sehen… Nach Durchquerung des Campingplatzes Plauns vorbei an der Deponia Ova da Bernina, wo Mercedes-Bonz ein Fahrtraining abhielt. Dann wurde das Val Bernina etwas enger und schattiger, um sich ab Resgia wieder etwas zu öffnen. Fast schon vergessen, dass die zurückgelegte Strecke mehr als 10 km lang war, erreichten wir Puntraschigna – unser Domizil. Eine optimale Alternativtour war das!

Fazit:
Schneeschuhtrail durch die hochalpine Bernina-Winterlandschaft – immer wieder faszinierend!

Wetterverhältnisse:
Viel Schnee, Pulver, ungetrübter Sonnenschein, Temperaturen (-10°+/-), kaum Wind.

Lawinengefahr:
Für unser Tourenvorhaben von heute nicht relevant.

Hilfsmittel:
Schneeschuhe, Stöcke, GPS

Parameter:
Tour-Datum:
13. Februar 2019
Schwierigkeit: WT2
Strecke: 10.1 km, Startpunkt Bernina Diavolezza RhB (2080 m) – Bernina Suot – Cascata da Bernina – Alp Nova – Plauns – Resgia – Pontresina
Aufstieg: ca. 110 m
Abstieg: ca. -360 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 3 Std. 05 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 2 Std. 35 Min.
Tageszeit: 13:00 bis 16:00 Uhr

Oberengadin 2ǀ4: von Maloja zum Torre Belvedere hinunter bis Casaccia

Unsere erste Tour in dieser Woche mit Ruedi Wiesner. Mit dabei: Margrit, 2x Doris, Lieni und Ruedi. Mit zehn Minuten Verspätung trafen wir in Maloja Capolago ein – dort erwartete uns die kleine Gruppe frierend. Nach ein paar Metern erreichten wir den Startpunkt an der Sonne. Die Spur zum 24 m hohen Torre Belvedere war nicht zu verfehlen; sie führte durch einen schönen Arven- und Föhrenwald, vorbei an teilweise unter tiefem Schnee liegenden Gletschertöpfen. Unterwegs vermittelte uns Wanderleiter Ruedi viel spannendes Wissen über dieses Schutzgebiet; mehr Interessierte hier nachgelesen. An der Südseite der Burganlage stürzt das Gelände spektakulär und steil ab zur mehr als 300 m tiefer liegenden Passstrasse hinunter. Die Frage nach dem Einstieg zum Abstieg beantwortete Ruedi mit «dort drüben». Wir staunten nicht schlecht – keine Spur einer Spur! Und meterhoher Schnee dazu! Ruedi kannte den Weg, wie es sich rasch herausstellte. Er voraus, wir Schnee «schaufelnd» hinter ihm her. Im Zickzack sehr steil hinunter, bis wir auf einem Bödeli ankamen. Hier wäre laut Ruedi (noch) eine Umkehr nach Maloja möglich gewesen – nicht für uns! Also weiter in spurlosem Gelände, hinter uns eine markante Spur hinterlassend. Nachfolgende Schneeschuhläufer würden es uns schon danken – wenn es denn solch Verrückte überhaupt gäbe (dachten wir vor uns hin…). Kurz vor der Passstrasse (und nach der angekündigten Schlüsselstelle (eine kleine Mutprobe – eine Schneebrücke über ein Bächlein) eine Verpflegungspause – voll an der Sonne. Nur der Lärm der nahen Passstrasse kündigte uns die Nähe der Zivilisation an. Die Strasse überquerten wir dann zügig, um an den paar Häusern von Cavril vorbei zu ziehen. Noch immer nichts von einer Spur – daran änderte sich bis zum Ende nichts. Also war Spurarbeit angesagt – im leichten Aufstieg zum Bosch da Cavril und weiter bis Plan dal Mol. Hier ging der Blick zur Ruine der obdachlosen Kirche S. Gaudenzio hinunter. Ab hier ging es runter, und wie! Ruedi’s Routenwahl im Grenzbereich WT4 führte durch die Büsche und den Wald, bis wir fast schon plötzlich das unter uns liegende Bergeller Dörfchen Casaccia erblickten. Ein paar ausholende Kehren durch den steilen Tiefschnee hinunter, und schon hiess es «secklen» – vier Minuten bis zur Abfahrt des Postautos (diesmal ohne Verspätung!). Das war eine sehr eindrückliche und originelle Schneeschuhtour, voller Abwechslung und Überraschungen. Danke Ruedi, toll wars!

Fazit:
Ein richtig schöner Geburtstag-Wintertag bei angenehmen Bedingungen am Malojapass.

Wetterverhältnisse:
Viel Schnee (über 1 m), Pulver, ungetrübter Sonnenschein, Temperaturen (-12°+/-), starke Winde aus NO und S, Route meist windgeschützt.

Lawinengefahr:
Für unser Tourenvorhaben von heute nicht relevant. Laut SLF wie folgt: Stufe 3 erheblich, Gefahrenbeschrieb: die teils grossen Triebschneeansammlungen der letzten zwei Tage bilden die Hauptgefahr. Zudem können stellenweise Lawinen im Altschnee ausgelöst werden und gefährlich gross werden. Diese Gefahrenstellen liegen besonders an eher schneearmen West-, Nord- und Osthängen. Schon einzelne Wintersportler können Lawinen auslösen. Mit der Sonneneinstrahlung steigt die Auslösebereitschaft besonders an sehr steilen Südhängen etwas an. Schneesport abseits gesicherter Pisten erfordert Erfahrung in der Beurteilung der Lawinengefahr. Vor allem an sehr steilen Südhängen sind unterhalb von rund 2400 m mittlere und vereinzelt grosse Gleitschneelawinen möglich. Vorsicht in Hängen mit Gleitschneerissen.

Hilfsmittel:
Schneeschuhe, Stöcke, Sonde, Schaufel, GPS

Parameter:
Tour-Datum:
12. Februar 2019
Schwierigkeit: WT2 (streckenweise WT3)
Strecke: 5.5 km, Startpunkt Maloja Capolago (ca. 1800 m) – Torre Belvedere – Cavril (1551 m) – Bosch da Cavril – Plan dal Mol – Casaccia (1458 m) – Rückfahrt mit Postauto/ÖV
Aufstieg: ca. 170 m
Abstieg: ca. -510 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 4 Std.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 2 Std. 15 Min.
Tageszeit: 10:00 bis 14:00 Uhr

Oberengadin 1ǀ4: zum z’Nacht ins Val Bever nach Spinas

Eigentlich wollten wir auf der Fahrt ins Oberengadin eine kleine aber feine Schneeschuhtour ab Julierpass La Veduta zur Fuorcla Grevasalvas unternehmen. Daraus wurde nichts: starker Wind, trübe Witterung, kaum Spuren (vom Winde verweht eben). Also Weiterfahrt via Silvaplana über St. Moritz nach Pontresina. Nach dem Bezug unseres Domizils musste dann aber schon noch was gehen. Ein Fussmarsch durch den Sturm, ab Punt Muragl via Flugplatz Samedan nach Bever und von dort ins Val Bever nach Spinas. Dort, beim Südportal des Albulatunnels steht das uns bekannte Gasthaus Spinas. Dort wirtet der Südtiroler Roland Gruber, alias «AK», der Erfinder des Hugo. Das Ziel kannten wir, weshalb es auch bei zunehmender Dämmerung unproblematisch zu erreichen ist. Das ginge auch mit der Pferdekutsche oder per Bahn. Nicht für uns: schliesslich müsste das Abendessen verdient werden – also Fussmarsch! Das sollte sich lohnen, Verbrauch immerhin 1000 Kalorien. Zum Apéro natürlich zweimal Hugo! Dann der Wiederaufbau des Kalorienhaushalts, was bei der leckeren Küche gut gelang. Um halb zehn dann Rückfahrt mit der RhB (Halt auf Verlangen ab Bahnhöfli Spinas). So gemütlich können Wintertage im Oberengadin immer beginnen…

Wetterverhältnisse:
Unwirtlich aber schööööön, tiefer Winter, planierter Winterwanderweg, Temperaturen (-15°+/-), starker Wind

Lawinengefahr:
Für unser Tourenvorhaben von heute nicht relevant.

Hilfsmittel:
Winterwanderschuhe, GPS

Parameter:
Tour-Datum:
11. Februar 2019
Schwierigkeit: T1
Strecke: 12 km, Startpunkt Punt Muragl – Engadin Airport Samedan – entlang dem Flax, später nach der Mündung in den Inn bei Lej da Gravatscha über die Brücke – bei Bever mutige Überquerung der Umfahrungsstrasse – Irrweg durch die Industriezone von Bever – dann ausgeschildert ins Val Bever, entlang der Beverin und der RhB-Linie bis Spinas
Aufstieg: ca. 180 m
Abstieg: ca. -120 m
Benötigte Zeit: 2 Std. 30 Min.
Tageszeit: 16:30 bis 19:00 Uhr

Muttner Horn 2401 m – Spuren ist ein K(r)ampf

Bereits einmal, im Februar 2017, haben wir diesen schön geformten Schneegipfel mit Schneeschuhen bestiegen. Heute war die Tour mit Susanne und Richi geplant. Allerdings liessen uns die in diesem Januar prekären Lawinenverhältnisse bis zuletzt zweifeln. Erst am Freitagabend – bei unserer Anreise ins Gasthaus Post in Obermutten, wo wir übernachteten – gab das SLF Entwarnung für das morgige Tourenziel. Auch wenn hier oben mehr als zwei Meter Schnee lagen, konnten wir bis zum Gasthaus hochfahren. Ab Solis-Brücke führt eine steile und enge Bergstrasse hoch zu den drei Walser-Siedlungen Mutten, weiter oben Stafel und zuoberst Obermutten. Für Interessierte findet sich hier viel Interessantes.

Bei -10° und spürbarem Südwind starteten wir erst um 09:45 Uhr, dafür schon in der Sonne. Vorbei an der schönen Holzkirche – die wir auf dem Rückweg besichtigten – traversierten wir am südlichen Dorfrand oberhalb der Bergstation des kleinen Skilifts auf einer maschinenpräparierten Spur in Richtung P.1900. Von hier geniesst man bereits das Panorama zum Piz Beverin und hinüber zum Heinzenberg. Ab hier dann der leichte Aufstieg durch den lichten Muttner Wald. Pulverschnee – und weit und breit keine Spur; da wussten wir, was zu tun war. Aber wir hatten vorgesorgt: Richi der Marathonmann haben wir einstimmig zum Spurer gewählt. Auf dem eingeschneiten Pfad bis zum P.1982 (Cher), dann Richtungsänderung nach rechts hoch in Richtung Muttner Alp. Nach wenigen Metern war die Waldgrenze erreicht, und der nach Norden ausgerichtete Hang wurde steiler – vor uns tauchte der nördliche Sporn des Muttner Horn auf. Etwa dreihundert Meter vor dem Alpgebäude auf der Muttner Alp (2126 m) hielten wir – Richi immer weit voraus spurend – vorerst direkt auf den Sporn zu. Auch heute hatten wir nicht vor, den sehr steilen (gefährlichen) Nordaufstieg durch die schmale Rinne zu machen; diese dient wohl vor allem als Abfahrtsroute für Skitüreler. Wir blieben auf der klassischen Route, welche in der Ostflanke des Muttner Horns südwärts verläuft – Sonne und böiger Südwind im Gesicht. Die Unterlage abwechselnd pulvrig weich, mal windgepresst hart. Die Höhe von etwa 2230 m.ü.M. haltend, erreichten wir über leicht coupiertes und aussichtsreiches Gelände die kleine Hütte Auf den Böden. Auch wenn wir bis jetzt nicht besonders gefordert waren: an diesem Plätzchen genossen wir an windgeschützter Stelle die kurze Trinkpause. Von hier ging der Blick zur Lenzerheide und zu den Engadiner Gipfeln – unglaublich schön, und nur für uns! Der folgende Aufstieg zum ca. 120 Hm höher liegenden Sattel war gut einsehbar – allerdings wurde dieser ziemlich kräftezehrend, weil an den steilsten Stellen viel (Treib-)Schnee lag und wir entsprechend einsanken. Auf dem Sattel dann wieder dieser Panoramablick zum Piz Beverin und zu den Pizzas d’Annarosa. Der Abschnitt ab Auf den Böden bis zum Gipfel wird in der SAC-Führerliteratur (Schneeschuhtouren Graubünden Nord) nur bei sicheren Verhältnissen empfohlen und mit WT3-4 bewertet. Absolut sichere Verhältnisse hatten wir heute nicht! Zwar erkannten wir keine Risse und Rutsche, aber zu lange wollten wir im Aufstieg und auf dem Sattel nicht verweilen. Auch ohne Gipfel waren wir zufrieden, zumal der Rundumblick auf dem kleinen Gipfelchen links des Sattels ebenso beeindruckte. Der starke Wind sorgte bestimmt für zusätzlichen Windchill von -5°; an eine Gipfelrast bei minus 15 bis 18 Graden war nicht zu denken. Also entschieden wir uns für den Abstieg etwas näher und höher der Aufstiegsstrecke. Hier begegneten wir einer grösseren Gruppe aufsteigender Skitürelern. Auf bester Unterlage, ab und zu mal etwas einsinkend, erreichten wir die Muttner Alp wieder. Hier ging nochmals der Blick hoch zum gfürchig dastehenden Nordsporn des Muttner Horns. Ab hier galoppierte jede(r) für sich nach Lust und Laune hinunter zum Waldrand. Nach dem Abstieg über P.1982 (Cher) war das aussichtsreich gelegene Walserdorf Obermutten rasch erreicht. Der Besuch der einzigartigen und höchstgelegenen Holzkirche Europas lohnte sich – zum Schluss gab es im Gasthaus Post nochmals eine Einkehr.

Fazit:
Wiederum erlebten wir mit Susanne und Richi einen Super-Tourentag im nun hoffentlich so richtig lancierten Touren-Winter 2019. Und dem Richi danken wir herzlich für die sportliche Spurarbeit!

Wetterverhältnisse:
ca. 150 bis 200 cm Pulverschnee, ab Muttner Alp stellenweise etwas windgepresst und überfroren, ungetrübter Sonnenschein, sehr tiefe Temperatur bei böigem Südwind.

Lawinengefahr:
Laut SLF wie folgt: Stufe 2 mässig, frische Triebschneeansammlungen liegen vor allem in Kamm- und Passlagen. Sie sind meist klein aber teilweise leicht auslösbar. Anzahl und Grösse der Gefahrenstellen nehmen mit der Höhe zu. Zudem können vereinzelt Lawinen in tieferen Schichten ausgelöst werden. Diese Gefahrenstellen sind auch für Geübte kaum zu erkennen. Vorsicht vor allem an eher schneearmen Stellen sowie an Übergängen von wenig zu viel Schnee. Eine vorsichtige Routenwahl ist wichtig.

Hilfsmittel:
Schneeschuhe, Stöcke, LVS, Sonde, Schaufel, GPS

Parameter:
Tour-Datum:
19. Januar 2019
Schwierigkeit: WT3
Strecke: 8 km, Obermutten – P.1900 – Cher (P.1982) – Muttner Alp – Auf den Böden – Sattel – ohne Besteigung Muttner Horn Hauptgipfel (2401 m) – Abstieg auf ungefähr gleicher Strecke bis Obermutten
Aufstieg: ca. 530 m
Abstieg: ca. -530 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 3 Std. 50 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 2 Std. 50 Min.
Tageszeit: 09:45 bis 13:30 Uhr

Pizalun 1478 m – prächtiger Aussichtspunkt

Für heute war in der Ostschweiz ein weiterer Föntag vorausgesagt; Grund genug, die vielleicht letzte Wanderung in diesem Jahr zu unternehmen. Ab ins Epizentrum des Föns, Churer Rheintal! Tausend Meter über dem Rheintal liegt die ziemlich unbekannte Aussichtsplattform namens Pizalun (alte romanische Schreibweise Piz Alun). Der Gipfel wäre auch zu erreichen mit dem Auto via Bad Ragaz – Pfäfers – Furggels – St. Margrethenberg – ab da zu Fuss in ca. anderthalb Stunden. Wir starteten in Mastrils oberhalb Landquart. Beim Schulhaus/Kindergarten im Ortsteil Rösli hatte es ausreichend Parkplätze. Da wir nicht auf der Dorfstrasse laufen wollten, wählten wir die Abkürzung über die steile Treppe direkt beim Schulhaus. So erreichten wir schnell Betriebstemperatur. Nach ein paar hundert Metern, in der Haarnadelkurve bei der ÖV-Haltestelle Pizalun wurden wir beim P.654 rechts w-r-w weggewiesen. Hier beginnt das Litzitobel, welches wir links des Wildbachs entlang aufsteigend erreichten. Bei P.698 dann über eine Brücke weiter aufsteigend – über uns eine Hochspannungsleitung. In drei Kehren im lichten Hagwald war rasch eine Höhe von tausend Metern erreicht. Ab P.1005 (Abbiegung Spiger Weg, Skilift, Präschenal) wurden die Kurven serpentinenartig. In der obersten Linkskurve dann eine Fehlinformation: der Wanderwegweiser wies uns nach rechts aus der Kurve in Richtung Spig und Pizalun. Laut LK (1:20000) wäre es besser gewesen, auf der Strasse zu bleiben in Richtung Valzauda und Matteli – aber da war nichts ausgewiesen. Auf der LK war (wenigstens teilweise) ein Pfad eingezeichnet, der weiter oben von Spig herführend zum Matteli führen sollte. Für solche «Abenteuer» braucht es Ruedi’s ganze Überzeugungskunst😏. Gleich nach dem ersten Stadel hielten wir also links steil und weglos hoch, weil am Waldrand eine erste und letzte (alte?) Markierung zu erkennen war. Ab jetzt waren wir Pfadfinder. Wald, sehr steiles Gelände, keine Trittspuren, viel nasses Laub, schmierig, zum Glück noch schneefrei. GPS-unterstützt wühlten wir uns durch den Urwald, bis schliesslich nahe Matteli wieder eine Markierung leuchtete. Ab jetzt wieder normales Gelände, allerdings stellenweise schneebedeckt und deshalb rutschig. Bei P.1362 erreichten wir den Sattel, von wo der Blick auf die hundert Meter tiefer liegenden Alpen des St. Margrethenberg frei wurde. Vom Sattel rechts hoch aufsteigend bis zum etwas verborgenen Pizalun, dessen höchster Punkt mit einer langen Stahltreppe erschlossen ist. Oben angekommen, ein prächtiges 360°-Panorama – bei dieser Wetterlage besonders interessant. Auf der Plattform sind Panoramatafeln angebracht, dank derer die Orientierung über die Gipfelpracht problemlos gelingt. Und unter uns – gemeint ist im Innern des Bergs – befindet sich die Festung Furggels, das gigantische Gebirgs-Schlacht-Schiff unter den Schweizer Alpen. Auf der Plattform hielten wir es des Föns wegen nicht lange aus; die Gipfelrast musste warten. Im Abstieg begegneten wir dem heute einzigen Gleichgesinnten – eine einsame Tour also! Kurz vor dem Sattel bei P.1362 und damit genau auf der Kantonsgrenze SG/GR annektierten wir an geschützter Stelle eine Bank im (offen zugänglichen) Vorgarten einer Alphütte. Bei 13° genossen wir die mitgebrachten Leckereien, Doris auf der Sanggaller Seite, ich auf der Bündner Seite 😎.

Den weiteren Abstieg über die mit 10 cm Schnee bedeckte Lichtung hinunter zu P.1328 nahmen wir vorsichtig unter die Füsse – unter der knappen weissen Decke warteten jede Menge Kuhfladen auf eine weiche Landung. Bei P.1322 wies uns ein Schild zur nahen Jägeri und der Stefis Bergwirtschaft. Die sympathischen Gastgeber hatten sich auf einen ruhigen Tag gefreut – Tee und Nusstorte gab es allemal in der gemütlichen Stube. Draussen zu sitzen war nicht angesagt, weil das Wetter eintrübte. Von diesem schönen Flecken liefen wir zurück zum nahen Naturfreundehaus. Ab dort dann der schmierig-rutschige Abstieg – fast hätten wir die mitgebrachten Grödel montiert. Jedenfalls war der steile Abstieg zur Alphütte Prafisaschga ziemlich tricky. Nahe der Bergstation des Skilifts erreichten wir die Fahrstrasse im Boda. Nach einem kurzen Abschnitt verliessen wir den Fahrweg wieder, um über verlassene Weiden zum Ausgangspunkt Mastrils zu gelangen. Etwas nach drei Uhr wieder beim Schulhaus, waren wir froh, die stark verschmutzten Bergschuhe auszuziehen…

Fazit:
War das unsere letzte Bergwanderung in diesem Bilderbuch-Jahr? Toll war’s!

Wetterverhältnisse:
Kein T-Shirt-Wetter, sonnig und teilweise bedeckt, angenehme Temperatur ca. 8-13°, starker Fön

Hilfsmittel:
Bergwanderschuhe, Stöcke; Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 29. November 2018
Schwierigkeit: T2
Strecke: 12 km, Mastrils (Rösli, Schulhaus, 559 m) – P.654 (ÖV-Haltestelle Linkskurve Pizalun) – Litzitobel P. 698 – Hagwald P.831 – P.1005 – Linkskurve Wegweiser Ü Spig und Pizalun – vor Spig weglos durch den Wald nach W bis Matteli P.1188 – P. 1328 – P.1362 – Pizalun 1478 m – zurück bis P.1328 – P.1322 (Verzweigung) – Naturfreundehaus (1293 m) – Jägeri, Stefis Bergwirtschaft (1305 m) – P.1293 – Prafisaschga (1235 m) – Boda (960 m) – P.935 (Munter Egg) – Mastrils
Aufstieg: ca. 968 m
Abstieg: ca. 958 m
Laufzeit ohne Pausen: total ca. 4 Std.
Laufzeit mit Pausen: total ca. 6 Std.
Tageszeit: 09:15 bis 15:15 Uhr

Vom Safiental über die Alperschällilücke nach Sufers in 2 Tagen

Das anhaltend schöne Bergwetter motivierte uns zu dieser 2-Tagestour aus dem Safiental zum Hinterrhein. Die beiden Talschaften sind durch mehrere Übergänge verbunden. Einer der anspruchsvolleren ist bestimmt die Alperschällilücke – alleine schon wegen der zu überwindenden Bachrunse namens Höllgraben. In Thusis auf dem grossen Parkplatz nahe des Bahnhofs stellten wir unser Auto ab – idealer Ausgangspunkt für die Rundtour. Mit der RhB bis Reichenau, dann umsteigen und Weiterfahrt durch die spektakuläre Rheinschlucht bis Versam-Safien, anschliessend mit dem Postauto die kurvenreiche und enge Strasse durch die Schlucht der Rabiusa (die Wilde!) hoch bis Safien Platz.

Tag 1: Safien Platz – Turrahus (T2)
Nach dem Startkafi im winzigen Café gleich bei der Postautostation Safien Platz starteten wir um 11:15 Uhr auf unsere gemütliche Einlauftour – bei besten Bedingungen (ca. 10°, sonnig, leichter Föhn). Wir wählten die Strecke über den Camaner Höhenweg. Nach der Brücke über den Furrentobelbach, gleich nach den letzten Häusern des Dörfleins, wurden wir von den Wanderwegweisern auf die gewünschte Strecke gewiesen in Richtung Camanaboden. Erst führte der Wanderweg im Wald in einigen Serpentinen steil hoch, so dass rasch 200 Hm gewonnen waren. Den Wald verlassend, führte der Weg aussichtsreich über Alpwiesen. Zur linken ging der Blick in Richtung Piz Beverin und dem Glaspass. Darunter der Eingang zur sagenumwobenen Carnusaschlucht mit der etwas abseits des Dorfes stehenden Platzer Kirche. Etwas Geschichte: geplant hatten die Platzer den Standort ursprünglich näher bei den Häusern. Aber die Sage erzählt, dass die Fundamente dreimal hintereinander in der Nacht von Geistern an den Ort gebracht wurden, wo sie heute steht. So wurde sie dort gebaut und 1510 geweiht. Der Vorteil dieses Standortes ist, dass die Glocken weitherum zu hören sind. Auf einer Höhe von ca. 1650 m.ü.M. war bald der Weiler Hof erreicht, danach das Hofer Tobel und wenig später das Hütti Tobel. Nach dem Usser Wald war die etwas grössere Walsersiedlung Camanaboden (1766 m) erreicht, wo das kleine Hotel Camana Lotsch & Zuber (ein ehemaliges Schulhaus) steht; das Hotel ist geöffnet im Winter; das Beizli «dem Himmel ein Stück näher» gibt es auch in der Nähe, allerdings nur an gewissen Tagen geöffnet – heute nicht (Selbstbedienung möglich). Hier verliessen wir die Fahrstrasse; vorbei an schönen Walserhäusern, führte der Wanderweg erst nach N, um beim P.1950 wieder nach SW zu wenden. Bei P.1940 die Verzweigung zum Güner Lückli (2470 m), einem bekannten Übergang ins Val Lumnezia. Kurz davor fanden wir einen idealen Platz auf einer Bank vor einer Alphütte, mit grossartigem Überblick ins hintere Safiental und zum gegenüberliegenden Massiv des Bruschghorn. Gut gestärkt machten wir uns auf den Weiterweg bis Camaner Hütta; diese auf 1958 m liegende Siedlung war der heute höchstgelegene Punkt. Leicht absteigend, noch immer über schönste Alpen, erreichten wir den Camaner Wald und etwas weiter das Bächer Tobel (P.1831) und gleich danach die Bächer Hütta. Im folgenden Bawald war es derart dunkel, dass wir die Sonnenbrillen ablegen mussten, um etwas zu sehen. In diesem wilden (Ur-)Waldabschnitt liegen viele Felsbrocken herum, wahrscheinlich hat sich hier mal ein Felssturz ereignet. Den Wald verlassend, kam Thalkirch ins Blickfeld. Dieser Weiler befindet sich auf dem Talboden im hinteren Teil des Safientals, auf dem Gebiet der ehemaligen Gemeinde Safien, zwischen Piz Tomül und Bruschghorn. Den letzten Abschnitt (1 km) unserer Wanderung bis zum Weiler Tura legten wir auf der Fahrstrasse zurück; möglich wäre auch etwas abzusteigen, und entlang der fast ausgetrockneten Rabiusa zu laufen. Kurz vor vier Uhr erreichten wir das Ziel unserer heutigen Etappe, das Berggasthaus Turrahus, einem gemütlichen Walserhaus. Bis hierhin dürfen Autos (und Postauto) fahren. Auf der gut besuchten Terrasse genossen wir die Sonne und die Sicht zu den umliegenden, das Tal abschliessenden Hörnern (Gelbhorn, Schwarzhorn, Bodenhorn, Alperschällihorn, Wisshorn, Piz Tomül/Wissensteinhorn, Tällihorn). Auch der Übergang des folgenden Tages, die Alperschällilücke mit dem darunter liegenden Höllgraben präsentierte sich. Den Tag schlossen wir ab bei gutem Essen in der heimeligen Walserstube, im angeregten Austausch mit sympathischen Gleichgesinnten am Tisch. Die sternenklare Nacht im Zweibettzimmer war ruhig, auch wenn das alte Holzhaus eine (nicht störende) Geräuschkulisse abgab.

Tag 2: Turrahus – Alperschällilücke – Sufers (T3+)
Nach einer erholsamen Nacht und dem Hüttenfrühstück erwartete uns ein Wandertag bei Kaiserwetter – einsam durch eine fast vegetationslose Kalksteinwelt, so wie es uns gefällt. Start um 08:45, bei ca. 0° und Windstille (was sich später änderte…). Während die aufgehende Sonne schon die nahen Gipfel beleuchtete, liefen wir die etwa 2.6 km lange Talstrecke entlang der Rabiusa, vorbei am Ausgleichsbecken. Auf frostigem Grund spürten wir anfänglich die Kälte; bald erreichten wir aber Betriebstemperatur. Kurz nach Althus, bei Piggamad (1802 m) wurden wir vom Wegweiser nach Osten (weiss-rot-weiss) gewiesen; geradeaus in Richtung Safierberg, dem Übergang nach Splügen. Jetzt begann es steil zu werden, anfänglich über Weideland, später auf vorgezeichnetem Pfad über eine steile Grashalde bis zur von weitem sichtbaren Hütte (P.2032). Der Weiterweg hinter der Hütte verläuft vorerst über einen nicht ausgeprägten Grat, nach etwa 300 dann in einer Richtungsänderung (nach SO) über (zum Glück trockene) Steilgrashänge und über ein paar grosse Steine und kleine Bachrunsen. Zwar wenig ausgesetzt, wäre hier stolpern fatal. Nach dem Queren einer ersten Bachrunse standen wir nun mitten im Höllgraben; irgendwo über uns die Lücke. Noch immer im Schatten, wurde das «Gehgelände» zunehmend schuttiger und rutschiger. Die ersten Sonnenstrahlen erreichten uns auf etwa 2350 m und damit bot sich die Gelegenheit für eine Trinkpause auf einem besonders schönen Buckel. Vor uns (über uns!) die «pièce de résistance», wie Doris meinte; Recht sollte sie haben. Es folgte ein Abschnitt meist ohne deutliche Wegspuren, aber immerhin markiert. Der Aufstieg oft senkrecht im Geröll des Tobels, dann wieder über schmale Querungen, und weiter in der nunmehr nassen Bachrunse. Kurz unterhalb des Ausstiegs präsentierte sich der Höllgraben in (höllisch) abweisender Form: Fels, Schutt, Wasser. Ein Durchgang war nicht zu erkennen; auf der Suche nach der nächsten Markierung vortastend war dann doch noch ein Durchschlupf zu erkennen; in steilstem Gelände war ein Fels zu «umrunden», dann noch wenige Tritte durch Blocks. Geschafft! Ab jetzt die Sonne im Gesicht! Vor uns das kleine Seelein, hinter uns der Tiefblick ins Safiental – was für ein Kontrastprogramm! Zeit für eine Verschnaufpause und ein Gedankenaustausch mit zwei folgenden Paaren. Schön auch, dass sich über den Pizzas d’Anarosa ein Steinadler zeigte – leider zu weit weg für ein gutes Föteli. Hinter dem Seelein dann die Verzweigung bei P.2454; links wäre der Übergang Farcletta digl Lai Grand (2661 m) zur Alp Anarosa und weiter in Richtung Wergenstein und Andeer. Wir hielten geradeaus in südöstlicher Richtung zum noch einen Kilometer vor uns liegenden Übergang. Gleich hinter dem Seelein war ein Blockgletscher im Weg, dessen «Mauer» wir auf sehr schwach ausgeprägter Spur fast schon direkt bestiegen – gut, dass der Untergrund gefroren war. Im oberhalb folgenden Blockgelände verlangsamte sich das Schritttempo; ein Sturz im messerscharf-kantigen Kalkfels hätte unangenehme Folgen. Bald beruhigte sich das Gelände wieder, und schon war die Alperschällilücke erreicht. Zur linken die scharfzackigen, schönen Kalkriesen namens Pizzas d’Anarosa (3002 m) – welch schönklingender Name (auch Grauhörner genannt), zur rechten das Alperschällihorn (3039 m). Und geradeaus die Kulisse mit Sicht bis zum mehr als 50 km entfernten Festsaal der Alpen (Piz Bernina). Auf der Lücke wehte ein starker Südwind mit Böen um 30 km/h, mit einer gefühlten Temperatur im Nullgradbereich. Also zogen wir weiter, in der Hoffnung, etwas unterhalb ein windschattiges Rastplätzchen zu finden. Kurz vor der Steilstufe zur Steileralp hinunter genossen wir unsere Leckereien auf eine Höhe von 2500 m. Fast hätten wir eine Siesta gewagt, aber wir wurden ziemlich aufgeschreckt durch einen fast lautlos bergwärts stürmenden Biker (die Maschine gebuckelt). Gefragt nach dem Weiterweg, meinte er durch den Höllgraben runter fahren zu wollen; wir äusserten unsere schweren Bedenken – hoffentlich ist er gesund angekommen im Safiental. Nahe dem Steilerbach war nun die erwähnte Steilstufe zu meistern. Unterhalb der Steilstufe bei P.2321 überquerten wir den Steilerbach, um fortan auf dessen rechts liegender Seite abzusteigen. Bei P.1991 nochmals eine Stufe, darunter liegend die Unter Steila, wo sich das Gelände erst verflachte, um dann erneut steiler zu werden. Nachdem das Gelände bisher ziemlich vegetationslos war, erreichten wir wieder Alp- und Waldgelände. Und Gold fanden wir auch: Lärchengold! Bei P.1770 nahe einer Hütte meldete unser Bordsystem, dass vor uns noch etwa eine Wegstunde lag. Das Postauto in Sufers würden wir also bequem erreichen. Nach einer Spitzkehre im Oberhofwald wurden wir überrascht von einer aussichtsreichen und sonnig gelegenen Bankniederlassung. Ideal, um unseren mittlerweile doch etwas ermatteten Gliedern etwas Ruhe zu gönnen. Beste Aussicht auf das Dorf Sufers, den Sufersersee und die A13 mit ihrer Geräuschkulisse. Nach dieser Pause erreichten wir das hundert Hm weiter unten liegende Dorf in zwanzig Minuten. Die Postautohaltestelle liegt direkt an der Autostrasse; die Zeit bis zum Eintreffen des Postautos nutzten wir für einen Kleiderwechsel im Schutzhäuschen. Denn zum Abschluss erwartete uns im Campell in Sils i. D. ein ausgezeichnetes (wildes) Abendessen. Und wir hatten Glück; genau zwei Plätze waren noch zu haben…

Wetterverhältnisse:
An beiden Tagen sehr sonnig ohne nennenswerte Bewölkung, 0 bis 14°, nicht störender Föhn mit Böen bis 30 km/h.

Hilfsmittel:
Stöcke, Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 12./13. Oktober 2018
Schwierigkeiten: 1. Tag T2, 2. Tag T3+ (Höllgraben)
Strecke: 26 km, 1. Tag (12 km) Safien Platz (1315 m) – Camanaboden (1766 m) – Camana Hütta (1958 m) – Thalkirch – Tura (1694 m); 2. Tag (16 km) Tura – Ausgleichsbecken (P.1725) – Piggamad (1802 m) – P.2032 – Höllgraben (P.2427) – P.2454 – Alperschällilücke (2614 m) – Steileralp (P.2321) – P.2013 – Unter Steila (P.1772) – Steilerwald – P.1700 – Sufers (1428 m)
Aufstieg: 1. Tag ca. 750 m, 2. Tag 970 m, total ca. 1720 m
Abstieg: 1. Tag ca. -360 m, 2. Tag ca. -1240 m, total ca. -1600 m
Laufzeit ohne Pausen: 1. Tag ca. 3 Std. 20 Min., 2. Tag ca. 5 Std., total ca. 8 Std. 20 Min.
Laufzeit mit Pausen: 1. Tag ca. 4 Std. 30 Min., 2. Tag ca. 8 Std. 40 Min., total ca. 13 Std. 10 Min.

Piz Nair 3055 m

Für heute war eigentlich die Tour auf den Piz Julier geplant. Doch daraus wurde leider nichts. Zu unsicher die Wettervorhersagen; für die Besteigung benötigten wir je nach Ausgangspunkt ca. 8 bis 10 Stunden, davon 3 Stunden im Klettersteig (Fuorcla Albana – Senda Enferrada und zurück). Gewitter sind an diesem Berg sehr gefährlich, also Vertagung! Ersatz war rasch gefunden: Piz Nair ab Corviglia, Abstieg über Pass Suvretta nach Champfèr. Das war ausgesprochen lohnend – und unterwegs haben wir gestaunt wie selten. Doch mehr darüber später…

Etwas früher als an den Vortagen starteten wir mit einer der ersten Bergfahrten ab St. Moritz mit der Standseilbahn nach Corviglia. Dort steht die Quattro-Bar provozierend im Gelände – gerade richtig für einen Startkafi. Um 09:20 Uhr dann der Start ab Corviglia-Industriezone auf bestens markierter Wanderstrasse hoch zur Alpinahütte. An dieser vorbei in Richtung Bergstationen von drei Wintersport-Transportanlagen. Und vorbei auch an der einzigen Stütze der Schwebebahn zum Piz Nair. Dort werden im Winter die Skiweltcupabfahrer rausgekippt und über ein paar dutzend Treppentritte zum spektakulär gelegenen Startpunkt getrieben – der Name dieser Plattform selbsterklärend: Freier Fall (Starthang 150 m Länge, 45 % Gefälle). Nein, hier haben wir (noch) nicht gestaunt – da bekannt vom TV. 200 Meter weiter dann die Verzweigung, wo das Fussvolk in die steile Wand gewiesen wird. Direkt unter der Schwebebahn stiegen wir hoch – ziemlich schweisstreibend. Vermutlich haben uns die Bahntouristen für Verrückte gehalten, jedenfalls winkten sie uns ganz verzweifelt zu. Na ja, wir winkten zurück, mit einer Hand nur, die andere benötigten wir um zu balancieren. Die Strecke bis zum Grat (P.2911) ist übrigens nirgends wirklich ausgesetzt, dafür aber ziemlich steil und rutschig. Auf dem Grat wird der Blick frei ins Valleta Schlattain, wo von der Fuorcla gleichen Namens «schwarz» abgefahren wird. Jetzt nur noch ein paar Tritte Aufstieg über felsige Stufen, und schon wurden wir von den Touris empfangen. Noch rasch die paar Höhenmeter zum Gipfel und ebenso rasch wieder runter – die Aussicht hier oben ist wirklich sehenswert, das viele Volk weniger. Wie auch immer: vor dem Gebäudekomplex steht Gian (oder ist es Giacen?), der musste unbedingt handygrafiert werden. Doch der hatte nur Augen für Frau Berahmi (siehe Bilder). Noch etwas anderes verursachte unser Stirnrunzeln: haben die dort oben unsere Aufstiegsroute doch tatsächlich für talwärts fahrende Velofahrer gesperrt – ein Rätsel!

Lange hielten wir es hier oben nicht aus – genauer gesagt für einen kurzen WC-Halt reichte es. Der Abstieg auf der roten Piste über die Errosions-Landschaft bis zum Lej da la Pêsch hinunter dauerte etwa dreissig Minuten. Unterwegs dünnte sich die Wanderschaft aus. In der Beiz war tote Hose, was man während der Skisaison nicht behaupten darf. Wir zogen oberhalb der Anlagen über zwei Kurven zum Pass Suvretta hinunter. Dort unten waren wir die einzigen Fussgänger. E-Biker dominierten die Szene, alle wählten die Abfahrt ins Val Bever hinunter. Gut für uns! Entlang dem schön gelegenen Suvretta-Seelein wanderten wir gemütlich und wenig steil der Ova da Suvretta entlang talwärts. Unterwegs wurden wir immer ehrfurchtsvoller: über uns der Granitkoloss namens Piz Julier, vor uns – ja was ist denn das? Staunend stehen wir bei Chaschigna unmittelbar vor einem Blockgletscher monumentaler Grösse – sowas haben wir bislang noch nicht gesehen (vielleicht mit Ausnahme des desjenigen im Val Muragl). Dazu schreibt Fredy Joss in der aktuellen Ausgabe der SAC-Zeitschrift ALPEN (08.2018) folgendes:

Bei Chaschigna, gleich neben dem Bergweg, baut sich eine Wand aus Geröll auf. Die Wand scheint langsam vorzurücken, denn offensichtlich wurde der Pfad schon mal überrollt und musste wieder neu ausgetreten werden. Ein aktiver Blockgletscher! Und einer, den man wortwörtlich hautnah erleben kann. Blockgletscher sind ein Hinweis auf Permafrost. Sie bilden sich aus Felsschutt, der im Innern von Eis zusammengehalten wird, und fliessen wie die «richtigen» Gletscher zu Tale, nur etwa hundertmal langsamer. Im Gegensatz dazu fliessen inaktive – man sagt auch fossile – Blockgletscher nicht mehr, flachen ab und sind oft schon von Pflanzen bewachsen.

Alleine schon dieser Blockgletscher war sehenswert und alleine deshalb hätte sich diese spannende Tour gelohnt. Im weiteren Verlauf des Abstiegs hielten wir bei der Abzweigung nach Randolins und zur Bergstation der Signalbahn geradeaus, um weiter entlang des Wildwassers abzusteigen. Während sich der Himmel schwärzte – so wie wir das von den Vortagen gewohnt waren – hofften wir trocken nach Champfèr hinunter zu kommen. Ab Futschöls führte der sehr gut unterhaltene Pfad durch den God Foppettas hinunter, mehr oder weniger steil. Kurz vor den ersten Häusern Champfèrs die ersten Tropfen, die uns aber nichts anhaben konnten. Nach ein paar Minuten Wartezeit bestiegen wir den Bus nach Pontresina.

Fazit:
Eine wie schon an den Vortagen der Witterung angepasste, jedoch ziemlich lange Gipfeltour auf einen von Touris stark frequentierten 3000er – weil dort halt eine Bahn hochfährt…

Hilfsmittel:
Stöcke, feste Bergschuhe, Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 21. August 2018
Anforderung: T3
Strecke: 12 km, Corviglia Bergststation (2486 m) – Alpinahütte (2565 m) – Munt da San Murezzan – P.2821 – P.2911 – Piz Nair Bergstation (3022 m) – Piz Nair (3056 m) – Lej da la Pêsch – Pass Suvretta (2615 m) – Lej Suvretta (2602 m) – P.2503 – P.2412 – Chaschigna P.2311 (Verzweigung zur Fuorcla Albana) – Blockgletscher – P.2148 – Futschöls (P.2012) – God Foppettas – Champfèr (Post)
Aufstieg: ca. 575 m
Abstieg: ca. -1220 m
Laufzeit ohne Pausen: ca. 3 Std. 45 Min.
Laufzeit mit Pausen: ca. 4 Std. 50 Min.