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Vom Safiental über die Alperschällilücke nach Sufers in 2 Tagen

Das anhaltend schöne Bergwetter motivierte uns zu dieser 2-Tagestour aus dem Safiental zum Hinterrhein. Die beiden Talschaften sind durch mehrere Übergänge verbunden. Einer der anspruchsvolleren ist bestimmt die Alperschällilücke – alleine schon wegen der zu überwindenden Bachrunse namens Höllgraben. In Thusis auf dem grossen Parkplatz nahe des Bahnhofs stellten wir unser Auto ab – idealer Ausgangspunkt für die Rundtour. Mit der RhB bis Reichenau, dann umsteigen und Weiterfahrt durch die spektakuläre Rheinschlucht bis Versam-Safien, anschliessend mit dem Postauto die kurvenreiche und enge Strasse durch die Schlucht der Rabiusa (die Wilde!) hoch bis Safien Platz.

Tag 1: Safien Platz – Turrahus (T2)
Nach dem Startkafi im winzigen Café gleich bei der Postautostation Safien Platz starteten wir um 11:15 Uhr auf unsere gemütliche Einlauftour – bei besten Bedingungen (ca. 10°, sonnig, leichter Föhn). Wir wählten die Strecke über den Camaner Höhenweg. Nach der Brücke über den Furrentobelbach, gleich nach den letzten Häusern des Dörfleins, wurden wir von den Wanderwegweisern auf die gewünschte Strecke gewiesen in Richtung Camanaboden. Erst führte der Wanderweg im Wald in einigen Serpentinen steil hoch, so dass rasch 200 Hm gewonnen waren. Den Wald verlassend, führte der Weg aussichtsreich über Alpwiesen. Zur linken ging der Blick in Richtung Piz Beverin und dem Glaspass. Darunter der Eingang zur sagenumwobenen Carnusaschlucht mit der etwas abseits des Dorfes stehenden Platzer Kirche. Etwas Geschichte: geplant hatten die Platzer den Standort ursprünglich näher bei den Häusern. Aber die Sage erzählt, dass die Fundamente dreimal hintereinander in der Nacht von Geistern an den Ort gebracht wurden, wo sie heute steht. So wurde sie dort gebaut und 1510 geweiht. Der Vorteil dieses Standortes ist, dass die Glocken weitherum zu hören sind. Auf einer Höhe von ca. 1650 m.ü.M. war bald der Weiler Hof erreicht, danach das Hofer Tobel und wenig später das Hütti Tobel. Nach dem Usser Wald war die etwas grössere Walsersiedlung Camanaboden (1766 m) erreicht, wo das kleine Hotel Camana Lotsch & Zuber (ein ehemaliges Schulhaus) steht; das Hotel ist geöffnet im Winter; das Beizli «dem Himmel ein Stück näher» gibt es auch in der Nähe, allerdings nur an gewissen Tagen geöffnet – heute nicht (Selbstbedienung möglich). Hier verliessen wir die Fahrstrasse; vorbei an schönen Walserhäusern, führte der Wanderweg erst nach N, um beim P.1950 wieder nach SW zu wenden. Bei P.1940 die Verzweigung zum Güner Lückli (2470 m), einem bekannten Übergang ins Val Lumnezia. Kurz davor fanden wir einen idealen Platz auf einer Bank vor einer Alphütte, mit grossartigem Überblick ins hintere Safiental und zum gegenüberliegenden Massiv des Bruschghorn. Gut gestärkt machten wir uns auf den Weiterweg bis Camaner Hütta; diese auf 1958 m liegende Siedlung war der heute höchstgelegene Punkt. Leicht absteigend, noch immer über schönste Alpen, erreichten wir den Camaner Wald und etwas weiter das Bächer Tobel (P.1831) und gleich danach die Bächer Hütta. Im folgenden Bawald war es derart dunkel, dass wir die Sonnenbrillen ablegen mussten, um etwas zu sehen. In diesem wilden (Ur-)Waldabschnitt liegen viele Felsbrocken herum, wahrscheinlich hat sich hier mal ein Felssturz ereignet. Den Wald verlassend, kam Thalkirch ins Blickfeld. Dieser Weiler befindet sich auf dem Talboden im hinteren Teil des Safientals, auf dem Gebiet der ehemaligen Gemeinde Safien, zwischen Piz Tomül und Bruschghorn. Den letzten Abschnitt (1 km) unserer Wanderung bis zum Weiler Tura legten wir auf der Fahrstrasse zurück; möglich wäre auch etwas abzusteigen, und entlang der fast ausgetrockneten Rabiusa zu laufen. Kurz vor vier Uhr erreichten wir das Ziel unserer heutigen Etappe, das Berggasthaus Turrahus, einem gemütlichen Walserhaus. Bis hierhin dürfen Autos (und Postauto) fahren. Auf der gut besuchten Terrasse genossen wir die Sonne und die Sicht zu den umliegenden, das Tal abschliessenden Hörnern (Gelbhorn, Schwarzhorn, Bodenhorn, Alperschällihorn, Wisshorn, Piz Tomül/Wissensteinhorn, Tällihorn). Auch der Übergang des folgenden Tages, die Alperschällilücke mit dem darunter liegenden Höllgraben präsentierte sich. Den Tag schlossen wir ab bei gutem Essen in der heimeligen Walserstube, im angeregten Austausch mit sympathischen Gleichgesinnten am Tisch. Die sternenklare Nacht im Zweibettzimmer war ruhig, auch wenn das alte Holzhaus eine (nicht störende) Geräuschkulisse abgab.

Tag 2: Turrahus – Alperschällilücke – Sufers (T3+)
Nach einer erholsamen Nacht und dem Hüttenfrühstück erwartete uns ein Wandertag bei Kaiserwetter – einsam durch eine fast vegetationslose Kalksteinwelt, so wie es uns gefällt. Start um 08:45, bei ca. 0° und Windstille (was sich später änderte…). Während die aufgehende Sonne schon die nahen Gipfel beleuchtete, liefen wir die etwa 2.6 km lange Talstrecke entlang der Rabiusa, vorbei am Ausgleichsbecken. Auf frostigem Grund spürten wir anfänglich die Kälte; bald erreichten wir aber Betriebstemperatur. Kurz nach Althus, bei Piggamad (1802 m) wurden wir vom Wegweiser nach Osten (weiss-rot-weiss) gewiesen; geradeaus in Richtung Safierberg, dem Übergang nach Splügen. Jetzt begann es steil zu werden, anfänglich über Weideland, später auf vorgezeichnetem Pfad über eine steile Grashalde bis zur von weitem sichtbaren Hütte (P.2032). Der Weiterweg hinter der Hütte verläuft vorerst über einen nicht ausgeprägten Grat, nach etwa 300 dann in einer Richtungsänderung (nach SO) über (zum Glück trockene) Steilgrashänge und über ein paar grosse Steine und kleine Bachrunsen. Zwar wenig ausgesetzt, wäre hier stolpern fatal. Nach dem Queren einer ersten Bachrunse standen wir nun mitten im Höllgraben; irgendwo über uns die Lücke. Noch immer im Schatten, wurde das «Gehgelände» zunehmend schuttiger und rutschiger. Die ersten Sonnenstrahlen erreichten uns auf etwa 2350 m und damit bot sich die Gelegenheit für eine Trinkpause auf einem besonders schönen Buckel. Vor uns (über uns!) die «pièce de résistance», wie Doris meinte; Recht sollte sie haben. Es folgte ein Abschnitt meist ohne deutliche Wegspuren, aber immerhin markiert. Der Aufstieg oft senkrecht im Geröll des Tobels, dann wieder über schmale Querungen, und weiter in der nunmehr nassen Bachrunse. Kurz unterhalb des Ausstiegs präsentierte sich der Höllgraben in (höllisch) abweisender Form: Fels, Schutt, Wasser. Ein Durchgang war nicht zu erkennen; auf der Suche nach der nächsten Markierung vortastend war dann doch noch ein Durchschlupf zu erkennen; in steilstem Gelände war ein Fels zu «umrunden», dann noch wenige Tritte durch Blocks. Geschafft! Ab jetzt die Sonne im Gesicht! Vor uns das kleine Seelein, hinter uns der Tiefblick ins Safiental – was für ein Kontrastprogramm! Zeit für eine Verschnaufpause und ein Gedankenaustausch mit zwei folgenden Paaren. Schön auch, dass sich über den Pizzas d’Anarosa ein Steinadler zeigte – leider zu weit weg für ein gutes Föteli. Hinter dem Seelein dann die Verzweigung bei P.2454; links wäre der Übergang Farcletta digl Lai Grand (2661 m) zur Alp Anarosa und weiter in Richtung Wergenstein und Andeer. Wir hielten geradeaus in südöstlicher Richtung zum noch einen Kilometer vor uns liegenden Übergang. Gleich hinter dem Seelein war ein Blockgletscher im Weg, dessen «Mauer» wir auf sehr schwach ausgeprägter Spur fast schon direkt bestiegen – gut, dass der Untergrund gefroren war. Im oberhalb folgenden Blockgelände verlangsamte sich das Schritttempo; ein Sturz im messerscharf-kantigen Kalkfels hätte unangenehme Folgen. Bald beruhigte sich das Gelände wieder, und schon war die Alperschällilücke erreicht. Zur linken die scharfzackigen, schönen Kalkriesen namens Pizzas d’Anarosa (3002 m) – welch schönklingender Name (auch Grauhörner genannt), zur rechten das Alperschällihorn (3039 m). Und geradeaus die Kulisse mit Sicht bis zum mehr als 50 km entfernten Festsaal der Alpen (Piz Bernina). Auf der Lücke wehte ein starker Südwind mit Böen um 30 km/h, mit einer gefühlten Temperatur im Nullgradbereich. Also zogen wir weiter, in der Hoffnung, etwas unterhalb ein windschattiges Rastplätzchen zu finden. Kurz vor der Steilstufe zur Steileralp hinunter genossen wir unsere Leckereien auf eine Höhe von 2500 m. Fast hätten wir eine Siesta gewagt, aber wir wurden ziemlich aufgeschreckt durch einen fast lautlos bergwärts stürmenden Biker (die Maschine gebuckelt). Gefragt nach dem Weiterweg, meinte er durch den Höllgraben runter fahren zu wollen; wir äusserten unsere schweren Bedenken – hoffentlich ist er gesund angekommen im Safiental. Nahe dem Steilerbach war nun die erwähnte Steilstufe zu meistern. Unterhalb der Steilstufe bei P.2321 überquerten wir den Steilerbach, um fortan auf dessen rechts liegender Seite abzusteigen. Bei P.1991 nochmals eine Stufe, darunter liegend die Unter Steila, wo sich das Gelände erst verflachte, um dann erneut steiler zu werden. Nachdem das Gelände bisher ziemlich vegetationslos war, erreichten wir wieder Alp- und Waldgelände. Und Gold fanden wir auch: Lärchengold! Bei P.1770 nahe einer Hütte meldete unser Bordsystem, dass vor uns noch etwa eine Wegstunde lag. Das Postauto in Sufers würden wir also bequem erreichen. Nach einer Spitzkehre im Oberhofwald wurden wir überrascht von einer aussichtsreichen und sonnig gelegenen Bankniederlassung. Ideal, um unseren mittlerweile doch etwas ermatteten Gliedern etwas Ruhe zu gönnen. Beste Aussicht auf das Dorf Sufers, den Sufersersee und die A13 mit ihrer Geräuschkulisse. Nach dieser Pause erreichten wir das hundert Hm weiter unten liegende Dorf in zwanzig Minuten. Die Postautohaltestelle liegt direkt an der Autostrasse; die Zeit bis zum Eintreffen des Postautos nutzten wir für einen Kleiderwechsel im Schutzhäuschen. Denn zum Abschluss erwartete uns im Campell in Sils i. D. ein ausgezeichnetes (wildes) Abendessen. Und wir hatten Glück; genau zwei Plätze waren noch zu haben…

Wetterverhältnisse:
An beiden Tagen sehr sonnig ohne nennenswerte Bewölkung, 0 bis 14°, nicht störender Föhn mit Böen bis 30 km/h.

Hilfsmittel:
Stöcke, Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 12./13. Oktober 2018
Schwierigkeiten: 1. Tag T2, 2. Tag T3+ (Höllgraben)
Strecke: 26 km, 1. Tag (12 km) Safien Platz (1315 m) – Camanaboden (1766 m) – Camana Hütta (1958 m) – Thalkirch – Tura (1694 m); 2. Tag (16 km) Tura – Ausgleichsbecken (P.1725) – Piggamad (1802 m) – P.2032 – Höllgraben (P.2427) – P.2454 – Alperschällilücke (2614 m) – Steileralp (P.2321) – P.2013 – Unter Steila (P.1772) – Steilerwald – P.1700 – Sufers (1428 m)
Aufstieg: 1. Tag ca. 750 m, 2. Tag 970 m, total ca. 1720 m
Abstieg: 1. Tag ca. -360 m, 2. Tag ca. -1240 m, total ca. -1600 m
Laufzeit ohne Pausen: 1. Tag ca. 3 Std. 20 Min., 2. Tag ca. 5 Std., total ca. 8 Std. 20 Min.
Laufzeit mit Pausen: 1. Tag ca. 4 Std. 30 Min., 2. Tag ca. 8 Std. 40 Min., total ca. 13 Std. 10 Min.

Piz Nair 3055 m

Für heute war eigentlich die Tour auf den Piz Julier geplant. Doch daraus wurde leider nichts. Zu unsicher die Wettervorhersagen; für die Besteigung benötigten wir je nach Ausgangspunkt ca. 8 bis 10 Stunden, davon 3 Stunden im Klettersteig (Fuorcla Albana – Senda Enferrada und zurück). Gewitter sind an diesem Berg sehr gefährlich, also Vertagung! Ersatz war rasch gefunden: Piz Nair ab Corviglia, Abstieg über Pass Suvretta nach Champfèr. Das war ausgesprochen lohnend – und unterwegs haben wir gestaunt wie selten. Doch mehr darüber später…

Etwas früher als an den Vortagen starteten wir mit einer der ersten Bergfahrten ab St. Moritz mit der Standseilbahn nach Corviglia. Dort steht die Quattro-Bar provozierend im Gelände – gerade richtig für einen Startkafi. Um 09:20 Uhr dann der Start ab Corviglia-Industriezone auf bestens markierter Wanderstrasse hoch zur Alpinahütte. An dieser vorbei in Richtung Bergstationen von drei Wintersport-Transportanlagen. Und vorbei auch an der einzigen Stütze der Schwebebahn zum Piz Nair. Dort werden im Winter die Skiweltcupabfahrer rausgekippt und über ein paar dutzend Treppentritte zum spektakulär gelegenen Startpunkt getrieben – der Name dieser Plattform selbsterklärend: Freier Fall (Starthang 150 m Länge, 45 % Gefälle). Nein, hier haben wir (noch) nicht gestaunt – da bekannt vom TV. 200 Meter weiter dann die Verzweigung, wo das Fussvolk in die steile Wand gewiesen wird. Direkt unter der Schwebebahn stiegen wir hoch – ziemlich schweisstreibend. Vermutlich haben uns die Bahntouristen für Verrückte gehalten, jedenfalls winkten sie uns ganz verzweifelt zu. Na ja, wir winkten zurück, mit einer Hand nur, die andere benötigten wir um zu balancieren. Die Strecke bis zum Grat (P.2911) ist übrigens nirgends wirklich ausgesetzt, dafür aber ziemlich steil und rutschig. Auf dem Grat wird der Blick frei ins Valleta Schlattain, wo von der Fuorcla gleichen Namens «schwarz» abgefahren wird. Jetzt nur noch ein paar Tritte Aufstieg über felsige Stufen, und schon wurden wir von den Touris empfangen. Noch rasch die paar Höhenmeter zum Gipfel und ebenso rasch wieder runter – die Aussicht hier oben ist wirklich sehenswert, das viele Volk weniger. Wie auch immer: vor dem Gebäudekomplex steht Gian (oder ist es Giacen?), der musste unbedingt handygrafiert werden. Doch der hatte nur Augen für Frau Berahmi (siehe Bilder). Noch etwas anderes verursachte unser Stirnrunzeln: haben die dort oben unsere Aufstiegsroute doch tatsächlich für talwärts fahrende Velofahrer gesperrt – ein Rätsel!

Lange hielten wir es hier oben nicht aus – genauer gesagt für einen kurzen WC-Halt reichte es. Der Abstieg auf der roten Piste über die Errosions-Landschaft bis zum Lej da la Pêsch hinunter dauerte etwa dreissig Minuten. Unterwegs dünnte sich die Wanderschaft aus. In der Beiz war tote Hose, was man während der Skisaison nicht behaupten darf. Wir zogen oberhalb der Anlagen über zwei Kurven zum Pass Suvretta hinunter. Dort unten waren wir die einzigen Fussgänger. E-Biker dominierten die Szene, alle wählten die Abfahrt ins Val Bever hinunter. Gut für uns! Entlang dem schön gelegenen Suvretta-Seelein wanderten wir gemütlich und wenig steil der Ova da Suvretta entlang talwärts. Unterwegs wurden wir immer ehrfurchtsvoller: über uns der Granitkoloss namens Piz Julier, vor uns – ja was ist denn das? Staunend stehen wir bei Chaschigna unmittelbar vor einem Blockgletscher monumentaler Grösse – sowas haben wir bislang noch nicht gesehen (vielleicht mit Ausnahme des desjenigen im Val Muragl). Dazu schreibt Fredy Joss in der aktuellen Ausgabe der SAC-Zeitschrift ALPEN (08.2018) folgendes:

Bei Chaschigna, gleich neben dem Bergweg, baut sich eine Wand aus Geröll auf. Die Wand scheint langsam vorzurücken, denn offensichtlich wurde der Pfad schon mal überrollt und musste wieder neu ausgetreten werden. Ein aktiver Blockgletscher! Und einer, den man wortwörtlich hautnah erleben kann. Blockgletscher sind ein Hinweis auf Permafrost. Sie bilden sich aus Felsschutt, der im Innern von Eis zusammengehalten wird, und fliessen wie die «richtigen» Gletscher zu Tale, nur etwa hundertmal langsamer. Im Gegensatz dazu fliessen inaktive – man sagt auch fossile – Blockgletscher nicht mehr, flachen ab und sind oft schon von Pflanzen bewachsen.

Alleine schon dieser Blockgletscher war sehenswert und alleine deshalb hätte sich diese spannende Tour gelohnt. Im weiteren Verlauf des Abstiegs hielten wir bei der Abzweigung nach Randolins und zur Bergstation der Signalbahn geradeaus, um weiter entlang des Wildwassers abzusteigen. Während sich der Himmel schwärzte – so wie wir das von den Vortagen gewohnt waren – hofften wir trocken nach Champfèr hinunter zu kommen. Ab Futschöls führte der sehr gut unterhaltene Pfad durch den God Foppettas hinunter, mehr oder weniger steil. Kurz vor den ersten Häusern Champfèrs die ersten Tropfen, die uns aber nichts anhaben konnten. Nach ein paar Minuten Wartezeit bestiegen wir den Bus nach Pontresina.

Fazit:
Eine wie schon an den Vortagen der Witterung angepasste, jedoch ziemlich lange Gipfeltour auf einen von Touris stark frequentierten 3000er – weil dort halt eine Bahn hochfährt…

Hilfsmittel:
Stöcke, feste Bergschuhe, Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 21. August 2018
Anforderung: T3
Strecke: 12 km, Corviglia Bergststation (2486 m) – Alpinahütte (2565 m) – Munt da San Murezzan – P.2821 – P.2911 – Piz Nair Bergstation (3022 m) – Piz Nair (3056 m) – Lej da la Pêsch – Pass Suvretta (2615 m) – Lej Suvretta (2602 m) – P.2503 – P.2412 – Chaschigna P.2311 (Verzweigung zur Fuorcla Albana) – Blockgletscher – P.2148 – Futschöls (P.2012) – God Foppettas – Champfèr (Post)
Aufstieg: ca. 575 m
Abstieg: ca. -1220 m
Laufzeit ohne Pausen: ca. 3 Std. 45 Min.
Laufzeit mit Pausen: ca. 4 Std. 50 Min.

Piz Umbrail 3032 m ab Pass Umbrail

Heute wollten wir eine (Rund-)Fahrt unternehmen in und durch den Nationalpark, und dabei auf die schnelle die Besteigung eines beliebten und einfach zu erreichenden 3000ers, dem Piz Umbrail, unternehmen. Startpunkt war die Passhöhe Umbrail auf 2501 m.ü.M. Gleich beim Gebäude der ehemaligen Zollstation beginnt der Aufstieg. Der Weg ist durchgehend markiert (weiss-rot-weiss), verläuft nahe der Grenze zu Italien, auf den letzten Metern zum Gipfel genau auf der Grenze. Bis auf eine Höhe von ca. 2700 m.ü.M. wählten wir den etwas steileren Aufstieg nahe der Landesgrenze. Spätestens dort, wo der Weg vom Alpgelände in eine geröllige Querung übergeht, ist gutes Schuhwerk definitiv gefragt. Wir erwähnen das deshalb, weil wir heute auch anderes gesehen haben (junge Leute unterwegs mit Slicks, siehe Bilder). In der Querung wird der Gipfelaufbau östlich umgangen um dann in einen etwas schwierigeren Steig zu münden. Berggängern mit mangelnder Trittsicherheit und/oder ungenügender Schwindelfreiheit bieten die montierten Ketten willkommene Unterstützung. Kurz unter dem Gipfel wird die Landesgrenze erreicht und der Blick wird frei zum Stilfserjoch und zum massigen Ortler (3905 m). Auf dem Gipfel dann – trotz starker Bewölkung – ein famoses 360°-Panorama. Angenehme Temperatur (ca. 15°) und Windstille motivierten uns zur längeren Gipfelrast. Sogar ein Biker hat sein Gerät hochgetragen(!), um auf ihm dann im Val dal Lai – Lai da Rims – Val Vau nach Sta. Maria oder Valchava abzufahren. Nichts für uns! Wir nahmen für den Abstieg die bekannte Aufstiegsroute, ab etwa 2700 m in der Variante über P.2586. Auf der gesamten Strecke begegneten wir spektakulären Zeugen des 1. Weltkrieges (1914-1918), dessen Ende sich in diesem Jahr zum hundertsten Mal jährt: zerfallene Stellungen mit entsprechenden Infotafeln über die Grenzbefestigung; weitere Informationen hier. Zurück auf dem Pass wurden wir wie schon gestern von ersten Tropfen begrüsst – nichts Ernsthaftes…

Fazit:
Eine der Witterung angepasste sehr kurze Tour auf einen beliebten 3000er und damit verbunden eine attraktive Rundfahrt (Pontresina – Zernez – Ofenpass – Pass Umbrail – Bormio – Livigno – Forcola di Livigno – Berninapass – Pontresina).

Hilfsmittel:
Stöcke, feste Bergschuhe, Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 20. August 2018
Anforderung: T3
Strecke: 5.8 km, Pass Umbrail – P.2722 – Piz Umbrail – Abstieg mit leichter Korrektur wie Aufstieg (via P.2586)
Aufstieg: ca. 534 m
Abstieg: ca. -524 m
Laufzeit ohne Pausen: ca. 2 Std. 05 Min.
Laufzeit mit Pausen: ca. 2 Std. 45 Min.

Piz Padella 2857 m

Am ersten Tag unserer Wandertage im Oberengadin war eine Tour angesagt, die in der Mitte des Nachmittags enden sollte – der vorausgesagten Gewittertendenz wegen. Der Hausberg von Samedan sollte es sein, Piz Padella (2857 m). Nach der Bergfahrt mit der Gondelbahn Celerina-Marguns waren die ersten 540 Hm rasch und elegant vernichtet. Um zehn Uhr dann der Start ab Bergstation Marguns (2276 m) – das Gebiet kannten wir schon vom Skifahren. Gleich unterhalb der Station ist der WW weiss-rot-weiss markiert und führt leicht ansteigend in Richtung Munt da-la-Bês-cha. Im Gegensatz zum Unterland waren die Wiesen hier oben noch grün, was daran liegen mag, dass es in den vergangenen Tagen (nach Aussagen Einheimischer) täglich ein Regengüsschen gab. Nahe bei P.2489 hielten wir links und verliessen das Alpgelände in Richtung Las Trais Fluors. Nach etwa 400 m die nächste Verzweigung (P.2532); wir bogen rechts weg in nördlicher Richtung. Jetzt wurde der Weg steiler, schmaler, und auch felsiger. War der breitschultrige Berg anfänglich noch in Schönwetterwolken eingehüllt, zeigte er sich nun in voller Grösse. Ab einer Höhe von ca. 2700 m.ü.M. eine kleine Richtungsänderung durch Blockgelände unter die Felswand; dann noch etwas steiler bis zur von weitem sichtbaren Verzweigung unter dem Gipfelaufbau. Unterwegs ein paar hohe Tritte im Fels, welche mit Ketten unterstützt gesichert sind. Ab der Verzweigung in einer felsigen Links-Rechts-Kurve und unter Einsatz der Hände auf den Grat – welch ein Panorama ins fast 300 m tiefer liegende Valletta, und gegenüber die alles überragende Pyramide Piz Ot (3246 m). Noch ein paar Schritte wenig steil und über breite Platten, und schon war der Gipfel erreicht – nach knapp zwei Stunden Aufstieg. Gerade richtig zur Mittagszeit. Die Windstille erlaubte eine Gipfelrast. Auch wenn über dem 10 km nordöstlich gelegenen Piz Kesch und seinen Nachbarn bereits dunkelgraue Wolken eine bedrohliche Kulisse aufbauten, genossen wir die Sonne bei angenehmer Temperatur (ca. 18-20°). Noch rasch eine Kurznachricht mit Gipfelbild an Freunde senden, und dann machten wir uns auf den Abstieg. Ab der unterhalb des Gipfels liegenden Verzweigung wählten wir die Strecke in Richtung Sass Alv (weisser Stein, 2510 m). Die ersten 230 Hm Abstieg sind sehr schmal und auch etwas ausgesetzt – mit einer Schlüsselstelle mit tollem Tiefblick nach Samedan. Ablenken lassen darf man sich hier keinesfalls – der Einsatz je eines Stocks bot zusätzlichen Halt auf der rutschigen (aber trockenen) Unterlage. Bei Sass Alv dann die Richtungsänderung bei P.2478. Hier böte sich die Abstiegsmöglichkeit zur Alp Muntatsch (2188 m), wo es angeblich bester Kaiserschmarren gäbe… Die Alp kennen wir schon (gell Michael😊), also hielten wir nach Süden. Bei P.2388 (oberhalb Alp Clavadatsch) unterquerten wir die über uns wild aufragende Felslandschaft des Padella. Etwa hundert Meter weiter unten verläuft ein Abschnitt der Via Engiadina. Zurück beim P.2489 schloss sich der Kreis unserer Überschreitung. Der weitere Abstieg über Munt da-la-Bês-cha verlief auf der Aufstiegsstrecke. Kurz vor Marguns mahnten uns ein paar scheue Tropfen, es mit der Gemütlichkeit nicht zu übertreiben. Begleitet wurden wir von der gefälligen Musik einer auf Marguns gerade auftretenden Band (22. Celerina New Orleans Jazz Festival 2018). Die Band beendete ihr Konzert just mit unserem Eintreffen – also «flüchteten» wir uns vor dem herantrampelnden Publikum in eine der Gondeln. Zehn Minuten später – wieder im Sonnenschein – genossen wir an der Bar bei der Talstation in Celerina Durst löschende Panachées. So überbrückten wir die Wartezeit auf den Bus nach Pontresina, wo die Strassen vom Gewitter richtig nass waren. Wir kamen trockenen Fusses nach Hause…

Fazit:
Eine tolle Einlauftour auf einen Wunsch-Gipfel war das. Und angenehm (nicht zu heiss) die Witterung. Mal abwarten, was die folgenden Tage bringen – der Piz Julier wäre das Ziel…

Hilfsmittel:
Stöcke, Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 19. August 2018
Anforderung: T3
Strecke: 10 km, Bergstation Marguns – Munt da-la-Bês-cha – P.2489, P.2532 – Piz Padella – Sass Alv P.2478 – P.2388 (oberhalb Alp Clavadatsch) – P.2489 – Munt da-la-Bês-cha – Marguns
Aufstieg: ca. 660 m
Abstieg: ca. -654 m
Laufzeit ohne Pausen: ca. 3 Std. 10 Min.
Laufzeit mit Pausen: ca. 4 Std. 30 Min.

Keschhütte SAC 2627 m – aus besonderem Anlass

Die Zweitagestour galt Richi, der den Swissalpine Irontrail 2018 (T127 Men) absolvierte. Das ist einer dieser äusserst fordernden alpinen Bergläufe: Start am SA um 00:00 Uhr(!) in Samedan, Ziel in Davos am SO spätestens um 10:00 Uhr; 125.1 km, Aufstieg 6236 m, Abstieg 6421 m. Wir hatten vor, Richi bei der Ankunft auf der Keschhütte (Zwischenziel 25 km vor Davos) entsprechend zu empfangen und zu supporten. Richi’s Susanne schloss sich uns kurzfristig an, damit sollte Richi besonders überrascht werden. Das gelang, doch mehr darüber am Ende des Berichts über den 1. Tag.

Tag 1: Darlux Bergstation Sesselbahn – Alp digl Chants – Keschhütte
Nach der Bergfahrt mit der Sesselbahn Bergün-Darlux starteten wir zwanzig Minuten nach zehn Uhr auf 1974 m.ü.M. bei idealen Bedingungen (ca. 18°, bedeckt aber freundlich, windstill). Auf gut markiertem Wanderweg erreichten wir die Baumgrenze und in der vierten Kehre nach etwa 25 Min. die Alp Darlux (2156 m). Noch ein kurzer Anstieg und schon hatten wir die Höhe von ca. 2170 m erreicht. Jetzt drehte der Weg in Richtung Ost; in leichtem auf und ab führte der sehr schöne Höhenweg 600 m über dem unter uns liegenden Val Tuors. Bald wurde auch der Blick zur etwa 6 km Luftlinie entfernt stehenden Keschhütte frei. Dann: plötzlich erschreckte uns ein lauter Ruf von hinten, und die Startnummer 1001 brauste heran und an uns vorbei – das war der spätere Sieger des Swissalpine Irontrail 2018 (T127 Men). Wir wussten, dass unsere Strecke bis zur Keschhütte mit der Berglaufstrecke identisch war, also erwarteten wir schon den einen oder anderen Läufer. Erst nach weiteren zwei Std. und 6 km, nach einem Zwischenabstieg bei der Alp digl Chants (1999 m), begegnete uns der nächste Läufer. Am Brücklein über die Ava da Plazbi hielten wir Mittagsrast. Im Anschluss daran der kurze Aufstieg zum Alpgebäude, wo auch eine Verpflegungsstation eingerichtet war. Ab hier trübte das Wetter ein und ein paar Tropfen veranlassten uns die Regenhäute überzuziehen. Unterhalb der Alp, bei P.1952, erreichten wir den Hüttenweg, und es galt erneut aufzusteigen. War es bis hierhin recht gemütlich, wurde es nun deutlich steiler; zum Glück hörte es auf zu regnen, und wir befreiten uns von den unangenehmen Regenhüllen. Nach 2 km wurden wir nun häufiger überholt von mehr oder weniger gezeichneten BergläuferInnen – allen haben wir selbstverständlich applaudiert und aufmunternd zugerufen. Anderthalb km vor der Hütte wurde der Weg deutlich gerölliger, dafür etwas weniger steil. Von Ferne erblickten wir den lebhaften Betrieb vor der Keschhütte – Angehörige und Fans in Erwartung «ihrer» Helden. Mittlerweile hellte nicht nur die Stimmung, sondern auch das Wetter wieder auf. Um halb vier war die stolz dastehende Hütte erreicht. Rascher Zimmerbezug (heute ausverkauft, wie nicht anders zu erwarten…) und Kleiderwechsel – schliesslich wollten wir die LäuferInnen anfeuern. Richi erwarteten wir zwischen 18 und 20 Uhr. Ihn galt es auf keinen Fall zu verpassen, also lösten wir uns ab beim Essen, damit eine(r) von uns immer aufpassen konnte. Mittlerweile erreichte die vorausgesagte Schlechtwetterfront die Hütte; der zum Glück nicht starke Regen sorgte dennoch für einen kräftigen Temperatursturz. Bei unter 10° harrten wir zusammen mit etwa zwei Dutzend weiteren Fans vor der Hütte aus. Die Laufstrecke war von der Hütte aus gut einzusehen; so litten wir alle mit den ankommenden Sportlern. Die LäuferInnen freuten sich offensichtlich über die Anfeuerungsrufe und Applaus. Viele Frauen waren dabei! Mittlerweile häuften sich die Ankünfte, jedenfalls erlebten wir sehr spannungsvolle Augenblicke – ein wirklich abendfüllendes Programm (besser als jeder Krimi). Einigen waren die bereits zurückgelegten 100 km deutlich anzusehen, die gleich bei der Hütte eingerichtete Verpflegungsstation war sehr geschätzt, einige wenige mussten die von zwei Ärzten angebotene Versorgung beanspruchen. Die Nässe und die damit verbundene Kälte setzte vor allem den (zu) leicht bekleideten LäuferInnen zu. Wie es wohl Richi ergehe, dachten wir. Dazu muss man wissen, dass der verfügbare Online-Tracker hier oben mangels Netzversorgung keine Daten lieferte. Wir wussten lediglich, dass Richi um 16:45 Uhr Bergün passierte, also hier oben ca. 4 Std. später ankommen sollte. Gut so, weil sich das Wetter wieder besserte, der Niederschlag aufhörte, und die Sicht besser wurde, und die Temperatur auch wieder anstieg. Wir hofften einfach, Richi noch bei Tag zu erleben. Und tatsächlich: um 21 Uhr kreuzte ein erstaunlich munterer Richi auf und rief von weitem «Ruedi, chasch s’chüele Bier uuspacke, und en Schnupf will i au…». Rein an die Wärme in den Materialraum der Hütte, ein paar Minuten Verschnaufpause, und welch grosse Freude Richi’s über die Überraschung, dass seine Susanne auch dabei war. Nach diesem Motivationsschub machte sich Richi auf den Rest der Strecke, noch ca. 25 km über den Sertigpass (2739 m) und dann nach Davos hinunter – mittlerweile ein Nachtlauf (mit Stirnlampe). Nach diesem eindrücklichen Erlebnis konnten wir erleichtert und glücklich zugleich die Nacht auf der Hütte geniessen. Solches widerfuhr leider nicht allen Angehörigen, welche teilweise bis tief in die Nacht und oft erfolglos warteten. Die Nacht war ziemlich unruhig, musste die Rega doch dreimal fliegen, um entkräftete LäuferInnen ins Tal zu bringen zur Notversorgung. Erst im Laufe des folgenden Tages erfuhren wir vom tollen Erfolg Richi’s (Zieleinlauf um 02:05.48, Rang 15 seiner Kategorie, Rang 35 Overall, die Zeit: 26:05.47,2). Soviel Schreibe muss sein in diesem Bericht. Lieber Richi, Du hast uns tief beeindruckt – herzliche Gratulation!

Tag 2: Keschhütte SAC – Lais da Ravais-ch – Val da Ravais-ch – Chants
Nach dieser unruhigen, aber dennoch erholsamen Nacht genossen wir das ausgezeichnete Hüttenfrühstück mit Blick zum die Umgebung dominierenden Piz Kesch. Ein schöner Hochsommer-Bergtag erwartete uns heute. Erst wollten wir über den ausgeaperten Gletscher zur Porta d’Es-cha aufsteigen um von dort über die Cha. d’Es-cha CAS zur Albulapassstrasse zu gelangen. Wir entschieden uns aus bestimmten Gründen (😊) für die Rundstrecke Strecke von der Fuorcla la Fontauna (so heisst eigentlich der Übergang bei der Keschhütte) ins Val dal Tschüvel, dann den Aufstieg zu den Seelein (Lai da Ravais-ch-Sur und -Suot), und durch das Val da Ravais-ch hinab bis Chants. Bei P. 2524 verliessen wir die Strecke des Swissalpine Irontrail (welche zum Sertigpass hochführt). Vorbei an den zwei wunderschönen Seen wanderten wir nahe dem Wildwasser der Ava da Ravais-ch ins gleichnamige Tal südwestwärts. Unterwegs war der Bach über Steine und ein Schneefeld zu queren. Etwa eine Stunde vor Chants dann genossen wir die Mittagsrast an einer besonders schönen Stelle nahe des Wassers. Der Weiterweg nach Chants hinunter führte über einfaches Gelände und über einen schön begrünten Pfad. Die ersten Häuser von Chants; hier steht an strategisch bester Lage das Gasthaus Piz Kesch mit zugehörigem Garten. Im Schatten genossen wir abschliessend die Durstlöscher – und natürlich die leckere Linzertorte. Direkt vor dem Gasthaus die Haltestelle des Rufbusses des Bus alpin (Voranmeldung zwingend erforderlich!), in welchem wir um 12:50 Uhr die Fahrt durchs wilde Val Tuors nach Bergün hinunter genossen. In Bergün angekommen der sofortige Blick auf den nun wieder online verfügbaren Tracker. Die Superleistung Richi’s musste gefeiert werden… Nach kurzer Fahrt nach Filisur wurden wir auf dem Camping Islas von Richi erwartet. Nochmals ganz herzliche Gratulation – und gute Erholung!

Fazit:
Im Titel ist von einem «besonderen Anlass» die Rede, die unsere zweitägige Tour initiierte. Das ist durchaus und ohne Einschränkung zutreffend. Es war für uns eine Ehre, Dich Richi etwas zu unterstützen. Das war übrigens keineswegs Richi’s erste Tat dieser Art, siehe beispielsweise hier. Der Besuch der Keschhütte ist übrigens ein tolles Hüttenerlebnis; das Team um die Hüttenwarte Ursina und Reto Barblan sind professionelle Gastgeber.

Hilfsmittel:
Steigeisen (nicht benötigt), Stöcke, Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 28./29. Juli 2018
Schwierigkeiten: beide Tage T3 (w-r-w)
Strecke: 24.2 km, 1. Tag (12.2 km) Darlux Bergstation Sesselbahn 1974 m –
Alp Darlux 2137 m – Alp Muotta Sur 2174 m – Alp digl Chants 1999 m – Keschhütte 2627 m; 2. Tag (12.2 km) Keschhütte SAC 2627 m – Lais da Ravais-ch 2505 m – Val da Ravais-ch – Chants 1822 m
Aufstieg: 1. Tag ca. 1050 m, 2. Tag 180 m, total ca. 1230 m
Abstieg: 1. Tag ca. -410 m, 2. Tag ca. -960 m, total ca. -1370 m
Laufzeit ohne Pausen: 1. Tag ca. 4 Std., 2. Tag ca. 3 Std. 10 Min., total ca. 7 Std. 10 Min.
Laufzeit mit Pausen: 1. Tag ca. 5 Std., 2. Tag ca. 4 Std., total ca. 9 Std.

Kamera:
Sony DSC-HX90V

Bivio – Juf – Pass Lunghin – Piz Lunghin (2780 m) – Maloja in 2 Tagen

Diese grosse Zweitagestour hatten wir schon länger vor – jetzt sollte alles stimmen: ideales Wetter, schneefreie Route, ausreichende Kondition (auch wenn wir beide mit einer leichten Sommergrippe kämpften…). Weil die ÖV-Fahrt nach Bivio zu lange dauerte, reisten wir mit dem Auto an; in Bivio stand ein grosser Parkplatz zur Verfügung. Dort starteten wir fast schön gemütlich zu unserer Zweitagestour.

Tag 1: Bivio – Stallerberg – Juf (Avers)
Kurz nach zehn Uhr starteten wir in Bivio bei besten Bedingungen (ca. 14°, sehr sonnig, spürbare Bise mit Böen bis 30 km/h). Gleich in der Ortsmitte wurden wir von den Wanderwegweisern auf die gewünschte Strecke gewiesen in Richtung Juf über den Stallerberg (das ist kein Berg, sondern ein Übergang in den Avers). Erst führte der Wanderweg über satte Magerwiesen und durch Buschwerk. Ab Radons (etwa 1900 m.ü.M.) dann wunderbare Alpen mit friedlich weidenden Rindern. Baumfrei, und folglich bei uneingeschränkter Sicht, die Sonne und die Bise im Rücken, so haben wir es gerne… Regelmässig und gemütlich stiegen wir auf, unterwegs begegneten wir nur wenigen Wanderern. Zur linken ging der Blick auf Bivio und die Julierpassstrasse, und natürlich zum markanten Piz Julier und seinen Nachbarn. Das Skigebiet war andeutungsweise zu erkennen aufgrund der Anlagen. Auf Plang Tguils angekommen – eine moorige Hochebene mit einem hübschen Seelein – ; der richtige Ort für eine erste Trinkpause. Danach ging es weiter zum oberen Teil der Hochebene, wo der Stallerbach über ein Brücklein überquert wird. Jetzt wurde es etwas steiler und enger, entlang einer Moräne schlängelte sich der Pfad vorbei; schon bald müsste der Blick zum Übergang frei werden. Doch das zog sich hin: bis zum Pass waren es noch ca. 1.4 km und 130 m Aufstieg. Nach knapp drei Stunden standen wir beim mächtigen Steinmann und den Wegweisern auf dem Stallerberg. Nun änderte sich die Kulisse fast schlagartig: der weite Blick in den Avers, fast 500 m tiefer die Häuser von Juf. Hinter einem Felsbrocken nutzen wir die Windstille und die Zeit für eine ausgiebige Mittagsrast. Von hier könnte man auch in zwanzig Minuten zu den hundert m höher liegenden Flüeseen aufsteigen. Wir genossen die Pause und verzichteten – gut so, da kamen nämlich grade fünf(!) grosse Hunde mit zwei Frauen runter. Kam die Überlegung dazu, dass morgen eine happige Etappe vor uns lag. Für den Abstieg nach Juf hinunter benötigten wir eine Stunde – die Strecke ist steil und mit einigen grossen Tritten versehen. Im untersten Bereich dann über Weideland, in ausreichendem Abstande vorbei an aufmerksamen Mutterkühen. Juf, die in Europa höchstgelegene dauernd bewohnte Siedlung, hat immerhin zwei Beizen. Hier beschlossen wir unseren schönen und nicht sehr strengen Wandertag. Um drei Uhr bestiegen wir das Postauto, welches uns zwei Haltestellen weiterbrachte, bis nach Rufana, wo das Berghotel Bergalga steht – unsere Bleibe für eine Nacht. Vom kurz vor Juppa stehenden Haus hat man einen wunderbaren Blick ins Val Bergalga, zum 7.5 km weiter liegenden Bergalgapass (dem 2790 m hohen Übergang ins Bergell), und zu den markanten Dreitausendern Wissberg und Gletscherhorn. Vom Genuss dieses Panoramas von unserem Zimmerbalkon aus konnten wir nur schwer loslassen. Nach der wohltuenden Dusche und der kurzen Siesta das leckere Abendessen – zubereitet mit lokalen Bio-Produkten. Das Bergalga können wir sehr empfehlen.

Tag 2: Juf (Avers) – Forcellina – Septimerpass – Pass Lunghin – Piz Lunghin – Lägh dal Lunghin – Maloja
Nach einer erholsamen Nacht erwartete uns die ersehnte, lange und grossartige Tour. Direkt vor dem Hotel bestiegen wir um 07:47 das Postauto, um die 2.2 km lange Strecke bis Juf elegant zurück zu legen. Um acht Uhr dann der Start in einen eindrücklichen und abwechslungsreichen Bergwandertag. Die ersten 2 km noch im Schatten laufend, vorbei an Alpagada bis zum P.2185 (Bleis), verliefen flach. Jetzt galt es links zu halten, weissrotweiss markiert über P.2252 (Mutt), vorbei an weidenden Tieren. In Serpentinen waren über eine Strecke von 1.5 km ca. 400 Hm aufzusteigen. Bald erreichten uns die ersten Sonnenstrahlen. Hinter uns schnaubte eine Gruppe von BikerInnen (aus Lindau) hoch, die Maschinen geschultert(!). Die hatten vor, ab Septimerpass nach Casaccia ins Bergell runter zu fahren. Etwa 20 Hm unter der Fuorcla da la Valletta (über welchen Bivio zu erreichen wäre), hielten wir nach Süden und querten die etwa dreihundert Meter über uns stehenden Flühe. In diesem Bereich bot sich «unseren» Bikern die Gelegenheit, ihre Räder zu besteigen, und uns so gut es eben ging (😊) zu überholen. Nach einem kurzen Abstieg und Wiederaufstieg, vorbei an einem kleinen Seelein, aus dem der Planjentbach zur Juferalp abfliesst, war der Übergang Forcellina (2672 m) bald erreicht. Zur rechten der Piz Forcellina (2939 m), links der namenlose Gipfel P.2848, und vor uns eine famose Bergkulisse. In der Ferne das Berninamassiv mit dem Biancograt, in direkter Linie in ca. 4.7 km Distanz der höchste Punkt unseres Wandertags: der Piz Lunghin – ob wir das wohl schaffen? Voller Zuversicht, wie die mit uns zur «Abfahrt» startenden Biker und voller Motivation machten wir uns auf den Abstieg zum Pass dal Sett (2310 m). Auf diesem Abschnitt wurden wir verwöhnt mit einer reichen Fauna, aber auch mit Weitblicken bis in die Hochalpen und zu den Bergeller Gipfeln, vor allem zum beeindruckend schönen Pizzo Badile (3308 m). Auf dem Septimerpass angekommen, trafen wir auf ein paar Berggänger, welche von Bivio aufgestiegen sind. Wir überquerten die Bergstrasse um direkt in Richtung Pass Lunghin zu laufen (1 Std. laut Wegweiser). Den bekamen wir vorerst nicht ins Blickfeld, weshalb wir voller Spannung warteten, bis der Blick frei wurde. Hinter dem zu umrundenden Motta da Sett (2637 m) erblickten wir die oben liegende Restschneefläche und eine Markierungstange. Bei P.2476, nahe eines hübschen Seeleins hielten wir unsere Mittagsrast ab. Hier war es ziemlich windstill, was sich auf dem Pass wie erwartet änderte. Die restlichen knapp 200 Hm bis zum Pass legten wir anschliessend zügig zurück. Nun standen wir also auf dem Pass Lunghin, Europas einzige dreifache Wasserscheide. Der junge En/Inn fliesst ins Schwarze Meer, die Mera/Maira zur Adria, und die Gelga/Julia zum Rhein und in die Nordsee – sehr beeindruckend! Noch stärker beeindruckte uns der Blick zum hier nicht mehr so stark aufragenden Piz Lunghin (2780 m). Jetzt, wo wir schon mal hier waren, wollten wir uns diesen nicht entgehen lassen. Voll motiviert und mit schon 10 km Strecke in den Beinen machten wir uns auf in Richtung Grat – dort steht ein Kreuz bei etwa 2700 m, quasi der Westgipfel. Hier geht’s senkrecht runter, der Tiefblick nach Casaccia (1458 m) und gegenüber die mächtige Talsperre des Albigna Stausees. Fit wie wir waren, entschieden wir uns für den Gipfelaufstieg, ab hier definitiv weissblauweiss, alpin also. Schon bei der ersten Felsstufe galt es die Stöcke zu verstauen um die Hände freizuhaben. Doris meisterte die sehr hohen Tritte (Klettern I) ausgezeichnet, ich hintendran. Bis zum Gipfel dann noch weitere trickige Felsstufen, zwischendurch mal steile, rutschige, aber nicht ausgesetzte Spuren. Direkt unter dem Gipfel dann nochmals eine etwa drei Meter hohe Kletterstelle (II), und schon erblickte ich Doris mit dem nach oben gerichteten Daumen! Glücklich, es geschafft zu haben, gratulierten wir uns. Nach uns folgte noch ein jüngeres Pärchen, gerade rechtzeitig um von uns ein Gipfelfoti zu machen – danke!

Nach diesem (für uns grossartigen) Gipfelerfolg machten wir uns auf den Abstieg. Direkt unterhalb der Kletterstelle nutzten wir eine gut erkennbare Spur, welche über eine Geröllhalde zwar steil und rutschig, dafür aber direkt zum Lägh dal Lunghin hinunter führte. Langsame und kurze Schritte waren das Rezept, gut durchzukommen. Unterwegs Steine und Blocks in allen Farben. Den dreihundert Meter tiefer liegenden See erreichten wir in 35 Minuten. Zwischen grossen Blocks genossen wir nochmals eine längere Trinkpause. Der See glitzerte in allen Farben – ein wirklich tolles Schauspiel! Vor uns der (Normal-)Abstieg nach Maloja hinunter (1.75 Std. lt. Wegweiser). Im Abstieg ging der Blick immer wieder hoch zum aufragenden Piz Lunghin. Abgesehen von zwei steilen und über felsige Tritte verlaufenden Abschnitten führte der Weg nach Maloja hinunter über schöne Alpen, immer aussichtsreich (siehe Bilder). Bei P.1945 (Plan di Zoch) bestünde die Möglichkeit nach Blaunca und Grevasalvas zu wandern. Wir stiegen weiter ab durch eine schluchtartige Steilstufe, bis wir kurz vor Pila (P.1835) den Lauf der En erreichten. Jetzt ging es rasch und schon war die Hauptstrasse eingangs Maloja erreicht. Ein kurzer Aufstieg zu unserem lauschig gelegenen B&B «Villa La Rosée», ein herrlicher Ort. Mittlerweile war es 17:30 Uhr, also nutzten wir die Zeit bis zum Abendessen im Dorf für eine erfrischende Dusche. Nach fast neun Stunden Wanderzeit verspürten wir zu unserem eigenen Erstaunen keinerlei Beschwerden – die nötige Bettschwere hatten wir allerdings schon – nicht zuletzt auch des leckeren Essens wegen im Schweizerhaus (u.a. vorzügliche Pizokels, Capuns, Ossobucco, und natürlich ein Glas vom Guten…). Nach der wiederum sehr erholsamen Nacht in diesem alten Chalet (wir fühlten uns richtig willkommen und verwöhnt!) genossen wir ein wunderbares Frühstücksbuffet und die anschliessende Besichtigungsrunde durch das historische Haus. Danke schön, wir kommen gerne mal wieder!

Zum Abschluss dann eine herrliche Fahrt mit dem Postauto bis St. Moritz, von dort mit der Unesco Welterbe-Bahn nach Tiefencastel, und von dort wieder mit dem Postauto nach Bivio…

Wetterverhältnisse:
An beiden Tagen sehr sonnig mit freundlicher Schönwetter-Bewölkung, 10 bis 24°, nicht störende Bise mit Böen bis 30 km/h.

Hilfsmittel:
Sonnencrème (wichtig!), Stöcke, Kartenmaterial, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 08./09. Juli 2018
Schwierigkeiten: 1. Tag T3, 2. Tag T4 (Piz Lunghin, Gipfelaufstieg ohne Eisen und Fixseile, Kletterstellen I-II)
Strecke: 26.3 km, 1. Tag (9.5 km) Bivio (1769 m) – Stallerberg (2578 m) – Juf (2117 m); 2. Tag (16.8 km) Juf – Fuorcla da la Valletta (P.2566) – Forcellina (2672 m) – Septimerpass (2310 m) – Pass Lunghin (2645 m) – Piz Lunghin (2780 m) – Lägh dal Lunghin (2484 m) – Maloja (1801 m)
Aufstieg: 1. Tag ca. 813 m, 2. Tag 1286 m, total ca. 2099 m
Abstieg: 1. Tag ca. -461 m, 2. Tag ca. -1574 m, total ca. -2035 m
Laufzeit ohne Pausen: 1. Tag ca. 3 Std. 15 Min., 2. Tag ca. 6 Std., total ca. 9 Std. 15 Min.
Laufzeit mit Pausen: 1. Tag ca. 4 Std. 25 Min., 2. Tag ca. 8 Std. 50 Min., total ca. 12 Std. 15 Min.

Kamera:
Sony DSC-HX90V

Bärli – auf der Ziegenalp Falla zuhause

Vorinformation:
Bärli? So heisst Ruedi’s Patenziege. Sie lebt zusammen mit 97 anderen Ziegen auf der Klosterser Ziegenalp Falla. Diese kleine Alp liegt auf der linken Talseite des Vereinabachs  und der Landquart oberhalb Pardenn und Novai. Die Weiden erstrecken sich von 1500 bis 2200 m.ü.M. Die Alpgebäude (Hütte, Sennerei, Käsekeller und Schermen) liegen auf 1680 m.ü.M. und sind durch eine Transportseilbahn erschlossen. Dank der Coop-Patenschaften konnten Alpgebäude erneuert werden. Zu Fuss erreicht wird die abgeschiedene Alp über einen sehr steilen, nicht markierten und kaum sichtbaren Pfad. Die Alp Falla wird von der Ziegenhaltervereinigung Klosters-Serneus mit rund 100 Milchziegen bestossen während ca. 100 Tagen. Die beiden sympathischen Alphirten betreuen die Geissen, hauptsächlich Gemsfarbige Gebirgsziegen, Bündner Strahlen und Toggenburger. Während der Zeit von Mitte Juni bis Mitte September stellen sie rund 1050 kg Ziegenkäse her.

Zur Wanderung:
Beim Parkplatz in Monbiel wurden wir erwartet von Marilen von der Ziegenhaltervereinigung Klosters-Serneus. Dazu gesellten sich noch die beiden Ziegenpaten Kurt und Harry. Bald zeigte sich, dass eine ortskundige Führung dringend zu empfehlen ist. Das auf einem Vorsprung stehende Alpgebäude der Alp Falla war schon zu sehen. Nach etwa 2 km verliessen wir die Wander- und Bike-«Autobahn» kurz vor dem Pardenner Boden. Über eine Brücke überquerten wir die hier noch junge Landquart, welche wenige hundert Meter weiter oben bei Novai aus dem Zusammenfluss von Vereinabach und Verstanclabach entsteht. Nach etwa zweihundert Metern, in der Engi, dort wo die kleine Talstation der zur Alp hochführenden Transportseilbahn steht, führte uns Marilen zielstrebig durch wegloses Buschwerk. Ab und zu waren Spuren zu erkennen und Geissenböhnli bestätigten uns, auf dem richtigen «Weg» zu sein. Steil, sehr steil, und schweisstreibend dazu, überwanden wir über eine Strecke von 400 m eine Höhendifferenz von 200 m. Auf einem kleinen Plateau auf etwa 1520 m dann etwas nach Westen ausholend, hofften wir bald auf «unsere» Geissen zu stossen. Nichts zu hören; also wandten wir uns weiter steil aufsteigend in Richtung SO; noch immer weglos, mittlerweile durch schulterhohes Farn – irgendwie spannend! In einer engen Rinne wählten wir die Direttissima, wo wir rasch an Höhe gewannen. Auf etwa 1700 m Höhe, etwas östlich und oberhalb der Alp Falla, genossen wir an aussichtsreicher Stelle die Mittagsrast. Und Ike, der Hund von Marilen, genoss die Pause auf seine Art mit einem Schlammbad in einer Pfütze. Von der Ziegenherde war noch immer nichts zu hören. Unsere Vermutung, dass sich die Tiere nordwestlich unter uns auf verbuschtem Gelände aufhielten, bestätigte sich bald. Nahendes Glöggligeklingel kündigte uns an, dass wir wohl bald auf die noch immer nicht zu sehende Herde treffen würden. Tatsächlich: als das Gelände etwas offener wurde, sahen wir auch schon die gemütlich kräuterfressende Herde, angeführt von der Sennerin und ihrem Sennenhund. Bald standen wir mitten in der Herde, auf der Suche nach Bärli natürlich – das ist sie! Ein besonders schönes, aber etwas scheues Tier. Einige Ziegen waren besonders anhänglich und genossen die Streicheleinheiten, ja verlangten nach Zugaben… Zeit für einen Kafi, der man uns zubereitete, dazu leckerer Kuchen von Marilen. Zeit auch für einen Schwatz mit dem der für die Käserei verantwortlichen. Zu Recht stolz zeigte er uns das neu gebaute Käsereigebäude und natürlich sein schon stattliches Lager. Auch die vier Schweine freuten sich über den Besuch; sie geniessen das Alpleben in diesem temporären Paradies offensichtlich.

Nach der eindrücklichen Begegnung auf dieser schön gelegenen Alp wählten wir für den Abstieg den «Normalweg». Zwar war der stark überwachsene Pfad zwischendurch zu erkennen, Misstritte sollten aber unbedingt vermieden werden. Über einen Kilometer waren 300 Hm Abstieg zu bewältigen. Zum Glück war das Gelände trocken. In der Engi bei der Brücke schloss sich der Kreis. Wir spazierten am linken Ufer der wild plätschernden Landquart in Richtung Monbiel. Bei P.1276 war der Bergbach über eine schöne Hängebrücke zu überqueren. Ein kurzer, letzter Aufstieg zur Strasse, vorbei an sehr schönen Walser Häusern. Beim Parkplatz angelangt, waren wir uns alle einig, einen besonders eindrücklichen Wandertag erlebt zu haben. Danke Marilen für die sehr informative und sympathische Begleitung! Wir sehen uns wieder am Ziegenalpfest Alp Falla!

Fazit:
Tolle Idee unserer Freunde Ursle und Hitsch, die Ruedi zu seinem runden Geburtstag mit einer Ziegenpatenschaft beschenkten. Nochmal herzliches Dankeschön! Damit verbunden war ein schönes Wandererlebnis. Wir freuen uns schon auf das Alpfest am 12. August, wo wir «unseren» Käse erhalten werden.

Wetterverhältnisse:
Zu Beginn sonnig mit leichter Bewölkung, die Sonne bald verdrängt von der zunehmenden Bewölkung, trotzdem gute Sicht auf die umliegenden Gipfel, bis auf wenige Tropfen trocken, wenig störender Wind aus NO, anfänglich ca. 12°, im Tagesverlauf bis ca. 18°.

Hilfsmittel:
Bergschuhe mit guten Profilen, Stöcke (heute unbedingt zu empfehlen), GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 24. Juni 2018
Schwierigkeit: T3
Strecke: 9 km, Monbiel, Treffpunkt grosser Parkplatz am östlichen Dorfende – Baretschrüti – Auelti – P.1332 (Brücke über die Landquart) – Engi – Aufstieg weglos und sehr steil (>30°) durch Buschwerk bis zu den Flühen der Litzi – Rast bei ca. 1700 m.ü.M. – Kehrtwende in Richtung Alp Falla)
Aufstieg: ca. 474 m
Abstieg: ca. -455 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std. 15 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen 2 Std. 45 Min.
Tageszeit: 10:15 bis 15:30 Uhr

Kamera:
Nikon D7000

Ruinaulta – Rheinschlucht

Schon länger im Kopf, immer wieder vergessen, jetzt eine geradezu ideale Tour, weil höher hinaus wegen des vielen Schnees wohl noch bis Juni schwierig wird. Und bei diesem verfrühten Hochsommer bietet sich der Besuch dieses einmaligen, famosen Naturspektakels geradezu an. Ab Chur nutzten wir das Rheinschluchtticket für Fr. 19.50 (freie Fahrt mit allen ÖV). Alleine schon die 20-minütige Fahrt mit der Unesco-Welterbe-Bahn bis Station Valendas-Sagogn war das Geld wert. Hier starteten wir direkt beim antiken Bahnhöfli, auf den ersten paar hundert Metern entlang den Geleisen, zur Linken der mächtig Wasser führende Vorderrhein. Und darüber die eindrückliche Errosionslandschaft. Hier ereignete sich vor ca. 10000 Jahren der Flimser Bergsturz, dessen hunderte von Metern hohe Schuttmassen den Vorderrhein begruben. In der Folge bildete sich der ca. 25 km lange Ilanzer See. Mit der Zeit schnitt sich der Fluss jedoch tief in die Schuttmassen ein. Der Ilanzer See floss ab und die Rheinschlucht entstand; diese auch Schweizer „Grand Canyon“ genannte 13 km lange Schlucht endet mit dem Zusammenfluss von Vorder- und Hinterrhein zum Alpenrhein bei Reichenau. Auf beiden Seiten des Flusses bildeten sich bis zu 400 m hohe weisse Sandstein-Steilwände. Der rätoromanische Name Ruinaulta ist zusammengesetzt aus den Wörtern Ruina (Geröllhalse/Steinbruch) und aulta (hoch). Auf den Wegen in der Rheinschlucht vermitteln zahlreiche Tafeln Wissenswertes über die Schlucht. Auf den ersten 8 km bis zur Eisenbahnbrücke bei Chrummwag genossen wir das gemächliche Tempo – fast schon ein Spaziergang. Gut so, denn aus dem Staunen kamen wir kaum heraus. Nach der Überquerung des Flusses verloren wir für einen längeren Zeitraum die Schlucht aus den Augen, weil jetzt der Aufstieg nach Flims begann. Steil und wunderbarerweise meist im Wald hechelten wir bis auf eine Höhe von ca. 900 m in Richtung Nord, um dann das Fahrsträsschen abrupt nach links (W) zu verlassen, in Richtung Conn. Dort (auf der grünen Wiese) angekommen, galt unser Besuch der nahen Aussichtsplattform Il Spir Conn – das wunderschöne Panorama auf unsere bisherige Leistung war so gut zu überblicken. Etwas weiter, ungefähr bei P.1010 genossen wir (leicht verspätet) auf einer freien Bankniederlassung das mitgebrachte Menü (1. Gang Bio-Cherry-Tomätli, 2. Gang Bürli mit reichlich Fleischkäse und Käse überfüllt, 3. Gang Mini-Ragusa aufgeweicht…). So gestärkt waren die restlichen 3 km bis Flims Waldhaus das reine Vergnügen. Der Weg führte vorbei am zu- und abflusslosen Caumasee, wo sich schon viele tummelten, um ihr ausgebleichtes Fleisch zu bräteln. Beim See dann die Überraschung: ein 125 m langer Lift befördete und gratis (für den Zugang zum Badesee wird nur während der Sommer-Hauptsaison Eintritt erhoben) geschätzte 30 Hm nach oben, von wo wir dann rassig Flims Waldhaus und damit das Postauto nach Chur erreichten – Doris initiierte angesichts des heranfahrenden Busses einen regelrechten Sprint (und ich gehorsam  hintendrein hihihi…), um das gelbe Ding noch zu erreichen. Geschafft! Ein wunderschöner Tag in einer ebensolchen Landschaft fand einen etwas eiligen Abschluss – mein Glacé-Bedürfnis stillten wir dann doch noch, in Chur auf dem Bahnhofplatz.

Ein paar Worte noch zur Gastronomie in und um die Rheinschlucht:
Mit Ausnahme der kleinen Bahnhofbeiz bei der Station Valendas-Sagogn inexistent! Eigentlich wollten wir einkehren im bei der Station Versam-Safien stehenden Café des Spirituellen Zentums Rheinschlucht, auf dessen Website zur Einkehr mit Spirit und Mystik geladen wird: Unser Café ist von April – 22. Oktober geöffnet. Dort werden auch sog. Licht-Botschaften, Spiritual Teachings, u.a.m. angeboten. Von wegen Spirit – NIX dort! War das eine erleuchtende Licht-Botschaft!? Die Hoffnung nahmen wir mit nach Conn – aber auch dort NIX – geschlossen… Wenigstens stimmten hier die Angaben im Web (bis zum 8. April 2018 durchgehend von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Nach einer kurzen Pause freuen wir uns, Sie ab dem 10. Mai 2018 wieder begrüssen zu dürfen). Gut, dass wir entsprechende Hard- und Software eingepackt hatten😊…

Wetterverhältnisse:
Hochsommerliches Wetter, am Vormittag ca. 14°, im Tagesverlauf bis 27°, windstill

Hilfsmittel:
Stöcke (nicht eingesetzt), GPS-Maschine (die Aufzeichnung ist etwas fehlerhaft, weil die Abschattung  in der stark zerklüfteten Schlucht ausgeprägt war.

Parameter:
Tour-Datum: 21. April 2018
Schwierigkeit: T2
Strecke: 14 km, RhB-Station Valendas-Sagogn 669 m – RhB-Station Versam-Safien 635 m – Chrummwag – Chli Isla – Ruin Aulta P.805 – Er Davos – Conn (Aussichtsplattform Il Spir) – Lag la Cauma – Flims Waldhaus 1110 m
Aufstieg: ca. 738 m
Abstieg: ca. -295 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 4 Std. 40 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen 4 Std.
Tageszeit: 09:30 bis 14:10 Uhr

Kameras:
Nikon D7000

Pischahorn 2980 m – einfach exzellent!

Dieses Wochenende sollte uns wettermässig die beiden schönsten Tage der Woche bescheren. Also nichts wie los – Am späten Samstagnachmittag Fahrt nach Davos, wo wir im einsamen Flüelatal, quasi direkt unter unserem Tourenziel, das letzte freie Zimmer fanden im Gasthaus Alpenrose (an der Flüelapassstrasse, einige hundert Meter nach der Talstation der Pischa-Bahn gelegen). Karin und Damir, die herzlichen Gastgeber, verwöhnten uns mit einem leckeren Abendessen. Für erholsamen und ruhigen Schlaf im abgelegenen Flüelatal war gesorgt.

Nach einer als Folge der Umstellung auf die Sommerzeit verkürzten Nacht genossen wir das Frühstück. 400 m weiter unten ab Dörfji dann die Bergfahrt mit der Pischa-Bahn hoch zur Bergstation Mitteltälli – so vernichteten wir die ersten 680 Hm in wenigen Minuten. Das Gebiet Pischa ist vor allem ein Freeride-Skigebiet, wo zusätzlich alternativer Wintersport möglich ist (präparierte Winterwanderwege, ausgewiesene Schneeschuhtrails, hochalpine Langlaufloipen und sogar Fatbike-Abfahrten). Entsprechend ruhig geht es hier oben zu und her. Wir starteten also um zehn Uhr direkt ab Mitteltälli, bei nicht spürbaren -10° – die Sonne heizte schön ein. Wir nutzten eine der vorhandenen Spuren, um so direkter – also nicht auf der präparierten Winterwanderspur – aufzusteigen. Nach weniger als einer halben Stunde war der Pischagrat erreicht bei 2593 m. Hier eröffnete sich erstmals der Blick in die Verloren Pischa – eine grosse (und noch im Schatten liegende) Mulde, wo es etwa 40 Hm steil abzusteigen galt. Aufgrund der guten Verhältnisse entschieden wir uns für die höher liegende Spur. Das Pischahorn vor uns immer im Blickfeld steilte ganz schön auf, und die Route zum Nordwestgrat war gut auszumachen. Und dass wir heute alleine unterwegs seien, erwarteten wir natürlich nicht; aber überlaufen war die Strecke keineswegs. Nach mässig steilem Aufstieg erreichten wir eine kleine Ebene, wo im Sommer zwei namenlose Bergseelein liegen, deren Lage nur erahnt werden kann. Eine gute Gelegenheit für eine Trinkpause. Ab hier führte eine Spur direkt zum Gipfel hoch – mit Skiern zu machen, die Spitzkehren zeugten davon. Wir traversierten auf der doppelt angelegten Spur den Steilhang und gelangten nach zwei (erholsamen) Kehren zum Nordwestgrat bei ca. 2856 m. In diesem Bereich hat die Tour leicht alpinen Charakter, die Schneeverhältnisse waren ideal (nicht zu hart, wenig windgepresst, die Spuren ausgezeichnet tragend). Auf dem NW-Grat öffnete sich ein gewaltiges Panorama in alle Richtungen. Nach einer Teepause waren die letzten 130 Aufstiegsmeter zum Gipfel nur noch eine Formsache. Auf dem Vorgipfel (2979 m) dann der Genuss dieses wunderbaren Panoramas (Silvretta, Plattenhörner, Piz Linard und sogar zum Festsaal der Alpen). Der Blick ging zum 300 m weiter südlich stehenden Hauptgipfel, wo sich schon etliche Türeler versammelten, um sich auf die Abfahrt bereit zu machen. Die meisten wählten den Steilhang hinunter zur Verloren Pischa, wenige ins Mattjisch Tälli. Unschwierig erreichten auch wir den Hauptgipfel des Pischahorn (2980 m), um zu beurteilen, ob ein Abstieg mit Schneeschuhen zu machen wäre. Aufgrund der Steilheit (bestimmt >35 – 40°) entschieden wir uns für den Abstieg auf der uns vertrauten Aufstiegsstrecke. Das war eine gute Entscheidung, denn schliesslich wollten wir den Tourenabfahrern nicht in die Quere kommen😊… Zwar verlangt auch der steile Abstieg über den NW-Grat hinunter bis P. 2856 einiges ab – aber alles ging sturz- und rutschfrei. Nahe der nicht sichtbaren Seelein genossen wir an der gleissenden Sonne und bei Windstille unsere kleine Rast (Tee und Biberli). Auf der Superspur (Schneeschuh- und Skispur schön einträchtig parallel verlaufend zogen wir zur nun voll besonnten Verloren Pischa hinunter. Der steile Gegenanstieg zum Pischagrat war dann doch etwas grenzwertig, weil die Spur praktisch zerstört war – einige Skitourengeher stiegen zu Fuss auf und hinterliessen tiefe Löcher. Auf dem Grat erreichten wir wieder die Ratracspur, die wir aber im weiteren Abstieg bis zur Bergstation Mitteltälli hinunter mieden – zu schön war es im Pulver «abzufahren». Die fast schon überdimensioniert dastehende Bergstation mit zugehörigem Restaurant liessen wir links liegen. Ziel war der weitere Abstieg – mehr oder weniger entlang dem Winterwanderweg – hinunter zur schön gelegenen Mäderbeiz von Otti und Catherine Fontana. Ein Besuch dort wurde uns von unseren Gastgebern Karin und Damir wärmstens empfohlen. Und es hat sich sehr gelohnt! Gerstensuppe und dazu ein gemischtes Bündnerplättli, und das an der prallen Frühlingssonne auf 2000 m.ü.M – was will man mehr! So gestärkt wanderten wir anschliessend (die Schneeschuhe auf den Rucksack gebunden) auf dem Winterwanderweg hinunter, wo wir eine halbe Stunde später die 200 Hm tiefer liegende Talstation der Pischa-Bahn an der Flüelapassstrasse im Dörfji erreichten. Vor uns nun die erwartet etwas mühsame Heimfahrt – nicht für mich, weil Doris sehr sanft fuhr, um mich ja nicht in der verdienten Siesta zu «stören»… Zurück blieb ein wiederum tolles und unvergessliches Bergerlebnis.

Wetterverhältnisse:
Bilderbuch-Winterwanderwetter (blaublaublau…), Unmengen Schnee, angenehme Temperatur ca. -8 bis -10° in Gipfelnähe.

Lawinengefahr:
Laut SLF Stufe 2 mässig

Hilfsmittel:
Schneeschuhe, Stöcke, LVS/Schaufel/Sonde, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 25. März 2018
Schwierigkeit: WT3
Anfahrt: am Vorabend über Davos – Flüelapassstrasse bis Gasthaus Alpenrose, Rückfahrt ab Dörfji identisch
Strecke: 11.2 km, Bergfahrt mit der Pischa-Bahn bis Bergstation Mitteltälli 2483 m – Pischagrat 2593 m – Verborgen Pischa – Nordwestgrat zum Vorgipfel 2979 m – Pischhorn 2980 m – Abstieg auf gleicher Strecke bis Bergstation Mitteltälli – mehr oder weniger entlang des gespurten Winterwanderwegs hinunter bis Flüelameder (frühere Skiliftstation) 2006 m, heute Mäderbeiz – Abstieg auf dem Winterwanderweg hinunter nach Dörfji, der Talstation der Pischa-Bahn (1799 m)
Aufstieg: ca. 583 m
Abstieg: ca. -1274 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std. 45 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen 3 Std. 30 Min.
Tageszeit: 10:00 bis 15:45 Uhr

Kameras:
Sony DSC-HV90V

Motta Naluns 2146 m – Sent 1430 m

Nach einigen Tagen Alpinskifahren im attraktiven Motta Naluns nutzten wir die für heute angekündigte Schlechtwettersituation für eine Schneeschuhwanderung mit Manuela und Thomas. Die ersten 900 Höhenmeter legten wir elegant zurück in der Gondel ab Scuol hoch zur Bergstation Motta Naluns. Bei leichtem Schneetreiben starteten wir gleich unterhalb der Bergstation, die Talstation der Sesselbahn umrundend führte die präparierte, unter ca. 10 cm Neuschnee liegende Spur parallel zu den Skiliften des Kinderskiparadieses hoch. Hier fanden gerade die Abschlussrennen der jüngsten Skischüler statt – am lustigen (und ernsthaften!) Treiben der angehenden Skirennfahrer hatten wir unsere helle Freude. Über die nächsten anderthalb Kilometer stiegen wir locker hoch bis zum heute höchsten Punkt bei ca. 2293 m.ü.M. (östlich der Chamanna da Naluns). Etwa 140 m tiefer Jonvrai (2158 m), wo sich die Skifahrer auf drei sternförmig angelegten Transportanlagen bis auf 2700 m hoch transportieren lassen. Der etwa 600 m lange Abstieg bot bei dieser tollen Spuranlage keine Schwierigkeiten. Schon fast achtlos liessen wir die von uns in den vergangenen Tagen regelmässig besuchte Bergbeiz Alpetta links liegen. Vorsichtig querten wir die Pisten um dann auf einer gemischt genutzten Spur aufzusteigen. Im Gebiet Sur Bos-cha trennten sich Piste und Winterwanderweg – in leichtem auf und ab erreichten wir nach ca. 5 km nahe Taslaina die Traumpiste, welche wir vorsichtig querten (heute kein Problem, da wenig «Verkehr»). Unser Ziel war die schön gelegene Sömmi Bar (2015 m.ü.M.), eine einfache Hütte. Gulaschsuppe, Hirschsalzi, Senterkäse, und zum Dessert Berliner – weisch wie fein!! Hier oben zeigte sich heute auch erstmals die Sonne, so dass der Blick frei war zu den Unterengadiner Dolomiten (Piz Lischana und Konsorten). Unter uns lagen Scuol und Sent in einer grauen Suppe. Gestärkt und vergnügt nahmen wir den weiteren Abstieg unter die Schneeschuhe. Gleich unter der Hütte verlief die breite Spur nahe P.1891 ins enge Val Spadla, entlang der nahen Traumpiste, welche wir aber bald aus den Augen verloren. Wir hatten unsere eigene Traumpiste. Unser nächstes Ziel war das Restorant da Muntogna Vastur (ca. 1650 m.ü.M.). Sonne und aufziehende Nebelschwaden wechselten sich ab, so dass wir den Hauskafi in der gemütliche (vom Vorabend noch immer Fondue-geschwängerten) Stube genossen. Eigentlich stünden hier für die Abfahrt auf der Alpstrasse (ca. 3 km) auch Schlitten zur Verfügung – wegen des doch leicht höheren Alkoholpegels trauten wir uns nicht so richtig😊. Ab hier stiegen unsere Freunde direkt nach Scuol hinunter; wir blieben auf dem verschneiten Weg nach Sent hinunter. Die ca. 220 m Abstieg wären übrigens auch problemlos ohne Schneeschuhe zurück zu legen. Beim Schlittendepot nahe Hof Ils Clüs kurz vor Sent entledigten wir uns der Hilfsmittel. Der Weiterweg führte durch das schluchtartige Val da Muligns, und bald erreichten wir die Ortsmitte, wo wir die vielen schönen Senter Häuser bestaunen konnten. Am Pflotsch auf der Strasse war unschwer zu erkennen, dass es hier unten geregnet haben musste. Am Plaz angelangt, begegneten wir ein zweites Mal dem sympathischen Senter Künstler Not Vital, der übrigens gestern Abend in «unserer» Pensiun Aldier den 70. Geburtstag feierte. Wir (Not und Ruedi) sind also Jahrgänger, unsere Geburtstage liegen zwölf Tage auseinander… – schon speziell.

Auf der etwas übertrieben als hochalpine Winterwanderung beworbenen Strecke begegneten wir trotz des nahen Skigebiets wenigen Gleichgesinnten.

Fazit:
Ein tolles Winterwander-Erlebnis mit unseren Freunden Manuela und Thomas – danke, mit euch beiden wars schön!

Wetterverhältnisse:
Ideales Winterwanderwetter, viel Schnee, ab Mittag sogar freundlich-sonnig, auf unserer Tour anfänglich leichter Schneefall bei ca. 0°, wenig Wind.

Lawinengefahr:
Laut SLF Stufe 3 erheblich

Hilfsmittel:
Schneeschuhe, Stöcke, GPS-Maschine

Parameter:
Tour-Datum: 16. Februar 2018
Schwierigkeit: WT2 (dank gut präparierter Spur)
Anfahrt: ÖV (Postauto), Bergfahrt ab Scuol Staziun bis Motta Naluns
Strecke: 12 km, Bergstation Motta Naluns (2146 m) – Jonvrai (2158 m) – Sur Bos-cha –  Sömmi Bar (2015 m.ü.M.) – P.1891 – Vastur – Ilss Clüs – Sent (1430 m)
Aufstieg: ca. 336 m
Abstieg: ca. -1051 m(!)
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std. 30 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen 3 Std. 15 Min. (wie waren also sportlich unterwegs…)
Tageszeit: 10:40 bis 16:10 Uhr

Kamera:
Sony DSC-HV90V